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Zuletzt bearbeitet am 23.7.2002
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Meditation
- auch nicht besser als Dösen?
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Rolf Degen zitiert in seinem "Lexikon der Psycho-Irrtümer" (2002)
aus dem Lexikon "Microsoft Encarta":
"Heutzutage wird die Meditation häufig auch als nichtreligiöse
Methode zur Entspannung und zum Abbau von Stress eingesetzt. Die Behauptung,
sie sei von gesundheitlichem Nutzen, wird durch wissenschaftliche Untersuchungen
gestützt, die zeigen, dass die Meditation die Hirnströme verändern,
physiologische Veränderungen hervorrufen und langfristig zu einer
psychischen Besserung führen kann."
Derselbe Satz steht unverändert auch noch in der Ausgabe 2002 des
Microsoft-Lexikons.
Rolf Degen schreibt dazu im Kapitel "Schein-Heil im Lotussitz":
"Es ist völlig rätselhaft, woher die Beweise für
solche hochtrabenden Aussagen stammen sollen: Alle sorgfältigen empirischen
Forschungs- arbeiten der letzten Jahre haben die schöngeistigen Gedankengebäude
der Versunkenheits- Propheten demoliert wie ein Elefant einen Laden mit
chinesischer Keramik. Die Meditation, so das übereinstimmende Fazit
der Untersucher, ist vom Effekt her nur eine verkappte Form des Dösens,
die keine spezifischen gesundheitlichen Vorteile mit sich bringt. Manch
ein Guru wird vermutlich empört darauf pochen, dass eben seine besondere
Meditationstechnik von den Forschern (noch) nicht getestet wurde. Doch
dieser Einwand ist nicht besonders überzeugend, kontert der Psychologe
David S. Holmes von der University of Kansas, weil in der Vergangenheit
alle getesteten Versenkungsmethoden bei der wissenschaftlichen Qualitätskontrolle
durchgefallen sind."
Rolf Degen hat das schon über ein Jahrzehnt früher in der Zeitschrift
PSYCHOLOGIE HEUTE (Ausgabe unbekannt, zitiert nach IDK
III/89 8.11.89 http://www.AGPF.de/idk89-3.htm)
in einer rhetorischen Frage zusammengefasst: "Meditieren auch nicht
besser als Dösen?"
Dagegen wäre wenig einzuwenden, so lange Mediation der Entspannung
dient.
Aus zwei Gründen ist jedoch Vorsicht mit dieser Einschätzung
geboten:
-
Exzessive Meditation kann schädlich sein, möglicherweise deshalb,
weil dabei die Grenzen zu anderen Methoden der Herbeiführung veränderter
Wachbewusstseinszustände überschritten werden. Adolf
Dittrich (Ätiologie-unabhängigge Strukturen veränderter
Wachbewusstseinszustände, Enke 1985, S. 65 ff) schreibt, dass sich
die Stimmung während der Meditation "vorübergehend in allen Richtungen
entwickeln" kann, "sowohl Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung wie Glückseligkeit
bis zur rauschhaften Exstase werden beschrieben" (S. 69). Für denjenigen,
der Entspannung sucht, kann das durchaus schädlich sein. Dittrich
meint, dass die Erfolge der Meditation bisher kaum zu beurteilen sind,
"da viele der dazu publizierten Arbeiten methodische Mängel wie fehlende
Kontrollgruppen, unzureichende Vorhermessungen und Nichtberücksichtigung
von "Drop-outs" aufweisen" (S. 68). Möglicherweise wurden diese Mängel
allerdings in jenen Arbeiten vermieden, die Rolf Degen später ausgewertet
hat.
-
Meditation und insbesondere die Ausbildung zum Meditationslehrer wird für
sehr viel Geld verkauft. Die Ausbildung zum Lehrer der Transzendentalen
Meditation (siehe Maharishi-Kult)
kostet 15.000.- Euro (vgl. TM-Preise).
Damit geht es nicht mehr um Freizeitgestaltung, sondern um Marktgeschehen
auf dem Psychomarkt. Die Anbieter müssen sich an den üblichen
Regeln der Wirtschaft messen lassen, bis hin zum verbot des Betruges.
Marktführer auf dem Meditationsmarkt undurchsichtiger Prägung
ist der Maharishi-Kult
mit seiner "Transzendentalen Meditation". Der Begriff ist als Markenzeichen
geschützt, was den kommerziellen Hintergrund verdeutlicht. Wohl wegen
dieses Hintergrundes hat der Maharishi-Kult einen überaus aufwendigen
Prozess
gegen Äusserungen der Bundesregierung geführt (und verloren).
Insbesondere ging es dabei um Warnungen der Bundesregierung vor Gefahren
durch Meditation und vor der unzureichenden Ausbildung der "Lehrer".
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