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CoG - Children of God - The Family - Die Familie - Kinder Gottes


Inge Mamay:
Die Kinder der "Kinder Gottes"


Als "Kinder Gottes" waren sie bekannt für  den Einsatz ihrer weiblichen Mitglieder zur Prostitution.  Als "Family" haben sie diese Praktiken angeblich aufgeben. Was ist die Wahrheit?


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Impressum

Inge Mamay:
Die Kinder der "Kinder Gottes"
Erziehungskonzepte und Erziehungsschicksale
in einer totalitären Sekte
oder
der religiös sanktionierte Kindesmißbrauch



Die Autorin: E-Mail: Wohnhof@aol.com


Abschluß dieser Arbeit:  1.12.97


Inhaltsverzeichnis
Danksagung
Vorwort
1 Einleitung

2 Überblick
über den Gründer der "Kinder Gottes", die Struktur der Sekte, die Bedeutung der MO-Briefe und das Leben der Kinder von Sektenmitgliedern

2.1 David Berg
2.2 Namen und Strukturen
2.3 Die Verbindlichkeit der MO-Briefe
2.4 Die Bedeutung von Kindern
2.5 Einstellung zu kranken Kindern
2.6 Lügen und Täuschen in der Öffentlichkeit
2.7 Strafen und Disziplinierung
2.8 Grundlegende Briefe für die Sexualpraktiken
2.9 Das Flirty Fishing
2.10 FFing und Kinder
2.11 Kindersex
2.12 Videos und Tänze
2.13 Sex von Erwachsenen mit Kindern
2.14 Mißbrauch von Kindern durch Erwachsene
2.15 Inzest
2.16 Verbot aller Formen von Mißbrauch
2.17 Teenagersex
2.18 Sexueller Mißbrauch von Teenagern
2.19 Resümee
3 Die Erziehungskonzepte der "Kinder Gottes"
3.1 Die Vorgaben aus den Anfangsjahren
3.2 Die "Schul-Vision" von 1988
3.3 Die Teen Training Camps
3.4 Das Viktor Programm
3.5 Der philippinische Jumbo
3.6 Macao
3.7 Schulbildung heute
4 Erziehungsschicksale bei den "Kindern Gottes"
4.1 Kristina Jones
4.1.1 Kommentar
4.2 Die Geschichte der Enkeltochter Merry Berg
4.2.1 Kommentar
4.3 Bericht von Debby Padilla
4.3.1 Die Fam. Padilla geht an die Öffentlichkeit
4.3.2 Kommentar
4.4 Rachel Sand
4.4.1 Kommentar
4.5 Dalva Lynch
5 Pädagogische Wertung
5.1 Veränderungen bei den "Kindern Gottes"
5.2 Fragwürdigkeit von wissenschaftlichen Methoden zur Bewertung
5.3 Kriterien für eine gute Erziehung und damit gesunde Kindheit
5.4 Fehlende Hilfe für die Opfer
5.5 Pädagogisches Plädoyer zur Einhaltung der Menschenrechte
5.6 Was sollte getan werden?
5.7 Resümee
6 Literaturliste



Danksagung

Ich danke Hildegard Nußbaum für die Unterlagen aus ihrem Archiv und die Kontaktvermittlung zu Betroffenen durch die Sekte "Kinder Gottes".
Ohne ihr jahrelanges Engagement für die Kinder der Sektenmitglieder wäre die Arbeit in der vorliegenden Form nicht möglich gewesen.
 



Vorwort
"Wenn man sich mit den Kindern Gottes auseinandersetzt, ist es so vergeblich, die Besprechung sexuller Dinge zu vermeiden, wie man Schnee am Nordpol im tiefsten Winter nicht vermeiden kann."(AJEMIAN 1992, S.1)

Die hier vorgelegte Arbeit ist voll von Aussagen und Zitaten über Sex, weil die Lehre und Geschichte der "Kinder Gottes" davon erheblich durchdrungen ist und dadurch die Erziehung ihrer Kinder mit bestimmt.
Die "Kinder Gottes" sind eine aus den USA stammende Sekte, die seit Mitte der 70er Jahre in Deutschland bekannt geworden ist. Sie nennt sich nach mehreren Namensänderungen heute: The Family.
Die hier beschriebenen Schicksale ihrer Kinder lesen sich wie Produkte einer kranken Phantasie und sind doch nur Beispiele eines Unrechts, das unzählige Male stattfand.

Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung von Kinderschicksalen in einer totalitären Sekte, um ihre Not und Hilflosigkeit öffentlich zu machen.

Ich will die in der Gesellschaft gängige Vorstellung von Sektenmitgliedern speziell dieser relativ kleinen Gruppe von "Kindern Gottes" als harmlosen, religiös andersdenkenden Menschen als falsch, ja gefährlich naiv anprangern und revidieren helfen.

Ich will, daß der Gesetzgeber wacher und schärfer auf die Machenschaften innerhalb geschlossener Systeme achtet und nicht aufgrund der gesetzlich garantierten Religionsfreiheit (Art.4 GG) zuläßt, daß Kinder in menschenunwürdiger Weise Schicksale erleiden müssen, denen sie hilflos und schutzlos ausgesetzt sind, weil sie keine Lobby haben.

Ich will klar zeigen, daß das Leben in einer Sekte zwei unterschiedliche Realitäten aufweist: eine schöne und begehrenswerte Darstellungsweise für die Öffentlichkeit und ein knallhartes, unbarmherziges und menschenverachtendes Regime innerhalb der Gruppe für die Mitglieder.

Dazu verwende ich sekteninterne Literatur, ein englisches Gerichtsurteil von 1995 in deutscher Übersetzung, Publikationen, die sich mit Sekten und speziell mit den "Kindern Gottes" beschäftigen und last not least mein seit 2o Jahren angesammeltes Wissen und Material über die Praktiken dieser Sekte.
Ich verwende den alten Namen "Kinder Gottes". In den Berichten werden sie COG (Children of God) oder The Family genannt.

Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung mit den "Kindern Gottes" und des vorliegenden Materials ist es mir nicht möglich, einen objektiven Standpunkt einzunehmen und Wertungen zu vermeiden.

Ich habe diese Arbeit in 4 Teilen angefertigt:

nach einer Einleitung, die meinen Bezug und meine Einstellung zu den "Kindern Gottes" und ihrem Gründer David Berg verdeutlicht, gebe ich im 1. Teil einen geschichtlichen Überblick mit der Beschreibung, wie das Aufwachsen und Leben in der Sekte für die Kinder aussah. Dabei befasse ich mich auch mit der Person Bergs, um herauszuarbeiten, daß die Lehre dieses Mannes der geistige Nährboden für das Leben bei den "Kindern Gottes" war und ist.

Im zweiten Teil stelle ich die Erziehungskonzepte dar und im dritten Teil folgen Berichte über Erziehungsschicksale von ehemaligen Mitgliedern, die in der Sekte aufwuchsen.

Nicht, daß es solche Berichte von ehemaligen Mitgliedern nicht schon gegeben hätte! Die Beobachter der Sektenszene wußten seit Jahren über die Binnenstruktur und die Vorgänge bei den "Kindern Gottes" Bescheid. Neu ist, daß die jetzt vorliegenden Berichte von den Kindern der "Kinder Gottes" geschrieben wurden, also der 2. Generation. Und einmalig ist, daß die Berichte juristisch als wahr belegt sind.

Der vierte Teil enthält eine Bewertung.


Einleitung

Als ich 1975 die "Kinder Gottes" in Rom kennenlernte, stellten sie sich mir als bibeltreue Christen vor, die eine radikale Umkehr vollzogen hätten gemäß dem Bibelvers bei Lukas 14, Vers 33: "Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet."(Die Bibel 1980, S.1179)
Dies bedeutete für sie: Übergabe allen persönlichen Besitzes, Aufgabe von bisherigen sozialen Beziehungen, besonders der zu den Eltern, Abbruch von Schule, Studium und Beruf, um "Vollzeitjünger" zu werden; ein revolutionäres, radikales, kompromißloses christliches Leben zu führen und das Evangelium allen Menschen zu verkünden.
Ich war sehr beeindruckt und verbrachte einige Zeit in einer ihrer Wohnungen in Rom, damals "Kolonie", später "Home" genannt. Dort gab man mir zu meiner spirituellen und theologischen Unterweisung aber nicht die Bibel, sondern billige, im Komikstil verfaßte Traktätchen des "Endzeitpropheten" Mose David, alias David Berg. Diese "MO-Briefe" wurden als ernstzunehmende, göttlich inspirierte Wahrheit betrachtet. Mir gelang es nicht, diese Sichtweise zu übernehmen. Ich war irritiert, um nicht zu sagen peinlich berührt über diese Wertschätzung, denn Sprachstil, Form und Inhalt waren primitiv. Im MO-Brief "Heilige Löcher" las ich:
"Wo würden wir ohne Löcher sein? Wo würden die Leute ohne sieben Löcher in ihren Köpfen sein? (Zähle sie!) -- Und tatsächlich hast du viel mehr Löcher als diese, denn jede kleine Pore in deiner Haut ist ein Loch. ... Und hätte es nicht dieses Loch gegeben, hätte deine Mami dich nie haben können, und dein Papa hätte sie nie dazu bringen können, dich zu haben. Denn sein Penis hat ein Loch, und ihre Vagina ist ein Loch, und ihre Gebärmutter ist ein Loch, und ihre Eierstöcke sind Löcher... Du bist wirklich voll von Löchern!... Wie kam ich überhaupt dazu, über Löcher nachzudenken?-- Es muß der Heilige Geist gewesen sein. ... Jetzt laßt uns singen: "Heilig, heilig, heilig!" Es ist ein sehr heiliges Lied, denn du mußt voll von Löchern sein, um heilig zu sein.--Richtig? ... Und ich hoffe, dein Loch kriegt´s mit, OK? (Es wird, wenn du Liebe machst!) "Heilig, heilig, heilig! - Herr Allmächtiger Gott!" Wußtest du, daß Gott sehr heilig ist? ... Ist Gott nicht lustig? - Er ist ganz voll von Löchern wie du und ich! Darum ist Er so heilig! ... Hohl-eluja! Kapiert! Das ist ein Loch voll von Lob für Gott!"(BERG 1973)

Als katholisch aufgewachsene Christin war mir religiöse Sprache vertraut. Diese hier war es mit Sicherheit nicht!

Nachdem ich die Gruppe verlassen hatte, erfuhr ich, daß sie eine der damals so genannten "Jugendsekten" war. Dieser Begriff aus den 70er Jahren bezeichnete das damals neue Phänomen von religiösen Bewegungen, die ihre Anhänger überwiegend aus den Reihen der jungen Erwachsenen des Mittelstandes rekrutierte (vgl. HAACK 1979).

Unter Sekte versteht man im allgemeinen eine kleine religiöse Gemeinschaft, die sich von einer großen Glaubensgemeinschaft losgelöst hat, weil sie andere Werte und Glaubensinhalte für wichtig hält und leben will. Der an sich neutrale Begriff Sekte wird heute oft als Negativbeschreibung für pseudoreligiöse Bewegungen verwendet, die unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit Profitstreben und Machtansprüche verstecken, auf Kosten von Wohlergehen und Gesundheit ihrer Anhänger (vgl. HEMMINGER 1995; KLOSINSKI 1996).

Die "Kinder Gottes" wurden gegründet und geleitet von David Berg, 1919 in Oakland/Kalifornien geboren. Er schrieb über sich selber:
"Viele Propheten Gottes prophezeiten über mich, daß ich vom Mutterleib an mit dem Heiligen Geist gefüllt sei, ... daß ich große Dinge tun würde - einige haben sich schon erfüllt! ... daß ich wie Mose, und sogar wie David sein würde in dem Dienst, den Gott mir zuteilen würde."(BERG 1972)

Nachdem der Generalstaatsanwalt in New York 1974 einen Untersuchungsbericht veröffentlicht hatte, in dem er den "Kindern Gottes" Entführungen, Vergewaltigungen und die Versklavung ihrer Mitglieder vorwarf (vgl. Wallenstein 1974), verließ Berg die USA praktisch über Nacht und lebte seitdem immer in Verstecken, aus denen er mit einer ungeheuren Flut von "MO-Briefen" seine Anhänger führte.
Bei meinen damals unternommenen Recherchen über die "Kinder Gottes" fand ich bald heraus, daß die Briefe nicht wohlwollende Vorschläge für ein christliches Leben innerhalb der Gemeinschaft darstellten, sondern klare Anweisungen enthielten, über deren Befolgung und Ausführung nicht diskutiert wurde. Wenn "Gottes Prophet" etwas befahl, folgten ihm die "Kinder Gottes" im Glauben an seine Unfehlbarkeit blind gehorsam nach.
Schon früh wurde ich stutzig über Anweisungen, die das bewußte Täuschen der Öffentlicheit forderten und mit Bibelsprüchen rechtfertigten. So wurde beispielsweise beim "litnessen" (d.h. beim verteilen der MO-Briefe und betteln auf der Straße), oft behauptet, man gehöre zu einer christlichen Organisation, die in der Drogenrehabilitation arbeite und dafür Geld sammele. Oder man sei in der Jugendarbeit tätig, unterhalte einen Kindergarten, usw. Nichts davon entsprach der Wahrheit!
Diese Anweisungen standen natürlich nicht in den MO-Briefen, die der Allgemeinheit zugänglich waren, sondern in solchen, die nach einem gestaffelten System nur von den Mitgliedern oder nur von den Leitern gelesen werden durften.
Bereits 1977 merkte ich beim Lesen der nicht-öffentlichen Briefe mit Entsetzen, wie David Berg Strukturen zu legen begann, die zu religiös motivierter Prostitution und zum Kindersex und Kindesmißbrauch führen sollten. Das FFing, das "flirty fishing" als Missionsmethode wurde eingeführt.
Ich interviewte 1978 eine Holländerin, die die "Kinder Gottes" verlassen hatte, zu diesem Thema und kam zu dem Schluß, daß mit Sicherheit alle Erwachsenen das FFing praktizierten.
Das von mir geführte Tonbandinterview wurde in mehreren Publikationen veröffentlicht. Es galt mit als Beweis für die damals schon bekannte Tatsache der Prostitution und des Kindesmißbrauchs.

Was war das für ein Mensch, dieser David Berg oder Mose David, Father Mo, Dad, Grandpa, König und Prophet, wie er sich nennen ließ?
Ein sexbesessener Alkoholiker, dessen im Rausch von sich gelassenen Phantasien göttliche Inspiration zugemessen wurde? Eine Textprobe aus dem MO-Brief "Mocumba" weist in diese Richtung:
"(Früh am Morgen MACHTE ICH MICH BEREIT LIEBE ZU MACHEN, als plötzlich diese riesige wunderschöne nackte schwarze Göttin von oben auf mir landete, mich wild liebte und mich schnell kommen ließ! ... SIE IST WUNDERSCHÖN! SO HÜBSCH! -- UND SO SCHWARZ! Sie ist so süß, sie muß mich lieben. Sie ist wunderschön, so schön! Sie schaute einfach so süß auf mich herunter, so mitfühlend. Dann kniete sie sich einfach nieder und legte ihrs auf meinen und ging los wie verrückt... GROSSE SCHÖNE SCHWARZE GÖTTIN MOCUMBA! Ich rief nach Mocumba und sie kam! ... SIE IST GLÄNZEND SCHWARZ! Sie ist so schwarz wie Ebenholz! Prachtvolle Brüste! Sie ist riesig! Sie ist ein Riese! Sie muß ein weiblicher Riese sein! Es muß einige schwarze Riesen gegeben haben. Wenn es männliche Riesen gegeben hat, muß es einige weibliche Riesen gegeben haben. ... HAST DU SIE GEHÖRT? Oh! Ich dachte, sie würde ihn wegbumsen! Oh mein Gott, durch Mocumba, was haltet ihr davon! Ist das nicht komisch! Sie ließ mich wirklich kommen, brachte MO zum Kommen! ... ICH HABE NIEMALS BEMERKT, DASS EINE SCHWARZE FRAU SO SCHÖN SEIN KANN! Sie mußte nicht einmal ihre Hand gebrauchen, sie sank einfach direkt auf mich herunter und traf sofort ins Schwarze, alle 19 Zentimeter davon!"(BERG 1976)
Daß David Berg Alkoholiker war, gab er übrigens selber zu in dem MO-Brief "My confession - I was an Alcoholic", 1982.

Ich will mit dieser Arbeit hauptsächlich auf das Schicksal der Sektenkinder aufmerksam machen und darstellen, wie ihre Erziehung aussah und was aus ihnen wurde. Dabei bekam ich unerwartete Hilfe: ein erst im Oktober 1995 veröffentlichtes Gerichtsurteil zu einem Vormundschaftsfall in England belegt die Tatsache des Kindesmißbrauchs und anderer Übergriffe. Auch der Richter konnte sich beim Schreiben des fast 3oo Seiten umfassenden Urteils emotionaler Äußerungen nicht enthalten, z.B. nannte er es "brechreizerregend", als ihm die Wortbedeutung von "come-union" aufging (= gemeinsames "Kommen" beim Sex von mehreren Paaren). Im Vorwort des Urteils wird die Veröffentlichung ausdrücklich gestattet, es enthält jedoch außer dem Namen des Richters keine Akten- oder sonstigen Bezugsnummern.

Das Urteil ist eine wesentliche Grundlage für diese Arbeit. Zum Zeitpunkt der Erstellung ist es in Deutschland nur sehr wenigen Fachleuten bekannt. Es liegt mir im englischen Original und teilweise in deutscher Übersetzung vor. Bei Zitaten aus diesem Urteil und anderer englischer Originalliteratur verwende ich der leichteren Lesbarkeit wegen Übersetzungen.

Der Prozeß dauerte 3 Jahre und deckte mit schonungsloser Offenheit die Sexualpraktiken mit Kindern auch des David Berg auf. Dieser schlug wild vor Zorn über die "Lügen des Systems" in seinen Briefen um sich. Er ging sogar soweit, in Parallele zu Jonestown, Waco/Texas und anderen Massenselbstmorden in der Schweiz den Freitod als letzte Möglichkeit der Flucht biblisch zu begründen.
Dann wurde die Öffentlichkeit über seinen Tod informiert. Er starb im November 1994 nach Abschluß der Ermittlungen. Todesort und Datum wurden nicht bekannt gegeben. Daher sprechen manche Kenner der Szene nur von einem "angeblichen" Tod, da es zum Wesen und Charakter dieses Mannes passen würde, sich auf diese Weise ein weiteres Mal der Verantwortung zu entziehen.
Da das englische Gerichtsurteil hier oft als Quelle verwendet wird, ist es angebracht, die Hintergründe und Begleitumstände dieses Prozesses kurz zu beleuchten: eine Großmutter beantragte das Sorgerecht für ihr in der Sekte geborenes Enkelkind mit der Begründung, daß die Kinder in der Sekte besonders streng diszipliniert würden durch Vorenthalten von Nahrung, körperlicher Bestrafung, Zwangsarbeiten, erzwungenem Sprechverbot, Demütigungen und Schikanen.

Obwohl der Richter den "Kindern Gottes" alle zur Last gelegten Anklagepunkte präzise nachweisen konnte, (und zwar gegen vielfältige Widerstände in Form von Falschaussagen, Verdrehungen, Halbwahrheiten und Lügen) sprach er das Kind der Sektenmutter zu mit der Begründung, daß durch den langen Verlauf des Prozesses bei den Verantwortlichen der "Kinder Gottes" eine Veränderung eingetreten sei mit dem Ergebnis, daß es die üblen Vorkommnisse so nicht mehr geben werde. Somit würde für das betreffende Kind der befürchtete Schaden nicht mehr eintreffen.

Die Verantwortlichen der "Kinder Gottes" versicherten dem Richter, es solle nun alles anders werden. In einer Art Manifest, der "LOVE CHARTER", wurden alle Veränderungen innerhalb der Sekte und besonders Veränderungen in der Erziehung niedergeschrieben. Da aber etliche Schriften des Sektengründers, deren Inhalt Ursache für viele Scheußlichkeiten war, als Pflichtlektüre genannt sind, bleibt z.Zt. absolut offen, ob sich diese Gruppe tatsächlich geändert hat.
Dazu kommt der starke Eindruck, daß diese Änderungen aufgrund des öffentlichen Drucks und nicht aufgrund grundlegend geänderter moralischer Einstellungen und Bedenken eingeführt wurden.
Für sehr, sehr viele mißbrauchte Kinder käme diese Veränderung ohnehin zu spät. Mit Entschuldigungen seitens der Verantwortlichen allein ist der Schaden nicht mehr gutzumachen.



Überblick
über den Gründer der "Kinder Gottes",
die Struktur der Sekte,
die Bedeutung der MO-Briefe
und das Leben der Kinder von Sektenmitgliedern
David Berg
In ihrem Buch: "Die ungeschminkte Wahrheit" schreibt Deborah Davis über ihren Vater:
"Als er noch ein kleiner Junge war, vergötterte ihn seine Mutter geradezu und behandelte ihn so, als ob er überhaupt nichts Böses tun könnte. Er mußte sich nie einer Autorität beugen, man brachte ihm nie Charakterstärke bei. Er mußte keine Fehler zugeben, keine eigene Schuld anerkennen oder um Verzeihung bitten. Nie hat er erfahren, wie demütig es macht, die Wahrheit zu sagen. Mit der Zeit entwickelte mein Vater einen Verfolgungswahn, der noch bis heute anhält:"Alle beurteilen mich falsch; keiner versteht mich; ich werde falsch behandelt, und niemand erkennt mein wahres Genie."(Davis 1985, S.35f)
Sie berichtet detailliert über seinen Werdegang, der zusammengefaßt so aussieht:
Als Kind reiste er mit seiner Mutter, einer bekannten Predigerin, zu Evangelisationen überall in den Vereinigten Staaten umher. 1941 wird er zum Militärdienst eingezogen, jedoch bald aufgrund von Krankheit entlassen. 1944 heiratet er Jane Miller; aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Von 1949 bis 1951 arbeitete er als Pfarrer einer Gemeinde in Arizona, wo er angeblich wegen einem sexuellen Skandal entlassen wird. Er selber benennt eine andere Ursache. Deborah hält die Version des sexuellen Skandals wegen der Schwächen ihres Vaters für sehr wahrscheinlich. 1951 bricht er mit dem "Kirchensystem". Von 1952 bis 1967 arbeitet er für Fred Jordans Fernsehsendung: "Die Kirche zuhause".
"Die beiden konnten offenbar gut zusammenarbeiten. Vater lernte viele geschäftliche Tricks durch ihn, und nicht alle dieser Tricks waren sauber. Er entwickelte die Anschauung, daß es ganz in Ordnung ist, die Tatsachen so darzustellen, wie man will, wenn nur positive Ergebnisse dabei herauskommen. "Wir tun ja eine gute Arbeit für den Herrn, das darf man nicht vergessen!" Fred Jordan war nach meiner Großmutter der zweite Mensch, der einen zentralen Einfluß auf das Leben und den Charakter David Bergs ausübte."(Davis 1985, S.36/37)
Danach reiste er ohne Arbeitsstelle in den Vereinigten Staaten umher, um zu predigen. Dabei entwickelte er eine erfolgreiche Methode gerade im Umgang mit jungen Menschen. Schließlich begann er für seine Mutter zu arbeiten, die sich in Huntington Beach/Kalifornien um Hippies und gesellschaftliche Aussteiger kümmerte. Diese fühlten sich von ihm angezogen(Vgl. Davis 1985, S.37).
Berg war mittlerweile 48 Jahre alt und Deborah beschreibt seinen damaligen Zustand so:
"David Bergs Entwicklung als Evangelist und Pfarrer ließ in ihm Bitterkeit und Groll zurück. Er wurde zu einem Mann, der mit sich selbst und mit dem christlichen Glauben, den er eigentlich vertreten sollte, uneins war. Er hatte als Pfarrer versagt, und sein Verhalten stand in völligem Widerspruch zur biblischen Moral. Deswegen lehnte er die Moral der Heiligen Schrift ab und begann, sie ganz neu zu definieren. Seine Minderwertigkeitsgefühle wurden erheblich verstärkt, als die Fehlschläge seines Lebens zu einer bedrohlichen Flut wurden. All das trieb ihn dazu, eine Stellung anzustreben, in der er selbst als die letzte Autorität gelten konnte.
1967 war mein Vater wie ein schwankendes Schiff, das auf dem Meer der eigenen Sündhaftigkeit hin- und hergeworfen wird. Die Größe und Herrlichkeit des Christentums und des Evangeliums von Jesus Christus war degeneriert zu einem bloßen Werkzeug, mit dem selbstsüchtige Ziele und perverse Wünsche erreicht werden sollten."(Davis 1985, S.45/46)
1969 gab ein Journalist der wachsenden Gruppe um Berg den Namen "Kinder Gottes". David Berg wurde als "Moses" bekannt (Vgl. Urteil 1995, S.11/12). Ebenfalls seit 1969 unterhielt Berg eine außereheliche Beziehung zu Karen Zerby, die heute als "Maria" bekannt ist.
"Sie wurde Sekretärin und Geliebte des Propheten, die wichtigste Königin der "Kinder Gottes."(Davis 1985, S.60)
197o reiste Berg ins Ausland und lebte seit dieser Zeit versteckt mit wenigen Auserwählten. Er begann, die MO-Briefe zu schreiben. Nicht einmal die Mitglieder wußten, wo er sich aufhielt, bis es Reportern des "STERN" 1977 gelang, ihn in Portugal in einem Nachtklub aufzuspüren und zu fotografieren. Noch in derselben Nacht verschwand Berg aus Portugal (vgl. Referat für Weltanschauungsfragen 1992, S. 8).
Lordrichter Ward beschreibt den Anfang der MO-Briefe so:
"197o hatte Berg eine Offenbarung, die als "Alle Dinge"-Offenbarung bekannt wurde und die sich hauptsächlich auf die Stelle der Bibel "Alle Dinge sind für uns erlaubt" (1. Kor. 6;12) stützte. "Alle Dinge" meinte genau, was es sagte und daraus entwickelte sich der grundlegende Glaubenssatz, daß alle Dinge, wohlgemerkt einschließlich der Genuß sexueller Freiheit, erlaubt sei für jene, die durch Liebe motiviert seien."(Urteil 1995, S.11)
Und Lordrichter Ward bewertet David Berg:
"Ich bin völlig überzeugt, daß er von Sex besessen war und daß er zu einem perversen Mann wurde, der seine Herde rücksichtslos verführte und vielen von ihnen ernsten Schaden zufügte, wobei er aber keinen Versuch unternahm, ihn wieder gutzumachen und für den er nie die persönliche Verantwortung übernahm. Scheinheilig lebte er nie das, was er predigte, nämlich daß Bekenntnis und Reue gut für die Seele seien. Jetzt ist er tot. Möge der Herr seiner Seele gnädig sein. Es wird viele geben, die sein Ableben nicht betrauern."(Urteil 1995, S.127)

Ganz anders bewerten die treuen Anhänger David Berg. Peter Amsterdam, heute einer der Topleader, schrieb an den Lordrichter:
"Die Family hält Father David für einen Propheten Gottes. Es ist Teil unseres religiösen Glaubens, daß Father David oft "durch göttliche Inspiration spricht". Er ist "eine Person, begabt mit tiefer moralischer Einsicht und außerordentlicher Kraft des Ausdrucks" und er ist "Vorhersager". ... Sowohl durch unseren ernsten religiösen Glauben, als auch durch die Auslegung des Wortes Gottes betrachten wir Father David zurecht als einen Propheten. ... Wir achten und lieben ihn wegen der tiefgreifenden Auswirkungen, die er auf unser Leben hatte und wir schätzen ihn, weil er eine Organisation geschaffen hat, die es uns erlaubt, unseren religiösen Glauben zu leben und das zu tun, wovon wir fühlen, daß es für Gott bedeutend ist."(Urteil 1995, S.24)
Ohne diese Liebe und ohne diesen unerschütterlichen Glauben an Berg ist die Verhaltensweise der Gruppe ihren Kindern gegenüber nicht zu verstehen.



Namen und Strukturen

Die Gruppe ist hierarchisch aufgebaut und wurde mehrfach umstrukturiert und umbenannt, entsprechend der jeweiligen Prophezeiungen und Anweisungen Bergs. Lordrichter Ward läßt keinen Zweifel daran, daß es trotz der häufigen Namensänderungen eine fortlaufende Linie gab. Er beschreibt den momentanen Aufbau der Gruppe, die 1981 nach der "Fellowship Revolution" den Namen "Familie der Liebe" annahm und sich heute "The Familiy" nennt.
An der Spitze standen Berg und seine zweite Frau Maria, die heute seine Nachfolgerin ist. Sie wurden unterstützt von "World Services", einer Führungsclique und dem Verwaltungszweig mit Peter Amsterdam und Gary (Nachname unbekannt) an der Spitze.
Die CRO (Amerikanische, Pazifische und Europäische Central Reporting Organsiation) sind "World Services" unterstellt. EUCRO ist die Europäische Organisation, der auch das "Childcare Team Work" angehört. Sie stehen über den "nationalen Hirten". Unter "Hirten" sind Leiter und Führungspersonen zu verstehen. Nach den "nationalen Hirten" folgen die "Distrikt-Hirten", die "Lokalgebiet-Hirten" und die "Home-Hirten". "Home" ist die übliche Bezeichnung für eine Wohnung, in der die Sektenmitglieder (meist nur vorübergehend) leben. Home-Hirten stehen auf der untersten Hierachiestufe. Sie bestimmen in dieser einen Wohnung über Kommen und Gehen, Aktivitäten und Finanzen. Im "Teamwork" arbeiten alle zusammen.
"Die Aufgabe von "Teamwork" ist es, die Last der Verantwortung bei Entscheidungen zu verteilen und Überprüfung und Ausgleich gegen Mißbrauch zu gewährleisten."(Urteil 1995, S.14)
Das "Creation Department" ist ein weiterer Zweig der Hauptverwaltungsorganisation, welches die Publikationen erstellt. Sie berichten direkt an Maria.
Zu den Finanzen schreibt Lordrichter Ward:
"Ich weiß wenig über das finanzielle Management, habe aber einige Aussagen, daß die Organisation beachtlichen Reichtum durch Flirty Fishing, durch die Publikationen und zuletzt durch das sich ausdehnende Geschäft mit den Videos angesammelt hat."(Urteil 1995, S.14)
Die Zahl der Mitglieder wird im Gerichtsurteil mit 12 ooo geschätzt; nach eigenen Angaben von 1994 geben die "Kinder Gottes" ihre Zahl mit 9ooo an (vgl. EIMUTH 1996, S.44). Auch Frau Nußbaum nannte mir die Zahl von 9ooo Mitgliedern, davon mehr als die Hälfte Kinder unter 5 Jahren und im schulpflichtigen Alter.
Es gibt verschiedene Stufen von Mitgliedschaften, von Vollmitgliedern bis zu Sponsoren, die im einzelnen darzustellen m.E. für diese Arbeit nicht weiter wichtig sind.


Die Verbindlichkeit der MO-Briefe

Die MO-Briefe waren von Anfang an die Richtlinie für alle Aktivitäten, Verhaltensweisen und Glaubensinhalte. Sie durften nicht kritisiert oder hinterfragt werden.
Berg drückt sich klar aus:
"Wir haben von einigen Fällen gehört, in denen die Führer die Bedeutung meiner Briefe durch ihr Handeln oder durch die Interpretation geändert haben. Meine Briefe bedeuten genau das, was sie sagen, wörtlich, und sie müssen von niemand weg-erklärt, spiritualisiert oder reinterpretiert werden!"(BERG 1978)
Für die "Kinder Gottes" sind die MO-Briefe Wort Gottes. Auf dem Gipfeltreffen 1992 wurde folgende Prophezeiung veröffentlicht:
"Wieder und wieder betonte der Herr den Punkt, daß er uns bereits durch die Worte Davids die Richtung gewiesen habe, die wir brauchen. Die wichtigste Botschaft ... war, daß wir zu den Grundlagen zurückkehren sollten, zurück zu dem Plan, den er Dad klar enthüllt hat und das befolgen und tun, was bereits geschrieben ist. Bei dem letzten Treffen sagte der Herr: "Sehet ihr nicht, daß Gehorsam zu den Worten Davids der Schlüssel ist?" ... Es scheint, daß Er uns durch diese Prophezeiungen wieder betonen wollte, wie wichtig das Lesen und Leben der Briefe sei."(Urteil 1995, S.3o)
Berg selber schreibt 1989 mit unmißverständlicher Schärfe, was mit "Ungläubigen" zu geschehen hat:
"2. Unglauben in die Briefe. Leute, die sich dafür schämen, was wir glauben und sich dafür schämen, was ich schreibe, sollten nicht in dieser Armee sein, sie sollten nicht bei uns sein! Wenn ihr in der Armee dieses Mannes sein wollt, dann müßt ihr glauben, was ich zu sagen habe und was ich gesagt habe und was Gott mir eingegeben hat und mir gezeigt hat; oder geht um Gottes Willen weg.
6. Ungehorsam gegenüber den Regeln der Family: Leute, die nicht gehorchen, Leute, die die Briefe ignorieren, die meine zahlreichen Ratschläge und Beratungen über die Sicherheit nicht beachten, gehören einfach nicht in die Family! Gebt mir absoluten Gehorsam und absolute Einhaltung der Vorschriften der Family oder werft sie hinaus!"(Urteil 1995, S.25/26)
Die Themenpalette der MO-Briefe umfaßt enorm viele Bereiche von fatal bis banal. Für diese Arbeit sind Zitate aus den Briefen wichtig, die sich mit Kinderbetreuung und Erziehung, mit Strafen und Disziplinierung und mit Sex in Zusammenhang mit Kindern beschäftigen. Es ist wichtig, den Tenor der Briefe richtig einzuschätzen. Lordrichter Ward bezeichnet einige Briefe als schockierend, blasphemisch und obszön.
Er nennt ein Beispiel:
"Ein Penis? oder ein Schwert!" ... (jetzt dankenswerterweise nicht mehr in Umlauf)
Gott genießt es, dich mit seinem Wort zu ficken, so wie ich es gerade jetzt genieße! Ich ficke dich (Maria) mit dem Wort Gottes und ich genieße es, denn du empfängst es."(BERG, 19761)
Das Zitieren solcher Geschmacklosigkeiten ist deshalb wichtig, weil dies die "göttlich inspirierte" Sprache ist, mit der die Kinder aufwachsen. Sie ist roh und verderbt!
Lordrichter Ward bekennt, daß es schwierig sei, zu einem verläßlichen Schluß zu kommen, wie einflußreich die Briefe sind, da am Prozeß beteiligte Leiter zwar zugeben, daß die Briefe einflußreich seien, jedoch jedes Mitglied die Freiheit habe, ihnen nicht zuzustimmen.
"Der Fachmann Dr. Millikan ist überzeugt, daß die Mitglieder glauben, daß sie die Freiheit zu einer eigenen Überzeugung haben, was stimmen muß, aber die starke Betonung des Gehorsams bringt mich zu dem Schluß, daß die Wahl eher für eine Unterwerfung als für eine Zurückweisung der Schriften Bergs gehen wird."(Urteil 1995, S.3o)


Die Bedeutung von Kindern

In dem Brief "Neue Flaschen" hat Berg seine Vorstellungen über die 2. Generation festgelegt:
"Seid ihr euch bewußt, daß wir eine neue Generation produzieren? Eine neue, mehr revolutionäre Generation. Sie wird, wie ich hoffe, die reinste Generation von allen sein, total revolutionär von Anfang an. Die Kleinen, die geboren werden, werden nie etwas anderes gekannt haben, als unsere Art von Leben! Ich hoffe, daß diese kleinen Kinder von Geburt an wirklich reine Revolutionäre sein werden und wie es bis jetzt aussieht, sind sie es auch! Eure Kinder werden total revolutionär sein, werden nie wissen, was Kirchentum und Systemjobs und Ausbildung sind!"(BERG 1973)
In dem Erfahrungsbericht einer in der Sekte geborenen jungen Frau, die im dritten Teil dieser Arbeit ausführlicher zitiert wird, heißt es dazu:
"Die meisten Kinder fürchteten sich vor den Missionseinsätzen, aber wenn sie das aussprachen, wurden sie bestraft. Die Kinder waren nötig, denn sie weckten Sympathie in Leuten, die erwachsenen Missionaren die Tür vor der Nase zuschlagen würden. So gingen wir im kalten Schweizer Winter von Haus zu Haus, um Plakate gegen Spenden loszuwerden, oder bettelten in der Hitze von Bombay bei armen indischen Studenten und Familien um Beiträge, angeblich für missionarische Zwecke. In Wirklichkeit diente das Sammeln dazu, für Miete und Essen für uns alle aufzukommen, um die großen Familien der COG und die vielen Leute zu versorgen, von denen niemand einen Job oder Aussicht auf eine Karriere hatte. Ich weiß bis heute nicht, was mit dem Gerede über missionarische Arbeit gemeint war."(SAND 1996, S.13)
Die meisten Kinder wurden als "Jesus-Babys" geboren, d.h. sie entstanden zufällig beim FFing und würden später nichts über ihren Erzeuger wissen. Da Verhütungsmittel verboten waren, wurden Kinder regelrecht inflationär gezeugt und geboren. Außerdem gab es die Vorgabe, Kinder nicht als Eigentum der Eltern zu betrachten, sondern als Eigentum der ganzen Gruppe. So konnten viele Eltern zu Missionseinsätzen in andere Länder geschickt werden, während ihre Kinder in einem "Home" von anderen "Kindern Gottes" erzogen (und geschlagen) wurden.
Damit ist auch die Bedeutung von "Familie" klar. In dem MO-Brief "Eine Frau" macht Berg klar, daß er nicht zögern wird, Ehen zu zerstören, die nicht die Arbeit für Gott an die erste Stelle setzen. "Gott will keine anderen Götter vor sich haben, nicht einmal die Heiligkeit des Ehegottes!"(BERG 19721) Ähnliches gilt für die Kinder: "das ist selbstsüchtiges Interesse an Privatbesitz!"(ebd.) Jeder in der Gruppe könnte den Kindern Mutter oder Vater sein.


Einstellung zu kranken Kindern

1981 wurde der Brief "Rotten Apples" veröffentlicht:
"Wir müssen uns bewußt sein, daß, wenn in einer Familie ein zurückgebliebenes, mißgebildetes, chronisch krankes oder behindertes Kind..geboren wird, gewöhnlich etwas nicht in Ordnung ist mit der Mutter oder mit dem Vater und daß Gott sie züchtigt dafür oder versucht, ihnen eine Lektion zu erteilen ... Wir können nicht einem behinderten Soldaten erlauben, die ganze Armee aufzuhalten und nicht einem faulen Apfel, ein ganzes Faß voll zu verderben. Das Problem muß entweder gelöst werden oder die Familie davon befreit werden...Laßt uns alle Lasten abwerfen und diese Früchte der Sünde... und nicht dasitzen und die Zeit verschwenden für einen Haufen Behinderter, die nie in der Lage sein werden, dem Herrn so aufrichtig zu dienen, wie wir es tun!"(BERG 1981)
In dieser vorgegebenen lieblosen und brutalen Einstellung zu behinderten und kranken Kindern wachsen die Sektenkinder auf. Lordrichter Ward stellt anhand der Unterlagen fest, daß es nicht verboten war, medizinische Hilfe zu suchen, daß es aber eine gewisse Zurückhaltung gab, oft zum Schaden des Patienten:
"In den mir vorliegenden Aussagen gibt es Beispiele dafür. JG (Abk. für Zeugen, Anm. d. Verf.) in Rumänien hatte eine Beule im Gesicht, die sich so schlimm entzündete, daß er ernsthaft krank wurde (1992). Seine Bitten, zu einem Arzt gehen zu dürfen oder in ein Spital, wurden abgelehnt. Gebete waren das einzige Mittel, das ihm zur Heilung angeboten wurde. Es wurde ihm gesagt, daß er ein ernstes spirituelles Problem mit Gott haben müsse, wenn er so hart bestraft würde. Er wurde nicht geheilt. Schließlich wurde er doch ins Spital gebracht, aber nicht mehr rechtzeitig. Für diesen jungen Mann hat das nicht seinen Glauben gestärkt: es zerstörte ihn."(Urteil 1995, S. 133)
Eine junge Frau wurde 199o in Argentinien so spät ins Krankenhaus gebracht, daß eine Notoperation nur ihr Leben rettete, aber nicht ihre Eileiter.
Diese wenigen Beispiele mögen als Beweis dafür dienen, wie die MO-Briefe das Verhalten der Mitglieder beeinflussen und dadurch irreparable Schäden anrichten.


Lügen und Täuschen in der Öffentlichkeit

Daß Lügen und Täuschung erlaubt sind, um Gottes Ziele zu erreichen, schreibt Berg in dem Brief "Schwindeln für Gott":
"Lügen ist erlaubt, wenn es einem guten Zweck dient ... Gott macht Ausnahmen bei der Einhaltung des Gesetzes ... Gott selbst verwendet Lügen!"(BERG 1979)
In den Erfahrungsberichten Ehemaliger taucht dieser Punkt immer wieder auf. Selbst die Kinder werden zum Lügen auf der Straße angehalten oder wenn sie zu ihrem Leben bei den "Kindern Gottes" befragt werden. 1992 wurden regelrechte Richtlinien aufgestellt, wie man heikle Fragen beantworten soll.


Strafen und Disziplinierung

Berg empfiehlt zur Disziplinierung von kleinen Kindern das züchtigen mit der Rute. Es scheint ihm auch eine besondere Freude zu machen, sich genüßlich zu diesem Thema auszulassen. In "Hiebe aus Liebe" von 1975 behandelt er die verschiedenen Schlagtechniken und warnt die Eltern, nicht zu früh mit der Bestrafung aufzuhören.
"38. Hast du gewußt, daß sie gewöhnlich am lautesten brüllen, wenn du anfängst, sie zu schlagen? Sogar manchmal, bevor du sie noch getroffen hast? Sie beginnen zu brüllen aus vollem Halse, wie wenn sie umgebracht würden, sie versuchen dein Mitleid zu erregen, versuchen, dich vom Schlagen abzuhalten oder doch nicht so fest zuzuschlagen.
39. ... daß die Zeit, mit dem Schlagen aufzuhören nicht dann ist, wenn sie brüllen, sondern wenn sie mit dem Brüllen aufhören und um Gnade bitten!
4o. Ich verwende gewöhnlich einen Fliegenpracker. Er ist eine schöne, handliche Waffe. ... Nur verwende ich gewöhnlich das Griffende und das sticht, kann ich dir sagen! Manchmal hinterläßt es auch kleine rote Linien, Streifen, aber durch ihre Streifen werden sie geheilt!
42. Ich begann, den Fliegenpracker anzuwenden und - oh weh, wie sie zuerst kreischten, aber dann, wenn ich es ihnen richtig gab ... dann begannen sie richtig um Gnade zu bitten, ich meine richtig. ..."Daddy, bitte, hör auf! Bitte, Daddy, ich verspreche, ich werde es nicht mehr tun, Daddy! Bitte, hör auf, Daddy!" Das klang dann aufrichtig. ...
44. Gib es ihnen, bis du weißt, daß es ihnen wirklich leid tut...
51. ... Züchtigt sie, bessert sie und belehrt und trainiert sie.
68. ... So sind die Wangen ein geeigneter Platz für eine Ohrfeige - der Mund, Hinterteil, Hände und so weiter. Manchmal könnt ihr ihnen auch nur einen guten Schlag in den Rücken geben.
69. Ich hatte eine Methode, die sehr wirkungsvoll war, die Kinder mochten sie aber nicht. Der Schädel ist ein ziemlich sicherer Platz, um sie darauf zu klopfen, wenn sie ein bißchen größer sind und ich benutze dazu meine Fingerknöchel, so, und machte bäng, bäng, bäng gerade auf den Kopf, und Junge, das mochten sie gar nicht."(BERG 1975)

Wieder als Beweis für die Gültigkeit und Umsetzung der MO-Briefe auch in diesem Bereich zitiere ich die Frage eines Vaters :
"Liebster Dad und Maria, vergebt mir, daß ich eure kostbare Zeit beanspruche, aber ich habe ein Problem, das nur durch ein direktes Wort von euch gelöst werden könnte. Dad, hast du sie jemals ... so fest mit dem Gürtel geschlagen, daß es schwarze und blaue Streifen auf ihren kleinen Popos hinterließ? ...Als ich wieder mit meiner Frau und meinen Kindern zusammen war, wollte ich meinem Jüngsten den Hintern mit der Hand verhauen und ich war geschockt durch das, was ich sah. Ich fragte Tamar, meine Frau: was ist mit Stephens Po und seinen Beinen passiert? Sie sagte, das sei von Abraham Gypsy´s Verhauen (ihrem früheren Gefährten). Das war eine Woche, nachdem er sie mir überlassen hatte. ...Bitte mißversteht mich nicht; ich glaube an Kinderdisziplinierung und Verhauen und ich habe meinen Gürtel für ihre Popos benutzt, aber nie so lange und so fest, daß es blaue Flecke gab. Abe beruft sich auf dein Wort von den "Streifen" als Begründung. Aber sind das nicht nur rote Streifen von einer Fliegenklatsche? ... Ich wage zu sagen, wenn ein Arzt Stephens Po untersucht hätte, hätte er mich des Kindesmißbrauchs beschuldigen können. So schlimm waren sie!... Deshalb wieder meine Frage an dich: ist es richtig, ein Kind so fest zu schlagen, daß es schwarze und blaue Flecken auf ihren Popos hinterläßt?"(Good News 1985)
Im Erfahrungsbericht eines ehemaligen Sektenkindes heißt es dazu:
"Strafen waren in aller Regel körperlicher Art, und wenn der Erwachsene meinte, daß wir nicht intensiv beteten, wurden wir wieder und wieder geschlagen, bis wir "im Geist" waren."(SAND 1996, S.12)


Grundlegende Briefe für die Sexualpraktiken

Der Brief "Das Gesetz der Liebe" von 1974 ist der Eckstein der Glaubenssätze und bis heute gültig. Das Deckblatt enthält laut Lordrichter Ward ein "einzigartig abstoßendes Bild":
"Ich finde es gotteslästerlich. Im Hintergrund ist der gekreuzigte Christus, das "Lamm Gottes". Liegend in ähnlicher Kreuzform auf dem Rücken eine nackte Frau mit einem großen Nagel in die Vagina geschlagen ("Dein Lamm"). Die Überschriften waren: "Kann eine Couch dein Kreuz sein? Bist du bereit, genagelt zu werden? Das Gesetz der Liebe!" Ein ähnliches Bild erschien etwa 4 Jahre später in dem Brief "Du bist die Liebe Gottes", der geschrieben wurde, um das Flirty Fishing zu ermutigen, mit folgender Passage:
"Jede von euch Mädchen, die ihr die Arme und Beine ausbreitet auf dem Bett für diese Männer, ist genau wie Jesus, genau wie Jesus."(Urteil 1995, S.38)
Eine noch deutlichere Botschaft enthält der Brief von 1977 "Gottes einziges Gesetz ist Liebe! - Was die Bibel sagt über wahre freie Liebe!"
"Alle Dinge sind mir erlaubt, einschließlich unserer sexuellen Freiheit, solange es in selbstloser, hingebungsvoller Liebe zu Gott geschieht. Nein, wir müssen die 1o Gebote nicht einhalten! Für uns gelten sie nicht mehr! Für uns sind sie für immer vorbei! Danket Gott!"(BERG 1977)
Eine Steigerung, falls es diese überhaupt gibt, steht im 198o veröffentlichten Brief "Der Teufel haßt Sex! - aber Gott liebt ihn!" mit Aussagen zu Inzest und Kindersex:
"...Daß nichts auf der Welt falsch ist an Sex, solange er in Liebe ausgeübt wird. WAS IMMER ES IST, ODER MIT WEM IMMER ES IST, EGAL, WELCHEN ALTERS ODER WELCHER VERWANDTSCHAFT ODER WELCHER ART (von mir hervorgehoben) und das darf man auch im privaten Kreis kaum sagen. Wenn die Justiz je davon erfährt, werden sie versuchen, mich aufzuhängen! Sie würden mich vielleicht noch lynchen, bevor ich ins Gefängnis komme! Als Paulus sagte: "Mir ist alles erlaubt, aber nicht alles frommt!" 1. Kor. 6;12, sagte er damit soviel wie: "Ich kann jede Art von Sex haben, die ich will, aber ich muß mich vor dem System hüten, denn es ist gegen das Gesetz!" (Maria: Zumindest laßt sie es nicht wissen, wenn ihr es tut)... Im privaten Kreis sind wir frei, und das gilt für alles, aber wir würden vielleicht nicht frei sein, wenn sie entdecken, was wir im privaten Kreis tun! Es gibt keine Einschränkungen oder Altersgrenzen in seinem Gesetz der Liebe ...Wenn ihr Sex haßt, seid ihr auch einer von dem Haufen des Teufels."(BERG 1980)
Diese unmißverständlichen Aussagen können nicht ernst genug genommen werden! Sie haben Gültigkeit und sie öffnen Tür und Tor für Kindesmißbrauch und Inzest.
Lordrichter Ward bewertet deshalb auch das Ganze folgendermaßen:
"Ich halte das Gesetz der Liebe für eine gefährliche Lehre, denn indem es die normalen sexuellen Verbote lockert, ermächtigt das Gesetz der Liebe jene mit starken sexuellen Bedürfnissen, aber schwacher Urteilsfähigkeit, willkürlich zu handeln und es erzeugt einen Druck auf die Schwächeren, sich zu unterwerfen, was sie in Wirklichkeit verletzt und ihre Freiheit einschränkt. Kurz, das Gesetz der Liebe war an Mißbrauch Schuld und es war dazu berechnet, Mißbrauch zu ermöglichen."(Urteil 1995, S.43)


Das Flirty Fishing

Berg führt die religiös motivierte Prostitution als Mittel des Missionierens und Geldverdienens ein. Einer der frühesten Briefe dazu erschien 1974 mit dem Titel: "Flirty Little Fish". Mit Bibelversen, Gebeten und Prophezeiungen untermauert er den Prostitutionseinsatz der Frauen (später auch der Männer) als hingebungsvollen Dienst für Jesus. Auch Maria, seine 2. Frau, wird davon nicht ausgenommen. Mit ihr "übt" er sozusagen diese Methode:
"Hilf ihr, oh Gott, Menschen zu fangen, kühn zu sein, unverschämt und schamlos, alles einzusetzen, was sie hat, oh Gott, um Männer für dich einzufangen."(BERG 19741)
Diese Art von Briefen, immer illustriert mit absolut eindeutigen Bildern, waren bis 199o in unbegrenzter Zahl in jedem Home zu finden und auch für Kinder verfügbar.
Die Kinder bekamen von klein auf mit, was ihre Mütter und Väter taten. Sie kannten die Aussagen von "Grandpa" zu den "Jesus-Babys". In einem Comic hält er die beiden von Maria geborenen "Jesus-Babys" auf dem Schoß und erklärt ihnen:
"Gott hat Timothy und Carlos nur dazu benützt, Mama zu ficken, damit sie euch beide haben konnte! Sie waren nur ein Instrument oder Werkzeug, das Jesus half, euch wunderbare kleine Kinder zu schaffen für sein Königreich! Lobet den Herrn!"(Urteil 1995, S.45)
Die Beurteilung von Lordrichter Ward fällt entsprechend hart und eindeutig aus:
"Ich finde, daß Kinder, die so häufig Aktivitäten dieser Art mitansehen mußten und Literatur ausgesetzt waren, die so roh war, daß diese Kinder mißbraucht wurden, denn es wurde ihnen die Sensibilität ihrer Kindheit geraubt und sie wurden dem ausgesetzt, wovor sie hätten geschützt werden sollen."(Urteil 1995, S. 45)


FFing und Kinder

Durch die Praxis des FFing entstand den Kindern ein seelischer Schaden.Ich fasse die Begründungen Lordrichter Wards zusammen:
- sie waren eindeutiger Literatur ausgesetzt,
- sie wußten um die sexuellen Aktivitäten ihrer Eltern mit Fremden,
- sie werden unter dem Wissen leiden, daß sie als "Jesus-Babys" geboren wurden und nie ihren Vater kennenlernen können,
- einige werden die Wahrheit über ihren tatsächlichen Vater erfahren und unter tiefer Enttäuschung leiden.

Die letztlich frauenverachtende Einstellung von Berg unter der sexbesessenen Oberfläche kommt am deutlichsten in dem Brief "The future is here" von 1982 zum Ausdruck, der das FFing für Kinder, bzw. Teenager einführte:
"Vielleicht lernen die Töchter gleich ein wenig FFing von Mama! Whew!!!! Das ist etwas Heißes, Bruder! Veröffentliche es nicht! Aber es ist möglich, daß diese Teenager-Mädchen von 13 und 14 so groß sind, wenn nicht größer, wie ihre Mütter und vielleicht zäher. Sie sind sicherlich stärker und beweglicher und könnten es tun. Sie könnten möglicherweise mehr Sex vertragen als ihre Mütter, die bereits abgenutzt sind durch Sex, Babies und allgemeinem Leben."(BERG 19821)


Kindersex

Daß Kindersex praktiziert wurde, ist eine Tatsache, die nicht nur im englischen Gerichtsurteil vielfach belegt und nachgewiesen wurde.
Dalva Lynch, die 15 Jahre in der Sekte verbrachte und zwar in leitender Position, schrieb dazu:
"Von der frühesten Kindheit wird den Kindern im Kult das Grundprinzip der sexuellen Freiheit gelehrt. Die Kinder werden ermutigt, sich gegenseitig sexuell anzuregen und an sexuellen Handlungen mit Erwachsenen teilzunehmen."(LYNCH 1990)
In einem von mir geführten Interview sagte eine junge Frau namens Josefine aus, daß sie in einem Home gelebt habe, wo die Kinder "sexhungrig" waren; sie verlangten von den Erwachsenen masturbiert zu werden. Auf die Frage, wie alt diese Kinder waren, sagte sie:
"Das älteste war sechs und das nächste fünf. Und sie machten Sex wie Erwachsene zusammen. Und sie sind jetzt sehr frei mit Erwachsenen und ich glaube nur, daß sie sich so jung daran gewöhnen, damit sie später soviel Sex treiben wollen, um mit vielen reichen Männern ins Bett gehen und viel Geld machen zu können."(Persönliches Tonband)
Ich fragte sie, wann die Manipulation mit Sex bei den Kindern anfange.
"Ich muß sagen - das Jüngste ist ein Baby - so anderthalb, ein Junge. Aber das macht eigentlich nichts aus, weil - es ist auch erlaubt, das mit Mädchen zu tun....wenn ich dem Baby die Windeln wechselte, habe ich immer mit ihm gespielt und auch sogar geküßt..."(Pers. Tonband)
Dalva Lynch beschreibt weitere Praktiken an ihren eigenen Kindern:
"Ich kenne diese Dinge aus bitterer eigener Erfahrung in meinem Heim, alle Erziehung, die ich den Kindern gab, wurde unterbrochen, als die neue Führerschaft kam. "Sie gehören nicht mehr dir, Liebling," sagte meine Hirtin zu mir. Meine Kleinen wurden in die "Freuden des Sex" eingeführt. In unserem Heim in Dallas wurde das Schlafzimmer, in dem mein Gatte und ich geschlafen hatten, ausgeräumt und in einen Kinderschlafsaal verwandelt. Abends mußten die Kinder im Alter von 3 bis 1o Jahren ihre Abendgebete sprechen und wurden dann unter Anleitung durch einen Erwachsenen paarweise in die Betten verteilt - um sich zu lieben, bevor sie schlafen gingen."(LYNCH 1990)
Diese Praxis wurde mir auch von Josefine beschrieben.
Berg befürwortete sexuelle Spiele zwischen kleinen Kindern, warnte aber, dies möglichst nicht vor Fremden oder nicht eingeweihten Verwandten zuzulassen.
"Ehrlich, ich denke, daß Kinder, bevor die Mädchen menstruieren und die Jungen Samen haben, daß dies die Gelegenheit für sie ist, all den Sex zu haben, den sie wollen, ohne Probleme zu bekommen, solange das System es nicht weiß. ... jeden Sex zu haben, den sie zustande bringen können. Ehrlich, das ist meine Meinung. Ich weiß nicht, ob wir das je veröffentlichen können, denn das System ist schon ganz aufgeschreckt darüber! Sie nennen es "Kindersex" und ähnlichen Unsinn."(BERG 1985)
In einer Serie von Briefen wird die Entwicklung seines Stiefsohnes Davidito als Beispiel für Kindererziehung auch im sexuellen Bereich detailliert beschrieben. Dalva Lynch berichtet:
"Die COG haben auch ein Buch herausgegeben, "Die Geschichte von Davidito", in dem Photos und Beschreibungen wiedergegeben sind, wie Davidito, der Stiefsohn Mose Davids, damals 3½ Jahre alt, an verschiedenen sexuellen Aktivitäten mit kleinen Mädchen und erwachsenen Frauen beteiligt ist. Es ist bemerkenswert, daß die Erziehung, die diesem Jungen gegeben wurde, als Beispiel für die Gruppe dargestellt wird."(LYNCH 1990)
Ein berüchtigter Brief mit dem Titel "Mein kleiner Fisch" zeigt Photos von Davidito und Sara, seinem Kindermädchen. Beide liegen nackt auf einem Bett. Auf einem Photo drückt Davidito Saras Brustwarzen, auf einem anderen lutscht sie an seinem Penis.
An anderer Stelle wird berichtet, daß Davidito mit 3 Jahren umherlief und sich liebende Paar bei der "Come-union" beobachtete.
Lordrichter Ward, der das Buch gelesen hat, kommt zu folgender Bewertung:
"Ein kleines Kind solchen sexuellen Aktivitäten auszusetzen, ist nach meiner Meinung sehr zu mißbilligen. Jene, die sich schuldig gemacht haben am Mißbrauch Daviditos durch völlig unangemessenes Aussetzen von sexuellen Handlungen, schließen auch den Führer und seine wahrscheinliche Nachfolgerin ein."(Urteil 1995, S.52)


Videos und Tänze

Die Kinder wurden ermutigt, sich bei Nackttänzen oder sexueller Betätigung filmen zu lassen. Diese Videos wurden an Berg geschickt, um ihn zu erfreuen. Nach genauen Anweisungen bewegen sich die Kinder wie Erwachsene. Ich habe einen Videoausschnitt gesehen, in dem Merry Berg, die Enkelin Bergs, im Alter von ca. 1o Jahren, nackt mit einem durchsichtigen Schal "tanzt", d.h. sie bewegte sich lasziv und verführerisch in einer Weise, die für Mädchen ihres Alters völlig unangemessen ist.
Erst 1985 wurden diese Nackttänze eingestellt. Berg schrieb:
"Man kann kaum einen sensibleren Nerv berühren bei den meisten Systemiten und sie in Rage versetzen und sie dazu bringen, daß sie einen lynchen möchten auf der Stelle, als wenn es um Kindesmißbrauch, Kindersex und Kinderpornographie geht und um all den Quatsch."(BERG 19851)
Dazu kann sich Richter Ward einer deutlichen Bewertung nicht enthalten:
"Ich unterstreiche diese Wörter, denn um derartige Perversionen als Quatsch abzutun, beweist mit seinen eigenen Worten, daß Berg ein Mann ohne Urteilskraft oder moralische Skrupel war und einen bösen, verderblichen Einfluß auf seine aufnahmebereiten Anhänger hatte."(Urteil 1995, S.57)
Ein am Prozeß teilnehmender Kinderpsychiater bestätigte, daß die Aufforderung an junge Mädchen, in dieser Weise zu tanzen eine Handlung sei, die gewöhnlich ein Tabu sei und Teil eines Prozesses, der Kinder auf die sexuelle Ausbeutung durch Erwachsene vorbereite.




Sex von Erwachsenen mit Kindern

Das Ex-Mitglied Dalva Lynch berichtet über den Alltag der Kinder:
" Die Mädchen werden von klein auf dazu angehalten, sich jedem hinzugeben, der sich mit sexuellen Wünschen an sie wendet und werden darin unterrichtet, sich herausfordernd zu kleiden und zu verhalten, sie werden in allen Techniken instruiert, wie man Männer zufriedenstellt. (Ich spreche hier von kleinen Kindern im Alter zwischen drei und zwölf Jahren, nicht von Frauen oder Teenagern.)
Die kleinen Mädchen werden angehalten, sich "sexy" zu kleiden und zu verhalten. Von klein auf führen sie Strip-Tease vor und tanzen nackt für die Männer, ernten dafür Applaus und Pfiffe, Zärtlichkeiten und Küsse. Sie werden auch eingeladen, sich auf den Schoß der Männer zu setzen und mit ihnen zu "spielen".
Gezwungen von ihren Vätern, ihren Hirten oder von anderen einflußreichen Mitgliedern, geben sich diese armen kleinen Mädchen (viele von ihnen zwischen fünf und zehn Jahre alt) verschiedenen Arten sexueller Beziehungen hin, einschließlich Gruppen-Sex, aus Angst, bestraft oder gerügt - oder zumindest ausgestoßen zu werden."(LYNCH 1990)
Berg betont, daß kleine Kinder daran gewöhnt werden sollten, einen Orgasmus zu haben. Was denn daran schlecht sei? Und seine Tochter Faithy erinnert sich begeistert:
"Mir gefällt es! Es erinnert mich daran, wie du mich schlafen gelegt hast, als ich ein kleines Mädchen war, 3 oder 4. Wau, Daddy machte es am besten! Hinten reiben, das ist es, und vorne reiben auch! ...Daddy machte, daß ich mich überall gut fühlte und ich wußte nicht warum, aber ich schlief mit einem Seufzer wirklich ein! ... Deshalb glaube ich, unsere Eltern sollten es versuchen und unseren Kindern helfen, zu einem natürlichen Verhalten zu finden!"(Urteil 1995, S. 86)
Was kann das anderes bedeuten, als daß die "Kinder Gottes" aufgefordert werden, dem Beispiel Bergs zu folgen?


Mißbrauch von Kindern durch Erwachsene

Dieses traurige Kapitel ist nur die logische Folge aus den vorangegangenen Erläuterungen zum Kindersex. Es zu schreiben fällt mir äußerst schwer. Es ist wie wälzen im Schlamm. Ich kann aber nicht darauf verzichten, die nachfolgenden Begebenheiten, wie sie im englischen Gerichtsurteil stehen wiederzugeben, weil sie die durch Berg initiierte moralische Perversion der "Kinder Gottes" verdeutlichen, die jede Verantwortung für den Mißbrauch ablehnen.
"KJ (Abk. für Zeugen, Anm.d.Verf.) sprach davon, daß sie sich noch sehr klar erinnern könne, als sie in London waren und sie 3 Jahre alt, daß ihr Stiefvater "mich betastete, mit mir spielte, mit meiner Vagina, ich erinnere mich, daß er sie leckte, den Finger hineinsteckte." Sie erzählte das unter Tränen. Diese Art von Mißbrauch geschah oft. Sie fühlte sich "ganz verschreckt" dadurch. Sie wußte, daß es Sex war, glaubte aber, er zeige ihr Liebe. Er versuchte, in sie einzudringen, als sie erst 7 oder 8 war und es tat weh. Er war ein grober Mann, der sich öffentlich damit brüstete, daß seine Tochter "ein guter Fick" sei."(Urteil 1995, S.100)
Es ist kaum nachvollziehbar, wieso die Mutter dieses Mädchens den Mißbrauch geduldet hat. Ihre Antwort ist symtomatisch für "Kinder Gottes":
"Wenn MO sagte, es sei OK, dann muß es OK sein. In "My Childhood Sex" sagte er, seine Kinderfrau hätte ihm oralen Sex gegeben und das sei akzeptabel und so akzeptierte ich es."(Urteil 1995, S.1o1)
Die Mutter hat mittlerweile die "Kinder Gottes" verlassen und sagte weiter aus:
"Es ist etwas, das ich sehr bedaure, ich schäme mich deswegen, es erschreckt mich zu denken, daß mein Glauben an Berg so stark war, daß ich mich gegen mein eigenes Gewissen seinen Lehren beugte. Ich hielt ihn für einen Mann Gottes, einen guten Mann, es war undenkbar, daß er etwas Schlechtes tun würde ..."(Urteil 1995, S.1o1)
Lordrichter Ward berichtet weiter aus dem Leben der Tochter: einmal wollte ein 16jähriger Junge mit ihr "teilen". Sie wollte nicht. Das war "selbstsüchtig".
"So vergewaltigte er sie. Ihre Schreie weckten Rose auf, aber sie tat nichts, um ihr zu helfen. Sie blutete. Sie war verzweifelt und wurde in das Home zurückgebracht. Sie erzählte, was mit ihr geschehen war in ihrem Open Heart Report. Das Ergebnis war, daß der Hirte ihr "Das Mädchen, das nicht wollte" zu lesen gab, das die Botschaft enthielt, daß sie, das Opfer, unrecht hatte und "out of the spirit" war. Im Ergebnis wurde sie, das Kind, bestraft. Er kam ungeschoren davon.   KJ erzählte genaue Details von anderen Begegnungen, z.B. mit Jeduthan, der fett, alt, kahl und mit Augengläsern war, mit einem künstlichen Lachen und "Jesus-Sprüchen", wie "Du machst eine gute Arbeit für den Herrn, Liebling, Jesus liebt dich", dann aber "durch meine Beine masturbierte und mich das Sperma von seinem Penis lecken ließ". Und der Armeeoffizier-Typ Apollos .. der sie gegen einen Bananenbaum drängte, bis ihr Rücken richtig schmerzte, als er versuchte, in sie einzudringen. Und Uria, der fett und kahl wie Jeduthan war und mit ihrer Mutter "teilte" und sie in sein Zimmer rief. Er setzte sie nackt auf sich, seinen Penis zwischen ihren Beinen. Es war Morgen und ein Mann kam ins Zimmer und fragte, ob Uria Kaffee oder Tee ans Bett haben wollte - es war offenbar unwichtig, daß KJ hier war; und Paulo, der das Band von ihren "sexy"-Höschen öffnete während eines Zigeunerabends, sodaß sie nackt dastand. Er legte seine Hand "zwischen meine Beine und meine Hand auf seinen "Harten". Es gab keinen Verkehr, aber er ejakulierte auf sie. Er war 3o und hatte einen fremden Akzent. Oder der Mann in Bangalore, der einen Schnurrbart hatte, der stach. KJ duschte im Garten, als sie von einer Schlange erschreckt wurde. Sie lief davon und fiel zur Gänze in den Matsch. Er brachte sie ins Badezimmer, um sie zu reinigen, zog sich aber aus und ließ sich von ihr überall reiben. Sie sagte: "Es war ganz lustig, er küßte meine Vagina und sein Schnurrbart kitzelte und ich lachte."(Urteil 1995, S.1o2)
Zum Schluß noch ein Beispiel von einer anderen jungen Frau, die heute nicht mehr bei den "Kindern Gottes" lebt, sondern sich als "exotische Tänzerin" ihren Lebensunterhalt verdient. Sie hatte als vierjährige bei den "Kindern Gottes" das Strippen gelernt.
"Im Alter von 6 Jahren mußte sie beide Hände benutzen, um Timothy zu masturbieren, der in den 2oern oder 3oern war, ein Vietnam-Veteran. Im gleichen Alter mußte sie ihrem Vater "aushelfen", was bedeutete, ihn liebkosen und gegenseitige Masturbation. Vom Alter von 7 Jahren an ließ sich ihr Stiefvater von ihr masturbieren. ... Sie schaute zu, wie ihr Bruder mit etwa 12 Jahren sexuellen Verkehr mit älteren Frauen hatte und ihre Schwester .. Verkehr mit Solomon Touchstone, den sie bei anderer Gelegenheit im Swimming-pool sah, wie er mit ihrer Mutter Verkehr hatte. Sie sah ihre Mutter, wie sie sexuellen Verkehr mit einem 16jährigen hatte... Sie fühlte sich immer: "ein bißchen komisch, wenn alte Männer kamen und mich betasteten und ich das Gefühl hatte, er ist ein häßlicher alter Mann und ich will nicht, daß er mich angreift. Ich habe mich nicht beschwert, weil ich das Gefühl hatte, ich würde darauf keine gute Antwort bekommen, denn meine Mutter sagte, es sei OK und sie erwartete, daß auch ich es für OK finde und daß mit mir etwas nicht stimme, wenn ich es nicht gern hatte."(Urteil 1995, S. 1o3)

Angeblich wurde Sex zwischen Kinder/Teenagern und Erwachsenen 1985 verboten. Im Brief "Kindesmißbrauch" von 1989 distanzieren sich die "Kinder Gottes" empört von allen Anschuldigen und nennen sie Lügen. Sie hätten so etwas nie angeregt oder geduldet.
Sam Ajemian, ein ehemaliges Mitglied schreibt dazu:
"Können wir all diese "Wandlungen" ernst nehmen? Als Antwort auf diese Frage betone ich: NEIN. "Kindesmißbrauch?!" ist ein absolut verlogenes Stück Täuschung. ... Die COG sind im Grunde der gleiche häretische und gefährliche Kult wie vorher!"(AJEMIAN 1991, S. 21)
Er zitiert zur Beweisführung Aussagen von Dalva Lynch, die darüber berichtet, daß es Anweisungen gab, bei Sex mit Minderjährigen unter 18 erst die Genehmigung des Hirten einzuholen.
In einem offenen Brief an seine ehemaligen Glaubensbrüder beschwört er sie mit den Worten:
"Beschäftigt Euch einen Moment mit diesem Gedanken: Viele sitzen in unseren Gefängnissen langjährige Haftstrafen ab, weil sie kleine Kinder nur einmal belästigt haben. Nun, Berg und seine multinationale Sekte haben sich des gleichen Verbrechens schuldig gemacht. Wo bleiben die entrüsteten Protestrufe gegen diese Verbrechen, und wieviele dieser Gesetzesbrecher haben je vor Gericht gestanden, um Aussagen über ihre kriminellen Handlungen zu machen?"(AJEMIAN 1991, S. 27)
Lordrichter Ward erinnert sich an den Zusammenbruch einer jungen Frau im Zeugenstand, die unter Schluchzen ausrief:
"Wenn sich so viel verändert hat, wie kann es sich verändert haben? Alles begann mit David Berg. Er ist derjenige, der das alles beschlossen hat. Es ist alles seine Prophezeiung, wie kann er plötzlich alles ändern. Sagt er, daß alles falsch ist, daß er einen Fehler gemacht hat? Was ist mit seinen ganzen Ratschlägen, die er seinen Opfern gegeben hat? Hat er irgendetwas getan, um zu helfen, das Leiden zu stoppen, das entstanden ist und das noch immer entsteht, denn man leidet sein ganzes Leben. Wie kann es sich geändert haben? Es ist nur äußerlich verändert, damit wir ihn nicht mehr verfolgen. Sein Herz ist nicht verändert. Sein Kopf ist nicht verändert. Die Sachen werden nur noch mehr geheim gehalten, mehr heimlich, das ist alles. Er hat sich nicht entschuldigt für alle diese Sachen, die er zuerst angefangen hat. Er hat nichts unternommen, um sie zu korrigieren und richtigzustellen. Wie können sie sagen, es hat sich etwas verändert? Die Leute leiden noch immer darunter, was er uns angetan hat. Ich werde den Rest meines Lebens daran tragen, ich weiß das. Jede Entscheidung, die ich treffe, alles, was ich tue. Ich habe noch immer Phobien, Phobien gegenüber Männern. Wo ist all die Hilfe? Wenn du jemand gegenüber etwas Falsches getan hast, oder gegenüber von Tausenden von Leuten, dann solltest du ihnen helfen, wenn du wirklich in deinem Herzen glaubst, daß du etwas Falsches getan hast und ich glaube nicht, daß er das tut."(Urteil 1995, S. 127)


Inzest

In dem bereits erwähnten Brief "Der Teufel haßt Sex" steht der unmißverständliche Satz: "Es gibt keine Einschränkungen durch Verwandtschaft oder Altersgrenzen in seinem Gesetz der Liebe."
In einem Gespräch mit Maria enthüllt Berg seine Ansichten über Inzest. Wir müssen uns vor Augen halten, daß diese Äußerungen für die Mitglieder Empfehlungscharakter haben und als göttlich inspirierte Wahrheit aufgenommen werden.
"(Maria: Nun, wie steht es mit Inzest? -- Das ist gerade jetzt die große Frage in der Familie.) Liebling, dieses Thema von Inzest ist so gefährlich, daß ich es kaum wage, darüber in der Abgeschiedenheit unseres Schlafzimmers zu sprechen! Ich glaube, das System wird praktisch zum Berserker, wenn man über Inzest spricht! (Maria: Nun, wir werden unseren Leuten sagen müssen, daß es nicht von Gott verboten ist, daß sie aber gut aufpassen sollen, weil es gefährlich ist!) Das ist es bestimmt!
Es ist die gefährlichste Form von Sex und die vom System am meisten verbotene! Was das System angeht und was die Gesetze betrifft, ist absolut tabu! Illegal! Gefährlich! Das System und die Systemiten werden bei diesem Thema absolut verrückt, sie würden dich praktisch lynchen und aufhängen und gar nicht auf ein Gerichtsurteil warten und dich zuerst einsperren oder sonstwas, so sind sie einfach! -- Wahnsinnig!
Es wurde ihnen so eingedrillt und indoktriniert seit Tausenden von Jahren, angefangen bei den Juden und dann durch die Katholische Kirche. Der ganze Gedanke dabei ist, daß Sex so böse und sündig, so schmutzig und schrecklich, so abstoßend und die böseste von allen Sünden sei, daß natürlich das schlimmste von allem sexuelle Sünden mit Kindern sind."Wie könnte man sein eigenes Kind besudeln und schänden und ihm Gewalt antun? -- Einem Minderjährigen?"
Ich weiß nicht, was zur Hölle das Alter damit zu tun hat! Mein Gott, man darf es nicht einmal wagen, über Inzest zu sprechen, es ist fast ein Wort, das man nicht einmal im privaten Rahmen aussprechen darf, viel weniger noch dürfte man es tun!
Es ist um alles in der Welt nichts Schlechtes an Sex, solange er in Liebe ausgeübt wird, was immer es ist oder mit wem immer es ist, egal in welchem Alter oder welcher Verwandtschaftsgrad oder welcher Art! -- Und sowas darf man kaum wagen, im privaten Kreis zu sagen! Wenn die Justiz jemals davon Wind bekommt, werden sie versuchen, mich aufzuhängen!
Es gibt keine Beschränkungen wegen der Verwandtschaft und keine Altersgrenzen ... so weit es mich betrifft oder wen immer! Ich sage euch, ich glaube ich breche wahrscheinlich schon das Gesetz, indem ich das veröffentliche!"(BERG 1980)
Berg praktiziert, was er predigt! Seine Tochter Deborah berichtet in ihrem Buch über Versuche ihres Vaters, mit ihr zu schlafen. Sie habe sich dem immer widersetzt; ihre Schwester Faithy dagegen nicht.
In dem Brief "Sex mit Grandma" von 1982 phantasiert Berg über die "schöne sexuelle Beziehung", die er mit seiner Mutter hätte haben können, wenn sie beide nicht so verklemmt gewesen wären.
In der Zeugenaussage seiner Enkelin Merry Berg, im dritten Teil dieser Arbeit, lesen wir ebenfalls über eine inzestuöse Beziehung.
Es ist erwiesen, daß Berg Inzest praktiziert hat und es ist durch hier wiedergegebene Zeugenaussagen ehemaliger Mitglieder erwiesen, daß Inzest innerhalb der Gruppe stattgefunden hat (vgl. Urteil 1995).


Verbot aller Formen von Mißbrauch

Seit 1989 sind alle Formen von sexuellem Mißbrauch verboten. Maria schrieb als Begründung, daß diese Formen sexueller Betätigung "nicht klug seien".
Lordrichter Ward schrieb, daß seine Hoffnung auf Veränderung stark erschüttert wurde durch 3 Briefe, die Berg 1992 schrieb, als Antwort auf den Vorschlag eines Kirchenführers, die sexuellen Freiheiten zu ändern, um mehr Anerkennung in der Gesellschaft zu bekommen. Die Briefe heißen: "Warum steinigt ihr uns?" "Wir können die Wahrheit nicht widerrufen" und "Es gibt keinen Weg hinaus, nur hinauf", veröffentlicht 1993.
"Der allgemeine Ton dieser Briefe ist eine scharfe Verteidigung seiner Politik, eine völlige Herausforderung des Systems und ein deprimierter Aufruf an seine Anhängerschaft:
"Helft uns kämpfen. Gott wird euch unterstützen! Ihr wollt Sieger sein und für Jesus sterben? Schließt euch uns an. Es wird spannend!... Was anderes können wir von den Gesetzen erwarten, ...als daß sie gegen die Gesetze Gottes sind! Was anderes können wir erwarten als Verfolgung, Einsperren und eines Tages sogar den Tod. Deshalb gibt es keine Versöhnung, es ist unmöglich! Einige unserer Freunde haben sogar vorgeschlagen, wir sollten unseren biblischen Glauben in die Freiheiten, die uns unter dem Gesetz der Liebe gewährt wurden, abändern, heraustreten und sie leugnen oder ändern, oder zugeben, daß es falsch war. Aber wie sollten wir das tun?"... Es gibt keinen Weg hinaus, nur hinauf! Der Tod ist unsere einzige Hoffnung ..."(Urteil 1995, S. 118)
Obwohl Lordrichter Ward diese Passagen zitiert und auf Parallelen zu Jonestown, Waco und anderen Massenselbstmorden hinweist, hält er es doch für unwahrscheinlich, daß sich dies hier tatsächlich ereignen könne.
Im gleichen Jahr ließen Maria und die Führungsgruppe World Services veröffentlichen, daß es ungerecht wäre, David Berg die ganz Schuld für alle Exzesse zu geben (vgl. Urteil 1995, S. 120). Dazu Lordrichter Ward:
"Der Tenor dieses Briefes ist, keine Kompromisse einzugehen und nicht Berg die Schuld geben für die erkannten Exzesse des Fleisches. Ich finde diese Einstellung extrem beunruhigend. Sie ist weder akzeptabel noch zeigt sie eine verantwortliche Einstellung."(Urteil 1995, S.120)
Ich schließe mich den Zweifeln über eine echte Veränderung an. Maria wurde 25 Jahre durch Berg beeinflußt und geprägt. Sie hat lange Zeit an den Exzessen teilgenommen. Eine moralische Kehrtwende von 18o Grad erscheint sehr unwahrscheinlich.


Teenagersex

Obwohl ich die Ausführungen über Sex bei den "Kindern Gottes" gerne beenden würde, muß doch die Erziehung der Teenager auf diesem Gebiet gesondert behandelt werden.
Berg hatte in frühen Briefen die Kinderheirat ab 12 Jahren propagiert. Spätestens mit 15 sollten sie verheiratet sein und weitere Kinder Gottes produzieren:
"Gott hat sie so geschaffen, daß sie imstande sind, Kinder zu bekommen mit 12 oder 13 Jahren und wir betrachten sie mit 12 Jahren als Erwachsene. Das mag vielleicht nicht mit dem System übereinstimmen, auch nicht mit dem Gesetz, aber was solls? Wenn wir versucht hätten, uns immer an das Gesetz zu halten, wo wären wir da jetzt, Huh?... Wir haben eine Menge Kinder im Alter von 8,9 und 1o Jahren, und es wird nur weitere zwei, drei Jahre dauern, daß sie bereit sein werden, sich einen Partner zu suchen und zu heiraten! Mit 13 oder 14! - sie sollten spätestens mit 15 verheiratet sein und fleißig weitere Kinder Gottes produzieren!"(zitiert in: Referat für Weltanschauungsfragen 1992, S. 61)
Die Teenager wurden erst dazu angehalten, in hemmungsloser Weise untereinander Sex zu betreiben und später wurde es ihnen rigoros verboten.
Erste Einschränkungen als Reaktion auf rechtliche Folgen von zu früher Schwangerschaft lesen sich folgendermaßen:
"(Maria: Wegen der Möglichkeit von Problemen mit dem System, haben wir eine Regel aufgestellt für unsere Mädchen, daß sie nicht ficken können mit männlichen Personen, die Samen haben, von Anfang ihrer Periode bis zu 15 Jahren) Ja, jetzt hast du das Entscheidende gesagt, denn ich denke, es besteht kein Grund, sie davon abzuhalten, Sex miteinander zu haben, bis die Mädchen beginnen, ihre Periode zu haben und die Jungen Samen haben ... Die Gesetze der Menschen stehen im Gegensatz zu den Gesetzen Gottes und weil das so ist, müssen wir vorsichtig sein mit unserem revolutionären Leben und unseren radikalen Ideen und unseren Freiheiten, die das System nicht hat und manchmal nicht toleriert. ... Wenn ein Teen-Mädchen einmal ihre Periode hat, muß sie sich enthalten vom ficken mit Jungen, die Samen haben, denn sie könnten ein Baby produzieren ... Es ist OK mit Jungen zu ficken, die noch keine Samen haben, und, Mädchen, wenn ihr einmal euren 15. Geburtstag erreicht habt, dann könnt ihr drauflos ficken."(Urteil 1995, S.72)
Ich betone an dieser Stelle, daß diese rohe und verderbte Ausdrucksweise die Sprache ist, mit der die Jugendlichen erzogen wurden. Das Wort "Liebe" wird  bei den "Kindern Gottes" zwar inflationär häufig gebraucht, jedoch fast ausschließlich im Zusammenhang mit Sex. In Family-Schulen wurden die Teenager von Erwachsenen in sexueller Tätigkeit trainiert und angeleitet. In "Heavenly City School Training Seminar Notes" wird darüber berichtet, daß für die Teenager ein "Sharing-Plan" aufgestellt wurde, was nichts anderes bedeutet, als verordneter Gruppensex mit zugeschriebenen Partnern. Die Leiterin wundert sich bei dieser "Sexualerziehung" über offenkundige Wissenslücken ihrer Schützlinge:
"Ein Mädchen fragte, ob man schwanger werden könnte, wenn man lutscht und dann die Samen schluckt oder schwanger, wenn der Mann nicht "fertig" wurde etc. Sie brauchten die praktischen Kurse auch und es war erstaunlich, was sie alles nicht wußten, was wir eigentlich als bekannt vorausgesetzt hatte. Sie haben nicht die Erfahrung, die wir haben und sie haben nicht die Briefe gelesen, die wir kennen.   Man konnte wirklich sehen, wie einige von ihnen nicht wußten, wovon wir eigentlich sprachen. Es ist wichtig, sich Zeit zu nehmen, um von den Vögeln und den Bienen zu sprechen und ihnen diese Dinge zu erkären! Wir haben es als gegeben erachtet, daß sie über Sex Bescheid wissen, aber es ist nicht so. Es muß ihnen das Wort Gottes darüber vorgelesen werden...Sie können den ganzen Weg gehen, aber wenn die Mädchen schwanger werden, würden sie den Daddy heiraten müssen und sie würden auch die Schule verlassen müssen und mit ihrem Partner in ein anderes Missionsgebiet gehen, wo es für ein Teenager-Mädchen mehr akzeptabel ist, schwanger zu sein."(Urteil 1995, S. 73)
Weiterhin wundert sich die Leiterin über vorhandenes Schamgefühl; einige Mädchen wollten sich nicht ausziehen. Sogar die Unterwäsche wollten manche Jungen und Mädchen beim gemeinsamen Duschen anbehalten. Es gab auch Diskussionen über Büstenhalter, die nach der Family-Regel verpönt sind. Alle Mädchen trugen Büstenhalter und es mußte ihnen erst mit der Heiligen Schrift erklärt werden, warum sie keine tragen sollten! Nun müsse man sie manchmal bitten, einen anzuziehen, wenn Besucher kamen!

Ich möchte an dieser Stelle auf die Doppelbödigkeit dieser Erziehung hinweisen, auf die Erziehung zur Täuschung der Öffentlichkeit über die internen Freiheiten.

In neuen Vorschriften von 1991 wurde festgelegt, daß Jugendliche bis 13 Jahre keine Verabredung haben dürfen. 14 bis 15jährige können einen Heiratsvorbereitungskurs beginnen. Teenager mit 16 oder 17 können nach 3monatiger Verlobungszeit sexuelle Kontakte haben und junge Erwachsene ab 18 dürfen sexuelle Kontakte untereinander haben, ohne verheiratet zu sein, wenn es von der Leitung des Homes genehmigt ist.
Diese nach Verschärfung klingenden Vorschriften sind bei genauerem Hinsehen doch sehr dehnbar. Aber ich werde hier nicht weiter darüber spekulieren, wie und mit welchen Begründungen man Vorschriften umgehen kann.


Sexueller Mißbrauch von Teenagern

Die Aussagen von sexuell mißbrauchten Teenagern ziehen sich im Gerichtsurteil über Seiten hin. Der vielfache Mißbrauch ist bewiesen und wird hier nicht weiter mit Beispielen belegt, da ähnliche Schicksale bereits geschildert wurden und Betroffene im dritten Teil dieser Arbeit auch zu diesem Bereich aussagen werden. Es ist festzuhalten, daß einige Mädchen innerhalb der Familie über ihre Probleme bei Sex mit älteren Männern berichtet hatten. Berg wußte davon. Er hat diese Praxis geduldet.


Resümee

Nicht alle Kinder und Jugendlichen wurden mißbraucht, aber sehr viele, viel zu viele. In einem Gespräch mit einem ehemaligen Mitglied erfuhr ich, daß viele "normale" Eltern ihre Kinder geschützt und die Briefe "verdrängt" hätten. Zwar hätte man die Kinder geschlagen, aber von dem schlimmen Mißbrauch wäre bei ihnen nichts vorgekommen. Nun wäre es interessant zu wissen, was unter "schlimmem" Mißbrauch verstanden wird, denn mir liegt auch die Aussage einer anderen jungen Frau vor, die im gleichen Home gelebt hatte und davon sprach, daß Kinder unter Applaus zu sexuellen Spielen ermutigt wurden.
Ich verstehe, daß die Schamschwelle hoch ist und daß Ehemalige sich und ihre Kinder schützen wollen. Deshalb werden viele schweigen und ihre Vergangenheit verdrängen.


Die Erziehungskonzepte der "Kinder Gottes"

Die Vorgaben aus den Anfangsjahren

Berg machte kein Hehl daraus, wie er sich die Ausbildung der Kinder vorstellte. Sie sollten nie erfahren, was Ausbildung und Jobs im System bedeuten. Sie sollten als Revolutionäre für Jesus erzogen werden und dafür reichten Grundkenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen. Er verdammte die Schulbücher des Systems als "lächerlich" und "voll der Verdrehungen der Menschen". 1978 schrieb er in "Du bist, was du liest":
"Diese Bücher sind mit der dämonischen, satanischen Weisheit des Teufels selbst geschrieben! Schlau geplant, um dich zu verführen und in die Irre zu leiten und dich spirituell zu verdrehen, bis du nicht mehr weißt, was wahr ist ... Fast alles, was du wissen mußt, steht in der Bibel, außer vielleicht neue Ereignisse, neue Offenbarungen und einige andere Dinge.
Ich möchte nicht hören, daß irgendwer von unserer Gruppe etwas anderes liest als die Bibel oder die Briefe oder einige Bücher, die euch bezeichnet wurden, um sie zu einem guten Grund zu lesen."(BERG 19781)
Die Vorstellungen  Bergs waren klar: die Kinder gehen von Anfang an mit auf die Straße und helfen beim Betteln und Missionieren. Dafür brauchen sie nur soviel Bildung, daß sie die Bibel und die MO-Briefe lesen können und soviel Fähigkeit zum Rechnen, daß sie wissen, was sie beim Betteln einnehmen und beim Einkaufen ausgeben. Mehr Qualifikation war für den von Berg geplanten Lebensentwurf der nächsten Generation nicht nötig.
1981 stand im Handbuch der Kinderbetreuung:
"Ich würde unseren Kindern nicht raten, sich darauf zu freuen, daß sie eine Ausbildung erhalten, die über das Niveau der High School oder sogar der Junior High School oder kaum der Grade High School hinausgeht. Solange, bis sie lesen, schreiben und rechnen können - die 3 R (Reading, ´Riting, ´Ritmetic) und die 3 G (General Biology, General Social Studies und General Science).Mehr lernen können sie selbst durch Lesen. Die beste Ausbildung, die sie bekommen können, ist eine Ausbildung im Wort Gottes und im Glauben und im Überleben und in der Mobilität und im Predigen des Evangeliums, schon jetzt!"(BERG 19811)
Der Unterricht wurde zuhause von den Eltern vorgenommen, ob sie nun dafür geeignet waren oder nicht. Sie bekamen Material und Anweisungen durch die "Internationalen Welt-Erziehungsdienste". Die Ausbildung der Kinder dauerte von 3 bis 12 Jahren. Danach galt sie als abgeschlossen!


Die "Schul-Vision" von 1988

Berg erkennt endlich, daß es eine "Kinder-Krise" gab. Er stellte fest, daß ein Baby-Boom ihnen monatlich 6o neue Mitglieder "durch den Geburtskanal" zuführte.
"Wir haben eine Krise erreicht! Man könnte sagen, wir haben eine Kinderkrise erreicht, wo wir fast mehr abgebissen haben, als wir kauen können! Wir haben mehr erzeugt, als wir betreuen können und wir leisten keine gute Arbeit bei der Betreuung dessen, was wir bereits produziert haben!"(BERG 1988, S.16)
3ooo Kinder waren unter 5 Jahren, nochmal 3ooo darüber und damit im schulpflichtigen Alter. Die Erziehung der Kinder stellte die "Kinder Gottes" vor ein ernstes Problem:
"Die Erziehung unserer Kinder wird allmählich zu einer monumentalen Angelegenheit, eine dringende Notwendigkeit, wirklich, denn die meisten unserer Eltern fühlen sich nicht qualifiziert, ihre Kinder selbst zu unterrichten. Sie haben selbst nicht viel Schulbildung oder akademische Grade oder dergleichen und sie fühlen sich wirklich nicht qualifiziert."(BERG 1988, S.3)
Berg wußte, daß die Ausbildung der Kinder zu sehr vernachlässigt worden war und beschwor in dem o.g. Brief (die deutsche Übersetzung umfaßt 23 eng beschriebene DIN A 4-Seiten!) die "Kinder Gottes", für ihren Nachwuchs besser zu sorgen:
"Unsere Familie, mit so vielen Kindern, wie wir jetzt haben, hat fast den Sättigungspunkt erreicht! Wir kommen zu dem Punkt, wo wir so viele eigene Kinder haben, daß es eine unserer größten Aufgaben, wenn nicht die größte Aufgabe, ist, für unsere Kinder zu sorgen, für diejenigen, die wir bereits haben! Warum sollen wir unsere Kinder vernachlässigen, um hinauszugehen und weitere Kinder der Welt zu gewinnen, bei denen wir Jahre brauchen würden, bis wir sie so weit haben, daß sie wirklich gut sind, wenn wir wundervolle Kinder haben, die bereits zur Family gehören und indoktriniert (Hervorhebung durch Verfasserin) sind und trainiert und alles!"(BERG 1988, S.14)
In Internatsschulen sollten Kinder ab 6 Jahren betreut und ausgebildet werden. Zwar wären sie dann von ihren Eltern getrennt, aber:
"Wir haben liebe christliche Lehrer, liebevolle Lehrer, die ihnen Vater und Mutter ersetzen würden."(BERG 1988, S.3)
Ihm schwebte dabei als angestrebtes Ausbildungsziel vor:
"Keine breite Schulausbildung nach Art der öffentlichen Schulen, sondern eine wirklich seriöse Familien-Ausbildung in den 3 Rs plus Bibel."(BERG 1988, S.3)
Mit 12 Jahren sollten die Kinder reif genug sein für´s Erwachsenenleben. Einige der Mädchen hätten bereits wieder Babys mit 14 oder 15 Jahren.
Die Ausbildung der bisher vernachlässigten Kinder sei zu einer ernsten Notwendigkeit geworden, da das Millenium, das tausendjährige Reich Christi auf Erden in wenigen Jahren bevorstehe und die Übernahme der Weltregierung durch die "Kinder Gottes" fähige Führer voraussetze.
"Wenn das tausendjährige Reich so nahe ist, haben wir noch mehr Grund, die Kinder rasch auszubilden, denn sie werden dann große Verantwortung tragen müssen!"(BERG 1988, S.11)
"Unsere Kinder werden die Welt regieren! Sie werden Städte und Bezirke und Provinzen regieren und Regierungen und Länder führen! Was tun wir jetzt mit ihnen, um sie darauf vorzubereiten? Was tun wir?"(BERG 1988, S.17)
Also müßten die Kinder mehr sein als Hausierer, wie ihre Väter und Bettlerinnen, wie ihre Mütter. Denn Berg erkannte auch, daß bei Beibehaltung der bisherigen Politik zu viele Teenager die Gruppe verlassen:
"Mit den Lagern für die Teens sind wir nur an der Oberfläche geblieben! Wir haben wenigstens begonnen, für unsere Kinder zu sorgen, denn wir sahen die Notwendigkeit, den dringenden Bedarf, unsere Teenager für uns zu gewinnen, sie zu retten und zu behalten. Das ist der Test für jede große religiöse Bewegung, ob sie ihre eigenen Teenager halten kann. ... Wenn wir unsere Teenager nicht halten können, unsere Kinder, wer wird unsere Arbeit fortsetzen?"(BERG 1988, S.2o)
Er schließt seine Ausführungen mit dem Satz: "Laßt uns unsere Kinder retten!"


Die Teen Training Camps

Lordrichter Ward berichtet, daß die Familie bereits 1985 mit der bisherigen Erziehungspolitik Probleme bekam und zitiert aus dem Brief "Geschichte der Family" von World Services:
"Viele der Paare, die in der frühen Zeit der Kinder Gottes geheiratet haben, hatten heranwachsende Kinder und es ist in diesem Alter natürlich, daß die jungen Teenager ernste Fragen stellen über das Leben und die Welt, die sie umgibt, denn sie suchen nach ihrer Identität und das brachte natürlich neue Herausforderungen für die Eltern in der Family."(Urteil 1995, S.143)
Als Folge wurde 1986 das Teen Training Camp in Mexiko abgehalten. Jugendliche im Alter von 12-14 Jahren wurden hier zusammengezogen. Weitere TTC´s entstanden in Südamerika und im Fernen Osten. Ziel dieser TTC´s waren eine intensive Schulung der Teenager als "Revolutionäre für Gottes Armee". In einem japanischen TTC lag folgende Liste für "Gebetswünsche" vor:
"Wir haben verzweifelt gebetet, Hände aufgelegt für die Erlösung und individuell gebetet für die folgenden Erfordernisse:
Für sofortigen Gehorsam
Gegen systemischen Einfluß durch Bücher
Um sich zu bessern
Imstande zu sein, jene in unserer Family aufzugeben, die Jesus nicht folgen
Gegen Kompromisse mit dem System
Gegen die Angst, Gewicht zuzunehmen."(Urteil 1995, S.168)
Bis zur Einrichtung der TTC´s waren die wenigsten Kinder auf Schulen geschickt worden, was auch durch die hohe Mobilität ihrer Eltern nicht lange durchführbar gewesen wäre. Sie wurden zuhause mit den Grundkenntnissen vertraut gemacht. Zur Außenwelt lebten sie abgeschottet. Fernsehen, Radio, Kino, Comics, Bücher und Zeitschriften gehörten nicht zum normalen Alltag, sondern wurden erst nach Kontrolle durch die Erwachsenen erlaubt, sofern der Sektenalltag hierfür überhaupt Zeit ließ.
Lordrichter Ward hat sich eingehend mit den TTC´s beschäftigt. Ihm standen außer der wohlwollend formulierten Selbstdarstellung der Family auch andere Informationsquellen offen und so kommt er zu der Beurteilung:
"Sie hatten den Zweck, die Kinder zu verändern und ihr Leben zu formen um sie nach den Vorstellungen der Family in eine Form zu pressen. Den Kindern wurde dadurch ihre persönliche Identität geraubt. Es war ein Eingriff in die persönliche Freiheit. Ich kann sehr gut verstehen, daß dieser Prozeß der Großmutter Angstschauer über den Rücken jagt und auch vielen anderen, die wie sie denken; sie alle haben guten Grund, alarmiert zu sein."(Urteil 1995, S.168)


Das Viktor Programm

Um aufsässige Teens abzusondern, damit andere nicht von ihnen beeinflußt würden, wurde ein "besonderes Programm für besonders problematische Studenten" eingerichtet. Die Architektin des Viktor Programms erklärt dazu:
"1988 gab es so viel Besorgnis über die Schwierigkeiten...die durch Jetts (11 bis 13 Jahre) entstanden, daß eine Ratsversammlung einberufen wurde. Es wurde klar, daß einige der Teenager nicht die gleiche Begeisterung für die Lebensweise der Family aufbrachten wie ihre Eltern."(Urteil 1995, S.174)
Sie beschreibt das Viktor Programm als ein besonders intensives Trainingsprogramm. Es sei der physische und spirituelle Gegenpart zu den vielen Rehabilitationsprogrammen des Systems. Die Verantwortlichen würden als Disziplinierungsmethode benutzen: Sprechverbot, Isolierung und gelegentlich Schläge. Es solle beachtet werden, daß die Viktor Programme extrem mild seien, verglichen mit den Methoden, die das System für deliquente Jugendliche verwendet. Diese seien viel strenger, sogar grausam, aber weniger effektiv.
Soweit die verharmlosende Selbstdarstellung durch ein führendes Mitglied der "Kinder Gottes". Im Urteil werden andere Erfahrungen genannt.
Ein 11-jähriger Junge wurde einer intensiven Betreuung zugeführt, was bedeutet, daß er 24 Stunden am Tag mit einem Erwachsenen zusammen war, um "viel persönliche Beratung und das Wort mit dem Löffel gefüttert zu bekommen". Er war drei Tage lang mit Sprechverbot belegt; während der Arbeit trug er Kopfhörer und hörte "Wort-Tonbänder" (vermutlich Auszüge aus der Bibel und den MO-Briefen). Er durfte nicht mit den anderen Kindern sprechen.
Fast jeden Tag wurde er verprügelt. Bei 16 Strafpunkten gab es 6 Schläge. Einige Kinder hatten 16 Strafpunkte in der Woche, aber der 11-jährige bekam 6 jeden Tag.
Wenn er geschlagen worden war, umarmte ihn der Erwachsene und sagte: "Schau mir in die Augen. Laß mich dein Lächeln sehen. Liebst du mich noch?" Erst wenn ihm dies bestätigt wurde, ließ er den Jungen gehen. Nach 4-5 Monaten im Viktor Programm hatte er 3o Kilos verloren!
Ein anderer 11-jähriger war im Viktor Programm, weil er eine Faszination für Enzyklopädien entwickelt hatte und zuviel in ihnen las und sich so mehr bildete, als erwünscht war.
Andere Kinder waren dort, weil sie nicht genügend demütig waren, eine "emotionslose Haltung" an den Tag legten, zu wenig Beziehung zum Herrn hatten oder zu sehr an ihren Eltern hingen.
Die Viktor Programme wurden in der ganzen Welt abgehalten. Lordrichter Ward wußte von ihnen in England, Schweiz, Italien, Dänemark, Thailand und Mexico. Die Erziehungs- bzw. Disziplinierungsmaßnahmen waren überall gleich:
1. Paddlings (Schläge mit einem abgeflachten Baseball-Schläger)
2. Isolierung - physische Trennung ärgerniserregender Kinder von ihren Freunden; entweder ließ man sie allein oder in engem Kontakt zu einem Erwachsenen, dessen Aufgabe es war, ihnen "das Wort zu füttern".
3. Sprechverbot - dies war eine weitverbreitete Form von Bestrafung.
4. Open Heart Report - verbreitete Methode, um Beichten zu erzwingen, mit dem Ergebnis, daß man die Kinder sich schuldig fühlen ließ, wenn sie nicht beichteten. Wenn sie keine Reporte über ihre "Needs to work on" schrieben, wurde ihnen gesagt, daß sie stolz und selbstgerecht seien; wenn sie ihre Zweifel nannten, dann waren sie "Murrer". Egal, was sie taten, sie konnten es nie recht machen.

1991 wollte Maria die Viktor Programme in jedem Home installieren, damit sie (die Teenager) zu den ergebenen Jüngern würden, die der Herr sich wünscht.
Es war nicht unüblich, daß junge Menschen ausgesondert und öffentlich in den Briefen gedemütigt wurden. Einer von ihnen war Tony Zack Attack. Diese Brief-Serie begann im August 1991. Tony war ein "ganz famoser Teen" gewesen, der in vielen Videos aufgetreten war, die innerhalb der "Kinder Gottes" zirkulierten und durch die er als begnadeter Musiker und Liedermacher bekannt war. Er war damals 24 Jahre alt, verheiratet mit Claire und hatte einen zweijährigen Sohn. Sie waren beide Hirten, hatten aber ihre Probleme mit "Zweifeln, Kritik, Murren und Unnachgiebigkeit". Sie wurden in ein Viktor Programm gesteckt. Tony war unzufrieden damit, wie ihn die Family behandelte und dachte daran, sie zu verlassen. Er und Claire wurden getrennt, "damit sie sich auf ihre Lektionen konzentrieren konnten". Ihr Sohn wurde in eine andere Schule geschickt. Tony erhielt intensive Betreuung. Sein Open Heart Report wurde veröffentlicht. Dort beichtete er:
"Daß ich unter ständiger Supervision und Autorität bin, ist einer meiner Hauptkämpfe. Ich spüre, ich habe sehr wenig Freiheit und ich kann nichts ohne Erlaubnis tun - außer es ist auf dem Stundenplan."(Urteil 1995, S.170)
Die Antwort von Maria war auch öffentlich; sie gab ihm seine "letzte Chance":
"Du mußt in der Lage sein, die Erniedrigung durch öffentliches Ausgesetztsein oder öffentliche Korrektur für deine Fehler zu ertragen ..."(Urteil 1995, S. 170)
Auch Berg selber gab eine Stellungnahme ab:
"Er muß hinstehen und bekennen, mit starkem Weinen und Tränen und wirklich Reue zeigen...Er muß auf dem Boden kriechen und unter starkem Weinen und Tränen jeden um Vergebung bitten und sagen, daß er es niemals wieder tut..."(Urteil 1995, S. 170)
Tony wird weiter gedemütigt, indem man ihn, den einstigen Teenager-Star zum Schrubben und Toilette-putzen zwingt und ihn so öffentlich degradiert.
Es ist nicht verwunderlich, daß Tony unter all diesem Druck zusammenbricht, seine Sünden bekennt und darum fleht, als "unwürdiger Diener" weiter bei den "Kindern Gottes" (und seiner Familie) bleiben zu dürfen.


Der philippinische Jumbo

Auf den Philippinen wurde 1986 oder 1987 eine Schule für Teens eingerichtet, an der das Demerit-System praktiziert wurde:
"Eine Liste von Vergehen, die einen Tadel verdienen, wurde aufgestellt, die von nicht sprechen während der Ruhezeiten bis zu einem doppelten Tadel für Murren, Beschweren oder Kritisieren reichte. 7 Demerits (Tadel) führten zu einer Disziplinierungsmaßnahme (Schlagen oder Streichen einer Elternzeit)."(Urteil 1995, S.164)
Ein anderes Kennzeichen des Jumbo war das Sprechverbot. Die körperliche Züchtigung erfolgte mit einem "Paddel", das im Aussehen einem abgeflachten Baseball-Schläger nahekam. Auch ständige Reporte wurden von den Kindern verlangt. Eine Verantwortliche gab zu:
"Viele der Teens oder älteren Kinder wurden im Laufe der Jahre nicht richtig behandelt, infolge von vielen Fehlern und der Tatsache, daß sie unsere "Versuchsgeneration" waren."(Urteil 1995, S.164)
Ein Junge, der glaubte, daß er als Strafe in den Jumbo geschickt worden war, ist der Ansicht, daß dort versucht wurde:
"mich in eine Form zu pressen - sie betrachteten es als Ausbildung, damit wir Führer für die Endzeit sein konnten."(Urteil 1995, S. 165)


Macao

Der Name dieses Lagers in Japan wird für viele Teenager für immer mit traumatischen Erinnerungen verbunden sein. Macao war die Hölle; ein Straf- und Umerziehungslager, das erst 1990 geschlossen wurde. Lordrichter Ward nennt die Ereignisse in Macao ein "schändliches Kindererziehungsexperiment". Die "Kinder Gottes" selber beschreiben 1992 das "Special-Teen-Programme" im Nachhinein als eine Art ländliche Idylle mit folgenden Worten:
"Dieses freiwillige Programm wurde eingerichtet, um einer kleinen Handvoll Teens zu helfen, die mehr individuelle Führung und Ermutigung brauchte, um lange bestehende persönliche Probleme zu überwinden. Während dieses Programms bekommen die Teens eine besonders nahe Betreuung in enger familiärer Atmosphäre mit viel Liebe und Gebeten, individuelles persönliches Training, spezialisierte Kurse in der Heiligen Schrift, die oft den Teens mit dem Löffel gefüttert wurde und einen festen Tagesplan in typischer Internatsschuldisziplin, abgehalten mit Geduld, Gebeten, Vernunft und Verständnis. Es findet auf einem Bauernhof in ländlicher Umgebung statt."(Urteil 1995, S.169)
Es ist laut Lordrichter Ward eine Verdrehung der Wahrheit, dieses Programm so zu beschreiben:
"In Wahrheit wurden die Kinder einem Regiment körperlicher und psychologischer Brutalität unterworfen. Paddlings waren ein regelmäßiges Kennzeichen des Lebens im Lager. Die Kinder wurden systematisch geschlagen. Ich habe diese Aussagen nicht nur von Merry Berg und JG, sondern auch von einer der Zeuginnen der Family selbst, von DR. Sie erinnerte sich, fünfmal geschlagen worden zu sein. Bei einem Mal erinnerte sie sich, daß ihr zehn "swats" gegeben wurden. Sie hatte blaue Flecken. Sie sagte aus, daß sie geschlagen wurde, weil sie "superstolz, anmaßend" gewesen sei."(Urteil 1995, S.169)
Er berichtet von weiteren Zeugenaussagen. Ein Mädchen sei im Zimmer umhergelaufen, um nicht geschlagen zu werden:
"Sie war rebellisch. Sie sollte vier Schläge bekommen. Sie bekam einen und flippte aus. Michael versuchte, sie zu beruhigen. Sie tat es nicht. Sie hielt ihre Hände vor ihr Hinterteil. Schließlich brachte er sie dazu, die Hände wegzutun. Sie bekam zwei weitere Schläge. Sie war ziemlich mitgenommen. Flippte aus. Sie hielt ihre Hände vor und sagte: "Bitte nicht mehr" und weinte. Deshalb hörte er auf."(Urteil 1995, S.170)
Schließlich habe man sie halb bewußtlos auf ihr Zimmer gebracht.
Ein anderes Mädchen habe nach den Schlägen nur noch unzusammenhängend stottern können. Es wurde ein Exorzismus abgehalten, um sie von taubstummen Geistern zu befreien, von denen sie besessen sei.
Die Enkelin von David Berg, deren Geschichte im 3. Teil dieser Arbeit zu finden ist, wurde auch in Macao geschlagen:
"Die Beschreibung über das Paddling von Merry Berg war, daß Merry Berg die ganze Nacht unkontrolliert gesprochen habe und dadurch alle aufgeweckt habe und man dachte, einige Schläge würden sie aufwecken. Sie bekam einige Schläge, doch sie "redete fortgesetzt weiter". Sie bekam ungefähr fünf. Sie brachten sie hinaus, brachten sie aber wieder zurück und versuchten, das Reden zu stoppen. Als sie begann, Dinge zu zerstören und mit Dingen zu werfen, banden sie sie an ihr Bett mit Stoffstreifen. Sie war damals nicht in der Lage, den Urin zu halten. Ein paar Tage später wurde sie in eine psychiatrische Anstalt gebracht. Dies war eine barbarische Behandlung für ein Mädchen, das in Wirklichkeit psychiatrische Hilfe benötigt hätte."(Urteil 1995, S.170)
Eine Zeugin sagte aus, daß sie das Gefühl hatte, den Verstand zu verlieren. Sie hatte keine Kontrolle über ihren Verstand, der sie in die Geisterwelt führte. Sie wurde von diesen Gedanken gequält und dachte daran, Leute zu töten oder zu verletzen.
Ein anderer Zeuge sagte aus:
"Die meisten Kinder wurden von anderen Ländern hierhergebracht, weil sie schwerwiegende psychologische Probleme hatten als Ergebnis ihres Lebens in der Family, nach meiner Meinung. Ich würde sie "mental" nennen. Drei von ihnen waren völlig irrational und halluzinierten. Einige von ihnen glaubten, Dämonen zu sehen, andere glaubten, "Pferdemist" essen zu müssen und die meisten von ihnen gingen benommen herum. Ich und einige wenige andere waren die einzigen, die nicht "mental" waren. Einer von ihnen, Ben, beging später Selbstmord - in der Zeit, als ich ihn kannte, hatte er den verzweifelten Wunsch, die Gruppe zu verlassen, was aber immer verhindert wurde und alle seine Versuche, davonzulaufen, schlugen fehl. Andere Teenager in dem Lager erwähnten, daß sie sich umbringen möchten, doch wenn sie so etwas sagten, wurden sie schwer geschlagen. Das jüngste Kind, das ich im Lager traf, war 11. Er hatte versucht, vom Dach seiner Kommune in Indien zu springen und war deshalb in das Straflager geschickt worden in der Hoffnung, das dort seine Probleme gelöst würden."(Urteil 1995, S.171)
Als Beispiel für die unterschiedliche Sichtweise der Verhältnisse in Macao zitiere ich aus einem Brief der "Kinder Gottes" an die Teens, wo der Selbstmord Ben´s als "ernüchternde Warnung vor den Sünden der Bitternis, Unnachgiebigkeit und Rebellion" beschrieben wird:
"Wir hatten Ben wirklich gern und versuchten alles, ihm zu helfen, was auch schon viele andere getan hatten. Er hatte viele liebevolle und hingebende Hirten, die Stunden, Tage und Wochen damit verbrachten, ihn zu beraten. Es ist so traurig, daß er sich entschlossen hat, das alles wegzuwerfen."(Urteil 1995, S.171)
In Macao wurde der Geist und der Wille der Kinder gebrochen und "liebevolle Freundlichkeit" war nicht das Mittel, das angewandt wurde. Die dort lebenden Kinder waren die sogenannten "rotten apples", die "verdorbenen Äpfel", die aus der Gemeinschaft entfernt wurden, damit sie nicht andere beeinflußten. Macao war eindeutig ein Straflager.
Eine Zeugin, die nach wie vor Mitglied bei den "Kindern Gottes" ist, beurteilte es so:
"In Macao gab es keine Richtlinien und sie wußten nicht wirklich, was sie taten."(Urteil 1995, S.172)
Diese junge Frau sprach aus eigener, bitterer Erfahrung. Sie wußte, wie brutal unterdrückend das Regime in Macao war. Sie konnte es jedoch nicht eindeutig verurteilen, denn sonst würde sie das tun, was für das Leben in der Family nicht tolerierbar ist: murren, rebellieren, stolz sein. Sie war nach Macao verbannt worden für das Verbrechen der Gedankenfreiheit. Lordrichter Ward dazu:
"Gedankenfreiheit wurde ihr in Macao herausgeschlagen. Obwohl DR weiterlebt, starb der Geist eines jungen Mädchens in Macao. Es ist an der Zeit, daß die Family den Tatsachen ins Auge sieht."(Urteil 1995, S.172)
Neben Sprechverbot wurde auch Isolierung angewandt, um die Kinder zu beherrschen und zu bestrafen. Ein Junge wurde zu Beginn seines Aufenthaltes in Macao in eine Dachkammer gesperrt. Er bekam einen Kübel als Toilette und drei oder vier Tage kein Essen, damit er faste. Die Kinder mußten fasten,
"damit ihr Bewußtsein und ihr Geist aufnahmefähig gemacht wurde für eine schwere Dosis des Wort Gottes, das ihre spirituelle Nahrung sein sollte. Dies wurde häufig angewandt."(Urteil 1995, S.173)
Die schwere körperliche Arbeit, zu der die Kinder herangezogen wurden, hatte den Charakter einer Strafarbeit. Man ließ sie Gräben ausheben, diese wieder füllen und neu ausheben. In seinen Schlußfolgerungen stellt Lordrichter Ward fest:
"Die Erfahrungen von Macao sind ein schändliches Beispiel für den Glauben, daß der Zweck die Mittel heilige. Das Ziel war es ...die Gewohnheiten und das Verhalten der Jugendlichen zu ändern, die sich gegen die Lebensweise der Family aufgelehnt hatten. Das Mittel war eine Form physischer und mentaler Grausamkeit, die gnadenlos bei jungen, oft bereits emotional geschädigten Kindern angewandt wurde. Es scheint wenig Verständnis von seiten der Führerschaft zu geben für die mißbräuchliche Natur einer solchen Behandlung.   Tatsache ist, daß im Wissen, daß diese Behandlung, der diese schwierigen, geschädigten Teenager ausgesetzt waren, niemals einer vernünftigen Überprüfung standhalten könne, die Family jetzt versucht, die Wahrheit anders darzustellen, nicht nur für die Außenwelt, sondern noch wichtiger für ihre eigenen Mitglieder, denen ... Macao jetzt als ländliche Idylle geschildert wird. Was für ein Unsinn!"(Urteil 1995, S.174)


Schulbildung heute

Während des Prozesses, also zwischen 1992-1995, ließ   Lordrichter Ward einige Homes, in denen Kinder unterrichtet wurden, von Sozialarbeitern besuchen. Ihre Rapporte waren durchweg positiv: Arbeitsmaterial sei angemessen vorhanden, die erwachsenen "Hilfslehrer" hätten kürzlich einen qualifizierenden Kurs besucht und das Wissen der Kinder entspäche dem Niveau ihrer Altersgruppen in der Regelschule.
"Die meisten der Kinder, die wir gesehen haben, waren offen, sie benehmen sich gut untereinander und den Erwachsenen, die sie unterrichten, gegenüber und sind glücklich, wenn sie über sich und ihre Arbeit erzählen können. Die Erwachsenen stehen den Besuchen positiv gegenüber. Sie waren ruhig und offen in allen Diskussionen. Sie waren froh, ihre Philosophie erklären zu können und schienen eifrig Wege zu suchen, um die Qualität ihrer Arbeit zu steigern. Nach den zur Verfügung stehenden Unterlagen werden die Bedürfnisse der Kinder nach Unterricht befriedigt."(Urteil 1995, S.156).
Dazu meint Lordrichter Ward lapidar: "Ich nehme diese Ergebnisse zur Kenntnis" und fährt fort:
"Was die tertiäre Ausbildung betrifft, weiß ich von keinem Kind, das eine solche Ausbildung erhalten hätte."(Urteil 1995, S.156)
Nach meinen bisherigen Erfahrungen und Kenntnissen ist es mehr als unwahrscheinlich, daß alle Kinder in den übrigen Teilen der Welt eine ähnliche Bildung erhalten, wie die in dem Vorzeige-Home in England. Ich wüßte nicht, woher die einzelnen Homes das Geld und die qualifizierten Erwachsenen nehmen sollten, denn sie kamen selbst als unausgebildete Jugendliche in die Gruppe!
Die 1995 von den Verantwortlichen der "Kinder Gottes" veröffentlichte "Love Charter" enthält die Anweisung, daß die Heime mit einer 2/3 Mehrheit entscheiden können, ob eines ihrer Kinder, ihrer Teenager oder ihrer Erwachsenen eine Schule oder Unterricht außerhalb besuchen darf (vgl. LOVE CHARTER 1995, S.132).
Der Tenor dieser Anweisung läßt vermuten, daß die Partizipation an öffentlich zugänglichen Bildungsangeboten nach wie vor eher nicht gewünscht und durch Reglementierung erschwert wird.
Die Schulstunden für die Kinder und Jugendlichen werden wie folgt festgelegt:
 6-12jährige: 12 Wochenstunden
12-13jährige: 8 Wochenstunden
14-15jährige: 4-8 Wochenstunden
16-17jährige: 4 Wochenstunden.
Ich schließe dieses Kapitel über die Bildungsmöglichkeiten für die Kinder, indem ich mich den Worten von Lordrichter Ward anschließe:
"Viele der Erwachsenen hatten für sich die Möglichkeit einer höheren Bildung, sind aber nicht in der Lage oder nicht gewillt, dieses Privileg auch ihren Kindern zuteil werden zu lassen. Das ist ein Hinweis darauf, daß sie immer noch der Überzeugung sind, daß die Ausbildung nur für die Endzeit wichtig ist und daß das Ende nahe sei. Es ist eine Einschränkung der vollen Entwicklung des Kindes."(Urteil 1995, S.156)


Erziehungsschicksale bei den "Kindern Gottes"

Kristina Jones

Die Zeugenaussage dieses Mädchens wird in mehreren Publikationen auszugsweise wiedergegeben. Er wird auch im englischen Gerichtsurteil zitiert. Mir liegt der komplette Text in englischem Original und deutscher Übersetzung aus dem Archiv von Frau Nußbaum vor:
"Zeugenaussage   geschrieben 199o
Hallo, mein Name ist Kristina. Ich schreibe das, um euch ein wenig über meine Erfahrungen in den COG zu erzählen. Ich bin 14½ und habe meine ganze Kindheit in diesem Kult verbracht, in dem meine Eltern Mitglieder waren. Als meine Mutter austrat (Ende März 88), brachte sie 6 ihrer Kinder mit ihr heraus. Celeste, meine älteste Schwester, ist mit meinem richtigen Vater immer noch drinnen.
Meine Mutter ist der Organisation 1973 beigetreten, als sie 16 Jahre alt war. Sie hatten an ihrer Schule ein Jahr vorher ein Treffen abgehalten und sie war gerade erst Christin geworden und fand es aufregend, so engagierte Christen zu treffen. Mutti besuchte sie oft und schließlich forderten sie sie auf, alles aufzugeben und Jesus zu folgen, was sie auch tat.
Am gleichen Tag trat auch mein Vater bei und ein Jahr später waren sie verheiratet und ihr erstes Kind geboren. Als Celeste ein Jahr alt war, übersiedelte die Gruppe nach Indien und ich wurde ge
boren. Von klein auf wurde ich mitgenommen um Literatur zu verteilen und auf der Straße zu musizieren und den Leuten von Jesus zu erzählen. Ich wurde auch gelehrt, Jesus Christus zu lieben und an ihn zu glauben und es wurde mir gesagt, daß der Gründer und Lehrer David Berg, damals bekannt als Moses David oder Mo, der Endzeit-Prophet sei.
Als Mutti beitrat, verehrte sie Berg als Gründer und Führer der Gruppe und erleuchteten Bibellehrer. Sie dachte, er müßte das sein, da er eine so gute Gemeinschaft gegründet habe, deshalb akzeptierten die Mitglieder der Gruppe es ohne Zweifel, als er begann, sich Gottes Endzeitprophet zu nennen. Meine Mutter wußte nicht, daß Berg tief in sexuelle Sünde und Spiritualismus verstrickt war. Sie bemerkte nicht, daß es nicht richtig war, daß er eine totale Kontrolle und Indoktrinierung über die Gruppe ausübte (die meisten waren noch jung und naiv, als sie beitraten).Berg schien wirklich tief besorgt über verlorene Seelen zu sein. Als ich ein Baby war, erklärte Berg die Bedeutung von Flirty Fishing (eine Prostituierte für Jesus zu sein). Berg erklärte den Mitgliedern immer und immer wieder, daß das vollkommen in Ordnung sei, denn sie täten es, um Leute für Jesus zu gewinnen. Das war in einer Serie, die "König Arthur Serie" hieß. (Die Gruppe wurde durch Briefe, die den Gemeinschaften regelmäßig geschickt wurden, indoktriniert). Mutti war schockiert, als sie das begriff und sagte zu meinem Vater, daß das falsch sei, er aber überzeugte sie, das als wichtige Offenbarung des Herrn zu akzeptieren. 1½ Jahre wurde "sexual sharing" unter den Mitgliedern eingeführt. Bald danach warf mein Vater meine Mutter hinaus und schickte sie zu einem anderen Mann in einem anderen Heim. Er behielt meine ältere Schwester.
Mein jüngerer Bruder und ich gingen mit meiner Mutter, die sehr unglücklich und verwirrt war. Mein neuer Stiefvater schien mich von Anfang an nicht zu mögen (ich war erst 2½). Er bevorzugte gewöhnlich meinen Bruder. Wenn meine Mutter nicht in der Nähe war, pflegte mein Stiefvater mich sexuell zu mißbrauchen. Ich bekam große Angst vor ihm. Wenn ich etwas tat, kritisierte er mich. Er wurde zu uns allen sehr grob. Er warf meiner Mutter Gegenstände nach und beschimpfte uns alle.
Eines Tages kam der Brief "Mein kleiner Fisch" heraus, der nackte Kinder zeigte und Erwachsene, die sie berührten und unter den Bildern war ein Kommentar von Berg, der sie dazu ermutigte. (Ich bin mit Sex im Kopf aufgewachsen, viele der Lehren basierten auf Sex oder handelten davon).Das erstemal, das ich mich erinnern kann, daß Daddy mich sexuell mißbrauchte, war, als wir nach England zurück kamen, nachdem wir in Indien gelebt hatten. Ich muß ungefähr drei gewesen sein. Er kam in mein Zimmer und begann, mir eine Geschichte vorzulesen. Nach der Geschichte gab er mir einen Kuß und begann, mich weiter und weiter unten zu küssen, dann berührte er meine Geschlechtsteile und begann, meine Scheide zu reiben. Ich kann mich noch an meine erste Reaktion erinnern - totale Angst. Ich wußte, was er tat, denn ich hatte schon vorher Leute gesehen, die miteinander Sex hatten, aber daß er das mit mir tat, war mir ein bißchen unheimlich. Ich setzte mich auf und versuchte zu entwischen, aber er machte es noch stärker. Von damals an tat er es oft. Als ich älter wurde, wurden meine Verpflichtungen größer und ich war körperlich und geistig verbraucht. Im Alter von 1o Jahren mußte ich eine Gruppe von 13 Vierjährigen unterrichten. Am Ende des Tages, bevor ich schlafen gehen konnte, mußte ich noch Hausaufgaben erledigen und dann mußte ich wieder zeitig aufstehen und mit einem anderen Teenager das Frühstück für mindestens 4o Personen kochen.
Zu einer Zeit ging ich auf viele Witnessing-Reisen, die mehr als eine Woche dauerten. Zu dieser Zeit war ich einmal mit einer Dame, die um die 35 war und mit einem indischen Mitglied, das Paul hieß und einem Teen mit Namen Steven. Wir blieben in einem Hotel. Bevor ich weiter erzähle, muß ich sagen, daß Paul sehr pervers war und sich immer auf mich stürzte. Er versuchte, mit mir Sex zu machen. Wenn ich es ablehnte, ging er immer zu den Führern und sagte, ich sei rebellisch und unwillig, mich Jesus hinzugeben.
Das Hotel, in dem wir übernachteten, hatte zwei Doppelbetten und wir beschlossen, uns abzuwechseln. Die erste Nacht schliefen Paul und ich in einem Doppelbett. Ich wachte in der Nacht auf und bemerkte, daß er auf mir lag und daß Steve und Rose in dem anderen Bett Sex hatten. Ich war eifersüchtig, denn ich hatte Steve gern und es machte mich krank zu sehen, wie er Sex mit Rose hatte. Ich konnte nichts tun. Ich konnte nichts tun, um Paul zu entkommen, denn er war mental und körperlich stärker als ich. Diese Reise fand statt, als meine Mutter nach England zurückgefahren war, um nicht bestraft zu werden. Vorher noch besuchten Mutter und ich ein anderes Heim und in dieser Nacht schlief meine Mutter mit dem Sheperd und ich bekam eine Matratze auf dem Fußboden. Als ich aufwachte, war meine Mutter nicht da und Uriah sagte zu mir, ich solle auf das Bett kommen und dann flüsterte er mir ins Ohr und als ich kam, begann er mich zu kitzeln und wir hatten ein bißchen Spaß. Dann begann er, meine Hand auf seinen Penis zu legen. Ich dachte daran, daß Daddy das auch mit mir machte und wenn ich nicht wollte, schlug er mich. So legte ich mich zu ihm und hielt seinen Penis, da kam jemand bei der Tür herein und fragte Uriah, ob er einen Kaffee wollte. Ich fühlte mich sehr verlegen und peinlich berührt.
Als ich 1o war, teilte ich das Bett mit einem Mädchen namens Phoebe. Wir sprachen über Sachen wie: wie viele Männer es schon versucht hatten. Wir wußten sonst nichts, es wurde uns gelehrt, daß man so sein muß, um ein gutes und gläubiges Mitglied zu sein, aber wir verstanden nicht alles und wenn wir manchmal Beschwerden äußerten, bekamen wir eine Leseaufgabe und einen Partner (einen Jungen) zugewiesen, mit dem wir schlafen sollten, bis unsere Heimsuchung wieder vorüber sei.
Eine Auswahl aus unserer COG-Literatur:
"Verbrenne deinen BH, Ma!"
"Huren Gottes"
"Kindersex"
"Sexsklaven"
"Gott schuf den Sex - erfreut euch daran"
"Sex mit Mutter" (Dieser Brief spricht über die Phantasien Bergs, daß er mit seiner Mutter Sex habe und daß Sex zwischen Kindern und Erwachsenen nicht schlecht sein könne, weil er sich immer wünschte, seine Mutter sollte ihn berühren.)
Ich wechselte in ein anderes Heim, denn ich kam mit meinem Stiefvater nicht zurecht. Ich wurde Kinderpflegehelferin bei einem Ehepaar der Führerschaft. Die zwei Kinder waren prima. Ich half ihnen beim Aufstehen und brachte sie jeden Abend ins Bett. Als ihr Vater von einem Treffen der Führerschaft zurückkam, kam er immer ins Zimmer, wenn ich sie ins Bett brachte und wenn sie eingeschlafen waren, legte er sich zu mir ins Bett und begann mich zu küssen und zu streicheln. Weil ich schon älter war, erwartete man von mir, daß ich auch schon teilnehme und nicht nur alles über mich ergehen ließ. Das wurde zu einem normalen Vorgang jeden Abend. Je länger unsere Beziehung dauerte, umso mehr taten wir und obwohl ich wußte, daß ich gehorsam gegenüber Berg und Gott war, fühlte ich mich doch schmutzig. Aber ich muß zugeben, daß ich ihn nicht ganz von mir stieß oder ihm die ganze Zeit Widerstand leistete, wie früher, als ich noch jünger war, ich glaube ich war schon mehr gehirngewaschen und gewöhnt daran und ich machte schon mehr mit als zu widerstreben.
Ich erkenne, daß ich Dinge getan habe, die ich nie getan hätte oder nie tun wollte und das haben die COG aus mir gemacht und aus den anderen Mitgliedern. Die meiste Zeit wurde mir glauben gemacht, daß ich böse sei und auf den Teufel höre, wenn ich dem nicht zustimme, was sie sagten. Ich wollte nicht wieder bei meinem Vater leben, doch er kam mich abholen und meine zwei Brüder und wir übersiedelten nach Bombay und dieses Heim war das schlechteste, in dem ich je gewesen bin.
Alle Kinder mußten schwer arbeiten, wir wurden regelmäßig geschlagen, weil wir faul waren, wie sie es nannten.
Ich habe gesehen, wie Kinder, die weniger als ein Jahr alt waren, auf die Toilette gebracht wurden und geschlagen, weil sie ihre Windeln beschmutzt hatten. Wenn ich hinging und sie tröstete, sagten mir die Erwachsenen, ich solle sie allein lassen und sie ausschreien lassen. Ich wußte genau, wie sie sich fühlten, denn ich war auch in der gleichen Lage wie sie. Ich dachte: was für einem Gott diene ich wirklich? Bestimmt keinem liebenden, verzeihenden, tröstenden Gott, wie wäre das sonst möglich? Solche Gedanken kamen mir manchmal.
Als meine Mutter in England war, sagten die Führer zu mir: "Deine Mutter ist böse, sie muß bestraft werden", oder "Sie hat nicht die Liebe Gottes". Das verwirrte mich ein wenig, denn sie schien mir gegenüber nicht lieblos. Bei Gebetsabenden wurde mir gesagt, ich solle für meine Mutter beten und ich mußte den Satan aus ihr wegschicken oder bannen vor dem ganzen Heim.
Als Mutter in England war, fand sie ein Buch, das von Deborah Davis geschrieben war und sie las es. Es half ihr, von zwei Standpunkten aus zu verstehen, was die wirkliche Bedeutung und der Irrtum in den Lehren Bergs war. Deshalb entschied sie, daß sie einem Mann nicht folgen könne, an dem sie nun zweifelte. Sie betete, daß etwas geschehen möge und ihre drei Kinder und ihr Mann nach England zurück kommen mögen.
Inzwischen hatte sich das Heim, in dem ich war und die Familie verändert. Die Führer bestimmten Termine für Orgien (Nächte des Teilens) und bestimmten die Paare dafür unter den Mitgliedern der Gruppe. Ich erinnere mich an eine solche Nacht (sharing night), die Erwachsenen waren alle unten im Wohnzimmer, auf dem Boden lagen Matratzen, die Paare wechselten von Zeit zu Zeit und sanfte "Family"-Musik ertönte. Die älteren Kinder, wie ich, durften zusehen und sich anschließen. Ich erinnere mich, daß ich mit einigen älteren Teens "geteilt" hatte. (Ich war 11 Jahre). Es geschahen noch viele andere schockierende Dinge, man müßte ein ganzes Buch schreiben, wenn man das alles erzählen wollte. In vielen Heimen und auch in unserem gab es viele minderjährige Mädchen, die schwanger waren und nicht einmal wußten, wer der Vater war. Auch bei mir setzte einmal die Periode 3 Monate aus, zwei Wochen, nachdem ich von Indien zurück gekommen war. Ich dachte, ich hätte eine Fehlgeburt gehabt. Ich bin mir heute noch nicht sicher.
Unerwarteterweise konnten unsere Visa nicht erneuert werden und so mußten wir nach England zurückkehren, unser Stiefvater wollte nicht und wurde ärgerlich. Die Jungen und ich waren schon sehr gespannt auf die Reise. Aber dann sagte Daddy, es gebe einen Platz für mich in einem Jumbo(Trainingslager für Jugendliche) auf den Philippinen. Das hätte mich fast noch mehr gereizt, denn in ein solches Trainingslager zu fahren, war das höchste Ziel in meinem Leben und in dem aller Jugendlichen. Mir wurde gesagt, daß es für mich eine besondere Gnade sei, dorthin zu gehen und beim Propheten zu lernen, damit ich in der Zukunft ein Führer werden könnte. Ich war hin- und hergerissen, aber als Dad und ich schließlich beteten und wir mit der Führerschaft berieten, wurde beschlossen, daß wir zuerst nach England gehen würden, um von meiner Mutter die nötige Unterschrift zu erhalten, mit der sie erklären sollte, daß sie keine gesetzlichen Rechte mehr über mich hätte und ich nun legal der Familie und Berg gehöre.
Als wir nach England kamen, verbrachten wir die erste Nacht in einer kleinen Wohnung, denn im Family-Haus war kein Platz für uns. Als Vater eingeschlafen war, ging Mutter mit uns in die Bibliothek, setzte uns nieder und fragte uns, was wir davon hielten, ein bißchen von Vater fortzugehen und die Großeltern zu besuchen. Wir waren erstaunt und gingen mit Mutter. Ich glaube, der Hauptgrund, warum ich mitging, war, daß ich gespannt war und weil ich meine Großeltern seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Die ersten paar Monate waren wir alle vorsichtig für den Fall, daß Daddy uns zurückholen würde.
Am Anfang wollte ich gar nichts Schlechtes über die Family und über Berg hören, aber bald erschien mir das, was Mutti sagte, sinnvoll. Berg ist ein echter Perverser und seine Lehren waren so zurechtgebogen, daß sie seinen Zwecken dienten. Ich brauchte lange, bis ich das alles erkannte, aber als ich in die Schule ging und mit Leuten außerhalb der Gruppe zusammenkam, kam ich drauf, daß seine Lehren nicht normal waren. Jetzt, da ich beide Seiten kenne, kann ich selbst entscheiden, woran ich glaube und was ich denke, daß richtig ist und nicht, statt daß mir einfach gesagt wird, was ich zu glauben habe.
Mutter gab mir auch ein Buch über Kulte und erklärte mir, daß Berg nicht der Einzige sei, der behaupte, ein Prophet zu sein und dem eine große Gruppe folgt und sich selbst die "Elite" nennt.
Jetzt, 2½ Jahre später, bemühe ich mich wirklich, anderen Leuten verstehen zu helfen, was bei den COG los ist. Manche Leute sagen, es sei nicht schädlich, aber wie wollen sie das wissen, sie waren ja nicht drinnen. Ich glaube auch, daß manche Aspekte dieses Lebens gut sind, aber ich befürchte, daß die schlechten überwiegen.
Auf einer Konferenz, die ich mit meiner Mutter besuchte, sprach ich mit einer Dame und ich fragte sie, was sie denke. Sie sagte, sie habe einen Sohn in den COG und sagte, sie sei glücklich, wenn er es auch sei. Nun, er mag glücklich sein, vielleicht ist er ein Kinder-Belästiger und möchte Frauen als ständige Sex-Sklaven haben. Dann wird er natürlich glücklich sein in einer Gruppe, die das gestattet, was er gern hat. Was Leute glücklich macht, muß nicht immer gut und richtig sein. Ich fragte die Frau über ihre Enkelkinder, aber da wechselte sie das Thema."(AJEMIAN 1992)


Kommentar

Hier beschreibt ein junges Mädchen, fast noch ein Kind, mit einfachen Worten ihre Erlebnisse bei den "Kindern Gottes". Sie hat frühe Erinnerungen an Indien, wo sie geboren wurde und auch daran, daß sie auf die Straße zum Betteln und Missionieren mitgenommen wurde. Sie erinnert sich an ihre religiöse Prägung, die den Glauben an "MO" mit einschloß. Mit 2 1/2 Jahren erlebt sie, wie ihre Familie auseinanderbricht und der Vater die Mutter "rauswirft" und zu einem anderen Mann schickt. Diesen anderen Mann erlebt sie als beängstigend; er mißbraucht sie in Abwesenheit ihrer Mutter, beschimpft und kritisiert alle und verbreitet so nicht das Fluidum eines beschützenden und sorgenden Vaterersatzes. Obwohl sie von klein auf "mit Sex im Kopf" aufgewachsen war, kamen ihr die Übergriffe ihres Stiefvaters "unheimlich" vor und sie versuchte sich dem, trotz ihrer Prägung, daß Sex gottgewollt und O.K. sei, zu widersetzen, was ihr nicht gelang.
Was muß ein Kind erlebt haben, das sich selbst mit 1o Jahren als "körperlich und geistig verbraucht" beschreibt?
Sie erzählt nicht von einer behüteten Kindheit im Schutz von liebenden und sorgenden Eltern, nicht von Spielen mit Gleichaltigen, von Zeit für Wachsen und Reifen. Stattdessen berichtet sie von schwerer Arbeit, von Reisen ohne Begleitung durch ihre Eltern, von sexuellen Übergriffen durch Erwachsene, denen sie ausgeliefert war und von Scham, die sie dabei empfand.
Dieses natürliche Schamgefühl wurde ihr als "Heimsuchung" gedeutet und als Gegenmaßnahme oder "Buße" mußte sie mit irgendeinem zugewiesenen Jungen schlafen. Sie schreibt, daß dies nicht nur ihr passiert sei, sondern übliche Praktik innerhalb der Gruppe war.
Sie muß die MO-Briefe lesen, in denen Berg über Sex mit seiner Mutter phantasiert. Was mag ein Kind dabei empfinden, dem beigebracht wurde, daß dieser Mann "heilig" sei?
Man spürt ihren Zorn, wenn sie im Rückblick erkennt, daß sie gezwungen wurde, Dinge zu tun, die sie nie hätte tun wollen, wie z.B. den Beischlaf mit dem verheirateten Hirten, in dessen Familie sie als Kindermädchen gearbeitet hatte, um nicht mit ihrem Stiefvater leben zu müssen. Sie konnte dem Mißbrauch auch durch den Ortswechsel nicht entgehen.
In Indien leidet sie mit den geprügelten Kindern und erlaubt sich die Gedankenfrage: "Was für einem Gott diene ich wirklich?"
Sie muß vor versammelter Mannschaft für ihre leibliche Mutter beten und den Satan aus ihr wegschicken, weil man ihr sagt, ihre Mutter sei schlecht. Welche unglaubliche Belastung für ein Kind!
Mit 11 Jahren nimmt sie an verordneten Orgien teil. Sie sieht und tut Dinge, die normalerweise nicht für Kinder geeignet sind und ihrem Entwicklungsstand in keinster Weise entsprechen. Sie erkennt trotz ständig anders lautender Indoktrination, daß es wohl nicht gut und richtig sein kann, wenn minderjährige Mädchen schwanger sind und nicht wissen, wer der Vater ihres Kindes ist.
Als sie mit Hilfe ihrer Mutter die "Kinder Gottes" verläßt, erkennt sie in normaler Umwelt schnell die Manipulationen und falschen Lehren der Sekte. Es wird ihr ein Anliegen, anderen von den internen Vorgängen zu berichten.
Kristina ist heute 2o Jahre alt. Ich weiß nicht, ob sie ihre traumatischen Kindheitserlebnisse aufarbeiten konnte und ein normales Leben führt. Ich halte es aber für "gesund", über diese Erlebnisse zu berichten und sie nicht schamhaft zu verdrängen. Wir wissen heute, daß mißbrauchte Kinder oft erst als reife Erwachsene Probleme aufgrund des frühen Mißbrauchs bekommen und wir wissen auch, daß die Opfer von Gestern oft die Täter von Morgen sind. Kristina tut etwas für sich und sie hat dabei die Unterstützung ihrer Mutter. Mehr kann man ihr nicht wünschen.
Dies ist keine Dispenz für die Verantwortlichen der "Kinder Gottes", und für die Erwachsenen, die jene benutzten und beschmutzten, die ihnen ausgeliefert waren.
Kinder vertrauen ihren Eltern; sie haben keine andere Wahl. Umso schlimmer, wenn sie erleben, was Kristina als Alltag bei den "Kindern Gottes" beschreibt. Solche Lebensumstände hinterlassen seelische Wunden, deren Auswirkungen wir heute zwar schon ahnen, gegen die wir aber nichts unternehmen können. Ich bin überzeugt, daß alle diese Kinder dringend therapeutische Hilfe brauchen, die sie innerhalb der Gruppe nie bekommen werden. Und ich bezweifele, ob der Schutz des Artikels 4 GG den religiös motivierten Mißbrauch umfaßt.


Die Geschichte der Enkeltochter Merry Berg

Richter Ward schreibt, daß er die Aussage dieser wichtigen Zeugin besonders sorgfältig prüfte, da sie ein "enttäuschtes früheres Mitglied" sei. Sie sei außerdem eine Frau mit einer ungewissen psychiatrischen Geschichte, deren Gesundheit zerbrach, als sie bei der Family war, wo sie ohne Frage psychotische Episoden erlebt habe. Doch je länger sie aussagte, umso mehr wurde er von der Glaubwürdigkeit ihrer Geschichte überzeugt. Er war bestürzt über ihren Bericht von ihrem Exorzismus und begann zu denken, daß dies unmöglich wahr sein könnte. Doch später las er einen eigenen Bericht der Family darüber und stellte fest, daß Merry Berg eher noch untertrieben hatte. Die Familie veröffentlichte, daß Merry Berg nur im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit stehen wolle und deshalb in Talkshows übertriebene und unwahre Dinge sage. Richter Ward schreibt:
"Diese Kritik an ihr weise ich vollständig zurück. Das ist überhaupt nicht der Eindruck, den sie auf mich machte. Weil ich ihr glaube, stelle ich fest, daß Berg und Maria in ihren Schlafraum kamen und während Maria und Sarah sprachen, Berg in ihrer Gegenwart in ihr Bett stieg und sie streichelte. Das geschah mehrere Male. Sie wurde in seine Räume gerufen. Er war impotent und sie hatten keinen sexuellen Verkehr, obwohl er einmal versuchte, in sie einzudringen, deshalb gibt es genau genommen keinen Beweis für Inzest. Er zerriß ihr Jungfernhäutchen mit seinem Finger. Sie hatten oralen Sex. Das war oraler Sex von ihm an ihr, soweit sie sich erinnern konnte nicht von ihr an ihm."(Urteil 1995, S.125)
Richter Ward nennt die Behandlung, der Merry Berg ausgesetzt gewesen sei, entsetzlich. Während des Kreuzverhörs wäre er überzeugt worden, daß ihre Aussagen eher unter- als übertrieben waren. Bezüglich ihres fehlenden Respektes für ihren Großvater, den sie bei den Führern in täglich anzufertigenden Berichten "beichtete", schreibt er:
"Wer kann es dem Mädchen verdenken, daß ihr der Respekt fehlte für einen Mann, der von den anderen so verehrt wurde, wenn sie aus persönlicher Erfahrung wußte, daß er einen faulen Mundgeruch hatte, zuviel trank und sie sexuell mißbrauchte. Dafür wurde sie brutal bestraft. Ihr Verbrechen war, daß sie zum Satan gehalten hatte. Das führte dazu, daß in einem Zeitraum von zwei Monaten fünf große Exorzismen an ihr ausgeführt wurden. Sie wurde einer totalen Überflutung durch die Heilige Schrift ausgesetzt, ganztägig, wobei die obersten Führer "mit ihr gemeinsam laut lasen, um ihren Verstand, ihre Ohren und Augen ständig beschäftigt zu halten mit einem ständigen Einflößen des Heiligen Geistes". Sie beteten über ihr, bis zu 5o mal am Tag. Sie war 14 Jahre alt! Sie sagte mir in ihrer Aussage, daß fast jedes Wort, das Berg äußerte, auf Tonband aufgenommen wurde. Damals dachte ich, das sei ziemlich phantastisch. "Das letzte Stadium", ..geschrieben im August 1987, scheint eine Abschrift von auf Tonband aufgenommenen Gesprächen zu sein und es stellt einen wörtlichen Bericht über den Dialog zwischen diesem leicht beeinflußbaren Teenage-Mädchen und ihrem Großvater dar."(Urteil 1995, S.135)
Die folgenden Auszüge aus dem o.g. Brief stammen aus der deutschen Übersetzung und dokumentieren die bösartige Behandlung dieses Mädchens durch ihren Großvater:
29. (Mene kommt herein und Dad begrüßt sie mit einem liebenden Kuß und einer Umarmung) Lobe den Herrn, Liebling, wie geht es Dir? Schütze sie und hilf ihr, Herr, denn wir sprechen mit ihr über ihre Probleme, in Jesu Namen. .. (Dann, mit sehr lauter Stimme): Hallelujah! Hallelujah! Hallelujah! (Dad bricht in Zungensprechen aus, eine ganze Minute lang, während er Menes Kopf ergreift mit beiden Händen und sie bei jedem Satz, den er spricht, heftig schüttelt!)
3o. Geh hier heraus, Teufel! Geh hier heraus, im Namen Jesu! Geh hier heraus! Im Namen Jesu, geh hier heraus! Hallelujah! Im Namen Jesu! Ich widersage dir, Satan! Schau mich an! Geh hier heraus. (Schlägt sie ins Gesicht) Geh hier heraus, widerstehe dem Teufel im Namen Jesu! (Mene: ich widersage dir, Teufel, im Namen Jesu!) Verlasse mich sofort, Satan! (Mene: verlasse mich sofort, Satan!) Geh aus mir heraus! (Mene: Geh aus mir heraus!) Fliehe aus mir für immer! (Mene: fliehe aus mir für immer!)
31. Hörst du mich: (schlägt sie). (Mene: Yes, Sir!) Hörst du mich? (Mene: Yes, Sir!) Hörst du mich? (Mene: Yes, Sir!) Verstehst du mich? (Mene: Yes, Sir!) Verstehst du, wovon ich spreche?

(Mene: Yes, Sir!) Das wirst du bekommen, wenn das wieder vorkommt! (Dad stößt Mene in ihren Sessel).
32.Diesmal wirst du nicht so einfach davonkommen! Du gottverdammter, schmutziger Teufel, der uns Ärger bereitet in ihr, diesmal kommst du nicht so einfach davon! Sie wird für dich leiden, du verdammter Teufel! Jedesmal, wenn sie dich wieder einläßt, wird sie für dich leiden!
36. So etwas ist mir bis jetzt noch nicht untergekommen. Von Anfang der Familie an, von meinen ersten Kindern, habe ich sie mit der Rute geschlagen, ich habe sie geschlagen, bis sie um Gnade riefen!
37. Nie mehr! Von jetzt an werde ich den Teufel aus dir hinausschlagen, wenn es sein muß! So haben sie es in früheren Tagen gemacht, sie geißelten und peitschten und schlugen mit der Rute den Teufel aus ihnen hinaus.
38. Wie kannst du, meine eigene Enkeltochter, von der man erwartet, daß sie eines meiner geretteten Kinder sei, wie kannst du den Satan einladen und Flüche auf andere werfen, kleine Teufel zu anderen Leuten schicken? Ich will so etwas nie wieder von dir hören! (Schlägt Mene ins Gesicht) Ist dir das klar? (Mene: Yes, Sir!) Niemals? (Mene: Yes, Sir!) Never! Und wenn ich es nochmal höre, dann bist du draußen! Ich kümmere mich nicht darum, wer, zur Hölle, du bist oder wohin, zur Hölle du gehen sollst, du fliegst hinaus!
39. Heute abend bekommst du kein Nachtmahl und du wirst fasten und beten und wirst jede Stunde des Tages mit jemand beten und auch in der Nacht, bis du geheilt bist und du nicht mehr diese gottverdammten schmutzigen, üblen kleinen Dinge zurück in deinen Kopf läßt! Ist das klar? (Aug-in-Aug mit Mene) (Mene: Yes, Sir!) Oder muß ich über dich kommen und den Teufel aus dir hinausschlagen? Ha? (Mene: No)
4o. Gott hat uns nicht den Geist der Angst gegeben, außer der Angst vor Gott und vor mir, deinem Großvater, deinem Vater! Du solltest mich fürchten.
42. Von jetzt an wirst du körperliche Bestrafung erleiden!
45. Ich bin das Gericht der letzten Instanz!
48. Hat dich jemand schon vorher so bestraft? (Mene: Ja) Wer? (Mene: Onkel Peter) (Peter: ich habe sie einmal wirklich hart geschlagen) Nun, sie hat es zweifellos verdient! (Maria: es war aber nicht so, wie du es ihr gerade gegeben hast!)
49. Ich habe eine Rute hier. Bringt ihr sie mir, bitte?
52. Soll ich dir helfen, zu verstehen, was du bekommen wirst? Komm her, ich lasse es dich einmal spüren. Beuge dich vor. (schlägt sie) Hast du das gespürt? Nun, das nächste Mal wird dein Hinterteil nackt sein und dann wirst du es wirklich spüren!
54. Deine Großmutter Eve war geisteskrank.
55. Deine Mutter Shula ist geisteskrank, eine Unzahl von Leuten kann das bestätigen. Dein Vater Aaron war geisteskrank! Wenn Gott nicht gewesen wäre, wäre er schon viel früher von einem Felsen gesprungen!
64. Nun strenge dich an und höre damit auf und benimm dich und lasse den Teufel nicht mehr ein! ... Und wenn sie eine Rute verwenden müssen, um ihn aus dir auszutreiben, schön, sie haben meine Erlaubnis! (Sara: Ja, Sir, ich werde es tun!) Wenn ihr sie schlagen müßt, um sie aufzuwecken und ihr diesen Geist auszutreiben, dann schlagt sie! Schlagt sie gut! Schlagt sie herum! Gebt es ihr!
71. Willst du, daß Gott dich töten muß, um dich zu retten und um deine Nutzlosigkeit vor Gott zu beenden?
72. Mene, hör mir zu! Ich würde dich lieber tot sehen als in den Händen des Teufels! Aber ich werde dich nicht töten! Das gab es nur unter dem alten Gesetzt! Die Eltern konnten mit den anderen Bewohnern eines Dorfes zusammenkommen und ein dämonenbesessenes Kind zu Tode steinigen! Unter den jetzt geltenden Gesetzen kann ich das nicht tun. Auch wenn du so schlecht bist, daß ich es tun möchte!
81. Glaubst du, du könntest draußen irgendwie durchkommen? Die einzige Möglichkeit für dich, dich durchzubringen, ist als Hure, das ist alles!
9o. Du bist schmutzig, du bist unrein, du stinkst! Deine Selbstgerechtigkeit stinkt am meisten, wie stinkende, schmutzige Menstruations-lappen! Das sagt Gott! (Isa. 64:6) Deine Selbstgerechtigkeit ist wie ein Menstruations-lappen. Willst du so stinken? (Mene: nein) So stinkst du vor Gottes Angesicht, so stinkst du nach Ansicht aller hier und nach meiner Ansicht, für das, was du getan hast! Und wir wollen den Gestank nicht länger ertragen, ist das klar?
91. Wir können dich nicht einfach allein hinauswerfen, du bist nicht alt genug, du bist minderjährig, du mußt einen Elternteil bei dir haben.
93. Es kommt ein Punkt, an dem es keine Wiederkehr gibt, wo es Gott krank macht und er es satt hat und fertig ist mit die, wo du für ihn oder seine Family nichts mehr wert bist und er dich berechtigterweise töten kann, wenn er es will, damit du kein Stolperstein für andere wirst!
17o. Ich vertrete Gott dir gegenüber und er ist zornig, er ist zornig auf dich! Er hat dir hier fast den Kopf abgerissen! Das war Gott!
183. Wir können dich nicht töten, das ist die Aufgabe Gottes. Wir werden dich loswerden müssen.
189. Ich schlage vor, daß ihr sie am Bett festbindet!
19o. Laßt sie vorher noch auf die Toilette gehen. Ich mache mir auch nichts draus, wenn sie das Bett naß macht.
194. Wenn das Schlagen nicht die Hölle aus dir hinausbringt, dann wirst du die Hölle bekommen außerhalb von hier!
198. Ich hätte dir gerne noch mehr gegeben mit diesem Stock!
213. Wir werden ja sehen, meine Liebe, ob du wirklich bereust oder nicht. Eine Nacht im Bett angebunden kann helfen, dich zu heilen.
215. Du könntest im Bett ausgepeitscht und mit dem Rohrstock geschlagen werden!
243. (zu Mene:) Lobet den Herrn, wird das Wunderkind wieder reuig zurückkehren? (Mene: Ja, Sir!) Ich liebe dich, mein Schatz. Ich denke, daß in deinem Leben dich noch nie jemand so geliebt hat wie ich und du willst diese Liebe doch nicht verlieren, nicht wahr? (Mene: Nein, Sir!) Glaubst du das? (Mene: Ja, Sir!) Ich liebe dich!"(BERG 1987)
Richter Ward schreibt dazu:
"Ich betrachte das als bösartige Behandlung eines schutzlosen Kindes. Zu sagen: "Ich liebe dich, Sweetheart", macht das ihr Angetane nicht wieder gut. Sie wurde körperlich mißhandelt und sie wurde emotional mißhandelt. Sie wurde in Angst versetzt; sie wurde gedemütigt; ihr Selbstwertgefühl wurde herabgesetzt. Maria und Peter standen dabei und sahen zu, wie das geschah und fanden es für richtig. Sie zeigten wenig mehr Gefühl und Einsicht als ihr zeitweise geistesgestörter Führer. Ich kann nicht akzeptieren, daß das in irgendeiner Weise eine Behandlung für die emotionalen Probleme war, unter denen das Kind zweifellos litt."(Urteil 1995, S.137)
Dann beschreibt er ihren weiteren Leidensweg in das Straflager in Macao, wo sie letztlich zusammenbrach und endlich in eine richtige Behandlung geschickt wurde.
Ein Kinderpsychiater hat ihm eine Beurteilung des Falles gegeben, der er zustimme: Merry erfuhr eine völlig unakzeptable Behandlung.
"Es handelte sich um ein Kind, das in einen Konflikt geraten war zwischen dem, was sie sah und was mit ihr geschah, von dem sie wußte, daß es falsch war, das man sie aber gelehrt hatte, als richtig anzusehen. Enttäuscht und deprimiert zweifelte sie. Wenn, wie es bei Merry Berg geschah, ein wichtiger Grund für einen mentalen oder nervlichen Zusammenbruch das Gefühl ist, daß man zu wenig Glauben oder Vertrauen hat und die beschriebene Behandlung einem einhämmern soll, was für ein wertloser Sünder man sei, dann verstärkt diese Behandlung die Selbstzweifel und die Behandlung selbst wirkt zerstörerisch und psychologisch schädigend."(Urteil 1995, S.137)
Dann zitiert Richter Ward aus der Zeugenaussage von Merry Berg, die er mitgeschrieben hatte:
"Ich versetzte sie in Bestürzung, als ich 13 oder 14 war, denn ich begann zu bemerken, daß Großvater ein Heuchler war, der Regeln für andere aufstellte, die aber für ihn nicht galten. Er schrieb einen Tag dies und am nächsten Tag das Gegenteil, weil Gott seine Meinung geändert hatte. Er war sehr widersprüchlich. Er war ein chronischer Alkoholiker. Es war sehr verwirrend. Wenn er krank war, trank er und rief verschiedene Frauen in sein Zimmer für sexuelle Beziehungen oder sexuellen Trost. Es war sehr schwer, diesen Mann zu respektieren, wenn er so betrunken war. Ich blicke jetzt auf seine Schriften zurück als auf die Raserei eines betrunkenen Verrückten. Noch etwas hat mich beunruhigt, als ich 14 war - ich begann meinen Glauben an die Gruppe und an den Propheten zu verlieren - an alle Dinge, an die ich geglaubt hatte. Ich sah wilde Bilder und Visionen und sie sagten, das zeige, daß ich auf den Satan höre. Sie sagten, Satan und Dämonen greifen mich an. Ich weiß nicht, ob es meine Einbildung war, aber ich sah Dämonen. Ich sprang erschrocken aus dem Bett, weil ich dachte, die Dämonen würden mich sexuell angreifen. Ich versuchte mich zu verstecken. Ich vertraute mich Sarah an, meinem Stiefvater, Faithy und anderen, denn ich hatte Angst vor dem Satan und wollte es für Gott richtig machen und brauchte die Anerkennung der Gruppe. Sie schlugen mich. Später riefen sie die Führerschaft zusammen, zogen mir die Hosen hinunter und schlugen mich öffentlich, was für mich erniedrigend war, denn diese Leute waren mir wichtig. Sechs Monate später, als sie es meinem Großvater sagten, befahl er ihnen, mich mit seiner Rute zu schlagen, wann immer ich gewalttätige Gedanken hatte oder Monster sah ... Sie schlugen mich viele Male, schlugen meinen Kopf gegen die Wand und schlugen mir blaue Flecken. Ich war hilflos und wußte nichts anderes. Mein Stiefvater schlug mich mit der Hand. Ich empfand das alles als Folter und einmal wurde mir schlecht und ich erbrach. Sie sagten, ich hätte die Dämonen erbrochen. Der Exorzismus machte mir Angst."(Urteil 1995, S.138)
In dem Brief "Traumatic Testimonies" wird der Zustand von Merry Berg so beschrieben:
"Sie ist tatsächlich bei schwachem Verstand, wie Großpapa sagte. Sie kann sich schwer konzentrieren und es fällt ihr schwer, ihren Worten Sinn zu geben und oft kann sie einen Satz, den sie begonnen hat, nicht zu Ende bringen. ... Welch ein Unterschied zu dem klugen, scharfsinnigen und intelligenten Mädchen, das sie früher war. Sie versteht jetzt beim ersten oder zweiten Mal nicht richtig, - manchmal auch beim dritten Mal - Es ist sehr traurig! Sie ist nicht scharfsinnig, sie ist sehr dumpf und hat ihren Witz verloren. Bei den Unterrichtsstunden ist sie oft abwesend, es ist für sie sehr schwer, sich zu konzentrieren. ... Sie hat einige seltsame Gewohnheiten entwickelt, z.B. wenn ihr negative Gedanken kommen durch den Feind, beginnt sie, sich Haare auszureißen, das geht so weit, daß sie bereits kahle Stellen hat! Sie kratzt sich die Lippen mit den Fingernägeln auf verrückt-nervöse Art auf und ein anderesmal beginnt sie, sich unkontrolliert zu kratzen, fast wie ein Affe. Sie hat oft dunkle Ringe unter den Augen aus Sorge. Die vielen Sorgen verursachen ihr Magenprobleme, was wieder zur Folge hat, daß sie einen sehr schlechten Atem hat. Sie schläft nicht gut, ihr Schlaf ist oft unterbrochen, weil sie sich nicht entspannen kann ... Wie ihr also aus diesem Bericht ersehen könnt, hat Merry Berg immer noch sehr ernste Probleme und in den Augen des Systems würde sie als geisteskrank angesehen werden und würde zweifellos in einer Irrenanstalt eingesperrt werden. Danket Gott für die Liebe und Gnade und Großpapa, der ihr erlaubt hat, in einem der Homes unserer Family zu bleiben, wo sie an Gottes Geist teilnehmen kann, der sie langsam reinigt von diesen Übergriffen des Feindes, die sie sich selbst zuzuschreiben hat."(Urteil 1995, S.139)
Dann folgt die Zeugenaussage eines Mitgliedes der "Kinder Gottes", die Merry Berg in der fraglichen Zeit "betreut" hat:
"Nachdem wir uns 3½ Jahre um die besagte Merry Berg angenommen hatten, wurde ihr Zustand, statt sich zu bessern und zu normalisieren, wie wir gehofft hatten, leider schlechter und sie geriet in einen traurigen Zustand von Hysterie und Raserei, der so weit ging, daß sie zu den Mahlzeiten mit dem Löffel gefüttert werden mußte - was nur dazu führte, daß sie absichtlich die Nahrung wieder erbrach, nachdem wir stundenlang mit ihr gekämpft hatten, um ihr beim Essen zu helfen. Sie begann die Kontrolle über Blase und Darm zu verlieren und wurde inkontinent. Sie riß sich die Haare büschelweise aus, sie lagen überall herum, auf Tischen etc. und sie entkleidete sich oft in der Öffentlichkeit. Sie begann, im Haus herumzurennen und drohte, mich und meinen Mann zu verletzen, wenn wir sie nicht irgendwie unter Kontrolle hielten, sie warf Kleidungsstücke aus dem Fenster und schrie aus vollstem Hals Unanständigkeiten. Dieses extreme Bild von Geisteskrankheit kostete uns Stunden und Stunden unserer Zeit, um sie zu betreuen, sodaß wir uns schließlich entschließen mußten, sie dem Macao Government Centro Mental Hospital zu übergeben. Das war ungefähr im September oder Oktober 199o."(Urteil 1995, S.140/141)

Die nun folgende Zeugenaussage von Bergs Enkelin Merry aus dem Archiv von Frau Nußbaum liegt mir im englischen Original und in Übersetzung vor. Sie wird ebenfalls in mehreren Publikationen zitiert, auch im englischen Gerichtsurteil.
"Als ich 11 war, macht mich Großvater Berg zu seiner Geliebten ... er band mich am Bett fest."
Ich wurde in der Nähe von Dallas in Texas am 5. Juni 1972 geboren. Ich wurde in den Kindern Gottes aufgezogen und verließ sie im Alter von 19 Jahren. Ich konnte die COG verlassen, weil sie mich in ein Spital für Geisteskranke gebracht hatten und ihre Aufmerksamkeit von mir abwendeten. Rückblickend erkenne ich, daß ihre Art, mich als Geisteskranke zu behandeln, letztlich dazu führte, daß ich normal wurde.
Mein Vater war Paul (Aaron) Berg, der Sohn von David Berg, dem Gründer der COG. Als ich neun Monate alt war, beging mein Vater in Genf in der Schweiz Selbstmord, deshalb habe ich keine Erinnerung an meinen Vater. Meine Mutter erzählte mir oft von meinem Vater und ließ mich Tonbänder hören, auf denen er sang und zeigte mir Bilder von ihm.
Der offizielle Name meiner Mutter ist Judy Arlene Helmstetler, aber in den COG wurde sie Shula genannt. Ich trennte mich von meiner Mutter, als ich noch in den COG war und hatte mit ihr seither keinen Kontakt.
Drei Monate nachdem ich geboren wurde, reiste meine Familie mit dem Auto von Texas nach New York und dann nach England. Seit ich neun Jahre alt war reisten wir durch ganz Europa. Ich habe gute Erinnerungen von den COG aus dieser Zeit.
In den COG wurde ich Mene genannt. Mein Name ist Merry Berg, aber eines Tages, als ich in den Kindern Gottes war, wurde mein Familienname in Irwin geändert, denn meine Mutter und ich lebten damals mit Andy Irwin, ihrem neuen Ehepartner. In Italien verteilten wir Schriften, die von MO geschrieben wurden, während ich auf Irwins Schultern saß.
Ich lebte lange Zeit bei meiner Mutter, aber eines Tages wurde ich gewaltsam von ihr getrennt. Meine Mutter und Jane Berg (meine Großmutter), die erste Frau von David Berg, waren in Streit über irgendetwas geraten und meine Großmutter trennte mich von meiner Mutter.
Meine Großmutter reiste immer mit verschiedenen Assistenten. Eines Tages kam einer ihrer Assistenten zu mir und sagte, meine Großmutter reise ab und möchte mir Lebewohl sagen. Meine Großmutter wartete in einem Auto draußen, meine Mutter war zu dieser Zeit nicht da. Mein Stiefvater war zu Hause, aber einige der Assistenten meiner Großmutter beschäftigten ihn, sodaß er nichts bemerkte.
Ohne zu verstehen, was geschah, ging ich zu meiner Großmutter. Sie lud mich ein, in den Wagen einzusteigen. Als ich im Wagen war, schlug sie vor, wir sollten gemeinsam einen Ausflug machen. Weil ich meine Großmutter sehr gern hatte, sagte ich OK.
Das war eine sehr hinterlistige Form von Kidnapping, denn ich wurde von meiner Mutter und von meinem Stiefvater getrennt. Von dort fuhren wir nach Libyen, Tunesien und Malta.
In Libyen traf ich ganz zwanglos mit Colonel Ghadafi zusammen. Wie David Berg haßte er die Juden.
Ich wurde einer Singgruppe der COG zugeteilt. In Malta sang unsere Gruppe im Hilton Hotel - keine Lieder über Jesus, wie wir sie in den COG gewohnt waren, zu singen, sondern z.B. über die Liebesgeschichten von Rußlands Nikolaus und Alexandra.
Eines Tages, bevor ich auf die Hotelbühne ging, ging ich mit einem Jungen gleichen Alters durch die Halle, als plötzlich eine Frau erschien und sagte: "Erinnerst du dich noch an mich? Ich bin deine Mutter" und sie umarmte mich. Ich sagte nein, ich erinnere mich nicht. Sie hatte einen Jungen bei sich, der etwa zwei Jahre jünger war als ich, und sagte: "Das ist dein jüngerer Bruder".
Nachdem wir uns etwa eine halbe Stunde umarmt hatten, begann ich zu begreifen, daß sie tatsächlich meine Mutter war. Zu dieser Zeit hatte ich sie seit mehr als 1½ Jahren nicht mehr gesehen. Aber wahrscheinlich hatte ich in meinem Herzen die ganze Zeit an sie gedacht.
Meine Mutter blieb im Hilton Hotel, wo wir sangen und versuchte, mich zurückzubekommen. Während ich im Zimmer meiner Mutter war, begann jemand heftig an der Tür zu klopfen. Es war Stefan, einer der Assistenten meiner Großmutter. Meine Mutter schob alle Möbel, die im Raum waren, vor die Türe, damit er sie nicht öffnen könne.
Zwei Tage später brachte mich meine Mutter zum Flugplatz mit einem wohlhabenden Italiener, den sie gefischt hatte. Während sie die Flugkarten kaufte, tauchten Stefan und meine Großmutter auf und meine beiden Arme wurden zu Seilen in einem Ziehkampf zwischen meiner Mutter und Stefan. Ich fühlte mich neutral und ließ mich ziehen, ohne eine klare Bevorzugung einer Seite auszudrücken. Denn ich dachte, wenn ich versuchte, mit meiner Mutter zu gehen, würde ich später, wenn ich meiner Großmutter zurückgegeben würde, große Schwierigkeiten mit ihr haben.
Meine Mutter begann mit lauter Stimme zu schreien. Die Flughafenpolizei kam und brachte uns alle in einen getrennten Raum. Dort schien sich die Situation zu beruhigen, wenigstens oberflächlich.
Am Ende wurde ich meiner Mutter zurückgegeben. Meine Mutter fragte mich dann: "Wurdest du von deiner Großmutter gehirngewaschen?" Das war das erstemal, daß ich den Ausdruck "Gehirnwäsche" hörte.
Gerade zu dieser Zeit, 1978, waren die Kinder Gottes inmitten eines großen strukturellen Umbaus. Ich erlebte die "Sharing Time" zum erstenmal, als ich in Frankreich war. Ich erinnere mich, daß die Männer viele Kisten Bier in den Raum brachten. Obwohl Kinder dabei waren, teilten sich die Erwachsenen in Paare und beschäftigten sich mit Sex.
"Mein Stiefvater vergewaltigte mich, als ich sieben war"
Da ich in den Kindern Gottes geboren und aufgewachsen war und auch bereits von ihnen gehirngewaschen, fand ich das, was um mich vorging nicht besonders seltsam.
Als ich sieben war, lebte ich mit meiner Mutter, meinem Stiefvater und einer alleinstehenden Frau in einer kleinen Kolonie. Meine Mutter wurde sehr eifersüchtig, als mein Stiefvater eine Beziehung mit der anderen Frau begann. Und damals wurde ich auch zum erstenmal von meinem Stiefvater sexuell mißbraucht.
Ich versuchte, Widerstand zu leisten, halb im Spaß, aber ich hatte keine Wahl und mußte nachgeben. Zu dieser Zeit fühlte ich mich seltsam, ich fühlte mich nur noch schlecht.
Im Alter von sieben Jahren wußte ich natürlich nicht, was Inzest ist. Und ich wurde in ein inzestöses Verhältnis mit meinem um zwei Jahre jüngeren Bruder verwickelt. Denn die COG ermutigen ein solches Verhalten besonders.
Im Alter von neun Jahren reiste ich mit meinem Stiefvater und seiner Freundin durch Griechenland, Sri Lanka und die Philippinen. Meine Mutter kam nicht mit uns, aber ich dachte nicht im Traum daran, daß ich sie nie mehr sehen würde.
Während dieser Reisen wurde mein Stiefvater zu einer "Einheit" geschickt, das ist ein geheimer Ort und wir wurden getrennt. Von da an wurden Paul und Marian meine "Ersatzeltern". Ich höre, daß Paul und Marian jetzt in Japan leben und dort zu den obersten Führern gehören.
Ich war immerhin erst neun Jahre alt, aber Paul lehrte mich, wie man einen Strip-tease vorführt und lehrte mich viele aufreizende Dinge. Ich lernte auch, wie man Sex mit jedermann durchführt. Paul sagte mir, das sei sehr wichtig.
Aber zu dieser Zeit verstand ich bereits, daß, wenn die Leute außerhalb der COG wüßten, was dort vorging, sie es wahrscheinlich nicht glauben könnten.
Als wir auf die Philippinen kamen, merkte ich, daß wir der obersten Führerschaft der COG ziemlich nahe waren, denn die Vorschriften wurden plötzlich strenger. Ich wurde oft ermahnt, mein Haar hochzubinden, wenn ich fortging, damit ich nicht wie ein Hippie aussehe.
Eines Tages wurde ich in das Heim des Gründers der Gruppe eingeladen, zu MO (David Berg). Zu dieser Zeit wurde nur eine beschränkte Zahl von Mitgliedern direkt zu meinem Großvater vorgelassen, so war das die größte Ehre für mich. Ich fühlte mich, wie wenn ich ins Paradies gehen sollte.
"Großvater Berg machte mich zu seiner Geliebten"
Ich erhielt einen Telefonanruf von meinem Großvater und wurde aufgefordert, in sein Zimmer zu gehen. Das war am 17. Dezember 1983. Ich war 11 Jahre alt, ich werde das für den Rest meines Lebens nicht vergessen. Als ich in das Zimmer meines Großvaters kam, wurde ich den Kindern vorgestellt, die ihm seine Frau geboren hatte. Mit seinem langen Bart sah mein Großvater ganz wie ein Prophet aus. Nachdem er mich eine Weile umarmt hatte, zeigte er mir eine Uhr, die er kürzlich gekauft hatte. Er verhielt sich sehr ruhig, jedoch das dauerte nicht lange.
Mein Großvater machte alle seine Geliebten zu Königinnen und steckte ihnen Ringe an die Finger. Er steckte auch mir einen Ring an den Finger. Mit anderen Worten, er hoffte auf sexuelle Beziehungen mit mir. Mein Großvater hatte Inzest mit mir.
Ich war gerade erst 11 Jahre alt, aber weil ich von den COG gehirngewaschen war, dachte ich, es sei eine gute Sache, der Führerschaft zu gefallen. Ich wollte so nahe wie möglich bei MO sein. Zu dieser Zeit hatte ich nicht die leistest Ahnung davon, daß meines Großvaters Frau zu sein auch bedeutete, seine Gefangene zu sein.
Aber als ich längere Zeit in seiner Nähe verbrachte, zerbrach das Bild, das ich mir ursprünglich von meinem Großvater gemacht hatte.
Gerade zu dieser Zeit hatte mein Großvater detaillierte Berichte über das Buch, das Deborah geschrieben hatte, entweder gelesen oder davon gehört. (Dieses Buch wurde 1984 geschrieben.) Er war richtig verstört. In ihm herrschte völlige Leere, wie wenn sein ganzer Körper mit Ketten umwunden wäre, die es ihm unmöglich machten, sich zu bewegen. Und er sagte oft böse Dinge über Deborah.
Ihn so zu sehen, erschütterte das Bild, das ich von meinem Großvater in mir getragen hatte. Ich dachte, er sei nicht normal.
Danach erschien mir mein Großvater im Traum in großer Angst. Er schien schwach im Geist und depressiv zu sein. Hinter der Szene war es Maria, die ihn manipulierte und seinen Ruf als Prophet aufrechterhielt.
Moses war auch ein Alkoholiker. Obwohl es eine strenge Regel gab, daß die Anhänger nur 4 Unzen Wein pro Woche trinken durften, trank mein Großvater dauernd Sherry. Er ließ nie ab von der Flasche.
Als ich das erkannte, begann ich mich zu wundern. Warum trinkt er, um glücklich zu sein? Warum vertraut er nicht auf Gott? Daß er sich auf den Alkohol verließ, zeigte, daß er ein schwacher Mensch war.
Die Führer erklärten mir: "Moses ist eine Ausnahme, er darf alles tun." Aber ich war mit dieser Erklärung nicht zufrieden.
Auch sagte mein Großvater immer zu den Anhängern der COG, daß sie nicht auf andere eifersüchtig sein dürften, er aber war nicht nur auf seine Frauen eifersüchtig, sondern auch auf andere Mitglieder.
So türmte sich eins aufs andere und ich begann an meinem Großvater zu zweifeln. Das begann an meinem Herzen zu nagen, bis ich nicht länger schweigen konnte. Ich begann zu beichten.
Maria ermutigte immer die Anhänger, zu beichten, was sie störte. Indem sie ihnen Beichten entlockte, war sie in der Lage, die Loyalität einer Person zu den COG zu prüfen. Das war nötig, um die Anhänger zu beherrschen.
Die Beichte geht so vor sich, daß man seine Gedanken auf ein Band spricht. Zuerst beichtete ich nur einen winzigen Teil meiner Gedanken. Zu dieser Zeit sagte sie nur sanft zu mir: "Du mußt dir keine Sorgen machen" und schien mitfühlend, aber als ich weiterhin meinen Gedanken Ausdruck gab, verschlechterte sich die Lage nach und nach.
Eines Tages versammelten sich die Führer um mich, legten ihre Hände auf meinen Körper und alle begannen zu beten: "Du spielst mit dem Teufel! Du bist von Sinnen!"
Ein anderesmal entblößte ein Mann namens Peter Amsterdam den unteren Teil meines Körpers und begann mich mit einem Gürtel zu schlagen, während er die ganze Zeit sagte, was für eine sündige Person ich sei. Und das tat er vor allen anderen. Ich war zu dieser Zeit erst 14, aber ich hätte mich nicht mehr erniedrigt gefühlt, wenn ich vor dem Präsidenten der Vereinigten Statten geschlagen worden wäre.
Ich hatte Angst zu atmen. Ich hatte Angst vor dem Teufel und ich hatte Angst vor Gott. Ich zitterte vor meinen Gedanken, davor was ich tun könnte, vor den Menschen rings um mich, vor allem.
Als ich mit dem Gürtel geschlagen wurde, rief ich aus: "Ich will alles für euch tun!" Einige Monate versuchte ich verzweifelt, meine Gedanken zu ändern, meine Zweifel abzuschütteln. Ich sagte mir, daß das Trinken meines Großvaters in Ordnung sei. Aber diese monatelangen Bemühungen waren umsonst, ich konnte mein Denken nicht ändern.
Und schließlich wurde ich "exorziert". Es war wie eine Szene aus einem Film. Sie führten einen grandiosen rituellen Exorzismus auf. Ich konnte mir nicht ausmalen, was passieren würde. Verrückte Gedanken rasten durch meinen Kopf. Ich dachte, daß ich wiederholt den Teufel angerufen hatte.
Zuerst wußte Moses nicht, daß ich exorziert worden war. Aber als ich weiterhin wie gewöhnlich meine verrückten Gedanken beichtete, kamen zwei Männer zu mir. Einer davon war mein Stiefvater. Diese beiden Männer erfaßten jeder einen Arm von mir und brachten mich zu dem Gebäude, wo Moses wartete.
Ich dachte, Moses würde mich umarmen, aber er ergriff meinen Kopf mit beiden Händen und begann mich wild zu schütteln, indem er rief: "Du mußt die Dämonen aus dir vertreiben! Es ist der Wille Gottes!"
Ich dachte, das letzte Ende sei gekommen. Ich mußte alle meine Zweifel vor meinem Großvater beichten. Als ich das tat, begann er, böse Dinge über alle meine Verwandten zu sagen.
"Dein Vater Aaron wurde geisteskrank, bevor er starb." Früher hatte mein Großvater immer darauf bestanden, daß der Tod meines Vaters Mord gewesen sei und nicht Selbstmord. An diesem Abend hatte ich zum erstenmal gehört, daß mein Großvater zugab, daß meines Vaters Tod Selbstmord gewesen sei.
Als ich dann gefragt wurde: "Willst du so werden wie Linda" (Deborah), war ich so erschrocken, daß ich auf der Stelle hätte sterben können.
Halbnackt ausgezogen und geschlagen
Dann ordnete mein Großvater an, daß ich mit ausgebreiteten Armen an das Bett gebunden werden müsse und erklärte, das sei der Wille Gottes. Er sagte, wenn das nicht geschehe, würden die anderen Mitglieder in mir ein lebendes Nachtgespenst sehen. Es wurde sogar gesagt, daß sie Angst hatten, ich würde mitten in der Nacht aufstehen und jemand erwürgen. So banden sie mich mit ausgebreiteten Armen an das Bett.
Trotz allem setzte ich am nächsten Morgen meine Bekenntnisse fort. Sogar nach allem, was ich durchgemacht hatte, wollte ich mich ändern. Das zeigt, wie sehr ich gehirngewaschen war. Als ich beichtete, daß ich im Traum meinen Großvater mit dem Fuß gestoßen hatte, wurde mir wieder der untere Teil des Körpers entblößt und ich wurde wieder geschlagen. Ich hatte niemals vorher solche Schmerzen erlitten. Am Nachmittag, als ich ein weiteres Bekenntnis ablegte, wurde ich wieder geschlagen, nicht einmal oder zweimal, sondern 2o oder 3o mal. Ich hatte große blaue Flecken überall auf den Hüften und Schenkeln. Unter den Männern, die mich schlugen war auch mein Stiefvater. Er tat es, um seine Loyalität zu den COG zu beweisen.
Als ich dann noch eine Beichte begann, erfaßten sie diesmal meinen Kopf und schlugen ihn mehrmals gegen die Wand. Sie müssen sich vorstellen, daß dies alles im Zeitraum eines Tages geschah. Mein ganzer Körper war zwei oder drei Wochen schwarz und blau.
Ein bißchen später versuchte mein Stiefvater, um seine Besorgnis mir gegenüber zu zeigen, mich hinauszuführen. Aber nachdem ich die Stiegen hinaufgeklettert war, brach ich oben zusammen.
Mein Stiefvater trug mich die Stiegen wieder hinunter, doch unten begann ich plötzlich zu erbrechen. Ich erbrach viele Male. Vor meinen Augen wurde alles weiß, es war, wie wenn ich blind geworden wäre.
Eine Frau, die auch unter denen war, die mich geschlagen hatten, rief: "Schau mich an! Schau mich an!" aber ich schrie zurück: "Ich kann nichts sehen!" Ohne Mitgefühl sagte sie: "Alles, was du erbrochen hast, sind Dämonen!"
Später errichteten die COG ein Straflager in Macao zur Aufbewahrung rebellischer COG-Kinder, wo sie versuchen, das Denken der Kinder auf die gleiche Weise zu verändern, wie sie es bei mir versucht hatten. Ich wurde als Beispiel benützt.
Sechs Wochen nachher waren alle wieder freundlich zu mir, aber als sie bemerkten, daß ich mich noch nicht geändert hatte, entschlossen sie sich, mich nach Macao zu schicken.
Ich war bei meinem Großvater auf den Philippinen dreieinhalb Jahre gewesen. Am Tag bevor ich nach Macao fuhr, sagte mein Großvater zu mir: "Du bist ein kleiner Dämon, du gibst nur vor, ein Mädchen zu sein."
Dabei schaute mich mein Großvater an wie der Teufel selbst. Besonders seine Worte "du gibst nur vor" schmerzten mich wirklich, ich hatte nie etwas vorgetäuscht; ich war nur ich selbst.
Am nächsten Tag wurde ich durch meinen Stiefvater und meine Tante Faithy nach Macao gebracht. Mein Onkel Hosea war bereits dort. Zuerst war mein Onkel freundlich, aber das dauerte nicht lange.
Im Straflager in Macao, wo rebellische COG-Teens festgehalten wurden, wurde ich der Gegenstand schwerer seelischer Torturen. Zum Beispiel mußte ich jeden Tag einen Bericht über mich selbst schreiben. Alle kritischen Gedanken gegenüber den COG, die man hat, alle Zweifel, alle die vielen Fehler, die man bisher gemacht hat, all das wird aufgeschrieben. Dann am nächsten Morgen würde ich zu meinem Bericht befragt werden.
"Warum denkst du das?" werden sie mich zu jedem kleinsten Detail befragen. All das geschah, um mein Denken zu beherrschen (kontrollieren).
Sie waren krampfhaft darauf aus, mich mit Angst zu erfüllen. Zunächst wollten sie mich mit Angst vor der Führerschaft erfüllen und mit Angst vor dem schrecklichen Gott, der hinter ihnen stand. Jedesmal, wenn ich in meinem Bericht Bekenntnisse ablegte, war ich von Angst erfüllt, was mit mir am nächsten Tag als Folge des Berichtes geschehen werde. Was ich am meisten fürchtete, war, daß sie mich hinauswerfen würden.
Diese Angst hinterließ an mir ihre Spuren. Ich hatte immer das Gefühl, etwas falsch zu machen. Ich war im Begriff, wahnsinnig zu werden. Die dreieinhalb Jahre, die ich in diesem Straflager verbrachte, hatte ich nie Appetit. Ich magerte mehr und mehr ab.
Es gab dort Teenager im Alter von 12 bis 17 Jahren im Lager.
Eines Tages verlangte ein Junge mit Namen Ben seinen Paß, damit er in die USA zurückkehren könne. Natürlich lehnten die Führer das ab. Er beharrte darauf, verlangte den Paß immer wieder, schließlich schikanierten sie ihn so, bis er sagte, daß er jetzt nicht mehr fortgehen wolle. Statt dessen sprang Ben im Alter von 18 Jahren von einem Gebäude in den Tod.
Nach drei Jahren in dem Straflager wurde ich schließlich wirklich verrückt. Etwas schnappte ein. Ich konnte 13 Nächte nacheinander nicht schlafen, bekam hohes Fieber und konnte vom Bett nicht aufstehen. Ich war bereit zu sterben. Dann gaben sie mir eine Art Medizin. Als ich sie eingenommen hatte, drehte ich völlig durch. Sogar im Schlafen, während mein Geist schlief, stand mein Körper aufrecht und redete.
"Du bist die Gesündeste in dem ganzen Haufen"
Nach einer Weile beschlossen sie plötzlich, mich in ein Spital zu bringen. Sogar als sie meinen Puls fühlen wollten im Spital, konnte ich nicht ruhig auf dem Sessel sitzen bleiben, ich rutschte immer hinunter. Ich war total kindisch.
Der Arzt ordnete an, daß ich sofort mit dem Rettungswagen in ein anderes Spital gebracht werde. Im Ambulanzwagen dachte ich, ich sollte in ein Gefängnis gebracht werden. Als wir in dem anderen Spital ankamen, schrie ich "Kindesmißbrauch!" Wahrscheinlich war der nächste Ort, an den ich kam, ein Spital für Geisteskranke.
Im Spital wurden mir verschiedene Substanzen injiziert und ich wurde gezwungen, starke Medikamente einzunehmen. Aber nach sechs Wochen Behandlung kam ich endlich wieder zur Besinnung.
Es scheint, daß während dieser Zeit die COG beschlossen hatten, mich zu Jane, meiner Großmutter, in die USA zu schicken. Sie entschlossen sich dazu wahrscheinlich, weil ich damals unten durch war und keine Bedrohung für die COG mehr darstellte. Zu dieser Zeit war meine Großmutter bereits vom Gemeinschaftsleben der COG ausgeschlossen. Die COG trugen meiner Großmutter auf, mich nicht in die Nähe von Deborah zu lassen, sondern mich in ein amerikanisches Spital für Geisteskranke zu stecken und mich nicht in die Kirche mitzunehmen.
Als ich das Spital in Macao verließ, sagte einer der Therapeuten zu mir: "Dein Onkel und all die Leute um ihn herum sind verrückt. Du bist die Gesündeste von dem ganzen Haufen."
Seit dieser Zeit glauben die COG, daß ich wahnsinnig sei; sie können sich wahrscheinlich nicht vorstellen, daß ich wieder so gesund bin und die inneren Vorgänge in den COG derart enthüllen kann. Natürlich brauchte ich einige Zeit, um zur Erkenntnis zu kommen, daß die Kinder Gottes völlig falsch handeln.
Jetzt noch wird in den COG mein Name als Beispiel genannt, um die Anhänger zu schrecken: wenn sie gegen die COG rebellieren, werden sie enden wie Merry.
Ich würde denen, die noch drinnen sind, gern sagen, daß sie nichts zu befürchten haben. Glaubt nicht die Lügen, daß ihr sterben müßt außerhalb der COG oder daß ihr wahnsinnig werdet. Wenn ihr irgendeine Möglichkeit habt, von dort zu entkommen, dann geht zur Gesandtschaft oder zu einem Konsulat eures Landes; sie werden versuchen, euch zu helfen, auch ohne Paß. Hier ist nichts zu befürchten."(HIROOKA 1992)
Richter Ward schließt den Bericht über den Fall Merry Berg mit den Worten:
"Ich habe mich vielleicht ungewöhnlich lange mit Merry Berg befaßt. Ich tue dies wegen der zentralen Rolle, die sie nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart der Family spielt. Denn wenn die Family sich die Achtung erwerben will, die sie jetzt anscheinend sucht, dann muß sie anerkennen, daß das, was David Berg seiner Enkeltochter angetan hat, falsch war, nicht einfach ein Fehler, sondern unentschuldbar falsch. Sie müssen Sühne leisten für diese Behandlung, die ich barbarisch und grausam finde."(Urteil 1995, S.141)


Kommentar

Die Erlebnisse der Merry Berg sind schockierend. In brutaler Weise wird ein Kind körperlich und seelisch mißhandelt. Sie wird in den Wahnsinn getrieben und niemand von den Verantwortlichen will dies als Unrecht erkennen. Ihr eigener Großvater hätte sie getötet, gäbe es nicht Gesetze, die ihm dies verboten hätten.
Die Leidengeschichte der Merry Berg ist ein Beweis dafür, was Menschen in totalitären Gruppen einander antun können: gefühlloses Ausführen von Befehlen an einem Kind, dessen seelische Zerissenheit niemanden kümmert.
Ich habe die heute erwachsene Merry Berg, die bei ihrer Tante Deborah in den USA lebt, ein paar Sekunden in einem Video gesehen; sie hat nicht das lebhafte, heiter-unbekümmerte hübsche Gesicht einer jungen Frau, die voller Erwartung und Neugierde ins Leben schaut. Ihr Gesichtsausdruck ist sorgenvoll, schwer, mit langsamer Mimik und fragenden Augen, während sie leise spricht.
Mit 11 Jahren hat sie Dinge erlebt, die den Rest ihres Lebens prägen werden. Oder anders ausgedrückt: ihre seelische Gesungheit und ihr Leben wurde von einem besoffenen und verrückten alten Mann zerstört!
Und die Mittäter dürfen laut richterlichem Urteil weiterhin Führer der "Kinder Gottes" sein. Ihnen geschieht nichts!


Bericht von Debby Padilla

Auch die folgende Zeugenaussage liegt mir in deutscher Übersetzung aus dem Archiv von Frau Nußbaum vor, jedoch sind hier einige Namen und Ortsnamen ausgelassen. Sie wird ebenfalls im englischen Gerichtsurteil auszugsweise zitiert.
"Mai 1992
Mein Name ist Debby. Dieses ist mein persönliches Zeugnis über meine Erfahrungen mit den "Kindern Gottes". (COG).
Als ich drei Jahre alt war sind meine Eltern diesem Kult beigetreten und das war für mich der Beginn eines langen Nachtmar. Ich will nur über das aussagen, soweit ich mich in meiner Kindheit zurückerinnern kann, obwohl ich von meinem dritten Lebensjahr an mißbraucht und mißhandelt wurde, dafür aber keine konkreten Daten angeben kann.
Ich erinnere mich, daß ich 5 Jahre alt war, als in unserem Haus viele einzelne Personen in unserem Wohnzimmer in Schlafsäcken übernachteten. Dieses war die Zeit, als Mose David anfing, sein Sexmaterial zu verbreiten, mit vielen unanständigen Bildern.
Als ich acht Jahre alt war gingen wir nach ---, dort besuchte ich zum erstenmal eine Schule. Ich war dort sehr unglücklich, der Lehrer behandelte mich sehr hart. Ich durfte meine Eltern nur am Wochenende sehen. Ich erinnere mich, daß ich mehrmals Schläge mit dem Metallhandgriff einer Fliegenklatsche bekommen habe durch einen Mann, den ich garnicht kannte. Er wiederholte zu sagen: "Ich werde dich schlagen, bis du aufhörst zu schreien!"
Sechs Monate später gingen wir zurück nach --- und meine Eltern brachten ein Gruppenmitglied zu uns, welcher mein Kinderpfleger wurde. Dieser Mann mißbrauchte mich sexuell und tat es gnadenlos weiter bis zu meinem 13. Lebensjahr. Er betrank sich und kam nachts in mein Zimmer, er tat alles ihm mögliche mit mir. Er versuchte mich bei mehreren Gelegenheiten zu vergewaltigen und in mich einzudringen. Er bot mir harte Getränke wie Whisky und Rum an, die mich krank machten. Er schlug mich bei mehreren Gelegenheiten. Ich kann mich erinnern, daß ich krank im Bett war und mit einer Schwester einen Streit hatte. Er kam in den Raum und schlug mich deswegen. Im Laufe der Tage belästigte er mich ständig. Er versuchte seine Finger in mich zu stecken und rieb meine Brüste. Erst mit 13 Jahren hatte ich den Mut, meinen Eltern zu berichten, was passiert - am nächsten Tag wurde er hinausgeworfen.
In der Zeit, als ich mißbraucht wurde, litt ich sehr darunter, Zeuge zu sein, wenn meine Eltern mit anderen Personen ins Bett gingen. Dieses taten sie, um den Lehren Mose Davids zu folgen. Es brachte meinen Vater zum Trinken und zur Eifersucht. Ich kann mich erinnern, daß ich nachts erschrocken durch Kreischen und Schreie aufwachte. Am nächsten Morgen erfuhr ich, daß mein Vater sich eine Pistole an den Kopf gesetzt hatte, um sich zu töten, aber meiner Mutter gelang es, ihn davon abzuhalten - (das waren meine christlichen Eltern, die vorgaben, Gott zu dienen.
Im Alter von 15 Jahren begann für mich eine andere Periode des Mißbrauchs. Ich wurde nach Mexiko geschickt, um mit den Leitern der Organisation zu leben. Diese Leute waren die Leiter über Mexiko. Der älteste Sohn von 12 Jahren hatte eine langanhaltende Beziehung zu ihrer 33 jährigen Sekretärin, ihre 1o jährige Tochter hatte eine Affaire mit dem 38 jährigen Ehemann der Sekretärin, die Mutter hatte Affairen mit mehreren Burschen. Der Ehemann rief mich in sein Zimmer und fragte mich, ob ich seine Geliebte werden will. Ich habe es abgelehnt und, Gott sei Dank, hat er mich nie verfolgt.
Ich wurde nach Mexiko in ein Mitglieder-Trainingszentrum geschickt. --- Bruder war dort beschäftigt und veranlaßte mich, nachdem er mich öffentlich gedemütigt und angeschrieen hatte, mit ihm ins Bett zu gehen. Später hatte ich mit seiner "rechten Hand" ins Bett zu gehen, als Belohnung für seine gute Arbeit.
Fünf Monate später kam ich zu meinen Eltern zurück, total bestürzt, verwirrt und verzweifelt nach allem, was ich erlebt und gesehen hatte. Zügellose Sexpartys, gerade jeder hatte Sex mit jedem.
Das Schlimmste kam jetzt. Als ich 18 Jahre alt war, hatte ich noch nicht so viele sexuelle Erfahrungen wie meine Teenagerfreunde. Zu dieser Zeit lebte ich in --- (Süd Indien). Ein Mann namens S. unterrichtete mich bis spät in die Nacht. Am nächsten Morgen hatte ich früh aufzustehen und Musikkassetten, den ganzen Tag über, in den Straßen zu verkaufen. Ich arbeitete wie ein Hund während des Tages, dann hatte ich Lektionen zu hören, durch welche ich gehirngewaschen und erniedrigt wurde, dann wurde ich veranlaßt, mit dem Mann zu schlafen, was mich total ekelte. Dann kam der nächste Leiter an und ich hatte mit ihm zu schlafen, dann der nächste und so weiter und so fort. Ich fand im reifen Alter von 19 Jahren heraus, daß ich schwanger war.
Zwei Monate später kehrte unsere Familie zurück nach London. Dort wurde ich wieder mit den alten Dingen konfrontiert, aber ich wehrte mich dagegen, denn ich war schwanger, es hatte mich elend gemacht, von Männern nur als ein Objekt benutzt zu werden, an dem sie sich befriedigen konnten.
Die "Kinder Gottes" sind ein perverser, teuflischer und manipulierender Kult, der nicht nur mein Leben ruiniert hat, sondern auch das tausender unschuldiger Kinder und Teenager sexuell, mental und emotional.
Ich habe tatsächlich gesehen, wie 3 bis 5 jährige Kinder sexuell mißbraucht wurden. - Ich war im selben Bett mit einem Mann, der ein 14 jähriges Mädchen vergewaltigte, die erschreckt in seinen Händen war. Ich kann nicht wiederholen, wieviele schreckliche Dinge ich gesehen habe.
Was mir in Erinnerung kommt, ist das von meiner besten Freundin - ihre Stiefmutter hatte zwei Ehemänner. Einer war --- Vater, der andere ein Homosexueller. Im Alter von 12 Jahren wurde meine Freundin ständig von mehreren Männern mißbraucht. Sie wurde von ihrem Vater geschlagen und sie zeigte mir die blauen Flecke an den Beinen und am Gesäß.
Ich wiederhole, Krabbelkinder wurden ermutigt, Liebe miteinander zu machen. In einer Situation war ein Paar von drei Jahren nackt in einem Raum und versuchte, Liebe miteinander zu machen. Die Erwachsenen beobachteten sie. Ich sah ein vierjähriges Kind übersät mit blauen Flecken, der Stiefvater hatte es mit einer Plastikfliegenklatsche geschlagen.
Mein eigener Sohn wurde im Alter von 1o Monaten von einem Leiter geschlagen, der sagte: "Ich höre nicht auf dich zu schlagen, bis du aufhörst zu schreien!" Dieses dauerte 15-2o Minuten. Ich sah hilflos zu und konnte nichts tun, um meinen Sohn zu retten.
In diesem Kult arbeiten die Menschen bis auf die Knochen. Kinder müssen bis spät in die Nacht arbeiten und erhalten Schläge, wenn sie murren oder den Job nicht wunschgemäß erfüllen. Die Kinder werden nicht in die Schule geschickt und sie werden nicht geimpft, weil "Gott sie schützt". Sie manipulieren die Kinder so, daß sie keine eigene Meinung haben, sie sind wie Roboter, die gelehrt wurden, in einer bestimmten Art zu sprechen und zu handeln.
Ich erinnere mich, daß ich vor einer Videokamera tanzte, als Geburtstagsgeschenk für Mose David. Es wurde uns aufgetragen, vor der Kamera zu strippen und zu masturbieren, während der Mann filmte. Meine Schwestern und meine Mutter hatten das Gleiche zu tun, zusammen mit Teenagern von 11 Jahren aufwärts.
Da sind viele Teenager, die mißbraucht, geschlagen, grausam mißhandelt und gefangengehalten werden in diesem Kult, unfähig, für sich selber zu sprechen. Diese Kinder wissen nicht einmal, was Recht und Unrecht ist. Sie wurden so gehirngewaschen, daß sie glauben, der Staat sei teuflisch, die Polizei sei teuflisch und alles was Mose David in seiner Lehre ablehnt, sei vom Teufel. Sie wurden so betrogen, daß sie bereit wären, für ihren Glauben zu sterben.
Wer wird die Stimme erheben und sie aus den Klauen dieses teuflischen und perversen Kults befreien?
Ich habe diese Horrorprüfungen überlebt, um meine Erfahrungen weiterzugeben, aber ich leide noch immer an den Folgen. Ich bin jetzt eine ledige Mutter mit zwei Kindern von drei und einem Jahr. Meine sexuelle Identität ist zerstört, ich leide öfters an Depressionen und Gedankenverwirrungen. Nach meinem Zusammenbruch wurde ich von einer Krankenschwester betreut, ich nehme Medikamente gegen Panikattacken. Ja, ich habe überlebt, aber nur gerade. Werden diese anderen Kinder auch überleben? Ich bedauere tief, daß dieser Kult 2o Jahre meines Lebens genommen hat und noch existiert, um das Leben zahlloser Männer, Frauen und Kinder mental, physisch und emotional zu zerstören.
Ich bin bereit, meine Stimme zu erheben und für diese Kinder zu kämpfen.
Ich wollte, es hätte jemand für mich getan!"(HIROOKA 1992)




Die Familie Padilla geht an die Öffentlichkeit

Am 25.1o.94 strahlte SAT 1 im Spiegel TV eine außergewöhnliche Dokumentation aus. In seinem Buch "Sektenkinder" berichtet K.H. Eimuth darüber.
Die Mutter von Debby, Frau Padilla, trat vor 18 Jahren zusammen mit ihrem Ehemann und den beiden Töchtern in eine Gemeinschaft ein, die sie für urchristlich hielt. Aufgrund des Verbotes von Verhütungsmitteln gebar sie noch 5 weitere Kinder. Dieses Verbot war nur eines von vielen, die streng befolgt wurden.
"Tochter Miriam erinnert sich: "Alles, was wir taten, wurde kontrolliert, weil Großvater es in seinen Schriften so bestimmt hatte. Alles, was er befahl, wurde befolgt; wie man z.B. seinen Hintern abwischen sollte. Drei Abschnitte Toilettenpapier und kein bißchen mehr, weil es eine Verschwendung von Gottes Geld gewesen wäre."(EIMUTH 1996, S.37)
Frau Padilla erzählt, daß sie den Anweisungen zur Prostitution gefolgt sei; oft widerwillig, aber im festen Glauben, daß es ihre Pflicht sei.
"Tochter Debby erinnert sich, daß es sie immer gestört habe, wenn junge Männer mit ihrer Mutter schlafen wollten. Denn es ließ sich nicht verheimlichen. Tochter Viktoria: "Immer, wenn ich das Parfüm in der Luft roch und wenn sie Lippenstift benutzte, wußte ich, daß es wieder soweit war. Ich war zwischen sieben und zehn Jahren alt."(EIMUTH 1996, S.37)
1976 erkrankte Tochter Judy. Berg verbot ihr in einem MO-Brief, weiterhin Medikamente zu nehmen oder weltliche Bücher zu lesen. Das Kind starb ein Jahr später und noch immer blieb die Mutter der Gruppe treu.
"Tochter Miriam kommentiert dies so: "Nach Judys Tod hatten meine Eltern immer noch nichts begriffen, weil sie eine totale Gehirnwäsche hinter sich hatten. Sie glaubten, daß Gott entschieden habe, Judy zu sich zu nehmen, weil sie zu gut für die Welt war."(EIMUTH 1996, S.38)
Miriam schildert ihre Erlebnisse im Sektenalltag:
"Wir mußten schon sehr früh erwachsen werden. Wenn ich z.B. in der Küche stand und abwusch, kam von hinten so ein Kerl und hat mir an den Busen gegrabscht, meinen Hintern geknetet und über meinen Hals gesabbert. Und ich mußte lernen, das mit einem Lächeln zu ertragen. Darum drehte sich alles. Es gab keine Tabus. Bei ihren Partys zogen sie sich aus und machten Sex in den Schlafzimmern. Als ich elf Jahre alt war, gab es einmal eine Party, da fingen sie an, Striptease zu machen und wollten, daß wir Kinder das mitmachten. Einige Kinder haben mitgemacht. Und sie versuchten, mich auch dazu zu bringen, mich auszuziehen. Ich hatte solche Angst. Ich habe mir fast in die Hose gemacht. Ich dachte, diese Leute können alles mit dir machen. Sie können alles machen, was ihnen paßt. Und ich kann überhaupt nichts dagegen tun, weil ich so klein bin, weil ich nur ein Kind bin. Und einer hat gesagt:"He Süße, warum teilst du deinen Körper nicht mit mir. Gott hat dir doch einen so schönen Körper gegeben." Sie versuchten regelrecht, in mein Gehirn einzudringen und erzählten, Jesus will, daß ich das tue. Ich sagte nein, nein. Ich will es nicht. Und ich ging auf die Toilette und schloß mich ein und weinte mir die Augen aus."(EIMUTH 1996, S.38/39)
Als Debby mit einem Mann, den sie nicht mochte, verheiratet werden sollte, stieg sie aus. Und bei Frau Padilla klickte es, als sie ihre Tochter Miriam nur noch unter Bewachung sprechen konnte. Tochter Viktoria sagt auf die Frage, ob sie ihren Eltern eine Schuld zuweise:
"Ich kann nichts dafür, daß ich ihnen bis zu einem gewissen Grad die Schuld gebe. Wegen ihrer Dummheit."(EIMUTH 1996, S.4o)


Kommentar

Debbys Aussage und die ihrer Familie sind auch eine Anklage an die Kräfte der Gesellschaft, die seit 2o Jahren zulassen, daß in einer Sekte ungeheure Perversionen an Kindern geschehen.
Sie wurde mit 3 Jahren, seit dem Beitritt ihrer Eltern, sexuell mißbraucht und mißhandelt. Sie wird von Erwachsenen geschlagen, und entsprechend den Vorgaben Bergs solange, bis sie aufhörte zu schreien. Ihr Kinderpfleger mißbraucht sie jahrelang "gnadenlos". Sie leidet darunter, mitansehen zu müssen, wie ihre Eltern mit anderen Partnern ins Bett gehen.
Sie erlebt, daß Kinder und Erwachsene "Affairen" miteinander haben und wird selber "benutzt", indem sie mit dem Mann schlafen muß, der sie zuvor öffentlich gedemütigt und angeschrieen hat.
Mit 15 Jahren beschreibt sie sich als "total bestürzt, verwirrt und verzweifelt" von all dem, was sie erlebt und gesehen hat.
Mit 18 Jahren arbeitet sie "wie ein Hund" und muß mit einem Mann schlafen, vor dem sie sich ekelt. Sie wird an andere Männer weitergereicht wie ein Objekt und wird mit 19 Jahren schwanger.
Sie klagt darüber, daß die Sekte nicht nur ihr Leben ruiniert habe, sondern auch das tausender, ich wiederhole: tausender Kinder und Teenager, die ebenso mißbraucht wurden und schutzlos ausgeliefert sind.
Sie sieht Kleinkinder von 3-5 Jahren beim Mißbrauch und die Vergewaltigung einer 14-jährigen. Ihre Freundin wird im Alter von 12 Jahren von den zwei Männern der Mutter mißbraucht und obendrein vom leiblichen Vater blau geschlagen. Sie sieht ein vierjähriges Kind übersät mit blauen Flecken; der Stiefvater hatte es (gemäß den Anweisungen Bergs) mit einer Fliegenklatsche geschlagen.
Sie erlebt, wie sich ihre eigene Unheilsgeschichte bei ihrem Sohn wiederholt, der 15-2o Minuten von einem Erwachsenen geschlagen wird, wieder mit dem Hinweis, daß er solange geschlagen würde, bis er aufhöre zu schreien.
Und sie fühlt sich absolut hilflos, ihrem Sohn beizustehen.
Kinder müssen bis in die Nacht arbeiten; sie werden nicht in die Schule geschickt. Alles geschieht so, wie es in den MO-Briefen geschrieben steht.
Debby schreibt, daß die Kinder keine eigene Meinung haben; sie sind wie Roboter in Verhalten und Sprache programmiert.
Durch ihre Zeugenaussage bestätigt sie auch die Realität der Nackttänze auf Video für Berg. Und sie beschreibt die Lebensumstände der Kinder in der Sekte in einem abschließenden packenden Plädoyer, das meines Wissens nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat und an Deutlichkeit über die Wirkweise dieser Sekte für das Leben der Kinder nichts zu interpretieren offen läßt.
Die "Kinder Gottes" sind ein teuflischer Kult; wann wird die Öffentlichkeit das Elend der Kinder sehen und die vorhandenen Rechtsmittel zu ihrem Schutz ausschöpfen?




Rachel Sand

Unter der Überschrift: Kindheit und Jugend bei den "Kindern Gottes" veröffentlichte die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen 1996 ein Sonderheft. Die Autorin Rachel Sand schreibt über 17 Jahre ihres Lebens bei den "Kindern Gottes". Die Herausgeber kommentieren in der Einleitung u.a.:
"Ihr Bericht schildert ein normales Kind unter unnormalen Umständen, ein Kind, das gerade seiner normalen Bedürfnisse und Gefühle wegen in der Sekte leidet. ... Schon mit 13 will sie die Gruppe verlassen, wird aber zum Bleiben gezwungen. Die ihr danach abgerungenen Bekenntnisse sind Theater und Anpassung an den Druck von außen. Sobald es ihr möglich wird, steigt sie endgültig aus. Innere Bindungen an die Ideen der "Children of God" (COG) hat sie dabei nicht zu überwinden, wohl aber die ihr dort eingepflanzten Ängste, sowie Wut und Trauer über verlorene Zeit und vergangenes Leid.
Die Autorin schrieb die Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend in der Sekte der "Kinder Gottes" in der Zeit von Ende 1995 bis Anfang 1996 im Alter von 22 Jahren nieder. Der von ihr benutzte Name ist ein Pseudonym, Rachel will nicht, daß ihre Vorgeschichte bei den Menschen ihrer Umgebung allgemein bekannt wird. Vier Jahre nach dem Ausstieg ihrer Familie bei den "Kindern Gottes" hat sie sich - wenn auch unter Mühen - in der Alltagswelt unserer Gesellschaft zurechtgefunden und will sich dieses neue Leben nicht unnötig erschweren. Auf der anderen Seite will sie die Vergangenheit auch
nicht auf sich beruhen lassen, um so mehr, als diese Vergangenheit ständig präsent ist."(SAND 1996, S.2)
Den Bericht von Rachel gebe ich hier nicht in voller Länge wieder. Ich habe einige ihre Aussagen unter von mir gesetzten Fragestellungen zusammengefaßt.
Da Rachel 1991 austrat, ist ihr Bericht eine Dokumentation der jüngeren Geschichte der "Kinder Gottes".

Empfinden die in der Sekte geborenen Kinder die sexuellen Praktiken als normal? Gefällt es ihnen? Da sie nie etwas anderes kennengelernt haben, müßte ihre Einstellung zu Sex doch unbelastet sein von moralischen, kirchlichen, kulturellen und gesetzlichen Vorschriften.
Rachel schreibt dazu:
"Der Partnertausch vollzog sich in den Zimmern, in denen auch die Kinder schliefen. Wir konnten unsere Eltern mit anderen Partnern beim Geschlechtsverkehr sehen, so als ob wir nicht da wären. Ich kann nur einfach sagen, daß diese Erfahrung für viele Kinder die Hölle war, und schwer für alle. Wir Kinder versuchten oft, unsere Not auszusprechen, aber die Erwachsenen lachten darüber. ... Ebenso sicher kann ich sagen, daß der Mißbrauch den Kindern keinen Spaß machte, sondern daß wir in unserer Unschuld versuchten, es unseren Eltern recht zu machen, die uns in einer perversen Sekte aufwachsen ließen. Außerdem wird man mich nie davon überzeugen können, daß der verordnete Partnertausch oder "FFing" (flirty fishing) als Taten der Liebe angesehen werden können. ... Die Kinder hassen es, wenn sie ihre Eltern beim "sharing" mit anderen Partnern erleben, und es bedrückt sie furchtbar, wenn sie die Eifersuchtsausbrüche ihrer Eltern ertragen und immer damit rechnen müssen, daß ihre Familie auseinanderbricht, weil ein Elternteil sich einem anderen Partner zuwendet. ... Ich bin kein Moralapostel in Sachen Sexualität geworden, ich glaube nicht, daß Sex nur zum Kinderkriegen da ist, oder daß man dafür unbedingt verheiratet sein muß, oder daß jede Ehe für immer sein kann. Aber ich weiß einfach, daß jeder Mensch, Mann und Frau, Geborgenheit braucht, und daß Liebe etwas mit Vertrauen in den Partner zu tun hat. ... Es ist unnatürlich und zerstörerisch für Liebesbeziehungen, wenn eine religiöse Gemeinschaft wie die COG es zur Doktrin erhebt, daß andere das Recht haben, in die Beziehungen zweier Menschen einzudringen und sie zu beschmutzen. ... Am Schluß kotzte mich das alles so an, daß ich mir schwor, nie zu heiraten. Ich wußte, wenn ich jemand liebte, würde der Gedanke mich umbringen, daß ich ihn mit allen übrigen zu "teilen" hätte. Es kam mir unmenschlich vor, mich in eine Beziehung zu begeben, die von jeder anderen Frau in der COG jederzeit gefährdet wurde. Aber ich wußte, daß ich rein gar nichts würde tun können."(SAND 1996, S.22)

Sind die Aussagen über sexuelle Praktiken und sexuellen Mißbrauch nicht etwas übertrieben? Handelt es sich dabei nicht nur um bedauernswerte Ausnahmen, wie es auch von den "Kindern Gottes" selber eingeräumt wird?

"Da in der COG über 5ooo Kinder geboren wurden, soweit ich weiß, habe ich nicht alle kennengelernt. Aber ich kann sicher sagen, daß alle Kinder, die bis Mitte der achtziger Jahre geboren wurden, sexuell mißbraucht wurden - und ich meine alle!"(SAND 1996, S.21)
Worin besteht der Mißbrauch?
Rachel beschreibt die Entwicklung, die dazu führte, daß Erwachsene Kinder früh in Sex einführen und diesen mit ihnen haben sollten. Sie berichtet über Massenorgien, bei denen Frauen Nackttänze zeigten, die auf Video aufgenommen wurden. Kleine Mädchen wurden ermutigt, ebenfalls nackt vor den Erwachsenen zu tanzen.
"Ich selbst führte einen "Liebestanz" (love dance) vor über 3oo Leuten auf der Bühne vor, als ich sieben Jahre alt war. Liebestänze nannte man die öffentlichen Nackttänze der kleinen Mädchen. Ich erinnere mich, daß das ganze Publikum schrie, ich solle meinen Schal ablegen, und ich schämte mich, weil ich das nicht wollte. Danach hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich dem Herrn Jesus schlecht gedient hatte."(SAND 1996, S.19)
Es gab die Aufforderung, Nacktfotos an Berg zu schicken, die sie auch befolgt hat.
"Für diese Art von Publikationen gab es die Anordnung, sie zu vernichten, nachdem jeder sie gelesen hatte."(SAND 1996, S.1o)
Sie schildert ein weiteres Erlebnis, das die Not und Hilflosigkeit der Kinder verdeutlicht:
"Zur selben Zeit machte einer der Kinderbetreuer laufend sexuelle Annäherungsversuche uns kleinen Mädchen gegenüber. Er sagte uns: "Großvater meint, es sei o.k., wenn ich euch das beibringe." Er zeigte uns ein Comic Book, das "Liebe Gottes" hieß (The Love of God), in dem David Berg als Kleinkind abgebildet ist, wie er von seinem Kindermädchen sexuell belästigt wird. Das Comic sagt, daß er das sehr schön fand. Deshalb ließen wir uns eine Zeitlang auf diesen Mann ein, denn man hatte uns beigebracht, daß wir alles tun mußten, was Grandpa will, ohne Fragen zu stellen. Der Mann zeigte uns seinen Penis und ließ ihn uns berühren, tanzte nackt mit uns in den Armen herum, berührte unsere Geschlechtsteile, er versuchte sogar, mit uns Geschlechtsverkehr zu haben. Das ging einige Monate so, bis zu meinem neunten Geburtstag, der vom ganzen Haus gefeiert wurde. Während der Feier lockte dieser Mann mich ins Obergeschoß, indem er vorgab, er habe ein Geschenk für mich. Er verschloß die Tür und befahl mir, meine Kleider auszuziehen und ihm sexuell zu Diensten zu sein, oder er würde den Schlüssel aus dem Fenster werfen. Ich geriet regelrecht in Panik, schrie hysterisch und hämmerte an die Tür. Meine Schwestern hörten mich und begannen ebenfalls zu schreien, so daß er schließlich die Türe öffnete. Danach erzählten meine Schwestern und ich unseren Eltern, was der Mann getan hatte. Da sie damals die Gebiets-Hirten (area sheperds) waren, wurde der Mann weggeschickt. Aber niemand nahm die Sache wichtig. Der einzige Kommentar einen Tag später hieß: "Er sagte uns, euch Kindern hätte es gefallen." Danach kam niemand mehr darauf zurück. Dabei war das keineswegs der einzige Vorfall dieser Art in unserer Familie. Bald danach erlebte meine acht Jahre alte Schwester etwas ähnliches mit einem weiteren Mann, und einige Jahre später wurde die dritte, damals neun Jahr alte Schwester sexuell mißbraucht und auch vergewaltigt, und zwar von einem angesehenen COG-Mitglied."(SAND 1996, S.20)
Rachel fährt fort, indem sie von Fällen berichtet, in denen Jungen und Mädchen ab 11 Jahren von Erwachsenen, z.T. ihren leiblichen Eltern, mißbraucht und vergewaltigt wurden.
"Das sind nur ein paar Beispiele, von denen ich aus erster Hand erfuhr. In allen Fällen könnte ich die Namen der Beteiligten angeben."(SAND 1996, S.21)
Ich verlasse jetzt den Bereich des Mißbrauchs und befrage den Text nach der Erziehung innerhalb der Sekte, nach Kindheit, Jugend, Schule und Ausbildung. Es ist bedrückend, daß ich auch hier immer nur auf frühen Drill und häufiges Schlagen stoße, das im Teenageralter noch schlimmere Formen annahm:
"Es gab Schweigegebote, öffentliche Prügelstrafe, Arrest, öffentliche Herabsetzung, Exorzismus, Lesevorschriften mit einer solchen Zahl von Mo-Briefen, daß sie in Monaten nicht zu schaffen waren. Dazu kam schwere körperliche Arbeit (Erde schaufeln, Verbrennen von Abfall, Abfallsortie- ren), die als Strafe benutzt wurden. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Alle erwähnten Strafen wurden bei mir selbst angewandt, und bis zum heutigen Tag weiß ich nicht, womit ich sie verdient haben könnte."(SAND 1996, S.10)
Die Kinder und Teenager durften die Wohnungen nicht ohne Erwachsene verlassen, außer zum Betteln auf den Straßen. Ihr Tag war durchorganisiert, es gab praktisch keine freie Zeit.
"Hausarbeit und das "Zeugnisgeben" sowie das Singen auf der Straße, um Spenden zu erbetteln, nahmen sowieso den größten Teil unserer Zeit in Anspruch. Daneben wurde von uns erwartet, daß wir sämtliche COG-Schriften lasen. ... Weil wir als Kinder weder in die Schule gingen noch Freunde hatten, die nicht zur COG gehören, fanden wir nichts Unnormales an dieser totalen Abschottung. Erst als ich älter wurde, merkte ich nach und nach, daß anderen Jugendlichen nicht ständig ein Erwachsener über die Schulter schaut (und das ist wörtlich gemeint). Während ich draußen Spenden erbettelte, sah ich Leute meines Alters zusammen mit Gleichaltrigen, und mir wurde klar, daß wir im Vergleich dazu wie in einem Gefängnis lebten."(SAND 1996, S.11)
Aus diesem Gefängnis auszubrechen, schien ein Ding der Unmöglichkeit; nicht nur wegen der tiefsitzenden Ängste vor dem "teuflischen System" und dem Glauben an Dämonen.
"Man muß sich klar machen, daß diese Doktrin uns Kindern gelehrt wurde. Der Gedanke an böse Geister ängstigte mich oft und nahm mein Denken in Beschlag. Bis heute muß ich Angst unterdrücken, die in mir wach wird, sobald dieses schreckliche Thema berührt wird."(SAND 1996, S.13)
An Ausbruch war auch deshalb nicht zu denken, weil den Kindern jede qualifizierte Bildungsmöglichkeit vorenthalten wurde, durch die sie in der Gesellschaft einen Platz hätten finden können.
"Individuelles Lernen gab es sowieso nicht, geistige oder praktische Fähigkeiten wurden nur beachtet, wenn die Gruppe sie gerade brauchte. Lernen im Sinn von Bildung findet so aber nicht statt. Das einzige, was alle Jugendlichen können, ist Lesen, Schreiben, ein wenig Rechnen und praktische Dinge wie Kochen und Kinderpflege. Kein Kind und kein Jugendlicher hat Gelegenheit, über das Grundschulwissen hinauszukommen, weil das für die Gruppe nichts bringt."(SAND 1996, S.18)
Rachel schreibt, daß es ihr schwerfalle, über den schrecklichsten Teil ihres Lebens zu berichten, die Zeit des "Teen Trainings". Viele der älteren Kinder und Teenager wurden den Eltern weggenommen und in speziellen Heimen erzogen. Damals wußte die Führung, daß viele der Kinder und Jugendlichen nicht mit ihrem Leben in der Sekte einverstanden waren und auch nicht den Glauben ihrer Eltern teilten.
"Aus Angst, uns als Nachwuchs zu verlieren, reagierten die Führer mit Panik und mit extremem Druck. Das Trainingsprogramm, in das ich mit 13 Jahren gesteckt wurde, bestand deshalb vor allem aus einem täglichen Drill in der Lehre der COG. ... Im Fall unseres Versagens wurde uns mit Einzelhaft (solitary confinement) gedroht, mit Schweigegeboten (silence restriction), mit einem Arbeitslager (work camp) und mit dem sogenannten "Victors Program". Letzteres bedeutete ununterbrochenes Lesen von Mo-Briefen und Arbeiten über Monate hin, bis jeder Widerstand gebrochen war. Wenn alles nichts helfe, drohte man uns mit einem Straflager (detention centre). Das Prinzip hieß einfach, daß wir, sobald wir irgendwelche Zweifel oder Probleme hatten, so lange niedergemacht wurden, bis wir total aufgaben. Heute bin ich froh, daß es mit mir nicht ganz so weit kam - aber ich habe dafür mit drei Jahren in einer Hölle bezahlt. ... Was mir für den Wunsch, die COG zu verlassen, angetan wurde, ist trotzdem noch mild zu nennen. Ich hörte Geschichten aus erster Hand, daß Jugendliche gepeitscht und monatelang in Einzelhaft gehalten wurden, weil sie gesagt hatten, sie wollten nicht in der COG bleiben."(SAND 1996, S.15)
Diese unglaublichen Aussagen von Rachel sind durch die Recherchen von Richter Ward in ähnlichen Fällen belegt. Es hat sowohl diese Camps, als auch die hier genannten Bestrafungen gegeben.
Rachel schreibt von ständiger Überwachung, von entwürdigender Dauerkontrolle.
"Wir sollten uns als Versager fühlen, so daß wir unterwürfig wurden und kein Selbstbewußtsein entwickeln konnten."(SAND 1996, S.17)
Die Kinder konnten die Erwartungen trotz aller Mühe nie erfüllen. Immer gab es Kritik. Gleichzeitig wurden sie dazu angehalten, sich gegenseitig zu bespitzeln und die Schwächen der anderen zu berichten. So wurde es unmöglich, untereinander vertraulich zu reden und Freundschaften zu entwickeln. Nach zwei Jahren diese "Trainings" drohte man Rachel die Versendung in ein Arbeitslager nach Macao an, wo sie in Einzelhaft kommen würde. Sie unterwarf sich mehreren Exorzismen, die ihr furchtbare Angst machten.
"Man betete über mir, um einen "lesbischen Geist" auszutreiben, weil ich mich geweigert hatte, nackt für die Jungen zu tanzen, als der "Teen Sheperd" es von mir verlangte. Der psychologische Druck war stark und zielte ganz und gar darauf, daß wir uns total gegen uns selbst richteten, unsere eigene Persönlichkeit nicht mehr spüren konnten und uns wie Roboter verhielten."(SAND 1996, S.18)
1991 verließen Rachel und ihre Familie die "Kinder Gottes".
Am Ende ihres langen Berichtes resümiert sie:
"Wenn es einen Gott geben sollte, dann machen ihm die "Kinder Gottes" nach meiner Ansicht viel Schande, indem sie arme Menschen in der "Familie" glauben machen, ihre Seelenqualen und Verbiegungen seien von Gott gewollte. Wenn der Terror, dem wir in der COG ausgesetzt waren, tatsächlich nach Gottes Willen gewesen wäre, könnte man sich einen Teufel sparen. Die COG sollte als Schande für den christlichen Glauben und für jede Religion betrachtet werden. Es handelt sich um den Mißbrauch von Menschen unter dem Deckmantel des Religiösen."(SAND 1996, S.23)


Kommentar

Auch Rachels ausführlicher Bericht ist ein Beleg für die Zustände innerhalb der Sekte. Er ist ein Beweis mehr für die Tatsache, daß der sexuelle Mißbrauch ein Massenphänomen war. Er wurde damals von den Verantwortlichen geleugnet, er wird heute von ihnen verharmlost.
Mit welcher Naivität die Öffentlichkeit jedesmal bereit ist, diesen Lügen Glauben zu schenken, ist mir ein Rätsel. Auch scheint es niemanden sonderlich zu beunruhigen, daß von den tausenden betroffener Kindern heute die meisten als junge Erwachsene weiter in der Sekte leben und mit Sicherheit eigene Kinder bekommen haben oder werden.
Aufgrund welcher magischen Heilung der eigenen Unheilsgeschichte ist anzunehmen, daß sie ihre Kinder anders erziehen werden? Ich stelle mit großer Besorgnis fest, daß selbst gut informierte Organisationen wie der Kinderschutzbund nichts unternommen haben, um präventiv oder nachsorgend tätig zu werden.


Dalva Lynch

Zum Abschluß dieser Aussagen lasse ich noch einmal Dalva Lynch zu Wort kommen:
"...für ihre Freunde und Sympathisanten sind die COG ein Paradies, wo Rechtschaffenheit, Freiheit, Liebe und Friede Wirklichkeit werden - mit schönen, lächelnden Kindern, jungen, hübschen Erwachsenen und prächtigen, schön gelegenen Landhäusern.Aber nur durch "weiße Lügen" und Grausamkeit konnten Mose David und seine Jünger dieses "Shangrila" aufbauen. Die externen Mitglieder sind blind für die Vorgänge im Inneren und sie versprechen ihre bedingungslose Unterstützung und ihren Schutz in dem Glauben, daß ihre Beiträge einer wundervollen Organisation helfen. Sie wissen nicht, daß das Lächeln der Kinder ein Leben voll Sex, Verboten und Falschheit verbirgt. Daß Impfungen verboten sind, daß sie oft monatelang in ihren schönen Häusern eingesperrt sind wegen Epidemien von Keuchhusten, Röteln und Mumps und daß sie selten mit einer Mutter und einem Vater zusammen leben können.
Meine Kinder sind immer noch drinnen. Mein ältester Junge ist jetzt zwölf, der nächste elf und mein Mädchen wurde eben sieben. Auf den Photographien sind sie hübsch, lächelnd und glücklich. Aber die Photos sagen nichts über die Sex-Veranstaltungen, die Lügen, die Enttäuschungen, die Ungerechtigkeiten.
Einige COG Mitglieder haben geschwiegen aus Angst, ihre Kinder zu verlieren, so wie ich es tat. Andere aus Angst, einen Gatten oder eine Gattin zu verlieren, noch andere aus Angst, ihre Stellung oder die Unterstützung zu verlieren. Es gibt auch noch jene, die glauben, die KINDER GOTTES seien wirklich die "HIMMLISCHE ELITE" und Angst haben, aus dem inneren Kreis von Jesus Christus und seiner "Heiligen" ausgeschlossen zu werden - und die sich deshalb jeder Barbarei unterwerfen, um dabei zu bleiben ..."(zit.in: REFERAT FÜR WELTANSCHAUUNGSFRAGEN 1992, S.62)


Pädagogische Wertung
 

Durch das tagelange Lesen von Kinderschicksalen, die ähnlich verlaufen sind wie die hier dokumentierten, wurde ich emotional erheblich belastet. Ich bin erschrocken über meine Ergebnisse! Eine wissenschaftlich distanzierte Haltung einzunehmen und Wertungen zu vermeiden, war mir nicht mehr möglich. Ich wurde zusätzlich durch direkten Kontakt mit betroffenen Eltern und Großeltern über weitere Kinderschicksale informiert, die Anlaß zur Sorge geben.


Veränderungen bei den "Kindern Gottes"

Die "Kinder Gottes" sollen sich nach eigenen Angaben geändert haben und heute sowohl das FFing als auch den Kindesmißbrauch streng verbieten. Ich vermute, daß diese Veränderung nicht aufgrund von Einsicht in begangenes Unrecht erfolgte, sondern nur, um dem Druck der Öffentlichkeit zu entgehen. Eine geistige, innere Wandlung im Sinne von Unrecht erkennen, bereuen, wiedergutmachen, eigene Schuld zugeben ist aus dem Vorwort der "Love Charter" ihrer "Konstitution", nicht zu erkennen. Dort schreibt die jetzige Sektenleiterin Maria:
"6. Wenn ihr diese Charter lest und studiert, bittet den Herrn, euch zu helfen, ihren Geist zu fühlen, euch zu helfen, Dad´s Herz und Leben in diesen Seiten zu sehen, die ganze Essenz dessen, wie er und der Herr die Familie möchten. ..
14. Dad ist heimgegangen in diese erstaunliche, wundervolle geistige Welt, um uns zu helfen, lieben zu lernen.
15. Ich habe Dad´s Einfluß in den vergangenen paar Wochen sehr stark gefühlt, ebenso wie unsere CRO-Leiterschaft, die kürzlich am Gipfeltreffen 95 teilnahm. Ich habe gefühlt, wie er uns in eine Richtung bewegt, wo wir mehr lieben können.
18. Wenn wir sagen können: "Heute nahm ich mir Zeit zum lieben", wie glücklich werden Jesus und Dad sein.
2o. Heute nahm ich mir Zeit zum lieben. - Und ich wurde wiedergeliebt. Ich lag mit Peter auf meinem Bett mit seinen Armen um mich und wir hatten Gemeinschaft und beteten, daß der Herr mich führen möge beim Diktieren dieses Briefes an euch. - Heute nahm ich mir Zeit zum lieben. - Und ich wurde wiedergeliebt. Meine treue Sekretärin kam ins Zimmer, um ein Band zum abschreiben zu holen und ich lud sie ein, sich mit mir hinzulegen und ich legte meine Arme um sie, und wir hatten ein süßes, liebevolles Gespräch über Situationen in unserem Heim und Gebeten für die lieben Leute, mit denen wir leben und arbeiten."(LOVE CHARTER 1995)
Maria berichtet weiter, daß der "geliebte David" vor seinem Heimgang die Charter gelesen und seine Gedanken und Ideen mit eingebracht habe. Da Gott ihn vor Vollendung der Charter in den Himmel genommen habe, helfe Dad nun aus der geistigen Welt, die Absichten Gottes mehr zu verstehen. Gott selber habe ihnen durch Prophezeiungen in der Leiterschaft mitgeteilt, daß sein Geist nun noch mehr und näher bei ihnen sei, weil Vater David nun näher zu ihm gekommen sei, um ihm zu helfen. Dann erfolgt die Laudatio Gottes auf Mose David, der sich um jede Seele gekümmert habe, die er zu Gott gerufen hat und dessen Liebe das große Instrument sei, mit dem die Familie in diesen Tagen formuliert, wie sie sein will.
Originalzitat aus der Prophezeiung:
"28. ... But I have called My David and do pour through him to give a refreshing. For behold, The time of the latter rain is at hand, and I do pour upon you showers of blessing that flow from the fountain of David, My cheerful giver, My anointed one, the one who hath given in pain and in sorrow, yet with a smile and a tear. ...
3o. Have I not already given unto you the kisses of My servant? Hath he not forgiven you for your many sins? Hath he not looked upon you with eyes of sure and tender mercies? And hath he not held you in his arms with a gentle embrace and caressed you with his soft and tender hands? ... I seek to pour the sure mercies of David upon all that thirst for life and love and joy. Therefore, receive My Spirit, receive My joy, and your David shall be with you even until the end."(LOVE CHARTER 1995)
Ich habe diese Stelle ausgewählt, um pointiert darauf hinzuweisen, daß "Gott" von den perversen Scheußlichkeiten seines "geliebten Davids" entweder nichts weiß (was nicht zur Allwissenheit Gottes paßt), oder aber völlig dahintersteht, denn er lobpreist ihn in der schwülstigen Art des alten Bibel Englisch über die Maßen. Dadurch ergibt sich für die gläubigen Anhänger das Bild eines völlig gerechtfertigten David Bergs. Somit ist alles, was er tat, in den Augen Gottes gut und weist den weiteren Weg der "Kinder Gottes": "Bleibt im Geiste Davids, denkt und handelt, wie er es euch gelehrt hat!" Die Lobpreisung "Gottes" für Berg nimmt Ausmaße an, die bisher Jesus Christus vorbehalten waren: "durch die Gnade und Barmherzigkeit Davids wird das Leben, die Liebe und die Freude kommen für alle, die danach dürsten. Und David wird bis ans Ende mit ihnen sein."
Wenn "Gott" die zarten und liebenden Hände Davids beschwört, erwähnt "er" mit keinem Wort die Defloration Merry Bergs durch diese "zarten" Hände, das Schlagen von Kindern mit der Rute "bis sie um Gnade winseln", noch das Klopfen mit den Fingerknöcheln auf deren Schädel.
Im weiteren Verlauf der Prophezeiung läßt "Gott" verlauten, daß man ihn durch das Befolgen der Gesetze Davids liebe. Auch müßten sie nun die Charter im richtigen Geist verstehen, mit eigenem Glauben und eigener Initiative. Durch himmlische Kommunikation kämen sie immer wieder zur Quelle von Gottes Charter. Dann empfiehlt "Gott", daß sie sich nicht von ihren eigenen Impulsen leiten lassen sollen, sondern durch "the Queen of Love", seinen Heiligen Geist. Er beschwört sie, sich für die Erneuerung von Gottes Wort, Leben, Liebe und Freiheit zu öffnen.
Mit anderen Worten, "Gott" läßt mitteilen, daß alles wunderbar anders, schöner, liebevoller, freier werden wird, aber die Anweisungen Davids auch weiterhin zu befolgen sind!

Was geschieht hier? In meinen Augen ist dies blanker Zynismus! Die Verantwortlichen der "Kinder Gottes", die von den brutalen Strafen wußten, die Merry Berg erlitten hat, weil sie dabei gewesen und mitgemacht haben, distanzieren sich in keinster Weise von den Anweisungen und "Gesetzen" Bergs. Hier wäre doch die Chance, nach seinem Tod eine echte Wandlung zu vollziehen. Aber anstatt sich von Berg und seinen Lehren und Praktiken zu distanzieren, erheben sie ihn zu einem göttlichen Berater, dessen geistiges Erbe unantastbares Glaubensgut der "Familie" bleibt. Statt Strukturen für eine Änderung zu legen, festigen die Führer ihre Macht, weiterhin durch "himmlische Anordnungen" nach Gutdünken Befehle oder "Gesetze" erlassen zu können.

Aus dieser Tatsache schließe ich, daß die Veränderungen nicht als Beweis für eine echte Wandlung zu sehen sind. Zudem liegen über veränderte neue Entwicklungen keine Zeugenaussagen mehr vor.


Fragwürdigkeit von wissenschaftlichen Methoden zur Bewertung
 

Wie soll eine pädagogische Wertung von Erziehungszielen aussehen, die Unmündigkeit und Abhängigkeit mit Mitteln wie Strafen, permanenter Indoktrination und Kontrolle aller Lebensbereiche erzwingen wollen?
Gibt es einen Grund anzunehmen, daß Einzelhaft, Isolierung, Sprechverbot etc. dazu beitragen, einen jungen Menschen richtig zu erziehen?
Sollen wir ernsthaft den Gebrauch der Prügelstrafe als Erziehungsinstrument diskutieren?
Sollen wir über sexuellen Mißbrauch als religiös motivierte Handlungen in wissenschaftlich neutraler Distanz reflektieren?
Sollen wir Brechen des Willens und Dressur, kurz: den Gebrauch von nackter Gewalt ernsthaft als pädagogische Handlung bewerten?
Können wir überhaupt das Leiden der Kinder mit wissenschaftlichen Methoden erfassen?
Ich gebe dies deshalb zu bedenken, weil solche Versuche bereits unternommen wurden und zwar von Wissenschaftlern, die während des Prozesses als Gutachter auf Seiten der "Kinder Gottes" aussagten.
Einige dieser Wissenschaftler haben im Verlauf des Prozesses ein Buch geschrieben mit dem Titel: Sex, Slander and Salvation.
Rachel Sand hat dazu geschrieben:
"Ich bekam das Buch "Sex, Slander, and Salvation". Ich konnte es nicht fertig lesen, weil ich es nicht ertrug, dort mein ganzes Leben so wiederzufinden, als sei alles ganz harmlos gewesen, und meine schlimmen Erlebnisse seien eigentlich nur ein Haufen von Lügen. Anscheinend sind alle üblen Praktiken der COG von Gegnern erfunden worden, um Leute zu unterdrücken, die nur das beste tun und anstreben." ... Ich kann aber nicht verstehen, wieso Leute von außerhalb die COG darin bestärken wollen, antidemokratische und massiv einengende Erziehungsprinzipien in die Praxis umzusetzen, eigene Meinungen bei den Kindern zu unterdrücken und nicht zuzulassen, daß man logisch denkt und sich fragt, was es mit dem eigenen Verhalten und Glauben auf sich hat."(SAND 1996, S.6)

Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, daß die Herausgeber dieses Buches von der Sekte Scientology als Gutachter empfohlen werden.(vgl. BERLINER DIALOG 1995)

Für mich sind alle Ansätze, die Geschehnisse bei den "Kindern Gottes" zu rechtfertigen oder sie wertneutral darzustellen oder sie als unrühmliche Irrtümer der Vergangenheit abzutun, weder wissenschaftlich noch menschlich nachvollziehbar.




Kriterien für eine gute Erziehung und damit gesunde Kindheit

Die meisten Wissenschaftler gehen heute davon aus, daß die Wechselwirkung von Anlage und Umwelt für Erziehung von Bedeutung ist.
Für Pädagogen ist die Umwelt, d.h. die soziokulturelle Bedingung ein Faktor, der verstärkend die Erziehung beeinflussen kann.
Als gute soziokulturelle Bedingungen und damit positiv verstärkend gelten:

- günstige Familienverhältnisse, d.h. permanente und vertrauensichernde Bezugspersonen in einem als sicher erlebten Rahmen (dauerhafte Wohnung, Haus) in harmonischer Atmosphäre.
- gute ökonomische Verhältnisse, d.h. Sicherung der lebenserhaltenden Versorgung und Stillung von Bedürfnissen, die darüberhinaus gehen (z.B. Spielsachen).
- gute Erziehung, d.h. emotionale Wärme und Geborgenheit, Anregungen und Lernmöglichkeiten, Spiel und Beschäftigung, Wertschätzung, Verständnis. (vgl. HOBMAIR 1995, S.67)
Die Kriterien werden bei den "Kindern Gottes" nicht erfüllt!

Fehlende Hilfe für die Opfer

Für die betroffenen Jugendlichen gibt es keine Ansätze der Hilfe: weil die Kinder weltfremd erzogen wurden, wissen sie z.B. nichts von der Möglichkeit, ein Jugendamt aufsuchen zu können , um gemäß des Kinder- und Jugendhilfegesetzes Erziehungshilfe zu beantragen, die darin besteht, den jungen Menschen zu einem selbständigen Leben in dieser Gesellschaft zu verhelfen, durch finanzielle Unterstützung, durch Ausbildung, durch Wohnung und Betreuung (vgl. KJHG 1991). Und meines Wissens haben die Leiter der "Kinder Gottes" keine Mittel aus ihrem nicht unbeträchtlichen Vermögen dafür verwendet, um Hilfe für ihre Opfer bereitzustellen. Es gab nur eine Entschuldigung mit der Bitte, das Vergangene zu vergessen.

Im englischen Urteil berichtet Richter Ward, daß er Sozialarbeiter beauftragt habe, die Verhältnisse in den "Homes" der "Kinder Gottes" zu überprüfen. Die Rückmeldungen wären äußerst positiv: fröhliche Kinder in ansprechender Umgebung, die mit reichlich didaktischem Material versehen von sekteneigenen Lehrern unterrichtet wurden. Ihr Wissensstand sei gut und mit dem auf der Regelschule verlangten durchaus zu vergleichen.(vgl. Urteil 1995, S.155)

Wir können dies zur Kenntnis nehmen, aber es besagt letztlich nicht, daß alle Kinder der Sekte nun unter solchen Bedingungen leben. Es gibt nicht genügend akademisch ausgebildete Lehrer oder pädagogische Fachkräfte, um 5ooo bis 6ooo Kinder und Jugendliche qualifiziert zu unterrichten.

Während der Erstellung dieser Arbeit hatte ich die Gelegenheit, mit den Verwandten einer Frau zu sprechen, die seit 2o Jahren in der Sekte lebt. Ihr ältester Sohn ist 15 Jahre alt und so schwer verhaltensauffällig, daß die Eltern keine andere Möglichkeit mehr sahen, als ihn in einer "weltlichen" Erziehungseinrichtung unterzubringen. Innerhalb eines Jahres flog er aus vier Einrichtungen. Es sieht nicht so aus, als ob es eine Chance gäbe, diesen Jungen im Nachhinein für ein Leben in unserer Gesellschaft zu sozialisieren. Seine Tante sagte mir, er sei nicht in der Lage, sich zu konzentrieren, er kann keine Anweisungen befolgen, weil "sie zu einem Ohr rein und zum anderen sofort rausgehen", er habe eine ungeheure Zerstörungstendenz, die nicht brutal und gezielt erfolgt, sondern absolut gedankenlos. Der Junge hat seiner Tante erzählt (wobei sie alle Aussagen im Hinblick auf Wahrheit mit großer Skepsis betrachtet), daß er schon mit 9 Jahren gewußt habe, daß das ihm aufgezwungene Leben in der Sekte falsch sei. Mit 12 Jahren habe er all seinen Mut zusammengenommen und seinen Vater angeschrien: "Es gibt überhaupt keinen Gott und was Mose David schreibt, ist ein großer Mist!" Sein Vater sei daraufhin ins Schlafzimmer gegangen und habe die ganze Nacht lang geweint.
Ich fragte die Tante, was wohl aus ihrem Neffen wird und sie sagte sehr nüchtern und emotionslos: "Ein Krimineller! Er ist nicht in der Lage, für seinen Lebensunterhalt zu arbeiten, also wird er Diebstähle begehen müssen, um seine Bedürfnisse zu stillen. Irgendwann endet er im Knast!"
Welche Chancen haben die Kinder dieser Familie?
Welche Chancen hat die Familie selber, nachdem die Eltern 2o Jahre in einer Sekte waren?
Sie haben beide keine Berufsausbildung, keine Ersparnisse, keine Sozial-, Renten- und Krankenversicherung, keinen festen Wohnsitz, keine Kompetenz im normal-angepaßten Umgang mit den Menschen und Gegebenheiten unserer Gesellschaft.
Ohne gezielte staatliche Hilfe sehe ich für sie und andere "Kinder Gottes" wenig Chancen für ein normales Leben. Zur Rückführung in die Gesellschaft gehört allerdings mehr als nur die Bereitstellung von Geldern für den Neuanfang. Es muß therapeutisch und seelsorglich aufgearbeitet werden, was geschehen ist, sonst bleiben die Menschen innerlich zerrissen und kaputt. Erfahrungen zeigen, daß ehemalige Mitglieder unter Depressionen und psychotischen Ängsten leiden. Schuld und Scham hindern viele daran, Hilfe zu suchen. Dabei läge in der begleiteten Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit die Chance zur Heilung nach dem Motto: "die Wahrheit wird euch freimachen." Sie tut weh, aber sie tötet nicht und ermöglicht ein neues Leben (vgl. LANGONE 1993).
Mit Appellen an die Öffentlichkeit haben Betroffene seit 2o Jahren außer reißerischen Artikeln in den Medien nichts erreicht. Jetzt melden sich die Kinder der "Kinder Gottes" zu Wort und bitten selber um Hilfe für sich und andere. Was muß noch passieren, damit etwas passiert?
"Dies ist ein pädagogisches, sozialpsychologisches und politisches Problem. Wir lassen zu, daß hier bei uns 2oo.ooo Kinder und Jugendliche in einem totalitären Geist erzogen werden, der nichts anderes will, als unseren Staat und unsere Demokratie zu zerstören."(Zitat EIMUTH in S2 Forum 1996)


Pädagogisches Plädoyer zur Einhaltung der Menschenrechte

Ich habe in dieser Arbeit aufgezeigt, daß die Kinder innerhalb der Sekte "Kinder Gottes" keine Lobby haben, daß sie für die sexuelle Befriedigung und Beschäftigung der Erwachsenen zur Verfügung zu stehen haben und ihre Schmerzen, Tränen und Bitten um Schonung nicht beachtet werden, im Gehorsam der Erwachsenen zu den Lehren David Bergs.
Die natürlichen Instinkte von Eltern, ihre Kinder zu schützen, werden von diesem Gehorsam überlagert. Kein Tabu schützt die Kinder vor erwachsener Willkür. Gleichzeitig gelingt ihnen die perfekte Täuschung der Öffentlichkeit über die internen Vorgänge. Die Kinder werden so konditioniert, daß sie nach außen unter allen Umständen Stillschweigen bewahren und auf Fragen mit vorgegebenen Antworten reagieren. Diese Täuschung gelingt den "Kindern Gottes" seit 25 Jahren erfolgreich. Immer wieder sind Wissenschaftler, Gutachter und Juristen (zuletzt Lord-richter Ward!) bereit, ihnen Dispens zu verleihen, weil sie Berichte als übertriebene Erzählungen unzufriedener ehemaliger Mitglieder oder bedauernswerte Einzelfälle gedeutet haben. Die Verantwortlichen sind nie zur Rechenschaft gezogen worden und werden es bis heute nicht! Die Vermischung von Religion und Perversion scheint vielen Gerichten in den zivilisierten Ländern dieser Welt Probleme zu bereiten. Nur so ist zu verstehen, daß nie ernsthafte Anstrengungen unternommen wurden, das Geschehen bei den "Kindern Gottes" zu stoppen! Ein Mann wie David Berg konnte nicht ohne die Kenntnis von Behörden in einem Land untertauchen. Trotz angeblich internationalem Haftbefehl wurde er (außer von Reportern) nie gefunden - unglaublich!

Heute führt Maria die "Kinder Gottes" weiter in "seinem Geiste". Wurde sie, wurden Peter Amsterdam und andere vorgeladen, bekamen sie Strafen für ihre Handlungen auferlegt? Nein! Welche anhaltenden und gravierenden Änderungen sollen wir von diesen Menschen erwarten? Können wir erwarten, daß Menschen, die in zügelloser Ungehemmtheit machen durften, was sie wollten, sich nun bescheiden und fromm beschränken auf ein enthaltsames Leben ohne Nervenkitzel und ohne Ausleben ihrer Macht? Gibt es dafür geschichtliche Beispiele? Ich kenne keine!
Ich befürchte, daß es ihnen wieder gelungen ist, die Öffentlichkeit zu täuschen, weil niemand sich die Mühe macht, die "LOVE CHARTER" richtig zu lesen. Hier steht das Programm dieser Sekte und es lautet frei übersetzt: "Weiter wie bisher, aber paßt besser auf!"

Lordrichter Ward spricht sein richterliches "Ego-te-absovo" über die Führer und glaubt ihnen, daß die schlimmen Verfehlungen dieser Gruppe Vergangenheit seien. Er will, daß sie für einen Neuanfang eine Chance bekommen. Damit tut er das, was die gesamte Öffentlichkeit seit 2o Jahren tut: niemand will genau hinsehen. Lieber nimmt man an, daß jetzt alles anders wird und die Dinge der Vergangenheit zwar bedauerlich, aber letztlich vorüber sind.

Ich bin überzeugt, daß das Leiden der Kinder weitergeht. Sie werden weiterhin in einer Welt-entfremdeten Sekte aufwachsen, die bewiesen hat, daß sie die Täuschung bis zur Perfektion entwickelt hat und ebenso ein System des "Verschwindens", wenn Unannehmlichkeiten drohen. Es wird ein permanenter Druck ausgeübt, die Lehren des David Berg zu verinnerlichen und danach zu leben. Die jetzt vorgenommenen Veränderungen entsprechen denen einer kosmetischen Operation: eine optische Verbesserung wird vorgenommen bei gleichbleibender, unveränderter Persönlichkeit!

Es ist m.E. empörend, wie gleichgültig der Gesetzgeber sich dieser Gruppe gegenüber verhält, obwohl die Praktiken bekannt sind. Erwachsene "dürfen" mit ihrem Leben machen, was sie wollen, das schließt Irrtum und Dummheit mit ein, aber Kinder haben in diesem Staat ein Recht auf Schutz!

Dient es dem Wohl des Kindes, wenn es gezwungen wird, ein Leben zu führen, das geprägt ist durch

Folter? Das heißt: Essensentzug, Isolation (Eingesperrtsein), Sprachentzug (Redeverbot), Prügelstrafe, sinnlose Arbeit ...

Wo bleibt der Protestschrei der zivilisierten Welt zur Einforderung der Menschenrechte für diese Kinder?


Was sollte getan werden?

Nur durch massiven Druck von außen ändern sich die Verhältnisse bei den "Kindern Gottes". Das zeigen die Erfahrungen in England mehr als deutlich. Damit dies nicht nur Kosmetik bleibt, muß das interne Geschehen bei den "Kindern Gottes"

Nur durch die o.g. Maßnahmen tritt eine indirekte Verbesserung der Lebensbedingungen für die Kinder ein. Weiteres Abwarten und Nichts-tun kommt einer Hilfeverweigerung gleich.

Resümee

Die Kinder, die von Geburt an bei den "Kindern Gottes" aufwachsen, erleben ein Erziehungsschicksal, daß Außenstehenden aus gutem Grund verborgen bleiben soll, denn es widerspricht dem Geist unseres Grundgesetzes. Sie werden nicht zu mündigen Bürgern dieses Staates erzogen, sondern zu lächelnden Robotern einer totalitären Sekte. Im Gegensatz zu ihren Eltern hatten sie keine Chance, andere Lebensentwürfe kennenzulernen, haben sie keine Vergleichsmöglichkeiten zu dem Leben, das ihnen aufgezwungen wird. Sie sind schutzlos einem pseudoreligiösen System ausgeliefert, das der oft alkoholgeschwängerten Phantasie eines alten, sexbesessenen Mannes entsprang. Sie wuchsen (und wachsen noch immer) in einem Umfeld auf, das nicht als "normal" gelten kann, sondern Ursache für viele seelische und körperliche Schmerzen war und ist.
Die Kinder werden von klein auf im Sinne des Sektengründers erzogen, d.h.: widerspruchsloses Gehorchen und Ausführen von Anweisungen. Die Mittel, die eingesetzt wurden, um dieses Verhalten zu erzwingen, heißen Prügelstrafe, Sprechverbot, Isolation, Einschüchterung. Jeder Versuch, aus diesem starren System auszubrechen oder es zu hinterfragen, wird bestraft. Resultat: die Kinder sind entweder völlig angepaßt oder schwer gestört und verhaltensauffällig. Über die Spätfolgen des sexuellen Mißbrauchs kann nur gemutmaßt werden.
Daß eine Erziehung wie die bei den "Kindern Gottes" von demokratischen Staaten geduldet wird, ist Verrat an den Grundwerten unserer auf Selbstbestimmung zielender Gesellschaften und sollte mit allen Mitteln hinterfragt und aufgedeckt werden. Die Grenzen der Religionsfreiheit sind hier bei weitem überschritten.



Literaturliste

1 AJEMIAN, S. Kindesmißbrauch?!. In: Broschüre des "Arbeitskreis Sekten e.V.", Verein zur Bekämpfung geistiger und seelischer Abhängigkeit, Herford. Pasadena, California. 1991
2 AJEMIAN, S. The Searching for Celeste. Pasadena, California. 1992
3 BERG, D. Alle Dinge. London. 1970
4 BERG, D. Das Gesetz der Liebe. London. 1974
5 BERG, D. Das letzte Stadium. Zürich. 1987
6 BERG, D. Der Teufel haßt Sex - aber Gott liebt ihn. Zürich. 1980
7 BERG, D. Du bist, was du liest. Zürich. 19781
8 BERG, D. Ein Penis? oder ein Schwert!. Rom. 19761
9 BERG, D. Es gibt keinen Weg hinaus, nur hinauf. Zürich. 1993
10 BERG, D. Flirty little Fishy!. London. 19741
11 BERG, D. Good News!. The School Vision. Zürich. 1988
12 BERG, D. Gottes einziges Gesetz ist Liebe. Rom. 1977
13 BERG, D. Handbuch der Kindererziehung. Zürich. 19811
14 BERG, D. Harsh Discipline that bruises?. In: Good News 171. Zürich. 1985
15 BERG, D. Heilige Löcher. London. 1973
16 BERG, D. Hiebe aus Liebe. Zürich. 1975
17 BERG, D. Kindesmißbrauch. Zürich. 1989
18 BERG, D. Latest newsflash Nr. 57. Zürich. 19851
19 BERG, D. Mocumba. Die Bekehrung von Afrika?. Rom. 1976
20 BERG, D. Neue Flaschen. London. 19731
21 BERG, D. Reorganisation, Nationalisation, Revolution. Zürich. 1978
22 BERG, D. Rotten Apples. Zürich. 1981
23 BERG, D. Schul-Vision. Zürich. 1988
24 BERG, D. Schwindeln für Gott. Zürich. 1979
25 BERG, D. Sex mit Grandma. Zürich. 19821
26 BERG, D. Teenager Sex. Zürich. 1985
27 BERG, D. The future is here. Zürich. 19821
28 BERG, D. Überleben. Die wahre Geschichte von Moses und den Kindern Gottes. London. 1972
29 BERG, D. Warum steinigt ihr uns?. Zürich. 1992
30 BERG, D. Wir können die Wahrheit nicht widerrufen. Zürich. 19921
31 DAVIS, D. Die ungeschminkte Wahrheit. Die Geschichte der "Kinder Gottes" erzählt von der Tochter des Sektengründers Moses David. Asslar. 1985. Schulthe + Gerth
32 EIMUTH, K.H. Die Sekten-Kinder. Mißbraucht und betrogen - Erfahrungen und Ratschläge. Freiburg. 1996. Herder
33 Gandow  (Hrsg.). In: Berliner Dialog 2. Berlin. 1995
34 HAACK, F.W. Jugendreligionen. Ursachen, Trends, Reaktionen. München. 1979. Claudius Verlag
35 HEMMINGER. Zum kirchlichen Umgang mit dem Sektenbegriff. In: Materialdienst der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, S. 161f. Stuttgart. 1995. Quell Verlag
36 Herausgegeben im Auftrag der Bischöfe Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Die Bibel, Einheitsübersetzung. Stuttgart. 1980. Herder
37 HIROOKA, Y. Family of Love. In: Shukon Burshun. Japan. 1992
38 HOBMAIR, H. (Hrsg.). Pädagogik. Köln. 1995. Stam Verlag
39 KLOSINSKI, G. Psychokulte. Was Sekten für Jugendliche so attraktiv macht. München. 1996. Verlag C.H. Beck
40 LANGONE, M.D. (Hrsg.). Recovery from Cults. Help for Victims of Psychological and Spiritual Abuse. New York. 1993. W.W.Norton & Company
41 LEWIS, J.,MELTON, J.G.  (Hrsg.). Sex, Slander, and Salvation. Investigating The Family/Children of God. Stanford, California. 1994. Center for Academic Publication
42 LYNCH, D. Inside the "Heavenly Elite" - The children of God today. In: Christian Research Journal. 1990
43 MÜNDER, J. (Hrsg.). Frankfurter Lehr- und Praxis-Kommentar zum KJHG. Münster. 1991. Votum Verlag
44 Referat für Weltanschauungsfragen (Hrsg.). Kinder Gottes oder Familie der Liebe: Lehren, Praktiken, Hintergründe. In: Werkmappe "Sekten, religiöse Sondergemeinschaften, Weltanschauungen". Wien. 1992
45 SAND, R. Kindheit und Jugend bei den "Kindern Gottes". In: Texte der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Information Nr. 131. Stuttgart. 1996. Quell Verlag
46 THE FAMILY (Hrsg.). LOVE CHARTER. Zürich. 1995
47 THE RT. HON. LORD JUSTICE WARD. This is the judgment of Lord Justice Ward... London. 1995
48 WALLENSTEIN, H.J.,stv. Generalstaatsanwalt von New York. Abschließender Bericht über die Aktivitäten der Kinder Gottes. New York. 1974
 



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