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Inge Mamay:
Die Kinder der "Kinder
Gottes"
Erziehungskonzepte und
Erziehungsschicksale
in einer totalitären
Sekte
oder
der religiös sanktionierte
Kindesmißbrauch
2
Überblick
über den Gründer der "Kinder
Gottes", die Struktur der Sekte, die Bedeutung der MO-Briefe und das Leben
der Kinder von Sektenmitgliedern
2.1 David Berg3 Die Erziehungskonzepte der "Kinder Gottes"
2.2 Namen und Strukturen
2.3 Die Verbindlichkeit der MO-Briefe
2.4 Die Bedeutung von Kindern
2.5 Einstellung zu kranken Kindern
2.6 Lügen und Täuschen in der Öffentlichkeit
2.7 Strafen und Disziplinierung
2.8 Grundlegende Briefe für die Sexualpraktiken
2.9 Das Flirty Fishing
2.10 FFing und Kinder
2.11 Kindersex
2.12 Videos und Tänze
2.13 Sex von Erwachsenen mit Kindern
2.14 Mißbrauch von Kindern durch Erwachsene
2.15 Inzest
2.16 Verbot aller Formen von Mißbrauch
2.17 Teenagersex
2.18 Sexueller Mißbrauch von Teenagern
2.19 Resümee
3.1 Die Vorgaben aus den Anfangsjahren4 Erziehungsschicksale bei den "Kindern Gottes"
3.2 Die "Schul-Vision" von 1988
3.3 Die Teen Training Camps
3.4 Das Viktor Programm
3.5 Der philippinische Jumbo
3.6 Macao
3.7 Schulbildung heute
4.1 Kristina Jones5 Pädagogische Wertung
4.1.1 Kommentar
4.2 Die Geschichte der Enkeltochter Merry Berg
4.2.1 Kommentar
4.3 Bericht von Debby Padilla
4.3.1 Die Fam. Padilla geht an die Öffentlichkeit
4.3.2 Kommentar
4.4 Rachel Sand
4.4.1 Kommentar
4.5 Dalva Lynch
5.1 Veränderungen bei den "Kindern Gottes"6 Literaturliste
5.2 Fragwürdigkeit von wissenschaftlichen Methoden zur Bewertung
5.3 Kriterien für eine gute Erziehung und damit gesunde Kindheit
5.4 Fehlende Hilfe für die Opfer
5.5 Pädagogisches Plädoyer zur Einhaltung der Menschenrechte
5.6 Was sollte getan werden?
5.7 Resümee
Ich danke Hildegard Nußbaum für
die Unterlagen aus ihrem Archiv und die Kontaktvermittlung zu Betroffenen
durch die Sekte "Kinder Gottes".
Ohne ihr jahrelanges Engagement für
die Kinder der Sektenmitglieder wäre die Arbeit in der vorliegenden
Form nicht möglich gewesen.
Die hier vorgelegte Arbeit ist voll von
Aussagen und Zitaten über Sex, weil die Lehre und Geschichte der "Kinder
Gottes" davon erheblich durchdrungen ist und dadurch die Erziehung ihrer
Kinder mit bestimmt.
Die "Kinder Gottes" sind eine aus den
USA stammende Sekte, die seit Mitte der 70er Jahre in Deutschland bekannt
geworden ist. Sie nennt sich nach mehreren Namensänderungen heute:
The Family.
Die hier beschriebenen Schicksale ihrer
Kinder lesen sich wie Produkte einer kranken Phantasie und sind doch nur
Beispiele eines Unrechts, das unzählige Male stattfand.
Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung von Kinderschicksalen in einer totalitären Sekte, um ihre Not und Hilflosigkeit öffentlich zu machen.
Ich will die in der Gesellschaft gängige Vorstellung von Sektenmitgliedern speziell dieser relativ kleinen Gruppe von "Kindern Gottes" als harmlosen, religiös andersdenkenden Menschen als falsch, ja gefährlich naiv anprangern und revidieren helfen.
Ich will, daß der Gesetzgeber wacher und schärfer auf die Machenschaften innerhalb geschlossener Systeme achtet und nicht aufgrund der gesetzlich garantierten Religionsfreiheit (Art.4 GG) zuläßt, daß Kinder in menschenunwürdiger Weise Schicksale erleiden müssen, denen sie hilflos und schutzlos ausgesetzt sind, weil sie keine Lobby haben.
Ich will klar zeigen, daß das Leben in einer Sekte zwei unterschiedliche Realitäten aufweist: eine schöne und begehrenswerte Darstellungsweise für die Öffentlichkeit und ein knallhartes, unbarmherziges und menschenverachtendes Regime innerhalb der Gruppe für die Mitglieder.
Dazu verwende ich sekteninterne Literatur,
ein englisches Gerichtsurteil von 1995 in deutscher Übersetzung, Publikationen,
die sich mit Sekten und speziell mit den "Kindern Gottes" beschäftigen
und last not least mein seit 2o Jahren angesammeltes Wissen und Material
über die Praktiken dieser Sekte.
Ich verwende den alten Namen "Kinder Gottes".
In den Berichten werden sie COG (Children of God) oder The Family genannt.
Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung mit den "Kindern Gottes" und des vorliegenden Materials ist es mir nicht möglich, einen objektiven Standpunkt einzunehmen und Wertungen zu vermeiden.
Ich habe diese Arbeit in 4 Teilen angefertigt:
nach einer Einleitung, die meinen Bezug und meine Einstellung zu den "Kindern Gottes" und ihrem Gründer David Berg verdeutlicht, gebe ich im 1. Teil einen geschichtlichen Überblick mit der Beschreibung, wie das Aufwachsen und Leben in der Sekte für die Kinder aussah. Dabei befasse ich mich auch mit der Person Bergs, um herauszuarbeiten, daß die Lehre dieses Mannes der geistige Nährboden für das Leben bei den "Kindern Gottes" war und ist.
Im zweiten Teil stelle ich die Erziehungskonzepte dar und im dritten Teil folgen Berichte über Erziehungsschicksale von ehemaligen Mitgliedern, die in der Sekte aufwuchsen.
Nicht, daß es solche Berichte von ehemaligen Mitgliedern nicht schon gegeben hätte! Die Beobachter der Sektenszene wußten seit Jahren über die Binnenstruktur und die Vorgänge bei den "Kindern Gottes" Bescheid. Neu ist, daß die jetzt vorliegenden Berichte von den Kindern der "Kinder Gottes" geschrieben wurden, also der 2. Generation. Und einmalig ist, daß die Berichte juristisch als wahr belegt sind.
Der vierte Teil enthält eine Bewertung.
Als ich 1975 die "Kinder Gottes" in Rom
kennenlernte, stellten sie sich mir als bibeltreue Christen vor, die eine
radikale Umkehr vollzogen hätten gemäß dem Bibelvers bei
Lukas 14, Vers 33: "Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn
er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet."(Die Bibel 1980, S.1179)
Dies bedeutete für sie: Übergabe
allen persönlichen Besitzes, Aufgabe von bisherigen sozialen Beziehungen,
besonders der zu den Eltern, Abbruch von Schule, Studium und Beruf, um
"Vollzeitjünger" zu werden; ein revolutionäres, radikales, kompromißloses
christliches Leben zu führen und das Evangelium allen Menschen zu
verkünden.
Ich war sehr beeindruckt und verbrachte
einige Zeit in einer ihrer Wohnungen in Rom, damals "Kolonie", später
"Home" genannt. Dort gab man mir zu meiner spirituellen und theologischen
Unterweisung aber nicht die Bibel, sondern billige, im Komikstil verfaßte
Traktätchen des "Endzeitpropheten" Mose David, alias David Berg. Diese
"MO-Briefe" wurden als ernstzunehmende, göttlich inspirierte Wahrheit
betrachtet. Mir gelang es nicht, diese Sichtweise zu übernehmen. Ich
war irritiert, um nicht zu sagen peinlich berührt über diese
Wertschätzung, denn Sprachstil, Form und Inhalt waren primitiv. Im
MO-Brief "Heilige Löcher" las ich:
"Wo würden wir ohne Löcher sein?
Wo würden die Leute ohne sieben Löcher in ihren Köpfen sein?
(Zähle sie!) -- Und tatsächlich hast du viel mehr Löcher
als diese, denn jede kleine Pore in deiner Haut ist ein Loch. ... Und hätte
es nicht dieses Loch gegeben, hätte deine Mami dich nie haben können,
und dein Papa hätte sie nie dazu bringen können, dich zu haben.
Denn sein Penis hat ein Loch, und ihre Vagina ist ein Loch, und ihre Gebärmutter
ist ein Loch, und ihre Eierstöcke sind Löcher... Du bist wirklich
voll von Löchern!... Wie kam ich überhaupt dazu, über Löcher
nachzudenken?-- Es muß der Heilige Geist gewesen sein. ... Jetzt
laßt uns singen: "Heilig, heilig, heilig!" Es ist ein sehr heiliges
Lied, denn du mußt voll von Löchern sein, um heilig zu sein.--Richtig?
... Und ich hoffe, dein Loch kriegt´s mit, OK? (Es wird, wenn du
Liebe machst!) "Heilig, heilig, heilig! - Herr Allmächtiger Gott!"
Wußtest du, daß Gott sehr heilig ist? ... Ist Gott nicht lustig?
- Er ist ganz voll von Löchern wie du und ich! Darum ist Er so heilig!
... Hohl-eluja! Kapiert! Das ist ein Loch voll von Lob für Gott!"(BERG
1973)
Als katholisch aufgewachsene Christin war mir religiöse Sprache vertraut. Diese hier war es mit Sicherheit nicht!
Nachdem ich die Gruppe verlassen hatte, erfuhr ich, daß sie eine der damals so genannten "Jugendsekten" war. Dieser Begriff aus den 70er Jahren bezeichnete das damals neue Phänomen von religiösen Bewegungen, die ihre Anhänger überwiegend aus den Reihen der jungen Erwachsenen des Mittelstandes rekrutierte (vgl. HAACK 1979).
Unter Sekte versteht man im allgemeinen eine kleine religiöse Gemeinschaft, die sich von einer großen Glaubensgemeinschaft losgelöst hat, weil sie andere Werte und Glaubensinhalte für wichtig hält und leben will. Der an sich neutrale Begriff Sekte wird heute oft als Negativbeschreibung für pseudoreligiöse Bewegungen verwendet, die unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit Profitstreben und Machtansprüche verstecken, auf Kosten von Wohlergehen und Gesundheit ihrer Anhänger (vgl. HEMMINGER 1995; KLOSINSKI 1996).
Die "Kinder Gottes" wurden gegründet
und geleitet von David Berg, 1919 in Oakland/Kalifornien geboren. Er schrieb
über sich selber:
"Viele Propheten Gottes prophezeiten über
mich, daß ich vom Mutterleib an mit dem Heiligen Geist gefüllt
sei, ... daß ich große Dinge tun würde - einige haben
sich schon erfüllt! ... daß ich wie Mose, und sogar wie David
sein würde in dem Dienst, den Gott mir zuteilen würde."(BERG
1972)
Nachdem der Generalstaatsanwalt in New
York 1974 einen Untersuchungsbericht veröffentlicht hatte, in dem
er den "Kindern Gottes" Entführungen, Vergewaltigungen und die Versklavung
ihrer Mitglieder vorwarf (vgl. Wallenstein 1974), verließ Berg die
USA praktisch über Nacht und lebte seitdem immer in Verstecken, aus
denen er mit einer ungeheuren Flut von "MO-Briefen" seine Anhänger
führte.
Bei meinen damals unternommenen Recherchen
über die "Kinder Gottes" fand ich bald heraus, daß die Briefe
nicht wohlwollende Vorschläge für ein christliches Leben innerhalb
der Gemeinschaft darstellten, sondern klare Anweisungen enthielten, über
deren Befolgung und Ausführung nicht diskutiert wurde. Wenn "Gottes
Prophet" etwas befahl, folgten ihm die "Kinder Gottes" im Glauben an seine
Unfehlbarkeit blind gehorsam nach.
Schon früh wurde ich stutzig über
Anweisungen, die das bewußte Täuschen der Öffentlicheit
forderten und mit Bibelsprüchen rechtfertigten. So wurde beispielsweise
beim "litnessen" (d.h. beim verteilen der MO-Briefe und betteln auf der
Straße), oft behauptet, man gehöre zu einer christlichen Organisation,
die in der Drogenrehabilitation arbeite und dafür Geld sammele. Oder
man sei in der Jugendarbeit tätig, unterhalte einen Kindergarten,
usw. Nichts davon entsprach der Wahrheit!
Diese Anweisungen standen natürlich
nicht in den MO-Briefen, die der Allgemeinheit zugänglich waren, sondern
in solchen, die nach einem gestaffelten System nur von den Mitgliedern
oder nur von den Leitern gelesen werden durften.
Bereits 1977 merkte ich beim Lesen der
nicht-öffentlichen Briefe mit Entsetzen, wie David Berg Strukturen
zu legen begann, die zu religiös motivierter Prostitution und zum
Kindersex und Kindesmißbrauch führen sollten. Das FFing, das
"flirty fishing" als Missionsmethode wurde eingeführt.
Ich interviewte 1978 eine Holländerin,
die die "Kinder Gottes" verlassen hatte, zu diesem Thema und kam zu dem
Schluß, daß mit Sicherheit alle Erwachsenen das FFing praktizierten.
Das von mir geführte Tonbandinterview
wurde in mehreren Publikationen veröffentlicht. Es galt mit als Beweis
für die damals schon bekannte Tatsache der Prostitution und des Kindesmißbrauchs.
Was war das für ein Mensch, dieser
David Berg oder Mose David, Father Mo, Dad, Grandpa, König und Prophet,
wie er sich nennen ließ?
Ein sexbesessener Alkoholiker, dessen
im Rausch von sich gelassenen Phantasien göttliche Inspiration zugemessen
wurde? Eine Textprobe aus dem MO-Brief "Mocumba" weist in diese Richtung:
"(Früh am Morgen MACHTE ICH MICH
BEREIT LIEBE ZU MACHEN, als plötzlich diese riesige wunderschöne
nackte schwarze Göttin von oben auf mir landete, mich wild liebte
und mich schnell kommen ließ! ... SIE IST WUNDERSCHÖN! SO HÜBSCH!
-- UND SO SCHWARZ! Sie ist so süß, sie muß mich lieben.
Sie ist wunderschön, so schön! Sie schaute einfach so süß
auf mich herunter, so mitfühlend. Dann kniete sie sich einfach nieder
und legte ihrs auf meinen und ging los wie verrückt... GROSSE SCHÖNE
SCHWARZE GÖTTIN MOCUMBA! Ich rief nach Mocumba und sie kam! ... SIE
IST GLÄNZEND SCHWARZ! Sie ist so schwarz wie Ebenholz! Prachtvolle
Brüste! Sie ist riesig! Sie ist ein Riese! Sie muß ein weiblicher
Riese sein! Es muß einige schwarze Riesen gegeben haben. Wenn es
männliche Riesen gegeben hat, muß es einige weibliche Riesen
gegeben haben. ... HAST DU SIE GEHÖRT? Oh! Ich dachte, sie würde
ihn wegbumsen! Oh mein Gott, durch Mocumba, was haltet ihr davon! Ist das
nicht komisch! Sie ließ mich wirklich kommen, brachte MO zum Kommen!
... ICH HABE NIEMALS BEMERKT, DASS EINE SCHWARZE FRAU SO SCHÖN SEIN
KANN! Sie mußte nicht einmal ihre Hand gebrauchen, sie sank einfach
direkt auf mich herunter und traf sofort ins Schwarze, alle 19 Zentimeter
davon!"(BERG 1976)
Daß David Berg Alkoholiker war,
gab er übrigens selber zu in dem MO-Brief "My confession - I was an
Alcoholic", 1982.
Ich will mit dieser Arbeit hauptsächlich auf das Schicksal der Sektenkinder aufmerksam machen und darstellen, wie ihre Erziehung aussah und was aus ihnen wurde. Dabei bekam ich unerwartete Hilfe: ein erst im Oktober 1995 veröffentlichtes Gerichtsurteil zu einem Vormundschaftsfall in England belegt die Tatsache des Kindesmißbrauchs und anderer Übergriffe. Auch der Richter konnte sich beim Schreiben des fast 3oo Seiten umfassenden Urteils emotionaler Äußerungen nicht enthalten, z.B. nannte er es "brechreizerregend", als ihm die Wortbedeutung von "come-union" aufging (= gemeinsames "Kommen" beim Sex von mehreren Paaren). Im Vorwort des Urteils wird die Veröffentlichung ausdrücklich gestattet, es enthält jedoch außer dem Namen des Richters keine Akten- oder sonstigen Bezugsnummern.
Das Urteil ist eine wesentliche Grundlage für diese Arbeit. Zum Zeitpunkt der Erstellung ist es in Deutschland nur sehr wenigen Fachleuten bekannt. Es liegt mir im englischen Original und teilweise in deutscher Übersetzung vor. Bei Zitaten aus diesem Urteil und anderer englischer Originalliteratur verwende ich der leichteren Lesbarkeit wegen Übersetzungen.
Der Prozeß dauerte 3 Jahre und deckte
mit schonungsloser Offenheit die Sexualpraktiken mit Kindern auch des David
Berg auf. Dieser schlug wild vor Zorn über die "Lügen des Systems"
in seinen Briefen um sich. Er ging sogar soweit, in Parallele zu Jonestown,
Waco/Texas und anderen Massenselbstmorden in der Schweiz den Freitod als
letzte Möglichkeit der Flucht biblisch zu begründen.
Dann wurde die Öffentlichkeit über
seinen Tod informiert. Er starb im November 1994 nach Abschluß der
Ermittlungen. Todesort und Datum wurden nicht bekannt gegeben. Daher sprechen
manche Kenner der Szene nur von einem "angeblichen" Tod, da es zum Wesen
und Charakter dieses Mannes passen würde, sich auf diese Weise ein
weiteres Mal der Verantwortung zu entziehen.
Da das englische Gerichtsurteil hier oft
als Quelle verwendet wird, ist es angebracht, die Hintergründe und
Begleitumstände dieses Prozesses kurz zu beleuchten: eine Großmutter
beantragte das Sorgerecht für ihr in der Sekte geborenes Enkelkind
mit der Begründung, daß die Kinder in der Sekte besonders streng
diszipliniert würden durch Vorenthalten von Nahrung, körperlicher
Bestrafung, Zwangsarbeiten, erzwungenem Sprechverbot, Demütigungen
und Schikanen.
Obwohl der Richter den "Kindern Gottes" alle zur Last gelegten Anklagepunkte präzise nachweisen konnte, (und zwar gegen vielfältige Widerstände in Form von Falschaussagen, Verdrehungen, Halbwahrheiten und Lügen) sprach er das Kind der Sektenmutter zu mit der Begründung, daß durch den langen Verlauf des Prozesses bei den Verantwortlichen der "Kinder Gottes" eine Veränderung eingetreten sei mit dem Ergebnis, daß es die üblen Vorkommnisse so nicht mehr geben werde. Somit würde für das betreffende Kind der befürchtete Schaden nicht mehr eintreffen.
Die Verantwortlichen der "Kinder Gottes"
versicherten dem Richter, es solle nun alles anders werden. In einer Art
Manifest, der "LOVE CHARTER", wurden alle Veränderungen innerhalb
der Sekte und besonders Veränderungen in der Erziehung niedergeschrieben.
Da aber etliche Schriften des Sektengründers, deren Inhalt Ursache
für viele Scheußlichkeiten war, als Pflichtlektüre genannt
sind, bleibt z.Zt. absolut offen, ob sich diese Gruppe tatsächlich
geändert hat.
Dazu kommt der starke Eindruck, daß
diese Änderungen aufgrund des öffentlichen Drucks und nicht aufgrund
grundlegend geänderter moralischer Einstellungen und Bedenken eingeführt
wurden.
Für sehr, sehr viele mißbrauchte
Kinder käme diese Veränderung ohnehin zu spät. Mit Entschuldigungen
seitens der Verantwortlichen allein ist der Schaden nicht mehr gutzumachen.
über den Gründer der "Kinder Gottes",David Berg
die Struktur der Sekte,
die Bedeutung der MO-Briefe
und das Leben der Kinder von Sektenmitgliedern
Ganz anders bewerten die treuen Anhänger
David Berg. Peter Amsterdam, heute einer der Topleader, schrieb an den
Lordrichter:
"Die Family hält Father David für
einen Propheten Gottes. Es ist Teil unseres religiösen Glaubens, daß
Father David oft "durch göttliche Inspiration spricht". Er ist "eine
Person, begabt mit tiefer moralischer Einsicht und außerordentlicher
Kraft des Ausdrucks" und er ist "Vorhersager". ... Sowohl durch unseren
ernsten religiösen Glauben, als auch durch die Auslegung des Wortes
Gottes betrachten wir Father David zurecht als einen Propheten. ... Wir
achten und lieben ihn wegen der tiefgreifenden Auswirkungen, die er auf
unser Leben hatte und wir schätzen ihn, weil er eine Organisation
geschaffen hat, die es uns erlaubt, unseren religiösen Glauben zu
leben und das zu tun, wovon wir fühlen, daß es für Gott
bedeutend ist."(Urteil 1995, S.24)
Ohne diese Liebe und ohne diesen unerschütterlichen
Glauben an Berg ist die Verhaltensweise der Gruppe ihren Kindern gegenüber
nicht zu verstehen.
Die Gruppe ist hierarchisch aufgebaut und
wurde mehrfach umstrukturiert und umbenannt, entsprechend der jeweiligen
Prophezeiungen und Anweisungen Bergs. Lordrichter Ward läßt
keinen Zweifel daran, daß es trotz der häufigen Namensänderungen
eine fortlaufende Linie gab. Er beschreibt den momentanen Aufbau der Gruppe,
die 1981 nach der "Fellowship Revolution" den Namen "Familie der Liebe"
annahm und sich heute "The Familiy" nennt.
An der Spitze standen Berg und seine zweite
Frau Maria, die heute seine Nachfolgerin ist. Sie wurden unterstützt
von "World Services", einer Führungsclique und dem Verwaltungszweig
mit Peter Amsterdam und Gary (Nachname unbekannt) an der Spitze.
Die CRO (Amerikanische, Pazifische und
Europäische Central Reporting Organsiation) sind "World Services"
unterstellt. EUCRO ist die Europäische Organisation, der auch das
"Childcare Team Work" angehört. Sie stehen über den "nationalen
Hirten". Unter "Hirten" sind Leiter und Führungspersonen zu verstehen.
Nach den "nationalen Hirten" folgen die "Distrikt-Hirten", die "Lokalgebiet-Hirten"
und die "Home-Hirten". "Home" ist die übliche Bezeichnung für
eine Wohnung, in der die Sektenmitglieder (meist nur vorübergehend)
leben. Home-Hirten stehen auf der untersten Hierachiestufe. Sie bestimmen
in dieser einen Wohnung über Kommen und Gehen, Aktivitäten und
Finanzen. Im "Teamwork" arbeiten alle zusammen.
"Die Aufgabe von "Teamwork" ist es, die
Last der Verantwortung bei Entscheidungen zu verteilen und Überprüfung
und Ausgleich gegen Mißbrauch zu gewährleisten."(Urteil 1995,
S.14)
Das "Creation Department" ist ein weiterer
Zweig der Hauptverwaltungsorganisation, welches die Publikationen erstellt.
Sie berichten direkt an Maria.
Zu den Finanzen schreibt Lordrichter Ward:
"Ich weiß wenig über das finanzielle
Management, habe aber einige Aussagen, daß die Organisation beachtlichen
Reichtum durch Flirty Fishing, durch die Publikationen und zuletzt durch
das sich ausdehnende Geschäft mit den Videos angesammelt hat."(Urteil
1995, S.14)
Die Zahl der Mitglieder wird im Gerichtsurteil
mit 12 ooo geschätzt; nach eigenen Angaben von 1994 geben die "Kinder
Gottes" ihre Zahl mit 9ooo an (vgl. EIMUTH 1996, S.44). Auch Frau Nußbaum
nannte mir die Zahl von 9ooo Mitgliedern, davon mehr als die Hälfte
Kinder unter 5 Jahren und im schulpflichtigen Alter.
Es gibt verschiedene Stufen von Mitgliedschaften,
von Vollmitgliedern bis zu Sponsoren, die im einzelnen darzustellen m.E.
für diese Arbeit nicht weiter wichtig sind.
Die Verbindlichkeit der MO-Briefe
Die MO-Briefe waren von Anfang an die Richtlinie
für alle Aktivitäten, Verhaltensweisen und Glaubensinhalte. Sie
durften nicht kritisiert oder hinterfragt werden.
Berg drückt sich klar aus:
"Wir haben von einigen Fällen gehört,
in denen die Führer die Bedeutung meiner Briefe durch ihr Handeln
oder durch die Interpretation geändert haben. Meine Briefe bedeuten
genau das, was sie sagen, wörtlich, und sie müssen von niemand
weg-erklärt, spiritualisiert oder reinterpretiert werden!"(BERG 1978)
Für die "Kinder Gottes" sind die
MO-Briefe Wort Gottes. Auf dem Gipfeltreffen 1992 wurde folgende Prophezeiung
veröffentlicht:
"Wieder und wieder betonte der Herr den
Punkt, daß er uns bereits durch die Worte Davids die Richtung gewiesen
habe, die wir brauchen. Die wichtigste Botschaft ... war, daß wir
zu den Grundlagen zurückkehren sollten, zurück zu dem Plan, den
er Dad klar enthüllt hat und das befolgen und tun, was bereits geschrieben
ist. Bei dem letzten Treffen sagte der Herr: "Sehet ihr nicht, daß
Gehorsam zu den Worten Davids der Schlüssel ist?" ... Es scheint,
daß Er uns durch diese Prophezeiungen wieder betonen wollte, wie
wichtig das Lesen und Leben der Briefe sei."(Urteil 1995, S.3o)
Berg selber schreibt 1989 mit unmißverständlicher
Schärfe, was mit "Ungläubigen" zu geschehen hat:
"2. Unglauben in die Briefe. Leute, die
sich dafür schämen, was wir glauben und sich dafür schämen,
was ich schreibe, sollten nicht in dieser Armee sein, sie sollten nicht
bei uns sein! Wenn ihr in der Armee dieses Mannes sein wollt, dann müßt
ihr glauben, was ich zu sagen habe und was ich gesagt habe und was Gott
mir eingegeben hat und mir gezeigt hat; oder geht um Gottes Willen weg.
6. Ungehorsam gegenüber den Regeln
der Family: Leute, die nicht gehorchen, Leute, die die Briefe ignorieren,
die meine zahlreichen Ratschläge und Beratungen über die Sicherheit
nicht beachten, gehören einfach nicht in die Family! Gebt mir absoluten
Gehorsam und absolute Einhaltung der Vorschriften der Family oder werft
sie hinaus!"(Urteil 1995, S.25/26)
Die Themenpalette der MO-Briefe umfaßt
enorm viele Bereiche von fatal bis banal. Für diese Arbeit sind Zitate
aus den Briefen wichtig, die sich mit Kinderbetreuung und Erziehung, mit
Strafen und Disziplinierung und mit Sex in Zusammenhang mit Kindern beschäftigen.
Es ist wichtig, den Tenor der Briefe richtig einzuschätzen. Lordrichter
Ward bezeichnet einige Briefe als schockierend, blasphemisch und obszön.
Er nennt ein Beispiel:
"Ein Penis? oder ein Schwert!" ... (jetzt
dankenswerterweise nicht mehr in Umlauf)
Gott genießt es, dich mit seinem
Wort zu ficken, so wie ich es gerade jetzt genieße! Ich ficke dich
(Maria) mit dem Wort Gottes und ich genieße es, denn du empfängst
es."(BERG, 19761)
Das Zitieren solcher Geschmacklosigkeiten
ist deshalb wichtig, weil dies die "göttlich inspirierte" Sprache
ist, mit der die Kinder aufwachsen. Sie ist roh und verderbt!
Lordrichter Ward bekennt, daß es
schwierig sei, zu einem verläßlichen Schluß zu kommen,
wie einflußreich die Briefe sind, da am Prozeß beteiligte Leiter
zwar zugeben, daß die Briefe einflußreich seien, jedoch jedes
Mitglied die Freiheit habe, ihnen nicht zuzustimmen.
"Der Fachmann Dr. Millikan ist überzeugt,
daß die Mitglieder glauben, daß sie die Freiheit zu einer eigenen
Überzeugung haben, was stimmen muß, aber die starke Betonung
des Gehorsams bringt mich zu dem Schluß, daß die Wahl eher
für eine Unterwerfung als für eine Zurückweisung der Schriften
Bergs gehen wird."(Urteil 1995, S.3o)
In dem Brief "Neue Flaschen" hat Berg seine
Vorstellungen über die 2. Generation festgelegt:
"Seid ihr euch bewußt, daß
wir eine neue Generation produzieren? Eine neue, mehr revolutionäre
Generation. Sie wird, wie ich hoffe, die reinste Generation von allen sein,
total revolutionär von Anfang an. Die Kleinen, die geboren werden,
werden nie etwas anderes gekannt haben, als unsere Art von Leben! Ich hoffe,
daß diese kleinen Kinder von Geburt an wirklich reine Revolutionäre
sein werden und wie es bis jetzt aussieht, sind sie es auch! Eure Kinder
werden total revolutionär sein, werden nie wissen, was Kirchentum
und Systemjobs und Ausbildung sind!"(BERG 1973)
In dem Erfahrungsbericht einer in der
Sekte geborenen jungen Frau, die im dritten Teil dieser Arbeit ausführlicher
zitiert wird, heißt es dazu:
"Die meisten Kinder fürchteten sich
vor den Missionseinsätzen, aber wenn sie das aussprachen, wurden sie
bestraft. Die Kinder waren nötig, denn sie weckten Sympathie in Leuten,
die erwachsenen Missionaren die Tür vor der Nase zuschlagen würden.
So gingen wir im kalten Schweizer Winter von Haus zu Haus, um Plakate gegen
Spenden loszuwerden, oder bettelten in der Hitze von Bombay bei armen indischen
Studenten und Familien um Beiträge, angeblich für missionarische
Zwecke. In Wirklichkeit diente das Sammeln dazu, für Miete und Essen
für uns alle aufzukommen, um die großen Familien der COG und
die vielen Leute zu versorgen, von denen niemand einen Job oder Aussicht
auf eine Karriere hatte. Ich weiß bis heute nicht, was mit dem Gerede
über missionarische Arbeit gemeint war."(SAND 1996, S.13)
Die meisten Kinder wurden als "Jesus-Babys"
geboren, d.h. sie entstanden zufällig beim FFing und würden später
nichts über ihren Erzeuger wissen. Da Verhütungsmittel verboten
waren, wurden Kinder regelrecht inflationär gezeugt und geboren. Außerdem
gab es die Vorgabe, Kinder nicht als Eigentum der Eltern zu betrachten,
sondern als Eigentum der ganzen Gruppe. So konnten viele Eltern zu Missionseinsätzen
in andere Länder geschickt werden, während ihre Kinder in einem
"Home" von anderen "Kindern Gottes" erzogen (und geschlagen) wurden.
Damit ist auch die Bedeutung von "Familie"
klar. In dem MO-Brief "Eine Frau" macht Berg klar, daß er nicht zögern
wird, Ehen zu zerstören, die nicht die Arbeit für Gott an die
erste Stelle setzen. "Gott will keine anderen Götter vor sich haben,
nicht einmal die Heiligkeit des Ehegottes!"(BERG 19721) Ähnliches
gilt für die Kinder: "das ist selbstsüchtiges Interesse an Privatbesitz!"(ebd.)
Jeder in der Gruppe könnte den Kindern Mutter oder Vater sein.
Einstellung zu kranken Kindern
1981 wurde der Brief "Rotten Apples" veröffentlicht:
"Wir müssen uns bewußt sein,
daß, wenn in einer Familie ein zurückgebliebenes, mißgebildetes,
chronisch krankes oder behindertes Kind..geboren wird, gewöhnlich
etwas nicht in Ordnung ist mit der Mutter oder mit dem Vater und daß
Gott sie züchtigt dafür oder versucht, ihnen eine Lektion zu
erteilen ... Wir können nicht einem behinderten Soldaten erlauben,
die ganze Armee aufzuhalten und nicht einem faulen Apfel, ein ganzes Faß
voll zu verderben. Das Problem muß entweder gelöst werden oder
die Familie davon befreit werden...Laßt uns alle Lasten abwerfen
und diese Früchte der Sünde... und nicht dasitzen und die Zeit
verschwenden für einen Haufen Behinderter, die nie in der Lage sein
werden, dem Herrn so aufrichtig zu dienen, wie wir es tun!"(BERG 1981)
In dieser vorgegebenen lieblosen und brutalen
Einstellung zu behinderten und kranken Kindern wachsen die Sektenkinder
auf. Lordrichter Ward stellt anhand der Unterlagen fest, daß es nicht
verboten war, medizinische Hilfe zu suchen, daß es aber eine gewisse
Zurückhaltung gab, oft zum Schaden des Patienten:
"In den mir vorliegenden Aussagen gibt
es Beispiele dafür. JG (Abk. für Zeugen, Anm. d. Verf.) in Rumänien
hatte eine Beule im Gesicht, die sich so schlimm entzündete, daß
er ernsthaft krank wurde (1992). Seine Bitten, zu einem Arzt gehen zu dürfen
oder in ein Spital, wurden abgelehnt. Gebete waren das einzige Mittel,
das ihm zur Heilung angeboten wurde. Es wurde ihm gesagt, daß er
ein ernstes spirituelles Problem mit Gott haben müsse, wenn er so
hart bestraft würde. Er wurde nicht geheilt. Schließlich wurde
er doch ins Spital gebracht, aber nicht mehr rechtzeitig. Für diesen
jungen Mann hat das nicht seinen Glauben gestärkt: es zerstörte
ihn."(Urteil 1995, S. 133)
Eine junge Frau wurde 199o in Argentinien
so spät ins Krankenhaus gebracht, daß eine Notoperation nur
ihr Leben rettete, aber nicht ihre Eileiter.
Diese wenigen Beispiele mögen als
Beweis dafür dienen, wie die MO-Briefe das Verhalten der Mitglieder
beeinflussen und dadurch irreparable Schäden anrichten.
Lügen und Täuschen in der Öffentlichkeit
Daß Lügen und Täuschung
erlaubt sind, um Gottes Ziele zu erreichen, schreibt Berg in dem Brief
"Schwindeln für Gott":
"Lügen ist erlaubt, wenn es einem
guten Zweck dient ... Gott macht Ausnahmen bei der Einhaltung des Gesetzes
... Gott selbst verwendet Lügen!"(BERG 1979)
In den Erfahrungsberichten Ehemaliger
taucht dieser Punkt immer wieder auf. Selbst die Kinder werden zum Lügen
auf der Straße angehalten oder wenn sie zu ihrem Leben bei den "Kindern
Gottes" befragt werden. 1992 wurden regelrechte Richtlinien aufgestellt,
wie man heikle Fragen beantworten soll.
Berg empfiehlt zur Disziplinierung von
kleinen Kindern das züchtigen mit der Rute. Es scheint ihm auch eine
besondere Freude zu machen, sich genüßlich zu diesem Thema auszulassen.
In "Hiebe aus Liebe" von 1975 behandelt er die verschiedenen Schlagtechniken
und warnt die Eltern, nicht zu früh mit der Bestrafung aufzuhören.
"38. Hast du gewußt, daß sie
gewöhnlich am lautesten brüllen, wenn du anfängst, sie zu
schlagen? Sogar manchmal, bevor du sie noch getroffen hast? Sie beginnen
zu brüllen aus vollem Halse, wie wenn sie umgebracht würden,
sie versuchen dein Mitleid zu erregen, versuchen, dich vom Schlagen abzuhalten
oder doch nicht so fest zuzuschlagen.
39. ... daß die Zeit, mit dem Schlagen
aufzuhören nicht dann ist, wenn sie brüllen, sondern wenn sie
mit dem Brüllen aufhören und um Gnade bitten!
4o. Ich verwende gewöhnlich einen
Fliegenpracker. Er ist eine schöne, handliche Waffe. ... Nur verwende
ich gewöhnlich das Griffende und das sticht, kann ich dir sagen! Manchmal
hinterläßt es auch kleine rote Linien, Streifen, aber durch
ihre Streifen werden sie geheilt!
42. Ich begann, den Fliegenpracker anzuwenden
und - oh weh, wie sie zuerst kreischten, aber dann, wenn ich es ihnen richtig
gab ... dann begannen sie richtig um Gnade zu bitten, ich meine richtig.
..."Daddy, bitte, hör auf! Bitte, Daddy, ich verspreche, ich werde
es nicht mehr tun, Daddy! Bitte, hör auf, Daddy!" Das klang dann aufrichtig.
...
44. Gib es ihnen, bis du weißt,
daß es ihnen wirklich leid tut...
51. ... Züchtigt sie, bessert sie
und belehrt und trainiert sie.
68. ... So sind die Wangen ein geeigneter
Platz für eine Ohrfeige - der Mund, Hinterteil, Hände und so
weiter. Manchmal könnt ihr ihnen auch nur einen guten Schlag in den
Rücken geben.
69. Ich hatte eine Methode, die sehr wirkungsvoll
war, die Kinder mochten sie aber nicht. Der Schädel ist ein ziemlich
sicherer Platz, um sie darauf zu klopfen, wenn sie ein bißchen größer
sind und ich benutze dazu meine Fingerknöchel, so, und machte bäng,
bäng, bäng gerade auf den Kopf, und Junge, das mochten sie gar
nicht."(BERG 1975)
Wieder als Beweis für die Gültigkeit
und Umsetzung der MO-Briefe auch in diesem Bereich zitiere ich die Frage
eines Vaters :
"Liebster Dad und Maria, vergebt mir,
daß ich eure kostbare Zeit beanspruche, aber ich habe ein Problem,
das nur durch ein direktes Wort von euch gelöst werden könnte.
Dad, hast du sie jemals ... so fest mit dem Gürtel geschlagen, daß
es schwarze und blaue Streifen auf ihren kleinen Popos hinterließ?
...Als ich wieder mit meiner Frau und meinen Kindern zusammen war, wollte
ich meinem Jüngsten den Hintern mit der Hand verhauen und ich war
geschockt durch das, was ich sah. Ich fragte Tamar, meine Frau: was ist
mit Stephens Po und seinen Beinen passiert? Sie sagte, das sei von Abraham
Gypsy´s Verhauen (ihrem früheren Gefährten). Das war eine
Woche, nachdem er sie mir überlassen hatte. ...Bitte mißversteht
mich nicht; ich glaube an Kinderdisziplinierung und Verhauen und ich habe
meinen Gürtel für ihre Popos benutzt, aber nie so lange und so
fest, daß es blaue Flecke gab. Abe beruft sich auf dein Wort von
den "Streifen" als Begründung. Aber sind das nicht nur rote Streifen
von einer Fliegenklatsche? ... Ich wage zu sagen, wenn ein Arzt Stephens
Po untersucht hätte, hätte er mich des Kindesmißbrauchs
beschuldigen können. So schlimm waren sie!... Deshalb wieder meine
Frage an dich: ist es richtig, ein Kind so fest zu schlagen, daß
es schwarze und blaue Flecken auf ihren Popos hinterläßt?"(Good
News 1985)
Im Erfahrungsbericht eines ehemaligen
Sektenkindes heißt es dazu:
"Strafen waren in aller Regel körperlicher
Art, und wenn der Erwachsene meinte, daß wir nicht intensiv beteten,
wurden wir wieder und wieder geschlagen, bis wir "im Geist" waren."(SAND
1996, S.12)
Grundlegende Briefe für die Sexualpraktiken
Der Brief "Das Gesetz der Liebe" von 1974
ist der Eckstein der Glaubenssätze und bis heute gültig. Das
Deckblatt enthält laut Lordrichter Ward ein "einzigartig abstoßendes
Bild":
"Ich finde es gotteslästerlich. Im
Hintergrund ist der gekreuzigte Christus, das "Lamm Gottes". Liegend in
ähnlicher Kreuzform auf dem Rücken eine nackte Frau mit einem
großen Nagel in die Vagina geschlagen ("Dein Lamm"). Die Überschriften
waren: "Kann eine Couch dein Kreuz sein? Bist du bereit, genagelt zu werden?
Das Gesetz der Liebe!" Ein ähnliches Bild erschien etwa 4 Jahre später
in dem Brief "Du bist die Liebe Gottes", der geschrieben wurde, um das
Flirty Fishing zu ermutigen, mit folgender Passage:
"Jede von euch Mädchen, die ihr die
Arme und Beine ausbreitet auf dem Bett für diese Männer, ist
genau wie Jesus, genau wie Jesus."(Urteil 1995, S.38)
Eine noch deutlichere Botschaft enthält
der Brief von 1977 "Gottes einziges Gesetz ist Liebe! - Was die Bibel sagt
über wahre freie Liebe!"
"Alle Dinge sind mir erlaubt, einschließlich
unserer sexuellen Freiheit, solange es in selbstloser, hingebungsvoller
Liebe zu Gott geschieht. Nein, wir müssen die 1o Gebote nicht einhalten!
Für uns gelten sie nicht mehr! Für uns sind sie für immer
vorbei! Danket Gott!"(BERG 1977)
Eine Steigerung, falls es diese überhaupt
gibt, steht im 198o veröffentlichten Brief "Der Teufel haßt
Sex! - aber Gott liebt ihn!" mit Aussagen zu Inzest und Kindersex:
"...Daß nichts auf der Welt falsch
ist an Sex, solange er in Liebe ausgeübt wird. WAS IMMER ES IST, ODER
MIT WEM IMMER ES IST, EGAL, WELCHEN ALTERS ODER WELCHER VERWANDTSCHAFT
ODER WELCHER ART (von mir hervorgehoben) und das darf man auch im privaten
Kreis kaum sagen. Wenn die Justiz je davon erfährt, werden sie versuchen,
mich aufzuhängen! Sie würden mich vielleicht noch lynchen, bevor
ich ins Gefängnis komme! Als Paulus sagte: "Mir ist alles erlaubt,
aber nicht alles frommt!" 1. Kor. 6;12, sagte er damit soviel wie: "Ich
kann jede Art von Sex haben, die ich will, aber ich muß mich vor
dem System hüten, denn es ist gegen das Gesetz!" (Maria: Zumindest
laßt sie es nicht wissen, wenn ihr es tut)... Im privaten Kreis sind
wir frei, und das gilt für alles, aber wir würden vielleicht
nicht frei sein, wenn sie entdecken, was wir im privaten Kreis tun! Es
gibt keine Einschränkungen oder Altersgrenzen in seinem Gesetz der
Liebe ...Wenn ihr Sex haßt, seid ihr auch einer von dem Haufen des
Teufels."(BERG 1980)
Diese unmißverständlichen Aussagen
können nicht ernst genug genommen werden! Sie haben Gültigkeit
und sie öffnen Tür und Tor für Kindesmißbrauch und
Inzest.
Lordrichter Ward bewertet deshalb auch
das Ganze folgendermaßen:
"Ich halte das Gesetz der Liebe für
eine gefährliche Lehre, denn indem es die normalen sexuellen Verbote
lockert, ermächtigt das Gesetz der Liebe jene mit starken sexuellen
Bedürfnissen, aber schwacher Urteilsfähigkeit, willkürlich
zu handeln und es erzeugt einen Druck auf die Schwächeren, sich zu
unterwerfen, was sie in Wirklichkeit verletzt und ihre Freiheit einschränkt.
Kurz, das Gesetz der Liebe war an Mißbrauch Schuld und es war dazu
berechnet, Mißbrauch zu ermöglichen."(Urteil 1995, S.43)
Berg führt die religiös motivierte
Prostitution als Mittel des Missionierens und Geldverdienens ein. Einer
der frühesten Briefe dazu erschien 1974 mit dem Titel: "Flirty Little
Fish". Mit Bibelversen, Gebeten und Prophezeiungen untermauert er den Prostitutionseinsatz
der Frauen (später auch der Männer) als hingebungsvollen Dienst
für Jesus. Auch Maria, seine 2. Frau, wird davon nicht ausgenommen.
Mit ihr "übt" er sozusagen diese Methode:
"Hilf ihr, oh Gott, Menschen zu fangen,
kühn zu sein, unverschämt und schamlos, alles einzusetzen, was
sie hat, oh Gott, um Männer für dich einzufangen."(BERG 19741)
Diese Art von Briefen, immer illustriert
mit absolut eindeutigen Bildern, waren bis 199o in unbegrenzter Zahl in
jedem Home zu finden und auch für Kinder verfügbar.
Die Kinder bekamen von klein auf mit,
was ihre Mütter und Väter taten. Sie kannten die Aussagen von
"Grandpa" zu den "Jesus-Babys". In einem Comic hält er die beiden
von Maria geborenen "Jesus-Babys" auf dem Schoß und erklärt
ihnen:
"Gott hat Timothy und Carlos nur dazu
benützt, Mama zu ficken, damit sie euch beide haben konnte! Sie waren
nur ein Instrument oder Werkzeug, das Jesus half, euch wunderbare kleine
Kinder zu schaffen für sein Königreich! Lobet den Herrn!"(Urteil
1995, S.45)
Die Beurteilung von Lordrichter Ward fällt
entsprechend hart und eindeutig aus:
"Ich finde, daß Kinder, die so häufig
Aktivitäten dieser Art mitansehen mußten und Literatur ausgesetzt
waren, die so roh war, daß diese Kinder mißbraucht wurden,
denn es wurde ihnen die Sensibilität ihrer Kindheit geraubt und sie
wurden dem ausgesetzt, wovor sie hätten geschützt werden sollen."(Urteil
1995, S. 45)
Durch die Praxis des FFing entstand den
Kindern ein seelischer Schaden.Ich fasse die Begründungen Lordrichter
Wards zusammen:
- sie waren eindeutiger Literatur ausgesetzt,
- sie wußten um die sexuellen Aktivitäten
ihrer Eltern mit Fremden,
- sie werden unter dem Wissen leiden,
daß sie als "Jesus-Babys" geboren wurden und nie ihren Vater kennenlernen
können,
- einige werden die Wahrheit über
ihren tatsächlichen Vater erfahren und unter tiefer Enttäuschung
leiden.
Die letztlich frauenverachtende Einstellung
von Berg unter der sexbesessenen Oberfläche kommt am deutlichsten
in dem Brief "The future is here" von 1982 zum Ausdruck, der das FFing
für Kinder, bzw. Teenager einführte:
"Vielleicht lernen die Töchter gleich
ein wenig FFing von Mama! Whew!!!! Das ist etwas Heißes, Bruder!
Veröffentliche es nicht! Aber es ist möglich, daß diese
Teenager-Mädchen von 13 und 14 so groß sind, wenn nicht größer,
wie ihre Mütter und vielleicht zäher. Sie sind sicherlich stärker
und beweglicher und könnten es tun. Sie könnten möglicherweise
mehr Sex vertragen als ihre Mütter, die bereits abgenutzt sind durch
Sex, Babies und allgemeinem Leben."(BERG 19821)
Daß Kindersex praktiziert wurde,
ist eine Tatsache, die nicht nur im englischen Gerichtsurteil vielfach
belegt und nachgewiesen wurde.
Dalva Lynch, die 15 Jahre in der Sekte
verbrachte und zwar in leitender Position, schrieb dazu:
"Von der frühesten Kindheit wird
den Kindern im Kult das Grundprinzip der sexuellen Freiheit gelehrt. Die
Kinder werden ermutigt, sich gegenseitig sexuell anzuregen und an sexuellen
Handlungen mit Erwachsenen teilzunehmen."(LYNCH 1990)
In einem von mir geführten Interview
sagte eine junge Frau namens Josefine aus, daß sie in einem Home
gelebt habe, wo die Kinder "sexhungrig" waren; sie verlangten von den Erwachsenen
masturbiert zu werden. Auf die Frage, wie alt diese Kinder waren, sagte
sie:
"Das älteste war sechs und das nächste
fünf. Und sie machten Sex wie Erwachsene zusammen. Und sie sind jetzt
sehr frei mit Erwachsenen und ich glaube nur, daß sie sich so jung
daran gewöhnen, damit sie später soviel Sex treiben wollen, um
mit vielen reichen Männern ins Bett gehen und viel Geld machen zu
können."(Persönliches Tonband)
Ich fragte sie, wann die Manipulation
mit Sex bei den Kindern anfange.
"Ich muß sagen - das Jüngste
ist ein Baby - so anderthalb, ein Junge. Aber das macht eigentlich nichts
aus, weil - es ist auch erlaubt, das mit Mädchen zu tun....wenn ich
dem Baby die Windeln wechselte, habe ich immer mit ihm gespielt und auch
sogar geküßt..."(Pers. Tonband)
Dalva Lynch beschreibt weitere Praktiken
an ihren eigenen Kindern:
"Ich kenne diese Dinge aus bitterer eigener
Erfahrung in meinem Heim, alle Erziehung, die ich den Kindern gab, wurde
unterbrochen, als die neue Führerschaft kam. "Sie gehören nicht
mehr dir, Liebling," sagte meine Hirtin zu mir. Meine Kleinen wurden in
die "Freuden des Sex" eingeführt. In unserem Heim in Dallas wurde
das Schlafzimmer, in dem mein Gatte und ich geschlafen hatten, ausgeräumt
und in einen Kinderschlafsaal verwandelt. Abends mußten die Kinder
im Alter von 3 bis 1o Jahren ihre Abendgebete sprechen und wurden dann
unter Anleitung durch einen Erwachsenen paarweise in die Betten verteilt
- um sich zu lieben, bevor sie schlafen gingen."(LYNCH 1990)
Diese Praxis wurde mir auch von Josefine
beschrieben.
Berg befürwortete sexuelle Spiele
zwischen kleinen Kindern, warnte aber, dies möglichst nicht vor Fremden
oder nicht eingeweihten Verwandten zuzulassen.
"Ehrlich, ich denke, daß Kinder,
bevor die Mädchen menstruieren und die Jungen Samen haben, daß
dies die Gelegenheit für sie ist, all den Sex zu haben, den sie wollen,
ohne Probleme zu bekommen, solange das System es nicht weiß. ...
jeden Sex zu haben, den sie zustande bringen können. Ehrlich, das
ist meine Meinung. Ich weiß nicht, ob wir das je veröffentlichen
können, denn das System ist schon ganz aufgeschreckt darüber!
Sie nennen es "Kindersex" und ähnlichen Unsinn."(BERG 1985)
In einer Serie von Briefen wird die Entwicklung
seines Stiefsohnes Davidito als Beispiel für Kindererziehung auch
im sexuellen Bereich detailliert beschrieben. Dalva Lynch berichtet:
"Die COG haben auch ein Buch herausgegeben,
"Die Geschichte von Davidito", in dem Photos und Beschreibungen wiedergegeben
sind, wie Davidito, der Stiefsohn Mose Davids, damals 3½ Jahre alt,
an verschiedenen sexuellen Aktivitäten mit kleinen Mädchen und
erwachsenen Frauen beteiligt ist. Es ist bemerkenswert, daß die Erziehung,
die diesem Jungen gegeben wurde, als Beispiel für die Gruppe dargestellt
wird."(LYNCH 1990)
Ein berüchtigter Brief mit dem Titel
"Mein kleiner Fisch" zeigt Photos von Davidito und Sara, seinem Kindermädchen.
Beide liegen nackt auf einem Bett. Auf einem Photo drückt Davidito
Saras Brustwarzen, auf einem anderen lutscht sie an seinem Penis.
An anderer Stelle wird berichtet, daß
Davidito mit 3 Jahren umherlief und sich liebende Paar bei der "Come-union"
beobachtete.
Lordrichter Ward, der das Buch gelesen
hat, kommt zu folgender Bewertung:
"Ein kleines Kind solchen sexuellen Aktivitäten
auszusetzen, ist nach meiner Meinung sehr zu mißbilligen. Jene, die
sich schuldig gemacht haben am Mißbrauch Daviditos durch völlig
unangemessenes Aussetzen von sexuellen Handlungen, schließen auch
den Führer und seine wahrscheinliche Nachfolgerin ein."(Urteil 1995,
S.52)
Die Kinder wurden ermutigt, sich bei Nackttänzen
oder sexueller Betätigung filmen zu lassen. Diese Videos wurden an
Berg geschickt, um ihn zu erfreuen. Nach genauen Anweisungen bewegen sich
die Kinder wie Erwachsene. Ich habe einen Videoausschnitt gesehen, in dem
Merry Berg, die Enkelin Bergs, im Alter von ca. 1o Jahren, nackt mit einem
durchsichtigen Schal "tanzt", d.h. sie bewegte sich lasziv und verführerisch
in einer Weise, die für Mädchen ihres Alters völlig unangemessen
ist.
Erst 1985 wurden diese Nackttänze
eingestellt. Berg schrieb:
"Man kann kaum einen sensibleren Nerv
berühren bei den meisten Systemiten und sie in Rage versetzen und
sie dazu bringen, daß sie einen lynchen möchten auf der Stelle,
als wenn es um Kindesmißbrauch, Kindersex und Kinderpornographie
geht und um all den Quatsch."(BERG 19851)
Dazu kann sich Richter Ward einer deutlichen
Bewertung nicht enthalten:
"Ich unterstreiche diese Wörter,
denn um derartige Perversionen als Quatsch abzutun, beweist mit seinen
eigenen Worten, daß Berg ein Mann ohne Urteilskraft oder moralische
Skrupel war und einen bösen, verderblichen Einfluß auf seine
aufnahmebereiten Anhänger hatte."(Urteil 1995, S.57)
Ein am Prozeß teilnehmender Kinderpsychiater
bestätigte, daß die Aufforderung an junge Mädchen, in dieser
Weise zu tanzen eine Handlung sei, die gewöhnlich ein Tabu sei und
Teil eines Prozesses, der Kinder auf die sexuelle Ausbeutung durch Erwachsene
vorbereite.
Das Ex-Mitglied Dalva Lynch berichtet über
den Alltag der Kinder:
" Die Mädchen werden von klein auf
dazu angehalten, sich jedem hinzugeben, der sich mit sexuellen Wünschen
an sie wendet und werden darin unterrichtet, sich herausfordernd zu kleiden
und zu verhalten, sie werden in allen Techniken instruiert, wie man Männer
zufriedenstellt. (Ich spreche hier von kleinen Kindern im Alter zwischen
drei und zwölf Jahren, nicht von Frauen oder Teenagern.)
Die kleinen Mädchen werden angehalten,
sich "sexy" zu kleiden und zu verhalten. Von klein auf führen sie
Strip-Tease vor und tanzen nackt für die Männer, ernten dafür
Applaus und Pfiffe, Zärtlichkeiten und Küsse. Sie werden auch
eingeladen, sich auf den Schoß der Männer zu setzen und mit
ihnen zu "spielen".
Gezwungen von ihren Vätern, ihren
Hirten oder von anderen einflußreichen Mitgliedern, geben sich diese
armen kleinen Mädchen (viele von ihnen zwischen fünf und zehn
Jahre alt) verschiedenen Arten sexueller Beziehungen hin, einschließlich
Gruppen-Sex, aus Angst, bestraft oder gerügt - oder zumindest ausgestoßen
zu werden."(LYNCH 1990)
Berg betont, daß kleine Kinder daran
gewöhnt werden sollten, einen Orgasmus zu haben. Was denn daran schlecht
sei? Und seine Tochter Faithy erinnert sich begeistert:
"Mir gefällt es! Es erinnert mich
daran, wie du mich schlafen gelegt hast, als ich ein kleines Mädchen
war, 3 oder 4. Wau, Daddy machte es am besten! Hinten reiben, das ist es,
und vorne reiben auch! ...Daddy machte, daß ich mich überall
gut fühlte und ich wußte nicht warum, aber ich schlief mit einem
Seufzer wirklich ein! ... Deshalb glaube ich, unsere Eltern sollten es
versuchen und unseren Kindern helfen, zu einem natürlichen Verhalten
zu finden!"(Urteil 1995, S. 86)
Was kann das anderes bedeuten, als daß
die "Kinder Gottes" aufgefordert werden, dem Beispiel Bergs zu folgen?
Mißbrauch von Kindern durch Erwachsene
Dieses traurige Kapitel ist nur die logische
Folge aus den vorangegangenen Erläuterungen zum Kindersex. Es zu schreiben
fällt mir äußerst schwer. Es ist wie wälzen im Schlamm.
Ich kann aber nicht darauf verzichten, die nachfolgenden Begebenheiten,
wie sie im englischen Gerichtsurteil stehen wiederzugeben, weil sie die
durch Berg initiierte moralische Perversion der "Kinder Gottes" verdeutlichen,
die jede Verantwortung für den Mißbrauch ablehnen.
"KJ (Abk. für Zeugen, Anm.d.Verf.)
sprach davon, daß sie sich noch sehr klar erinnern könne, als
sie in London waren und sie 3 Jahre alt, daß ihr Stiefvater "mich
betastete, mit mir spielte, mit meiner Vagina, ich erinnere mich, daß
er sie leckte, den Finger hineinsteckte." Sie erzählte das unter Tränen.
Diese Art von Mißbrauch geschah oft. Sie fühlte sich "ganz verschreckt"
dadurch. Sie wußte, daß es Sex war, glaubte aber, er zeige
ihr Liebe. Er versuchte, in sie einzudringen, als sie erst 7 oder 8 war
und es tat weh. Er war ein grober Mann, der sich öffentlich damit
brüstete, daß seine Tochter "ein guter Fick" sei."(Urteil 1995,
S.100)
Es ist kaum nachvollziehbar, wieso die
Mutter dieses Mädchens den Mißbrauch geduldet hat. Ihre Antwort
ist symtomatisch für "Kinder Gottes":
"Wenn MO sagte, es sei OK, dann muß
es OK sein. In "My Childhood Sex" sagte er, seine Kinderfrau hätte
ihm oralen Sex gegeben und das sei akzeptabel und so akzeptierte ich es."(Urteil
1995, S.1o1)
Die Mutter hat mittlerweile die "Kinder
Gottes" verlassen und sagte weiter aus:
"Es ist etwas, das ich sehr bedaure, ich
schäme mich deswegen, es erschreckt mich zu denken, daß mein
Glauben an Berg so stark war, daß ich mich gegen mein eigenes Gewissen
seinen Lehren beugte. Ich hielt ihn für einen Mann Gottes, einen guten
Mann, es war undenkbar, daß er etwas Schlechtes tun würde ..."(Urteil
1995, S.1o1)
Lordrichter Ward berichtet weiter aus
dem Leben der Tochter: einmal wollte ein 16jähriger Junge mit ihr
"teilen". Sie wollte nicht. Das war "selbstsüchtig".
"So vergewaltigte er sie. Ihre Schreie
weckten Rose auf, aber sie tat nichts, um ihr zu helfen. Sie blutete. Sie
war verzweifelt und wurde in das Home zurückgebracht. Sie erzählte,
was mit ihr geschehen war in ihrem Open Heart Report. Das Ergebnis war,
daß der Hirte ihr "Das Mädchen, das nicht wollte" zu lesen gab,
das die Botschaft enthielt, daß sie, das Opfer, unrecht hatte und
"out of the spirit" war. Im Ergebnis wurde sie, das Kind, bestraft. Er
kam ungeschoren davon. KJ erzählte genaue Details von
anderen Begegnungen, z.B. mit Jeduthan, der fett, alt, kahl und mit Augengläsern
war, mit einem künstlichen Lachen und "Jesus-Sprüchen", wie "Du
machst eine gute Arbeit für den Herrn, Liebling, Jesus liebt dich",
dann aber "durch meine Beine masturbierte und mich das Sperma von seinem
Penis lecken ließ". Und der Armeeoffizier-Typ Apollos .. der sie
gegen einen Bananenbaum drängte, bis ihr Rücken richtig schmerzte,
als er versuchte, in sie einzudringen. Und Uria, der fett und kahl wie
Jeduthan war und mit ihrer Mutter "teilte" und sie in sein Zimmer rief.
Er setzte sie nackt auf sich, seinen Penis zwischen ihren Beinen. Es war
Morgen und ein Mann kam ins Zimmer und fragte, ob Uria Kaffee oder Tee
ans Bett haben wollte - es war offenbar unwichtig, daß KJ hier war;
und Paulo, der das Band von ihren "sexy"-Höschen öffnete während
eines Zigeunerabends, sodaß sie nackt dastand. Er legte seine Hand
"zwischen meine Beine und meine Hand auf seinen "Harten". Es gab keinen
Verkehr, aber er ejakulierte auf sie. Er war 3o und hatte einen fremden
Akzent. Oder der Mann in Bangalore, der einen Schnurrbart hatte, der stach.
KJ duschte im Garten, als sie von einer Schlange erschreckt wurde. Sie
lief davon und fiel zur Gänze in den Matsch. Er brachte sie ins Badezimmer,
um sie zu reinigen, zog sich aber aus und ließ sich von ihr überall
reiben. Sie sagte: "Es war ganz lustig, er küßte meine Vagina
und sein Schnurrbart kitzelte und ich lachte."(Urteil 1995, S.1o2)
Zum Schluß noch ein Beispiel von
einer anderen jungen Frau, die heute nicht mehr bei den "Kindern Gottes"
lebt, sondern sich als "exotische Tänzerin" ihren Lebensunterhalt
verdient. Sie hatte als vierjährige bei den "Kindern Gottes" das Strippen
gelernt.
"Im Alter von 6 Jahren mußte sie
beide Hände benutzen, um Timothy zu masturbieren, der in den 2oern
oder 3oern war, ein Vietnam-Veteran. Im gleichen Alter mußte sie
ihrem Vater "aushelfen", was bedeutete, ihn liebkosen und gegenseitige
Masturbation. Vom Alter von 7 Jahren an ließ sich ihr Stiefvater
von ihr masturbieren. ... Sie schaute zu, wie ihr Bruder mit etwa 12 Jahren
sexuellen Verkehr mit älteren Frauen hatte und ihre Schwester .. Verkehr
mit Solomon Touchstone, den sie bei anderer Gelegenheit im Swimming-pool
sah, wie er mit ihrer Mutter Verkehr hatte. Sie sah ihre Mutter, wie sie
sexuellen Verkehr mit einem 16jährigen hatte... Sie fühlte sich
immer: "ein bißchen komisch, wenn alte Männer kamen und mich
betasteten und ich das Gefühl hatte, er ist ein häßlicher
alter Mann und ich will nicht, daß er mich angreift. Ich habe mich
nicht beschwert, weil ich das Gefühl hatte, ich würde darauf
keine gute Antwort bekommen, denn meine Mutter sagte, es sei OK und sie
erwartete, daß auch ich es für OK finde und daß mit mir
etwas nicht stimme, wenn ich es nicht gern hatte."(Urteil 1995, S. 1o3)
Angeblich wurde Sex zwischen Kinder/Teenagern
und Erwachsenen 1985 verboten. Im Brief "Kindesmißbrauch" von 1989
distanzieren sich die "Kinder Gottes" empört von allen Anschuldigen
und nennen sie Lügen. Sie hätten so etwas nie angeregt oder geduldet.
Sam Ajemian, ein ehemaliges Mitglied schreibt
dazu:
"Können wir all diese "Wandlungen"
ernst nehmen? Als Antwort auf diese Frage betone ich: NEIN. "Kindesmißbrauch?!"
ist ein absolut verlogenes Stück Täuschung. ... Die COG sind
im Grunde der gleiche häretische und gefährliche Kult wie vorher!"(AJEMIAN
1991, S. 21)
Er zitiert zur Beweisführung Aussagen
von Dalva Lynch, die darüber berichtet, daß es Anweisungen gab,
bei Sex mit Minderjährigen unter 18 erst die Genehmigung des Hirten
einzuholen.
In einem offenen Brief an seine ehemaligen
Glaubensbrüder beschwört er sie mit den Worten:
"Beschäftigt Euch einen Moment mit
diesem Gedanken: Viele sitzen in unseren Gefängnissen langjährige
Haftstrafen ab, weil sie kleine Kinder nur einmal belästigt haben.
Nun, Berg und seine multinationale Sekte haben sich des gleichen Verbrechens
schuldig gemacht. Wo bleiben die entrüsteten Protestrufe gegen diese
Verbrechen, und wieviele dieser Gesetzesbrecher haben je vor Gericht gestanden,
um Aussagen über ihre kriminellen Handlungen zu machen?"(AJEMIAN 1991,
S. 27)
Lordrichter Ward erinnert sich an den
Zusammenbruch einer jungen Frau im Zeugenstand, die unter Schluchzen ausrief:
"Wenn sich so viel verändert hat,
wie kann es sich verändert haben? Alles begann mit David Berg. Er
ist derjenige, der das alles beschlossen hat. Es ist alles seine Prophezeiung,
wie kann er plötzlich alles ändern. Sagt er, daß alles
falsch ist, daß er einen Fehler gemacht hat? Was ist mit seinen ganzen
Ratschlägen, die er seinen Opfern gegeben hat? Hat er irgendetwas
getan, um zu helfen, das Leiden zu stoppen, das entstanden ist und das
noch immer entsteht, denn man leidet sein ganzes Leben. Wie kann es sich
geändert haben? Es ist nur äußerlich verändert, damit
wir ihn nicht mehr verfolgen. Sein Herz ist nicht verändert. Sein
Kopf ist nicht verändert. Die Sachen werden nur noch mehr geheim gehalten,
mehr heimlich, das ist alles. Er hat sich nicht entschuldigt für alle
diese Sachen, die er zuerst angefangen hat. Er hat nichts unternommen,
um sie zu korrigieren und richtigzustellen. Wie können sie sagen,
es hat sich etwas verändert? Die Leute leiden noch immer darunter,
was er uns angetan hat. Ich werde den Rest meines Lebens daran tragen,
ich weiß das. Jede Entscheidung, die ich treffe, alles, was ich tue.
Ich habe noch immer Phobien, Phobien gegenüber Männern. Wo ist
all die Hilfe? Wenn du jemand gegenüber etwas Falsches getan hast,
oder gegenüber von Tausenden von Leuten, dann solltest du ihnen helfen,
wenn du wirklich in deinem Herzen glaubst, daß du etwas Falsches
getan hast und ich glaube nicht, daß er das tut."(Urteil 1995, S.
127)
In dem bereits erwähnten Brief "Der
Teufel haßt Sex" steht der unmißverständliche Satz: "Es
gibt keine Einschränkungen durch Verwandtschaft oder Altersgrenzen
in seinem Gesetz der Liebe."
In einem Gespräch mit Maria enthüllt
Berg seine Ansichten über Inzest. Wir müssen uns vor Augen halten,
daß diese Äußerungen für die Mitglieder Empfehlungscharakter
haben und als göttlich inspirierte Wahrheit aufgenommen werden.
"(Maria: Nun, wie steht es mit Inzest?
-- Das ist gerade jetzt die große Frage in der Familie.) Liebling,
dieses Thema von Inzest ist so gefährlich, daß ich es kaum wage,
darüber in der Abgeschiedenheit unseres Schlafzimmers zu sprechen!
Ich glaube, das System wird praktisch zum Berserker, wenn man über
Inzest spricht! (Maria: Nun, wir werden unseren Leuten sagen müssen,
daß es nicht von Gott verboten ist, daß sie aber gut aufpassen
sollen, weil es gefährlich ist!) Das ist es bestimmt!
Es ist die gefährlichste Form von
Sex und die vom System am meisten verbotene! Was das System angeht und
was die Gesetze betrifft, ist absolut tabu! Illegal! Gefährlich! Das
System und die Systemiten werden bei diesem Thema absolut verrückt,
sie würden dich praktisch lynchen und aufhängen und gar nicht
auf ein Gerichtsurteil warten und dich zuerst einsperren oder sonstwas,
so sind sie einfach! -- Wahnsinnig!
Es wurde ihnen so eingedrillt und indoktriniert
seit Tausenden von Jahren, angefangen bei den Juden und dann durch die
Katholische Kirche. Der ganze Gedanke dabei ist, daß Sex so böse
und sündig, so schmutzig und schrecklich, so abstoßend und die
böseste von allen Sünden sei, daß natürlich das schlimmste
von allem sexuelle Sünden mit Kindern sind."Wie könnte man sein
eigenes Kind besudeln und schänden und ihm Gewalt antun? -- Einem
Minderjährigen?"
Ich weiß nicht, was zur Hölle
das Alter damit zu tun hat! Mein Gott, man darf es nicht einmal wagen,
über Inzest zu sprechen, es ist fast ein Wort, das man nicht einmal
im privaten Rahmen aussprechen darf, viel weniger noch dürfte man
es tun!
Es ist um alles in der Welt nichts Schlechtes
an Sex, solange er in Liebe ausgeübt wird, was immer es ist oder mit
wem immer es ist, egal in welchem Alter oder welcher Verwandtschaftsgrad
oder welcher Art! -- Und sowas darf man kaum wagen, im privaten Kreis zu
sagen! Wenn die Justiz jemals davon Wind bekommt, werden sie versuchen,
mich aufzuhängen!
Es gibt keine Beschränkungen wegen
der Verwandtschaft und keine Altersgrenzen ... so weit es mich betrifft
oder wen immer! Ich sage euch, ich glaube ich breche wahrscheinlich schon
das Gesetz, indem ich das veröffentliche!"(BERG 1980)
Berg praktiziert, was er predigt! Seine
Tochter Deborah berichtet in ihrem Buch über Versuche ihres Vaters,
mit ihr zu schlafen. Sie habe sich dem immer widersetzt; ihre Schwester
Faithy dagegen nicht.
In dem Brief "Sex mit Grandma" von 1982
phantasiert Berg über die "schöne sexuelle Beziehung", die er
mit seiner Mutter hätte haben können, wenn sie beide nicht so
verklemmt gewesen wären.
In der Zeugenaussage seiner Enkelin Merry
Berg, im dritten Teil dieser Arbeit, lesen wir ebenfalls über eine
inzestuöse Beziehung.
Es ist erwiesen, daß Berg Inzest
praktiziert hat und es ist durch hier wiedergegebene Zeugenaussagen ehemaliger
Mitglieder erwiesen, daß Inzest innerhalb der Gruppe stattgefunden
hat (vgl. Urteil 1995).
Verbot aller Formen von Mißbrauch
Seit 1989 sind alle Formen von sexuellem
Mißbrauch verboten. Maria schrieb als Begründung, daß
diese Formen sexueller Betätigung "nicht klug seien".
Lordrichter Ward schrieb, daß seine
Hoffnung auf Veränderung stark erschüttert wurde durch 3 Briefe,
die Berg 1992 schrieb, als Antwort auf den Vorschlag eines Kirchenführers,
die sexuellen Freiheiten zu ändern, um mehr Anerkennung in der Gesellschaft
zu bekommen. Die Briefe heißen: "Warum steinigt ihr uns?" "Wir können
die Wahrheit nicht widerrufen" und "Es gibt keinen Weg hinaus, nur hinauf",
veröffentlicht 1993.
"Der allgemeine Ton dieser Briefe ist
eine scharfe Verteidigung seiner Politik, eine völlige Herausforderung
des Systems und ein deprimierter Aufruf an seine Anhängerschaft:
"Helft uns kämpfen. Gott wird euch
unterstützen! Ihr wollt Sieger sein und für Jesus sterben? Schließt
euch uns an. Es wird spannend!... Was anderes können wir von den Gesetzen
erwarten, ...als daß sie gegen die Gesetze Gottes sind! Was anderes
können wir erwarten als Verfolgung, Einsperren und eines Tages sogar
den Tod. Deshalb gibt es keine Versöhnung, es ist unmöglich!
Einige unserer Freunde haben sogar vorgeschlagen, wir sollten unseren biblischen
Glauben in die Freiheiten, die uns unter dem Gesetz der Liebe gewährt
wurden, abändern, heraustreten und sie leugnen oder ändern, oder
zugeben, daß es falsch war. Aber wie sollten wir das tun?"... Es
gibt keinen Weg hinaus, nur hinauf! Der Tod ist unsere einzige Hoffnung
..."(Urteil 1995, S. 118)
Obwohl Lordrichter Ward diese Passagen
zitiert und auf Parallelen zu Jonestown, Waco und anderen Massenselbstmorden
hinweist, hält er es doch für unwahrscheinlich, daß sich
dies hier tatsächlich ereignen könne.
Im gleichen Jahr ließen Maria und
die Führungsgruppe World Services veröffentlichen, daß
es ungerecht wäre, David Berg die ganz Schuld für alle Exzesse
zu geben (vgl. Urteil 1995, S. 120). Dazu Lordrichter Ward:
"Der Tenor dieses Briefes ist, keine Kompromisse
einzugehen und nicht Berg die Schuld geben für die erkannten Exzesse
des Fleisches. Ich finde diese Einstellung extrem beunruhigend. Sie ist
weder akzeptabel noch zeigt sie eine verantwortliche Einstellung."(Urteil
1995, S.120)
Ich schließe mich den Zweifeln über
eine echte Veränderung an. Maria wurde 25 Jahre durch Berg beeinflußt
und geprägt. Sie hat lange Zeit an den Exzessen teilgenommen. Eine
moralische Kehrtwende von 18o Grad erscheint sehr unwahrscheinlich.
Obwohl ich die Ausführungen über
Sex bei den "Kindern Gottes" gerne beenden würde, muß doch die
Erziehung der Teenager auf diesem Gebiet gesondert behandelt werden.
Berg hatte in frühen Briefen die
Kinderheirat ab 12 Jahren propagiert. Spätestens mit 15 sollten sie
verheiratet sein und weitere Kinder Gottes produzieren:
"Gott hat sie so geschaffen, daß
sie imstande sind, Kinder zu bekommen mit 12 oder 13 Jahren und wir betrachten
sie mit 12 Jahren als Erwachsene. Das mag vielleicht nicht mit dem System
übereinstimmen, auch nicht mit dem Gesetz, aber was solls? Wenn wir
versucht hätten, uns immer an das Gesetz zu halten, wo wären
wir da jetzt, Huh?... Wir haben eine Menge Kinder im Alter von 8,9 und
1o Jahren, und es wird nur weitere zwei, drei Jahre dauern, daß sie
bereit sein werden, sich einen Partner zu suchen und zu heiraten! Mit 13
oder 14! - sie sollten spätestens mit 15 verheiratet sein und fleißig
weitere Kinder Gottes produzieren!"(zitiert in: Referat für Weltanschauungsfragen
1992, S. 61)
Die Teenager wurden erst dazu angehalten,
in hemmungsloser Weise untereinander Sex zu betreiben und später wurde
es ihnen rigoros verboten.
Erste Einschränkungen als Reaktion
auf rechtliche Folgen von zu früher Schwangerschaft lesen sich folgendermaßen:
"(Maria: Wegen der Möglichkeit von
Problemen mit dem System, haben wir eine Regel aufgestellt für unsere
Mädchen, daß sie nicht ficken können mit männlichen
Personen, die Samen haben, von Anfang ihrer Periode bis zu 15 Jahren) Ja,
jetzt hast du das Entscheidende gesagt, denn ich denke, es besteht kein
Grund, sie davon abzuhalten, Sex miteinander zu haben, bis die Mädchen
beginnen, ihre Periode zu haben und die Jungen Samen haben ... Die Gesetze
der Menschen stehen im Gegensatz zu den Gesetzen Gottes und weil das so
ist, müssen wir vorsichtig sein mit unserem revolutionären Leben
und unseren radikalen Ideen und unseren Freiheiten, die das System nicht
hat und manchmal nicht toleriert. ... Wenn ein Teen-Mädchen einmal
ihre Periode hat, muß sie sich enthalten vom ficken mit Jungen, die
Samen haben, denn sie könnten ein Baby produzieren ... Es ist OK mit
Jungen zu ficken, die noch keine Samen haben, und, Mädchen, wenn ihr
einmal euren 15. Geburtstag erreicht habt, dann könnt ihr drauflos
ficken."(Urteil 1995, S.72)
Ich betone an dieser Stelle, daß
diese rohe und verderbte Ausdrucksweise die Sprache ist, mit der die Jugendlichen
erzogen wurden. Das Wort "Liebe" wird bei den "Kindern Gottes" zwar
inflationär häufig gebraucht, jedoch fast ausschließlich
im Zusammenhang mit Sex. In Family-Schulen wurden die Teenager von Erwachsenen
in sexueller Tätigkeit trainiert und angeleitet. In "Heavenly City
School Training Seminar Notes" wird darüber berichtet, daß für
die Teenager ein "Sharing-Plan" aufgestellt wurde, was nichts anderes bedeutet,
als verordneter Gruppensex mit zugeschriebenen Partnern. Die Leiterin wundert
sich bei dieser "Sexualerziehung" über offenkundige Wissenslücken
ihrer Schützlinge:
"Ein Mädchen fragte, ob man schwanger
werden könnte, wenn man lutscht und dann die Samen schluckt oder schwanger,
wenn der Mann nicht "fertig" wurde etc. Sie brauchten die praktischen Kurse
auch und es war erstaunlich, was sie alles nicht wußten, was wir
eigentlich als bekannt vorausgesetzt hatte. Sie haben nicht die Erfahrung,
die wir haben und sie haben nicht die Briefe gelesen, die wir kennen.
Man konnte wirklich sehen, wie einige von ihnen nicht wußten, wovon
wir eigentlich sprachen. Es ist wichtig, sich Zeit zu nehmen, um von den
Vögeln und den Bienen zu sprechen und ihnen diese Dinge zu erkären!
Wir haben es als gegeben erachtet, daß sie über Sex Bescheid
wissen, aber es ist nicht so. Es muß ihnen das Wort Gottes darüber
vorgelesen werden...Sie können den ganzen Weg gehen, aber wenn die
Mädchen schwanger werden, würden sie den Daddy heiraten müssen
und sie würden auch die Schule verlassen müssen und mit ihrem
Partner in ein anderes Missionsgebiet gehen, wo es für ein Teenager-Mädchen
mehr akzeptabel ist, schwanger zu sein."(Urteil 1995, S. 73)
Weiterhin wundert sich die Leiterin über
vorhandenes Schamgefühl; einige Mädchen wollten sich nicht ausziehen.
Sogar die Unterwäsche wollten manche Jungen und Mädchen beim
gemeinsamen Duschen anbehalten. Es gab auch Diskussionen über Büstenhalter,
die nach der Family-Regel verpönt sind. Alle Mädchen trugen Büstenhalter
und es mußte ihnen erst mit der Heiligen Schrift erklärt werden,
warum sie keine tragen sollten! Nun müsse man sie manchmal bitten,
einen anzuziehen, wenn Besucher kamen!
Ich möchte an dieser Stelle auf die Doppelbödigkeit dieser Erziehung hinweisen, auf die Erziehung zur Täuschung der Öffentlichkeit über die internen Freiheiten.
In neuen Vorschriften von 1991 wurde festgelegt,
daß Jugendliche bis 13 Jahre keine Verabredung haben dürfen.
14 bis 15jährige können einen Heiratsvorbereitungskurs beginnen.
Teenager mit 16 oder 17 können nach 3monatiger Verlobungszeit sexuelle
Kontakte haben und junge Erwachsene ab 18 dürfen sexuelle Kontakte
untereinander haben, ohne verheiratet zu sein, wenn es von der Leitung
des Homes genehmigt ist.
Diese nach Verschärfung klingenden
Vorschriften sind bei genauerem Hinsehen doch sehr dehnbar. Aber ich werde
hier nicht weiter darüber spekulieren, wie und mit welchen Begründungen
man Vorschriften umgehen kann.
Sexueller Mißbrauch von Teenagern
Die Aussagen von sexuell mißbrauchten
Teenagern ziehen sich im Gerichtsurteil über Seiten hin. Der vielfache
Mißbrauch ist bewiesen und wird hier nicht weiter mit Beispielen
belegt, da ähnliche Schicksale bereits geschildert wurden und Betroffene
im dritten Teil dieser Arbeit auch zu diesem Bereich aussagen werden. Es
ist festzuhalten, daß einige Mädchen innerhalb der Familie über
ihre Probleme bei Sex mit älteren Männern berichtet hatten. Berg
wußte davon. Er hat diese Praxis geduldet.
Nicht alle Kinder und Jugendlichen wurden
mißbraucht, aber sehr viele, viel zu viele. In einem Gespräch
mit einem ehemaligen Mitglied erfuhr ich, daß viele "normale" Eltern
ihre Kinder geschützt und die Briefe "verdrängt" hätten.
Zwar hätte man die Kinder geschlagen, aber von dem schlimmen Mißbrauch
wäre bei ihnen nichts vorgekommen. Nun wäre es interessant zu
wissen, was unter "schlimmem" Mißbrauch verstanden wird, denn mir
liegt auch die Aussage einer anderen jungen Frau vor, die im gleichen Home
gelebt hatte und davon sprach, daß Kinder unter Applaus zu sexuellen
Spielen ermutigt wurden.
Ich verstehe, daß die Schamschwelle
hoch ist und daß Ehemalige sich und ihre Kinder schützen wollen.
Deshalb werden viele schweigen und ihre Vergangenheit verdrängen.
Die Erziehungskonzepte der "Kinder Gottes"
Die Vorgaben aus den Anfangsjahren
Berg machte kein Hehl daraus, wie er sich
die Ausbildung der Kinder vorstellte. Sie sollten nie erfahren, was Ausbildung
und Jobs im System bedeuten. Sie sollten als Revolutionäre für
Jesus erzogen werden und dafür reichten Grundkenntnisse in Lesen,
Schreiben und Rechnen. Er verdammte die Schulbücher des Systems als
"lächerlich" und "voll der Verdrehungen der Menschen". 1978 schrieb
er in "Du bist, was du liest":
"Diese Bücher sind mit der dämonischen,
satanischen Weisheit des Teufels selbst geschrieben! Schlau geplant, um
dich zu verführen und in die Irre zu leiten und dich spirituell zu
verdrehen, bis du nicht mehr weißt, was wahr ist ... Fast alles,
was du wissen mußt, steht in der Bibel, außer vielleicht neue
Ereignisse, neue Offenbarungen und einige andere Dinge.
Ich möchte nicht hören, daß
irgendwer von unserer Gruppe etwas anderes liest als die Bibel oder die
Briefe oder einige Bücher, die euch bezeichnet wurden, um sie zu einem
guten Grund zu lesen."(BERG 19781)
Die Vorstellungen Bergs waren klar:
die Kinder gehen von Anfang an mit auf die Straße und helfen beim
Betteln und Missionieren. Dafür brauchen sie nur soviel Bildung, daß
sie die Bibel und die MO-Briefe lesen können und soviel Fähigkeit
zum Rechnen, daß sie wissen, was sie beim Betteln einnehmen und beim
Einkaufen ausgeben. Mehr Qualifikation war für den von Berg geplanten
Lebensentwurf der nächsten Generation nicht nötig.
1981 stand im Handbuch der Kinderbetreuung:
"Ich würde unseren Kindern nicht
raten, sich darauf zu freuen, daß sie eine Ausbildung erhalten, die
über das Niveau der High School oder sogar der Junior High School
oder kaum der Grade High School hinausgeht. Solange, bis sie lesen, schreiben
und rechnen können - die 3 R (Reading, ´Riting, ´Ritmetic)
und die 3 G (General Biology, General Social Studies und General Science).Mehr
lernen können sie selbst durch Lesen. Die beste Ausbildung, die sie
bekommen können, ist eine Ausbildung im Wort Gottes und im Glauben
und im Überleben und in der Mobilität und im Predigen des Evangeliums,
schon jetzt!"(BERG 19811)
Der Unterricht wurde zuhause von den Eltern
vorgenommen, ob sie nun dafür geeignet waren oder nicht. Sie bekamen
Material und Anweisungen durch die "Internationalen Welt-Erziehungsdienste".
Die Ausbildung der Kinder dauerte von 3 bis 12 Jahren. Danach galt sie
als abgeschlossen!
Berg erkennt endlich, daß es eine
"Kinder-Krise" gab. Er stellte fest, daß ein Baby-Boom ihnen monatlich
6o neue Mitglieder "durch den Geburtskanal" zuführte.
"Wir haben eine Krise erreicht! Man könnte
sagen, wir haben eine Kinderkrise erreicht, wo wir fast mehr abgebissen
haben, als wir kauen können! Wir haben mehr erzeugt, als wir betreuen
können und wir leisten keine gute Arbeit bei der Betreuung dessen,
was wir bereits produziert haben!"(BERG 1988, S.16)
3ooo Kinder waren unter 5 Jahren, nochmal
3ooo darüber und damit im schulpflichtigen Alter. Die Erziehung der
Kinder stellte die "Kinder Gottes" vor ein ernstes Problem:
"Die Erziehung unserer Kinder wird allmählich
zu einer monumentalen Angelegenheit, eine dringende Notwendigkeit, wirklich,
denn die meisten unserer Eltern fühlen sich nicht qualifiziert, ihre
Kinder selbst zu unterrichten. Sie haben selbst nicht viel Schulbildung
oder akademische Grade oder dergleichen und sie fühlen sich wirklich
nicht qualifiziert."(BERG 1988, S.3)
Berg wußte, daß die Ausbildung
der Kinder zu sehr vernachlässigt worden war und beschwor in dem o.g.
Brief (die deutsche Übersetzung umfaßt 23 eng beschriebene DIN
A 4-Seiten!) die "Kinder Gottes", für ihren Nachwuchs besser zu sorgen:
"Unsere Familie, mit so vielen Kindern,
wie wir jetzt haben, hat fast den Sättigungspunkt erreicht! Wir kommen
zu dem Punkt, wo wir so viele eigene Kinder haben, daß es eine unserer
größten Aufgaben, wenn nicht die größte Aufgabe,
ist, für unsere Kinder zu sorgen, für diejenigen, die wir bereits
haben! Warum sollen wir unsere Kinder vernachlässigen, um hinauszugehen
und weitere Kinder der Welt zu gewinnen, bei denen wir Jahre brauchen würden,
bis wir sie so weit haben, daß sie wirklich gut sind, wenn wir wundervolle
Kinder haben, die bereits zur Family gehören und indoktriniert (Hervorhebung
durch Verfasserin) sind und trainiert und alles!"(BERG 1988, S.14)
In Internatsschulen sollten Kinder ab
6 Jahren betreut und ausgebildet werden. Zwar wären sie dann von ihren
Eltern getrennt, aber:
"Wir haben liebe christliche Lehrer, liebevolle
Lehrer, die ihnen Vater und Mutter ersetzen würden."(BERG 1988, S.3)
Ihm schwebte dabei als angestrebtes Ausbildungsziel
vor:
"Keine breite Schulausbildung nach Art
der öffentlichen Schulen, sondern eine wirklich seriöse Familien-Ausbildung
in den 3 Rs plus Bibel."(BERG 1988, S.3)
Mit 12 Jahren sollten die Kinder reif
genug sein für´s Erwachsenenleben. Einige der Mädchen hätten
bereits wieder Babys mit 14 oder 15 Jahren.
Die Ausbildung der bisher vernachlässigten
Kinder sei zu einer ernsten Notwendigkeit geworden, da das Millenium, das
tausendjährige Reich Christi auf Erden in wenigen Jahren bevorstehe
und die Übernahme der Weltregierung durch die "Kinder Gottes" fähige
Führer voraussetze.
"Wenn das tausendjährige Reich so
nahe ist, haben wir noch mehr Grund, die Kinder rasch auszubilden, denn
sie werden dann große Verantwortung tragen müssen!"(BERG 1988,
S.11)
"Unsere Kinder werden die Welt regieren!
Sie werden Städte und Bezirke und Provinzen regieren und Regierungen
und Länder führen! Was tun wir jetzt mit ihnen, um sie darauf
vorzubereiten? Was tun wir?"(BERG 1988, S.17)
Also müßten die Kinder mehr
sein als Hausierer, wie ihre Väter und Bettlerinnen, wie ihre Mütter.
Denn Berg erkannte auch, daß bei Beibehaltung der bisherigen Politik
zu viele Teenager die Gruppe verlassen:
"Mit den Lagern für die Teens sind
wir nur an der Oberfläche geblieben! Wir haben wenigstens begonnen,
für unsere Kinder zu sorgen, denn wir sahen die Notwendigkeit, den
dringenden Bedarf, unsere Teenager für uns zu gewinnen, sie zu retten
und zu behalten. Das ist der Test für jede große religiöse
Bewegung, ob sie ihre eigenen Teenager halten kann. ... Wenn wir unsere
Teenager nicht halten können, unsere Kinder, wer wird unsere Arbeit
fortsetzen?"(BERG 1988, S.2o)
Er schließt seine Ausführungen
mit dem Satz: "Laßt uns unsere Kinder retten!"
Lordrichter Ward berichtet, daß die
Familie bereits 1985 mit der bisherigen Erziehungspolitik Probleme bekam
und zitiert aus dem Brief "Geschichte der Family" von World Services:
"Viele der Paare, die in der frühen
Zeit der Kinder Gottes geheiratet haben, hatten heranwachsende Kinder und
es ist in diesem Alter natürlich, daß die jungen Teenager ernste
Fragen stellen über das Leben und die Welt, die sie umgibt, denn sie
suchen nach ihrer Identität und das brachte natürlich neue Herausforderungen
für die Eltern in der Family."(Urteil 1995, S.143)
Als Folge wurde 1986 das Teen Training
Camp in Mexiko abgehalten. Jugendliche im Alter von 12-14 Jahren wurden
hier zusammengezogen. Weitere TTC´s entstanden in Südamerika
und im Fernen Osten. Ziel dieser TTC´s waren eine intensive Schulung
der Teenager als "Revolutionäre für Gottes Armee". In einem japanischen
TTC lag folgende Liste für "Gebetswünsche" vor:
"Wir haben verzweifelt gebetet, Hände
aufgelegt für die Erlösung und individuell gebetet für die
folgenden Erfordernisse:
Für sofortigen Gehorsam
Gegen systemischen Einfluß durch
Bücher
Um sich zu bessern
Imstande zu sein, jene in unserer Family
aufzugeben, die Jesus nicht folgen
Gegen Kompromisse mit dem System
Gegen die Angst, Gewicht zuzunehmen."(Urteil
1995, S.168)
Bis zur Einrichtung der TTC´s waren
die wenigsten Kinder auf Schulen geschickt worden, was auch durch die hohe
Mobilität ihrer Eltern nicht lange durchführbar gewesen wäre.
Sie wurden zuhause mit den Grundkenntnissen vertraut gemacht. Zur Außenwelt
lebten sie abgeschottet. Fernsehen, Radio, Kino, Comics, Bücher und
Zeitschriften gehörten nicht zum normalen Alltag, sondern wurden erst
nach Kontrolle durch die Erwachsenen erlaubt, sofern der Sektenalltag hierfür
überhaupt Zeit ließ.
Lordrichter Ward hat sich eingehend mit
den TTC´s beschäftigt. Ihm standen außer der wohlwollend
formulierten Selbstdarstellung der Family auch andere Informationsquellen
offen und so kommt er zu der Beurteilung:
"Sie hatten den Zweck, die Kinder zu verändern
und ihr Leben zu formen um sie nach den Vorstellungen der Family in eine
Form zu pressen. Den Kindern wurde dadurch ihre persönliche Identität
geraubt. Es war ein Eingriff in die persönliche Freiheit. Ich kann
sehr gut verstehen, daß dieser Prozeß der Großmutter
Angstschauer über den Rücken jagt und auch vielen anderen, die
wie sie denken; sie alle haben guten Grund, alarmiert zu sein."(Urteil
1995, S.168)
Um aufsässige Teens abzusondern, damit
andere nicht von ihnen beeinflußt würden, wurde ein "besonderes
Programm für besonders problematische Studenten" eingerichtet. Die
Architektin des Viktor Programms erklärt dazu:
"1988 gab es so viel Besorgnis über
die Schwierigkeiten...die durch Jetts (11 bis 13 Jahre) entstanden, daß
eine Ratsversammlung einberufen wurde. Es wurde klar, daß einige
der Teenager nicht die gleiche Begeisterung für die Lebensweise der
Family aufbrachten wie ihre Eltern."(Urteil 1995, S.174)
Sie beschreibt das Viktor Programm als
ein besonders intensives Trainingsprogramm. Es sei der physische und spirituelle
Gegenpart zu den vielen Rehabilitationsprogrammen des Systems. Die Verantwortlichen
würden als Disziplinierungsmethode benutzen: Sprechverbot, Isolierung
und gelegentlich Schläge. Es solle beachtet werden, daß die
Viktor Programme extrem mild seien, verglichen mit den Methoden, die das
System für deliquente Jugendliche verwendet. Diese seien viel strenger,
sogar grausam, aber weniger effektiv.
Soweit die verharmlosende Selbstdarstellung
durch ein führendes Mitglied der "Kinder Gottes". Im Urteil werden
andere Erfahrungen genannt.
Ein 11-jähriger Junge wurde einer
intensiven Betreuung zugeführt, was bedeutet, daß er 24 Stunden
am Tag mit einem Erwachsenen zusammen war, um "viel persönliche Beratung
und das Wort mit dem Löffel gefüttert zu bekommen". Er war drei
Tage lang mit Sprechverbot belegt; während der Arbeit trug er Kopfhörer
und hörte "Wort-Tonbänder" (vermutlich Auszüge aus der Bibel
und den MO-Briefen). Er durfte nicht mit den anderen Kindern sprechen.
Fast jeden Tag wurde er verprügelt.
Bei 16 Strafpunkten gab es 6 Schläge. Einige Kinder hatten 16 Strafpunkte
in der Woche, aber der 11-jährige bekam 6 jeden Tag.
Wenn er geschlagen worden war, umarmte
ihn der Erwachsene und sagte: "Schau mir in die Augen. Laß mich dein
Lächeln sehen. Liebst du mich noch?" Erst wenn ihm dies bestätigt
wurde, ließ er den Jungen gehen. Nach 4-5 Monaten im Viktor Programm
hatte er 3o Kilos verloren!
Ein anderer 11-jähriger war im Viktor
Programm, weil er eine Faszination für Enzyklopädien entwickelt
hatte und zuviel in ihnen las und sich so mehr bildete, als erwünscht
war.
Andere Kinder waren dort, weil sie nicht
genügend demütig waren, eine "emotionslose Haltung" an den Tag
legten, zu wenig Beziehung zum Herrn hatten oder zu sehr an ihren Eltern
hingen.
Die Viktor Programme wurden in der ganzen
Welt abgehalten. Lordrichter Ward wußte von ihnen in England, Schweiz,
Italien, Dänemark, Thailand und Mexico. Die Erziehungs- bzw. Disziplinierungsmaßnahmen
waren überall gleich:
1. Paddlings (Schläge mit einem abgeflachten
Baseball-Schläger)
2. Isolierung - physische Trennung ärgerniserregender
Kinder von ihren Freunden; entweder ließ man sie allein oder in engem
Kontakt zu einem Erwachsenen, dessen Aufgabe es war, ihnen "das Wort zu
füttern".
3. Sprechverbot - dies war eine weitverbreitete
Form von Bestrafung.
4. Open Heart Report - verbreitete Methode,
um Beichten zu erzwingen, mit dem Ergebnis, daß man die Kinder sich
schuldig fühlen ließ, wenn sie nicht beichteten. Wenn sie keine
Reporte über ihre "Needs to work on" schrieben, wurde ihnen gesagt,
daß sie stolz und selbstgerecht seien; wenn sie ihre Zweifel nannten,
dann waren sie "Murrer". Egal, was sie taten, sie konnten es nie recht
machen.
1991 wollte Maria die Viktor Programme
in jedem Home installieren, damit sie (die Teenager) zu den ergebenen Jüngern
würden, die der Herr sich wünscht.
Es war nicht unüblich, daß
junge Menschen ausgesondert und öffentlich in den Briefen gedemütigt
wurden. Einer von ihnen war Tony Zack Attack. Diese Brief-Serie begann
im August 1991. Tony war ein "ganz famoser Teen" gewesen, der in vielen
Videos aufgetreten war, die innerhalb der "Kinder Gottes" zirkulierten
und durch die er als begnadeter Musiker und Liedermacher bekannt war. Er
war damals 24 Jahre alt, verheiratet mit Claire und hatte einen zweijährigen
Sohn. Sie waren beide Hirten, hatten aber ihre Probleme mit "Zweifeln,
Kritik, Murren und Unnachgiebigkeit". Sie wurden in ein Viktor Programm
gesteckt. Tony war unzufrieden damit, wie ihn die Family behandelte und
dachte daran, sie zu verlassen. Er und Claire wurden getrennt, "damit sie
sich auf ihre Lektionen konzentrieren konnten". Ihr Sohn wurde in eine
andere Schule geschickt. Tony erhielt intensive Betreuung. Sein Open Heart
Report wurde veröffentlicht. Dort beichtete er:
"Daß ich unter ständiger Supervision
und Autorität bin, ist einer meiner Hauptkämpfe. Ich spüre,
ich habe sehr wenig Freiheit und ich kann nichts ohne Erlaubnis tun - außer
es ist auf dem Stundenplan."(Urteil 1995, S.170)
Die Antwort von Maria war auch öffentlich;
sie gab ihm seine "letzte Chance":
"Du mußt in der Lage sein, die Erniedrigung
durch öffentliches Ausgesetztsein oder öffentliche Korrektur
für deine Fehler zu ertragen ..."(Urteil 1995, S. 170)
Auch Berg selber gab eine Stellungnahme
ab:
"Er muß hinstehen und bekennen,
mit starkem Weinen und Tränen und wirklich Reue zeigen...Er muß
auf dem Boden kriechen und unter starkem Weinen und Tränen jeden um
Vergebung bitten und sagen, daß er es niemals wieder tut..."(Urteil
1995, S. 170)
Tony wird weiter gedemütigt, indem
man ihn, den einstigen Teenager-Star zum Schrubben und Toilette-putzen
zwingt und ihn so öffentlich degradiert.
Es ist nicht verwunderlich, daß
Tony unter all diesem Druck zusammenbricht, seine Sünden bekennt und
darum fleht, als "unwürdiger Diener" weiter bei den "Kindern Gottes"
(und seiner Familie) bleiben zu dürfen.
Auf den Philippinen wurde 1986 oder 1987
eine Schule für Teens eingerichtet, an der das Demerit-System praktiziert
wurde:
"Eine Liste von Vergehen, die einen Tadel
verdienen, wurde aufgestellt, die von nicht sprechen während der Ruhezeiten
bis zu einem doppelten Tadel für Murren, Beschweren oder Kritisieren
reichte. 7 Demerits (Tadel) führten zu einer Disziplinierungsmaßnahme
(Schlagen oder Streichen einer Elternzeit)."(Urteil 1995, S.164)
Ein anderes Kennzeichen des Jumbo war
das Sprechverbot. Die körperliche Züchtigung erfolgte mit einem
"Paddel", das im Aussehen einem abgeflachten Baseball-Schläger nahekam.
Auch ständige Reporte wurden von den Kindern verlangt. Eine Verantwortliche
gab zu:
"Viele der Teens oder älteren Kinder
wurden im Laufe der Jahre nicht richtig behandelt, infolge von vielen Fehlern
und der Tatsache, daß sie unsere "Versuchsgeneration" waren."(Urteil
1995, S.164)
Ein Junge, der glaubte, daß er als
Strafe in den Jumbo geschickt worden war, ist der Ansicht, daß dort
versucht wurde:
"mich in eine Form zu pressen - sie betrachteten
es als Ausbildung, damit wir Führer für die Endzeit sein konnten."(Urteil
1995, S. 165)
Der Name dieses Lagers in Japan wird für
viele Teenager für immer mit traumatischen Erinnerungen verbunden
sein. Macao war die Hölle; ein Straf- und Umerziehungslager, das erst
1990 geschlossen wurde. Lordrichter Ward nennt die Ereignisse in Macao
ein "schändliches Kindererziehungsexperiment". Die "Kinder Gottes"
selber beschreiben 1992 das "Special-Teen-Programme" im Nachhinein als
eine Art ländliche Idylle mit folgenden Worten:
"Dieses freiwillige Programm wurde eingerichtet,
um einer kleinen Handvoll Teens zu helfen, die mehr individuelle Führung
und Ermutigung brauchte, um lange bestehende persönliche Probleme
zu überwinden. Während dieses Programms bekommen die Teens eine
besonders nahe Betreuung in enger familiärer Atmosphäre mit viel
Liebe und Gebeten, individuelles persönliches Training, spezialisierte
Kurse in der Heiligen Schrift, die oft den Teens mit dem Löffel gefüttert
wurde und einen festen Tagesplan in typischer Internatsschuldisziplin,
abgehalten mit Geduld, Gebeten, Vernunft und Verständnis. Es findet
auf einem Bauernhof in ländlicher Umgebung statt."(Urteil 1995, S.169)
Es ist laut Lordrichter Ward eine Verdrehung
der Wahrheit, dieses Programm so zu beschreiben:
"In Wahrheit wurden die Kinder einem Regiment
körperlicher und psychologischer Brutalität unterworfen. Paddlings
waren ein regelmäßiges Kennzeichen des Lebens im Lager. Die
Kinder wurden systematisch geschlagen. Ich habe diese Aussagen nicht nur
von Merry Berg und JG, sondern auch von einer der Zeuginnen der Family
selbst, von DR. Sie erinnerte sich, fünfmal geschlagen worden zu sein.
Bei einem Mal erinnerte sie sich, daß ihr zehn "swats" gegeben wurden.
Sie hatte blaue Flecken. Sie sagte aus, daß sie geschlagen wurde,
weil sie "superstolz, anmaßend" gewesen sei."(Urteil 1995, S.169)
Er berichtet von weiteren Zeugenaussagen.
Ein Mädchen sei im Zimmer umhergelaufen, um nicht geschlagen zu werden:
"Sie war rebellisch. Sie sollte vier Schläge
bekommen. Sie bekam einen und flippte aus. Michael versuchte, sie zu beruhigen.
Sie tat es nicht. Sie hielt ihre Hände vor ihr Hinterteil. Schließlich
brachte er sie dazu, die Hände wegzutun. Sie bekam zwei weitere Schläge.
Sie war ziemlich mitgenommen. Flippte aus. Sie hielt ihre Hände vor
und sagte: "Bitte nicht mehr" und weinte. Deshalb hörte er auf."(Urteil
1995, S.170)
Schließlich habe man sie halb bewußtlos
auf ihr Zimmer gebracht.
Ein anderes Mädchen habe nach den
Schlägen nur noch unzusammenhängend stottern können. Es
wurde ein Exorzismus abgehalten, um sie von taubstummen Geistern zu befreien,
von denen sie besessen sei.
Die Enkelin von David Berg, deren Geschichte
im 3. Teil dieser Arbeit zu finden ist, wurde auch in Macao geschlagen:
"Die Beschreibung über das Paddling
von Merry Berg war, daß Merry Berg die ganze Nacht unkontrolliert
gesprochen habe und dadurch alle aufgeweckt habe und man dachte, einige
Schläge würden sie aufwecken. Sie bekam einige Schläge,
doch sie "redete fortgesetzt weiter". Sie bekam ungefähr fünf.
Sie brachten sie hinaus, brachten sie aber wieder zurück und versuchten,
das Reden zu stoppen. Als sie begann, Dinge zu zerstören und mit Dingen
zu werfen, banden sie sie an ihr Bett mit Stoffstreifen. Sie war damals
nicht in der Lage, den Urin zu halten. Ein paar Tage später wurde
sie in eine psychiatrische Anstalt gebracht. Dies war eine barbarische
Behandlung für ein Mädchen, das in Wirklichkeit psychiatrische
Hilfe benötigt hätte."(Urteil 1995, S.170)
Eine Zeugin sagte aus, daß sie das
Gefühl hatte, den Verstand zu verlieren. Sie hatte keine Kontrolle
über ihren Verstand, der sie in die Geisterwelt führte. Sie wurde
von diesen Gedanken gequält und dachte daran, Leute zu töten
oder zu verletzen.
Ein anderer Zeuge sagte aus:
"Die meisten Kinder wurden von anderen
Ländern hierhergebracht, weil sie schwerwiegende psychologische Probleme
hatten als Ergebnis ihres Lebens in der Family, nach meiner Meinung. Ich
würde sie "mental" nennen. Drei von ihnen waren völlig irrational
und halluzinierten. Einige von ihnen glaubten, Dämonen zu sehen, andere
glaubten, "Pferdemist" essen zu müssen und die meisten von ihnen gingen
benommen herum. Ich und einige wenige andere waren die einzigen, die nicht
"mental" waren. Einer von ihnen, Ben, beging später Selbstmord - in
der Zeit, als ich ihn kannte, hatte er den verzweifelten Wunsch, die Gruppe
zu verlassen, was aber immer verhindert wurde und alle seine Versuche,
davonzulaufen, schlugen fehl. Andere Teenager in dem Lager erwähnten,
daß sie sich umbringen möchten, doch wenn sie so etwas sagten,
wurden sie schwer geschlagen. Das jüngste Kind, das ich im Lager traf,
war 11. Er hatte versucht, vom Dach seiner Kommune in Indien zu springen
und war deshalb in das Straflager geschickt worden in der Hoffnung, das
dort seine Probleme gelöst würden."(Urteil 1995, S.171)
Als Beispiel für die unterschiedliche
Sichtweise der Verhältnisse in Macao zitiere ich aus einem Brief der
"Kinder Gottes" an die Teens, wo der Selbstmord Ben´s als "ernüchternde
Warnung vor den Sünden der Bitternis, Unnachgiebigkeit und Rebellion"
beschrieben wird:
"Wir hatten Ben wirklich gern und versuchten
alles, ihm zu helfen, was auch schon viele andere getan hatten. Er hatte
viele liebevolle und hingebende Hirten, die Stunden, Tage und Wochen damit
verbrachten, ihn zu beraten. Es ist so traurig, daß er sich entschlossen
hat, das alles wegzuwerfen."(Urteil 1995, S.171)
In Macao wurde der Geist und der Wille
der Kinder gebrochen und "liebevolle Freundlichkeit" war nicht das Mittel,
das angewandt wurde. Die dort lebenden Kinder waren die sogenannten "rotten
apples", die "verdorbenen Äpfel", die aus der Gemeinschaft entfernt
wurden, damit sie nicht andere beeinflußten. Macao war eindeutig
ein Straflager.
Eine Zeugin, die nach wie vor Mitglied
bei den "Kindern Gottes" ist, beurteilte es so:
"In Macao gab es keine Richtlinien und
sie wußten nicht wirklich, was sie taten."(Urteil 1995, S.172)
Diese junge Frau sprach aus eigener, bitterer
Erfahrung. Sie wußte, wie brutal unterdrückend das Regime in
Macao war. Sie konnte es jedoch nicht eindeutig verurteilen, denn sonst
würde sie das tun, was für das Leben in der Family nicht tolerierbar
ist: murren, rebellieren, stolz sein. Sie war nach Macao verbannt worden
für das Verbrechen der Gedankenfreiheit. Lordrichter Ward dazu:
"Gedankenfreiheit wurde ihr in Macao herausgeschlagen.
Obwohl DR weiterlebt, starb der Geist eines jungen Mädchens in Macao.
Es ist an der Zeit, daß die Family den Tatsachen ins Auge sieht."(Urteil
1995, S.172)
Neben Sprechverbot wurde auch Isolierung
angewandt, um die Kinder zu beherrschen und zu bestrafen. Ein Junge wurde
zu Beginn seines Aufenthaltes in Macao in eine Dachkammer gesperrt. Er
bekam einen Kübel als Toilette und drei oder vier Tage kein Essen,
damit er faste. Die Kinder mußten fasten,
"damit ihr Bewußtsein und ihr Geist
aufnahmefähig gemacht wurde für eine schwere Dosis des Wort Gottes,
das ihre spirituelle Nahrung sein sollte. Dies wurde häufig angewandt."(Urteil
1995, S.173)
Die schwere körperliche Arbeit, zu
der die Kinder herangezogen wurden, hatte den Charakter einer Strafarbeit.
Man ließ sie Gräben ausheben, diese wieder füllen und neu
ausheben. In seinen Schlußfolgerungen stellt Lordrichter Ward fest:
"Die Erfahrungen von Macao sind ein schändliches
Beispiel für den Glauben, daß der Zweck die Mittel heilige.
Das Ziel war es ...die Gewohnheiten und das Verhalten der Jugendlichen
zu ändern, die sich gegen die Lebensweise der Family aufgelehnt hatten.
Das Mittel war eine Form physischer und mentaler Grausamkeit, die gnadenlos
bei jungen, oft bereits emotional geschädigten Kindern angewandt wurde.
Es scheint wenig Verständnis von seiten der Führerschaft zu geben
für die mißbräuchliche Natur einer solchen Behandlung.
Tatsache ist, daß im Wissen, daß diese Behandlung, der diese
schwierigen, geschädigten Teenager ausgesetzt waren, niemals einer
vernünftigen Überprüfung standhalten könne, die Family
jetzt versucht, die Wahrheit anders darzustellen, nicht nur für die
Außenwelt, sondern noch wichtiger für ihre eigenen Mitglieder,
denen ... Macao jetzt als ländliche Idylle geschildert wird. Was für
ein Unsinn!"(Urteil 1995, S.174)
Während des Prozesses, also zwischen
1992-1995, ließ Lordrichter Ward einige Homes, in denen
Kinder unterrichtet wurden, von Sozialarbeitern besuchen. Ihre Rapporte
waren durchweg positiv: Arbeitsmaterial sei angemessen vorhanden, die erwachsenen
"Hilfslehrer" hätten kürzlich einen qualifizierenden Kurs besucht
und das Wissen der Kinder entspäche dem Niveau ihrer Altersgruppen
in der Regelschule.
"Die meisten der Kinder, die wir gesehen
haben, waren offen, sie benehmen sich gut untereinander und den Erwachsenen,
die sie unterrichten, gegenüber und sind glücklich, wenn sie
über sich und ihre Arbeit erzählen können. Die Erwachsenen
stehen den Besuchen positiv gegenüber. Sie waren ruhig und offen in
allen Diskussionen. Sie waren froh, ihre Philosophie erklären zu können
und schienen eifrig Wege zu suchen, um die Qualität ihrer Arbeit zu
steigern. Nach den zur Verfügung stehenden Unterlagen werden die Bedürfnisse
der Kinder nach Unterricht befriedigt."(Urteil 1995, S.156).
Dazu meint Lordrichter Ward lapidar: "Ich
nehme diese Ergebnisse zur Kenntnis" und fährt fort:
"Was die tertiäre Ausbildung betrifft,
weiß ich von keinem Kind, das eine solche Ausbildung erhalten hätte."(Urteil
1995, S.156)
Nach meinen bisherigen Erfahrungen und
Kenntnissen ist es mehr als unwahrscheinlich, daß alle Kinder in
den übrigen Teilen der Welt eine ähnliche Bildung erhalten, wie
die in dem Vorzeige-Home in England. Ich wüßte nicht, woher
die einzelnen Homes das Geld und die qualifizierten Erwachsenen nehmen
sollten, denn sie kamen selbst als unausgebildete Jugendliche in die Gruppe!
Die 1995 von den Verantwortlichen der
"Kinder Gottes" veröffentlichte "Love Charter" enthält die Anweisung,
daß die Heime mit einer 2/3 Mehrheit entscheiden können, ob
eines ihrer Kinder, ihrer Teenager oder ihrer Erwachsenen eine Schule oder
Unterricht außerhalb besuchen darf (vgl. LOVE CHARTER 1995, S.132).
Der Tenor dieser Anweisung läßt
vermuten, daß die Partizipation an öffentlich zugänglichen
Bildungsangeboten nach wie vor eher nicht gewünscht und durch Reglementierung
erschwert wird.
Die Schulstunden für die Kinder und
Jugendlichen werden wie folgt festgelegt:
6-12jährige: 12 Wochenstunden
12-13jährige: 8 Wochenstunden
14-15jährige: 4-8 Wochenstunden
16-17jährige: 4 Wochenstunden.
Ich schließe dieses Kapitel über
die Bildungsmöglichkeiten für die Kinder, indem ich mich den
Worten von Lordrichter Ward anschließe:
"Viele der Erwachsenen hatten für
sich die Möglichkeit einer höheren Bildung, sind aber nicht in
der Lage oder nicht gewillt, dieses Privileg auch ihren Kindern zuteil
werden zu lassen. Das ist ein Hinweis darauf, daß sie immer noch
der Überzeugung sind, daß die Ausbildung nur für die Endzeit
wichtig ist und daß das Ende nahe sei. Es ist eine Einschränkung
der vollen Entwicklung des Kindes."(Urteil 1995, S.156)
Erziehungsschicksale bei den "Kindern Gottes"
Kristina Jones
Die Zeugenaussage dieses Mädchens
wird in mehreren Publikationen auszugsweise wiedergegeben. Er wird auch
im englischen Gerichtsurteil zitiert. Mir liegt der komplette Text in englischem
Original und deutscher Übersetzung aus dem Archiv von Frau Nußbaum
vor:
"Zeugenaussage geschrieben
199o
Hallo, mein Name ist Kristina. Ich schreibe
das, um euch ein wenig über meine Erfahrungen in den COG zu erzählen.
Ich bin 14½ und habe meine ganze Kindheit in diesem Kult verbracht,
in dem meine Eltern Mitglieder waren. Als meine Mutter austrat (Ende März
88), brachte sie 6 ihrer Kinder mit ihr heraus. Celeste, meine älteste
Schwester, ist mit meinem richtigen Vater immer noch drinnen.
Meine Mutter ist der Organisation 1973
beigetreten, als sie 16 Jahre alt war. Sie hatten an ihrer Schule ein Jahr
vorher ein Treffen abgehalten und sie war gerade erst Christin geworden
und fand es aufregend, so engagierte Christen zu treffen. Mutti besuchte
sie oft und schließlich forderten sie sie auf, alles aufzugeben und
Jesus zu folgen, was sie auch tat.
Am gleichen Tag trat auch mein Vater bei
und ein Jahr später waren sie verheiratet und ihr erstes Kind geboren.
Als Celeste ein Jahr alt war, übersiedelte die Gruppe nach Indien
und ich wurde ge
boren. Von klein auf wurde ich mitgenommen
um Literatur zu verteilen und auf der Straße zu musizieren und den
Leuten von Jesus zu erzählen. Ich wurde auch gelehrt, Jesus Christus
zu lieben und an ihn zu glauben und es wurde mir gesagt, daß der
Gründer und Lehrer David Berg, damals bekannt als Moses David oder
Mo, der Endzeit-Prophet sei.
Als Mutti beitrat, verehrte sie Berg als
Gründer und Führer der Gruppe und erleuchteten Bibellehrer. Sie
dachte, er müßte das sein, da er eine so gute Gemeinschaft gegründet
habe, deshalb akzeptierten die Mitglieder der Gruppe es ohne Zweifel, als
er begann, sich Gottes Endzeitprophet zu nennen. Meine Mutter wußte
nicht, daß Berg tief in sexuelle Sünde und Spiritualismus verstrickt
war. Sie bemerkte nicht, daß es nicht richtig war, daß er eine
totale Kontrolle und Indoktrinierung über die Gruppe ausübte
(die meisten waren noch jung und naiv, als sie beitraten).Berg schien wirklich
tief besorgt über verlorene Seelen zu sein. Als ich ein Baby war,
erklärte Berg die Bedeutung von Flirty Fishing (eine Prostituierte
für Jesus zu sein). Berg erklärte den Mitgliedern immer und immer
wieder, daß das vollkommen in Ordnung sei, denn sie täten es,
um Leute für Jesus zu gewinnen. Das war in einer Serie, die "König
Arthur Serie" hieß. (Die Gruppe wurde durch Briefe, die den Gemeinschaften
regelmäßig geschickt wurden, indoktriniert). Mutti war schockiert,
als sie das begriff und sagte zu meinem Vater, daß das falsch sei,
er aber überzeugte sie, das als wichtige Offenbarung des Herrn zu
akzeptieren. 1½ Jahre wurde "sexual sharing" unter den Mitgliedern
eingeführt. Bald danach warf mein Vater meine Mutter hinaus und schickte
sie zu einem anderen Mann in einem anderen Heim. Er behielt meine ältere
Schwester.
Mein jüngerer Bruder und ich gingen
mit meiner Mutter, die sehr unglücklich und verwirrt war. Mein neuer
Stiefvater schien mich von Anfang an nicht zu mögen (ich war erst
2½). Er bevorzugte gewöhnlich meinen Bruder. Wenn meine Mutter
nicht in der Nähe war, pflegte mein Stiefvater mich sexuell zu mißbrauchen.
Ich bekam große Angst vor ihm. Wenn ich etwas tat, kritisierte er
mich. Er wurde zu uns allen sehr grob. Er warf meiner Mutter Gegenstände
nach und beschimpfte uns alle.
Eines Tages kam der Brief "Mein kleiner
Fisch" heraus, der nackte Kinder zeigte und Erwachsene, die sie berührten
und unter den Bildern war ein Kommentar von Berg, der sie dazu ermutigte.
(Ich bin mit Sex im Kopf aufgewachsen, viele der Lehren basierten auf Sex
oder handelten davon).Das erstemal, das ich mich erinnern kann, daß
Daddy mich sexuell mißbrauchte, war, als wir nach England zurück
kamen, nachdem wir in Indien gelebt hatten. Ich muß ungefähr
drei gewesen sein. Er kam in mein Zimmer und begann, mir eine Geschichte
vorzulesen. Nach der Geschichte gab er mir einen Kuß und begann,
mich weiter und weiter unten zu küssen, dann berührte er meine
Geschlechtsteile und begann, meine Scheide zu reiben. Ich kann mich noch
an meine erste Reaktion erinnern - totale Angst. Ich wußte, was er
tat, denn ich hatte schon vorher Leute gesehen, die miteinander Sex hatten,
aber daß er das mit mir tat, war mir ein bißchen unheimlich.
Ich setzte mich auf und versuchte zu entwischen, aber er machte es noch
stärker. Von damals an tat er es oft. Als ich älter wurde, wurden
meine Verpflichtungen größer und ich war körperlich und
geistig verbraucht. Im Alter von 1o Jahren mußte ich eine Gruppe
von 13 Vierjährigen unterrichten. Am Ende des Tages, bevor ich schlafen
gehen konnte, mußte ich noch Hausaufgaben erledigen und dann mußte
ich wieder zeitig aufstehen und mit einem anderen Teenager das Frühstück
für mindestens 4o Personen kochen.
Zu einer Zeit ging ich auf viele Witnessing-Reisen,
die mehr als eine Woche dauerten. Zu dieser Zeit war ich einmal mit einer
Dame, die um die 35 war und mit einem indischen Mitglied, das Paul hieß
und einem Teen mit Namen Steven. Wir blieben in einem Hotel. Bevor ich
weiter erzähle, muß ich sagen, daß Paul sehr pervers war
und sich immer auf mich stürzte. Er versuchte, mit mir Sex zu machen.
Wenn ich es ablehnte, ging er immer zu den Führern und sagte, ich
sei rebellisch und unwillig, mich Jesus hinzugeben.
Das Hotel, in dem wir übernachteten,
hatte zwei Doppelbetten und wir beschlossen, uns abzuwechseln. Die erste
Nacht schliefen Paul und ich in einem Doppelbett. Ich wachte in der Nacht
auf und bemerkte, daß er auf mir lag und daß Steve und Rose
in dem anderen Bett Sex hatten. Ich war eifersüchtig, denn ich hatte
Steve gern und es machte mich krank zu sehen, wie er Sex mit Rose hatte.
Ich konnte nichts tun. Ich konnte nichts tun, um Paul zu entkommen, denn
er war mental und körperlich stärker als ich. Diese Reise fand
statt, als meine Mutter nach England zurückgefahren war, um nicht
bestraft zu werden. Vorher noch besuchten Mutter und ich ein anderes Heim
und in dieser Nacht schlief meine Mutter mit dem Sheperd und ich bekam
eine Matratze auf dem Fußboden. Als ich aufwachte, war meine Mutter
nicht da und Uriah sagte zu mir, ich solle auf das Bett kommen und dann
flüsterte er mir ins Ohr und als ich kam, begann er mich zu kitzeln
und wir hatten ein bißchen Spaß. Dann begann er, meine Hand
auf seinen Penis zu legen. Ich dachte daran, daß Daddy das auch mit
mir machte und wenn ich nicht wollte, schlug er mich. So legte ich mich
zu ihm und hielt seinen Penis, da kam jemand bei der Tür herein und
fragte Uriah, ob er einen Kaffee wollte. Ich fühlte mich sehr verlegen
und peinlich berührt.
Als ich 1o war, teilte ich das Bett mit
einem Mädchen namens Phoebe. Wir sprachen über Sachen wie: wie
viele Männer es schon versucht hatten. Wir wußten sonst nichts,
es wurde uns gelehrt, daß man so sein muß, um ein gutes und
gläubiges Mitglied zu sein, aber wir verstanden nicht alles und wenn
wir manchmal Beschwerden äußerten, bekamen wir eine Leseaufgabe
und einen Partner (einen Jungen) zugewiesen, mit dem wir schlafen sollten,
bis unsere Heimsuchung wieder vorüber sei.
Eine Auswahl aus unserer COG-Literatur:
"Verbrenne deinen BH, Ma!"
"Huren Gottes"
"Kindersex"
"Sexsklaven"
"Gott schuf den Sex - erfreut euch daran"
"Sex mit Mutter" (Dieser Brief spricht
über die Phantasien Bergs, daß er mit seiner Mutter Sex habe
und daß Sex zwischen Kindern und Erwachsenen nicht schlecht sein
könne, weil er sich immer wünschte, seine Mutter sollte ihn berühren.)
Ich wechselte in ein anderes Heim, denn
ich kam mit meinem Stiefvater nicht zurecht. Ich wurde Kinderpflegehelferin
bei einem Ehepaar der Führerschaft. Die zwei Kinder waren prima. Ich
half ihnen beim Aufstehen und brachte sie jeden Abend ins Bett. Als ihr
Vater von einem Treffen der Führerschaft zurückkam, kam er immer
ins Zimmer, wenn ich sie ins Bett brachte und wenn sie eingeschlafen waren,
legte er sich zu mir ins Bett und begann mich zu küssen und zu streicheln.
Weil ich schon älter war, erwartete man von mir, daß ich auch
schon teilnehme und nicht nur alles über mich ergehen ließ.
Das wurde zu einem normalen Vorgang jeden Abend. Je länger unsere
Beziehung dauerte, umso mehr taten wir und obwohl ich wußte, daß
ich gehorsam gegenüber Berg und Gott war, fühlte ich mich doch
schmutzig. Aber ich muß zugeben, daß ich ihn nicht ganz von
mir stieß oder ihm die ganze Zeit Widerstand leistete, wie früher,
als ich noch jünger war, ich glaube ich war schon mehr gehirngewaschen
und gewöhnt daran und ich machte schon mehr mit als zu widerstreben.
Ich erkenne, daß ich Dinge getan
habe, die ich nie getan hätte oder nie tun wollte und das haben die
COG aus mir gemacht und aus den anderen Mitgliedern. Die meiste Zeit wurde
mir glauben gemacht, daß ich böse sei und auf den Teufel höre,
wenn ich dem nicht zustimme, was sie sagten. Ich wollte nicht wieder bei
meinem Vater leben, doch er kam mich abholen und meine zwei Brüder
und wir übersiedelten nach Bombay und dieses Heim war das schlechteste,
in dem ich je gewesen bin.
Alle Kinder mußten schwer arbeiten,
wir wurden regelmäßig geschlagen, weil wir faul waren, wie sie
es nannten.
Ich habe gesehen, wie Kinder, die weniger
als ein Jahr alt waren, auf die Toilette gebracht wurden und geschlagen,
weil sie ihre Windeln beschmutzt hatten. Wenn ich hinging und sie tröstete,
sagten mir die Erwachsenen, ich solle sie allein lassen und sie ausschreien
lassen. Ich wußte genau, wie sie sich fühlten, denn ich war
auch in der gleichen Lage wie sie. Ich dachte: was für einem Gott
diene ich wirklich? Bestimmt keinem liebenden, verzeihenden, tröstenden
Gott, wie wäre das sonst möglich? Solche Gedanken kamen mir manchmal.
Als meine Mutter in England war, sagten
die Führer zu mir: "Deine Mutter ist böse, sie muß bestraft
werden", oder "Sie hat nicht die Liebe Gottes". Das verwirrte mich ein
wenig, denn sie schien mir gegenüber nicht lieblos. Bei Gebetsabenden
wurde mir gesagt, ich solle für meine Mutter beten und ich mußte
den Satan aus ihr wegschicken oder bannen vor dem ganzen Heim.
Als Mutter in England war, fand sie ein
Buch, das von Deborah Davis geschrieben war und sie las es. Es half ihr,
von zwei Standpunkten aus zu verstehen, was die wirkliche Bedeutung und
der Irrtum in den Lehren Bergs war. Deshalb entschied sie, daß sie
einem Mann nicht folgen könne, an dem sie nun zweifelte. Sie betete,
daß etwas geschehen möge und ihre drei Kinder und ihr Mann nach
England zurück kommen mögen.
Inzwischen hatte sich das Heim, in dem
ich war und die Familie verändert. Die Führer bestimmten Termine
für Orgien (Nächte des Teilens) und bestimmten die Paare dafür
unter den Mitgliedern der Gruppe. Ich erinnere mich an eine solche Nacht
(sharing night), die Erwachsenen waren alle unten im Wohnzimmer, auf dem
Boden lagen Matratzen, die Paare wechselten von Zeit zu Zeit und sanfte
"Family"-Musik ertönte. Die älteren Kinder, wie ich, durften
zusehen und sich anschließen. Ich erinnere mich, daß ich mit
einigen älteren Teens "geteilt" hatte. (Ich war 11 Jahre). Es geschahen
noch viele andere schockierende Dinge, man müßte ein ganzes
Buch schreiben, wenn man das alles erzählen wollte. In vielen Heimen
und auch in unserem gab es viele minderjährige Mädchen, die schwanger
waren und nicht einmal wußten, wer der Vater war. Auch bei mir setzte
einmal die Periode 3 Monate aus, zwei Wochen, nachdem ich von Indien zurück
gekommen war. Ich dachte, ich hätte eine Fehlgeburt gehabt. Ich bin
mir heute noch nicht sicher.
Unerwarteterweise konnten unsere Visa
nicht erneuert werden und so mußten wir nach England zurückkehren,
unser Stiefvater wollte nicht und wurde ärgerlich. Die Jungen und
ich waren schon sehr gespannt auf die Reise. Aber dann sagte Daddy, es
gebe einen Platz für mich in einem Jumbo(Trainingslager für Jugendliche)
auf den Philippinen. Das hätte mich fast noch mehr gereizt, denn in
ein solches Trainingslager zu fahren, war das höchste Ziel in meinem
Leben und in dem aller Jugendlichen. Mir wurde gesagt, daß es für
mich eine besondere Gnade sei, dorthin zu gehen und beim Propheten zu lernen,
damit ich in der Zukunft ein Führer werden könnte. Ich war hin-
und hergerissen, aber als Dad und ich schließlich beteten und wir
mit der Führerschaft berieten, wurde beschlossen, daß wir zuerst
nach England gehen würden, um von meiner Mutter die nötige Unterschrift
zu erhalten, mit der sie erklären sollte, daß sie keine gesetzlichen
Rechte mehr über mich hätte und ich nun legal der Familie und
Berg gehöre.
Als wir nach England kamen, verbrachten
wir die erste Nacht in einer kleinen Wohnung, denn im Family-Haus war kein
Platz für uns. Als Vater eingeschlafen war, ging Mutter mit uns in
die Bibliothek, setzte uns nieder und fragte uns, was wir davon hielten,
ein bißchen von Vater fortzugehen und die Großeltern zu besuchen.
Wir waren erstaunt und gingen mit Mutter. Ich glaube, der Hauptgrund, warum
ich mitging, war, daß ich gespannt war und weil ich meine Großeltern
seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Die ersten paar Monate waren wir
alle vorsichtig für den Fall, daß Daddy uns zurückholen
würde.
Am Anfang wollte ich gar nichts Schlechtes
über die Family und über Berg hören, aber bald erschien
mir das, was Mutti sagte, sinnvoll. Berg ist ein echter Perverser und seine
Lehren waren so zurechtgebogen, daß sie seinen Zwecken dienten. Ich
brauchte lange, bis ich das alles erkannte, aber als ich in die Schule
ging und mit Leuten außerhalb der Gruppe zusammenkam, kam ich drauf,
daß seine Lehren nicht normal waren. Jetzt, da ich beide Seiten kenne,
kann ich selbst entscheiden, woran ich glaube und was ich denke, daß
richtig ist und nicht, statt daß mir einfach gesagt wird, was ich
zu glauben habe.
Mutter gab mir auch ein Buch über
Kulte und erklärte mir, daß Berg nicht der Einzige sei, der
behaupte, ein Prophet zu sein und dem eine große Gruppe folgt und
sich selbst die "Elite" nennt.
Jetzt, 2½ Jahre später, bemühe
ich mich wirklich, anderen Leuten verstehen zu helfen, was bei den COG
los ist. Manche Leute sagen, es sei nicht schädlich, aber wie wollen
sie das wissen, sie waren ja nicht drinnen. Ich glaube auch, daß
manche Aspekte dieses Lebens gut sind, aber ich befürchte, daß
die schlechten überwiegen.
Auf einer Konferenz, die ich mit meiner
Mutter besuchte, sprach ich mit einer Dame und ich fragte sie, was sie
denke. Sie sagte, sie habe einen Sohn in den COG und sagte, sie sei glücklich,
wenn er es auch sei. Nun, er mag glücklich sein, vielleicht ist er
ein Kinder-Belästiger und möchte Frauen als ständige Sex-Sklaven
haben. Dann wird er natürlich glücklich sein in einer Gruppe,
die das gestattet, was er gern hat. Was Leute glücklich macht, muß
nicht immer gut und richtig sein. Ich fragte die Frau über ihre Enkelkinder,
aber da wechselte sie das Thema."(AJEMIAN 1992)
Hier beschreibt ein junges Mädchen,
fast noch ein Kind, mit einfachen Worten ihre Erlebnisse bei den "Kindern
Gottes". Sie hat frühe Erinnerungen an Indien, wo sie geboren wurde
und auch daran, daß sie auf die Straße zum Betteln und Missionieren
mitgenommen wurde. Sie erinnert sich an ihre religiöse Prägung,
die den Glauben an "MO" mit einschloß. Mit 2 1/2 Jahren erlebt sie,
wie ihre Familie auseinanderbricht und der Vater die Mutter "rauswirft"
und zu einem anderen Mann schickt. Diesen anderen Mann erlebt sie als beängstigend;
er mißbraucht sie in Abwesenheit ihrer Mutter, beschimpft und kritisiert
alle und verbreitet so nicht das Fluidum eines beschützenden und sorgenden
Vaterersatzes. Obwohl sie von klein auf "mit Sex im Kopf" aufgewachsen
war, kamen ihr die Übergriffe ihres Stiefvaters "unheimlich" vor und
sie versuchte sich dem, trotz ihrer Prägung, daß Sex gottgewollt
und O.K. sei, zu widersetzen, was ihr nicht gelang.
Was muß ein Kind erlebt haben, das
sich selbst mit 1o Jahren als "körperlich und geistig verbraucht"
beschreibt?
Sie erzählt nicht von einer behüteten
Kindheit im Schutz von liebenden und sorgenden Eltern, nicht von Spielen
mit Gleichaltigen, von Zeit für Wachsen und Reifen. Stattdessen berichtet
sie von schwerer Arbeit, von Reisen ohne Begleitung durch ihre Eltern,
von sexuellen Übergriffen durch Erwachsene, denen sie ausgeliefert
war und von Scham, die sie dabei empfand.
Dieses natürliche Schamgefühl
wurde ihr als "Heimsuchung" gedeutet und als Gegenmaßnahme oder "Buße"
mußte sie mit irgendeinem zugewiesenen Jungen schlafen. Sie schreibt,
daß dies nicht nur ihr passiert sei, sondern übliche Praktik
innerhalb der Gruppe war.
Sie muß die MO-Briefe lesen, in
denen Berg über Sex mit seiner Mutter phantasiert. Was mag ein Kind
dabei empfinden, dem beigebracht wurde, daß dieser Mann "heilig"
sei?
Man spürt ihren Zorn, wenn sie im
Rückblick erkennt, daß sie gezwungen wurde, Dinge zu tun, die
sie nie hätte tun wollen, wie z.B. den Beischlaf mit dem verheirateten
Hirten, in dessen Familie sie als Kindermädchen gearbeitet hatte,
um nicht mit ihrem Stiefvater leben zu müssen. Sie konnte dem Mißbrauch
auch durch den Ortswechsel nicht entgehen.
In Indien leidet sie mit den geprügelten
Kindern und erlaubt sich die Gedankenfrage: "Was für einem Gott diene
ich wirklich?"
Sie muß vor versammelter Mannschaft
für ihre leibliche Mutter beten und den Satan aus ihr wegschicken,
weil man ihr sagt, ihre Mutter sei schlecht. Welche unglaubliche Belastung
für ein Kind!
Mit 11 Jahren nimmt sie an verordneten
Orgien teil. Sie sieht und tut Dinge, die normalerweise nicht für
Kinder geeignet sind und ihrem Entwicklungsstand in keinster Weise entsprechen.
Sie erkennt trotz ständig anders lautender Indoktrination, daß
es wohl nicht gut und richtig sein kann, wenn minderjährige Mädchen
schwanger sind und nicht wissen, wer der Vater ihres Kindes ist.
Als sie mit Hilfe ihrer Mutter die "Kinder
Gottes" verläßt, erkennt sie in normaler Umwelt schnell die
Manipulationen und falschen Lehren der Sekte. Es wird ihr ein Anliegen,
anderen von den internen Vorgängen zu berichten.
Kristina ist heute 2o Jahre alt. Ich weiß
nicht, ob sie ihre traumatischen Kindheitserlebnisse aufarbeiten konnte
und ein normales Leben führt. Ich halte es aber für "gesund",
über diese Erlebnisse zu berichten und sie nicht schamhaft zu verdrängen.
Wir wissen heute, daß mißbrauchte Kinder oft erst als reife
Erwachsene Probleme aufgrund des frühen Mißbrauchs bekommen
und wir wissen auch, daß die Opfer von Gestern oft die Täter
von Morgen sind. Kristina tut etwas für sich und sie hat dabei die
Unterstützung ihrer Mutter. Mehr kann man ihr nicht wünschen.
Dies ist keine Dispenz für die Verantwortlichen
der "Kinder Gottes", und für die Erwachsenen, die jene benutzten und
beschmutzten, die ihnen ausgeliefert waren.
Kinder vertrauen ihren Eltern; sie haben
keine andere Wahl. Umso schlimmer, wenn sie erleben, was Kristina als Alltag
bei den "Kindern Gottes" beschreibt. Solche Lebensumstände hinterlassen
seelische Wunden, deren Auswirkungen wir heute zwar schon ahnen, gegen
die wir aber nichts unternehmen können. Ich bin überzeugt, daß
alle diese Kinder dringend therapeutische Hilfe brauchen, die sie innerhalb
der Gruppe nie bekommen werden. Und ich bezweifele, ob der Schutz des Artikels
4 GG den religiös motivierten Mißbrauch umfaßt.
Die Geschichte der Enkeltochter Merry Berg
Richter Ward schreibt, daß er die
Aussage dieser wichtigen Zeugin besonders sorgfältig prüfte,
da sie ein "enttäuschtes früheres Mitglied" sei. Sie sei außerdem
eine Frau mit einer ungewissen psychiatrischen Geschichte, deren Gesundheit
zerbrach, als sie bei der Family war, wo sie ohne Frage psychotische Episoden
erlebt habe. Doch je länger sie aussagte, umso mehr wurde er von der
Glaubwürdigkeit ihrer Geschichte überzeugt. Er war bestürzt
über ihren Bericht von ihrem Exorzismus und begann zu denken, daß
dies unmöglich wahr sein könnte. Doch später las er einen
eigenen Bericht der Family darüber und stellte fest, daß Merry
Berg eher noch untertrieben hatte. Die Familie veröffentlichte, daß
Merry Berg nur im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit stehen wolle
und deshalb in Talkshows übertriebene und unwahre Dinge sage. Richter
Ward schreibt:
"Diese Kritik an ihr weise ich vollständig
zurück. Das ist überhaupt nicht der Eindruck, den sie auf mich
machte. Weil ich ihr glaube, stelle ich fest, daß Berg und Maria
in ihren Schlafraum kamen und während Maria und Sarah sprachen, Berg
in ihrer Gegenwart in ihr Bett stieg und sie streichelte. Das geschah mehrere
Male. Sie wurde in seine Räume gerufen. Er war impotent und sie hatten
keinen sexuellen Verkehr, obwohl er einmal versuchte, in sie einzudringen,
deshalb gibt es genau genommen keinen Beweis für Inzest. Er zerriß
ihr Jungfernhäutchen mit seinem Finger. Sie hatten oralen Sex. Das
war oraler Sex von ihm an ihr, soweit sie sich erinnern konnte nicht von
ihr an ihm."(Urteil 1995, S.125)
Richter Ward nennt die Behandlung, der
Merry Berg ausgesetzt gewesen sei, entsetzlich. Während des Kreuzverhörs
wäre er überzeugt worden, daß ihre Aussagen eher unter-
als übertrieben waren. Bezüglich ihres fehlenden Respektes für
ihren Großvater, den sie bei den Führern in täglich anzufertigenden
Berichten "beichtete", schreibt er:
"Wer kann es dem Mädchen verdenken,
daß ihr der Respekt fehlte für einen Mann, der von den anderen
so verehrt wurde, wenn sie aus persönlicher Erfahrung wußte,
daß er einen faulen Mundgeruch hatte, zuviel trank und sie sexuell
mißbrauchte. Dafür wurde sie brutal bestraft. Ihr Verbrechen
war, daß sie zum Satan gehalten hatte. Das führte dazu, daß
in einem Zeitraum von zwei Monaten fünf große Exorzismen an
ihr ausgeführt wurden. Sie wurde einer totalen Überflutung durch
die Heilige Schrift ausgesetzt, ganztägig, wobei die obersten Führer
"mit ihr gemeinsam laut lasen, um ihren Verstand, ihre Ohren und Augen
ständig beschäftigt zu halten mit einem ständigen Einflößen
des Heiligen Geistes". Sie beteten über ihr, bis zu 5o mal am Tag.
Sie war 14 Jahre alt! Sie sagte mir in ihrer Aussage, daß fast jedes
Wort, das Berg äußerte, auf Tonband aufgenommen wurde. Damals
dachte ich, das sei ziemlich phantastisch. "Das letzte Stadium", ..geschrieben
im August 1987, scheint eine Abschrift von auf Tonband aufgenommenen Gesprächen
zu sein und es stellt einen wörtlichen Bericht über den Dialog
zwischen diesem leicht beeinflußbaren Teenage-Mädchen und ihrem
Großvater dar."(Urteil 1995, S.135)
Die folgenden Auszüge aus dem o.g.
Brief stammen aus der deutschen Übersetzung und dokumentieren die
bösartige Behandlung dieses Mädchens durch ihren Großvater:
29. (Mene kommt herein und Dad begrüßt
sie mit einem liebenden Kuß und einer Umarmung) Lobe den Herrn, Liebling,
wie geht es Dir? Schütze sie und hilf ihr, Herr, denn wir sprechen
mit ihr über ihre Probleme, in Jesu Namen. .. (Dann, mit sehr lauter
Stimme): Hallelujah! Hallelujah! Hallelujah! (Dad bricht in Zungensprechen
aus, eine ganze Minute lang, während er Menes Kopf ergreift mit beiden
Händen und sie bei jedem Satz, den er spricht, heftig schüttelt!)
3o. Geh hier heraus, Teufel! Geh hier
heraus, im Namen Jesu! Geh hier heraus! Im Namen Jesu, geh hier heraus!
Hallelujah! Im Namen Jesu! Ich widersage dir, Satan! Schau mich an! Geh
hier heraus. (Schlägt sie ins Gesicht) Geh hier heraus, widerstehe
dem Teufel im Namen Jesu! (Mene: ich widersage dir, Teufel, im Namen Jesu!)
Verlasse mich sofort, Satan! (Mene: verlasse mich sofort, Satan!) Geh aus
mir heraus! (Mene: Geh aus mir heraus!) Fliehe aus mir für immer!
(Mene: fliehe aus mir für immer!)
31. Hörst du mich: (schlägt
sie). (Mene: Yes, Sir!) Hörst du mich? (Mene: Yes, Sir!) Hörst
du mich? (Mene: Yes, Sir!) Verstehst du mich? (Mene: Yes, Sir!) Verstehst
du, wovon ich spreche?
(Mene: Yes, Sir!) Das wirst du bekommen,
wenn das wieder vorkommt! (Dad stößt Mene in ihren Sessel).
32.Diesmal wirst du nicht so einfach davonkommen!
Du gottverdammter, schmutziger Teufel, der uns Ärger bereitet in ihr,
diesmal kommst du nicht so einfach davon! Sie wird für dich leiden,
du verdammter Teufel! Jedesmal, wenn sie dich wieder einläßt,
wird sie für dich leiden!
36. So etwas ist mir bis jetzt noch nicht
untergekommen. Von Anfang der Familie an, von meinen ersten Kindern, habe
ich sie mit der Rute geschlagen, ich habe sie geschlagen, bis sie um Gnade
riefen!
37. Nie mehr! Von jetzt an werde ich den
Teufel aus dir hinausschlagen, wenn es sein muß! So haben sie es
in früheren Tagen gemacht, sie geißelten und peitschten und
schlugen mit der Rute den Teufel aus ihnen hinaus.
38. Wie kannst du, meine eigene Enkeltochter,
von der man erwartet, daß sie eines meiner geretteten Kinder sei,
wie kannst du den Satan einladen und Flüche auf andere werfen, kleine
Teufel zu anderen Leuten schicken? Ich will so etwas nie wieder von dir
hören! (Schlägt Mene ins Gesicht) Ist dir das klar? (Mene: Yes,
Sir!) Niemals? (Mene: Yes, Sir!) Never! Und wenn ich es nochmal höre,
dann bist du draußen! Ich kümmere mich nicht darum, wer, zur
Hölle, du bist oder wohin, zur Hölle du gehen sollst, du fliegst
hinaus!
39. Heute abend bekommst du kein Nachtmahl
und du wirst fasten und beten und wirst jede Stunde des Tages mit jemand
beten und auch in der Nacht, bis du geheilt bist und du nicht mehr diese
gottverdammten schmutzigen, üblen kleinen Dinge zurück in deinen
Kopf läßt! Ist das klar? (Aug-in-Aug mit Mene) (Mene: Yes, Sir!)
Oder muß ich über dich kommen und den Teufel aus dir hinausschlagen?
Ha? (Mene: No)
4o. Gott hat uns nicht den Geist der Angst
gegeben, außer der Angst vor Gott und vor mir, deinem Großvater,
deinem Vater! Du solltest mich fürchten.
42. Von jetzt an wirst du körperliche
Bestrafung erleiden!
45. Ich bin das Gericht der letzten Instanz!
48. Hat dich jemand schon vorher so bestraft?
(Mene: Ja) Wer? (Mene: Onkel Peter) (Peter: ich habe sie einmal wirklich
hart geschlagen) Nun, sie hat es zweifellos verdient! (Maria: es war aber
nicht so, wie du es ihr gerade gegeben hast!)
49. Ich habe eine Rute hier. Bringt ihr
sie mir, bitte?
52. Soll ich dir helfen, zu verstehen,
was du bekommen wirst? Komm her, ich lasse es dich einmal spüren.
Beuge dich vor. (schlägt sie) Hast du das gespürt? Nun, das nächste
Mal wird dein Hinterteil nackt sein und dann wirst du es wirklich spüren!
54. Deine Großmutter Eve war geisteskrank.
55. Deine Mutter Shula ist geisteskrank,
eine Unzahl von Leuten kann das bestätigen. Dein Vater Aaron war geisteskrank!
Wenn Gott nicht gewesen wäre, wäre er schon viel früher
von einem Felsen gesprungen!
64. Nun strenge dich an und höre
damit auf und benimm dich und lasse den Teufel nicht mehr ein! ... Und
wenn sie eine Rute verwenden müssen, um ihn aus dir auszutreiben,
schön, sie haben meine Erlaubnis! (Sara: Ja, Sir, ich werde es tun!)
Wenn ihr sie schlagen müßt, um sie aufzuwecken und ihr diesen
Geist auszutreiben, dann schlagt sie! Schlagt sie gut! Schlagt sie herum!
Gebt es ihr!
71. Willst du, daß Gott dich töten
muß, um dich zu retten und um deine Nutzlosigkeit vor Gott zu beenden?
72. Mene, hör mir zu! Ich würde
dich lieber tot sehen als in den Händen des Teufels! Aber ich werde
dich nicht töten! Das gab es nur unter dem alten Gesetzt! Die Eltern
konnten mit den anderen Bewohnern eines Dorfes zusammenkommen und ein dämonenbesessenes
Kind zu Tode steinigen! Unter den jetzt geltenden Gesetzen kann ich das
nicht tun. Auch wenn du so schlecht bist, daß ich es tun möchte!
81. Glaubst du, du könntest draußen
irgendwie durchkommen? Die einzige Möglichkeit für dich, dich
durchzubringen, ist als Hure, das ist alles!
9o. Du bist schmutzig, du bist unrein,
du stinkst! Deine Selbstgerechtigkeit stinkt am meisten, wie stinkende,
schmutzige Menstruations-lappen! Das sagt Gott! (Isa. 64:6) Deine Selbstgerechtigkeit
ist wie ein Menstruations-lappen. Willst du so stinken? (Mene: nein) So
stinkst du vor Gottes Angesicht, so stinkst du nach Ansicht aller hier
und nach meiner Ansicht, für das, was du getan hast! Und wir wollen
den Gestank nicht länger ertragen, ist das klar?
91. Wir können dich nicht einfach
allein hinauswerfen, du bist nicht alt genug, du bist minderjährig,
du mußt einen Elternteil bei dir haben.
93. Es kommt ein Punkt, an dem es keine
Wiederkehr gibt, wo es Gott krank macht und er es satt hat und fertig ist
mit die, wo du für ihn oder seine Family nichts mehr wert bist und
er dich berechtigterweise töten kann, wenn er es will, damit du kein
Stolperstein für andere wirst!
17o. Ich vertrete Gott dir gegenüber
und er ist zornig, er ist zornig auf dich! Er hat dir hier fast den Kopf
abgerissen! Das war Gott!
183. Wir können dich nicht töten,
das ist die Aufgabe Gottes. Wir werden dich loswerden müssen.
189. Ich schlage vor, daß ihr sie
am Bett festbindet!
19o. Laßt sie vorher noch auf die
Toilette gehen. Ich mache mir auch nichts draus, wenn sie das Bett naß
macht.
194. Wenn das Schlagen nicht die Hölle
aus dir hinausbringt, dann wirst du die Hölle bekommen außerhalb
von hier!
198. Ich hätte dir gerne noch mehr
gegeben mit diesem Stock!
213. Wir werden ja sehen, meine Liebe,
ob du wirklich bereust oder nicht. Eine Nacht im Bett angebunden kann helfen,
dich zu heilen.
215. Du könntest im Bett ausgepeitscht
und mit dem Rohrstock geschlagen werden!
243. (zu Mene:) Lobet den Herrn, wird
das Wunderkind wieder reuig zurückkehren? (Mene: Ja, Sir!) Ich liebe
dich, mein Schatz. Ich denke, daß in deinem Leben dich noch nie jemand
so geliebt hat wie ich und du willst diese Liebe doch nicht verlieren,
nicht wahr? (Mene: Nein, Sir!) Glaubst du das? (Mene: Ja, Sir!) Ich liebe
dich!"(BERG 1987)
Richter Ward schreibt dazu:
"Ich betrachte das als bösartige
Behandlung eines schutzlosen Kindes. Zu sagen: "Ich liebe dich, Sweetheart",
macht das ihr Angetane nicht wieder gut. Sie wurde körperlich mißhandelt
und sie wurde emotional mißhandelt. Sie wurde in Angst versetzt;
sie wurde gedemütigt; ihr Selbstwertgefühl wurde herabgesetzt.
Maria und Peter standen dabei und sahen zu, wie das geschah und fanden
es für richtig. Sie zeigten wenig mehr Gefühl und Einsicht als
ihr zeitweise geistesgestörter Führer. Ich kann nicht akzeptieren,
daß das in irgendeiner Weise eine Behandlung für die emotionalen
Probleme war, unter denen das Kind zweifellos litt."(Urteil 1995, S.137)
Dann beschreibt er ihren weiteren Leidensweg
in das Straflager in Macao, wo sie letztlich zusammenbrach und endlich
in eine richtige Behandlung geschickt wurde.
Ein Kinderpsychiater hat ihm eine Beurteilung
des Falles gegeben, der er zustimme: Merry erfuhr eine völlig unakzeptable
Behandlung.
"Es handelte sich um ein Kind, das in
einen Konflikt geraten war zwischen dem, was sie sah und was mit ihr geschah,
von dem sie wußte, daß es falsch war, das man sie aber gelehrt
hatte, als richtig anzusehen. Enttäuscht und deprimiert zweifelte
sie. Wenn, wie es bei Merry Berg geschah, ein wichtiger Grund für
einen mentalen oder nervlichen Zusammenbruch das Gefühl ist, daß
man zu wenig Glauben oder Vertrauen hat und die beschriebene Behandlung
einem einhämmern soll, was für ein wertloser Sünder man
sei, dann verstärkt diese Behandlung die Selbstzweifel und die Behandlung
selbst wirkt zerstörerisch und psychologisch schädigend."(Urteil
1995, S.137)
Dann zitiert Richter Ward aus der Zeugenaussage
von Merry Berg, die er mitgeschrieben hatte:
"Ich versetzte sie in Bestürzung,
als ich 13 oder 14 war, denn ich begann zu bemerken, daß Großvater
ein Heuchler war, der Regeln für andere aufstellte, die aber für
ihn nicht galten. Er schrieb einen Tag dies und am nächsten Tag das
Gegenteil, weil Gott seine Meinung geändert hatte. Er war sehr widersprüchlich.
Er war ein chronischer Alkoholiker. Es war sehr verwirrend. Wenn er krank
war, trank er und rief verschiedene Frauen in sein Zimmer für sexuelle
Beziehungen oder sexuellen Trost. Es war sehr schwer, diesen Mann zu respektieren,
wenn er so betrunken war. Ich blicke jetzt auf seine Schriften zurück
als auf die Raserei eines betrunkenen Verrückten. Noch etwas hat mich
beunruhigt, als ich 14 war - ich begann meinen Glauben an die Gruppe und
an den Propheten zu verlieren - an alle Dinge, an die ich geglaubt hatte.
Ich sah wilde Bilder und Visionen und sie sagten, das zeige, daß
ich auf den Satan höre. Sie sagten, Satan und Dämonen greifen
mich an. Ich weiß nicht, ob es meine Einbildung war, aber ich sah
Dämonen. Ich sprang erschrocken aus dem Bett, weil ich dachte, die
Dämonen würden mich sexuell angreifen. Ich versuchte mich zu
verstecken. Ich vertraute mich Sarah an, meinem Stiefvater, Faithy und
anderen, denn ich hatte Angst vor dem Satan und wollte es für Gott
richtig machen und brauchte die Anerkennung der Gruppe. Sie schlugen mich.
Später riefen sie die Führerschaft zusammen, zogen mir die Hosen
hinunter und schlugen mich öffentlich, was für mich erniedrigend
war, denn diese Leute waren mir wichtig. Sechs Monate später, als
sie es meinem Großvater sagten, befahl er ihnen, mich mit seiner
Rute zu schlagen, wann immer ich gewalttätige Gedanken hatte oder
Monster sah ... Sie schlugen mich viele Male, schlugen meinen Kopf gegen
die Wand und schlugen mir blaue Flecken. Ich war hilflos und wußte
nichts anderes. Mein Stiefvater schlug mich mit der Hand. Ich empfand das
alles als Folter und einmal wurde mir schlecht und ich erbrach. Sie sagten,
ich hätte die Dämonen erbrochen. Der Exorzismus machte mir Angst."(Urteil
1995, S.138)
In dem Brief "Traumatic Testimonies" wird
der Zustand von Merry Berg so beschrieben:
"Sie ist tatsächlich bei schwachem
Verstand, wie Großpapa sagte. Sie kann sich schwer konzentrieren
und es fällt ihr schwer, ihren Worten Sinn zu geben und oft kann sie
einen Satz, den sie begonnen hat, nicht zu Ende bringen. ... Welch ein
Unterschied zu dem klugen, scharfsinnigen und intelligenten Mädchen,
das sie früher war. Sie versteht jetzt beim ersten oder zweiten Mal
nicht richtig, - manchmal auch beim dritten Mal - Es ist sehr traurig!
Sie ist nicht scharfsinnig, sie ist sehr dumpf und hat ihren Witz verloren.
Bei den Unterrichtsstunden ist sie oft abwesend, es ist für sie sehr
schwer, sich zu konzentrieren. ... Sie hat einige seltsame Gewohnheiten
entwickelt, z.B. wenn ihr negative Gedanken kommen durch den Feind, beginnt
sie, sich Haare auszureißen, das geht so weit, daß sie bereits
kahle Stellen hat! Sie kratzt sich die Lippen mit den Fingernägeln
auf verrückt-nervöse Art auf und ein anderesmal beginnt sie,
sich unkontrolliert zu kratzen, fast wie ein Affe. Sie hat oft dunkle Ringe
unter den Augen aus Sorge. Die vielen Sorgen verursachen ihr Magenprobleme,
was wieder zur Folge hat, daß sie einen sehr schlechten Atem hat.
Sie schläft nicht gut, ihr Schlaf ist oft unterbrochen, weil sie sich
nicht entspannen kann ... Wie ihr also aus diesem Bericht ersehen könnt,
hat Merry Berg immer noch sehr ernste Probleme und in den Augen des Systems
würde sie als geisteskrank angesehen werden und würde zweifellos
in einer Irrenanstalt eingesperrt werden. Danket Gott für die Liebe
und Gnade und Großpapa, der ihr erlaubt hat, in einem der Homes unserer
Family zu bleiben, wo sie an Gottes Geist teilnehmen kann, der sie langsam
reinigt von diesen Übergriffen des Feindes, die sie sich selbst zuzuschreiben
hat."(Urteil 1995, S.139)
Dann folgt die Zeugenaussage eines Mitgliedes
der "Kinder Gottes", die Merry Berg in der fraglichen Zeit "betreut" hat:
"Nachdem wir uns 3½ Jahre um die
besagte Merry Berg angenommen hatten, wurde ihr Zustand, statt sich zu
bessern und zu normalisieren, wie wir gehofft hatten, leider schlechter
und sie geriet in einen traurigen Zustand von Hysterie und Raserei, der
so weit ging, daß sie zu den Mahlzeiten mit dem Löffel gefüttert
werden mußte - was nur dazu führte, daß sie absichtlich
die Nahrung wieder erbrach, nachdem wir stundenlang mit ihr gekämpft
hatten, um ihr beim Essen zu helfen. Sie begann die Kontrolle über
Blase und Darm zu verlieren und wurde inkontinent. Sie riß sich die
Haare büschelweise aus, sie lagen überall herum, auf Tischen
etc. und sie entkleidete sich oft in der Öffentlichkeit. Sie begann,
im Haus herumzurennen und drohte, mich und meinen Mann zu verletzen, wenn
wir sie nicht irgendwie unter Kontrolle hielten, sie warf Kleidungsstücke
aus dem Fenster und schrie aus vollstem Hals Unanständigkeiten. Dieses
extreme Bild von Geisteskrankheit kostete uns Stunden und Stunden unserer
Zeit, um sie zu betreuen, sodaß wir uns schließlich entschließen
mußten, sie dem Macao Government Centro Mental Hospital zu übergeben.
Das war ungefähr im September oder Oktober 199o."(Urteil 1995, S.140/141)
Die nun folgende Zeugenaussage von Bergs
Enkelin Merry aus dem Archiv von Frau Nußbaum liegt mir im englischen
Original und in Übersetzung vor. Sie wird ebenfalls in mehreren Publikationen
zitiert, auch im englischen Gerichtsurteil.
"Als ich 11 war, macht mich Großvater
Berg zu seiner Geliebten ... er band mich am Bett fest."
Ich wurde in der Nähe von Dallas
in Texas am 5. Juni 1972 geboren. Ich wurde in den Kindern Gottes aufgezogen
und verließ sie im Alter von 19 Jahren. Ich konnte die COG verlassen,
weil sie mich in ein Spital für Geisteskranke gebracht hatten und
ihre Aufmerksamkeit von mir abwendeten. Rückblickend erkenne ich,
daß ihre Art, mich als Geisteskranke zu behandeln, letztlich dazu
führte, daß ich normal wurde.
Mein Vater war Paul (Aaron) Berg, der
Sohn von David Berg, dem Gründer der COG. Als ich neun Monate alt
war, beging mein Vater in Genf in der Schweiz Selbstmord, deshalb habe
ich keine Erinnerung an meinen Vater. Meine Mutter erzählte mir oft
von meinem Vater und ließ mich Tonbänder hören, auf denen
er sang und zeigte mir Bilder von ihm.
Der offizielle Name meiner Mutter ist
Judy Arlene Helmstetler, aber in den COG wurde sie Shula genannt. Ich trennte
mich von meiner Mutter, als ich noch in den COG war und hatte mit ihr seither
keinen Kontakt.
Drei Monate nachdem ich geboren wurde,
reiste meine Familie mit dem Auto von Texas nach New York und dann nach
England. Seit ich neun Jahre alt war reisten wir durch ganz Europa. Ich
habe gute Erinnerungen von den COG aus dieser Zeit.
In den COG wurde ich Mene genannt. Mein
Name ist Merry Berg, aber eines Tages, als ich in den Kindern Gottes war,
wurde mein Familienname in Irwin geändert, denn meine Mutter und ich
lebten damals mit Andy Irwin, ihrem neuen Ehepartner. In Italien verteilten
wir Schriften, die von MO geschrieben wurden, während ich auf Irwins
Schultern saß.
Ich lebte lange Zeit bei meiner Mutter,
aber eines Tages wurde ich gewaltsam von ihr getrennt. Meine Mutter und
Jane Berg (meine Großmutter), die erste Frau von David Berg, waren
in Streit über irgendetwas geraten und meine Großmutter trennte
mich von meiner Mutter.
Meine Großmutter reiste immer mit
verschiedenen Assistenten. Eines Tages kam einer ihrer Assistenten zu mir
und sagte, meine Großmutter reise ab und möchte mir Lebewohl
sagen. Meine Großmutter wartete in einem Auto draußen, meine
Mutter war zu dieser Zeit nicht da. Mein Stiefvater war zu Hause, aber
einige der Assistenten meiner Großmutter beschäftigten ihn,
sodaß er nichts bemerkte.
Ohne zu verstehen, was geschah, ging ich
zu meiner Großmutter. Sie lud mich ein, in den Wagen einzusteigen.
Als ich im Wagen war, schlug sie vor, wir sollten gemeinsam einen Ausflug
machen. Weil ich meine Großmutter sehr gern hatte, sagte ich OK.
Das war eine sehr hinterlistige Form von
Kidnapping, denn ich wurde von meiner Mutter und von meinem Stiefvater
getrennt. Von dort fuhren wir nach Libyen, Tunesien und Malta.
In Libyen traf ich ganz zwanglos mit Colonel
Ghadafi zusammen. Wie David Berg haßte er die Juden.
Ich wurde einer Singgruppe der COG zugeteilt.
In Malta sang unsere Gruppe im Hilton Hotel - keine Lieder über Jesus,
wie wir sie in den COG gewohnt waren, zu singen, sondern z.B. über
die Liebesgeschichten von Rußlands Nikolaus und Alexandra.
Eines Tages, bevor ich auf die Hotelbühne
ging, ging ich mit einem Jungen gleichen Alters durch die Halle, als plötzlich
eine Frau erschien und sagte: "Erinnerst du dich noch an mich? Ich bin
deine Mutter" und sie umarmte mich. Ich sagte nein, ich erinnere mich nicht.
Sie hatte einen Jungen bei sich, der etwa zwei Jahre jünger war als
ich, und sagte: "Das ist dein jüngerer Bruder".
Nachdem wir uns etwa eine halbe Stunde
umarmt hatten, begann ich zu begreifen, daß sie tatsächlich
meine Mutter war. Zu dieser Zeit hatte ich sie seit mehr als 1½
Jahren nicht mehr gesehen. Aber wahrscheinlich hatte ich in meinem Herzen
die ganze Zeit an sie gedacht.
Meine Mutter blieb im Hilton Hotel, wo
wir sangen und versuchte, mich zurückzubekommen. Während ich
im Zimmer meiner Mutter war, begann jemand heftig an der Tür zu klopfen.
Es war Stefan, einer der Assistenten meiner Großmutter. Meine Mutter
schob alle Möbel, die im Raum waren, vor die Türe, damit er sie
nicht öffnen könne.
Zwei Tage später brachte mich meine
Mutter zum Flugplatz mit einem wohlhabenden Italiener, den sie gefischt
hatte. Während sie die Flugkarten kaufte, tauchten Stefan und meine
Großmutter auf und meine beiden Arme wurden zu Seilen in einem Ziehkampf
zwischen meiner Mutter und Stefan. Ich fühlte mich neutral und ließ
mich ziehen, ohne eine klare Bevorzugung einer Seite auszudrücken.
Denn ich dachte, wenn ich versuchte, mit meiner Mutter zu gehen, würde
ich später, wenn ich meiner Großmutter zurückgegeben würde,
große Schwierigkeiten mit ihr haben.
Meine Mutter begann mit lauter Stimme
zu schreien. Die Flughafenpolizei kam und brachte uns alle in einen getrennten
Raum. Dort schien sich die Situation zu beruhigen, wenigstens oberflächlich.
Am Ende wurde ich meiner Mutter zurückgegeben.
Meine Mutter fragte mich dann: "Wurdest du von deiner Großmutter
gehirngewaschen?" Das war das erstemal, daß ich den Ausdruck "Gehirnwäsche"
hörte.
Gerade zu dieser Zeit, 1978, waren die
Kinder Gottes inmitten eines großen strukturellen Umbaus. Ich erlebte
die "Sharing Time" zum erstenmal, als ich in Frankreich war. Ich erinnere
mich, daß die Männer viele Kisten Bier in den Raum brachten.
Obwohl Kinder dabei waren, teilten sich die Erwachsenen in Paare und beschäftigten
sich mit Sex.
"Mein Stiefvater vergewaltigte mich, als
ich sieben war"
Da ich in den Kindern Gottes geboren und
aufgewachsen war und auch bereits von ihnen gehirngewaschen, fand ich das,
was um mich vorging nicht besonders seltsam.
Als ich sieben war, lebte ich mit meiner
Mutter, meinem Stiefvater und einer alleinstehenden Frau in einer kleinen
Kolonie. Meine Mutter wurde sehr eifersüchtig, als mein Stiefvater
eine Beziehung mit der anderen Frau begann. Und damals wurde ich auch zum
erstenmal von meinem Stiefvater sexuell mißbraucht.
Ich versuchte, Widerstand zu leisten,
halb im Spaß, aber ich hatte keine Wahl und mußte nachgeben.
Zu dieser Zeit fühlte ich mich seltsam, ich fühlte mich nur noch
schlecht.
Im Alter von sieben Jahren wußte
ich natürlich nicht, was Inzest ist. Und ich wurde in ein inzestöses
Verhältnis mit meinem um zwei Jahre jüngeren Bruder verwickelt.
Denn die COG ermutigen ein solches Verhalten besonders.
Im Alter von neun Jahren reiste ich mit
meinem Stiefvater und seiner Freundin durch Griechenland, Sri Lanka und
die Philippinen. Meine Mutter kam nicht mit uns, aber ich dachte nicht
im Traum daran, daß ich sie nie mehr sehen würde.
Während dieser Reisen wurde mein
Stiefvater zu einer "Einheit" geschickt, das ist ein geheimer Ort und wir
wurden getrennt. Von da an wurden Paul und Marian meine "Ersatzeltern".
Ich höre, daß Paul und Marian jetzt in Japan leben und dort
zu den obersten Führern gehören.
Ich war immerhin erst neun Jahre alt,
aber Paul lehrte mich, wie man einen Strip-tease vorführt und lehrte
mich viele aufreizende Dinge. Ich lernte auch, wie man Sex mit jedermann
durchführt. Paul sagte mir, das sei sehr wichtig.
Aber zu dieser Zeit verstand ich bereits,
daß, wenn die Leute außerhalb der COG wüßten, was
dort vorging, sie es wahrscheinlich nicht glauben könnten.
Als wir auf die Philippinen kamen, merkte
ich, daß wir der obersten Führerschaft der COG ziemlich nahe
waren, denn die Vorschriften wurden plötzlich strenger. Ich wurde
oft ermahnt, mein Haar hochzubinden, wenn ich fortging, damit ich nicht
wie ein Hippie aussehe.
Eines Tages wurde ich in das Heim des
Gründers der Gruppe eingeladen, zu MO (David Berg). Zu dieser Zeit
wurde nur eine beschränkte Zahl von Mitgliedern direkt zu meinem Großvater
vorgelassen, so war das die größte Ehre für mich. Ich fühlte
mich, wie wenn ich ins Paradies gehen sollte.
"Großvater Berg machte mich zu seiner
Geliebten"
Ich erhielt einen Telefonanruf von meinem
Großvater und wurde aufgefordert, in sein Zimmer zu gehen. Das war
am 17. Dezember 1983. Ich war 11 Jahre alt, ich werde das für den
Rest meines Lebens nicht vergessen. Als ich in das Zimmer meines Großvaters
kam, wurde ich den Kindern vorgestellt, die ihm seine Frau geboren hatte.
Mit seinem langen Bart sah mein Großvater ganz wie ein Prophet aus.
Nachdem er mich eine Weile umarmt hatte, zeigte er mir eine Uhr, die er
kürzlich gekauft hatte. Er verhielt sich sehr ruhig, jedoch das dauerte
nicht lange.
Mein Großvater machte alle seine
Geliebten zu Königinnen und steckte ihnen Ringe an die Finger. Er
steckte auch mir einen Ring an den Finger. Mit anderen Worten, er hoffte
auf sexuelle Beziehungen mit mir. Mein Großvater hatte Inzest mit
mir.
Ich war gerade erst 11 Jahre alt, aber
weil ich von den COG gehirngewaschen war, dachte ich, es sei eine gute
Sache, der Führerschaft zu gefallen. Ich wollte so nahe wie möglich
bei MO sein. Zu dieser Zeit hatte ich nicht die leistest Ahnung davon,
daß meines Großvaters Frau zu sein auch bedeutete, seine Gefangene
zu sein.
Aber als ich längere Zeit in seiner
Nähe verbrachte, zerbrach das Bild, das ich mir ursprünglich
von meinem Großvater gemacht hatte.
Gerade zu dieser Zeit hatte mein Großvater
detaillierte Berichte über das Buch, das Deborah geschrieben hatte,
entweder gelesen oder davon gehört. (Dieses Buch wurde 1984 geschrieben.)
Er war richtig verstört. In ihm herrschte völlige Leere, wie
wenn sein ganzer Körper mit Ketten umwunden wäre, die es ihm
unmöglich machten, sich zu bewegen. Und er sagte oft böse Dinge
über Deborah.
Ihn so zu sehen, erschütterte das
Bild, das ich von meinem Großvater in mir getragen hatte. Ich dachte,
er sei nicht normal.
Danach erschien mir mein Großvater
im Traum in großer Angst. Er schien schwach im Geist und depressiv
zu sein. Hinter der Szene war es Maria, die ihn manipulierte und seinen
Ruf als Prophet aufrechterhielt.
Moses war auch ein Alkoholiker. Obwohl
es eine strenge Regel gab, daß die Anhänger nur 4 Unzen Wein
pro Woche trinken durften, trank mein Großvater dauernd Sherry. Er
ließ nie ab von der Flasche.
Als ich das erkannte, begann ich mich
zu wundern. Warum trinkt er, um glücklich zu sein? Warum vertraut
er nicht auf Gott? Daß er sich auf den Alkohol verließ, zeigte,
daß er ein schwacher Mensch war.
Die Führer erklärten mir: "Moses
ist eine Ausnahme, er darf alles tun." Aber ich war mit dieser Erklärung
nicht zufrieden.
Auch sagte mein Großvater immer
zu den Anhängern der COG, daß sie nicht auf andere eifersüchtig
sein dürften, er aber war nicht nur auf seine Frauen eifersüchtig,
sondern auch auf andere Mitglieder.
So türmte sich eins aufs andere und
ich begann an meinem Großvater zu zweifeln. Das begann an meinem
Herzen zu nagen, bis ich nicht länger schweigen konnte. Ich begann
zu beichten.
Maria ermutigte immer die Anhänger,
zu beichten, was sie störte. Indem sie ihnen Beichten entlockte, war
sie in der Lage, die Loyalität einer Person zu den COG zu prüfen.
Das war nötig, um die Anhänger zu beherrschen.
Die Beichte geht so vor sich, daß
man seine Gedanken auf ein Band spricht. Zuerst beichtete ich nur einen
winzigen Teil meiner Gedanken. Zu dieser Zeit sagte sie nur sanft zu mir:
"Du mußt dir keine Sorgen machen" und schien mitfühlend, aber
als ich weiterhin meinen Gedanken Ausdruck gab, verschlechterte sich die
Lage nach und nach.
Eines Tages versammelten sich die Führer
um mich, legten ihre Hände auf meinen Körper und alle begannen
zu beten: "Du spielst mit dem Teufel! Du bist von Sinnen!"
Ein anderesmal entblößte ein
Mann namens Peter Amsterdam den unteren Teil meines Körpers und begann
mich mit einem Gürtel zu schlagen, während er die ganze Zeit
sagte, was für eine sündige Person ich sei. Und das tat er vor
allen anderen. Ich war zu dieser Zeit erst 14, aber ich hätte mich
nicht mehr erniedrigt gefühlt, wenn ich vor dem Präsidenten der
Vereinigten Statten geschlagen worden wäre.
Ich hatte Angst zu atmen. Ich hatte Angst
vor dem Teufel und ich hatte Angst vor Gott. Ich zitterte vor meinen Gedanken,
davor was ich tun könnte, vor den Menschen rings um mich, vor allem.
Als ich mit dem Gürtel geschlagen
wurde, rief ich aus: "Ich will alles für euch tun!" Einige Monate
versuchte ich verzweifelt, meine Gedanken zu ändern, meine Zweifel
abzuschütteln. Ich sagte mir, daß das Trinken meines Großvaters
in Ordnung sei. Aber diese monatelangen Bemühungen waren umsonst,
ich konnte mein Denken nicht ändern.
Und schließlich wurde ich "exorziert".
Es war wie eine Szene aus einem Film. Sie führten einen grandiosen
rituellen Exorzismus auf. Ich konnte mir nicht ausmalen, was passieren
würde. Verrückte Gedanken rasten durch meinen Kopf. Ich dachte,
daß ich wiederholt den Teufel angerufen hatte.
Zuerst wußte Moses nicht, daß
ich exorziert worden war. Aber als ich weiterhin wie gewöhnlich meine
verrückten Gedanken beichtete, kamen zwei Männer zu mir. Einer
davon war mein Stiefvater. Diese beiden Männer erfaßten jeder
einen Arm von mir und brachten mich zu dem Gebäude, wo Moses wartete.
Ich dachte, Moses würde mich umarmen,
aber er ergriff meinen Kopf mit beiden Händen und begann mich wild
zu schütteln, indem er rief: "Du mußt die Dämonen aus dir
vertreiben! Es ist der Wille Gottes!"
Ich dachte, das letzte Ende sei gekommen.
Ich mußte alle meine Zweifel vor meinem Großvater beichten.
Als ich das tat, begann er, böse Dinge über alle meine Verwandten
zu sagen.
"Dein Vater Aaron wurde geisteskrank,
bevor er starb." Früher hatte mein Großvater immer darauf bestanden,
daß der Tod meines Vaters Mord gewesen sei und nicht Selbstmord.
An diesem Abend hatte ich zum erstenmal gehört, daß mein Großvater
zugab, daß meines Vaters Tod Selbstmord gewesen sei.
Als ich dann gefragt wurde: "Willst du
so werden wie Linda" (Deborah), war ich so erschrocken, daß ich auf
der Stelle hätte sterben können.
Halbnackt ausgezogen und geschlagen
Dann ordnete mein Großvater an,
daß ich mit ausgebreiteten Armen an das Bett gebunden werden müsse
und erklärte, das sei der Wille Gottes. Er sagte, wenn das nicht geschehe,
würden die anderen Mitglieder in mir ein lebendes Nachtgespenst sehen.
Es wurde sogar gesagt, daß sie Angst hatten, ich würde mitten
in der Nacht aufstehen und jemand erwürgen. So banden sie mich mit
ausgebreiteten Armen an das Bett.
Trotz allem setzte ich am nächsten
Morgen meine Bekenntnisse fort. Sogar nach allem, was ich durchgemacht
hatte, wollte ich mich ändern. Das zeigt, wie sehr ich gehirngewaschen
war. Als ich beichtete, daß ich im Traum meinen Großvater mit
dem Fuß gestoßen hatte, wurde mir wieder der untere Teil des
Körpers entblößt und ich wurde wieder geschlagen. Ich hatte
niemals vorher solche Schmerzen erlitten. Am Nachmittag, als ich ein weiteres
Bekenntnis ablegte, wurde ich wieder geschlagen, nicht einmal oder zweimal,
sondern 2o oder 3o mal. Ich hatte große blaue Flecken überall
auf den Hüften und Schenkeln. Unter den Männern, die mich schlugen
war auch mein Stiefvater. Er tat es, um seine Loyalität zu den COG
zu beweisen.
Als ich dann noch eine Beichte begann,
erfaßten sie diesmal meinen Kopf und schlugen ihn mehrmals gegen
die Wand. Sie müssen sich vorstellen, daß dies alles im Zeitraum
eines Tages geschah. Mein ganzer Körper war zwei oder drei Wochen
schwarz und blau.
Ein bißchen später versuchte
mein Stiefvater, um seine Besorgnis mir gegenüber zu zeigen, mich
hinauszuführen. Aber nachdem ich die Stiegen hinaufgeklettert war,
brach ich oben zusammen.
Mein Stiefvater trug mich die Stiegen
wieder hinunter, doch unten begann ich plötzlich zu erbrechen. Ich
erbrach viele Male. Vor meinen Augen wurde alles weiß, es war, wie
wenn ich blind geworden wäre.
Eine Frau, die auch unter denen war, die
mich geschlagen hatten, rief: "Schau mich an! Schau mich an!" aber ich
schrie zurück: "Ich kann nichts sehen!" Ohne Mitgefühl sagte
sie: "Alles, was du erbrochen hast, sind Dämonen!"
Später errichteten die COG ein Straflager
in Macao zur Aufbewahrung rebellischer COG-Kinder, wo sie versuchen, das
Denken der Kinder auf die gleiche Weise zu verändern, wie sie es bei
mir versucht hatten. Ich wurde als Beispiel benützt.
Sechs Wochen nachher waren alle wieder
freundlich zu mir, aber als sie bemerkten, daß ich mich noch nicht
geändert hatte, entschlossen sie sich, mich nach Macao zu schicken.
Ich war bei meinem Großvater auf
den Philippinen dreieinhalb Jahre gewesen. Am Tag bevor ich nach Macao
fuhr, sagte mein Großvater zu mir: "Du bist ein kleiner Dämon,
du gibst nur vor, ein Mädchen zu sein."
Dabei schaute mich mein Großvater
an wie der Teufel selbst. Besonders seine Worte "du gibst nur vor" schmerzten
mich wirklich, ich hatte nie etwas vorgetäuscht; ich war nur ich selbst.
Am nächsten Tag wurde ich durch meinen
Stiefvater und meine Tante Faithy nach Macao gebracht. Mein Onkel Hosea
war bereits dort. Zuerst war mein Onkel freundlich, aber das dauerte nicht
lange.
Im Straflager in Macao, wo rebellische
COG-Teens festgehalten wurden, wurde ich der Gegenstand schwerer seelischer
Torturen. Zum Beispiel mußte ich jeden Tag einen Bericht über
mich selbst schreiben. Alle kritischen Gedanken gegenüber den COG,
die man hat, alle Zweifel, alle die vielen Fehler, die man bisher gemacht
hat, all das wird aufgeschrieben. Dann am nächsten Morgen würde
ich zu meinem Bericht befragt werden.
"Warum denkst du das?" werden sie mich
zu jedem kleinsten Detail befragen. All das geschah, um mein Denken zu
beherrschen (kontrollieren).
Sie waren krampfhaft darauf aus, mich
mit Angst zu erfüllen. Zunächst wollten sie mich mit Angst vor
der Führerschaft erfüllen und mit Angst vor dem schrecklichen
Gott, der hinter ihnen stand. Jedesmal, wenn ich in meinem Bericht Bekenntnisse
ablegte, war ich von Angst erfüllt, was mit mir am nächsten Tag
als Folge des Berichtes geschehen werde. Was ich am meisten fürchtete,
war, daß sie mich hinauswerfen würden.
Diese Angst hinterließ an mir ihre
Spuren. Ich hatte immer das Gefühl, etwas falsch zu machen. Ich war
im Begriff, wahnsinnig zu werden. Die dreieinhalb Jahre, die ich in diesem
Straflager verbrachte, hatte ich nie Appetit. Ich magerte mehr und mehr
ab.
Es gab dort Teenager im Alter von 12 bis
17 Jahren im Lager.
Eines Tages verlangte ein Junge mit Namen
Ben seinen Paß, damit er in die USA zurückkehren könne.
Natürlich lehnten die Führer das ab. Er beharrte darauf, verlangte
den Paß immer wieder, schließlich schikanierten sie ihn so,
bis er sagte, daß er jetzt nicht mehr fortgehen wolle. Statt dessen
sprang Ben im Alter von 18 Jahren von einem Gebäude in den Tod.
Nach drei Jahren in dem Straflager wurde
ich schließlich wirklich verrückt. Etwas schnappte ein. Ich
konnte 13 Nächte nacheinander nicht schlafen, bekam hohes Fieber und
konnte vom Bett nicht aufstehen. Ich war bereit zu sterben. Dann gaben
sie mir eine Art Medizin. Als ich sie eingenommen hatte, drehte ich völlig
durch. Sogar im Schlafen, während mein Geist schlief, stand mein Körper
aufrecht und redete.
"Du bist die Gesündeste in dem ganzen
Haufen"
Nach einer Weile beschlossen sie plötzlich,
mich in ein Spital zu bringen. Sogar als sie meinen Puls fühlen wollten
im Spital, konnte ich nicht ruhig auf dem Sessel sitzen bleiben, ich rutschte
immer hinunter. Ich war total kindisch.
Der Arzt ordnete an, daß ich sofort
mit dem Rettungswagen in ein anderes Spital gebracht werde. Im Ambulanzwagen
dachte ich, ich sollte in ein Gefängnis gebracht werden. Als wir in
dem anderen Spital ankamen, schrie ich "Kindesmißbrauch!" Wahrscheinlich
war der nächste Ort, an den ich kam, ein Spital für Geisteskranke.
Im Spital wurden mir verschiedene Substanzen
injiziert und ich wurde gezwungen, starke Medikamente einzunehmen. Aber
nach sechs Wochen Behandlung kam ich endlich wieder zur Besinnung.
Es scheint, daß während dieser
Zeit die COG beschlossen hatten, mich zu Jane, meiner Großmutter,
in die USA zu schicken. Sie entschlossen sich dazu wahrscheinlich, weil
ich damals unten durch war und keine Bedrohung für die COG mehr darstellte.
Zu dieser Zeit war meine Großmutter bereits vom Gemeinschaftsleben
der COG ausgeschlossen. Die COG trugen meiner Großmutter auf, mich
nicht in die Nähe von Deborah zu lassen, sondern mich in ein amerikanisches
Spital für Geisteskranke zu stecken und mich nicht in die Kirche mitzunehmen.
Als ich das Spital in Macao verließ,
sagte einer der Therapeuten zu mir: "Dein Onkel und all die Leute um ihn
herum sind verrückt. Du bist die Gesündeste von dem ganzen Haufen."
Seit dieser Zeit glauben die COG, daß
ich wahnsinnig sei; sie können sich wahrscheinlich nicht vorstellen,
daß ich wieder so gesund bin und die inneren Vorgänge in den
COG derart enthüllen kann. Natürlich brauchte ich einige Zeit,
um zur Erkenntnis zu kommen, daß die Kinder Gottes völlig falsch
handeln.
Jetzt noch wird in den COG mein Name als
Beispiel genannt, um die Anhänger zu schrecken: wenn sie gegen die
COG rebellieren, werden sie enden wie Merry.
Ich würde denen, die noch drinnen
sind, gern sagen, daß sie nichts zu befürchten haben. Glaubt
nicht die Lügen, daß ihr sterben müßt außerhalb
der COG oder daß ihr wahnsinnig werdet. Wenn ihr irgendeine Möglichkeit
habt, von dort zu entkommen, dann geht zur Gesandtschaft oder zu einem
Konsulat eures Landes; sie werden versuchen, euch zu helfen, auch ohne
Paß. Hier ist nichts zu befürchten."(HIROOKA 1992)
Richter Ward schließt den Bericht
über den Fall Merry Berg mit den Worten:
"Ich habe mich vielleicht ungewöhnlich
lange mit Merry Berg befaßt. Ich tue dies wegen der zentralen Rolle,
die sie nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart der
Family spielt. Denn wenn die Family sich die Achtung erwerben will, die
sie jetzt anscheinend sucht, dann muß sie anerkennen, daß das,
was David Berg seiner Enkeltochter angetan hat, falsch war, nicht einfach
ein Fehler, sondern unentschuldbar falsch. Sie müssen Sühne leisten
für diese Behandlung, die ich barbarisch und grausam finde."(Urteil
1995, S.141)
Die Erlebnisse der Merry Berg sind schockierend.
In brutaler Weise wird ein Kind körperlich und seelisch mißhandelt.
Sie wird in den Wahnsinn getrieben und niemand von den Verantwortlichen
will dies als Unrecht erkennen. Ihr eigener Großvater hätte
sie getötet, gäbe es nicht Gesetze, die ihm dies verboten hätten.
Die Leidengeschichte der Merry Berg ist
ein Beweis dafür, was Menschen in totalitären Gruppen einander
antun können: gefühlloses Ausführen von Befehlen an einem
Kind, dessen seelische Zerissenheit niemanden kümmert.
Ich habe die heute erwachsene Merry Berg,
die bei ihrer Tante Deborah in den USA lebt, ein paar Sekunden in einem
Video gesehen; sie hat nicht das lebhafte, heiter-unbekümmerte hübsche
Gesicht einer jungen Frau, die voller Erwartung und Neugierde ins Leben
schaut. Ihr Gesichtsausdruck ist sorgenvoll, schwer, mit langsamer Mimik
und fragenden Augen, während sie leise spricht.
Mit 11 Jahren hat sie Dinge erlebt, die
den Rest ihres Lebens prägen werden. Oder anders ausgedrückt:
ihre seelische Gesungheit und ihr Leben wurde von einem besoffenen und
verrückten alten Mann zerstört!
Und die Mittäter dürfen laut
richterlichem Urteil weiterhin Führer der "Kinder Gottes" sein. Ihnen
geschieht nichts!
Auch die folgende Zeugenaussage liegt mir
in deutscher Übersetzung aus dem Archiv von Frau Nußbaum vor,
jedoch sind hier einige Namen und Ortsnamen ausgelassen. Sie wird ebenfalls
im englischen Gerichtsurteil auszugsweise zitiert.
"Mai 1992
Mein Name ist Debby. Dieses ist mein persönliches
Zeugnis über meine Erfahrungen mit den "Kindern Gottes". (COG).
Als ich drei Jahre alt war sind meine
Eltern diesem Kult beigetreten und das war für mich der Beginn eines
langen Nachtmar. Ich will nur über das aussagen, soweit ich mich in
meiner Kindheit zurückerinnern kann, obwohl ich von meinem dritten
Lebensjahr an mißbraucht und mißhandelt wurde, dafür aber
keine konkreten Daten angeben kann.
Ich erinnere mich, daß ich 5 Jahre
alt war, als in unserem Haus viele einzelne Personen in unserem Wohnzimmer
in Schlafsäcken übernachteten. Dieses war die Zeit, als Mose
David anfing, sein Sexmaterial zu verbreiten, mit vielen unanständigen
Bildern.
Als ich acht Jahre alt war gingen wir
nach ---, dort besuchte ich zum erstenmal eine Schule. Ich war dort sehr
unglücklich, der Lehrer behandelte mich sehr hart. Ich durfte meine
Eltern nur am Wochenende sehen. Ich erinnere mich, daß ich mehrmals
Schläge mit dem Metallhandgriff einer Fliegenklatsche bekommen habe
durch einen Mann, den ich garnicht kannte. Er wiederholte zu sagen: "Ich
werde dich schlagen, bis du aufhörst zu schreien!"
Sechs Monate später gingen wir zurück
nach --- und meine Eltern brachten ein Gruppenmitglied zu uns, welcher
mein Kinderpfleger wurde. Dieser Mann mißbrauchte mich sexuell und
tat es gnadenlos weiter bis zu meinem 13. Lebensjahr. Er betrank sich und
kam nachts in mein Zimmer, er tat alles ihm mögliche mit mir. Er versuchte
mich bei mehreren Gelegenheiten zu vergewaltigen und in mich einzudringen.
Er bot mir harte Getränke wie Whisky und Rum an, die mich krank machten.
Er schlug mich bei mehreren Gelegenheiten. Ich kann mich erinnern, daß
ich krank im Bett war und mit einer Schwester einen Streit hatte. Er kam
in den Raum und schlug mich deswegen. Im Laufe der Tage belästigte
er mich ständig. Er versuchte seine Finger in mich zu stecken und
rieb meine Brüste. Erst mit 13 Jahren hatte ich den Mut, meinen Eltern
zu berichten, was passiert - am nächsten Tag wurde er hinausgeworfen.
In der Zeit, als ich mißbraucht
wurde, litt ich sehr darunter, Zeuge zu sein, wenn meine Eltern mit anderen
Personen ins Bett gingen. Dieses taten sie, um den Lehren Mose Davids zu
folgen. Es brachte meinen Vater zum Trinken und zur Eifersucht. Ich kann
mich erinnern, daß ich nachts erschrocken durch Kreischen und Schreie
aufwachte. Am nächsten Morgen erfuhr ich, daß mein Vater sich
eine Pistole an den Kopf gesetzt hatte, um sich zu töten, aber meiner
Mutter gelang es, ihn davon abzuhalten - (das waren meine christlichen
Eltern, die vorgaben, Gott zu dienen.
Im Alter von 15 Jahren begann für
mich eine andere Periode des Mißbrauchs. Ich wurde nach Mexiko geschickt,
um mit den Leitern der Organisation zu leben. Diese Leute waren die Leiter
über Mexiko. Der älteste Sohn von 12 Jahren hatte eine langanhaltende
Beziehung zu ihrer 33 jährigen Sekretärin, ihre 1o jährige
Tochter hatte eine Affaire mit dem 38 jährigen Ehemann der Sekretärin,
die Mutter hatte Affairen mit mehreren Burschen. Der Ehemann rief mich
in sein Zimmer und fragte mich, ob ich seine Geliebte werden will. Ich
habe es abgelehnt und, Gott sei Dank, hat er mich nie verfolgt.
Ich wurde nach Mexiko in ein Mitglieder-Trainingszentrum
geschickt. --- Bruder war dort beschäftigt und veranlaßte mich,
nachdem er mich öffentlich gedemütigt und angeschrieen hatte,
mit ihm ins Bett zu gehen. Später hatte ich mit seiner "rechten Hand"
ins Bett zu gehen, als Belohnung für seine gute Arbeit.
Fünf Monate später kam ich zu
meinen Eltern zurück, total bestürzt, verwirrt und verzweifelt
nach allem, was ich erlebt und gesehen hatte. Zügellose Sexpartys,
gerade jeder hatte Sex mit jedem.
Das Schlimmste kam jetzt. Als ich 18 Jahre
alt war, hatte ich noch nicht so viele sexuelle Erfahrungen wie meine Teenagerfreunde.
Zu dieser Zeit lebte ich in --- (Süd Indien). Ein Mann namens S. unterrichtete
mich bis spät in die Nacht. Am nächsten Morgen hatte ich früh
aufzustehen und Musikkassetten, den ganzen Tag über, in den Straßen
zu verkaufen. Ich arbeitete wie ein Hund während des Tages, dann hatte
ich Lektionen zu hören, durch welche ich gehirngewaschen und erniedrigt
wurde, dann wurde ich veranlaßt, mit dem Mann zu schlafen, was mich
total ekelte. Dann kam der nächste Leiter an und ich hatte mit ihm
zu schlafen, dann der nächste und so weiter und so fort. Ich fand
im reifen Alter von 19 Jahren heraus, daß ich schwanger war.
Zwei Monate später kehrte unsere
Familie zurück nach London. Dort wurde ich wieder mit den alten Dingen
konfrontiert, aber ich wehrte mich dagegen, denn ich war schwanger, es
hatte mich elend gemacht, von Männern nur als ein Objekt benutzt zu
werden, an dem sie sich befriedigen konnten.
Die "Kinder Gottes" sind ein perverser,
teuflischer und manipulierender Kult, der nicht nur mein Leben ruiniert
hat, sondern auch das tausender unschuldiger Kinder und Teenager sexuell,
mental und emotional.
Ich habe tatsächlich gesehen, wie
3 bis 5 jährige Kinder sexuell mißbraucht wurden. - Ich war
im selben Bett mit einem Mann, der ein 14 jähriges Mädchen vergewaltigte,
die erschreckt in seinen Händen war. Ich kann nicht wiederholen, wieviele
schreckliche Dinge ich gesehen habe.
Was mir in Erinnerung kommt, ist das von
meiner besten Freundin - ihre Stiefmutter hatte zwei Ehemänner. Einer
war --- Vater, der andere ein Homosexueller. Im Alter von 12 Jahren wurde
meine Freundin ständig von mehreren Männern mißbraucht.
Sie wurde von ihrem Vater geschlagen und sie zeigte mir die blauen Flecke
an den Beinen und am Gesäß.
Ich wiederhole, Krabbelkinder wurden ermutigt,
Liebe miteinander zu machen. In einer Situation war ein Paar von drei Jahren
nackt in einem Raum und versuchte, Liebe miteinander zu machen. Die Erwachsenen
beobachteten sie. Ich sah ein vierjähriges Kind übersät
mit blauen Flecken, der Stiefvater hatte es mit einer Plastikfliegenklatsche
geschlagen.
Mein eigener Sohn wurde im Alter von 1o
Monaten von einem Leiter geschlagen, der sagte: "Ich höre nicht auf
dich zu schlagen, bis du aufhörst zu schreien!" Dieses dauerte 15-2o
Minuten. Ich sah hilflos zu und konnte nichts tun, um meinen Sohn zu retten.
In diesem Kult arbeiten die Menschen bis
auf die Knochen. Kinder müssen bis spät in die Nacht arbeiten
und erhalten Schläge, wenn sie murren oder den Job nicht wunschgemäß
erfüllen. Die Kinder werden nicht in die Schule geschickt und sie
werden nicht geimpft, weil "Gott sie schützt". Sie manipulieren die
Kinder so, daß sie keine eigene Meinung haben, sie sind wie Roboter,
die gelehrt wurden, in einer bestimmten Art zu sprechen und zu handeln.
Ich erinnere mich, daß ich vor einer
Videokamera tanzte, als Geburtstagsgeschenk für Mose David. Es wurde
uns aufgetragen, vor der Kamera zu strippen und zu masturbieren, während
der Mann filmte. Meine Schwestern und meine Mutter hatten das Gleiche zu
tun, zusammen mit Teenagern von 11 Jahren aufwärts.
Da sind viele Teenager, die mißbraucht,
geschlagen, grausam mißhandelt und gefangengehalten werden in diesem
Kult, unfähig, für sich selber zu sprechen. Diese Kinder wissen
nicht einmal, was Recht und Unrecht ist. Sie wurden so gehirngewaschen,
daß sie glauben, der Staat sei teuflisch, die Polizei sei teuflisch
und alles was Mose David in seiner Lehre ablehnt, sei vom Teufel. Sie wurden
so betrogen, daß sie bereit wären, für ihren Glauben zu
sterben.
Wer wird die Stimme erheben und sie aus
den Klauen dieses teuflischen und perversen Kults befreien?
Ich habe diese Horrorprüfungen überlebt,
um meine Erfahrungen weiterzugeben, aber ich leide noch immer an den Folgen.
Ich bin jetzt eine ledige Mutter mit zwei Kindern von drei und einem Jahr.
Meine sexuelle Identität ist zerstört, ich leide öfters
an Depressionen und Gedankenverwirrungen. Nach meinem Zusammenbruch wurde
ich von einer Krankenschwester betreut, ich nehme Medikamente gegen Panikattacken.
Ja, ich habe überlebt, aber nur gerade. Werden diese anderen Kinder
auch überleben? Ich bedauere tief, daß dieser Kult 2o Jahre
meines Lebens genommen hat und noch existiert, um das Leben zahlloser Männer,
Frauen und Kinder mental, physisch und emotional zu zerstören.
Ich bin bereit, meine Stimme zu erheben
und für diese Kinder zu kämpfen.
Ich wollte, es hätte jemand für
mich getan!"(HIROOKA 1992)
Am 25.1o.94 strahlte SAT 1 im Spiegel TV
eine außergewöhnliche Dokumentation aus. In seinem Buch "Sektenkinder"
berichtet K.H. Eimuth darüber.
Die Mutter von Debby, Frau Padilla, trat
vor 18 Jahren zusammen mit ihrem Ehemann und den beiden Töchtern in
eine Gemeinschaft ein, die sie für urchristlich hielt. Aufgrund des
Verbotes von Verhütungsmitteln gebar sie noch 5 weitere Kinder. Dieses
Verbot war nur eines von vielen, die streng befolgt wurden.
"Tochter Miriam erinnert sich: "Alles,
was wir taten, wurde kontrolliert, weil Großvater es in seinen Schriften
so bestimmt hatte. Alles, was er befahl, wurde befolgt; wie man z.B. seinen
Hintern abwischen sollte. Drei Abschnitte Toilettenpapier und kein bißchen
mehr, weil es eine Verschwendung von Gottes Geld gewesen wäre."(EIMUTH
1996, S.37)
Frau Padilla erzählt, daß sie
den Anweisungen zur Prostitution gefolgt sei; oft widerwillig, aber im
festen Glauben, daß es ihre Pflicht sei.
"Tochter Debby erinnert sich, daß
es sie immer gestört habe, wenn junge Männer mit ihrer Mutter
schlafen wollten. Denn es ließ sich nicht verheimlichen. Tochter
Viktoria: "Immer, wenn ich das Parfüm in der Luft roch und wenn sie
Lippenstift benutzte, wußte ich, daß es wieder soweit war.
Ich war zwischen sieben und zehn Jahren alt."(EIMUTH 1996, S.37)
1976 erkrankte Tochter Judy. Berg verbot
ihr in einem MO-Brief, weiterhin Medikamente zu nehmen oder weltliche Bücher
zu lesen. Das Kind starb ein Jahr später und noch immer blieb die
Mutter der Gruppe treu.
"Tochter Miriam kommentiert dies so: "Nach
Judys Tod hatten meine Eltern immer noch nichts begriffen, weil sie eine
totale Gehirnwäsche hinter sich hatten. Sie glaubten, daß Gott
entschieden habe, Judy zu sich zu nehmen, weil sie zu gut für die
Welt war."(EIMUTH 1996, S.38)
Miriam schildert ihre Erlebnisse im Sektenalltag:
"Wir mußten schon sehr früh
erwachsen werden. Wenn ich z.B. in der Küche stand und abwusch, kam
von hinten so ein Kerl und hat mir an den Busen gegrabscht, meinen Hintern
geknetet und über meinen Hals gesabbert. Und ich mußte lernen,
das mit einem Lächeln zu ertragen. Darum drehte sich alles. Es gab
keine Tabus. Bei ihren Partys zogen sie sich aus und machten Sex in den
Schlafzimmern. Als ich elf Jahre alt war, gab es einmal eine Party, da
fingen sie an, Striptease zu machen und wollten, daß wir Kinder das
mitmachten. Einige Kinder haben mitgemacht. Und sie versuchten, mich auch
dazu zu bringen, mich auszuziehen. Ich hatte solche Angst. Ich habe mir
fast in die Hose gemacht. Ich dachte, diese Leute können alles mit
dir machen. Sie können alles machen, was ihnen paßt. Und ich
kann überhaupt nichts dagegen tun, weil ich so klein bin, weil ich
nur ein Kind bin. Und einer hat gesagt:"He Süße, warum teilst
du deinen Körper nicht mit mir. Gott hat dir doch einen so schönen
Körper gegeben." Sie versuchten regelrecht, in mein Gehirn einzudringen
und erzählten, Jesus will, daß ich das tue. Ich sagte nein,
nein. Ich will es nicht. Und ich ging auf die Toilette und schloß
mich ein und weinte mir die Augen aus."(EIMUTH 1996, S.38/39)
Als Debby mit einem Mann, den sie nicht
mochte, verheiratet werden sollte, stieg sie aus. Und bei Frau Padilla
klickte es, als sie ihre Tochter Miriam nur noch unter Bewachung sprechen
konnte. Tochter Viktoria sagt auf die Frage, ob sie ihren Eltern eine Schuld
zuweise:
"Ich kann nichts dafür, daß
ich ihnen bis zu einem gewissen Grad die Schuld gebe. Wegen ihrer Dummheit."(EIMUTH
1996, S.4o)
Debbys Aussage und die ihrer Familie sind
auch eine Anklage an die Kräfte der Gesellschaft, die seit 2o Jahren
zulassen, daß in einer Sekte ungeheure Perversionen an Kindern geschehen.
Sie wurde mit 3 Jahren, seit dem Beitritt
ihrer Eltern, sexuell mißbraucht und mißhandelt. Sie wird von
Erwachsenen geschlagen, und entsprechend den Vorgaben Bergs solange, bis
sie aufhörte zu schreien. Ihr Kinderpfleger mißbraucht sie jahrelang
"gnadenlos". Sie leidet darunter, mitansehen zu müssen, wie ihre Eltern
mit anderen Partnern ins Bett gehen.
Sie erlebt, daß Kinder und Erwachsene
"Affairen" miteinander haben und wird selber "benutzt", indem sie mit dem
Mann schlafen muß, der sie zuvor öffentlich gedemütigt
und angeschrieen hat.
Mit 15 Jahren beschreibt sie sich als
"total bestürzt, verwirrt und verzweifelt" von all dem, was sie erlebt
und gesehen hat.
Mit 18 Jahren arbeitet sie "wie ein Hund"
und muß mit einem Mann schlafen, vor dem sie sich ekelt. Sie wird
an andere Männer weitergereicht wie ein Objekt und wird mit 19 Jahren
schwanger.
Sie klagt darüber, daß die
Sekte nicht nur ihr Leben ruiniert habe, sondern auch das tausender, ich
wiederhole: tausender Kinder und Teenager, die ebenso mißbraucht
wurden und schutzlos ausgeliefert sind.
Sie sieht Kleinkinder von 3-5 Jahren beim
Mißbrauch und die Vergewaltigung einer 14-jährigen. Ihre Freundin
wird im Alter von 12 Jahren von den zwei Männern der Mutter mißbraucht
und obendrein vom leiblichen Vater blau geschlagen. Sie sieht ein vierjähriges
Kind übersät mit blauen Flecken; der Stiefvater hatte es (gemäß
den Anweisungen Bergs) mit einer Fliegenklatsche geschlagen.
Sie erlebt, wie sich ihre eigene Unheilsgeschichte
bei ihrem Sohn wiederholt, der 15-2o Minuten von einem Erwachsenen geschlagen
wird, wieder mit dem Hinweis, daß er solange geschlagen würde,
bis er aufhöre zu schreien.
Und sie fühlt sich absolut hilflos,
ihrem Sohn beizustehen.
Kinder müssen bis in die Nacht arbeiten;
sie werden nicht in die Schule geschickt. Alles geschieht so, wie es in
den MO-Briefen geschrieben steht.
Debby schreibt, daß die Kinder keine
eigene Meinung haben; sie sind wie Roboter in Verhalten und Sprache programmiert.
Durch ihre Zeugenaussage bestätigt
sie auch die Realität der Nackttänze auf Video für Berg.
Und sie beschreibt die Lebensumstände der Kinder in der Sekte in einem
abschließenden packenden Plädoyer, das meines Wissens nichts
von seiner Aktualität eingebüßt hat und an Deutlichkeit
über die Wirkweise dieser Sekte für das Leben der Kinder nichts
zu interpretieren offen läßt.
Die "Kinder Gottes" sind ein teuflischer
Kult; wann wird die Öffentlichkeit das Elend der Kinder sehen und
die vorhandenen Rechtsmittel zu ihrem Schutz ausschöpfen?
Unter der Überschrift: Kindheit und
Jugend bei den "Kindern Gottes" veröffentlichte die Evangelische Zentralstelle
für Weltanschauungsfragen 1996 ein Sonderheft. Die Autorin Rachel
Sand schreibt über 17 Jahre ihres Lebens bei den "Kindern Gottes".
Die Herausgeber kommentieren in der Einleitung u.a.:
"Ihr Bericht schildert ein normales Kind
unter unnormalen Umständen, ein Kind, das gerade seiner normalen Bedürfnisse
und Gefühle wegen in der Sekte leidet. ... Schon mit 13 will sie die
Gruppe verlassen, wird aber zum Bleiben gezwungen. Die ihr danach abgerungenen
Bekenntnisse sind Theater und Anpassung an den Druck von außen. Sobald
es ihr möglich wird, steigt sie endgültig aus. Innere Bindungen
an die Ideen der "Children of God" (COG) hat sie dabei nicht zu überwinden,
wohl aber die ihr dort eingepflanzten Ängste, sowie Wut und Trauer
über verlorene Zeit und vergangenes Leid.
Die Autorin schrieb die Erinnerungen an
ihre Kindheit und Jugend in der Sekte der "Kinder Gottes" in der Zeit von
Ende 1995 bis Anfang 1996 im Alter von 22 Jahren nieder. Der von ihr benutzte
Name ist ein Pseudonym, Rachel will nicht, daß ihre Vorgeschichte
bei den Menschen ihrer Umgebung allgemein bekannt wird. Vier Jahre nach
dem Ausstieg ihrer Familie bei den "Kindern Gottes" hat sie sich - wenn
auch unter Mühen - in der Alltagswelt unserer Gesellschaft zurechtgefunden
und will sich dieses neue Leben nicht unnötig erschweren. Auf der
anderen Seite will sie die Vergangenheit auch
nicht auf sich beruhen lassen, um so mehr,
als diese Vergangenheit ständig präsent ist."(SAND 1996, S.2)
Den Bericht von Rachel gebe ich hier nicht
in voller Länge wieder. Ich habe einige ihre Aussagen unter von mir
gesetzten Fragestellungen zusammengefaßt.
Da Rachel 1991 austrat, ist ihr Bericht
eine Dokumentation der jüngeren Geschichte der "Kinder Gottes".
Empfinden die in der Sekte geborenen Kinder
die sexuellen Praktiken als normal? Gefällt es ihnen? Da sie nie etwas
anderes kennengelernt haben, müßte ihre Einstellung zu Sex doch
unbelastet sein von moralischen, kirchlichen, kulturellen und gesetzlichen
Vorschriften.
Rachel schreibt dazu:
"Der Partnertausch vollzog sich in den
Zimmern, in denen auch die Kinder schliefen. Wir konnten unsere Eltern
mit anderen Partnern beim Geschlechtsverkehr sehen, so als ob wir nicht
da wären. Ich kann nur einfach sagen, daß diese Erfahrung für
viele Kinder die Hölle war, und schwer für alle. Wir Kinder versuchten
oft, unsere Not auszusprechen, aber die Erwachsenen lachten darüber.
... Ebenso sicher kann ich sagen, daß der Mißbrauch den Kindern
keinen Spaß machte, sondern daß wir in unserer Unschuld versuchten,
es unseren Eltern recht zu machen, die uns in einer perversen Sekte aufwachsen
ließen. Außerdem wird man mich nie davon überzeugen können,
daß der verordnete Partnertausch oder "FFing" (flirty fishing) als
Taten der Liebe angesehen werden können. ... Die Kinder hassen es,
wenn sie ihre Eltern beim "sharing" mit anderen Partnern erleben, und es
bedrückt sie furchtbar, wenn sie die Eifersuchtsausbrüche ihrer
Eltern ertragen und immer damit rechnen müssen, daß ihre Familie
auseinanderbricht, weil ein Elternteil sich einem anderen Partner zuwendet.
... Ich bin kein Moralapostel in Sachen Sexualität geworden, ich glaube
nicht, daß Sex nur zum Kinderkriegen da ist, oder daß man dafür
unbedingt verheiratet sein muß, oder daß jede Ehe für
immer sein kann. Aber ich weiß einfach, daß jeder Mensch, Mann
und Frau, Geborgenheit braucht, und daß Liebe etwas mit Vertrauen
in den Partner zu tun hat. ... Es ist unnatürlich und zerstörerisch
für Liebesbeziehungen, wenn eine religiöse Gemeinschaft wie die
COG es zur Doktrin erhebt, daß andere das Recht haben, in die Beziehungen
zweier Menschen einzudringen und sie zu beschmutzen. ... Am Schluß
kotzte mich das alles so an, daß ich mir schwor, nie zu heiraten.
Ich wußte, wenn ich jemand liebte, würde der Gedanke mich umbringen,
daß ich ihn mit allen übrigen zu "teilen" hätte. Es kam
mir unmenschlich vor, mich in eine Beziehung zu begeben, die von jeder
anderen Frau in der COG jederzeit gefährdet wurde. Aber ich wußte,
daß ich rein gar nichts würde tun können."(SAND 1996, S.22)
Sind die Aussagen über sexuelle Praktiken und sexuellen Mißbrauch nicht etwas übertrieben? Handelt es sich dabei nicht nur um bedauernswerte Ausnahmen, wie es auch von den "Kindern Gottes" selber eingeräumt wird?
"Da in der COG über 5ooo Kinder geboren
wurden, soweit ich weiß, habe ich nicht alle kennengelernt. Aber
ich kann sicher sagen, daß alle Kinder, die bis Mitte der achtziger
Jahre geboren wurden, sexuell mißbraucht wurden - und ich meine alle!"(SAND
1996, S.21)
Worin besteht der Mißbrauch?
Rachel beschreibt die Entwicklung, die
dazu führte, daß Erwachsene Kinder früh in Sex einführen
und diesen mit ihnen haben sollten. Sie berichtet über Massenorgien,
bei denen Frauen Nackttänze zeigten, die auf Video aufgenommen wurden.
Kleine Mädchen wurden ermutigt, ebenfalls nackt vor den Erwachsenen
zu tanzen.
"Ich selbst führte einen "Liebestanz"
(love dance) vor über 3oo Leuten auf der Bühne vor, als ich sieben
Jahre alt war. Liebestänze nannte man die öffentlichen Nackttänze
der kleinen Mädchen. Ich erinnere mich, daß das ganze Publikum
schrie, ich solle meinen Schal ablegen, und ich schämte mich, weil
ich das nicht wollte. Danach hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich
dem Herrn Jesus schlecht gedient hatte."(SAND 1996, S.19)
Es gab die Aufforderung, Nacktfotos an
Berg zu schicken, die sie auch befolgt hat.
"Für diese Art von Publikationen
gab es die Anordnung, sie zu vernichten, nachdem jeder sie gelesen hatte."(SAND
1996, S.1o)
Sie schildert ein weiteres Erlebnis, das
die Not und Hilflosigkeit der Kinder verdeutlicht:
"Zur selben Zeit machte einer der Kinderbetreuer
laufend sexuelle Annäherungsversuche uns kleinen Mädchen gegenüber.
Er sagte uns: "Großvater meint, es sei o.k., wenn ich euch das beibringe."
Er zeigte uns ein Comic Book, das "Liebe Gottes" hieß (The Love of
God), in dem David Berg als Kleinkind abgebildet ist, wie er von seinem
Kindermädchen sexuell belästigt wird. Das Comic sagt, daß
er das sehr schön fand. Deshalb ließen wir uns eine Zeitlang
auf diesen Mann ein, denn man hatte uns beigebracht, daß wir alles
tun mußten, was Grandpa will, ohne Fragen zu stellen. Der Mann zeigte
uns seinen Penis und ließ ihn uns berühren, tanzte nackt mit
uns in den Armen herum, berührte unsere Geschlechtsteile, er versuchte
sogar, mit uns Geschlechtsverkehr zu haben. Das ging einige Monate so,
bis zu meinem neunten Geburtstag, der vom ganzen Haus gefeiert wurde. Während
der Feier lockte dieser Mann mich ins Obergeschoß, indem er vorgab,
er habe ein Geschenk für mich. Er verschloß die Tür und
befahl mir, meine Kleider auszuziehen und ihm sexuell zu Diensten zu sein,
oder er würde den Schlüssel aus dem Fenster werfen. Ich geriet
regelrecht in Panik, schrie hysterisch und hämmerte an die Tür.
Meine Schwestern hörten mich und begannen ebenfalls zu schreien, so
daß er schließlich die Türe öffnete. Danach erzählten
meine Schwestern und ich unseren Eltern, was der Mann getan hatte. Da sie
damals die Gebiets-Hirten (area sheperds) waren, wurde der Mann weggeschickt.
Aber niemand nahm die Sache wichtig. Der einzige Kommentar einen Tag später
hieß: "Er sagte uns, euch Kindern hätte es gefallen." Danach
kam niemand mehr darauf zurück. Dabei war das keineswegs der einzige
Vorfall dieser Art in unserer Familie. Bald danach erlebte meine acht Jahre
alte Schwester etwas ähnliches mit einem weiteren Mann, und einige
Jahre später wurde die dritte, damals neun Jahr alte Schwester sexuell
mißbraucht und auch vergewaltigt, und zwar von einem angesehenen
COG-Mitglied."(SAND 1996, S.20)
Rachel fährt fort, indem sie von
Fällen berichtet, in denen Jungen und Mädchen ab 11 Jahren von
Erwachsenen, z.T. ihren leiblichen Eltern, mißbraucht und vergewaltigt
wurden.
"Das sind nur ein paar Beispiele, von
denen ich aus erster Hand erfuhr. In allen Fällen könnte ich
die Namen der Beteiligten angeben."(SAND 1996, S.21)
Ich verlasse jetzt den Bereich des Mißbrauchs
und befrage den Text nach der Erziehung innerhalb der Sekte, nach Kindheit,
Jugend, Schule und Ausbildung. Es ist bedrückend, daß ich auch
hier immer nur auf frühen Drill und häufiges Schlagen stoße,
das im Teenageralter noch schlimmere Formen annahm:
"Es gab Schweigegebote, öffentliche
Prügelstrafe, Arrest, öffentliche Herabsetzung, Exorzismus, Lesevorschriften
mit einer solchen Zahl von Mo-Briefen, daß sie in Monaten nicht zu
schaffen waren. Dazu kam schwere körperliche Arbeit (Erde schaufeln,
Verbrennen von Abfall, Abfallsortie- ren), die als Strafe benutzt wurden.
Ich spreche aus eigener Erfahrung. Alle erwähnten Strafen wurden bei
mir selbst angewandt, und bis zum heutigen Tag weiß ich nicht, womit
ich sie verdient haben könnte."(SAND 1996, S.10)
Die Kinder und Teenager durften die Wohnungen
nicht ohne Erwachsene verlassen, außer zum Betteln auf den Straßen.
Ihr Tag war durchorganisiert, es gab praktisch keine freie Zeit.
"Hausarbeit und das "Zeugnisgeben" sowie
das Singen auf der Straße, um Spenden zu erbetteln, nahmen sowieso
den größten Teil unserer Zeit in Anspruch. Daneben wurde von
uns erwartet, daß wir sämtliche COG-Schriften lasen. ... Weil
wir als Kinder weder in die Schule gingen noch Freunde hatten, die nicht
zur COG gehören, fanden wir nichts Unnormales an dieser totalen Abschottung.
Erst als ich älter wurde, merkte ich nach und nach, daß anderen
Jugendlichen nicht ständig ein Erwachsener über die Schulter
schaut (und das ist wörtlich gemeint). Während ich draußen
Spenden erbettelte, sah ich Leute meines Alters zusammen mit Gleichaltrigen,
und mir wurde klar, daß wir im Vergleich dazu wie in einem Gefängnis
lebten."(SAND 1996, S.11)
Aus diesem Gefängnis auszubrechen,
schien ein Ding der Unmöglichkeit; nicht nur wegen der tiefsitzenden
Ängste vor dem "teuflischen System" und dem Glauben an Dämonen.
"Man muß sich klar machen, daß
diese Doktrin uns Kindern gelehrt wurde. Der Gedanke an böse Geister
ängstigte mich oft und nahm mein Denken in Beschlag. Bis heute muß
ich Angst unterdrücken, die in mir wach wird, sobald dieses schreckliche
Thema berührt wird."(SAND 1996, S.13)
An Ausbruch war auch deshalb nicht zu
denken, weil den Kindern jede qualifizierte Bildungsmöglichkeit vorenthalten
wurde, durch die sie in der Gesellschaft einen Platz hätten finden
können.
"Individuelles Lernen gab es sowieso nicht,
geistige oder praktische Fähigkeiten wurden nur beachtet, wenn die
Gruppe sie gerade brauchte. Lernen im Sinn von Bildung findet so aber nicht
statt. Das einzige, was alle Jugendlichen können, ist Lesen, Schreiben,
ein wenig Rechnen und praktische Dinge wie Kochen und Kinderpflege. Kein
Kind und kein Jugendlicher hat Gelegenheit, über das Grundschulwissen
hinauszukommen, weil das für die Gruppe nichts bringt."(SAND 1996,
S.18)
Rachel schreibt, daß es ihr schwerfalle,
über den schrecklichsten Teil ihres Lebens zu berichten, die Zeit
des "Teen Trainings". Viele der älteren Kinder und Teenager wurden
den Eltern weggenommen und in speziellen Heimen erzogen. Damals wußte
die Führung, daß viele der Kinder und Jugendlichen nicht mit
ihrem Leben in der Sekte einverstanden waren und auch nicht den Glauben
ihrer Eltern teilten.
"Aus Angst, uns als Nachwuchs zu verlieren,
reagierten die Führer mit Panik und mit extremem Druck. Das Trainingsprogramm,
in das ich mit 13 Jahren gesteckt wurde, bestand deshalb vor allem aus
einem täglichen Drill in der Lehre der COG. ... Im Fall unseres Versagens
wurde uns mit Einzelhaft (solitary confinement) gedroht, mit Schweigegeboten
(silence restriction), mit einem Arbeitslager (work camp) und mit dem sogenannten
"Victors Program". Letzteres bedeutete ununterbrochenes Lesen von Mo-Briefen
und Arbeiten über Monate hin, bis jeder Widerstand gebrochen war.
Wenn alles nichts helfe, drohte man uns mit einem Straflager (detention
centre). Das Prinzip hieß einfach, daß wir, sobald wir irgendwelche
Zweifel oder Probleme hatten, so lange niedergemacht wurden, bis wir total
aufgaben. Heute bin ich froh, daß es mit mir nicht ganz so weit kam
- aber ich habe dafür mit drei Jahren in einer Hölle bezahlt.
... Was mir für den Wunsch, die COG zu verlassen, angetan wurde, ist
trotzdem noch mild zu nennen. Ich hörte Geschichten aus erster Hand,
daß Jugendliche gepeitscht und monatelang in Einzelhaft gehalten
wurden, weil sie gesagt hatten, sie wollten nicht in der COG bleiben."(SAND
1996, S.15)
Diese unglaublichen Aussagen von Rachel
sind durch die Recherchen von Richter Ward in ähnlichen Fällen
belegt. Es hat sowohl diese Camps, als auch die hier genannten Bestrafungen
gegeben.
Rachel schreibt von ständiger Überwachung,
von entwürdigender Dauerkontrolle.
"Wir sollten uns als Versager fühlen,
so daß wir unterwürfig wurden und kein Selbstbewußtsein
entwickeln konnten."(SAND 1996, S.17)
Die Kinder konnten die Erwartungen trotz
aller Mühe nie erfüllen. Immer gab es Kritik. Gleichzeitig wurden
sie dazu angehalten, sich gegenseitig zu bespitzeln und die Schwächen
der anderen zu berichten. So wurde es unmöglich, untereinander vertraulich
zu reden und Freundschaften zu entwickeln. Nach zwei Jahren diese "Trainings"
drohte man Rachel die Versendung in ein Arbeitslager nach Macao an, wo
sie in Einzelhaft kommen würde. Sie unterwarf sich mehreren Exorzismen,
die ihr furchtbare Angst machten.
"Man betete über mir, um einen "lesbischen
Geist" auszutreiben, weil ich mich geweigert hatte, nackt für die
Jungen zu tanzen, als der "Teen Sheperd" es von mir verlangte. Der psychologische
Druck war stark und zielte ganz und gar darauf, daß wir uns total
gegen uns selbst richteten, unsere eigene Persönlichkeit nicht mehr
spüren konnten und uns wie Roboter verhielten."(SAND 1996, S.18)
1991 verließen Rachel und ihre Familie
die "Kinder Gottes".
Am Ende ihres langen Berichtes resümiert
sie:
"Wenn es einen Gott geben sollte, dann
machen ihm die "Kinder Gottes" nach meiner Ansicht viel Schande, indem
sie arme Menschen in der "Familie" glauben machen, ihre Seelenqualen und
Verbiegungen seien von Gott gewollte. Wenn der Terror, dem wir in der COG
ausgesetzt waren, tatsächlich nach Gottes Willen gewesen wäre,
könnte man sich einen Teufel sparen. Die COG sollte als Schande für
den christlichen Glauben und für jede Religion betrachtet werden.
Es handelt sich um den Mißbrauch von Menschen unter dem Deckmantel
des Religiösen."(SAND 1996, S.23)
Auch Rachels ausführlicher Bericht
ist ein Beleg für die Zustände innerhalb der Sekte. Er ist ein
Beweis mehr für die Tatsache, daß der sexuelle Mißbrauch
ein Massenphänomen war. Er wurde damals von den Verantwortlichen geleugnet,
er wird heute von ihnen verharmlost.
Mit welcher Naivität die Öffentlichkeit
jedesmal bereit ist, diesen Lügen Glauben zu schenken, ist mir ein
Rätsel. Auch scheint es niemanden sonderlich zu beunruhigen, daß
von den tausenden betroffener Kindern heute die meisten als junge Erwachsene
weiter in der Sekte leben und mit Sicherheit eigene Kinder bekommen haben
oder werden.
Aufgrund welcher magischen Heilung der
eigenen Unheilsgeschichte ist anzunehmen, daß sie ihre Kinder anders
erziehen werden? Ich stelle mit großer Besorgnis fest, daß
selbst gut informierte Organisationen wie der Kinderschutzbund nichts unternommen
haben, um präventiv oder nachsorgend tätig zu werden.
Zum Abschluß dieser Aussagen lasse
ich noch einmal Dalva Lynch zu Wort kommen:
"...für ihre Freunde und Sympathisanten
sind die COG ein Paradies, wo Rechtschaffenheit, Freiheit, Liebe und Friede
Wirklichkeit werden - mit schönen, lächelnden Kindern, jungen,
hübschen Erwachsenen und prächtigen, schön gelegenen Landhäusern.Aber
nur durch "weiße Lügen" und Grausamkeit konnten Mose David und
seine Jünger dieses "Shangrila" aufbauen. Die externen Mitglieder
sind blind für die Vorgänge im Inneren und sie versprechen ihre
bedingungslose Unterstützung und ihren Schutz in dem Glauben, daß
ihre Beiträge einer wundervollen Organisation helfen. Sie wissen nicht,
daß das Lächeln der Kinder ein Leben voll Sex, Verboten und
Falschheit verbirgt. Daß Impfungen verboten sind, daß sie oft
monatelang in ihren schönen Häusern eingesperrt sind wegen Epidemien
von Keuchhusten, Röteln und Mumps und daß sie selten mit einer
Mutter und einem Vater zusammen leben können.
Meine Kinder sind immer noch drinnen.
Mein ältester Junge ist jetzt zwölf, der nächste elf und
mein Mädchen wurde eben sieben. Auf den Photographien sind sie hübsch,
lächelnd und glücklich. Aber die Photos sagen nichts über
die Sex-Veranstaltungen, die Lügen, die Enttäuschungen, die Ungerechtigkeiten.
Einige COG Mitglieder haben geschwiegen
aus Angst, ihre Kinder zu verlieren, so wie ich es tat. Andere aus Angst,
einen Gatten oder eine Gattin zu verlieren, noch andere aus Angst, ihre
Stellung oder die Unterstützung zu verlieren. Es gibt auch noch jene,
die glauben, die KINDER GOTTES seien wirklich die "HIMMLISCHE ELITE" und
Angst haben, aus dem inneren Kreis von Jesus Christus und seiner "Heiligen"
ausgeschlossen zu werden - und die sich deshalb jeder Barbarei unterwerfen,
um dabei zu bleiben ..."(zit.in: REFERAT FÜR WELTANSCHAUUNGSFRAGEN
1992, S.62)
Durch das tagelange Lesen von Kinderschicksalen, die ähnlich verlaufen sind wie die hier dokumentierten, wurde ich emotional erheblich belastet. Ich bin erschrocken über meine Ergebnisse! Eine wissenschaftlich distanzierte Haltung einzunehmen und Wertungen zu vermeiden, war mir nicht mehr möglich. Ich wurde zusätzlich durch direkten Kontakt mit betroffenen Eltern und Großeltern über weitere Kinderschicksale informiert, die Anlaß zur Sorge geben.
Veränderungen bei den "Kindern Gottes"
Die "Kinder Gottes" sollen sich nach eigenen
Angaben geändert haben und heute sowohl das FFing als auch den Kindesmißbrauch
streng verbieten. Ich vermute, daß diese Veränderung nicht aufgrund
von Einsicht in begangenes Unrecht erfolgte, sondern nur, um dem Druck
der Öffentlichkeit zu entgehen. Eine geistige, innere Wandlung im
Sinne von Unrecht erkennen, bereuen, wiedergutmachen, eigene Schuld zugeben
ist aus dem Vorwort der "Love Charter" ihrer "Konstitution", nicht zu erkennen.
Dort schreibt die jetzige Sektenleiterin Maria:
"6. Wenn ihr diese Charter lest und studiert,
bittet den Herrn, euch zu helfen, ihren Geist zu fühlen, euch zu helfen,
Dad´s Herz und Leben in diesen Seiten zu sehen, die ganze Essenz
dessen, wie er und der Herr die Familie möchten. ..
14. Dad ist heimgegangen in diese erstaunliche,
wundervolle geistige Welt, um uns zu helfen, lieben zu lernen.
15. Ich habe Dad´s Einfluß
in den vergangenen paar Wochen sehr stark gefühlt, ebenso wie unsere
CRO-Leiterschaft, die kürzlich am Gipfeltreffen 95 teilnahm. Ich habe
gefühlt, wie er uns in eine Richtung bewegt, wo wir mehr lieben können.
18. Wenn wir sagen können: "Heute
nahm ich mir Zeit zum lieben", wie glücklich werden Jesus und Dad
sein.
2o. Heute nahm ich mir Zeit zum lieben.
- Und ich wurde wiedergeliebt. Ich lag mit Peter auf meinem Bett mit seinen
Armen um mich und wir hatten Gemeinschaft und beteten, daß der Herr
mich führen möge beim Diktieren dieses Briefes an euch. - Heute
nahm ich mir Zeit zum lieben. - Und ich wurde wiedergeliebt. Meine treue
Sekretärin kam ins Zimmer, um ein Band zum abschreiben zu holen und
ich lud sie ein, sich mit mir hinzulegen und ich legte meine Arme um sie,
und wir hatten ein süßes, liebevolles Gespräch über
Situationen in unserem Heim und Gebeten für die lieben Leute, mit
denen wir leben und arbeiten."(LOVE CHARTER 1995)
Maria berichtet weiter, daß der
"geliebte David" vor seinem Heimgang die Charter gelesen und seine Gedanken
und Ideen mit eingebracht habe. Da Gott ihn vor Vollendung der Charter
in den Himmel genommen habe, helfe Dad nun aus der geistigen Welt, die
Absichten Gottes mehr zu verstehen. Gott selber habe ihnen durch Prophezeiungen
in der Leiterschaft mitgeteilt, daß sein Geist nun noch mehr und
näher bei ihnen sei, weil Vater David nun näher zu ihm gekommen
sei, um ihm zu helfen. Dann erfolgt die Laudatio Gottes auf Mose David,
der sich um jede Seele gekümmert habe, die er zu Gott gerufen hat
und dessen Liebe das große Instrument sei, mit dem die Familie in
diesen Tagen formuliert, wie sie sein will.
Originalzitat aus der Prophezeiung:
"28. ... But I have called My David and
do pour through him to give a refreshing. For behold, The time of the latter
rain is at hand, and I do pour upon you showers of blessing that flow from
the fountain of David, My cheerful giver, My anointed one, the one who
hath given in pain and in sorrow, yet with a smile and a tear. ...
3o. Have I not already given unto you
the kisses of My servant? Hath he not forgiven you for your many sins?
Hath he not looked upon you with eyes of sure and tender mercies? And hath
he not held you in his arms with a gentle embrace and caressed you with
his soft and tender hands? ... I seek to pour the sure mercies of David
upon all that thirst for life and love and joy. Therefore, receive My Spirit,
receive My joy, and your David shall be with you even until the end."(LOVE
CHARTER 1995)
Ich habe diese Stelle ausgewählt,
um pointiert darauf hinzuweisen, daß "Gott" von den perversen Scheußlichkeiten
seines "geliebten Davids" entweder nichts weiß (was nicht zur Allwissenheit
Gottes paßt), oder aber völlig dahintersteht, denn er lobpreist
ihn in der schwülstigen Art des alten Bibel Englisch über die
Maßen. Dadurch ergibt sich für die gläubigen Anhänger
das Bild eines völlig gerechtfertigten David Bergs. Somit ist alles,
was er tat, in den Augen Gottes gut und weist den weiteren Weg der "Kinder
Gottes": "Bleibt im Geiste Davids, denkt und handelt, wie er es euch gelehrt
hat!" Die Lobpreisung "Gottes" für Berg nimmt Ausmaße an, die
bisher Jesus Christus vorbehalten waren: "durch die Gnade und Barmherzigkeit
Davids wird das Leben, die Liebe und die Freude kommen für alle, die
danach dürsten. Und David wird bis ans Ende mit ihnen sein."
Wenn "Gott" die zarten und liebenden Hände
Davids beschwört, erwähnt "er" mit keinem Wort die Defloration
Merry Bergs durch diese "zarten" Hände, das Schlagen von Kindern mit
der Rute "bis sie um Gnade winseln", noch das Klopfen mit den Fingerknöcheln
auf deren Schädel.
Im weiteren Verlauf der Prophezeiung läßt
"Gott" verlauten, daß man ihn durch das Befolgen der Gesetze Davids
liebe. Auch müßten sie nun die Charter im richtigen Geist verstehen,
mit eigenem Glauben und eigener Initiative. Durch himmlische Kommunikation
kämen sie immer wieder zur Quelle von Gottes Charter. Dann empfiehlt
"Gott", daß sie sich nicht von ihren eigenen Impulsen leiten lassen
sollen, sondern durch "the Queen of Love", seinen Heiligen Geist. Er beschwört
sie, sich für die Erneuerung von Gottes Wort, Leben, Liebe und Freiheit
zu öffnen.
Mit anderen Worten, "Gott" läßt
mitteilen, daß alles wunderbar anders, schöner, liebevoller,
freier werden wird, aber die Anweisungen Davids auch weiterhin zu befolgen
sind!
Was geschieht hier? In meinen Augen ist dies blanker Zynismus! Die Verantwortlichen der "Kinder Gottes", die von den brutalen Strafen wußten, die Merry Berg erlitten hat, weil sie dabei gewesen und mitgemacht haben, distanzieren sich in keinster Weise von den Anweisungen und "Gesetzen" Bergs. Hier wäre doch die Chance, nach seinem Tod eine echte Wandlung zu vollziehen. Aber anstatt sich von Berg und seinen Lehren und Praktiken zu distanzieren, erheben sie ihn zu einem göttlichen Berater, dessen geistiges Erbe unantastbares Glaubensgut der "Familie" bleibt. Statt Strukturen für eine Änderung zu legen, festigen die Führer ihre Macht, weiterhin durch "himmlische Anordnungen" nach Gutdünken Befehle oder "Gesetze" erlassen zu können.
Aus dieser Tatsache schließe ich,
daß die Veränderungen nicht als Beweis für eine echte Wandlung
zu sehen sind. Zudem liegen über veränderte neue Entwicklungen
keine Zeugenaussagen mehr vor.
Fragwürdigkeit
von wissenschaftlichen Methoden zur Bewertung
Wie soll eine pädagogische Wertung
von Erziehungszielen aussehen, die Unmündigkeit und Abhängigkeit
mit Mitteln wie Strafen, permanenter Indoktrination und Kontrolle aller
Lebensbereiche erzwingen wollen?
Gibt es einen Grund anzunehmen, daß
Einzelhaft, Isolierung, Sprechverbot etc. dazu beitragen, einen jungen
Menschen richtig zu erziehen?
Sollen wir ernsthaft den Gebrauch der
Prügelstrafe als Erziehungsinstrument diskutieren?
Sollen wir über sexuellen Mißbrauch
als religiös motivierte Handlungen in wissenschaftlich neutraler Distanz
reflektieren?
Sollen wir Brechen des Willens und Dressur,
kurz: den Gebrauch von nackter Gewalt ernsthaft als pädagogische Handlung
bewerten?
Können wir überhaupt das Leiden
der Kinder mit wissenschaftlichen Methoden erfassen?
Ich gebe dies deshalb zu bedenken, weil
solche Versuche bereits unternommen wurden und zwar von Wissenschaftlern,
die während des Prozesses als Gutachter auf Seiten der "Kinder Gottes"
aussagten.
Einige dieser Wissenschaftler haben im
Verlauf des Prozesses ein Buch geschrieben mit dem Titel: Sex, Slander
and Salvation.
Rachel Sand hat dazu geschrieben:
"Ich bekam das Buch "Sex, Slander, and
Salvation". Ich konnte es nicht fertig lesen, weil ich es nicht ertrug,
dort mein ganzes Leben so wiederzufinden, als sei alles ganz harmlos gewesen,
und meine schlimmen Erlebnisse seien eigentlich nur ein Haufen von Lügen.
Anscheinend sind alle üblen Praktiken der COG von Gegnern erfunden
worden, um Leute zu unterdrücken, die nur das beste tun und anstreben."
... Ich kann aber nicht verstehen, wieso Leute von außerhalb die
COG darin bestärken wollen, antidemokratische und massiv einengende
Erziehungsprinzipien in die Praxis umzusetzen, eigene Meinungen bei den
Kindern zu unterdrücken und nicht zuzulassen, daß man logisch
denkt und sich fragt, was es mit dem eigenen Verhalten und Glauben auf
sich hat."(SAND 1996, S.6)
Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, daß die Herausgeber dieses Buches von der Sekte Scientology als Gutachter empfohlen werden.(vgl. BERLINER DIALOG 1995)
Für mich sind alle Ansätze, die
Geschehnisse bei den "Kindern Gottes" zu rechtfertigen oder sie wertneutral
darzustellen oder sie als unrühmliche Irrtümer der Vergangenheit
abzutun, weder wissenschaftlich noch menschlich nachvollziehbar.
Die meisten Wissenschaftler gehen heute
davon aus, daß die Wechselwirkung von Anlage und Umwelt für
Erziehung von Bedeutung ist.
Für Pädagogen ist die Umwelt,
d.h. die soziokulturelle Bedingung ein Faktor, der verstärkend die
Erziehung beeinflussen kann.
Als gute soziokulturelle Bedingungen und
damit positiv verstärkend gelten:
- günstige Familienverhältnisse, d.h. permanente und vertrauensichernde Bezugspersonen in einem als sicher erlebten Rahmen (dauerhafte Wohnung, Haus) in harmonischer Atmosphäre.Die Kriterien werden bei den "Kindern Gottes" nicht erfüllt!
- gute ökonomische Verhältnisse, d.h. Sicherung der lebenserhaltenden Versorgung und Stillung von Bedürfnissen, die darüberhinaus gehen (z.B. Spielsachen).
- gute Erziehung, d.h. emotionale Wärme und Geborgenheit, Anregungen und Lernmöglichkeiten, Spiel und Beschäftigung, Wertschätzung, Verständnis. (vgl. HOBMAIR 1995, S.67)
Für die betroffenen Jugendlichen gibt es keine Ansätze der Hilfe: weil die Kinder weltfremd erzogen wurden, wissen sie z.B. nichts von der Möglichkeit, ein Jugendamt aufsuchen zu können , um gemäß des Kinder- und Jugendhilfegesetzes Erziehungshilfe zu beantragen, die darin besteht, den jungen Menschen zu einem selbständigen Leben in dieser Gesellschaft zu verhelfen, durch finanzielle Unterstützung, durch Ausbildung, durch Wohnung und Betreuung (vgl. KJHG 1991). Und meines Wissens haben die Leiter der "Kinder Gottes" keine Mittel aus ihrem nicht unbeträchtlichen Vermögen dafür verwendet, um Hilfe für ihre Opfer bereitzustellen. Es gab nur eine Entschuldigung mit der Bitte, das Vergangene zu vergessen.
Im englischen Urteil berichtet Richter Ward, daß er Sozialarbeiter beauftragt habe, die Verhältnisse in den "Homes" der "Kinder Gottes" zu überprüfen. Die Rückmeldungen wären äußerst positiv: fröhliche Kinder in ansprechender Umgebung, die mit reichlich didaktischem Material versehen von sekteneigenen Lehrern unterrichtet wurden. Ihr Wissensstand sei gut und mit dem auf der Regelschule verlangten durchaus zu vergleichen.(vgl. Urteil 1995, S.155)
Wir können dies zur Kenntnis nehmen, aber es besagt letztlich nicht, daß alle Kinder der Sekte nun unter solchen Bedingungen leben. Es gibt nicht genügend akademisch ausgebildete Lehrer oder pädagogische Fachkräfte, um 5ooo bis 6ooo Kinder und Jugendliche qualifiziert zu unterrichten.
Während der Erstellung dieser Arbeit
hatte ich die Gelegenheit, mit den Verwandten einer Frau zu sprechen, die
seit 2o Jahren in der Sekte lebt. Ihr ältester Sohn ist 15 Jahre alt
und so schwer verhaltensauffällig, daß die Eltern keine andere
Möglichkeit mehr sahen, als ihn in einer "weltlichen" Erziehungseinrichtung
unterzubringen. Innerhalb eines Jahres flog er aus vier Einrichtungen.
Es sieht nicht so aus, als ob es eine Chance gäbe, diesen Jungen im
Nachhinein für ein Leben in unserer Gesellschaft zu sozialisieren.
Seine Tante sagte mir, er sei nicht in der Lage, sich zu konzentrieren,
er kann keine Anweisungen befolgen, weil "sie zu einem Ohr rein und zum
anderen sofort rausgehen", er habe eine ungeheure Zerstörungstendenz,
die nicht brutal und gezielt erfolgt, sondern absolut gedankenlos. Der
Junge hat seiner Tante erzählt (wobei sie alle Aussagen im Hinblick
auf Wahrheit mit großer Skepsis betrachtet), daß er schon mit
9 Jahren gewußt habe, daß das ihm aufgezwungene Leben in der
Sekte falsch sei. Mit 12 Jahren habe er all seinen Mut zusammengenommen
und seinen Vater angeschrien: "Es gibt überhaupt keinen Gott und was
Mose David schreibt, ist ein großer Mist!" Sein Vater sei daraufhin
ins Schlafzimmer gegangen und habe die ganze Nacht lang geweint.
Ich fragte die Tante, was wohl aus ihrem
Neffen wird und sie sagte sehr nüchtern und emotionslos: "Ein Krimineller!
Er ist nicht in der Lage, für seinen Lebensunterhalt zu arbeiten,
also wird er Diebstähle begehen müssen, um seine Bedürfnisse
zu stillen. Irgendwann endet er im Knast!"
Welche Chancen haben die Kinder dieser
Familie?
Welche Chancen hat die Familie selber,
nachdem die Eltern 2o Jahre in einer Sekte waren?
Sie haben beide keine Berufsausbildung,
keine Ersparnisse, keine Sozial-, Renten- und Krankenversicherung, keinen
festen Wohnsitz, keine Kompetenz im normal-angepaßten Umgang mit
den Menschen und Gegebenheiten unserer Gesellschaft.
Ohne gezielte staatliche Hilfe sehe ich
für sie und andere "Kinder Gottes" wenig Chancen für ein normales
Leben. Zur Rückführung in die Gesellschaft gehört allerdings
mehr als nur die Bereitstellung von Geldern für den Neuanfang. Es
muß therapeutisch und seelsorglich aufgearbeitet werden, was geschehen
ist, sonst bleiben die Menschen innerlich zerrissen und kaputt. Erfahrungen
zeigen, daß ehemalige Mitglieder unter Depressionen und psychotischen
Ängsten leiden. Schuld und Scham hindern viele daran, Hilfe zu suchen.
Dabei läge in der begleiteten Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit
die Chance zur Heilung nach dem Motto: "die Wahrheit wird euch freimachen."
Sie tut weh, aber sie tötet nicht und ermöglicht ein neues Leben
(vgl. LANGONE 1993).
Mit Appellen an die Öffentlichkeit
haben Betroffene seit 2o Jahren außer reißerischen Artikeln
in den Medien nichts erreicht. Jetzt melden sich die Kinder der "Kinder
Gottes" zu Wort und bitten selber um Hilfe für sich und andere. Was
muß noch passieren, damit etwas passiert?
"Dies ist ein pädagogisches, sozialpsychologisches
und politisches Problem. Wir lassen zu, daß hier bei uns 2oo.ooo
Kinder und Jugendliche in einem totalitären Geist erzogen werden,
der nichts anderes will, als unseren Staat und unsere Demokratie zu zerstören."(Zitat
EIMUTH in S2 Forum 1996)
Pädagogisches Plädoyer zur Einhaltung der Menschenrechte
Ich habe in dieser Arbeit aufgezeigt, daß
die Kinder innerhalb der Sekte "Kinder Gottes" keine Lobby haben, daß
sie für die sexuelle Befriedigung und Beschäftigung der Erwachsenen
zur Verfügung zu stehen haben und ihre Schmerzen, Tränen und
Bitten um Schonung nicht beachtet werden, im Gehorsam der Erwachsenen zu
den Lehren David Bergs.
Die natürlichen Instinkte von Eltern,
ihre Kinder zu schützen, werden von diesem Gehorsam überlagert.
Kein Tabu schützt die Kinder vor erwachsener Willkür. Gleichzeitig
gelingt ihnen die perfekte Täuschung der Öffentlichkeit über
die internen Vorgänge. Die Kinder werden so konditioniert, daß
sie nach außen unter allen Umständen Stillschweigen bewahren
und auf Fragen mit vorgegebenen Antworten reagieren. Diese Täuschung
gelingt den "Kindern Gottes" seit 25 Jahren erfolgreich. Immer wieder sind
Wissenschaftler, Gutachter und Juristen (zuletzt Lord-richter Ward!) bereit,
ihnen Dispens zu verleihen, weil sie Berichte als übertriebene Erzählungen
unzufriedener ehemaliger Mitglieder oder bedauernswerte Einzelfälle
gedeutet haben. Die Verantwortlichen sind nie zur Rechenschaft gezogen
worden und werden es bis heute nicht! Die Vermischung von Religion und
Perversion scheint vielen Gerichten in den zivilisierten Ländern dieser
Welt Probleme zu bereiten. Nur so ist zu verstehen, daß nie ernsthafte
Anstrengungen unternommen wurden, das Geschehen bei den "Kindern Gottes"
zu stoppen! Ein Mann wie David Berg konnte nicht ohne die Kenntnis von
Behörden in einem Land untertauchen. Trotz angeblich internationalem
Haftbefehl wurde er (außer von Reportern) nie gefunden - unglaublich!
Heute führt Maria die "Kinder Gottes"
weiter in "seinem Geiste". Wurde sie, wurden Peter Amsterdam und andere
vorgeladen, bekamen sie Strafen für ihre Handlungen auferlegt? Nein!
Welche anhaltenden und gravierenden Änderungen sollen wir von diesen
Menschen erwarten? Können wir erwarten, daß Menschen, die in
zügelloser Ungehemmtheit machen durften, was sie wollten, sich nun
bescheiden und fromm beschränken auf ein enthaltsames Leben ohne Nervenkitzel
und ohne Ausleben ihrer Macht? Gibt es dafür geschichtliche Beispiele?
Ich kenne keine!
Ich befürchte, daß es ihnen
wieder gelungen ist, die Öffentlichkeit zu täuschen, weil niemand
sich die Mühe macht, die "LOVE CHARTER" richtig zu lesen. Hier steht
das Programm dieser Sekte und es lautet frei übersetzt: "Weiter wie
bisher, aber paßt besser auf!"
Lordrichter Ward spricht sein richterliches "Ego-te-absovo" über die Führer und glaubt ihnen, daß die schlimmen Verfehlungen dieser Gruppe Vergangenheit seien. Er will, daß sie für einen Neuanfang eine Chance bekommen. Damit tut er das, was die gesamte Öffentlichkeit seit 2o Jahren tut: niemand will genau hinsehen. Lieber nimmt man an, daß jetzt alles anders wird und die Dinge der Vergangenheit zwar bedauerlich, aber letztlich vorüber sind.
Ich bin überzeugt, daß das Leiden der Kinder weitergeht. Sie werden weiterhin in einer Welt-entfremdeten Sekte aufwachsen, die bewiesen hat, daß sie die Täuschung bis zur Perfektion entwickelt hat und ebenso ein System des "Verschwindens", wenn Unannehmlichkeiten drohen. Es wird ein permanenter Druck ausgeübt, die Lehren des David Berg zu verinnerlichen und danach zu leben. Die jetzt vorgenommenen Veränderungen entsprechen denen einer kosmetischen Operation: eine optische Verbesserung wird vorgenommen bei gleichbleibender, unveränderter Persönlichkeit!
Es ist m.E. empörend, wie gleichgültig der Gesetzgeber sich dieser Gruppe gegenüber verhält, obwohl die Praktiken bekannt sind. Erwachsene "dürfen" mit ihrem Leben machen, was sie wollen, das schließt Irrtum und Dummheit mit ein, aber Kinder haben in diesem Staat ein Recht auf Schutz!
Dient es dem Wohl des Kindes, wenn es gezwungen wird, ein Leben zu führen, das geprägt ist durch
Wo bleibt der Protestschrei der zivilisierten
Welt zur Einforderung der Menschenrechte für diese Kinder?
Nur durch massiven Druck von außen ändern sich die Verhältnisse bei den "Kindern Gottes". Das zeigen die Erfahrungen in England mehr als deutlich. Damit dies nicht nur Kosmetik bleibt, muß das interne Geschehen bei den "Kindern Gottes"
Die Kinder, die von Geburt an bei den "Kindern
Gottes" aufwachsen, erleben ein Erziehungsschicksal, daß Außenstehenden
aus gutem Grund verborgen bleiben soll, denn es widerspricht dem Geist
unseres Grundgesetzes. Sie werden nicht zu mündigen Bürgern dieses
Staates erzogen, sondern zu lächelnden Robotern einer totalitären
Sekte. Im Gegensatz zu ihren Eltern hatten sie keine Chance, andere Lebensentwürfe
kennenzulernen, haben sie keine Vergleichsmöglichkeiten zu dem Leben,
das ihnen aufgezwungen wird. Sie sind schutzlos einem pseudoreligiösen
System ausgeliefert, das der oft alkoholgeschwängerten Phantasie eines
alten, sexbesessenen Mannes entsprang. Sie wuchsen (und wachsen noch immer)
in einem Umfeld auf, das nicht als "normal" gelten kann, sondern Ursache
für viele seelische und körperliche Schmerzen war und ist.
Die Kinder werden von klein auf im Sinne
des Sektengründers erzogen, d.h.: widerspruchsloses Gehorchen und
Ausführen von Anweisungen. Die Mittel, die eingesetzt wurden, um dieses
Verhalten zu erzwingen, heißen Prügelstrafe, Sprechverbot, Isolation,
Einschüchterung. Jeder Versuch, aus diesem starren System auszubrechen
oder es zu hinterfragen, wird bestraft. Resultat: die Kinder sind entweder
völlig angepaßt oder schwer gestört und verhaltensauffällig.
Über die Spätfolgen des sexuellen Mißbrauchs kann nur gemutmaßt
werden.
Daß eine Erziehung wie die bei den
"Kindern Gottes" von demokratischen Staaten geduldet wird, ist Verrat an
den Grundwerten unserer auf Selbstbestimmung zielender Gesellschaften und
sollte mit allen Mitteln hinterfragt und aufgedeckt werden. Die Grenzen
der Religionsfreiheit sind hier bei weitem überschritten.
1 AJEMIAN, S. Kindesmißbrauch?!.
In: Broschüre des "Arbeitskreis Sekten e.V.", Verein zur Bekämpfung
geistiger und seelischer Abhängigkeit, Herford. Pasadena, California.
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3 BERG, D. Alle Dinge.
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haßt Sex - aber Gott liebt ihn. Zürich. 1980
7 BERG, D. Du bist, was
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8 BERG, D. Ein Penis?
oder ein Schwert!. Rom. 19761
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10 BERG, D. Flirty little
Fishy!. London. 19741
11 BERG, D. Good News!.
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12 BERG, D. Gottes einziges
Gesetz ist Liebe. Rom. 1977
13 BERG, D. Handbuch
der Kindererziehung. Zürich. 19811
14 BERG, D. Harsh Discipline
that bruises?. In: Good News 171. Zürich. 1985
15 BERG, D. Heilige Löcher.
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16 BERG, D. Hiebe aus
Liebe. Zürich. 1975
17 BERG, D. Kindesmißbrauch.
Zürich. 1989
18 BERG, D. Latest newsflash
Nr. 57. Zürich. 19851
19 BERG, D. Mocumba.
Die Bekehrung von Afrika?. Rom. 1976
20 BERG, D. Neue Flaschen.
London. 19731
21 BERG, D. Reorganisation,
Nationalisation, Revolution. Zürich. 1978
22 BERG, D. Rotten Apples.
Zürich. 1981
23 BERG, D. Schul-Vision.
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24 BERG, D. Schwindeln
für Gott. Zürich. 1979
25 BERG, D. Sex mit Grandma.
Zürich. 19821
26 BERG, D. Teenager
Sex. Zürich. 1985
27 BERG, D. The future
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28 BERG, D. Überleben.
Die wahre Geschichte von Moses und den Kindern Gottes. London. 1972
29 BERG, D. Warum steinigt
ihr uns?. Zürich. 1992
30 BERG, D. Wir können
die Wahrheit nicht widerrufen. Zürich. 19921
31 DAVIS, D. Die ungeschminkte
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des Sektengründers Moses David. Asslar. 1985. Schulthe + Gerth
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