www.AGPF.de
Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt
AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit
Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V., Bonn
Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Lorscheid+Mueller-LaRouche-Teil2.htm  Zuletzt bearbeitet am 6.9.2006
Zur Homepage | Zur Inhaltsseite | Zum Begriff Sekte | AGPF-Spendenkonto
Google


 
Helmut Lorscheid und Leo A. Müller:
Deckname Schiller
Die Deutschen Patrioten des Lyndon LaRouche

Das vollständige Buch als Internet-Ausgabe
3. bis 6. Kapitel hier
1. und 2. Kapitel unter http://www.AGPF.de/Lorscheid+Mueller-LaRouche-Teil1.htm


Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:
Impressum

Inhalt des zweiten Teils:

3. LaRouche und der Rest der Welt

Hetzkampagnen, Irreführung und Psychoterror 93
«Journalisten das Fürchten lehren» 101
Mordverdacht 106
«KGB-Desinformation» im Fall Palme


4. An deutscher Technik soll die Welt genesen
 

La Rouche auf der Suche nach der Energiequelle für übermorgen 113
Technofanatismus, Elite-Denken und die «Lüge» vom Holocaust 115

Das Fusions-Energie-Forum (FEF) 117
LaRouche und die Gemeinde der Atomwissenschaftler

«Fusion» 120
LaRouche-Lobhudelei, Atomtechnologie und Nazi-Humor

Stars von gestern 126
Die Mitstreiter des Fusions-Energie-Forums


5. «Frieden schaffen mit Strahlenwaffen»

Weltraumspiegel 145
Die Träume des Hermann Oberth

LaRouche und die Generale 149


6. Konspirative Verbindungen

LaRouches vertrauliche Freunde 157

«Keine sicherheitsrelevanten Erkenntnisse» 163
Das Verhalten der Verfassungsschutzbehörden und Innenpolitiker

Familienbetrieb LaRouche NCLC-Kader in der Bundesrepublik 179


Register 188
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 91


 
 

3. LaRouche und der Rest der Welt
 
 

«Es ist nicht notwendig, braune Hemden zu tragen, um ein Faschist zu sein [...]. Es ist nicht notwendig, ein Hakenkreuz zu tragen, um ein Faschist zu sein [...]. Es ist nicht notwendig, sich selbst Faschist zu nennen, um ein Faschist zu sein.
Es ist einfach nur notwendig, einer zu sein!»

Lyndon H. LaRouche, 7. Juli 1978
 
 



[Leerseite]



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 93


 
 
 

Hetzkampagnen, Irreführung und Psychoterror
 

«Verhindert ein rot-grünes '33! Schluß mit dem grünen Terror! Rot und grün gleich braun! Grüne = Nazis!» - Parolen wie diese finden sich immer wieder auf Flugblättern und in Publikationen der LaRouche-Organisationen. Seit ihrer Gründung stehen die Grünen, stellvertretend für die Ökologie-, Anti-Atom- und Friedensbewegung, im Mittelpunkt der Pamphlete von EAP, Schiller-Institut und anderen LaRouche-Organisationen. Seit Jahren konzentrieren sich die Angriffe gegen die Grünen vor allem auf die Person Petra Kellys. Gleich ob im bayerischen Wahlkampf oder im Ausland - prominente grüne Politiker fühlen sich nicht mehr sicher. Nur selten wurden jedoch die jeweils agierenden Personen einwandfrei und eindeutig identifiziert.

«Grüne = Nazis»? Geprägt und insbesondere in den USA immer wieder in teuren Fernsehspots verbreitet, ließ beispielsweise Lyndon LaRouche in einem bezahlten, halbstündigen Interview im US-Fernsehen die Bilder von Hitler und Petra Kelly, von anderen Grünen und anderen Nazi-Größen wie Göring nebeneinander im Bildhintergrund zeigen. «Es bleibt immer etwas hängen», klagt Petra Kelly. Diese Störaktionen gegen LaRouches «Feinde» verlaufen alle nach einer Devise: Schockieren, stören und schnell verschwinden. Im Bundestagswahlkampf 1983 traten diese Manöver geradezu flächendeckend auf. Völlig unabhängig von oft kurzfristigen Terminänderungen ihrer Wahlkampfeinsätze sah sich Kelly dem Psychoterror ausgesetzt. «Sie müssen sich vorstellen», so Kelly, «nach einer Rede kommen oft bis zu hundert Menschen zu mir, um noch mit mir zu reden. In so einer Situation großer Anspannung kommt plötzlich eine Frau und sagt etwa: <Ihre Rede war gut, wir legen Sie um!> In solch einem Moment weiß man nicht, wie man reagieren soll, weiß nicht, ob nicht auch die nächste Person zur gleichen Gruppe gehört. Hinzu kommt das Gefühl: Wir werden dich nicht in Ruhe lassen.»



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 94


 
 
Ein grünes 1933?
Sind wir dazu verdammt, das Ende der Weimarer Republik noch einmal zu erleben? Mehr als 8% der Stimmen und über 1300 Mandate fielen in Nordrhein Westfalen an die Grünen. Feinde unseres Rechtsstaates betreiben die Zerstörung unserer Industrie und die Herauslosung der Bundesrepublik aus dem westlichen Bündnis!
Grüne und SPD lauern nun auf die Chance, die Regierung Kohl zu stürzen, während die Sowjetunion zum Blitzkriegangriff auf Norwegen, West Berlin, Schleswig Holstein oder Österreich rüstet. Eine rot-grüne Machtergreifung bedeutete das Ende der NATO und sowjetische Hegemonie über ganz Westeuropa. Es ist höchste Zeit zum Handeln.
Heute am 17 Oktober beteiligt sich das Schiller-Institut an einem weitweiten Aktionstag mit Millionen von Flugblättern gegen die grüne Gefahr und für die Stärkung der westlichen Allianz.
Besuchen auch Sie die 3. Internationale Konferenz des Schiller-Instituts
am 24./25. November 1984 in Washington, DC, zu der 2000 Besucher aus alter Welt erwartet werden.
Schiller-Institut
Hinrichsring 12 - 3000 Hannover 
(0511)3500631 + (06121)449031
ViSdP Renate Müller Hinrichsring 12, 3000Hannover

Nächtliche Anrufe auf der privaten, geheimgehaltenen Rufnummer gehören zum Alltag der Politikerin. Auch bei Auslandsreisen, insbesondere in die USA, sehen sich Petra Kelly und ihr politischer Freundeskreis standig Belästigungen ausgesetzt.

Selbst bei privaten Empfangen mit begrenzter Teilnehmerzahl, bei denen der Zutritt außerdem nur mit Einladungskarte möglich war -



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 95

eine Vorsichtsmaßnahme, die aus diesen Erfahrungen resultierte -, sah sich Petra Kelly belästigenden Angriffen ausgesetzt. So überreichte ihr einmal eine Frau, freundlich lächelnd, ein kleines Paket als Geschenk. Petra Kelly wurde gebeten, es zu offnen. Der Inhalt: Ein in Blut oder blutähnliche Flüssigkeit getunkter schwarzer BH. Das Foto von der entsetzten, solchermaßen «beschenkten» Politikerin erschien später in der New Solidarity. Der Psychostress an diesem Tag ging weiter. Vor Beginn der eigentlichen Veranstaltung, auf der die Grüne reden sollte, wurde sie von weiteren Personen höhnisch gefragt: «Na, Frau Kelly, hat Ihnen das Geschenk gefallen?»

Das besondere «Niveau» der Angriffe verdeutlichten etliche Anzeigen, die wegen Beleidigung, Verunglimpfung oder übler Nachrede von Polizeibeamten, Rechtsanwälten oder auch einfachen Passanten gegen Angehörige der EAP, des Schiller-Instituts und anderer La-Rouche-Organisationen gestellt wurden. Meistens handelte es sich um Angriffe gegen Petra Kelly oder - sofern die SPD im Mittelpunkt der jeweiligen Attacke stand- um Beleidigungen gegen Willy Brandt. In Neustadt an der Weinstraße beispielsweise erstattete ein Polizeibeamter gegen die EAP-Aktivisten Elke Gregory und Bernd Harald Schulz Anzeige wegen übler Nachrede. Die beiden hatten vor dem Hauptpostamt dieser Stadt einen nicht angemeldeten Info-Tisch errichtet. Auf einem Plakat stand zu lesen: «Warum mußte General Gert Bastian gehen? Weil Petra Kelly einen russischen SEXSTERNE-GENERAL gefunden hat!»

Petra Kelly sieht sich auch im Ausland, vor allem in den USA, immer wieder persönlichen Verunglimpfungen ausgesetzt. Im Mittelpunkt steht dabei zumeist ihre Privatsphäre.

Seltsame Blüten treibt dabei die «Informationsbeschaffung» der Neuen Solidarität. So fanden sich persönliche Widmungen Petra Kellys in Büchern, die sie ihrem Fraktionskollegen Gert Bastian geschenkt hatte, plötzlich als Zitat in einem Artikel der La-Rouche-Zeitung wieder. Die Bücher waren vom Besitzer keinesfalls freiwillig herausgegeben, sondern aus seinem Besitz «verschwunden».

In Schriften LaRouches wurde Petra Kelly zuweilen als Führerin der «westdeutschen faschistischen grünen Partei» tituliert, wobei gleichzeitig von einem «KGB-diktierten» Programm der Öko- und Alternativpartei die Rede war. Mal «Moskaus 5. Kolonne», dann wieder «faschistische Bewegung» oder beides gleichzeitig, kombiniert mit vermeintlichen Verbindungen zur Drogen- und Rauschgiftmafia. Die EAP verbreitete Broschüren unter dem Titel: «Schluß mit dem



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 96

grünen Terror» und «Stoppt die grüne Gefahr! - Die historischen Wurzeln des grünen Faschismus». Der erstaunten Leserschaft boten sich völlig neue Welten, so beispielsweise vermeintliche Verbindungslinien zwischen Prinz Bernhard der Niederlande und dem inzwischen verstorbenen Peter von Siemens zu den bundesdeutschen Grünen. Peter von Siemens wurde vorgeworfen, «einer der größten Förderer der Anthroposophen» zu sein, um im nächsten Atemzug die Frage aufzuwerfen: «Oder, warum z. B. ist Siemens jetzt gegen den Ausbau des Hochtemperaturreaktors?»
 
 
 
 

«Antisemitisch und antidemokratisch»
Interview mit Herman Rebhan,
Generalsekretär des Internationalen Metallgewerkschaftsbundes (IMB)
 

Haben Sie den Eindruck, daß die EAP oder ihr verbundene Organisationen versuchen, Gewerkschaften zu unterwandern?

Sie versuchen schon seit Jahren, Einfluß auf Gewerkschaften zu bekommen. Früher haben sie das mit frontalen Angriffen probiert. Sie haben vor unseren Versammlungen Flugblätter verteilt und uns beschimpft. Sie sind zu Pressekonferenzen gekommen. Wir haben sie ignoriert. Dann haben sie versucht, unsere Versammlungen zu sprengen. Meistens sind sie - selbstverständlich - hinausgeworfen worden. Jetzt haben sie eine neue Taktik entwickelt: Einladungen zu Seminaren vom Schiller-Institut.

Wie ordnen Sie die EAP und Lyndon LaRouches Aktivitäten ein?

Antidemokratisch, antisemitisch, rassistisch und antigewerkschaftlich. LaRouches Publikationen haben dieselbe Richtung wie die der rechtsextremen John Birch Society in den USA oder der amerikanischen Nazi-Partei. Eine Entwicklung kennzeichnet LaRouches Organisationen. Sie sind von ganz links nach ganz rechts gewandert in einer Spanne von zehn Jahren. Herr Lyndon LaRouche war nach eigenen Angaben Mitglied einer kommunistischen Partei, da war er aktiver Trotzkist. Und dann will er mit einem Male ein «Demokrat» in Amerika geworden sein.

Haben Sie denn den Eindruck, daß die EAP insgesamt unterschätzt wird?



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 97

Ich weiß nicht, ob sie unterschätzt wird. Es ist eine kleine Gruppe; nur, es sind Fanatiker. Ich sehe allerdmgs, daß vor allem junge Leute in die EAP strömen und da ihr Vermögen abgeben. Ich denke, auf alle derartigen fanatischen Organisationen muß man aufpassen, selbstverständlich. Daß sie aber die Gewerkschaft untergraben könnten, kann ich mir nicht vorstellen. Sehr wichtig ist, daß die Medien über die EAP berichten.

(Aus: Vorwärts vom 3. Mai 1986)
 
 
 

Siemens - und damit der eifrige Atomkraftwerk-Bauer KWU - als heimlicher Sympi der Grünen? Sicherlich keine allzu häufig gemutmaßte Allianz - wohlgemerkt: Jahre vor dem GAU in Tschernobyl. Auf Plausibilität kommt es bei LaRouche auch weiterhin nicht an.

Trotz aller Wirrnis und Wahnhaftigkeit der tollen Thesen: Die Propaganda zeigte Wirkung. Mit einiger Verzögerung fanden sich immerhin einige Unionsabgeordnete, die die Parole «Grüne = Nazis» bereitwillig nachplapperten und sie gar im Bundesparlament einführten. Auch die Frage, ob die Grünen verfassungswidrig seien, fand, zunächst aufgeworfen von der LaRouche-Gruppe, ihren Widerhall in der Union.

Ein Musterbeispiel für die Qualität der Pamphlete lieferte die Neue Solidarität am 10. Juni 1982 unter der Überschrift: «Petra Kelly: Profil einer grünen Medienkreatur».

Dort hieß es: «... Mit der Maske des liebenswürdig lächelnden Frauchens setzt sie eine Politik durch, die Millionen Menschen in der Dritten Welt schon das Leben kostete und Tausenden und Abertausenden von Menschen hier die Arbeitsplätze vernichtet hat.»

Verantwortlich für diese Wertung des politischen Engagements Petra Kellys zeichnete «Charlotte Vollrads» - möglicherweise ein Pseudonym. Selbst eine Haussuchung in den Räumen der EAP und der «Neuen Solidarität» erbrachte keinen Hinweis auf die tatsächliche Existenz einer Person solchen Namens. Die gleiche «Autorin» freute sich in einem späteren Artikel über die spürbare Nervosität der Grünen-Politikerin im Dauerstress der Hetze: «Noch vor Beginn der wirklich heißen Wahlkampfphase zur Landtagswahl in Bayern im Oktober (1982) verlor die grüne Spitzenkandidatin Petra Kelly ihre Nerven. Jeden Abend hatten EAP-Mitglieder sie mit der Wahrheit über ihre synthetische politische Karriere konfrontiert...»

Die EAP-Kämpferin Charlotte Vollrads bekennt sich offensichtlich gerührt zu den Haßtiraden: «Bei der ersten Veranstaltung der Grünen im Salvator-Keller in München waren ein paar hundert Jugendliche gekommen... Umhängeschilder der EAP warnten vor dem neuen >>



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seiten 98 + 99


 
 
EAP: Verhindert ein rot-grünes '33!
Schluß mit der Selbstzerstörung unserer Republik!
* Über 1300 Mandate sind im Ruhrgebiet den Grünen in die Hände geraten — obwohl jeder weiß, daß die Zerstörung der Industrie und die Herauslösung unserer Republik aus dem westlichen Bündnis (unsere Lebensgrundlage) erklärtes Ziel der Ökofaschisten ist.

* Zu alledem klatscht die SPD-Opposition erregt in die Hände, macht immer hektischer gemeinsame Sache mit den Ökofaschisten. Denn der fortschreitende Machtverfall der Regierung könnte jetzt — so rechnet man in den Planungsbüros der Sozialistischen Internationale — eine rot-grüne Machtergreifung mit dem Ziel der Abkopplung der Bundesrepublik vom Westen ermöglichen Das ist die Antwort der heutigen „Neville Chamberlains" auf die sich zuspitzende militärische Konfrontationsstrategie der Sowjetunion.
Die CDU-Strategen „sehen nichts, hören nichts, sagen nichts" und verkriechen sich vor dem Meinungsterror und der Machtausübung der grünen Mafia: „Wir drehen die Schraube weiter an" (Die Grünen in Hessen).

* Seit den Bundestags- und Europawahlen sind über 50 Millionen DM Steuergelder an die Grünen geflossen. Zusammen mit den 60 Millionen DM aus dem Osten sind damit auch die gewalttätigen Störaktionen gegen die im Manöver befindlichen Soldaten, die Sabotageaktionen gegen Munitionstransporte, gegen nukleare Entsorgungseinrichtungen oder gegen Flughäfen finanziert worden. Die angerichteten Schäden haben die Steuerzahler wiederum Millionen gekostet, abgesehen von den Personenschäden und Rechtsverletzungen!

* Jetzt sitzen Ex-Terroristen, Altnazis, Gaddafi-Anhänger und Ostkader in unseren Parlamenten und entscheiden über Rechts-, Innen-, Wirtschaftsoder Kulturpolitik — ein Hohn auf die Idee unserer Republik, zum Beifall der DKP und des Ostblocks.

EAP Europäische Arbeiterpartei
6200 Wiesbaden • Bundesgeschäftsstelle • Postfach 2369 • Tel. 06121/57 70 81

„Wir drehen die Schraube weiter an", drohen die hessischen Grünen. Zurecht hat ein Bericht der Thomas-Dehler-Stiftung die Grünen, was die Fragen der Gewalt und Rechtsstaatlichkeit, Kultur und Wirtschaftsprogramm angeht, mit den Nazis von '33 verglichen. Viele im Ausland sehen mit Schrecken, wie rasch unser Land politisch und kulturell verfällt — letztendlich zum Nutzen des Ostens!
Wir fordern alle Bürger auf, mit uns die Stimme zu erheben, um diesem grün-braunen Fanatismus einen Riegel vorzuschieben, damit es nicht wieder „zu spät ist" wie vor 50 Jahren nach der „gewählten" Machtergreifung der Nazis!
Kein Pardon für die politischen Rechtsbrecher und Propagandisten des Rechtsbruchs!
Schluß mit den „Friedens"-Kapitulanten und dem ost-fiebrigen Anti-Amerikanismus!
Kulturoffensive gegen die Ökofaschisten, Separatisten und Neutralisten!


 
 
 
Am 9. Oktober 1984 verbreitete der Bundesvorstand der EAP via EIR einen Aufruf zur «weltweiten Mobilisierung» gegen das Wiederaufleben einer faschistischen Massenbewegung in Deutschland, in Form der grünen Öko-Faschisten. Helga Zepp-LaRouche wird darin mit den Worten zitiert: «Jetzt ist das Maß voll. Wir brauchen unmittelbar eine Widerstandsbewegung, die heute effektiv das erreicht, was die demokratischen Parteien gegen Ende der Weimarer Republik versäumt haben: die unheilige Allianz aus Nazis und Kommunisten zu stoppen, die damals wie heute an den Grundlagen unserer Industrierepublik rütteln. Ich rufe alle Institutionen, die demokratischen Parteien, Gewerkschaften, und Kirchen auf, sich der Mobilisierung der EAP anzuschließen...»

Angekündigt wurde ein internationaler Aktionstag, bei dem «zwei Millionen Flugblätter gegen die Grünen in der Bundesrepublik, in Frankreich, Italien und Skandinavien verteilt werden». Auch in Bonn wurden diese Zettel breit gestreut.


 
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 100


 

Führer der Grünen, M. Gaddafi, und hatten u. a. die Aufschrift <Ja zur Kernenergie, denn Kernkraftwerke sind besser gebaut als Petra Kelly>, die immer wieder allgemeines Schmunzeln hervorriefen. ..»

Die Hetze trägt Früchte: Im bayerischen Wahlkampf 1982 sprengten unbekannte Rollkommandos Veranstaltungen der Grünen, indem sie nach SA-Manier Tische und Stühle zerschlugen, um unerkannt in einem guten Dutzend mit laufendem Motor vor dem Lokal wartender Taxen zu verschwinden.

Doch damit nicht genug: Bei einer Vortragsveranstaltung von Petra Kelly in den USA ist die erste Reihe für Rollstuhlfahrer reserviert. Etwa dreißig werden hereingeschoben. Nach dem Ende ihrer Rede will Petra Kelly vom Podium gehen und erstarrt. Alle «Behinderten» haben sich von ihren Rollstühlen erhoben, umringen sie, drängen sie zurück.

Selbst in Südafrika machten die Grünen ihre bösen Erfahrungen. Im Anschluß an die mehrtätige Besetzung der bundesdeutschen Botschaft in Pretoria als Protest gegen die Südafrika-Politik der Bundesregierung, nahmen die Grünen als Beobachter an einer Pressekonferenz von Bischof Desmond Tutu in Johannesburg teil. Vor dem Gebäude standen plötzlich mehrere Personen mit Schildern wie «Erst grün dann rot» und «Grüne raus aus Südafrika». Keiner der Agierenden widersprach, als Lukas Beckmann, Vorstandssprecher der Grünen, auf die Gruppe zuging und sie laut als Mitglieder beziehungsweise Sympathisanten der EAP bezeichnete.



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 101

 
 
 
 

«Journalisten das Fürchten lehren»
 

Besonders allergisch reagieren die Mitglieder der LaRouche-Organi-sationen auf kritische Berichterstattung. Jeder, der über sie schreibt und dabei eine politische Wertung vornimmt, muß zumindest mit einer Anzeige wegen übler Nachrede oder Verleumdung rechnen. Dr. Mathias Schulenburg, Autor einer Rundfunk-Sendung im Westdeutschen Rundfunk («Nazis ohne Hakenkreuz - Die EAP in Literatur und Aktion»), gesendet am 30. November 1983, sah sich der vollen Breitseite von Klage, Diffamierung und schließlich auch Morddrohungen und anderen telefonischen Belästigungen von unbekannter Seite ausgesetzt. Für anonyme Anrufe kann natürlich keine bestimmte Gruppe verantwortlich gemacht werden. Selbst wenn man die Betrachtung auf die sozusagen autorisierten Diffamierungen beschränkt, kommt einiges zusammen. Nachfolgend eine Kostprobe aus einem Artikel des nordrhein-westfälischen EAP-Vorsitzenden Hartmut Cramer in der Neuen Solidarität vom 15. Dezember 1983:
«... Gewöhnlich gutunterrichtete Kreise beim WDR erklärten sich Schulenburgs hartnäckiges Schweigen der letzten Wochen folgendermaßen. Nach bis jetzt von der Sendeleitung noch nicht ausdrücklich dementierten Meldungen sei der junge, begabte Atomwaffenexperte bei dem verzweifelten Versuch, zusammen mit einigen Gleichgesinnten die Richtigkeit seiner haarsträubenden These zu beweisen, derzu-folge kultische Elemente durchaus in der Lage seien, privat eine Wasserstoffbombe zu bauen, auf geradezu tragische Weise ums Leben gekommen. Da er über entsprechende Verbindungen zum Geist Albert Einsteins im Jenseits verfügt habe, sei der Bau bzw. <Klau> einer Atombombe nicht so sehr das Problem gewesen. Nur als er mit den Worten <Mutti, Mutti, ich hab's> aus dem Zimmer gestürmt sei, sei er trotz (oder wegen?) seiner leuchtenden Augen in einen tiefen Schacht gestürzt und gemäß dem physikalischen Gesetz vom freien Fall direkt im untersten Kreis von Dantes Hölle gelandet. Da liege er nun, zu Eis erstarrt! Ob sich dieser tragische Vorfall im Keller des kürzlich auf



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 102 + 103


 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 104

Kosten des deutschen Steuerzahlers zusätzlich abgesicherten Anwesens des WDR-Intendanten von Seil zugetragen hat, konnte bis jetzt noch nicht abschließend geklärt werden. Merke: Wenn man immer nur auf den Schuß von hinten scharf ist, dann ist die Überraschung um so größer, wenn einer mal nach hinten losgeht!»

Bereits vor der Sendung hatte die EAP unter der Verantwortung von Ralf Schauerhammer ein Flugblatt verbreitet. Überschrift:
«Goebbels ist tot - beim WDR leben seine Methoden weiter!» Im üblichen EAP-Stil wurde ein Zusammenhang zwischen der bevorstehenden Radiosendung, dem Sender und Autor sowie der Drogenmafia in den USA konstruiert.

Natürlich bekam auch die taz ihr Fett ab. Im Zusammenhang mit kritischer Berichterstattung über die EAP und ihre Hintermänner fand sie Erwähnung in einem weiteren EAP-Zettel, mit der Dachzeile «Hinter der Rufmordkampagne gegen die EAP: Die nützlichen Idioten für den KGB»: «... Die proterroristische Tageszeitung (taz), bei der die Frage von Geldspritzen aus der DDR auftauchte, veröffentlichte am 22. Dezember die wildesten Lügen, die in der Bundesrepublik jemals gegen eine politische Partei verbreitet wurden. Der Artikel ist eine getreue Kopie einer Rundfunksendung des WDR ...» Es bleibt offen, bei wem die Frage «von Geldspritzen aus der DDR auftauchte ...» Getreu dem Motto: Es bleibt immer etwas
hängen.

Wen wundert es da noch, wenn weitere Schriften aus dem Hause EAP mit dem Satz betitelt wurden: «Der Spiegel verbreitet sowjetische Propaganda.» Im Frühjahr 1984 kündigte Lyndon LaRouche persönlich via EAP an: «Wir werden den 5p lege/politisch zu Fall bringen, indem wir Kissinger und NBC-Chef Thornton Bradshaw politisch zerstören und beweisen, daß diese Personen an einer ungeheuren Verschwörung zur persönlichen Verunglimpfung beteiligt sind...» Der'Grund: Auch in diesem Hamburger Nachrichtenmagazin war wenige Wochen zuvor über die Organisationen des La-Rouche-Clans berichtet worden.

Der Norddeutsche Rundfunk wagte es am 17. Januar 1985 in seiner Rundfunksendung «Echo des Tages» das Schiller-Institut in New York zu kritisieren. Die Neue Solidarität fand dies gar nicht gut: «... Vielleicht hätte der Washingtoner Korrespondent des NDR, ein gewisser Kirchmann, besser daran getan, einmal etwas winterliche Frischluft zu schnappen und die Demonstration und Kundgebung des Schiller-Instituts mit eigenen Augen zu verfolgen... statt die Mischung aus Halbwahrheiten, Lügen und Verleumdungen abzupinseln, die vom 13. bis 15. Januar in einer Serie des Washington
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 105

Com)Post erschien [...]. Kein Wort davon, daß Martin Luther King von den gleichen Leuten ermordet wurde, die heute gegen das Schiller-Institut mobil machen [...].» Nach einem breiten Bogen mit Abhandlungen über andere Hamburger Medien fand sich am Schluß des NS-«Kommentars» folgender neuer Namensvorschlag für den NDR: «Wie wäre es mit: Nachttopf der Russen?»

Im niedersächsischen Landtagswahlkampf belästigten die «Patrioten» im Verein mit anderen Anhängern LaRouches die Redakteure jener Zeitungen, die über sie nicht berichten mochten.

Die Neue Solidarität schimpfte am 12; Juni 1986, also drei Tage vor der Wahl, über «Pressezensur in Deutschland». So wird berichtet «von Patrioten, die auszogen, Journalisten das Fürchten zu lehren ...» Am 3. Juni 1986 hatten dem Artikel zufolge «12 Wahlkämpfer der Patrioten» das Gebäude der Neuen Osnabrücker Zeitung aufgesucht und dort mehrere Redakteure belästigt. Ein Beispiel für die Wortwahl in diesem Bericht: «... Ein grünes Redakteurchen schimpft die Patrioten <Nazigesindel>, völlig außer sich, daß die Patrioten mit ihrer Kampagne für ein Verbot der < Grünem auf so viel Unterstützung in der Bevölkerung gestoßen sind. Der Name wird notiert und das Redakteurchen später wegeh Beleidigung angezeigt [...]. Die Patrioten haben genug gehört und gesehen und verlassen den Ort [...]. Zurück bleibt eine verunsicherte Redaktion, die zumindest ahnt [...] daß [...] sich ab heute viel geändert hat - durch die Patrioten!»

Offenbar hatten mehrere niedersächsische Zeitungen es abgelehnt, weitere Großanzeigen der Patrioten zu veröffentlichen.
 
 
 
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 106


 
 
 
 

Mordverdacht
«KGB-Desinformation» im Fall Palme
 
 

Am 18. März 1986 läuft um 9.50 Uhr eine Meldung über die Ticker der Deutschen Presse-Agentur (dpa), die die LaRouche-Organisation für zwei Wochen weltweit in die Schlagzeilen bringt: «Mordverdächtiger Schwede Mitglied rechtsextremistischer Organisation». Aus Stockholm gibt dpa einen Bericht der schwedischen Tageszeitung Svenska Dagbladet wieder, der an diesem Morgen erschien: «Der im Mordfall Palme als Tatverdächtiger verhaftete Victor Gunnarsson wurde 1984 Mitglied der <Europäischen Arbeiter Partei> (EAP) [...]. Die Zeitung beruft sich bei ihren Angaben auf eine Mitgliederliste der von ihr als rechtsextrem bezeichneten EAP mit 1800 Namen in den Unterlagen der schwedischen Steuerbehörden, die für eine Kandidatur zu Parlamentswahlen eingereicht wurde.»

Am nächsten Tag ist die Meldung in allen großen Tageszeitungen rund um den Globus. Hörfunk und Femsehen berichten über den neuen Tatverdacht.

Der Wiesbadener Kurier am Sitz der bundesdeutschen EAP macht daraus eine Titelgeschichte auf der ersten Seite: «Tatverdächtiger Schwede war bis 1985 EAP-Mitglied - Partei distanziert sich von Palme-Mord - Neue Nahrung für Komplott-Theorie». Der Kölner Stadtanzeiger titelte: «Palme stand auf seiner Todesliste - Führte der verhaftete Ake Gunnarsson die Mordwaffe?»

In den Beiträgen wird auch die Stellungnahme der schwedischen EAP zu dem Tatverdacht veröffentlicht, die vierzig Minuten nach der ersten dpa-Meldung am 18. März über die Telexstationen der Redaktionen lief: «Vertreter der EAP in Stockholm bestritten am Dienstag, daß Gunnarsson jemals Mitglied der Organisation gewesen sei. Er habe sich um Aufnahme beworben, sei aber wegen seiner <zu absonderlichen Auffassungen abgelehnt worden.» Über den Fortgang der Ermittlungen berichtet die Nachrichtenagentur weiter: «Schwedische
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 107


 

Beobachter werteten die am Montag veröffentlichten Angaben über Gunnarsson einhellig als Zeichen für einen Durchbruch bei der Fahndung nach dem Palme-Attentäter. Dennoch wird in mehreren Punkten auf wichtige Nuancierungen in den Angaben des Stockholmer Oberstaatsanwaltes K. G. Svensson sowie des Fahndungsleiters Hans Holmer hingewiesen.

So hieß es in der von Svensson am Montag veröffentlichten Presseerklärung einerseits, es sei wahrscheinlich, daß der verhaftete Mann an dem Mord beteiligt war. In demselben Text erklärt Svensson aber gleichzeitig: <Es gibt nach den bisherigen Untersuchungsergebnissen keine gerichtsverwertbaren Beweise für eine Täterschaft des Mannes.»»

Victor Gunnarsson bestritt jede Beteiligung an dem Attentat. Der Tatverdacht gegen ihn basierte vor allem auf Zeugenaussagen, wonach er sich zur Mordzeit in der Nähe des Tatortes aufhielt. Er soll zunächst versucht haben, von vorbeifahrenden Autos mitgenommen zu werden. Als das nicht gelang, soll er die Nachtvorstellung eines nahe gelegenen Kinos lange nach Beginn der Vorstellung aufgesucht haben. Ein Interview der Stockholmer Boulevard-Zeitung Aftonbia-det mit der jetzt in den USA lebenden Ex-Frau Gunnarssons lieferte ein mögliches Tatmotiv. «Er glaubte, daß Palme Schweden der Sowjetunion eingemeinden und damit in des Teufels Grab bringen werde», erzählte die Frau.

Andere Zeugen erklärten, Gunnarsson habe Anfang Februar in Telefongesprächen gesagt: «Palme steht oben auf der Todesliste. Blut wird auf den Straßen Stockholms fließen.»

Der so schnell in das Interesse der Weltöffentlichkeit geratene 33 jährige Gunnarsson war in den vergangenen Jahren mehrfach als Wachmann tätig und hatte dabei die Handhabung von Waffen erlernt. Nach den Angaben schwedischer Zeitungen soll er besonders sprachbegabt sein und neben seiner Muttersprache fließend deutsch, englisch, französisch, spanisch und italienisch sprechen. Er habe unter anderem als Schwedisch-Lehrer für Ausländer gearbeitet.

Nach und nach entstand das Bild einer dichten Indizienkette. Die Berichterstattung vermittelte in Schweden wie im Ausland den Eindruck, der Mörder OlofPalmes sei gefunden. Währenddessen bemühen sich Sprecher der LaRouche-Organisation in Schweden und auch in der Bundesrepublik, die Zugehörigkeit Ake Victor Lennart Gun-inarssons zur EAP zu dementieren. Zunächst bestritten sie, daß er j jemals Mitglied ihrer Organisation gewesen sei, doch dann veröffentlichten sie eine neue Version. Der EAP-Sprecher Michael Ericson distanzierte sich von dem Attentat und bestätigte zumindest, daß der



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 108


 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 109


 
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 110


 

Tatverdächtige im Dezember 1984 Mitglied der Partei geworden und im Mai 1985 wegen <seines merkwürdigen Auftretens> wieder aus der Mitgliederkartei gestrichen worden sei. Auch in der Wiesbadener Zentrale der Partei meldete sich am Telefon unter «Campaigner-Ver-lag» der LaRouche-Mitarbeiter Rainer Apel und verlas anfragenden Journalisten die Ericson-Erklärung. Weitere Fragen wurden nicht beantwortet.
Eine andere Meldung der Nachrichtenagenturen über den Mordfall Palme ist zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten. Nach der Verhaftung Gunnarssons am Mittwoch abend, dem 12. März - sein Name wurde bis zum darauffolgenden Montag (17. März) nicht bekanntgegeben -, trifft ein Bekennerschreiben einer bisher unbekannten Gruppe, die sich als «Europäische Nationalsozialistische Union» (ENU) bezeichnet, bei der schwedischen Nachrichtenagentur TT und der Abendzeitung Aftonbladet ein. Der Brief war auf englisch abgefaßt und in Uppsala aufgegeben worden. Willy Brandt wurde darin als «nächstes Opfer» bezeichnet. «Die ENU hat Olof Palme im vergangenen September auf ihrer Jahreskonferenz in Berchtesgaden zum Tode verurteilt», hieß es in dem Schreiben. An der Konferenz hätten «ENU»-Führer aus 13 europäischen Ländern und den USA teilgenommen.

Die bundesdeutschen Sicherheitsbehörden konnten eine Existenz dieser Organisation nicht bestätigen. Auch eine Konferenz in Berchtesgaden, dem Domizil von Hitlers «Berghof», war nicht bekannt.

Die veröffentlichten Indizien gegen Gunnarsson reichten jedoch nicht für eine gerichtliche Anklage. Bei einer zweiten Gegenüberstellung mit dem Schlüsselzeugen wurde der Tatverdächtige nicht wiedererkannt. Er wurde deshalb am 19. März wieder auf freien Fuß gesetzt. Zu seinem Schutz hielt die schwedische Polizei Victor Gunnarsson jedoch an einem unbekannten Ort von Stockholm fern.

Auch der für die LaRouche-Organisation glückliche Ausgang der Ermittlungen hatte negative Begleiterscheinungen zur Folge, die vor allem die Europäische Arbeiterpartei in der Weltöffentlichkeit nicht nur interessant machten, sondern auch in ein kritisches Licht brachten.

Die Veröffentlichungen der Organisation über Olof Palme und die schwedischen Sozialdemokraten, bis zu diesem Vorfall weitgehend unbeachtet, wurden von einem auf den anderen Tag zum Thema. Die Zeitungen zitierten aus diesem Anlaß die schwedische Ausgabe der Neuen Solidarität, deren Hetz-Beiträge über Palme als mögliches Tatmotiv gewertet wurden: «Schwedens Bevölkerung wird von einem Wahnsinnigen gelenkt, einem geistesgestörten Mörder, der aus der



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 111

düsteren Winternacht auftaucht mit einer Axt in Bereitschaft. Hinter der demokratischen Maske steckt der wirkliche Olof Palme, eine rasende Bestie, ein Mörder mit der Axt, der Teufel schlechthin.» Auch in der deutschen Ausgabe der Neuen Solidarität wurde der Ermordete in den siebziger Jahren in dieser Stürmer-Sprache charakterisiert. In der Ausgabe vom 18. Juni 1975, pres'serechtlich verantwortet von Anno Hellenbroich, wurde Palme in einer Karikatur mit der Axt in der Hand und weit aufgerissenen Augen als lüsterner Teufel vor dunklem Hintergrund gezeigt. Darunter die Schlagzeile: «Palme: Des Teufels Beelzebub». Der mit «W. Engdahl» gezeichnete Artikel gab ähnliche Hetzparolen, offensichtlich in einer lockeren Übersetzung, wieder: «Die schwedische Bevölkerung wird von einem Verrückten regiert, einem Lustmörder, der aus der bitterkalten Winternacht kommt und sich mit der Axt in der Hand an sein Opfer heranschleicht [...]. Hinter der demokratischen Maske steckt der wahre Olof Palme, eine bösartige Bestie, Beilmörder, des Teufels Beelzebub selbst.»

Weitere Palme-Beschimpfungen in dem Horror-Text: «häßliches Abfallprodukt einer toten Welt», «Sohn einer geisteskranken Militäraristokratie» oder «Palme, der Hirnschlächter».

Auch Flugblätter der EAP ließen den Geist der Nazi-Hetze wieder aufleben. So zum Beispiel in einem Text vom 16. Juni 1976 über «Olof Palmes schwedisches <Saustall-Modell>». Ein Vergleich mit Orwells «Animal Farm» wurde zu üblen Diffamierungen benutzt: «[...] die Hauptschweine im schwedischen Parlament, o Verzeihung, auf der <Animal Farm> [...]». Der Schlußsatz in dem von LaRouche-Aktivist Wolfgang Lillge presserechtlich verantworteten Flugblatt: «Ein Schwein, das auf zwei Beinen geht, ist immer noch ein Schwein.»
In der Neuen Solidarität wurde noch am 12. Juli 1984 von Schweden als einem «faschistoiden Staatsmodell» gesprochen. Die Schlagzeile des Beitrages: «Olof Palmes Schweden: Totalitärer Polizeistaat -EAP führt Widerstandsbewegung gegen sozialdemokratische Gleichschaltung».
Folgerichtig wurde deshalb wohl auch am 9. September 1984 der schwedische Zweig des Schiller-Instituts «als neue, mächtige Widerstandsorganisation» etabliert. Auch das Fusions-Energie-Forum ist in Schweden aktiv. In der deutschsprachigen Fusion Nr. 5/6, 1982 wird der Vorsitzende der «Industrievereinigung <Utveckla Sverige> (Entwickelt Schweden)» vorgestellt: Kurt Frankborn (41), «Präsident des Industrieunternehmens Hogstadt Aluminium in Schweden». Der <Ut-veckla Sverige> sollen «250 Unternehmen und Firmenleitungen angehören». Die Zeitschrift der Vereinigung Energi & Utveckling gilt als Pendant zur Fusion.



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 112

Die schwedischen LaRouche-Leute schlagen ein «Milliardenprojekt» vor, um das Uranerz aus dem Schiefergestein zu gewinnen: «Der dazu notwendige Industriekomplex sollte dabei die fortgeschrittensten Technologien in sich vereinigen.» Da sollte auch ein Hochtemperaturreaktor (HTR) nicht fehlen.

Als Gast des Fusions-Energie-Forums und der Energi & Utveckling schlug der Unternehmer Richard G. Talbert, Gründer der «Firma <Texas Electro-Seise>, Fort Worth (Texas)», eine «bedeutende Neuerung für die Suche nach Erdöl- und Erdgasvorkommen» vor. Laut Fusion (Nr. l, 1982, S. 58) sprach Talbert unter anderem «mit führenden Geologen und Geophysikern eines staatlichen geophysikalischen Forschungszentrums im schwedischen Uppsala» und hielt «Vorträge vor den Explorationsabteilungen deutscher und schwedischer Unternehmen [...]».

Schweden gehört, neben der Bundesrepublik und Italien, zu den wichtigsten Operationsgebieten der LaRouche-Organisation in Europa. Die einzelnen Vereinigungen wurden nach dem gleichen Muster, wie es aus der Bundesrepublik bekannt ist, mit amerikanischer Hilfe aufgebaut. Ihre Aktivitäten in dem skandinavischen Land gleichen den in anderen Operationsgebieten wie ein Ei dem anderen.

Um den zeitweise verdächtigten Mitarbeiter Victor Gunnarsson ist es unterdessen ruhig geworden.

In der zweiten Maiwoche wurde Victor Gunnarsson erneut Zeugen gegenübergestellt. Wenig später wurden die Ermittlungen gegen ihn ganz eingestellt. Der Chefankläger K. G. Svensson trat wegen Differenzen mit Polizeichef Hans Holmer zurück. Die LaRouches triumphierten in ihrer Neuen Solidarität: «KGB-Desinformation gegen die schwedische EAP».



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 113


 
 
 
 

4. An deutscher Technik soll die Welt genesen

LaRouche auf der Suche nach der Energiequelle für übermorgen
 
 



Leerseite


Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 115


 
 
 
 

Technofanatismus, Elite-Denken und die «Lüge» vom Holocaust
 
 
 

Dr. Klaus Karbe konnte sich die EAP-Propaganda nicht mehr länger anhören. Er sagte den LaRouche-Leuten hinter ihrem Informationsstand auf dem Theaterplatz in Bonn-Bad Godesberg gründlich seine Meinung. Doch die offenherzige Antwort auf die Fragen, ob er nicht auch «für Kernenergie» und «gegen die Grünen» sei, wurde massiv erwidert. Im März 1983, fast ein Jahr nach dieser Begegnung, sah er die EAP-Werber Feuerte und Prinz vor der 8. Zivilkammer des Landgerichts Bonn wieder. Er soll ihnen gegenüber geäußert haben: «Das sind die neuen Nazis!»

Die EAP, vertreten durch den Parteifunktionär Uwe Friesecke, klagte auf Widerruf und Unterlassung - «bei Meidung von Ordnungsgeld bis zu 500 000,-DM, ersatzweise Ordnungshaft bis zu 2 Jahren». Der Bonner Klaus Karbe erklärte vor Gericht, den Begriff «neue Nazis» nicht verwendet zu haben, vielmehr habe er von «einer neuen faschistischen Partei» gesprochen.

Das Bonner Landgericht jedoch wies in seinem am 28. April 1983 verkündeten Urteil (Az 80 619/82) die harte EAP-Klage als unbegründet ab. Die Begründung: als wertende Meinungsäußerung sei die Aussage von Klaus Karbe «in Wahrnehmung des Rechts auf freie Meinungsäußerung gemäß Artikel 5 Absatz l des Grundgesetzes erfolgt».

Was sich der EAP-Kritiker Karbe mühsam vor Gericht erstreiten mußte, ist für die LaRouches längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Harte politische Wertungen über den Gegner sind in ihren Publikationen an der Tagesordnung, nicht selten mit einem Beigeschmack, der in furchterregender Weise an vergangene Zeiten des Schreckens erinnert. Ein Beispiel aus der New Solidarity (N. S) vom 21. März 1976: das Editorial mit dem Titel «Eine Strategie für den Kriegsgewinn». Der Hetzartikel erklärt im Stürmer-Stil, was mit dem politi-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 116

sehen Gegner geschehen soll: «Amerika muß für seinen gerechten Krieg durch die sofortige Eliminierung der nazistischen jüdischen Lobby und anderer britischer Agenten aus den Räten der Regierung, der Industrie und der Gewerkschaften gereinigt werden.» Als wichtiger Vorstoß auf dem Weg zum Kriegsgewinn sei es, Roß und Reiter zu nennen («Naming of names» - ein Begriff aus der Geheimdienstsprache): «Krieg gegen Kissinger, Brzezinski und die britischen oligarchi-schen Nazis ist ein gerechter Krieg.»

Am 8. Dezember 1978 klärt der große Parteiführer Lyndon H. La-Rouche in einem MS-Artikel persönlich über die Hintergründe des Zionismus auf. In seinem «Pamphlet» wird der Zionismus als «Status kollektiver Psychose» bezeichnet, «durch die London den größten Teil des internationalen Judentums manipuliert».

LaRouches Weltsicht, mehr als dreißig Jahre nach dem Ende der grausamen Erfahrungen des Faschismus geäußert: «Die (gegenwärtige) Zeitperiode ist gefährlich, weil Israel ein britischer Marionetten-Staat im Mittleren Osten ist.» Und weiter im Stil der Ewiggestrigen:
«Die verächtliche, aber leidenschaftliche Sophisterei, die die zionistischen Demagogen allen anbieten, die dumm genug sind, durch solche Schwindel beeindruckt zu werden, ist die <Holocaust>-These. Es wird argumentiert, daß die Juden-Verfolgung im Nazi-Holocaust den Zionismus zur existentiellen Bedingung für das <jüdische Überleben> mache, so daß jeder Antizionist nicht nur ein Antisemit ist, sondern jede Art krimineller Handlungen gegen Antizionisten wegen der mythischen <sechs Millionen jüdischer Opfer des Nazi-Holocaust» entschuldigt ist.» Und LaRouche fährt mit der altbekannten Leugnung des faschistischen Völkermordes fort: «Das ist schlimmer als Sophisterei. Es ist eine Lüge.»

Angesichts dieses Verständnisses der deutschen Geschichte muß auch das Technologie-Modell von Helga Zepp-LaRouche den aufmerksamen Beobachter aufhorchen lassen: «Die Deutschen haben heute das Recht und die Pflicht zu sagen: <Deutsche Technik für die Welt>.»

So stand es in einem Beitrag der Neuen Solidarität zum 4. Bundesparteitag der EAP in Eltville am 17. Juli 1980: «Was ist eine Nation?»

Dort wird auch aus der Rede des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Lyndon H. LaRouche zitiert: «Wir müssen eine neue republikanische Elite aulbauen, und die einzige Kraft, die auf der ganzen Welt dazu in der Lage ist, ist unsere Organisation. Nur wir haben das Wissen und die Methode, einer neuen Elite das nötige historische, naturwissenschaftliche und vor allem ökonomische Wissen beizubringen, das die Welt zum Überleben braucht.»



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 117


 
 
 
 

Das Fusions-Energie-Forum (FEF):

LaRouche und die Gemeinde der Atomwissenschaftler
 
 
 

Wiesbaden, am 31. Januar 1978. In der Schiersteiner Straße Nr. 6 treffen sich am Abend neun Personen, eine Frau und acht Männer im Durchschnittsalter von 32 Jahren. Managertypen, deren Zeit auch abends um halb acht noch kostbar ist. Ihr Treffen soll nicht lange dauern, tiefgreifende Diskussionen sind nicht zu erwarten. Dennoch soll an diesem Abend etwas Neues kreiert werden: ein Verein mit hochgesteckten Aufgaben.

Dr. Helmut Böttiger, geboren 1940, ist der älteste Teilnehmer in der Runde. Er schlägt sich selbst als Versammlungsleiter vor.

Böttiger eröffnet die Sitzung. Die Versammelten bestätigen einstimmig seine Versammlungsleitung. Ralf Schauerhammer, Student, geboren am 15. Mai 1949 in Jena, protokolliert die Versammlung.

Der nächste Tagesordnungspunkt ist ebenso schnell abgehakt: Gründung des «Fusions-Energie-Forums». Die Abkürzung für den neuen Verein: FEF. Die vorbereitete Satzung deutet auf große Ziele: «Einen Beitrag leisten zur Lösung der dringendsten Weltprobleme.»

Die Teilnehmer der Gründungsversammlung lassen erkennen, daß es sich bei dem FEF um eine weitere LaRouche-Organisation nach altbekanntem Muster handelt. Die Studenten Hans Bandmann, Günter Beyes und Ralf Schauerhammer, der Lehrer und ehemalige Biele-felder Hochschulassistent Dr. Helmut Böttiger, der graduierte Ingenieur Helmut Frick, der Untemehmensberater Dr. Johannes Hörn, der Ingenieur Hartmut Schäfer, der Medizinische Assistent Jürgen Spahn und die Laborantin Elisabeth Stalleicher - sie alle sind schon von den Wahllisten der Europäischen Arbeiter Partei und den Vereinslisten anderer LaRouche-Organisationen bekannt. Sie teilen sich größtenteils im «Club ofLife», in der «Privaten Akademie für Humanistische Studien» oder in der «Anti-Drogen-Koalition» die Vorstandsämter.
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 118

Als Geschäftsstelle wird die Schiersteiner Straße Nr. 6 in Wiesbaden gewählt - zu diesem Zeitpunkt der Sitz zahlreicher LaRouche-Organi-Sationen. Erklärtes Kernziel der neugeschaffenen Vereinigung: die möglichst rasche Entwicklung der kontrollierten Kernfusion. So klar wie das Ziel sind bereits auch die Gegner ausgemacht. Der neue Verein stellt «den technologiefeindlichen neomalthusianischen Theorien» die Notwendigkeit des technologischen Fortschritts auf allen Gebieten, besonders aber auf dem Gebiet der Kernenergie entgegen.

Das Pusions-Energie-Forum ist straff geführt. Die Satzung verankert das Recht des Vorstandes, über die Mitgliedschaft zu entscheiden - bei derart geringer Mitgliederzahl ein bedeutendes Vereinsrecht: «Über den Ausschluß entscheidet der Vorstand mit einem schriftlich begründeten Bescheid.»

Der 29jährige Student Hans Bandmann wurde auf Vorschlag Böttigers zum Vorsitzenden gewählt - einstimmig, wie alle Entscheidungen in diesem exklusiven Club. Der ebenfalls 29jährige Ralf Schauerhammer wird sein Stellvertreter. Bandmann und Schauerhammer bewohnen zu dieser Zeit gemeinsam das Haus in der Wiesbadener Arndtstraße 6. Wie fast alle anderen LaRouche-Aktivisten wohnen sie auf wenige Wohnungen beziehungsweise Wohngemeinschaften verteilt zusammen. Dieses durchgängige Strukturprinzip, seit Gründung der European Labour Committees gültig, hält die Mitarbeiter in enger Bindung zur gemeinsamen Aufgabe.
Für einen Tagesordnungspunkt hat die Gründungsversammlung jedoch mehr Zeit: den Bericht des soeben gekürten Vorsitzenden Bandmann über eine Konferenz der bereits länger existierenden amerikanischen «Bruderorganisation» «Fusion Energy Foundation» (FEF) in New York, die 1974 von Lyndon H. LaRouche gegründet wurde. Er betont das besondere Gewicht, das von den dort versammelten 200 Vertretern aus Großbetrieben, Botschaften und Universitäten auf die Durchführung des «Nahost-Entwicklungsprojektes» der FEF gelegt wurde. Wieder einmal einstimmig bekennen sich die Wiesbadener FEF-Neulinge auf Vorschlag des Vorsitzenden zu den Freunden aus den USA: «Das Fusion-Energie-Forum sieht in der Fusion Energy Foundation ihre Bruderorganisation in den Vereinigten Staaten, mit deren Zielen und Arbeitsweisen es vollständig übereinstimmt.»

Der FEF-Vorsitzende Hans Bandmann zählt heute zu den Abtrünnigen. Er gehört keiner LaRouche-Organisation mehr an. Er lebt zurückgezogen und möchte von der EAP und den anderen Vereinigungen nichts mehr hören. Das Beispiel Bandmann zeigt, wie der La Rouche-Clan mit «Problemfällen» und internen Kritikern umgeht.



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 119


 

Das nüchterne Protokoll der Mitgliederversammlung vom Samstag, dem 27. Juni 1981, läßt den Stil der Auseinandersetzung erahnen.

Treffpunkt war auch diesmal die Schiersteiner Straße 6 in Wiesbaden. Die FEF-Versammlung dauerte von 16 bis 19 Uhr. 12 stimmberechtigte Mitglieder waren anwesend, unter ihnen einige Teilnehmer, die bei der Gründungsversammlung noch nicht dabei waren, allerdings zu den bekannten Namen in der LaRouche-Organisation gehören: Uwe Friesecke, Edmund Steinschulte, Heinz Horeis, der Fusion-Verleger Karl-Heinz Holz und Josef Stalleicher, «der an Abstimmungen nicht teilnahm, und ein Gast». Ralf Schauerhammer eröffnete die Versammlung und schlug sich als Versammlungsleiter vor. Das Protokoll verzeichnet unter dem Tagesordnungspunkt eins: «Ralf Schauerhammer verlas eine Erklärung des Vorstandes über Ausscheiden und Ausschluß von Hans Bandmann aus dem FEF und seinem FEF-Vorstand. An die Verlesung schloß sich eine Aussprache über Einzelheiten, Hinter- und Beweggründe der Vorfälle um Hans Bandmann an [...].» Der Name Hans Bandmann taucht in der Teilnehmerliste dieser Versammlung nicht auf.

Ralf Schauerhammer wird sogleich einstimmig zum Nachfolger Bandmanns gewählt, erster Stellvertretender Vorsitzender und Schriftführer wird Dr. Helmut Böttiger, zweiter Stellvertreter Uwe Friesecke (Jahrgang 1948). Bis zum November 1985 wurde diese Vorstandszusammensetzung nicht mehr geändert.



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 120


 
 
 
 

«Fusion»

LaRouche-Lobhudelei, Atomtechnologie und Nazi-Humor
 
 
 

Sie paßt weder in die Regale der naturwissenschaftlichen Institute noch in die Abteilung «religiöse Sekten». Wer die Zeitschrift Fusion, über sechzig Seiten stark, reich bebildert mit Schwarzweiß-Fotos und technischen Zeichnungen, in Händen hält und durchblättert, wird sie auf Anhieb nicht zuordnen können. Scheinbar seriöse wissenschaftliche Beiträge neben einem Kommentar, wie in der Ausgabe 6,1985, mit der Überschrift: «Was, Sie glauben auch an Tachyonen-Energie?» oder ein Beitrag über «Die Geometrie des Lebens» von Dr. med. Ned Rosinsky, abgerundet durch eine Witzecke auf der «letzten Seite», die eindeutig die Ekelgrenze demokratischer Moral überschreitet (siehe Kasten «Humor»).

Fusion, das ist ein Gemisch aus teilweise seriösen wissenschaftlichen Beiträgen, Pseudo-Wissenschaft und offener Volksverhetzung gegen Grüne und alle nicht mit der LaRouche-Ideologie konformen Gruppen und Personen.

Der Zeitschriftentitel Fusion ist zugleich politisches Zukunftsprogramm. Die Kernfusion ist für die LaRouches das technologische Konzept, das alle Menschheitsprobleme auf Jahrhunderte hinaus lösen soll. Als diese technisch nicht verwirklichte Methode der Energiegewinnung für die Forschungspolitiker noch Science-fiction war, begann das FEF mit seinem Propagandafeldzug für Kernfusion.

Nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl können sich die La Rouches nun auf Verbündete in Bonn freuen. Sogar der Bundesforschungsminister Dr. Heinz Riesenhuber ist von der Fusionsidee begeistert. In einer Presseerklärung vom 20. Mai 1986 ließ er seiner Faszination freien Lauf:

«Wie groß die Energiemengen sind, die bei der Fusion frei werden können, zeigt die Wasserstoffbombe - die bisher einzige Form, in der die Fusion auf der Erde in großem Maßstab verwirklicht worden ist.»



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 121

Bei gründlichem Durchblättern der vermeintlichen Wissenschaftszeitschrift muß jedem aufmerksamen Leser die Eigenwerbung für den großen Lyndon H. LaRouche auffallen. Die Zugehörigkeit der Fusion zu dem LaRouche-Clan ist unübersehbar. Um so erstaunlicher ist deshalb, daß renommierte und bekannte Wissenschaftler zu Interviews mit der Fusion bereit sind. So zum Beispiel der «erste Bundesdeutsche im Weltall» Dr. Ulf Merbold oder der Nobelpreisträger Professor Dr. Klaus von Klitzing.

Das Heft ist in wissenschaftlichen Bibliotheken, wie etwa in der Kemforschungsanlage Jülich oder auch in der Bibliothek des Deutschen Bundestages, einsehbar.

Wer liest diese Zeitschrift? Angeblich verfügt die Fusion über 20000 deutschsprachige Abonnenten. Der ehemalige FEF-Vorsit-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 122


 

zende Hans Bandmann berichtete, der Siemens-Konzern hätte 1981 82 100 Exemplare zur freien Verteilung abonniert.

Interessierten, die an Info-Ständen der EAP oder anderer La-Rouche-Vereinigungen auf der Straße angesprochen wurden, ist die Zeitschrift auch kostenlos zugesandt worden.

Nur wenige Ausgaben der Fusion enthielten Inserate, meist von Firmen mit naturwissenschaftlich-technischen Spezialprodukten, zum Beispiel aus der Laseroptik. In den jüngeren Ausgaben sind überhaupt keine Fremdanzeigen mehr zu sehen. Lediglich auf eigene Publikationen, wie das Buch der Fusion-Autoren Heinz Horeis und Michael Liebig: «Strahlenwaffen - Militärstrategie im Umbruch», erschienen im Verlag für Wehrwissenschaften in München, wird hingewiesen. Eine Umschlagseite ist auch häufig mit einer Anzeige für das «International Journal of Fusion Energy» versehen, einer Publikation der Fusion Energy Foundation aus den USA.

Ein Abonnement der Fusion kostet jährlich 40 Mark- ein für Fachzeitschriften vergleichsweise niedriger und wohl kaum kostendeckender Preis. Die Mitgliedschaft im FEF kostet im Jahr 120 Mark, für Studenten und Schüler nur 60 Mark.

Wie die Fusion Energy Foundation und ihre «Bruderorganisationen» in mindestens acht Ländern diese aufwendige Publikation der Fusion sechsmal im Jahr, ergänzt durch das International Journal of Fusion Energy, finanziert, bleibt ihr Geheimnis.

Die enge Bindung an die amerikanische Bruder- (oder Mutter-?) Organisation ist vor allem in der Vereins-Publikation des FEF erkennbar. Die Zeitschrift Fusion erscheint in der Bundesrepublik ab Juli 1980, zunächst vierteljährlich, später zweimonatlich. Entsprechende Länderausgaben gibt es auch in anderen Ländern, jeweils herausgegeben von gleichnamigen Vereinen: in Frankreich die «Fondation pour l'energie de fusion» mit Sitz in Paris, in Italien die «Fondazione per L'Energia di Fusione» mit Sitz in Rom, in Schweden die «Fusions-energiföreningen», in Mexiko die «Associaciön Mexicana de Energia de Fusion» und schließlich das Fusion Asia Magazine in New Delhi. In über einem halben Dutzend Großstädten werden FEF-Vertretungen in der Bundesrepublik genannt - mit bekannten Adressen von La-Rouche-Residenten.

Die erste deutschsprachige Ausgabe wirkt zunächst wie eine Haus-postille des Garchinger Max Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP). Das Titelbild zeigt die kurz vor Drucklegung in Betrieb genommene Fusionsanlage ASDEX (Axialsymmetrisches Divertor-Experiment), im Innenteil steht der Leiter des Instituts, Professor Wienecke, Rede und Antwort. Sein Foto stammt, wie noch weitere Aufnahmen in



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 123

Fusion Nr. l, vom Garchinger IPP. Dieser Themenschwerpunkt war kein Zufall. Schließlich hat das Fusions-Energie-Forum sein Vermögen für den Fall seiner Auflösung den Garchinger Forschern zugedacht - mit der Maßgabe, die Mittel unmittelbar und ausschließlich für die Fusionsforschung zu verwenden.

Auch in der Diplomatie erzielten die LaRoucher mit ihrer Zeitschrift Erfolge. Fusion-Autor Dr. Steven Bardwell erhielt zum eispiel im Juli 1980 eine Einladung zum Vortrag auf einer vom Mexikanischen Petroleum-Institut veranstalteten Konferenz über «Öko-metrie und Energie». Im September 1980 trat die mexikanische FEF als Veranstalter auf. Fusion zufolge waren als Teilnehmer Vertreter der Entwicklungsbank der mexikanischen Regierung und Repräsentanten des mexikanischen Ölkonzerns PEMEX gekommen.

Kontakt zu Diplomaten wurde über das FEF auch in Bonn aufgebaut. Mit einer Studie über «Die Industrialisierung Afrikas» wandten sich die Fusionsenergie-Kämpfer an die in Bonn residierenden Botschaften und entwicklungspolitische Organisationen. Zur Vorstellung der Studie lud das Fusions-Energie-Forum ins Nobelhotel Steigenber-ger im Bonn-Center ein. Den vierzig Teilnehmern des Empfangs -unter ihnen nach Angaben von Fusion vorwiegend afrikanische Diplomaten aus den Botschaften von Äthiopien, Elfenbeinküste, Kamerun, Madagaskar, Malawi, Togo und Zaire - versicherte die Mitautorin Helga Zepp-LaRouche, die Afrikaner könnten die Probleme des Kontinents nicht alleine lösen. Beispielhaft verwies sie statt dessen «auf die wirtschaftspolitischen Vorstellungen, die im 19. Jahrhundert die Industrialisierung Europas, der USA und Japans ermöglichten».

Hans Bandmann, auch als Autor der Studie vorgestellt, empfahl den Einsatz sogenannter «harter» Technologien wie Stahlwerke im Gegensatz zur «sanften» Konkurrenz von Biogasanlagen und Sonnenenergie. Obgleich Afrika über unerschlossene Kohle-, Öl- und Wasserkraftreserven verfüge, müsse vor allem die Kernenergie in diesem Kontinent uneingeschränkt genutzt werden: «nukleare agro-in-dustrielle Produktionskomplexe (Nuplexe)» als Ausgangspunkt der Industrialisierung Afrikas - zur Freude der europäischen Wirtschaft.

Angesichts dieser eindeutigen Parteinahme für eine Entwicklungspolitik, die auf hochindustrialisierten Großanlagen aufbaut, muß ein Firmeninserat in der Fusion besonderes Erstaunen auslösen, eine Rarität mit hohem Seltenheitswert: in der Ausgabe 5,1981 wird eine einseitige Anzeige der Firma Fritz Werner GmbH aus Geisenheim am Rhein veröffentlicht. Das sonst um Publizität überhaupt nicht bemühte Unternehmen liefert Großanlagen besonderer Art in alle



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 124

Welt. Unter «Anlagen» verstehen die Geisenheimer, neben einigen tatsächlich zivilen Gerätschaften wie Druckereimaschinen und kleineren Biogasanlagen, hochmoderne Waffenfabriken. Auf den «Anlagen» von Fritz Werner werden heute überall in der Welt in Lizenz Kriegswaffen produziert, unter anderem das «deutsche Wundergewehr» G 3 von Heckler & Koch. Der heimliche Riese des deutschen Rüstungsexports, stets um einen zivilen Anstrich seines Geschäfts bemüht, befindet sich über ein verschachteltes Beteiligungssystem zu fast hundert Prozent in staatlichem Besitz und wird wesentlich kontrolliert von der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Der staatliche Waffenlieferant macht zwar als Gesamtkonzern keine großen Profite, dafür aber um so größere und brisantere Exporte. Mit hohem Personaleinsatz ist der öffentlichkeitsscheue Staatsbetrieb in fast jedem Krisengebiet dabei. Die Auftragssummen der Einzellieferungen von Fritz Werner-«Anlagen» gehen bis in Milliardenhöhe. Doch selbst in dieser Größenordnung wollen die Geisenheimer ihre Arbeit nicht beim Namen nennen. Für Waffenfabriken fallen ihnen zuweilen sogar sehr ausgefallene Bezeichnungen ein, wie zum Beispiel «Marmeladenfabrik» oder wie im Falle einer Lieferung an den Wüstenstaat Saudi-Arabien der weniger gelungene Tarnname «Sägewerk».

Das Erstaunliche bei der Fritz Werner-Anzeige in Fusion ist zunächst die Tatsache, daß Fremdinserate in der LaRouche-Zeitschrift sehr selten sind. Außer Hinweisen auf andere Publikationen der Organisation findet der Leser keine Werbung in den Heften. Die Anzeigenseite der Geisenheimer Rüstungsexporteure ist auch deshalb besonders kurios, weil Fritz Werner bisher als Inserent in Wissenschaftszeitschriften noch nicht auf getreten ist. Nicht einmal die «wehrtechnischen» Fachzeitschriften werden mit Inseraten der Rüstungsschmiede bedacht.

Die Rückfrage bei dem Unternehmen im Rheingau brachte keine neuen Erkenntnisse. Am Telefon gab sich der Firmensprecher zunächst überrascht. Er wolle alles überprüfen, versicherte der Fritz-Werner-Mann.

Die Fragen blieben jedoch unbeantwortet. Auch mehrere schriftliche Anfragen vermochten das Unternehmen nicht zu einer Stellungnahme zu bewegen.
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 125


 
 

«Humor»
 

Wie in allen Publikationen der LaRouche-Organisation, so darf auch in Fusion die Hetze gegen Grüne und «Atomgegner» nicht fehlen. Eine Kostprobe dieser besonderen Art von Humor, wie sie selbst in der Deutschen Nationalzeitung nicht zu lesen ist, aus der Fusion Nr. l, 1984: «Was ist schwarz und sitzt auf einem Baum? - Ein Grüner nach einem Waldbrand.»
Oder: «Organische Düngung wird von den Grünen als Mittel gegen das Waldsterben vorgeschlagen. Frage: Wieviel Grüne sind notwendig, um einen Baum zu düngen? Antwort: fünf. Eigentlich reicht einer, aber für diesen werden fünf benötigt, um ihn zu überzeugen, in die Knochenmühle zu steigen...»
Kein Einzelfall. In Fusion Nr. 4, 1984 darf über folgenden «Witz» gelacht werden: «Moderne Kunst: Warum hat man dieses Bild hier aufgehängt? Weil man den Künstler nicht erwischt hat!»
 
 
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 126


 
 
 
 
 

Stars von gestern
Die Mitstreiter des Fusions-Energie-Forums
 
 
 
 

Abstruse Theorien und Pseudowissenschaft einerseits, ein kleiner, illustrer Club von «verdienten» Naturwissenschaftlern andererseits -das ist die merkwürdige Mischung der multinationalen Fusion Energy Foundation. Die wirre, technofanatische Ideologie, besser gesagt der wahnsinnige Ideenbrei, für sich allein genommen, könnte die häufig geäußerte These von der «Polit-Sekte EAP» belegen. Der Spiegel-Titel vom 5. Mai 1984 würde den Punkt treffen: «Wahn-GmbH und Co. KG».

Wenn da nicht noch die «renommierten» Wissenschaftler wären, deren politischer Standort und akademische Vita keineswegs in das Reich des Wahnsinns passen. Um das Fusions-Energie-Forum ist eine kleine Gruppe von Kernphysikern versammelt, deren wissenschaftlich-technologische Arbeiten die Entwicklung der Atomkraft entscheidend geprägt haben, unter ihnen Kernkraft-Pioniere der ersten Stunde, als die Deutschen mit Hochtouren an der Entwicklung der «Uranbombe», der großen Hoffnung der letzten Weltkriegs jähre, arbeiteten. Der einzige «Wahn», von dem diese Forscher besessen sind, ist der uneingeschränkte Glaube an das wissenschaftlich und technologisch Machbare.

Zu ihnen gehört der mittlerweile emeritierte Professor Erich Bagge (73), ehemals Leiter des Instituts für Reine und Angewandte Kernphysik an der Christian Albrecht-Universität Kiel.

Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete Bagge in der «Gruppe Diebner», benannt nach dem Leiter des Kernforschungsreferats in Hitlers Heereswaffenamt, Dr. Kurt Diebner. Das große Ziel der Gruppe war die Entwicklung einer reichsdeutschen Atombombe. Heute bestreitet Bagge zwar, jemals etwas mit der Entwicklung von Waffen oder gar Nuklearwaffen zu tun gehabt zu haben, doch seine eigenen Schriften belegen eindeutig, daß er eine zentrale Rolle bei



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 127

dieser «kriegswichtigen» Forschung spielte. Zusammen mit Diebner veröffentlichte er ein Taschenbuch, in dem auch sein Tagebuch über diese Zeit veröffentlicht ist (Bagge/Diebner/Jay: Von der Uranspaltung bis Calder Hall, Reinbek 1957). Auch in der Fusion (Nr. 6,1985) beschreibt Bagge in einem ausführlichen Beitrag seine Arbeit mit Kurt Diebner. Am I.September 1939 sei er nach Berlin ins Kriegsministerium einberufen worden. Eine seiner ersten Aufgaben sei es gewesen, für den 26. September 1939 «ein Treffen von Physikern zu organisieren, die sich in Deutschland mit Kernphysik beschäftigten», um gemeinsam «[...] die Möglichkeiten der technischen Nutzung der Kernenergie (zu) diskutieren». Zusammen mit dem «zuständigen Referatsleiter des Heeresamtes, dem Physiker Dr. Kurt Diebner», bereitete Bagge die Tagesordnung vor und lud die Teilnehmer ein.

Zwischen 1941 und 1943 entwickelte Bagge die Isotopenschleuse, ein Gerät zur Anreicherung des Urans bis zu einem bombenfähigen Grad. Die für die Bombenentwicklung zentrale Anlage wurde später von den Amerikanern in Hechingen bei Haigerloch demontiert und in die USA verfrachtet. Bis zu seiner eigenen Festnahme arbeitete Bagge - auch nach Darstellung der Fusion - am «deutschen Atomprojekt mit».

Wie bei seinen Kollegen war diese Vergangenheit kein Hinderungsgrund für eine Nachkriegskarriere unter demokratischen Verhältnissen. Im Gegenteil, die Kenntnisse und Erfahrungen dieser Wissenschaftler waren heiß begehrt. Bereits 1948 wurde Bagge zum Außerordentlichen Professor und Abteilungsleiter des Physikalischen Staatsinstituts in Hamburg berufen. 1957, zwei Jahre nachdem Kernforschung aufgrund alliierter Beschränkungen in der Bundesrepublik erst wieder erlaubt war, wurde der Atompionier Ordinarius und Leiter des neugegründeten Kernphysikalischen Instituts in Kiel. Bagge leitete darüber hinaus seit der Gründung bis 1970 die Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schiffahrt (GKSS) in Geesthacht bei Hamburg.

Das GKSS-Forschungszentrum ist eine GmbH. Ihr Stammkapital wird von der Bundesrepublik, den vier Küstenländern, der Kernenergie-Studiengesellschaft (KEST) und verschiedenen Unternehmen der Industrie, der Schiffahrt sowie Banken gehalten. Das 660 Mitarbeiter zählende Institut wendet derzeit jährlich etwa 90 Millionen Mark auf - größtenteils aus dem Forschungsetat der Bundesregierung. Wichtigstes Forschungsprodukt der GKSS war das von Erich Bagge entscheidend geprägte Atomschiff «NS Otto Hahn» - «NS» steht für «Nuklearschiff».

Kurz nach der Aufhebung der alliierten Beschränkungen wurde mit



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 128

der Gründung der KEST im August 1955 und der GKSS im April 1966 der Startschuß für dieses kerntechnische Großprojekt gegeben, das 1968 in Dienst gestellt wurde. Ganz lapidar wird im Forschungsbericht das Ende des ökonomisch irrsinnigen Reaktorschiffes vermerkt: es war «fast elf Jahre lang ohne technische Störungen in Betrieb. Danach lagen die wesentlichen mit der nuklearen Antriebsanlage gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse vor. Das Schiff wurde deshalb 1979 stillgelegt.»

Kein Wunder, daß die reaktorbetriebene Seefahrt zum Lieblingsthema des «Vaters der NS Otto Hahn» in der Fusion gehört. So fragt der Fusion-Autor Erich Bagge in der Ausgabe 2,1982: «Kommt die kommerzielle Atomschiffahrt?» In seinem Beitrag kolportiert er die angebliche Überlegenheit «deutscher Technik» - die zumindest im Falle der NS Otto Hahn nicht ohne italienische Reaktortechnologie aus der Nuklearsektion des FIAT-Konzerns auskam. Technologie-Deutschtum, von Erich Bagge erzählt: ein Mitarbeiter der GKSS sei auf einer internationalen Reaktortagung in Frankreich von einem französischen Kollegen 1978 gefragt worden, wann endlich die NS Otto Hahn stillgelegt würde. Die Begründung, wie sie Bagge wiedergibt: «Jedesmal, wenn wir im Ausland französische Maschinen anbieten und die NS Otto Hahn läuft gerade in einen Hafen dieses Landes ein, können wir unsere Koffer packen! Es heißt dann, wenn die Deutschen Atomschiffe bauen können, dann liefern sie uns auch Maschinen, die zuverlässig funktionieren!»

Doch nicht nur für lockere Unterhaltung ist der Atomprofessor Bagge gut. Er verfügt, Recherchen des Kölner Wissenschaftsjournalisten Matthias Schulenburg zufolge, über recht gute Beziehungen zum Fraunhofer-Institut für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen (INT) in Euskirchen bei Bonn. Dieses Institut beobachtet im Auftrag des Bundesverteidigungsministeriums die Entwicklung auf dem Gebiet der strategischen Waffen: Atomwaffen, Trägersysteme, Strahlenwaffen usw.

Schulenburg brachte erstmals Bagges Engagement für das Fusions-Energie-Forum in die Öffentlichkeit. Über den Chefredakteur der Fusion, Dr. Jonathan Tennenbaum, weiß Bagge eigentlich nur Gutes zu berichten: «Ein sehr gescheiter Mann, dieser Doktor Tennenbaum.» Der Fusion-Chef wolle «nicht, daß wir Deutschen bei der Kernfusion beiseite stehen, und das finde ich auch».

Über einen weiteren Mitstreiter der Fusion, den ehemaligen Bagge-Schüler Friedwardt Winterberg, berichtete Matthias Schulenburg in einer WDR-Hörfunksendung am 30. November 1983.



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 129

Demnach war Friedwardt Winterberg, derzeit Professor für theoretische Physik an der University of Nevada in den USA, zumindest in früheren Jahren häufiger Gast im Euskirchener INT gewesen. Schulenburg schätzte diese Kontakte wegen des strategisch bedeutsamen Charakters des Fraunhofer-Instituts als sehr brisant ein. Seine Mutmaßung: «Wenn das INT sein Geld wert ist, müßte es eine Art Giftschrank haben, in dem verwahrt wird, was man in der Bundesrepublik über nukleare Waffen weiß [...]. Dazu hätte dann Zugang ein Professor Friedwardt Winterberg [...], denn Winterberg ist Berater für nukleare Waffenentwicklungen am INT [...].»

Das reizte zum Dementi. Der Institutsleiter, Dr. Klaus Grünewald, wiegelte ab: «Soweit das INT über vertraulich zu behandelnde Unterlagen über Nuklearwaffen verfügt, werden diese den geltenden Vorschriften entsprechend behandelt.» Es sei «völlig ausgeschlossen», daß nicht autorisierte Personen - wie dies in der Sendung über Professor Winterberg gesagt wurde - Zugang zu diesen Unterlagen erhielten. «Ebenso falsch» sei die Behauptung, daß Winterberg «Berater des INT für nukleare Waffenentwicklungen» sei: «Herr Professor Winterberg war gelegentlich seiner Deutschlandbesuche auch im INT, wobei über fachliche Fragen und neuere Publikationen auf dem Fachgebiet von Professor Winterberg diskutiert wurde [...].»

Dr. Klaus Grünewald fürchtete eine Rufschädigung, die «kaum wiedergutzumachen» sei. Auch seine Richtigstellung über regelmäßige Besuche von FEF-Mitarbeitern im INT brachte jedoch Bestätigendes zutage: tatsächlich hätte das FEF «Anfang 1983 nach einem oder zwei Gesprächen in den vergangenen Jahren mit zwei Mitarbeitern des INT erneut versucht, Kontakt zum INT aufzunehmen». Dem habe das Institut widerstanden. Dennoch kam es «dann aber doch zu einer nicht vom INT initiierten Diskussion über technologische Grundlagen und die Realisierungschancen raumgestützter Raketenabwehrsysteme (heute als SDI bekannt, Anm. d. A.), in deren Verlauf das INT sich deutlich gegen die überzogene Technologiegläubigkeit und vor allem auch gegen die Auffassung des FEF wandte, mit diesen Systemen seien alle Probleme der Welt zu lösen. Insbesondere wurde auch in späteren Stellungnahmen zur Reagan-Rede auf die mögliche Ausweitung des Wettrüstens auf den Weltraum hingewiesen [...].

Schulenburgs Recherchen erbrachten auch das merkwürdige Detail hervor, daß die FEF-Mitarbeiter bereits Wochen vor deren Veröffentlichung die berühmte Strahlenwaffenrede Reagans vom 23. März 1983 im Euskirchener Institut ankündigten. INT-Leiter Grünewald empfand dies jedoch als «vergleichsweise unerheblich».



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 130

Grünewald wird bei den Fachgesprächen mit dem Kernphysiker aus dem fernen Nevada nicht verborgen geblieben sein, daß dessen Publikationen seit den achtziger Jahren auch von der Fusion Energy Foundation herausgegeben werden. So zum Beispiel eine Arbeit über «die physikalischen Prinzipien von thermonuklearen Explosions-Er-findungen» in der Reihe «Fusion Energy Foundation Frontiers of Science Series», 1981 in New York verlegt.

Ein von Lyndon H. LaRouches FEF-Verlag herausgegebenes umfangreiches Buch Winterbergs über die Wasserstoffbombe wurde in der deutschsprachigen Fusion mit der Überschrift «Das <Geheimnis> der Wasserstoffbombe» besprochen.

Der amerikanische Publizist Dennis King hatte dazu ja angemerkt, die LaRouche-Truppe sei wohl die einzige extremistische Sekte, die wüßte, wie eine Wasserstoffbombe anzufertigen ist. (S. 65 ff).

Professor Dr. J. Fricke vom Physikalischen Institut der Universität Würzburg hält das Buch von Friedwardt Winterberg für so wichtig, daß er es durch eine Besprechung in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift salonfähig machte. Fricke, der die im renommierten Wein-heimer <Verlag Chemie> erscheinende Zeitschrift zusammen mit Professor Dr. G. Fritsch vom Neubiberger Physik-Institut der Hochschule der Bundeswehr München inhaltlich verantwortet, weiß über Winterbergs Forschungsgegenstand zu berichten: «Zwischenzeitlich sind Fusionsbomben (welche die Zerstörungsgewalt der Spaltungsbomben vertausendfachen, die ihrerseits schon tausendfach mehr zu zerstören vermögen als <konventionelle> chemische Sprengbomben) Ziel gewaltiger nationaler militärischer Entwicklungsprogramme gewesen, die von Geheimhaltung umgeben waren und von Spionageaktionen durchsetzt wurden.»

Winterberg fühlt sich bei dem Fusions-Energie-Forum gut aufgehoben: «Es sind-alles junge, sehr energische und intelligente Menschen, die ein echtes Interesse an dem Allgemeinwohl haben und die ganz sicherlich durch ihre Aufklärung über Kernenergie sehr viel zur positiven Formulierung einer Energiepolitik im Interesse der Bundesrepublik beitragen», so wiedergegeben in der Fusion Nr. 4, 1981.

In Fusion Nr. 2, 1981 forderte Friedwardt Winterberg dazu auf, mit Kemfusionsantrieb das Weltall zu besiedeln. Seine Überlegungen galten dabei unter anderem dem Antrieb von Raumschiffen durch «thermonukleare Mikroexplosionen, bei denen jeweils nur relativ wenig Energie frei wird». Winterbergs Zukunftsträume: «Wenn wir einen Teilchenstrahl erzeugen können, der als Waffe geeignet ist, dann läßt er sich natürlich auch zur Zündung einer Mini-Wasserstoffbombe verwenden. Die Trägheitseinschluß-Kernfusion muß im



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 131

Prinzip realisiert sein, ehe man sich über eine waffentechnische Anwendung überhaupt Gedanken machen kann, denn diese benötigt viel höhere Energie [...].»

Die .FMäi'on-Redaktion bemerkt dazu, daß «Dr. Friedwardt Winterberg einer der Pioniere der Trägheitseinschluß-Fusion (sei); er gilt als Vater des Konzepts, die thermonukleare Zündung durch Beschuß mit Hochgeschwindigkeits-Projektilen auszulösen...» Der Kernphysiker beschäftige sich «seit langem mit der Nutzung der Kernenergie in der Weltraumfahrt. Für seine Arbeiten zum Kernfusions-Raketenantrieb verlieh die Hermann Oberth/Wernher von Braun-Stiftung Dr. Winterberg im Jahre 1979 die Hermann Oberth-Medaille in Gold.» Der derart mit Lobeshymnen geschmückte Beitrag Winterbergs ist als Bearbeitung eines Vertrages ausgewiesen, den der Wissenschaftler am 15. Oktober 1980 in Los Angeles auf einer Tagung der US-amerikanischen Fusion Energy Foundation hielt.

Winterberg verteidigte seine Auftritte und Publikationen beim FEF und der Fusion unbeirrt mit der Bemerkung, er habe auch in ostdeutschen Physik-Zeitschriften veröffentlicht und niemand halte ihn deshalb für einen Kommunisten. Friedwardt Winterberg dementierte nach Schulenburgs Hörfunk-Sendung, jemals Mitglied in einer der LaRouche-Organisationen gewesen zu sein. Dies allerdings war in der WDR-Sendung gar nicht behauptet worden.
 
 

«[...] auf Energieinseln werden in unterirdischen Kavernen Kernsprengkörper periodisch gezündet und Kernbrennstoff erbrütet und Wasserstoff erzeugt. Beide Energieträger können leicht verfrachtet werden und die Menschheit über thermische Konverterreaktoren mit Elektrizität und über hydrierende Kohleveredelung mit Treibstoff versorgen [...].»

Das ist nicht als Science-fiction gemeint. Der Autor meint es ernst, todernst. Mit seinem Vorschlag, unterirdische Atomexplosionen zur Nutzung ganz friedlicher Energie einzusetzen, ist der Schweizer Professor Seifritz dem großen Traum einer «friedlichen Kernfusion» nähergekommen.

Walter Seifritz ist ein ansonsten angesehener deutscher Reaktorphysiker an der Technischen Hochschule Zürich. Ausgangspunkt seiner Überlegung ist eigentlich eine höchst unfriedliche Kernfusion, wie sie schon seit 1952 bekannt ist, dem Zeitpunkt der Zündung der ersten Wasserstoffbombe.

Seine Untersuchungen über die «Makroexplosionstechnik» kamen zu dem beruhigenden Ergebnis, daß eine Kaverne im Salzgestein von



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 132

200 Meter Durchmesser ausreichen müßte, um Explosionen von 20-Kilotonnen-Sprengkörpern zu widerstehen. Zum Vergleich: die Hiroshima-Bombe hatte 13 Kilotonnen. Bei fünf Explosionen pro Tag würde genügend Dampf erzeugt, um ein oberirdisches Kraftwerk von 1600 Megawatt zu betreiben.

So ist es nachzulesen in dem bahnbrechenden Werk von Walter Seifritz: «Nukleare Sprengkörper - Bedrohung oder Energieversorgung für die Menschheit», das für 98 Mark in dem Münchener Fachverlag Thiemig erschien.

Das Problem des hochradioaktiven Fallouts, der bei solchen Explosionen in den Kavernen entstehen würde, hat Seifritz jedoch eher stiefmütterlich behandelt. Immerhin, er weist darauf hin, daß «der Kaverneninhalt nicht in die freie Luft» gelangen darf. Deshalb soll das unterirdische Bomben-Kraftwerk nach oben abgeschlossen werden, mit einer halbkugelförmigen Sicherheitshülle aus Beton wie bei heutigen Atomkraftwerken. Allerdings traut er diesem Schutzkonzept selbst nicht so ganz. Die Anlage sollte deshalb vorsorglich «auf abgelegenen Inseln» errichtet werden. Größer als die Probleme der technischen Realisierung ist für den Atomtechnologen Seifritz jedoch die politische Verwirklichung. Er rechnet mit «erheblichen Akzeptanzproblemen».

Dr. Walter Seifritz, geboren am 14. Juni 1939 in Tuttlingen, Direktor des Eidgenössischen Instituts für Reaktorphysik, gehört zur Stammtruppe der Wissenschaftler rund um das Fusions-Energie-Forum. In seinem Thiemig-Taschenbuch über nukleare Sprengkörper verweist Seifritz gleich mehrfach auf weiterführende Literatur in der Fusion und auf befreundete Atomforscher wie Friedwardt Winterberg. Er konnte bei seiner bahnbrechenden Arbeit auch auf Schriften des Instituts für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen (INT) der Fraunhofer-Gesellschaft in Euskirchen zurückgreifen. Und in Kürschners Gelehrten-Kalender ließ er die Fusion immerhin als eines seiner wissenschaftlichen Publikationsorgane vermerken, eingereiht zwischen «Atomwirtschaft» und «Temp. Technik».

Das größte Problem besteht für Seifritz eigentlich nur in der politischen Durchsetzung der atomtechnischen Zukunftsprojekte - techt noiogisch ist für ihn alles machbar. Für den politischen Kampf entwickelt er ebenfalls erstaunlich unkonventionelle Modelle. So zum Beispiel in seinem Buch «Sanfte Energietechnik - Hoffnung oder Utopie?»: «[...] Ein Management, dem es gelänge, [...] die jeweiligen intellektuellen Modeströmungen steuernd in die eine oder andere Richtung zu kanalisieren, hätte in der Tat den Stein der Weisen gefunden. Bis jetzt weiß man noch nicht einmal, wie sich die Sequenz: Anti-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 133

Vietnambewegung Anfang der siebziger Jahre, Ökologie- und Umwelt-Welle und anschließende Anti-Kernenergie-Welle Mitte der siebziger Jahre fortsetzt. Auf was könnte man <die Meute hetzen?> heißt die Preisfrage.»

Für den Thiemig-Verlag, als dessen Taschenbuch Band 92 dieses Werk erschien, hat sich die Frage erledigt. Just im Frühjahr 1986, als die Europäer vom Reaktorunfall in Tschernobyl geschockt wurden, schloß der Atom-Verlag Thiemig seine Tore und machte in München 670 Menschen arbeitslos. Bis dahin waren im gleichen Haus auch «Fachbücher» des FEF-Aktivisten Krafft A. Ehricke erschienen. Vor allem in der Thiemig-Fachzeitschrift Atomkernenergie/Kerntechnik tummeln sich die Fusions-Leute. Im Herausgeberkreis der Zeitschrift sind gleich drei FEF-Autoren zusammen: Walter Seifritz, Friedwardt Winterberg und als Geschäftsführender Herausgeber Erich Bagge. Der Verlag inserierte auch in der Fusion.

In Atomkernenergie l Kerntechnik (1981) wirbt der Verlag besonders lobend für das Buch von Walter Seifritz über «Sanfte Energietechnik»: «Ein Kernenergieexperte von hohem Rang schaltet sich mit diesem Buch in die öffentliche Energiediskussion ein und stellt für den gebildeten Laien in entwaffnender Offenheit die Halbwahrheiten und unverantwortlichen Irreführungen der Öffentlichkeit durch die Kernenergiegegner bloß [...]. Wer sich ein Gewissen aus der Zukunft der kommenden Generation macht, sei es aus politischen, wirtschaftlichen, sozialen, ethnischen oder religiösen Motiven, wird dem Autor dafür dankbar sein, daß er in verständlicher Form und zu rechter Zeit über die Auswirkungen einer verhängnisvollen Ideologie der <grünen Karte> aufklärt [...].»

Das paßt bestens in das LaRouche-Konzept: Verteufelung der Technologie-Kritik der Grünen, der Ökologiebewegung und mit allen technologisch nur denkbaren Konzepten an die Lösung der Zukunftsprobleme. Nur muß die «kommende Generation», die diese Welt mitverantworten soll, wohl noch geschaffen werden: man muß sie dafür «steuernd in die eine oder andere Richtung kanalisieren». Das ist das Zukunftskonzept des Techno-Wahns, nach den sozialen und politischen Kosten, nach den Gefahren für die Menschheit wird nicht mehr gefragt. Die Technologen der FEF-Clique haben jegliche verantwortliche Rücksichtnahme auf die Gefährdung von Mensch und Natur verloren. Wer für den Erhalt des natürlichen Ökosystems eintritt, wird verteufelt, bekämpft und diffamiert - oder kanalisiert.

Ein Paradebeispiel dieses Technologie-Verständnisses ist in der Fusion Nr. 4, 1982 nachzulesen. Dort wird das «amerikanische <Projekt Pflugschan» vorgestellt: «Die friedliche Nutzung von Nu-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 134

klearexplosionen». Über den Autor des Beitrages, Dr. Gary Higgins, schreibt die Fusion-Redaktion: «Higgins ist Assistent des Leiters für , Nukleartests am Lawrence Livermore National Laboratory, Kalifornien» - einem der wichtigsten Militärforschungsinstitute in den USA. «Er erhielt seine Ausbildung als Nuklearchemikerunter Glenn Seaborg in Kalifornien. Von 1959 bis 1969 leitete er das Programm für friedliche Kernexplosionen in Lawrence Livermore.» Fusion-Autor Gary Higgins über die amerikanischen Experimente an dem Seifritz-Traumkonzept: «Das <Projekt Pflugschan, ein Programm zur Untersuchung der möglichen Anwendungen friedlicher Kernexplosionen, wurde 1959 ins Leben gerufen. Bis zu seiner Beendigung im Jahre 1977 überprüfte man eine Reihe von Vorschlägen zur Erdgasförderung, zum Hafen- und Kanalbau und zur Erzeugung schwerer Elemente auf ihre Brauchbarkeit, und ein breites technologisches Wissen über die Wirkungen von Nuklearexplosionen konnte gesammelt werden.» Higgins berichtet über zwölf Testexplosionen und siebzehn Versuche im Testfeld in Nevada, «um neue nukleare Sprengsätze zu entwickeln». Der Militärforscher aus dem kalifornischen Sili-con Valley der Rüstungsforschung schließt seinen Beitrag mit einem positiven Fazit ab: «Weitere Verbesserungen sind zu erwarten, wenn die Technologie von Kernexplosionen zu friedlichen Zwecken in brei^ terem Umfang industriell genutzt wird. Die Freisetzung von Radioaktivität in die Biosphäre ließe sich weiterhin verringern, ebenso wie die Kosten für die Sprengsätze.»

Die «Schatzkammer Kernenergie» als Generallösung unserer Zukunftsprobleme - natürlich ausschließlich mit «friedlicher Nutzung».
 
 

«Ein Gigant auf dem Gebiet der Aerodynamik», titelt die Fusion Nr. l /1982. ihre Lobpreisung des «verdienten Wissenschaftlers Dr. Adolf Busemann». Busemann war schon in früheren Zeiten ein gefragter Mann. Für Hitler entwickelte er unter anderem den Pfeilflügel für Düsenjäger und befaßte sich mit Hohlladungsgeschoßtheorien, die für eine effektive Zündung von Atomwaffen essentiell sind.

Busemann gehört bei Fusion neben dem inzwischen verstorbenen Dr. Arnold Krafft Ehricke zu den am meisten gefeierten Wissenschaftlern. 1982 erhielt Busemann den Preis der «Fusion Energy Foundation» für besondere Verdienste um die Wissenschaft. Dem «Pionier auf dem Gebiet der Aerodynamik» und «herausragenden Experten der hydrodynamischen Methode nach Bernhard Riemann in diesem Jahrhundert» zu Ehren gab es am 6. November 1982 in New York ein Galadiner.



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 135

Und alle kamen: unter anderen Krafft Ehricke, Friedwardt Winterberg sowie Wilhelm Grossmann, Professor am Courant Institute of Mathematical Science der Universität New York. Anwesend waren natürlich auch alle Vertreter von Rang und Namen aus dem engeren Kreis der Fusion.

Sinn für Deutschtum zeigten vor allem die US-amerikanischen Festredner. So stellte Carol White, Leiterin der «Erziehungsabtei' lung» der FEF, klar, was Bildung heutzutage bedeutet und wo die politischen Hindernisse auf dem Weg zur Schaffung vieler schlauer Busemänner liegen. «Heute handelt es sich darum, ob wir als Nation überleben. Sind wir in der Lage, solche Wissenschaftler, von denen wir heute abend gehört haben, wieder hervorzubringen? Die klassische deutsche Tradition, in der die meisten Sprecher des heutigen Abends stehen - die Tradition in der Philosophie, Mathematik und Geometrie -, wurde den meisten amerikanischen Studenten nach den Bildungsreformen von John Dewey im 19. Jahrhundert verweigert, Wir brauchen eine Erneuerung der Bildung ... Wir müssen unsere Erzieher erziehen ... Wir müssen der liberalen Erziehung den Krieg erklären, wie schon Lyndon LaRouche, der Gründer der FEF und Mitglied des Vorstandes, es gefordert hat. So können wir einen praktischen Beitrag leisten, um das Lebenswerk von Professor Busemann zu würdigen.»

Busemann arbeitete wie Bagge, Seifritz und Winterberg über (thermo-)nukleare Sprengsätze.
 

«Prof. Dr. rer. nat. h. c. Dr. med. h. c. Dr. paed. h. c. Manfred von Ardenne» ist ein Außenseiter in der Wissenschaftler-Gemeinde rund um das Fusions-Energie-Forum: er ist ein berühmter Forscher in dem sonst verhaßten sozialistischen Ostblock, in der DDR. Doch seine Aussagen zur Kernfusion und zur Geschichte der deutschen Atomforschung passen hervorragend in das Milieu der Fusions-Fanatiker.

In der Ausgabe 2/1982 der Fusion wurde Manfred von Ardenne zu seinem 75. Geburtstag gratuliert: «einer der universalsten und schöpferischsten Forscher unserer Zeit». Was macht einen Ost-Wissenschaftler für die FEF-Leute so interessant? Mit Bagge, Ehricke, Busemann und Rudolph hat er eines gemeinsam: die Vergangenheit der «Pioniertaten» deutscher Wissenschaftler, die bis Kriegsende verbissen an der Entwicklung einer atomaren Bewaffnung für die deutsche Reichswehr arbeiteten.

In einem Hintergrund-Interview der Auslandspresseagentur der DDR wird der Titelkönig Manfred von Ardenne, dort abgekürzt



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 136

«Prof. Dr. h.c. mult.», als «langjähriger Direktor des Forschungsinstituts <Manfred von Ardenne> in Dresden» vorgestellt. Der «honoris causa»-Multi wird DDR-offiziell als «Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler wissenschaftlicher Gesellschaften und Inhaber von über 500 Patenten» bezeichnet. Die DDR-Agentur berichtet über die merkwürdige Wissenschaftler-Spezies ohne selbst erworbenen akademischen Titel, er beschäftige sich in den letzten Jahren verstärkt «mit Fragen der medizinischen Grundlagenforschung» - was immer das sein mag.

Manfred von Ardenne äußert naturwissenschaftlich-technische Perspektiven im Interview mit der Auslandspresseagentur, die den FEF-Leuten das Herz höher schlagen läßt: «Größte weltweite Anstrengungen werden notwendig sein, um das Traumziel - Kernfusion in industrieller Form - zu erreichen. Der Prozeß, von dem die Sonne ihre Energie bezieht, würde auf die Erde geholt werden. Schon heute läßt sich extrapolieren, daß die Anlagen der Kernfusion riesige Dimensionen haben werden, daß sie dann aber in ihrer Leistung zur Energieversorgung ganzer Kontinente ausreichen.»

In seiner Lobeshymne auf den sowjetischen Generalsekretär versucht er, die friedlichen Absichten der deutschen Atomphysiker zu beteuern: «Michail Gorbatschow sprach davon, daß das 20. Jahrhundert der Menschheit die Energie des Atoms geschenkt hat. Maßgeblich waren daran die deutschen Physiker Otto Hahn und Max Planck beteiligt. Ich erinnere mich noch deutlich der Gespräche, die ich mit ihnen 1940/41 führen durfte, und daran, wie sehr diese großen Forscher von der Sorge erfüllt waren, daß das Atom für menschenfeindliche Zwecke mißbraucht werden könnte. Ihr Ideal war stets die friedliche Anwendung der Kernenergie, und ich weiß aus meinen persönlichen Gesprächen, daß eine Welt ohne Atomwaffen ihr höchster
Lebenswunsch war.»

Der rechtsextreme Autor David Irving schrieb 1967 in seinem Buch «Der Traum von der deutschen Atombombe» über den «Baron Manfred von Ardenne»: «Die akademischen Institute betrachteten das Auftauchen von Ardennes mit Argwohn und Mißgunst. Seine Ausbildung und seine Methoden waren nicht die orthodoxen. Er hatte in Berlin vier Semester lang Physik, Mathematik und Chemie studiert, aber er war kein promovierter Akademiker; und er gehörte nicht zu den hochangesehenen theoretischen Physikern aus der Gruppe um Heisenberg.» Irving weiter: «Anfang 1940 versuchte Baron Manfred von Ardenne [...], den Instrumenten- und Ausrüstungsspezialisten von Otto Hahn, Prof. Philipp, dazu zu überreden, daß er sich um eine Beihilfe für den Bau einiger großer <Atomumwandlungsanlagen> an



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 137

Göring wenden solle.» In David Irvings Buch wird auch darüber berichtet, wie von Ardenne den Reichspostminister um Forschungsgelder bat. «Er suchte Postminister Ohnesorge auf und erläuterte ihm in allgemeinen Ausdrücken, daß Hahns Entdeckung nun Uranbomben ermögliche.» Über die Qualität der Forschung von Ardennes läßt Irving keinen Zweifel: «Anfang 1945 besuchte Dr. Paul Rosbaud, der deutsche Naturwissenschaftler und Verräter, zum letztenmal Manfred von Ardennes Laboratorium in Berlin-Lichtenfelde. Nach den Bombenschäden, die es zwei Jahre vorher erlitten hatte, war es vollständig instand gesetzt worden; das großartig ausgestattete Laboratorium war nun unter die Erde verlegt und stark gegen Bombenschäden gesichert. Die Van-de-Graaff-Anlage, das Zyklotron und der Prototyp des elektromagnetischen Isotopentrenners gehörten zu den fortgeschrittensten Ausrüstungen in Deutschland.»

Nach dem Krieg und der Demontage der Anlagen durch die Sowjetunion setzte Manfred von Ardenne zusammen mit etlichen Kollegen seine Forschungsarbeiten in der Sowjetunion fort - ähnlich wie' die Raketenforscher um Wernher von Braun, die ihr Know-how den Amerikanern - erfolgreich - zur Verfügung stellten.

In dem Fusion-Beitrag zu seinem 75. Geburtstag liest sich das so: «Nach Ende des Zweiten Weltkrieges teilte Ardenne das Schicksal der meisten deutschen fähigen Wissenschaftler: sie wurden von den Siegermächten mit Beschlag belegt. Ardenne ging für zehn Jahre in die Sowjetunion und baute dort unter hervorragenden persönlichen und technologischen Voraussetzungen das <Suchumi-Institut für elektronische Physik> auf. Er war maßgeblich an der Entwicklung einer Großanlage für magnetische Isotopentrennung beteiligt, entwickelte nebenher neuartige lonenquellen, die heute unentbehrlicher Bestandteil der Forschung sind, und war bereits damals im Vorfeld der Plasma- und Fusionsforschung tätig. 1955 kehrte er hochgeehrt zurück nach Deutschland, in die DDR, und begründete das private <Forschungsinstitut Manfred von Ardenne> in Dresden -Weißer Hirsch.» Erwähnt wird dort, daß von Ardenne heute in seinem 500 Mitarbeiter zählenden «privaten» Institut, das schon zu Lebzeiten seinen Namen trägt, unter anderem Massenspektrogra-phen entwickelt - Meßgeräte also, die für die Isotopentrennung bei der Urananreicherung notwendig sind, auch schon einer seiner Forschungsschwerpunkte vor 1945. Ohne Massenspektrometer keine Atombombe.

In einem Kommentar in der Fusion wird klar, warum die FEF-Kämpfer den h. c.-Baron von Ardenne derart bewundern. Unter der Überschrift «Wir brauchen eine Wissenschaftlerelite» wird von einem



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 138

Gespräch zwischen dem DDR-Forscher und dem Strahlenwaffen-Autor und Fusion-Redakteur Heinz Horeis am Rande des Kongresses für Elektronenmikroskopie in Hamburg am 20. August 1982 berichtet. Über von Ardenne kommentiert die Fusion: «Von Ardennes Forschungstätigkeit begann zu einer Zeit, als die Wissenschaft in Deutschland noch in voller Blüte stand und durch Planck, Einstein, Schrödinger u. a. repräsentiert wurde. Wie Manfred von Ardenne im ersten Teil des Gesprächs nachdrücklich klarmacht, ist es dringend erforderlich, an diese Tradition anzuknüpfen und die Bedingungen dafür zu schaffen, daß wieder wissenschaftliche Spitzenleistungen erbracht werden können.»

Zu den Dingen, die Manfred von Ardenne «zur Zeit besonders bewegen», gehört nach einem Beitrag in Fusion «das Problem der Selektion und Förderung von jungen Talenten mit dem Ziel, Spitzenkräfte zu schaffen und Höchstleistungen zu ermöglichen ...»

Zur ideologischen Abrundung veröffentlichte die Fusion noch einen Fachbeitrag von Ardennes - wohl mehr für das Dutzend Mediziner unter den Lesern gedacht: «Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie bedeutet die Entdeckung eines Prozesses mit überraschend starker und anhaltender Steigerung des Sauerstofftransports in den gesamten Organismus.»

«Es gibt keine Grenzen des Wachstums - denn das Weltall ist unser siebter Kontinent!» - Solche Sprüche kommen bei LaRouche gut an. Kein Wunder, daß Dr. Krafft A. Ehricke, der Ex-Peenemünder und Mitentwickler der «V2»-Raketen, im Fusions-Energie-Forum und den übrigen LaRouche-Organisationen feurige Anhänger fand und sich in dieser Umgebung pudelwohl fühlte. Ehricke starb am 11. Dezember 1984. Fusion widmete ihm einen Nachruf: «... Wegen seiner festen Überzeugung, daß hur die menschliche Vernunft in Verbindung mit schöpferischem technischen Denken die Probleme auf der Erde lösen und eine Bevölkerung des Weltraums ermöglichen kann, sah er von Anfang an in der Arbeit des Fusions-Energie-Forum (FEF) das wichtigste Forum für seine Ideen ...» Auf die Mitwirkung Ehrickes an der «Wunderwaffe» Hitlers wies die Fusion-Redaktion selbst hin. Im Herbst 1981 hatte Ehricke für das FEF eine Vortragsreise durch die Bundesrepublik unternommen, bei der er in Aachen, Neckarwestheim, München und anderen Städten sprach. Originalton Fusion: «... Grüne Chaoten versuchten mehrere seiner Vortragsveranstaltungen zu sprengen. Dies und seine persönlichen Erfahrungen bei einer grünen Massendemonstration gegen die Start



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 139

bahn West in Wiesbaden riefen in ihm traurige Erinnerungen an das Vorgehen der Nazis in den dreißiger Jahren wach ...»

Ehricke selbst formulierte seine Erfahrungen mit Anti-Atom-Aktivisten an den von ihm bei FEF-Vortragsreisen aufgesuchten Hochschulen anders: «Die Anpöbelungen an den Universitäten Aachen und Hamburg und an anderen Stellen, an denen ich 1981 als Gast der FEF über den <Extraterrestrischen Imperativ», Weltraumentwicklung und fortgeschrittene friedliche Nutzung der Kemkraft sprach, und die Versuche an der Universität Aachen, die Türen des Lehrsaals, die von der Polizei beschützt werden mußten, einzuschlagen - diese Erlebnisse <geistiger> Auseinandersetzung stellen in meinen Erfahrungen der vergangenen Jahre allerdings ein einmaliges Tief dar ...» Ein «einmaliges Tief» also. Da sind ihm die netten Jungs von der FEF schon lieber: «Ich habe viele Diskussionen mit jungen Menschen in der amerikanischen und deutschen FEF gehabt. Sie sind rationaler und zivilisierter verlaufen, obwohl wir nicht in allem übereinstimmten, als mit Umweltfanatikern, Wachstumsgrenzlern und Kulturpessimisten, die Weltraumtechnik, Kerntechnik, Technik generell und jeden positiven, konstruktiven Ausblick auf die Zukunft angriffen und ihre Argumente meistens mit deprimierender Sachunkenntnis führten ...»

Ehricke war auch nach Peenemünde intensiv mit der Raketenforschung verbunden. In den USA arbeitete er an der Entwicklung der ersten Interkontinentalrakete «Atlas» mit sowie an der ersten Raumrakete der Welt, «Centaur», deren oberste Stufe mit einem Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch angetrieben wird. Neben von Braun und Debus war Ehricke somit eine wichtige Person in der Gruppe jener reichsdeutschen Raketenforscher, die ihre Dienste nahezu nahtlos der zivilen/militärischen Weltraumforschung in den USA zur Verfügung stellten.

Ehricke entwickelte seine Philosophie des unbegrenzten Wachstums durch technischen Fortschritt, des sogenannten «Extraterrestrischen Imperativs», in den sechziger Jahren. Wie Krafft Ehricke selbst ausführt, formulierte er seine Gedanken mindestens fünfzehn Jahre bevor er «von der FEF oder Herrn LaRouche überhaupt etwas wußte [...]. Da Herr LaRouche ebenfalls das Wachstum betont und die Bedeutung technischen Fortschritts erkennt, ergeben sich nun, viele Jahre später, Parallelen...»

Wie Seifritz so schwärmte auch Ehricke von der Idee, durch unterirdische Kernexplosionen Energie zu erzeugen. Er favorisierte dies für die Anwendung auf dem Mond.



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 140

In seiner Ausgabe 6, 1985 startete die Fusion eine Serie über «Die Geschichte der Raketentechnik», die teilweise auf Beiträge der amerikanischen FEF-Mitarbeiterin Marsha Freemann zurückging. Ziel der Artikelserie war es, «jener Kampagne entgegenzuwirken, die zu Beginn dieses Jahres (also 1985, Anm. d. A.) in den Vereinigten Staaten gegen die ehemaligen <Peenemünder> lanciert wurde und sich vor allem auf Dr. Arthur Rudolph konzentrierte [...]». In der Bundesrepublik gerate die «deutsche Raketenforschung, die vor mehr als sechzig Jahren begann, [...] mehr und mehr in Vergessenheit - vor allem deshalb, weil das <Großprojekt> Peenemünde in den düstersten Abschnitt der deutschen Geschichte fiel».

Arthur Rudolph (79) war einer von den «Peenemündern». Nach dem Krieg war er in die USA «ausgewandert», besser gesagt, von den Amerikanern übernommen worden. Rudolph war maßgeblich an der Entwicklung der Saturn-5-Rakete beteiligt, die bei der Mondlandung amerikanischer Astronauten 1969 benutzt wurde.

1984 einigte sich der Raumfahrtexperte mit der US-Regierung, seine Staatsbürgerschaft zurückzugeben und in die Bundesrepublik zurückzukehren, nachdem das Justizministerium eine Untersuchung über seine Aktivitäten während der Nazi-Zeit begonnen hatte. Die Fusion schrieb über dieses feinfühlige Agreement: «Arthur Rudolph verließ im stillen die USA mit dem Ziel Bundesrepublik.»

Der Raketenbauer Rudolph war bis dahin ein in den USA hochgeehrter Mann. Doch die späten Untersuchungen über seine Aktivitäten in Nazi-Deutschland brachten Erschreckendes hervor. Die Deutsche Presse-Agentur meldete am 4. Oktober 1985 aus Washington: «Der deutsche Raketenexperte Arthur Rudolph (79) hat dem US-Justizmi-nisteriumgestanden,erhabegewußt, daß bei der Entwicklung der V-2-Rakete während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeiter in den unterirdischen Produktionsstätten im Harz an der schlechten Behandlung durch die Deutschen gestorben seien. D äs geht aus Kopien der Verhörprotokolle Rudolphs hervor, die [...] vom Jüdischen Weltkongreß in Washington veröffentlicht wurden. Ein Sprecher des Justizministeriums bezeichnete die Kopien als korrekt.»

Die Washington Post kommentierte die Enthüllung: «Unter den dummen und schändlichen Entscheidungen, die von den Vereinigten Staaten zuweilen getroffen wurden, sind nur wenige noch anstößiger als die Rekrutierung von Nazi-Raketeningenieuren.» Dem langjährigen von-Braun-Mitarbeiter wurde nun öffentlich vorgeworfen, «Tausende von Zwangsarbeitern zu Tode geschunden zu haben». Als ehemaliger Produktionsleiter der unterirdischen V-2-Fabrik im Harz ließ er unterernährte Häftlinge des eigens dafür eingerichteten KZ Dora-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 141

Nordhausen in den feuchten Stollen Zwölf-Stunden-Schichten schuften, um sein Raketensoll für die Kriegsproduktion zu schaffen.

Die Ermittler der Sonderabteilung des US-Justizministeriums für die Untersuchung von Nazi-Verbrechen (OSI) entdeckten auch, daß die Personalakten der Nazi-Wissenschaftler bei ihrer Einreise in die USA geschönt wurden. So war Rudolph nach einer Beurteilung vom Juni 1945 ein «hundertprozentiger Nazi, gefährlicher Typ und Sicherheitsrisiko». In einem «revidierten Sicherheitsbericht» vom September 1948 steht jedoch geschrieben, daß der am I.Juni 1931 in die NSDAP eingetretene Ingenieur (Mitglieds-Nr. 562007) «kein glühender Nazi war» und bei einer Entnazifizierung «wahrscheinlich als Mitläufer» eingestuft worden wäre. In einem Kriegsverbrecherprozeß mußte Rudolph als Zeuge sogar eingestehen, daß er zwölf an einem Kran aufgehängte Kriegsgefangene bemerkt habe.

Die Fusion-Serie über «Die Geschichte der deutschen Raketentechnik» hat mit dieser Vergangenheit wenig Probleme: «Dennoch wurden in dieser Periode», so in der Einleitung, «unschätzbare Beiträge zur Raketentechnologie geleistet [...].»

«KGB-Hexenjagd auf amerikanische Wissenschaftler» überschrieb die Fusion ihr Editorial in der Nr. 3,1985 zu Ehren des kurz zuvor aus den USA in die Bundesrepublik «heimgekehrten» Nazi-Raketenforschers Arthur Rudolph.

«Seit zwei Jahren schon sieht sich die Wissenschaftlergemeinschaft der Vereinigten Staaten ungeheuren Propaganda-Attacken ausgesetzt, die zu einem regelrechten gesellschaftlichen und juristischen Scherbengericht gegenüber den deutsch-amerikanischen Wissenschaftlern ausarten, unter denen sich einige der Spitzenwissenschaftler der NASA befinden. Diese Verleumdungskampagnen gegen sog. <Altnazis> nehmen vor allem herausragende Ingenieure und Wissenschaftler aufs Korn, die führend an amerikanischen Raumfahrtprogrammen mitgearbeitet haben. Der Fall Arthur Rudolph ist beispielhaft ...»

In der Sonderabteilung des Justizministeriums sieht Fusion - folgerichtig - eine «Gefahr für die nationale Sicherheit», begründet in der «Tatsache, daß diese Behörde... als Kanal für Vorwürfe des KGB und Stasi gegen deutsch-amerikanische Wissenschaftler füngiert...» Zielobjekt dieser ebenso geheimen wie gemeinen Verschwörung seien «über 500 deutsch-amerikanische Wissenschaftler» in den USA. Reporter des Bulletin ofAtomic Scientists, der New York Times und der Washington Post werden als Helfershelfer enttarnt. Die Erklärung für diesen Rundumschlag wird nachgeliefert: «Das Fusions-Energie-Forum und LaRouche stehen besonders im Schußfeld ...»



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 142

Um den Kreis zu schließen, folgt der unvermeidliche Querverweis auf die Grünen, bei LaRouche mit Nazis gleichgestellt:«... Das OSI weigerte sich bisher, trotz erdrückenden Beweismaterials über die Nazi-Verbindungen und Aktivitäten der Grünen Partei, deren Anführer hier in der Bundesrepublik offen für <Bruder Hitler> geworben haben, etwas zu unternehmen. Ja, das OSI hat sich der aus Ostdeutschland unterstützten Grünen bei seinen Kampagnen gegen die deutsch-amerikanischen Wissenschaftler bedient. Wir kümmern uns nur um die <Altnazis>, hatte ein Sprecher auf die Frage erklärt, ob das OSI die Aktivitäten der Grünen Partei, vor allem die Aktivitäten Petra Kellys in den USA, untersuche ...»
 
 
 
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 143


 
 
 
 
 
 

5. «Frieden schaffen mit Strahlenwaffen»
 
 
 
 
 

«Seit 1979 setzte sich die Neue Solidarität für die Entwicklung von Strahlenwaffen ein. Mit einem <crash-Programm> für Strahlenwaffen wird nicht nur die Erhaltung des Friedens gesichert, sondern eine noch nie dagewesene technologische, wissenschaftliche und wirtschaftliche Revolution eingeleitet.»
(Aus einer Anzeige der Neue Solidarität, «für die Leute, die die Welt von oben betrachten»)
 



Leerseite


Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 145


 
 
 
 

Weltraumspiegel
Die Träume des Hermann Oberth
 
 

Zwei Monate nach der deutschen Kapitulation, am 23. Juli 1945, erschien in der amerikanischen Illustrierten Life ein bebilderter Bericht über phantastische Waffenpläne deutscher Wissenschaftler, angebliche Raumstations- und Raumspiegelpläne. Der Bericht berief sich auf kurz zuvor beschlagnahmte deutsche Dokumente, die dieses Projekt den Peenemünder Raketenforschern um Wernher von Braun zuschrieben.

Der deutsche Raketentechniker Jesco von Puttkamer, der 1962 «einem Ruf Wernher von Brauns folgend» als Aero-Space-Techno-loge zur NASA ging, schreibt über diese Dokumente, sie seien «zweifellos Oberthscher Herkunft». Er meinte den Raketen-Pionier Hermann Oberth. Raumfahrtwissenschaftler von Puttkamer über das frühe «Star War»-Konzept: «Als städtezerstörende Waffe wäre ein solcher Spiegel allerdings nicht verwendbar, da eine Punktfokussie-rung physikalisch nicht möglich ist.» (Jesco von Puttkamer: Der zweite Tag der neuen Welt. Die Raumfahrt auf dem Weg ins 3. Jahrtausend, Frankfurt 1985)

Die Phantasie hat den Raketenforscher Hermann Oberth auch im hohen Alter nicht verlassen. Am l. November 1985 titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung: «Riesige Spiegelsysteme im Weltraum». Seine alten Pläne ließ der 91jährige anläßlich des Starts der Challen-ger in Cape Canaveral wieder aufleben. Die FAZ berichtete: «Um das Jahr 2030 werde man beginnen, im Weltraum riesige Spiegelsysteme zu installieren. Diese ließen sich zunächst auf kleine Flächen richten, etwa um Großstädte zu beleuchten und Frostschäden zu verhindern. Im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahrhunderte werde man durch immer größere Spiegelsysteme in der Lage sein, das Wetter umfassend zu beeinflussen: Zunächst könnten die arktischen Häfen eisfrei gehalten werden, später werde man die Tundra auftauen und die Sahara bewässern.»



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 146

Hermann Oberth wurde durch sein 1929 erschienenes Werk «Wege zur Raumschiffahrt» berühmt. In Fusion findet man daraus folgendes Zitat wiedergegeben: «Es ist auf der Welt nichts unmöglich, man muß nur die Mittel entdecken, mit denen es sich durchführen läßt.» Oberth gehört zu den Forschem, die vom FEF bejubelt werden.

Der Mann, der gerne alles möglich machen würde, hatte entscheidenden Anteil an der Entwicklung von Hitlers V-2-Rakete.

Während die Peenemünder «Wunderwaffe» in den letzten Kriegsmonaten 4500mal auf London, Südengland und Antwerpen abgeschossen wurde, plante er schon wieder eine neue Flugabwehrrakete. 1949 forschte er für die schweizerische Armee, dann für die italienische Kriegsmarine. Ab 1955 arbeitete er für die US-Armee und für die NASA. Wieder zurück in der Bundesrepublik, wurde er Mitglied der NPD, aus der er 1967 «wegen beruflicher Nachteile durch die Feinde der Partei in aller Freundschaft mit Herrn Thadden» austrat.

Hermann Oberth gilt als guter Freund des rechtsextremistischen «Hilfskomitees Südliches Afrika». Während sich seine Mitstreiter im Dienste Hitlers nach der vorzeitigen Beendigung des «Tausendjährigen Reiches» wenigstens verbal bemühten, den demokratischen Anschein zu wahren, blieb Oberth seiner Ideologie treu. Rückblickend erklärte er: «Ich hatte gehofft, eine Rakete zu finden, die den Schandvertrag von Versailles hätte zerschlagen können.» Dennoch wird Oberth in der Bundesrepublik reichlich offenherzig gefeiert. In der Bundeswehr-Zeitschrift Soldat und Technik wird der «Wegbereiter des Raketenbaues» unkritisch gewürdigt, in Feucht bei Nürnberg richtete man zu seinen Ehren ein «Hermann-Oberth-Museum» ein, und natürlich darf auch eine «Hermann-Oberth-Gesellschaft e.V.» nicht fehlen. Vom Bundesforschungsministerium sowie der Luft- und Raumfahrtindustrie gab und gibt es freundliche Hilfestellung für diesen Verein.

Nach Ansicht von Krafft Ehricke handelt es sich bei der Hermann-Oberth-Gesellschaft «um eine Organisation, die sich unter der hervorragenden und aufopfernden Leitung ihres Präsidenten Dr. A. F. Staats seit Ende des Krieges der Anerkennung der Bedeutung der Weltraumtechnik auch für Deutschlands Zukunft und der Anerkennung deutscher Pionierleistungen auf diesem und verwandten Gebieten widmet. Besondere Ehrung gebührt dabei Herrn Prof. Dr. Oberth, einem der ganz großen deutschen Ingenieure, Wissenschaftler und Denker dieses Jahrhunderts ...»

Die Organe dieses Vereins erinnern an Vergangenes. Neben Präsidium, erweitertem Präsidium und Kuratorium gibt es in der Hermann-Oberth-Gesellschaft auch «Auslandsgruppenleiter» und «Lan-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 147

desgruppenleiter». Solche Auslandsgruppen existieren für Australien, Brasilien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Italien, Polen, Schweiz, Südafrika und die USA. Als US-Residenten hat die Gesellschaft den in FEF-Kreisen allseits bekannten «Prof.Dr.phil.F. Winterberg, Reno, Nevada, USA». Kuratoriums-vorsitzender ist Professor Dr. rer. nat. Horst Lob von der Universität Gießen, der sich ebenfalls intensiv mit der Anwendung der «Kernenergie im Welt^ räum» beschäftigt und vor dem LaRouche-Club of Life referierte.

In Fusion Nr. 5,1981 kann man über eine Konferenz der Hermann-Oberth-Gesellschaft Näheres erfahren. Vom l. bis 4. Oktober 1981 trafen sich zu «ihrem dreißigsten Jahreskongreß» die Oberth-Freunde in Garmisch-Partenkirchen. Das ihnen gemeinsame Anliegen: «die Erforschung und Erschließung des Weltraums». Das läßt die Herzen der FEF-Leute höher schlagen. Ihre Schlagzeile über dem Konferenz-Bericht: «Die Zukunft unserer Jugend!» - «Es kamen rund 200 Teilnehmer», berichtet die Fusion: «Vertreter der Industrie und Forschungsinstitute, Presse und Studenten sowie Veteranen aus der Raumfahrtentwicklung, zu denen natürlich auch Hermann Oberth zählt.»

Die Konferenz der Raketen-Liebhaber hatte ein besonders interessantes Tagungsthema: die Probleme der Raketenfirma OTRAG mit den Medien.

Die «Orbital Transport- und Raketen-Aktiengesellschaft» erlangte Ende der 70er Jahre traurige Berühmtheit als «Abschreibungsfirma». Sie warb mit bis zu 240 Prozent Verlustzuweisung bei Zeichnung von Anteilen und galt als beliebtes Anlageobjekt für Zahnärzte. Als Firmenzweck galt offiziell die Erforschung und Produktion sogenannter «Billigraketen», die aufgrund einfacher Technik (Scheibenwischermotor zur Steuerung) vor allem für ärmere Länder eine Alternative zur teuren NASA darstellen sollte. Für den Test ihrer Raketen hat die OTRAG in Zaire ein Testgebiet von der Größe des Staatsgebietes der DDR gepachtet. Der Pachtvertrag mit der Regierung Zaires über das Gelände in der Provinz Shaba lautet auf 99 Jahre und gibt der OTRAG sämtliche erdenklichen souveränen Nutzungs- und Territorialrechte - eine in der Nachkriegszeit wohl einmalige Konstruktion.

Aurmerksame Beobachter wie der frühere diplomatische Korrespondent der New York Times, Ted Szulc, bezeichneten, gestützt auf Geheimdienstquellen, OTRAG als ein Unternehmen der bundesdeutschen Rüstungsunternehmen Dornier, MBB und der damals noch selbständigen VFW-Pokker. Ziel sei keineswegs die Erprobung der unter Fachleuten belächelten «Billigraketen», sondern von Mittelstreckenraketen und Marschflugkörpern (Cruise-Missiles). Dafür



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 148

spricht die Größe des von Zaire in der Provinz Shaba gepachteten Geländes von 100000 Quadratkilometer.

Für die Starts kommerzieller Forschungsraketen wäre ein solches Gelände nicht nötig gewesen, auch die von OTRAG in ihrem Startgebiet in Zaire mehrfach durchgeführten Evakuierungsmaßnahmen der dort lebenden Bevölkerung wären unnötig gewesen. Die Produktion solcher Raketen war der Bundesrepublik zum damaligen Zeitpunkt durch die- mittlerweile - außer Kraft gesetzten WEU-Bestimmungen verboten. Folglich mußte solch eine Entwicklung heimlich geschehen.

Im Umfeld der OTRAG und ihrer Vorgängergesellschaft finden sich etliche der bereits in Peenemünde aktiven Firmen und Wissenschaftler wieder. Mit dabei sind zum Beispiel Richard Gompertz, bis 1945 Triebwerkspezialist bei der V-2-Entwicklung in Peenemünde und später verantwortlich für die Saturn l B-Rakete der NASA, und Kurt H. Debus, ehemals Leiter der V-2-Raketenversuche und späterer Leiter des US-Raketenzentrums Cape Canaveral, beide also langjährige Kollegen von Hermann Oberth in Peenemünde und Florida.

Die Teilnehmer der Oberth-Konferenz in Garmisch konnten sich dem Fusion-Bericht zufolge aus erster Hand über die OTRAG informieren. Als Redner und Gesprächspartner nahm Frank Wukasch, der OTRAG-Präsident, teil.
 
 
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 149


 
 
 
 

LaRouche und die Generale
 
 

«Das Bundesministerium der Verteidigung sah sich auf Grund zuverlässiger Informationen veranlaßt, einen ihm nahestehenden Personenkreis auf bedenkenswerte Umstände der Gründung eines Schiller-Instituts in den USA hinzuweisen.»

Das schrieb Lothar Rühl, Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium am 3. August 1984 an den zwischenzeitlich verstorbenen Franz Hron, einen Unterstützer des Schiller-Instituts (SI). Es ist die Antwort auf einen Brief Hrons an den Verteidigungsminister vom 10. Juli. Lothar Rühl: «Er hat mich gebeten, Ihnen zu antworten.»

Es geht um eine Auseinandersetzung in der ehemals sozialdemokratischen, republikanischen Organisation «Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold», die in der Nachkriegszeit einen politischen Radikalisierungsprozeß nach rechts vollzog. Franz Hron gehörte dem «Reichsbanner» an.

Staatssekretär Rühl verteidigte in seinem Brief an den SI-Aktivi-sten die distanzierte Haltung seines Ministeriums: «Brigadegeneral Dr. Genschel, Stabsabteilungsleiter Fü S l, hat diese Information auch dem ihm persönlich bekannten stellvertretenden Bundesvorsitzenden des <Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold>, Herrn Keiling, mitgeteilt. Diesem ist auch die mit Anschreiben und Unterschrift versehene kurze schriftliche Information des Fachreferates zugegangen. Die Art der Übermittlung dieser Information an Sie bitte ich mit Herrn Keiling zu besprechen.

Ich sehe keinen Anlaß, die Maßnahme der Stabsabteilung Fü S I zu kritisieren. Dabei schließe ich die Möglichkeit unterschiedlicher Interpretation von Informationen nicht aus.

Mit freundlichen Grüßen ...» unterzeichnet von Lothar Rühl.

Doch die LaRouche-Leute wollen es dabei nicht bewenden lassen. Am I.Oktober 1984 schreibt Michael Liebig «im Auftrag des Vorstands» des Schiller-Instituts an General Genschel: «Wie uns mehr-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 150

fach von zuverlässiger Seite mitgeteilt wurde, haben Sie sich in negativer bzw. teilweise obstruktiver Weise über die Ziele und die Arbeit des Schiller-Instituts geäußert.» Michael Liebig, Multi-Funktionär im deutschen Zweig der LaRouche-Organisation, mochte es dabei nicht bewenden lassen. Er schlug Brigadegeneral Dieter Genschel ein Gespräch vor, «um, soweit bei Ihnen tatsächlich Interesse besteht, offene Fragen zu klären».

Andere Militärs hatten jedoch weniger Berührungsängste. So durfte zum Beispiel in der Militärfachzeitschrift Europäische Wehrkunde - Wehrwissenschaftliche Rundschau ein Beitrag von Dr. Steven Bardwell, einem LaRouche-Mitarbeiter, erscheinen. Eingereiht unter Aufsätze von Bundeswehr-Obersten und von General von Senger, dem Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte Europa-Mitte, schrieb Bardwell über «Strahlenwaffen und die Reagan-Rede vom 23. März 1983». Die Bearbeitung dieses für die bundesdeutsche Verteidigungspolitik nicht gerade unwichtigen Themas durch einen La-Rouche-Mann muß besonders überraschen, wenn man sich den offiziösen Charakter der Europäischen Wehrkunde vergegenwärtigt. Die Zeitschrift ist laut Impressum «Offizielles Organ und Pflichtblatt» der honorigen Gesellschaft für Wehrkunde e. V. und «offizielles Organ der Clausewitz-Gesellschaft e.V., des Arbeitskreises für Wehrforschung e. V. und der Gesellschaft für Sicherheitspolitik und Rüstungskontrolle e. V. Sie erscheint eigenen Angaben zufolge «unter ständiger Mitarbeit von Angehörigen der Führungsakademie der Bundeswehr».

Militärisches scheint ja die LaRouche-Leute besonders zu interessieren. Sie besuchen Militärfachtagungen und machen Interviews mit Rüstungsforschern. Sie publizieren in ihren Zeitschriften und Dossiers Beiträge von Militärwissenschaftlem aus dem Lawrence Livermoore Laboratory und veranstalten selbst militärpolitische Konferenzen, um Kontakte zu den Fachleuten aus den Streitkräften, der Rüstungsindustrie und militärischen Forschung aufzubauen. Sie stellen regelmäßig Anfragen im Bonner Verteidigungsministerium, legitimiert wie andere Fach Journalisten als Korrespondenten des Executive Intelligence Review oder anderer LaRouche-Publika-tionen.

Und sie haben es geschafft, etliche interessante Ex-Militärs für ihre Organisation zu gewinnen. So sind nicht nur in den USA, sondern auch in Europa ehemalige Generale bei den internationalen LaRouche-Konferenzen und in den LaRouche-Publikationen zu finden. Zum Beispiel Vizeadmiral a.D. Karl-Adolf Zenker (siehe Kapitel «Patrioten für Deutschland», Seite 38 f). Oder der österreichische Ge-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 151

neral a. D. Wilhelm Kuntner, der seit Jahren mit verteidigungspolitischen Vorträgen auf internationalen LaRouche-Veranstaltungen glänzt. Kuntner nahm im März 1986 in Stockholm an einer Veranstaltung des Schiller-Instituts teil, bei der auch ein skandinavienerfahrener deutscher Militär auftauchte: der pensionierte Konteradmiral Dr. Eberhard Noodt.

SI-Redner Noodt war früher Stabschef im Hauptquartier der NATO-Streitkräfte in Nordeuropa, das sich im norwegischen Kolsaas befindet. Der Ex-Konteradmiral wird bei den deutschen Streitkräften intern als politisch rechtslastig eingeschätzt.

Besonders beliebter Redner bei LaRouche-Konferenzen ist auch der französische Ex-General Marc Geneste, der als Vater der französischen Neutronenbombe gilt und bei den LaRouche-Leuten auch stets ganz stolz so vorgestellt wird. Auch Geneste ist in Frankreich einschlägig politisch bekannt: er ist Mitinitiator des «Commite pour la France et son armee».

Einen ganz besonderen Waffenliebhaber hält sich das Fusions-Energie-Forum. Ihr «Forschungsdirektor Dr. Uwe Parpart Henke», der sich auch schon mal «Uwe von Parpart», «Uwe Henke» oder einfach «Parpart» nennt, wird sogar mit seinen «Forschungsergebnissen» in dem angesehenen amerikanischen Militär-Fachblatt Defense Daily zitiert. «Henke» - wie wir ihn im folgenden nennen wollen - geht dem Defense Dat/v-Bericht zufolge davon aus, daß schon in zehn bis zwölf Jahren ein amerikanisches Strahlenwaffensystem im Weltraum stationiert werden könne, das die Vereinigten Staaten vor feindlichen Raketen schützen könnte. Die Kosten für dieses Projekt schätzt Henke auf lockere 100 Milliarden Dollar (Defense Daily, 14. April 1983).

Henke wird in dem Fachblatt als «1981er Absolvent einer westdeutschen Marineakademie» vorgestellt. Doch die Angaben zur Person halten einer Überprüfung nicht stand. Die Marineschule Flensburg-Mürwik hat Henke bereits 1961 als Leutnant zur See verlassen. An der University of Pennsylvania erwarb er zwar im Mai 1965 einen Magistergrad in Mathematik, eine Henke-Doktorarbeit existiert jedoch weder im bundesdeutschen noch im US-amerikanischen Promotionsregister.

Bei der Berichterstattung über ein NATO-Manöver gingen dem Seemann jedoch gewaltig die Pferde durch. Am 11. Dezember 1975 schrieb er, diesmal als «Uwe Parpart», auf der Titelseite der Neuen Solidarität (NS) den Aufmacher über das NATO-Manöver <Hilex 75>:
«Keine Übung, sondern Wirklichkeit - Atomkrieg ist für Ende Januar angesetzt.»



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 152



Bildunterschrift: In Sachen Schüler und Strahlenwaffen. Kundgebung des Schüler-Instituts 1985 in Bonn (Foto: Adolf Altgaßen)

Zwei Kollegen von Henke gingen auf dem schwierigen Feld der Militärpublizistik weniger reißerisch zur Sache.

Die LaRouche-Aktivisten Heinz Horeis und Michael Liebig, in zahlreichen Vereinigungen der Organisation in verantwortlichen Positionen sitzend, konnten ihre Star Wars-Pläne auch literarisch in die Fachgemeinde der Militärforscher bringen. Sie sind die Autoren eines Buches mit dem Titel «Strahlenwaffen - Militärstrategie im Umbruch», das in dem Münchener «Verlag für Wehrwissenschaften» erschien. Nicht nur in LaRouche-Publikationen, auch in der offiziösen Zeitschrift Soldat und Technik wurde für das Werk der LaRouche-Männer geworben. Der im Dezember 1980 gegründete «Verlag für Wehrwissenschaften wVw GmbH» gehört dem Diplom-Ingenieur Dr. Wolfgang Bergt. Der wVw-Verleger ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik e. V. [Auslassung 7.7.2005].

Auch sonst ist Dr. Bergt sehr gesprächig. Am Telefon erzählte er von «besten Kontakten zum National Security-Büro» in den Vereinig-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 153

ten Staaten. Zu der Zeitschrift Fusion hat er ein zwiespältiges Verhältnis: «Ich bin gehalten, diese Zeitschrift zu lesen» - wegen der nuklearphysikalischen Berichte. Doch vieles darin hält er für «puren Unsinn». Die Publikation sei «in weiten Teilen schlecht». Doch das war kein Grund für Zweifel an den beiden Autoren und Fusion-Mitarbeitern Horeis und Liebig. «Die Autoren sind auf mich zugekommen und haben das Manuskript angeboten», erzählt der Militär-Verleger. Die Erstausgabe des Buches, die bereits in den USA erschien, sei ihm damals schon bekannt gewesen. Politische Bedenken hatte Wolfgang Bergt bei der Edierung offensichtlich nicht. Was die beiden Autoren in dem Buch geschrieben hätten, sei «vernünftig».

Das Strahlenwaffen-Thema liegt den LaRouches besonders am Herzen. So wurde am 23. November 1982, fünf Monate vor Reagans Star Wars-Rede, nach Bonn in das noble Hotel Bristol zum Seminar über «Strahlenwaffen - Technologie und strategische Bedeutung» eingeladen. Als Veranstalter füngierte diesmal die Executive Intelli-gence Review aus Wiesbaden. Angehörige der Wirtschaft und der Bundeswehr, die Militärattaches der in Bonn vertretenen Länder, selbstverständlich auch das Verteidigungsministerium und einige Fachjournalisten wurden eingeladen. 30 Mark Eintritt mußten die Besucher als Teilnehmerbeitrag entrichten. Immerhin, ein sowjetischer Kapitän zur See und ein französischer Offizier folgten der Einladung. Doch die bundesdeutschen Militärs verhielten sich zurückhaltender. «Lediglich vorgewarnte oder skeptische Bundeswehrbeobachter, die nicht von der Hardthöhe stammten», so analysierte der verteidigungspolitische Fachredakteur Ulrich Mackensen von der Frankfurter Rundschau vorsichtig charakterisierend die Teilnehmer aus der Bundesrepublik.

Mackensen schilderte auch die Ursache für das zurückhaltende Interesse der sonst am Thema sicherlich eifrig interessierten Fachleute: ein regierungsinternes Papier vom Frühjahr 1982 nämlich, «das sich mit Unternehmungen der mehr als obskuren <Europäischen Arbeiter Partei> beschäftigt und in dem mehrere Organisationen oder Firmen aufgezählt sind, hinter denen sich diese einflußschwache, aber finanzstarke Gruppe verbirgt». Mackensen zitierte aus dem Papier:

«Unter all diesen Bezeichnungen [...] hätten sich Personen um Kontakte mit Behörden, Polizeidienststellen und Politikern bemüht und dies damit begründet, daß sie wichtige Informationen über illegale Waffengeschäfte, Rauschgiftschmuggel, bevorstehende terroristische Aktivitäten und mehr anzubieten hätten.» Die angekündigten Informationen hätten einer Nachprüfung jedoch nicht standgehalten.
 



Leerseite


Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 155


 
 
 
 
 

6. Konspirative Verbindungen
 
 
 
 
 

«Sicherheitsrelevante Erkenntnisse über die EAP liegen der Bundesregierung nicht vor.»

Staatssekretär Dietrich Spranger am 3. Oktober 1984 im Bundestag
«Ebenso wie der Bundesregierung liegen auch der Landesregierung sicherheitsrelevante Erkenntnisse über die EAP nicht vor.»
Der hessische Innenminister Horst Winterstein im Landtag, 20. Dezember 1984
«Keine sicherheitsrelevanten Erkenntnisse»
Antwort der Bundesregierung vom 29. März 1985 auf eine Kleine Anfrage der Grünen


Leerseite


Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 157


 
 
 
 

LaRouches vertrauliche Freunde
 
 
 

Ein Publikationsorgan ganz besonderer Art gehört zu den besten La-Rouche-Freunden in der Bundesrepublik. Was in Tunesien die Parteizeitung für die LaRouches leistet, betreibt hierzulande unter anderem der Informationsdienst Vertrauliche Mitteilungen aus Politik und Wirtschaft, gegründet von dem mittlerweile verstorbenen CDU-Abgeordneten Artur Missbach. Fünfmal monatlich erscheint Missbachs Vermächtnis. Der am rechten Rand der Unionsparteien operierende Publizist gründete seinen Informationsdienst 1951.

Nach Auskunft der Geschäftsführerin Christel Hochheuser betrug die Auflagenhöhe des stramm rechten Dienstes Anfang 1986 rund 85000 «vertrauliche» Exemplare. Für 14 Mark im Monat erfahren die Leser, daß die südafrikanische Befreiungsbewegung ANC im militärischen Bereich von dem «russischen Juden» Joe Slovo geleitet wird und daß «der viel zu große Mikrowellensmog ein gerütteltes Maß der Schuld an Erkrankungen der Menschen trägt». Dazu gibt es jede Menge wahre oder auch nicht nachprüfbare Horrormeldungen, meist aus der nichtkapitalistischen Welt. Für den Steuerflüchtling in spe bietet der beigelegte «Exklusiv-Dienst» Kontakt wertvolle Anlagemöglichkeiten, beispielsweise in paraguayischen Ländereien. Aber auch sehr viele Immobilien in deutschen Landen wechseln den Besitzer via Kontakt. Auch die - nicht gerade für jeden Bürger notwendigen Personenschutz- und Sicherheitseinrichtungen werden in der Kontakt-Börse feilgeboten: Nachtsichtgeräte, Abhöreinrichtungen, Minisender- und Mikrofone, weitreichende Richtmikrofone, Decodier-einrichtungen usw... Rückschlüsse auf die werte Leserschaft sind durchaus gestattet. Die Vertraulichen Mitteilungen liefern für diese Klientel die dazu passenden politischen Analysen. Vor den niedersächsischen Landtagswahlen bat der Verlag seine Leserschaft um Unterstützung in seiner so notwendigen «staatspolitischen Aufklärungsarbeit. JETZT. Nach dem 15. Juni könnte es zu spät sein.»



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 158

Nicht nur die politische Panikmache und Untergangsstimmung erinnert an die LaRouche-Organisation. Auch in der gebetsmühlen-artigen Kritik an den Machenschaften des «Ostküstenestablishments» liegen Missbachs Erben auf Linie. Aus den LaRouche-Publikationen wird sogar kräftig zitiert. In der Ausgabe 2524 wurde unter Bezug auf die EIR für den großen US-Politiker LaRouche geworben: «Gott behüte uns vor einem Wahlsieg Mondales [...]. Europa muß sich mehr um die führenden Kreise Amerikas kümmern, damit die Bundys, Kis-singers und Sonnenfelds nicht das Heft in die Hand bekommen. Nur Reagan und der rechte Flügel der Demokraten (Lyndon LaRouche) sind akzeptabel.»

In der Vertraulichen-Nummer-lSSl wurden die Leser auf die Neue Solidarität vom 19. September 1985 als Quelle verwiesen und vor dem Lieblingsgegner LaRouches, dem Internationalen Währungsfond (IWF), gewarnt: «Waffen des IWF: Coups und geplanter Bankenkollaps». Am 13. März 1986 erfuhr man aus dem Informationsdienst für das rechte Weltbild, einer der «großen privaten Informationsdienste Amerikas (EIR)» habe bekanntgegeben, daß «die in Punta del Este versammelten Außen- und Finanzminister von elf iberoamerikanischen Schuldnernationen (Cargagena-Gruppe) eine geheime Vereinbarung getroffen haben, einen Schuldnerclub gegen den Internationalen Währungsfonds zu bilden». Heftig wird auch vor «trilateralen Sympathien» gewarnt. Und die bundesdeutschen Christdemokraten kriegen auch ihr Fett weg. In «Selbstüberschätzung» habe die CDU «das parteipolitische Auffangbecken rechts von der CDU zerschlagen».

Ganz «vertraulich» verbreitet der Informationsdienst mit Sympathien für die Wähler rechts der Union in fast jeder Ausgabe die bekannten LaRouche-Theorien und -Ideen. Über die Gegner und Freunde sind sich Missbachs Nachfolger mit den Medien des La-Rouche-Clans einig.

Zu den ebenso verläßlichen Gesinnungsfreunden Lyndon H. LaRouches darf sicherlich Ekkehard Franke-Gricksch gezählt werden. Seit acht Jahren ist er Herausgeber des «zeitkritischen Magazins» Diagnosen, dessen Name bis Juni 1979 «Gesunde Medizin» lautete und als Unterzeile die Begriffe «Umwelt-Soziales-Gesundheit» führte. Nicht nur der Titel hat sich geändert. Auch die Autorenschaft reicht, über mehrere Jahre verteilt, von Petra K. Kelly bis Lyndon H. LaRouche jr.

Im November 1978 warnte die Gesunde Medizin vor der «Unfähigkeit des Managements in Brunsbüttel», der Aufmacher lautete: «Politiker rechnen mit Katastrophen durch die Kernenergie.» Im Heft ver-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 159

trat die damalige Verwaltungsrätin bei der EG, Petra K. Kelly, ihren Standpunkt: «Die Zukunft gehört der Güte (Zitat Bertha v. Suttner).» Petra Kelly ergänzte: «Die Männer an der Macht haben die Welt an einen Punkt gebracht, wo die Lebensgrundlagen aller Menschen bedroht sind [...]. Gifte und Radioaktivität in Nahrung, Luft und Wasser, im Mutterleib sowie in der Muttermilch ... sind das Resultat der patriarchalen Wissenschaft - die Gesetze der Natur erforscht, um sie zu beherrschen ...» Das ursprüngliche Impressum mit einem umfänglichen Redaktionsbeirat bestehend aus Hochschulprofessoren und Klinikleitern, schrumpfte innerhalb einiger Jahre von neun auf drei Namen zusammen, ehe es völlig verschwand. Übrig blieb Ekkehard Franke-Gricksch und sein Redakteur Günther Burkhardt.

Spätestens im April 1983 war auch der Wandel von Kelly zu La Rouche vollzogen. Letzterer ließ seinem Haß gegen Henry Kissinger freien Lauf. In seinem zweiseitigen Beitrag geißelte LaRouche sämtliche seiner Lieblingsgegner - angefangen bei England über den «Club of Rome» bis zu Kissinger. In späteren Ausgaben wird LaRouche zitiert. So heißt es im Oktober 1983 unter der Überschrift «Terrorismus - Ächtung des libyschen Diktators»: «Der Vorsitzende des <National Democratic Policy Committee> der Vereinigten Staaten, Lyndon LaRouche, veröffentlichte einen Aufruf gegen den libyschen Diktator Muammar al Gaddafi, der an die Länder der Europas sehen Gemeinschaft, die Vereinigten Staaten und die Mitglieder der OAU gerichtet war und zu einem Embargo Libyens aufforderte .. .»• Ihm galten damals die «kürzlichen Angriffe Libyens gegen Tschad und die Beteiligung libyscher Truppen bei den syrischen Operationen gegen arafattreue Kräfte ...» als Begründung.

Andere Autoren äußerten sich in Diagnosen über «Faschismus: Rockefellers CIA» oder warnten vor dem Einfluß der «Trilateralen» — Spezialthemen, aufgemacht und in der Ausrichtung mit Beiträgen der Neuen Solidarität vielfach identisch beziehungsweise inhaltsgleich.

In der Rubrik «Vertrauliches» wird der Diagnosen-LeseT über altbekannte LaRouche-Themen aufgeklärt: «Zionismus», David Rok-kefeller, «Satanismus», Perus Schuldenpolitik, AIDS, Mossad, «Moskaus Kritik an Olof Palme» - eine kleine Auswahl aus der Juli-Ausgabe 1986. Das Heft ist mit LaRouches Verschwörungstheorie geradezu vollgepfropft. Im Editorial schreibt der Herausgeber Ekkehard Franke-Gricksch über den «Holocaust-Schwindel». Der Autor Victor Marchetti, 1974 bekannt geworden mit der Ver-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 160

öffentlichung seiner Erfahrungen als CIA-Beamter, lieferte einen Aufsatz zur Affäre um den österreichischen Präsidenten Kurt Waldheim: «Neues Ziel im Holocaust-Geschäft». Auf der folgenden Seite darf der Autor Charles M. Fischbein nochmals zum «Holocaust-Geschäft» schreiben: «Jagd auf Senioren».

Marchetti füllte das Magazin fast alleine mit seinen Beiträgen, sieben gehen auf sein Konto. Der Rest ist von wenigen, immer wieder veröffentlichten Autoren aufgefüllt. Der Herausgeber scheut sich auch nicht, dem Leser seine Spezialthemen x-mal, in immer neuen Versionen und Aspekten vorzutragen. Die «Trilateralen», die «Bil-derberger» und Libyens Gaddafi sind die alles beherrschenden Themen. Vielleicht liegt dies daran, daß die Diagnosen eine «Vereinbarung über die redaktionelle Zusammenarbeit mit der amerikanischen Zeitschrift The Spotlight» hat, wie im Impressum vermerkt ist. «Im Rahmen dieses Abkommens werden eine Reihe nationaler und internationaler Beiträge übernommen und in die deutsche Sprache übertragen.» Die «populistische» Wochenzeitschrift aus Washington wird von der «Cordite Fidelity Corporation» herausgegeben.

Der Diagnosen- Verlag hat seinen Sitz in Leonberg, gedruckt wird das Magazin in der Schweiz. Der Verlag gibt an, daß das Heft monatlich an etwa 7000 Verkaufsstellen in der Bundesrepublik angeboten wird. «Die Zeitschrift mit dem Vogel Phönix als Symbol» verweist ganz stolz auf ihren «weltweiten Mitarbeiterstab».

Aber auch auf einschlägig bekannte Quellen aus der Bundesrepublik wird zurückgegriffen, zum Beispiel auf Artur Missbachs Vertrauliche Mitteilungen.

Zu den wenigen Anzeigenkunden bei Diagnosen gehört der rechtsextreme <Grabert-Veriag> aus Tübingen, in dem sich Autoren wie Professor Robert Hepp Gedanken über ein scheinbar drohendes «Deutschland ohne Deutsche» machen. Auffällig viele der rar gestreuten Anzeigen kommen aus dem Münchener Raum. So wirbt zum Beispiel eine «Bioplasma Forschung DBF Vertriebs GmbH» aus dem Münchener Arabella-Haus für die «AFONOVA Strahlenschutz-, Antirheuma- und Absorberdecke». Das Produkt aus «Dr. Oberbachs Bioplasma-Forschung» hilft gegen «rätselhaftes Unwohlsein»;
«Strahlungseinflüsse können die Ursache sein!»

Gegen die Strahlenangst kann auch der Anzeigenkunde mit dem vielsagenden Namen «Countdown Society» aus Strotzbüsch in der Eifel helfen. Zur «Katastrophenvorsorge» bietet die Company Strahlenmeßgeräte für 1200 Mark, Formal dehydprüf gerate und Milchpulver an - «vor Tschernobyl abgepackt».

Die <Countdown Society> ist überdies bekannt als Vertriebsgesell-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 161

schaff eines rechtslastigen Nachrichtendienstes, der Politischen Hintergrund-Informationen. Mit Londoner Registriernummer versehen, erscheint PA zweimal monatlich, mit dem Vertrieb im kleinen Eifel-ort Strotzbüsch sowie im schweizerischen Bottmingen. Für 24 Ausgaben mit jeweils 12 bis 14 Seiten zahlt der Abonnent stolze 140 Mark.

In einem Werbesonderdruck kurz vor der niedersächsischen Landtagswahl polemisierte der Nachrichtendienst gegen die <Patrioten>: «Wölfe im Schafspelz bei der niedersächsischen Landtagswahl - Die Parteizentrale der <Patrioten für Deutschland> befindet sich in den USA, und vor einigen Jahren war ihnen Willy Brandt noch zu antikommunistisch .»

Vor der Wähl der Patrioten «wird gewarnt». Sie betrieben, so PHI «mit ihrer Eigenbezeichnung noch einen weitaus größeren Etikettenschwindel als die CDU mit ihrem <C>, welches für christlich stehen soll».

Auf drei engbeschriebenen DIN-A4-Schreibmaschinen-Seiten vermittelte PH/einen Schnellkurs in Sachen Aufbau und Struktur des LaRouche-Organisationen. Letztendlich erscheinen den unbekannten Herausgebern die deutschen Patrioten zu US-amerikanisch - und deshalb nicht wählbar. Empfohlen wurde statt dessen das Kreuzchen bei den <WEISSEN>. Zitat: «Den Gastarbeitern soll der Weg zurück in ihre Heimat geebnet werden ...»

«Absolut überdurchschnittliche Renditen» verspricht die «Global Marktin vestigation and Venture Capitol (sie!) Consultant Company Ltd. AG» mit Sitz im Fürstentum Liechtenstein. «Diskretion» ist dabei selbstverständlich.

Ein ganz heißer Tip ist die Broschüre «Herz und Kreislauf wirksam schützen», die von der «Duopharm GmbH» kostenlos angefordert werden kann, Postkarte genügt an: «Abt. DG Postfach, 8023 Pullach».

So amüsant die Diagnosen-Inserate auch sind, eine Finanzierung des 80seitigen Monatsblattes über diese wenigen Anzeigenkunden erscheint unwahrscheinlich. Das Heft liegt als Lektüre für Gelangweilte in zahlreichen Ärzte-Wartezimmern aus und dürfte dort einen relativ breiten Leserkreis erreichen.

Wer auch seine Freunde mit Nachrichten über Trilateralismus, Zionismus und die Bilderberger beglücken will, erhält für die Abo-Werbung zum Einstieg gleich ein Buch über «Satans neues Testament». Das im Diagnosen-Vei\a.g publizierte Werk von Des Griffin hat den vielversprechenden Titel: «Wer regiert die Welt?» Laut Verlagsankündigung wird der Leser über eine «massive Verschwörung» infor-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 162

miert - «einer verborgenen Hand>, einer <geheimen Kraft>, die die Nationen der Erde in den endgültigen Zusammenbruch führt, damit eine gottlose, totalitäre <Weltherrschaft> errichtet und rücksichtslos durchgesetzt werden kann».

Eine typische Schlagzeile in der Neuen Solidarität, vom 12. Februar 1975: «Die Rockefeller-Nazi-Achse 1929-45». Der erste Absatz der mehrseitigen Serie beginnt mit den bekannten Spinnereien: «Der Nachrichtendienst des NCLC hat eindeutig ermittelt, daß die nunmehr auseinanderbröckelnden Bestrebungen der Rockefellergruppe, ein Viertes Weltreich zu errichten, auf früheren Erfahrungen beim Aufbau und der Erhaltung eines ähnlichen <gesellschaftlichen Experi-ments> beruhen - dem nationalsozialistischen Deutschland. Die derzeitigen Rockefellerschen Bemühungen um eine faschistische Neuordnung sind also nur ein zweiter Aufguß.»

Weiterlesen lohnt sich nicht mehr - das dürfte die einhellige Haltung jedes klar denkenden Lesers sein.

Doch hinter der verwirrenden Fassade steht durchaus Interessantes, das zu lesen sich durchaus lohnen mag: Fakten und Detailinformationen über Personen, Hintergründe und Zusammenhänge.

So verbirgt sich hinter der Rockefeller-Schlagzeile ein detailliert recherchierter Beitrag über die - damals tatsächlich existierende -Zusammenarbeit zwischen der amerikanischen Standard Oil und dem IG Farben-Konzern im Nazi-Deutschland. Diese Verbindung ist jetzt Gegenstand jüngerer Untersuchungen von amerikanischen Publizisten und Wissenschaftlern, die anhand der durch den Freedom of Information Act freigegebenen Dokumente und Akten über das «Geschäft mit dem Feind» (Buchtitel) recherchieren. Also ein durchaus seriöses, wenn auch noch stark im verborgenen liegendes, zeitgeschichtliches Thema. Die LaRouches konstruieren zwar aus den ihnen bekannten Daten und Fakten die üblichen Verschwörungstheorien, allerdings: die Daten und Fakten stimmen im wesentlichen. Der Leser muß nur die Spinnereien ausscheiden.

Der Deutsche Informationsdienst (DID), ein versierter Beobachter extremistischer Gruppen im Staatsschützer-Stil, macht in einer Analyse auf diese Eigenart von LaRouche-Publikationen aufmerksam: «In EAP-Seminaren- und Schriften (z. B. Spuren und Motive) werden Wahrheit, Halbwahrheit mit Vermutungen und Unterstellungen (die bis zu politischen Verleumdungen reichen) gemischt. Für einen politisch Uninformierten ist diese Praxis nicht sofort zu durchschauen.»
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 163


 
 
 
 
 
 

«Keine sicherheitsrelevanten Erkenntnisse»
Das Verhalten der Verfassungsschutzbehörden und Innenpolitiker
 
 

«Informationen werden gesammelt und Fehlinformationen herausgegeben. Die Idee ist, den sowjetischen Absichten in den Vereinigten Staaten damit gut zu dienen, indem man einen <falschen Gegner> gegen die traditionell pro-sowjetische Communist-Party USA hat, der einerseits manipuliert werden kann, und andere linksradikale Gruppen anzugreifen und andererseits Warnungen über <faschi-stische Bedrohungen ankurbelt.» Die rechtskonservative US-Stiftung <Heritage-Foundation> kommt in ihrer politischen Analyse einer «der aktivsten und oft verwirrenden Organisation der heutigen politischen Randszene der Vereinigten Staaten» zu der Vermutung, «mögliche ausländische kommunistische Verbindungen» stünden hinter der LaRouche-Organisation.

An Spekulationen über nachrichtendienstliche Hintergründe der LaRouche-Truppe mangelt es nicht. Schließlich wirft die Organisation hinreichend Fragen in dieser Richtung auf: ihre merkwürdige Informationsarbeit zwischen Desinformation und Hintergrund-Lieferungen, ihre Methoden der Informationsbeschaffung bei Militärs, Politikern und Wissenschaftlern, ihre äußerst großzügige finanzielle Ausstattung, ihre konspirative, abgeschottete Organisationsstruktur.

Alle mit ihr in Kontakt gekommenen Politiker steuern eine andere Version bei. Klaus-Henning Rosen, ehemals vorgeschlagen für den Stellvertreter-Posten im Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und Leiter des Parlaments-Büros von Willy Brandt, glaubt, daß mit der Europäischen Arbeiterpartei «von einem westlichen Geheimdienst systematisch Desinformation betrieben» wird. Robert Steigerwald, Mitglied im Parteivorstand der DKP, zitiert in der Parteipo-stille UZ eine Aussage des ehemaligen CIA-Direktors William Colby, wonach der CIA jährlich 90000 Dollar in die Wochenzeitung New



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 164

Solidarity stecke und die Kader der LaRouche-Komitees zu 80 Prozent aus CIA- und FBI-Leuten bestünden.

Norman Bailey, ehemals hoher Beamter im Nationalen Sicherheitsrat der Vereinigten Staaten, erzählte in einem Interview mit der US-Fernsehgesellschaft NBC, LaRouche besitze «einen der besten privaten Nachrichtendienste der Welt».

Und die schon erwähnte Heritage-Foundation behauptet unter Bezug auf «eine rechte Quelle», daß die LaRouche-«Arbeiterkomitees» der siebziger Jahre, die <National Caucus of Labor Committees> (NCLC), «jede Art von Informationen sammelten, für die sie selbst keine Verwendung hatten» - Informationen, die «in erster Linie für die Ostdeutschen nützlich sind».

Nun ist es schwer vorstellbar, daß eine multinationale Organisation mit den größten Zentren in den USA und der Bundesrepublik in fast einem Dutzend westlichen Ländern über mehr als ein Jahrzehnt hinweg mit diversen Tamorganisationen mehr oder weniger offen «spioniert» beziehungsweise sonstige Geschäfte eines Geheimdienstes des Ostblocks betreibt - sei es der KGB, sei es der «Stasi» -, ohne von den Abwehr-Spezialisten dieser Länder entdeckt oder davongejagt zu werden. Diese Vermutung würde nahelegen, daß die Abteilungen für Spionageabwehr und Gegenspionage in den größten Ländern der befreundeten westlichen Welt geheimdienstliche Aktivitäten von immerhin einigen hundert Personen nicht aufdecken könnten - eine politisch sehr naive Spekulation.

Viel interessanter scheint da schon die Annahme, die selbst aus Kreisen der westlichen Dienste geäußert wird, daß es sich hier um das Spiel einer mehr oder weniger «privaten» nachrichtendienstlichen Organisation handelt, möglicherweise einer aus politischen Gründen abgespaltenen Seilschaft aus westlichen Dienstlern, die ihr politisches Geschäft nicht zufriedenstellend innerhalb ihrer eigenen Nachrichtendienste durchsetzen können: vielleicht ein Produkt interner Fraktionskämpfe oder der Versuch, spezifische Aufgaben außerhalb des großen offiziellen Netzes durchzuführen.

Nur so wäre zu erklären - wenn es sich denn um eine solche Arbeit handeln sollte -, warum die Sicherheitsbehörden in den Operationsländern der LaRouche-Organisation nur halbherzig oder überhaupt nicht reagieren: denn Aktivitäten der Nachrichtendienste auf dem Territorium befreundeter Dienste oder Staaten sind nicht erlaubt.

Ein Bericht des Bundesinnenministeriums bezeichnete 1975, zusammenfassend veröffentlicht in der Ministeriumspublikation dnnere Sicherheit^ die seit 1973 in der Bundesrepublik operierende La Rouche-Organisation als eine «sektenartige Bewegung», «eine häufig



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 165

überschätzte, in Wirklichkeit unbedeutende politische Sekte». Dies blieb im wesentlichen bis auf den heutigen Tag die Grundlinie der offiziellen Erklärungen der Bundes- und Landesregierungen. Damals konnte das Innenministerium noch eine «moskaufreundliche Linie» ausmachen, die mit der abrupten Wendung der LaRouche-Leute hin zu rechtskonservativer, teilweise extremistischer Ideologie seit 1975 nicht mehr erkennbar ist. Um so sparsamer wurden auch die regierungsoffiziellen Äußerungen.

1975 ließ Bundesinnenminister Werner Maihofer die «European Labor Committees» (ELC) und die EAP im Kapitel «Linksextremistische Bestrebungen» als eine Bewegung mit «verworrener politischer Konzeption» darstellen: «Sie schlugen jedoch 1975 zunehmend eine prosowjetische Linie ein.» Erwähnt wird in dem Bericht auch der «Internationale Stab» in Wiesbaden mit «rund 20 Mitarbeitern» und Büros in dreizehn Städten. Als «führende deutsche ELC/ EAP-Mitglieder» wurden «Helga Zepp-Ljustina, Anno Hellenbroich und Dr. med. Rolf Pauls» genannt.

Nicht ohne Brisanz ist die in diesem Verfassungsschutzbericht niedergeschriebene Feststellung, daß die Korrespondenten der damaligen LaRouche-Nachrichtenagentur «International Press Service» (IPS) «häufig Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens» aufsuchten, «um sie über sicherheitspolitische Fragen zu interviewen und über Rockefeller-Agenten aufzuklären».

Man stelle sich vor, andere im Bericht erwähnte Extremisten-Gruppen, wie zum Beispiel der kommunistische Bund Westdeutschland> (KBW) oder der <Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD> (AB), hätte solche Aktivitäten entfaltet ...

1976 erschien der Verfassungsschutzbericht mit nahezu unveränderten Angaben: «Ihre politischen Aussagen sind weiterhin verworren.» Als führende Mitglieder wurden wieder die drei bis heute an der Spitze der Organisation arbeitenden LaRouche-Leute aufgeführt. Bei ihrer Agitation seien «führende demokratische Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland verunglimpft» worden. Auch die Zahl der bei der Bundestagswahl erzielten Stimmen wurde festgehalten: ganze 6811 Zweitstimmen. Die Folgerung des Innenministers: «politisch isoliert».

Seit Ende der siebziger Jahre wurden keine umfangreichen Berichte mehr über die LaRouche-Organisation abgegeben. Die Bundesregierung wurde erstaunlich einsilbig.

Bis zum 30. Dezember 1979 war die EAP Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes. Gegen die Aufhebung als Observierungsobjekt stimmte damals allein das Land Niedersachsen. Seitdem wird regel-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 166

mäßig geprüft, ob die Beobachtung wiederaufgenommen werden soll. Dies wurde bisher immer negativ entschieden. Eine solche Überprüfung «unter dem Gesichtspunkt <Rechtsextremismus>» sei 1980 «negativ» verlaufen, erklärte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heribert Hellenbroich, 1984 dem Spiegel, weil «dieser Gruppe der übersteigerte Nationalismus fehlt». In einem internen BfV-Papier wird die EAP als «wirr» bezeichnet. Eine eindeutige «Einordnung zum links- oder rechtsextremistischen Lager» sei nicht möglich. Auch die Landesinnenminister verfolgen seitdem diese Einschätzung. Im Mai 1982 erklärte das baden-württembergische Innenministerium, die Gruppe vertrete «eine überaus verworrene und ständig wechselnde Ideologie, die eine klare Zuordnung unmöglich macht».

1983 und 1984 hatte der Verfassungsschutz im Bundesland Hessen, dem LaRouche-Hauptsitz in der Bundesrepublik, überhaupt nichts zu berichten. Der Wiesbadener Innenminister nahm die LaRouche-Organisation nicht in den Bericht auf.

Lediglich der Verfassungsschutzbericht in Nordrhein-Westfalen führt die EAP 1983 unter der Rubrik rechtsextremistischer «Kultgruppen» auf: «Die rechtsextremistischen Kultur- und Weltanschauungsvereinigungen weisen fast alle - insbesondere aufgrund der Überalterung ihrer Mitglieder - Verfallserscheinungen auf. Sie sind 1983 in Nordrhein-Westfalen kaum in Erscheinung getreten. Bei der in den Medien mehrfach genannten Europäischen Arbeiterpartei (EAP) handelt es sich um eine Splittergruppe (NRW: ca. 30 Mitarbeiter, Bund: 200-250), deren Ziele eine eindeutige Zuordnung zu traditionellen extremistischen Richtungen noch nicht zulassen.» Die nordrhein-westfälische Landesregierung nahm die Organisation 1983 auch in den Bericht über Jugendreligionen auf.

Seit 1984 wurden etliche Parlamentarier in der Sache aktiv. Sie wollten in parlamentarischen Anfragen von der Regierung mehr erfahren, doch der Erfolg war nicht sehr groß.

So fragte am 15. Februar 1984 die Grünen-Abgeordnete Petra Kelly: «Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die EAP (Europäische Arbeiterpartei) vor, und aus welchen Mitteln wird nach Meinung der Bundesregierung der von dieser Gruppe betriebene erhebliche Aufwand finanziert?» Die nicht sehr erschöpfende Antwort von Staatssekretär Dr. Fröhlich: «Sicherheitsrelevante Erkenntnisse über die Europäische Arbeiterpartei liegen der Bundesregierung nicht vor.»

Diese alle Fragen offenlassende Antwort wird auch zukünftig zur durchgängigen Sprachregelung: «keine sicherheitsrelevanten Er-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 167

kenntnisse». Ob es allerdings andere als «sicherheitsrelevante» Erkenntnisse gibt, geht aus dieser Beantwortung nicht hervor. Fragen nach Hintergründen, zum Beispiel der Finanzierung, werden generell nicht beantwortet. Hier hat offenbar die parlamentarische Demokratie ihre Grenzen.

Eine ähnliche Frage stellte der Bundestagsabgeordnete Dr. Klaus Kübler (SPD) am 3. Oktober 1984: «Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die EAP (Europäische Arbeiterpartei) vor, insbesondere zur Mitgliedschaft, zur Finanzierung und zu den politischen Zielen?» Das war dem beantwortenden Staatssekretär Dietrich Spranger (CSU) offenbar zuviel auf einmal: «Herr Kollege Dr. Kübler, sicherheitsrelevante Erkenntnisse über die EAP liegen der Bundesregierung nicht vor.» Das Parlamentsprotokoll verzeichnet an dieser Stelle den Zwischenruf des Kollegen Walter Schwenninger von den Grünen: «Sehr dürftig!»

Kübler hakte noch mal nach: «Liegen dann verfassungsrechtliche Bedenken der Bundesregierung vor, und ist die Bundesregierung gegebenenfalls in die Prüfung solcher Gesichtspunkte eingetreten?» Sprangers Antwort: «Ich kann nur wiederholen, daß sicherheitsrelevante Gesichtspunkte, bei denen Sie insoweit verfassungsrechtliche einbeziehen können, nicht vorliegen.» Die Antworten des Herrn Staatssekretärs konnten den eifrigen Abgeordneten nicht befriedigen. Er wollte es noch einmal mit einer Zusatzfrage probieren: «Herr Staatssekretär, kann mir die Bundesregierung erklären, warum sie ein zweites Mal nur so kurze Antworten zu geben bereit ist?» Spranger erwiderte, begleitet von «Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU»: «Ich kann die Fakten ja nicht durch beliebige Romanerzählungen verlängern.»

Der SPD-Abgeordnete Wolf-Michael Catenhusen sprang seinem Fraktionskollegen zur Seite: «Kann ich nach Ihren Antworten wirklich davon ausgehen, daß der Erkenntnisstand der Bundesregierung geringer ist als der des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages, der auf Anfragen einiger Abgeordneter in einer Stellungnahme z.B. die Frage aufgeworfen hat, aus welchen Quellen, möglicherweise Geheimdienstquellen, diese Partei finanziert wird?»

Der parlamentarische Staatssekretär antwortete abermals ausweichend: «Es geht nicht darum, daß der Verfassungsschutz den Wissensstand des Wissenschaftlichen Dienstes zu beantworten hat, sondern daß hier Fragen beantwortet werden auf Grund der Arbeit, die der Verfassungsschutz entsprechend seinem Auftrag zu erfüllen hat, und das führt zu diesen Antworten.»

Auf Fragen des Landtagsabgeordneten Erich S. Nitzling (SPD)



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 168

antwortete der hessische Innenminister Horst Winterstein (SPD) am 20. Dezember 1984 gleichlautend: «Ebenso wie der Bundesregierung liegen auch der Landesregierung sicherheitsrelevante Erkenntnisse über die EAP nicht vor.» Im Februar 1985 bestätigte das hessische Innenministerium diese Haltung in einer Antwort an die Autoren: «keine sicherheitsrelevanten Erkenntnisse».

Petra Kelly von den Grünen, der fraktionslose Abgeordnete Gert Bastian sowie die Fraktion der Grünen fuhren daraufhin im Frühjahr 1985 ein noch schwereres parlamentarisches Geschütz auf. In einer kleinen Anfrage stellten sie 14 detaillierte Fragen über die LaRouche-Organisation und ihre Aktivitäten. Sie nahmen dabei wesentlich Bezug auf US-amerikanische Zeitungsveröffentlichungen, unter anderem auf Beiträge aus der Washington Post.

Selbst nach Kenntnis dieser zum Teil erschreckenden Veröffentlichungen sah die Bundesregierung keinen Anlaß, von ihrer bisher mehr als knappen Formulierungs-Kunst abzuweichen.
 
 
 
 
Deutscher Bundestag 
10. Wahlperiode
Drucksache 10/3135 
01.04.85 
Sachgebiet 112
 

Antwort der Bundesregierung

auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Bastian (fraktionslos), der Abgeordneten Frau Kelly und der Fraktion DIE GRÜNEN 
- Drucksache 10/3057 -

Europäische Arbeiterpartei (EAP)
 

Der Bundesminister des Innern - IS 2 - 612300 E/4 - hat mit Schreiben vom 29. März 1985 die Kleine Anfrage namens der Bundesregierung wie folgt beantwortet:
 

1. Hat die Bundesregierung Kenntnis von einer Dokumentation der Washington Post vom 13. bis 15. Januar 1985 über die Gruppe um den Amerikaner Lyndon LaRouche und seine deutsche Ehefrau Helga Zepp-LaRouche, die nach diesem Bericht 
    • weltweit unter dem Namen «National Caucus of Labor Committees (ICLC)»,



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 169


 
 
    • in den USA unter den Namen «National Caucus of Labor Committees (NCLC)» und «National Democratic Policy Committee»,
    • in Europa als «European Labour Committees (ELC)»,
    • in der Bundesrepublik Deutschland unter den Bezeichnungen «Europäische Arbeiter Partei (EAP)» und «Schiller Institut» auftritt?
Die erwähnte «Dokumentation» ist bekannt; sie enthält keine sicherheitsrelevanten Erkenntnisse.
 
 
2. Kann die Bundesregierung bestätigen oder widerlegen, daß auch die in der Bundesrepublik Deutschland aktive sog. Anti-Drogen-Koalition mit den genannten Gruppierungen eng verbunden ist?
Die Verbindung kann bestätigt werden; vgl. die Antwort der Bundesregierung auf eine frühere Anfrage (Drucksache 8/4433).
 
 
    3. Hat die Bundesregierung Kenntnis von der Tatsache, und wenn ja, wie bewertet sie sie, daß die o. a. Gruppierungen nach dem Bericht der Washington Post für eine Vielzahl von Publikationen verantwortlich sind, die diesen Zusammenhang nicht ohne weiteres erkennen lassen, wie z. B.
    • - New Solidarity Newspaper,
    • - New Solidarity International Press Service (NSIPS),
    • - Executive Intelligence Review (EIR),
    • - Campaigner Magazine,
    • - Fusion Magazine,
    • - Campaigner Publications?
Eine Bewertung erübrigt sich (vgl. Antwort zu Frage 1).
 
 
4. Hat die Bundesregierung davon Kenntnis, ob, und wenn ja, welche Verknüpfungen zwischen den Gruppierungen um Lyndon LaRouche und der amerikanischen «Western Goals Foundation» bzw. deren deutschem Zweig «Western Goals Europe e. V.» bestehen, die u. a. das Buch «The War called Peace - The Soviel Peace Offensive» (in der deutschen Ausgabe des Seewald Verlags «Der Krieg im Frieden») veranlaßt haben, in dem alle wichtigen Gruppen der amerikanischen und europäischen Friedensbewegung als vom Osten gesteuert dargestellt werden?
Hierüber liegen keine Erkenntnisse vor.
 
 
5. Wie bewertet die Bundesregierung die im Bericht der Washington Post enthaltene Feststellung, wonach die LaRouche-Gruppe seit 1970 Kontakte zum Geheimdienst des Pentagon «Defense Intelligence Agency (DIA)» und später auch zum amerikanischen CIA unterhielt, dem das Ehepaar LaRouche nach einem Europabesuch im Januar 1983 auch persönlich Informationen über die Partei DIE GRÜNEN angeboten hat?



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 170


 
Hierüber liegen keine bestätigenden Erkenntnisse vor; eine Bewertung kann folglich nicht stattfinden.
 
 
6. Hat die Bundesregierung Kenntnis von einem Bericht der New York Herald Tribüne vom 3. /4. November 1984, in dem ebenfalls vom CIA bestätigte Kontakte zwischen Spitzenvertretem dieses Geheimdienstes und Lyndon LaRouche hingewiesen wird?
Eine entsprechende, fünf Zeilen umfassende Notiz aus der International Herald Tribüne (nicht: New York Herald Tribüne) ist bekannt.
 
 
7. Hat die Bundesregierung Kenntnis von der in der Washington Post als «purer psychologischer Terror» und «psychologische Einschüchterung» bezeichneten Art und Weise, in der die LaRouche-Gruppen in allen westlichen Ländern, in der Bundesrepublik Deutschland vor allem die EAP, unliebsame Personen äußerst aggressiv verfolgen und dabei vor persönlichen Bedrohungen, Verleumdungen und Beleidigungen nicht zurückschrecken?
Die Sicherheitsbehörden sammeln keine Unterlagen über die in der Frage genannten Gruppen (vgl. Antwort zu Frage 1).
 
 
8. Wie bewertet die Bundesregierung die Tatsache, daß das Bundesamt für Verfassungsschutz die Beobachtung der EAP schon 1977 eingestellt hat, obwohl es in seinem Jahresbericht für 1976 noch ausdrücklich festgestellt hatte: «Die Agitation der ELC/EAP, bei der sie führende demokratische Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland verunglimpfte, hielt unvermindert an ...»?
Die Beobachtung der EAP durch die Sicherheitsbehörden wurde eingestellt, nachdem ursprünglich als extremistisch eingeschätzte Aktivitäten über einen längeren Zeitraum nicht mehr erkennbar waren.
 
 
9. Ist die Einstellung der Observierung der EAP durch das Bundesamt für Verfassungsschutz möglicherweise darauf zurückzuführen, daß der Präsident dieses Amtes ein Bruder des Generalsekretärs der EAP, Anno Hellenbroich, ist?
Nein.
 
 
10. Kann die Bundesregierung ausschließen, daß der ungewöhnlich gute Informationsstand der EAP, der auch detaillierte Kenntnisse von nicht veröffentlichten Fakten einschließt, auf Kontakte der EAP zu staatlichen Überwachungsdiensten oder zu von diesen unterrichteten Dienststellen zurückzuführen ist?
Der Bundesregierung sind keine derartigen Kontakte bekannt.
 
 
11. Kann die Bundesregierung ausschließen, daß die EAP Kontakte auch zu einigen Bundesministerien, z.B. zum BMVg, und zu Großforschungsanlagen in der Bundesrepublik Deutschland sowie zu demjenigen Teil des staatlichen Fritz-Werner-Konzerns unterhält, der sich mit Rüstungsproduktion und Rüstungsexport in die Länder der Dritten Welt befaßt?



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 171


 
 

Der Bundesregierung sind gegenseitige Kontakte dieser Art nicht bekannt. Soweit sich die EAP beispielsweise an Polizeidienststellen oder an Forschungseinrichtungen, wie das Institut für Plasmaphysik in Garching, gewandt hat, um leitende Mitarbeiter für Vortragsveranstaltungen zu gewinnen, blieben solche Kontaktversuche einseitig, da die Anfragen der EAP abschlägig beschieden wurden.
 
 
12. Wie bewertet die Bundesregierung die Tatsache, daß die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit, Frau Karwatzki, im Deutschland Union Dienst vom 1. Dezember 1981 die EAP unter anderem beschuldigt hat, jungen Menschen die Zukunft zu verbauen, gezielt auf einen Bruch der Jugendlichen mit ihrem Elternhaus hinzuarbeiten und Methoden wie bei Jugendsekten anzuwenden, und daß eine Klage der EAP gegen diese Feststellungen vom Landgericht Bonn am 31. März 1983 zurückgewiesen worden ist?
Die Bundesregierung sieht in den genannten Äußerungen der jetzigen Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit einen Ausdruck der Sorge um die Zukunft junger Menschen, die von der EAP angesprochen werden. Da die Äußerungen aber vor Übernahme des Amtes des Parlamentarischen Staatssekretärs erfolgt sind und Gegenstand eines Zivilrechtsstreits waren, enthält sich die Bundesregierung einer weiteren Bewertung.
 
 
13. Hat die Bundesregierung Kenntnis von einer Sendung des WDR aus der Reihe «Am Abend vorgestellt» vom 30. November 1983, 3. Programm, zur EAP mit dem Titel «Nazis ohne Hakenkreuz - Die EAP in Literatur und Aktion» und von den darin vermittelten Tatsachen?
Ja. Der Inhalt der Sendung hat für die Bewertung der EAP keine neuen Gesichtspunkte ergeben.
 
 
14. Hat die Bundesregierung Erkenntnisse über den Finanzhaushalt der EAP und der ihr verbundenen Organisationen sowie über die Quellen des offensichtlich erheblichen finanziellen Aufwands?
Hierüber besitzt die Bundesregierung nur die in der Presse verbreiteten Informationen.

 
 

Für Aufregung sorgte zwischenzeitlich eine kleine Veröffentlichung in der Bild-Zeitung vom 17. Februar 1984, die auf einen pikanten Aspekt des Verhältnisses der Verfassungsschutzbehörde zur EAP hinwies. In der Kolumne «Bonn vertraulich» schrieb Bild-Autor Meinhardt Graf Nayhauß, ein in Sicherheitsfragen versierter Journalist, unter der Schlagzeile «Herr Hellenbroich hat einen Bruder - und Sorgen»: «Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heribert Hellenbroich (46), hat seit längerem ein Auge auf eine Orga-
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 172

nisation, die am Rande der Verfassungsfeindlichkeit operiert. Das Pikante: Geschäftsführer dieser Organisation ist sein jüngerer Bruder Anno Hellenbroich (36).»

Nach der Bild- Veröffentlichung über die Verwandtschaft zwischen den beiden Hellenbroichs gab es eine Besprechung der führenden Herren im Bundesamt für Verfassungsschutz zum Tagesthema. Das Ergebnis des BfV-Führungsgesprächs: Um die Befangenheit des Präsidenten zu umgehen, wird künftig bei der Beantwortung von Anfragen Vizepräsident Dr. Stefan Pelny die Sache in die Hand nehmen.

Pelny ist der einzige SPD-Mann in der BfV-Führung, Er kam als ein Mann der Verwaltung direkt aus dem Bundeskanzleramt nach Köln. Als er ins Bundesamt für Verfassungsschutz gerufen wurde, war Pelny in Fragen der Spionageabwehr und in Nachrichtendienst-Angelegenheiten gänzlich unerfahren.

Bei dem in der Bild unangenehm in die Schlagzeilen geratenen Präsidenten Heribert Hellenbroich war dies anders. Der Jurist und CDU-Mann Hellenbroich kennt das «Amt» seit 1966, und zwar in allen Abteilungen. Er durchlief die NATO-Schulung für Geheimdienstbeamte in Rom und übernahm 1975 die Abteilung für Spionageabwehr. 1981 wurde er Vizepräsident im BfV, 1983 bezog er dann das Chefbüro Nr. 4404 in der Kölner Behörde.

Die Schlagzeilen machten dem Mann in dem Geschäft, das keine Medienöffentlichkeit verträgt, später noch mehr zu schaffen. Einen Monat nachdem er seine letzte Sprosse in der Staatskarriere-Leiter erklommen hatte und 48j ährig Chef des Bundesnachrichtendienstes in Pullach bei München wurde, mußte der Kölner in den einstweiligen Ruhestand. Ihm vorgeworfene Versäumnisse als BfV-Präsident bei der Sicherheitsüberprüfung des übergelaufenen Mitarbeiters Hans-Joachim Tiedge machten ihn für den Innenminister Zimmermann untragbar.

Doch seit Januar 1986 ist Heribert Hellenbroich wieder in seinem Metier tätig. Er leitet zunächst das neugeschaffene Kölner Büro der Prognos AG, die ihren Sitz in Basel hat. Die Schweizer Firma war bisher nur bekannt als Meinungsforschungsinstitut, das vor allem Untersuchungen für die Bonner Bundesregierung durchführte. Doch die Prognos AG ist in Sicherheitsfragen nicht ganz unerfahren. Die Basler sind zum Beispiel «Förderndes Mitglied» der Deutschen For-schungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt» (DFVLR), neben zahlreichen führenden Rüstungskonzernen wie Rheinmetall, MBB, OTRAG, Dornier, Bück usw: die DFVLR betreibt unter anderem eben auch Rüstungsforschung.

Bei der Prognos AG ist Hellenbroich offiziell als «Technologie-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 173

Schutz-Berater» eingestiegen. Unternehmen sollen beim Schutz ihres Know-how beraten werden, vor allem vor Gegnern aus dem Ostblock, die den illegalen Technologietransfer als preiswerte Methode zur Entwicklung ihrer Volkswirtschaft begreifen. Heribert Hellenbroich über sein nicht ganz neues Aufgabenfeld in der Privatwirtschaft: «Hier geht es nicht um die Jagd nach Agenten und Spionen. Das kann, darf und will ich als Privatmann ebensowenig, wie es mein Arbeitgeber Prognos zuließe.»

Im August 1986 wurde der Abwehr-Spezialist dann einer der drei Geschäftsführer des in Feldkirchen bei München ansässigen Instituts für Sicherheitsforschung (IFS). Das Institut befaßt sich seit 1982 im Auftrag der Wirtschaft mit Fragen des Personenschutzes und der Wirtschaftsspionage und hat 70 «aktive Mitglieder» aus dem ganzen Bundesgebiet, meist Sicherheitsbeauftragte in Unternehmen.

Zumindest braucht Heribert jetzt keine Angst mehr vor der «brenzligen Situation» zu haben, die der 5^-Kolumnist Mainhardt Graf Nayhauß vorzeichnete: «Sollten in der Organisation die Radikalinskis überhand gewinnen, wäre der Präsident gezwungen, gegen eigenes Blut vorzugehen.»

Ob Bruder Anno zu diesen «Radikalinskis» bei der LaRouche-Organisation gehört, weiß wohl nur der Bild-Kommentator. Öffentlich bekannt ist lediglich sein jahrelanges Engagement in der Europäischen Arbeiterpartei, deren zweiter stellvertretender Vorsitzender er ist, und seine Tätigkeit als Geschäftsführer der deutschen Executive Intelligence Review (EIR), die unter anderem umfangreiche und teure Dossiers über die Grünen herausgibt.

Nach abgebrochenem Medizinstudium stieß der heute 38 jährige Anno Hellenbroich zur LaRouche-Organisation. Er gehört zu den deutschen Aktivisten der ersten Stunde. Seitdem stand im Impressum der LaRouche-Wochenzeitung Neue Solidarität (NS) sein Name als verantwortlicher Redakteur, anfangs sogar als einziger genannter Redakteur. Auf sein Konto liefen in den siebziger Jahren die Zahlungen der Abonnement-Gebühren. Lediglich in den vergangenen Jahren taucht er im NS-Impressum nicht mehr auf. Als verantwortlicher und Chefredakteur wird jetzt Dr. Wolfgang Lillge benannt, der jedoch bei gerichtlichen Auseinandersetzungen wegen Beleidigungsprozessen gerne auf die Beratung durch Anno Hellenbroich zurückgreift.
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 174


 
 
 
 

Die Executive Intelligence Review
 
 
 

«Allerdings führt der Fleiß der Organisation dann durchaus auch zu lesenswerten Informationen über Hintermänner und Intrigen. Insofern ist das Blatt eine nützliche Ergänzung der Aussagen über Intrigen und Konspiration im Spiegel, wenngleich sein Lesen noch mehr Urteilskraft erfordert, als dies bereits beim Spiegel notwendig ist, wenn dies mehr sein soll als zähflüssige Unterhaltung.»
 
Prof. Dr. Erwin K. Scheuch über die Executive Intelligence Review (In: Beiträge zur Konfliktforschung, Heft4/1984,S.108)

 

Die am 12. Juni 1980 gegründete deutsche «Schwester» der von Lyndon H. LaRouche gegründeten amerikanischen Executive Intelligence Review (EIR) wird von den Geschäftsführern Anno Hellenbroich und Michael Liebig geleitet. Gegenstand der deutschen «EIR Nachrichtenagentur GmbH» mit Sitz in Wiesbaden ist es, «jede Art von Informationen zu sammeln und auszuwerten, diese durch Kauf, Miete, Konzession oder andere mögliche Art zu erwerben, zu verkaufen, zu konzessionieren, zu verlegen oder auf andere Weise zu verarbeiten» und «Informationen zu verarbeiten, insbesondere als Analysen, Studien und Berichte [...]».

Das Stammkapital des Unternehmens halten Anno Hellenbroich (20000,-), Michael Liebig (10000,-), Elisabeth Böttiger, Ehefrau des LaRouche-Aktivisten und Verlegers Dr. Helmut Böttiger (FEF, EAP, Humanistische Studien) mit 10000 Mark und EAP-Mann Josef Stalleicher, ebenfalls 10000 Mark.

Die EIR-Nachrichtenagentur veröffentlicht neben Presseerklärungen und Flugblättern die Zeitschrift Executive Intelligence Review, die in der Bundesrepublik im Jahresabonnement 680 Mark kostet. Für diese Zeitschrift werben die LaRouches gerne mit einem Zitat von Ex-Kaiserin Farah Pahlevi, der Witwe des Schah des Iran: «Um zu verstehen, was im Iran passiert ist, muß man lesen, was Robert Dreyfuss am 13. Nov. 1979 in Executive Intelligence Review geschrieben hat.» Das hatte die Monarchistin im Gespräch mit Jose-Luis de Vilallonga in der Bunte (31. Juli 1980) geäußert.
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 175


 
 
Die EIR-Agentur verkauft auch «Sonderberichte» bzw. «Special Reports», zum Beispiel über das «Internationale Terrornetzwerk von Ghaddafi» oder «wie der KGB die Friedensbewegung kontrolliert», über die Trilaterale Kommission, über die «grüne Nazi-Internationale» und das «anglosowjetische Design für die arabische Halbinsel». Solche exklusiven Sonderberichte kosten immerhin 250 US-Dollar oder stolze 600 Mark.

EIR-Chefredakteur Anno Hellenbroich durfte «als Gast des italienischen sozialdemokratischen Abgeordneten Hon. Terenzio Magliano in dessen Turiner Fernsehstation <Televox>» über die westdeutschen Grünen herziehen. Die EIR-Presseerklärung zu Hellenbroichs TV-Auftritt: «Während der mehr als einstündigen Sendung beschrieb Hellenbroich anhand von Filmmaterial ausführlich die Nazi-Ideologie der Grünen und erläuterte ihre Schlüsselrolle bei der derzeitigen Welle


 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 176


 
 

des <Euroterrorismus>.» Seine Parole: «Die Grünen müssen gestoppt werden!»

Die EIR-Nachrichtenagentur GmbH hat ihren Sitz auch in dem Bürohochhaus in der Dotzheimer Straße 166 in Wiesbaden, wie das Fusions-Energie-Forum (FEF), die Dr. Böttiger-Verlags-GmbH und das LaRouche-Unternehmen P & F Progress Betriebsverwaltungs GmbH sowie die P & F Progress GmbH & Co Besitz-, Vermietungs- und Service-KG.
 



 

Anno wohnt mit seiner Frau Elisabeth in einer stattlichen Neubau-Villa in Stadecken-Elsheim, einem kleinen Weindörfchen bei Mainz. Das Domizil in der Christian-Reichert-Straße, zunächst von ihm gemietet, später von dem LaRouche-Aktivist und Wiesbadener Zahnarzt Dr. Martin Buck für mehr als 800000 Mark aufgekauft, ist so etwas wie das heimliche Hauptquartier der LaRouches in der Bundesrepublik. Innen ist es mit zahlreichem kommunikationstechnischem Gerät ausgestattet, nach außen abgesichert wie sonst nur Rüstungsbetriebe oder die israelische Botschaft: NATO-Stacheldraht-Rollen, neun Videokameras rund um eine hohe Betonmauer, permanente Nachtbeleuchtung, Metall-Lamellen vor den Fenstern als Abhörschutz. Sicherheitsleute und Bewacher bewegen sich ständig um das Haus: mit Walkie-Talkies ausgerüstet, mal zu Fuß, mal im Auto mit laufendem Motor sitzend - eine gespenstische Dorfidylle.

Vor dem Haus, dessen Klingelschild ganz unscheinbar den Namen Hellenbroich trägt, stehen ebenfalls nur unauffällige Autos, meist höhere Mittelklasse-Mietwagen, Marke BMW oder Daimler. Kein Aufkleber deutet auf die sonst so forsch agitierende Partei hin. Hin und wieder entfalten die LaRouches in der Villa, die stets von einigen Wachleuten besetzt ist, emsige Aktivitäten. Dann treffen zahlreiche Anhänger, meistens zu nächtlicher Stunde, ein und bevölkern das Villen-Grundstück.

Für die Dorfbevölkerung ist das merkwürdig konspirative Verhalten der LaRouche-Leute in dem Haus am Rand der kleinen Gemeinde ein Rätsel. So zum Beispiel geriet ein Architekt ins Staunen, als die LaRouches ihm einen Auftrag ganz besonderer Art offerierten. Er sollte einen unterirdischen Sicherheitsbunker mit viel Beton entwerfen. «Für hohe Staatsgäste», erklärten die verhaltensauffälligen Dorfbewohner das aufwendige Baukonzept. Mindestens ein Auto sollte in den Bunker passen.

Zuweilen liefen die Bewacher des Anwesens auch schon mit leichter Bewaffnung um das Haus oder beschützen vor den amüsierten
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 177


Bildunterschrift: Anno Hellenbroich auf einer Kundgebung des Schiller-Instituts (Foto: Adolf Altgaßen)
 

Weinbauern aus Stadecken-Elsheim ihre Mülltüten mit Papierschnitzeln bis zu ihrem Abtransport durch die Müllabfuhr.

Diese aufwendige Absicherung ist schwerlich mit den Angaben des Hausbewohners Anno Hellenbroich zu erklären, die er als Kandidat der Europäischen Arbeiterpartei macht. Wie zum Beispiel gegenüber der Stuttgarter Zeitung (11. Februar 83), der er berichtete, er sei «vor allem an Fragen interessiert, die mit der Kultur- und Erziehungsarbeit zu tun haben». Damit erzielt Anno Hellenbroich nicht gerade umwerfende Stimmengewinne. Mal in Kassel, Wahlkreis 5, oder in Stuttgart, Wahlkreis 162 Süd, kommt er selten auf vierstellige Ziffern. Bei der letzten Bundestagswahl waren es 135 Erst- und 84 Zweitstimmen -nicht gerade motivierend für eine Partei mit derart hochgesteckten Zielen.

Der streng katholisch erzogene Anno, nach außen eher als freundlich und liebenswürdig bekannt, soll innerhalb der LaRouche-Organi-sation nach Aussagen ehemaliger Anhänger auch andere Töne anschlagen. Den Abtrünnigen Hans Bandmann hat er angeblich als «eine zynische Sau wie der Völkermörder Willy Brandt» tituliert. Dieses Zitat ist in einem Rundschreiben nachzulesen, das Bandmann nach seinem Ausscheiden im Mai 1981 «an die Mitglieder des ICLC» (International Caucus of Labor Committees) richtete. Anno Hellen-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 178


 

broich ist aber auch so etwas wie der «Chefankläger» der LaRouche-Organisation, wenn in einem bundesdeutschen Medium ein kritisches Wort über die Partei fällt, die sich nicht gerne - wie dies in einem demokratischen Staat eigentlich gute Übung sein sollte - politisch angreifen läßt.

Nicht nur die Verhaltensweisen Anno Hellenbroichs und seiner Kollegen in der Stadecken-Elsheimer Villa, sondern auch andere Organisationsmerkmale und Aktivitäten brachten die LaRouches in den Verdacht nachrichtendienstlicher Tätigkeit.

Ihre Mitgliederstruktur in der Bundesrepublik ist, jedenfalls für eine Partei, die demokratisch offen und jedermann zugänglich ist, äußerst auffällig. Eine unveröffentlichte Analyse über die LaRouche-Leute in der Bundesrepublik, datiert auf den April 1983, faßt sechs auffällige Mitgliedermerkmale zusammen:
 


 
Aktenkundige Mitgliedschaften in Vereinen und Beteiligungen an Firmen
 
 
EAP Europäische Arbeiterpartei
PAHS Private Akademie für Humanistische Studien
FEF Fusions-Energie-Forum
ADK Anti-Drogen-Koalition
EIR Executive Intelligence Review
KKK Kernkraft-Komitees
ClubofLife
P + FP P + F Progress-GmbH & Co Besitz-, Vermietungs- und Service-KG
P & FB P & F Betriebsverwaltungsges. bmH
D & F Dinges & Frick Druckerei
Die Liste entspricht nicht in jeder Einzelheit dem aktuellen Stand. Die Dichte der Funktionsverteilung ist jedoch unverändert.

 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 179


 


 
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 180

Die «innerorganisatorische Geschlossenheit», wie sie von dem Berliner Parteienforscher Michael Fichter bei der EAP festgestellt wurde, ist ebenfalls für Parteien vollkommen untypisch. Größtenteils bestehen verwandtschaftliche Verbindungen zwischen den führenden Köpfen der Partei. Ihr Wohnsitz und Standort wechselt - mit einigen Ausnahmen - permanent, teilweise sogar international. Die Kandidaten treten bei Wahlen ständig in neuen Wahlkreisen auf. Es gibt keine kontinuierliche Wählerwerbung in einzelnen Wahlkreisen durch die Kandidaten.

Die Partei und auch die anderen LaRouche-Organisationen Schotten sich nach außen vollkommen ab. Wer zum Beispiel an einem Informationstisch Interesse für die Schriften bekundet und sich in ein Gespräch verwickeln läßt, hat zwar den Eindruck, daß er «angeworben» wird. Interessierte, die weiterhin Interesse an einer Mitarbeit bekundeten und auch Abtrünnige der LaRouche-Organisation berichten jedoch einhellig, daß Neulinge mittels eines sehr harten Selektionsverfahrens geprüft und aufgenommen werden. Zunächst werden sie mehrstündigen, später noch längeren propagandistischen Vorträgen ausgesetzt - die ein halbwegs klar denkender Mensch nur schwerlich ertragen kann. Wer diese «Prüfung» aus Haß-Tiraden gegen das «Ostküsten-Establishment», Henry Kissinger, die Rockef ellers, Petra Kel-ly, Willy Brandt usw., die «naturwissenschaftlichen» Spinnereien über «Tachyonen-Energie», den Strahlenwaffen-Wahnsinn und die immer gleichen Lobeshymnen auf Lyndon Hermyle LaRouche übersteht, der ist dann «reif» für die weitere Integration, Schritt für Schritt, in den Apparat der Organisation. Zuvor mußte er sich allerdings viele Fragen über seine Herkunft, politische Anschauungen und Ausbildungswege, kurz über das komplette Vorleben gefallen lassen. Diese Angaben werden schon gleich zu Beginn der Kontaktaufnahme überprüft.

Personen, die diese Prozedur miterlebten, berichteten, daß Wohnungsangaben und Telefonnummern, die sie bei solchen Anwerbegesprächen gleich am Anfang erzählen mußten, von anderen LaRouche-Mitarbeitern noch während des Gespräches überprüft wurden.

Eine Partei, die sich derart konspirativ verhält und der Öffentlichkeit gegenüber abschottet, ist im parlamentarisch-demokratischen Gefüge der Bundesrepublik ein innerer Widerspruch. Die «republikanischen» Reden ihrer Anführer sind mit ihrem Verhalten jedenfalls nicht in Einklang zu bringen. Sie lassen sich auch nicht öffentlich kritisieren, wie dies bei allen Politikern und Parteien in einem demokratischen System eigentlich gute Sitte ist. Nur bei der Kritik gegen andere ist die LaRouche-Organisation wenig zimperlich: Hetze eingeschlossen.
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 181

Eine multinational organisierte Partei mit regelmäßigem internationalen Austausch der Mitarbeiter und gleichlautenden, meist übersetzten Artikeln in ihren nationalen Mitgliedszeitungen entspricht nicht gerade dem Verfassungsauftrag, den die Väter und Mütter des Grundgesetzes der demokratischen Institution Partei in der Bundesrepublik zugeschrieben haben.

Ein weiteres Sturkturprinzip kann als Mißbrauch der verfassungsrechtlich mit zahlreichen Freiheiten ausgestatteten Institution Partei bewertet werden: die Gründung von Suborganisationen, die wie jetzt die «Patrioten für Deutschland» ebenfalls bei Landtagswahlen kandidieren, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und einzelne, oft ältere Bürger mit Täuschungsmanövern und Irreführung über die eigentlichen persönlichen und organisatorischen Hintergründe der Vereinigung für ihre Propagandaarbeit zu gewinnen versuchen. Mit den derart für Unterschriftenlisten und Unterstützer-Kreise gewonnenen Persönlichkeiten wird in großformatigen, überregionalen Tageszeitungsanzeigen die Öffentlichkeit bewußt getäuscht.

Die Tätigkeiten der EAP-Mitarbeiter in ihrem «Stab» in der Wiesbadener Zentrale sind ebenfalls sehr «parteiuntypisch». Ein ehemaliger LaRouche-Anhänger, der vom März bis September 1975 in dieser Organisationszentrale arbeitete, berichtete über seine Aufgaben: «In erster Linie sind die Leute mit Nachrichtenbeschaffung und -auswer-tung befaßt, sie organisieren aber auch <in the field>, das heißt draußen, auf der Straße.»

Doch keineswegs kann man diese Mitarbeiter, selbst wenn sie in diesem zentralen «Stab» gearbeitet haben, zu den gutinformierten «Insidern» rechnen. Sie haben zwar eifrig für die Organisation gedient. Wesentliche Hintergründe, zum Beispiel über Fragen der Finanzierung, sind ihnen jedoch in dieser Zeit stets verborgen geblieben. Sie haben wie Befehlsempfänger in einem militärischen Apparat «gedient» - Fragen über das Für und Wider waren nicht erwünscht. Kritik war ihren Berichten zufolge nicht möglich. Jeglicher Zweifel an der Richtigkeit und Notwendigkeit der Aufgabenstellung wurde mit harten, gruppenpsychologischen Methoden sanktioniert. Für die Mitarbeiter zählt nur das bloße «need to know», das heißt der Grundsatz: «Kenntnis nur, wenn nötig»: jeder weiß so viel, wie für die eigentliche Aufgabenerfüllung notwendig ist. Alles andere bleibt ihm verborgen. Es gab bisher keine Abtrünnigen der LaRouche-Organisation, deren Wissen hilfreicher war.

Auffällig ist auch die gezielte Informationsbeschaffung durch die verschiedenen LaRouche-Vereinigungen bei militärisch relevanten wissenschaftlichen Institutionen, bei Polizeidienststellen und im Ver-
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 182

teidigungsbereich. Zeitweise wurden Politiker der SPD mit gezielten Hausbesuchen behelligt, um sie «über sicherheitspolitische Fragen zu interviewen», wie ]a selbst der Bundesinnenminister offiziell erklärte.

Möglicherweise gehort in diesen Aufgabenbereich der LaRouche-Organisation auch ein Publikationsobjekt, das gleichzeitig als hervorragende Quelle der Informationsbeschaffung diente. 1982 warb Fusion für ein Handbuch mit dem Titel «Wöridtrade», das «zweitwichtigste Buch in der arabischen Welt». Neben Adressen von Hotels, Botschaften, Ministerien und Regierungsstellen enthielt das Handbuch die Telexnummern und Anschriften der Repräsentanten von 6500 ausländischen Firmen, die im arabischen Raum tätig waren. Das orientalische Business-Adreßbuch hatte nur einen merkwürdigen Haken: Das Buch wurde zwar bestellt, doch an viele Interessenten gar nicht ausgeliefert. Bei einem Preis von 500 Mark ist dieses Geschäftsgebaren sicherlich sehr überraschend ....

Immerhin ist das Werk mit 350000 Daten und 2500 Seiten gedruckt worden. Im Impressum des Handbuches tauchen altbekannte La Rouche-Namen auf, unter anderem die Firma «Dinges & Frick», die den Druck bzw. Satz für die Zeitschriften Fusion und Ibykus oder für Bucher des Schiller-Instituts anfertigt. Das Unternehmen ist nicht ganz zufällig so etwas wie die «Hausdruckerei» der LaRouches in der Bundesrepublik. Firmenmitinhaber Helmut Frick gehört zum engeren Kreis der LaRouches in der Bundesrepublik. In dem Unternehmen «P & F Progress-GmbH & Co Besitz-, Vermietungs- und Service-KG» ist der FEF-Mitbegrunder Helmut Frick als Kommanditist mit einer Einlage von 60000 Mark beteiligt, neben bekannten Namen aus der LaRouche-Truppe: Dr. med. dent. Dr. Martin Bück (100000,-), Karl-Heinz Holz (150000,-), Dr. med. Jürgen Spahn (80000,-), Hartmut Schäfer (60000,-), Pakdee Tanapura (50000,-) und Uwe Friesecke (100000.,-).

Die P & F-Kommanditgesellschaft hat noch eine «Schwester»: die «P & F Progress-Betriebsverwaltungs-GmbH». Ihr Geschäftsführer ist der Wiesbadener Kaufmann Uwe Friesecke. Friesecke, Jahrgang 1948, ist ein führender Funktionär in der EAP und ebenfalls in der «Privaten Akademie für Humanistische Studien» aktiv. Er wird bei Konferenzen als entwicklungspolitischer Fachmann oder Afrika-Experte bezeichnet. Ihren Sitz haben die beiden P & F-Unternehmen in der Dotzheimer Straße 164 in Wiesbaden, einem Büro-Hochhaus, das auch das Fusions-Energie-Forum (FEF), den Bottiger-Verlag des LaRouche-Multifunktionars Dr. Helmut Bottiger und die Executive Intelligence Review Nachrichtenagentur GmbH (EIR) beherbergt.
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 183

Das Worldtrade-Handbuch weist in seinem Impressum auch sonst sehr illustre Verantwortliche auf. Als «Editor & Managing Director» füngierte Gundo Kahle, ein Mann, der den sogenannten «Offenbarungs-Eid» geleistet hat. Als «Financial Director» trat der zeitweise in Wiesbaden wirkende Wirtschaftsberater Siegfried Weiß auf. Weiß baute ein verzweigtes und kompliziertes Firmen-Netz mit überaus interessanten Schweizer Treuhandgesellschaften auf, deren Geschäftszwecke für Laien kaum durchschaubar waren.

Als Herausgeber des Handbuchs diente eine «Deutsch-Arabische Gesellschaft für Handel und Industrie», auch als «The German Arabian Association for Trade and Industry» bezeichnet. Diese Vereinigung orientierte sich in der Namengebung eng an der großen «Deutsch-Arabischen Gesellschaft e. V.» mit Sitz in Bonn. Der honorigen Gesellschaft aus der Bundeshauptstadt gehören Parlamentarier aller großen Parteien an. Ihr damaliger Präsident, Staatssekretär Jürgen W. Möllemann, hatte jedoch keine Skrupel, der Wiesbadener Plagiat-Gesellschaft ein Vorwort für ihr Worldtrade-Handbuch zu schreiben.

Der laienhafte Betrachter dieser Beziehungen in der Wiesbadener Geschäftswelt wird vermuten, daß es sich bei den LaRouches um eine überaus liquide und kapitalstarke Organisation handelt. Die Kapitalstärke ist sicherlich vorhanden, doch mit der Liquidität hapert es hin und wieder. Vor dem Wiesbadener Amtsgericht gab Neue Sohdaritat-Chefredakteur Dr. med. Wolfgang Lillge an, seit 1979 kein eigenes Einkommen zu haben. Seine Frau, die Bibliothekarin Ulrike Lillge, würde ihm mit 500 bis 1000 Mark monatlich aushelfen. Die LaRouche-Firmen haben häufig Zahlungsschwierigkeiten, auch Zwangsvollstreckungen beziehungsweise Pfändungen sind vorgekommen.
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 184

Beim Geld verhält es sich offensichtlich wie beim Wissen: analog dem «need to know» gibt es scheinbar nur hinreichende Finanzmittel, wenn sie aktuell benötigt werden, vielleicht, um die Arbeit direkter kontrollieren zu können.

Und diese Gelder fließen sogar äußerst großzügig. Internationale Konferenzen mit Besuchern aus zahlreichen Ländern werden stets in noblen Tagungsräumlichkeiten veranstaltet. Die Konferenzteilnehmer übernachten in Hotels gehobener Kategorie.

Das Wiesbadener Büro verschlingt hohe laufende Kosten. So wurden im Herbst 1974 bei der Firma Siemens zehn neue Fernschreiber bestellt und sofort bezahlt - bei einem Stückpreis von über 10000 Mark nicht gerade wenig. Für tägliche Nachrichtenanalysen über den Atlantik hinweg bestehen teure Direkt-Fernschreibverbindungen in die USA. Eine derart aufwendige Ausstattung hat keine Bonner Parteizentrale. Für das amerikanische Zentrum in und rund um Leesburg im Bundesstaat Virginia wurden beim Kauf insgesamt über eine Million US-Dollar hingeblättert.

Die LaRouches reisen in einem Ausmaß wie sonst nur Außenhandelsvertreter mit zwei Kontinenten als Verkaufsgebiet. Aus den Vereinigten Staaten berichtete die Heritage Foundation in ihrer Analyse:

«In den Büros von Beamten in Institutionen und Organisationen im ganzen Land erschienen sie einfach unangemeldet, oder sie riefen vorher an und sagten, daß sie in der Nähe seien.» Zahlreiche in den USA geführte Prozesse müssen Unsummen verschlungen haben -denn prozessieren ist dort sehr teuer. Für den Präsidentschaftswahlkampf von LyndonH. LaRouche wurde 1976 Rundfunk- und Zeitungswerbung gemacht. Sogar ein dreißigminütiger Auftritt im nationalen Fernsehen war ihnen nicht zu teuer. Der Heritage-Bericht zitiert dazu eine «Quelle der Linken», die berichtete, daß die La Rouches «nur einige Stunden vor der Fernsehsendung für die Sendezeit 95000 Dollar in bar in einer Tüte abgeliefert» hätten. Insgesamt soll LaRouche für seine damalige Präsidentschaftskampagne 500000 Dollar ausgegeben haben. Das brachte ihm ungefähr 40000 Stimmen in 21 Staaten.

Lyndon H. LaRouche selbst erklärte in seinen Zeugenaussagen vor verwunderten US-Richtem, er wisse nicht, wer seine Telefonrechnungen, seine Anwaltskosten oder seine Reisespesen bezahlen würde. Seine Kleidung würde von seinem Sicherheitsstab eingekauft. Seit den siebziger Jahren habe er keine Steuern mehr bezahlt, denn Einkommen hätte er keines. In der Tat, ehemalige Mitglieder berichten, daß seine Leute ihm alles bezahlen, von der Restaurant-Rechnung bis zur Taxi-Gebühr.
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 185

Deshalb war er auch nicht bereit, den ihm gerichtlich auferlegten Schadenersatz in Höhe von drei Millionen Dollar an die Fernsehgesellschaft NBC zu zahlen: «Das wird nie bezahlt werden. Das ist ein Witz.» Seine ganzen Vermögenswerte würden sich auf 5000 Dollar belaufen, einschließlich 3700 Dollar Bargeld, einiger Bücher und Schallplatten sowie drei Waffen.

Am 7. Mai 1986 berichtete die Times Herald über einen angeblich wichtigen Financier der LaRouche-Organisation. Das Netzwerk der Organisationen und die Präsidentschaftskampagne würden wesentlich von David Nick Andersen, einem Öl-Industriellen mit weitläufigen Landbesitzungen in Virginia, unterstützt. Das Geld des Geschäftsmannes würde «eine Schlüsselrolle» in der Finanzierung der La Rouche-Operationen spielen. Die Zeitung zitiert den angeblichen Sponsor; «Sie kamen mit ihrer Bitte zu mir. Ihre Publikationen sahen wirklich gut aus. Ich hätte es nicht getan, wenn ich nicht davon überzeugt gewesen wäre, daß es eine gute Investition sei.»

Ein ähnlicher Bericht erschien wenige Wochen vorher, am 30. April, in der gleichen Zeitung. Der 79 jährige Charles R. Zimmerman hätte sechsstellige Dollarbeträge in die LaRouche-Unternehmungen gesteckt. Auf die Frage, warum er diese Gelder lieferte, antwortete Zimmerman knapp: «Sie fragten mich danach.» Auch andere ältere, senile Personen hätten ähnlich naiv den LaRouche-Club unterstützt.

Die Herald Tribüne schätzt das Jahresbudget der LaRouches auf 30 Millionen Dollar. Auf der Gehaltsliste stünden etwa 250 Mitarbeiter. Für seine US-Wahlkämpfe gab er 1980 2,14 Millionen und 1984 6,1 Millionen Dollar aus. Interne Dokumente aus dem Jahr 1981, die von der Washington Post (13. Januar 1985) zitiert werden, lassen auf durchschnittliche Ausgaben in Höhe von 500000 Dollar pro Monat schließen. Den Berichten ehemaliger Mitglieder und anderer Quellen zufolge ist der amerikanische Ausgaben-Etat in Wahljahren noch sehr viel höher. Diese Berechnungen kommen auf rund zwei Millionen Dollar im Monat.

Das Fazit der Heritage-Foundation: «Es ist unverkennbar wahr, daß die NCLC (National Caucus of Labor Committees, Anm. d. A.) Schriftstücke produziert und sich in Aktivitäten engagiert, die viel mehr kosten, als es die Quellen finanzieller Unterstützung abdecken könnten.»

Großformatige Anzeigen in der französischen Le Monde, und in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Schiller-Institut, die Anzeigenkampagnen der «Patrioten für Deutschland» verschlingen und verschlangen hohe Summen. Solche Anzeigenkampagnen sind zum Beispiel für Gruppen der neuen sozialen Bewegungen nur mit erheb-
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 186

liehen eigenen Investitionen und intensiver Spendensammlung möglich gewesen.
Das Bundesinnenministerium bezifferte den jährlichen bundesdeutschen Etat 1974 auf eine Million Mark. Seitdem haben sich die Aktivitäten enorm vermehrt - und auch die LaRouche-Organisatio-nen. Die damalige Spenden-Verwalterin der «Europäischen Arbeiter-Komitees», Helga Zepp-Ljustina (heute Zepp-LaRouche), erzählte dem Spiegel das Hohe Lied von der Opferbereitschaft der Mitglieder: «Was wir zum Leben brauchen, brauchen wir - alles darüber hinaus können wir abgeben.»
Zum Abgeben dürfte zwischenzeitlich nicht mehr viel da sein. Mindestens 20 Mitarbeiter kann man zu dem Kreis der hauptamtlichen Funktionäre rechnen, die Tag und Nacht für die Organisation arbeiten - nicht nur sprichwörtlich, denn nachts werden wegen der Zeitverschiebung die Kommunikationsverbindungen in die Vereinigten Staaten unterhalten. Bei soviel Aufopferung bleibt keine Zeit mehr für sonstige Wertschöpfung. Diese Arbeitskräfte, ihre Reisen und Spesenkosten müssen durch die Organisation finanziert werden. Kein Familienmitglied kann solche Aktivitäten über mehr als ein Jahrzehnt hinweg mitfinanzieren.
Auch die Erlöse aus dem Verkauf von Publikationen können das notwendige Kleingeld zur Finanzierung dieser aufwendigen Geschäfte nicht aufbringen. Selbst wenn die Zeitungen und Zeitschriften allesamt verkauft würden - zahlreiche Freiabonnements sprechen gegen diese Annahme -, die Einkünfte könnten nicht einmal die Produktionskosten tragen. Die Wochenzeitung Neue Solidarität (NS) wird zum Beispiel in einer Auflage von 12000 Exemplaren in der Großdruckerei des Mannheimer Morgen hergestellt. Der Verkaufserlös von zwei Mark pro Exemplar könnte niemals das meist 16seitige Produkt finanzieren. Andere Einkommen werden mit der Zeitung nicht erzielt, denn sie enthält nie Anzeigen und Geschäftsinserate -außer Eigenwerbung für andere LaRouche-Publikationen.
Die zum Teil teuer produzierten Bücher der LaRouches, gedruckt bei der großen Ulmer Druckerei Ebner, können ebenfalls kaum Gewinne erzielen. Dafür ist das (zahlende) Interesse an Helga Zepp-LaRouches «Thesen zur Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland: Deutschlands positiver Beitrag zur Entwicklung der Welt» nun doch zu klein. Ebenso werden die zwar sehr teuren Dossiers des EIR kaum ihr Massenpublikum erreichen, das die zu ihrer Erstellung notwendigen Auswertungs- und Recherchearbeiten ausreichend finanzieren könnte.
Die größte offene Frage über die LaRouche-Organisation bleibt



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 187

die der Finanzierung ihrer aufwendigen Arbeit. Nicht weniger offen ist nach wie vor die Frage nach dem Sinn dieser Betätigung: «ein Mysterium - verdunkelt von Aktivitäten, bizarreren und weitschweifenderen Schriftstücken als vielleicht von jeder anderen politischen Extremistengruppe, mit der wir zu tun hatten» - auch die Heritage-Foundation mit ihren zahlreichen Quellen von links bis rechts weiß nicht weiter.
Eine «Arbeiterpartei» der Mediziner, Kaufleute, Verleger und Journalisten?
Ein Nachrichtendienst, verpackt in einer propagandistischen Verwirrungshülle?
Eine Extremisten-Organisation mit «technofaschistischer» Ideologie und Hetz-Propaganda gegen ihre «Feinde»?
Zumindest für den hessischen Innenminister Horst Winterstein (SPD) ist die Sache klar. Am 20. März 1986 veröffentlichte er im Sozialdemokratischen Pressedienst eine Entwarnung in Sachen La Rouche. Unter dem Titel «Verstiegen und paranoid» teilt der Innenpolitiker mit, daß «die in den letzten Tagen in der öffentlichen Diskussion mehrfach genannte Europäische Arbeiterpartei (EAP) eine ausgesprochen sektiererisch orientierte Splittergruppe» ist. Sein fachlicher Rat: «Sonderlich ernst zu nehmen ist diese Gruppe nicht.» Denn:
«LaRouche lebt in der Vorstellung, er halte <das Schicksal der Welt in seinen Händen>.» Und noch mal: «Ich möchte dringend dazu auffordern, diese sektiererische Gruppe politisch nicht ernst zu nehmen. Alles, was sie äußert, ist verstiegen und paranoid, nicht aber klaren politischen Zielrichtungen zuzuordnen. Insbesondere eine Einstufung der EAP als <Teil der neuen Linkem oder •(linksextremistisch ist ebenso abwegig wie eine Zuordnung zu rechtsextremen Bestrebungen.»
«Die eigentliche Gefahr», schreibt der Minister, «liegt in ihrem sektiererischen uftreten. Davon können ebenso wie von anderen Sekten, junge Menschen betroffen werden, die durch manipulative Methoden dem Wahn dieser Sekte verfallen. Ich bin deshalb dankbar dafür, daß sich insbesondere die Sektenbeauftragten der großen Kirchen mit Aufmerksamkeit dieser Gruppe angenommen haben und versuchen, zur Aufklärung über deren Machenschaften beizutragen.» Und zum Schluß noch einmal, was dem Innenpolitiker besonders am Herzen liegt: «Jede Aufwertung dieser Gruppe durch die Zuordnung zum extremistischen Bereich oder gar zu terroristischen Bestrebungen erscheint mir jedoch nicht angemessen.»
Keine sicherheitsrelevanten Erkenntnisse also.
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 188


 
 
 

Personen-Register
 
 
 

(Lyndon H. LaRouche und Helga Zepp-LaRouche sind nicht ins Register aufgenommen, desgleichen bereits Verstorbene)
 
 

Abrahamson, James 75
Andersen, David Nick 185
Apel, Rainer 18,24, 37
Ardenne, Manfred von 135 ff
Azouz, Abdel Jelii

Bagge, Erich 126ff, 133,135
Bailey, Norman 63,64,67 ff, 70,72,77,164
Bandmann, Hans 117ff, 122,123,177
Bardwell, Dr. Steven 69, 77, 83, 123,150
Basma, John 76
Bastian,Gert 95,168
Becker, Robert 21
Beckmann, Lukas 100
Bergt, Dr. Wolfgang 152,153
Beyes, Günter 117
Block, John 66
Bostick, Dr. Winston 24,78
Böttiger, Elisabeth 174
Böttiger, Dr. Helmut 117,119,182
Brandt, Willy 90, 95,177
Buck, Dr. Martin 20,176,182
Budwine, Robert 74,75
Burt, Richard 23,26 ff, 37
Busemann, Dr. Adolf 134,135
Bush, George 59, 60

Carollo, Vincenzo 21
Carstens, Carl 21
Carter, Jimmy 33
Catenhusen, Wolf-Michael 167
Clark,Dr.John 71,78
Clark William 69
Colby, William 69,163
Cramer, Hartmut 21,37,101
Croom, Milton 37
Cusack,John68,69

D'Amecourt, John 81
Datuk, Musa Hitam 62
Dean, Dr. Stephan 78
De Laurer, Richard 66, 81, 82
Derbfuß, Herta 42
Derbfuß, Karl-Heinz 42
Diebner, Dr. Kurt 126,127
Donovan, Raymund 67

Ehricke, Dr. Krallt Arnold 24, 133 ff,138,139,146
Engdahl, W. 111
Ericson, Michael 107,110
Ericsson, Hans 21

Fairchild, Mark 57
Fichter, Michael 52,180
Fingerhut, Helmut 46
Flichbaugh, Dr. David E. 24
Fonda,Jane65, 82
Fowcade, Marie-Madeleine 21
Frankbom, Kurt 111
Franke-Gricksch, Ekkehard 158, 159
Frankhouser, Roy 85
Frazer, Dr. James 24
Freeman, Marsha 140
Frick, Helmut 117,182
Friesecke, Uwe 115,119,182

Gandhi, Indira 33,78
Geneste, Marc 21,74,80,151

Genschel, Dieter 148,149,150
Goldstein, Paul 21
Goldwater, Barry 28
Graham, Daniel 84
Gräper, Robert 42
Gregory, Elke 95
Grunewald, Friedrich-Wilhelm 40
Grünewald, Dr. Klaus 129,130
Gunnarsson, Victor Ake 106 ff, 112

Kelly, Petra K. 12, 93 ff, 100,142,159,168
Kissinger, Henry 22, 27,31,65, 69,90,104
Klitzing, Dr. Klaus von 121
Knapp, Ulrike 11
Kohl, Dr. Helmut 33,41
Kosciuszko, Tadeusz 21
Kübler, Klaus 167
Kuntner 21
Kurz, Felix 10

Hahn, Frank 42
Hane,Lennart21,24
Hart,Janice42,57,61,64
Heflin,Howell27ff
Hellenbroich, Anno 24,111,165,172 ff
Hellenbroich, Elisabeth 24,176
Hellenbroich, Heribert 166,172
Henke von Parpart, Dr. Uwe 21, 23,71,151,152
Heydte, Friedrich-August, Frh. von der 38,40
Hochheuser, Christel 157
Holmer, Hans 107
Holz, Karl-Heinz 119,182
Horeis, Heinz 119,122,138,152
Hörn, Dr. Johannes 117
Hron, Franz 24,149
Hummel, Dieter 21

Inman, Bobby Ray 85
Irey, Georgia 21
Irving, David 136

Jensen, Lowell 66
Jones,Sheila21
Jorio,Filippode23

Kahle, Gundo 183
Karbe, Dr. Klaus 115
Karr, Gary 20
Kedidi, Ahmed 29
Keegan jr., George 75 ff

Labus, Siegfried 5,43 ff
Lalevee,Thierry29
Leber, Georg 40
Liebermann, Jacobo 61
Liebig, Michael 21, 23, 40, 122, 149,150,152,153,174
Lillge, Ulrike 183
Lillge, Wolfgang 111,173,183
Lob, Dr. Hans 147
LopezPortillo,Jose33
Löwenthai, Gerhard 35
Lynch,Pat67, 77
Mackem, Walter 84
Mackensen, Ulrich 153
Macri, Giulio 21, 23
Magliano, Terenzio 175
Maihofer, Werner 165
Mannett, Charles 68
McDonald, Kenneth, J. 31
Merbold,Dr.Ulfl21
Miller, Franklin 81
Missbach, Artur 157
Mitterrand, Francois 21
Mondale, Walter 65,88,90
Moon, Dr. Robert 24
Morris, Richard 69,70,71
Motschmann, Klaus 35
Müller, Herta 20
Müller, Renate 24,42

Nayhauß-Cormons, Mainhardt Graf von 171,173
Nitzling, Erich S. 167
Noodt, Dr. Eberhard 40,151
Nuckroll, John 75,77

Oberth, Hermann 6,145 ff
Olesiak, Henryk 21
Olmer, Lionel 66

Pahlevi, Farah 174
Palme, Olof 12,100,107,108,110,111
Patton, Robert 61
Pauls, Dr. Rolf 165
Pelny, Dr. Stefan 172
Perlonge, Phil 85
Pollastri, Claudio 23
Pollock, Dr. Ray 69,71,72,77,80
Puttkamer, Jesco von 145

Shuitz, George 73
Sigerson, John 19
Silverman, Leon 67 Smith, Anthony 81
Soma, Marie-Pierre 19
Spadolini, Giovanni 21
Spahn,Jürgen 117,182
Speakes, Larry68
Spranger, Dietrich 155,167
Stalleicher, Elisabeth 117
Steigerwald, Robert 163
Steinberg, Jaffrey 67,72
Stephan, Wolfgang 46
Stevenson, Adlai III 57,64
Suslow, Michael 29
Svensson, K. G. 107,112
Szulc, Ted 147

Reagan, Ronald 29,59,60
Raimondi, Angelika 21,24,37
Rebhan, Herman 96
Riesenhuber, Dr. Heinz 120
Roellecke,Gerd26
Rohrmoser, Günther 38
Romdhane, Ben Amor 30
Rosen, Klaus-Henning 163
Rosinski, Dr. Ned 24,120
Rudolph, Dr. Arthur 140,141
Rühl, Dr. Lothar 149

Talbert, Richard G. 112
Tanapura, Pakdee182 Tarpley,Webster24,29
Teller, Edward 73,74, 79, 80
Tennenbaum, Dr. Jonathan 128
Todenhöfer, Dr. Jürgen 35
Ture,Norman66

Vitali, Elke 19
Vollrads, Charlotte 97

Schauerhammer, Ralf 104,117,118
Scherer, Paul Albert 40
Scheuch, Dr.'Erwin K. 13,174
Schiravone, Ronald 67
Schlee,Emil35,37,38,40
Schulenburg, Dr. Matthias 10, 101,128,129,131
Schulz, Bernd Harald 95
Schwenninger, Walter 167
Seifritz, Walter 131,132,133,135,139
Serebrayakor, Genedy N. 76
Seuberlich, Hans E. 24
Shortley, Robert 67

Watt, James 66,67
Weiß, Siegfried 183
WerBell III, Mitchell 84,89
Werner, Volney 80
White, Carol 135
Wienecke, Prof. 122
Winterberg, Dr. Friedwardt 78, 79,128 ff, 135,147
Winterstein, Horst 155,168
Wood, Dr. Lowell 77

Zenker, Karl-Adolf 38,40,42,150
Zimmermann, Charles R. 185
 
 
 



Impressum:



1. Version dieser Seite installiert am 21.9.2003




Diese Website wurde eröffnet im September 1998