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Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V., Bonn Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Jonestown.htm Zuletzt bearbeitet am 30.1.2008 Zur Homepage | Zur Inhaltsseite | Zum Begriff Sekte | AGPF-Spendenkonto |
Der Massenmord von Jonestown.
Am 18.11.1978 wurden
in Guyana 921 Menschen getötet.
Darunter 276 Kinder.
James Warren Jones, genannt Jim Jones, wurde geboren am 13.5.1931 in
dem Bauerndorf Lynn im Bundesstaat Indiana, USA. Er war als Wunderheiler
tätig, hat eine Sekte gegründet und als "Peoples Temple" bezeichnet.
Von Kalifornien aus gründete er eine Art Dschungelcamp in Guyana,
bezeichnet nach ihm als "Jonestown". Angehörige wandten sich an den
Abgeordneten Leo Ryan, der Jonestown aufsuchte. Bei seiner Abreise wollten
sich einige der Bewohner ihm anschliessen. Daraufhin lief der Massenmord
nach dem Plan des Jim Jones ab.
| Auch 30 Jahre danach wird stereotyp
über den "grössten Massenselbstmord in der Geschichte"
berichtet.
So ARTE in der Ankündigung zu "Jonestown - Todeswahn einer Sekte" am 29.1.2008 (Wiederholungen am 07.02.2008 um 01:15 und 14.02.2008 um 03:00). Es handelt sich um die deutsche Version der Dokumentation "Jonestown: The Life and Death of Peoples Temple" von Stanley Nelson. Nach der Ermordung von über 250 Kindern handelt es sich zweifelsfrei um einen Massenmord. Die Bezeichnung Selbstmord suggeriert eine eigenverantwortliche Entscheidung der Opfer. Tatsächlich handelte es sich um geplanten Massenmord, wie sich allein schon aus der Bevorratung grosser Mengen Zyankali ergibt. |
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Das Vorwort im Buch von Kilduff/Javers (>>) beginnt:
"Die Toten sind gezählt.Leo Ryan hatte Erfahrung mit dem Thema Sekten.
Die endgültige Zahl der Opfer beträgt 912 Ermordete in Jonestown, fünf Tote auf dem Flugplatz von Port Kaituma und vier im "Volkstempel" von Georgetown - neunhunderteinundzwanzig Tote insgesamt."
| Die unten aufgeführten
Bücher sind überwiegend unter dem unmittelbaren Eindruck des
Geschehens geschrieben worden.
Deborah Layton hat über 20 Jahre später
eine Aufarbeitung gewagt.
Deborah Layton: Selbstmord im Paradies - Innenansichten einer SekteDer Titel wird dem Inhalt nicht gerecht. Die Autorin schildert weder einen Selbstmord, noch ist sie der Meinung, dass es sich um Massenselbstmord gehandelt hat. Das Buch gibt auch weit mehr her, als nur die "Innenansicht einer Sekte". Sie schildert ihr Leben und macht plaubsibel, wie sie in diese Sekte geraten ist. Sie schildert ihr eigenes Erleben in Jonestown, den Wahn des Jim Jones, ihren Meinungswandel und ihre Flucht, ihre vergeblichen Versuche, das spätere mörderische Geschehen zu verhindern und schliesslich ihre "quälende Scham und das Schuldgefühl", das sie so viele Jahre hat schweigen lassen. Auf diesen Schilderungen beruht die Einschätzung der berühmten Schriftstellerin Isabelle Allende, das Buch sei mit Aufrichtigkeit und Leidenschaft geschrieben und lese sich wie ein Thriller. |
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| Jim Jones eröffnete 1956 in Indianapolis
eine Kirche und nannte diese "Tempel des Volkes". 1965 verlegte er diese
nach Kalifornien, zunächst in einen kleinen Ort, 1970 nach San Francisco.
1976 beschaffte er Publikum für eine Wahkampfveranstaltung von Rosalynn
Carter. Deren Mann Jimmy Carter wurde US-Präsident, Jim Jones durfte
an der Vereidigung teilnehmen, Rosalynn Carter schickte ihm einen Dankesbrief
aus dem Weissen Haus (Bild rechts, aus dem Buch von Kilduff).
1977 behauptete eine Gruppe seiner ehemaligen Anhänger, er sei ein
Betrüger, der die Auswirkungen seiner Drogenabhängigkeit hinter
einer Sonnebrille verberge und Frauen in seiner Sekte sexuell missbrauche.
Kinder würden massiv misshandelt. Er habe ein Reich aus Geld, Immobilien
und Waffen aufgebaut.
Seit 1973 wurde eine Kolonie im Urwald von Guyana aufgebaut und nach Jim Jones als Jonestown benannt. In San Francisco wuchs die Presse-Kritik. Ende 1977 zog Jones mit der Mehrheit seiner Anhänger heimlich nach Guyana. Angehörige schlugen Alarm. Besucher aus den USA lieferten erschreckende Berichte. Wöchentlich wurde eine "Weisse Nacht" exerziert. Jones behauptete, ein Angriff von Söldnern stünde bevor, Folter sei gewiss. Einziger Ausweg sei der gemeinsame Selbstmord. Alle tranken eine rote Flüssigkeit. Die ritualisierte Treueprobe wurde Alltag. Ehemalige und Angehörige wandten sich an den Kongress-Abgeordneten Leo Ryan. Im Kongress war er mit der Moon-Sekte befasst, ein Mitglied seiner eigenen Familie hatte sich einer Sekte angeschlossen. In seinem Wahlkreis wohnte die Familie des Zeitungskönigs Hearst, dessen Tochter und Erbin Patricia Hearst von einer Polit-Sekte entführt wurde, sich mit ihren Entführern an einem Bankraub beteiligte und deren Verhalten mit Gehirnwäsche erklärt wurde. Ryan kannte also die Problematik. Ryan führte zahlreiche Gespräche mit Betroffenen und entschloss sich schliesslich, sich selbst in Guyana einen Eindruck zu verschaffen. |
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Angehörige hatten schon lange vorher
auf die Gefahren aufmerksam gemacht und den US-Aussenminiser zum Handeln
aufgefordert, "bevor es zu spät ist" (unten).
Sie hatten eidesstattliche Versicherungen
(unten) beigefügt, aus denen hervorging, daß
Jones Abtrünnigen mit Ermordung gedroht hatte und daß er seinen
solchermaßen längst unter totalitärem Zwang stehenden Anhängern
angekündigt hatte, dass "wir bereit sind, für unsere Sache zu
sterben".
"Jones verlangte von ihnen, jedermann zu
töten, der ihm zu schädigen trachte", heißt es in der Eidesstattlichen
Versicherung, die ein halbes Jahr vor der Ermordung des Abgeordneten Leo
Ryan dem US-Aussenminister vorgelegt wurde.
| Aus Massenmord
wurde Massenselbstmord
Die Welt war 1978 geschockt. So sehr, daß
von einer ordnungsgemäßen Berichterstattung kaum die Rede sein
konnte. Offenbar konnten sich die meisten Berichterstatter nicht vorstellen,
daß dort über 900 Menschen - die meisten Amerikaner - ermordet
worden sind.
Ein Teil der Opfer hat von der geplanten
Tat gewußt. Inwieweit diese den Plan ernst genommen haben, ist naturgemäß
unbekannt. Tatsache ist: Die Opfer hatten ohnehin nur die Wahl, das Gift
zu schlucken oder erschossen zu werden.
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Aus: AGPF-Info 9/98 : Vor 20 Jahren: Massenmord in Jonestown. AGPF gegründet
Massenmord in Jonestown
Am 18.11.1978 wurden in Jonestown
in Guyana 912 Menschen ermordet, darunter 276 Kinder.
Die Kinder waren in der Siedlung der Volkstempel-Sekte
vielfach wie Sklaven gehalten worden, getrennt von den Eltern, die sie
gegen Belohnung ausspionieren mußten. Kinder über 6 Jahre mußten
11 Stunden täglich hart körperlich arbeiten, bei Temperaturen
bis zu 40 Grad. Kinder wurden zur Strafe in einen dunklen Brunnen geworfen,
nachdem man ihnen gesagt hatte, daß unten Schlangen auf sie warteten.
Sie wurden in Holzkisten gesperrt, 1,80 mal 0,90
mal 1,20 Meter klein. Bei öffentlichen körperlich Züchtigungen
wurden ihnen Zähne ausgeschlagen. Sektengründer Jim Jones sah
zu. Kindern wurden Elektroden an den Armen befestigt, sie wurden mit elektrischen
Stromschlägen traktiert. Zwei Sechsjährigen, die versucht hatten,
wegzulaufen, waren Ketten und Eisenkugeln an die Fußgelenke geschmiedet
worden. Kinder wurden sexuell mißbraucht, auch von Jim Jones selbst.
Margaret Singer schildert dies *. Als Professorin der Psychologie hat sie sich an der Universität Berkeley / USA 30 Jahre mit dem Thema Sekten befaßt. Sie schildert ihre Besuche auf dem Friedhof von Oackland, wo 406 der Opfer beerdigt sind. Sie schildert einen Gedenkgottesdienst, an dem Stephan Jones, der Sohn von Jim Jones zusammen mit Patricia Ryan teilgenommen hat, der Tochter des US-Kongressabgeordneten Leo J. Ryan, der als einer der ersten in Jonestown ermordet wurde. Er hatte an einer Untersuchung der Moon-Sekte teilgenommen, die in demselben Jahr abgeschlossen wurde. Der Bericht darüber, der Fraser-Report, wurde wenige Tage vor seiner Ermordung veröffentlicht. Ryan hatte aufgrund seiner Erfahrungen die Anklagen von Angehörigen der Sekten-Anhänger ernst genommen. Ryan besuchte die Sekten-Siedlung, einige der Insassen wollten mit ihm in die USA zurückkehren, für Jim Jones der Anlaß für die Durchführung seines lange geplanten Massenmordes und den Einsatz des seit langem bevorrateten Zyankali.
Patricia Ryan wurde später Vorsitzende von CAN, der wichtigsten amerikanischen Hilfsorganisation für Sekten-Geschädigte. CAN wurde inzwischen in den Konkurs prozessiert. Im Konkursverfahren haben Scientology-Anhänger den Namen aufgekauft und betreiben jetzt "Sekten-Beratung" (vgl. AGPF-Infos 8/96 und 7/97).
* Singer:
Sekten - Wie Menschen ihre Freiheit verlieren und wiedergewinnen können.
Auer, Heidelberg, 1997
Auch
Wissenschaftler schreiben über Massenselbstmord
| Nicht nur die Presse schildert
den Massenmord von Jonestown als Massenselbstmord.
Der Psychologe Cialdini liefert Erklärungen dafür, warum die Jones-Anhänger sich getötet haben könnten. Er zeigt sogar ein Foto. Er erwähnt allerdings mit keinem Wort die toten Kinder. |
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Cialdini schreibt:
"Im Jahr 1977 verließ Reverend Jim Jones, unumstrittener politischer, sozialer und geistlicher Anführer der Gruppe, zusammen mit dem Großteil seiner Anhänger die USA und gründete eine Siedlung in einem Urwaldgebiet im südamerikanischen Guyana. Dort führte die Sekte ein relativ unbeachtetes Dasein bis eines Tages, am 18. November 1978, der Kongreßabgeordnete Leo R Ryan (der nach Guyana gekommen war, um die Vorgänge in der Sekte zi untersuchen), drei Leute aus Ryans Ermittlungsgruppe und ein abtrünniges Sektenmitglied bei dem Versuch, Jonestown mit dem Flugzeug zu verlassen, ermordet wurden. In der Überzeugung man würde ihn verhaften und für die Morde verantwortlich machen, beschloß Jones, das Ende der Sekte selbst in die Hand zu nehmen. Er versammelte die gesamte Gemeinschaft und rief alle Anwesenden auf, in einem vereinten Akt der Selbstzerstörung in den Tod zu gehen. (Aus: Cialdini, Robert B.: Die Psychologie des Überzeugens. Ein Lehrbuch für alle, die ihren Mitmenschen und sich selbst auf die Schliche kommen wollen. Seite 181 f)Dabei läßt er zum Beispiel außer acht, daß allein schon die Bevorratung von Zyankali in großen Mengen gegen einen derartigen spontanen Entschluß spricht.
Auch Johannes R. Gascard schreibt von Masssenselbstmord.
Er begründet dies damit, "daß
eine breite Mehrheit der Siedler von Jonestown freiwillig aus dem Leben
geschieden ist".
Der Text unten
im Buchauszug.
Bücher zum Massenmord von Jonestown:
Kilduff, Marshall
/ Javers, Ron: Der Selbstmordkult
Die Hintergrundgeschichte der 'Volkstempel'-Sekte
und das Massaker von Guayana
Wilhelm Goldmann Verlag, München
1979: ISBN 3-442-03837-5
Das Buch ist bei der AGPF als PDF-Kopie
vorhanden und kann in begründeten Einzelfällen zu publizistischen
und wissenschaftlichen Zwecken versandt werden.
Krause, Charles A.: Die Tragödie
von Guayana. Der Massenselbstmord
Ulstein-Taschenbuch 34501, Frankfurt 1978.
ISBN 3-548-34501-8
Thielmann, Bonnie: Der gefallene Gott.
Wie ich Jim Jones und seiner Volkstempel-Sekte entkam
R. Brockhaus Verlag, Wuppertal 1979.
ISBN 3-417-12198-1
Johannes R. Gascard: Die Perversion
der Erlösung
Eine tiefen- und sozialpsychologische
Untersuchung des Massenselbstmordes von Jonestown
Verlag der Arbeitsgemeinschaft für
Religions- und Weltanschauungsfragen, 1983, 267 Seiten
Buchauszug unten
Phil Kerns / Doug Wead: Das Geschäft
der Verführer
Schwengeler-Verlag, CH-9442 Rerneck, 1979
Buchauszug unten
Buchauszug
Phil Kerns / Doug Wead: Das Geschäft der Verführer
Buchauszug
Johannes R. Gascard: Die Perversion der Erlösung
Es handelt sich bisher um eine unkorrigierte
Version. Bei Bedarf werde ich das Buch vollständig scannen.
DIE PERVERSION DER ERLÖSUNG Eine tiefen- und sozialpsychologische Untersuchung
des Massenselbstmordes von Jonestown
Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe und der Übersetzung, vorbehalten. Druck: Maro, Augsburg ISBN 3-921513-62-6
DIE PERVERSION DER ERLÖSUNG Der Autor Johannes R. Gascard, Dr.jur., Dr.phil., geb. 1940 in Graz, war zunächst Geiger, dann Jurist, sowie als Entwicklungshelfer u.a. in Bangladesh. Nach seiner Rückkehr von dort studierte er Psychologie und ließ sich zum Psychoanalytiker ausbilden. Er ist mit einer Kunstwissenschaftlerin aus New York verheiratet, hat einen Sohn und ist seit kurzem als Psychotherapeut in Berlin tätig. MATERIAL-EDITION 19
Diese Arbeit ist Christine Miller gewidmet, einem 61-jährigen Mitglied des Peoples Temple, das in der letzten Stunde von Jonestown vergeblich versucht hat, das unvermeidlich Scheinende abzuwenden. Das vorliegende Buch ist die umgearbeitete und erweiterte Fassung meiner im Jahre 1982 von der Universität Innsbruck angenommenen Dissertation. Den Professoren Heinz Kohut, Igor A. Caruso und Eduard Grünewald sowie Father Robert Moynihan danke ich für vielfältige persönliche Anregungen; ebenso Frau Lauretta Devlin und Frau Mary Ann Haxthausen für die Beschaffung schwer zugänglichen Materials. Berlin 1983 J.R.G.
INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG - VON DER NORMALITÄT IN
DIE KATASTROPHE 1
KAPITEL II - JIM JONES - VOM TRAUM ZUM
KAPITEL III - DER PEOPLES TEMPLE - HEIL
KAPITEL IV - JONESTOWN - DAS GELOBTE
Das "Gelobte Land“ als
VON DER NORMALITÄT IN DIE KATASTROPHE
Mit seinem Lieblingsspruch: "Those who
do not remember the past are condemned to repeat it“ 1) auf einer Holztafel
über sich hängend, und mit den charakteristischen Worten "...the
world was not ready for me...I was a man born out of due season just like
all we are, and the best testimony we can make is to leave this goddamned
world!“, schickte der Reverend Jim Jones im November 1978 über 900
seiner Anhänger im Dschungel von Guyana in den Tod.
Mit diesen Äußerlichkeiten erscheint
jedoch die Vergleichbarkeit auch schon erschöpft. Das Wesentliche
sind nämlich die Unterschiede. Während sich die Verteidiger von
Masada einer realen Bedrohung durch die
Auch Jones mußte also seiner Gemeinde
etwas bieten können, um sie nicht an seinen
Nur eine vorwiegend tiefenpsychologische Untersuchung wird die tieferen Gründe für diese unheimlich anmutende Verschlechterung der Zustände im Peoples Temple von etwa 1968 bis zum bitteren Ende im Jahre 1978 zu Tage fördern können. 4) Zunächst erscheint jedoch eine kurze
Fakten-Übersicht angebracht, um dem Leser diese Entwicklung von der
Normalität in die Katastrophe in Erinnerung zu rufen.
ERSTE ANNÄHERUNG
Im Erschrecken über das Unfaßliche hat hat es nicht an Versuchen gefehlt, die Tragödie von Jonestown mit plausiblen Generalisie- rungen "wegzuerklären.“ 1) Zum Teil wurde 2) und wird die Meinung
vertreten, bei der Tragödie von Jonestown habe es sich um einen Massenmord
gehandelt erzwungen auf Befehl eines "Kriminellen“ und! oder "Verrückten.“
Die Atmosphäre der auf dem Tonband festgehaltenen letzten Stunde von
Jonestown sowie die Berichte der Entkommenen (bei Krause 1978, 136 f; Kilduff/Javers
1978, 183 f; Feinsod 1981, 212) ergeben jedoch ein sehr viel differenzierteres
Bild.
Nicht zuletzt dürfte auch die demonstrative
Entschlossenheit der bewaffneten Sicherheitskräfte ihr Teil zur "richtigen“
Entscheidungs- findung beigetragen haben.
Drogenkult? Ein weiterer Erklärungsversuch der
ersten Stunde basiert auf der Vermutung, beim Peoples Temple müsse
es sich um einen Drogenkult gehandelt haben.~> Doch auch insofern sprechen
die Fakten eine andere Sprache. Zwar hat Jones selbst ab 1965 Amphetamine
und zuletzt verstärkt auch andere Psychopharmaka eingenommen (dazu
Näheres unten S.70 ff). Bezüglich seiner Anhänger hat Jones
jedoch von Anfang an mit Nachdruck auf Drogenfreiheit bestanden; Tempelmitglieder
berichteten darüberhinaus auch immer wieder davon, daß Jones
sie erfolgreich von ihrer Drogensucht geheilt habe (s. die Berichte bei
Kerns 1979, 86 f; Nugent 1979, 145). Und die Tatsache, daß in den
letzten Wochen von Jonestown rebellische Siedler im sog. "Extended Care
Unit“ mit Sedativa ruhig gestellt wurden (Näheres dazu unten 5. 179),
reicht nicht hin, um den Mehrheits- willen zum Tod insgesamt auf den Einfluß
von Drogen zurückzuführen.
Schließlich wird zur Erklärung
des Dramas von Jonestown auf die asiatischen Zwangstakti- ken zur körperlich-seelischen
Erschöpfung und Persönlichkeitsveränderung hingewiesen,
die unter dem Schlagwort "Brainwashing“ bekannt geworden sind.~)
schen“ und neuprogrammieren läßt, sind Isolierung, körperliche Bedrohung, Schlaf- und Es- sensentzug zur vorwiegend psychischen Erschöpfung, sowie das Schüren von Angst und Schuldgefühlen, die Erzwingung von Verrat und Geständnissen zur psychischen Erschöpfung, Erschütterung der Identität und letztlich Selbstverleugnung (Sargant 1958, 179 ff; Lifton 1961, 65 ff). In der Tat gab es nun schon im Peoples
Temple in Kalifornien Aspekte, die unter den Gesichtspunkt der Gehirnwäsche
zu fallen scheinen; so insbesondere die Verhör-Praktiken des "Interrogation
Committee“ in den 60-er Jahren, sowie der Geständniszwang der "Process
Catharsis“-Sitzungen, die körperlichen Züchtigungen, die Induzierung
von Furcht vor Atom- krieg, Rassenverfolgung, CIA etc, in den 70-er Jahren.
In Jonestown kamen noch die dortige totale Isolierung von der Außenwelt,
die allgemeine körperliche Erschöpfung durch zu wenig Schlaf,
übermäßige Arbeit und ungenügende Diät sowie
die stundenlangen programmatischen Reden und Lautsprecher-Berieselungen
hinzu, und schließlich die "White Night“- Proben selbst. Als Ergebnis
von Gehirnwäsche scheint auch Kongreßmann Ryan die Uniformität
des Verhaltens der Bewohner von Jonestown bei seinem Empfang und der sich
daran anschließenden Musikdarbietung empfunden zu haben (Krause 1978,
45; Kilduff/Javers 1978, 153).
und "reeducation“, also aus dem Element
der Herabsetzung und Verleugnung vergangener und gegenwärtiger Uberzeugungen,
sowie dem Element der Umerziehung im Sinne einer neuen, überper- sönlich-abstrakten
Doktrin, beides durchgeführt in systematischer Folgerichtigkeit und,
was das Entscheidende ist, erzwungen in einer vom Betroffenen als solcher
empfundenen Situation absoluter willenbrechender Ausweglosig- keit.
len läßt sich ein Mensch nur
programmieren, wenn es ums Überleben geht: "...the ultimate availability
of alternative life choices out- side the correct doctrine does distinguish
it from thought reform“ (Lifton 1961, 445).
Seelenwäsche? Um das Phänomen der freiwilligen Persönlichkeitsveränderung
zu charakterisieren, wie sie sich im Verlauf der Zugehörigkeit zu
einer der radikaleren sog. "Jugendreligio- nen“ ergeben kann, hat Friedrich-W.
Haack den Begriff "Seelenwäsche“ geprägt (1979, 42; 1980, 6 u.
26), als deren Folgen eine eigenartige "Psychomutation“ bzw. ein psy- chisches
"Snapping“ (Conway/Siegelman 1978) erscheinen.
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