www.AGPF.de
Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt
AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit
Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V., Bonn
Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Hemminger.htm  Zuletzt bearbeitet am 9.3.2005
Zur Homepage | Zur Inhaltsseite | Zum Begriff Sekte | AGPF-Spendenkonto

Bücher und Texte von
Dr. habil. Hansjörg Hemminger
sind an zahlreichen Stellen dieser Website erwähnt, zitiert  oder im Volltext wiedergegeben.
Hier ein Überblick über seine Bücher und Hemminger-Texte, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.


Inhalt dieser Seite: Hemminger-Texte in dieser Website: Hemminger in anderen Websites:
Impressum

 
 
Aus: AGPF AKTUELL II/87 vom 30.6.87 Seite 7  http://www.AGPF.de/akt87-2.htm#Hemminger 



BUCHBESPRECHUNG von Ingo Heinemann

Hansjörg Hemminger: Psychotherapie - Weg zum Glück? Zur Orientierung auf dem Psychomarkt.
1987 ISBN 3-563-50646-4 DM 6.60

Der Titel dieses überaus verdienstvollen Buches täuscht: Es geht hier auch um die Psychotherapie als Instrument zur Heilung krankhafter Zustände. Auch für denjenigen, der solche Hilfe benötigt, also den Patienten, hat Hemminger durchaus Ratschläge bereit.

Der Titel weist jedoch auf den Schwerpunkt des Buches hin. Es geht um die Therapie als Konsumgut, den "Supermarkt der Theorien" (S.33) und die Abgrenzung zwischen dem, was im Bereich der Psychologie und Psychotherapie als wissenschaftlich bewiesen gelten kann und dem weitaus größeren Bereich dessen, was der Pseudowissenschaft zuzuordnen ist.

Bei dieser Abgrenzung ist für Hemminger auch das Ziel von Bedeutung, welches sich der Therapeut selbst stellt: "Immer dann ist Vorsicht vor Sekterei geboten, wenn dieTherapeuten das konkrete Problem des Hilfesuchenden für relativ unwichtig halten, sich mit seiner Behebung nur zögernd oder gar nicht befassen, und stattdessen auf die größere, weiterreichende Bedeutung ihrer Therapie Wert legen" (S.66), dem Interessenten eine weltanschauliche Umorientierung anbieten oder gar aufdrängen. Hemminger läßt es dabei an deutlichen Worten nicht fehlen und er schreibt glücklicherweise eine verständliche Sprache.

Er warnt vor dem "rastlosen Konsum von Esoterik", vor der "Gefahr therapeutischer Utopie", fordert einen "seelischen Innenweltschutz". Er findet es

"erstaunlich, daß gerade diejenigen Personenkreise, die der industriellen Technik gegenüber sehr kritisch eingestellt sind, sich gläubig allen möglichen Psychotechniken ausliefern und nicht auf die Idee kommen, diese Techniken könnten unvorhersehbare Schäden anrichten. Die Technikfolgeabschätzung, die für die industrielle Produktion mit Recht gefordert wird, wäre im Psycho-Bereich ebenso notwendig. Und der Umweltverträglichkeitsprüfung technischer Produkte müßte schon längst eine InnenweIt-Verträglichkeitsprüfung psychotechnischer Produkte an die Seite gestellt werden.
 ...(Es) gilt in der alternativen Psycho-Szene das Dogma der Macher, daß alles Durchführbare durchgeführt und alles Erlebbare erlebt werden sollte. Woher rührt dieser seltsame Glaube an eine unerschütterliche Stabilität der seelischen Ökologie?" (S.57).


Hemminger weiß sehr wohl, daß manchem Leser seine "Ausführungen ... unerträglich pessimistisch und sogar gefährlich erscheinen" mögen. Die Berechtigung für seine Erkenntnisse zieht er aus der Erkenntnis, "daß sich Möglichkeiten und Gefahren der Psychotherapie eher die Waage halten, wenn nicht gar die Gefahren überwiegen" (S.95).

Eins muß festgehalten werden: Kritiker der Psycho-Szene sind eine Rarität. Der Staat hält sich da praktisch völlig raus, völlig zu Unrecht. Sogenannte Therapien oder auch Psychotechniken können genauso gefährlich sein, wie viele Produkte, vor denen der Staat heute schon routinemäßig warnt. Der Staat hält sich keinerlei Einrichtung, die sich mit der Überprüfung von Psycho-Produkten befaßt.
 


 
 

Hansjörg Hemminger: Was ist eine Sekte? Grünewald-Verlag 1995, 182 Seiten Hansjörg Hemminger: Was ist Aberglaube?
Bedeutung, Erscheinungsformen, Beratungshilfen. 

 
Hansjörg Hemminger: Scientology.
Der Kult der Macht. 
Quell-Verlag 1997, 163 Seiten
Hansjörg Hemminger und Joachim Keden: Seele aus zweiter Hand. Psychotechniken und Psychokonzerne. 
Quell-Verlag 1997, 194 Seiten

 
Hansjörg Hemminger: Psychotherapie - Weg zum Glück? 
Zur Orientierung auf dem Psychomarkt. Ev. Presseverband für Bayern 1987, 107 Seiten
Hansjörg Hemminger: Das therapeutische Reich des Dr. Ammon. 
Eine Untersuchung zur Psychologie totalitärer Kulte. 
Quell-Verlag 1989, 184 Seiten

 
Hansjör Hemminger (Hg): Die Rückkehr der Zauberer
New Age - eine Kritik
Rowohlt 1987, 270 Seiten
Autoren: 
Reinhart Hummel
Hans-Jürgen Ruppert
Hansjörg Hemminger
Gottfried Küenzlen
Hans-Dieter Reimer
Hansjörg Hemminger und Vera Becker: Wenn Therapien schaden. 
Kritische Analyse einer psychotherapeutischen Fallgeschichte. 
Rowohlt 1985, 440 Seiten

 
Hansjörg Hemminger: Flucht in die Innenwelt 
Primärtherapie als Meditation der Kindheit. 
Eine kritische Untersuchung aus verhaltensbiologischer Sicht. 
Ullstein 1980, 224 Seiten 
Mehr zum Buch in: 
Die Primärtherapie des Arthur Janov
Hansjörg Hemminger: Kindheit als Schicksal? 
Die Frage nach den Langzeitfolgen frühkindlicher seelischer Verletzungen. 
Rowohlt 1982, 288 Seiten

 

Hemminger Hansjörg: VPM - Der 'Verein zur Förderung der psychologischen Menschenkenntnis' und Friedrich Lieblings 'Zürcher Schule'
EPD München 1994
 
 
 

Broschüren

Hansjörg Hemminger: Eine Erfolgspersönlichkeit entwickeln? Psychokurse und Erfolgstechniken in der Wirtschaft.
Eine Broschüre mit grundsätzlichen und praktischen Fragen nicht nur zur Scientology-Organisation
EZW Information Nr. 132, VII/1996
Bei:  EZW - Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen
10117 Berlin Auguststr. 80 Tel. 030/28395/211 Fax 030/28395/212
 

Einzelne Texte:

Hansjörg Hemminger und Joachim Keden: Verein zur Weiterentwicklung der Ideen von Ludwig Erhard – Aktivitäten von Vladimir Svitak und Helmut J. Ament inklusive Humanpower A. G.
EZW-Materialdienst 10/99:
http://www.ekd.de/ezw/ftexte/info1099-01.html
 

Hansjörg Hemminger: Aufwachsen in einer Sekte - zur Situation von Kindern und Jugendlichen
 
 
 

Scientology als Realsymbol

Zur "Kritik" des Gerhard Besier an diesem Text:


Erstveröffentlicung in: Materialdienst der EZW 1/2001 

Hansjörg Hemminger, Stuttgart:
Scientology ist überall: 
Eine “Sekte" wird zum Realsymbol für Systemkritik. 

Anrufe wie dieser gehören zum Alltag jeder so genannten Sektenberatungsstelle: “Seit die amerikanische Firma XY unseren Betrieb übernommen hat, werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter massiv unter Druck gesetzt. Ist XY eine Scientology-Firma?" Der Berater weiß nichts davon. Seine Rückfrage, ob es konkrete Anhaltspunkte gebe, ob das Personal in Hubbard-Kurse geschickt würde, ob scientologische Begriffe benutzt würden, ergibt nichts. Trotzdem bleibt der Anrufer mehr oder weniger überzeugt, dass unmenschliche Management-Methoden auf Scientology hindeuten. 

“Seit mein Mann die Stelle bei der Firma ZW angetreten hat, ist er ganz verändert. Er hat kaum mehr Zeit für die Familie und kommt abends spät nach Hause. Er behauptet, er müsse soviel arbeiten, um sich im Betrieb durchzusetzen. Aber wir haben Angst, dass er in die Fänge von Scientology geraten ist." Wieder ist keine Beziehung der Firma zu Scientologen bekannt, wieder fehlen konkrete Anhaltspunkte. 

Hunderte von Fällen, in denen unsere Arbeitsstelle in Stuttgart gefragt wird, sind von dieser Art. Anderen Beratern und Experten geht es ebenso. Natürlich kommt es auch vor, dass Menschen tatsächlich Berührung mit den Hubbardisten haben. Und es gibt die recht häufigen Fälle, in denen ein anderer Psycho- oder Erfolgsanbieter mit Scientology verwechselt wird, sei es Avatar, Landmark oder Anthony Robbins. Aber bei der Mehrzahl der Anfragen lässt sich kein Bezug zu den amerikanischen Fanatikern oder einer anderen einschlägigen Gruppe herstellen. Darüber lohnt es sich nachzudenken. 

Offenbar hat die ebenso nötige wie wirksame Aufklärung über die Machenschaften der Scientology-Organisation Nebenfolgen. In einer Zeit, in der es öffentliche Kritik am kapitalistischen Wirtschaftssystem und an der Ökonomisierung aller Lebensverhältnisse kaum mehr gibt, fehlt den Menschen, die dabei zu Opfern werden, eine Sprache, um ihre bitteren Erfahrungen auszudrücken. Langjährige Firmenangehörige werden rüde wegrationalisiert, weil eine globale Firmenstrategie sie nicht mehr benötigt. Es wird ihnen Böses angetan, aber niemand benennt es so. Daher bringen sie das Übel selbst auf den Begriff “Scientology". Andere glauben den kapitalistischen Propheten, dass beruflicher Erfolg gleich Lebensglück sei, und opfern ihre Familie dafür. Die Angehörigen bleiben zutiefst verletzt zurück. Auch ihnen spricht niemand Worte vor, die auf den Punkt bringen, was ihnen angetan wurde. Deshalb greifen auch sie nach dem Realsymbol “Scientology". 

Solange unsere Meinungs- und Medienmacher so tun, als gebe es die zerstörerische Seite unseres Wirtschaftens nicht, als gebe es nicht massenhaft Opfer des Gewinn- und Konsumwahns, wird Bedarf sein für eine Erklärung dessen, was Menschen angetan wird. Und das Realsymbol “Scientology" ist noch nicht einmal schlecht gewählt, denn der machtgierige Psychokonzern verkörpert den global agierenden Kapitalismus "at its worst": ohne soziale Absicherung, ohne Rücksicht auf Menschenrechte und Menschenwürde, ohne demokratische Kontrolle. Dass die hilflose Formel “Scientology" das Übel letztlich nicht erklärt, kann man den Betroffenen kaum vorwerfen. Sie wehren sich, so gut sie es können, gegen das sprachmächtige Phantasie-Management in den Medien. Die Illusion unbegrenzten Aktien- und Karriereglücks öffentlich aufzulösen, ist eine Aufgabe christlicher Verkündigung. Die Weltanschauungsexperten sind damit überfordert.


 
 
 
 
 



Impressum:


1. Version dieser Seite installiert am 21.2.2002


Verantwortlich für Inhalt und Gestaltung:
Ingo Heinemann
D-53579 Erpel Grabenstrasse 1
Tel. 02644-98013-0
Fax 02644-98013-1
Email: Ingo.Heinemann@t-online.de

Diese Website wurde eröffnet im September 1998