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Rüdiger Hauth:
"Böse Kritiker" und "wohlwollende Wissenschaftler"


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Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Hauth85.htm Zuletzt bearbeitet am 25.5.2001

 
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Rüdiger Hauth: "Böse Kritiker" und "wohlwollende Wissenschaftler" *

Seit einiger Zeit scheinen nun auch ein paar Wissenschaftler das Thema der Jugendreligionen und Psychokulte entdeckt zu
haben. Wenn man das inzwischen erschienene Schrifttum der betreffenden Soziologen, Religionswissenschaftler und und
Theologieprofessoren durchsieht, fallen allerdings einige Dinge auf. Zunächst ist festzustellen, daß die Wissenschaftler zum einen
auf den von den Sektenbeauftragten gelieferten Grundinformationen fußen (weil sie selbst die notwendige intensive Feldforschung
wohl nicht betreiben können oder wollen) und zum anderen die von den Gemeinschaften angebotenen Propagandamaterialien
unkritisch benutzen.

  In verschiedenen Auseinandersetzungen mit diesen Wissenschaftlern ist deutlich geworden, daß sie bei ihren Analysen und
Beschreibungen keine internen Materialien der einzelnen Gruppen verarbeitet haben, obwohl diese bei den Sektenbeauftragten
hätten eingesehen werden können. Das Außerachtlassen wichtiger Quellen wird hier anscheinend nicht als Defizit
"wissenschaftlicher Arbeit" empfunden. Aus der Durchsicht dieser so zustande gekommenen Elaborate ergibt sich weiterhin, und
damit erhält das Ganze sehr problematische Akzente, daß nun alle mit der Sektenthematik Beschäftigten in zwei Kategorien
eingeteilt werden: auf der einen Seite stehen die "bösen Kritiker" (=Sektenbeauftragte) und auf der anderen die "guten
Wissenschaftler", wobei sich für jede Kategorie charakteristiche Beschreibungen finden. Hier eine kleine Auswahl:

  Die "guten Wissenschaftler"  sind sachlich und unvoreingenommen, sie haben eine verständnisvolle differenzierte Sicht der
Dinge,  sie sind partnerschaftlich und tolerant, dialogbereit und fair, weiterhin sind sie liberal und nicht dogmengläubig, sie nehmen
die Gruppen und ihre Lehren ernst und wollen in erster Linie das Positive sehen, usw.

   Die "bösen Kritiker" dagegen sind unqualifiziert und man kann sie nur als "Sektenexperten" (in Anführungszeichen!) bezeichnen,
sie verbreiten Polemik und Verleumdung, ihre Kritik ist fragwürdig und provinziell, sie sind Feinde der Religionsfreiheit und Urheber
einer seit langem laufenden Anti-Sekten-Kampagne, sie haben sich als Dissidenten verfolgende Fanatiker und Verfechter einer
veralteten Apologetik hervorgetan, sie reagieren auf das Auftreten der "neuen religiösen Bewegungen" gehässig, aggresiv und
intolerant, ihre Veröffentlichungen bilden eine wild ins Kraut schießende Literatur, sie verbreiten Hetzschriften und beteiligen sich
damit an einer literarischen Treibjagd auf religiöse Minderheiten, sie dämonisieren die neuen Bewegungen und füttern die Presse
ständig mit Horrormeldungen, die "bösen Kritiker" tun das alles aus Konkurrenzangst und Neid, sie wollen nur ihre eigenen
religiösen Monopole verteidigen, usw.

   Diese Einteilung in die beiden Kategorien entbehrt nun nicht einer gewissen Peinlichkeit, denn sie stammt nicht etwa von
neutraler Dritter Seite, sondern, wie schon angedeutet, von den "guten Wissenschaftlern" selbst (es ist eine Zusammenstellung
von Originalzitaten).

"BÖSE KRITIKER" UND "WOHLWOLLENDE WISSENSCHAFTLER" Forts.

    Die verschiedenen Jugendreligionen und Psychogruppen finden einen solchen Dualismus verständlicherweise sehr praktisch und
haben ihn deshalb für ihre Propaganda auch voll übernommen. Das Schema von den "bösen Kritikern" und "wohlwollenden
Wissenschaftlern" taucht nun ständig in den sekteneigenen schriftlichen und mündlichen Verlautbarungen auf.  Mit den
literarischen und pädagogischen Aktivitäten der in Rede stehenden Wissenschaftler hat sich nun für die kirchliche Apologetik quasi
eine zweite "Front" der Auseinandersetzung neben der Sektenszene selbst ergeben. Es wird von größter Bedeutung sein,
innerhalb und außerhalb der Kirche auf die Auswirkungen hinzuweisen, die Naivität und erkennbarer Uninformiertheit vermischt mit
falsch verstandener Toleranz und Solidarität und überhöht durch scheinwissenschaftliche Argumente in diesem Kontext mit sich
bringen. Diese Aufgabe wird umso dringlicher, als inzwischen einige der "guten Wissenschaftler" in ihrem Sinne Seminare und
Vorlesungen über die umstrittenen Bewegungen halten.

*Es handelt sich um einen mündlichen Diskussionsbeitrag. Quelle: ESSENER GESPRÄCHE (19),  ASCHENDORF, MÜNSTER,
1985, Seite 104 ISBN (Bestellnummer): 3-402-03869-2
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Urhebers in AGPF  AKTUELL 1/91
 



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