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"Gehirnwäsche": ein Begriff der Umgangssprache
In die Kritik geraten
sind manche Sekten nicht wegen vermeintlicher oder tatsächlicher Glaubensinhalte,
sondern wegen ihrer Methoden, ihrer Handlungen.
Dazu gehören insbesondere
Methoden massiver Beeinflussung, die zu einer plötzlichen und drastischen
Persönlichkeitsveränderung führen können.
In vielen Fällen
handelt es sich nicht einmal um eine "Methode".
Sondern eher um die Kombination
von Psycho-Tricks.
Meist verbunden mit der
von Kroeber-Riel beschriebenen "emotionalen Konditionierung". Dazu:
Besonders häufig wird der Begriff von Ehemaligen benutzt, die nur so das erklären können, was mit mit ihnen geschehen ist, z.B. Die Bensheimer Studie
Immer wieder werden Sekten-Kritiker
als Anhänger einer Gehirnwäsche-Theorie bezeichnet.
Dazu unten: Die
angebliche "Gehirnwäsche-Theorie".
Eine solche Theorie gibt
es nicht.
Soweit ersichtlich, behauptet
niemand, daß es eine bestimmte und genau indentifizierbare Methode
der Gehirnwäsche gibt.
Es gibt aber sehr viele
Methoden, die sich zur massiven Beeiflussung einsetzen lassen.
Zum Beispiel Hypnose.
Daran läßt sich auch das Problem aufzeigen. Man kann beschreiben,
wie Hypnose eingeleitet wird und wie sie wirkt. Warum sie wirkt, läßt
sich offenbar nicht allgemeinverständlich begründen.
Friedrich Hacker: "Zwang und
Manipulation als völlig spontane, freie Willensäußerung
empfunden"
Aus
Friedrich Hacker:
Freiheit die sie meinen, 1978
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Methoden und Ziele der Beeinflussung gibt es viele:
Erziehung, Werbung, Therapie, Strafe, Resozialisierung.Manche beruhen auf Zwang: Dann kann Nötigung vorliegen.
Und dann gibt es Methoden
der Beeinflussung, bei denen weder Ziel noch Methode ohne weiteres erkennbar
ist.
In der Umgangsprache heißt
das dann Gehirnwäsche.
In manchen Sekten wird psychischer
Zwang mit körperlichem Zwang kombiniert.
Der Mensch ist konditionierbar
"Der Mensch ist konditionierbar wie eine Graugans, auch wenn die Intellektuellen dies nicht gerne hören" (Bärbel Schwertfeger, Der Griff nach der Psyche, S. 45).
Leider sind auch Erwachsene
beeinflußbar wie Kinder, wenn man sie nur ein wenig täuscht.
Hier sei auf das bekannte
Milgram-Experiment verwiesen: Milgram bewies, "wie schnell selbst ganz
normale Menschen zu Folterknechten werden" (Schwertfeger, unten).
Dazu im Einzelnen:
Colin Goldner (http://www.AGPF.de/Goldner.htm)
beschreibt die Konditionierung im Zusammenhang mit NLP (dazu: http://www.AGPF.de/NLP.htm):
| Aus Goldner, Die Psychoszene,
2000, Kapitel Esoterischer Psychomarkt, Seite 354
Über das Buch und den Autor: http://www.AGPF.de/Goldner.htm Eine der am häufigsten angewandten NLP-Techniken beruht auf der Entdeckung Iwan Pawlows (1849-1936) der physiologischen und psychischen Konditionierbarkeit des Menschen. Wahrnehmungsreize von außen lösen eine bestimmte gefühlsmäßige Reaktion aus: Ein Photo aus dem Urlaub beispielsweise mag angenehme Erinnerungen hervorrufen, das Schrillen einer Schulglocke eher unangenehme. Auch Gerüche, Geschmacksempfindungen oder Berührungen gehen "automatisch“ mit dem Auftauchen bestimmter Gefühle einher und bringen oft längst vergessen Geglaubtes ins Bewußtsein. Dieses Phänomen der Verbindung einer Sinneswahrnehmung mit einem "dazugehörigen“ Gefühl setzt NLP gezielt ein: Der Klient wird aufgefordert, sich sem Problem lebhaft zu vergegenwärtigen. In dem Augenblick, in dem er durch Mimik oder Körperhaltung das negative Gefühl zeigt, das er mit diesem verbindet, drückt der Therapeut irgendeinen Punkt an der Schulter oder am Knie des Klienten. Er "ankert“ damit das Gefühl, das erneut auftaucht, wenn er die Schulter oder das Knie mit demselben Druck nochmal berührt. Im nächsten Schritt wird der Klient aufgefordert, sich eine Situation zu vergegenwärtigen, in der er genau die Fähigkeit oder Kraft hatte, die ihm zur Lösung seines aktuellen Problems fehlt. Sobald sich in der Mimik ein positives Gefühl abzeichnet, "ankert“ der Therapeut dieses durch Druck auf die andere Schulter oder das andere Knie. In einem dritten Schritt fordert er den Klienten auf, sich vorzustellen es stünde ihm für sein Problem eben diese Fähigkeit zur Verfügung. Durch gleichzeitigen Druck auf beide Schultern oder Knie holt er beide "geankerten“ Gefühle heran, so daß diese ineinander "verschmelzen". Hierdurch werde (auf unerklärliche Weise) der in der aktuellen Problenisituation blockierte Zugang zu den "eigentlich" stets vorhandenen Lösungskräften frei. |
Selbstmord-Attentäter und Gehirnwäsche
Am 7.7.2005 verübten Selbstmordattentäter in London Anschläge auf die U-Bahn und einen Bus. Über 50 Menschen starben. Bei den Tätern handelte es sich offenbar um "Euro-Islamisten", unauffällige, in England wohnhafte und teils geborene junge Männer zwischen 18 und 30. Ihren Familien hatten sie erzählt, sie wollten ein Seminar besuchen. Die Mutter des 18-jährigen meldete ihren Sohn als vermisst. Der Spiegel fragt: "Was machte sie zu Mördern, zu Selbstmördern?" (29/2005: "Die zweite Front").
Zu dieser Frage äusserte
sich auch Waleed Aly, Rechtsanwalt in Melbourne, Australien und Vorstand
des Islamischen Rates des australischen Bundeslandes Victoria.
Waleed Aly vermutet Gehirnwäsche
und Programmierung.
Dadurch werde die Fähigkeit
zur Kritik ausser Kraft gesetzt.
Es gelte jetzt, Sektenbildungen
innerhalb der Muslim-Gemeinschaft durch das Angebot von Alternativen zu
verhindern.
Radikale Überzeugungen
entstünden auch aus der relativen Untätigkeit der muslimischen
Mehrheit.
| How to confront a cult
of terror
The Age (Australia), July
16, 2005
Cult psychology may help explain why young men become suicide murderers. Zealots who tend to violence
are meant to be easy to spot. That is why the identities of the alleged
London bombers are so arresting. All were British born and raised. Most
were well educated, showing no signs of religious fervour. Only one appears
to have been remotely socially dysfunctional. For those who believe in
the stereotyped terrorist as either rabidly fanatical or desperate, illiterate,
and oppressed, this superficial normality is mystifying. It is therefore
dangerous to reduce this kind of terrorism to an inherent consequence of
Islamist extremism.
Certainly it has that expression,
but a suicide bomber's psychology is far too complex to be categorised
neatly. Some may simply be suicidal, looking to give their life meaning.
Like many suicide victims, they may appear normal while suffering intense
feelings of social alienation and humiliation. Some might just be brainwashed.
Whatever the case, it appears that the ideal candidate for a suicide bomber
is not someone who is religious - but someone vulnerable to exploitation.
Without a life of utter hopelessness,
it takes more to sacrifice your own life to kill innocent people than an
extremist bent. It takes programming. The vague labels of "Islamism" and
"extremism" do not sufficiently capture this psychology.
Behaviourally, this has all the hallmarks of a cult. It is worth considering this as the appropriate model to analyse these latest attacks. If Osama bin Laden is any
guide, terrorist demagogues, like cult leaders, are charismatic figures
who espouse heretical views that stand condemned by the mainstream. Their
discourse is absolute and adversarial - the cult is pure, the world is
evil - and in the process, the leadership emerges as the exclusive source
of authority. Thus are the followers' critical faculties suspended. With
no external, stabilising influence, any action mandated by the leadership
is uncritically executed. Murder-suicide suddenly becomes "reasonable".
But most tellingly, it is
the vulnerability of cult members that is so tragically exploited. It is
no coincidence that suicide bombers are almost exclusively pawns: the young,
anonymous and dispensable. Terrorist leaders may speak absurdly of heavenly
virgins gained through self-inflicted "martyrdom" - but they seem incongruously
unwilling to claim the prize for themselves.
A major problem is that cults
are incredibly difficult to dismantle intellectually. The brainwashing
is too great. Deporting the leadership is an option - but the danger is
that because they are so revered within the cult, this may turn them into
martyrs. Unfortunately, this leaves us with what we already have: intelligence
and law enforcement with community co-operation.
British Prime Minister Tony Blair, and even Prince Charles, have called on Muslims to weed out the extremist element within. In Australia, this is already happening: intelligence behind recent ASIO raids reportedly came, in part, from within the Muslim community. But it can be of only limited use. Australian Muslims are already closely monitored, particularly the congregations of those with a firebrand reputation such as Sheikh Mohammed Omran. Frankly, ASIO would know far more about any threatening elements in the Muslim community than mainstream Muslims would. I believe Australian Muslims' most meaningful role will necessarily be focused on preventing cult formation. Here there is hope. One feature of cult members is that they are often overcompensating for some kind of feeling of guilt. This creates a spiritual void that the cult often fills. (It comes as no surprise at all that one of the alleged London bombers, Hasib Hussain, suddenly became fervently religious 18 months ago after being a wild drinker.) Our failure as mainstream
Muslims has been our negligence in providing the alternative narrative
to fill this spiritual void. Anyone familiar with the Muslim community
will know stories of those who convert to, or rediscover, Islam and adopt
the radical views filling the gap left by the mainstream's relative inactivity.
Ultimately then, it is not
enough, or even particularly useful, for mainstream Muslims to condemn
cults within because they are already defined by their very marginality.
We must forcefully provide the presently dormant alternative.
Melbourne lawyer Waleed Aly is on the executive of the Islamic Council of Victoria. |
Wie man einem Kult des
Terrors begegnet
Aus: The Age, Australien,
16.7.2005
Sektenpsychologie könnte helfen zu erklären, warum junge Männer Selbstmordattentäter werden Man sollte meinen dass Eiferer, die zu Gewalt neigen, leicht zu erkennen wären. Das ist der Grund, warum die Identität der vermutlichen Bombenleger von London einige Fragen aufwirft. Alle wurden in Großbritannien geboren und wuchsen dort auf. Die meisten verfügten über eine gute Bildung und zeigten keine Anzeichen religösen Eifers. Anscheinend war nur einer geringfügig sozial unangepasst. Für diejenigen, die sich den stereotypen Terroristen entweder als tollwütigen Fantiker vorstellen, oder als verzweifelten und unterdrückten Analphabeten, ist diese oberflächliche Normalität verwirrend. Deshalb ist es gefährlich, diese Art Terrorismus nur auf eine direkte, innere Folge islamistischen Extremismus zu reduzieren. Sicherlich gibt es dieses Erscheinungsbild auch, aber die Psychologie eines Selbstmordattentäters ist viel zu kompliziert, um sie säuberlich einzuordnen. Einige mögen einfach suizidale Neigungen haben, mit denen sie ihrem Leben Sinn verleihen wollen. Wie viele Selbsttötungsopfer mögen sie äußerlich normal erscheinen, während sie innerlich an intensiven Erfahrungen sozialer Entfremdung und Demütigung leiden. Einige mögen einfach eine Gehirnwäsche hinter sich haben. Was auch immer, ein religiöser Mensch ist scheinbar nicht der ideale Kandidat für ein Selbstmordattentat – sondern ein Mensch, der irgendwie ausgebeutet werden kann. Abgesehen von einem Leben völliger Hoffnungslosigkeit, ist mehr nötig als eine Neigung zum Extremismus, dass jemand sein eigenes Leben opfert, um unschuldige Menschen umzubringen. Eine Programmierung ist nötig. Die undeutlichen Etikette „Islamismus“ und „Extremismus“ beschreiben diese Psychologie nicht hinreichend. Was die Verhaltensweisen angeht, weist der Vorgang die Merkmale eines Kults (einer Sekte) auf. Es wäre der Mühe wert, diess als angemessenes Modell für die Analyse der neuesten Angriffe zu bedenken. Wenn man Osama bin Laden als Beispiel nimmt, sind terroristische Demagogen ebenso wie Sektenführer charismatische Gestalten, die häretische Ansichten vertreten, die von der Mehrheit abgelehnt werden. Ihr Diskurs ist absolutistisch und er polarisiert – der Kult ist gut, die Welt ist böse – und der Gang der Dinge enthüllt die Führung als die exklusive Quelle von Autorität. Dadurch werden die kritischen Fähigkeiten der Anhängerschaft unwirksam gemacht. Ohne einen äußeren, stabilisierenden Einfluss wird jede Handlung, die von der Führung gefordert wird, auch unkritisch ausgeführt. Mord-Selbstmord wird plötzlich „vernünftig“. Am deutlichsten wird der Zusammenhang, weil es gerade die Schwächen der Sektenmitglieder sind, die so tragisch ausgebeutet werden. Es ist kein Zufall, dass Selbstmordattentäter fast ausschließlich die Bauern im Spiel des Terrors sind: jung, anonym und verzichtbar. Führer des Terrorismus mögen absurde Äußerungen über himmlische Jungfrauen von sich geben, die man durch ein selbsterzeugtes „Martyrium“ gewinnt – aber unerklärlicherweise zeigen sie wenig Neigung, den Siegespreis selbst in Anspruch zu nehmen. Ein Hauptproblem ist, dass Sekten unglaublich schwierig durch intellektuelle Auseinandersetzung angegriffen werden können. Die Gehirnwäsche wirkt zu gut. Die Führer auszuweisen ist eine Möglichkeit – aber die Gefahr besteht, dass die große Verehrung für sie dazu führt, sie als Märtyrer zu sehen. Das lässt uns unglücklicherweise nur die Mittel, die es bereits gibt: Ermittlungen und entsprechende Rechtsmittel in Kooperation mit der Gemeinschaft. (gemeint ist: Gemeinschaft der Muslime, Übersetzer). Der englische Premierminister Tony Blair, und sogar Prinz Charles, haben die Muslime aufgefordert, extremistische Kräfte in ihrem Innern zu beseitigen. In Australien geschieht das bereits. Die Informationen, die zu den letzten ASIO-Razzien führten, kamen teilweise von den Muslimen selbst. Aber sie können nur von beschränktem Nutzen sein. Die australischen Muslime werden bereits streng beobachtet, besonders die Gemeinden derer, die den Ruf haben, Hetze zu betreiben wie Sheik Mohammed Ormran. Um es offen zu sagen, ASIO weiß wohl viel mehr über gefährliche Elemente in der muslimischen Gemeinschaft als die große Mehrheit der Muslime selbst. Ich glaube, der sinnvollste Beitrag der australischen Muslime wäre es notwendigerweise, Sektenbildungen zu verhindern. Dafür gibt es Hoffnung. Ein Merkmal von Sektierern ist es, dass sie oft versuchen, ein Gefühl der Schuld überzukompensieren. Dadurch entsteht eine spirituelle Leere, die der Kult füllt. (Es ist nicht überraschend, dass einer der vermutlichen Täter von London, Hasib Hussain, vor 18 Monaten plötzlich leidenschaftlich religiös wurde, nachdem er vorher ein rücksichtsloser Trinker gewesen war.) Unser Fehler als Mehrheit der Muslime war es, dass wir es versäumt haben, Alternativen dafür anzubieten, diese spirituelle Leere zu füllen. Jedermann, der mit der Gemeinschaft der Muslime vertraut ist, kennt Geschichten über diejenigen, die zum Islam übertreten oder ihn wiederentdecken, und die dann radikale Überzeugungen annehmen, weil diese für sie die Lücke schließen, die durch die relative Untätigkeit der muslimischen Mehrheit entsteht. Schließlich und endlich genügt es nicht, und ist nicht einmal besonders nützlich, wenn die Mehrheit der Muslime Sekten in ihrem Innern verdammt. Deren Randständigkeit macht schließlich sowieso ihr Wesen aus. Wir müssen mit aller Kraft die Alternative bereit stellen, die bisher eher im Verborgenen ruht. Waleed Aly ist Rechtsanwalt
in Melbourne und gehört zum Vorstand des Islamic Council of Victoria
(australischer Bundesstaat, Übersetzer).
Übersetzung: Dr. Hansjörg Hemminger |
"Gehirnwäsche" ist heute
ein Begriff der Umgangssprache, mit dem unterschiedlichste Verfahren massiver
psychischer Beeinflussung gemeint sein können.
Dementsprechend gibt es
"die" Methode der Gehirnwäsche nicht.
Also läßt sich
auch leicht behaupten, Gehirnwäsche sei nicht bewiesen bzw. nicht
wissenschaftlich bewiesen.
Die Psychologin Beate Roderigo
behauptete 1994
("Der Ausstieg aus einer
Sekte - Strategien zur Problembewältigung: Beratung und Therapie",
in: Gross: Psychomarkt)
im Zusammenhang mit Behauptungen
über das Deprogramming (vgl. Stichwort:
Deprogramming):
"Die Legitimation für ihre Vorgehensweise ziehen die Deprogrammierer aus der Gehirnwäsche-Theorie, die den Beitritt in eine Sekte ausschließlich auf die Anwendung manipulativer Psychotechniken zurückführt. Verfechter dieses Modells glauben, daß Sektenmitglieder durch Suggestionen, Hypnosetechniken und Konditionierungsmethoden auf die Ideologie und die Ziele der Gruppen hin programmiert werden. Wirksame Hilfe kann demnach nur durch eine Ent- oder Gegenprogrammierung erreicht werden."Eine solche Gehirnwäsche-Theorie gibt es nicht.
Soweit mir bekannt, behauptet
niemand, daß der Beitritt in eine Sekte ausschließlich
auf die Anwendung manipulativer Psychotechniken zurückführen
ist.
Haack
zu Bewusstseinsveränderung
| Haack: Jugendreligionen,
1979, Seite 42
Wir erleben täglich Bewußtseinsveränderungen in mehr oder minder großem Umfang. Einfach durch das Erleben neuer Situationen, durch eine Zunahme von Wissen, durch Erfahrungen von Ängsten, Furcht, Hoffnungen und durch andere emotionelle Eindrücke. Diese Bewußtseinsveränderung geschieht normalerweise in kleinen Schritten. Selten treten derart umwälzende Ereignisse ins Leben, daß eine schlagartige Bewußtseinsveränderung geschieht. Solche extremen Ereignisse können sein: Das Erleben des Todes oder einer Geburt; Aufbrechen oder Zerbruch einer Liebe; Erfahrung unheilbarer Krankheit (Eröffnung) oder als Wunder gedeutete Ereignisse (z. B. Heilungen oder die Errettung aus Todesnot), oder das Gewahrwerden einer unmittelbaren übermächtigen Bedrohung.Es gibt jedoch noch eine dritte Form der Bewußtseinsveränderung, eine seelische Umorientierung, die in kürzester Zeit zur fast gänzlichen Persönlichkeitsveränderung führt. John G. Clark von der Harvard
Medical School sprach in diesem Zusammenhang von dem «Phänomen
der erzwungenen und fortdauernden Bekehrung«. (95)
Der Begriff der Bekehrung scheint jedoch nicht angebracht, folgenden Tatbestand
zu beschreiben, für den der Begriff der «Psychomutation“ als
einer «erzwungenen Persönlichkeitsverwandlung“ vorgeschlagen
wird:
In drei Schritten scheint dieser Vorgang sich zu vollziehen: Durch Faszination. Anm. 95: Haack bezieht sich auf den Artikel von John Clark: Der künstlich gesteuerte Wahnsinn, 1978 |
Es geht nicht um Glaubensinhalte
In die Kritik geraten sind
manche Sekten nicht wegen vermeintlicher oder tatsächlicher Glaubensinhalte,
sondern wegen ihrer Methoden, ihrer Handlungen.
Dazu gehören insbesondere
Methoden massiver Beeinflussung, die zu einer plötzlichen und drastischen Persönlichkeitsänderung
führen können.
Tatsächlich ist der
Vorwurf der massiven Beeinflussung ohne Wissen und Wollen der Betroffenen
der vielleicht wichtigste Vorwurf gegen Sekten. Denn diese Beeinflussung
setzt nicht nur die Kritikfähigkeit herab. Sie beseitigt oder behindert
vielleicht sogar die Fähigkeit des einzelnen, sich frei zu entscheiden.
Auf dieser Fähigkeit basiert aber unser gesamtes Rechtssystem. Dieses
Rechtssystem geht davon aus, daß der Volljährige sich frei entscheiden
kann. Deshalb darf er Verträge abschließen und an den Wahlen
teilnehmen.
Viele Begriffe, viele Methoden
Für diese Beeinflussung
sind viele Begriffe geprägt und verwendet worden.
Meist gerade zur Vermeidung
des Wortes Gehirnwäsche, zum Beispiel:
KonditionierungGehirnwäsche ist der einzige allgemeinverständliche Begriff, ein Begriff der Umgangssprache.
Mentale Programmierung,
Seelenwäsche,
Psychomutation,
snapping,
mind control,
coercive tactics.
Gewaltanwendung keine Voraussetzung
Weil es sich um einen Begriff der Umganssprasche handelt und weil dieser Begriff deshalb keine definierte Bedeutung haben kann, ist es willkürlich, von Gehirnwäsche nur dann sprechen zu wollen, wenn Gewalt angewandt wird. Zumal dann festgelegt werden müßte, welcher Begriff der Gewalt dem zugrunde zu legen ist. Das deutsche Recht kennt keineswegs nur die aktive und körperliche Gewalt.
Von Gehirnwäsche haben
in erster Linie ehemalige Anhänger zur Beschreibung ihrer Erfahrungen
gesprochen.
Aber auch Sekten-Anhängern
ist der Begriff durchaus geläufig, wie ein Bericht aus dem Bhagwan-Ashram
in Poona zeigt:
"Was mich beunruhigt, ist manchmal das Gefühl, daß ich das Opfer einer Gehirnwäsche bin".Derselbe Autor in demselben Buch:
"Bin ich das Opfer einer Gehirnwäsche? Der Gedanke beunruhigt mich nicht nur, er amüsiert mich auch manchmal".(Jörg Andres Elten - Swami Satyananda: Ganz entspannt im Hier und Jetzt, 1979, Seiten 200 und 109).
"Die Scientology-Sekte und ihre Tarnorganisationen" Seite 37
Gehirnwäsche und PsychomutationVgl. auch:
Organisationsprinzip Desinformation: jeder weiß nur so viel, als er unbedingt wissen muß. Gleichzeitig wird die Bedeutung des Wissens durch »Wortklären« und »Redefinieren von Worten« verändert. Es entsteht eine Art geistiges Vakuum, denn die seitherigen Wertvorstellungen sind verschwunden. Dieses Vakuum wird mit Scientology-»Wissen« aufgefüllt. »Studieren« wird dieser Vorgang genannt und dadurch scheinbar objektiviert. Denn »Studieren« bedeutet im heute üblichen Sinne des Wortes das Absolvieren einer Berufsausbildung, mit dem Ziel, davon zu leben. Ganz anders bei den Scientologen: das hier Erlernte kann außerhalb einer Scientology-Organisation nicht wirtschaftlich verwertet werden. Die Folge ist nicht selten geistige und wirtschaftliche Abhängigkeit.
Dieser Vorgang wird häufig als Gehirnwäsche bezeichnet, neuerdings auch als Psychomutation, als Umwandlung der Psyche. Derartige Begriffe halten wir für durchaus zutreffend, denn am Ende dieses Vorganges sind die Scientology-Anhänger bereit, auch das Unmögliche zu glauben, E-Meter-Schwindel und Clear-Scharlatanerie.
| Aus: Bärbel Schwertferger:
Der Griff nach der Psyche, 1998, Seite 45:
Der Mensch ist konditionierbar wie eine Graugans, auch wenn die Intellektuellen dies nicht gerne hören. Die Forschung hat es längst belegt. Eines der schockierendsten Experimente führte der amerikanische Sozialpsychologe Stanley Milgram bereits in den sechziger Jahren durch. Er bewies, wie schnell selbst ganz normale Menschen schnell zu Folterknechten werden. In seinem Experiment erteilte Milgram seinen Versuchspersonen den Auftrag, einer Testperson Elektroschocks zu verpassen, wenn diese Fehler bei einem Lernexperiment mache. Zum Schein wurde ausgelost, wer die Rolle des "Lehrers" und wer die des "Lernenden" - also der Testperson - übernimmt. Die Testperson (ein Helfer VOfl Milgram) mußte in einem Nebenraum auf einer Art elektrischem Stuhl Platz nehmen und wurde dort festgebunden, angeblich, damit sie keine zu heftigen Bewegungen macht. An ihrem Arm wurde eine Elektrode befestigt, die an einen Elektroschock.. Apparat im Zimmer des "Lehrers" angeschlossen war. Der "Lehrer" konnte die Testperson sehen. Vor ihm war ein Apparat, mit dem er ihr Elektroschocks von 15 bis 450 Volt erteilen konnte. Die verschiedenen Stufen waren gekennzeichnet mit "leichter Schock" bis "Gefahr: schwerer Schock". Auf den letzten beiden Stufen stand nur noch: "XXX". Der Auftrag lautete nun, der Testperson bestimmte Aufgaben zu stellen und bei jedem Fehler die Stromstärke um 15 Volt zu erhöhen. Die Testperson machte viele Fehler. Bei 75 Volt hörte der "Lehrer" bereits erste Geräusche, bei 120 Volt klagte die Testperson über Schmerzen, bei 150 Volt schrie sie: "Laßt mich hier raus!" Nun begann der "Lehrer" meist zu fragen, ob er denn weitermachen solle. Der Versuchslelter, ein Wissenschaftler im weißen Kittel, sagte dann zum Beispiel: "Sie können jetzt nicht auffiören. Das Experiment hängt davon ab, daß Sie weitermachen", oder: "Sie haben keine andere Wahl." Bei 300 Volt schlug die Testperson gegen die Wände, bei 330 Volt verstummte sie und reagierte nicht mehr. Der Versuchsleiter wertete das als Fehler und forderte den "Lehrer" auf, die Stromstärke weiter zu erhöhen. Erst als 450 Volt erreicht wurden, war das Experiment zu Ende. Die Ergebnisse waren schockierend und deprimierend. Obwohl sie die Schreie und Schmerzen der Testperson hörten und sahen und obwohl diese bereits bei 330 Volt vor Schmerzen verstummte, gingen 60 Prozent bis zu 450 Volt. Die "Lehrer" standen zwar unter einer erheblichen emotionalen Belastung, aber sie brachen den Versuch nicht ab. Sie wagten es nicht, den Gehorsam zu verweigern. Noch schockierender sind die Ergebnisse, wenn die "Lehrer" keine Rückmeldung über die Folgen ihrer Bestrafung hatten, also die Testperson nicht sahen. Dann gingen fast alle bis zur höchsten Stufe von 450 Volt, ohne Rücksicht auf das Leben der Testperson. Das Experiment wurde vielfach und in verschiedenen Ländern wiederholt. Immer kam man zu dem gleichen Ergebnis. Ganz normale Menschen reagieren im Namen wissenschaftlicher Autorität aggressiv und verantwortungslos. Das Milgram-Experiment wird daher häufig auch als Erklärung für die Verbrechen der Nazis benutzt. Es ist ein erschütterndes Beispiel, wie schnell sich Menschen Autoritäten unterordnen. Und wer jetzt sagt, ihm würde das nicht passieren, der lügt sich selbst in die Tasche. |
| Spiegel 18/2003
PSYCHOLOGIE Frust durch Duft Erinnerungen sind häufig an einen Duft geknüpft, der bei einem bestimmten Erlebnis in der Luft lag. Beim erneuten Einatmen des Geruchs kehren dann automatisch auch die damaligen Gefühle zurück. Diese lang gehegte Vermutung hat jetzt eine Studie der Brown University in Rhode Island bestätigt. Zudem fanden die US-Wissenschaftler heraus, dass durch Gerüche offenbar sogar Verhaltensmuster wieder erweckt werden können. In der Studie wurde etwa die Hälfte von 63 Teilnehmerinnen einem neuen, im Labor erzeugten Duft ausgesetzt. Gleichzeitig quälten sie sich durch ein Computerspiel, das (wie ihnen verschwiegen wurde) gar nicht zu gewinnen war. Eine Weile nach diesem Frusterlebnis wurden die Versuchspersonen dann auf drei verschiedene Räume verteilt: In einem waberte wieder der Kunstduft, in einem zweiten ein neuer Duft, und der dritte war geruchsfrei. Nun mussten die Probanden einen Sprachtest lösen. Dabei kam heraus: Wer erneut den Duft roch, der mit dem vorangegangenen Frusterlebnis verknüpft war, gab bei dem Sprachtest weit schneller auf als die unbelasteten Teilnehmerinnen. |
Ätiologie-unabhängige Strukturen veränderter WachbewußtseinszuständeCialdini, Robert B.:
Ergebnisse empirischer Untersuchungen über Halluzinogene I. und II. Ordnung, sensorische Deprivation, hypnagoge Zustände, hypnotische Verfahren sowie Reizüberflutung. Enke Verlag Stuttgart 1985 ISBN3-43294741-0
2. Auflage 1996 im VBW-Verlag: http://www.vwb-verlag.com/Katalog/m456.htmlDazu auch der Artikel:
ÄTIOLOGIE-UNABHÄNGIGE DIMENSIONEN VERÄNDERTER BEWUSSTSEINSZUSTÄNDE - Prof. Dr. Adolf Dittrich in FOCUS NEWSLETTER
http://www.focus.at/archiv/nl_ausgabe.html
Die Psychologie des Überzeugens
Ein Lehrbuch für alle, die ihren Mitmenschen und sich selbst auf die Schliche kommen wollen
Verlag Hans Huber 1997/1999 ISBN3-456-82806-3
Robert
Jay Lifton:
Thought Reform and the Psychology of Totalism |
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| Sargant, William: Battle
for the Mind. A Physiogology of Conversion and Brainwashing
Erstveröffentlichung 1957, Prennial Library 1971, 367 Seiten |
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