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Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Feuerlauf.htm  Zuletzt bearbeitet am 8.10.2009 
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Feuerlaufen kein Problem
"Feuerlaufen", das Laufen über glühende Kohlen ohne Verbrennungen, wird auf dem Psychomarkt als Ergebnis psychischer Vorbereitung verkauft.
Tatsächlich sind Verbrennungen auch ohne jede Vorbereitung nicht zu erwarten.
 
 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:

E-Mail vom 8.10.2009:

Eine kurze Suche erbrachte einen Bericht aus dem "Skeptiker" 4/2004 über einen Selbstversuch von Stefan Kirsch, "Mit nackten Sohlen über glühende Kohlen". Hier das Ergebnis:

Über glühende Kohlen zu laufen, ist im Normalfall ungefährlich, wenn man nicht gerade hinfällt oder stehen bleibt (>>).

Trotzdem wird seit Jahrzehnten Feuerlaufen auf dem Psychomarkt verkauft.

So etwa von Volker und Elke Knehr, die das Institut für kreative Selbstentfaltung IKS und die Websites www.Knehr-Seminare.de und www.lifecoach4you.de betreiben.
Geboten werden dort übliche Angebot des Psychomarktes (Stand 2004):

Feuerlaufen wird nicht etwa als Tätigkeit angeboten, sondern als Seminar: "600 bis 900 Grad"? Das Max-Planck-Institut hat bei einer solchen Glut nur 240 bis 438 Grad gemessen (>>).
 

Verkauft wird also nicht etwa das vermeintliche oder tatsächliche Abenteuer oder die Möglichkeit, Angst zu überwinden.
Verkauft wird vielmehr eine Unterweisung zur Persönlichkeitsveränderung.
Der Feuerlauf soll dann lediglich das Gelingen demonstrieren.
 
 
 

Links zum Thema:

 
AGPF AKTUELL II/87 vom 30.6.87 Seite 1 - aus: http://www.AGPF.de/akt87-2.htm 

FEUERLAUFEN KEIN PROBLEM 

Seit etwa ein bis zwei Jahren ist das "Feuerlaufen" der heimliche Renner im umfangreichen NEW-AGE-Angebot. "Bis zu 1.000 Grad Hitze strahlt die glühende Kohle aus" vermeldete ESOTERA (5/86) und folgert: "Wer sie mit bloßen Füßen unverletzt überquert, mag die Macht des Geistes erahnen". 

Immerhin räumt ESOTERA auch kritischen Geistern eine Rubrik ein. Aber auch die "Erklärungsversuche zum Phänomen der Nichtverletzung und Schmerzbewältigung beim Feuerlaufen" bewegen sich in NEW AGE-Bahnen. Von elektromagnetischen Strömen und Thetawellen ist die Rede sowie von "Levitation auf heißer Luft". Immerhin enthalten die "Erklärungsversuche" zwei nachprüfbare Zahlen: 500 bis 1.000 Grad heiß sollen die Kohlen sein und der Fußkontakt mit diesen längstens 1,9 Sekunden dauern, wie Auswertungen von Video-Aufnahmen ergaben. 

Auch deutsche Forscher benutzten dem SPIEGEL (26/87) zufolge eine Videokamera. Die Mitarbeiter des Max-Planck-Institutes für Verhaltensphysiologie in Seewiesen maßen allerdings nur eine "Kontaktzeit mit der Glut" von 0,25 bis 0,8 Sekunden. Und sie hatten auch nicht vergessen, die Temperatur der Glut zu messen: Nur 240 bis 438 Grad. Da genügt die Hornhaut an den Füßen als Isolierschicht. Resumee der Forscher laut SPIEGEL: 

 "Ein schadloses Überqueren der Holzkohlenglut" ...sei auch "ohne Vorbereitungszeremoniell, ohne jegliche psychophysische Ausnahmezustände, ohne Verknüpfung mit religiösen Glaubensinhalten" und "barfuß in normaler Alltagsverfassung möglich".
 
 
Aus: Curare Vol. 4 (1981), 169-192 
Aufs Feuer gehen - Feuerlauf in Griechenland und Selbstversuche. Michael Lesk, Karl Grammer, Georg Schnitzlein, Rainer Eggebracht, Constanze Yfantis-Hemm 
LUDWIG BOLTZMANN INSTITUTE FOR URBAN ETHOLGY 
http://evolution.anthro.univie.ac.at/institutes/urbanethology/index.html 
Die vollständige Arbeit zu laden (1 MB) unter http://www.AGPF.de/Feuerlauf-Grammer-1981.pdf 


Zusammenfassung 
Der archaische und in vielen Kulturen verbreitete Ritus des Feuertanzes, ein Tanz auf glühenden Holzkohlen, ist in Europa vom Aussterben bedroht. Er existiert nur noch in wenigen Orten Griechenlands und Bulgariens. Im Mai 1980 dokumentierte ein Team von vier Wissenschaftlern das Feuerlaufgeschehen in Meteora in Nordgriechenland. Die Daten wurden mittels mehrerer voneinander unabhängiger methodischer Ansätze, wie direkte Beobachtung, Video-  und Tonbanddokumentation, sowie Interview und Fragebogen gewonnen. Das faszinierende an den Anastenarides ist unserer Ansicht nach nicht das Phänomen der Nichtverbrennung und der Schmerzbewältigung, sondern das komplexe Zusammenwirken ritualisierter bindender und bestärkender Verhaltensweisen, die im Rahmen archaischer und christlicher Glaubensvorstellungen und Praktiken dem Individuum Bewältigung von Krankheit und seelischem Leid ermöglichen. 
In mehreren Selbstversuchen konnten wir zeigen daß trotz kurzfristiger Spitzentemperaturen von 200 Grad Celsuis für bis zu 0,8 Sekunden in der Hornhaut ein schadloses Überqueren der Holzkohlenglut (438 Grad bis 240 Grad Celsius) ohne Vorbereitungzeremoniell, ohne jegliche psychophysische Ausnahmezustände, ohne Verknüpfung mit religiösen Glaubensinhalten, ohne spezielle Gehtechnik und andere Hilfsmittel barfuß in normaler Alltagsverfassung möglich ist. Da jedoch die Angst vor dem Feuer sehr tief verwurzelt sein kann, könnte ihre Überwindung eine tiefgehende Wirkung auf Stabilit und Identität der Persönlichkeit haben.

 



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