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Falun Gong, Falun Dafa und Li Hongzhi:
Presseberichte


 
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Kölner Stadt-Anzeiger 15.6.01
Kölner China-Abend
Lehre vom einfachen Leben

Von Oliver Cech
"Schon in seiner Kindheit unterschied sich Li Hongzhi von Gleichaltrigen. Er war begabt und mitleidvoll. Mit acht Jahren erfüllte Li Hongzhi das Große Gebot und erwarb sich übernatürliche Kräfte. Er spielte mit seinen kleinen Kameraden auf dem Schneefeld, beim Laufen konnte er in die Luft steigen", schwärmt eine Biografie Li Honghzis.Wer ist dieser Mann? Etwa ein vorhistorischer Religionsstifter? Keineswegs: "Meister Li", wie ihn Millionen Anhänger nennen, ist ein Mann der Gegenwart. Er spielte Trompete in einer Militärkapelle, war anschließend Angestellter einer Speiseölfirma in Chanchu. Doch seit er 1992 eine Schule für "Kultivierung des Geistes" eröffnet hat, wächst sein Einfluss auf eine wachsende Zahl von Anhängern ins Aberwitzige: Li Hongzhi ist der Gründer von Falun Gong. Herkunft und Hintergründe dieser chinesischen Massenbewegung beleuchtete jetzt im Kölner Museum für Ostasiatische Kunst der junge Kölner Sinologe Thilo Diefenbach. Auf Einladung der Deutschen China Gesellschaft zeigte er zunächst jene Verengung auf, die für die Wahrnehmung von Falun Gong in den westlichen Medien kennzeichnend ist: Seit einer gewaltigen Sitzblockade von Falun-Gong-Anhängern im April 1999 vor den Toren des Regierungssitzes in Peking ist die staatliche Verfolgung der Bewegung zwar ein medialer Dauerbrenner. Über die Meldung immer neuer Verhaftungen, meint Diefenbach, komme der Westen aber kaum hinaus. 

Gebotsrad im Bauch 

Unverstanden bleiben daher sowohl die Ziele des Meisters Li wie auch die Ursachen jener überzogenen Härte, mit der die Pekinger Regierung auf das Auftauchen der Falun-Gong-Bewegung reagiert. Aus der Perspektive des Westens wirkt Falun Gong wie eine friedliche, völlig unpolitische Schule für Gymnastik und Meditation. Doch Diefenbach hat "Zhuan Falun" studiert, Meister Lis Hauptwerk - und dabei ein ganz anderes Bild gewonnen. So geißelt Li mit scharfen Worten Habgier, Geiz und Vergnügungslust der modernen chinesischen Gesellschaft. Offenbar stimmen viele Chinesen dieser Diagnose zu und finden Gefallen an Lis ergreifend schlichtem Gegenmittel: Durch Gymnastikübungen und das Einsetzen eines "Gebotsrades" (falun) in den Unterbauch kann sich der Falun-Gong-Anhänger mit kosmischer Energie versorgen. Übernatürliche Kräfte wie Telekinese oder Telepathie selbstverständlich inklusive. 

Gefährliche Sicht 

Solch krude Lehre wäre nun, meint Diefenbach, zunächst nicht weiter bedenklich. Doch verbindet sie sich in Lis Denken mit einer gefährlich simplen Schwarzweißsicht auf das soziale Leben, mit offener Verachtung für alle Nicht-Anhänger, mit Diskriminierung von Randgruppen, etwa von Homosexuellen. Der buddhistische Dachverband Chinas, sicher nicht verdächtig einer Kooperation mit dem Regime, hat darum Falun Gong bereits in eine Reihe gestellt mit Organisationen wie den Sonnentemplern oder der Aum-Sekte. Nichtsdestotrotz findet Li nicht nur in China, sondern auch in den USA, wohin er 1998 ausgewandert ist, immer mehr Anhänger - derzeit nach eigenen Angaben 70 bis 100 Millionen. Es sei wohl die Schlichtheit und Absolutheit von Lis Weltbild, sagt Diefenbach, die den tief verunsicherten, von gesellschaftlichen Umbrüchen geängstigten Chinesen die Lehren des Meisters so attraktiv mache. Worauf Falun Gong tatsächlich zielt und auf welchem Weg die Bewegung sich durchsetzen will, das kristallisiert sich gerade erst heraus. Eins scheint aber jetzt schon klar: Von Meister Li werden wir noch hören.


 
TAZ 11.4.2001
Immer nur Gutes
Wer in Deutschland Falun Gong kritisiert, den erklärt die Sekte zum Handlanger Pekings
von SVEN HANSEN

Anhaltende Repression gegen Falun Gong in China, Foltertote im Polizeigewahrsam und Probleme mit ihren Botschaften, wenn Chinesen im Ausland Falun Gong praktizieren: Darüber berichtete die taz am 4. Januar. Der Artikel erwähnte gar, dass Li Hongzhi - der Gründer von Falun Gong - für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde. Doch Falun-Gong-Anhänger beschwerten sich bei der taz. Denn der Bericht benutzte zweimal das Wort "Sekte" und einmal "Guru".

Falun Gong sei eine "Meditationsbewegung" und keine Sekte, wurde die taz belehrt. Dieser Begriff wecke negative Assoziationen, und Falun Gong sei schließlich nur positiv. Li Hongzhi sei auch kein Guru, sondern ein "Meister". Die Entgegnung, dass der indische Ausdruck Guru auch Meister bedeute, aber umgangssprachlich eine kritische Distanz ausdrücke, wurde nicht akzeptiert. Li tue nur Gutes und sei deshalb nur als Meister zu bezeichnen.

Ausgeprägter Führerkult

Die Anrufe erfolgten alle nach dem gleichen freundlich belehrenden Muster. Andere Journalisten berichten von ähnlichen Erfahrungen. Das verstärkt den Eindruck, dass es sich im umgangssprachlichen Sinn sehr wohl um eine Sekte handelt. Als die taz auch deshalb bei dem Begriff blieb, rief Lei Zhou vom "Falun Dafa Informationszentrum" in Weinheim an, dem deutschen Propagandabüro von Falun Gong ("Die weltweit am schnellsten wachsende spirituelle Übungspraxis"). Sie argumentierte, in Deutschland Falun Gong als Sekte zu bezeichnen würde Chinas Regierung einen Freibrief für die Unterdrückung liefern. Damit mache sich die taz zum Handlanger Pekings.

Damit instrumentalisiert Falun Gong die Menschenrechtsverletzungen an seinen Anhängern in China, um eine kritische Auseinandersetzung mit sich zu unterbinden. Dieses Schwarzweißdenken fällt besonders in Dissidentenkreisen auf fruchtbaren Boden. Die Anhänger der Demokratiebewegung beeindrucken nämlich die klandestine Organisationsfähigkeit, die starke Basis und die Zähigkeit der genuin chinesischen Sekte.

Doch angesichts der brutalen Verfolgung von Falun Gong wird übersehen, dass die Sekte selbst keinesfalls aufklärerisch im demokratisch-pluralistischen Sinn ist. Falun Gong vertritt eine rigide Ideologie mit einem ausgeprägten Führerkult und birgt zumindest für labile Menschen potenzielle Gefahren.

Charakterisierungen von Experten, die auf die Unschärfe des Sektenbegriffs verweisen, reichen bei Falun Gong von "tendenziell sektiererisch" über "sektenartig" bis "Sekte". Der Streit um den Begriff sei aber nebensächlich, als Problem wird vor allem die völlig dominante Stellung von Li Hongzhi gesehen. "Wenn er verlangt, dass seine eigene Meinung und Theorie behandelt wird, als seien sie das absolute Wort, und wenn es sich um eine Theorie handelt, die in vielen Punkten eher abwegig ist, dann ist das durchaus bedrohlich für den Einzelnen", sagt Ingo Heinemann, der Sprecher des Bonner Vereins "Aktion für Geistige und Psychische Freiheit" (AGPF), die über spirituelle Gruppen aufklärt. 

"Li Hongzhi stellt sich außerhalb jeder Kritik, weil er beansprucht ein Buddha zu sein", sagt Thomas Gandow vom Pfarramt für "Sekten und Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg". "Li verlangt strikten Gehorsam von seinen Anhängern." Es bestehe die Gefahr kritikloser Abhängigkeit, geistig seelischer Isolation und dass Forderungen aufgestellt würden, die von Anhängern dann auch umgesetzt würden. "Dass alles nur aus den Büchern und Videokassetten des Meisters genommen werden darf, verstärkt die individuelle Abhängigkeit und Hörigkeit", so Gandow.

"Für Labile sehr ungesund"

Martin Scheidegger von der "Ökumenischen Beratungsstelle Religiöse Sondergruppen & Sekten" in Luzern findet das Weltbild von Falun Gong gefährlich: "Es verspricht eine kosmische höhere Wirklichkeit, die so nicht überprüfbar ist und die den Menschen dazu verführt, das Hier und Jetzt nur noch als Weg oder Vorstufe zu sehen für das, was er eigentlich erreichen möchte. Das ist gerade für labile Menschen sehr ungesund." Scheidegger hält Falun Gong durchaus für politisch und für sehr gut organisiert, auch wenn dies von der Sekte selbst bestritten wird. Und das Heilsversprechen der Sekte berge sehr wohl die Gefahr, dass Anhänger auf klassisch medizinische Behandlung verzichteten und sich damit möglicherweise gefährdeten. 

Falun Gong sei zumindest in Deutschland harmlos, meint hingegen Ulrich Dehn von der "Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen" in Berlin. In Gesprächen mit Anhängern sei er zu dem Eindruck gelangt, dass sie leicht aussteigen könnten. Andere Sektenberater begründen hingegen die geringen Kenntnisse über die innere Struktur von Falun Gong damit, dass in Deutschland noch keine Aussteiger bekannt seien, die Interna berichten könnten. Es gibt den Verdacht, dass es hinter dem von Falun Gong gern verbreiteten Image einer quasi harmlos im Park meditierenden Gymnastikgruppe eine straffe Organisation steht. Beweise gibt es aber nicht. "Ich sehe nur, dass Falun Gong schlagkräftige Demonstrationen veranstaltet, das dürfte ohne Organisation nicht gehen", meint AGPF-Sprecher Heinemann.

Dehn sieht auch einzelne rassistische und homosexuellenfeindliche Äußerungen von Li Hongzhi nicht als problematisch an. Er kenne Anhänger, die diese Äußerungen schlicht ignorierten, so Dehn, und Falun Gong zähle auch Schwule und Lesben zu seinen Anhängern. Irritierend finde er allerdings auch, dass Lis Hauptwerk Zhuan Falun auf Falun-Gong-Tagungen geradezu litaneimäßig rezitiert werde. Fragen nach persönlichen Meinungen der Anhänger würden oft nur mit Li-Zitaten beantwortet.

Kampf totalitärer Ideologien

In Deutschland wird die Zahl der Anhänger auf ein- bis zweitausend geschätzt. Sie treffen sich in 20 Städten, zum Beispiel im Bremer Bürgerpark, im Berliner Tiergarten oder auf der Hamburger Moorweide. Erst kürzlich veranstaltete das "Falun Dafa Informationszentrum" eine Pressekonferenz in Berlin. Präsentiert wurden zwei chinesischstämmige australische und kanadische Falun-Gong-Anhänger, die aus eigener Erfahrung von Folter und Misshandlungen in chinesischem Polizeigewahrsam berichteten. An ihren Schilderungen gab es kaum Zweifel. Doch auf die Frage, warum die beiden überhaupt nach China zurückzukehrt seien, um auf Pekings Tiananmen-Platz die Führung mit Falun-Gong-Übungen zu provizieren, die sie ungestört in ihrer neuen Heimat hätten verrichten können, blieben sie eine Antwort schuldig.

Ein Verbot von Falun Gong fordert kein Sektenberater. "Den Chinesen sage ich, nehmt euch ein Beispiel und lernt von uns, wie man mit fragwürdigen Bewegungen umgehen muss. Wir müssen informieren und offen und transparent die kritischen Fragen stellen, aber nicht verbieten", sagt der Luzerner Sektenberater Scheidegger. Er wertet den Konflikt um Falun Gong in China als Kampf von Anhängern zweier totalitärer Ideologien. Aufklärung und eine öffentliche Debatte fordert auch AGPF-Sprecher Heinemann. Falun Gong sollte in Deutschland beobachtet werden, fordert er, beobachtet "aber im Sinne des Verbraucherschutzes und nicht des Staatsschutzes". 

taz Nr. 6420 vom 11.4.2001, Seite 4, 199 TAZ-Bericht SVEN HANSEN 


 

Unterschriften gegen und Demonstrationen für Falun Gong
 
Genf - Falun-Gon-Anhänger dürfen anlässlich der Eröffnung der Jahreskonferenz der UNO-Menschenrechtskommission morgen in Genf nicht auf der Place des Nations demonstrieren. Die Kundgebung bleibt bewilligt, muss aber anderswo stattfinden. Nach Ansicht der Stadt Genf ist die Place des Nations ein unangebrachter Ort um die Demonstranten zu empfangen. Die Aktion, die mehrere Tage dauern soll, würde das öffentliche Leben beinträchtigen, sagte die Direktorin des Departements für Sicherheit der Stadt Genf. sda 19.3.01

Wer verletzt die Menschenrechte in China?
Falun-Gong-Anhänger demonstrieren auf dem Place des Nations für FG - eine Delegation der Anti-Sektenorganisation "China Anti-Cult Association" überreicht 1,5 Mio. Unterschriften gegen FG.
Quelle: NZZ vom 20.3.01

Wer verletzt die Menschenrechte in China?
Falun Gong sucht die Öffentlichkeit

sus. Genf, 19. März
Während die Uno-Kommission in Genf über Menschenrechtsverletzungen in der Volksrepublik China verhandelte, haben am Montag auf der Place des Nations vor dem Uno-Gebäude Hunderte von Aktivistinnen und Aktivisten der umstrittenen Meditationsbewegung Falun Gong gegen «die Kräfte des Bösen» demonstriert, wie sie Erping Zhang an der Pressekonferenz von Falun Gong in Genf bezeichnete. Die um den spirituellen Meister Li Hongzhi zentrierte Bewegung, die sich als unpolitisch versteht und durch Meditationsübungen zu geistiger, seelischer und körperlicher Vervollkommnung des Menschen gelangen will, wurde letztes Jahr in China verboten.Seither wehrt sich die Bewegung mit Demonstrationen und anderen Propaganda-Aktionen gegendie Verfolgung durch die Regierung. So berichteten an der Pressekonferenz mehrere Falun-Gong-Anhänger, dass sie wegen ihrer spirituellen Praktiken festgenommen und monatelang ohne Gerichtsverfahren in Gefängnissen und Arbeitslagern festgehalten worden seien, weiter von erlittener Polizeigewalt und schweren Folterungen. Der Staat verletze in krasser Weise die Meinungs- und Glaubensfreiheit und somit die Menschenrechte schlechthin. Auf die Frage, warum sich dieRegierung wohl so bedroht fühle von einer unpolitischen Meditationsbewegung, meinte Erping Zhang: «Weil die Bewegung so gross und die Regierung so paranoid ist.»

Doch nicht nur Falun Gong nutzte die Aufmerksamkeit im Windschatten der Uno-Gespräche über China. Gleichzeitig ist eine Delegation der Antisektenorganisation «China Anti-Cult Association» nach Genf gereist, um ihrerseits die Menschenrechtsverletzungen von Falun Gong anzuprangern und der Uno-Kommission 1,5 Millionen Unterschriften gegen Falun Gong zu übergeben. Die erst vor einem halben Jahr gegründeteNichtregierungsorganisation setzt sich vorwiegend aus Vertretern der Religionen (Buddhismus wie Christentum), der Wissenschaften, aus Ärzten und Juristen zusammen. Wang Yusheng, der Generalsekretär der Organisation, betonte, dass die Proteste gegen Falun Gong nicht etwa zuerst von der Regierung, sondern von den grossen Religionsgemeinschaften und von Wissenschaftern ausgegangen seien, weil sich die Bewegunggegen die herrschenden Religionen und die Wissenschaft gewendet habe. Indem sich die Mitglieder von Falun Gong ihrem Meister bedingungslos unterwürfen, gäben sie jede Selbstverantwortung auf und seien total manipulierbar. Wang Yusheng verwies auf die Selbstverbrennungsaktion von sieben Praktizierenden im Januar dieses Jahres aufdem Tiananmen-Platz in Peking und auf die gefährliche Ideologie der «Sekte», dass Krankheiten nicht durch Medikamente, sondern nur durch die von Falun Gong praktizierte Meditation geheilt werden könnten. Die «China Anti-Cult Association» bekämpft auch andere Sekten in China, doch Falun Gong hält sie für die weitaus schlimmste, weil diese mit ihrem totalitären Anspruch die Gesellschaft, die Familie und die Würde des Menschen gefährde.
Diesen Artikel finden Sie auf NZZ Online unter: http://www.nzz.ch/2001/03/20/al/page-article7A1I0.html 


 

Zu den Selbstverbrennungen im Januar 2001 in Peking:

"Der ehemalige Trompeter und selbst ernannte Weltenretter Li Hongzhi wird immer mehr zur Gefahr für seine ihm blind folgenden Anhänger." (Unten)
Netzeitung 9.2.2001
Zwei CNN-Reportern droht Mordanklage in China
Als sich auf dem Platz des himmlischen Friedens Mitglieder der verbotenen Falun Gong-Sekte selbst in Brand setzten, waren westliche Journalisten zur Stelle. Nun plant China eine Mordanklage wegen unterlassener Hilfeleistung.

NEW YORK. Aus Protest gegen die brutale Unterdrückung von Anhängern der Falun Gong-Gruppe zündeten sich fünf Mitglieder in der Nacht des chinesischen Neujahrsfest am 23. Januar an. «Die Journalisten sahen zu, wie sich eine Mutter und ein Kind selbst in Brand setzten, und unternahmen nichts. Was genau war die Rolle westlicher Journalisten?» fragte die Yangcheng Evening News am Mittwoch. Im nachfolgenden Bericht heißt es, die Journalisten hätten vorab von den geplanten Selbstmordversuchen gewußt.

Unterlassene Hilfeleistung 
In dem Artikel steht weiter, dass die Reporter wegen «unterlassener Hilfeleistung bei einem Selbstmordversuch des Mordes angeklagt werden könnten», falls sich die Beweislage verdichte, dass sie an der an der Aktion beteiligt waren. Die ausländischen Reporter waren ein Redakteur und ein Kameramann von CNN.

CNN bestreitet, vorab etwas über die Selbstmordversuche gewußt zu haben. Ausländische Reporter seien häufig am Platz des himmlischen Friedens, weil sich dort die Falun Gong-Mitglieder regelmäßig zu Demonstrationen treffen, besonders an Feiertagen. Vor zwei Jahren verbot China die Sekte als «teuflischen Kult». 

Journalisten würden bei Falun Gong-Demonstrationen auf dem Platz des himmlischen Friedens oft festgenommen, ihre Filme und Kameras beschlagnahmt. «Unsere Crew hat den Platz routinemäßig beobachtet», sagte CNN-Chef Eason Jordan am Donnerstag.

China: die Verbrannten sind Opfer 
Die Propaganda-Maschinerie Chinas stellt die Verbrannten jetzt als Opfer einer gefährlichen politischen Organisation dar. Der Mordvorwurf gegen die Journalisten wurde bereits am vergangenen Sonntag zum ersten Mal erhoben. Da berichtete die Zeitung Sing Tao Daily in Hong Kong von «Mordgesellen». 

CNN reagierte noch am selben Tag mit einer Erklärung. «CNN wußte nicht, was an dem Tag auf dem Platz des himmlischen Friedens passieren würde. Unsere Journalisten berichten seit vielen Jahren verantwortlich und fair über die Ereignisse in China und der ganzen Welt. Sie verfolgen keine politischen Ziele» heißt es in der Erklärung.


 
Süddeutsche Zeitung 25.01.2001 Meinungsseite

Das Ende der Nachsicht
Die Konfrontation zwischen Falun-Gong-Sekte und der chinesischen Führung eskaliert
Von Kai Strittmatter

Diese Regierung hat Schriftstellern das Schreiben und Demokraten das Denken ausgetrieben und noch im Frühjahr 1989 eine ganze Generation zum Verstummen gebracht. Ausgerechnet an einem bizarren Guru und seinen so unscheinbaren wie entschlossenen Jüngern beißt sie sich nun die Zähne aus. Noch ist nicht sicher, ob die Fünf, die sich auf dem Platz des Himmlischen Friedens selbst in Brand steckten, tatsächlich Falun-Gong-Anhänger waren – die Organisation bestreitet das. Dennoch lässt sich nach den turbulenten Neujahrstagen in Peking eine neue Dimension erkennen. 

Noch nie hat eine Bewegung Chinas Kommunistischer Partei so lange getrotzt wie die Falun-Gong-Sekte. Nach 18 Monaten Verfolgung scheint ihre Fähigkeit ungebrochen, Proteste zu organisieren, selbst im Herzen der Macht. Die Regierung wird ihr nicht Herr und duldet sogar Folter. Menschenrechtler haben mehr als 100 Jünger gezählt, die im Polizeigewahrsam ums Leben gekommen sein sollen. Keine gute PR für ein Land, das sich Hoffnungen macht auf die Olympischen Spiele 2008. 

Jetzt verschärft sich der Ton auf beiden Seiten. Peking überrollt die Bürger seit einigen Wochen mit einer neuen Propagandakampagne. Parteiblätter vergleichen den „bösen Kult“ mit einer „Ratte“, die man „zertreten“ müsse. Erstmals werden nicht nur die Führer scharf angegriffen, sondern auch die einfachen Praktizierenden. Auch auf Falun-Gong-Seiten zeichnet sich eine Radikalisierung ab. Die Bewegung, die „Wahrheit, Barmherzigkeit und Nachsicht“ predigt, und deren Demonstranten sich stets abführen ließen wie die Opferlämmer, will offenbar nicht länger nur erdulden. 

 Gründer und Guru Li Hongzhi verkündete erstmals Anfang des Jahres, dass das Prinzip „Nachsicht“ seine Grenzen habe. Wenn das Böse überhand nehme, dann dürfe man es „mit verschiedenen Mitteln stoppen und ausradieren“. Auf der Falun-Gong-Website wird auch „der höchste Vertreter der bösen Kräfte in der Menschenwelt“ identifiziert: Es ist Chinas Präsident Jiang Zemin. 

Der ehemalige Trompeter und selbst ernannte Weltenretter Li Hongzhi wird immer mehr zur Gefahr für seine ihm blind folgenden Anhänger. Dass er sie aufruft, sich „von weltlichen Bindungen (inklusive dem menschlichen Körper)“ zu lösen, hat nach den Selbstverbrennungen einen makabren Beigeschmack, mag aber noch als alte buddhistische Lehre durchgehen. Dass er den Gefolgsleuten jedoch – vom gemütlichen Exil in Amerika aus – den öffentlichen Auftritt befiehlt („vorzutreten ist eine Notwendigkeit“) ist Zynismus angesichts der Hexenjagd im Polizeistaat China. 

Li Hongzhis jüngster Aufruf zum Widerstand legt den Schluss nahe: Offensichtlich braucht seine krause Lehre Märtyrer, und der Meister hat keine Skrupel, seine Schafe noch dazu zu ermuntern, an die Schlachtbank zu ziehen. Wahrscheinlich merkt er gar nicht, dass seine Botschaft inzwischen der Sprache der KP zum Verwechseln ähnlich ist. Wahrscheinlich merkt er auch nicht, wie sehr er mit seinem Kurs den Gegnern in die Hände spielt. 


 
Die Welt 31.1.2001
Peking beschuldigt den Westen, Falun Gong zu unterstützen
Nahaufnahmen von Selbstverbrennungen im TV
VON JOHNNY ERLING
PeIdng - China hat eine Woche nach den versuchten Selbstverbrennungen von Falun-Gong-Anhängern auf dem Tiananmen-Platz die Namen von sieben Beteiligten genannt und erstmals den Ablauf ihrer kollektiv verabredeten Selbstmordaktion geschildert. Mit der detaillierten Veröffentlichung in den Abendnachrichten des Fernsehens und einer 20-minütigen Sondersendung wurden scharfe Angriffe auf den Westen und auf den im USA-Exil lebenden Falun-Gong-Gründer Li Hongzhi verbunden.

Ein Sprecher der neuen US-Regierung Bush hatte China nach den Ereignissen aufgefordert, die Verfolgung der Meditationsgruppe einzustellen. Peking wies dies als Einmischung in seine inneren Angelegenheiten scharf zurück. In einem Kommentar der Nachrichtenagentur Xinhua hieß es gestern Abend: "Wir warnen in ernster Weise antichinesische Kräfte im Westen, die Lage falsch einzuschätzen und sich der Illusion hinzugeben, sie könnten den Kult nutzen, um Chaos in China anzurichten und die Regierung zu stürzen. Das wird sich nur gegen sie selbst richten.“

Nach der Darstellung des Fernsehens, das Filmaufnahmen der sich an drei Stellen anzündenden Menschen auf dem Platz, darunter Nahaufnahmen ihrer Verbrennung und ihre medizinische Behandlung zeigte, seien die sieben Personen am vergangenen Dienstag aus der Stadt Kaifeng nach Peking gekommen, mit ihrer zuvor eingeübten Absicht, sich auf dem Tiananmen-Platz zu verbrennen. Sie wollten so "in das Himmelreich kommen“. Jeder brachte dazu zwei unauffällige Sprite-Limonadenflaschen voll Benzin und zwei Feuerzeuge mit. Organisator sei der 50-jährige Falun-Gong-Anhänger Wang Jingdong gewesen, der mit seiner Familie schon einmal am vergangenen 19. Dezember auf dem Platz mit einem Banner demonstriert hatte. Wang setzte sich im Lotossitz nieder und überschüttete sich mit Benzin. Er steckte sich unter Rufen an, dass die gesamte Welt von Falun Dafa lernen sollte. Minuten später folgten seinem Beispiel vier Frauen an zwei verschiedenen Plätzen, zwei Mütter mit ihren Töchtern, darunter auch die zwölfjährige Liu Siying, die erblindete und mit schweren Verbrennungen ins Hospital kam. Ihre Mutter Liu Chunling starb. Zwei weitere Personen, ein Mann und eine Frau, wurden daran gehindert, das Benzin anzustecken.

Die mit großem Aufwand zusammengestellte Dokumentation der Selbstverbrennungen, zu denen die vier mit bis zu 80-prozentigen Verbrennungen schwer verletzten Opfer sowie Familienmitglieder und Arbeitskollegen befragt wurden, zeigt nach Ansicht von Beobachtern, dass China ein Beispiel gefunden hat, mit dem es wieder propagandistisch in die Offensive gehen will. Die Selbstmordversuche seien der letzte Beweis für die kriminelle Struktur der Sekte. "Die Welt kann durch diesen Vorfall auf dem Tiananmen das wahre Gesicht von Li Hongzhi und der Falun Gong sehen“, hieß es im Fernsehkommentar, der die Selbstmordversuche in Zusammenhang mit anderen weltweiten Kultbewegungen stellte, die ihre Mitglieder in den Tod getrieben hätten.

Zuletzt hatte die seit 18 Monaten andauernde, in der Öffentlichkeit unpopuläre staatliche Kampagne zur Kriminalisierung der Meditationsgruppe groteske Formen angenommen. So waren noch diese Woche drei Soldaten mit Orden ausgezeichnet worden, nur weil sie einen Flugblattverteiler festgenommen hatten.

"Wir warnen in ernster Weise antichinesische Kräfte im Westen, sich der Illusion hinzugeben, sie könnten den Kult nutzen, um Chaos in China anzurichten.“
Staatliche Nachrichtenagentur Xinhua


 
 
Frankfurter Rundschau 18.11.2000

Der Hinweis auf die verbotene Demo kam per E-mail 

Heilslehre per Internet oder: Wie die in China verfolgte Falun Gong-Bewegung versucht, die Medien zu manipulieren 

Von Harald Maass (Peking)

Die Stimme am Telefon klingt konspirativ. "Es geht um die Gruppe, deren Mitglieder auf dem großen Platz in Peking verhaftet worden sind", sagt der Mann am anderen Ende der Leitung. Er sei ein Sinologiestudent aus Frankfurt, gerade zu Besuch in China und wolle sich "über die Berichterstattung der deutschen Zeitungen" unterhalten. Ähnliche Anrufe erhielten in dieser Woche eine Reihe deutscher Korrespondenten in Peking. Der junge Deutsche, der sich als Peter Recknagel vorstellte, hatte allen Grund vorsichtig zu sein. Die "Gruppe", die er am Telefon erwähnte, ist die in China verbotene Falun Gong-Bewegung. Tausende ihrer Anhänger sind festgenommen worden, in den Staatsmedien tobt ein Propagandakrieg gegen den angeblichen "Teufelskult".

Doch was hat Peter Recknagel damit zu tun? "Lassen Sie uns einfach etwas unterhalten." Ein kleiner, muskulöser Mann betritt das Büro. Und es dauert nicht lang, bis er zum Thema kommt: "Die deutschen Medien", stöhnt Recknagel, würden zwar über die Verfolgung der Falun Gong-Bewegung in China berichten. Erst im Oktober seien ja wieder Anhänger der Bewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens böse verprügelt worden. Aber, sagt Recknagel und blickt ganz bekümmert: "Sie schreiben, dass wir ein Kult sind. Das finde ich nicht richtig."

Die Argumente, die der junge Mann in einem freundlichen, aber beharrlichen Ton vorbringt, kennen Korrespondenten in Peking. Seit dem Verbot der Bewegung im Juni 1999 haben Anhänger aus dem Ausland eine mediale Gegenkampagne gestartet. Journalisten, die sie in ihren Berichten als "Kult" oder "Sekte" bezeichnen, erhalten umgehend Briefe, E-mails oder Telefonanrufe von Falun Gong-Jüngern. Die von dem mittlerweile im Exil lebenden "Meister" Li Hongzhi gegründete Bewegung sei weder eine Religion noch ein Kult oder eine Sekte, heißt es in nahezu gleich lautenden Formulierungen. "Wir sind eine harmlose Meditationsbewegung", erklärt Peter Recknagel. 

Ganz so harmlos ist Falun Gong wohl nicht. Die Bewegung, die nach eigenen Angaben seit 1992 weltweit mehrere Dutzend Millionen Anhänger gewonnen hat und auf Elemente des Qi-Gong, Buddhismus und Taoismus zurückgreift, ist in einem bizarren Personenkult auf den Gründer Li Hongzhi fixiert. Zwar zielen seine Meditationsübungen grundsätzlich auf eine "moralische Verbesserung" der Praktizierenden. In seinen Lehren tauchen aber auch rassistische und diskriminierende Elemente auf. Mischlinge bezeichnet der Meister als "defekte Personen". Homosexualität ist für ihn ein mit Rauschgiftkonsum und Mord vergleichbares Übel. 

"Falun Gong kann als eine Sekte beschrieben werden - es ist eine Bewegung mit gemeinsamen Glauben, Ritualen und Versammlungen", sagt Sebastian Heilmann, Sinologie-Professor an der Universität Trier. Allerdings handele es sich nicht um eine "chinesische Scientology". Die Anhänger seien weder einem finanziellen noch einem emotionalen Zwang ausgesetzt. William Liu von der Nationaluniversität in Singapur spricht von einem "quasi-religiösen" Kult .

Doch solche Begriffe wollen die Falun Gong-Jünger in den Zeitungen nicht lesen. Von der Provinzzeitung in Frankreich über die Washington Post bis zur Frankfurter Rundschau erhalten Journalisten regelmäßig Propagandabriefe. Die Absender sind Mitglieder in den mittlerweile überall auf der Welt gegründeten Falun Dafa-Vereinen. Die deutsche Sektion hat mehrere Dutzend aktive Mitglieder, die für ihre Überzeugungsarbeit offensichtlich geschult sind. Angesprochen auf die Diskriminierungen gegen Homosexuelle und Mischlinge weicht Peter Recknagel aus: "In Li Hongzhis Buch steht davon nichts." 

Wichtigstes Hilfsmittel in der unermüdlichen Überzeugungsarbeit der Jünger ist das Internet. In Europa und den USA wurden Dutzende Falun Gong-Webseiten aufgebaut. Interessierte können sich Bücher und Videos bestellen und lesen nebenbei Propagandatexte, die Vorwürfe der Kritiker entkräften sollen. "Falun Gong ist weder eine Religion noch eine Sekte. (...) Es gibt keine Mitgliedschaften, keine Beiträge und kein Profitdenken", erklärt eine Anhängerin den Zweiflern. "Wir sind eine lockere Gruppe." 

Allerdings gibt es eine Reihe von Hinweisen darauf, dass im Hintergrund sehr wohl eine schlagkräftige Organisation die Jünger steuert. Das Zentrum der Bewegung, die durch Buchrechte und Videos beträchtliche Einnahmen haben dürfte, ist New York, der Exilwohnsitz Li Hongzhis. Ein Falun Gong-Informationsbüro verschickt von dort regelmäßig einen E-mail-Informationsdienst an Journalisten mit Berichten über die Verfolgung in China. Von New York werden offensichtlich auch die regelmäßigen Demonstrationen von Falun Gong-Anhängern auf dem Platz des Himmlischen Friedens koordiniert. 

"Let's party" stand über einer E-mail, die Pekinger Korrespondenten Ende Oktober von dem New Yorker Falun Gong-Büro erhielten. In der elektronisch kodierten Nachricht wurden im Voraus genaue Angaben zu einer Demonstration chinesischer Falun Gong-Anhänger auf dem Platz des Himmlischen Friedens mitgeteilt. Die 200 Protestierenden waren vor allem Bauern aus der Provinz. Noch bevor einige ihre Flugblätter ausbreiten konnten, wurden sie von der chinesischen Polizei abgeführt und verprügelt. 

Informationen wie diese sind wichtig, um das brutale Vorgehen der Pekinger Behörden gegen einen bislang friedlichen Kult zu dokumentieren. Hinter der Medienarbeit der Falun Gong-Jünger scheint aber auch Kalkül zu stecken. Durch die ständigen Aktionen und provozierten Festnahmen wird der Kult in den Medien ausschließlich als Opfer dargestellt. Hintergründe über Meister Li, die Organisationsstruktur und die psychischen Folgen der Heilslehre auf die Anhänger tauchen in der westlichen Berichterstattung kaum auf.

Peter Recknagel, Chef der Frankfurter Sektion des deutschen Falun Gong-Vereins, hält sich ebenfalls bedeckt. Darüber, wie der Meister von New York aus seine weltweite Gemeinde führt, will oder kann er nicht berichten. Auch über seinen einwöchigen Besuch in Peking, bei dem er ein Dutzend deutscher Korrespondenten und Diplomaten kontaktierte, sagt er nichts. Statt dessen berichtet er von schwer kranken Freunden, die durch Falun Gong angeblich gesundet seien. Begeistert erzählt er von dem plötzlichen Druck, den er nach langem Meditieren eines Tages auf der Stirn gespürt habe. Da habe sich sein "Himmelsauge" geöffnet, so wie es der Meister in seinen Büchern beschreibt, sagt er. Sein Gesicht strahlt. "Aber ich habe leider nichts gesehen."

Copyright © Frankfurter Rundschau 2000 
Dokument erstellt am 17.11.2000 um 21:12:19 Uhr
Erscheinungsdatum 18.11.2000 


 
http://www.tages-anzeiger.ch/990427/index.ausland.htm
Tages-Anzeiger, 27.04.99:
Wie Meister Li kosmische Energie kanalisiert
Der spirituelle chinesische Führer Li Hongzhi will die Menschheit retten. 
Die Regierung in Peking ist schockiert.
Von Kai Strittmatter, Peking
Was ist das nur für eine Zeit? Moral wird mit Füssen getreten, die Menschen verfallen dem Bösen. "Heutzutage", bemerkt der Meister, "werden langhaarige Leute, die weder aussehen wie ein Mann noch wie eine Frau und laut "Ah, Ah" schreien, vom TV zu Stars gemacht." So eine Zeit ist das: "Die Menschheit ist im Niedergang." Meister Li Hongzhi aber bringt die Erleuchtung: Er hat der Welt Falun Gong geschenkt, eine Mischung aus Buddhismus und Praktiken der traditionellen chinesischen Atemheilkunst Qigong. Man darf sich den Schock bei Chinas Kommunisten ausmalen. Noch keine sieben Jahre alt ist Lis Bewegung und zeigt dem Regime schon ihre Muskeln. Mehr als 15 000 Menschen haben am Sonntag bei der grössten Demonstration seit dem Tiananmen-Massaker 1989 Chinas Machtzentrum Zhongnanhai belagert. Sie forderten ein Ende von Verleumdung und Verfolgung durch Chinas Presse und Polizei und die offizielle Anerkennung von Falun Gong. Die Demonstranten waren hervorragend organisiert, hatten gar eigene Ordner mitgebracht. Nur Li Hongzhi war nicht dabei - der weilt schon seit 1994 in den USA. Das wenige, was über den heute 47-jährigen Li bekannt ist, stammt aus der von seinen Jüngern herausgegebenen Biografie, die mit Legende nicht spart. Demnach kam Li in seiner Heimat im Nordosten Chinas schon mit vier Jahren in die Obhut diverser buddhistischer und daoistischer Meister, die ihn mit Schwertkampf ebenso stählten wie mit übernatürlichen Kräften. Einmal, erzählen sich seine Anhänger, habe Li seinen Schulranzen im verschlossenen Klassenzimmer vergessen und sei durch Glas gelaufen, um ihn zu holen. Heute sagt Li, er kenne die "Wahrheit des Kosmos" und die Zukunft der Menschheit. Die sieht schwarz aus, ausser für jene, die sich mit Falun Gong (übersetzt: "Die Kultivierung des Dharmarades") läutern und in einen höheren Weltenraum hocharbeiten. 1993 hat Li das Buch "Das Dharmarad drehen" veröffentlicht, das zur Bibel einer rasant wachsenden Anhängerschaft wurde. Die Bewegung behauptet, heute 100 Millionen Jünger zu haben, 70 Millionen von ihnen in China. Lis Erfolg ist Indiz für das spirituelle Vakuum, das in China herrscht, nachdem der Sozialismus Platz gemacht hat für Chaos, Gier und Korruption.

"Schutzkappe" gegen Dämonen

Die Falun-Gong-Jünger beharren darauf, sie betrieben keine Religion und schon gar keinen Aberglauben, sondern lediglich "Selbstvervollkommnung". Höchste Werte sind "Wahrheit, Güte und Leidenskraft", angestrebt werden Erleuchtung und eine höhere Existenz in einer anderen Welt. "Ich möchte einen Lebenssinn", hat eine Demonstrantin am Sonntag erklärt, "und Gesundheit". Li Hongzhi behauptet, er heile Krankheiten und pflanze seinen Jüngern ein "Dharmarad" in den Unterleib, das ohne Unterlass kosmische Energie in deren Körper schaufle - der schnelle Weg zur Erlösung. Eine "Schutzkappe" bewahre die Jünger derweil vor Dämonen. Meister Li hält sich im Übrigen keineswegs für einzigartig. "Der Zaubermeister David Copperfield", schreibt er in seinem Buch, "ist ein grosser Meister mit übernatürlichen Kräften."

Schweizer Jüngerschaft

Nein, ihren Namen wolle sie nicht in der Zeitung lesen, sagt die 50-jährige Chinesin, die vor zweieinhalb Jahren den ersten Schweizer Falun-Gong-Zirkel ins Leben gerufen hat. Die Lehre von Meister Li folge nämlich drei Maximen: Es gebe keinen Kult um einen Guru und keine Hierarchie - und darum sei sie selbst auch keine Nennung wert -, Mitmachen sei mit keinerlei Verpflichtung verbunden, und die Unterweisung sei grundsätzlich gratis. Erhoben werde höchstens ein Beitrag an die Miete des Übungslokals. Mittlerweile zählt die Schweizer Falun-Gong-Vereinigung zehn Übungsgruppen und rund 500 Mitglieder. Li Hongzhis Werk liegt auf Französisch und unter dem Titel "Falun Gong - Der Weg zur Vollendung" auch auf Deutsch vor. Und vergangenen September hat der Meister die hiesige Anhängerschaft besucht. Nicht einmal die Spesen habe er sich bezahlen lassen, als er eingeflogen sei, um in Genf vor 1000 Uno-Funktionären aufzutreten. Das erzählt die chinesische Ärztin, die an der Universität Lausanne traditionelle chinesische Medizin lehrte, bevor sie sich in den Dienst von Falun Gong stellte. Kostenlos. Wirklich neu, so sagt sie, sei Meister Lis Lehre für sie nicht gewesen. Nur eine benutzerfreundliche Synthese von altem buddhistischem und daoistischem Wissen. (mak.)


 
Der Tagesspiegel 22.7.99
Peking hält 2000 Sektenanhänger fest
Die Falun-Gong-Bewegung gewinnt immer größeren gesellschaftlichen Einfluß

VON ANNE GRÜTTNER, PEKING
Zwei Monate vor dem mit großem Aufwand vorbereiteten 50. Jahrestag der Volksrepublik China scheint sich in der chinesischen Parteiführung Nervosität breitzumachen. Die chinesische Staatssicherheit läutete am Dienstag eine nationale Großaktion gegen die mächtige Sekte Falun Gong ein. Am Dienstag wurden 70 Mitglieder der buddhistischen Gruppierung festgenommen. Schriften und Fotos des exilierten Gründers Li Hongzhi wurden aus den Wohnungen seiner Anhänger beschlagnahmt, das Polizeiaufgebot in verschiedenen Städten verstärkt. Die Verhaltungen waren eine Reaktion auf einen offenen Brief von etwa 13000 Fa-lun-Gong-Mitgliedem im letzten Monat, in dem die Sektenanhänger gegen die Unterdrückung ihrer Praktiken in China protestierten. Auf Protestdemonstrationen von Falun-Gong-Anhängem am Mittwoch reagierte Peking mit Massenverhaftungen. Die schnelle Ausbreitung und der wachsende gesellschaftliche Einfluß der erklärtermaßen unpolitischen Gruppe macht der kommunistischen Führung in Peking Angst. Falun Gong hat in China etwa 70 Millionen Mitglieder, mehr als die Kommunistische Partei Chinas. Auch viele Parteikader und Militärs praktizieren den ‚Kult. Weltweit zählt die Sekte 100 Millionen Mitglieder, vor allem in den USA, wohin Gründer Li Hongzhi 1998 fliehen mußte. Falun Gong ist sehr gut organisiert. Die Gruppe hat internationale Vertretungen, unter anderem auch in Deutschland. Die Weisheiten des Meisters Li wurden als Buch oder Video weltweit in verschiedenen Sprachen aufgelegt und millionenfach verkauft, sie sind auch übers Internet abrufbar. Die Anhänger von Falun Gong üben sich in "Selbstkultivierung". Durch ein spartanisches Leben und pausenlose  Konzentrationsübungen sollen sie "Bedürfnissen, Haß oder ablenkenden Gedanken" entsagen und sich ganz auf "Xinxing", die menschliche Natur, zurückbesinnen. Das "Falun", was soviel wie das "Rad des Gesetzes" bedeutet, soll den Kosmos widerspiegeln und wird von Meister Li Hongzhi, der sich in der Nachfolge von Jesus und anderen Propheten als eine Art Weltheiler sieht, spirituell in die Schüler "implantiert". "Unsere Aktivitäten tragen zur Stabilität in der Gesellschaft bei", so eine Marxismus-Professorin in Peking, die mit Hilfe der Falun-Gong-Praktiken angeblich ein Leberleiden überwinden konnte. Doch die Pekinger Parteiführung sieht das anders. Öffentliches Aufsehen erregte Falun Gong erstmals im April, als etwa 20 000 Anhänger sich vor dem Sitz der chinesischen Regierung in Peking versammelten. Die disziplinierten Demonstranten hatten die Freilassung von 50 Mitgliedern gefordert, die bei einer anderen Protestaktion festgenommen worden waren. Damals signalisierte Peking Milde. Premier ZhuRongji persönlich verhandelte mit den Demonstranten. Doch jetzt hat sich das Blatt augenscheinlich gewendet. Erneute Massenproteste von Falun-Gong-Anhängern vor dem Regierungssitz Zhongnanhai in Peking wurden mit Polizeigewalt aufgelöst. Beobachtern zufolge wurden mehrere tausend Demonstranten festgenommen, vornehmlich ältere Frauen. Die Kultanhänger wurden in Bussen davongefahren und in zwei Pekinger Sportstadien gebracht. Dort werden derzeit etwa 2000 Leute festgehalten, berichten Mitarbeiter der Stadien. Ob die einflußreiche Sekte sich davon einschüchtern läßt, bleibt abzuwarten. "Da hat die Staatssicherheit in ein Wespennest gestochen", meint ein chinesischer Professor an der Akademie für Sozialwissenschaften in Peking. "Die Falun-Gong-Anhänger sind sehr fanatisch und werden hart für die freie Ausübung ihrer Praktiken kämpfen."


 
Der Tagesspiegel  24.7.99
Gründer von Falun Gong warnt vor Blutbad in China
Demonstrationen trotz Sekten-Verbot /
Peking will Anhänger durch Umerziehung gefügig machen

Peking (rtr/dpa/AFP/AP). Einen Tag nach dem Verbot der Sekte Falun Gong ("Rad des Gesetzes") hat die chinesische Polizei am Freitag in Peking erneut rund 200 Demonstranten im Zentrum Pekings festgenommen. Augenzeugen berichteten, Beamte in Zivil hätten den gesamten Platz des Himmlischen Friedens abgeriegelt und geräumt, auf dem sich Demonstranten zu einem Sitzstreik zusammengefunden hätten. Spontane Proteste auf dem Platz gelten in China als besonders heikel, da der Ort am 4. Juni 1989 Schauplatz der Niederschlagung der Studentenbewegung durch die Armee war. Der in New York lebende Gründer der Falun-Gong-Sekte, Li Hongzhi, hat angesichts der Unterdrückung der Mitglieder in China vor einem Blutbad wie bei der Niederschlagung der Demokratiebewegung gewarnt. Li befürchtet, daß die Anhänger der Sekte künftig noch schlimmer verfolgt würden und es zu einem Blutvergießen wie auf dem Platz des Himmlischen Friedens komme. Er versicherte, daß die Sekte keine politischen Ziele verfolge. Die chinesische Regierung rief der 48jährige Li zu einem direkten Dialog mit ihm auf. Er hoffe, auf diese Weise Mißverständisse aufklären zu können, erklärte er in einem Brief an die Regierung, der im Internet in Hongkong zu lesen war. Die Regierung Chinas solle seine Anhänger nicht als Feinde behandeln.

In der KP-Zeitung "Renmin Ribao" hieß es dagegen: "Falun Gong hat versucht, politische Macht zu entwickeln und sich gegen unsere Partei und die Regierung zu wenden." Die erste Seite der Parteizeitung war von fünf Artikeln über Falun Gong beherrscht Das staatliche Fernsehen sendete wiederholt eine 30 minütige Dokumentation über die Bewegung und ihren Gründer, den früheren Beamten Li Hongzhi.

Diesem wurde Betrug vorgeworfen. Außerdem soll seine Organisation für 16 Todesfälle von Anhängern verantwortlich sein, die lebenswichtige Medikamente verweigert oder Selbstmord begangen hätten. Die Behörden hatten die Falun Gong am Donnerstag verboten, da sie durch Verbreitung von Aberglauben die gesellschaftliche Stabilität bedrohe. Die quasireligiöse Sekte vermische in ihrer Lehre traditionelle Elemente chinesischer Meditationstechniken mit reaktionären Dogmen. Der Kult mache die moderne Wissenschaft als Ursache des Bösen verantwortlich und verurteile unter anderem Homosexualität.

Nicht betroffen von dem Verbot sollen Übungsgruppen sein, die nur die traditionellen chinesischen Atemtechniken (Qigong) praktizieren. Die Führung in Peking geht in jüngster Zeit hart gegen alle Strömungen vor, die ihre Position schwächen könnten. Vor einem Sportstadion am Rande Pekings wurden unterdessen Busse mit Hunderten Sektenanhängern gesichtet, die von der Polizei zusammengetrieben worden waren. Als die Busse mit den Kult-Anhängern vor dem Stadion am Stadtrand Pekings anhielten, skandierten die Insassen: "Falun Dafa. Falun Dafa". Nach dem offiziellen Verbot ihrer Sekte in China benutzen Falun-Gong-Anhänger den neuen Namen offenbar  nunmehr als alternative Bezeichnung. |

Die chinesische Führung versucht auch, die Sekten-Anhänger mit "Erziehungsmaßnahmen" gefügig zu machen. Etwa Tausend von ihnen, die am Donnerstag zu Protesten gegen das Verbot nach Peking gekommen waren, seien über Nacht in einem Stadion festgehalten und "unterwiesen" worden. sagten Behördenvertreter am Breitag. Anschließend seien sie mit Bussen nach Hause gebracht worden. 

Die Polizei war in dieser Woche bereits mehrfach gegen Tausende von Sektenmitgliedern vorgegangen. Sie hatten für die  Freilassung von mindestens 100 verhafteten Anführern protestiert. Die Organisation hat nach eigenen Angaben weltweit 100 Millionen Mitglieder, was Beobachter jedoch für übertrieben halten. Die chinesischen Behörden gehen von zwei Millionen Sektenmitgliederm aus. Bereits im April waren Zehntausende Sekten-Anhänger vor dem Regierungsviertel in Peking für die Anerkennung der Sekte auf die Straße gegangen. Westliche Diplomaten erklärten, die chinesische Regierung riskiere mit ihrem harten Vorgehen gegen den Kult, aus einer eigentlich erklärtermaßen unpolitischen Gruppe eine antikommunistische Bewegung zu machen. Auch Anhänger der Sekte in der Sonderverwaltungszone Hongkong zeigten sich über das Verbot des Kultes erschüttert und riefen Peking auf, die Entscheidung zu revidieren. Die Behörden waren in Hongkong nicht gegen die Sekte vorgegangen und hatten erklärt, sie sei in der Sonderverwaltungszone legal und könne sich dort weiter betätigen, so lange sie sich an Gesetz und Ordnung halte. Ein chinesischer Regierungs-Sprecher bestätigte am Freitag, daß die Hongkonger Verwaltung selber über den Umgang mit der Sekte entscheiden müsse. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch rief die Vereinten Natioien unterdessen zu einer Verurteilung der Zwischenfälle auf: Das chinesische Volk habe Recht darauf, seine Religion in Frieden auszuüben, sagte ein Sprecher. Die USA äußerten sich "beunruhigt" über die Vorfälle.         Ein US-Diplomat traf sich mit Regierungsvertretern der Volksrepublik.


 
Der Tagesspiegel, 24.7.99
Sanftmut und Rätsel
Für "Warmherzigkeit", gegen Homosexualität: Falun Gong in Berlin
VON FRANK JANSEN
Die mit dem chinesischen Regime aneinandergeratene Sekte Falun Gong ist auch in Berlin präsent

Hier scheint die Anhängerschaft der mysteriösen Gruppierung jedoch nur einen Bruchteil der in Peking mobilisierbaren Massen auszumachen. Knapp 100 Deutsche und Chinesen könnten in Berlin zu Falun Gong gezählt werden, sagt Marion Ogorek. Die 40jährige Verwaltungsangestellte beim Arbeitstsamt wird vom Falung-Gong-Ableger "Deutscher Falun Dafa Verein" als Auskunftsperson genannt. Der Verein selbst hat seinen Sitz offenbar in Frankfurt am Main. Dort beziffert die Chinesin Lei Zhou die Zahl der Anhänger auf bundesweit "ungefähr 1000 Leute". Bei einem "Falun Dafa Betreuer Treffen" seien Pfingsten in Berlin 40 Teilnehmer gezählt worden, gibt der Verein im Internet bekannt. Den Sicherheitsbehörden fiel die Sekte bislang weder in Berlin noch in der Bundesrepublik überhaupt auf. Ein  Teil der Berliner Sympathisanten - laut Ogorek gibt es in der Stadt keine festen Mitgliederstrukturen - trifft sich regelmäßig samstags und sonntags früh im Tiergarten.: Bis zu 25 Leute kämen zusammen, um sich zwei Stunden lang Bewegungs- und Meditationsübungen zu widmen. Außerdem fänden mehrmals pro Woche Treffen in Privatwohnungen statt. Zentrale Anlaufstelle scheinen die Räumlichkeiten einer chinesischen Familie in Rudow zu sein. Dort lernte Ogorek Ende 1997 Anhänger von Falun Gong kennen.

Die Adresse habe sie in der deutschen Ausgäbe des Buches "Falun Gong, der Weg zur Vollendung" gefunden, erzählt die Berlinerin mit sanfter Stimme. Autor ist der in New York lebenden Meister" Li Hongzhi. Der Chinese mixt in dem obskuren Werk femöstliche Religionen, vor allem Buddhismus und Taoismus, mit Wunderglauben. Endzeitstimmung und Law- and- Order-Parolen.

In Kapitel sechs wird Homosexualität genauso wie Drogenkonsum und sogar Mord als "Untat" bezeichnet. Da gerät Marion Ogorek  in Argumentationsnot: Falun Gong wende sich "gegen gar nichts", Homosexualität sei aber eine "nicht normale Sache". Li Hongzhi soll laut dem Bericht einer Nachrichtenagentur auch behauptet haben, jede "Rasse" habe ihre eigene "Biosphäre". Mischlinge seien "defekte Personen", die in einer Zeit des Verfalls auftauchten. Derlei Parolen sind Marion Ogorek wie auch der Frankfurter Chinesin Lei Zhou angeblich unbekannt. Beide beharren auf den Prinzipien der "Wahrhaftigkeit, Warmherzigkeit und Nachsicht". Außerdem sei Falun Gong unpolitisch. Kontaktaufhahme finde vor allem über Mund-zu-Mund-Propaganda und den Vertrieb des Buches von Meister ü statt Wie es der Sekte dennoch gelingen konnte, die von Lei Zhou behaupteten 100 Millionen Anhänger zusammenzubekommen, bleibt rätselhaft. Die Auseinandersetzungen in China beobachtet Ogorek "nicht besorgt, aber traurig". Die Behörden dort müßten doch erkennen, "daß mit Gewalt nichts zu machen ist".


 
 



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