Esoterikzentrum Bodensee
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In Friedrichshafen
hat der Esoteriker Kurt Eicher im Ortsteil Fischbach am Seeufer ein Thermalbad
mit Gesundheitszentrum geplant.
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Die Colani-Therme
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Seit 1993 will die Gemeinde
Friedrichshafen in Fischbach am Bodenseeufer ein Thermalbad errichten.
Im März 1999 diskutiert der Gemeinderat die Pläne von vier möglichen
Investoren. Das Rennen macht der Schweizer Kurt Eicher mit dem Entwurf
des Designers Luigi Colani.
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1999 schloss die Stadt Friedrichshafen
mit Kurt Eicher einen Vertrag. Am 13.03.2003 berichteten Barbara Fülle
und Sylvia Floetemeyer im Wochenblatt Friedrichshafen (>>),
was Eicher mit Gesundheitszentrum meinte: ein Esoterikzentrum. Sie äusserten
Zweifel an Eichers Darstellung seiner finanziellen Verhältnisse. Am
17.3.2003 legt Eicher ein Bekenntnis zur Esoterik ab (>>).
Seit 2003 ist öffentlich bekannt, dass Eicher nicht nur einen Finanzierungsplan
vorlegen muss, sondern eine Bankbürgschaft. Im September 2009 wurde
die Baugenehmigung erteilt Spätestens jetzt wurde die Sache dringlich.
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Wieder einmal unter Zeitdruck
unterzeichnete Eicher am im Dezember 2011 einen "Baurealisierungsvetrag"
mit der Verpflichtung, die Bankbürgschaft bis zum 31.3.2012 vorzulegen.
OB Andreas Brand war offenbar sorgsam vorgegangen. Kurz vor Ablauf der
Frist entschied der Gemeinerat fast einstimmig am 26.3.2012, der Vertrag
mit Eicher solle gekündigt werden, wenn Eicher nicht auch innerhalb
einer Nachfrist bis zum 17.4.2012 die Bürgschaft vorlegen würde.
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Am 17. April 2012 lief auch
die Nachfrist ab, ohne dass Eicher eine Bankbürgschaft geliefert hätte.
Oberbürgermeister Andreas Brand wird den 1999 geschlossenen Vertrag
kündigen.
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Eicher scheint nach nach Art
vieler Esoteriker längst unter Realitätsverlust zu leiden. Er
verkündete, er werde jetzt "Anwälte einschalten". Kaum denkbar,
dass er das nicht schon längst getan hat.
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Eicher wird nach wie vor als
"Investor" bezeichnet. So war er genannt worden, weil die Stadt einen Investor
gesucht hatte. Nicht etwa, weil er je nachgewiesen hatte, entsprechende
Summen investieren zu können.
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Barbara Fülle hatte mit
ihrem Artikel den Stein nach sorgfältiger Recherche ins Rollen gebracht
und die Sache all die Jahre beobachtet. Sie zollte OB Andreas Brand
im Wochenblatt vom 19.4.2012 ihren Respekt. Er habe "so geschickt taktiert,
dass die Stadt Friedrichshafen nun nicht in die Fallstricke taumelt, an
denen 15 Jahre lang gedreht wurde. Das ist eine respekable Leistung".
"Colani-Therme"
hat die Stadt Friedrichshafen das Projekt von Anfang an genannt. Rechts
Ausschnitte aus dem Prospekt der Stadt von 1999 (zum Vergrössern
anklicken).
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Ein
verblüffender Vorgang: Auch in der jüngsten Verlautbarung der
Stadt Friedrichshafen vom November 2004 (>>)
wird wiederum der Zeichenkünstler Colani namentlich genannt,
aber kein Architekt. Dabei ist leicht erkennbar: Die Planung enthält
jede Menge architektonischer Probleme. Das macht die Planung und vor allem
die Kalkulation besonders schwierig.
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Architektonisch unproblematisch
dürften die beiden Wurstscheiben-Gebäude sein. Anders die Zwiebel-Gebäude.
Die sind von einiger Grösse und sollen ja auch genutzt werden
und nicht nur zur Zierde herumstehen. Das geht wohl nur als Beton-Konstruktion.
Machbar, aber sehr anspruchsvoll. Deshalb ist der Architekt von grosser
Bedeutung und nicht der Zeichner des Prospektes. Bisher scheint es noch
nicht einmal ein Modell zu geben.
Es bleibt das Geheimnis
des Gemeinderates, weshalb dieser ein derartig anspruchvolles Projekt
auf Grund von Prospekt-Zeichnungen beschlossen hat.
Die Stuttgarter Zeitung vom
15.03.2005 - http://www.pro-buergerbad.de/inhalt13.htm
- schrieb über "Eine esoterische Groteske am Bodensee".
Eine Groteske ist nicht
nur der esoterische Hintergrund. Auch die Planung kann man als solche bezeichnen.
Die STZ nennt das Ganze deshalb auch eine "kommunale Groteske". Inszeniert
hat diese zunächst ein CDU-Bürgermeister mit Hilfe des "Investors"
Eicher aus Zürich, im Hauptberuf angeblich Bauunternehmer. Über
Eicher schreibt die STZ, er habe "noch nie ein Bad, nur Häuser, Brücken
und eine Sternwarte gebaut". Inzwischen hat SPD-Mann Josef Büchelmeier
den CDU-Bürgermeister abgelöst. Die STZ: "Wiedmann war zwar weg,
aber sein Baubürgermeister Dieter Hornung (CDU) ... den Eingeweihte
als heimlichen Oberbürgermeister sehen ... zog weiter
die Strippen, unterstützt von der schwarzen Mehrheit im Rat."
Der STZ-Artikel schliesst
mit einer verspäteten Kampfansage des jetzigen Oberbürgermeisters:
"Büchelmeier
... ruft sich noch einmal die absurde Situation in Erinnerung: Es ist seine
Stadt, die ein Millionenprojekt mit einem Elfenfreund plant, der nicht
offen legt, was er bauen will, was er damit vorhat und womit er es bezahlt.
Jetzt hat er genug. "Wenn etwas so unseriös ist", sagt der frühere
Religionslehrer Büchelmeier und holt tief Luft, "dann will ich den
Ausstieg". Er ahnt, welche Kämpfe dieser Satz mit sich bringen wird."
Wer
ist Colani?
Der 1928 geborene Berliner
Lutz Colani nennt sich seit 1957 Luigi.
1988: Ernennung zum Professor
h.c. an der Bremer Universität.
1995: Professur an
der Tongji Universität in Shanghai.
2005: Die Ausstellung 'Colani
– Das Gesamtwerk' bleibt in der Karlsruhe Nancyhalle, der Vertrag zwischen
der Stadt Karlsruhe und der Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH sowie Colani
Design Germany wird verlängert.
Nach Durchsicht seiner Vita
drängt sich der Eindruck auf: Sein Ruf ist grösser, als sein
Werk.
Über Colanis Qualitäten
als Zeichenkünstler mag man im Übrigen unterschiedlicher Meinung
sein.
So viel ist jedenfalls sicher:
Colanis ist kein Architekt.
Colanis
antisemitische Äusserungen
Dazu auch: Esoterik:
Oft Extremismus und Antisemitismus enthalten
| Luigi Colani:
"Juden sind eben doch
nicht so gut, wie wir annehmen. Wenn die doof sind, dann sind sie pyramidal
doof".
Aus: Rassistische Vorfälle
in der Schweiz eine Chronologie.
Herausgeber: Stiftung gegen
Rassimus und Antisemitismus.
http://www.gra.ch/chron/chron_detail.asp?jahr=1994&monat=02
Bern/«Design Report»,
Februar 1994:
"Der in Bern wohnhafte Designer
Luigi Colani äussert sich in einem Interview über Nicolas Hajek:
«Der verdient zu leichtes Geld und meint, viel sei gut. Und da sind
Juden eben doch nicht so gut, wie wir annehmen. Wenn die doof sind, dann
sind sie pyramidal doof. » In der folgenden Nummer veröffentlicht
«Design Report» eine Stellungnahme der Hajek Engineering AG:
«Herr Hajek ist seitens Vater und Mutter Christ, sowie auch alle
seine früheren Ahnen bis zurück zu Adam und Eva und nicht - wie
erwähnt - Jude." |
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Ist
Eicher Geistheiler?
Am 3.2.2007 berichtete der
Suedkurier "Eicher ist 'spiritueller Heiler' ".
http://www.suedkurier.de/region/friedrichshafen/art1063,2435942.html
Damit hätten die "Befürchtungen
von Thermalbad-Gegnern, der Schweizer Investor Kurt Eicher möchte
im Gesundheitshotel in Fischbach eine Art Esoterikzentrum etablieren, neue
Nahrung erhalten".
Eicher sei Mitglied im Schweizerischen
Verband für Natürliches Heilen SVNH.
Über dessen interne
Auseinandersetzungen hatte am 19.1.2007 bereits der Esoterik-Experte Hugo
Stamm http://www.AGPF.de/Stamm-Esoterik.htm
im Tagesanzeiger Zürich berichtet unter http://tages-anzeiger.ch/dyn/news/schweiz/709860.html
berichtet: "Da wird sehr
grobstofflich und mit harten Bandagen gekämpft. Die Mitglieder werfen
sich gegenseitig Betrug, Mobbing, Manipulation und autoritäres Verhalten
vor". Das habe zur Gründung der Oppositionsbewegung Pro SVNH geführt.
In deren Website http://www.bewegung-pro-svnh.ch/comment01.html
heisst es (Stand 3.2.2007):
"Wer steht hinter
der Bewegung Pro SVNH?
wir sind eine Gruppe von
SVNH Mitgliedern, die den SVNH immer noch wichtig genug finden, um sich
dafür einzusetzen, dass der Verband und seine Strukturen erneuert
werden.( weiteres siehe unter "unsere Ziele") . Wir stellen uns vor:
...
Kurt Eicher, Brünigstr.
66, 8105 Watt, Bauunternehmer, spiritueller Heiler, ehemals Präsident
des Vereins "wise crystal" - des Vereins zur weiteren Untersuchung der
Wasserkristalle und -qualitäten mit, nach und im Sinne von Masaru
Emoto."
"Spiritueller Heiler" ist eine
andere Bezeichnung für Geistheiler.
Laut Südkurier wird
die Stadt Friedrichhafen Eicher "bis zur Sommerpause" 2007 einen vorläufigen
Bauvorbescheid ausstellen, so der Oberbürgermeister Josef Büchelmeier:
"Er hat uns zugesagt, fünf Monate nach Erteilung des Bauvorbescheids
die Finanzierung nachzuweisen". Spätestens bis Jahresende müsste
Eicher demnach eine Bankbürgschaft über 35 Millionen Euro vorlegen.
Es bestehen weiter Zweifel, dass Eicher das schafft, nachdem kürzlich
das Parallelprojekt in Blankenburg offenbar geplatzt ist (>>).
OB Büchelmeier äussert
jedoch weitere Bedenken:
"Ich möchte
wissen, wer dahinter steht, um auszuschließen, dass es Gelder aus
dubiosen Quellen sind. Und wir brauchen die Sicherheit, dass das Ganze
wirtschaftlich zu betreiben ist."
Das
Finanzierungskonzept fehlt noch immer
Am 6.11.2004 hat die Tageszeitung
Südkurier berichtet:
"Die Stadt zwischenzeitlich
das Bebauungsplanverfahren abgeschlossen. Der Bebauungsplan wurde mit seiner
Bekanntmachung am 1. Oktober 2004 rechtskräftig."
"Herr Eicher wird in den
nächsten Wochen zusammen mit einem Architektekturbüro, dem Star-Desig
Luigi Colani und weiteren Fachingenieuren die Bauantragsunterlagen erarbeiten
und zur Genehmigung vorlegen", teilt die städtische Pressestelle weiter
mit.
Weiter aus dem Südkurier
vom 6.11.2004:
"ln einem nächsten
Schritt will Eicher die Kostenermittlung verfeinern, die Wirtschaftlichkeitsberechnung
aktualisieren und prüfen und letztendlich ein Finanzierungskonzept
erstellen. Wie bereits mehrfach berichtet, muss vor Baubeginn eine selbstschuldnerische
Bankbürgschaft einer der Stadt genehmen Großbank oder eines
Versicherungsunternehmens in Höhe der anfallenden Baukosten zur Absicherung
der vollständigen Herstellung des Bauvorhabens vorgelegt werden".
Die
"momentane Sprachlosigkeit der Verwaltung"
Das Flugblatt rechts
der Bürgerinitiative Pro Bürgerbad kann durch Anklicken vergrössert
und dann auch ausgedruckt werden.
Es fordert: "Lassen Sie
nicht zu, dass Gras darüber wächst".
Was die dort angesprochene
"momentane Sprachlosigkeit der Verwaltung" angeht:
Der Oberbürgermeister
lehnt das Projekt ab (dazu mehr unten).
Das muss er derzeit nicht
dauernd wiederholen.
Die Verwaltung wiederum
hat die Beschlüsse des Gemeinderates auszuführen, der sich mehrheitlich
für das Projekt entschieden hat. Gegen den OB kann ein solches Projekt
auf Dauer wohl kaum durchgezogen werden. 2004 sind Wahlen. Also werden
die Befürworter des Projekts die Wahl eines anderen OB propagieren.
Der Projektbetreiber
Eicher kann inzwischen Bankbürgschaften zwecks Finanzierung des Projekts
beibringen.
Kommen diese Bürgschaften
oder ähnlich sichere Zusagen nicht, ist das Projekt ohnehin erledigt.
Denn Zweck des Projektes
ist es aus Sicht der Kommune, der Stadt ein kostenloses Thermalbad
ohne finanzielle Risiken zu verschaffen.
Es muss also verlangt
werden, dass rechtzeitig vor der Wahl gesicherte Finanzierungszusagen vorgelegt
werden.
Da geht es Eicher nicht
anders, wie jedem Häuslebauer.
Endgültige Entscheidungen
können erst getroffen werden, wenn man weiss, ob überhaupt eine
Finanzierung möglich ist. |
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Der
Bebauungsplan: Ufer versperrt?
Die Presse berichtet über
Kritik der Initiative "Pro Bürgerbad" den Bebauuungsplan. Demnach
wird der Zugang zum Bodensee behindert. Daneben ein Artikel aus dem
35 Kilometer entfernten Lindau: "Spenden für den Seezugang".
Die Stadt akzepriert die Bedeutung des Zuganges zum See für die Bürger,
hat aber kein Geld. Also wird gesammelt. Anders offenbar in Friedrichshafen:
Dort wird verrammelt.
Aus: Wochenblatt Friedrichshafen
vom 22.1.2004
Verschwiegen
Der Bebauungsplan zum Fischbacher
Seeufer, den der Häfler Gemeinderat im November abgesegnet hat, sorgt
weiterhin für Zündstoff. Der Plan entspreche nicht früheren
Zusagen der Stadt, kritisieren die beiden Sprecher der Initiative „Pro
Bürgerbad", Walter Sohn und Dr. Jochen Wiesener, in einem offenen
Brief. So sei etwa der Uferweg nicht mehr als öffentlicher Weg eingetragen.
Ein schwer wiegender Vorwurf: Denn damit hätte die Stadt in der öffentlichen
Diskussion verschwiegen, ein über 100 Jahre altes Naherholungsgebiet
für die Bürger unzugänglich zu machen. Auch seien in dem
Plan keine Freiluft-Schwimmbecken mehr vorgesehen. Jugendliche und Familien,
so folgern die Sprecher, seien als Sommerbadegäste also unerwünscht.
Darauf deute auch die drastische Reduzierung der Fahrradparkplätze
hin. |
Eicher
muss Bankbürgschaft über 35 Millionen Euro erbringen.
Südkurier vom 1.12.03
Therme nimmt nächste
Hürde
Gemeinderat segnet Bebauungsplan-Entwurf
ab
Das Thermalbad-Projekt in
Fischbach hat die nächste formale Hürde genommen: In seiner gestrigen
Sitzung stimmte der Gemeinderat mehrheitlich mit 24 Ja und 12 Nein-Stimmen
dem Entwurf des Bebauungsplans sowie dem Satzungsentwurf zu. Der Abstimmung
ging die Präsentation etlicher Gutachten voraus. An den grundsätzlichen
Positionen der Fraktionen zu dem Projekt änderte sich nichts. Das
Plan- und Zahlenwerk soll zwischen Dezember und Januar 2004 öffentlich
ausgelegt werden. Die Verwaltung geht davon aus, dass im Frühjahr
2004 der endgültige Satzungsbeschluss gefasst werden kann. Die notwendige
Entscheidung zur Änderung des Landschaftsschutzgebiets durch das Landratsamt
steht noch aus. (asa)
Der Kommentar:
Südkurier vom 2.12.03
Fragen bleiben
Das Thermalbad-Projekt,
durch Petitionen lange auf Eis gelegt, hat wieder Fahrt aufgenommen. Ob
das Mega-Projekt zu einem guten Ende kommt, bleibt jedoch auch nach der
gestrigen Gemeinderatssitzung weiter offen. Auf wichtige Fragen gibt es
trotz zahlreicher Gutachten weiterhin keine gesicherten Antworten, sondern
nur unterschiedliche Überzeugungen. Erreicht die Colani-Therme trotz
der starken Bäderkonkurrenz die prognostizierten Besucherzahlen? Lässt
es sich tatsächlich wirtschaftlich betreiben? Hält die sensible
Uferzone den Druck aus? Ist es realistisch, dass der prognostizierte Lärmpegel
nur unmerklich über dem heutigen liegt?
Aber vielleicht erledigen
sich diese Fragen in wenigen Monaten von selbst. Bevor ein Stein am Fischbacher
Ufer bewegt wird, muss Investor Eicher die Bankbürgschaft über
35 Millionen Euro erbringen. Schafft er dies nicht, fällt die Colani-Therme
wie ein Kartenhaus zusammen. Eicher hält sich bei Finanzierungsfragen
auffallend zurück. Für ihn wird bald die Zeit kommen, wo er Farbe
bekennen muss. |
Das
Verbraucherschutz-Interesse
Es spricht einiges dafür,
dass ein Esoterik-Zentrum von bisher nicht vorhandenen Ausmassen geplant
wird.
Es besteht der Verdacht,
dass sich hier ein Psychomarkt-Grossanbieter etablieren will, der von vornherein
die Werbewirksamkeit der Kooperation mit einer öffentlichen Einrichtung
und Zuschüsse aus Steuermitteln einkalkuliert.
Wenn das so ist und wenn
das Projekt ausgeführt wird, dann wird das erhebliche Auswirkungen
auf den Psychomarkt haben.
Die AGPF befasst sich satzungsgemäss
mit Verbraucherschutz auf dem Psychomarkt. Zum Verbraucherschutz gehört
insbesondere Markttransparenz. Die Angebote des Psychomarktes sind meist
eher undurchsichtig. Preis und Leistung sind oft kaum erkennbar. Der Kunde
muss sich letztlich auf die Werbung verlassen können. Diese ist allerdings
meist ebenso undurchsichtig. Deshalb spielt die Seriosität der Anbieter
eine erhebliche Rolle. Viele Anbieter versuchen, diese Seriosität
durch Anbindung an oder Berufung auf öffentliche Stellen zu verbessern.
Das funktioniert am Besten, wenn ein Anbieter mit einer öffentlichen
Einrichtung kooperiert. Bei der Eicher-Therme ist die Kooperation einer
öffentlichen Einrichtung mit Esoterik-Anbietern vorgesehen. Konkrete
Informationen über Angebote, Anbieter und Methoden wurden der Öffentlichkeit
bisher vorenthalten.
Chronologie
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Seit 1993 will die Gemeinde
Friedrichshafen in Fischbach am Bodenseeufer ein Thermalbad errichten.
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Es geht dabei nicht etwa nur
um eine private Investition. Es geht um eine mindestens halbstaatliche
Einrichtung.
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März 1999: Der Gemeinderat
diskutiert die Pläne von vier möglichen Investoren. Das Rennen
macht der Schweizer Investor Kurt Eicher mit dem Entwurf des Designers
Luigi Colani. Zum Thermal- und Freizeitbad ist auch ein "Therapie- und
Heilzentrum" mit 96 Zimmer geplant.
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November 1999: Kurt Eicher
unterschreibt den Rahmenvertrag mit der Stadt .
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Dezember 1999: Anfrage
der Grünen im Landtag wegen Zuschussregelung für Bäder.
Die Grünen sprechen von "sektenartigen Strukturen" bei Thermalbadinvestor
Kurt Eicher. Dieser und die Stadtverwaltung dementieren.
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Am 13.03.2003 berichtete
Barbara Fülle im Wochenblatt Friedrichshafen, was Eicher mit Gesundheitszentrum
meint: ein Esoterikzentrum.
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Am 17.3.2003 legt Eicher ein
Bekenntnis zur Esoterik ab (>>). Er bestätigt,
dass er von Rüdiger Dahlke "in allen Projektbelangen, die sich
auf eine ganzheitliche Gesundheitsfürsorge beziehen" beraten wird.
Dahlke ist einer der bekanntesten Vertreter der Esoterik-Branche. Die
Esoterik-Branche verdankt ihren Boom weitgehend der Behauptung, sie könne
positiven Einfluss auf die Gesundheit ausüben oder gar heilen. Deshalb
spielt Dahlke als Arzt innerhalb dieser Branche eine besondere Rolle.
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Am 19.3.2003 erwirkt Eicher
eine einstweilige Verfügung gegen Äusserungen von Barbara Fülle
im Wochenblatt.
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Am 23.3.2003 scheitert ein
Bürgerentscheid. Zwar haben sich 62% gegen das Projekt ausgesprochen,
aber die Beteiligung war zu gering.
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12.5.2003: Der OB erklärt
sich im Gemeinderat gegen das Projekt. Dem Vertrag erhält eine Verbraucherschutz-Klausel.
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15.5.2003: die einstweilige
Verfügung wird durch Vergleich erledigt.
Etora-Nachfolge?
Schon einmal gab es ein Esoterikzentrum
moderner Bauart: Das Etora-Therapie- und Seminarzentrum auf Lanzarote.
Seit dessen Schliessung 1997 müssen die Esoterik-Propagandisten mit
Altbauten oder Hotels vorlieb nehmen. Etora hatte wohl nicht zuletzt wegen
seiner modernen Architektur grossen Erfolg insbesondere bei der zahlungskräftigen
Klientel. Die Architektur war zudem symbolisch: Ein "Betonklotz in Pyramidenform"
(Goldner, siehe unten). Pyramiden spielen in der Esoterik eine besondere
Rolle. Auch Eichers Firmensitz wird durch "dreistöckige Pyramiden"
(>>) überragt.
Der Psychologe Colin Goldner
beschreibt die Aktivitäten des Esoterik-Marktes in einem Buch:
Colin Goldner: Die Psychoszene,
vgl. http://www.AGPF.de/Goldner.htm
Goldner beschreibt ausführlich
die Rolle des Rüdiger Dahlke als Promotor der "Friedensuniversität"
(S. 35 ff.): "Megaaufgebot des Abstrusen".
Auch Eicher erwähnt
dieses Projekt in seiner Stellungnahme, weil er "seit 1996 im Vorstand
der 'Fördergemeinschaft zur Gründung einer Friedensuniversität""
ist. Eicher behauptet: "Zur geistigen Schirmherrschaft der FGF gehören
18 Friedensnobelpreisträger ...". Was Eicher nicht erwähnt: Das
Projekt ist längst gescheitert.
Goldner beschreibt im Zusammenhang
mit der "Friedenuniversität" das Netzwerk der Esoteriker und deren
Schaffensorte. Wichtigster Ort war bis 1997 Etora, der "Vatikan des New
Age". Geistiger Vater des Personals war der Psycho-Astrologe Thorwald Dethlefsen
("Schicksal als Chance - Esoterische Psychologie, das Urwissen zur Vollkommenheit
des Menschen", 1979). Goldner bezeichnet Dahlke als Dethlefsens
"medizinischen Adlatus" (S. 127).
Das Etora-Seminarzentrum
steht heute zum Verkauf: http://www.scheurer.de/lanzarote/immo/immoge/etora.htm
Eichers
Bekenntnis
In seiner Stellungnahme (>>)
zu den Artikeln im Wochenblatt Friedrichshafen vom 13.03.2003 (>>)
bekennt Eicher sich zur Esoterik.
Die Artikel bezeichnet er
als "Schmähschrift", fühlt sich "an den Pranger gestellt".
Eicher übersieht dabei
geflissentlich: In den Artikeln geht es nicht um Eichers "Lebenseinstellung",
sondern darum, was in einer mindestens halbstaatlichen Einrichtung praktiziert
werden soll.
Dazu schreibt Eicher nichts.
Nichts darüber, welche
Art von Gesundheitsfürsorge in dem Gesundheitszentrum betrieben werden
soll.
Also muss man davon ausgehen,
dass es tatsächlich um Esoterik geht.
Vermutlich zwecks Verteidigung
seines Rufes gegen etwaige weitere "Schmähschriften" erwähnt
Eicher einige seiner früheren Bauprojekte und dass er schon jetzt
reich sei.
Soweit ersichtlich, hat
niemand Eicher als Bauprojektor angegriffen.
Die Kritik richtet sich
-
gegen die Bebauung des Bodenseeufers,
die hier nicht behandelt wird
und/oder
-
gegen die esoterische Ausrichtung
der künftigen Nutzung der geplanten Einrichtung.
Letzteres insbesondere deshalb,
weil es sich um ein öffentliches Projekt handelt.
Ein öffentliches Projekt
esoterischer Prägung hätte unvermeidlich erhebliche Werbewirkung
für die Esoterik.
Es wäre dies vermutlich
das erste öffentliche Projekt (zumindest dieser Grössenordnung),
welches mit Feng-Shui-Beratung durchgeführt würde.
Es ist sicher, dass dies
ein Vorzeigeobjekt der Esoterik-Branche und insbesondere der Feng-Shui-Berater
wäre.
Eicher bestätigt, dass
er Vizepräsident des Vereins "Wise Crystal" ist. In dessen
Beirat sitzt auch Rüdiger Dahlke.
Zunächst: "Wise" ist
eine Abkürzung und hat vermutlich nichts zu tun mit der Scientology-Einrichtung
gleichen Namens.
Laut Webseite http://www.menetekel.de/seminare/kristall/kristall.htm
bedeutet es "World Institute for Subtile Energies".
Dort kommunizieren angebliche
oder tatsächliche Wissenschaftler mit Wasser. Ergebnis:
"Das Wasser, aus
dem bekanntlich alle Lebewesen zu überwiegenden Teilen bestehen, reagierte
in allen Fällen heftig. Bedankten sich die Forscher, entstanden klare,
gut ausgeformte Eiskristalle, wie sich beim Einfrieren der Proben und anschließender
Untersuchung unter dem Mikroskop herausstellte. Beschimpften sie das Wasser,
entwickelten sich dunkle Löcher in der Mitte der Kristalle. Sie wirkten
zerstört. Diese überraschenden Ergebnisse waren ein Grund dafür,
daß sich Masaru Emoto und sein Forschungsteam entschlossen hatte,
in der Schweiz ein Forschungslabor einzurichten und den Verein "World Institute
for Subtile Energies" kurz "WISE Crystal" zu gründen. Zweck von WISE
Crystal ist die empirisch-wissenschaftliche Erforschung von subtilen ENERGIEN,
bezogen auf das Wasser, sowie die Veröffentlichung von Informationen
über diese Forschung und ihre Ergebnisse".
Eicher
und die "Friedensuniversität"
Eicher gibt an, seit 1996
im Vorstand der "Fördergemeinschaft zur Gründung einer Friedensuniversität"
zu sein (>>). Dabei handelte es sich nicht etwa
um eine Einrichtung, wie der Name glauben macht, sondern um eine überwiegend
esoterische Veranstaltung. Die hauptsächliche Leistung des Gründers
Uwe Morawetz bestand im "name dropping", im Einsammeln und Erwähnen
von Namen bekannter Personen. Die Bedeutung dieses name droppings lässt
sich leicht an der Tatsache erkennen, dass Eicher einige dieser Namen noch
heute benutzt, zum Beispiel den des Dalai Lama.
Der Stern (36/1995: Falsche
Freunde für den Frieden) berichtete über die geplante Veranstaltung
und zeigte den Dalai Lama neben Ashara, dem Führer der japanischen
Giftgas-Sekte Aum. Der Dalai Lama war offenbar schon damals auf name dropping
hereingefallen.
"Friedensuniversität"
darf der Verein sich laut TAZ vom 02.10.1995 nicht mehr nennen.
Merkt aber niemand, weil
nichts mehr darüber zu lesen ist.
Eicher erwähnt weiter
Marko Pogacnik als seinen Berater für "Geomantie" und definiert
"die moderne Geomantie" als "die Fähigkeit zur integralen Wahrnehmung
der materiellen und energetischen Qualität eines Ortes". Dieses Wissenschafts-Kauderwelsch
soll offenbar davon ablenken, dass es sich bei der "modernen Geomantie"
um eine der zahlreichen Erfindungen der Esoterik handelt. Jörg
Purner schreibt in einem Artikel, der dem eher wohlwollend gegenüber
steht, dass "es nicht verwundert, wenn uneingeweihte Kritiker bereits von
einer Art geomantischer Glaubensbewegung sprechen, welche die Auffassung
vertritt, 'alles ist Geomantie'". Geomantie wird meist zusammen mit Feng
Shui genannt, man kann also wohl die "Feng-Shui-Berater" auch als Geomanten
bezeichnen. All das sind ohnehin Begriffe und Bezeichnungen, die jeder
nach Belieben benutzen kann. Es geht letztlich um die "Vorstellung, der
Mensch müsse, um gesund und glücklich zu sein, sich und sein
Lebensumfeld in Einklang bringen mit der alldurchdringenden Vitalkraft
des Kosmos ... wodurch sich 'gutes' respektive 'schlechtes' Feng-Shui mit
entsprechendem Gesundheits- und Glücksbefinden des einzelnen einstelle",
so Colin Goldner, Die Psychoszene, Seite 397. Harald Lamprecht berichtet
(EZW-Materialdienst 1/2003 "Im Gespräch mit der Flussgöttin",
Bestellung über www.EZW-Berlin.de),
Pogacnik habe in während des Elbe-Hochwassers 2002 in Dresden mit
der Flussgöttin gesprochen und diese gefragt, was er den Dresdnern
als ihre Botschaft verkünden solle. Die angebliche Antwort: Die Flussgöttin
möchte mit uns zusammen die neue Zivilisation schaffen. Zum Hochwasser
hatte sie offenbar nichts zu sagen.
Eicher bezeichnet Prof. Dr.
Jes Lim als "Mein Feng Shui- Spezialist". Über die Herkunft
der Titel war bisher nichts in Erfahrung zu bringen. Als Berufsangabe wird
meist Unternehmensberater genannt. Ein Teilnehmer an einer Veranstaltung
des Jes Lim in Hamburg berichtet ("Gesund
mit kosmischer Energie"): "Jes Lim rät auch davon ab in
der Nähe von Friedhöfen zu wohnen, da wandernde Geister und eine
übermäßig starke Yin-Energie (sie steht unter anderem für
Dunkelheit, Passivität, Kälte) nicht für menschliche Siedlungen
geeignet sind. Das Gleiche gilt für Kirchen, Tempel oder andere Andachtsorte.
In der Nachbarschaft von Schlachthöfen herrschen Tod, Angst und Verzweiflung;
diese Orte sind ebenso zu meiden wie die Nähe von militärischen
Einrichtungen, Atomkraftwerken und ehemaligen Müllhalden".
Wer
ist der Investor?
Das Friedrichshafener Wochenblatt
hat am 20.3.2003 auf Seite 1 eine Gegendarstelllung des Kurt Fülle
abgedruckt. Hier ein Ausschnitt.
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Die Landtagsdrucksache
13/1111 vom 18. 07. 2002 enthält diverse Beschlussempfehlungen
und Berichte des Petitionsausschusses, so auch zu drei Petitionen zum Thema
Thermalbad Fischbach. Es geht in erster Linie um Bauplanungsrecht, Naturschutz
und Vogelschutz. Nach dem Bericht geht es um ein Thermal- und Erlebnisbad
und ein Hotel mit 180 Betten. Von Gesundheit ist keine Rede, noch viel
weniger von einem "Gesundheitszentrum".
In der Drucksache ist die
Rede von der "Neuordnung und Abgrenzung der überbaubaren Flächen
einschließlich der Höhenentwicklung entsprechend einem von dem
Investor Eicher vorgelegten Planungskonzept".
Kurz darauf heisst es: "Das
städtebauliche und architektonische Konzept geht im Wesentlichen auf
einen Gestaltungsentwurf zurück, den der von der Stadt nach Ausschreibung
ausgewählte Investor, die Firma E. Generalunternehmung AG,
zusammen mit dem Designer Prof. Luigi Colani erarbeitet hat."
Da stellt sich natürlich
die Frage, wer nun eigentlich der Investor ist, Kurt Eicher oder eine AG.
Diese Frage wird umso drängender, als weder Kurt Eicher noch die AG
mit einer normalen Recherche im Internet zu finden ist. Fündig wird
man erst im Handelsregister des Kantons Zürich (www.powernet.de).
Dort finden sich unter der Adresse Eichwatt 1 in 8105 Regensdorf gleich
diverse Eicher-Aktiengesellschaften. Das besagt allerdings wenig. Barbara
Fülle vom Friedrichshafener Wochenblatt wollte sich deshalb die Firma
Aedis Immobilien Management AG ansehen, "die mit der Stadt Friedrichshafen
unter Vertrag steht". Sie staunt: Die Firma "scheint aus Luft zu
bestehen. An Ort und Stelle befinden sich weder Firmenschild noch Klingel"
(20.3.03, "Nervöse Reaktionen").
Auf Seite 18 der Drucksache
heisst es dann: "Man müsse das Vorhaben aber auch auf seine Akzeptanz
hin prüfen, die einen guten Standort (direkt am See) bedinge. Unter
den 20 angeschriebenen Anbietern seien nur zwei gewesen, die ohne Zuzahlung
der Stadt zu investieren bereit gewesen seien."
Diese Bereitschaft kann
allerdings sehr unterschiedliche Gründe haben.
Auf
Seite 20 berichtet der "Bürgermeister H." (also nicht der jetzige
OB, sondern vermutlich der Baubürgermeister), "es gebe in Bezug auf
die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber dem Investor Grundsatzbeschlüsse
des Gemeinderats für den Investor und für das Projekt sowie einen
notariellen Vertrag auf Grund der Entwürfe (Verpflichtungsvertrag)
mit einer generellen Klausel, die in gewissem Umfang (der Höhe nach
begrenzt) zum gegenseitigen Schadensersatz verpflichte, falls das angestrebte
Ergebnis nicht zu Stande kommt. Es sei jedoch nicht so, dass eine Regresspflicht
entsteht, wenn das Rechtsschutzverfahren negativ ausgeht. Das Planungsrecht
sichere ab, wie letztlich gebaut werden kann. Das Grundstück bleibe
in öffentlicher Hand (Erbbaurecht). Die Stadt beabsichtige, im Frühjahr
nächsten Jahres wenn das Landratsamt über die Herausnahme
der Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet entschieden hat den
Satzungsbeschluss auf den Weg zu bringen".
Natürlich stellt sich
die Frage, ob das Gesundheitszentrum bereits in den Verträgen stand
und wenn ja, warum dies nicht im Bericht des Petitionsausschusses steht.
Es bedeutet wenig, dass das
Grundstück in öffentlicher Hand bleibe. Denn im Ernstfall bliebe
der Gemeinde kaum etwas anderes übrig, als den Komplex an fast jeden
Interessenten zu vergeben, der halbwegs glaubhaft verspricht, dessen Kosten
zu tragen.
In diesem Zusammenhang liest
man dann doch sehr genau die scheinbar humorige Bemerkung des Kurt Eicher
(>>): "Und falls noch irgendjemand auf die Idee
kommen sollte, ich mache das alles lediglich, um mir eine goldene Nase
zu verdienen: Die habe ich schon". Und: "Von den Wohn-Geschäfts- und
Hotelbauten, die ich realisiert habe, sind einige im Volumen von 55 Millionen
Euro in meinem Besitz."
Im Zusammenhang mit dem Naturschutz
hat man sich offenbar durchaus Gedanken über die mögliche Zukunft
gemacht:
"Für
die Abwägung ist weiterhin von Bedeutung, ob die Auswirkungen auf
den Naturhaushalt, insbesondere den Vogelzug, dauerhaft und rechtlich gesichert
so minimiert werden können, dass keine erheblichen Beeinträchtigungen
zu erwarten sind. Dies kann durch einen öffentlich-rechtlichen Vertrag,
der die Vorschläge des Gutachtens umsetzt, und durch dessen grundbuchrechtliche
Sicherung erreicht werden. Dadurch würden auch bei einer Veräußerung
des Geländes Rechtsnachfolger an die Vereinbarung gebunden".
Zum
Hotel heisst es im Bericht: "Was den Umfang des Hotelkomplexes (180 Betten)
angehe, müsse auch die Wirtschaftlichkeit stimmen."
Wohl wahr, denn vermutlich
soll der Hotelkomplex zur Rentabilität der gesamten Anlage beitragen
und die Gemeinde vor Folgekosten bewahren.
Angesichts der sich aufdrängenden
Fragen erscheint es fast schon belanglos, dass Colani sich in seiner Website
als der Architekt des Thermalbades darstellt: "Ein großes 80-Millionen-DM-Thermalbad
entsteht nach meinen Entwürfen in Friedrichshafen. Vor allen deutschen
Architekten habe ich die Ausschreibung gewonnen. Alles im Colani-Design
bis hin zu den Klos, Lichtschaltern, Türklinken etc."
So Colani zur Berliner
Zeitung vom 29.03.2000, Artikel: "Für das Surfmöbel habe
ich das Holz entmaterialisiert".
Eicher
ist nicht Investor, sondern Projektor
Eicher äusserte sich
in seiner Gegendarstellung mehrfach über seine Finanzen:
-
"Und falls noch irgendjemand
auf die Idee kommen sollte, ich mache das alles lediglich, um mir eine
goldene Nase zu verdienen: Die habe ich schon".
-
"Von den Wohn-Geschäfts-
und Hotelbauten, die ich realisiert habe, sind einige im Volumen von 55
Millionen Euro in meinem Besitz." (>>)
Diese Äusserungen wären
wohl belanglos, wenn sie nicht am 18.3.2003 veröffentlicht worden
wäre, also wenige Tage vor dem Bürgerentscheid vom 23.3.2003,
mit dem die Bürger das Projekt hätten stoppen können.
Wolfgang Boller schrieb im
Südkurier vom 13.5.2003 nach einer weiteren Gemeinderatssitzung. "Klar
ist seit dem letzten Thermalbadbeschluss nur, was längst klar war:
Die einen wollen ein Bad, das nichts kostet, den anderen ist's zu groß,
und der Sache mit den Gratis-Bad trauen sie nicht."
Die Finanzierungsfrage spielt
also sehr wohl eine Rolle beim Bürgerentscheid vom 23.03.2003. Allerdings
nicht ausdrücklich. Die den Bürgern vorgelegte Frage lautete:
"Sind Sie gegen den Bau des Thermal- und Erlebnisbades mit Gesundheitszentrum
in Friedrichshafen - Fischbach in der vom Gemeinderat der Stadt Friedrichshafen
am 15.11.1999 beschlossenen Konzeption?"
Es konnte also auf keinen
Fall schaden, wenn Eicher etwaige Zweifel an der Finanzierung unter Hinweis
auf seinen angeblichen Reichtum zerstreuen würde. Es ist auch keineswegs
ausgeschlossen, daß Eichers diesbezügliche Behauptungen zum
Ausgang des Bürgerentscheides beigetragen haben. Denn 62 % haben sich
gegen das Eicher-Projekt ausgesprochen und gescheitert ist der Bürgerentscheid
nur an zu geringer Beteiligung.
Einzelheiten über den
tatsächlichen Stand der Finanzierung konnte man später der Tagespresse
entnehmen.
Wolfgang Boller im
Südkurier vom 13.5.03 über die Gemeinderatssitzung vom 12.5.03
und die Stellungnahme des Fraktionschefs der Freien Wähler: "Zweifeln
an der Finanzierung trat er so entgegen: 'Sie müssen dem Investor
doch die Chance gegebn, mit einem konkreten Plan
zur Bank zu gehen' ".
Das muss man wohl so interpretieren,
dass Eicher nicht oder nicht überwiegend mit eigenem Geld finanzieren
will.
Der Begriff "Investor" wird
im allgemeinen auf Leute angewandt, die überwiegend eigenes Geld investieren.
In demselben Artikel heisst
es über eine Stellungnahme des Oberbürgermeisters (>>)
von Friedrichshafen, der sich in dieser Sitzung erstmals gegen das Eicher-Projekt
ausgesprochen hat: "Banken hätten ihm zur Finanzierung über Immobilienfonds
eher ernüchternde Auskünfte erteilt ...".
Diese Auskunft erklärt
auch, warum Eicher nicht wenigstens schon längst eine Finanzierungszusage
einer Bank vorgelegt hat.
Das bedeutet, dass man bisher
auf Eicher Zusagen über seine Finanzierungsmöglichkeiten vertraut
hat.
Und daraus ergibt sich letztlich
die Bedeutung von Eichers Behauptungen über seinen angeblichen Reichtum.
Wolfgang Boller zog das Fazit
in seinem Kommentar: "Der Beschluss brachte das Projekt nur einen kleinen
Schritt weiter: Das Bebauungsplanverfahren geht voran. Dann muss Eicher
mit Bau-, Geschäfts- und Finanzierungsplänen zeigen, ob ers packen
kann".
Das
Konkurrenzprojekt in Blankenburg im Harz: Finanzierung gescheitert
Die Harzer Volksstimme
berichtete am 3.3.2007:
"Stadtrat beschliesst.
Keine Verhandlungen mehr mit Solebad-Investor. Ausgeträumt - endgültig
Schluss mit Kurt Eicher".
Hintergrund: Die Presse
habe "widersprüchliche Aussagen" des Bürgermeisters wiedergegeben,
so ein Stadtrat. Deshalb sei ein Beschluss nötig.
Ein anderer Stadtrat: "Für
unsere Fraktion steht fest, dass im Dezember mit Eicher Schluss war. Dafür
brauchen wir keinen Beschluss. Wir sollten keine Leichen aus dem Keller
holen." Der Antrag erhielt dennoch eine grosse Mehrheit.
Der Beschluss:
"Der Stadtrat stellt
fest,dass nach Ablauf der für Herrn Kurt Eicher bzw. der für
seine Firmen bis zum 31.12.06 mehrfach verlängerten Option zur wirtschaftlichen
Nutzung der Flächen am Thiepark durch die Stadt keine weiteren Aktivitäten
ausgelöst werden, ihn bzw. seine Firmen in die Stadtentwicklung einzubeziehen."
Artikel in der Harzer Volksstimme
vom 10.1.2007:
"Schweizer Investor scheitert
an der Finanzierung der Gesundheitsterme".
Kurt Eicher habe dem
Bürgermeister per Brief mitgeteilt, die Finanzierung des Projekts
sei - so die Zeitung - "sowohl bei Banken, institutionellen Anlegern
wie auch bei Privatpersonen mit genügend Sicherheiten 'nicht darstellbar'
". am 13.1.2006 ,eldete der Südkurier nach einem Gespräch mit
Eicher, dieser wolle "dranbleiben". Der Blankenburger Bürgermeister
sagte, das Projekt werde wieder aufgenommen, wenn die Landesregierung von
sachsen-Anhalt künftig solche Projekte wieder "stärker unterstützen
wolle".
Gestern, am 25.2.2004, galt
der Titel "Kommunal-Groteske" vorwiegend der Idee, den Gemeinderat eine
Petition beschliessen zu lassen.
Einen Tag später sieht
das schon anders aus.
Bürgermeister Frank
Schade: Kurt Eicher habe seinen Anteil am 50-Millionen-Euro-Vorhaben zusammen,
so die"Harzer Volksstimme" (>>).
Demgegenüber der Sprecher
des Magdeburger Wirtschaftsministeriums: „Kein Investor, keine finanziell
gesicherte Eigenbeteiligung, kein ausreichend aufgebrachtes Privatkapital
- demnach kann es keine Fördermittel geben".
Und: „Selbst wenn es einen
privaten Investor gäbe, auch dann wäre genau zu prüfen,
ob das Thermenprojekt nicht unabsehbare Folgekosten für Stadt und
Land nach sich ziehen könnte."
Zusätzlicher Hintergrund
der Ablehnung: Das Land Sachsen-Anhalt hatte bereits im Oktober 2003 die
Förderrichtlinien geändert. "Gewerbliche Tourismusprojekte" dieser
Art würden - wenn überhaupt - nur noch mit 25 % gefördert.
Wirtschaftsminister Rehberg laut "Volksstimme" vom 5.3.04: Es sei "nicht
mehr verantwortbar, dass erst zig Millionen Euro öffentliche Mittel
beispielsweise in Spaßbäder gesteckt werden und dann nach zwei,
drei Jahren nur Investruinen übrig bleiben". Voraussetzung sei im
übrigen, so die Zeitung, dass "der Investor seinen Eigenanteil überzeugend
darstellen könne". Der Investor muss also beweisen, dass ihm das Geld
im richtigen Moment auch zur Verfügung stehen wird. Die Kurzformel
"Eigenanteil überzeugend darstellen" nimmt darauf Rücksicht,
dass niemand Millionenbeträge einfach herumliegen hat und niemand
seine Finanzierungsgeheimnisse offenlegen muss. Üblicherweise wird
deshalb eine Bankbürgschaft (>>) erbracht.
Die Bank kennt die Finanzierungsgeheimnisse und unterliegt dem Bankgeheimniss.
Die Bank gibt nur dann eine Bürgschaft, wenn sie entsprechende Sicherheiten
hat. Wenn also eine Bankbürgschaft vorgelegt wird, gilt der Eigenanteil
als überzeugend dargestellt. Dies und die Änderung der Förderungsrichtlinien
war dem Bürgermeister entweder bekannt. Dann hat er die Gemeinde falsch
informiert. Oder es war ihm nicht bekannt. Dann liegt offensichtliche Unfähigkeit
vor.
Eicher plant ein weitgehend
identisches Projekt auch in Blankenburg im Harz: "Sole-Therme mit Gesundheitszentrum
in Blankenburg".
Auch dort stammt der Entwurf
von Colani und scheint fast identisch mit dem von Friedrichshafen zu sein.
Nach einem Bericht in der
"Seewoche" vom 7.5.2003 geht es auch dort um "ganzheitliche Erholungs-
und Gesundheitsangebote".
Ob der Esoteriker Eicher
allerdings auch dort weitere Esoteriker als Berater hinzuziehen will, ist
unklar.
Dennoch stellt sich die
Frage, ob Eicher Friedrichshafen schon aufgegeben hat und Blankenburg der
Ersatz sein soll.
Oder ob er glaubt, dass
der Markt mehrere Standorte diese Grösse und Art verträgt.
Auch dort tritt Eicher offenbar
als Investor auf.
Wenn Eicher aber in Wahrheit
kaum eigenes Geld investiert, sondern überwiegend auf Geldbeschaffung
angewiesen ist, wird das neue Projekt ein zusätzliches Risiko für
die Finanzierung des Friedrichhafener Projektes.
Vielleicht will Eicher aber
auch nur die Gemeinde Friedrichshafen unter Druck setzen. |
 |
Für das Blankenburg-Projekt
wurden 50 Millionen Euro an Fördermittel beantragt.
Der Antrag wurde abgelehnt.
Für den 1.3.2004 hat
der Stadtrat deshalb eine Sondersitzung anberaumt, in der es nach der veröffentlichten
Tagesordnung um lauter "wichtige Angelegenheiten geht. Einziger konkreter
Tagesordnungpunkt:
"Petition des
Stadtrates Blankenburg (Harz) gegen die Ablehnung von Fördermittelbescheiden
zu wichtigen Investitionen in Blankenburg (Harz)".
Es scheint sich wohl eher um
eine Kommunal-Groteske zu handeln, deren Gegenstand man schamhaft
verschweigen möchte und dabei sogar riskiert, dass die Einladung in
Ermangelung des konkreten Verhandlungsgegenstandes unwirksam ist und dass
in der Folge auch die Beschlüsse angreifbar wären. Vielleicht
denkt man ja, man köne nicht viel falsch machen, weil nach den Grundgesetz
die Volksvertretung nicht als Absender von Petitionen vorgesehen ist, sondern
als Adressat. Artikel 17 Grundgesetz lautet nämlich: "Jedermann hat
das Recht, sich einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen schriftlich mit
Bitten oder Beschwerden an die zuständigen Stellen und an die Volksvertretung
zu wenden". Vielleicht wollen die Volksvertreter als Jedermann auftreten
und einen etwaigen Beschluss privat ausführen. Oder man beschliesst
dann etwas ganz anderes. Denn die Tagesordnung enthält ja schliesslich
auch die Punkte "Feststellung der Ordnungsgemässheit der Einberufung"
und "Änderungsanträge zur Tagesordnung und Feststellung der Tagesordnung".
Dabei geht es nicht einmal
nur um den Bau.
Denn noch nicht einmal die
Finanzierung der Solebohrung ist offenbar gesichert, die um die 4 Millionen
Euro kosten würde. Die Investoren haben sich offenbar geweigert, das
zu bezahlen. Die Kommune hat kein Geld und darf deshalb einen Auftrag nur
erteilen, wenn anderweitige Förderung zu etwa 90 % gesichert ist. |
PROJEKT-TEAM
A. Promotion, Konzepte
und Realisierung
AEDIS Immobilien Management
AG
Eichwatt 1, CH-8105 Regensdorf-Zürich
Tel: 0041-433 886 113, Fax.
0041-433 886 130
Projektverantwortung: Kurt
Eicher, Dipl. Bauingenieur/ Dipl Baumeister Präsident des Verwaltungsrates
Partnerunternehmungen sind:
- Eicher Generalunternehmung
AG CH-8105 Regensdorf-Zürich
- Eicher Immobilien AG CH-8105
Regensdorf-Zürich
- K Eicher Bauunternehmung
AG CH-8105 Regensdorf-Zürich
B. Künstlerische
Gestaltung
Prof. Luigi Colani Colani
Design GmbH
Gewerbering 2-4 D-76149
Karlsruhe-Neureut
Formenphilosoph und Design-Professor
Industriedesign und Architektur
Flugzeug- und Automobilbau
C. Architekt
NAGEL Architekten + Ingenieure
Dipl Ing Architekt Winfried Nagel Marktstrasse 46 D-88212 Ravensburg
D. Grundlagenentwicklung
und Marketing
Agentur für-Senioren
Marketing Clauspeter Hannemann
Prof.-Max-Lange-Platz 6
D-83646 Bad Tölz
Vital life Projects Babette
Reitz
Marktstrasse 46 D-88212
Ravensburg
E. Finanzierungs-Beratung
Ally Management Group AG
Martin Hellweg Patrick Hubert-Flotho Bergstrasse 32 CH-8044 Zürich |
Harzer
Volksstimme 26.2.2004
Blankenburgs Sole-Thermenprojekt
droht das Aus
Sondersitzung des Stadtrats
einberufen
Von altem Kaffee und
neuen Sorgen
Bildunterschrift: Bürgermeister
Frank Schade (links) und der Züricher Kurt Eicher präsentierten
Blankenburgs Stadträten im vorigen April das Thermen-Pro|ekt. Während
der Präsentation wurde auch diese Computeransicht vorgestellt.
Erneut droht ein für
Blankenburg wichtiges Projekt zu scheitern. Das Vorhaben, eine Sole-Therme,
ein Kurgastzentrum, dazu Hotel- sowie Beauty- und Wellnessangebote zu errichten,
wird am Montag zum Thema einer Sonder-Ratssitzung. In einer Resolution
wollen die Abgeordneten das Wirtschaftsministerium aufrufen, die für
eine Kurstadt wichtigen Pläne weiter zu unterstützen.
Von Tom Koch und Ulrich
Baxmann
Blankenburg. Man glaubt,
alles schon erlebt zu haben. Erst wird ein gigantisches Projekt vorgestellt,
dann folgt eine Iange Weile nichts, dem schließen
sich bange Wochen und Monate des Hoffens und Vertröstens an, und dann
platzen all die angekündigten Vorhaben wie eine Seifenblase.
Nein, hier wird nicht die
alte Geschichte des verglühten Planet Harz aufgewärmt, die Blankenburg
angeblich eine 230 Euro-Investition bescheren sollte: Wellness-Oasen, Hotels,
Golfplätze, sogar eine Musical-Spielstätte für die kein
geringerer als Hollywood-Musiker Enio Moricone ein „Hexical" erschaffen
sollte...
Doch das ist alter Kaffee,
Blankenburgs Bürgermeister Frank Schade plagen derzeit neue Sorgen.
Obwohl das aktuelle Vorhaben nur ein Fünftel des „Planeten" kosten
soll, sind die Probleme praktisch genauso groß wie seinerzeit: Es
fehlt am Geld. Während im April 2000 der fünf Jahre lang geträumte
Plantentraum wegen fehlenden eigenen Geldes von Projektmacher Wilfried
Hampe zerstieb heißt es jetzt, das fehlende Eigenkapital wäre
nicht das Problem.
Problem mit dem Land
Der aus Zürich stammende
Kurt Eicher habe seinen Anteil am 50-Millionen-Euro-Vorhaben für die
von Stardesigner Luigi Colani entworfene Sole-Therme, Kurgastzentrum, Hotel
sowie Schönheits- und Gesundheitsangebote zusammen. Das erklärt
zumindest Frank Schade auf Volksstimme-Nachfrage. Im aktuellen
Fall seien vielmehr die Projektfinanzierung das Problem und die Landesregierung.
Mit der Entscheidung des Wirtschaftsministeriums, künftig mit dem
Geld der Steuerzahler nicht mehr touristische Vorhaben, nur noch Projekte
im produzierenden Bereich zu fördern, werde nicht nur Blankenburg
geschadet meint der Bürgermeister. Projekte etwa in Hasselfelde oder
in Thale stünden nun ebenso auf der Kippe.
Dazu erklart Rainer Lampe:
„Kein Investor, keine finanziell gesicherte Eigenbeteiligung, kein ausreichend
aufgebrachtes Privatkapital - demnach kann es keine Fördermittel geben".
Der Sprecher des Magdeburger Wirtschaftsministeriums sagt gegenüber
der Harzer Volksstimme aber auch: „Selbst wenn es einen privaten Investor
gäbe, auch dann wäre genau zu prüfen, ob das Thermenprojekt
nicht unabsehbare Folgekosten für Stadt und Land nach sich ziehen
könnte."
Kein Investor, kein Geld
Die Pleite der Staßfurter
Salzlandtherme nach kurzer Betriebszeit belaste den städtischen Haushalt
enorm. Auch das Magdeburger Spaßbad habe die erste Insolvenz hinter
sich, und der wirtschaftliche Betrieb bereite den Investoren derzeit auch
nur wenig Spaß... Davon will sich Bürgermeister Frank Schade
nicht beirren lassen sondern "mit ganzer Kraft" ein Scheitern des Thermen-Kurgastzentrum-Projektes
verhindern. Unterstützung erhofft sich das Stadtoberhaupt dabei von
den Abgeordneten. Diese kommen am Montagabend zur Sondersitzung zusammen,
um eine Resolution zu verabschieden, in der sie sich gegen die Ablehnung
von Fördergeldern für die Vorhaben "Harz-Zeit" und "Sole-Therme
mit Gesundheitszentrum" aussprechen werden.
Dieter Böhnki (SPD)
wies gestern auf Nachfrage darauf hin, dass es seine Partei war, die die
Initiative für die Sondersitzung ergriffen habe. Birgit Kayser, CDU-Fraktionschefin
im Stadtrat, kündigte die Zustimmung ihrer Kollegen zur Petition an.
PDS-Ratsfraktionschef Joachim Pflaumbaum erneuerte angesichts der Ablehnung
der "Harz-Zeit" noch einmal die Bedenken seiner Partei gegen den geplanten
Schießplatz im Heers. Pflaumbaum sprach sich daher für eine
"differenzierte Betrachtung" des Projekts aus.
Vor der Sondersitzung, am
Wochenende, wird der Bürgermeister wieder unterwegs sein, um für
das Projekt zu werben. Vergleiche mit dem verglühten "Planeten" weist
Schade von sich. Genausowenig, so der Blankenburger, könne das aktuelle
Vorhaben in Einzelprojekte "zerstückelt" werden. Die Bestandteile
würden einander bedingen, was nütze ein Beautyhotel, wenn
man keinen Whirlpool vorweisen könne.
Optimismus bis zuletzt
Der Bürgermeister gibt
sich optimistisch, das Thermenprojekt trotz Zeitverzugs und akuter Finanzprobleme
noch auf den Weg zu bringen. "Wir bekommen das hin." Schon einmal hatte
ein Stadtoberhaupt immer und immer wieder erklärt, das Vorhaben werde
gelingen. Bürgermeister Heinz Behrens verknüpfte seine Zukunft
im Blankenburger Rathaus mit dem "Planet Harz". Er wurde abgewählt.
Seite 1
|
Der Oberbürgermeister
In der Südwest Presse
vom 24.3.03 (>>) heisst es:
"Der Widerstand
gegen die Pläne ist groß. Bei der Wahl 2001 wurde Oberbürgermeister
Bernd Wiedmann (CDU), der sich für den Bau einsetzte, abgewählt.
Sieger war Josef Büchelmeier, dessen SPD das Projekt ablehnt. ...
Büchelmeier hat sich
früher für eine kleinere Lösung ausgesprochen, inzwischen
hat er sich als OB Neutralität verordnet. Er setzte sich aber dafür
ein, dass die Bürger über den Plan entscheiden."
In der Gemeinderatssitzung vom
12.5.2003 hat OB Büchelmeier seine selbstgewählte Neutralität
aufgegeben und sich gegen das Projekt ausgesprochen.
Über die Erklärung
des OB heisst es im Südkurier vom 13.5.2003:
"Büchelmeier
... hatte erklärt, er werde gegen das Bad in der vorgesehenen Form
zu stimmen. Es sei sein Recht, Sorge zu haben um den Gemeindefrieden, die
Natur, die Finanzierung und die Nutzung. Banken hätten ihm zur Finanzierung
über Immobilienfonds eher ernüchternde Auskünfte erteilt,
das eine oder andere Bekenntnis Eichers zu Heilmethoden habe bei ihm gemischte
Gefühle ausgelöst und die Einzigartigkeit sei nicht mehr gegeben,
weil Eicher Ähnliches im Harz plant. Der Wille der Bürger müsse
ernster genommen werden, so Büchelmeier."
Was der OB genau gesagt hat,
kann nur das Protokoll ergeben. Dass er vorsichtig sein musste, ergibt
sich schon daraus, dass bereits im Notarvertrag mögliche Schadensersatzansprüche
geregelt wurden (>>). Diese Verträge
hat der OB bei Amtsantritt vorgefunden. Er muss also gute Gründe haben,
wenn er später gegen das Propjekt stimmt. Er hat dies laut Zeitungsbericht
damit begründet, "es sei sein Recht, Sorge zu haben um den Gemeindefrieden,
die Natur, die Finanzierung und die Nutzung". Er wird nach fast zwei Jahren
Amtserfahrung wissen, dass er im Streitfall dem Gericht seinen Sorgenkatalog
vorlegen muss. Dass OB Büchelmeier sich vorsichtig äussert, kann
durchaus auch auf den Verpflichtungen beruhen, die ein solcher Vetrag nun
einmal mit sich bringt.
Im Kommentar zu dem Bericht
vom Südkurier vom 13.5.2003 heisst es:
"Nicht absehbar
sind die politischen Konsequenzen: Ob die Bürger, die gegen das Bad
gestimmt haben, mittragen, dass ihr Votum von CDU und FW ignoriert wurde?
Nächstes Jahr sind Wahlen."
Das werden auch diejenigen zu
berücksichtigen wissen, die jetzt noch Eichers "Chance, mit einem
konkreten Plan zur Bank zu gehen" (>>) höher
einschätzen, als den Gemeindefrieden.
Der
Prozess
Die Schwäbische Zeitung
vom 3.3.06 hat über einen offenen Brief der Gruppe "Bürger Aktiv"
an den Baden-Würrtembergischen Ministerpräsidenten Oettinger
berichtet und auch den Bürgermeister von Friedrichshafen dazu gefragt.
Die Zeitung:
"Oberbürgermeister
Josef Büchelmeier verweist auf den Gemeinderatsbeschluss für
das von Eicher geplante Thermalbad, an den man gebunden sei. Er selbst
habe bereits öffentlich gegen das Thermalbad in der momentan geplanten
Form gestimmt und wolle die Bitte von Bürger Aktiv, sich gegen ein
Esoterikzentrum zu engagieren, in die Gremien bringen. "Tatsache" sei laut
OB, dass "der Esoterikvorwurf in dem Prozess damals weder bestätigt
noch widerlegt worden ist, da das Verfahren eingestellt wurde."
Mit dem Verfahren ist vermutlich
der Prozess Eicher gegen das "Wochenblatt" gemeint (>>),
mit dem Eicher vermutlich die kritische Berichterstattung unterbinden wollte.
Das Verfahren ist allerdings nicht "eingestellt" worden. Vielmehr wurde
ein Vergleich geschlossen. Eicher hat also seine ursprünglichen Forderungen
offenbar nicht für durchsetzbar gehalten.
Eicher hatte gegen den Bericht
im Wochenblatt eine einstweilige Verfügung erwirkt. Das ist meist
recht einfach und geht schnell. Der Kläger geht kein besonderes finanzielles
Risiko ein, weil der Schaden, der einer Zeitung dadurch entsteht, dass
sie bestimmte Formulierungen nicht mehr benutzen darf, finanziell nicht
bezifferbar ist. Der Vorteil hingegen kann gross sein, weil darüber
berichtet wird. Tatsache ist ausserdem, dass dem "Wochenblatt" und der
Journalistin Fülle zeitweilig ein Mauklkorb umgehängt war. Zumindest
zeitweilig bestand also der Verdacht, die Journalistin hätte nicht
sorgfältig genug recherchiert.
Die Zeitung hat Widerspruch
gegen die einstweilige Verfügung erhoben.
Der Ausgang des Verfahrens
veranlasste den Journalisten Andreas Ambrosius zu der Formulierung
"Vorhang zu, alle Fragen offen" (>>).
In der Verhandlung meinte
der Richter, nach dem Ausgang des Bürgerentscheides und der erneuten
Gemeinderatsentscheidung sei sehr viel Druck aus der Sache gewichen. Also
wurde ein Vergleich geschlossen.
Der Wochenblatt-Anwalt zu
diesem Vergleich: Im Prinzip könne jedes Wort erneut so abgedruckt
werden. Der Gründer seines Stuttgarter Büros war Martin Löffler,
jahrzehntelang der wichtigste Kommentator des Presserechts. Partner war
dann Karl-Egbert Wenzel, Erfinder des Begriffs "Äusserungsrecht" und
Autor des jahrzehntelang wichtigsten Kommentars zu diesem Thema. Wer in
einem solchen Büro arbeitet, hat einen Ruf und kann ihn verlieren.
Es ist kein Grund ersichtlich, an seinen Worten zu zweifeln.
Der Richter meinte, es gehe
in diesem Verfahren nicht darum, ob eicher einer Sekte angehöre oder
nicht.
Gegenstand des Verfahrens
sei die Frage, ob Verbindungen oder Kontakte zu Personen aus diesen Kreisen
bestünden.
Die einstweilige Verfügung
des Landgerichts Ravensburg (Aktenzeichen 4 O 104/03) vom 19.3.2003
enthielt einen ganzen Katalog von untersagten Äusserungen. Die Verfügung
war ohne mündliche Verhandlung ergangen. Das Gericht hatte also die
Klage nur "summarisch" geprüft. Demnach durfte die Zeitung u.a. die
Äusserungen aus dem Wochenblatt Friedrichshafen vom 13.03.2003 (>>)
nicht mehr wiederholen, Eichers Berater
-
seien "Sektierer der Psychoszene"
-
machten mit okkkultem Wirrsinn
Kasse
-
rekrutierten sich aus einem
Sekten- und Psychogruppensumpf, in dem Herr Eicher seit Jahren wate.
Diese Entscheidung vom 19.3.2003
erging kurz vor dem Bürgerentscheid vom 23.3.2003.
Zum Zeitpunkt der mündlichen
Verhandlung hatte sie somit den vermutlichen Zweck bereits erfüllt.
Ein Verglich war deshalb
zu erwarten.
Zumal sich inzwischen ja
erwiesen hatte, dass es für diese Äusserungen genügend Anhaltspunkte
gab, diese also keineswegs aus der Luft gegriffen waren, nur um Eicher
zu schädigen. Das wäre nämlich eine unzulässige "Schmähkritik"
gewesen. Jenseits dessen war nur zu prüfen, ob es sich um eine Meinungsäusserung
gehandelt hat. Eine solche kann wegen des Grundrechts der Meinungsfreiheit
niemals verboten werden. Oder ob diese auch einen "Tatsachenkern" enthalten
habe, dessen Beweisbarkeit dann zu prüfen gewesen wäre.
Die
Verbraucherschutz-Erklärung
Am 6.5.2003 hat Eicher in
einem Schreiben an den Oberbürgermeister die folgende Erklärung
abgegeben:
"Regensdorf, 06.
Mai 2003
Thermal- und Erlebnisbad
mit Gesundheitszentrum
Sehr geehrter Herr Büchelmeier
.....
Um letzte auch unberechtigte
Zweifel in der Öffentlichkeit auszuräumen, das Projekt unbelastet
von Sektenvorwürfen durchzuführen und die ordnungsgemässe
Betriebsführung des Projekts in Zukunft zu sichern geben wir, Eicher
Generalunternehmung AG Regensdorf, Aedis Immobilien Management AG Regensdorf
sowie Kurt Eicher Regensdorf, folgende persönliche Erklärung
ab.
Erklärung des Investors
Der Investor versichert,
dass er weder in der Vergangenheit noch gegenwärtig Mitglied oder
Anhänger der Church of Scientology oder einer anderen Sekte war, von
der nach Einschätzung einer staatlichen Stelle Gefahren für die
öffentliche Sicherheit oder Ordnung ausgehen.
Eine Zusatzvereinbarung
über die inhaltliche Philosophie wird In den Hauptverträgen ergänzt
und notariell beurkundet
Mit freundlichen Grüssen
Eicher Generalunternehmung AG
Kurt Eicher"
Ausserdem wurde offenbar
zwischen den Beteiligten eine Zusatzvereinbarung abgeschlossen.
Hier liegt davon allerdings
nur die erste Seite ohne Datum vor und ausserdem wurde der Vertrag - soweit
ersichtlich - nie veröffentlicht.
Deshalb kann darüber
nur mit Vorbehalt berichtet werden.
Insbesondere ist nicht
feststellbar, welche Sanktionen bei Verstössen vorgehen sind.
Zusatzvereinbarung
zwischen
1. der Fa. Eicher Generalunternehmung
AG Eichwatt 1, CH-8105 Watt-Regensdorf
und
2. der Fa. Aedis Immobilien
Management AG, Mellingerstrasse 107, CH-5405 Baden-Dättwil
und der
3. Stadt Friedrichshafen,
Adenauerplatz 1 DE- 88045 Friedrichshafen
1. Vorbemerkungen
Die Beteiligten haben mit
notariellen Verträgen vom 01.12.1999, URNO Nr. 1566/1999 einen Rahmenvertrag
über den Bau und Betrieb eines Thermal-und Erlebnisbades mit Gesundheitszentrum
sowie ein Angebot zum Abschluss eines Erbbaurechts- und Pachtvertrages
geschlossen. Auf diese Urkunden wird inhaltlich Bezug genommen.
2. Zusatzvereinbarung
Inhaltliche Philosophie
§1
Das Projekt „Thermal- und
Ertebnisbad mit Gesundheitszentrum in Fischbach" soll die Menschen wieder
an ihre Heilungsprozesse und ihre eigene Schönheit, Natürlichkeit
und Individualität heranführen.
Es wird nur Heilmethoden
Raum gegeben, die Gesundheit, Autonomie und Selbstverantwortung des Einzelnen
fördern.
Die Beteiligten zu 1) und
2) verpflichten sich, keine Heilmethoden anzuwenden, die
mit Manipulationstechniken physisch
oder psychische Abhängigkeiten erzeugen,
gesetzlich nicht erlaubt sind
nach gefestigter Rechtsprechung
gesundheitsschädlich sind.
§2
§ 6 des Erbbaurechtsvertrages
wird dahingehend geändert, dass eine Vermietung und/oder Verpachtung
und Untervermietung, jeweils auch in Teilen, gestattet ist, wenn sichergestellt
ist, dass der Untermieter/-pächter die Verpflichtung aus § 1
dieser Vereinbarung gegenüber der Stadt …. |
Dieser
Vertrag könnte künftig bundesweit und international zum Vorbild
werden für die Gestaltung von Verträgen zwischen öffentlichen
Einrichtungen und privaten Anbietern, wenn es um Fragen der Gesundheit
geht.
Denn damit wird die Tätigkeit
des Gesundheitszentrums auch inhaltlich der öffentlichen Kontrolle
unterworfen.
Gemeint ist damit nicht
der Vertrag mit seinem derzeitigen Inhalt.
Der lässt sich noch
nicht abschliessend beurteilen.
Gemeint ist vielmehr
der Grundsatz:
Was der Vertrag für
diesen konkreten Einzelfall bedeutet, ist derzeit aber noch nicht abzuschätzen.
Insbesondere bleibt abzuwarten,
ob Sanktionen vereinbart wurden und wenn ja, welche.
Fraglich ist auch, ob der
Begriff "Heilmethoden" sinnvoll ist.
Denn daraus könnte
man schliessen, dass gesundheitsschädliche, manipulative und verbotene
Methoden dann erlaubt seinsollen, wenn es sich nicht um Heilmehtoden handelt.
Hinzu kommt, dass der Begriff
"Heilmehtoden keineswegs gägngi ist und deshalb ausgelegt und ausgefüllt
werden muss.
Das kann im einzelfall schwierig
werden.
Als wichtigstes Problem könnte
sich erweisen, dass der Betreiber stets behaupten kann, ohne das jeweilige
Angebot würde die Einrichtung pleite gehen. Dann würde möglicherweise
die Kommune auf dem Schaden sitzen bleiben. Deshalb lässt sich die
Bedeutung dieser Vereinbarung nicht ohne Kenntnis der weiteren Veträge
abschätzen.
Gesundheit
oder Wellness?
Das Friedrichshafener Wochenblatt
berichtete am 20.3.2003:
"Mit einer Bankrotterklärung
trat die ... Stadtspitze nach unseren Veröffentlichungen an die Presse:
"Weder die Stadt Friedrichhafen noch irgend jemand sonst wird in der Lage
sein", schreiben OB Josef Büchelmeier und Baubürgermeister Dieter
Hornung, "über den medizinischen Nutzwert dieser Methoden abschliessend
und objekiv zu urteilen". Gemeint sind die Angebote in Eichers Gesundheitszentrum."
Welche Methoden auch immer gemeint
sind: Es gibt nichts, worüber ein Gutachter nicht ein abschliessendes
und objektives Urteil abgeben kann.
Schliesslich gibt es auch
in den Universitäten Experten zum Beispiel für Naturheilkunde.
Im Zweifel lautet dieses
Urteil dann eben, dass ein medizinischer Nutzwert nicht erkennbar sei.
Dann müsste man wohl
auf den Begriff "Gesundheitszentrum" verzichten.
Deshalb benutzen viele esoterisch
angehauchter Einrichtungen auch lieber den Begriff "Wellness".
Wellness heisst zwar auch
Gesundheit, aber eben auch im Sinne von Wohlfühlen.
Das Problem scheint aber
zu sein, dass ein ganz normales Thermalbad für einen erheblichen Teil
der Bevölkerung hinreichend Wellness vermitteln würde. Deshalb
fordern die ja gerade das "Bürgerbad", also ein Bad ohne Gesundheitszentrum.
Aus:
http://www.gruene.de/friedrichshafen/Aktuell.htm
Standpunkte zur Kommunalpolitik
Thermalbad Fischbach
Mittlerweile - im Oktober
2001 - mehren sich die Stimmen in FN, dass es auch anders gehen könnte
als mit den alten zweifelhaften Planungen. Ein modernisiertes Familienbad
mit Saunalandschaft unter Nutzung des Thermalwassers - eine Alternativlösung
der wir von Anfang positiv gegenüberstanden:
Wir können uns glücklich
schätzen, solch ein Juwel wie das Frei-/ Seebad in Fischbach mit unseren
Familien nutzen zu können. Es wäre ein Frevel dieses Naturufer
und die Grünflächen zu versiegeln. Uns Bürgern bliebe der
tägliche und bezahlbare Strandbesuch verwehrt (man sehe die Preislisten
anderer Einrichtungen ein).
Das seit 60 Jahren bestehende
und intakte Landschaftsschutzgebiet würde für einen privaten
Investor aufgegeben werden. Der Thermalbadbereich nimmt in den Colanientwürfen
einen äußerst geringen Flächenanteil ein. Vielmehr handelt
es sich um eine Spaß- und Erlebnistherme mit Gesundheitszentrum incl.
eines Hotelkomplex mit 200 Gästebetten ach ja und erstmal hunderten
Parkplätzen in Seesichtlage.
Deshalb:
- JA zu einem Thermalbad
- JA zum Erhalt des bisherigen
Frei- und Seebades in Fischbach
- NEIN zum geplanten Standort
für einen Hotelkomplex
Wir hatten deshalb Einspruch
gegen die geplante Aufhebung des Landschaftsschutzgebietes bei der Unteren
Naturschutzbehörde eingelegt und unterstützen die Bürgerinitiative
"Thermalbad Fischbach" |
Südkurier
13.5.2003
Heftige Debatte um Bad-Bürgerentscheid
- Brugger: Oberbürgermeister nicht meisterlich
Erneutes Ja zu Colani-Bad
Es kam wie erwartet: Die
Mehrheit des Gemeinderats aus CDU und FWV (ohne Peter Arnegger) erneuerte
gestern den Beschluss, das Colani-Bad samt Gesundheitszentrum in Fischbach
zu bauen. Es kam unerwartet heftige Schelte von CDU-Fraktions-Chef Johannes
Brugger für Oberbürgermeister Büchelmeier, der gegen das
Bad stimmte. Investor Kurt Eicher unterschreibt, nicht Mitglied einer Sekte
zu sein.
VON WOLFGANG BOLLER
Friedrichshafen - Die große
Frage lautete: Soll der Gemeinderat das Ergebnis des Bürgerentscheids,
bei dem die Mehrheit das Bad ablehnte, der aber die erforderliche Stimmenzahl
knapp verfehlte, berücksichtigen? Für CDU-Fraktions-Chef Johannes
Brugger war klar: Das Quorum ist nicht erreicht worden, der Gemeinderat
müsse selber entscheiden. Die CDU wolle kein Bad, das direkt oder
indirekt (mit den TWF als Investor) der Stadt zur Last falle. Die Lösung
mit Investor Eicher biete die Möglichkeit, Familienförderung,
Sportförderung, und ähnliches zu betreiben, wofür derzeit
kein Geld da ist. Zuvor hatte Brugger die Konfrontation mit Büchelmeier
gesucht. Der hatte erklärt, er werde gegen das Bad in der vorgesehenen
Form zu stimmen. Es sei sein Recht, Sorge zu haben um den Gemeindefrieden,
die Natur, die Finanzierung und die Nutzung. Banken hätten ihm zur
Finanzierung über Immobilienfonds eher ernüchternde Auskünfte
erteilt, das eine oder andere Bekenntnis Eichers zu Heilmethoden habe bei
ihm gemischte Gefühle ausgelöst und die Einzigartigkeit sei nicht
mehr gegeben, weil Eicher Ähnliches im Harz plant. Der Wille der Bürger
müsse ernster genommen werden, so Büchelmeier.
Das empfand Brugger für
einen Oberbürgermeister „nicht meisterlich". Etwas zu meistern, bedeutete,
etwas zu gestalten und zuwege zu bringen. Unter einer meisterlichen Leistung
hätte er verstanden, dass Büchelmeier seine Bedenken in den Sitzungsunterlagen
aufgearbeitet hätte, was nicht geschehen sei. Was er abgeliefert habe,
sei „ein echter Büchelmeier". Der habe nur Vorurteile bedient.
Mit allem habe er gerechnet,
nur nicht mit dem „wenig stilvollen Akt gegen den Oberbürgermeister",
sagte SPD-Fraktions-Chef Roland Frank. Dass das Quorum nicht erfüllt
wurde, bedeute nur, dass das Ergebnis nicht automatisch an die Stelle des
Gemeinderatsbeschlusses für das Thermalbad trete. „Wozu haben wir
alle Bürger um ihre Meinungsäußerung gebeten, wenn man
sie nicht Ernst nimmt?", so Frank. Er hielt den Räten aus CDU und
FWV vor, dass sie mit 62 Prozent der Stimmen gewählt worden seien.
Und etwa 62 Prozent hätten gegen das Bad abgestimmt. Frank plädierte
für eine kleine, für die Bürger akzeptable Lösung und
das Thermalwasser so lange im bestehenden Bad zu nutzen. Weil Meersburg
und Überlingen ihre Bäder bereits bauen, sei das Projekt nicht
mehr so vordringlich.
„Wenn wir heute keine Entscheidung
treffen, sind wir auf dem Stand Null und haben in zehn Jahren immer noch
kein Bad", argumentierte FW-Fraktions-Chef Hans-Peter Kaldenbach. Seit
sieben Jahren höre man die selben Argumente. Zweifeln an der Finanzierung
trat er so entgegen: „Sie müssen dem Investor doch die Chance geben,
mit einem konkreten Plan zur Bank zu gehen."
Als nicht durchsetzungsfähig
bezeichnete Mathilde Gombert, Vorsitzende der Fraktionsgemeinschaft Grüne/Frauenliste/ÖDP
das Projekt, weil es dem Landesentwicklungsplan entgegen stehe. Sie störte
sich am Wellness-Zentrum. Die Bürger fühlten sich auch ohne diese
Einrichtung „well" (englisch für wohl).Dass Eicher ein ähnliches
Projekt im Harz plant, ist für sie ein Beweis, dass das Bad die Nähe
zum See nicht braucht.
Erwartungsgemäß
behielten CDU und FW die Oberhand in der von SPD und Fraktionsgemeinschaft
verlangten namentlichen Abstimmung: CDU einstimmig, FW (ohne Peter Arnegger)
und DU stimmten für das Bad, SPD, Fraktionsgemeinschaft und Arnegger
dagegen.
Dem Vorwurf, er stehe einer
Sekte nahe und vertrete zweifelhafte Heilmethoden, tritt Investor Eicher
in einer Erklärung und einem Zusatz zu den Verträgen entgegen.
Er versichert schriftlich, nicht Mitglied von Scientology oder einer anderen
Sekte zu sein oder gewesen zu sein, von der Gefahren für Sicherheit
und Ordnung ausgehen. Die Verträge werden um dem Zusatz ergänzt,
keine Heilmethoden anzuwenden, die Gesundheitsschäden, psychische
oder physische Abhängigkeiten hervorrufen. Eicher verfolgte die Debatte
übrigens fast regungslos. Eine Prognose, wann das Bad gebaut wird,
gebe er nicht mehr ab. Er warte auf den Bebauungsplan. Im Jahr 2006, so
hieß es gestern, könnte mit dem Bau begonnen werden.
KOMMENTAR
WOLFGANG BÖLLER
Alles klar? Klar ist seit
dem gestrigen Thermalbadbeschluss nur, was längst klar war: Die einen
wollen ein Bad, das nichts kostet, den anderen ist's zu groß, und
der Sache mit dem Gratis-Bad trauen sie nicht. Ob und in welcher Größe
es gebaut wird, ist noch nicht sicher. Im Herbst war man schon weiter.
Da war eine Größenreduzierung im Gespräch, die aber nicht
beschlossen wurde und von der auch im Bürgerentscheid nicht die Rede
war. Der Beschluss brachte das Projekt nur einen kleinen Schritt weiter:
Das Bebauungsplanverfahren geht voran. Dann muss Eicher mit Bau-, Geschäfts-
und Finanzierungsplänen zeigen, ob er's packen kann. Und wie sich
das Colani-Bad mit dem geplanten Hallenbad-Neubau auf dem alten Messegelände
verträgt, muss auch erst noch bewiesen werden. Nicht absehbar sind
die politischen Konsequenzen: Ob die Bürger, die gegen das Bad gestimmt
haben, mittragen, dass ihr Votum von CDU und FW ignoriert wurde? Nächstes
Jahr sind Wahlen.
|
Südkurier
vom 16.5.03
http://www.suedkurier.de/lokales/regionalnachrichten/bodensee/friedrichshafen/1063,429896.html
Vorhang zu, alle Fragen
offen
Rechtsstreit zwischen Thermalbad-Investor
Eicher und "Wochenblatt" endet mit Vergleich
VON ANDREAS AMBROSIUS
Auf hoher See und vor Gericht,
das weiß der Volksmund, befindet man sich in Gottes Hand. Diesen
Unwägbarkeiten wollten sich gestern Früh vor dem Landgericht
Ravensburg Thermalbadinvestor Kurt Eicher und die Vertreter des "Wochenblatts"
nicht aussetzen. Als "Schwamm drüber", könnte man den Ausgang
des Verfahrens bezeichnen, vor Gericht heißt das Vergleich. Und auf
so einen einigten sich beide Parteien. Zur Verhandlung vor der 4. Zivilkammer,
der Richter Steidle vorsaß, kam die Einstweilige Verfügung,
die Kurt Eicher gegenüber dem "Wochenblatt" über dessen Berichterstattung
im Vorfeld des Thermalbad-Bürgerentscheids erwirkt hatte. Zwei Journalistinnen
hatten Eicher in die Sekten-Ecke gestellt und ihm Verbindungen zu "selbst
ernannten Heilsbringern der New Age-Szene" vorgeworfen. Dagegen hatte sich
Eicher zur Wehr gesetzt und auch eine umfangreiche Gegendarstellung durchgedrückt.
"Heute geht es nicht darum,
ob Herr Eicher einer Sekte angehört oder nicht", wies Richter Steidle
gleich zu Beginn die Richtung. Gegenstand des Verfahrens sei die Frage,
ob Verbindungen oder Kontakte zu Personen aus diesen Kreisen bestünden.
In Details einsteigen, nein, das wolle sich das Gericht eigentlich ersparen.
Was ist Tatsachenbehauptung, was Meinungsäußerung - ein schwieriges
Terrain. "Die Freiheit der Presse und der Meinungsäußerung gehen
weit, ihre Grenzen liegen in der unzulässigen Schmähkritik",
dozierte Richter Steidle. Dagegen gelte es Persönlichkeitsrechte abzuwägen.
Gleichwohl wollte das Gericht im vorliegenden Fall die Grenzen dafür
nicht festlegen. "Vor diesem Hintergrund hat das Gericht Bedenken, ob und
inwieweit an der Einstweiligen Verfügung festgehalten werden kann",
so der Vorsitzende Richter. Im Übrigen sei nach dem Ausgang des Bürgerentscheids
und der erneuten Gemeinderatsentscheidung viel Druck aus der Sache gewichen.
Ob sich denn beide Parteien darauf verständigen könnten, die
Sache als gegenstandslos zu betrachten? Die Rechtsanwälte zierten
sich noch etwas, doch dann diktierte der Richter die Vergleichsvereinbarung
auf Band.
Demnach darf keine Seite
Rechte aus dem Vergleich ableiten. Die Hauptsache des Verfahrens ist ebenso
erledigt wie wechselseitige Ansprüche. Eicher zieht seinen Antrag
auf Strafanzeige gegen die beiden Journalistinnen und den verantwortlichen
Redakteur zurück und trägt die Gerichtskosten. Die Einstweilige
Verfügung ist gegenstandslos.
Auch ein zweites Verfahren,
das sich mit der Haftungsfrage beschäftigte, ist erledigt. Alles spreche
dafür, dass der verantwortliche Redakteur nicht hafte, schickte Richter
Steidle voraus. Nach kurzer Beratung mit seinem Rechtsanwalt nahm Kurt
Eicher seinen Verfügungsantrag zurück.
Quelle: Südkurier vom
16.5.03
http://www.suedkurier.de/lokales/regionalnachrichten/bodensee/friedrichshafen/1063,430275.html
Kommentar von Andreas
Ambrosius
Rechtsstreit - Wie am
Anfang
Außer Spesen also nichts
gewesen? Zumindest aus Sicht der beiden Kanzlei-Buchhaltungen trifft das
zu. Zur Klärung der Sekten-Vorwürfe gegen den Thermalbad-Investor
hat jedenfalls der gerichtliche Vergleich zwischen Eicher und "Wochenblatt"
nichts beigetragen. "Fleisch an die Knochen" hatte sich der Wochenblatt-Anwalt
bezüglich der Einigung gewünscht, einen Fingerzeig für die
zukünftige Berichterstattung. Was ist erlaubt, was nicht? Nun, die
Knochen bleiben total abgenagt. Der Vergleich stellt einen Zustand her,
als ob nie etwas stattgefunden hätte, als ob nie eine der Anschuldigungen
publiziert worden wäre. Er lässt keine Aussage zu, wer Recht
und wer Unrecht hatte. Und er zeigt schon gar nicht auf, was in Zukunft
geschrieben werden darf und was nicht.
Wie dem auch sei: Man kann
davon ausgehen, dass beide Seiten den Schlagabtausch als Sieg verbuchen
werden. Der Anwalt der Presseleute vertrat am Rande der Verhandlung die
Auffassung, dass "im Prinzip" jedes Wort erneut so abgedruckt werden könnte.
"Mitnichten!", sagt Eichers Anwalt und kündigt im Wiederholungsfall
neue Klagen an. Die Fronten bleiben also verhärtet. Einzige Gewinner
bislang: die Kanzleien. |
Aus:
http://www.wochenblatt-aktiv.de/nachrichten.phtml?verlagid=104
Wochenblatt Friedrichshafen
13.03.2003
Ein Gesundheitskoloss
für Licht- und Liebesjünger
Per Bürgerentscheid
bestimmen am 23. März die Friedrichshafener, ob Kurt Eicher am Bodenseeufer
in Fischbach ein gigantisches Gesundheitszentrum erstellen darf. Der Schweizer
Bauunternehmer soll in ein Netzwerk von Psychosekten verstrickt sein, die
mit okkultem Wirrsinn Kasse machen.
VON BARBARA FÜLLE
SYLVIA FLOETEMEYER
Hochhäuser, Tankstellen,
Supermärkte: Regensdorf, südwestlich von Zürich gelegen,
ist eine Betonwüste. Gleich nach der Autobahnausfahrt erhebt sich
ein Firmenkomplex, der durch drei dreistöckige Pyramiden
wie eine tempelartige Festung aussieht. Zwei der Pyramiden stehen fast
gespenstisch leer. In der ersten residiert die "Eicher Bauunternehmung".
Kein Wunder, dass deren Chef Kurt Eicher in landschaftlich reizvollerer
Umgebung gern "Orte der Kraft" erspäht.
Ein solcher bot sich ihm
auch am Bodenseeufer in Fischbach, als die Stadt Friedrichshafen 1998 auf
Investorensuche ging: Ein Thermalbad soll dort entstehen. Eicher brachte
Pläne für ein paar Becken. Auf dem größten Teil der
Fläche mitten im Landschaftsschutzgebiet will er jedoch ein Gesundheitszentrum
errichten. Eine Art wirtschaftliche Entwicklungshilfe an die Stadt, wie
er betont: "In ganz Europa wird davon geredet werden."
Kostspielige Gutachten,
Gerichtsentscheide, Petitionen im Landtag wurden eingeholt. Seit sieben
Jahren ist das Projekt umstritten. Und trotz Hochglanzbroschüre der
Stadt und mehrerer Bürgerinformationen sind ein paar lapidare Fragen
noch immer ungeklärt: Wozu ein Hotelkomplex mit 96 Zimmern benötigt
wird, was in den Seminarräumen gelehrt und welche Behandlung den Gästen
in den Therapieräumen angedient werden soll.
Nachfragen bremste Baubürgermeister
Dieter Hornung mit der stereotypen Antwort aus, es handle sich bei den
Plänen um "Visionen". Der Gemeinderat von Friedrichshafen, geübt
in Lethargie, segnete das Projekt am 15. Nobember 1999 ab. Dabei hätte
es keiner seherischen Fähigkeiten bedurft, die fragwürdige Schlagseite
des Projekts zu erkennen.
In der Sitzungsvorlage des
Gemeinderats vom 15. November 1999 gibt Eicher einige seiner "therapeutischen"
Berater preis: Sektierer der Psycho-Szene, die mitunter geeignet sein dürften,
staatsanwaltschaftliche Aufmerksamkeit zu erwecken und die mit okkultem
Wirrsinn Kasse machen. Allen voran Rüdiger Dahlke, Eichers Kompagnon
in Sachen "Medizin/natürliche Heilmethoden". Im österreichischen
Johanniskirchen bietet er dreiwöchige Ausbildungskurse zum "Reinkarnationstherapeuten"
an. Sicher, meint die freundliche Dame im dortigen Rathaus, man kenne Dahlke,
auch sein "Heilkunde-Zentrum". Auf touristische Werbung damit verzichtet
man aber.
Tod durch Vertrocknen
Seitenweise ergießt
sich Dahlke im Internet über "Lichtnahrung", die es der interessierten
Klientel erlauben soll, ganz ohne Kühlschrank auszukommen. Die Vorkämpferin
der Methode, eine ehemalige australische Bankangestellte, die unter dem
Namen "Jasmuheen" auf esoterische Marketingtouren geht, sieht im Auftanken
von "Lichtenergie" gar die Lösung des Welthungerproblems. Als ihre
"Therapie" drei Todesopfer durch Vertrocknen gefordert hatte und zwei ihrer
Mitarbeiter wegen Totschlags verurteilt worden waren, distanzierte sich
Dahlke eilfertig von "Jasmuheen". Unverdrossen hält er jedoch bis
heute daran fest, fortdauernde Ernährung nur durch "kosmische Energie"
sei möglich. Seelisch kranke Menschen wie etwa Magersüchtige,
die sein Programm anspricht, lassen den "Heiler" unbeeindruckt.
Ob Jes Lim, Eichers Berater
in Sachen "Feng-Shui", Harmloseres zu bieten hat, sei dahingestellt. Der
penetrant Lächelnde hat "taoistische Liebespraktiken für verstärkte
Orgasmen bei Mann und Frau" auf Lager. Jes Lim, der sich als "Doktor der
Akupunktur" sowie als "Doktor", wahlweise auch als "Professor" für
Naturheilkunde feiern lässt, bietet in seinem therapeutischen Bauchladen
aber auch Rat feil bei "Beziehungs- und Ernährungsfragen, Langlebigkeit,
Gebäudeenergien".
Kaum zu glauben, doch Eicher
bietet für sein Großprojekt im empfindlichen Uferbereich auch
einen "Landschaftsheiler" auf. Als solcher apostrophiert sich Marko Pogacnik
im Internet, laut Gemeinderatsvorlage Eichers Experte für "Geomantie".
Der staunende Laie vernimmt, dass Pogacnik "Elfen, Faunen, Zwergen und
anderen Naturgeistern" in ihrem "immer dünner werdenden Lebensraum"
mit "geistigen Techniken" beisteht, um die "verunreinigte Landschaft" wiederherzustellen.
Das ist auch dringend erforderlich, so könnte man kolportieren, wenn
Eichers Gesundheitskoloss erst einmal am Fischbacher Seeufer steht.
"Auserwähle Lichtrasse"
Doch Pogacnik als esoterischen
Spinner abzutun, hieße, ihn zu verharmlosen. Bevorzugt watet der
Mann mit Antenne zu "Elementarwesen" in braunem Sumpf. Kontakt hält
er etwa zur Findhorn-Kommune in Schottland, die eine "neue spirituelle
Weltordnung" herbeiführen will. In der Atombombe, im nuklearen Holocaust,
sieht sie das geeignete Mittel, Platz zu schaffen für eine "auserwählte
Lichtrasse".
Rassistische Wahnideen und
ultrarechter Unflat gelten in New Age-Kreisen als salonfähig. Auch
Hofmedicus Rüdiger Dahlke ist vor solchen Entgleisungen nicht gefeit.
Wer leidet, so sein Dogma, verdient sein Leiden. Er hat aus früheren
Leben ein schlechtes "Karma" abzutragen. Drogenabhängige und Homosexuelle
etwa - Risikosgruppen für Aids - weichen laut Dahlke von ihrer "Lebensformel"
ab; sie müssen, schreibt er in seinem Buch "Krankheit als Weg" "von
der Natur zwangsläufig eliminiert werden".
Eicher bejubelt den Mediziner,
der so abhold jeder ärztlichen Ethik schwadroniert, gegenüber
dem WOCHENBLATT als "europäischen Spezialisten in der Ursachenerkennung".
Die beiden dürften spätestens in Kontakt getreten sein, als Dahlke
und sonstige Szene-Gurus in Berlin eine "Friedensuniversität" gründen
wollten. Reputierlich war dabei nur der Name. Er reichte allerdings aus,
um Prominente aus Politik, Wissenschaft und Show-Business in Bann zu ziehen:
Von Ignatz Bubis bis Rita Süssmuth und Peter Maffay reichte die anfängliche
Unterstützer-Szene. Als die Illustrierte "Stern" die Verbindung der
"Friedensuniversität" zur faschistoiden Mun-Sekte sowie zu Baghwan-Osho-Anhängern
aufdeckte, lief das Unternehmen aus dem Ruder. Die meisten Dozenten und
Prominente sagten ihre Teilnahme ab. Im September 1995 schob der Berliner
Wissenschaftssenat dem Spuk einen Riegel vor: Er verbot das Unternehmen
"Friedensuniversität". Die Initiatoren verlagerten den Schwerpunkt
ihrer Aktivitäten nach Zürich, dann nach Wien. Im Vorstand immer
dabei: Kurt Eicher als Schatzmeister.
Jüngst trat der Regensdorfer
Unternehmer auch als Vizepräsident eines Wasserinstituts names "WISE
Crystal" auf. Er unterstütze alles, sagt er gegenüber dem WOCHENBLATT,
"was mit Gesundheit und Bewusstseinsentwicklung zu tun hat." Bei den Wasser-Beschwörern
sind Dahlke und Pogacnik wieder mit von der Partie, weitere Unterstützer
lassen ein weit verzweigtes Sektengeflecht, auch an den Bodensee, erkennen:
zu den Huldigern von "Lord Sai Baba" ebenso wie zum Scientology-Umfeld.
Als im Dezember 1999 die
Grünen im Friedrichshafener Gemeinderat über eine Sektenunterwanderung
des Eicherschen Großprojekts spekulierten, reagierte der damalige
Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiedmann völlig entrüstet: Kurt
Eicher sei ein seriöser Geschäftsmann, derartige Verdächtigungen
unverschämt und Ruf schädigend.
Entscheidung am 23. März
Jetzt haben es die Friedrichshafener
in der Hand, ob der Ruf ihrer Stadt dauerhaft beschädigt werden könnte
- per Bürgerentscheid am 23. März. Dann bestimmen sie, ob nur
ein Thermalbad gebaut werden soll oder Eichers Gesundheitszentrum, das
tatsächlich europaweit Aufsehen erregen könnte - allerdings als
Pilgerort einer Sekten-Klientel.
Tief
geschlafen
BARBARA FÜLLE
Größer könnte
die Blamage für den Friedrichshafener Gemeinderat kaum sein: Als seriösen
Geschäftsmann hat insbesondere der Mehrheitsblock aus CDU und Freien
Wählern den Thermalbad-Investor Kurt Eicher immer wieder bezeichnet
- und ist allem Anschein nach einem Mann aufgesessen, der mit wirrem Spuk
Kasse machen will. Denn die "Heilkundigen", die Eicher für sein geplantes
"Gesundheitszentrum" in Fischbach aufbietet, rekrutieren sich aus einem
Sekten- und Psychogruppen-Sumpf, in dem er selbst schon viele Jahre watet.
Eine Liste einschlägiger Namen lag dem Gemeinderat vor - das Gremium
hat also schlicht geschlafen. Dass der Rat mechanisch absegnet, was die
Rathausspitze unter Federführung von Baubürgermeister Dieter
Hornung - früher OB Wiedmann - vorgibt, ist so neu nicht. Unwahrscheinlich
allerdings, dass bei der Stadtverwaltung niemand gemerkt hat, welche Scharlatane
und Quacksalber Eicher im Schlepptau führt. Jeder Bürger, der
seine Stadt nicht der Lächerlichkeit preisgeben will, sollte beim
Bürgerentscheid am 23. März genau wissen, wo er sein Kreuz macht:
"Ja" steht für ein Bad ohne Eicher, "Nein" für das Eicher-Projekt.
Niemand soll sagen, dass Friedrichshafen die Geister, die es rief, nicht
mehr los wird.
Thermalbad
oder Pilgerort einer Sekten-Klientel?
Die Stadt Friedrichshafen
hat sich mit Kurt Eicher einen Investor geholt, der mit dem geplanten Gesundheitszentrum
in Fischbach offensichtlich eine Sekten-Klientel bedienen will.
VON BARBARA FÜLLE
"Das Gesundheitswesen geht
vor die Hunde", warnte letzte Woche Johann Kees, stadtbekannter Fitness-Arzt,
der bei der "Initiative Therme Friedrichshafen" für das geplante Eicher-Gesundheitszentrum
in Fischbach die Werbetrommel rührt. Deshalb müsse, für
alle "Wellness"-Bewussten, das Projekt mit Thermalbad am Seeufer her. Und
Investor Kurt Eicher habe dazu die "richtige innere Einstellung". Tatsächlich?
Der Schweizer Unternehmer
hat zwar noch nie ein Thermalbad gebaut, ist aber ansonsten nicht unbekannt.
Zumindest in jener schillernden Szene, die mit obskuren (Psycho-)Praktiken
die Menschheit zu einem "höheren" Bewusstsein führen will. Selbst
ernannte Heilsbringer hat Eicher auch für das Projekt in Fischbach
im Schlepptau - einschließlich des Hofmedicus der New Age-Szene Rüdiger
Dahlke, der, trotz einiger Todesfälle, daran festhält, den Körper
mit "Lichtnahrung" versorgen zu können. Eine "Diät", der nach
Dahlke-Dogma allerdings nur Menschen mit dem richtigen "Karma" gewachsen
sind.
Welche Klientel das sind,
daran lässt Eicher keinen Zweifel: Nein, meint er im Gespräch
mit SÜDWEST PRESSE/WOCHENBLATT, "Kassenpatienten" wolle er mit den
geplanten Therapien in Fischbach nicht ansprechen. Noch immer hält
Eicher daran fest, eine so genannte "Friedensuniversität" gründen
zu wollen. Ein erster Anlauf ist vor acht Jahren in Berlin gescheitert:
der Wissenschaftssenat hatte das Unterfangen verboten, dem führende
Vertreter der rechtsextremen Mun-Sekte sowie Baghwan-Osho-Anhänger
angehörten.
Siehe auch Kommentar rechts
"Tief geschlafen" und Artikel "Ein Gesundheitskoloss für Licht- und
Liebesjünger" - blättern Sie um. |
Eichers
Erkärung
Quelle: Schwäbische
Zeitung vom 18.3.03
http://www.szon.de/lokales/friedrichshafen/nachrichten/200303171086.html?SZONSID=c6045d629b48122fa419a04a287edd0b
Stellungnahme Kurt Eicher
zum Artikel im Wochenblatt Friedrichshafen vom 13.3.03,
"Ein Gesundheitskoloss für
Licht- und Liebesjünger"
Im Folgenden lesen Sie die
komplette Stellungnahme im Originalwortlaut von Herrn Kurt Eicher zum Thema
Thermalbad-Projekt Friedrichshafen und zu Vorwürfen gegenüber
seiner Person, erhoben in einer Wochenzeitung. Für den Inhalt ist
der Autor, Kurt Eicher, verantwortlich.
"Da die ganzheitliche, ökologische
und friedensorientierte Lebenshaltung von mir und meinen Projektberatern
angegriffen und diffamiert wurde, möchte ich an dieser Stelle meine
und die Arbeit, meiner Berater, bzw. unser Engagement vorstellen.
Dr. Rüdiger Dahlke berät
mich in allen Projektbelangen, die sich auf eine ganzheitliche Gesundheitsfürsorge
beziehen. Er ist ein international anerkannter Arzt, Seminarleiter und
Autor, dessen Bücher in namhaften Verlagen, wie u.a. bei Bertelsmann,
Heyne und Knaur verlegt werden. Einige seiner zahlreichen Bücher wurden
in17 Sprachen übersetzt und von über vier Millionen Menschen
gekauft. Die Schwerpunkte und Kompetenzen von Dr. Dahlke liegen in der
Naturheilkunde und der Diagnose psychosomatischer Erkrankungen. Er hält
Vorträge an Universitäten, als auch in Konzernen, wie u.a. bei
Migros, SwissCom und Würth. Die Fortbildungen von Rüdiger Dahlke
werden von Medizinern und Therapeuten besucht und seine Vorträge von
deutschen Krankenkassen, wie u.a. der AOK unterstützt. Mein Feng Shui-
Spezialist, Prof. Dr. Jes Lim, ist Mitglied des britischen Institutes für
Management und Marketing - und einer der weltweit meistgefragten Experten
auf dem Gebiet des Feng Shui.
Marko Pogacnik berät
mich in Fragen der Geomantie. Die moderne Geomantie ist sehr kurz gefasst
die Fähigkeit zur integralen Wahrnehmung der materiellen und energetischen
Qualität eines Ortes. Marko Pogacnik ist ein international anerkannter
Künster ( Bildhauer ) und in vielen Ländern gelesener Autor und
Spezialist auf dem Gebiet der Geomantie. In dieser Eigenschaft berät
er Städte und Länder - wie die österreichischen Städte
Villach und Klagenfurt und die deutsche Stadt Aachen - im Einklang mit
den Bedürfnissen der Landschaft zu bauen und zu gestalten.
Was
mich betrifft, so genieße ich als seit 30 Jahren tätiger Bauingenieur
und Bauunternehmer das Vertrauen der öffentlichen Hand, für die
ich die letzten 15 Jahre in der Schweiz u.v.a. folgende Projekte verwirklicht
habe: 3 Universitätsbauten, 6 Schul- und Gemeindehäuser, den
Zoologischen Garten in Zürich, die Schauspielakademie, 3 Alten- und
Pflegeheime, das Museum für Gestaltung, Bahnhof Regensdorf sowie Wohn-
und Zentrumsüberbauungen für namhafte Versicherungen, das Bankgebäude
der Zürcher Kontonalbank, usw.usf. Von den
Wohn-Geschäfts- und Hotelbauten, die ich realisiert habe, sind einige
im Volumen von 55 Millionen Euro in meinem Besitz.
Für meine Lebenseinstellung
bin ich in der gestrengen Schweiz bisher noch nie an den Pranger gestellt
worden. Und ich kann für Friedrichshafen nur hoffen, dass eine solche
Schmähschrift, wie die in einer Wochenzeitung, die letzte dieser Art
ist, da ein solches Pamphlet nicht gerade sympathisch und anziehend auf
Außenstehende wirkt. Manche mögen sich da fragen, was in einer
Stadt los ist, in der es möglich ist, dass ihr nicht nur zugetane,
sondern auch Dienstleistende Menschen dermaßen verunglimpft werden.
Die Behauptungen, meine Berater und ich seien Mitglieder von Sekten, sind
schlichtweg erfunden. Weder ich, noch meine Berater stehen einer Sekte
nahe, unterstützen eine Sekte oder sind gar Mitglied irgendeiner Sekte.
Zudem versichere ich, dass ich nicht vorhabe, welchen Sekten oder dubiosen
Gruppen auch immer, Hausrecht im Gesundheitszentrum oder Thermalbad zu
geben. Ich bin selbstverständlich bereit, dieses auch vertraglich
nachträglich zu fixieren.
Zu meinem
privaten Engagement gehört u.a., dass ich seit 1996 im Vorstand der
"Fördergemeinschaft zur Gründung einer Friedensuniversität"
bin. Die FGF ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein mit Sitz
in Potsdam. Veranstaltungen der FGF, wie die "Wiener Friedensgespräche"
und der "Interreligiöse Dialog" wurden von der Europäischen Gemeinschaft
finanziell gefördert. Zur geistigen Schirmherrschaft der FGF gehören
18 Friedensnobelpreisträger, darunter S.H.Dalai Lama, Nelson Mandela,
Desmond Tuto, Mikhail Gorbachev, Shimon Peres und Betty Williams. Persönlichkeiten
aus Wirtschaft, Politik, Religion und Kultur unterstützen den Verein.
Ebenso steht mir der Verein "Wise Crystal" nah, dessen Vizepräsident
ich bin, und der sich mit der Erforschung der Speicherfähigkeit von
Informationen im Wasser beschäftigt, die fotografisch als gefrorene
Wasserkristalle festgehalten werden können. Der im Juni 2003 im Kunst-
und Konzerthaus Luzern zum 3.Mal stattfindende internationale Wasserkongress,
ist auf diese Vereinsinitiative zurückzuführen. Zu diesem Anlass
werden Wissenschaftler, Künstler, Mediziner und über 500 Besucher
ihre Erfahrungen und neuesten Forschungsergebnisse austauschen. Ich habe
nichts dagegen, wenn ich wegen solcher Aktivitäten für manche
Leute zur "Esoterikszene" zähle. Für mich ist Esoterik kein Schimpfwort,
wenngleich ich es persönlich nicht benutze, weil ich es für nicht
mehr zeitgemäß halte.
Der Begriff "Esoterik" kommt
aus dem Griechischen: Eso bedeutet Innen. Bei der Esoterik ging es ursprünglich
um eine wissenschaftlich abgefasste Form philosophischer Schriften, die
sich mit inneren Erkenntnismöglichkeiten befassten, die lediglich
einem engen Schülerkreis - wie dem des Aristoteles oder Pythagoras
- vorbehalten waren. Wir leben in Zeiten des Internets. Die Komplexität
im Außen hat eine Entsprechung zur vertieften Erkenntnisfähigkeit
im Innern. Was vor Jahrhunderten nur für Wenige verständlich
und zugänglich war, ist es heute für jeden. Schon deshalb stimmt
der Begriff der Esoterik für mich nicht mehr. Allerdings kann ich
mich voll und ganz zu meiner Absicht bekennen, meine inneren Werte mit
meinem äußeren Handeln zusammenzubringen. Wenn das als Esoterik
bezeichnet wird, ist es mir recht.
Das Thermalbadprojekt in
Friedrichshafen entspricht der Lebens- und Raumgestaltung der Zukunft
Das der sich in vollem Gang
befindliche Wertewandel Widerstände mit sich bringt, ist mir vertraut.
Was ich bisher nicht ahnte, ist, dass sie solch inquisitorische und diffamierende
Ausmaße annehmen können, wie ich es letzte Woche erlebte. In
welcher Welt leben wir eigentlich, in der Menschen, die sich für Frieden
und ein Zusammenwirken von Mensch und Natur einsetzen, verleumdet und angegriffen
werden?
Es gäbe andere Gründe,
ein großes Bauverhaben, wie das Thermalbad von allen Seiten zu prüfen.
Denn was in den letzten 40 Jahren aus eigennützigen Motiven verbaut
worden ist, ging leider oft zu Lasten von Menschen und Landschaften. Die
Öffentlichkeit wurde mit Versprechungen geködert und musste vielfach
die Kosten für Projekte tragen, die kaum hielten, was sie versprachen.
Eine daraus resultierende Skepsis gegenüber einem völlig neuen
Konzept - wie dem, des von Luigi Colani entworfenen Thermalbades und Gesundheitszentrums
in Friedrichshafen ist verständlich. Ich kann und will sie niemandem
ausreden. Vielmehr möchte ich Sie einladen, das Thermalbadprojekt
einmal aus der Zukunft zu betrachten.
Als Bauingenieur und Investor
muss ich die Potenziale der Zukunft in der Gegenwart erspüren und
umsetzen, damit das, was ich heute baue, nicht morgen schon von gestern
ist. Was sind das für Potentiale und wie äußern sie sich?
Wir befinden uns alle mitten
in einem tiefgreifenden Wertewandel. Die frühere Erlebnisgesellschaft,
die von Überfluss und Erlebnismaximierung geprägt war, weicht
einer Kommunikations- oder Erkenntnisgesellschaft, deren Merkmale u.a.
Sinnsuche und ganzheitliches Wahrnehmen und Handeln ist. Wir stellen Zusammenhänge
her und vernetzen uns. Damit ändern sich auch Bedürfnisse und
Prioritäten. Die frühere Abhängigkeit von Status und äußeren
Dingen macht einer größeren Bereitschaft Platz, sich persönlich
zu entwickeln. Prozessorientiertes Lernen löst starre Grundsätze
auf. Das Bedürfnis mit Veränderungen gemeinschaftlicher, fließender
und spielerischer umzugehen, erfordert auch neue Formen der Lebens- und
Raumgestaltung . Wir runden eher ab, als mit Ecken und Kanten Grenzen zu
ziehen. In der Zukunft wird sich die Architektur vor allem daran orientieren,
die Bedürfnisse von Mensch und Umwelt bestmöglich in Einklang
zu bringen. Und genau das ist meine Motivation mit Luigi Colanis fließenden
Formen, ein Thermalbad in Friedrichshafen zu gestalten. Seine Architektur
wird von der Bewegung des Wassers geprägt und bildet eine natürliche
Beziehung zur Bodenseelandschaft. Die Gebäude werden leicht und transparent
wirken und durch ihre fließenden, weichen Formen im Innern zum Wohlbefinden
von Körper und Seele beitragen.
Ebenso, wie sich die Gestaltung
von Gebäuden und Räumen dem Bewusstseins- und Wertewandel anpasst,
so verlangt auch das Bedürfnis nach Regeneration, Gesundheit und Therapie
nach erweiterten und neuen Möglichkeiten. Diese Möglichkeiten
wird das Gesundheitszentrum der Therme Friedrichshafen bieten. Bereits
heute ist die Nachfrage nach naturheilkundlichen und erfahrungsmedizinischen
Therapien groß. Wir werden ihr mit einem breiten Angebot - in dem
u.a. Wassertherapeutische Maßnahmen einen wichtigen Raum einnehmen
- entsprechen. Baden allein, ist vielen Menschen heute nicht mehr genug.
Die Möglichkeit, über Tage Wellness/Therapien mit Übernachtungsmöglichkeit
in Anspruch nehmen zu können, ist ein wesentliches Plus des Projekts
und wird sich auf alle Tourismusbereiche in Friedrichshafen sehr positiv
auswirken.
Das Gesundheitszentrum ist
auch ein entscheidender wirtschaftlicher Aspekt des Gesamtprojekts, das
den geplanten Umfang erreichen muss, damit es sich rechnet. Ich bin ja
nicht nur ein begeisterter Architekt, der sich für ökologische
Projekte einsetzt. Ich bin auch Bauunternehmer und muss die Rentabilität
meiner vielfältigen Bauvorhaben gewährleisten. Wenn ich mich
für das Thermalbadprojekt in Friedrichshafen immer noch und so gerne
einsetze, liegt das natürlich an meiner ganz persönlichen Freude
mich für die Verwirklichung eines solchen einzigartigen Projektes
einzusetzen. Mit der weichen Architektur von Luigi Colani und ihrer ungezwungenen
Einbettung in die Bodenseelandschaft möchte ich Menschen berühren
und anziehen. Inneres und äußeres Konzept des Projektes werden
sich harmonisch entsprechen. Dieses Gesamtkunstwerk wird nicht nur Besucher
aus der näheren Umgebung, sondern auch aus anderen Regionen anziehen.
Ein solcher Anziehungspunkt, wie die Therme Friedrichshafen birgt für
die kulturelle und wirtschaftliche Gesundheit der Stadt nur Vorteile.
Und falls
noch irgendjemand auf die Idee kommen sollte, ich mache das alles lediglich,
um mir eine goldene Nase zu verdienen: Die habe ich schon. Der Grund für
mein Engagement in Friedrichshafen ist schlicht und einfach der: Es ist
ein sinnvolles, von allen Seiten geprüftes, ganzheitliches und außergewöhnliches
Projekt, das der neuen Lebens- und Raumgestaltung der Zukunft entspricht."
Kurt Eicher
(Stand: 17.03.2003 23:30)
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Stuttgarter
Nachrichten 24.3.2003
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/stn/page/detail.php/390305?_suchtag=2003-03-24
Thermen-Gegner gescheitert
Friedrichshafen stimmte
über Bäderbau ab
Friedrichshafen (ts/geh)
- Die Einwohner von Friedrichshafen waren am Sonntag aufgerufen, über
den Bau eines Thermalbads am Bodenseeufer abzustimmen. Die Thermalbad-Gegner
verfehlten jedoch das erforderliche Quorum von 30 Prozent der Stimmen aller
Wahlberechtigten.
Damit bleibt die Entscheidung
des Gemeinderats aus dem Jahr 1999 gültig, wonach ein Thermalbad im
Ortsteil Fischbach direkt am Ufer nach den Plänen des Schweizer Investors
Kurt Eicher errichtet werden soll. Es wäre das vierte Thermalbad am
baden-württembergischen Bodenseeufer.
Die Wahlbeteiligung bei dem
Bürgerentscheid lag bei 46,3 Prozent. Davon lehnte nach Auskunft des
Wahlleiters ein Anteil von 28,62 Prozent der Wahlberechtigten die Pläne
ab. 17,5 Prozent der Wahlberechtigten stimmten für den Bau der Therme.
Wahlberechtigt waren etwa 40 000 Bürger in der 56 500 Einwohner zählenden
Stadt. Laut Gesetz hätten sich mindestens 30 Prozent der Wahlberechtigten
gegen den Thermalbadbau aussprechen müssen, um die Entscheidung des
Gemeinderats zu kippen. Dieses Quorum wurde verfehlt.
Die Friedrichshafener Bürger
sollten am Sonntag entscheiden, ob sie ein großes Freizeit- und Erlebnisbad
mit Hotel nach Plänen des Designers Luigi Colani haben wollen oder
nicht. Die Therme soll auf dem Gelände des bestehenden Frei- und Seebads
im Stadtteil Fischbach entstehen. Der Gemeinderat hatte das Millionenprojekt
im November 1999 beschlossen. Wegen wachsenden Widerstands in der Bevölkerung
entschied das Stadtparlament jedoch, den Bürgern die Entscheidung
zu überlassen.
Auch in der Nachbarstadt
Meersburg entsteht ein Thermalbad. Ein weiterer Bäderbau mit Sauna-
und Gesundheitsbereich soll ebenfalls noch vor Jahresende 2003 in der Kurstadt
Überlingen eröffnet werden. Die Friedrichshafener taten sich
bisher mit der Aussicht auf ein Thermalbad sichtlich schwer. Seit Jahren
gibt es immer wieder heftige Diskussionen um das direkt am geschützten
Seeufer des Ortsteils Fischbach geplante Großprojekt samt Bad und
Gesundheitsbereich. Die Gegner befürchten vor allem eine Verschandelung
des dortigen Geländes. Die Befürworter sehen neue wirtschaftliche
und für den Fremdenverkehr wichtige Impulse für die Zeppelin-
und Messestadt. Der Schweizer Investor Kurt Eicher und der Designer Luigi
Colani sind es trotz der Widerstände nicht leid und halten an ihrer
Idee fest. Das vierte Thermalbad am baden-württembergischen Ufer -
Konstanz hat seine Bodenseetherme schon 1974 gebaut - soll je nach Variante
jährlich zwischen 300 000 und 500 000 Besucher zählen. |
Südwest
Presse vom 24.3.03
http://www.suedwest-aktiv.de/landundwelt/suedwestumschau/artikel588979.php
THERMALBAD / Mehrheit
reicht Gegnern nicht
Bürgerentscheid
knapp gescheitert
Im Bürgerentscheid
über ein Thermalbad in Friedrichshafen sprach sich eine Mehrheit gegen
die Baupläne aus. Das erforderliche Quorum wurde aber nicht erreicht.
FRIEDRICHSHAFEN
In Friedrichshafen ist der Bürgerentscheid über ein geplantes
Thermalbad mit Gesundheitszentrum knapp gescheitert. Zwar sprach sich gestern
eine deutliche Mehrheit der Wähler gegen das Großprojekt aus.
Das erforderliche Quorum von 30 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten
wurde aber verfehlt, wie das Wahlamt am Abend mitteilte.
27,99 Prozent der Wahlberechtigten
votierten demnach gegen den Beschluss des Gemeinderats zum Bau des Erlebnisbads.
Das reicht nicht - die Regelung in Baden-Württemberg ist eindeutig:
Nur wenn Gegner oder Befürworter mindestens 30 Prozent aller Wahlberechtigten
ausmachen, gilt ein Entscheid. Seit 1975 sind von den 231 Entscheiden nach
Bürgerbegehren zwei Drittel am Quorum gescheitert.
Das Pläne am Seeufer
sind in Friedrichshafen schon lange umstritten. 1999 hat der Gemeinderat
einen Vertrag mit dem Schweizer Investor Kurt Eicher abgeschlossen. Er
will das Strandbad in Friedrichshafen-Fischbach für 34 Millionen Euro
mit dem Erlebnisbad überbauen. Doch der Widerstand gegen die Pläne
ist groß. Bei der Wahl 2001 wurde Oberbürgermeister Bernd Wiedmann
(CDU), der sich für den Bau einsetzte, abgewählt. Sieger war
Josef Büchelmeier, dessen SPD das Projekt ablehnt. Befürchtet
wird vor allem viel Verkehr durch das Erlebnisbad nach den Plänen
des Designers Luigi Colani. Denn Eicher kalkuliert mit 500 000 Besuchern
pro Jahr. Das bestehende Strandbad zieht 110 000 Gäste an.
Gemeinderat macht Weg frei
Büchelmeier hat sich
früher für eine kleinere Lösung ausgesprochen, inzwischen
hat er sich als OB Neutralität verordnet. Er setzte sich aber dafür
ein, dass die Bürger über den Plan entscheiden. Den Weg zum Bürgerentscheid
machte der Gemeinderat im Januar frei.
Der Bürgerentscheid
war schon der dritte in Friedrichshafen. Vor 20 Jahren wurde über
das Tagungszentrum Graf Zeppelin abgestimmt, im Jahr 1996 über eine
Tiefgarage. Beide Male unterlagen die Gegner.
Am Bodensee sind zwei unterschiedlich
große Bade-Tempel bereits im Bau. Bis zum Herbst soll das zehn Millionen
Euro teure Bad in Meersburg fertig sein. Und in Überlingen kann man
Ende des Jahres in der wesentlich größeren und 17 Millionen
Euro teuren "Bodensee-Therme" schwimmen. |
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