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Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V., Bonn Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Enquete-Bundestagsprotokoll-28.1.2000.htm Zuletzt bearbeitet am 26.9.2005 Zur Homepage | Zur Inhaltsseite | Zum Begriff Sekte | AGPF-Spendenkonto |
Debatte im Bundestag zu
den Empfehlungen der Enquete-Kommission:
Protokoll der Bundestagssitzung
vom 28.1.2000
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Protokoll der Bundestagssitzung vom 28.1.2000
Damit kommen wir zu Tagesordnungspunkt
11 sowie zu Zusatzpunkt 11:
Beratung des Antrags der Abgeordneten
Maria Eichhorn, Klaus Holetschek, Wolfgang Dehnel, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der CDU/CSU)
Endbericht der Enquete-Kommission "So
genannte Sekten und Psychogruppen"
- Drucksache 14/2361 -
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (f)
Innenausschuss
Rechtsausschuss
Finanzausschuss
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Verteidigungsausschuss
Ausschuss für Gesundheit
Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe
Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union
ZP 11 Beratung des
Antrags der Fraktion SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Fortführung der Beratungen zum Endbericht
der Enquete-Kommission "So genannte Sekten und Psychogruppen"
- Drucksache 14/2568 -
Überweisungsvorschlag:Nach einer interfraktionellen Vereinbarung ist für die Aussprache eine Dreiviertelstunde vorgesehen. - Ich höre keinen Widerspruch.
Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (f)
Innenausschuss
Rechtsausschuss
Finanzausschuss
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Verteidigungsausschuss
Ausschuss für Gesundheit
Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe
Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union
Der Deutsche Bundestag hatte bekanntlich
aufgrund zahlreicher Petitionen im Mai 1996 beschlossen, eine Enquete-Kommission
ins Leben zu rufen, weil er den Anliegen nicht Rechnung tragen konnte.
Dieser Bericht wurde im Frühsommer 1998 vorgelegt. Man kann zu Berichten
von Enquete-Kommissionen stehen wie, man will - man kann Kritik üben,
man kann zustimmen -:
Es ist ein sehr umfassender Bericht, der
deutlich gemacht hat, dass sich alle, die dieser Kommission angehörten,
des Themas sehr ernsthaft und auch wissenschaftlich untermauert angenommen
haben.
(Renate Rennebach [SPD]: Vielen Dank!)
- Sehr gerne, Frau Rennebach. Das kann
ich Ihnen bestätigen. Aber nachher komme ich zu einem Punkt, bei dem
ich etwas über die Behandlung durch SPD und Grüne traurig bin.
(Kurt J. Rossmanith [CDU/CSU]: Da kann
man nur traurig sein!)
Es gibt eine Fülle von Handlungsempfehlungen,
die dieser Bericht enthält. Ich wünsche mir, dass wir diese Handlungsempfehlungen
jetzt umsetzen. Gerade in der letzten Woche hatten wir im Petitionsausschuss
wieder eine Petition, die sich damit beschäftigt, wann diese Handlungsempfehlungen
endlich umgesetzt werden. Es kommen zahlreiche Anfragen, in denen festgestellt
wird: Na gut, jetzt liegt dieser Bericht der Enquete-Kommission vor; sperren
wir ihn jetzt im Aktenschrank ein oder ziehen wir die notwendigen Schlüsse
aus diesem Bericht der Enquete-Kommission? -
Das wäre die Aufgabe der rot-grünen
Bundesregierung!
Wir wollen mit unserem Antrag das Thema
auf die politische Agenda zurückholen. Wir wollen, dass sich das Parlament
mit dem Thema wieder auseinander setzt und dass nach Absichtserklärungen
endlich Taten folgen. Ich will im Einzelnen nicht auf die Problematik des
Berichts der Enquete-Kommission eingehen. Er bewegt sich in einem Spannungsfeld,
das aus der Abwägung verschiedener Grundrechte besteht.
Letztlich hat dieser Bericht festgestellt,
dass der Staat durchaus Fürsorgepflichten in diesem Bereich hat. Ich
denke besonders an die Schwächsten in unserer Gesellschaft. Ich habe
vor kurzem gehört, dass 100 000 bis 200 000 Kinder - Personen unter
18 Jahren - in so genannten Sekten und Psychogruppen aufwachsen. Diese
Kinder können sich dagegen natürlich kaum wehren. Gerade für
diese Schwächsten in unserer Gesellschaft - aber natürlich auch
für andere - müssen wir etwas tun und ein Zeichen setzen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Was tut die rot-grüne Bundesregierung?
Bis jetzt haben Sie auf diesem Feld nicht viel getan. Sie haben eine Kleine
Anfrage der PDS zu diesem Thema beantwortet - meiner Meinung nach nicht
sehr aussagekräftig.
(Zuruf von der CDU/CSU: So wie alles!)
Es muss eine Prüfung stattfinden.
Es bleibt abzuwarten, welche Fragen noch zu klären sind.
Vor drei Tagen habe ich Ihren Antrag bekommen.
Wenn wir erreicht haben, dass Sie jetzt initiativ werden, meine Damen und
Herren, dann freut mich das. Ich bin Jurist, ich lese die Anträge
zweimal. Ich habe diesen Antrag dreimal gelesen; denn ich habe ihn nicht
verstanden. Ich lese ihn Ihnen jetzt vor; vielleicht verstehen Sie ihn.
Im Antrag von SPD und Bndnis 90/Die Grünen
heißt es:
Der Bundestag wolle beschließen:
1. Der 13. Deutsche Bundestag hat am 9.
Mai 1996 die Einsetzung der Enquete-Kommission "Sog. Sekten und Psychogruppen"
beschlossen. Das ist der erste Satz, den der Bundestag jetzt beschließen
soll.
(Walter Hirche [F.D.P.]: Dem kann man
zustimmen!)
Der 242. Sitzung des 13. Deutschen Bundestages
vom 19. Juni 1998 wurde der Abschlussbericht vorgelegt und beraten.
(Walter Hirche [F.D.P.]: Dem kann man
auch zustimmen!)
Das ist Punkt 1 Ihres Antrages, unter
dem Obertitel "Der Bundestag wolle beschließen".
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.
- Kurt J. Rossmanith [CDU/CSU]: Ein sehr bedeutender Vorschlag!)
Ich habe schon viel erlebt, zum Beispiel
bei der Gesundheitsreform, bis hin zu der "maoistischen Krankenhausfinanzierung".
Aber das finde ich wirklich gut. Das ist ein Schlag ins Gesicht all derer,
die sich ernsthaft mit der Thematik auseinander setzen. Ich weiá
nicht, wer den Antrag geschrieben hat. Aber ich bin
(Dr. Peter Ramsauer [CDU/CSU]: Fassungslos!)
wirklich fassungslos. - Ja, das ist richtig.
Der Antrag ist nur eine Viertelseite lang.
Vielleicht haben Sie diesen Punkt auch bloß eingefügt, damit
die Seite ein bisschen voller aussieht; ich weiß es nicht.
Punkt 2 lässt sich mit den Worten
umschreiben, die der Präsident eines bayerischen Fuáballvereins
oft gebraucht: "Schau'mer mal!" - Etwas anderes steht nicht drin. Es steht
drin, dass wieder einmal geprüft und erörtert werden muss. Meine
Damen und Herren, diesen Antrag hätten Sie sich sparen können.
(Renate Rennebach [SPD]: Herr Holetschek,
Sie hängen zu lange an den Überschriften!)
- Nein, ich hänge nicht zu lange
an den Überschriften, Frau Rennebach. Angesichts dessen, was Sie dem
Hohen Hause als Antrag auf den Tisch gelegt haben, müssen Sie sich
gefallen lassen, dass ich pointiert herausstelle, mit was wir uns hier
befassen müssen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Ich habe vorhin ausdrücklich erwähnt,
Frau Kollegin Rennebach, dass, wie ich überall gehört habe -
ich war leider nicht in der Enquete-Kommission -, Ihr Einsatz für
das Thema vorbildlich war.
Umso mehr tut es mir Leid, dass Sie heute
einen solchen Antrag vorlegen müssen.
(Zuruf von der CDU/CSU: Eine Zumutung!-
Zuruf der Abg. Renate Rennebach [SPD]: Ich muss mit Ihrem Mitleid leben!)
Die Handlungsempfehlungen der Enquete-Kommission
haben verschiedene Bereiche angestoßen. Sie haben zum Beispiel aufgezeigt,
dass es erhebliche Forschungsdefizite gibt - Forschungsdefizite, die daraus
entstanden sind, dass sich die Enquete-Kommission nicht mit einem Schwarz-Weiß-Buch
beschäftigt hat, sondern einzelne Konfliktfelder aufgezeigt hat, die
es weiter zu erforschen gilt.
Ich meine, wir sollten die Forschungsförderung
hierfür konzentriert verbessern. Sie sprechen in der Antwort auf die
Anfrage der PDS von einem Modellprojekt, von der Weiterqualifizierung bestimmter
Mitarbeiter in den Beratungsstellen. Auch das ist alles sehr vage. Auch
dazu müssen Sie uns einmal Auskunft geben und die Fakten auf den Tisch
legen.
(Kurt J. Rossmanith [CDU/CSU]: Ach, PDS,
kannst vergessen!)
Dasselbe gilt für den Themenbereich
"Information und Beratung". Es gibt hier einen Bedarf. Das Thema ist nach
wie vor virulent. Wir müssen etwas tun. Wir dürfen das Thema
nicht von der Tagesordnung absetzen, dürfen den Bericht der Enquete-Kommission
nicht in die Schublade legen. Wir müssen den Handlungsempfehlungen
nachkommen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Ich will auf einen Punkt eingehen, der
mir besonders wichtig erscheint. Wir haben einen boomenden Psychomarkt;
das ist uns allen bekannt. Der Esoterikbereich macht 18 Milliarden DM Umsatz
im Jahr. Persönlichkeitstrainings schießen wie Pilze aus dem
Boden. Wir haben hier schon ein Problem: Es gibt seriöse Anbieter,
aber es gibt auch sehr viele unseriöse Anbieter, die mit unterschiedlichsten
Verfahren, mit einer Mischung aus therapeutischen Anleitungen und laientherapeutischen
Ansätzen auf die Leute zugehen. Diese Mischung macht es für die
Verbraucher kaum noch sichtbar: Wer steht dahinter? Wer bietet mir diese
Leistung an? Ist er qualifiziert? Was für Kosten und was für
ein Nutzen entstehen?
Es gab 1997 einen Bundesratsentwurf für
ein Gesetz zur gewerblichen Lebensbewältigungshilfe.
(Renate Rennebach [SPD]: Initiiert von
der SPD!)
- Das mag sein. Ich will das nicht abstreiten.
Umso schlimmer ist es, mit was für einem Antrag wir uns heute beschäftigen
müssen. Ich kann es nur noch einmal sagen. Aus der Kiste kommen Sie
nicht mehr heraus, Frau Rennebach; er liegt vor.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Dieses Gesetz sollte ein Verbraucherschutzgesetz
sein. Es sollte dazu führen, dass den Personen, die sich in Konfliktsituationen
befinden und schnell irgendwo Hilfe finden wollen, Rahmenbedingungen an
die Hand gegeben werden, um abschätzen zu können, was seriös
und was unseriös ist. Es sollten rechtliche Regelungen für einen
schnelleren Ausstieg geschaffen werden. Ich gebe zu, der Gesetzentwurf
muss in einzelnen Punkten rechtlich vielleicht noch weiterentwickelt werden.
Aber es war ein Verbraucherschutzgesetz im besten Sinne gegen Scharlatane
auf dem
Psychomarkt.
(Renate Rennebach [SPD]: Aber abgelehnt
von der vorhergehenden Koalition!)
- Frau Rennebach, Sie wissen doch, dass
wir den Gesetzentwurf nicht abgelehnt haben,
(Renate Rennebach [SPD]: Natürlich!)
sondern dass er berprüft worden
ist.Er müsste jetzt in den Bundestag neu eingebracht werden. Damit
möchte ich - um es auf den Punkt zu bringen - sagen: Es ist ein Verbraucherschutzgesetz
vorgelegt worden, das Transparenz bringen und das gerade ein Vorgehen gegen
unseriöse Anbieter in diesem Bereich erm"glichen sollte. Diesen Schritt
sollten wir weiterverfolgen. Wir müssen dem Verbraucher in dieser
Richtung etwas an die Hand geben.
Wir haben am Montag dieser Woche im Rahmen
der Hanns-Seidel-Stiftung in München ein Expertengespräch durchgeführt,
anlässlich dessen wir uns mit dem Thema beschäftigt haben, was
glaubhafte Lebensbewältigungshilfe ist. Da kamen zum Beispiel Vorschläge
dahin gehend, dass von Sachverständigen aus dem Pädagogik- und
Psychologiebereich Positivkriterien entwickelt werden sollen, die Eingang
in ethische Leitlinien finden sollen, und dass Anbieter von gewerblichen
Lebensbewältigungshilfen an eine öffentlich kontrollierbare Organisation,
wie beispielsweise die jetzt vermehrt entstehenden Psychotherapeutenkammern,
gebunden werden sollen, damit sich der Verbraucher beschweren kann bzw.
eine entsprechende Anlaufstelle hat. All das müssen wir weiterverfolgen.
Deswegen bitte ich Sie, dieses Thema wieder ernsthaft auf die Agenda zu
setzen.
Ich möchte in diesem Zusammenhang
die SPD-Kollegin Schröter aus der Debatte vom 19. Juni 1998 zitieren:
Meine dringende Bitte und Aufforderung
an den nächsten Bundestag ist es, die Gesetzesinitiative unmittelbar
wieder aufzugreifen und das Gesetz zur gewerblichen Lebensbewältigungshilfe
schnellstmöglich zu verabschieden.
Ich gehe davon aus, dass Sie auch heute
zu diesem Wort stehen und einen entsprechenden Gesetzentwurf noch einbringen
werden.
Die Grünen haben natürlich in
dem vorliegenden Bericht der Enquete-Kommission - im Wege eines Sondervotums
- eine ganz andere Meinung vertreten. Das wundert mich angesichts der weltanschaulichen
Gesinnung der Grünen nicht besonders. Ich denke, Sie werden heute
noch darauf eingehen.
Ich bitte Sie noch einmal, im Sinne der
Opfergruppen und der Betroffenen sowie im Sinne der Mitglieder der Enquete-Kommission
- Sie kennen die entsprechenden Schreiben an den Präsidenten des Bundestags
und an die Fraktionsvorsitzenden, in denen danach gefragt wird, was jetzt
passiert - diesen Bericht weiterzubearbeiten. Es wäre ein Schlag ins
Gesicht, wenn wir dies nicht tun würden. Wir könnten uns weitere
Einsetzungen von Enquete-Kommissionen sparen - wir haben kürzlich
neue eingesetzt - , wenn wir aus den Ergebnissen früherer Enquete-Kommissionen
keine Schlüsse ziehen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Das sind wir dem Bürger bzw. dem
Steuerzahler schuldig. Denn die Erstellung dieses Berichtes der Enquete-Kommission
hat 1,6 Millionen DM verschlungen. Aus diesen Berichten müssen wir
Konsequenzen ziehen. Ich bitte Sie: Lassen Sie uns dieses Thema weiterhin
sachlich und auch parteiübergreifend behandeln.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Ich möchte Ihnen sagen, welche meine Prioritäten sind, wenn wir an die Umsetzung herangehen:
Erstens. Mir ist die Stärkung der
Information und Aufklärung wichtig. Dabei könnte das Sektenreferat
im Bundesverwaltungsamt eine wichtige Rolle übernehmen. Aufklärung,
gemeinsam von Bund, Ländern und freien Trägern geleistet, ist
das A und O in einer freien pluralistischen Gesellschaft.
Zweitens brauchen wir endlich das Verbraucherschutzgesetz
für den Sekten-, Esoterik- und grauen Psychomarkt.
Lassen Sie mich einige Bemerkungen zum
Gegenstandsbereich unserer Diskussion machen. Sie haben es richtigerweise
auf den Bereich Esoterik erweitert, in dem es auch Phänome gibt, die
wir regeln müssen.
Zunächst möchte ich aber auf
den Sektenbegriff eingehen.
Was sind eigentlich Sekten?
Auf dem Endbericht der Enquete-Kommission
findet man das Wort gar nicht mehr. Keine Gruppe nennt sich selbst so;
die Gruppen nennen sich Zentrum, Bewegung, Kirche, Bund, Orden, Verein
- was immer sie wollen. "Sekte" ist ein Begriff, der von außen an
bestimmte Gruppen herangetragen wird.
Besser gesagt, es werden zwei Sektenbegriffe
verwendet, die in der Vergangenheit auch für Verwirrung gesorgt haben.
Vielleicht kann ich ein bisschen zur Klarheit beitragen.
Der eine, der klassische Sektenbegriff
ist der theologische. Er bezeichnet eine Abspaltung von der christlichen
Kirche, eine häretische Gemeinschaft, die auf eigenen Offenbarungs-
und Wahrheitsquellen beruht, also neben der Bibel und der christlichen
Überlieferung ein eigenes Buch - beispielsweise das Buch Mormon -
oder einen eigenen Propheten hat. Solche Gruppen sind zum Beispiel die
Quäker, die in unserem Sinne überhaupt nicht problematisch sind;
einer von ihnen ist der Friedensnobelpreisträger von 1949.
Darum geht es uns nicht, wenn wir von
Sekten sprechen.
Wir verwenden den neueren kulturellen,
umgangssprachlichen Sektenbegriff, unter dem im übrigen jeder das
versteht, was auch wir darunter verstehen. Das ist aber nicht die christliche,
kirchliche Definition. Dieser kulturelle Sektenbegriff bezieht sich auf
die konfrontative Stellung der Gruppe im Verhältnis zur Gesellschaft.
Aus dieser Perspektive sind Merkmale einer Sekte die Tatsachen, dass die
Gruppe sich von ihrer Umgebung abkapselt, dass die Mitglieder der Gruppe
von ihrem sozialen Umfeld isoliert werden und dass das Heilsversprechen
der Gruppe mit einem Absolutheitsanspruch verbunden wird. Nicht das Heilsversprechen
ist das Problem - das beinhalten jeder Glaube und auch manche Ideologie
-, sondern der Absolutheitsanspruch. Elitebewusstsein, Machtanspruch, Gruppendruck,
Bewusstseinskontrolle, Verschwörungsdenken, Verfolgungswahn, Psychoterror
gegen Abtrünnige und Kritiker sind weitere Merkmale einer Sekte, wie
wir sie verstehen. Das hat nicht mit Religion und Weltanschauung zu tun,
sondern damit, wie eine Gruppe von Menschen sich gegenüber ihren Mitgliedern
und gegenüber anderen verhält.
Man sollte also nicht versuchen, im Sinne
von Sprachpolitik einen neuen Sektenbegriff zu etablieren. Das bringt wenig.
Wenn also auf dem Abschlussbericht der Enquete-Kommission "Neue religiöse
und ideologische Gemeinschaften und Psychogruppen" steht, dann ist das,
mit Verlaub, Tüdelkram.
(Beifall bei der SPD)
Die Motive, sich in solchen Gruppen zu
organisieren - ich meine jetzt die Motive, die die Menschen selbst haben
und die die Gruppen offiziell nennen -, sind auch nicht allein religiös.
Es ist ein Bündel von Motiven, in dem einzelne klar abgegrenzte Motive
vorzufinden sind. Es gibt therapeutische Motive. Das hat mit Religion nichts
zu tun. Ich denke etwa an den Bruno-Gröning-Freundeskreis, eine Heilungsbewegung,
an VPM oder an Metharia, eine UFO-Sekte, die heilt. Dann gibt es politische
Motive; hier sind die EAP und die Scientology-Organisation zu nennen. Letztere
ist aus meiner Sicht eine politisch und nicht religiös motivierte
Organisation. Sie ist auch nicht wirtschaftlich motiviert; das Geld dient
der Machtausweitung.
Es gibt aber auch wirtschaftliche und
religiöse Gründe.
Ein Beispiel dafür mag die Maharishi-Bewegung
des Gurus Maharishi Mahesh Yogi sein, die alle vier Bereiche abdeckt: die
Maharishi-Ayurveda-Gesundheitszentren für den Bereich Therapie, die
Naturgesetz-Partei für den Bereich Politik, die Samhita GmbH und die
TM-Center fürs Ökonomische und der Guru Maharishi selbst für
das Religiöse. Es ist also ein Bündel von Motiven. Die Religion
kann eines sein. Unser Sektenbegriff bezieht sich nicht auf das Religiöse.
Nicht von allen Sekten gehen konkret Gefahren
aus. In Deutschland können von etwa 40 bis 50 Gruppen Gefahren ausgehen,
von denen Länder und Bund wissen und vor denen Sie warnen oder warnen
können.
Was für Gefahren können von
diesen Gruppen ausgehen? Es müssen Gefahren für Grundrechtsgüter
sein, wenn der Staat das Recht haben soll zu warnen. Diese Grundrechtsgüter
sind Leben und Gesundheit, physisch und psysisch, das Eigentum, Ehe und
Familie, um einige zu nennen. Wenn diese gefährdet sind, dann darf
und dann muss der Staat handeln im Sinne von warnen, also nicht in dem
Sinne, die Gefahr durch Verbot auszuschließen, sondern im Sinne von
warnen.
Wenn es um Straftaten geht, muss er mit
all dem einschreiten, was ihm zur Verfügung steht. Es geht also nicht
darum, ob eine Ideologie seltsam ist oder ob eine Religion sonderbar ist,
sondern es geht darum, den Einzelnen stark zu machen gegen radikal vereinnahmende
Kollektive. Es geht also - das ist die Hauptaufgabe des Staates in diesem
Bereich - um Aufklärung und Verbraucherschutz. Lassen Sie uns daran
gemeinsam arbeiten!
Schönen Dank.
(Beifall bei der SPD)
Bevor ich näher auf den Antrag der
CDU/CSU-Fraktion eingehe, möchte ich mich an dieser Stelle zunächst
einmal bei den Sachverständigen der Enquete-Kommission für ihre
Kompetenz und ihr Engagement, mit dem sie die Enquete-Kommission getragen
haben, in aller Form bedanken. Ich möchte Ihnen vor allem danken,
weil Sie geduldig, entschieden und ganz ohne Zweifel zu Recht die Fortsetzung
der politischen Debatte eingefordert haben. Es ist schließlich auch
eine Frage, wie wir mit den Ergebnissen und der geleisteten Arbeit umgehen.
Meines Erachtens - ich denke, Sie werden sich dieser Auffassung anschließen
können - finden die Ergebnisse der Enquete-Kommission ihre notwendige
Anerkennung erst, wenn wir die Handlungsempfehlungen aufgreifen und uns
in den Gremien mit den inhaltlichen Fragestellungen auseinander setzen.
Diese parlamentarische Arbeit soll mit
dem heutigen Tag beginnen.
Ich bin darüber froh, denn es ist
längst überfällig.
Ich möchte mich ebenso bei den vielen
engagierten Bürgerinnen und Bürgern, bei Betroffenen und Hilfesuchenden,
die mir in den vergangenen Monaten geschrieben haben, bedanken.
Die zahlreichen Anfragen, auch an dem
Petitionsausschuss, machen mir eines sehr deutlich: Das gesamte Problemfeld
der neuen religiösen und ideologischen Gemeinschaften ist ein politisches
Thema und muss Eingang in die parlamentarischen Beratungen finden. Wir
tragen damit auch der gesellschaftlichen Bedeutung der Thematik Rechnung.
Ich erinnere an die drängende Frage von vielen Bürgerinnen und
Bürgern: Was macht eigentlich die Politik, um uns vor so genannten
Sekten und Psychogruppen zu schützen?
Die Antwort auf diese Frage lieferte die
Enquete-Kommission. Wir haben zwei Jahre intensiv gearbeitet und verfügen
mit dem Endbericht über eine hervorragende Handlungsgrundlage für
die parlamentarische Entscheidungsfindung.
Angesichts der vorliegenden Sondervoten
im Abschlussbericht möchte ich jedoch, ohne den bevorstehenden Beratungen
vorgreifen zu wollen, an alle Fraktionen appellieren: Führen wir die
Diskussion vorbehaltlos und ohne jedes Tabu. -
Nun dürfen Sie klatschen.
(Beifall bei der SPD)
- Sie von der anderen Seite auch!
(Birgit Homburger [F.D.P.]: Wir klatschen
nicht auf Anweisung! - Zuruf von der CDU/CSU: Wir sind doch nicht im Zirkus!)
- Ich hätte mich schon gefreut, wenn
mir die Opposition darin zugestimmt hätte, dass wir das vorbehaltlos
und ohne jedes Tabu machen. Denn nur dann gelangen wir zu einer vorurteilsfreien
Bewertung der Ergebnisse und letztlich zu Entscheidungen, die der vielschichtigen
Problematik gerecht werden.
Uns liegt ein Antrag der Union vor, die
Handlungsempfehlungen zügig umzusetzen. Gestatten Sie mir dazu eine
kurze Anmerkung. Ich denke, wir sind uns einig, dass Handlungsbedarf besteht.
Ihre Forderung an die Bundesregierung, umgehend Gesetzentwürfe vorzulegen,
erscheint mir allerdings irreführend. Wenn Sie schon Forderungen aufstellen,
sollten Sie genauer hinsehen. Die Handlungsempfehlungen der Enquete-Kommission
beziehen sich im Wesentlichen auf neu zu schaffende Rechtsvorschriften
und Erweiterungen des bestehenden Rechts. Sie richten sich damit ausdrücklich
an den Gesetzgeber und nicht nur an die Bundesregierung.
Um auf unseren Antrag zu kommen: Im Gegensatz
zu Ihnen, die Sie an Überschriften von Programmen gehangen haben,
die mit dem Inhalt des Programms überhaupt nicht übereinstimmen,
sind uns die Überschriften erst einmal egal. Wir wollen für Inhalte
kämpfen und für Inhalte eintreten.
Unser Antrag, der Antrag der Koalition,
sieht vor, den Endbericht mit den darin enthaltenen Fragestellungen parlamentarisch
zu beraten und gesetzgeberische Initiativen zu prüfen. Das ist die
Aufgabe des 14. Deutschen Bundestags und dieser Aufgabe sollten wir nachkommen.
Selbst wenn die Bundesregierung eigene Initiativen prüft - wie Sie
wissen, tut sie das -, sollten wir die Diskussion des Endberichts im Bundestag
zielgerichtet vertiefen. Angesichts der zahlreichen offenen Fragen halte
ich eine breite Debatte für unbedingt erforderlich. Ich kann daher
die Opposition nur ermuntern, unserem Antrag zuzustimmen und den Endbericht
an die Ausschüsse zu überweisen.
Lassen Sie mich noch etwas zu den Handlungsempfehlungen
sagen. Ich möchte sie nicht der Reihe nach aufführen, sondern
vielmehr auf einen zentralen Aspekt eingehen, den eigentlich alle Rednerinnen
und Redner bisher erwähnt haben. Besonders am Herzen liegt mir und
uns der Verbraucherschutz am Psychomarkt. Vielleicht kennen Sie schon meinen
bildhaften Spruch, aber plausibler lässt es sich kaum erklären:
Sie können in Deutschland keinen Liter Milch kaufen, ohne dass draufsteht,
was drin ist. Aber es gibt Seminare, die die Psyche des Menschen elementar
verändern, ohne dass die Anbieter sagen mssen, welche Ausbildung
sie haben, welche Methoden sie anwenden, welches Ziel ein Seminar hat und
wie viele Seminare ich brauche, um das Ziel erreichen zu k"nnen. Auch die
Fragen der tatsächlichen Kosten, des Rücktrittsrechts oder der
Regressmöglichkeiten sind ungeklärt.
Sie wissen, ich rede von der gesetzlichen
Regelung der gewerblichen - "gewerblich" ist das wichtige Wort in diesem
Zusammenhang - Lebensbewältigungshilfe. Hier besteht nach Auffassung
der SPD-Fraktion Regelungsbedarf, und zwar nicht, weil wir staatliche Kontrolle
brauchen, sondern damit der boomende Psychomarkt - hier geht es wie in
jedem anderen Gewerbe um finanzielle Interessen - endlich transparenter
wird.
(Beifall des Abg. Dr. Uwe Küster
[SPD])
- Danke, Herr Geschäftsführer.
-
Der Verbraucherschutz muss auch auf dem
Psychomarkt gelten.
Ich erwarte spannende Verhandlungen, die
wir behutsam führen sollten. Ich bin voller Zuversicht, dass wir in
strittigen Fragen zu tragfähigen Kompromissen kommen werden. Denn
das ist schließlich die Aufgabe von Politik. Es ist die Aufgabe des
Parlaments.
Ein Satz zum Schluss an alle Fraktionen.
Niemand in diesem Hause will jemandem etwas verbieten, was für ihn
gut ist. Wer sich quälen lassen möchte, kann dies nach unserem
Willen und der politischen Gestaltung weiterhin tun. Aber ich möchte
die Menschen schützen, die Hilfe erwarten und nur Kram bekommen. Kram
gibt es bei diesem Thema eine Menge.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS
90/ DIE GRÜNEN)
Ronald Pofalla
(CDU/CSU):
Frau Präsidentin!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Ich will als ehemaliger Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
in der Enquete-Kommission, die über zwei Jahre lang getagt hat, meinen
Eindruck ganz offen vortragen, den ich angesichts des Antrages der rot-grünen
Koalition habe. Es ist eine intellektuelle Zumutung,
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU
- Dr. Uwe Küster [SPD]: Was Sie hier bieten, Herr Pofalla!)
dem Deutschen Bundestag einen solchen
Antrag vorzulegen, nachdem Wissenschaftler und Kolleginnen und Kollegen
zwei Jahre lang einen Text ausgearbeitet haben, der auf hohem wissenschaftlichen
Niveau ist. Ihn auf diese Weise zu reduzieren macht deutlich, dass Sie
in der rot-grünen Koalition absolut handlungsunfähig sind, die
richtigen Konsequenzen aus diesem Bericht zu ziehen.
(Beifall bei der CDU/CSU - Dr. Uwe Küster
[SPD]: Sie sind auch nur Kofferträger, oder wie? - Renate Rennebach
[SPD]: Haben wir Ihnen nicht die Verharmlosung zu verdanken?)
- Jetzt komme ich zu Ihnen, Herr Kollege
Geschäftsführer.
Die Ziffern 1 und 2 des Antrages von SPD
und Bündnis 90/Die Grünen werden dem Deutschen Bundestag ernsthaft
vorgelegt als Antrag dieser beiden Fraktionen.
(Renate Rennebach [SPD]: Das haben wir
doch schon gehört!)
- Ich wiederhole es nur, weil es unglaubhaft
ist, hier nach Überparteilichkeit und Sachlichkeit zu rufen, aber
einen solchen Antrag überhaupt vorzulegen.
Ich lese Ziffer 1 vor:
Der 13. Deutsche Bundestag hat am 9. Mai
1996 die Einsetzung der Enquete-Kommission "Sog. Sekten und Psychogruppen"
beschlossen.
Das ist ein unglaublicher Beitrag der
Koalitionsfraktionen zur Debatte über dieses Thema.
Satz zwei lautet:
In der 242. Sitzung des 13. Deutschen
Bundestages vom 19. Juni 1998 wurde der Abschlussbericht vorgelegt und
beraten.
(Dr. Peter Ramsauer [CDU/CSU]: Das ist
eine Enthüllung!)
Wenn das der Erkenntnisgehalt der beiden
Koalitionsfraktionen ist, dann wundere ich mich über überhaupt
nichts mehr.
(Renate Rennebach [SPD]: Warten Sie doch
mal ab! - Dr. Peter Ramsauer [CDU/CSU]: Das ist Exhibitionismus!)
Um es deutlich zu sagen: Es gibt zwei
Kernbereiche, die in dieser Enquete-Kommission, von Sondervoten der Grünen
einmal abgesehen, völlig unstrittig waren. Es war zwischen CDU/CSU,
F.D.P., SPD und in diesem Fall, wenn ich mich richtig erinnere, auch der
PDS völlig unstrittig, dass wir eine Regelung zur gewerblichen Lebensbewältigungshilfe
benötigen. Es war aber auch unstrittig, dass der damals von Hamburg
vorgelegte Gesetzentwurf nicht ausreichend war, weil er im Hinblick auf
den Gesetzeszweck und das Gesetzesziel zu unbestimmt war und dadurch Berufsgruppen
in die Kontrolle einbezogen würden, die nicht einbezogen werden sollten.
Wenn Sie jetzt Handlungsbedarf sehen,
dann fordern Sie doch Ihre Bundesregierung auf, einen überarbeiteten
Gesetzentwurf vorzulegen.
(Renate Rennebach [SPD]: Aber die Gesetze
macht doch das Parlament!)
Sie werden es deshalb nicht hinbekommen,
weil die Grünen - damit bin ich bei einem Ihrer Probleme - sogar bezweifeln
- Frau Dr. Köster-Loßack hat es gerade deutlich dargestellt
-, dass es die Notwendigkeit gibt, hier gesetzgeberisch zu handeln. Das
Problem liegt ausschließlich in der Koalition.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Ich will Ihnen einen zweiten Punkt nennen:
Trotz der rechtlichen Probleme, die wir analysiert haben und die wir gesehen
haben, haben wir die Einrichtung einer Bundesstiftung für richtig
gehalten. Das rechtliche Problem, vor dem man bei der Errichtung einer
Bundesstiftung steht, liegt auf der einen Seite darin, den Betroffenen,
den Hilfsorganisationen ein quasi stiftungsrechtliches Hilfsangebot geben
zu wollen, auf der anderen Seite darin, dass man damit in gewisse Kollisionen
mit dem staatlichen Neutralitätsgebot kommt.
Wir haben uns stundenlang über mehrere
Sitzungen hinweg über die Frage unterhalten, wie wir dieses Problem
lösen können. Wenn Sie einen Blick in den Abschlussbericht werfen,
dann sehen Sie, dass wir ganz konkrete Gesetzesänderungen empfohlen
haben, die uns aus diesem Zielkonflikt herausbringen. Dieser Zielkonflikt
kann juristisch gelöst werden. Aber die Bundesregierung hat in den
letzten 16 Monaten nichts getan, um auch nur einen einzigen Gesetzentwurf
vorzulegen, der die Möglichkeit eröffnet, eine solche Bundesstiftung
zu schaffen.
Frau Rennebach, wenn Sie sich schon nicht
mit den Grünen einigen können, dann wäre ich Ihnen dankbar
- ich biete da ausdrücklich unsere Unterstützung an -, wenn Sie
wenigstens einen Antrag der SPD-Bundestagsfraktion einbringen würden.
Ich sichere Ihnen zu, dass die CDU/CSU diesen Antrag, wenn er auf den Empfehlungen
der Enquete-Kommission basiert, unterstützen wird.
(Renate Rennebach [SPD]: Wunderbar!)
Dann könnten wir erreichen, dass
wir eine Bundesstiftung einsetzen können, die im Ergebnis dazu führt,
dass die Selbsthilfeorganisationen und die Betroffenenorganisationen endlich
die Möglichkeit erhalten, inhaltlich und finanziell unterstützt
zu werden.
(Renate Rennebach [SPD]: Gehe ich recht
in der Annahme, dass Sie noch keine Koalitionserfahrung haben?)
Ich will meine Ausführungen mit dem
Hinweis schließen, dass wir Ihren Antrag den Betroffeneninitiativen
und den Selbsthilfeorganisationen zusenden werden, damit sie sich ein qualifiziertes
Bild davon machen können, wie Sie die Ergebnisse dieser Kommission
verstanden haben. Ich bleibe dabei: Ihr Antrag ist eine intellektuelle
Zumutung.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Antrag
der Abgeordneten Maria Eichhorn, Klaus
Holetschek, Wolfgang Dehnel, Renate Diemers, Thomas Dörflinger, Anke
Eymer (Lübeck), Ingrid Fischbach, Walter Link (Diepholz), Dorothea
Störr-Ritter, Gerald Weiß (Groß-Gerau) und der Fraktion
der
CDU/CSU
Endbericht der Enquete-Kommission "Sogenannte Sekten und Psychogruppen
Der Bundestag wolle beschließen:
1. Der Deutsche Bundestag betont die Bedeutung des Berichts der Enquete-Kommission "Sogenannte Sekten und Psychogruppen" (Drucksache 13/ 10950) als wertvolle Arbeitsgrundlage für die Entscheidung über Rechtsänderungen auf diesem Gebiet.
2. Der Deutsche Bundestag unterstreicht
die Notwendigkeit, insbesondere folgende Handlungsempfehlungen zügig
umzusetzen:
3. Der Deutsche Bundestag fordert
die Bundesregierung auf, umgehend entsprechende Gesetzentwürfe vorzulegen.
4. Der Deutscbe Bundestag fordert die Bundesregierung auf, gemäß Ziffer 6.2.13 des Kommissionsberichts bis spätestens 30.Juni 2000 den ersten Bericht über die Umsetzung der Handlungsempfehlungen vorzulegen, insbesondere hinsichtlich der Tätigkeit des Bundesverwaltungsamtes (6.2.3.1), der Beobachtung der Scientology-Organisation durch den Verfassungsschutz (6.2.4), der internationalen Zusammenarbeit (6.2.5), des einheitlichenUmgangs mit neuen religiösen und ideologichen Gemeinschaften und Psychogruppen in der Europäischen Union (6.2.6), der Bekämpfung von und Information über Okkultismus und Sanatismus (6.2.7), der Bildung und Weiterbildung (6.2.8), der Forschungsförderung (6.2.9), der staatlichen Unterstützung von Standesorganisationen, Verbraucherschutzzentralen u.ä. zur Transparenz des Psychomarktes (6.2.10), der Mediation zwischen Konfliktpartnern (6.2.11).
Berlin. den 14. Dezember 1999
Dr. Wolfgang Schäuble, Michael Glos
und Fraktion