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Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V., Bonn Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Colonia.htm Zuletzt bearbeitet am 31.12.2005 Zur Homepage | Zur Inhaltsseite | Zum Begriff Sekte | AGPF-Spendenkonto |
Colonia Dignidad: Eine
deutsches Sekten-Lager in Chile
Sexueller Missbrauch
von Kindern, Entführung, Folter:
Paul Schäfer hat
sich 40 Jahre erfolgreich der Justiz entzogen.
Neu:
Schäfer
verhaftet
Neu:
Buch von Heller
über Die Hintergründe der Colonia Dignidad
Weitere Artikel zur Verhaftung:
Hamburger Abendblatt vom 29.3.05 - http://www.abendblatt.de/daten/2005/03/29/414697.html
Vom Opfer zum JägerGeneral-Anzeiger Bonn 12.3.2005 http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/artikel.php?id=86664
Colonia Dignidad: Ein Leben lang bekämpfte der Hamburger Wolfgang Kneese seinen Peiniger Schäfer. Jetzt will er den Chef der deutschen Sekte in Chile verurteilt sehen - und im Gefängnis besuchen.
"Bitte hilf uns hier raus"
Der jetzt gefasste Paul Schäfer gründete seine Sekte einst in Siegburg - Zahl deutscher Unterstützer der chilenischen Siedlung "Colonia Dignidad" schien lange übermächtig - Die Geschicht von 1954 bis heute, mit Abbildungen
Die unendliche Geschichte in Kurzfassung
Paul Schäfer organisierte als junger Mann unmittelbar nach Kriegsende im Auftrag der evangelischen Kirche Jugendfreizeiten. Daraus wurden "Straflager für kleine Jungs" (Gemballa 1998). Ihm wurde der Missbrauch seiner Schutzbefohlenen vorgeworfen. 1950 wurde ihm gekündigt. Schäfer wurde Wanderprediger, gefördert von einigen Baptisten. In Siegburg bei Bonn gründete er ein "Waisenheim", intern als Missionshaus bezeichnet. Daraus wurde alsbald ein Sekten-Zentrum. Ein Verein und Firmen wurden gegründet, die bis in die neunziger Jahre als deutscher Stützpunkt für die Kolonie in Chile dienten. 1961 gab es das erste Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern. Schäfer hatte bereits den Aufbau seiner Kolonie in Chile begonnen und trat eine gut organisierte Flucht an. Die ihm anvertrauten Kinder entführte er, indem er Angehörige und Behörden täuschte. Bereits 1961 erfolgt die juristische Gründung der Colonia Dignidad, der die chilenische Regierung ein riesiges unwegsames Gelände mit wenigen Hütten inmitten der Wildnis übertrug. Ein Lager entstand, die Bewohner wurden kaserniert, das Gelände nach innen und außen hermetisch abgeriegelt. 1970 kam Allende an die Macht, der Schäfer als Neonazi und Faschisten ansah. Die Kolonie wurde "zum Ausgangspunkt des chilenischen Militärputsches, der ... 1973 die Diktatur Pinochets einleitete". (Gemballa 1998, S. 91). Schäfer beschaffte grosse Mengen an Waffen und Kriegsgerät, schenkte Pinochet einen Mercedes 600. Die Regierung revanchierte sich mit "Staatsbesuchen" und machte die Kolonie zum militärischen Sperrgebiet und deren Bewohner zu Mitarbeitern des Geheimdienstes. Aus der landwirtschaftlichen Kolonie war ein folterlager des Diktator geworden. Amnesty International deckte dies auf, der Stern publizierte die Berichte. Der in Deutschland noch vorhandene Verein erwirkte beim Landgericht Bonn eine einstweilige Verfügung, AI und Stern legten Rechtsmittel ein, Schäfer gelang es, den Prozess 20 Jahre bis 1997 zu verschleppen. Dann wurde der Verein gelöscht und das Verfahren ohne Ergebnis eingestellt. Der Journalist Gero Gemballa schrieb 1997: "Die Geschichte ist ohne Ende. Irgend ein großes Geheimnis ist noch dahinter". Das gilt auch heute noch. Das gilt auch für die Tatsache, dass Schäfer sich seit 1997 trotz inzwischen zahlreicher Razzien der Verhaftung und Bestrafung entziehen kann.
Deutsche und chilenische Politiker bemühen
sich seit Jahren um Aufklärung, bisher mit wenig Erfolg. Schon 1988
hat der Bundestag eine Anhörung durchgeführt (vgl. Protokoll).
Dass die Sache immer wieder auf der Tagesordnung
steht, ist hauptsächlich einem Mann zu verdanken:
1957 schickten seine Eltern den 12jährigen
Wolfgang Müller in die Sommerferien zu Schäfer. Er wurde von
Schäfer missbraucht und nach Chile verschleppt und dort gefangen gehalten.
Mehrfach flüchtete er, wurde von den Behörden wieder zurückgebracht.
Schäfer verordnete absolutes Sprechverbot und setzt ihn unter Medikamente.
Tags musste er rote Kleidung tragen, nachts weisse, damit er immer gut
erkennbar war, wurde bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt. 1966 gelang
ihm mit einem Pferd die Flucht durch die Wildnis zur deutschen Botschaft.
Er wurde von seinem Peiniger wegen Diebstahl des Pferdes und Homosexualität
angeklagt und vier Monate in Untersuchungshaft gesteckt. Die Botschaft
bezahlt Sozialhilfe. Er kaufte dafür ein Flugticket nach Deutschland.
In Chile wurde er in Abwesenheit verurteilt. Das Urteil steht bis heute.
Die Colonia startete eine PR-Kampagne, um ihn und seine Enthüllungen
unglaubwürdig zu machen. Die Kampagne zeigte Wirkung, auch deutsche
Politiker besuchten die Kolonie in Chile und unterstützen nicht nur
damit Schäfer. Wolfgang Müller stiess in Deutschland auf
Unglauben, arbeitete schliesslich als Dokumentar im Stern. Das allerdings
wussten dessen Reporter nicht, als diese 1977 auf der Suche nach Beweisen
waren. Er heiratete und nahm den Namen seiner Ehefrau an. Beide gründeten
einen Verein.
Informationen
über die Colonia Dignidad bei:
Flügelschlag e.V.
23843 Bad Oldesloe
Am Poggensee 1
Vorsitzender: Wolfgang Kneese
Tel. 04531-8801893
Fax 04531-8801894
E-Mail: zebrakneese@t-online.de
http://www.AGPF.de/Fluegelschlag.htm
| Gero Gemballa, geboren
1961, gestorben 2002,
hat 1987 mehrere Fernsehberichte über die Colonia Dignidad erstellt. Aus den dabei erworbenen Informationen entstand sein erstes Buch zu diesem Thema. Im letzten Kapitel berichte er über die Rolle der deutschen Politik in diesem "deutschen Skandal". "Die Botschaft habe ich in meiner Hand", soll Schäfer immer gesagt haben. Völlig abwegig war das nicht. Schäfer unterhielt gute Kontakte zur bayerischen Staatskanzlei des Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauss. Der langjährige Auslandsreferent der CSU später: "Strauss wusste, was da vorgeht". In der Colonia sei der begrüsst worden: "Alles, was wir hier machen, ist für Strauss". Der damals bekannteste deutsche Waffenhändler Gerhard Mertins (Firma: Merex) organisierte einen deutschen "Freundeskreis" für die Kolonie, dem auch etliche Politiker angehörten. Mertins selbst hatte fraglos Geheimdienst-Kontakte. Darüber und über seine Waffengeschäfte berichtete damals die Presse. Gemballa zeigt zahlreiche Querverbindungen auf. In seinem ersten Buch von 1988 (>>) schrieb Gero Gemballa : "Die Geschichte ist ohne Ende. Irgendein großes Geheimnis steckt noch dahinter. Der Grund, weshalb die Leiter der "Colonia Dignidad" bisher immer ungestraft davonkommen konnten, ja ihr Lager auch noch zu einem finanzkräftigen Wirtschaftsbetrieb ausbauen konnten, ist noch nicht gefunden". |
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Es ist keineswegs abwegig, hinter derartigen
Geheimnissen Geheimdienste zu vermuten.
Dabei muss es sich keineswegs nur um den
chilenischen Geheimdienst handeln.
Wohl deshalb lautet auch eine Frage der PDS-Fraktion an die Bundesregierung:
17. Haben sich Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes in der „Colonia Dignidad“ aufgehalten und wenn ja, wann und zu welchem Zweck?Die Antwort (mehr dazu unten):
"Die Bundesregierung nimmt zu nachrichtendienstlichen Angelegenheiten ausschließlich gegenüber den für die nachrichtendienstliche Kontrolle zuständigen Gremien des Deutschen Bundestages Stellung".
Die deutsche Politk und die Colonia Dignidad
Die deutsche Politik hat die Colonia Dignidad
noch nie ignoriert.
Erst gab es gute Kontakte. Gemballa schildert
diese ausführlich.
1985 gab es ein Problem.
Das Ehepaar Packmor war geflüchtet.
Aber nicht etwa zur deutschen Botschaft.
Denn die hatte Schäfer nach eigenen Aussagen "in der Hand".
Sondern in die kanadische Botschaft. Der
kanadische Botschafter zitierte seinen deutschen Kollegen herbei.
Nur wenn der Botschafter verspreche, dass
das Ehepaar nicht - wie vorher offenbar andere Flüchtlinge - zurück
ins Lager expediert werde, sei man bereits, die beiden in die Obhut der
Deutschen zu geben.
Der Botschafter berichtete nach Bonn (Aktenzeichen
RK 543.00 Ber. Nr. 352/85), erhielt Weisung und gab das "peinliche Versprechen"
(Gemballa) ab. Damit war das Problem als Problem der deutschen Regierung
internationalisiert.
Seither wird das Problem bei allen Treffen
zwischen deutschen und chilenischen Spitzenpolitikern angesprochen.
Pressebericht
2004: Angebliche Pläne der Regierungen Chiles und Deutschlands
| La Nación Domingo (LND) 3.10.2004
Der geleitete Übergang zum Ende der deutschen Enklave Der Niedergang der Colonia Dignidad Die Regierungen Chiles und Deutschlands entwerfen einen Plan zur Eindämmung der unvermeidlichen Auflösung Colonia Dignidads. Dadurch soll verhindern werden, dass die „Staatsgründe“ durchsickern, die das Überleben der deutschen Enklave über 40 Jahre lang ermöglicht haben, welche aber einige der ehemaligen Führer schon zu enthüllen beginnen. Pascale Bonnefoy M. Die endgültige Lösung des Colonia
Dignidad-Problems bestünde in lebenslangen Entschädigungszahlungen
an die über 200 Kolonisten und ehemaligen Kolonisten, der Bewegungsfreiheit
der Bewohner und der Zwangserneuerung der jetzigen Leitung nach dem bevorstehenden
Urteilsspruch des Richters Hernán González am Berufungsgericht
in Talca gegen die Führungsspitze der Kolonie, bestätigten regierungsnahe
Quellen gegenüber LND.
Kriegsfronten „Anfang 1974 sah ich Paul Schäfer
eines Abends vor dem Gebäude Diego Portales in seinem blauem Mercedes
ankommen. Er wurde mit dem größten Respekt empfangen. Da fiel
die Maske der Diskretion über die Kollaboration der Colonia Dignidad
mit dem Militär“, bestätigte der ehemalige Einsatzleiter der
Frente Nacionalista Patria y Libertad (FNPL), Roberto Thieme, gegenüber
LND.
Der „Amerikaner“ und der „Pirat“ Zwei der Verdächtigen, die in Colonia
Dignidad „festgehalten“ wurden, waren der US-Amerikaner Boris Weisfeiler
und der Holländer Maarten Visser. Beide verschwanden 1985, der Erste
an der Kreuzung der Flüsse Los Sauces und Ñuble, wenige Kilometer
vom Cerro Maravilla entfernt, und der Zweite beim Vulkan Osorno.
Das Staatsministerium der USA bestätigte
sowohl in mündlicher als auch schriftlicher Form der Familie des US-amerikanischen
Mathematikers Boris Weisfeiler, Präsident George Bush habe das Verschwinden
Weisfeilers bei seinem Treffen mit dem Präsidenten Ricardo Lagos in
Washington am vergangenen 19 Juli zur Sprache gebracht.
Der qualitative Sprung Noch vor dem Militärputsch von 1973,
aus ideologischer Affinität, politischer Paranoia und mit einem weiten
Netz an deutschen oder deutschstämmigen Nationalisten, diente Colonia
Dignidad
im Süden Chiles als Zentrum der logistischen Unterstützung für
das putschende Militär, junge Nationalisten und paramilitärische
Organisationen der extremen Rechten wie der FNPL, die 1971 von dem Anwalt
Pablo Rodríguez Grez gegründet wurde.
Abwesende Abgesehen von Paul Schäfer ist auch
der Buchhalter der Enklave und der gesetzliche Vertreter der zur Colonia
gehörenden Firma Abratec, S.A., Albert Schreiber, flüchtig, der
zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn wegen der Verweigerung der Übergabe
Minderjähriger, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Entziehung Minderjähriger
angeklagt ist und zu einer Geldstrafe in Millionenhöhe wegen Steuerflucht
verurteilt wurde.
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Der Bundestag hat am 16.5.2002 die Bundesregierung aufgefordert, genau beschriebene Massnahmen gegen die "kriminelle Führungsgruppe der CD" zu ergreifen und bisherige Kolonie-Bewohner auf ein "selbstbestimmtes Leben in Freiheit vorzubereiten", auch durch das "Angebot zur Aufnahme von freiwilligen Gesprächen mit Sektenexperten und Psychotherapeuten".
Aus dem Protokoll der 236. Sitzung des
Deutschen Bundestages:
| Auszüge:
Plenarprotokoll 14/236 Deutscher Bundestag Stenographischer Bericht 236. Sitzung Berlin, Donnerstag, den 16. Mai 2002 Begrüßung der Präsidentin des Chilenischen Abgeordnetenhauses, Frau Muñoz, und ihrer Delegation 23489 C Tagesordnungspunkt 4: a) Abgabe einer Regierungserklärung: Politik für Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung - Zukunftssicherung durch Nachhaltigkeit Zusatztagesordnungspunkt 18: Beschlussempfehlung und Bericht des Auswärtigen Ausschusses zu dem Antrag der Abgeordneten Lothar Mark, Hans Büttner (Ingolstadt), weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD, der Abgeordneten Christa Nickels, Kerstin Müller (Köln), Rezzo Schlauch und der Fraktion des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN sowie der Abgeordneten Dr. Helmut Haussmann, Walter Hirche, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP: Hilfe für die Opfer der Colonia Dignidad (Drucksachen 14/7444, 14/8511) 18. Beratung der Beschlussempfehlung und des Berichts des Auswärtigen Ausschusses (3. Ausschuss) zu dem Antrag der Abgeordneten Lothar Mark, Hans Büttner (Ingolstadt), Anke Hartnagel, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD, der Abgeordneten Christa Nickels, Kerstin Müller (Köln), Rezzo Schlauch und der Fraktion des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN sowie der Abgeordneten Dr. Helmut Haussmann, Walter Hirche, Dr. Werner Hoyer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP: Hilfe für die Opfer der Colonia Dignidad - Drucksachen 14/7444, 14/8511 - Berichterstattung: Abgeordnete Lothar Mark Clemens Schwalbe Dr. Helmut Lippelt Walter Hirche Wolfgang Gehrcke Ich rufe den Tagesordnungspunkt 16 sowie den Zusatzpunkt 18 auf: 16. Beratung des Antrags der Abgeordneten Lothar Mark, Wolfgang Behrendt, Hans Büttner (Ingolstadt), weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD sowie der Abgeordneten Kerstin Müller (Köln), Rezzo Schlauch und der Fraktion des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN Intensivierung der Beziehungen zwischen der Europäischen Union, Lateinamerika und der Karibik - Drucksache 14/9051 - ZP 18 Beratung der Beschlussempfehlung und des Berichts des Auswärtigen Ausschusses (3. Ausschuss) zu dem Antrag der Abgeordneten Lothar Mark, Hans Büttner (Ingolstadt), Anke Hartnagel, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD, der Abgeordneten Christa Nickels, Kerstin Müller (Köln), Rezzo Schlauch und der Fraktion des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN sowie der Abgeordneten Dr. Helmut Haussmann, Walter Hirche, Dr. Werner Hoyer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP Hilfe für die Opfer der Colonia Dignidad - Drucksachen 14/7444, 14/8511 - Berichterstattung: Abgeordnete Lothar Mark Clemens Schwalbe Dr. Helmut Lippelt Walter Hirche Wolfgang Gehrcke Alle Redner haben ihre Reden zu Protokoll gegeben.1) Tagesordnungspunkt 16: Interfraktionell wird die Überweisung der Vorlage auf Drucksache 14/9051 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen. - Das Haus ist damit einverstanden. Dann ist die Überweisung so beschlossen. Zusatzpunkt 18: Wir kommen zur Abstimmung über die Beschlussempfehlung des Auswärtigen Ausschusses zu dem Antrag der Fraktion von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP mit dem Titel "Hilfe für die Opfer der Colonia Dignidad". Der Ausschuss empfiehlt, den Antrag auf Drucksache 14/7444 anzunehmen. Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? - Gegenprobe! - Enthaltungen? - Die Beschlussempfehlung ist mit den Stimmen des Hauses bei Enthaltung der CDU/CSU-Fraktion angenommen.
Anlage 10 Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung der Anträge: - Intensivierung der Beziehungen zwischen der Europäischen Union, Latainamerika und der Karibik - Hilfe für die Opfer der Colonia Dignidad (Tagesordnungspunkt 16, Zusatztagesordnungspunkt 18) Lothar Mark (SPD): Unsere Beziehungen zu Latein amerika und der Karibik sind gut, so gut sogar, dass sie - wenig spektakulär und vergleichsweise geringen Konfliktstoff bergend - in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden. Lateinamerika steht somit aus nachvollziehbaren Gründen nicht im Mittelpunkt der deutschen Außenpolitik. Und trotzdem müssen wir unsere Aufmerksamkeit verstärkt und nachhaltig dem lateinamerikanischen Subkontinent zuwenden. ------- Abschließend noch wenige Worte zum ebenfalls zu beratenden Antrag "Hilfe für die Opfer der Colonia Dignidad". Es geht darum, die Menschenrechtsverletzungen in der südchilenischen Kolonie wirksam abzustellen und den Opfern der Sekte zu helfen. Der Antrag ist in erster Lesung im November des vergangen Jahres eingebracht worden. Diese Initiative wurde in der chilenischen Öffentlichkeit überwiegend sehr positiv aufgenommen. Die chilenische Regierung hat die darin gemachten Angebote als "deutsches Interesse, das die Zeit überdauert hat", gewürdigt. Im Rahmen seiner eingangs erwähnten Reise nach Chile Anfang dieses Jahres hat Bundesminister Fischer der chilenischen Regierung deutsche Hilfe bei der Strafverfolgung im Zusammenhang mit Colonia Dignidad zugesagt. Ich glaube, durch diesen Antrag sind bereits jetzt entscheidende Schritte angeregt worden. Daher bin ich sehr hoffnungsvoll. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt wurden acht neue Klagen wegen Kindesmissbrauch gegen Mitglieder der Führungsclique eingereicht. Es sind insgesamt über 70 Prozesse gegen diese anhängig. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass den Menschen in der Kolonie noch immer nicht wirkungsvoll geholfen werden konnte. Seit der ersten Lesung hat es weitere ungeklärte Todesfälle gegeben. Es spricht auch nichts dafür, dass sich die menschenunwürdigen Zustände in der Colonia Dignidad seitdem wesentlich gebessert hätten. Noch immer ist Schäfer nicht gefasst. Die gegen ihn anhängigen Verfahren sind von der chilenischen Justiz vor kurzem vorübergehend eingestellt worden, ohne allerdings den Haftbefehl gegen ihn aufzuheben. Hieran ist erkennbar, wie groß die Gefahr einer Verschleppung der Fälle ist. Das Erpressungspotenzial der Colonia Dignidad in der chilenischen Gesellschaft scheint noch immer bedeutend zu sein. Daher müssen politische Signale ausgesendet werden. Wir werden deshalb im Nachgang zum vorliegenden Antrag verstärkt die Zusammenarbeit mit der chilenischen Seite auf parlamentarischer Ebene suchen. ------------------ |
Keine Anfrage der PDS-Fraktion vom 1.11.2002, Bundestagsdrucksache:
Antwort der Bundesregierung, Bundestagsdrucksache 14/7867: Beschlussantrag vom 13.11.2001 der SPD-Fraktion, der Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Fraktion der FDP| Auszug aus der Bundestagsdrucksache
14/7444
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung daher auf, 1. dem Fall CD, wie angekündigt, eine höhere Priorität einzuräumen. Der aktuelle politische Wandel in Chile sollte für eine verstärkte Zusammenarbeit beider Länder auf Regierungsebene zur Aufklärung der Vergehen und unverzüglichen Hilfe für die Bewohner der Kolonie genutzt werden. Die Bundesregierung sollte den vergangenheitsbezogenen Aufarbeitungsprozess in der chilenischen Gesellschaft ausdrücklich begrüßen und ihn unterstützen; 2. sich für die Einrichtung
einer Arbeitsgruppe in Chile (unabhängige bilaterale Expertenkommission
mit deutscher Beteiligung) einzusetzen mit dem Ziel, in einem Zeitraum
von 6 Monaten ein Strategiepapier zur Lösung des Problems zu erarbeiten.
Folgende Ziele sollten dabei im Mittelpunkt stehen:
3. im engen Dialog mit der chilenischen Seite Möglichkeiten der personellen und technologischen Unterstützung bei der Aufklärung des CD-Komplexes zu eruieren. Gedacht werden könnte an die zeitlich befristete Entsendung von Experten des Bundeskriminalamtes zur Unterstützung der chilenischen Behörden und Justiz; 4. einen Fonds zur Finanzierung der notwendigen Hilfs- und Reintegrationsmaßnahmen einzurichten, aus dem ausreisewillige Koloniebewohner bei einer eventuellen Rückkehr nach Deutschland unterstützt und betreut werden können. Die Klärung der Eigentumsverhältnisse der CD sollte Entschädigungszahlungen aus diesem Vermögen – auch zu Existenzgründungen in Chile – erleichtern; |
Deutscher
Aussenminister in Chile 2002
| Aus: Diario El Centro, 11.03.2002
Deutsche Hilfe bei der Suche nach Paul Schäfer Der Ausschuss für auswärtige
Angelegenheiten des deutschen Parlaments hat einstimmig dem Votum zugestimmt,
das im November des vergangenen Jahres 46 Abgeordnete verschiedener politischer
Parteien vorgelegt haben, um eine bilaterale Kommission zwischen dem europäischen
Land und dem chilenischen Staat einzuberufen. Ziel ist die Einleitung konkreter
Maßnahmen zur Festnahme des Flüchtigen Paul Schäfers sowie
Hilfestellung bei der sozialen Wiedereingliederung der Bewohner der Villa
Baviera.
Der deutsche Vorschlag
Es spricht der deutsche Bundeskanzler
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Bundeskanzler
im Gespräch mit dem chilenischen Präsidenten
| Aus: El Sur, 24.02.2002
30-minütiges Gespräch in Stockholm Lagos verhandelt mit Schröder den Trident-Plan • Die Weltbank könnte ihre Kredite
bis zu 20 Jahre verlängern, um das Projekt der Fregattenkonstruktion
in Asmar zu ermöglichen, sagte Senator Hosain Sabag
Der Trident-Plan (Dreizack-Plan) und die
Colonia Dignidad, Thema dauernder Besorgnis in Deutschland, waren gestern
Inhalt des halbstündigen Gesprächs, das Präsident Lagos
mit Bundeskanzler Gerhard Schröder in Stockholm führte. Beide
nehmen am Gipfel Fortschrittlicher Regierungsoberhäupter teil, der
in der schwedischen Hauptstadt zusammen mit den Premierministern Frankreichs
und Groß Britanniens stattfindet.
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Chilenischer
Abgeordneter fordert Hilfe von Bundesregierung
| FAZ 21.4.2001
"Colonia Dignidad" soll bekämpft werden Der Präsident der chilenischen Parlamentskommission für Menschenrechte, Jaime Naranjo Ortiz, hat am Freitag in Frankfurt von der deutschen Bundesregierung mehr Unterstützung bei der Zerschlagung der ehemaligen "Colonia Dignidad" gefordert. Die 1961 von Exildeutschen gegründete Siedlung im Süden Chiles soll Putschgeneral Pinochet gegen die Regierung von Salvador Allende unterstützt und politische Gegner des Regimes gefoltert haben. Der Führungsriege um die spirituellen Führer der Colonia Dignidad, dem heute wahrscheinlich 80 Jahre alten Paul Schäfer, wird außerdem Kindesmißbrauch vorgrworfen. Nach Angaben von Ortiz ist die Organisation zwar im juristischen Sinne aufgelöst, operiere jedoch unter dem Namen "Villa Baviera" nach wie vor weiter. Schäfer und zwei andere Mitglieder der Organisation werden seit 1997 steckbrieflich gesucht und sind seitdem untergetaucht. Ortiz war Mitglied einer parlamentarischen Untersuchungskommission, die einen Bericht über die Colonia Dignidad vorgelegt hat. Trotz vieler Vorwürfe gegen die Verantwortlichen wegen Kindesmißbrauchs aber auch wegen Verstößen gegen Waffengesetze seien die chilenischen Behörden bis Mitte der neunziger Jahre nicht gegen die Siedlung vorgegangen, erläuterte er. Die Organisation habe den Schutz einflußreicher Freunde in Politik, Wirtschaft und Justiz genossen, die zum Teil von Schäfer mit Dossiers über ihre sexuellen Vorlieben erpreßt worden seien. Nach Ansicht von Ortiz tragen frühere deutsche Regierungen Mitschuld daran, daß sich die Colonia Dignidad über Jahrzehnte als Staat im Staate halten konnte. So sei in den siebziger Jahren eine geplante Enteignung der Colonia Dignidad durch das Druckmittel deutscher Kredite verhindert worden. Neben politischen und juristischen Initiativen erhofft sich Ortiz von der Regierung Hilfe bei der Aufspürung versteckter Bunkersysteme auf dem Siedlungsgelände. |
| Diario El Centro, 11.03.2002
Im Fall „Dignidad“ gibt es einen weiteren Flüchtigen PARRAL.- Der Koloniebewohner Ulrich Bohnau
Seelbach, der vom Untersuchungsrichter Hernán González vorgeladen
wurde, um seine Teilnahme an dem jüngst verübten schweren Verbrechen
der Entführung eines chilenischen Jugendlichen, Opfer von Paul Schäfer
und Sohn eines Helfers von Villa Baviera, zu erläutern, ist Mitte
des Jahres 2001 von Chile aus ins Ausland entkommen. Mit ihm gibt es einen
weiteren Justizflüchtigen im Fall der Colonia Dignidad.
Außerhalb Chiles
Der parlamentarische Ausschuss
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Bücher über die Colonia Dignidad
| Friedrich Paul Heller
Lederhosen, Dutt und Giftgas Die Hintergründe der Colonia Dignidad Schmetterling Verlag 2006 ISBN 3-89657-093-5 |
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Friedrich Paul Heller
Dokumentation:
Colonia Dignidad - ein stabiles Zwangskollektiv
Ein Überblick über Entstehung, Bedeutung und aktuelle Lage
Evangelischer Pressedienst (epd)
Postfach 500 550, 60394 Frankfurt/M.
Tel.: 069 - 58098 - 135, Fax: 069 - 58098 - 272
E-Mail: epddoku@epd.de
Heller F. Paul:
Colonia Dignidad - Von der Psychosekte zum Folterlager
Schmetterling Stuttgart 1993, 3-926369-99-x
| Gero Gemballa 1998:
Colonia Dignidad - Ein
Reporter auf den Spuren eines deutschen Skandals
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Gero
Gemballa 1988:
Colonia Dignidad - Ein deutsches Lager in Chile |
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Chilenische Polizei beschlagnahmt Geheimarchiv
der CoIonia Dignidad
- Deutschensiedlung verfügte über
riesigen Spionageapparat
(mit Details zu sichergestelltem Material)=
Parral, 21. September (AFP) - Die chilenische PoIizei hat das Geheimarchiv der Deutschensiedlung Colonia Dignidad beschlagnahmt. Aus den Dokumenten, die bei der Durchsuchung dar Siedlung nahe der südchilenischen Stadt Parral am Dienstag sichergestellt wurden, geht hervor, dass das Anwesen über einen riesigen Spionageapparat verfügte, teilten Polizei und Justiz am Donnerstag mit. Demnach enthält das Archiv Informationen über zahlreiche chilenische Politiker sowie ausländische Diplomaten, darunter frühere Mitarbeiter der US-Botschaft in Santiago de Chile. Die Colonia Dignidad wurde 1961 von dem Deutschen Paul Schäfer mit 300 Getreuen gegründet. Schäfer ist seit vier Jahren untergetaucht. in der Siedlung, die sich mittlerweile Villa Baviere nennt, leben noch mehrere hundert Menschen.
Etwa 30 Polizisten waren an der Durchsuchung der Colonia, der zweiten in diesem Jahr, beteiligt. Angeordnet hatte die Aktion der Ermittlungsrichter Juan Guzman Tapla, der auch in 171 Strafanzeigen gegen den früheren Diktatar Augusto Pinochet ermittelt. Die Aktion sollte Beweise dafür zu Tage fördern, dass die Leitung der Colonia Dignidad während der Pinochet-Diktatur von 1973 bis 1990 mit dem chilenischen Geheimdienst DINA zusammengearbeitet hat. Laut Zeugenaussagen wurden während der Militärherrschaft Pinochets politische Gefangene in die Siedlung verschIeppt und dort zu Tode gefoltert.
Der Sicherheitsbeauftragte der Colonia, Gerald Mücke, war vor rund einer Woche festgenommen worden Er steht im Verdacht, am Verschwinden des Oppositionellen Aivarao ValIejos Villagran im Jahre 1974 beteiligt gewesen zu sein. Vallejos VilIagran wurde nach Zeugenaussagen während der Militärherrschaft in die Kolonie verschleppt. Mücke wird in der Hauptstadt von Ermittler Tapla vernommen.
SiedIungschef Schäfer, der die Kolonie
1961 gegründet hat, war bereits in Deutschland wegen Kindesmissbrauchs
ins Fadenkreuz der Justiz geraten. Auch in Chile soll er sich immer wieder
an Kindem vergangen haben. Im Mai 1998 hatte die Polizei eine Besetzung
der Kolonie nach 40 Tagen abgebrochen, ohne dass es gelungen war, Schäfer
aufzuspüren.
Deutsche Rententräger müssen an Bewohner der Colonia Dignidad zahlen
http://www.fr-aktuell.de/fr/101/t101009.htm
Senioren der "Colonia Dignidad" siegen
vor Gericht
Zustände in der Sekte in Chile berechtigen
deutsche Kassen nicht, Renten
einzubehalten
Frankfurter Rundschau 6.4.2000
Von Anne Riedel
KASSEL, 5. April. Das Bundessozialgericht
(BSG) hat am Mittwoch einen Bescheid, mit dem einem in der umstrittenen
"Colonia Dignidad" lebenden Deutschen die Auszahlung seiner Rente verweigert
wurde, aus formalen Gründen gekippt. Zwar ist auch nach Ansicht des
BSG zu befürchten, dass die rund 50 deutschen Rentner in der terrorartig
geführten deutschen Siedlung am Fuß der Anden ihr Geld gar nicht
in die Hand bekommen. Die Voraussetzungen für den Entzug oder eine
Versagung der Rente sahen die Richter aber im konkreten Fall nicht erfüllt
(Az: B 5 RJ/38/99 R).
Der 5. Senat des Gerichts zeigte der unterlegenen
Landesversicherungsanstalt freilich Möglichkeiten auf, ihr Ziel doch
noch zu erreichen. So könne von den deutschen Rentnern aus der "Colonia
Dignidad" zum Beispiel verlangt werden, dass sie ihr Geld persönlich
in der chilenischen Botschaft abholen. Nach höchstrichterlicher Ansicht
könnte zudem versucht werden, mit den chilenischen Behörden zusammen
zu arbeiten.
Anlass für diese höchstrichterlichen Tipps waren mehrere Klagen von Senioren, die in der "Colonia Dignidad" leben, darunter ein Mann, der 1995 in Deutschland seine Rente beantragt und bewilligt bekommen hatte. Die Auszahlung war indes verweigert worden. Dies wurde mit den Verhältnissen in der Sekte und mit dem Verdacht begründet, dass er nicht frei über sein Geld verfügen können werde. Zudem war im Bescheid bezweifelt worden, dass der Senior noch Herr seiner Sinne und damit geschäftsfähig sei.
Schon in der mündlichen Verhandlung über die Klage des Mannes hatte das Bundessozialgericht signalisiert, dass es für die Versagung der Rente keine Rechtsgrundlage sehe. Diese hätte nach den Feststellungen der Richter allerdings wohl dann bestanden, wenn der Rentner seiner "Mitwirkungspflicht" nicht nachgekommen wäre und sich zum Beispiel trotz Aufforderung geweigert hätte, seinen Rentenscheck persönlich im Konsulat abzuholen.
Rüdiger Mey, Verwaltungsdirektor bei
der Bundesversicherungsanstalt für Angestelle (BfA), bezeichnete die
"Colonia Dignidad" (flächenmäßig so groß wie das
Land Bremen) als "Mini-Diktatur" und "KZ-ähnliches" System. Deren
Mitglieder könnten nicht frei über ihr Leben bestimmen, sagte
Mey.
Schon bei einer Mitte der 90er Jahre in
Chile organisierten "Renten-Sprechstunde" seien Siedler "wie wandelnde
Roboter" aufgetreten. Entflohende Mitglieder hätten im Übrigen
bestätigt, dass in der "Colonia Dignidad" Kinder missbraucht würden.
Gegen den Sektengründer Paul Schäfer haben die deutschen Behörden
bereits vor geraumer Zeit Haftbefehl wegen des Verdachts des sexuellen
Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen erlassen.
| Aus:
AGPF
AKTUELL I/88 vom 10.3.1988 Seite 2
COLONIA DIGNIDAD VOR DEM BUNDESTAG Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik hat ein Ausschuß des Deutschen Bundestages eine Anhörung über eine Sekte abgehalten. Die Vorwürfe gegen die COLONIA sind im Kern seit 1977 bekannt. Aber erst 1984 und 85 wurden sie durch die Aussagen von Ehemaligen mit einiger Sicherheit beweisbar. Am 21. u. 22.2.88 fand darüber eine Anhörung vor dem Unterausschuß für Menschenrechte statt. Die Ehemaligen bekräftigten ihre Vorwürfe: Folter, Freiheitsbraubung und vieles mehr. Geladen war auch der bei Bonn ansässige
"Träger"-Verein der Colonia. Es erschien der Lagerarzt Hartmut
Hopp aus Chile, von den Zeugen als einer der Täter
beschuldigt. Er bestritt erwartungsgemäß alles,
bot Erklärungen an.
20 Jahre lang wurde übrigens beharrlich behauptet, dieser sei längst gestorben. Schon vor Wochen zeigte der WDR jedoch einen Amateurfilm mit einem offensichtlich lebenden Schäfer. Hat die Staatsanwaltschaft den Film nicht gesehen? Wurde vergessen, die Staatsanwaltschaft über die Anhörung zu informieren? Für die Staatsanwaltschaft gilt das Legalitätsprinzip. Sie muß also einschreiten, wenn ihr Straftaten bekannt werden. Bleibt nur eine Schlußfolgerung: Anderweitige Maßnahmen sind bereits eingeleitet. Inzwischen wurden neue Informationen über Waffenschmuggel bekannt. Der STERN (18.2.88) berichtete unter dem Titel "Munition für das Folterlager". STERN-Autor Gero Gemballa schließt seinen Bericht mit einer Frage: "Rüstet Paul Schäfer, Herr über 300 Menschen, die 'Colonia Dignidad' auf zum letzten Gefecht, falls die Chilenen - etwa auf Bonner Druck - das Lager räumen wollen?" Presseberichte zu diesem Vorgang können bei der AGPF angefordert werden unter dem Stichwort AGPF-Materialdienst 3/88. Im März 88 erscheint bei rororo-aktuell das Taschenbuch "Colonia Dignidad - ein deutsches Lager in Chile" vom Gero Gemballa. |
| AGPF
Aktuell III/88 vom 30.9.88
Colonia Dignidad: Demonstration in Siegburg Die "Not- und Interessengemeinschaft für
die Geschädigten der Colonia Dignidad" wird am 5.11.1988 ganztägig
auf dem Marktplatz von Siegburg bei Bonn informieren und demonstrieren.
Plakate werden in der ganzen Stadt darauf hinweisen. Siegburg ist der Sitz
des deutschen Stützpunktes der Sekte, des Vereins "Private Sociale
Mission", eingetragen beim Amtsgericht Siegburg unter VR 637.
Gero Gemballa: "Die Geschichte ist ohne Ende. Irgendein großes Geheimnis steckt noch dahinter. Der Grund, weshalb die Leiter der "Colonia Dignidad" bisher immer ungestraft 4avonkommen konnten, ja ihr Lager auch noch zu einem finanzkräftigen Wirtschaftsbetrieb ausbauen konnten, ist noch nicht gefunden IMPRESSUM Herausgeber: AGPF e.V. Eigendruck
im Selbstverlag. Erscheinungsweise: Vierteljährlich.
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| Aus: AGPF-Info
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Colonia Dignidad in Chile: Chef wegen Kindesmißbrauchs gesucht Paul Schäfer wird wegen sexuellen
Kindesmißbrauchs per Haftbefehl gesucht. Das riesige Gelände
wurde unter Einsatz von 1.000 Polizisten mehrfach vergeblich durchsucht.
Ein Doppelgänger wurde wegen Behinderung der Justiz verhaftet.
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