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Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Coldwell3.htm  Zuletzt bearbeitet am 27.2.2002

Hemminger über Leonard Coldwell, geb. Bernd Klein


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Impressum

Dr. habil. Hanjörg Hemminger:

Stellungnahme

Zum Seminarangebot des Herrn Leonard Coldwell alias Bernd Klein
anläßlich eines derzeit anhängigen Rechtsstreits

1. Inhalte und Methoden der Seminare:

Leonard Coldwell bezeichnet sich selbst als Motivationslehrer bzw. als Trainer für Persönlichkeitsentwicklung. Er geht davon aus, daß sich jeder Mensch durch die unbegrenzte Macht seines Geistes bzw. seines Bewußtseins beliebig zum Positiven hin verändern könne, und daß daher beliebig große Erfolge für jeden Menschen möglich seien. Der Mensch müsse erkennen,

„...was für ein großes Leben er haben könne, was für ein großes Schicksal...“
(SalesProfi 9/1995 S.13), dann sei ihm alles möglich.
Umgekehrt trägt nach Coldwells Auffassung jeder Mensch die volle Verantwortung für sein Ergehen, unverdientes und sinnloses Leid gibt es aus seiner Sicht nicht. Alle Probleme von Menschen sind Bewußtseinsprobleme, für jede Frage gibt es eine Antwort. In seinen Seminaren sucht Coldwell da-her sein Menschen- und Weltbild als Motivation für das erfolgsorientierte berufliche und private Handeln zu vermitteln. Als Ideengrundlage für seine Lehre dient das sog. Positive Denken (Neugeist-Bewegung) in einer allerdings eigenwilligen, eher trivialen Interpretation, die Coldwell in Büchern wie und mehreren anderen Publikationen darlegte.

Darstellungen und kritische Einschätzungen dieser Strömung alternativer Lebensbewältigungshilfe finden sich inzwischen zahlreich in der Fachliteratur.

Zwei Zitate aus vielen möglichen können als Belege für die bei Coldwell durchweg vorherrschende Dogmatik Positiven Denkens dienen:

„Menschen mit negativen Gedanken und mentalen Bildern produzieren negative Handlungen und Ergebnisse.“
(Hauszeitung „Kindermann und Partner“ Weihnachts-Sonderausgabe 1994 S.11)
„Die Macht ihres eigenen Geistes ist absolut unbegrenzt.“
(Waerland – Monatshefte für Gesundheits-vorsorge 42 Sept. 1992 S.7)
Weiterhin wird der Begriff des „Unterbewußten“ im Gegensatz zum Begriff „Unbewußtes“ in der Fachwelt nicht benutzt, er ist m.W. nur im Positiven Denken üblich. Von daher läßt sich ein fachlicher Hintergrund in Psychologie und Psychotherapie bei Coldwell nicht ausmachen, vielmehr wurzelt sei-ne Ideenwelt eindeutig in der Außenseiter-Methode „Positives Denken“.

Methodisch beruft sich Coldwell auf ein selbst entwickeltes System der Um- und Neuorientierung mit der Bezeichnung „Neuro-Assoziatives Programmierungs-System“ oder NAPS. Dabei fällt die zumindest begriffliche Ähnlichkeit mit dem sogenannten Neurolinguistischen Programmieren oder NLP auf. NLP ist die derzeitig erfolgreichste Außenseiter-Methode der Persönlichkeitsentwickler und -Trainer, die z.B. auch vom Star dieser Szene in den USA, Anthony Robbins, propagiert wird.

Die Ähnlichkeiten zwischen NLP und NAPS bei der Wortwahl zeigen sich z.B. in folgenden Zitaten:

„Ihr Selbst-Image stellt eine Art Computer-Programm für ihr Gehirn dar...“
(Network 4/1996 S.5)
„Damit sind im Sinne der optimalen, internen Repräsentation geistige und körperliche Ausrichtung auf das Ziel, mentale Programmierung durch Vorab-Erleben und Abruf der Programmierung gefor-dert.“
(Aufgeteet 1 Nr.2/1992 S.26 – Golf-Zeitschrift)
Aus den Texten geht hervor, daß NAPS mit Visualisierungen und anderen Vorstellungsübungen arbeitet, wie sie aus dem Positiven Denken, in anderer Form auch aus der fachlichen Verhaltens- und kognitiven Therapie sowie am Rande vom NLP bekannt sind. Ob Coldwell zusätzlich die dem kognitiven Einwirken zuzurechnenden, „Psycho-Tricks“ des NLP benutzt, ob er darüber hinaus zum Beispiel die NLP-Sprachanalyse anwendet usw., muß offen bleiben. Es könnte auch sein, daß es sich bei NAPS lediglich um eine Variante des Positiven Denkens handelt, für die derzeit gängige Begriffe werbewirksam übernommen wurden.

Eine wichtige, praktische Einwirkungsmethode Coldwells scheint die direkte suggestive Beeinflussung von Großgruppen zu sein:

„Mit seiner Stimme, seiner Mimik und Gestik rüttelte er die Anwesenden aus ihrer Passivität auf  und schenkte ihnen nach und nach Vertrauen in ihre eigene Kraft, gab ihnen Motivation und Power für ihre berufliche Tätigkeit und auch für ihren privaten Bereich.“ (Hauszeitung „Kindermann und Partner“ Weihnachts-Sonderausgabe 1994 S. 6)
Weniger subjektiv ausgedrückt: Coldwell verstand es mit bekannten suggestiven Mitteln, unter Aus-nutzung gruppendynamischer Abläufe in seinen Auditorien eine euphorische Stimmung zu schaffen und im Rahmen dieser Atmosphäre sein Menschen- und Weltbild plausibel zu machen. Eine kritische Analyse solcher Gruppeneuphorien erübrigt sich, sie ist fachlich hinlänglich bekannt. Es sei nur schlaglichtartig im Zusammenhang mit dem obigen Zitat darauf hingewiesen, daß man  in Wirklichkeit „Motivation und Power“ nicht von der Position eines als Überperson wahrgenommenen Vorbilds aus an andere „geben“ kann. Tragfähige Motivationen und Energien werden durch einen inneren Ordnungs- und Heilungsprozess autonom freigesetzt, der in aller Regel längere Zeit beansprucht. In Wirklichkeit zieht der sich vor dem Publikum darstellende Meister während eines solchen Auftritts lediglich positive Projektionen auf sich und wird so in der Wahrnehmung der begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörer zu einem Ideal-Ich, dem man (da es nicht real ist, meist vergeblich) nachzueifern sucht. Erfahrungsgemäß profitieren Unternehmen auf Dauer nicht von solchen kurzzeitigen Euphorieerlebnissen ihres Personals.



2. Qualifikationen:

Die Validität der von Coldwell beanspruchten Titel (Dr., Professor) und akademischen Abschlüsse wird in einem derzeit anhängigen Rechtsstreit behandelt, ein Kommentar meinerseits erübrigt sich deshalb. Ich weise in diesem Zusammenhang lediglich darauf hin, daß es Leonard Coldwell im Rahmen der in der BRD laufenden Umsetzung des neuen Psychotherapeuten-Gesetzes offen steht, seine fachliche Qualifikation zu belegen, indem er sich um die Approbation für Psychotherapie nach dem genannten Gesetz bemüht. Wenn er tatsächlich ein abgeschlossenes Psychologie-Studium sowie eine langjährige therapeutische Arbeit an seriösen Kliniken usw. nachweisen kann, wie es in seinen Schriften mehrfach heißt, müßte er m.W. problemlos approbiert werden. Dann stünde seine fachliche Qualifikation außer jeden Zweifel, was derzeit sicherlich nicht der Fall ist.



3. Selbstdarstellung / Umgang mit Kritik:

In den persönlichen Schreiben Coldwells im Rahmen des bereits genannten Verfahrens fallen zahlreiche über das gängige Maß hinaus aggressive, irrationale, ja geradezu verwirrte Äußerungen auf. So beruft er sich in einem Brief vom 15.11.99 gegen kritische Äußerungen aus unerfindlichen Gründen ausgerechnet auf ein Produkthaftungsgesetz. Er behauptet Hinweise zu haben, daß die Kritikerin für Scientology tätig sei, er unterstellt ihr „Böswilligkeit und Fanatismus“, bezeichnet sie als schizophren und als Kettenraucherin usw. Die Auslassungen sind nicht nur irrational, sie sind auch redundant, so als sollten sie den Lesern (in diesem Fall dem Amtsgericht) regelrecht eingehämmert werden. Nach Darstellung einer ZDF-Sendung vom 2.11.99 soll er diese Sendeanstalt damit bedroht haben, er werde wegen ihrer Kritik Schadenersatz in existenzgefährdender Höhe fordern – das immerhin von einer öffentlich-rechtlichen Einrichtung. Solche leeren, aber exzessiven Drohgebärden weisen auf erhebliche Defizite in der Wirklichkeitswahrnehmung hin.

Den irrationalen Angriffen auf „Feinde“ steht ein ebenso irrationales Idealbild des eigenen Selbst gegenüber. Er habe das „weltweit einzige ganzheitliche (holistische) Selbsthilfe-System“ entwickelt – eine angesichts des Gedränges auf dem alternativen Psycho-Markt und der offenkundigen Ähnlichkeiten mit anderen Angeboten des Positiven Denkens doch sehr seltsam anmutende Behauptung. Perfekte Gesundheit, Heilung von Krebs und AIDS werden von Coldwell versprochen, er selbst stellt sich als ideales Beispiel für diese Versprechungen dar. Falsche Referenzen von Großunternehmen runden das Bild einer illusionären öffentlichen Selbstdarstellung ab. Man muß vermuten, daß es sich bei Coldwell um eine Persönlichkeit mit egozentrischer, irrealer Selbst- und Fremdwahrnehmung handelt, die deshalb hochgradig aggressiv auf Kritik und jede Form der Infragestellung reagiert. Von daher ist Einsichts- und Kompromißfähigkeit leider nicht zu erwarten.

Gez. Hansjörg Hemminger
 



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