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Alexander Kahr über Sri Chinmoy: Ein Erfahrungsbericht


Inhalt dieser Seite: Zum Thema in dieser Website: In anderen Websites:
Impressum

 
Der Verfasser des auf dieser Seite wiedergegebenen Artikels ist Autor des bisher einzigen Buches eines ehemaligen Chinmoy-Anhängers in deutscher Sprache:

Alexander Kahr:
Mein Wille geschehe!
Ein Aussteigerbericht über den Spirituellen Weg Sri Chinmoys

Einzelheiten:
http://www.AGPF.de/Chinmoy.htm#Kahr

 

Dazu siehe auch:


 
 
 
 
Totalitarismus des Lichts
Meine Zeit als Schüler von Sri Chinmoy
Ein Erfahrungsbericht von Alexander Kahr

Erstveröffentlichung: Connection Nr. 2/2003
Titel-Text:
Schattenseiten einer Lichtgestalt
Sri Chinmoys Schreckensherrschaft
Inhaltsverzeichnis:
Alexander Kahr stößt das Denkmal Sri Chinmoy vom Sockel
 


 
 

Totalitarismus des Lichts
Meine Zeit als Schüler von Sri Chinmoy

Ein Erfahrungsbericht von Alexander Kahr
 

"Eigentlich wollte ich dir nur drei Zeilen schreiben, und die hätten so gelautet: Judas, das ist der einzige spirituelle Name, der dir gebührt, bin gespannt, ob du nach einer Phase der Läuterung auch so viel Charakter wie dein Namensvorfahre besitzt und die gleichen Konsequenzen triffst wie jener." [vollständig unter http://www.AGPF.de/Chinmoy-Drohbrief-gg-Kahr.htm]


So beginnt ein immerhin zwanzigseitiger anonymer Brief eines Disciples (englische Bezeichnung für den Schüler eines spirituellen Meisters), den ich vor einiger Zeit erhalten habe. Er droht mir unter anderem mit einer kostspieligen Klage und den strafenden okkulten Kräften des Gurus. Neben beleidigenden Formulierungen appelliert er mitunter sogar mit eindringlichen Beschwörungsformeln an mein angeblich verwirrtes Gewissen. Dem vorausgegangen war mein freiwilliger Austritt aus der Sri Chinmoy Bewegung, dem so genannten Weg des Herzens, und die Veröffentlichung meines Buchs „Mein Wille geschehe“, in dem ich mich anhand meiner persönlichen Erfahrungen kritisch mit dem Guru, seiner Organisation, seinen Lehren, Errungenschaften, Methoden und mit Spiritualität als Ganzem auseinander setze.

Als Disciple war ich Monate zuvor noch ein anerkanntes, gern gesehenes Vorbild. Als Exdisciple bin ich auf einmal ein "Gefallener“, jemand, den man besser aus dem Gedächtnis ausradiert und äußerlich meidet, weil er mit ansteckenden negativen Energien erfüllt ist. Nachdem ich es außerdem wagte, mich öffentlich kritisch mit meinem Exguru auseinander zu setzen, bin ich jetzt anscheinend zum Untermenschen, zu einer so genannten Hostile Force (feindlichen Kraft) erklärt worden. Dabei hatte der eingangs zitierte Disciple nach eigener Aussage bis dahin noch keine einzige Seite meines Buches gelesen. Der bloße Verdacht, dass man den gottgleichen und somit unfehlbaren Status Sri Chinmoys angezweifelt haben könnte, genügte offenbar bereits, um von ihm und seinen Schülern zum Feind erklärt zu werden.

So ergeht es nicht nur mir in diesen Tagen. Auch andere mir bekannte ehemalige Schüler Chinmoys, die mit ihren Erfahrungen in Form von aufklärenden Internetforen an die Öffentlichkeit gegangen sind, wurden auf verschiedene und mitunter nötigende Weise von speziell damit beauftragten Getreuen Sri Chinmoys dazu angehalten, ihren „Irrtum“ einzusehen und von weiterer Kritik abzulassen.

Der Masse der Schüler wurde es von ihrem Guru strengstens verboten, diese Aussteigerberichte zu lesen oder auch nur von deren Existenz zu berichten. Wer es dennoch wagt, riskiert dabei, aus der Bewegung ausgestoßen zu werden. Sri Chinmoy ist für seine Schüler Gott in Person. Seine Integrität und Authentizität als spirituelle Autorität zu hinterfragen oder auch nur darauf hinzuweisen, dass er in einem Aspekt seines Wesens ein begrenztes menschliches Wesen ist wie wir alle, gilt als Sakrileg.
 

Gurugehorsam – Duft oder Gestank?
 

"Auf Sri Chinmoys Pfad ist der Seelenduft des kompletten Gurugehorsams unerlässlich.“
Sri Chinmoy


Diese Worte Sri Chinmoys vom 27. Juli 1994 müssen seither alle Disciples täglich mit gefalteten Händen vor einem Portraitfoto ihres Meister rezitieren. Er fordert damit den blinden Glauben an sein unfehlbares Einssein mit dem Höchsten. Das vom Guru Geforderte ist sofort als unfehlbares Naturgesetz hinzunehmen.

Als ich vor einigen Jahren, auf der Suche nach einem Ort der Meditationspraxis, mit dem Sri Chinmoy Center meiner Heimatstadt in Kontakt gekommen war, ahnte ich noch nichts von den Ausmaßen, die dieser „komplette Gurugehorsam“ annehmen konnte. Sri Chinmoy war am Hauptsitz der UNO in New York angeblich offiziell als Meditationsleiter eingesetzt worden. Er ist auf unzähligen Fotos mit eindrucksvollen Persönlichkeiten zu sehen. Im Namen des Friedens inszeniert er sportliche Wettbewerbe und Konzerte. Durch die Kraft seiner Meditation soll er im Stande sein, rekordverdächtige Gewichte (darunter auch eine 3,2 Tonnen schwere Hantel) einarmig empor zu stemmen. Er hat Tausende von Liedern, Gedichten und Büchern geschrieben, ist mit unzähligen Auszeichnungen geehrt worden, und seine Schüler durften sogar an Universitäten Vorträge halten. An solch einem Meister kann doch kein Fehl sein, dachte ich. Hinzu kamen die intensiven Meditationserfahrungen, die ich im Center machte und die man üblicherweise der alleinigen Gnade des Gurus zuschrieb. Ich war derart beeindruckt, dass ich kaum Zweifel an der Seriosität des Meisters hatte, den ich hier gefunden hatte, ohne ihn gesucht zu haben. So war es für mich damals nur mehr ein kleiner Schritt, Sri Chinmoy als meinen Guru anzunehmen.
 

Überholspur zur Erlösung
 

Du wirst niemals eine goldene Gelegenheit bekommen wie in dieser Inkarnation. Du wirst es sehen, wenn du keinen Meister meines Kalibers hast.
(Sri Chinmoy, The Disciple´s Companion)


Damals, als ich Disciple geworden war, dachte ich tatsächlich, dass ich mit Sri Chinmoy, der im Selbstverständnis eines Avatars (einer Inkarnation des Göttlichen) lehrt und den seine Schüler sogar als den Avatar unserer Epoche betrachten, eine goldene Gelegenheit für einzigartigen spirituellen Fortschritt erhalten hatte. Den Schriften des Gurus zu Folge kann man durch den engen Kontakt mit ihm während eines Lebens einen Fortschritt machen, für den man sonst 40 oder 50 Inkarnationen bräuchte. Man kann sogar die Gottverwirklichung selbst erlangen. Um jedoch diese Gelegenheit beim Schopf packen zu können, musste ich zuerst dem Guru näher kommen. Sri Chinmoy unterteilt seine Schüler je nach Ergebenheitsgrad in sieben Klassen und einen privilegierten innersten Schülerkreis (in dessen Aktivitäten man als gemeiner Disciple kaum Einblick erhält). Innerhalb dieser Hierarchie aufsteigen konnte ich nur, indem ich Sri Chinmoy möglichst in jeder Sekunde auf allen Ebenen zufrieden stelle: im Denken, Fühlen und Handeln.
 
 

Der verschlingende Gottmensch
 

Kein Schüler in Gottes Schöpfung seit Anbeginn der Welt kann sich mit euch auf eine Stufe stellen. Wenn ihr auf mich hört, mir gehorcht und nur an mich denkt, nur mich zufrieden zu stellen versucht, nur mich liebt, nur mich braucht und nur mich erfüllt, dann werdet ihr zum absoluten unvergleichlichen Sucher-Instrument des Höchsten seit Anbeginn seiner spirituellen Schöpfung.
Sri Chinmoy (aus einer unveröffentlichten Rede)


Die angenommene Gottgleichheit des Meisters und das damit verbundene elitäre Selbstverständnis der Schüler stellt natürlich nichts Neues dar. Diese Merkmale weisen wohl sehr viele Sekten, spirituelle Bewegungen und etablierte Kirchen mehr oder minder extrem auf. Meiner Meinung nach entwickelt sich Leben immer zur wachsenden Selbständigkeit, zum verantwortungsvollen Erwachsenwerden. Beides wurde unter Sri Chinmoy nicht gerade gefördert – weder auf der spirituellen noch auf der weltlichen Ebene. Der Guru übernahm für die großen und kleinen Dinge meines Lebens immer mehr die alleinige Verantwortung. Wenn ich ihm innerlich und äußerlich alles übergeben konnte, so wurde mir gelehrt, würde er sich um mein gesamtes Dasein kümmern und gegebenenfalls sogar auf okkultem Wege helfen.

Auf diese Weise wurde ich dazu veranlasst, all meine persönlichen Sehnsüchte, Wünsche und Ziele aufzugeben. Aufgrund der Lehre meines Exgurus wurde ich zum Beispiel im zunehmenden Maße unfähig, genügend Zeit und Inspiration für mein Studium aufzubringen. Stattdessen war ich damit beschäftigt, sein Licht und sein Ansehen durch medienwirksame Öffentlichkeitsarbeit und Missionierung (als Disciple soll man möglichst viele neue Schüler anwerben) zu manifestieren und all den anderen unzähligen Anforderungen des Centers nachzukommen. Schließlich gab ich, da ich außerdem noch dringend Geld für mein neues, dem Guru geweihtes Leben brauchte, meine Berufsausbildung auf und wurde ein einfacher Verkäufer eines so genannten Divine Enterprises, eines ausschließlich von Disciples gegründeten und betriebenen Unternehmens.

Ich verlor auch nach und nach mein altes soziales Umfeld und meinen Freundeskreis, nicht nur weil dies ausdrücklich von Sri Chinmoy empfohlen wurde. Die andauernde Indoktrination erzeugte in mir eine wachsende Entfremdung von meiner bisherigen Lebenswirklichkeit, so dass es mir immer schwerer fiel, mit angeblich nicht spirituellen Menschen vernünftig interagieren zu können. Auch Menschen, die im Center meine Freunde geworden waren, die dann aber den Weg verlassen hatten, musste ich kompromisslos aufgeben. Es war verboten, mit ihnen zusammen zu treffen, da sie angeblich mit Hostile Forces erfüllt waren. Frauen, in die ich mich dort verliebte, musste ich meiden. Kontakte zwischen männlichen und weiblichen Disciples sind, laut Sri Chinmoy, für den die Gottverwirklichung ohne ein eisernes Zölibat unmöglich ist, strengstens verboten. Diese regelrechte Tabuisierung des anderen Geschlechts geht so weit, dass man als wahrer Disciple sogar jeglichen Augenkontakt zu vermeiden hat.
 

Verklemmtheit als Weg
 

Wenn du ein Junge bist, dann sieh einem Mädchen nicht direkt in die Augen – schau zu Seite, auf die Schulter, auf die Stirn oder irgendwo anders hin. Schau nie einem Mädchen unmittelbar in die Augen. Ebenso sollten die Mädchen nie den Jungen direkt in die Augen sehen. Schaut auf die Schulter, zur Seite, auf die Füße oder auf den Boden. Lasst die Leute ruhig über euch lachen, aber niemand von ihnen wird euch retten, letztlich müsst ihr euch selbst retten.
Sri Chinmoy (aus einer unveröffentlichten Rede)


Schließlich wurde der letzte Rest meines Unterscheidungs- und Urteilsvermögens auf unauffällige, schleichende Art von Sri Chinmoy vereinnahmt. Mein Ich wurde von nun an über den Guru definiert. Gut und recht war nur, was ihn zufrieden stellte und ihm nutzte. Alles, was in Wort und Tat nicht im Einklang mit seinen unzähligen Ansichten, Empfehlungen und Regeln stand – vor allem unangenehme Fragen oder offen geäußerte Kritik – wurde verdrängt und mit Strafmaßnahmen bis hin zum Ausschluss aus dem Center geahndet.
 
 

Die Nabelschnur reißt
 

Wenn ihr Leute meine Mission verzögert, wird es um euch schlecht gestellt sein, denn ich werde euch alle hinauswerfen.
Sri Chinmoy (aus Alo Devi: „Third Book of talks and meetings with Master Sri Chinmoy in Puerto Rico“)


Den Guru zu verlassen stellt für viele Disciples jedoch ein unverzeihliches Verbrechen gegenüber der eigenen Seele, wenn nicht den spirituellen Tod dar. Anna M., eine mir persönlich bekannte, während ihrer 21-jährigen Disciple-Zeit hochangesehene Deutsche, hatte, durch diese Ansichten beeinflusst, nach ihrem Austritt unter massiven Angst- und Panikattacken zu leiden. Sie flüchtete sich in Alkohol und Tabletten und wollte sich sogar das Leben nehmen. Schließlich benötigte sie vier Monate Aufenthalt in zwei psychosomatischen Kliniken und 17 Monate Behandlung mit starken Psychopharmaka, um von Sri Chinmoy wieder loszukommen.

Ich selbst benötigte einige Monate für diese Abnabelung. Vom ersten Aufkommen bewusster Zweifel bezüglich der Seriosität Sri Chinmoys bis zu meinem Austritt vergingen über drei lange Jahre des harten Kampfes mit dem manipulierten Anteil meiner Persönlichkeit. Danach war ich erst einmal erledigt – psychisch wie physisch. Emotional war ich an einem erschreckenden Punkt angelangt, an dem ich nicht einmal mehr weinen konnte. Auch gesundheitlich war ich angeschlagen: Ich hatte zum Beispiel Untergewicht, meine Nerven lagen nach jahrelang stärker werdenden Depressionen blank, und ich hatte Probleme mit meinem Rücken, den ich durch das vom Guru gern gesehene exzessive Arbeiten im Divine Enterprise stark strapaziert hatte. Und was mein Selbstvertrauen betraf, so musste ich es – genauso wie mein gesamtes berufliches und soziales Leben – von ganz unten wieder mühsam aufbauen.

Es brauchte also seine Zeit, bis ich mich wieder in das so lange verdrängte Outside, die „Welt da draußen“, integriert hatte, vielleicht ebenso lange, wie ich dazu benötigte, den narkotisierenden Indoktrinationsapparat zu durchbrechen. Bis zu meinem Austritt hatte ich mir nämlich eine eiserne Gedankenkontrolle angeeignet, die selbst den kleinsten kritischen Gedanken über Sri Chinmoy sofort abblockte – schließlich war der Guru für mich als Disciple über alles erhaben. An machen dunklen Tagen betete (!) ich sogar zu ihm, dass er mich trotz meines Ungehorsams – und sei dieser auch nur unbewusst – nicht mit einem Hinauswurf bestrafen möge. Ein Leben ohne Sir Chinmoy konnte ich mir damals nicht vorstellen.
 
 

Missbrauch als "Segnung"
 

Wie Eltern ihre Kinder für deren erschreckend schlechtes Verhalten bestrafen, genauso bestraft die Seele den unfolgsamen Verstand, das Vitale und den Körper. Natürlich sehen wir die Bestrafung im physischen Körper, aber der Verstand, das Vitale und der Körper sind alle gleichermaßen beteiligt, wenn sie etwas erschreckend Schlechtes tun. Die Seele besitzt und nutzt die Fähigkeit, einzelne Körperteile erheblich zu schädigen. Es können eure Augen sein, es kann euer Kopf sein, es kann eure Brust sein, es können eure Beine sein oder eure Ohren. So bestraft die Seele den Körper.
Sri Chinmoy (aus einer unveröffentlichten Rede)


Als ich schließlich nach meinem Austritt mit anderen Exdisciples erstmals unzensiert reden konnte, wurde mir schnell bewusst, dass nicht nur ich eine Art von Massenhypnose, wenn nicht gar einer psychischen Misshandlung, erlegen war. Dabei war es mir im Vergleich zu manchen anderen Disciples noch relativ gut ergangen, wie zum Beispiel das Schicksal der 40-jährigen US-Amerikanerin Anne C. belegt.

Anne war über 16 Jahre eine aufrichtige Schülerin Sri Chinmoys. Nach dieser Zeit war sie nur mehr eine traumatisierte Frau, die ihr Leben erst wieder durch Psychotherapien in den Griff bekommen musste. Anne wurde eines Tages unter dem Vorwand einer „speziellen Segnung“ zum Guru gerufen. Natürlich willigte sie ein, ist doch eines Disciples Hauptbestreben, ihn auf allen Ebenen bedingungslos zufrieden zu stellen. Die Segnung bestand darin, dass Sri Chinmoy sie aufforderte, mit ihm Sex zu haben – trotz des von ihm mit drakonischer Härte gelehrten Zölibats. „Ich war vollkommen unter seiner Kontrolle. Deshalb wusste ich nicht, wen ich um Hilfe bitten konnte. Er sagte mir, dass ich niemals jemandem etwas darüber berichten solle. Er enthüllte mir, dass dies, was er für mich getan hat, eine Segnung gewesen sei.“ Bei Anne kamen nach diesem Vorfall zwar einige Zweifel bezüglich der Rechtmäßigkeit der Forderung des Gurus hoch, sie hatte jedoch zugleich eine tief sitzende Angst, ungehorsam zu sein. Derart eingeschüchtert, traf sie sich seitdem regelmäßig mit Sri Chinmoy. Der verlangte von ihr u.a., vor seinen Augen und unter seiner Anleitung gleichgeschlichen Sex mit anderen Disciples zu haben. „Ich glaubte dem Guru, wenn er sagte, dass wir ihm gehorchen sollten, ansonsten würden unsere Seelen uns bestrafen und spirituell leiden lassen. Aufgrund meiner Angst arbeitete ich dann weitere sechs Jahre im Annam Brahma (Divine Enterprise Restaurant in New York). Während dieser Jahre litt ich eine Menge, da die Arbeit sehr hart war – eine 90 Stunden Woche für lediglich (wöchentlich) 50 US-Dollar.“
 
 

Selbstverantwortung

Anne zufolge waren noch weitere Schülerinnen in die sexuellen Aktivitäten des Gurus involviert. Dies bestätigte mir auch Flex B., der ehemalige langjährige Centerleiter von Österreich, der mehr als neun Monate damit verbrachte, diesen Anschuldigungen gegen Sri Chinmoy nachzugehen und die betroffenen Personen in Bezug auf ihre Glaubwürdigkeit akribisch zu prüfen. Die ihm bekannten Fälle von sexuellem Missbrauch, von deren Wahrheitsgehalt er mittlerweile überzeugt ist, betreffen den Zeitraum zwischen 1973 und 2001. Er berichtet ebenso von zwei durch den Guru verursachten Schwangerschaften und den darauf folgenden verordneten Abtreibungen.

Sri Chinmoy war übrigens Flex gegenüber zu keiner Stellungnahme bereit, obwohl dieser seinem Exmeister 23 Jahre lang treu ergeben gewesen war und ihn auch finanziell sehr unterstützt hatte (Chinmoy lebt seit 1967 nur mehr vom gespendeten Geld seiner Schüler und den Enterprises).

Zwei Jahre sind nun vergangen, seit ich den Weg Sri Chinmoys, den „Weg des Herzens“, einen Weg der angeblichen Selbsttranszendenz und Nächstenliebe, verlassen habe. Vieles hat sich seither für mich verändert, vor allem was mein Verhältnis zu so genannten unfehlbaren Gurus betrifft. Besonders habe ich gelernt, wie wichtig das Grundrecht jedes Menschen ist, im weltlichen und spirituellen Leben für sein Denken, Fühlen und Handeln Selbstverantwortung zu übernehmen. Keine noch so bedeutend erscheinende Lichtgestalt kann uns die Verwirklichung des Höchsten schenken, indem sie von uns blinden Gehorsam fordert und uns von unserer Eigenverantwortung entbindet. Wer dies trotzdem von uns verlangt, trägt nur allzu oft (neben dem sicher vorhandenen Licht) einen Schatten mit sich herum, der sich u.a. in der hier geschilderten Weise offenbaren kann: durch Gängelung, Misshandlung und Missbrauch.

Kein Meister – so sehr er uns auch durch sein Beispiel inspirieren mag – kann uns die Arbeit an uns selbst abnehmen. Erleuchtung beruht auf persönlicher, nicht übertragbarer und nicht normierbarer Erfahrung. Somit wohnt auch der einzige wirkliche Gott und Meister nur im eigenen Herzen.

Literatur

Die unveröffentlichten Reden, aus denen hier zitiert wurde, sind nachzulesen in Alexander Kahr: „Mein Wille geschehe“, Verlag Linonis, ISBN 3-902305-00-2.
CD-Rom (ISBN 3-936473-64-1)
und downloadbare E-Book-Version unter: www.adina-online-verlag.com
Webseiten mit weiteren Informationen über Sri Chinmoy:
www.AboutSriChinmoy.com
www.AGPF.de/Chinmoy.html
 
 
 

Mehr über "Connection"

Die Zeitschrift trägt oberhalb des Titel die Erläuterung "Lebenskunst Vision Bewusstsein".
Ihr Chef ist Wolf Schneider, der inzwischen den ihm von Bhagwan verliehenen Namen "Sugata" nicht mehr verwendet.
Auch damals war er keineswegs ein bedingungsloser Guru-Anhänger, vgl.
Die Sugata-Kontroverse - Was wußte der Chef? - 27.12.89  - http://www.AGPF.de/Bhagwan-AGPF-Texte.htm#27.12.89

Am Ende des Kahr-Artikels schreibt Schneider eine Stellungnahme:

"Mit diesem Bericht über Sri Chinmoy wollen wir auf die Gefahren eines »kom pletten Gurugehorsams« hinweisen,die vor allem bei religiösen Bewegungen entstehen, die ihre Lehrer auf übertrie bene Weise heiligen und nur in allzu ro sigen Farben beschreiben—als Lichtge stalten ohne Fehl und Tadel."
Schneider betont, "dass die Hingabe an einen Guru nicht grundsätzlich zu verdammen ist, sondern für viele religiöse Wege existentell".
Er habe auch nicht nur "im Frust geschiedene ehemalige Schülr befragt, sondern auch Menschen, die von Chinmoy viel gelernt haben und für die er ein wichtiger und heilsamer Lehrer war".
Schneider weist ausdrücklich auf seinen kritischen Standpunkt gegenüber Guru-Kritikern hin: "Rettet uns vor den Rettern", Connection Nr. 1/2003.
Schneider schreibt:
"Ich selbst habe Chinmoy nie persönlich kennen gelernt, sondern nur durch seine Schriften, seine Musik und Videos. Für einige meiner Freunde und Bekannten war er ein wichtiger Lehrer; die Zeit, die sie mit ihm verbrachten, bewerten sie heute als positiv. Die dieser Tage veröffentlichten Berichte über seinen Voyeurismus, sein Sexualverhalten, seine diktatorische Führung und die Vertuschung von Veröffentlichungen hierüber bis hin zu den massiven Drohungen an die Menschen, die sie weitergeben, erfüllen sie mit Verwunderung und Abscheu.
Selbstverständlich lässt sich jeder Mensch und erst recht jede religiöse Organisation immer von sehr verschiedenen Seiten betrachten, deshalb wollen wir gerade in dieser Sache auch Gegenstimmen zu Wort kommen lassen, wenn sie sich denn äußern wollen. Sri Chinmoy und seine (noch) An hänger sind hiermit eingeladen, auch in connection (und nicht nur in persönlichen Drohbriefen) zu den hier geäußerten Vorwürfen Stellung zu beziehen, bitte an:schneider@connection-medien.de"

 

Bildunterschriften:
Auch die Formulierung von bildunterschriften enthalten Standpunkte. Deshalb werden diese hier wiedrgegeben:

"Sri Chinmoy, Guru der Superlative"

Unter diesem Titel bringt Connection einen kurzen Lebenslauf.
Zitate daraus:
 

"Seit 1970 leitete Sri Chinmoy eine private Meditationsgruppe im Gebäudekomplex der UNO und arbeitete mit großem Marketing-Geschick an seinem Image als "UNO-Guro“ und Kämpfer für den Weltfrieden. Bekannt wurde er auch für seine Weltfriedensläufe (peace runs) in verschiedenen Städten, die auch der Werbung neuer Mitglieder dienten.
Sri Chinmoys Ashrams sind durch ein strenges Regelwerk, das Gebot sexueller Enthaltsamkeit und unbedingten Guru-Gehorsam geprägt. Seine Anhänger legen Wert darauf, ihren Meister als Sportler und Künstler von geradezu übermenschlichen Kräften darzustellen. 1.300 Bücher, 15.000 Bilder und Zeichnungen, 16.000 Lieder, die Teilnahme an 21 Marathonläufen und der Weltrekord im Hantelstemmen (3.000 kg einarmig, nicht offiziell anerkannt) u.a. werden ihm zugeschrieben."

 
 
 
 



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