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Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V., Bonn Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Chinmoy-Kahr-Connection2003.htm Zuletzt bearbeitet am 5.9.2005 Zur Homepage | Zur Inhaltsseite | Zum Begriff Sekte | AGPF-Spendenkonto |
Alexander Kahr über Sri Chinmoy: Ein Erfahrungsbericht
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Verfasser des auf dieser Seite wiedergegebenen Artikels ist Autor des bisher
einzigen Buches eines ehemaligen Chinmoy-Anhängers in deutscher Sprache:
Alexander Kahr:
Einzelheiten:
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Dazu siehe auch:
Totalitarismus des Lichts
Meine Zeit als Schüler
von Sri Chinmoy
Ein Erfahrungsbericht
von Alexander Kahr
"Eigentlich wollte ich dir nur drei Zeilen schreiben, und die hätten so gelautet: Judas, das ist der einzige spirituelle Name, der dir gebührt, bin gespannt, ob du nach einer Phase der Läuterung auch so viel Charakter wie dein Namensvorfahre besitzt und die gleichen Konsequenzen triffst wie jener." [vollständig unter http://www.AGPF.de/Chinmoy-Drohbrief-gg-Kahr.htm]
So beginnt ein immerhin zwanzigseitiger
anonymer Brief eines Disciples (englische Bezeichnung für den
Schüler eines spirituellen Meisters), den ich vor einiger Zeit erhalten
habe. Er droht mir unter anderem mit einer kostspieligen Klage und den
strafenden okkulten Kräften des Gurus. Neben beleidigenden Formulierungen
appelliert er mitunter sogar mit eindringlichen Beschwörungsformeln
an mein angeblich verwirrtes Gewissen. Dem vorausgegangen war mein freiwilliger
Austritt aus der Sri Chinmoy Bewegung, dem so genannten Weg des Herzens,
und die Veröffentlichung meines Buchs „Mein Wille geschehe“, in dem
ich mich anhand meiner persönlichen Erfahrungen kritisch mit dem Guru,
seiner Organisation, seinen Lehren, Errungenschaften, Methoden und mit
Spiritualität als Ganzem auseinander setze.
Als Disciple war ich Monate zuvor noch ein anerkanntes, gern gesehenes Vorbild. Als Exdisciple bin ich auf einmal ein "Gefallener“, jemand, den man besser aus dem Gedächtnis ausradiert und äußerlich meidet, weil er mit ansteckenden negativen Energien erfüllt ist. Nachdem ich es außerdem wagte, mich öffentlich kritisch mit meinem Exguru auseinander zu setzen, bin ich jetzt anscheinend zum Untermenschen, zu einer so genannten Hostile Force (feindlichen Kraft) erklärt worden. Dabei hatte der eingangs zitierte Disciple nach eigener Aussage bis dahin noch keine einzige Seite meines Buches gelesen. Der bloße Verdacht, dass man den gottgleichen und somit unfehlbaren Status Sri Chinmoys angezweifelt haben könnte, genügte offenbar bereits, um von ihm und seinen Schülern zum Feind erklärt zu werden.
So ergeht es nicht nur mir in diesen Tagen. Auch andere mir bekannte ehemalige Schüler Chinmoys, die mit ihren Erfahrungen in Form von aufklärenden Internetforen an die Öffentlichkeit gegangen sind, wurden auf verschiedene und mitunter nötigende Weise von speziell damit beauftragten Getreuen Sri Chinmoys dazu angehalten, ihren „Irrtum“ einzusehen und von weiterer Kritik abzulassen.
Der Masse der Schüler wurde es von
ihrem Guru strengstens verboten, diese Aussteigerberichte zu lesen oder
auch nur von deren Existenz zu berichten. Wer es dennoch wagt, riskiert
dabei, aus der Bewegung ausgestoßen zu werden. Sri Chinmoy ist für
seine Schüler Gott in Person. Seine Integrität und Authentizität
als spirituelle Autorität zu hinterfragen oder auch nur darauf hinzuweisen,
dass er in einem Aspekt seines Wesens ein begrenztes menschliches Wesen
ist wie wir alle, gilt als Sakrileg.
Gurugehorsam – Duft oder
Gestank?
"Auf Sri Chinmoys Pfad ist der Seelenduft des kompletten Gurugehorsams unerlässlich.“
Sri Chinmoy
Diese Worte Sri Chinmoys vom 27. Juli
1994 müssen seither alle Disciples täglich mit gefalteten Händen
vor einem Portraitfoto ihres Meister rezitieren. Er fordert damit den blinden
Glauben an sein unfehlbares Einssein mit dem Höchsten. Das vom Guru
Geforderte ist sofort als unfehlbares Naturgesetz hinzunehmen.
Als ich vor einigen Jahren, auf der Suche
nach einem Ort der Meditationspraxis, mit dem Sri Chinmoy Center meiner
Heimatstadt in Kontakt gekommen war, ahnte ich noch nichts von den Ausmaßen,
die dieser „komplette Gurugehorsam“ annehmen konnte. Sri Chinmoy war am
Hauptsitz der UNO in New York angeblich offiziell als Meditationsleiter
eingesetzt worden. Er ist auf unzähligen Fotos mit eindrucksvollen
Persönlichkeiten zu sehen. Im Namen des Friedens inszeniert er sportliche
Wettbewerbe und Konzerte. Durch die Kraft seiner Meditation soll er im
Stande sein, rekordverdächtige Gewichte (darunter auch eine 3,2 Tonnen
schwere Hantel) einarmig empor zu stemmen. Er hat Tausende von Liedern,
Gedichten und Büchern geschrieben, ist mit unzähligen Auszeichnungen
geehrt worden, und seine Schüler durften sogar an Universitäten
Vorträge halten. An solch einem Meister kann doch kein Fehl sein,
dachte ich. Hinzu kamen die intensiven Meditationserfahrungen, die ich
im Center machte und die man üblicherweise der alleinigen Gnade des
Gurus zuschrieb. Ich war derart beeindruckt, dass ich kaum Zweifel an der
Seriosität des Meisters hatte, den ich hier gefunden hatte, ohne ihn
gesucht zu haben. So war es für mich damals nur mehr ein kleiner Schritt,
Sri Chinmoy als meinen Guru anzunehmen.
Überholspur zur Erlösung
Du wirst niemals eine goldene Gelegenheit bekommen wie in dieser Inkarnation. Du wirst es sehen, wenn du keinen Meister meines Kalibers hast.
(Sri Chinmoy, The Disciple´s Companion)
Damals, als ich Disciple geworden war,
dachte ich tatsächlich, dass ich mit Sri Chinmoy, der im Selbstverständnis
eines Avatars (einer Inkarnation des Göttlichen) lehrt und den seine
Schüler sogar als den Avatar unserer Epoche betrachten, eine goldene
Gelegenheit für einzigartigen spirituellen Fortschritt erhalten hatte.
Den Schriften des Gurus zu Folge kann man durch den engen Kontakt mit ihm
während eines Lebens einen Fortschritt machen, für den man sonst
40 oder 50 Inkarnationen bräuchte. Man kann sogar die Gottverwirklichung
selbst erlangen. Um jedoch diese Gelegenheit beim Schopf packen zu können,
musste ich zuerst dem Guru näher kommen. Sri Chinmoy unterteilt seine
Schüler je nach Ergebenheitsgrad in sieben Klassen und einen privilegierten
innersten Schülerkreis (in dessen Aktivitäten man als gemeiner
Disciple kaum Einblick erhält). Innerhalb dieser Hierarchie aufsteigen
konnte ich nur, indem ich Sri Chinmoy möglichst in jeder Sekunde auf
allen Ebenen zufrieden stelle: im Denken, Fühlen und Handeln.
Der verschlingende Gottmensch
Kein Schüler in Gottes Schöpfung seit Anbeginn der Welt kann sich mit euch auf eine Stufe stellen. Wenn ihr auf mich hört, mir gehorcht und nur an mich denkt, nur mich zufrieden zu stellen versucht, nur mich liebt, nur mich braucht und nur mich erfüllt, dann werdet ihr zum absoluten unvergleichlichen Sucher-Instrument des Höchsten seit Anbeginn seiner spirituellen Schöpfung.
Sri Chinmoy (aus einer unveröffentlichten Rede)
Die angenommene Gottgleichheit des
Meisters und das damit verbundene elitäre Selbstverständnis der
Schüler stellt natürlich nichts Neues dar. Diese Merkmale weisen
wohl sehr viele Sekten, spirituelle Bewegungen und etablierte Kirchen mehr
oder minder extrem auf. Meiner Meinung nach entwickelt sich Leben immer
zur wachsenden Selbständigkeit, zum verantwortungsvollen Erwachsenwerden.
Beides wurde unter Sri Chinmoy nicht gerade gefördert – weder auf
der spirituellen noch auf der weltlichen Ebene. Der Guru übernahm
für die großen und kleinen Dinge meines Lebens immer mehr die
alleinige Verantwortung. Wenn ich ihm innerlich und äußerlich
alles übergeben konnte, so wurde mir gelehrt, würde er sich um
mein gesamtes Dasein kümmern und gegebenenfalls sogar auf okkultem
Wege helfen.
Auf diese Weise wurde ich dazu veranlasst, all meine persönlichen Sehnsüchte, Wünsche und Ziele aufzugeben. Aufgrund der Lehre meines Exgurus wurde ich zum Beispiel im zunehmenden Maße unfähig, genügend Zeit und Inspiration für mein Studium aufzubringen. Stattdessen war ich damit beschäftigt, sein Licht und sein Ansehen durch medienwirksame Öffentlichkeitsarbeit und Missionierung (als Disciple soll man möglichst viele neue Schüler anwerben) zu manifestieren und all den anderen unzähligen Anforderungen des Centers nachzukommen. Schließlich gab ich, da ich außerdem noch dringend Geld für mein neues, dem Guru geweihtes Leben brauchte, meine Berufsausbildung auf und wurde ein einfacher Verkäufer eines so genannten Divine Enterprises, eines ausschließlich von Disciples gegründeten und betriebenen Unternehmens.
Ich verlor auch nach und nach mein altes
soziales Umfeld und meinen Freundeskreis, nicht nur weil dies ausdrücklich
von Sri Chinmoy empfohlen wurde. Die andauernde Indoktrination erzeugte
in mir eine wachsende Entfremdung von meiner bisherigen Lebenswirklichkeit,
so dass es mir immer schwerer fiel, mit angeblich nicht spirituellen Menschen
vernünftig interagieren zu können. Auch Menschen, die im Center
meine Freunde geworden waren, die dann aber den Weg verlassen hatten, musste
ich kompromisslos aufgeben. Es war verboten, mit ihnen zusammen zu treffen,
da sie angeblich mit Hostile Forces erfüllt waren. Frauen, in die
ich mich dort verliebte, musste ich meiden. Kontakte zwischen männlichen
und weiblichen Disciples sind, laut Sri Chinmoy, für den die Gottverwirklichung
ohne ein eisernes Zölibat unmöglich ist, strengstens verboten.
Diese regelrechte Tabuisierung des anderen Geschlechts geht so weit, dass
man als wahrer Disciple sogar jeglichen Augenkontakt zu vermeiden hat.
Verklemmtheit als Weg
Wenn du ein Junge bist, dann sieh einem Mädchen nicht direkt in die Augen – schau zu Seite, auf die Schulter, auf die Stirn oder irgendwo anders hin. Schau nie einem Mädchen unmittelbar in die Augen. Ebenso sollten die Mädchen nie den Jungen direkt in die Augen sehen. Schaut auf die Schulter, zur Seite, auf die Füße oder auf den Boden. Lasst die Leute ruhig über euch lachen, aber niemand von ihnen wird euch retten, letztlich müsst ihr euch selbst retten.
Sri Chinmoy (aus einer unveröffentlichten Rede)
Schließlich wurde der letzte
Rest meines Unterscheidungs- und Urteilsvermögens auf unauffällige,
schleichende Art von Sri Chinmoy vereinnahmt. Mein Ich wurde von nun an
über den Guru definiert. Gut und recht war nur, was ihn zufrieden
stellte und ihm nutzte. Alles, was in Wort und Tat nicht im Einklang mit
seinen unzähligen Ansichten, Empfehlungen und Regeln stand – vor allem
unangenehme Fragen oder offen geäußerte Kritik – wurde verdrängt
und mit Strafmaßnahmen bis hin zum Ausschluss aus dem Center geahndet.
Die Nabelschnur reißt
Wenn ihr Leute meine Mission verzögert, wird es um euch schlecht gestellt sein, denn ich werde euch alle hinauswerfen.
Sri Chinmoy (aus Alo Devi: „Third Book of talks and meetings with Master Sri Chinmoy in Puerto Rico“)
Den Guru zu verlassen stellt für
viele Disciples jedoch ein unverzeihliches Verbrechen gegenüber der
eigenen Seele, wenn nicht den spirituellen Tod dar. Anna M., eine mir persönlich
bekannte, während ihrer 21-jährigen Disciple-Zeit hochangesehene
Deutsche, hatte, durch diese Ansichten beeinflusst, nach ihrem Austritt
unter massiven Angst- und Panikattacken zu leiden. Sie flüchtete sich
in Alkohol und Tabletten und wollte sich sogar das Leben nehmen. Schließlich
benötigte sie vier Monate Aufenthalt in zwei psychosomatischen Kliniken
und 17 Monate Behandlung mit starken Psychopharmaka, um von Sri Chinmoy
wieder loszukommen.
Ich selbst benötigte einige Monate für diese Abnabelung. Vom ersten Aufkommen bewusster Zweifel bezüglich der Seriosität Sri Chinmoys bis zu meinem Austritt vergingen über drei lange Jahre des harten Kampfes mit dem manipulierten Anteil meiner Persönlichkeit. Danach war ich erst einmal erledigt – psychisch wie physisch. Emotional war ich an einem erschreckenden Punkt angelangt, an dem ich nicht einmal mehr weinen konnte. Auch gesundheitlich war ich angeschlagen: Ich hatte zum Beispiel Untergewicht, meine Nerven lagen nach jahrelang stärker werdenden Depressionen blank, und ich hatte Probleme mit meinem Rücken, den ich durch das vom Guru gern gesehene exzessive Arbeiten im Divine Enterprise stark strapaziert hatte. Und was mein Selbstvertrauen betraf, so musste ich es – genauso wie mein gesamtes berufliches und soziales Leben – von ganz unten wieder mühsam aufbauen.
Es brauchte also
seine Zeit, bis ich mich wieder in das so lange verdrängte Outside,
die „Welt da draußen“, integriert hatte, vielleicht ebenso lange,
wie ich dazu benötigte, den narkotisierenden Indoktrinationsapparat
zu durchbrechen. Bis zu meinem Austritt hatte ich mir nämlich eine
eiserne Gedankenkontrolle angeeignet, die selbst den kleinsten kritischen
Gedanken über Sri Chinmoy sofort abblockte – schließlich war
der Guru für mich als Disciple über alles erhaben. An machen
dunklen Tagen betete (!) ich sogar zu ihm, dass er mich trotz meines Ungehorsams
– und sei dieser auch nur unbewusst – nicht mit einem Hinauswurf bestrafen
möge. Ein Leben ohne Sir Chinmoy konnte ich mir damals nicht vorstellen.
Missbrauch als "Segnung"
Wie Eltern ihre Kinder für deren erschreckend schlechtes Verhalten bestrafen, genauso bestraft die Seele den unfolgsamen Verstand, das Vitale und den Körper. Natürlich sehen wir die Bestrafung im physischen Körper, aber der Verstand, das Vitale und der Körper sind alle gleichermaßen beteiligt, wenn sie etwas erschreckend Schlechtes tun. Die Seele besitzt und nutzt die Fähigkeit, einzelne Körperteile erheblich zu schädigen. Es können eure Augen sein, es kann euer Kopf sein, es kann eure Brust sein, es können eure Beine sein oder eure Ohren. So bestraft die Seele den Körper.
Sri Chinmoy (aus einer unveröffentlichten Rede)
Als ich schließlich nach meinem
Austritt mit anderen Exdisciples erstmals unzensiert reden konnte, wurde
mir schnell bewusst, dass nicht nur ich eine Art von Massenhypnose, wenn
nicht gar einer psychischen Misshandlung, erlegen war. Dabei war es mir
im Vergleich zu manchen anderen Disciples noch relativ gut ergangen, wie
zum Beispiel das Schicksal der 40-jährigen US-Amerikanerin Anne C.
belegt.
Anne war über 16 Jahre eine aufrichtige
Schülerin Sri Chinmoys. Nach dieser Zeit war sie nur mehr eine traumatisierte
Frau, die ihr Leben erst wieder durch Psychotherapien in den Griff bekommen
musste. Anne wurde eines Tages unter dem Vorwand einer „speziellen Segnung“
zum Guru gerufen. Natürlich willigte sie ein, ist doch eines Disciples
Hauptbestreben, ihn auf allen Ebenen bedingungslos zufrieden zu stellen.
Die Segnung bestand darin, dass Sri Chinmoy sie aufforderte, mit ihm Sex
zu haben – trotz des von ihm mit drakonischer Härte gelehrten Zölibats.
„Ich war vollkommen unter seiner Kontrolle. Deshalb wusste ich nicht,
wen ich um Hilfe bitten konnte. Er sagte mir, dass ich niemals jemandem
etwas darüber berichten solle. Er enthüllte mir, dass dies, was
er für mich getan hat, eine Segnung gewesen sei.“ Bei Anne kamen
nach diesem Vorfall zwar einige Zweifel bezüglich der Rechtmäßigkeit
der Forderung des Gurus hoch, sie hatte jedoch zugleich eine tief sitzende
Angst, ungehorsam zu sein. Derart eingeschüchtert, traf sie sich seitdem
regelmäßig mit Sri Chinmoy. Der verlangte von ihr u.a., vor
seinen Augen und unter seiner Anleitung gleichgeschlichen Sex mit anderen
Disciples zu haben.
„Ich glaubte dem Guru, wenn er sagte, dass wir ihm
gehorchen sollten, ansonsten würden unsere Seelen uns bestrafen und
spirituell leiden lassen. Aufgrund meiner Angst arbeitete ich dann weitere
sechs Jahre im Annam Brahma (Divine Enterprise Restaurant in New York).
Während dieser Jahre litt ich eine Menge, da die Arbeit sehr hart
war – eine 90 Stunden Woche für lediglich (wöchentlich) 50 US-Dollar.“
Selbstverantwortung
Anne zufolge waren noch weitere Schülerinnen in die sexuellen Aktivitäten des Gurus involviert. Dies bestätigte mir auch Flex B., der ehemalige langjährige Centerleiter von Österreich, der mehr als neun Monate damit verbrachte, diesen Anschuldigungen gegen Sri Chinmoy nachzugehen und die betroffenen Personen in Bezug auf ihre Glaubwürdigkeit akribisch zu prüfen. Die ihm bekannten Fälle von sexuellem Missbrauch, von deren Wahrheitsgehalt er mittlerweile überzeugt ist, betreffen den Zeitraum zwischen 1973 und 2001. Er berichtet ebenso von zwei durch den Guru verursachten Schwangerschaften und den darauf folgenden verordneten Abtreibungen.
Sri Chinmoy war übrigens Flex gegenüber zu keiner Stellungnahme bereit, obwohl dieser seinem Exmeister 23 Jahre lang treu ergeben gewesen war und ihn auch finanziell sehr unterstützt hatte (Chinmoy lebt seit 1967 nur mehr vom gespendeten Geld seiner Schüler und den Enterprises).
Zwei Jahre sind nun vergangen, seit ich den Weg Sri Chinmoys, den „Weg des Herzens“, einen Weg der angeblichen Selbsttranszendenz und Nächstenliebe, verlassen habe. Vieles hat sich seither für mich verändert, vor allem was mein Verhältnis zu so genannten unfehlbaren Gurus betrifft. Besonders habe ich gelernt, wie wichtig das Grundrecht jedes Menschen ist, im weltlichen und spirituellen Leben für sein Denken, Fühlen und Handeln Selbstverantwortung zu übernehmen. Keine noch so bedeutend erscheinende Lichtgestalt kann uns die Verwirklichung des Höchsten schenken, indem sie von uns blinden Gehorsam fordert und uns von unserer Eigenverantwortung entbindet. Wer dies trotzdem von uns verlangt, trägt nur allzu oft (neben dem sicher vorhandenen Licht) einen Schatten mit sich herum, der sich u.a. in der hier geschilderten Weise offenbaren kann: durch Gängelung, Misshandlung und Missbrauch.
Kein Meister – so sehr er uns auch durch sein Beispiel inspirieren mag – kann uns die Arbeit an uns selbst abnehmen. Erleuchtung beruht auf persönlicher, nicht übertragbarer und nicht normierbarer Erfahrung. Somit wohnt auch der einzige wirkliche Gott und Meister nur im eigenen Herzen.
Literatur
Die unveröffentlichten Reden, aus
denen hier zitiert wurde, sind nachzulesen in Alexander Kahr: „Mein Wille
geschehe“, Verlag Linonis, ISBN 3-902305-00-2.
CD-Rom (ISBN 3-936473-64-1)
und downloadbare E-Book-Version unter:
www.adina-online-verlag.com
Webseiten mit weiteren Informationen über
Sri Chinmoy:
www.AboutSriChinmoy.com
www.AGPF.de/Chinmoy.html
Die Zeitschrift trägt oberhalb des
Titel die Erläuterung "Lebenskunst Vision Bewusstsein".
Ihr Chef ist Wolf Schneider, der inzwischen
den ihm von Bhagwan verliehenen Namen "Sugata" nicht mehr verwendet.
Auch damals war er keineswegs ein bedingungsloser
Guru-Anhänger, vgl.
Die Sugata-Kontroverse - Was wußte
der Chef? - 27.12.89 - http://www.AGPF.de/Bhagwan-AGPF-Texte.htm#27.12.89
Am Ende des Kahr-Artikels schreibt Schneider eine Stellungnahme:
"Mit diesem Bericht über Sri Chinmoy wollen wir auf die Gefahren eines »kom pletten Gurugehorsams« hinweisen,die vor allem bei religiösen Bewegungen entstehen, die ihre Lehrer auf übertrie bene Weise heiligen und nur in allzu ro sigen Farben beschreiben—als Lichtge stalten ohne Fehl und Tadel."Schneider betont, "dass die Hingabe an einen Guru nicht grundsätzlich zu verdammen ist, sondern für viele religiöse Wege existentell".
"Ich selbst habe Chinmoy nie persönlich kennen gelernt, sondern nur durch seine Schriften, seine Musik und Videos. Für einige meiner Freunde und Bekannten war er ein wichtiger Lehrer; die Zeit, die sie mit ihm verbrachten, bewerten sie heute als positiv. Die dieser Tage veröffentlichten Berichte über seinen Voyeurismus, sein Sexualverhalten, seine diktatorische Führung und die Vertuschung von Veröffentlichungen hierüber bis hin zu den massiven Drohungen an die Menschen, die sie weitergeben, erfüllen sie mit Verwunderung und Abscheu.
Selbstverständlich lässt sich jeder Mensch und erst recht jede religiöse Organisation immer von sehr verschiedenen Seiten betrachten, deshalb wollen wir gerade in dieser Sache auch Gegenstimmen zu Wort kommen lassen, wenn sie sich denn äußern wollen. Sri Chinmoy und seine (noch) An hänger sind hiermit eingeladen, auch in connection (und nicht nur in persönlichen Drohbriefen) zu den hier geäußerten Vorwürfen Stellung zu beziehen, bitte an:schneider@connection-medien.de"
Bildunterschriften:
Auch die Formulierung von bildunterschriften
enthalten Standpunkte. Deshalb werden diese hier wiedrgegeben:
Unter diesem Titel bringt Connection einen
kurzen Lebenslauf.
Zitate daraus:
"Seit 1970 leitete Sri Chinmoy eine private Meditationsgruppe im Gebäudekomplex der UNO und arbeitete mit großem Marketing-Geschick an seinem Image als "UNO-Guro“ und Kämpfer für den Weltfrieden. Bekannt wurde er auch für seine Weltfriedensläufe (peace runs) in verschiedenen Städten, die auch der Werbung neuer Mitglieder dienten.
Sri Chinmoys Ashrams sind durch ein strenges Regelwerk, das Gebot sexueller Enthaltsamkeit und unbedingten Guru-Gehorsam geprägt. Seine Anhänger legen Wert darauf, ihren Meister als Sportler und Künstler von geradezu übermenschlichen Kräften darzustellen. 1.300 Bücher, 15.000 Bilder und Zeichnungen, 16.000 Lieder, die Teilnahme an 21 Marathonläufen und der Weltrekord im Hantelstemmen (3.000 kg einarmig, nicht offiziell anerkannt) u.a. werden ihm zugeschrieben."