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Osho-Bhagwan-Kult: Presse und Zitate



 
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Saarbrücker Zeitung vom 26.7.00

Geldwäsche, Drogengeschäfte, Sex-Skandale: Die Kommune im indischen Pune, die 1966 gegründet wurde, sorgte schon immer für Schlagzeilen. Tausende lauschen Mitte der 60er erstmals den Predigten von Rajneesh Chandra Mohan, der sich "Bhagwan" (Gott) nennt. In der Folgezeit kommen auch Prominente aus dem Westen, darunter der Beatle George Harrison oder die Schauspielerin Eva Renzi, zur Meditation. 1974 wird in Pune ein spirituelles Zentrum gebaut. Zwischen den Jahren 1981 und 1985 gründet Rajneesh im US-Bundesstaat Oregon eine zweite Kommune. Nach dem Verbot der Sekte, will er die USA heimlich verlassen, wird aber für drei Wochen inhaftiert. Danach versucht er in verschiedenen Ländern (auch in Frankreich und Deutschland) eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen - ohne Erfolg. Zur selben Zeit entstehen in seinem Namen auch in Deutschland Diskos und Verkaufsläden. 1987 kehrt er trotz Proteste von fundamentalistischen Hindus nach Pune zurück. Am 19. Januar 1990 stirbt Bhagwan, der sich jetzt "Osho" (Erleuchtete) nennt, in Pune. Der "Inner-Circle" übernimmt die Leitung. jkn

Beim Geld fehlt die Erleuchtung

Erbitterter Streit um Bhagwans Erbe: Millionen-Geschäfte im spirituellen Zentrum im indischen Pune entzweien die Sekte

Mammon statt Seelen-Heil! In der Bhagwan-Kommune im indischen Pune kracht's ganz gewaltig. Es geht um die Rechte an den Werken ihres Meisters. Millionen Dollar sind im Spiel der spirituellen Jünger.

- Von RAINER HÖRIG und JÜRGEN K. NEUMANN -

Tausende Europäer, Asiaten und Amerikaner kommen täglich in die indische Stadt Pune. Sie suchen in der Distrikhauptstadt des Bundesstaates Maharashtra den Kick für die Seele. Den Ort, den sie in der 2,5 Millionen Einwohner zählenden City für ihre Erleuchtung finden, liegt in dem vornehmen Stadtteil Koregaon Park. Hier ist die Bhagwan-Kommune zuhause. Doch in diesen Tagen ist wenig von den vielen Seelenheil-Suchenden zu sehen. Die Monsun-Monate sind zwar schon immer "off-season", dennoch fällt die Leere auf. Selbst in der "German Bakery", ein beliebter Treff junger Männer und Frauen aus aller Welt, backt mangels Gästen kleinere Brötchen. Ganz zu schweigen von den Souvenir-Verkäufern. In ihren Kassen herrscht Ebbe.

Die weltweite Gemeinschaft der Bhagwan-Anhänger wird von einem Skandal erschüttert. Mehrere prominente Mitglieder kehrten der "Internationalen Osho-Kommune", dem spirituellen Zentrum der Sekte, den Rücken. In Zeitungen werfen sie der Kommuneleitung vor, den Kommerz zu weit zu treiben und das Hauptquartier heimlich nach New York verlegt zu haben. Vor allem die überregionale Tageszeitung "Indian Express" attackiert die Kommune.

Zu den Dissidenten gehört Ma Yoga Neelam, die langjährige Privatsekretärin des Sektengründers Bhagwan Shree Rajneesh, der kurz vor seinem Tod im Januar 1990 den Namen Osho angenommen hatte. Ihre Vorwürfe richten sie an das Führungstrio Swami Jayesh, Swami Amrito und Ma Anando, alles einflussreiche Mitglieder des so genannten "Inner Circle" ("Innerer Kreis") der Kommune. Die Kritiker wenden sich vor allem gegen den Anspruch des Führungstrios, dass die von ihm kontrollierte Osho-Stiftung in New York alleiniger Inhaber der Rechte an allen schriftlichen und audiovisuellen Werke des Meisters sei. Weltweit werden 1500 Buchtitel sowie mehr als 400 verschiedene Aufzeichnungen von Bhagwans Reden an seine Anhänger (Sanyasins) vertrieben - ein Millionengeschäft. "Sie verschicken Mahnbescheide und Zahlungsaufforderungen an Sanyasins, die in Frankreich und in der Schweiz, in Japan und Deutschland Oshos Bücher verlegen", beschwert sich die Kritikerin Ma Yoga Neelam. "Diese Sanyasins tun das mit sehr viel persönlichem Engagement, weil sie Oshos Ideen verbreiten wollen. Und nun sollen sie plötzlich Lizenzabgaben leisten?"

"Alles in Ordnung," beschwichtigt dagegen Swami Satya Vedant, Sprecher des Inneren Kreises. Osho habe schon vor zwanzig Jahren das Copyright an seinen Werken einer Stiftung übertragen. In Anzeigen behauptet der Sprecher, die Dissidenten seien nicht zugegen gewesen, als Osho sein Vermächtnis mit der Kommuneleitung abgesprochen habe. Bhagwan hatte kurz vor seinem Tod 21 Vertraute mit der Leitung der Kommune beauftragt. Niemals hat die Führung Rechenschaft abgelegt, wie sie die Millionen-Dollar-Einnahmen verwenden.

Der Trend zur Kommerzialisierung begann schon bald nach dem Tod Bhagwans. Zunächst wurde ein Eintrittsgeld für die Kommune erhoben, die Preise für Therapie und Meditation wurden dem West-Niveau angepasst. Heute versteht sich die Kommune als Dienstleistungsbetrieb, als spirituelles Gesundheits-Resort. Mammon zu verdienen ist längst keine Schande mehr.



"Osho" - als Markenzeichen geschützt?

Aus dem Internet-Angebot der Zeitschrift Connection"
http://www.connection-medien.de/hierjetzt05.htm
geladen am 11.9.2000

Oshos Name jetzt frei verwendbar?

Seit Ma Yoga Neelam vor 1 1/2 Jahren den Ashram und den Inner Circle verlassen hatte, häuften sich die Angriffe der Ashramführung gegen sie. Man warf ihr vor, sie behindere Oshos Arbeit und behauptete, dass sie zuletzt gar nicht mehr Oshos Sekretärin gewesen sei. Dabei hatte sie bis zum Verlassen des Ashrams fast zehn Jahre lang (seit Oshos Tod) ununterbrochen als Mitglied es Inner Circles und auch in offizieller Funktion als Oshos Sekretärin für Indien gearbeitet.

Anfangs äußerte sich Neelam nicht öffentlich zu diesen Vorwürfen, erst im Juni 2000, als man ihr den Zutritt zum Ashram verweigerte, gab sie einer großen indischen Tageszeitung, dem Indian Express, ein Interview, in dem sie die Ashramführung beschuldigte, sich diktatorisch zu verhalten. Zu dieser Zeit äußerte sich auch Swami Chaitanya Keerti, der bis Feb. 2000 der offizielle Pressesprecher des Ashrams war, öffentlich über seine Erfahrungen mit der Ashramführung und dem Inner Circle. Daraufhin erhielt das Osho Meditationszentrum in Neu Delhi, wo Keerti inzwischen lebt und arbeitet, eine Klage vor einem US-amerikanischen Gericht wegen Missbrauchs des Namens »Osho« in seiner Internet-Adresse: »oshoworld.com«.

Es kam zur Verhandlung in den USA zwischen Osho International Foundation (New York) und Osho Dhyan Mandir (Neu Delhi). Die Klage wurde in allen Punkten abgewiesen. In der Urteilsbegründung heißt es u.a.:


Zur Zeit wird beim amerikanischen Patentamt in diesem Zusammenhang Einspruch erhoben gegen alle weiteren Copyright und Trademark (Warenzeichen) Anträge, die dort von OI eigereicht wurden.
Wir prüfen, inwieweit der Name »Osho«, dessen Verwendung von seitens OI insbesondere in der Satsang-Szene verfolgt wurde, nun frei verwendet werden darf und werden darüber in den nächsten Ausgaben noch berichten. Auch die Beschuldigungen, die Anwälte von OI im November 1998 gegenüber uns vorbrachten (ausgelöst durch eine Anzeigen von Mikaire, damals »Anamo« in connection 9 – 10/98), erscheinen nach diesem Gerichtsbeschluss nun in neuem Licht.

Weitere Infos hierzu unter: www.meditate-celebrate.com



Kölnische Rundschau vom 15.1.00
Guru starb vor zehn Jahren - Köln ist Hochburg seiner Anhänger
Rund 30 Einrichtungen
Bhagwan-Jünger meditieren am Sessel des "Erleuchteten"

Von Matthias Pesch

Der Sessel des "Erleuchteten" ist mit einer weißen Plastikfolie abgedeckt. Zweimal pro Woche, wenn sich die Teilnehmer der Satsang-Meditation ("Herz-zu-Herz-Kommunikation") in der "Buddhahall" einfinden, wird das biedere Möbelstück von seiner Schutzhülle befreit und unter das großformatige Foto Oshos gerückt. Der Stuhl, der wie ein Relikt aus einem 70er-Jahre-Wohnzimmer wirkt, wird dann Mittelpunkt der meditativen Entspannungsübungen, und dass er leer ist, hat symbolische Bedeutung. "Er weist darauf hin, dass der Mensch auf sich selbst zurückgeworfen ist", sagt Ramateertha, der mit bürgerlichem Namen Robert Doetsch heißt und das "UTA Institut für spirituelle Therapie und Meditation" leitet.

Das Institut, in einem idyllischen Hinterhof an der Venloer Straße 5-7 gelegen, ist so etwas wie das Herzstück der Osho-Aktivitäten in Köln. Am 19. Januar 1990 starb der umstrittene Guru Osho, der bis zwei Jahre vor seinem Tod den Namen Bhagwan Shree Rajneesh trug, im indischen Poona, der Urzelle der Bewegung. Die Zeiten, in denen seine rotgewandeten Jünger das Bild im Belgischen Viertel bestimmten, sind längst vorbei. Aber die Sannyasins, die Schüler des "Meisters", sind auch zehn Jahre nach dessen Tod in Köln durchaus präsent. "Wenn wir heute noch einmal alle Sannyasins in Rot stecken würden", sagt Ramateertha, "würden hier viele erröten."

"Keine Struktur, keine spirituelle Führerschaft"

Zwischen 3000 und 4000 Sannyasins leben nach Schätzung des 49-jährigen Arztes und Therapeuten in Köln und Umgebung, zwischen 400 und 500 mögen es im Belgischen Viertel sein. Sie gehen ganz unterschiedlichen Berufen nach, nach wie vor sind viele Akademiker darunter. Die Mala, die Holzkette mit dem Osho-Amulett, legen sie vor allem zu den Meditationen um, "einige tragen sie aber auch unter ihrer Kleidung". Zumindest äußerlich sind die Sannyasins ein Stück bürgerlicher geworden, und einige behaupten sich als durchaus tüchtige Geschäftsleute.

"Köln ist das lebendigste Osho-Zentrum in Deutschland", versichert Ramateertha. Rund 30 Einrichtungen betreiben die Osho-Jünger in der Region: Neben dem Institut, das zusammen mit dem Osho-Verlag, einem Büchershop und dem Caf‚ und vegetarischen Restaurant "Osho's Place" das Zentrum an der Venloer Straße bildet, gibt es Arztpraxen (mit Schwerpunkten Homöopathie, Bioenergetik, Akupunktur) und Krankengymnasten, Anwaltskanzleien, eine Investment- und Versicherungsberatung und einen Kiosk, Buchläden, Restaurants. Die große Disko am Ring ist schon vor Jahren an einen privaten Betreiber abgegeben worden, und auch die kleine Diskothek an der Brabanter Straße ist seit kurzem dicht. Das "Petit Prince" am Hohenzollernring blieb als Ort, an dem getanzt und gefeiert wird.

Nach der Auflösung der "dicht organisierten" Bhagwan-Kommune an der Lütticher Straße im Jahr 1986 "hat sich die Szene sehr aufgefächert". Und deshalb will Ramateertha auch nicht von "Bewegung" sprechen, denn die würde "Struktur, Organisation und spirituelle Führerschaft" voraussetzen. Letztere dürfe aber selbst der Führungszirkel in Poona nicht für sich reklamieren. "Niemand kann sagen: Das ist Regel Nummer eins, das Regel Nummer zwei."

Orientierung ist auch vom verstorbenen "Meister" mit seinem ausgeprägten Hang zum Luxus - er soll mehr als 90 Rolls Royce besessen haben - kaum zu erwarten. "Er hat sich extrem widersprochen", umschreibt Ramateertha noch freundlich die zum Teil höchst bizarren, provokativen Thesen und Theorien des Gurus. "Fast zu jedem Satz Oshos kann man ein Zitat bringen, das das Gegenteil aussagt." Was nichts daran änderte, dass seine Jünger weltweit jeder seiner Wendungen willig folgten. Der Kern der Botschaft ist allerdings eindeutig und hat für seine Anhänger Bestand: "Wir sollen ein Leben führen, das von Wachheit, Authentizität und einer gewissen Kompromisslosigkeit geprägt ist", sagt Ramateertha. Das Leben genießen, hier und jetzt, feiern, lieben, Spaß haben - das sind die Schlagworte einer individualistischen Lebensphilosophie.

"Der Einzelne mit seiner Selbstentfaltung und Selbstsucht steht im Mittelpunkt", formuliert Werner Höbsch, Experte für Weltanschauungsfragen im Erzbistum Köln, seine Sicht der "psycho-spirituellen Bewegung". Soziale Verantwortung werde bei Osho "äußerst klein geschrieben".

Nicht von ungefähr lädt in der Einfahrt zum Instituts-Hof ein Plakat zur "Reise nach Innen" in fünf Etappen, ein anderes kündigt ein "Dreimonatiges Training für Liebe, Intensität und Totalität" an. Im Jahresprogramm finden sich Kurse wie "Verliebt in das Leben - Deiner Ekstase begegnen", "Sich selbst lieben - Die Schwelle zur Existenz" oder "Hawaiianische Energie-Massage". Meditation in höchst unterschiedlichen Formen ist für die Sannyasin ein wesentliches Element der Lebensgestaltung, ein Weg zu Glück und spiritueller Erfüllung. Kundalini-Meditation, Dynamische Meditation, "No Dimension"-Meditation . . .

"Man muss genau hinsehen, welche Kompetenz die Therapeuten und Kursleiter haben", sagt Höbsch, "welche Ziele sie verfolgen, mit welchen Methoden sie arbeiten." Und er mahnt, das Menschenbild der  Osho-Jünger kritisch zu hinterfragen. "Bei Osho macht der Mensch sich selbst zum Übermenschen, legt die Normen für sein Leben selbst fest", sagt Höbsch. Ein solcher Lebensentwurf sehe "nur Siegertypen" vor, "die Schwachen bleiben auf der Strecke". Überdies sieht Höbsch einen offensichtlichen Widerspruch zwischen dem Proklamieren der individuellen Freiheit und "der nach wie vor Guru-haften Bindung an Osho".

An Oshos 10. Todestag wird es im Institut "eine große Celebration", ein Fest, geben. Ramateertha wird dann nicht dabei sein, er fliegt nach Poona.
 
 
 



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