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Autor dieser Texte ist Ingo Heinemann
Merkwürdigkeiten
um Bhagwans Tod
Aus: AGPF
Aktuell I/1991 vom 6.6.91 Seite 27
Die Rajneesh-Bewegung wirft der amerikanischen Regierung vor, Rajneesh Chandra Mohan (bekannt zunächst als Bhagwan, dann als Osho) vergiftet zu haben. Ein Vorwurf, den bereits Mohan selbst erhoben hatte. Mohan Ende 1987 über seinen Arzt:
"Dr. Amritos eigene Nachforschungen ... und er ist ein Genie in Sachen medizinische Wissenschaft. Er ist Mitglied der Royal Society of Physicians in England, und er ist ein seltner Fall in dem Sinne, daß er der Jüngste ist, den die Royal Society of Physicians jemals als Mitglied aufgenommen hat. Er hat alle höchsten Qualifikationen. Seine eigenen Untersuchungen beziehen sich auf ein viertes, sehr selten benutztes Gift. Der Name des Gifts ist "Fluorocarbon". Dieses Gift verschwindet sofort. Schon nach Minuten lassen sich keine Spuren mehr im Blut oder im Urin nachweisen, aber die Symptome weisen darauf hin. Es spielt keine Rolle, welches Gift man mir gegeben hat, aber es ist sicher, daß ich von der amerikanischen Regierung Ronald Reagans vergiftet worden bin".
Gift spielte schon in der Ranch in Oregon eine Rolle, zunächst als Paradies auf Erden gefeiert, dann von Mohan selbst als Konzentrationslager entlarvt, errichtet angeblich von seiner Sprecherin Sheela Silverman. Diese wurde schließlich wegen des versuchten Giftmordes an Mohans Arzt Swami Devaraj angeklagt. Dieser war auch der Haupt-Belastungszeuge. Vor Gericht auftreten mußte er nicht: Sheela einigte sich -das ist in den USA möglich und üblich- auf eine Freiheitsstrafe von vier Jahren. Angesichts der Schwere der ihr vorgeworfenen Straftaten eine überaus milde Strafe.
Die AGPF hat inzwischen herausgefunden: Devaraj und Amrito sind ein und dieselbe Person: Dr. George Meredith. Er ist heute wichtigster Sprecher der Bewegung und somit Profiteur von Mohans Tod.
In IDK - INFORMATIONEN DESTRUKTIVE KULTE IV/90 hatte die AGPF berichtet, daß Mohans Lebensgefährtin sich kurz vor seinem Tod selbst getötet hat. Hier ist klarzustellen: Sie ist am 9.12.89 gestorben, Mohan am 19.1.90. Es heißt, sie habe sich nach langer Depression und Tablettensucht mit einem Schlafmittel vergiftet. Bemerkenswert: Während Mohan seine gestorbenen Anhänger üblicherweise nachträglich als Erleuchtete bezeichnete und ihnen eine große Feier ausrichten ließ, wurde der Tod seiner Lebensgefährtin diskret verschwiegen. Allerdings hat er sich auch nie zu ihr bekannt. Vielmehr wurde sie stets als seine Krankenschwester dargestellt.
Eines ist jedoch sicher: Niemand hätte genauere Aussagen über eventulle Symptome der angeblichen Vergiftung durch die amerikanische Regierung machen können. Denn äußerlich anzusehen war Mohan nichts.
Natürlich hätte auch eine Untersuchung der Leiche Beweise erbringen können. Aber Dr. Meredith hat Mohans Leiche schon wenige Stunden nach seinem Tod verbrennen lassen. Einen Grund dafür gab es nicht. Mohan liebte gekühlte Räume, Kühlanlagen gab es also.
Ein Journalist fragte Dr. Meredith zwei
Tage später in einer Pressekonferenz: "Was Oshos Gesundheit in den
letzten Jahren betrifft und insbesondere die Behauptung, er sei vergiftet
worden und so weiter: Haben Sie sich bewußt entschieden, keine Autopsie
vorzunehmen und nicht zu versuchen, die Gifte, die sich möglicherweise
in seinem Körper befanden, nachzuweisen?".
Die Antwort des Arztes: "Ich habe ihn einfach gefragt, was wir tun sollen. ... ob er möchte, daß wir einen Kardiologen holen. Er wollte es nicht. Ich sagte ihm, daß er meiner Meinung nach im Sterben liege. Er nickte einfach".
Die Frage nach der unterbliebenen Autopsie wurde also nicht beantwortet. Nachprüfen kann diese Behauptungen des Arztes natürlich auch niemand. Wenn er an Mohans Tod beteiligt wäre - mit oder ohne dessen Willen - hätte er wohl kaum etwas anderes gesagt.
Die einzige Zeugin, die über Mohans Zustand hätte Auskunft geben können, war ja schon tot.
Es ist ein ungeheuerlicher Vorwurf, daß die US-Regierung unter direkter Anweisung des Präsidenten Reagan Mohan ermordet haben soll. Allgemein wird dies offenbar unter "Sektenspinnereien" eingeordnet. Andernfalls hätte sich wohl die Presse der Sache angenommen und recherchiert.
Die Bhagwan-Anhänger allerdings glauben
offenbar fest an den angeblichen Mord. Denn dadurch wird Mohan zum Märtyrer.
Bhagwan
und Lebensgefährtin tot
Aus: IDK
I/90 vom 25.04.90
Der Inder Rajneesh Chandra Mohan nannte sich erst "Bhagwan" ("Gott"), nach seiner Ausweisung aus den USA "Buddha" und zuletzt "Osho". Er starb am 19.1.1990. Todesursache: Herzversagen, angeblich verursacht durch eine Vergiftung, zugefügt durch die amerikanische Regierung während der Untersuchungshaft.
Erst jetzt wurde bekannt: Eine Woche vor Bhagwan starb seine langjährige Lebensgefährtin Vivek, angeblich durch Selbstmord. Das Bekanntwerden ihres Todes wirft ein neues Licht auch auf den Tod Bhagwans und seine angeblichen Eigenschaften und Fähigkeiten.
Bhagwans Ashram in Poona war bereits Ende der 70ger "das größte Therapie-Zentrum der Welt". Hier verbände man -so hieß es- die fortschrittlichsten Techniken der modernen Humanistischen Psychologie mit alten östlichen, vor allem aber den neuen Meditationstechniken, die Bhagwan entwickelt habe. Therapien sind keineswegs ungefährlich. Deshalb werden üblicherweise Vorsichtsmaßregeln getroffen. Diese wurden in Poona nicht nur vielfach außer Kraft gesetzt, sondern zusätzliche Risiken hinzugefügt: Durch persönliche Beziehung zum Therapeuten, durch Sex und Gewalt. Psychische Schäden konnten kaum ausbleiben. Die Weltpresse ernannte Bhagwan zum Sex-Guru. Bis 80% seiner weiblichen Anhänger haben sich angeblich sterilisieren lassen, meist junge kinderlose Frauen.
Bhagwan verließ Indien als Steuerflüchtling, in Oregon/USA nannte er selbst sich den "Guru der Reichen" und führte das Leben eines Steinreichen: So besaß er 93 Rolls-Royce, Unmengen teuren Schmucks und Uhren. Bis 15.000 Besucher kamen zu den Festen. Bhagwan verordnete Besuchern als erster einen obligatorischen AIDS-Test und legte Wert auf die Feststellung, daß dort kein einziges Kind geboren wurde.
Seine deutschen Anhänger investierten in Oregon gegen das Versprechen hoher Zinsen 30 Millionen DM. Dabei war von Anfang an klar, daß das Geld in Gefahr war. Denn Bhagwan hatte seine Einreise in die USA erschlichen. Um seinen Aufenthalt zu erzwingen, griff seine Chefmanagerin zu kriminellen Methoden, auch zu Gift. Kurz bevor alles aufflog ernannte er sich zum besten Showman der Welt. Dann ergriff er die Flucht, wurde verhaftet. Seine Sprecherin noch während der Haft: "Sokrates haben sie vergiftet, Jesus an Kreuz genagelt - jetzt ist Bhagwan dran". Ab sofort strickte er an seiner Vergiftungs-Legende, aber Außenstehende konnten keine Anzeichen für eine Vergiftung feststellen.
Natürlicher Tod, Selbstmord, Mord
oder Tötung auf Verlangen: Das ist durchaus offen. Bhagwan hat seinen
Selbstmord mehrfach angekündigt. Der einzige Mensch, der - außer
dem Arzt - über sein Befinden hätte Auskunft geben können,
starb eine Woche vor ihm. Sein Körper wurde noch am Todestag verbrannt.
Die
Sugata-Kontroverse - Was wusste der Chef?
Aus: AGPF
Aktuell IV/1989 vom 27.12.89 Seite 3
BHAGWAN-KULT: DIE SUGATA-KONTROVERSE
Zweimal hatte Bhagwan die Mala schon in der Hand, um sie Wolf Schneider umzuhängen. Zweimal lehnte dieser ab. Einen Monat später nahm er dann doch an und Bhagwan gab ihm den Namen Sugata. Diesen benutzt er noch heute. Er ist heute Herausgeber der Zeitschrift Connection. Von einer Leserin wurde er kürzlich aufgefordert, Bhagwan zu interviewen. Sugata: " -gute Idee! Osho zu interviewen, wär so ungefähr das Aufregendste für mich, was ich mir vorstellen kann, denn keiner raubt mir so sehr den Verstand wie er".
Sugata hat eine Kontroverse vom Zaum gebrochen, in der es um das Dogma der Unfehlbarkeit geht. Sugata meint, Bhagwan beanspruche keineswegs, unfehlbar zu sein. Und er kritisiert Bhagwans Hofschranzen, die sich so benehmen, als sei Bhagwan unfehlbar.
Ursache der Kontroverse ist ein in der Wirtschaft üblicher Vorgang: Ein Lehrling wird Geselle, glaubt dann, selbst der Meister zu sein, macht seinen eigenen Laden mit erweitertem Angebot auf und verleugnet schließlich den Meister, von dem er sein Handwerk gelernt hat. Die Rede ist von Paul Lowe, der von Bhagwan-Anhängern als Bhagwans Meisterschüler betrachtet wurde und damals Swami Ananda Teertha genannt wurde. Wohl jeder Bhagwan-Anhänger kannte diesen Namen. Er hat in Bhagwans Haus im zweitbesten Zimmer gewohnt. Dieser Mann hat jetzt ein Buch veröffentlicht. Die Frau, die damals mit ihm dieses Zimmer bewohnte, hat darüber in der Rajneesh Times (14.4.89) eine Kritik veröffentlicht, die man wohl eher als Beschimpfung bezeichnen muß: "Hat er sein psychisches Gleichgewicht verloren? Es wäre nicht das erste Mal, daß ein Jünger seinen Meister verrät" .
Sugata schrieb daraufhin einen Artikel: "Rette uns vor den Rechtschaffenen". Er meinte, "Ma Prem Maneesha (Juliet Forman)" habe Lowe "auf eine Weise angegriffen, die auch für ein altes Paar nicht ganz ohne ist". Sugata steuert die Information bei, daß diese Maneesha später auch noch Lowes Nachfolgerin als Meisterschülerin wurde. Über Lowe hat er nicht allzuviel zu sagen, deshalb ist das hier eben keine Lowe-Kontroverse. Maneesha wiederum tat nur das, was Bhagwans Hofstaat seit jeher tat. Erst Sugata hat einen Fall daraus gemacht, indem er dies kritisierte. Sein Kernsatz: "Und schließlich brandmarkt sie ihn als Verräter, wie vor ihm auch schon andere berühmte 'Abtrünnige' von den Organisationen der Sannyasins gebrandmarkt wurden".
Sugata: "Überhaupt 'Verrat'! Was soll dieser Begriff in der Nähe eines Meisters der Freiheit und Selbstverwirklichung?". Der Artikel löste eine Flut extrem emotionaler Leserbriefe aus, dem Nicht-Sannyasin teils nur schwer verständlich. Letztlich wurde erst durch diese Reaktion daraus eine Kontroverse, die einen Hauch von Glasnost und Perestroika ins Bhagwan-Reich bringt.
Nach Sheelas "Flucht" und der Aufdeckung der Straftaten in Oregon gab es unter den Sannyasins Gefühlsäußerungen vergleichbar mit denen der DDR-Bürger nach der Öffnung der Mauer. Bhagwan-Anhänger haben damals von der Guru-Ranch als Konzentrationslager gesprochen und fühlten sich, wie vom Terror befreit.
Aber die Offenheit in der Bhagwan-Presse währte nur einige Monate. Inzwischen ist diese längst wieder gleichgeschaltet. Die deutsche Rajneesh Times wurde in eine "Internationale Ausgabe" umgewandelt, kritische Äußerungen gab es ab sofort kaum noch. Das Dogma der Unfehlbarkeit hielt Einzug.
Sugata ist der Meinung, dieses sei von Bhagwans Entourage aufgestellt worden und gibt Zitate wieder, die belegen sollen, daß Bhagwan selbst niemals so etwas verlangt habe, im Gegenteil: "Wenn ich Osho richtig verstanden habe, dann geht es nicht darum, wer recht hat - und nicht einmal um Fakten ... Es geht um 'die Wahrheit' - und dafür sind einem Meister sogar Lügen billig - so Osho selbst in einem Diskurs ...".
Sugata trifft damit den Nerv der "Bewegung": Er kritisiert die Organisationen der Sannyasins. Aber er weiß wohl auch, daß die Bhagwan-Bewegung ohne diese nicht existent wäre. Folgerichtig druckt er in seiner Zeitschrift auch einen Beitrag ab, der Bhagwan persönlich in die Pflicht nimmt (vgl. nächste Seite, AGPF Aktuell IV/89 S. 4).
Sugata sitzt zwischen zwei Stühlen.
Er will den "spirituellen Weg" gehen und andere mit seiner Zeitschrift
auf diesem Weg leiten. Sein Verlag lebt von diesen Suchern. Er erwähnt:
" Der Artikel ... hat eine Flut von Leserbriefen erzeugt. Die Briefe aus
Deutschland unterstützten (mit einer Ausnahme) die Position des Artikels,
die Briefe aus Poona nahmen (mit einer Ausnahme) eine Gegenposition ein."
Sugata wird sich zwangsläufig
die Fragen stellen müssen: Wer ist Bhagwan ohne diese Organisationen?
Weiß Bhagwan nicht ganz genau, daß er ohne diese Organisationen
einer von zahllosen indischen Gurus geblieben wäre, daß er diesen
Organisationen seit vielen Jahren den Lebensstandard eines Multimillionärs
verdankt, der sich jeden erdenklichen Luxus leisten kann? Mehr Rolls-Royce,
als jemals einer der reichsten Autonarren besessen hat, dazu Phantasie-Roben
jede Menge, Luxus-Uhren und Schmuck und -das ist vor allem der Luxus
der reichsten Leute-: Jede Menge Personal. Anders als andere Reiche hat
Rajneesh Chandra Mohan allerdings nach eigenen Angaben niemals Steuern
bezahlt.
WAS WUßTE DER CHEF?
Was wußte Bhagwan von den Straftaten seiner Vertrauten Sheela? Bhagwan selbst hat die Erörterung dieser Frage vor Gericht verhindert, indem er sich einiger -vergleichsweise harmloser- Straf-taten schuldig bekannte und später behauptete, er habe sich nicht schuldig bekannt (vgl. AGPF Aktuell IV/87 S. 4). Dann behauptete Bhagwan und wiederholt diese Behauptung seither ständig, er sei während seiner Haft in den USA vergiftet wordem. Gut möglich, daß er damit nur von seiner Mitwisserschaft ablenken will. Denn es war ohnehin höchst unglaubwürdig, daß er von all dem nichts gewußt haben will, kümmert er sich doch sonst um jede Einzelheit (vgl. AGPF Aktuell I/88 S. 8).
Jetzt hat sich ein Autor* dieser Frage angenommen, dessen Buch in der Zeitschrift Connection 12/89 von einem Swami Prem Virena besprochen wird, der sich selbst als "sympathisierender Outsider" bezeichnet. Autor James S. Gordon wird in diesem Bericht als durchaus Bhagwan-freundlich geschildert. Umso größer die Bedeutung dessen, wenn es in Connection heißt:
"Ohne dabei seine Sympathie für den Menschen Bhagwan und die von ihm faszinierten Schüler zu verlieren, stellt Gordon fest, daß Bhagwan nicht nur von den wichtigsten Vorgängen auf der Ranch und um Sheela und ihre Machtclique Bescheid gewußt haben muß, sondern daß Sheelas Rücksichtslosigkeit und Aggressivität im Großen und Ganzen eine Ausführung der Anweisungen ihres Meisters war. Auch Bhagwans abrupte Flucht von der Ranch mit dem Flugzeug und ein paar Getreuen erscheint im Nachhinein als völlig überstürzt und absurd, wenn man nicht unterstellen will, daß er aus dem Wissen heraus floh, daß von den Abhörvorrichtungen, die Sheela installiert hatte, brisantes Material über ihn auf den von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Tonbändern vorhanden war."
Zu dieser Annahme paßt auch Sheela's spätere Behauptung, sie habe ihre Verhaftung in Deutschland absichtlich provoziert -sie hätte als Schweizerin aus der Schweiz keineswegs im Schnellverfahren ausgewiesen werden können- um von Bhagwan abzulenken (vgl. AAAktuell IV/87 S. 6). Das erklärt auch Sheelas damalige Befürchtung, ihr Chef "wäre im Gefängnis gestorben". Denn eine langjährige Freiheitsstrafe wäre ihm sicher gewesen. Bhagwan und seine Anhänger haben übrigens bisher stets bestritten, daß Bhagwan seinerzeit von der Ranch geflohen ist.
* James S. Gordon: "The Golden Guru
- the strange journey of Bhagwan Shree Rajneesh" The Stephen Greene Press,
NY 1987
Oregon
Ranch versteigert. Geburtstagsanzeige im "Stern"
Aus:
IDK IV/88 vom 23.12.88
Am Freitag, 2.12.1988 wurde die Ranch zwangsversteigert. Ganze 4,5 Millionen Dollar zahlte eine Versicherung. 6 Millionen Dollar hatten Bhagwans Anhänger einst bezahlt.
Jahrelang hatten Funktionäre des Kultes vorgekaukelt, aus dem Erlös für die Ranch könnten die rund 30 Millionen DM bezahlt werden, welche Deutsche gegen das Versprechen sehr hoher Zisnen dort investiert hatten. IDK I/87 prognostizierte schon im März 1987: "Das Geld dürfte weg sein". Einige Bhagwan-Anhänger reagierten auf diese Ankündigung mit Beschimpfungen.
Den Funktionären muß das von
Anfang an klar gewesen sein. Die zunächst für die Ranch geforderten
40 Millionen Dollar waren völlig illusorisch. Jahrelang stand der
Preis dann auf dem Papier bei 28 Millionen Dollar. Aber da konnten schon
längst die Grundsteuern nicht mehr bezahlt werden.
Verloren wurde viel mehr. 200 Millionen
Dollar sollen insgesamt dort investiert worden sein. Investiert wurde vor
allem auch die Arbeitskraft und die Zukunftsgläubigkeit von Tausenden.
Tatsächlich war von Anfang an voraussehbar, daß dieses Projekt
keine Chance hatte. Bhagwan wußte, daß sein Visum erschlichen
war.
Geburtstagsanzeige im "Stern"
Am 8.12.88 erschien eine ganzseitige Anzeige im "STERN" zu Bhagwans Geburtstag. Der Text ist vorsichtig und belanglos. Einzig erwähnenswert: Ein Drittel der Seite gefüllt mit den Namen der Inserenten: "Stellvertretend für 50.000 deutsche Sannyasins und unzählige Freunde ...". Es zeigt sich: Hauptstadt der Bewegung ist nicht mehr Köln, sondern München.
Auch organisiert wurde das ganze von München aus, vom TAO RAJNEESH ZENTRUM GmbH, Klenzestr. 41. Aus der Anzeige geht das allerdings nicht hervor. Mit Schreiben vom 4.11.88 wurden die "lieben Freunde" aufgefordert, mit "mindestens DM 100.- ... an dieser Aktion teilzunehmen".
Grund: "Wir wollen ... weiterhin auf Bhagwan aufmerksam ... machen und nicht nach Art der Presse erst auf Skandale warten". Soll wohl heißen: Der nächste Skandal kommt bestimmt.
Die Anzeige hat 48.000.- DM gekostet. Viele
Inserenten verstecken sich hinter "Sannyas"-Namen. Einige bekennen sich
mit ihrem bürgerlichen Namen. Die derzeit so sehr umworbenen Prominenten
fehlen. Nur einen Inserenten kann man mit einigen Wohlwollen als Prominenten
bezeichnen: Joachim Ernst Behrendt, Professor für Musik.
Bhagwan
gründet "Weltakademie" - "Sehr subtile Gewalt"
Aus: AGPF
AKTUELL I/88 vom 10.3.1988
Die Gründung einer WELTAKADEMJE FÜR KREATIVE WISSENSCHAFT, KUNST UND BEWUSSTHEIT hat Bhagwan angekündigt. Dazu soll der KOREGAON PARK angekauft werden, an dem der Poona-Ashram gelegen ist. Dieser "Park" ist ein großes Villenviertel mit englischen Feudalbauten. Die Akademie "wird ihre eigenen Altenheime und Krankenhäuser haben" - so Bhagwan laut RAJNEESH TIMES vom 15.2.1988.
Das Ziel der Ausbildung: Die letztendliche Revolution: "Diese letztendliche Revolution ist eine einzige Weltregierung - denn wenn die Welt nicht eine Regierung hat, könnt ihr Kriege nicht verhindern".
Einen Präsidenten für seine Akademie hat Bhagwan bereits gefunden: Den heute 75jährigen Japaner Dr. Masashi Murakoshi. Dieser habe von seinem fünfundvierzigsten Lebenjahr an in Hiroshima experimentiert und dort festgestellt, daß die dort nur noch geringe Radioaktivität "sehr kreativ, sehr produktiv, ungeheuer hilfreich" ist, so Bhagwan. Strahlung in geringen Dosen sei "lebensfördernd". Der Japaner sei der lebende Beweis dafür: Er sehe noch heute wie 45 aus. Auch Bhagwan will teilhaben am Alters-Stopp, den schon manche Gurus versprochen haben: Er hat sich von dem Japaner "eine kleine strahlende Scheibe" bauen lassen, "speziell für meine Badewanne... Nur zehn Minuten, und die ganze Badewanne ist voller Strahlung". Damit das Projekt noch zu Bhagwans Lebzeiten vollendet werden kann, hat Bhagwan eine "schriftliche Garantie gegeben... daß ich den Körper nicht vor dem Jahr 2001 verlassen werde." Aber: "Das heißt nicht, daß ich Punkt 2001 gehen werde!"
Erst im Sommer 1986 hatte Bhagwan eine RAJNEESH UNIVERSITÄT FÜR MYSTIK gegründet, mit 28 eigenen und 9 ausländischen Instituten, Kanzler und Direktoren ernannt. Bhagwan, der in Oregon angeblich keinerlei Detailkenntnisse hatte, kümmerte sich dabei auch um Kleinigkeiten: "Er zeichnete und entwarf sogar das Briefpapier, das Er gerne gedruckt haben möchte" - so Sheela-Nachfolgerin Hasya in der RAJNEESH TIMES vom 1.9.86 Alles Makulatur: Über weitere Aktivitäten der "Universität" wurde nichts mehr bekannt.
"Gewöhnliche und sehr subtile Gewalt"
Begonnen hat der Kult als Therapie- und Meditations-Multi. Viele "Therapeuten" haben sich längst verselbständigt. Für den Außenstehenden sind auch diese selbstverständlich Bhagwan-Anhänger, Sannnyasins. Bhagwan selbst hat 1986 eine Ausgrenzung der Therapeuten versucht und zu diesem Zweck seine UNIVERSITÄT FÜR MYSTIK gegründet (vgl. vorhergehende Seite). Vergeblich. In einer Beilage druckt die RAJNEESH TIMES vom 15.2.88 jetzt einen Leserbrief ab, in dem die Bemühungen um Ausgrenzungen zum Ausdruck kommen. Zwei Bhagwan-Anhänger hatten in Berlin ihren "Tanz und Meditationsplatz" an andere Sannyasins für eine "Energiegruppe" vermietet und sich vorsichtshalber die Teilnahme daran vorbehalten. "Zutiefst erschrocken" wird über das "absolute Affentheater" berichtet:
"Auf dem Kasernenhof nennen sie das wenigstens nicht Meditation. Jeder hatte sein Ich schon lange an die Gruppe bzw. den Leiter abgegeben".Als der Inhaber der Räume gegen den Krach (vermutlich wegen der Nachbarn) protestierte,"Besonders erschreckend war der Umgang mit Gewalt. Gleich zu Beginn wurden gegen ausdrücklichen Wunsch private Räume betreten, Dinge von den Wänden genommen usw. und es war sehr schwer, ausgesprochene Grenzen durchzuhalten.
Ich sah einen Mann eine Frau herumwirbeln, die schrie: "Hör auf, Hör auf! Bitte, bitte!". Er reagierte sehr lange nicht auf ihr Schreien und niemand der Gruppe reagierte darauf, auch der Leiter nicht."
"ließ sie mich von fünf Männern aus meinem eigenen Raum herauswerfen. Zwei von ihnen hat es richtig Spaß gemacht".Der Verfasser zieht seine
"Bilanz: Die nicht ausgesprochenen Themen dieser Gruppe sind Ausgrenzung, Respektlosigkeit, gewöhnliche und sehr subtile Gewalt. Es ist eine Gefahr für uns, daß diese Leute mit Sanskrit-Namen herumlaufen und wir mit ihnen verwechselt werden können!!! ... Bhagwan, thank you for your being with me!"
Bhagwan:
Asyl in Deutschland? Guru-Ranch: 30 Millionen verloren?
Aus: IDK
I/87 vom 5.3.87
Bhagwan ist wieder in Poona, wo er sich seinen Ruf als Sex-Guru erworben hat. Aber er fühlt sich dort verfolgt: Von der Stadtverwaltung, die ihn innerhalb einer halben Stunde wieder aus der Stadt entfernen wollte. Und der radikale Hindu-Führer Vilas Tupe droht mit einer Karate-Truppe. Bhagwan wies seine Anhänger an, "in den Untergrund zu gehen". In Deutschland kursieren jetzt Bittbriefe an Prominente und Politiker sowie Unterschriftenlisten:Zahl und Gewicht der Unterschriften sollen Bhagwan ein Touristenvisum verschaffen. Gut möglich, daß er dann politisches Asyl beantragen wird. Zur Zeit ist Bhagwan in der Bundesrepublik amtlich "unerwünschte Person", wie wohl jeder Ausländer, der wegen Vergehen gegen die Ausländergesetze durch Vermittlung von Scheinehen vorbestraft ist.
In den USA hatte Bhagwan seine eigene Religion gegründet und widerrufen. Er nannte sich "Guru der Reichen", fuhr 85 Rolls Royce und trug Schmuck für 2,5 Millionen. Er wurde in Straftaten verwickelt, auf der Flucht verhaftet, verurteilt, ausgewiesen. Er ließ sich im hintersten Indien nieder, die Behörden wiesen seine Bedienungsmannschaft aus, er folgte dieser nach Nepal. Auf der Suche nach einem neuen Domizil bereiste er die Welt, von der er oft nur Flugplätze sah, die er meist garnicht verlassen durfte.
Guru-Ranch: 30 Millionen verloren?
Rund 30 Millionen DM haben Europäer - fast nur Deutsche - in die Guru-Ranch in Oregon investiert. Versprochen wurden hohe Zinsen. Es war eine Fehlinvestition: das Geld dürfte weg sein. Die Investoren aber werden immer wieder vertröstet: nach dem Verkauf der Ranch werde bezahlt. Aber dieses Versprechen wird wohl nicht einzulösen sein. Ende 85 wurde die Ranch für 40 Millionen Dollar angeboten, bei Schulden in Höhe von damals 35 Millionen Dollar. Heute ist der Preis auf 28 Millionen gesunken. Inzwischen haben aber auch einige Restaurants 10 Millionen Dollar eingeklagt wegen vorsätzlicher Salmonellenvergiftung, und deren Chancen stehen gut.
Aber auch für 28 Millionen Dollar dürfte sich kaum ein Käufer finden für eine Ranch, die zuvor von über 1.000 fast kostenlosen Arbeitskräften bewirtschaftet wurde und die fernab von jeder Stadt liegt. Und selbst wenn sich ein Käufer findet, für welchen Preis auch immer: die amerikanischen Gläubiger sind schon da und zu denen gehören auch der Staat und zahlreiche Rechtsanwälte.
Im Dezember 85 war noch von "vierzig verschiedenen
Gruppen" die Rede, "die ernsthaft interessiert sind" - beim Preis von 40
Millionen. Es waren wohl nur Neugierige, denn beim Preis von 28 Millionen
ist von denen keine Rede mehr.
"Bis
zum letzten Blutstropfen kämpfen"
Aus:
IDK IV/83 vom 20.12.1983
Rajneesh Chandra Mohan alias Bhagwan ("Gott") hat nach dem Bericht eines seiner ehemaligen Anhänger mit seinem Freitod gedroht. Deutsche Bhagwan-Anhänger sollten sich vor einer Reise zu ihrem Guru gedanklich auf dessen Freitod vorbereiten und darauf, was sie tun würden, wenn sie durch Worte oder Taten aufgefordert würden, Bhagwan in den Tod zu folgen.
Die Anzeichen dafür mehren sich, daß sich das Drama der fast 1000 Toten von Jonestown auf der Ranch in Oregon wiederholen kann. Bhagwan damals über diesen Massenmord: "Ihr habt kein Recht, Jones zu verdammen, denn was er getan hat, ist dasselbe, was all eure Kirchen und Tempel seit Urzeiten gelehrt haben".
Bhagwans Sprecherin Sheela jüngst in einer Presseerklärung: "Jeder Rajneeshie wird bis zum letzten Blutstropfen und Atemzug seines Körpers, seiner Seele und seines Geistes kämpfen, um seine religiösen Rechte zu schützen ..."
Bhagwan selbst sieht im Tod den "größten Orgasmus" oder auch den höchsten Zustand der Erleuchtung. Wenn man ihm folge, so predigt er, "dann könne der Mensch sterben und ein Supermensch aus seiner Asche entstehen".
Schon als Kind hatte Bhagwan ein eher experimentelles Interesse am Tod. Er pflegte die Verbrennung von Leichen zu beobachten: "Es ist nicht der Mensch, was mich daran interessiert, sondern der Tod - er ist etwas so Schönes und so geheimnisvoll. Man darf sich das nicht entgehen lassen".
Es besteht durchaus die Gefahr, daß Bhagwan seiner Todessehnsucht folgen wird. Beispielsweise dann, wenn er von den US-Behörden ausgewiesen wird. Dann steht für ihn zu befürchten, den Luxus seiner Riesen-Ranch und seiner 36 Rolls-Royce mit einem indischen Gefängnis tauschen zu müssen. Denn er hat Indien 1980 wohl als Steuerflüchtling verlassen und die USA mit einem erschlichenen Touristenvisum betreten. Derzeit wird vor Gericht verhandelt, ob er ausgewiesen wird und seine Chancen stehen schlecht.
Auch um die Existenz der Guru-Ranch wird prozessiert: Seit Bhagwan die USA betreten hat, bezeichnet er seine Bewegung als Religion und reklamiert das Grundrecht der Religionsfreiheit für sich. Dann übernehmen seine Anhänger die Macht im dortigen Gemeinderat. Nun prozessiert der Staat: In den USA gilt strikte Trennung von Kirche und Staat und keine Religionsgemeinschaft darf politische Macht ausüben.
Auch gegen verschiedene Bauten prozessiert
der Staat: Es droht eine Abrißverfügung.
Der
Konzern bröckelt
Aus: IDK
II/85 vom 20.6.1985
Ein rotgekleideter Anhänger des Inders Rajneesh Chandra Mohan alias Bhagwan ("Gott") berichtete über die Gründung des Bhagwan-Restaurants in Karlsruhe:
"Einer von uns hat eine Hypothek auf das Haus seiner Mutter aufgenommen, wir legten unser Erspartes zusammen ... Hinzu kamen Bankkredite und Bürgschaften".
Die Mutter wird ihr Haus wohl räumen müssen, denn ZORBA THE BUDDHA ist pleite. Und zwar gründlich. Das Konkursgericht hat den Konkursantrag "mangels Masse" abgewiesen, weil also nicht einmal mehr genügend Geld für das Konkursverfahren übrig war. Der Bhagwan-Anhänger:"Wir werden einen wunderschönen Abgang zelebrieren". Dies war übrigens nicht die erste Pleite im Konzern. Auch die Wiebadener Diskothek mußte dicht machen.
Wer mit dem Bhagwan-Kult Geschäfte macht, sollte sich gut merken, was Bhagwans Bevollmächtigte über den Chef des deutschsprachigen Teils des Konzerns sagte. Sheela Silverman zum SPIEGEL: "Er ist smart. Er weiß, wie man Konkurs anmeldet". Es scheint, als würde dieses Wissen im Bhagwan-Konzern noch des Öfteren gefordert.
Still geworden ist es um Schloß Wolfsbrunnen, als "Rajneeshstadt" einstiges Zentrum des Kultes. Die über 12o Bewohner hatten dies in drei jähri ger Eigenarbeit renoviert und bewohnbar gemacht. Voriges Jahr verließen sie das Schloß unter Mitnahme des gesamten beweglichen Inventars einschließlich eines kompletten Verlages samt Lager und Druckerei, der auf dem Papier noch heute Werner Gartung ("Swami Siddharta") gehört. Er und Ehefrau Elke gehörten zu den ersten "Sannyasins" in der Bundesrepublik.
Beide hatten ihr gesamtes Vermögen in dieses "Experiment" gesteckt, ihren Bauernhof verkauft, der ihre Alterssicherung sein sollte. Beide wurden jetzt praktisch entschädigungslos enteignet und stehen vor dem Nichts. Elke Gartung hat ihr Geld bewußt auf Spiel gesetzt. Aber sie hat nicht damit gerechnet, daß das "Experiment" von außen abgebrochen wird.
Elke Gartung berichtet: Während des "Weltfestivals" 1984 beorderte Sheela Silverman die rund 100 Bewohner des Schlosses zu sich und stellte ihnen die Frage, ob es dort eine Hierarchie gebe. Elke Gartung heute: "Selbstverständlich gab es eine Hierarchie". Die Frage wurde also bejaht und Sheela Silverman verfügte die Schließung. Denn eine Hierarchie -das wird der Öffentlichkeit bei jeder Gelegenheit verkündet- gibt es nicht im Bhagwan-Kult.
Elke Gartung: "Das ist eine Lüge".
Jeder wisse, daß es eine gebe. Den wahren Grund für die Schließung
kennt sie bis heute nicht. Ihre Mala hat sie verbrannt. Rote Kleidung trägt
sie nicht mehr.