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AGPF-Texte über Bhagwan-Osho
von 1983 bis 1991
 
 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema in dieser Website: In anderen Websites:

 
 

Autor dieser Texte ist Ingo Heinemann
 

Merkwürdigkeiten um Bhagwans Tod
Aus: AGPF Aktuell I/1991 vom 6.6.91 Seite  27

Die Rajneesh-Bewegung wirft der amerikanischen Regierung vor, Rajneesh Chandra Mohan (bekannt zunächst als Bhagwan, dann als Osho) vergiftet zu haben. Ein Vorwurf, den bereits Mohan selbst erhoben hatte. Mohan Ende 1987 über seinen Arzt:

"Dr. Amritos eigene Nachforschungen ... und er ist ein Genie in Sachen medizinische Wissenschaft. Er ist Mitglied der Royal Society of Physicians in England, und er ist ein seltner Fall in dem Sinne, daß er der Jüngste ist, den die Royal Society of Physicians jemals als Mitglied aufgenommen hat. Er hat alle höchsten Qualifikationen. Seine eigenen Untersuchungen beziehen sich auf ein viertes, sehr selten benutztes Gift. Der Name des Gifts ist "Fluorocarbon". Dieses Gift verschwindet sofort. Schon nach Minuten lassen sich keine Spuren mehr im Blut oder im Urin nachweisen, aber die Symptome weisen darauf hin. Es spielt keine Rolle, welches Gift man mir gegeben hat, aber es ist sicher, daß ich von der amerikanischen Regierung Ronald Reagans vergiftet worden bin".

Gift spielte schon in der Ranch in Oregon eine Rolle, zunächst als Paradies auf Erden gefeiert, dann von Mohan selbst als Konzentrationslager entlarvt, errichtet angeblich von seiner Sprecherin Sheela Silverman. Diese wurde schließlich wegen des versuchten Giftmordes an Mohans Arzt Swami Devaraj angeklagt. Dieser war auch der Haupt-Belastungszeuge. Vor Gericht auftreten mußte er nicht: Sheela einigte sich -das ist in den USA möglich und üblich- auf eine Freiheitsstrafe von vier Jahren. Angesichts der Schwere der ihr vorgeworfenen Straftaten eine überaus milde Strafe.

Die AGPF hat inzwischen herausgefunden: Devaraj und Amrito sind ein und dieselbe Person: Dr. George Meredith. Er ist heute wichtigster Sprecher der Bewegung und somit Profiteur von Mohans Tod.

In IDK - INFORMATIONEN DESTRUKTIVE KULTE IV/90 hatte die AGPF berichtet, daß Mohans Lebensgefährtin sich kurz vor seinem Tod selbst getötet hat. Hier ist klarzustellen: Sie ist am 9.12.89 gestorben, Mohan am 19.1.90. Es heißt, sie habe sich nach langer Depression und Tablettensucht mit einem Schlafmittel vergiftet. Bemerkenswert: Während Mohan seine gestorbenen Anhänger üblicherweise nachträglich als Erleuchtete bezeichnete und ihnen eine große Feier ausrichten ließ, wurde der Tod seiner Lebensgefährtin diskret verschwiegen. Allerdings hat er sich auch nie zu ihr bekannt. Vielmehr wurde sie stets als seine Krankenschwester dargestellt.

Eines ist jedoch sicher: Niemand hätte genauere Aussagen über eventulle Symptome der angeblichen Vergiftung durch die amerikanische Regierung machen können. Denn äußerlich anzusehen war Mohan nichts.

Natürlich hätte auch eine Untersuchung der Leiche Beweise erbringen können. Aber Dr. Meredith hat Mohans Leiche schon wenige Stunden nach seinem Tod verbrennen lassen. Einen Grund dafür gab es nicht. Mohan liebte gekühlte Räume, Kühlanlagen gab es also.

Ein Journalist fragte Dr. Meredith zwei Tage später in einer Pressekonferenz: "Was Oshos Gesundheit in den letzten Jahren betrifft und insbesondere die Behauptung, er sei vergiftet worden und so weiter: Haben Sie sich bewußt entschieden, keine Autopsie vorzunehmen und nicht zu versuchen, die Gifte, die sich möglicherweise in seinem Körper befanden, nachzuweisen?".
 

Die Antwort des Arztes: "Ich habe ihn einfach gefragt, was wir tun sollen. ... ob er möchte, daß wir einen Kardiologen holen. Er wollte es nicht. Ich sagte ihm, daß er meiner Meinung nach im Sterben liege. Er nickte einfach".

Die Frage nach der unterbliebenen Autopsie wurde also nicht beantwortet. Nachprüfen kann diese Behauptungen des Arztes natürlich auch niemand. Wenn er an Mohans Tod beteiligt wäre - mit oder ohne dessen Willen - hätte er wohl kaum etwas anderes gesagt.

Die einzige Zeugin, die über Mohans Zustand hätte Auskunft geben können, war ja schon tot.

Es ist ein ungeheuerlicher Vorwurf, daß die US-Regierung unter direkter Anweisung des Präsidenten Reagan Mohan ermordet haben soll. Allgemein wird dies offenbar unter "Sektenspinnereien" eingeordnet. Andernfalls hätte sich wohl die Presse der Sache angenommen und recherchiert.

Die Bhagwan-Anhänger allerdings glauben offenbar fest an den angeblichen Mord. Denn dadurch wird Mohan zum Märtyrer.
 
 
 
 

Bhagwan und Lebensgefährtin tot
Aus: IDK I/90 vom 25.04.90

Der Inder Rajneesh Chandra Mohan nannte sich erst "Bhagwan" ("Gott"), nach seiner Ausweisung aus den USA "Buddha" und zuletzt "Osho". Er starb am 19.1.1990. Todesursache: Herzversagen, angeblich verursacht durch eine Vergiftung, zugefügt durch die amerikanische Regierung während der Untersuchungshaft.

Erst jetzt wurde bekannt: Eine Woche vor Bhagwan starb seine langjährige Lebensgefährtin Vivek, angeblich durch Selbstmord. Das Bekanntwerden ihres Todes wirft ein neues Licht auch auf den Tod Bhagwans und seine angeblichen Eigenschaften und Fähigkeiten.

Bhagwans Ashram in Poona war bereits Ende der 70ger "das größte Therapie-Zentrum der Welt". Hier verbände man -so hieß es- die fortschrittlichsten Techniken der modernen Humanistischen Psychologie mit alten östlichen, vor allem aber den neuen Meditationstechniken, die Bhagwan entwickelt habe. Therapien sind keineswegs ungefährlich. Deshalb werden üblicherweise Vorsichtsmaßregeln getroffen. Diese wurden in Poona nicht nur vielfach außer Kraft gesetzt, sondern zusätzliche Risiken hinzugefügt: Durch persönliche Beziehung zum Therapeuten, durch Sex und Gewalt. Psychische Schäden konnten kaum ausbleiben. Die Weltpresse ernannte Bhagwan zum Sex-Guru. Bis 80% seiner weiblichen Anhänger haben sich angeblich sterilisieren lassen, meist junge kinderlose Frauen.

Bhagwan verließ Indien als Steuerflüchtling, in Oregon/USA nannte er selbst sich den "Guru der Reichen" und führte das Leben eines Steinreichen: So besaß er 93 Rolls-Royce, Unmengen teuren Schmucks und Uhren. Bis 15.000 Besucher kamen zu den Festen. Bhagwan verordnete Besuchern als erster einen obligatorischen AIDS-Test und legte Wert auf die Feststellung, daß dort kein einziges Kind geboren wurde.

Seine deutschen Anhänger investierten in Oregon gegen das Versprechen hoher Zinsen 30 Millionen DM. Dabei war von Anfang an klar, daß das Geld in Gefahr war. Denn Bhagwan hatte seine Einreise in die USA erschlichen. Um seinen Aufenthalt zu erzwingen, griff seine Chefmanagerin zu kriminellen Methoden, auch zu Gift. Kurz bevor alles aufflog  ernannte er sich zum besten Showman der Welt. Dann ergriff er die Flucht, wurde verhaftet. Seine Sprecherin noch während der Haft: "Sokrates haben sie vergiftet, Jesus an Kreuz genagelt - jetzt ist Bhagwan dran". Ab sofort strickte er an seiner Vergiftungs-Legende, aber Außenstehende konnten keine Anzeichen für eine Vergiftung feststellen.

Natürlicher Tod, Selbstmord, Mord oder Tötung auf Verlangen: Das ist durchaus offen. Bhagwan hat seinen Selbstmord mehrfach angekündigt. Der einzige Mensch, der - außer dem Arzt - über sein Befinden hätte Auskunft geben können, starb eine Woche vor ihm. Sein Körper wurde noch am Todestag verbrannt.
 
 
 
 

Die Sugata-Kontroverse - Was wusste der Chef?
Aus: AGPF Aktuell IV/1989 vom 27.12.89 Seite 3



AGPF AKTUELL IV/89 vom 27.12.89 Seite 3

BHAGWAN-KULT:  DIE SUGATA-KONTROVERSE

Zweimal hatte Bhagwan die Mala schon in der Hand, um sie Wolf Schneider umzuhängen. Zweimal lehnte dieser ab. Einen Monat später nahm er dann doch an und Bhagwan gab ihm den Namen Sugata. Diesen benutzt er noch heute. Er ist heute Herausgeber der Zeitschrift Connection. Von einer Leserin wurde er kürzlich aufgefordert, Bhagwan zu interviewen. Sugata: "  -gute Idee! Osho zu interviewen, wär so ungefähr das Aufregendste für mich, was ich mir vorstellen kann, denn keiner raubt mir so sehr den Verstand wie er".

Sugata hat eine Kontroverse vom Zaum gebrochen, in der es um das Dogma der Unfehlbarkeit geht. Sugata meint, Bhagwan beanspruche keineswegs, unfehlbar zu sein. Und er kritisiert Bhagwans Hofschranzen, die sich so benehmen, als sei Bhagwan unfehlbar.

Ursache der Kontroverse ist ein in der Wirtschaft üblicher Vorgang: Ein Lehrling wird Geselle, glaubt dann, selbst der Meister zu sein, macht seinen eigenen Laden mit erweitertem Angebot auf und verleugnet schließlich den Meister, von dem er sein Handwerk gelernt hat. Die Rede ist von Paul Lowe, der von Bhagwan-Anhängern als Bhagwans Meisterschüler betrachtet wurde und damals Swami Ananda Teertha genannt wurde. Wohl jeder Bhagwan-Anhänger kannte diesen Namen. Er hat in Bhagwans Haus im zweitbesten Zimmer gewohnt. Dieser Mann hat jetzt ein Buch veröffentlicht. Die Frau, die damals mit ihm dieses Zimmer bewohnte, hat darüber in der Rajneesh Times  (14.4.89) eine Kritik veröffentlicht, die man wohl eher als Beschimpfung bezeichnen muß: "Hat er sein psychisches Gleichgewicht verloren?  Es wäre nicht das erste Mal, daß ein Jünger seinen Meister verrät" .

Sugata schrieb daraufhin einen Artikel: "Rette uns vor den Rechtschaffenen". Er meinte, "Ma Prem Maneesha  (Juliet Forman)" habe Lowe "auf eine Weise angegriffen, die auch für ein altes Paar nicht ganz ohne ist". Sugata steuert die Information bei, daß diese Maneesha später auch noch Lowes Nachfolgerin als Meisterschülerin wurde. Über Lowe hat er nicht allzuviel zu sagen, deshalb ist das hier eben keine Lowe-Kontroverse. Maneesha wiederum tat nur das, was Bhagwans Hofstaat seit jeher tat. Erst Sugata  hat einen Fall daraus gemacht, indem er dies kritisierte. Sein Kernsatz: "Und schließlich brandmarkt sie ihn als Verräter, wie vor ihm auch schon andere berühmte 'Abtrünnige' von den Organisationen der Sannyasins gebrandmarkt wurden".

Sugata: "Überhaupt 'Verrat'! Was soll dieser Begriff in der Nähe eines Meisters der Freiheit und Selbstverwirklichung?". Der Artikel löste eine Flut  extrem emotionaler Leserbriefe aus, dem Nicht-Sannyasin teils nur schwer verständlich. Letztlich wurde erst durch diese Reaktion daraus eine Kontroverse, die einen Hauch von Glasnost und Perestroika ins Bhagwan-Reich bringt.

Nach Sheelas "Flucht" und der Aufdeckung der Straftaten in Oregon gab es unter den Sannyasins Gefühlsäußerungen vergleichbar mit denen der DDR-Bürger nach der Öffnung der Mauer. Bhagwan-Anhänger haben damals von der Guru-Ranch als Konzentrationslager gesprochen und fühlten sich, wie vom Terror befreit.

Aber die Offenheit in der Bhagwan-Presse währte nur einige Monate. Inzwischen ist diese längst wieder gleichgeschaltet. Die deutsche Rajneesh Times wurde in eine "Internationale Ausgabe" umgewandelt, kritische Äußerungen gab es ab sofort kaum noch. Das Dogma der Unfehlbarkeit hielt Einzug.

Sugata ist der Meinung, dieses sei von Bhagwans Entourage aufgestellt worden und gibt Zitate wieder, die belegen sollen, daß Bhagwan selbst niemals so etwas verlangt habe, im Gegenteil: "Wenn ich Osho richtig verstanden habe, dann geht es nicht darum, wer recht hat - und nicht einmal um Fakten ... Es geht um 'die Wahrheit' - und dafür sind einem Meister sogar Lügen billig - so Osho selbst in einem Diskurs ...".

Sugata trifft damit den Nerv der "Bewegung": Er kritisiert die Organisationen der Sannyasins. Aber er weiß wohl auch, daß die Bhagwan-Bewegung ohne diese nicht existent wäre. Folgerichtig druckt er in seiner Zeitschrift auch einen Beitrag ab, der Bhagwan persönlich in die Pflicht nimmt (vgl. nächste Seite, AGPF Aktuell IV/89 S. 4).

Sugata sitzt zwischen zwei Stühlen. Er will den "spirituellen Weg" gehen und andere mit seiner Zeitschrift auf diesem Weg leiten. Sein Verlag lebt von diesen Suchern. Er erwähnt: " Der Artikel ... hat eine Flut von Leserbriefen erzeugt. Die Briefe aus Deutschland unterstützten (mit einer Ausnahme) die Position des Artikels, die Briefe aus Poona nahmen (mit einer Ausnahme) eine Gegenposition ein."
Sugata  wird sich zwangsläufig die Fragen stellen müssen: Wer ist Bhagwan ohne diese Organisationen? Weiß Bhagwan nicht ganz genau, daß er ohne diese Organisationen einer von zahllosen indischen Gurus geblieben wäre, daß er diesen Organisationen seit vielen Jahren den Lebensstandard eines Multimillionärs verdankt, der sich jeden erdenklichen Luxus leisten kann? Mehr Rolls-Royce, als jemals einer der reichsten Autonarren besessen hat, dazu Phantasie-Roben jede Menge, Luxus-Uhren und Schmuck  und -das ist vor allem der Luxus der reichsten Leute-: Jede Menge Personal. Anders als andere Reiche hat Rajneesh Chandra Mohan allerdings nach eigenen Angaben niemals Steuern bezahlt.
 

WAS WUßTE DER CHEF?

Was wußte Bhagwan von den Straftaten seiner Vertrauten Sheela? Bhagwan selbst hat die Erörterung dieser Frage vor Gericht verhindert, indem er sich einiger -vergleichsweise harmloser- Straf-taten schuldig bekannte und später behauptete, er habe sich nicht schuldig bekannt (vgl. AGPF Aktuell IV/87 S. 4). Dann behauptete Bhagwan und wiederholt diese Behauptung seither ständig, er sei während seiner Haft in den USA vergiftet wordem. Gut möglich, daß er damit nur von seiner Mitwisserschaft ablenken will. Denn es war ohnehin höchst unglaubwürdig, daß er von all dem nichts gewußt haben will, kümmert er sich doch sonst um jede Einzelheit (vgl. AGPF Aktuell I/88 S. 8).

Jetzt hat sich ein Autor* dieser Frage angenommen, dessen Buch in der Zeitschrift Connection  12/89 von einem Swami Prem Virena besprochen wird, der sich selbst als "sympathisierender Outsider" bezeichnet. Autor James S. Gordon wird in diesem Bericht als durchaus Bhagwan-freundlich geschildert. Umso größer die Bedeutung dessen, wenn es in Connection heißt:

 "Ohne dabei seine Sympathie für den Menschen Bhagwan und die von ihm faszinierten Schüler zu verlieren, stellt Gordon fest, daß Bhagwan nicht nur von den wichtigsten Vorgängen auf der Ranch und um Sheela und ihre Machtclique Bescheid gewußt haben muß, sondern daß Sheelas Rücksichtslosigkeit und Aggressivität im Großen und Ganzen eine Ausführung der Anweisungen ihres Meisters war. Auch Bhagwans abrupte Flucht von der Ranch mit dem Flugzeug  und ein paar Getreuen erscheint im Nachhinein als völlig  überstürzt und absurd, wenn man nicht unterstellen will, daß er  aus dem Wissen heraus floh, daß von den Abhörvorrichtungen, die  Sheela installiert hatte, brisantes Material über ihn auf den  von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Tonbändern vorhanden  war."

Zu dieser Annahme paßt auch Sheela's spätere Behauptung, sie habe ihre Verhaftung in Deutschland absichtlich provoziert -sie hätte als Schweizerin aus der Schweiz keineswegs im Schnellverfahren ausgewiesen werden können- um von Bhagwan abzulenken (vgl. AAAktuell IV/87 S. 6). Das erklärt auch Sheelas damalige Befürchtung, ihr Chef "wäre im Gefängnis gestorben". Denn eine langjährige Freiheitsstrafe wäre ihm sicher gewesen. Bhagwan und seine Anhänger haben übrigens bisher stets bestritten, daß Bhagwan seinerzeit von der Ranch geflohen ist.

*  James S. Gordon: "The Golden Guru - the strange journey of Bhagwan Shree Rajneesh" The Stephen Greene Press, NY 1987
 
 

 
Oregon Ranch versteigert. Geburtstagsanzeige im "Stern"
Aus: IDK IV/88  vom 23.12.88
 

Am Freitag, 2.12.1988 wurde die Ranch zwangsversteigert. Ganze 4,5 Millionen Dollar zahlte eine Versicherung. 6 Millionen Dollar hatten Bhagwans Anhänger einst bezahlt.

Jahrelang hatten Funktionäre des Kultes vorgekaukelt, aus dem Erlös für die Ranch könnten die rund 30 Millionen DM bezahlt werden, welche Deutsche gegen das Versprechen sehr hoher Zisnen dort investiert hatten. IDK I/87 prognostizierte schon im März 1987: "Das Geld dürfte weg sein". Einige Bhagwan-Anhänger reagierten auf diese Ankündigung mit Beschimpfungen.

Den Funktionären muß das von Anfang an klar gewesen sein. Die zunächst für die Ranch geforderten 40 Millionen Dollar waren völlig illusorisch. Jahrelang stand der Preis dann auf dem Papier bei 28 Millionen Dollar. Aber da konnten schon längst die Grundsteuern nicht mehr bezahlt werden.
Verloren wurde viel mehr. 200 Millionen Dollar sollen insgesamt dort investiert worden sein. Investiert wurde vor allem auch die Arbeitskraft und die Zukunftsgläubigkeit von Tausenden. Tatsächlich war von Anfang an voraussehbar, daß dieses Projekt keine Chance hatte. Bhagwan wußte, daß sein Visum erschlichen war.

Geburtstagsanzeige im "Stern"

Am 8.12.88 erschien eine ganzseitige Anzeige im "STERN" zu Bhagwans Geburtstag. Der Text ist vorsichtig und belanglos. Einzig erwähnenswert: Ein Drittel der Seite gefüllt mit den Namen der Inserenten: "Stellvertretend für 50.000 deutsche Sannyasins und unzählige Freunde ...". Es zeigt sich: Hauptstadt der Bewegung ist nicht mehr Köln, sondern München.

Auch organisiert wurde das ganze von München aus, vom TAO RAJNEESH ZENTRUM GmbH, Klenzestr. 41. Aus der Anzeige geht das allerdings nicht hervor. Mit Schreiben vom 4.11.88 wurden die "lieben Freunde" aufgefordert, mit "mindestens DM 100.- ... an dieser Aktion teilzunehmen".

Grund: "Wir wollen ... weiterhin auf Bhagwan aufmerksam ... machen und nicht nach Art der Presse erst auf Skandale warten". Soll wohl heißen: Der nächste Skandal kommt bestimmt.

Die Anzeige hat 48.000.- DM gekostet. Viele Inserenten verstecken sich hinter "Sannyas"-Namen. Einige bekennen sich mit ihrem bürgerlichen Namen. Die derzeit so sehr umworbenen Prominenten fehlen. Nur einen Inserenten kann man mit einigen Wohlwollen als Prominenten bezeichnen: Joachim Ernst Behrendt, Professor für Musik.
 
 

Aus: AGPF Aktuell IV/88 vom 30.12.88
 



AGPF Aktuell IV/88 vom 30.12.88 Seite  6

BHAGWAN-KULT: EUTHANASIE PROPAGIERT

Mit großem Aufwand an Öffentlichkeitsarbeit hatte Bhagwan die Gründung einer "Weltakademie" angekündigt. Deren Ziel: Die letztendliche Revolution und eine einzige Weltregierung.

AGPF AKTUELL (1/88 Seite 8) hatte in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß Bhagwan schon einmal eine "Universität für Mystik" gegründet hatte. AGPF AKTUELL: "Alles Makulatur: über weitere Aktivtäten der ,Universität' wurde nichts mehr bekannt".

Ganz so ergeht es der "Weltakademie" nicht, über deren Gründung immerhin die Weltpresse berichtete. In der Bundesrepublik wurde in ihrem Namen eine einzige Veranstaltung durchgeführt. Ausgerechnet in der Volkshochschule Köln. Deren Leiter dazu: "Wäre bei den Vorgesprächen nur einmal der Namen Bhagwan Shree Rajneesh gefallen, hätte ich die Anmietung nie genehmigt. Was diese jugendgefährdende Sekte hier macht, ist ja geradezu kontraproduktiv zu unserer Arbeit" (Bonner Rundschau 6.9.88).

Prominente Teilnehmer: Wolfgang Daniels, Bundestagsabgeordneter der Grünen und Rudolf Bahro. Bahro: es gebe wichtigere Dinge, "als den Mercedes unter dem Arsch".

Vorgestellt wurde bei dieser Veranstaltung Bhagwans neueste Schrift: "Die größte Herausforderung". Zitat: "Die Gesundheitsbehörden sollen entscheiden, wie viele neue Menschen wir jedes Jahr brauchen". "Wenn ein Kind schon geboren ist, und es mediznsisch nicht in der Lage ist, das Leben voll zu genießen, mit allen Sinnen in aller Gesundheit, dann ist es besser, daß es in den ewigen Schlaf versinkt". "So, wie wir ja auch die Geburten begrenzen -Geburtenkontrolle- so gebe ich euch ein neues Wort: Sterbekontrolle." Bhagwan propagiert damit die Euthanasie.

Aus einem Bericht der RANJNEESH TIMES (1.11.88) kann man jedoch schließen, daß die "Weltakademie" nichts als ein gewaltiger Werbegag war. Lästig scheint jetzt zu werden, daß die angepeilten Ziele sich nicht recht verwirklichen lassen. So sollten Nobelpreisträger für die "Weltakademie" gewonnen werden. Diese aber fanden "die damit verbundenen Ideen bedrohlich". Das wird jedoch nicht auf diese Ideen zurückgeführt, sondern darauf, daß diese Wissenschaftler "es sich anscheinend nicht leisten können, sich einer Mißbilligung durch die Regierungen ihrer Länder zu stellen..."
 



AGPF Aktuell IV/88 vom 30.12.88 Seite  7

BHAGWAN-KULT:
PROMINENTE FÜRSPRECHER GESUCHT

Nachdem die Massenpetitionen nichts gebracht hatten (vgl. AGPF AKTUELL 11/88 s.5) wird jetzt unverhüllt um prominente Fürsprecher geworben:

 "Wir bitten alle, denen Bhagwan etwas bedeutet, an die Meinungsmacher in ihrem Land heranzutreten.... bekannte Politiker, Nobelpreisträger, UNO-Beamte, aber auch Film- und Popstars, Entertainer und Sportler.

 Das hier ist keine Massenpetition. Wenn z.B. jemand wie Michael Jackson oder ein wohlbekannter Staatsmann wie Willy Brandt Bhagwans Redefreiheit mit seiner Unterschrift unterstützen würde, wäre das sehr hilfreich", so die Rajneesh Times vom 15.11.88.

Die Prominenten sollen eine "Erklärung" unterschreiben, die auch als "Manifest zur Meinungsfreiheit" bezeichnet wird. Auszug:

 Ich, der Unterzeichnende
 erachte die Freiheit zu sprechen was, wo, wann und mit wem ich will, d.h. die Meinungs- und Versammlungsfreiheit als grundlegendes und unverzichtbares Recht. Ich stelle hiermit ausdrücklich und öffentlich fest, daß ich alle Versuche verurteile, diese Grundrechte für Bhagwan Shree Rajaneesh einzuschränken

Es fehlt auch nicht der Hinweis auf die "Helsinki-Akte" und die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" der Vereinten Nationen.

Dies aber ist offensichtlich nur ein Ablenkungsmanöver. Denn die "Erklärung" enthält eine massive Täuschung.

Es gibt nämlich keine einzige internationale Vereinbarung, nach der jedermann seine Meinung dort äußern kann, wo er will. Es ist nämlich anzunehmen, daß außer Rajneesh Chandra Mohan noch einige zig. Millionen Inder ihre Meinung gern in der Bundesrepublik Äußern wÜrden.

Hier sollen Prominente offenbar veranlaßt werden, sich für die Meinungsfreiheit einzusetzen. Ihre Erklärungen werden dann benutzt, um Rajneesh Chandra Mohans Einreise in die Bundesrepublik zu ermöglichen.



AGPF Aktuell IV/88 vom 30.12.88 Seite  8

BHAGWAN-KULT: DOLCHSTOSSLEGENDE

In fast jeder Ausgabe der Rajneesh Times wird an der Dolchstoßlegende gestrickt. Ihr Inhalt in Kurzfassung:

1. Bhagwan war nicht auf der Flucht, als er verhaftet wurde.
2. Bhagwan wurde im Gefängnis vergiftet.
3. Bhagwan hat sich vor Gericht nicht schuldig bekannt.
4. Bhagwans Anwälte sind von den Staatsanwälten erpreßt und getäuscht worden.
5. All dies ist von US-Präsident Reagan und Justizminister Meese höchstpersönlich arrangiert worden.

Tatsache ist: Die Rajneesh Times berichtete schon am 21.6.85 darüber, daß noch im selben Monat ein Haftbefehl gegen Bhagwan erlassen werden solle. Von da an mußte er als Ausländer bei jeder Reise damit rechnen, wegen Fluchtgefahr verhaftet zu werden. Verhaftet wurde er erst am 29.10.85.

Und warum sollen Bhagwans Anwälte (und er selbst) sich wie dumme Jungen haben übertölpeln lassen, wo er doch angeblich die besten Anwälte beschäftigte? Im Gegensatz zum deutschen Recht kennt das amerikanische Strafrecht klare Vereinbarungen: Das Schuldanerkenntnis vermeidet die öffentliche Erörterung der Taten im Gerichtssaal. Im übrigen variiert Bhagwan seine Darstellung des Schuldbekenntisses. Früher einmal sagte er, seine Anwälte hätten einen Satz beendet, den er angefangen habe. Bhagwan demnach zum Gericht: "Ich bin." Sein Anwalt: "Schuldig" (vgl. AGPF AKTUELL IV/87).

Offenbar weiß Bhagwan entweder nicht, was vorgegangen ist. Oder sein Verhältnis zu Zahlen ist gestört. Bhagwan laut Rajneesh Tirnes vom 1.12.88: "Mich bestraften sie aber mit vierundzwanzigtausend Dollar".

In der Broschüre "Bhagwan Shree Rajneesh - Über die Grundrechte des Menschen" schreibt ein unbekannter Autor für die Rajneesh Verlags GmbH, Köln:



AGPF Aktuell IV/88 vom 30.12.88 Seite  9


FORTSETZUNG:
BHAGWAN-KULT: DOLCHSTOSSLEGENDE

 "Mitte November drängten ihn seine Anwälte, sich zu zweien von 34 geringfügigen Verstößen ... für schuldig zu bekennen, um sein Leben nicht weiterhin den Methoden der amerikanischen Justiz anheimzugeben. Bhagwan willigte ein und bediente sich der sog. "Alfred-Klausel", einer speziellen Möglichkeit der US-Gerichtsbarkeit, die es ihm erlaubte, den Vorwurf der Schuld - unter ausdrücklichem Beharren auf der eigenen Unschuld - geltenzulassen. Er wurde zu einer Strafe von 400.000 Dollar verurteilt und bekam die Auflage, die USA zu verlassen und fünf Jahre lang nicht zurückzukehren. Er verließ noch am selben Tag die USA..."
 

BHAGWAN-KULT:

POONA-ASHRAM: STEUERPROZESS VERLOREN

Ein indisches Berufungsgericht stellte kürzlich fest:
Bhagwans Lehren kommt "kein erzieherischer oder spiritueller Wert" zu. Damit bestätigte das Gericht die Entscheidung der Finanzbehörden, den Steuerbefreiungsstatus aufzuheben. Das Gelände des Ashrams wurde von den Steuerbehörden schon vor längerer als Sicherheit für ausstehende Steuerschulden gepfändet. Diese Nachricht ist sinngemäß der Rajneesh Times Nr. 22 vom 15.11.88 entnommen.

Die AGPF hatte schon frühzeitig die Ansicht vertreten, daß Bhagwan nicht -wie behauptet- aus gesundheitlichen Gründen Indien verlassen hatte, sondern aus steuerlichen Gründen (IDK 11/83 vom 1.8.83).
 
 
 

Bhagwan gründet "Weltakademie" - "Sehr subtile Gewalt"
Aus: AGPF AKTUELL I/88 vom 10.3.1988

Die    Gründung    einer   WELTAKADEMJE   FÜR    KREATIVE WISSENSCHAFT,   KUNST   UND   BEWUSSTHEIT   hat   Bhagwan angekündigt.  Dazu  soll  der   KOREGAON  PARK  angekauft werden,  an  dem  der Poona-Ashram  gelegen  ist.  Dieser "Park"  ist  ein  großes   Villenviertel  mit  englischen Feudalbauten.  Die Akademie "wird ihre eigenen Altenheime und  Krankenhäuser  haben"  - so  Bhagwan  laut  RAJNEESH TIMES vom 15.2.1988.

Das  Ziel  der Ausbildung: Die letztendliche Revolution: "Diese  letztendliche   Revolution   ist   eine   einzige Weltregierung  -   denn   wenn   die   Welt   nicht  eine Regierung hat, könnt ihr Kriege nicht verhindern".

Einen  Präsidenten für seine Akademie hat Bhagwan bereits gefunden:  Den  heute  75jährigen   Japaner  Dr.  Masashi Murakoshi.  Dieser  habe  von  seinem  fünfundvierzigsten Lebenjahr  an  in   Hiroshima   experimentiert  und  dort festgestellt,    daß   die   dort   nur   noch    geringe Radioaktivität  "sehr kreativ, sehr produktiv,  ungeheuer hilfreich"  ist, so Bhagwan. Strahlung in geringen  Dosen sei  "lebensfördernd". Der Japaner sei der lebende Beweis dafür:  Er sehe noch heute wie 45 aus. Auch Bhagwan  will teilhaben  am  Alters-Stopp,   den   schon  manche  Gurus versprochen  haben:  Er  hat sich von dem  Japaner  "eine kleine  strahlende  Scheibe" bauen lassen, "speziell  für meine  Badewanne...  Nur  zehn  Minuten,  und  die  ganze Badewanne  ist voller Strahlung". Damit das Projekt  noch zu  Bhagwans Lebzeiten vollendet werden kann, hat Bhagwan eine  "schriftliche  Garantie  gegeben...   daß  ich  den Körper  nicht  vor dem Jahr 2001 verlassen werde."  Aber: "Das heißt nicht, daß ich Punkt 2001 gehen werde!"

Erst  im  Sommer   1986   hatte   Bhagwan  eine  RAJNEESH UNIVERSITÄT  FÜR MYSTIK gegründet, mit 28 eigenen und  9 ausländischen    Instituten,   Kanzler   und   Direktoren ernannt.  Bhagwan,  der  in  Oregon  angeblich  keinerlei Detailkenntnisse  hatte,  kümmerte  sich  dabei  auch  um Kleinigkeiten:  "Er  zeichnete  und   entwarf  sogar  das Briefpapier,  das  Er gerne gedruckt haben möchte"  -  so Sheela-Nachfolgerin  Hasya  in  der  RAJNEESH  TIMES  vom 1.9.86  Alles  Makulatur: Über weitere  Aktivitäten  der "Universität" wurde nichts mehr bekannt.

"Gewöhnliche und sehr subtile Gewalt"

Begonnen hat der Kult als Therapie- und Meditations-Multi. Viele "Therapeuten" haben sich längst verselbständigt. Für den Außenstehenden sind auch diese selbstverständlich  Bhagwan-Anhänger,  Sannnyasins. Bhagwan  selbst hat 1986 eine Ausgrenzung der Therapeuten versucht  und  zu  diesem  Zweck  seine  UNIVERSITÄT FÜR MYSTIK gegründet (vgl. vorhergehende Seite). Vergeblich. In  einer  Beilage druckt die RAJNEESH TIMES vom 15.2.88 jetzt  einen  Leserbrief  ab, in dem die Bemühungen  um Ausgrenzungen  zum Ausdruck kommen. Zwei Bhagwan-Anhänger hatten  in  Berlin ihren "Tanz und  Meditationsplatz"  an andere  Sannyasins für eine "Energiegruppe" vermietet und sich vorsichtshalber  die Teilnahme  daran  vorbehalten. "Zutiefst   erschrocken" wird über das "absolute Affentheater" berichtet:

"Auf  dem  Kasernenhof  nennen sie  das  wenigstens nicht  Meditation. Jeder hatte sein Ich schon lange an die Gruppe bzw. den Leiter abgegeben".

"Besonders  erschreckend war der Umgang mit Gewalt. Gleich zu  Beginn wurden gegen  ausdrücklichen Wunsch private Räume betreten, Dinge  von  den Wänden  genommen  usw.  und  es  war sehr schwer, ausgesprochene Grenzen durchzuhalten.

Ich  sah  einen Mann eine Frau  herumwirbeln,  die schrie:  "Hör  auf,  Hör auf!  Bitte,  bitte!".  Er reagierte  sehr  lange nicht auf ihr  Schreien  und niemand  der  Gruppe  reagierte  darauf,  auch  der Leiter nicht."

Als der Inhaber der Räume gegen den Krach (vermutlich wegen der Nachbarn) protestierte,
"ließ sie mich von fünf Männern aus meinem eigenen Raum herauswerfen. Zwei von ihnen hat es richtig Spaß gemacht".
Der Verfasser zieht seine
"Bilanz:  Die  nicht ausgesprochenen Themen  dieser Gruppe sind Ausgrenzung, Respektlosigkeit, gewöhnliche und sehr subtile Gewalt. Es ist eine Gefahr für uns, daß diese Leute mit Sanskrit-Namen herumlaufen und wir mit ihnen verwechselt werden können!!!  ...  Bhagwan, thank you for  your  being with me!"
 

Bhagwan: Asyl in Deutschland? Guru-Ranch: 30 Millionen verloren?
Aus: IDK I/87 vom 5.3.87

Bhagwan ist wieder in Poona, wo er sich seinen Ruf als Sex-Guru erworben hat. Aber er fühlt sich dort verfolgt: Von der Stadtverwaltung, die ihn innerhalb einer halben Stunde wieder aus der Stadt entfernen wollte. Und der radikale Hindu-Führer Vilas Tupe droht mit einer Karate-Truppe. Bhagwan wies seine Anhänger an, "in  den Untergrund zu gehen". In Deutschland kursieren jetzt Bittbriefe an Prominente und Politiker sowie Unterschriftenlisten:Zahl und Gewicht der Unterschriften sollen Bhagwan ein Touristenvisum verschaffen. Gut möglich, daß er dann politisches Asyl beantragen wird. Zur Zeit ist Bhagwan in der Bundesrepublik amtlich "unerwünschte Person", wie wohl jeder Ausländer, der wegen Vergehen gegen die Ausländergesetze durch Vermittlung von Scheinehen vorbestraft ist.

In den USA hatte Bhagwan seine eigene Religion gegründet und widerrufen. Er nannte sich "Guru der Reichen", fuhr 85 Rolls Royce und trug Schmuck für 2,5 Millionen. Er wurde in  Straftaten verwickelt, auf der Flucht verhaftet, verurteilt, ausgewiesen. Er ließ sich im hintersten Indien nieder, die  Behörden wiesen seine Bedienungsmannschaft aus, er folgte dieser nach Nepal. Auf der Suche nach einem neuen Domizil bereiste er die Welt, von der er oft nur Flugplätze sah, die er meist garnicht verlassen durfte.

Guru-Ranch: 30 Millionen verloren?

Rund 30 Millionen DM haben Europäer - fast nur Deutsche - in die Guru-Ranch in Oregon investiert. Versprochen wurden hohe Zinsen. Es war eine Fehlinvestition: das Geld dürfte weg sein. Die Investoren aber werden immer wieder vertröstet: nach dem Verkauf der Ranch werde bezahlt. Aber dieses Versprechen wird wohl nicht einzulösen sein. Ende 85 wurde die Ranch für 40 Millionen Dollar angeboten, bei Schulden in Höhe von damals 35 Millionen Dollar. Heute ist der Preis auf 28 Millionen gesunken. Inzwischen haben aber auch einige Restaurants 10 Millionen Dollar eingeklagt wegen vorsätzlicher Salmonellenvergiftung, und deren Chancen stehen gut.

Aber auch für 28 Millionen Dollar dürfte sich kaum ein Käufer finden für eine Ranch, die zuvor von über 1.000 fast kostenlosen Arbeitskräften bewirtschaftet wurde und die fernab von jeder Stadt liegt. Und selbst wenn sich ein Käufer findet, für welchen Preis auch immer: die amerikanischen Gläubiger sind schon da und zu denen gehören auch der Staat und zahlreiche Rechtsanwälte.

Im Dezember 85 war noch von "vierzig verschiedenen Gruppen" die Rede, "die ernsthaft interessiert sind" - beim Preis von 40 Millionen. Es waren wohl nur Neugierige, denn beim Preis von 28 Millionen ist von denen keine Rede mehr.
 
 
 

"Bis zum letzten Blutstropfen kämpfen"
Aus: IDK  IV/83  vom 20.12.1983

Rajneesh Chandra Mohan alias Bhagwan ("Gott") hat nach dem Bericht eines seiner ehemaligen Anhänger mit seinem Freitod gedroht. Deutsche Bhagwan-Anhänger sollten sich vor einer Reise zu ihrem Guru gedanklich auf dessen Freitod vorbereiten und darauf, was sie tun würden, wenn sie durch Worte oder Taten aufgefordert würden, Bhagwan in den Tod zu folgen.

Die Anzeichen dafür mehren sich, daß sich das Drama der fast 1000 Toten von Jonestown auf der Ranch in Oregon wiederholen kann. Bhagwan damals über diesen Massenmord: "Ihr habt kein Recht, Jones zu verdammen, denn was er getan hat, ist dasselbe, was all eure Kirchen und Tempel seit Urzeiten gelehrt haben".

Bhagwans Sprecherin Sheela jüngst in einer Presseerklärung: "Jeder Rajneeshie wird bis zum letzten Blutstropfen und Atemzug seines Körpers, seiner Seele und seines Geistes kämpfen, um seine religiösen Rechte zu schützen ..."

Bhagwan selbst sieht im Tod den "größten Orgasmus" oder auch den höchsten Zustand der Erleuchtung. Wenn man ihm folge, so predigt er, "dann könne der Mensch sterben und ein Supermensch aus seiner Asche entstehen".

Schon als Kind hatte Bhagwan ein eher experimentelles Interesse am Tod. Er pflegte die Verbrennung von Leichen zu beobachten: "Es ist nicht der Mensch, was mich daran interessiert, sondern der Tod - er ist etwas so Schönes und so geheimnisvoll. Man darf sich das nicht entgehen lassen".

Es besteht durchaus die Gefahr, daß Bhagwan seiner Todessehnsucht folgen wird. Beispielsweise dann, wenn er von den US-Behörden ausgewiesen wird. Dann steht für ihn zu befürchten, den Luxus seiner Riesen-Ranch und seiner 36 Rolls-Royce mit einem indischen Gefängnis tauschen zu müssen. Denn er hat Indien 1980 wohl als Steuerflüchtling verlassen und die USA mit einem erschlichenen Touristenvisum betreten. Derzeit wird vor Gericht verhandelt, ob er ausgewiesen wird und seine Chancen stehen schlecht.

Auch um die Existenz der Guru-Ranch wird prozessiert: Seit Bhagwan die USA betreten hat, bezeichnet er seine Bewegung als Religion und reklamiert das Grundrecht der Religionsfreiheit für sich. Dann übernehmen seine Anhänger die Macht im dortigen Gemeinderat. Nun prozessiert der Staat: In den USA gilt strikte Trennung von Kirche und Staat und keine Religionsgemeinschaft darf politische Macht ausüben.

Auch gegen verschiedene Bauten prozessiert der Staat: Es droht eine Abrißverfügung.
 
 
 
 

Der Konzern bröckelt
Aus: IDK  II/85  vom 20.6.1985

Ein rotgekleideter Anhänger des Inders Rajneesh Chandra Mohan alias Bhagwan ("Gott") berichtete über die Gründung des Bhagwan-Restaurants in Karlsruhe:

"Einer von uns hat eine Hypothek auf das Haus seiner Mutter aufgenommen, wir legten unser Erspartes zusammen ...  Hinzu kamen Bankkredite und Bürgschaften".

Die Mutter wird ihr Haus wohl räumen müssen, denn ZORBA THE BUDDHA ist pleite. Und zwar gründlich. Das Konkursgericht hat den Konkursantrag "mangels Masse" abgewiesen, weil also nicht einmal mehr genügend Geld für das Konkursverfahren übrig war. Der Bhagwan-Anhänger:"Wir werden einen wunderschönen Abgang zelebrieren". Dies war übrigens nicht die erste Pleite im Konzern. Auch die Wiebadener Diskothek mußte dicht machen.

Wer mit dem Bhagwan-Kult Geschäfte macht, sollte sich gut merken, was Bhagwans Bevollmächtigte über den Chef des deutschsprachigen Teils des Konzerns sagte. Sheela Silverman zum SPIEGEL: "Er ist smart. Er weiß, wie man Konkurs anmeldet". Es scheint, als würde dieses Wissen im Bhagwan-Konzern  noch  des  Öfteren gefordert.

Still geworden ist es um Schloß Wolfsbrunnen, als "Rajneeshstadt" einstiges Zentrum des Kultes. Die über 12o Bewohner hatten dies in drei jähri ger Eigenarbeit renoviert und bewohnbar gemacht. Voriges Jahr verließen sie das Schloß unter Mitnahme des gesamten beweglichen Inventars einschließlich eines kompletten Verlages samt Lager und Druckerei, der auf dem Papier noch heute Werner Gartung ("Swami Siddharta") gehört. Er und Ehefrau Elke gehörten zu den ersten "Sannyasins" in der Bundesrepublik.

Beide hatten ihr gesamtes Vermögen in dieses "Experiment" gesteckt, ihren Bauernhof verkauft, der ihre Alterssicherung sein sollte. Beide wurden jetzt praktisch entschädigungslos enteignet und stehen vor dem Nichts. Elke Gartung hat ihr Geld bewußt auf Spiel gesetzt. Aber sie hat nicht damit gerechnet, daß das "Experiment" von außen abgebrochen wird.

Elke Gartung berichtet: Während des "Weltfestivals" 1984 beorderte Sheela Silverman die rund 100 Bewohner des Schlosses zu sich und stellte ihnen die Frage, ob es dort eine Hierarchie gebe. Elke Gartung heute: "Selbstverständlich gab es eine Hierarchie". Die Frage wurde also bejaht und Sheela Silverman verfügte die Schließung. Denn eine Hierarchie -das wird der Öffentlichkeit bei jeder Gelegenheit verkündet- gibt es nicht im Bhagwan-Kult.

Elke Gartung: "Das ist eine Lüge". Jeder wisse, daß es eine gebe. Den wahren Grund für die Schließung kennt sie bis heute nicht. Ihre Mala hat sie verbrannt. Rote Kleidung trägt sie nicht mehr.
 
 
 
 



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