|
|
Im April 2007 beschloss das Kuratorium des Hannah-Arendt-Instituts HAIT, den Vertrag mit Besier nach dessen Auslaufen 2008 nicht zu verlängern.
Pressestimmen dazu:
Aktueller Anlass für den "Direktorensturz" waren nicht die damaligen Vorkommnisse. Die FAZ vom 10.4.2007 (Andreas Platthaus: "Sympathie für Scientology gehört nicht zu den Aufgaben eines Direktors: Das Hannah-Arendt-Institut trennt sich von Gerhard Besier") berichtete über eine 7-seitige "Stellungnahme, die eine Dreiviertelmehrheit der Mitarbeiter des Dresdner Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung zur Amtsführung ihres Direktors Gerhard Besier abgegeben hat." Am 11.4.2007 berichtete dann Reiner Burger in der FAZ über Besiers "entgrenzten Glaubensbegriff", Besiers Veröffentlichung der "drei von der Scientology-Organisation in Auftrag gegebenen Gutachten( >>) und den "Zeitdignosen"-Band "Religionsfreiheit und Konformismus" (>>) von 2004, der auch einen Artikel von Derek Davis über "Die Scientology-Kirche: Im Kampf um gesetzliche Anerkennung" enthält. Über Davis schreibt die FAZ:
"Davis gehört seit Jahren zu Besiers Netzwerk - oder anders formuliert: Davis und Besier gehören zum selben Netzwerk. Der Amerikaner war 2004 zu Gast bei einer Tagung des HAIT und wurde damit auch Autor im Tagungsband des Instituts. Eine direkte Kooperation mit Davis sollte laut HAIT-Jahresbericht 2006 in diesem Jahr zustande kommen: Mitarbeiter des Dresdner Instituts sollten als Gastwissenschaftler in Texas tätig werden, um internationale Erfahrung zu gewinnen. Doch offensichtlich wollen die Mitarbeiter, die nun den Brief verfasst haben, auf jeden Fall vermeiden, auch nur im Ansatz in den Ruch zu geraten, zu den Scientology-Verharmlosern zu zählen oder gar daran zu arbeiten, aus dem HAIT eine Missionsstation der Organisation zu machen."Auch in Besiers Buch Die neuen Inquisitoren - Religionsfreiheit und Glaubensneid (>>) ist ein Artikel von Derek Davis veröffentlicht: "Fortschritt des Wahnsinns: Die erneuerte Verfolgung unpopulärer Religionen durch Deutschland in historischer Perspektive". Der erste Satz des Davis-Artikels lautet:
"Im September 1941 wurde im damaligen Nazi-Deutschland ein Gesetz erlassen, das allen Juden auferlegte, einen großen gelben Stern sichtbar zu tragen, der sie laut Daniel Goldhagen als "sozial Tote" brandmarkte. 55 Jahre später, im Jahre 1996, wurde im Auftrag des deutschen Ministers für Arbeit und Soziales im Rahmen einer Kampagne, die Scientologen bestimmte wirtschaftliche Rechte verwehren sollte, eine Arbeitsanweisung verfaßt, die heute noch Gültigkeit hat und durch welche die Arbeitsämter angewiesen werden, Firmen, die Scientologen gehören, mit einem "S" zu kennzeichnen.(2)"In der Anmerkung 2 (im Buch auf Seite 531) heisst es:
(2) Der Menschenrechtsvertreter der Scientology-Kirche in Deutschland bezeichnete das "S" als "elektronischen Davidsstern" . ...Offenbar hat Davis nicht erkannt, dass die Kennzeichnung von Firmen dem Schutz von Arbeitslosen diente, die Kennzeichnung von Personen unter der Nazi-Diktatur hingegen letztlich tödlich war.
Über Besiers Zukunft schreibt die FAZ am 11.4.2007: "Um seine eigene Zukunft braucht sich Besier übrigens keine Sorgen zu machen. Er bekommt (spätestens mit Ende seines Vertrags 2008, vermutlich aber deutlich früher) einen gut ausgestatteten Lehrstuhl an der TU Dresden."
Dagegen wehren sich allerdings
die Professoren des Instituts, in dem Besier untergebracht werden sollte.Die
FAZ vom 28.4.2007 (Rainer Blasius: "Die Professoren proben den Aufstand.
Das Institut für Geschichte der TU Dresden lehnt eine Zusammenarbeit
mit Gerhard Besier ab") berichtet, die Professoren stünden aus strukturellen
Überlegungen "der Übernahme einer vollen Professur durch Herrn
Besier" ablehnend gegenüber. Ausserdem würden jüngere Publikationen
und Kontakte mit einschlägigen Personen angeführt, um die weiter
bestehende Nähe von Herrn Besier zur Scientology-Organisation zu belegen.
Man sehe sich nicht in der Lage, diese Belege im Einzelnen zu bewerten.
Ausdrücklich erwähnt wird das Besier-Buch "Die neuen Inquisitoren".
Das enthalte einen "äußerst bedenklichen, den Holocaust für
die Scientology-Kampagne instrumentalisierenden" Beitrag von Derek Davis.
Gemeint sein dürfte insbesondere das obige Zitat.
Ausserdem weise der HAIT-Jahresbericht
2006 Davis als offiziellen Kooperationspartner aus: "Gerade als Historiker
müssen wir sehr sensibel eine ideologische Instrumentalisierung der
Geschichtswissenschaft bekämpfen."
Wiederum spielt Davis eine
besondere Rolle. Besier, so schreiben die Professoren,
"hat sich in letzter Zeit intensiv darum bemüht, Mitarbeiter zu einem Aufenthalt als Gastwissenschaftler bei Professor Davis zu gewinnen. Nach Bekanntwerden der Nähe von Davis zu Scientology sowie seiner diesbezüglichen Aktivitäten ist niemand von uns gewillt, Besiers nachdrücklichem Ersuchen nachzukommen. Als besonders schwerwiegend empfinden wir es, dass Herr Besier auch auf ausdrückliche Nachfrage jede Verbindung von Davis zu Scientology geleugnet hat. Zu fragen ist, ob der Direktor seine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeitern nicht gröblichst verletzt hat."In der Scientology-Website http://www.humanrightsareality.de/pg009.html mit dem Titel "Scientology Antworten und Lösungen" wird Davis zitiert und zusätzlich ist das Zitat im Kopf der Seite in Laufschrift zu lesen (geladen zuletzt am 1.5.2007):
"Nachdem er bei einigen Menschenrechtsaktionen mit Vertretern der Scientology Kirche in Kontakt gekommen war, meinte Professor Derek Davis, Direktor des J. M. Dawson Institute of Church-State Studies an der Baylor University in Texas: "Es gibt heute keine Gruppe auf der Welt, die mehr dafür tut, die Prinzipien der Religionsfreiheit bekannt zu machen und zu fördern, als die Scientology Kirche."In der Scientology-Website http://www.menschenrechtsbuero.de/pdf/fdm0500.pdf ist eine Ausgabe der Scientology-Zeitschrift "Freiheit" aus 2000 zu laden. Titel: "Beckstein in der Sackgasse" mit dem Bayerischen Innenminister auf dem Titelbild. In einem Bericht über "Marathons in Hamburg - Beginn einer neuen Ära für Menschenrechte" wurde auch über "Internationale Unterstützung " berichtet:
"Zu jenen, die als Redner den Demonstranten die Bedeutung von Religionsfreiheit und Menschenrechten vor Augen führten, gehörten unter anderem die Religionswissenschaftlerin Gabriele Yonan aus Berlin, Erzbischof Ungerer von der Freikatholischen Kirche in Deutschland, die bekannte amerikanische Schauspielerin Anne Archer, Ehrwürden Pamela Appeltand aus dem kanadischen Toronto, Irving Sarnoff, Gründer der international tätigen Vereinigung Friends of the United Nations (Freunde der Vereinten Nationen), Reverend Alfreddie Johnson, Gründer des World Literacy Crusade (Weltbewegung gegen Analphabetentum), und Dr. Derek Davis von der Universität Baylor (USA)."In der Website www.religioustolerance.net wurde über den ersten Tag dieses Marathons berichtet, Derek Davis sei in Sportkleidung gekommen: "Andrik [Schapers] introduced religious and human rights leaders present, some of whom had come in running gear, including the head of the World Literacy Crusade Rev. Alfreddie Johnson and Dr. Derek Davis of the J.M. Dawson Institute for Church-State Studies at Baylor University, Texas. The Director of the Church of Scientology's European Human Rights Offfice, Martin Weightman, also spoke prior to joining the runners.
Peter Widmer berichtet unter
http://www.pewid.ch/SCI/lerma3.htmlüber
eine Pressekonferenz der US-Politiker Michael B. Enzi, Benjamin A. Gilman
(vgl. http://www.Ingo-Heinemann.de/Gilman-Gesetze.htm)
und Matt Salmon zwecks Vorlage einer Resolution an den Senat/Kongress bezüglich
religiöser Diskriminierung in Deutschland. Dort wurde Derek Davis
als einer der Experten benannt, aber auch dort ohne Professoren-Titel.
Prof. Dr. theol. Dr. phil. Dipl.-Psych. Gerhard Besier war Professor für Historische Theologie und Konfessionskunde an der Universität Heidelberg. Seit 2003 besetzt er den Lehrstuhl für Totalitarismusforschung an der TU Dresden und ist Direktor des dortigen Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung. Dieses wurde nach der Wiedervereinigung gegründet. Besier empfahl sich durch das dreibändige Buch "Der SED-Staat und die Kirche" sowie das Buch "Die Kirchen und das Dritte Reich".
Bei seiner Berufung war offenbar
übersehen worden, dass Besier sich mit diversen Schriften bereits
als Verteidiger der Scientology-Organisation hervorgetan hatte,
die nicht zuletzt wegen totalitäter Tendenzen unter
Beobachtung des Verfassungsschutzes steht.
Besier in seinem Buch "Die
Rufmordkampagne. Kirchen & Co. vor Gericht"
2002 (>>):
"Die Diabolisierung der 'Church of Scientology' ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass Satan nach Überzeugung der kirchlich besoldeten Teufelsaustreiber heute eigentlich 'Scientology' heißen müsste" (>>).Bereits der Titel "Rufmordkampagne" (>>) weist das Buch als Polemik aus. Bei der angeblichen Rufmordkampagne handelt es sich um Kritik an Psychomarkt-Anbietern. Man mag diese Kritik für überzogen oder berechtigt halten. Der Begriff "Rufmordkampagne" ist jedenfalls weit entfernt von jeder Realität. Ebenso der Untertiltel des Buches "Kirchen vor Gericht". Besier berichtet im Wesentlichen über zwei Prozesse, die beide von Martin Kriele betreut wurden. Zu Kriele: Kriele & Kriele: Psychomarkt-Anbieter, Interessenvertreter und Staatsrechtsprofessor
Besier
bei Eröffnung des Scientology-Büros in Brüssel
Besier hat damit die geschützte
Position des Wissenschaftlers verlassen und sich als einer der "merkwürdigen
Bundesgenossen der Kulte" positioniert.
"In der Sache habe ich nichts zurückzunehmen", so Besier zur WELT vom 26.9.2003.
Gegenüber der TAZ
(25.9.03) sagte Besier, ein "autorisiertes Manuskript" seiner Ansprache
existiere nicht. Er sei "privat" in Brüssel gewesen und dort "von
Kollegen" um ein Grußwort gebeten worden.
Ob die nachfolgenden Zitate
wirklich von Besier geschrieben oder gesagt wurden, liess sich nicht feststellen.
| Zitate aus: Rundbrief des
DZB - Dialog Zentrum Berlin, Hg. Thomas Gandow, vom 13.10.2003.
Die Rede wurde von der Scientology-Organisation als Besiers Rede auf englisch verbreitet. Die Übersetzung ins Deutsche hat Peter Widmer für das Dialog Zentrum Berlin besorgt. PROFESSOR GERHARD BESIER
Es bereitet mir beträchtliches
Vergnügen, heute hier anlässlich der Eröffnung des neuen
und sehr eindrucksvollen Büros der Church of Scientology International
zu sprechen.
|
Zu Besiers Behauptung über eine Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts:
Es ging eben gerade nicht um "die" Scientology-Mitarbeiter, sondern um jemanden, der offenbar lange Jahre Funktionsträger war. Die von Besier vorgenommene Verallgemeinerung unter Verschweigung eines gegenteiligen Urteils desselben Gerichts ist somit sachlich falsch.Zu Besiers Behauptung über das Bundesfinanzministerium:
Erstens geht es nicht um das Bundesfinanzministerium, sondern um das Bundesamt für Finanzen. Zweitens ging es lediglich um die Anwendung eines Doppelbesteuerungabkommens auf die berüchtigte Lizenzgebühr in Höhe von 10% vom Umsatz, die deutsche Scientology-Filialen an die US-Zentrale abzuführen haben. Auch diese Besier-Behauptung ist somit sachlich unzutreffend.| Meldung des KNA-Basisdienstes
vom 18.09.2003
Besier: Scientology kämpft für religiöse Vielfalt Brüssel (KNA) Der evangelische Kirchenhistoriker Gerhard Besier hat die Scientology-Organisation als Vorkämpfer für den religiösen Pluralismus bezeichnet. Scientology stehe "in der ersten Reihe derjenigen, die für die Akzeptanz von religiöser Vielfalt kämpfen", sagte der Leiter des Dresdener Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismus-Forschung laut einem von der Organisation veröffentlichten Redemanuskript. Er sei überzeugt, dass nur ein ernsthafter Glaube in die Religion ein solches Maß an Hingabe erzeugen könne. "Deshalb führt die Scientology-Kirche einen Kampf für Toleranz, der jedem nutzt", heißt es in dem Manuskript. Besier äußerte sich bei der Eröffnung des neuen Europa-Büros der Scientologen am Mittwochabend in Brüssel. Von dem Büro in unmittelbarer Nachbarschaft der EU-Institutionen aus sollen die "Öffentlichkeits- und Menschenrechtsaktivitäten" koordiniert und Führern aus ganz Europa Einblicke in die Arbeit der Organisation gegeben werden, wie Scientology-Direktor Fabio Amicarelli am Donnerstag vor Journalisten in Brüssel mitteilte. Umstrittener Historiker Der Dresdener Historiker ist wegen seines Eintretens für Psychogruppen und gegen die damalige Sekten-Enquetekommission des Bundestages sehr umstritten. Besier, der früher in Heidelberg lehrte, wurde vor allem durch seine Untersuchungen zur Rolle der Kirche in der DDR bekannt. Bei der Brüsseler Eröffnung sagte er laut Manuskript, Scientologen gäben nicht auf, seien entschlossen und zeigten Mut gegenüber Hindernissen. Mit Blick auf die Scientology-Organisation in Deutschland erinnerte er daran, dass Scientology die "bei weitem sichtbarste" neue religiöse Bewegung und oftmals angegriffen worden sei. Diese Schlacht sei noch nicht vorbei. Allerdings habe Scientology bislang einige beachtliche und Präzedenzen schaffende juristische Siege vor Gericht errungen. Besier war bislang nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Universität Dresden verlangt Stellungnahme von Besier Die Universität
Dresden verlangt eine Stellungnahme Besiers zu dessen Scientology-Einschätzung.
Falls sich Besier so geäußert haben solle, könne sich die
die Hochschule damit "in keiner Weise identifizieren", sagte die Pro-Rektorin
für Bildung, Monika Medick-Krakau, auf Anfrage. Das weitere Vorgehen
könne allerdings erst nach einem Gespräch mit Besier beraten
werden.
Meldung des KNA-Basisdienstes vom 18.09.2003 Scientology eröffnet neues EU-Büro in Brüssel = Brüssel (KNA) Die Scientology-Organisation hat ein neues Europa-Büro in unmittelbarer Nachbarschaft der Brüsseler EU-Institutionen eröffnet. Von dort aus sollten die "Öffentlichkeits- und Menschenrechtsaktivitäten" koordiniert und Führern aus ganz Europa Einblicke in die Arbeit der Organisation gegeben werden, sagte Scientology-Direktor Fabio Amicarelli am Donnerstag vor Journalisten in Brüssel. Bei der Einweihungsfeier am Vorabend sprach nach Scientology-Angaben auch der niederländische liberale Europaabgeordnete Bob van den Bos. Besier: Scientology kämpft für religiöse Vielfalt Der Kirchenhistoriker Gerhard Besier sagte laut einem von der Scientology-Organisation veröffentlichten Redemanuskript bei der Eröffnung der neuen Räume, Scientology stehe "in der ersten Reihe derjenigen, die für die Akzeptanz von religiöser Vielfalt kämpfen". Die Organisation zitiert den Leiter des Dresdener Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismus-Forschung, Scientologen gäben nicht auf, seien entschlossen und zeigten Mut gegenüber Hindernissen. Er sei überzeugt, dass nur ein ernsthafter Glaube in die Religion ein solches Maß an Hingabe erzeugen könne. "Deshalb führt die Scientology-Kirche einen Kampf für Toleranz, der jedem nutzt", heißt es in dem Manuskript. Der evangelische Historiker ist wegen seines Eintretens für Psychogruppen und gegen die damalige Sekten-Enquetekommission des Bundestages sehr umstritten. Mit Blick auf die Scientology-Organisation in Deutschland erinnerte der Kirchenhistoriker daran, dass Scientology die "bei weitem sichtbarste" neue religiöse Bewegung und oftmals angegriffen worden sei. Diese Schlacht sei noch nicht vorbei. Allerdings habe Scientology bislang einige beachtliche und Präzedenzen schaffende juristische Siege vor Gericht errungen. Besier war bislang nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Der früher in Heidelberg lehrende Besier ist vor allem durch seine umstrittenen Untersuchungen zur Rolle der Kirche in der DDR bekannt geworden. |
Besier und das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der Technischen Universität Dresden
Fünf Monate nach Amtsantritt
und noch im selben Jahr 2003 hielt Besier eine Rede zur Eröffnung
eines Scientology-Büros in Brüssel.
Diesen Skandal überstand
er nach Presseberichten nur deshalb, weil das staatlich finanzierte Hannah-Arendt-Institut
für Totalitarismusforschung es sich wegen vorheriger Probleme nicht
leisten konnte, den Chef erneut auszuwechseln, ohne seine Existenz zu riskieren.
Während seine Zukunft noch diskutiert wurde, stellte sich heraus,
dass Besier bereits an einem grösseren Werk über Scientology
arbeitete, bestehend angeblich aus einem "theoretischen Teil" und einer
"empirischen Studie", für die Scientology ihm angeblich ihre Adressendatei
geöffnet hatte. Besier ruderte ein wenig zurück, betonte aber,
dass er die Kritik an seiner Teilnahme an der Scientology-Veranstaltung
für unangebracht halte.
"Erschüttert" sei er
über den Vorfall, sagte Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU)
gegenüber Leipziger Volkszeitung (25.9.2003, "Neues Kapitel im Krach
um Hannah Arendts Erben"). Die Zeitung: "Eine ungewohnt heftige Reaktion
auf einen ungewohnten Vorgang. Ausgerechnet Institutschef Gerhard Besier
hatte zur Eröffnung eines Scientology-Büros in Brüssel die
Organisation dafür gelobt, dass sie offensiv vor Gerichten darum streite,
das Verständnis der Religions- und Weltanschauungsfreiheit juristisch
einwandfrei zu klären."
Damals muss Besier bereits
an seinem nächsten Coup gearbeitet haben.
Im April 2004 wurde eine
Zeitschrift veröffentlicht, die Gutachten zur Scientology-Verteidigung
enthält. Herausgeber: Besier.
Diese Zeitschrift ist
nach deren eigenem Impressum im Institut für Totalitarismusforschung
erstellt worden. Denn als "Redaktion" ist angegeben: "Francesca Piombo
Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der Technischen
Universität Dresden Momsenstraße 13 01062 Dresden". Das
Institut hat sogar den "Satz" gefertigt, also die Umsetzung des Textes
für den Druck.
Alexander Kissler schreibt dazu in der Süddeutschen Zeitung vom 28.5.2004:
"Scientology ruft zum Kampf gegen die Demokratie auf, doch am Hannah-Arendt-Institut verteidigt dessen Direktor die OrganisationDas Kuratorium des HAIT werde sich mit dem Vertrauensbruch beschäftigen, wenn sich heraustellen sollte, dass die Zeitschrift dank der personellen und strukturellen Mittel des Instituts entstanden sein sollte. Das kündigte der Politologe Heinrich Oberreuter an, Mitglied im Kuratorium des Instituts.
Es könnte der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt: Seit elf Monaten leitet der Kirchenhistoriker Gerhard Besier das Dresdner Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung (HAIT); in dieser Zeit hat er dreimal als Apologet von Scientology für Aufsehen gesorgt. Er hielt bei der Eröffnung des Brüssler Scientology-Büros eine befürwortende Rede, er plante mit Unterstützung von Scientology ein Buch gegen deren "religionspolitische Ausgrenzung", und nun hat er die Ressourcen des HAIT zweckentfremdet, um in der Zeitschrift Religion - Staat - Gesellschaft den Verteidigern von Scientology ein Podium zu bieten. Demnächst dürfte sich das Kuratorium des HAIT mit dem Vertrauensbruch beschäftigen."
Träger des Hannah-Arendt-Preises fordern Distanzierung von Besier
Die Süddeutsche Zeitung vom 23.6.2004 drückt sich in einem Bericht über die Erklärung der Preisträger deutlich aus:
"Skandalös, verharmlosend, unerträglich. Das Hannah-Arendt-Institut soll seinen Direktor entlassen oder sich umbenennen. ... Der endlose Streit, in dem auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse auf Klärung dringt (SZ vom 14. Juni), wurde vom sächsischen Wissenschaftsministerium und dem Kuratorium des HAIT bislang ausgesessen. Verbale Empörung und behauptete Machtlosigkeit angesichts des Rechts Besiers auf Forschungsfreiheit gingen Hand in Hand. Diese Doppelstrategie dürfte nun endgültig gescheitert sein."
| Presseerklärung
Hannah-Arendt-Institut in Dresden muss klaren Trennungsstrich zu seinem Leiter ziehen Die jüngsten unerfreulichen Ereignisse am Hannah Arendt-Institut in Dresden veranlassen uns, die wir uns dem Erbe der deutschamerikanischen Denkerin Hannah Arendt verpflichtet fühlen, zu folgender Erklärung: Der Direktor des Hannah-Arendt-Instituts Dresden, Gerhard Besier, hat bei verschiedenen Gelegenheiten ungeschminkt Public Relation für die Scientology-Sekte betrieben und deren Wirken verteidigt. Er tut dies, obwohl ausreichend dokumentiert ist, dass es Hunderte von Opfern der sich religiös gebenden Finanzgruppe Scientology gibt, die all ihr Vermögen verloren haben und die in lagerähnlichen Einrichtungen festgehalten wurden. Die skandalöse Verharmlosung der Methoden der Scientologen durch Gerhard Besier ist unerträglich für das Erbe einer Denkerin, die von den Nationalsozialisten aus Deutschland vertrieben wurde und Zeit ihres Lebens eine scharfe Kritikerin totalitärer Strukturen war. Das Bemühen, das politische Denken Hannah Arendts für die heutige Zeit fruchtbar zu machen, wird durch das Verhalten von Gerhard Besier auf das Schwerste beschädigt. Wir sind der Meinung, dass das Hannah-Arendt-Institut in Dresden sich klar und deutlich von seinem Direktor distanzieren muss oder aber den Namen "Hannah Arendt" zurückgeben sollte. Freimut Duve, Hamburg, Träger
des Hannah Arendt-Preises für politisches Denken 1997
|
Besier "wertet die jüngste Kritik einer Reihe prominenter Vertreter aus Politik und Wissenschaft als Kampagne gegen seine Person. Die öffentlichen Vorwürfe, wonach er PR-Arbeit für Scientology betrieben habe, seien "unglaublich", sagte Besier am Freitag auf ddp-Anfrage in Dresden. Die Anschuldigungen stammten von einem Personenkreis, der ihn offenbar "um jeden Preis» aus seinem derzeitigen Amt "rauskicken" wolle", so ddp-lsc 25.6.04.
Die Frankfurter Rundschau vom 24.06.2004 titelt "Der Bock als Gärtner".
Die Frankfurter Allgemeine
Zeitung vom 26.06.2004: "Das krisengeschüttelte Dresdner Institut
für Totalitarismus-Forschung, das den Namen der Philosophin Hannah
Arendt trägt, ist unter dem Direktorat Gerhard Besiers vom Regen in
die Traufe geraten. Nun scheint sich auch das Ende der Ära Besier
abzuzeichnen".
Besier: "Hier geht es um die Wissenschaftsfreiheit" (DNN - Dresdner Neueste Nachrichten 18.5.2004). Er sagte der Zeitung aber auch, er selbst habe kein Wort in der fraglichen Ausgabe der Fachzeitschrift geschrieben, seine Zusage zur Zurückhaltung also auch nicht gebrochen.
Die DNN - Dresdner Neueste Nachrichten 18.5.2004:
"Wissenschaftsminister Matthias Rößler als Dienstherr kennt das fragliche Heft noch nicht persönlich und will sich zunächst mit dem Kuratorium des HAIT abstimmen. Dort ist man bereits in der Diskussion. Dienstrechtliche Konsequenzen gegen Besier sind schlechterdings aber nicht möglich, weil er sich auf die Wissenschaftsfreiheit berufen kann. Auf dieses Dilemma weist auch Roland Wöller, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion hin. Das Dilemma besteht auch darin, dass ein erneuter Führungswechsel am HAIT den endgültigen Verlust seiner Reputation, wenn nicht gar das Ende des 1993 gegründeten Instituts zur Folge hätte. Wöller wird in der Sache überaus deutlich: Besier habe seine Zusage gebrochen, seine ganze Kraft der Totalitarismusforschung zu widmen und stattdessen das Institut erneut in Misskredit gebracht. Er werde damit seiner Verantwortung nicht gerecht. Das sei aber leider nichts Neues bei Besier, der sich als "nicht lernfähig" erwiesen habe."Sicher ist: Die Wissenschaftsfreiheit berechtigt nicht zum Missbrauch des Namens eines Instituts und der weltweit bekannten Hannah Arendt.
Diese Frage stellte die Süddeutsche
Zeitung am 14.6.2004: "Ein großer Zorn. Der Fall Besier und Scientology
- reagieren nun die Politiker?"
"Der Fall Besier hat die
regionale Ebene endgültig verlassen und die Höhen der Bundespolitik
erreicht". Bundestagspräsident Wolfgang Thierse habe sich an
den sächsischen Wissenschaftsminister Matthias Rößler gewandt,
dieser habe "Sachverhaltsaufklärung" versprochen. Kurz darauf - so
die SZ - habe Besier dem Ministerium erklärt, keine "Institutsmittel"
für die Zeitschrift verwendet zu haben. Die werde mit "Drittmitteln"
finanziert.
Bleibt abzuwarten, was sich
hinter dem Begriff Drittmittel versteckt und ob die Öffentlichkeit
das erfährt.
Dazu gehört dann auch
eine Abrechnung über den Verkauf.
Denn wenn ein massgeblicher
Teil der Auflage an einen Käufer oder eine Gruppe von Käufern
abgegeben wurde, dann liegt der Verdacht nahe, dass dies verabredet war
und dass hinter den "Drittmitteln" eine Vorfinanzierung durch den oder
die Käufer stand.
Die Süddeutsche Zeitung: "Der ehemalige Kuratoriumsvorsitzende des HAIT, Uwe Grüning (CDU), glaubt nicht an Besiers Lernfähigkeit. ... Angesichts der abermaligen Entgleisung empfindet Grüning "einen großen Zorn". Dass der Name Hannah Arendts und die vom Verfassungsschutz beobachtete "Church of Scientology" immer öfter in einem Atemzug genannt würden, sei "ganz entsetzlich". Das fragliche Heft von Religion - Staat - Gesellschaft nennt er "auch wissenschaftlich ungeheuer schwach."
Zur Frage, wie Besier in das Amt gelangt ist, die Süddeutsche Zeitung:
"Je länger die Krise schwelt, desto unbegreiflicher wird die Nonchalance, mit der im Frühjahr 2003 die Findungskommission, bestehend aus Professoren der TU Dresden und Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats des HAIT, für Besier votierte. Schon damals wäre es ein Leichtes gewesen, den fast missionarischen Einsatz Besiers für Scientology anhand der Publikationsliste nachzuzeichnen. Angeblich wusste niemand von dieser fragwürdigen Leidenschaft. Vielleicht aber zählte auch der Eindruck stärker, den Besiers Buch über "Die Kirchen und das Dritte Reich" hinterließ. Es wurde am 26. September 2001 rühmend vorgestellt von Altbundeskanzler Helmut Kohl."Auch ohne Publikationsliste hätte man per Internet mühelos herausfinden können, welche Bücher Besier sonst noch so veröffentlicht hatte: "Die neuen Inquisitoren. Religionsfreiheit und Glaubensneid", 1999 und "Die Rufmordkampagne. Kirchen & Co. vor Gericht", 2002 (>>). Beide Bücher waren nicht enthalten in einer Publikationsliste in http://www.tu-dresden.de/hait/LITERATURLISTE-BESIER.pdf (geladen am 13.7.06). Diese Liste enthält "Veröffentlichungen von Gerhard Besier", unterteilt in I. Aufsätze, II. Monographien, III. Editionen, Quellenveröffentlichungen, Sammelarbeiten, IV. Lexika-Artikel. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass es ausserdem noch weitere Veröffentlichungen gibt.
Diese Liste besagt natürlich
nichts über den Inhalt der Liste, die Besier bei seiner Bewerbung
vorgelegt hat.
Thomas Gandow hat Besier
in einer Talkshow auf seine Veröffentlichungen angesprochen, die er
bei seiner Bewerbung vorgelegt hat:
Besier hat also nicht bestritten,
dass er diese Bücher bei seiner Bewerbung beim HAIT nicht angegeben
hat.
Die "Traktate": Das sind
drei Bücher im Umfang von zusammen 1312 Seiten.
Traktat kommt von tractare,
erörtern, besprechen, behandeln.
Ein Traktat ist 1. eine
"Abhandlung" und 2. eine religiöse oder politische Flugschrift. Umfangreiche
Bücher werden üblicherweise nicht als "Traktat" bezeichnet.
Mehr zum Inhalt dieser "Traktate"
>>
Der Spiegel weiter:
"Fest steht: Erstmals ist es Scientology gelungen, einen prominenten deutschen Kopf zu gewinnen, der sich in die Nähe der umstrittenen Gruppierung begibt. Und was den Verdacht der Kumpanei verstärkt: Besier arbeitete gerade mit seiner Frau an einem Buch über Scientology. Die sonst so geheimniskrämerische Organisation gewährte ihm Zugang zu angeblich 11000 Adressen von Mitgliedern in Deutschland."Der Verfassungsschutz ging zu diesem Zeitpunkt von 5000 bis 6000 Mitgliedern in Deutschland aus. Mehr dazu unter
Die
Gutachten zur Scientology-Verteidigung
Im April 2004 verschickte
die Scientology-Organisation die offenbar soeben erst erschienene Ausgabe
Nr. 2/2003 der Fachzeitschrift "Religion, Staat, Gesellschaft" aus dem
Verlag Duncker & Humblot.
Besier hatte sich in der Welt vom 5.8.2003 kritisch über das Gutachten geäussert. Daraufhin hatte - ungewöhnlich genug - das Bayerische Staatsministerium des Innern mit einem Leserbrief (>>) geantwortet. |
![]() |
Offener
Brief der Bundestagsabgeordneten Antje Blumenthal an Besier
| Antje Blumenthal, MdB
Deutscher Bundestag Platz der Republik 1 11011 Berlin Tel: 030 - 227-70183
Antje Blumenthal
PRESSEMITTEILUNG
Offener Brief Berlin, 5.
Mai 2004
"Religion, Staat, Gesellschaft" wird u.a. von Ihnen, Herr Professor Besier, herausgegeben und gilt als seriöse Fachzeitschrift. Um so mehr erstaunt und befremdet es, dass ausgerechnet in einigen Beiträgen der Ausgabe die wissenschaftliche Sachlichkeit und die Herrschaft des Arguments zugunsten von unausgewogener Polemik an den Rand gedrängt werden. Bezeichnenderweise hält es deshalb auch der renommierte Berliner Verlag Duncker & Humblot, der die Zeitschrift verlegt, für nötig, die polemische Dimension einiger Beiträge zu beklagen und sich damit teilweise vom Inhalt der Zeitschrift zu distanzieren: "Der Verlag ist aber durchaus und ganz generell der Meinung, dass der wissenschaftliche Charakter der Zeitschrift eine nüchtern-sachliche Form der Darlegungen unter Verzicht auf Polemik verlangt", und weiter "Dass nicht alle Autoren der in diesem Heft abgedruckten Beiträge sich von diesem Grundsatz leiten ließen, nimmt der Verlag mit Bedauern zur Kenntnis." Bereits die einleitenden Worte von Johannes Neumann, emeritierter Professor für Religions- und Rechtssoziologie, enthalten Passagen, die auch mit gutem Willen nur als polemisch bezeichnet werden können. Neumanns Beitrag zeichnet sich durch einen besonders verständnisvollen Umgang mit Scientology aus, der in deutlichem Gegensatz zur Kritik steht, die Küfner/Nedopil/Schöch in ihrer Studie äußern. Kennzeichnend hierfür ist besonders die Bezeichnung der Scientology-Organisation als Kirche - eine nicht nur in Fachkreisen höchst umstrittene Praxis. Der bayerischen Studie von Küfner/Nedopil/Schöch wird ferner vorgeworfen, eine Zusammenarbeit mit Scientology habe nicht stattgefunden. Berichte von zum Teil psychisch labilen Scientology-Aussteigern sieht Neumann als nicht aussagekräftig an. In die Bewertung von Scientology mischt sich auch dadurch ein positiver Aspekt, wenn beispielsweise die ablehnende Haltung der Aussteiger begründet wird: "Denn anders als der Austritt aus einer der einem längst gleichgültig gewordenen Amtskirchen, vollzieht sich das Ausscheiden aus einer der neuen Religionen oft mit erheblichen Begleiterscheinungen […].“ Diese Wertungen werden durch unbewiesene Behauptungen ergänzt: Nicht die Scientologen würden den Kontakt zur Familie abbrechen, sondern die Familienmitglieder, die eine Zugehörigkeit zu Scientology nicht akzeptierten. In diesem Zusammenhang wird eine Scientology-Broschüre lobend erwähnt und ausgiebig zitiert. Das Gewinnstreben der Scientologen revidiert Neumann mit dem Satz, dass alle kirchlichen Angebote Geld kosteten. Die etablierten Kirchen würden im Gegensatz zu Scientology mit öffentlichen Mitteln alimentiert: "Insofern finanzieren die Mitglieder kleiner Religionsgemeinschaften über ihre allgemeinen Steuern die Amtskirchen, von deren Sektenbeauftragten sie diffamiert werden, auch noch mit." Neumann schließt daraus: "Nur unverfrorener Machtwille lässt es angesichts dieser Situation zu, kleinen Religionsgemeinschaften wie Scientology Geldgier vorzuwerfen." Durch diese Gleichsetzung der Amtskirchen mit Scientology - ohne jegliche Auseinandersetzung mit deren jeweiligen Zielen und Methoden - hat Neumann eine Grenze überschritten: Er relativiert sowohl die psychische Beeinflussung der Mitglieder als auch das Gewinnstreben von Scientology. Entsprechend liest sich der Text wie eine Polemik gegen Scientology-Kritiker. Bleibt die Frage, warum in einer seriösen Fachzeitschrift eines renommierten Verlages Artikel von solch fragwürdiger Qualität erscheinen? Für den Inhalt des Heftes sind ausnahmslos die Herausgeber verantwortlich - einer davon sind Sie, Herr Professor Besier. Sie haben in der jüngsten Vergangenheit mehrfach durch unreflektierte, Scientology verharmlosende Äußerungen von sich reden gemacht, u.a. aufgrund Ihres Grusswortes zur Eröffnung des Scientology-Europabüros in Brüssel. Die massive Kritik der Öffentlichkeit an Ihrer Haltung zu Scientology, die bis hin zur Rücktrittsforderung reicht, hatte Sie Ende vergangenen Jahres dazu bewogen, auf die Veröffentlichung Ihrer Studie "Feindbild Scientology? Eine amerikanische Religion in Deutschland" zu verzichten. Dass Sie sich nunmehr für eine ausgesprochen Scientology freundliche Ausgabe von "Religion, Staat, Gesellschaft" mitverantwortlich zeigen, dürfte somit kein Zufall sein. Die Vermutung liegt nahe, dass Sie sich die Zeitschrift "Religion, Staat, Gesellschaft" als Forum für Ihre Scientology freundliche Polemik zu Eigen machen, um den Tenor Ihrer zurückgehaltenen Studie auf anderem Wege publik zu machen. Dieses Vorgehen zugunsten von Scientology, sehr geehrter Herr Professor Besier, schadet nicht nur der Reputation des Hannah-Arendt-Instituts und widerspricht dem Gebot sachlicher und gründlicher wissenschaftlicher Arbeit, sondern verharmlost vor allem eine der gefährlichsten Sekten unserer Zeit. Ich erwarte mit großem
Interesse Ihre Antwort und verbleibe
|
| Vorbemerkung des Verlages
Erstmals wird von den Herausgebern der RSG ein Heft vorgelegt, das sich einem einzigen Gegenstand widmet, nämlich einer Auseinandersetzung verschiedener Autoren unterschiedlichen wissenschaftlichen und beruflichen Hintergrunds mit der Publikation Heinrich Küfner/Norbert Nedopil/Heinz Schoch (eds), Gesundheitliche und rechtliche Risiken bei Scientology. Eine Untersuchung psychologischer Beeinflussungstechniken bei Scientology Landmark und bei der Behandlung von Drogenabhängigen, Lengerich u.a. 2002. Das ist ungewöhnlich aber ganz ohne Zweifel liegt die Auswahl dieses Gegenstandes in der freien Entscheidung der Herausgeber. Daß eine Zeitschrift, die sich dem Themenkomplex "Religion - Staat - Gesellschaft" verschrieben hat, eine Thematik aufgreift, wie sie den Gegenstand der Publikation bildet, mit der sich die Verfasser auseinandersetzen, ist naheliegend, ja man kann sagen zwingend: Wenn nicht diese Zeitschrift, welche dann? Daß die Thematik in der Öffentlichkeit überaus kontrovers diskutiert wird darf dabei kein Hinderungsgrund sein. Zu welchen Ergebnissen die Verfasser der Beitrage dieses Heftes gelangen, unterliegt selbstverständlich ihrer wissenschaftlichen Freiheit. Für den Verlag ist es dabei gänzlich unerheblich, ob er die vertretenen Meinungen teilt. Er will ja mit der Zeitschrift gerade ein Forum für einen offenen und freimütigen Diskurs bieten, und das schließt ein, daß dabei Meinungen vertreten werden, die er teilen kann oder eben auch nicht Der Verlag ist aber durchaus und ganz generell der Meinung, daß der wissenschaftliche Charakter der Zeitschrift eine nüchtern sachliche Form der Darlegungen unter Verzicht auf Polemik verlangt. Dies liegt nach seiner Meinung auch im wohlverstandenen Interesse der Verfasser, gewinnen ihre Beiträge letztlich doch dadurch an Überzeugungskraft. Daß nicht alle Autoren der in diesem Heft abgedruckten Beitrage sich von diesem Grundsatz leiten ließen, nimmt der Verlag mit Bedauern zur Kenntnis DUNCKER & HUMBLOT GMBH |
Die
Zeitschrift "Religion, Staat, Gesellschaft"
Die Herausgeber Die Ausgabe Nr.2/2003 enthält auf der Titelseite die Angabe "Herausgegeben von Gerhard Besier und Hubert Seiwert". Aussderdem gibt es aber noch eine Impressums-Seite, Abbildung rechts, zum Vergrössern anklicken. Dort heisst es: "Herausgegeben von Gerhard Besier, Dresden / Hubert Seiwert, Leipzig, in Zusammenarbeit mit James A. Beckford, Warwick / Massimo Introvigne, Torino / James T. Richardson, Reno / Richard Singelenberg, Utrecht / Bassam Tibi, Göttingen und St. Gallen / Hermann Weber, Frankfurt am Main".Diese haben überwiegend mit dem Thema Sekten zu tun (gehabt). Nur darum geht es in den nachfolgenden Ausführungen. Prof. Dr. Hubert Seiwert kritisierte in der FAZ vom 10.9.96 massiv den Bericht "Sekten in Frankreich" einer Enquete-Kommission des französischen Parlaments (http://www.AGPF.de/Guyard-Rapport.htm) und bezeichnete dort Massimo Introvigne (http://www.AGPF.de/CESNUR+Introvigne.htm) als Autor, dessen "wissenschaftliche Kompetenz ... über jeden Zweifel erhaben" sei. Im zweiten Enquete-Bericht des französischen Parlaments von 1999 wurde Introvignes Verein CESNUR als "Tribüne für die Verteidigung des Sektenwesens" bezeichnet. Thomas Gandow berichtete
in der Zeitschrift "Berliner Dialog" (http://www.religio.de/dialog/497/497s27.html)
Nr. 4/97 unter dem Titel "Kultlobby" über die Kooperation zwischen
CESNUR und dem deutschen Verein REMID (http://www.AGPF.de/REMID.htm),
dessen Internet-Vereinsseiten auf dem Institutsrechner von Prof.
Hubert Seiwert lägen.
"James A. Beckford, Soziologieprofessor an der University of Warwick (England), wies darauf hin, daß die sich entwickelnden modernen Religionen normalerweise "nicht im Genuß der Vorteile sind, die sich aus ererbtem Grundstücksvermögen, Stiftungsgeldern, Patronat und einer 'Geburtsrechts'-Mitgliedschaft ergeben", jedoch seien dies nicht Merkmale einer Religion als solcher. Es gebe zwar verschiedene wissenschaftliche Meinungen, wie "Religion" genau zu definieren sei, aber es spiele keine Rolle, welchen Ansatz man zur näheren Betrachtung von Scientology auswähle, denn sie erfülle "sämtliche Kriterien, die von Wissenschaftlern üblicherweise angelegt werden", egal an welcher Definition man sich orientiert."Bassam Tibi ist einer der Autoren des Besier-Buches "Die neuen Inquisitoren - Religionsfreiheit und Glaubensneid", 1999 (dazu unten). Sein Thema fällt allerdings aus dessen Rahmen: "Organisierte Religion wie in der katholischen oder protestantischen Kirche: Ein Vorbild für die Islam-Diaspora?" James T. Richardson "spricht sich dafür aus, den Begriff in Rechtsfällen zu verbieten, denn "der Begriff trägt einfach zuviel Ballast mit sich herum, um die beiläufige Verwendung in Fällen zu gestatten, die dazu dienen sollen, eine rationale Beurteilung wichtiger Fragen vorzunehmen. ... " (http://de.wikipedia.org/wiki/Sekte). Als Referent einer REMID-Tagung sagte er: "Besonders möchte ich den europäischen Gesellschaften nahelegen, aus dem amerikanischen Umgang mit der Anti-Sekten-Bewegung zu lernen und dieser Bewegung nicht länger Gehör zu schenken, da sie klar ersichtliche eigennützige Interessen verfolgt und Verbindungen mit den Großkirchen und Regierungen eingegangen ist, um eine umfassende Kontrolle über religiöse Minderheiten zu gewinnen" (http://www.religionsfreiheit.at/remid_streitfall_re_dt.htm). Richard Singelenberg
befasst sich offenbar hauptsächlich mit den Zeugen Jehovas.
|
Als "Redaktion" ist angegeben:
"Francesca Piombo und Carsten Schmidt, Hannah-Arendt-Institut für
Totalitarismusforschung e.V. an der Technischen Universität Dresden
Mommsenstraße 13, 01062 Dresden (Tel. 03511-463-32802, Fax
0351-463-36079, E-Mail: redaktion@religion-staat-gesellschaft.de)".
Das Institut hat sogar den
"Satz" gefertigt, also die Umsetzung des Textes für den Druck.
In der Liste der Publikationen
(www.tu-dresden.de/hait/publ.htm)
ist die Zeitschrift allerdings nicht enthalten.
In Heft 2/2002 lautete die Redaktionsadresse: "Francesca Piombo, Kisselgasse 1, 69117 Heidelberg (Tel. 06221/543394, Fax 06221/543395)". Telefonnummer und Adresse gehören zur Universität Heidelberg, die allerdings mit keinem Wort erwähnt wird.
Auch eine Internet-Adresse
ist angegeben: "Internet: www.religion-staat-gesellschaft.de (Sponsored
by [Firmenname bekannt], Heidelberg)". Was es da zu sponsern gibt, ist
unklar. Eine solche Domain kostet maximal 6 oder 7 Euro im Monat. Eingetragen
ist die Domain auch nicht etwa auf die genannte Firma, sondern auf Daniel
Besier. Derselbe wird in der Website benannt für "Internetrealisation:
Daniel Besier".
Die in der Website unter
"Kontakt" angegebene Telefonnummer für die Redaktion 0351-463 32 802
ist eingetragen für "Technische Universität Dresden, Mommsenstr.
13, 01069 Dresden".
Der Verlag hat der Zeitschrift eine "Vorbemerkung des Verlages" (>>) vorangestellt. Er sei "ganz generell der Meinung, daß der wissenschaftliche Charakter der Zeitschrift eine nüchtern-sachliche Form der Darlegungen unter Verzicht auf Polemik verlangt. ... Daß nicht alle Autoren der in diesem Heft abgedruckten Beiträge sich von diesem Grundsatz leiten ließen, nimmt der Verlag mit Bedauern zur Kenntnis".
Im übrigen handelt es
sich offenbar bei mindestens zwei dieser Arbeiten um Auftragsarbeiten für
die Scientology-Organisation: "Komplett abgedruckt werden ein rechtliches
und ein psychologisches Gutachten von November 2001 und Mai 2003, beides
Auftragswerke von Scientology", so die Süddeutsche Zeitung vom
28.5.2004.
Johannes Neumann
Einleitung/Editorial stammt von Prof. Johannes Neumann. "Der Emeritus teilt mit breiter Kelle aus", so Alexander Kissler in der bereits zitierten Süddeutschen Zeitung vom 28.5.2004: "Der 'unverfrorene Machtwille' der großen Kirchen führe dazu, 'kleinen Religionsgemeinschaften wie Scientology Geldgier vorzuwerfen'. Der Skandal sei eher, dass die Kirchen 'ihre staatlich alimentierten Einrichtungen zu Indoktrination' nutzten."Heinrich SchollerNeumann: "Im Vergleich zur Römisch-katholischen Kirche und der dortigen Stellung des Papstes als Stellvertreter Christi auf Erden sind die meisten sog. 'Neureligionen' übrigens weit weniger auf 'Führer', sondern mehr auf die religiöse Sache selbst orientiert."
Prof. Heinrich Scholler (http://www.heinrich-scholler.de) steuert bei ein "Rechtsgutachten zur verfassungsrechtlichen Stellung der Scientology Kirche Deutschland e.V." bei. Es scheint sich um eine Auftragsarbeit für Scientology zu handeln.Georg Sieber
Der Psychologe Georg Sieber hatte bereits 1981 eine Studie zur angeblichen Ermittlung der Beratungskapazitäten und des Beratungsbedarfs für ehemalige Sektenangehörige erstellt. Friedrich-Wilhelm Haaack damals: "Papiertiger kam aus wissenschaftlichem Flohzirkus", vgl. http://www.AGPF.de/Sieber.htm. Ingo Heinemann 1981: "Die von Sieber benutzten Methoden muten an wie Taschenspieler-Tricks, denn während Sieber die ehemaligen Sektenangehörigen verschwinden läßt, zaubert er Beratungskapazitäten herbei".Marco FrenschkowskiBeim jetzigen Text handelt sich um eine "gutachterliche Stellungnahme des Psychologen Georg Sieber, der im direkten Auftrag des Münchner Scientology-Anwaltes Wilhelm Blümel arbeitet" (DNN - Dresdner Neueste Nachrichten 18.5.2004).
Marco Frenschkowski hat, wie er in seinem jetzigen Text schreibt, bereits früher ein "Gutachten über den religiösen Chrakter der Scientology Kirche" verfasst und zwar "aus Anlaß der Verwaltungsstreitsache Scientology Kirche Berlin e.V. gegen das Land Berlin (Az.: VG A 260.98)". Das Urteil in dieser Sache befindet sich unter http://www.Ingo-Heinemann.de/VG-Berlin-27A260-98.htm. Frenschkowski erwähnt allerdings einen entscheidenden Punkt nicht, nämlich in wessen Auftrag er dieses Gutachten erstellt hat, aus dem er Formulierungen auch für seinen jetzigen Text übernommen hat. Soweit hier bekannt, hat es sich damals um ein Parteigutachten gehandelt, also eine Arbeit im Auftrag der Scientology-Organisation.
Frenschkowski schreibt (S. 326): "Ich bin kein Anhänger und auch kein Sympathisant von Scientology ...". In Fussnote 6 erklärt er, er würde sich "mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln gegen jede Qualifikation als "cult apologist" o.ä. wehren". Dieser Begriff sei "zum Zweck der Diffamierung religionswissenschaftlicher Arbeit in amerikanischen 'anti-cult movements' entstanden". Apologist bedeutet Verteidiger.
Ob er will oder nicht, Frenschkowski verteidigt Scientology, indem er "die Scientology Kirche als Religionsgemeinschaft im vollen Sinne des Wortes" bezeichnet und diese seine Meinung als zwingendes Ergebnis wissenschaftlicher Arbeit darstellt.
Als Begründung für diese Einschätzung schreibt er: "Es ist mittlerweile so oft von religionswissenschaftlicher Seite herausgearbeitet worden, daß Scientology alle gängigen Definition einer Religionsgemeinschaft vollinhaltlich erfüllt, daß ich dies hier nicht wiederholen muß". Dazu bezieht er sich in Fussnote 9 auf sein eigenes, oben erwähntes Gutachten. Zu diesem heisst es auf Seite 324: "Es wird voraussichtlich in Kürze auch als Publikation zugänglich sein, und kann jederzeit von mir zum Selbstkostenpreis angefordert werden". Für jeden, den diese wissenschaftliche Argumentation noch nicht überzeugt hat, verweist er auf einen Sammelband von Scientology, der "auch diverse Gutachten von Religionswissenschaftlern etc. in diesem Sinne" enthalte. Namen nennt er nicht.
Im übrigen wendet Frenschkowski sich ohnehin nur an Vielleser, denn "eine vollständige Lektüre der Arbeit Küfner/Nedopil/Schöch wird vorausgesetzt". Das sind ja auch nur 647 eng bedruckte Seiten.
Frenschkowski vertritt eine Aussenseitermeinung.
Und zu dieser kommt er auch nur, indem er sich auf die Religionswissenschaft beschränkt. Selbst die Theologie grenzt er aus. So die Fussnote 7: "Gesichtspunkte theologischer ... Kritik an Scientology sind nicht Gegenstand dieses Gutachtens".
Besier-Studie
über Scientology
| Süddeutsche Zeitung
vom 28.10.03
http://www.sueddeutsche.de/sz/feuilleton/red-artikel1967/ Rolle rückwärts
in die Zukunft
Der belgische Ortstermin am 17. September löste die Affäre aus. Das Foto schmückt an prominenter Stelle die Scientology-Webseite. Über 300 Teilnehmer sollen der Zeremonie beigewohnt haben. Besier zählt zu den fünf Hauptrednern, die namentlich genannt werden. Sie alle haben laut Scientology referiert über ihre "Erfahrungen mit dem Einsatz der Kirche für Menschenrechte und Religionsfreiheit". Solange das Foto für PR-Arbeit in dubioser Sache verwendet wird, könnte es ein Stachel sein im Bemühen des Instituts, sich aus der Dauerkrise freizuschwimmen. Auch spricht Besiers trotziges Statement, er werde nun während seines Direktorats über keine "religiösen Minoritäten" mehr forschen, nicht unbedingt für höhere Einsicht. Das 1993 gegründete
Institut für Totalitarismusforschung soll vor allem "historische DDR-Forschung"
betreiben. Als Autor zweier Standardwerke über die Kirchen im Dritten
Reich und in der DDR schien Besier hierfür prädestiniert. Das
von der CDU dominierte Kuratorium, das den neuen Leiter im Februar bestellte,
hat jedoch den zentralen Aspekt des öffentlichen Wirkens von Gerhard
Besier übersehen. Der Kirchenhistoriker streitet seit langem gegen
die staatliche "Sektenhysterie", kritisiert die "religiöse Versorgung
durch die Etablierten" und befürwortet eine schrankenlose Religionsfreiheit
nach amerikanischem Muster. Seine Bücher über die "neuen Inquisitoren"
und die "Rufmordkampagne" des Staates fehlen übrigens in Besiers "ausführlicher
Bibliographie", die das Institut verbreitet.
|
Alexander Kissler berichtet in der Süddeutschen Zeitung vom 21.10.2003:
Die Ehre von Scientology Gerhard Besier will sie mit einer großen Studie rettenDie Süddeutsche Zeitung weiter:
http://www.sueddeutsche.de/sz/feuilleton/red-artikel814/"Nun aber wurde bekannt, dass Besier seit längerem in Scientology-Kreisen wohlgelitten ist. Die deutsche Filiale der Scientologen hat Besier eine seltene Ehre zuteil werden lassen. Man gestattete ihm den Zugriff auf die komplette Mitgliederdatei - die Namen und Adressen von rund 11 000 Personen, bisher ein streng gehütetes Geheimnis, liegen Besier für ein Buchprojekt vor. Der Kirchenhistoriker will auf 250 Seiten die "religionspolitische Ausgrenzung" dieser "amerikanischen Religion" schildern. Dem "Alarmismus der Bayerischen Staatsregierung und ihrer Konfidenten" soll der Boden entzogen werden."
"Als Hauptargument für sein Projekt dienen ihm [Besier] die in der Tat bisher "völlig fehlenden empirischen Untersuchungen unter den aktiven Mitgliedern". Dieser Mangel ist jedoch keineswegs einem fehlenden Interesse seitens der Forschung geschuldet. Vielmehr beklagen die Autoren der Münchner Studie ausdrücklich, ihr Versuch, aktive Scientologen zu befragen, sei "komplett gescheitert". Für Besier und seine Co-Autorin, Ehefrau Renate-Maria, eine Psychotherapeutin, öffnete Scientology jetzt bereitwillig die Datenbank: Mit der Befragung von 500 bis 800 Personen hat das Ehepaar bereits begonnen."Die Süddeutsche Zeitung geht davon aus, dass Besiers Buch sich gegen das Bayerische Gutachten richten soll. Verfasser dieses Gutachtens ist unter anderen Prof. Dr. Nedopil, den der Spiegel (43/2003 vom 20.10.03: "Die meisten Täter sind frei") als den "Papst der forensischen Psychiatrie" bezeichnet hat. Nedopil hat sich schon 1984 als Gutachter über Scientology geäussert und festgestellt, dass die Scientology-Techniken geeignet sind, psychische Störungen hervorzurufen: Scientology führt seit Jahrzehnten einen Feldzug zur Abschaffung der Psychiatrie: Besier hatte sich bereits in der Welt vom 5.8.2003 kritisch über das Gutachten geäussert.
Besiers
frühere Veröffentlichungen
Der "Professoren-Appell" von 1998
In diesem Appell in Form einer Pressemitteilung vom 28. 5.1998 ging es um den Bericht der Enquete-Kommission "Sog. Sekten und Psychogruppen" des Bundestages. Die Kommission hat u.a. ein Verbraucherschutz-Gesetz empfohlen. Der damals dem Bundestag vorliegende Gesetzentwurf konnte wegen Ablaufs der Legislaturperiode nicht mehr behandelt werden.Kein Wort in diesem Appell
davon, dass mindestens Besier bereits zuvor als Gutachter tätig war.
Das wurde erst 2002 bekannt,
als Besier dieses Gutachten in seinem Buch "Die Rufmordkampagne" veröffentlich
hat, nächstes Kapitel.
Besiers
Buch "Die Rufmordkampagne"
2002 hat Gerhard Besier das Buch "Die Rufmordkampagne. Kirchen & Co. vor Gericht" veröffentlicht, zusammen mit Dipl. Psych. Dipl. Renate-Maria Besier. Besier hat auch dieses Buch 2006 als "Traktat" bezeichnet um zu begründen, weshalb er dieses bei seiner Bewerbung beim HAIT offenbar nicht angegeben hat (>>) |
Hauptpersonen des Buches sind
| Auch in diesem Buch wird wieder die Wissenschaft betont: |
| Aus:
Besier: Die Rufmordkampagne. Kirchen & Co. vor Gericht. Rückseite
des Paperback-Umschlages
Zu den Autoren: Dr. theol., Dr. phil., Dipl.-Psych. Gerhard Besier ist ordentlicher Professor für Historische Theologie und Konfessionskunde an der Universität Heidelberg, 1997 erschien bei Editions La Colombe sein Beitrag zum Thema Kirchen und Wiedervereinigung im Sammelband Evangelische Kirche - Demokratie -Stasi-Aufarbeitung. Renate-Maria Besier, Dipl.-Psych., Dipl.-Päd., ist freiberuflich als psychologische Psychotherapeutin tätig. |
| Hier einige der Kapitel-Überschriften: |
|
Dem "Musterprozess" des Karlheinz
"Wolfgang gegen die Evangelische Kirche" widmet Besier 27 Buchseiten. Hinzu
kommen 90 Seiten "Dokumente", darunter ein "Gutachten Besier & Besier
vom 28.8.1997" mit der "Aufgabenstellung: Klärung der weltanschaulichen
Grundlagen, Arbeitsweisen, Arbeitsfelder und psychologischen Arbeitsformen
(Therapie, Beratung oder Fortbildung) der im Berufsverband Individualpsychologischer
Berater e.V. (BIB) organisierten Institute". Auftraggeber des Gutachtens:
Das BIB (Seite 221). Besier bezeichnet (Seite 83) zutreffend den BIB als
Karlheinz "Wolfgangs Berufsverband Individualpsychologischer Berater (BIB)".
Mitglied des BIB waren laut Besier-Gutachten (Seite
222) zwei
Firmen: "Die Sprache" GmbH und das IIP Institut
für berufsfördernde Individualpsychologie. "Die Sprache" war
von Wolfgang gegründet worden, der Anfangs auch der Geschäftsführer
war. Das IIP gehörte Karlheinz Wolfgang persönlich.
Auch mit der Enquete-Komission
des Bundestages [>>] befasst Besier sich in
diesem Buch ausführlich, wiederum unter namentlicher Erwähnung
des Karlheinz Wolfgang:
| Besier, Die Rufmordkampagne,
Seite 97, Kapitel "Die Funktion der Enquete-Kommission zu 'Sog. Sekten
und Psychogruppen'; Objektivierung und Unterstützung der Verfolger"
"Ohne die betroffenen Fortbildner Wolfgang u. a. auch nur anzuhören und ohne dass diesen bekannt wurde, wer in der Kommission in nichtöffentlicher Sitzung was über sie sagte und ohne zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen Stellung nehmen zu können, fand das IIP im Abschlußbericht der Enquete-Kommission unter der Aufzählung "Aussteiger aus folgenden Gruppen bzw. Kursteilnehmer [...]" Erwähnung.[Fussnote 285] Damit hatte ein offizieller Bericht des deutschen Parlaments die unqualifizierte Einschätzung eines kirchlichen Sektenbeauftragten sanktioniert und dem IIP implizit den Stempel "sektiererisch" aufgedrückt, denn "Aussteiger" aus psychologischen Fortbildungsseminaren kann es in dem sonst üblichen Wortgebrauch natürlich gar nicht geben. Zu den "Materialien", die bisher verschickt wurden, kam jetzt die Erwähnung im Enquete-Bericht als krönender Abschluss, ohne dass irgendeine inhaltliche Beanstandung vorgenommen wurde. Künftig bedurfte es nur noch des diskreten Hinweises auf "Seite 24" des Endberichts." Fussnote 285: Endbericht der Enquete-Kommission "Sogenannte Sekten und Psychogruppen". Neue religiöse und ideologische Gemeinschaften und Psychogruppen in der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 1998, 24. |
Besier erwähnt, dass
der "betroffene Fortbildner" Karlheinz Wolfgang nicht angehört worden
sei.
In Karlheinz Wolfgangs Buch
"Der Fall Schwertfeger" von 2003 heisst es über Besier (S. 112):
Allerdings gibt es ein Schreiben von Besier an Karlheinz Wolfgang vom 28.4.98: "Sie haben mich heute gefragt, ob es möglich sein könne, daß die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages "Sog. Sekten und Psychogruppen" auch Teilnehmer aus Ihren Fortbildungsseminaren angehört habe."
Besier erinnert Karlheinz Wolfgang daran, dass "mich die Arbeitsgruppe der Koalitionsfraktion in der Enquete-Kommission am 14. November 1997 eingeladen, am 27. November d.J. vor ihr zu sprechen."
Besier hat also nicht vor der Kommission gesprochen, sondern vor einer Arbeitsgruppe der CDU/CSU. Aus dieser Gruppe wurde dann bei der Komission beantragt, Besier zu hören. Kommissions-Sachverständiger Hemmiger bat darum, auf Besiers Anhörung zu verzichten, denn "Professor Gerhard Besier fungiert derzeit als Parteigutachter für Herrn Karl-Heinz Wolfgang (Neuss) bzw. dessen Institut IIP in einem anhängigen Rechtsstreit, in dem dieser Schadensersatzansprüche gelten macht." Es handelt sich um das bereits erwähnte Gutachten im Auftrag des BIB, abgedruckt im Besier-Buch.
Am Am 4.12.1997 wurde der
Antrag auf Anhörung Besiers daraufhin zurückgezogen.
Besier-Buch: Die neuen Inquisitoren - Religionsfreiheit und Glaubensneid
Gerhard Besier und Erwin
K. Scheuch (Herausgeber): Die neuen Inquisitoren. Religionsfreiheit und
Glaubensneid, 1999
Inhaltsangabe unten >>.
Besier hat dieses Buch 2006
als "Traktat" bezeichnet um zu begründen, weshalb er dieses bei seiner
Bewerbung beim HAIT offenbar nicht angegeben hat (>>).
Von den Autoren werden einige
and anderer Stelle dieser Website erwähnt, etwa Massimo Introvigne
www.AGPF.de/CESNUR+Introvigne.htm
Der in Band II abgedruckte
"Professoren-Appell" wird behandelt in www.AGPF.de/Professoren-Appell-1998.htm
Besiers Buch "Die Rufmordkampagne" enthält im Anhang (Seiten 221 bis 254) auch ein Gutachten, welches er unter dem Datum 28.8.97 zusammen mit Dipl. Psych. Dipl. Päd. Renate-Maria Besier erstellt hat:
GUTACHTENAuftraggeber: BIB. Gutachten Seite 222:
1. Aufgabenstellung:
Klärung der weltanschaulichen Grundlagen, Arbeitsweisen, Arbeitsfelder und psychologischen Arbeitsformen (Therapie, Beratung oder Fortbildung) der im Berufsverband Individualpsychologischer Berater e.V. (BIB) organisierten Institute
"Im BIB sind gegenwärtig zwei Institute organisiert: Das in Neuss ansässige "Institut für berufsfördernde Individualpsychologie" (IIP) und das ... Institut "Die Sprache. Lehr- und Forschungsgesellschaft mbH" in Neuss und München."Inhaber des IIP war damals Karlheinz Wolfgang, der auch Die Sprache GmbH gegründet hat.
Als Ergebnis wurde im ersten "BIB-Info" vom April 1998 der letzte Satz des Gutachtens zitiert:
"Nimmt man die genannten positiven Aspekte zusammen, kann man geradezu von einer Vorbildfunktion der BIB-Institute für den psychohygienischen Markt reden."Wie war der Professor für Historische Theologie und Konfessionskunde für diese Beurteilung qualifiziert?
Da Besier das Psychotherapeutengesetz mit einem Psychotherapiegesetz verwechselt, bestehen Zweifel an dieser Qualifikation.
Unter der Überschrift "Die Situation auf dem freien psychohygienischen Markt" (S. 243) schreiben Besier und Besier:
"Die Diskussion auf dem engeren Psycho-Markt fokussiert sich seit 20 Jahren auf ein sog. Psychotherapiegesetz".Psychotherapiegesetz? Man denkt an einen Tippfehler und liest weiter.
"Im Sommer 1997 lagen zum Gesamtkomplex folgende Berichte bzw. Gesetzentwürfe vor:Da ist es wieder, das "Psychotherapiegesetz".
...
a) Die im Mai 1996 eingesetzte Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages "Sogenannten Sekten und Psychogruppen"; ....
b) Das seit 20 Jahren diskutierte und jetzt neu vorgelegte Psychotherapiegesetz. [503]
c) der von der Freien und Hansestadt Hamburg vorgelegte "Entwurf eines Gesetzes zur Regelung der Rechtsbeziehungen zwischen Anbieterinnen und Anbietern und Hilfesuchenden auf dem Gebiet der gewerblichen Lebensbewältigungshilfe."
"Entwurf eines Gesetzes über die Berufe des Psychologischen Psychotherapeuten und des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, zur Änderung des Fünften Buches Sozialgesetzbuch und anderer Gesetze".Das ist das Psychotherapeutengesetz, welches in der Tat seit etwa 20 Jahren diskutiert wurde. Es wurde am 16.6.1998 als "Gesetz über die Berufe des Psychologischen Psychotherapeuten und des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten" verabschiedet und ist am 1.1.1999 in Kraft getreten. Gesetzestext unter http://bundesrecht.juris.de/psychthg/BJNR131110998.html
Es handelt sich um ein Berufsrecht, welches u.a. den Begriff des Psychotherapeuten schützt und den Zugang zum Beruf regelt. Etwas anderes war mit diesem Gesetz auch nie geplant gewesen.
Ein Psychotherapiegesetz hingegen würde regeln, was eine Psychotherapie ist und unter welchen Voraussetzungen diese zuzulassen wäre. Also vergleichbar etwa dem Arzneimittelgesetz. Diskutiert wurde ein solches Gesetz bisher allerdings kaum. Zur Notwendigkeit eines solchen Gesetzes:
Besier über Hemmingers Artikel über Scientology als Realsymbol
Zum Beispiel den Artikel
von
Hansjörg Hemminger:
Scientology ist überall:
Eine “Sekte" wird zum Realsymbol für Systemkritik
Besier handelt diesen Artikel
unter der Überschrift "Die Droge Macht" ab.
Besier beginnt dieses Kapitel:
| Aus: Besier
"Die Rufmordkampagne. Kirchen & Co. vor Gericht", Seite 25
Was Kritiker des Motivations- und Sinnmarktes den Trainern und Gurus manchmal zu Recht vorwerfen, ist ihnen oft selbst nicht fremd. Neben Geld spielt in der Verfolgerszene die Droge Macht, oft verbunden mit einem unbändigen Geltungswillen, eine große Rolle. Und die Macht der Anti-Kult-Bewegung ist tatsächlich gewaltig. Mancher regionale Sektenbeauftragte, faktisch arbeitslose Diplompsychologen, schlecht bezahlte Journalisten und andere Kombattanten geraten plötzlich ins Rampenlicht, kommen zu Erfolg und gutem Auskommen. Sie bringen Anwälten, Wissenschaftlern, ja sogar Ministern das Fürchten bei. |
Nachprüfbar ist in dieser
Polemik nur die Behauptung, bei den regionalen Sektenbeauftragten handele
es sich faktisch um Diplompsychologen. Tatsächlich gibt es allenfalls
einige wenige Psychologen darunter.
Mit dem "Anti-Sektenblatt der EKD" ist der Materialdienst der EZW gemeint, der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche Deutschlands. Die Bezeichnung der Monatszeitschrift als Anti-Sektenblatt ist eine massive Irreführung der Leser und der Öffentlichkeit. Davon kann sich jeder an Hand der Inhaltsverzeichnisse überzeugen, vgl. www.EZW-Berlin.de .
Hemminger ist seinem Artikel Scientology ist überall: Eine "Sekte" wird zum Realsymbol für Systemkritik
der Frage nachgegangen, warum eine zunehmende Zahl von Anrufen firmeninterne Probleme betrifft:"Anrufe wie dieser gehören zum Alltag jeder so genannten Sektenberatungsstelle: "Seit die amerikanische Firma XY unseren Betrieb übernommen hat, werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter massiv unter Druck gesetzt. Ist XY eine Scientology-Firma?" Der Berater weiß nichts davon. Seine Rückfrage, ob es konkrete Anhaltspunkte gebe, ob das Personal in Hubbard-Kurse geschickt würde, ob scientologische Begriffe benutzt würden, ergibt nichts. Trotzdem bleibt der Anrufer mehr oder weniger überzeugt, dass unmenschliche Management-Methoden auf Scientology hindeuten."Auch bei der AGPF laufen täglich solche Anfragen ein, mindestens 500 pro Jahr. Insgesamt müssen das also einige Tausend pro Jahr sein. Hemminger geht als erster dem Phänomen nach, warum sich Leute, die in ihrer Firma unter Druck geraten, dies der Scientology-Organisation zuschreiben und sich an Sektenberater wenden. Hemminger hat darüber eine Glosse geschrieben, einen Kurzkommentar.
Hemminger hat über die
Nebenfolgen der "ebenso nötige wie wirksame Aufklärung über
die Machenschaften der Scientology-Organisation" reflektiert. Das ist keineswegs
ein Zeichen für Machtmissbrauch. Öffentliches Nachdenken über
die Nebenfolgen von Kritik ist vielmehr ein Zeichen für verantwortungsvollen
Umgang mit dieser "Macht", die wirkungsvolle Kritik immer auch beinhaltet.
Hemminger über eine
solche Nebenfolge der Kritik:
"In einer Zeit, in der es öffentliche Kritik am kapitalistischen Wirtschaftssystem und an der Ökonomisierung aller Lebensverhältnisse kaum mehr gibt, fehlt den Menschen, die dabei zu Opfern werden, eine Sprache, um ihre bitteren Erfahrungen auszudrücken. Langjährige Firmenangehörige werden rüde wegrationalisiert, weil eine globale Firmenstrategie sie nicht mehr benötigt. Es wird ihnen Böses angetan, aber niemand benennt es so. Daher bringen sie das Übel selbst auf den Begriff “Scientology". Andere glauben den kapitalistischen Propheten, dass beruflicher Erfolg gleich Lebensglück sei, und opfern ihre Familie dafür. Die Angehörigen bleiben zutiefst verletzt zurück. Auch ihnen spricht niemand Worte vor, die auf den Punkt bringen, was ihnen angetan wurde. Deshalb greifen auch sie nach dem Realsymbol “Scientology". "
Besier verteidigt Scientologen-Firma "ARC Musikvertrieb"
Unter
dem Zwischentitel "Die Droge Macht" schildert Besier Fälle
von vermeintlich unberechtigter Machtausübung durch Sektenbeauftragte:
| Aus:
Besier: Die Rufmordkampagne. Kirchen & Co. vor Gericht, 2002. Seite
26
Vergeblich wehrte sich auch die Firma ARC-Musikvertriebs-GmbH vor Gericht gegen die Anschwärzungen des damaligen Sektenbeauftragten der Evangelischen Kirche im Rheinland, Joachim Keden, bei der Firma Bertelsmann. Keden hatte dem Bertelsmann-Club mitgeteilt, zwischen den von diesem beworbenen Kompakt-Disks des ARC-Musikvertriebs und Scientology "bestehe ein Zusammenhang", denn "einem Teil dieser CDs lagen Adressen bei, die im Umfeld von Scientology bekannt seien".77 Der ARC-Musikvertrieb hatte die Adressen seiner gleichnamigen Schwesterfirmen in den USA und Großbritannien genannt. Diese befinden sich an Orten, in denen es auch Scientology-Niederlassungen gibt. Das Gericht befand, dass Keden das Recht habe, seiner Sorge Ausdruck zu verleihen. Es handele sich um nichts anderes, "als die Wahrnehmung des Rechts der Teilnahme an der allgemeinen Willensbildung, die auch umfasst, die Sorge über gesellschaftliche Veränderungen ausdrücken zu können."78 Fussnoten 77 und 78: "Zit. nach Matenaldienst der EZW 10/2000, 370" |
In dem erwähnten Kontext muss man annehmen, dass die "Anschwärzung" unberechtigt war, dass also die Firma ARC in Wahrheit nichts mit Scientology zu tun hat. Tatsächlich handelt es sich zweifelsfrei um eine Firma, die Scientology zuzuordnen ist. Dies ist spätestens bekannt, seitdem sich ein Urteil des Amtsgerichts Düsseldorf (52 C 9864/98 Urteil vom 17.6.99) unter http://www.Ingo-Heinemann.de/arcmusi1.htm im Netz befindet, also seit Ende 1999.
Das Gericht:
"Es ist inzwischen allgemein bekannt, daß sich Scientology nicht auf die Verbreitung ihrer Lehre beschränkt, sondern sich unterstützend dazu im allgemeinen Wirtschaftsleben betätigt und hierzu ein weitverzweigtes Netzwerk unterhält, um durch ihr zugehörige oder nahestehende Unternehmen Einfluß zu erhalten und auch hierdurch gesellschaftliche Veränderungen in Ihrem Sinne anstrebt".Besier beruft sich in seinen Fussnoten auf die EZW, die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungfragen. Wer sehr genau hinsieht, bemerkt, dass dies nur die Zitate aus dem Urteil betrifft. Dem kann man aber auch entnehmen, dass Besier den dazugehörigien Artikel auf dem EZW-Materialdienst 10/2002 gekannt hat, http://www.Ingo-Heinemann.de/arcmusi1.htm#EZW. Diesem Artikel ist zu entnehmen, dass sich keineswegs um ein "Anschwärzen" gehandelt hatte, also um ein blosses Verdächtigen.
Dass es Keden vielmehr um
die Verbreitung von Scientology-Produkten gegangen war und darum dass Käufer
dieser Produkte mit dem Erwerb dieser Ware Scientology unterstützen
würden. Denn immerhin wurde hier mit dem Namen der renommierten Firma
Bertelsmann Werbung für Scientology-Produkte betrieben. Und bei den
Käufern von Musik handelt es sich zu einem grossen Teil um junge Menschen.
Besier-Buch "Religionsfreiheit und Konformismus"
Religionsfreiheit und
Konformismus. Über Minderheiten und die Macht der Mehrheit.
Mit Aufsätzen und Essays
von Gerhard Besier, Hermann Lübbe, Johannes Neumann, Hubert Seiwert
und anderen. LIT Verlag Münster 2004, ISBN 3-8258-7654-3
Im Buch ist kein Herausgeber
genannt. Im Handel wird Besier als Autor/Herausgeber angegeben.
Inhalt: