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Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt 
AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit 
Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V. 
Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Beratung.htm  Zuletzt bearbeitet am 25.11.2012 
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Sekten-Beratung
 
 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 
 
Die AGPF unterhält keine Beratungsstelle, sondern bietet präferenzfreie zentrale Vermittlung zu den jeweils geeigneten und qualifizierten Beratungsstellen und Informationsangeboten. Dazu: Mitgliedsvereine 

Der Begriff: Die AGPF verwendet den Begriff Sektenberatung ebenso wie den Begriff "Sekte", nämlich umgangssprachlich, vgl. Zum Begriff "Sekte" http://www.AGPF.de/Begriff.htm 

 

Was ist Sektenberatung?
Es ist bisher nicht üblich, auf Angebote des Psychomarktes die sonst üblichen Begriffe anzuwenden.
Das erschwert Fragestellungen und Anworten.
Neben Wirksamkeit (also Qualität) und Preisen geht es auch um Risiken und Nebenwirkungen.
Dazu auch: Definition "Sektenberatung"
 

Zur Sekten- und Psychomarktberatung gehört:

  
Medizin und Glaube 

Viele Heilverfahren und Medikamente scheinen hauptsächlich deshalb zu wirken, weil der Patient an die Wirksamkeit glaubt.  

Das ist keineswegs ungewöhnlich und rechtfertigt es nicht, denen grundsätzlich mit Misstrauen zu begegnen. 
So hat sich beispielsweise erwiesen, dass bei Psychotherapien das Vertrauen zum Therapeuten ein entscheidendes Kriterium für die Wirksamkeit ist. 
Niemand kann jedoch im voraus sagen, ob Glaube, Placebos, Informationen, Vertrauen oder Rituale in einem bestimmten Einzelfall helfen oder wirksam sein können. Auch Schlagworte wie etwa "Spiritualität in der Psychotherapie" besagen nur, dass es eine Wirksamkeit geben kann 
Selbstverständlich gibt es auch bei normalen Medikamenten keine Garantie für die Wirksamkeit. Aber die Wahrscheinlichkeit ist ungleich grösser. 
Es ist dringend davon abzuraten, die reguläre medizinische Behandlung zu Gunsten "alternativer" Medikamente oder Verfahren abzubrechen. 
Verallgemeinert lässt sich sagen: Wer Wirksamkeitsversprechen abgibt, ist oft kaum anders zu beurteilen, wie ein Marktschreier.  
"Naturheilkunde" ist ein ziemlich nichtssagender Begriff. Manches davon fällt unter die "alternative" Medizin. Andererseits gibt es auch pflanzliche Medikamente, die wirksam sind. Für diese gilt dann aber auch die üblich Warnung vor den Rsikien und Nebenwirkungen. 
Bei homöopathischen Medikamenten ist die Wirksamkeit umstritten. Dafür sollen diese auch keine Risiken und Nebenwirkungen haben.  
Angebliche homöopathische Mittel werden gelegentlich auch als Eigenherstellung oder als "Nahrungsergänzungmittel" verkauft. Dann werden auch ohne Rücksicht auf das Verbot des Heilmittelwerbegesetzes Wirkungsversprechen abgegeben. Hier gilt: Wenn eine Wirkung für ein angebliches Medikament nicht nachweis bar ist, dann gilt das erst recht, wenn derselbe Stoff als Nahrungsergänzung verkauft wird. Wenn dann riesige Mengen davon genommen werden, können völlig unvorhersehbare Komplikationen auftreten.
   Produktberatung
Folgende Produktgruppen lassen sich unterscheiden: Es geht um die Beratung der "Sektenopfer sowie deren Angehörige" (Modellprojekt der Bundesregierung zur Qualifizierung der Beratung - Text der Ausschreibung)
 
 
 
 

Wer bietet Sektenberatung?

Vereine und Initiativen:

Etwa 30 Vereine bieten Beratung über Sektenprobleme als Zweck des Vereins an.
Kirchen:
Außerdem etwa 150 Beauftragte der Kirchen, teils hauptamtlich, teils nebenamtlich.
Behörden:
Die meisten Stellen in den Behörden erklären ausdrücklich, keine Beratung anzubieten.
Allerdings ist damit die Beratung im Sinne der unten aufgeführten Definition gemeint, nämlich als Anwendung von Informationen für einen bestimmten Interessenten. Viele Behörden sind durchaus bereit, allgemeine Informationen zu geben, also ohne Anwendung auf den konkreten Einzelfall.
 
 

Das Modellprojekt der Bundesregierung zur Sektenberatung

Die Bundesregierung hat vom Oktober 2000 bis zum Juni 2003 ein Modellprojekt "Prävention im Bereich der 'So genannten Sekten und
Psychogruppen' " durchgeführt.
Wegen dieses Titel wurden vielfach überzogene Erwartungen an dieses Projekt gestellt.
Tatsächlich galt es der Qualifizierung der "Beraterinnen und Berater in den psychosozialen Beratungsstellen (Ehe-, Lebens-, Familien-, Erziehungsberatungsstellen und anderen Fachdiensten)", wie sich allerdings bereits aus der Ausschreibung ergab:

Dort befindet sich auch ein Link zur Fundstelle der Abschlussberichte.
 
 
 

Wer sind die "Anlaufstellen"?

Dieser Begriff wurde erstmals "amtlich" im Protokoll der Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder am 7. März 1996 in Berlin erwähnt vgl. AGPF-Info 2/96

Ergebnisprotokoll (Auszug)
TOP 5:  Scientology-Organisation
5.  Die Regierungschefs der Länder stellen im Rahmen ihrer Zuständigkeiten sicher, daß scientologybetroffene Bürger eine Anlaufstelle haben.
In den Ausschreibungen für das Modellprojekt des Bundes zur Qualifizierung der Beratung heißt es:
"Zentrale Zielsetzung des Modellprojektes ist es daher, Beraterinnen und Berater in den psychosozialen Beratungsstellen (Ehe-, Lebens-, Familien-, Erziehungsberatungsstellen und anderen Fachdiensten) für ihre Beratungsaufgaben auf diesem speziellen Feld zu qualifizieren, da diese in der Regel die Anlaufstelle für Sektenopfer sowie deren Angehörige sind."
Nach Einschätzung der AGPF ist dies aber nicht die Regel, sondern die Ausnahme.
Wenn die Ausnahme zur Regel erklärt wird, hat dies Auswirkungen auf die Einschätzung der Problemlage sowei auf Planung und Planungssicherheit. Außerdem ergibt sich daraus die Vermutung, daß unterschiedliche Begriffe der Beratung verwendet werden.

Die AGPF hat deshalb das Bundesministerium um Auskunft gebeten, wie man dort zu dieser Einschätzung gelangt sei.

Mit Schreiben vom 22.11.2000 hat das Ministerium mitgeteilt:

"Die staatlichen Institutionen, die sich mit dem Komplex der "Sogenannten Sekten und Psychogruppen“ befassen, sind ausschließlich Informationsstellen. Daher sind in der Regel die psychosozialen Beratungsstellen die Anlaufstellen für Sektenopfer sowie deren Angehörige; nicht zuletzt, auf Rat der staatlichen Informationsstellen.
Diese Erfahrung haben die Vertreterinnen und Vertreter der Bundesländer, die an der konzeptionellen Entwicklung des Modells beteiligt waren, bestätigt."
Die AGPF hat mit Schreiben vom 6.12.2000 hat die AGPF um Präzisierung gebeten:
"Die Aussage, die psychosozialen Beratungsstellen seien in der Regel die Anlaufstelle für Sektenopfer sowie deren Angehörige, betrifft keineswegs nur staatliche Institutionen. In der Mehrzahl dürfte es sich sogar um private oder konfessionelle Einrichtungen handeln.
Selbst wenn - wie Sie schreiben - "die staatlichen Institutionen, die sich mit dem Komplex der "Sogenannten Sekten und Psychogruppen“ befassen, ... ausschließlich Informationsstellen" sind, folgt daraus noch keineswegs, daß "daher ... in der Regel die psychosozialen Beratungsstellen die Anlaufstellen für Sektenopfer " sind."
Mit Schreiben vom 3.1.2001 hat das Ministerium dazu mitgeteilt:
"In meinem Schreiben vom 22. November 2000 ist die von Ihnen erbetene Klarstellung abschließend vorgenommen worden. Eine weitere Ausführung dazu ist mir daher nicht möglich."
Da es letztlich nicht um die Formulierung in den Ausschreibungen geht, sondern vielmehr darum welcher Standpunkt in Zukunft vertreten wird, hat die AGPF mit Schreiben vom 11.1.2001 um Mitteilung gebeten, "ob diese Auffassung auch zukünftig von Ihrem Hause vertreten wird."

Dazu hat das Ministerium mit Schreiben vom 18.1.2001 mitgeteilt, "dass eine Aussage für die Zukunft in der von Ihnen angesprochenen Angelegenheit nicht getroffen werden kann."
 
 
 
 

Definition "Sektenberatung"

Es gibt keine einheitliche Definition zum Begriff Sektenberatung.
In der AGPF-Satzung heißt es dazu:

Der Verein will durch Aufklärung und Beratung Hilfe bei der Beurteilung von Angeboten geben, welche die Entscheidungsfähigkeit des Menschen so beeinflussen könnten, daß dieser in geistige und psychische Abhängigkeit geraten kann.
Insbesondere soll der Verein
...
6.  die Interessen der Verbraucher durch Aufklärung und Beratung wahrnehmen
"Aufklärung und Beratung":
Diese Begriffe stehen in zwei Gesetzen, nämlich in
§ 13 UWG - Gesetz gegen den unlauterenWettbewerb und
§ 13 AGBG - Gesetz über die allgemeinen Geschäftsbedingungen.
Nach § 13 UWG können Unterlassungsansprüche gegen Verletzung dieses Gesetzes geltend gemacht werden
"von rechtsfähigen Verbänden, zu deren satzungsgemäßen Aufgaben es gehört, die Interessen der Verbraucher durch Aufklärung und Beratung wahrzunehmen."
"Aufklärung": Dazu gehört zum Beispiel diese Website.
 
 
 
 

"Beratung": Die AGPF verwendet folgende Definition:

Beratung ist die Anwendung von Informationen für einen bestimmten Interessenten, für dessen Einzelfall aufbereitet unter Anwendung von Sachkenntnissen (z.B. über bestimmte Anbieter oder Sekten, deren Angebote, Methoden und Gefahren) oder Fachkenntnissen (z.B. Psychologie, Recht).
Es kommt demnach weder darauf an, ob diese Beratung durch ein persönliches Gespräch, telephonisch, schriftlich oder per E-Mail erfolgt. Ebensowenig kommt es auf die Dauer der Beratung an. Gerade ein hoch spezialisierter Berater kann in manchen Fällen sofort erkennen, worauf es ankommt. Hier kann ein Telephonat von wenigen Minuten ausreichen. In anderen Fällen ist gerade das Gespräch selbst die Beratung.

Auf einigen Gebieten gibt es Einschränkungen:
Rechtsberatung dürfen nur Rechtsanwälte vornehmen. Alle anderen machen sich strafbar.
Auch auf dem Gebiet der Gesundheitsberatung gibt es Einschränkungen: Diagnose und Behandlung dürfen nur von approbierten Ärzten oder Psychologen vorgenommen werden.
Vgl. dazu: Auch Wunderheiler brauchen eine Erlaubnis
 
 
 
 

Arten der Sektenberatung:

Verbraucher-Beratung /Verbraucherschutz

Vielfach handelt es sich um Verbraucherberatung. Jemand ist irgendwo Mitglied geworden und/oder hat Unterricht, Kurse oder Unterweisung gebucht, gekauft oder bestellt und will wissen, ob der Anbieter seriös ist, was das Angebot für ihn persönlich zu bedeuten hat, ob es Risiken gibt und ob und wie er aus der Sache wieder rauskommt.

Fast alle Sekten sind Anbieter auf dem Psychomarkt.
99 % bieten Medienprodukte an. Über 50 % bieten Psychotherapien aller Art an.
Vgl. auch Eine gesetzliche Regelung für den Psychomarkt: Lebensbewältigungshilfegesetz
  Deshalb muß die Beratungskraft selbst aktuelle und nachprüfbare Kenntnisse haben.
 

Ausstiegs-Beratung
Mit einer einfachen Kündigung ist es oft nicht getan. Vielfach gibt es Abhängigkeiten. Deshalb wird hier auch nicht von Kündigung gesprochen, sondern von Ausstieg. Dieser kann äußerst schwierig sein. Manche Sekten wenden gezielt Methoden an, die in die psychische Abhängigkeit führen können. Solche Abhängigkeiten sind auf anderen Gebieten durchaus bekannt. So spricht man von Hörigkeit oder Therapiesucht.

Die Beratungskraft muß die Methoden kennen, die zur Abhängigkeit führen können

Minister Blüm:

"Wir haben das Problem lange unterschätzt ...
Am Geld darf das nicht scheitern. Wir brauchen ein öffentliches System von Ausstiegsberatern. Um in der Terminologie der Militärs zu bleiben: Wir brauchen ein psychologisches Rotes Kreuz, das die Verwundeten, wie Sanitäter im Krieg, vom Schlachtfeld holt. Den Scientologen soll klarwerden: Wir meinen es ernst. Die müssen wissen, dass das Spiel aus ist
(Der Spiegel 48/95 Gespräch mit Minister Blüm: "Das ist Psychokrieg").
Ministerin Nolte:
Es sei...  wichtig, Wege zu finden, um Anhängern den Ausstieg zu erleichtern
(Die Welt 29.11.95)
 

Was will der Beratungs-Kunde?

Was Beratung ist, richtet sich in erster Linie danach, was der Interessent will.
Will er Rechtsberatung, bekommt er diese und keine Belehrungen über das Rechtssystem. Niemand kommt auf die Idee, den Erfolg der Rechtsberatung an der angewandten Beratungsmethode zu messen.

Die AGPF hat eine Umfrage unter den Mitgliedsvereinen durchgeführt.
Das Ergebnis hat die AGPF der Vorsitzenden der Enquete-Kommission mitgeteilt:
  

Absender: AGPF  

Frau  
Ortrun Schätzle, MdB  
Vorsitzende der Enquete-Kommission  
Sog. Sekten und Psychogruppen  
Bundeshaus  

D-53113 Bonn                                                  3.2.98  

Betr.: Beratungsbedarf 

Sehr geehrte Frau Schätzle,  

die AGPF hat eine Umfrage unter den Mitgliedsvereinen der AGPF durchgeführt, um festzustellen, welche Bedürfnisse die Kunden der Beratungsstellen haben.  

Von den Anfragern erwarten:  

75% Auskünfte oder Beratung zu bestimmten Sekten 
60% Informationen und Fakten 
15% Verhaltenstips 
7 %  Rechtsberatung und  Rechtshilfe 
3%   Psychologische Beratung / Psychotherapie. 

Nach der bisher erst vorläufigen Auswertung erwartet somit der weitaus größe Teil der Anfrager Informationen und Fakten zu bestimmten Sekten.  

Die abschließende Auswertung werde ich Ihnen baldmöglichst zukommen lassen.  
Mit freundlichen Grüßen  
Ingo Heinemann

    Die abschließende Auswertung hat für einzelne Beratungsstellen Abweichungen ergeben.
So für das Sekten Info Essen eine erheblich größere Zahl von psychologischen Beratungen.
Für die AGPF eine ebenso erhebliche größere Zahl von Rechtsfragen.
In beiden Fällen hat das einen einfachen Grund:
Dort sind Fachleute mit einschlägiger Ausbildung.
An der Tendenz ändert sich dadurch nur wenig.
 
 
 

Beratung = Psychologische Beratung?

Neuerdings wird der Begriff Beratung willkürlich auf bestimmte Bereiche schränkt.
Das gilt zum Beispiel für ein Gutachten, angefertigt für die Enquete-Kommission des Bundestages und veröffentlicht von derselben in Buchform:

"Zur Qualifizierung von Beratungsarbeit im Spannungsfeld sogenannter Sekten und Psychogruppen: Kriterien und Strategien" von Dipl. Psych. Beate Roderigo.
Das Gutachten sollte sich also nicht etwa mit einer bestimmten Form der Beratung befassen, sondern allgemein mit "Beratungsarbeit".

Roderigo definiert (Seite 488) die 3.1 Aufgabenbereiche. Auf 3.1.1 Information und Aufklärung (deren Notwendigkeit sie ausdrücklich anerkennt) folgt sogleich 3.1.2 Psychologische Beratung. Danach folgt dann 3.1.3 Mediation.

Demnach wird jede Beratung, die nicht als psychologische Beratung definiert wird, kurzerhand der Rubrik "Information und Aufklärung" zugeschlagen.
Ein sachlicher Grund dafür ist nicht erkennbar.

Allerdings war damals bereits ein von der Bundesregierung zu finanzierendes Projekt im Gespräch, in dem es genau um die Qualifizierung der Beratung gehen sollte, vgl.

Es ist somit nicht verwunderlich, wenn vermutet wird, daß das Projekt "passgenau und möglicherweise ausschliesslich auf das Roderigo-Konzept ausgerichtet ist", so Dr. Richard Ziegert in einem Artikel über  
 

Der Ursachen-Konflikt
Unterschiedliche Meinungen beruhen zum Teil darauf, daß Berater nach der Ursache dafür suchen, warum jemand in eine Sekte geraten ist. Dabei wird meist von der freien Willensbestimmung ausgegangen, Täuschung und unlautere Werbung wird verneint und unterstellt, daß es sich um den Beitritt zu einer der als Neue Religiöse Bewegung (NRB) bezeichneten Organisationen handelt. Die daraus enstandenen Probleme werden als Probleme der Konversion verstanden, also des Wechsels einer Religion.

Da häufig Familienangehörige um Beratung nachsuchen, ist es durchaus vorgekommen, daß falsche Erziehung als Ursache angenommen und den Angehörigen nahegelegt wurde, sich einer Familientherapie zu unterziehen. In manchen Fällen wurde so aus einer Sektenberatung auch eine Eheberatung.

Um Mißverständnissen vorzubeugen: Selbstverständlich gibt es Fälle, auf die all dies zutrifft. Darum geht es hier nicht.
 
 
 
 

Sekten-Probleme in Wahrheit Familien-Probleme?

Reinhart Hummel hat in einem Artikel über "30 Jahre ISKCON-Deutschland" (EZW-Materialdienst  4/99) geschrieben:

"Umstritten war auch die Rolle der Kirchen in der sogenannten Sektenberatung. Gruppierungen wie die ISKCON wünschen sich verständlicherweise eine vorurteilsfreie Beratung.
Dass manche scheinbaren Sektenprobleme in Wirklichkeit Familienprobleme sind, ist einsichtigen Beobachtern längst klar. ..."
Die Behauptung, dass manche scheinbaren Sektenprobleme in Wirklichkeit Familienprobleme sind, hat Anfang der 80ger Jahre zu erheblichem Wirbel geführt. Nicht nur Eltern verwahrten sich gegen derartige "Schuldzuweisungen".

Trotz intensiver Suche habe ich nie eine nachvollziehbare Begründung für die Behauptung gefunden, dass manche scheinbaren Sektenprobleme in Wirklichkeit Familienprobleme sind.

Offenbar hat es sich demnach um eine Verallgemeinerung des persönlichen Eindrucks von Einzelfällen gehandelt.

Eine solche Verallgemeinerung ist nur zulässig, wenn sie eine gewisse statistische Relevanz hat. Entsprechende Angaben habe ich nirgendwo gefunden.

Lediglich in unveröffentlichten Studien von Petermann von 1981 und 1982 finden sich Zahlen. Die Zahl der Befragten zur jeweiligen Problemstellung war allerdings so klein, daß man dem keine statistische Relevanz beimessen kann.

Wenn ich mich richtig erinnere, spielten familiäre Probleme bei etwa 10% der Befragten eine Rolle. Bei so einem geringem Prozentsatz kommt der Zahl der Befragten natürlich eine große Bedeutung zu.

Petermann selbst erwähnte in einem späteren Aufsatz diese Zahlen nicht und das Thema nur beiläufig unter Bezugnahme auf andere Autoren.
Petermann fügte hinzu:

"... wobei sich diese Schlüsse auf Einzelfälle stützen und vorsichtig behandelt werden müssen".
(Franz Petermann in: Beratung im Umfeld von Jugendreligionen, 1984, Seite 182).
Diese Vorsicht ist dann gelegentlich abhanden gekommen.

Zwar findet sich in der Literatur die eine oder andere diesbezügliche Bemerkung, die dann durch Fußnote in anderen Arbeiten als Beleg erscheint. Belegt wird dadurch aber allenfalls, daß eine bestimmte Meinung auch von anderen vertreten wird.

Der Mangel an statistisch relevanten Daten kann dadurch nicht behoben werden.
 
 
 

Schuldzuweisungen

Manche Betroffenen haben es als unangemessene Schuldzuweisung empfunden, wenn sie sich unversehens in der Rolle des Verantwortlichen gefunden haben.
Sie haben sich dagegen verwahrt.
Daraus entstanden bereits anfangs der 80ger Jahre unter dem Stichwort "Schuldzuweisung" heftige Konflikte.

Viele Betroffene ließen sich nicht davon abbringen, daß nicht der Zustand ihrer Beziehung ursächlich sei, sondern vielmehr die Methoden der jeweiligen Sekte.
 
 
 
 

Krieg der Kritiker?

Die Medien berichten immer mal wieder über "Streit" unter "Sektenkritikern".

  • Meist beruhen diese Bericht auf Informationen von Renate Hartwig.

  • Richtig daran ist, daß es unterschiedliche Meinungen gibt.
    Auch innerhalb der Vereine, die sich mit Aufklärung und Beratung befassen.
    Das ist eine Selbstverständlichkeit.
    Meinungsfreiheit und Meinungsbildung sind Elemente der Demokratie.
    Die Schärfe der Meinungsäußerungen hat allgemein zugenommen, also auch hier. Meinungsverschiedenheiten ergeben sich aus unterschiedlicher Beurteilung von Ursachen und Auswirkungen.

    Die unterschiedlichen Meinungen beruhen selbstverständlich auch aus den unterschiedlichen fachlichen Ansätzen.
    So sind manche der Meinung, Aufklärung und Information an sich würde die Probleme beseitigen.
    Andere halten gesetzliche Regelungen für erforderlich.
    Wieder andere halten Gespräche für sinnvoll.
    Dazu:  ISKCON an den runden Tisch?

    1981 hat der 1999 verstorbene amerikanische Psychiater Louis West anläßlich eines Kongresses der AGPF in einem Vortrag über Die Kulte als Problem der öffentlichen Gesundheit über die merkwürdigen Bundesgenossen der Kulte gesprochen.
    1985 hat sich Rüdiger Hauth zum Thema " 'Böse Kritiker' und 'wohlwollende Wissenschaftler' " geäußert.
    Diese Problematik ist bis heute unverändert.
     
     
     
     



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