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Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt 
AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit 
Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V. 
Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Begriff.htm  Zuletzt bearbeitet am 22.3.2013 
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Zum Begriff "Sekte"
Den Begriff "Sekte" verwendet die AGPF als umgangssprachlichen Sammelbegriff, als ein Hilfsmittel, um sehr unterschiedliche Gruppen schlagwortartig zusammenzufassen.
Somit besagt der Begriff recht wenig. Insbesondere ist mit der Verwendung des Begriffes kein Unwerturteil verbunden. Nicht alle Sekten sind gleich und nicht alle Sekten sind gefährlich.
 
 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:

 
 
 

Der Staat darf den Begriff Sekte verwenden

Immer wieder wird behauptet, "der Staat" dürfe den Begriff Sekte nicht verwenden.
Das trifft nicht zu.

Das Bundesverfassungsgericht hat keine Bedenken, auch weil solche Bezeichnungen

 
Das Bundesverfassungsgericht zur Verwendung des Begriffes Sekte durch den Staat  
Auszug aus Bundesverwaltungsgericht 1 BvR 670/91 vom 29.6.2002, NJW 2002, 2626  
Wortlaut in http://www.AGPF.de/Bundesverfassungsgericht-1BvR670-91-Osho.htm  


Zuzustimmen ist den angegriffenen Entscheidungen allerdings darin, dass diese Äußerungen, soweit mit ihnen die Osho-Bewegung und die zu ihr gehörenden Gemeinschaften als "Sekte", "Jugendreligion", "Jugendsekte" und "Psychosekte" bezeichnet wurden, keinen verfassungsrechtlichen Bedenken begegnen. Diese Äußerungen berühren schon nicht den Schutzbereich des Grundrechts der Religions- oder Weltanschauungsfreiheit. Sie enthalten keine diffamierenden oder verfälschenden Darstellungen, sondern bewegen sich im Rahmen einer sachlich geführten Informationstätigkeit über die betroffenen Gemeinschaften und wahren damit die Zurückhaltung, zu welcher der Staat und seine Organe nach dem Gebot der religiös-weltanschaulichen Neutralität verpflichtet sind.  
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Dass die Verwendung der Bezeichnung "Sekte" in staatlichen Verlautbarungen vor diesem Hintergrund im Lichte des Neutralitäts- und Zurückhaltungsgebots in religiösweltanschaulichen Fragen verfassungsrechtlich keinen durchgreifenden Bedenken begegnet, wird nicht dadurch in Frage gestellt, dass dieser Begriff in Bezug auf die neueren religiösen und weltanschaulichen Gruppierungen zum Teil als negativ gefärbt verstanden wird. Dieses Verständnis ergibt sich notwendig aus der Weite und den inhaltlichen Differenzierungen des Sektenbegriffs selbst. Im Übrigen ist der Staat durch die Pflicht zur religiös-weltanschaulichen Neutralität nicht gehindert, in der öffentlichen Diskussion über religiöse oder weltanschauliche Gruppen für diese die Bezeichnungen zu verwenden, die in der aktuellen Situation dem allgemeinen Sprachgebrauch entsprechen und in diesem Sinne von den Adressaten der jeweiligen Äußerung auch verstanden werden.  
Entsprechendes gilt für den Gebrauch der Begriffe "Jugendreligion" und "Jugendsekte".
 
 
 

Was sagt der Begriff Sekte aus?

In den meisten Fällen geht es nicht um die Frage, ob eine Gruppe eine Sekte ist.
Sondern darum, was dieser Begriff aussagt:

Der Begriff Sekte sagt nichts über Gefahren aus.
Dazu müssen im Einzelfall die Handlungen beurteilt werden.
Die AGPF befasst sich nicht mit der Frage, ob eine Gruppe gefährlich für den jeweiligen Glaubensstandpunkt sein kann.

Eine Sekte kann eine straff geführte Organisation sein oder auch eine kleine Gruppe.
Eine Sekte kann sich mit Religion befassen, mit Weltanschauung, Esoterik (>>) oder Politik.
Die Mehrheit der Sekten bietet Leistungen (zum Beispiel Heilbehandlung) gegen offene oder verdeckte Bezahlung an und ist somit dem Psychomarkt zuzurechnen, www.AGPF.de/Psychomarkt.htm.
Die Begriffe Guru (>>) oder Scharlatan (>>) haben wenig oder nichts mit dem Begriff Sekte zu tun.
 
 
 
 
Brockhaus 1886  
Sekten nannte man ursprünglich die philosophischen Schulen, welche durch Verschiedenheit ihrer Prinzipien und Methoden gegeneinander sich abschlossen. Im kirchlichen Sprachgebrauch wurde das Wort auf die kleinern religiösen Parteien übertragen, die wegen Verschiedenheit in Lehre, Kultus und Sitte von den großen Kirchengemeinden sich absonderten. Nicht nur das Christentum, sondern alle ausgebildeten Religionen haben Sekten aufzuweisen. Die Anhänger einer Sekte heißen Sektierer.
 
Meyers Konversations-Lexikon von 1888  
entnommen aus:  
http://www.meyers-konversationslexikon.de/
 
 

Buchhinweis:

Hansjörg Hemminger: Was ist eine Sekte? Erkennen - Verstehen - Kritik
Quell-Verlag Stuttgart, 1995  ISBN 3-7918-2290-X
 
 

Kurz gefasst: Was ist eine Sekte?

Der Begriff Sekte ist in erster Linie ein Begriff der Umgangssprache. Wer sich an die Öffentlichkeit wendet, benutzt den Begriff in diesem Sinne, unabhängig von den jeweiligen Definitionen von Wissenschaftlern.
In den 1990ger Jahren ist parallel dazu ein weiterer Sammelbegriff entstanden: Esoterik. Dazu:

"Sekte" meint mehr die Organisation, "Esoterik" die Methode.
 

Der Bundestagsabgeordnete Dr. Hans Peter Bartels sprach am 28.1.2000 im Bundestag

vom "kulturellen, umgangssprachlichen Sektenbegriff" (>>), der sich "auf die konfrontative Stellung der Gruppe im Verhältnis zur Gesellschaft" beziehe:
"Aus dieser Perspektive sind Merkmale einer Sekte die Tatsachen, Nicht das Heilsversprechen ist das Problem - das beinhalten jeder Glaube und auch manche Ideologie -, sondern der Absolutheitsanspruch. Elitebewusstsein, Machtanspruch, Gruppendruck, Bewusstseinskontrolle, Verschwörungsdenken, Verfolgungswahn, Psychoterror gegen Abtrünnige und Kritiker sind weitere Merkmale einer Sekte, wie wir sie verstehen. Das hat nicht mit Religion und Weltanschauung zu tun, sondern damit, wie eine Gruppe von Menschen sich gegenüber ihren Mitgliedern und gegenüber anderen verhält."
Auch die amerikanische Psychologie-Professorin Margaret Thaler Singer benutzt den Begriff im umgangsprachlichen Sinne, wenn sie als wesentliche Merkmale einer Sekte festhält ("Sekten - Wie Menschen ihre Freiheit verlieren und wiedergewinnen können", 1997, Seite 34):
"Für den Begriff Sekte, wie ich ihn hier gebrauche, sind drei Faktoren von Relevanz:
Der amerikanische Psychologie-Professor Robert Jay Lifton ("Terror für die Unsterblichkeit", 2000, Seite 17):
"Ich verwende den Begriff "Sekte" nur für Gruppen, die folgende drei Merkmale aufweisen:
 

Zum Begriff "Sekte"

Der Begriff Sekte ist nach wie vor umstritten.
Vielfach wird die Verwendung des Begriffes aus Gründen der persönlichen Toleranz abgelehnt.
Demnach wird der Begriff Sekte als Abwertung verstanden.
Andere lehnen ihn ab, weil er auf ein religiöses Weltbild hinzudeuten scheint.
Demnach wird der Begriff Sekte als Aufwertung verstanden.

Hinzu kommt, daß der Begriff auch auf sonstige Gruppen angewandt wird. Beispiel:
"Als Priester ihrer elitären Sekte haben die String-Forscher andere auserkoren"
schreibt Der Spiegel (30/99) in der Titelgeschichte "Gesucht: Die Weltformel" mit dem Untertitel "Die klügsten Köpfe der Gegenwart enträtseln, was das Universum im Innersten zusammenhält".
Negativ ist dies keineswegs gemeint.

Der Begriff "Sekte" ist ein allgemeinverständlicher Begriff der Umgangsprache, für den es keinen Ersatz gibt, will man sich der Allgemeinheit verständlich machen.
 
 
 

Die Sektenschublade

Den Benutzern des Begriffs Sekte wird oft Schubladendenken vorgeworfen und mangelndes Differenzierungsvermögen unterstellt.
Mit der Schublade ist ein Oberbegriff gemeint, hier der Begriff "Sekte".
Wer etwas sucht, benötigt einen solchen Oberbegriff.
Und wer Informationen anbietet, muss Oberbegriffe benutzen, damit seine Informationen gefunden werden.
Oberbegriffe dienen also der Auffindbarkeit, wie Schubladen auch.

Wer etwas sucht, ist an Ergebnissen seiner Suche interessiert und nicht an wissenschaftlich korrekter Ausdruckdruckweise oder politischer Korrektheit.
Die Benutzung des Begriffs Sekte hat deshalb meist weder etwas mit Abgrenzung oder Ausgrenzung zu tun, noch mit einem Mangel an Differenzierungsvermögen.
 
 
 
 

Der kulturelle, umgangssprachliche Sektenbegriff

Der Bundestagsabgeordnete Dr. Hans Peter Bartels sagte am 28.1.2000 im Bundestag (>>):

"Wir verwenden den neueren kulturellen, umgangssprachlichen Sektenbegriff ... Unser Sektenbegriff bezieht sich nicht auf das Religiöse."
Oft genug lässt sich bei Sekten weder ein religiöses Bekenntnis finden, noch eine gemeinsame Weltanschauung.
Vielfach geht es nur um eine bestimmte Methode, deren Zweck unf Ziel wiederum nicht genau definierbar ist.
Gemeinsam aber ist den Anhängern die Überzeugung davon, dass dies die einzig richtige Methode ist.
 
 
 

Überzeugungsgemeinschaft

Tatsächlich wird der Begriff Sekte meist dann benutzt, wenn es sich um eine Überzeugungsgemeinschaft handelt.
Es kann sich dabei zum Beispiel um die Überzeugung von der Wirksamkeit von Heilmethoden handeln.
Oder die Überzeugung von der Existenz paranormaler Phänomene.
 
 
 

Religion und Weltanschauung

Der Begriff "Weltanschauung" wird vielfach gleichbedeutend mit Religion verwendet. Das ist keineswegs zwingend. Zur Differenzierung: Archiv/art4gg96.htm#Weltanschauung
Im Übrigen wurde und wird vielfach auch der Nationalsozialismus als Weltanschauung gewertet und die Waffen-SS als "Orden" bezeichnet.
 
 
 

Kult und Psychokult
 
 
Aus: Thomas Heberer: Falungong - Religion, Sekte oder Kult? - http://www.religio.de/dialog/400/23_16-24.htm  


Darüber hinaus läßt sich Falungong mit dem soziologischen Begriff des "Kultes" fassen, denn beim Kult handelt es sich um eine lose strukturierte religiöse oder religionsähnliche Gruppierung, der man nicht formell beitritt. Die Zugehörigkeit definiert sich primär über bestimmte Weltsichten und Praktiken. Die Glaubensinhalte sind in der Regel synkretistisch, esoterisch und individualistisch. Kulte entwickeln sich häufig um charismatische Führer und lassen auch Verbindungen zu anderen religiösen Gemeinschaften zu.(3)  
3 Vgl. etwa Anthony Giddens, ed., Sociology, 3rd edition, Cambridge, Oxford 1997, S. 448f.
 
 
 

Dr. Hans Peter Bartels im Bundestag am 28.1.2000 zum kulturellen, umgangssprachlichen Sektenbegriff:

Lassen Sie mich einige Bemerkungen zum Gegenstandsbereich unserer Diskussion machen. Sie haben es richtigerweise auf den Bereich Esoterik erweitert, in dem es auch Phänome gibt, die wir regeln müssen. Zunächst möchte ich aber auf den Sektenbegriff eingehen.

Was sind eigentlich Sekten? Auf dem Endbericht der Enquete-Kommission findet man das Wort gar nicht mehr. Keine Gruppe nennt sich selbst so; die Gruppen nennen sich Zentrum, Bewegung, Kirche, Bund, Orden, Verein - was immer sie wollen. "Sekte" ist ein Begriff, der von außen an bestimmte Gruppen herangetragen wird.

Besser gesagt, es werden zwei Sektenbegriffe verwendet, die in der Vergangenheit auch für Verwirrung gesorgt haben. Vielleicht kann ich ein bisschen zur Klarheit beitragen.

Der eine, der klassische Sektenbegriff ist der theologische. Er bezeichnet eine Abspaltung von der christlichen Kirche, eine häretische Gemeinschaft, die auf eigenen Offenbarungs- und Wahrheitsquellen beruht, also neben der Bibel und der christlichen Überlieferung ein eigenes Buch - beispielsweise das Buch Mormon - oder einen eigenen Propheten hat. Solche Gruppen sind zum Beispiel die Quäker, die in unserem Sinne überhaupt nicht problematisch
sind; einer von ihnen ist der Friedensnobelpreisträger von 1949. Darum geht es uns nicht, wenn wir von Sekten sprechen.

Wir verwenden den neueren kulturellen, umgangssprachlichen Sektenbegriff, unter dem im übrigen jeder das versteht, was auch wir darunter verstehen. Das ist aber nicht die christliche, kirchliche Definition. Dieser kulturelle Sektenbegriff bezieht sich auf die konfrontative Stellung der Gruppe im Verhältnis zur Gesellschaft. Aus dieser Perspektive sind Merkmale einer Sekte die Tatsachen, dass die Gruppe sich von ihrer Umgebung abkapselt, dass die Mitglieder der Gruppe von ihrem sozialen Umfeld isoliert werden und dass das Heilsversprechen der Gruppe mit einem Absolutheitsanspruch verbunden wird. Nicht das Heilsversprechen ist das Problem - das beinhalten jeder Glaube und auch manche Ideologie -, sondern der Absolutheitsanspruch. Elitebewusstsein, Machtanspruch, Gruppendruck, Bewusstseinskontrolle, Verschwörungsdenken, Verfolgungswahn, Psychoterror gegen Abtrünnige und Kritiker sind weitere Merkmale einer Sekte, wie wir
sie verstehen. Das hat nicht mit Religion und Weltanschauung zu tun, sondern damit, wie eine Gruppe von Menschen sich gegenüber ihren Mitgliedern und gegen?ber anderen verhält.

Man sollte also nicht versuchen, im Sinne von Sprachpolitik einen neuen Sektenbegriff zu etablieren. Das bringt wenig. Wenn also auf dem Abschlussbericht der Enquete-Kommission "Neue religiöse und ideologische Gemeinschaften und Psychogruppen" steht, dann ist das, mit Verlaub, Tüdelkram.

(Beifall bei der SPD)
Die Motive, sich in solchen Gruppen zu organisieren - ich meine jetzt die Motive, die die Menschen selbst haben und die die Gruppen offiziell nennen -, sind auch nicht allein religiös. Es ist ein Bündel von Motiven, in dem einzelne klar abgegrenzte Motive vorzufinden sind. Es gibt therapeutische Motive. Das hat mit Religion nichts zu tun. Ich denke etwa an den Bruno-Gröning-Freundeskreis, eine Heilungsbewegung, an VPM oder an Metharia, eine UFO-Sekte, die heilt. Dann gibt es politische Motive; hier sind die EAP und die Scientology-Organisation zu nennen. Letztere ist aus meiner Sicht eine politisch und nicht religiös motivierte Organisation. Sie ist auch nicht wirtschaftlich motiviert; das Geld dient der Machtausweitung. Es gibt aber auch wirtschaftliche und religiöse Gründe.

Ein Beispiel dafür mag die Maharishi-Bewegung des Gurus Maharishi Mahesh Yogi sein, die alle vier Bereiche abdeckt: die Maharishi-Ayurveda-Gesundheitszentren für den Bereich Therapie, die Naturgesetz-Partei für den Bereich Politik, die Samhita GmbH und die TM-Center fürs ökonomische und der Guru Maharishi selbst für das Religiöse. Es ist also ein Bündel von Motiven. Die Religion kann eines sein. Unser Sektenbegriff bezieht sich nicht auf das Religiöse.



 
 
 

Die Enquete-Kommission zum Begriff Sekte

Die Enquete-Kommission "Sog. Sekten und Psychokulte" des Bundestages hält

"in Anbetracht der ... Unschärfe und Mißverständlichkeit des Begriffes der 'Sekte' "
den Verzicht auf die weitere Verwendung des Begriffes "Sekte" im Rahmen der öffentlichen Auseinandersetzung mit neuen religiösen und ideologischen Gemeinschaften und Psychogruppen für wünschenswert. Die Kommission:
"Insbesondere in Verlautbarungen staatlicher Stellen - sei es in Aufklärungsbroschüren, Urteilen oder Gesetzestexten - sollte zukünftig die Bezeichnung "Sekte" vermieden werden".
"Statt dessen schlägt die Kommission vor, - ähnlich wie in diesem Bericht - eine differenzierte Terminologie zu verwenden, auch wenn diese in Anbetracht weiterer wissenschaftlicher Befassung mit dem Problembereich nur vorläufigen Charakter haben sollte".
(Bericht Bundestags-Drucksache 13/10950 vom  9.6.98, Ziff. 6.2.12).
 

Unscharf und mißverständlich sind allerdings auch alle anderen Begriffe,
die zudem den Nachteil haben, daß sie nicht zur Umgangssprache gehören.
Es bleibt deshalb abzuwarten, ob der Wunsch der Kommission sich durchsetzt.
 

Hansjörg Hemminger (Was ist eine Sekte? Seite 66):

"Die Umgangssprache durch Appelle ändern zu wollen, ist hoffnungslos"..
Hemminger war als Sachverständiger Mitglied der Enquete-Kommission.
Sein Buch ist vor dieser Tätigkeit erschienen.
 
 
 
 
 
Sekten versprechen viel ... bleib auf dem Teppich  
  
  

Eine Broschüre, die sich an junge Leute richtet, muß sich der Umgangssprache bedienen.  

Das gilt besonders dann, wenn als Mittel der Information Comics eingesetzt werden. Folgerichtig benutzt die Landesregierung Schleswig-Holstein auch in ihrem Faltblatt vom Februar 2000 den Sammelbegriff Sekten.  
Titel:  

Endzeitangst - Propheten - Sekten - Apokalypse - No Future? Sekten versprechen viel ... Bleib auf dem Teppich
Mit dem über dem Teppich schwebenden weissbärtigen Guru ist vermutlich Maharishi gemeint, der bekanntlich die Fähigkeit des Fliegens ohne maschinelle Hilfe verkauft, vgl. http://www.AGPF.de/TM-Fliegen.htm
 
 
 

Sekte als Kampfbegriff?

Professor Martin Kriele überschrieb einen Artikel (FAZ v. 6.4.94): " 'Sekte' als Kampfbegriff".
Gegenstand des Artikels ist die Nennung des VPM in einer vom Bundesfamilienministerium geplanten Broschüre und und ein Beschluß des Verwaltungsgerichts Köln (8 L 1513/93) gegen diese Nennung.
Vgl. dazu auch: Kriele & Kriele

Manche Organisationen qualifizieren den Begriff Sekte als "Kampfbegriff".
Auch damit soll die öffentliche Meinung beeinflusst werden.
Sie wollen, daß die von ihnen bevorzugten Begriffe verwendet werden.
Das gilt wohl für jeden, über den die Medien kritisch berichten.

Die Enquete-Kommission (Endbericht 3.2.4):

"Es fällt besonders auf, daß sich die Gruppen objektiv dargestellt sehen, wenn sie in den Medien in ihrem Sinne positiv präsentiert werden. Dagegen fühlen sie sich benachteiligt, wenn sie kritisch dargestellt werden.
 
 

Ersatz-Begriffe
 
 

Um eine Verwechslung mit den "klassischen" Sekten zu vermeiden, wurden zahlreiche neue Begriffe für solche Sekten eingeführt, die ab etwa 1970 in Deutschland tätig geworden sind.

So von Friedrich-Wilhelm Haack (www.AGPF.de/Haack.htm) 1974  "Jugendreligionen" und "Jugendsekten".
Aus den USA wurde "Destruktive Kulte" übernommen und wurde auch von der AGPF benutzt, hauptsächlich in der 1980ger Jahren.
Die Bezeichnung "Neue Religiöse Bewegungen" (NRB) wird wiederum von vielen Kritikern abgelehnt, weil sich manche dieser Organisationen nur als Religion ausgeben.

Hugo Stamm spricht von "Gruppen mit vereinnahmender Tendenz"  ("Sekten. Im Bann von Sucht und Macht", 1994).
"Vereinnahmende Gruppen" oder "vereinnahmende Bewegungen" wird hauptsächlich in der Schweiz benutzt, vgl. z.B. http://www.google.de/search?hl=de&q=site%3Awww.infosekta.ch++%22Vereinnahmende+Gruppen%22&btnG=Suche&meta=lr%3Dlang_de

Die Quelle des  Begriffs "Designer-Religionen" kenne ich nicht.

Demgegenüber wird der Begriff Sekte keineswegs nur für religiöse Organisationen verwendet.
Es steht auch keineswegs fest, daß dieser Begriff stets negativ gemeint ist.
Deshalb wird der Begriff gern als Sammelbegriff benutzt, oft auch von denen, die lieber einen anderen Begriff hätten.

"Undue influence Groups" benutzt einen juristischen Begriff für unzulässige Beeinflussung.
 
 
 
 

Der Begriff Sekte: unvermeidlich und nichtssagend

Der Begriff Sekte ist also ebenso unvermeidlich, wie nichtssagend.
Niemand behauptet ernsthaft, daß vor allen Sekten zu warnen ist.
Immer wieder wird auf die großen Unterschiede hingewiesen.
Niemand behauptet auch, daß die oft geschilderten Merkmale bestimmter Sekten (z.B. unten Singer) auf alle Gruppen zutreffen müssen.
 
 
 
 

Der Sekten-Begriff in der Rechtsprechung

Immer wieder wird behauptet, die Verwendung der Begriffe "Sekte" oder "Jugendsekte" sei gerichtlich untersagt worden, weil dieser Begriff abwertend sei. Dies ist so nicht nachvollziehbar.

In diesem Zusammenhang wird immer wieder auf Gutachten zur Bedeutung dieses Begriffes verwiesen oder auf angebliche wissenschaftliche Definitionen. Bei einer öffentlichen Äußerung, die sich nicht an einen ganz bestimmten Kreis von Adressaten richtet, kommt es jedoch auf den allgemeinen Sprachgebrauch an, wie ihn der Normalbürger versteht. Zur Beurteilung dessen kann der Richter durchaus sein eigenes Sprachverständnis heranziehen. In Fällen, in denen die Bedeutung von Begriffen zentraler Punkt eines Gerichtsverfahrens ist, kann aber auch eine Meinungsumfrage durchgeführt werden. Dies war bisher schon bei Wettbewerbsprozessen nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) der Fall.
 
 
 

Das Bundesverfassungsgericht billigt Verwendung des Begriffs Sekte

Das Bundesverfassungsgericht 1 BvR 670/91 Beschluss vom 26.6.2002

hat in einem Beschluss zu einer Verfassungsbeschwerde von Bhagnwan-Osho-Organisationen ausführlich aus dem Enquete-Bericht zitiert, der zeitlich lange nach den Äußerungen veröffentlicht wurde. Das Gericht zitiert insbesondere auch die Empfehlung des Enquete-Berichtes, den Begrifft Sekte tunlichst nicht zu verwenden. Dennoch kommt das Gericht zu dem Schluss, dass die Verwendung des Begriffs Sekte unbedenklich ist:
 
"Zuzustimmen ist den angegriffenen Entscheidungen allerdings darin, dass diese Äußerungen, soweit mit ihnen die Osho-Bewegung und die zu ihr gehörenden Gemeinschaften als "Sekte", "Jugendreligion", "Jugendsekte" und "Psychosekte" bezeichnet wurden, keinen verfassungsrechtlichen Bedenken begegnen. Diese Äußerungen berühren schon nicht den Schutzbereich des Grundrechts der Religions- oder Weltanschauungsfreiheit. Sie enthalten keine diffamierenden oder verfälschenden Darstellungen, sondern bewegen sich im Rahmen einer sachlich geführten Informationstätigkeit über die betroffenen Gemeinschaften und wahren damit die Zurückhaltung, zu welcher der Staat und seine Organe nach dem Gebot der religiös-weltanschaulichen Neutralität verpflichtet sind." (Randnummer 56)
"Es verletzt nicht das dem Staat in religiösen und weltanschaulichen Angelegenheiten auferlegte Neutralitäts- und Zurückhaltungsgebot, wenn dieser durch seine Organe im Rahmen einer solchen Debatte die Bezeichnungen und Begriffe verwendet, die in der aktuellen Situation den Gegenstand der Auseinandersetzung einprägsam und für die Adressaten seiner Äußerungen verständlich umschreiben, sofern die Äußerungen als solche nicht diffamierend oder sonst wie diskriminierend sind". (Randnummer 61)
Im Verwaltungsrecht

Das Verwaltungsrecht gilt für staatliche Äußerungen und ist nicht ohne weiteres auf "private" Äußerungen, etwa die der Presse, zu übertragen. Denn staatliche Äußerungen unterliegen, wie jedes staatliche Handeln, u.a. dem "Übermaßverbot". Daraus folgt eine gewisse sprachliche Zurückhaltung.

Zur Bedeutung des Begriffes "Sekten" sagt der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (1 S 712/85, Beschluß vom 23.9.85, Rajneesh-Organisation gegen Faltblatt "Sackgasse Jugendsekten"):

"Ob, wie die Antragsteller unter Hinweis auf eine von ihnen vorgelegte Entscheidung des OVG NRW meinen, bereits dem Begriff "Jugendsekte" eine negative Intention innewohnt, ist fraglich. Denn dieser Begriff wird in verschiedenen Zusammenhängen auch ohne inhaltliche Wertung benutzt, wie nicht zuletzt auch das von den Antragstellern vorgelegte Material zeigt."
Im Anschluß daran hat der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (10 S 2160/87, Beschluß vom 20.10.87 - Verwaltungsgericht Stuttgart -13 K 1915/87, 12.8.87) eine einstweilige Anordnung gegen einen "Bericht Jugendsekten" abgelehnt, in dem die "Transzendentalen Meditation" (TM) als "sogenannte Jugendsekte oder Jugendreligion" erwähnt wird. Im Beschluß wird dargelegt, daß in der Broschüre die unterschiedliche Verwendung der Begriffe abgehandelt wird. Dann:
"Vielmehr ist ... insoweit lediglich ein "Sammelbegriff" gebraucht worden, ein "Hilfsmittel", um sehr verschiedene Arten von religiösen oder Weltanschauungsgemeinschaften oder ähnliche Vereinigungen schlagwortartig zusammenzufassen. Die Antragsteller dürften mach alledem nicht schon dadurch in ihrer Ehre verletzt sein, daß die TM in den Bericht über die "sogenannten Jugendsekten" aufgenommen worden ist. Hiervon könnte allenfalls dann ausgegangen werden, wenn diesem Begriff zweifelsfrei eine negative Intention innewohnen würde oder der Antragsgegner diesen Begriff gerade gegenüber der TM in rufschädigender Weise verwendet hätte. Von beidem kann -wie dargestellt- indessen nicht ausgegangen werden. Vielmehr ist die TM lediglich in den Bericht aufgenommen worden, weil diese "eine gewisse Bedeutung erlangt" hat und "in Baden-Württemberg in Erscheinung getreten ist ...".
Das Bundesverwaltungsgericht (in Sachen "Transzendentale Meditation", 7 C 2.87 vom 23.5.89 = NJW 89, 2272 , OVG Münster 5 A 1125/84 v. 18.12.85, VG Köln 10 K 2269/80 v. 21.2.84), S. 32:
"Wie auch das Berufungsgericht annimmt, hat der Begriff "Jugendreligionen/Jugendsekten" keine deutlichen Konturen. Das hat die Beklagte veranlaßt, sich in ihren öffentlichen Verlautbarungen ausdrücklich zu dem Inhalt dieses Begriffs zu äußern. Sie hebt immer wieder hervor, daß es sich um einen Sammelbegriff handele, unter dem höchst unterschiedliche Gruppen zusammengefaßt würden ....
Hat der Begriff "Jugendreligionen/Jugendsekten" in den Äußerungen der Beklagten zur TM-Bewegung, wie die Beklagte meint, nur diesen vorwiegend deskriptiven Inhalt, so muß der Unterlassungsanspruch schon mangels einer beachtlichen Grundrechtsbeeinträchtigung scheitern."
Das Gericht legt dar, daß die Bundesregierung diesen stets differenziert benutzt hat. Da sie bei TM auch zur Warnung berechtigt war, durfte sie dies auch "unter der Bezeichnung 'Jugendreligion' bzw. 'Jugendsekte' tun, selbst wenn schon diese Bezeichnung, wie das Berufungsgericht annimmt, den Vorwurf der Jugendgefährdung enthält".

Wenn der Leser die differenzierte Betrachtungsweise nicht nachvollziehe "und Vorwürfe, die nur einzelnen Bewegungen gelten, zu Unrecht auf andere nicht angesprochene Bewegungen" übertrage, so bestehe diese Möglichkeit auch dann, wenn eine andere, "aus der Sicht der Kläger und des Berufungsgerichts neutrale Bezeichnung" gewählt worden wäre.

"Angesichts der in der öffentlichen Diskussion vielfach geäußerten Besorgnis konnte es der Beklagten nicht verwehrt sein, sich auch ihrerseits mit den betreffenden Bewegungen insgesamt zu befassen, sie darf sich dabei auch - mit der gebotenen Vorsicht- des Sammelbegriffs "Jugendreligionen/Jugendsekten" bedienen, den sie nicht, zumal nicht mit abwertender Zielsetzung, selbst geprägt, sondern in der öffentlichen Diskussion vorgefunden hat".
Nichts anderes gelte auch für die Begriffe "Psychosekte" und "Psychogruppe".


Im Zivilrecht (Privatrecht)

In Sachen VPM .\. Psychostroika (Bezirksgericht Zürich Prozeß Nr. 01900198.U1\ GBGA2 Z Beschluß und Teilurteil vom 18.11.93) heißt es zum Sektenbegriff ( S. 29), es sei ausdrücklich zugestanden worden, daß dieser Begriff polemisch sei ("namentlich in einer Wortverbindung wie 'Psychosekte'") und es sei nicht bestritten worden, daß dieser "als Werturteil stets herabsetzend" sei.

Demnach enthält diese Entscheidung keine Wertung zum Begriff "Sekte", sondern zieht lediglich eine prozessuale Konsequenz aus einer bestimmten Form des Vorbringens vor Gericht, welches sich im übrigen wohl auch jederzeit ändern läßt. Es wird damit ja auch nicht gesagt, daß dies die Meinung der Beklagten sei, sondern lediglich, daß dies nicht bestritten wurde. Dafür kann es die unterschiedlichsten Gründe geben.

Es gibt somit derzeit zumindest keine einheitliche gerichtliche Meinung zur Bedeutung des Begriffes "Sekte". Deshalb kann jeweils auch nicht unberücksichtigt bleiben, ob eine Entscheidung rechtskräftig ist.

Ebensowenig kann wohl unberücksichtigt bleiben, daß es in der Umgangssprache keinen Ersatz für diesen Begriff gibt, wenn man einen Sammelbegriff für eine kleine Gruppe mit ideologischem Anspruch benutzen will. Unbestritten dürfte wohl sein, daß dieser Begriff keineswegs nur für religiöse oder weltanschauliche Gruppen benutzt wird, sondern auch beispielsweise für politische Gruppen ("Politsekte").
 
 
 
 

Der Begriff "Sekte" wird auch in Gesetzen benutzt

Begiffe, die in Gesetzen verwendet werden, werden meist als Rechtsbegriffe bezeichnet.

Schleswig-Holstein
 

Gesetz vom 4.11.1994 zur Änderung des  Landesdatenschutzgesetzes  GVOBl.Schl.-H. 1994, S. 508

Artikel 1
Das Landesdatenschutzgesetz (vom ....) wird wie folgt geändert:
Folgender § 29 a wird eingefügt:
"§ 29 a
Besondere Dokumentationsstelle

(1) Die Ministerpräsidentin oder der Ministerpräsident oder eine von ihr oder von ihm besonders beauftragte Stelle (Dokumentationsstelle) kann zum Zweck der Aufklärung oder Warnung die Betätigungen von Sekten oder sektenähnlichen Vereinigungen einschließlich der mit ihnen rechtlich, wirtschaftlich oder in ihrer religiösen oder weltanschaulichen Zielsetzung verbundenen Organisationen oder oder Vereinigungen in Schleswig-Holstein dokumentieren und über sie informieren, sofern tatsächliche Anhaltspunkte den Verdacht begründen, daß von deren Wirken Gefahren für die Menschenwürde, die freie Entfaltung der Persönlichkeit, das Leben, die Gesundheit oder das Eigentum ausgehen, insbesondere daß Personen in ihrer Willensfreiheit eingeschränkt werden.

(2) Soweit ein begründeter Verdacht im Sinne des Absatzes 1 besteht, kann die Dokumentationsstelle über Personen, die in einer derartigen Sekte, Vereinigung oder Organisation aktiv mitwirken, bei anderen öffentlichen Stellen vorhandene oder öffentlich zugängliche personenbezogene Daten erheben und weiterverarbeiten. Hiervon ausgenommen sind die in § 9 Abs. 3 Nr. 3 bezeichneten Daten sowie Daten, für die besondere Verwendungsvorschriften in anderen Gesetzen bestehen.

(3) Die Speicherung der erhobenen personenbezogenen Daten ist spätestens nach zwei Jahren auf ihre Erforderlichkeit zu prüfen. Spätestens fünf Jahre nach der letzten Tätigkeit im Sinne von Absatz 2 sind die personenbezogenen Daten zu löschen.

(4) An Stellen außerhalb des öffentlichen Bereichs dürfen personenbezogene Daten übermittelt werden, wenn
1.a)  es zur Erfüllung der Aufgabe nach Absatz 1 erforderlich ist oder
b) ein Dritter ein rechtliches Interesse daran hat
und
2. kein Grund zu der Annahme besteht, daß schutzwürdige Belange der oder des Betroffenen überwiegen.

Kiel, den 4. November 1994

Die Ministerpräsidentin Der Innenminister
Heide Simonis  Dr. Hans Peter Bull

Dazu der Aufsatz in NVwZ 1995,462:
"Dokumentationstelle für Sekten und sektenähnliche Vereinigungen in Schleswig-Holstein gesetzlich geregelt". Von Dr. Helmut Bäumler, Kiel
 
 

Österreich

Durch ein "Bundesgesetz über die Einrichtung einer Dokumentations- und Informationsstelle für Sektenfragen (Bundesstelle für Sektenfragen)" vom 20.8.98 wurde eine Anstalt des öffentlichen Rechts eingerichtet. Aufgabe laut Gesetz: "Gefährdungen, die von Sekten oder sektenähnlichen Aktivitäten ausgehen können, zu dokumentieren und darüber zu informieren".
 
 
 

Es gibt keine Sekten-Liste

Etwa vorhandene Listen sind meist für einen bestimmten Zweck angefertigt worden und können deshalb keine Allgemeingültigkeit haben.

Bei  Anhängern einer Sekte ist  zu beachten, daß diese oft nur unzureichend informiert sind. Selbst wenn vor einer Sekte gewarnt wird, so bedeutet das keineswegs, daß damit auch vor deren Anhängern gewarnt wird. Kritik an einer Sekte beinhaltet also keineswegs Kritik an Einzelpersonen.
 
 
 
 

Margaret Thaler Singer zum Begriff Sekte

("Sekten - Wie Menschen ihre Freiheit verlieren und wiedergewinnen können", 1997, Seite 34):

"Für den Begriff Sekte, wie ich ihn hier gebrauche, sind drei Faktoren von Relevanz:

1. Die Entstehung der Gruppe und die Rolle des Führers,
2. die Machtstruktur, also die Beziehung zwischen dem Führer (oder den Führern) und den Anhängern,
3. der systematische Einsatz von Überredungs- und Überzeugungstechniken (Techniken der mentalen Programmierung, im allgemeinen Sprachgebrauch auch Gehirnwäsche genannt) ".
 
 

Robert Jay Lifton zum Begriff Sekte
Aus: Terror für die Unsterbllichkeit, 1999/2000, Fußnote Seite 17:
 

Ich bin mir bewußt, daß der Gebrauch des Begriffs "Sekte" (cult) wegen seines abschätzigen Beiklangs im Unterschied zum neutraleren Begriff "neue Religion" umstritten ist. Ich gebrauche in diesem Buch beide Termini, doch ebenso wie in meinen früheren Arbeiten verwende ich den Begriff "Sekte" nur für Gruppen, die folgende drei Merkmale aufweisen: totalitäre Praktiken oder Formen der Gehirnwäsche, statt einer Verehrung spirirueller Prinzipien die Verehrung eines Gurus oder Führers und eine Verbindung aus spiritueller Suche von unten und -zumeist ökonomischer und/oder sexueller - Ausbeutung von oben.
 
 

Was ist Religionsfreiheit?

Artikel 4 des Grundgesetzes schützt die Religionsfreiheit.

In früheren Jahrhunderten folgte die Zugehörigkeit zu einer Religion aus der Zugehörigkeit zu einem Land oder einem Herrscher.
Heute kann jeder selbst wählen, Kinder ab 14 Jahren.
Artikel 4 des Grundgesetzes lautet:

Absatz 1: Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
Absatz 2: Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.
Aber auch Grundrechte gelten nur im Rahmen der sonstigen Gesetze.
Auch der Geistliche muß das Parkverbot vor seiner Kirche beachten.
Die Grundrechte haben Grenzen besonders auch dann, wenn die Grundrechte anderer Personen verletzt werden. Kein Grundrecht gilt "absolut".

Wenn der Staat die Freiheit des religiösen Bekenntnisses schützen soll, muß er auch definieren, was da zu schützen ist.
Allerdings gibt es keine staatliche Instanz, die solche Definition ohne ganz konkreten Anlaß vornimmt.
Wenn also eine Bekentnnisgemeinschaft verlangt, daß das Parkverbot vor ihren Andachtsräumen aufgehoben wird, weil durch das Parkverbot die ungestörte Religionsausübung gewährleistet werde, dann prüft die Behörde die Argumente. Sie wird insbesondere aber auch die ganz konkrete Verkehrsituation berücksichtigen. Im Ergebnis würde die Behörde dann vielleicht sagen, daß die Gläubigen ihr Bekenntnis nicht ausüben, während sie im Auto sitzen. Die Behörde würde aber vielleicht auch sagen, daß es "dahingestellt" bleiben kann, ob die Religionsfreiheit überhaupt berührt ist, weil das Parkverbot ohnehin überflüssig ist. Es kommt dann nämlich auf die Frage des Bekenntnisses garnicht an. Solche Fälle sind sehr häufig. Manchmal meint auch das eine Gericht, es käme auf diese Frage nicht an. Das höhere Gericht sagt dann, daß es darauf sehr wohl ankommt. Dabei geht es dann um Fragen der Auslegung von Gesetzen, nicht um Fragen der Religionsfreiheit oder um die Definition von Religion.

Wenn Klage erhoben wird, muß letzten Endes ein Gericht entscheiden.
Aber auch in einem Gerichtsverfahren wird nur ein konkreter Sachverhalt beurteilt.

Die Gerichte können die Definition nicht Geistlichen überlassen und auch nicht Wissenschaftlern oder Politikern.
Ein Begriff, der in einem Gesetz steht, ist ein Rechtsbegriff.
Einen Rechtsbegriff muß das Gericht selbst ausfüllen.
 
 
 
 
 

Weitere Beispiele für die Benutzung des Begriffes Sekte

RAF-Sekte
 

Spiegel 44/2002: Pakt des Terrors. Über die Anschläge der Roten Armee Fraktion im Herbst 1977 ("Deutscher Herbst") und die Rolle der palästinensischen Extremisten:
 
"Haddads Angebot läutete das Finale des „Deutschen Herbstes" ein. An seinem Ende, vor 25 Jahren, waren weitere acht Menschen tot, zwei schwer verletzt, und die letzten Reste der Fassade, die die RAF als politische Gruppierung erscheinen ließ, waren zerstört. In ihrem Totentanz entpuppte sich die selbst ernannte „Stadtguerilla" als Sekte, deren Revolutionshalluzinationen auf ein einziges Ziel zusammengeschnurrt waren: die Befreiung ihrer Götter, allen voran Andreas Baader ..."
"Politische Sekte"
Spiegel 18/2003: "Fette Mutter Europa - Im Hamburger Rathaus versuchen ein Grünen-Chef und eine US-Generalkonnsulin, zwei Kontinente zu versöhnen":
""Da hat man acht Jahre lang für die Clinton-Regierung gearbeitet, war knapp drei Wochen im Amt als Konsulin in Hamburg, dann kam der 11. Sepember 2001 und in den USA die große Zeit der Neokonservativen, "politische Sekte" wird die Truppe um [den US-Verteidigungsminister] Rumsfeld und Wolfowitz von Bütikofer genannt."
Guru

Der Begriff "Guru" wird sehr vielfältig verwendet. Im 16-bändigen Brockhaus von 1884 ist der Begriff noch nicht enthalten.
Im Spiegel (Nr. 37/2005, "Narziss und Gottmund") heisst es zum Ende der Talkshow des "Talk-Pfarrers" Jürgen Fliege: "Fliege spaltet wie kaum ein anderer das Publikum. Für die einen ist er Guru, für die anderen Brechmittel".
Chinmoys Anhänger bezeichnen ihn nicht als ihren oder den Guru, sondern benutzen "Guru" wie seinen Namen.
Im Internet-Lexikon Wikipedia gibt es die Erläuterung des hinduistischen Begriffs Guru und zusätzlich eine Seite  mit einer "Begriffsklärung zur Unterscheidung mehrerer mit dem gleichen Wort bezeichneter Begriffe". Dort heisst es: Guru ist

 
 
 

"Scharlatan"

Der Begriff Schrlatan wird in dieser Website häufig genannt.
mit dem Begirff sekte hat er nur insoweit zu tun, als der führer einer Sekte auch ein Scharlatan sein kann.

Hier zwei Stimmen zum Begriff Scharlatan:

DER KNAUR - Universal Lexikon:

Scharlatan (ital.), jemand, der sich durch Redegewandtheit zu Unrecht den Ruf eines Fachmannes verschafft (bes. in der Med.)
Johann Wolfgang von Goethe:
"Es ist erbärmlich anzusehen, wie die Menschen nach Wundern schnappen, um nur in ihrem Unsinn und Albernheiten beharren zu dürfen, und um sich gegen die Ohnmacht des Menschenverstandes und der Vernunft wehren zu können"
(Goethe an Jacobi 1791).
 
 

Leserbriefe:
 
Betreff: (Kein Thema)  
Datum: Fri, 9 Apr 2004 05:24:11 EDT  
Von: Michaguben@aol.com  
An: Ingo.Heinemann@t-online.de  
wasd ihr geschieht ist vollste disgrimminirung und ich empehle ihnen erst einmal das wort sekte zu klären in einem Wörterbuch und sich mal damit einen scientologen zu unterhalten  
oder mal eine unsere kirchen zubetreten bevor sie sowas vom schtapel zulassen   
gruss matze
 
 
 
 



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