Ingo Heinemann: Scientology-Kritik 
   Adresse dieser Seite: window1.htm 
Zuletzt bearbeitet am 5.7.2011 
Beratung | Impressum | zur Homepage | zur Inhaltsseite | AGPF-Spendenkonto
 
 
 
 
Windows 2000 mit "Diskeeper" aus Scientologen-Firma:
Ein Sicherheitsrisiko

 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:
  • www.AGPF.de: Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt

 

Das Betriebsprogramm Windows 2000 geriet ins Gerede, noch bevor es auf dem Markt war.
Grund: eingebaut war das Programm Diskeeper.
Dieses stammt von der kalifornischen Firma Executive Software des bekennenden Scientologen Craig Jensen.
Dazu unten: Craig Jensen, Scientology-Anhänger

Es geht bei dieser Kontroverse allerdings nicht darum, daß Scientology-Anhänger für eine bestimmte Firma arbeiten.
Es geht vielmehr um ein Sicherheitsrisiko.

Der Umgang mit einem Risiko erfordert immer eine Prognose, vgl. Warum Scientology-Kritik?
Diese sieht bei der Scientology-Organisation nicht gut aus und auch Windows hatte damals ohnehin schon Probleme mit der Sicherheit.
 
 
 
 

Das Sicherheitsproblem

Nachdem bekannt geworden war, daß das Programm Diskeeper aus einer Scientologen-Firma eingebaut ist, wurde in der Presse nach der Sicherheit gefragt.

SPIEGEL ONLINE berichtete am 17.2.2000:
Scientology-Software
Spioniert Windows 2000 den User aus?
Neuer Gegenwind für Windows 2000: Jetzt wird das Betriebssystem auch vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) unter die Lupe genommen - wegen möglicher Sicherheitsmängel.
.... Überprüft werden soll vor allem, ob Anwenderdaten von der Festplatte unbemerkt an Dritte weitergeleitet werden könnten, erläuterte BSI-Sprecher Michael Dickopf. Auf diese Weise wäre es möglich, den Nutzer auszuspionieren.

 
 
 

Craig Jensen, Scientology-Anhänger
 
In der Scientology-Website mit Scientology-Bekennern 
http://on-line.scientology.org/ 
stellt Jensen sich vor: 
"Hello, my name is Craig Jensen, and here is a little bit about myself:  I am the Chairman and CEO of Executive Software International, a successful and award-winning software firm headquartered in Glendale, California. I am also a Scientologist. This adventure all began in 1974.... "
Jensen vor einem Ausschuss des US-Parlaments (unten): 
"Ja, es stimmt, daß ich Mitglied der Scientology Kirche bin und dies seit 25 Jahren".

 
 

Linux gegen Windows

Die Firma Microsoft - Hersteller des Windows-Betriebssystems - reagierte unwirsch.
Möglicherweise ist man dort auch auf den üblichen Universaltrick der Scientologen hereingefallen: "Wir können aus religiösen, rassischen oder sonstigen Gründen ohne einen gültigen Richterspruch niemanden davon ausschließen, mit uns Geschäfte zu machen," so der Microsoft-Sprecher.

Die Diskussion schlug um.
Denn das eigentliche Problem war nicht das Programm aus der Firma des Scientologen, sondern die Tatsache, daß Microsoft den Inhalt des Windows-Betriebssystem geheimhält.
Ganz anders das Betriebssystem LINUX.
Besonders den Behörden wurde deutlich, daß das Sicherheitsproblem mit Windows nicht zu lösen war, sondern nur mit Linux.
 
 
 

Craig Jensen, der Patron

Inzwischen hatte sich allerdings auch herumgesprochen, daß Craig Jensen keineswegs nur der einfache Mitläufer ist. Er ist vielmehr ein Patron, ein Großspender. Die Zeitschrift IMPACT 72, 1997 enthält seinen Namen und weist aus, daß er 250.000 Dollar in die Kriegskasse gespendet hat.
 
 
 

 
 
 
 

Craig Jensen im Scientologen-Feldzug gegen die Psychiatrie?

Die Zeitschrift zeigt auch drastisch, wofür das Geld bestimmt ist:
Zum Beispiel für den Feldzug gegen die Psychiatrie.
Einige Zitate aus dieser Zeitschriften-Ausgabe vgl.

Tilman Hausherr berichtet in BERLINER DIALOG 1-2000, net.update:
 
"Durch einen Artikel in der Zeitschrift c‘t wird nun auch einer breiteren Öffentlichkeit in Deutschland bekannt, daß die Scientologen-Firma "Executive Software“ an der Entwicklung des Computer-Betriebssystems "Windows 2000“ beteiligt ist, und dort den Plattendefragmentierer "Diskeeper“ einbringt.
httn://www.heise.de/ct/99/25/058/
Die Firma "Executive Software“ fiel bereits 1991 negativ auf, weil sie dem Pharma-Hersteller Ciba-Geigy teilweise den Wartungssupport verweigerte, weil diese "Ritalin“ herstellt, ein Medikament für "hyperaktive“ Kinder, welches von Scientology mit Propaganda bekämpft wird. Ein Mitarbeiter von Ciba-Geigy mußte sich u.a. den Vorwurf anhören, die Medizin "treibe Kinder in den Selbstmord“. "

 
 
Hier eine Vergrößerung aus dem oben abgebildeten Zeitschriften-Titel. 
Oben fliegt der Werbezeppelin mit der Aufschrift "Psychiatrie tötet". 
Unten Scientologen mit Plakaten: 
"Liebe mich, gib mir keine Drogen". 
"Ritalin macht süchtig". 
"Ritalin macht aus Kindern Drogensüchtige".
Die Scientologen-Firma hat also einem Käufer den Kundendienst verweigert, weil dieser ein Medikament herstellt, welches nach Meinung der Scientology-Organisation von Ärzten falsch verschrieben wurde.
Vgl. auch: Scientology gegen Ritalin

Angenommen das stimmt so:
Der Gedanke liegt nicht allzu fern, daß diese Firma ihre Marktmacht auch anders ausnutzt.
 
 
 

Craig Jensen vor US-Parlamentsausschuss: "Embargo"

Am 14.6.2000 wurde Craig Jensen von einem Ausschuss des US-Parlaments zum Thema "Die Behandlung religiöser Minderheiten in Europa" angehört.
So berichtet die Scientology-Website http://germany.freedommag.org/press/craig.htm
Dort wird auch die Aussage wörtlich wiedergegeben, wobei unklar ist, ob die Überschrift "Deutsches Embargo amerikanischer Produkte" richtig wiedergegeben oder eingefügt ist.
Jensen stellt sich als "Gründer, Eigentümer und Leiter" der Firma Executive Software vor.
Fakten nennt er so gut wie keine.
Craig Jensen trägt Meinungen vor:

"Ein ausländisches und besonders ein deutsches Embargo amerikanischer Software muß als feindselige Handlung angesehen werden. ...
Der Kauf von Software meiner Firma wird in Deutschland durch Erlaß der Regierung behindert und es wird versucht, ihn vollständig zu verbieten ....
Ja, es stimmt, daß ich Mitglied der Scientology Kirche bin und dies seit 25 Jahren".
Tatsache ist:
Das Programm selbst ist von der Debatte nicht betroffen.
Es geht nur um den Einbau in ein Windows-Betriebssystem.
Jeder Käufer muß zwangsläufig das Programm mit kaufen, wenn er das Betriebssystem kauft.
Und er kann nicht kontrollieren, was das Programm tut.
Nur dadurch wird daraus ein Sicherheitsproblem.
Es wäre auch dann ein Sicherheitsproblem, wenn eine Nachrichtenagentur das Programm produzieren würde.

Das Programm "Diskeeper" ist auch für sich allein zu kaufen (siehe unten).
Niemand hat dagegen Einwände gehabt und schon garnicht der Staat.
Es geht also nur um die Verbindung des Programmes mit Windows.

Eine solche Verbindung ist aber auch in den USA keineswegs unumstritten.
Dem Microsoft-Konzern droht bekanntlich sogar die Zerschlagung, weil er einen Internet-Browser - ein selbständiges Programm - derartig in Windows integriert hatte, daß der Kunde jeden Anreiz verlor, sich ein Konkurrenzprodukt anzusehen.

Bleibt abzuwarten, ob in den USA jemand den Begriff Embargo aufgreift.
 
 
 
 

Das Programm Diskeeper: nicht nur in Windows
 
 
Das Programm Diskeeper ist keineswegs nur zusammen mit Windows zu haben. Rechts eine Anzeige aus der Zeitschrift c't Nr. 8 aus 2000. Diese Zeitschrift hatte im übrigen als erste in aller Deutlichkeit darauf hingewiesen, daß in Windows das Programm aus der Scientologen-Firma enthalten war, vgl. http://www.heise.de/ct/99/25/058/

 
 
 
 
 
 

Die Drohung: "Scientologen unterstützen auch Linux"
 
 
Im Scientology-Magazin "Freiheit" (aus dem Jahr 2000, wie üblich ohne Datum, Titelfoto der Bayerische Innenminister Beckstein, Titelzeile: "Beckstein in der Sackgasse") findet sich auf Seite 1 der folgende Text: 
"Von der Chefredaktion: "Mittelalter kontra Microsoft" von Sabine Weber 
"Selbst der Umstieg auf ein anderes Betriebssystem würde da wenig nützen, ganz einfach deshalb, weil Scientologen - genauso wie Menschen anderer Glaubensrichtungen auch - in allen großen amerikanischen Computer-Unternehmen tätig sind oder auch Freeware-Systeme wie Linux seit jahren erfolgreich unterstützen. Sie gehen schlichtweg ihrem Beruf nach, und das offensichtlich mit Kompetenz. Daran werden weder die heuchlerischen Boykottaufrufe des evangelischen Sektenjägers Friedrich von Kymmel etwas ändern, noch die Drohgebärden des katholischen Großinquisitors Harald Baer oder die eher stillen Intrigen im Hause seines Schülers Hans Liebl, im erzbischöflichen Ordinariat München-Freising. Microsoft jedenfalls hat sich nicht erpressen lassen und weltweit ausgeliefert, auch in Deutschland. Und was jetzt? Für die Anti-Sektenbeauftragten und ihre Anhänger bleibt ja noch die gute alte Schreibmaschine. Mit viel Glück - mit sehr viel Glück - sind deren Hersteller noch reinen Glaubens. (..)"

 
 
 

Die Drohung ist eine Täuschung

"Der Umstieg auf ein anderes Betriebssystem würde da wenig nützen",
so die Scientology-Pressespecherin Weber,
"weil Scientologen ... auch Freeware-Systeme wie Linux seit jahren erfolgreich unterstützen".

Es geht bei dieser Kontroverse allerdings nicht darum, daß Scientology-Anhänger für eine bestimmte Firma arbeiten.
Es geht vielmehr um ein Sicherheitsrisiko.

Das Problem ist der "Quellcode", der Bauplan des Betriebssystems.
Der von Windows ist geheim. Niemand weiß, was drin versteckt ist.
Der von LINUX ist öffentlich.
Man kann ihn aus dem Internet abrufen.
Dort läßt sich nichts verstecken.
 
 
 

Waren mit unbekanntem Inhalt: bedenklich

Es ist anzunehmen, daß damit die Diskussion um eine Ware eröffnet wurde, die unbekannte Ingredienzien enthält. Das ist bei solchen Waren bedenklich, welche die Gesundheit oder die Sicherheit betreffen.
Deshalb werden ja auch die Inhaltsangaben bei gesundheitsrelevanten Waren immer präziser.
Es geht also längst nicht mehr um den Nachweis, daß im Programm etwas drinsteckt.
Sondern darum, daß man nicht offenlegen will, was da überhaupt drin ist.
 


Stuttgarter Zeitung vom 22.2.00

Windows 2000 startet mit Gegenwind

Behördliche Untersuchungen, Horrormeldungen über Fehler und ein starker Konkurrent: Linux

Pünktlich zur Computermesse Cebit beginnt am 24. Februar in Deutschland der Verkauf von Windows 2000. Zumindest propagandistisch droht es ein Fehlstart zu werden. Die Sympathien gehören dem nicht kommerziellen System Linux.

Von Rainer Klüting

Die Marktforscher der Unternehmensberatung Gartner Group empfehlen, Windows 2000 vorerst nicht einzusetzen, sondern zu warten, bis Microsoft mit einem ersten "Service Release'' die gröbsten Fehler bereinigt. In der Zwischenzeit empfiehlt Gartner einen genaueren Blick auf die "Open Source Software'', zu der auch das Betriebssystem Linux gehört. "Open Source'' heißt, dass diese Software grundsätzlich kostenlos ist und der Programmcode - der so genannte Source Code - veröffentlicht wird.

In einer "Notiz aus der Forschung'' vom 18. Januar, veröffentlicht im Internet unter
http://gartner12.gartnerweb.com/public/static/hotc/hc00085832.html,
schreiben die Autoren von Gartner: "Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Ansicht ist die Entwicklung von Open-Source-Programmen weder etwas Neues noch ein vorübergehendes Phänomen. Sie wird vielmehr in zunehmendem Maße im Umfeld von kommerziellen Anbietern und Konsumentenorganisationen entstehen. Wir empfehlen allen EDV-Organisationen, die derzeit aus grundsätzlichen Erwägungen keine Open-Source-Software kaufen, ihre Einkaufsprinzipien zu überprüfen.''

Gartner nennt mehrere namhafte Unternehmen, die schon heute die Open-Source-Bewegung aktiv unterstützen: IBM, Apple, O'Reilly and Associates und das jüngst an die Börse gegangene Linux-Unternehmen Red Hat. In Deutschland zählt dazu außerdem der kürzlich von Sun aufgekaufte Bürosoftware-Hersteller Star Division.

Windows 2000 konkurriert direkt mit Linux, weil es - wie der Vorgänger Windows NT - als Profibetriebssystem unter anderem für Netzwerkdienste angelegt ist. Auf diesem Sektor ist Linux besonders beliebt, weil es als zuverlässig und flexibel gilt. Linux-Organisationen nahmen den 17. Februar, das Datum des offiziellen Starts von Windows 2000 in den USA, zum Anlass, zu einem Linux-Informationstag aufzurufen. Ziel war es ausdrücklich, bei Partnerfirmen oder an öffentlich zugänglichen Orten Interessenten über die Vorteile von Linux aufzuklären, nicht aber gegen Windows 2000 zu polemisieren.

So hat beispielsweise die "Linux User Group Stuttgart'' (LUG-S) zusammen mit Linux-Anbietern abgespeckte Demonstrationsversionen von Linux verteilt. Auf ihren Informationsseiten im Internet
(lugs.faveve.uni-stuttgart.de/veranstaltungen
sowie
www. lug-s.org)
weist sie auf die Vorteile, aber auch auf Nachteile und mögliche knifflige Probleme bei der Installation von Linux hin. Es gebe "wenig kommerzielle Software'', die unter Linux läuft, nicht jede PC-Hardware werde unterstützt, und man laufe "Gefahr, auf die Nase zu fallen, wenn man immer das absolut Neueste haben will''.

Beispiel: Der "Universal Serial Bus'' (USB), inzwischen Standard in allen neuen PCs, wird in Linux derzeit nicht unterstützt. Grund: viele Hersteller wollen die technischen Spezifikationen ihrer Geräte nicht veröffentlichen. Auch Scanner und Wechsellaufwerke, die an den Parallelport des Rechners (Druckeranschluss) gesteckt werden, funktionieren mit Linux nicht oder nur eingeschränkt.

Doch die Unterstützung für Linux nimmt auch unter den Unternehmen zu. Sicher war es kein Zufall, dass ausgerechnet in diesen Tagen der Prozessorhersteller Intel Windows 2000 als langsam kritisierte. Man brauche mindestens einen Prozessor mit 250 Megahertz, sagte Intel-Vizepräsident Pat Gelsinger öffentlich und widersprach damit der Angabe von Microsoft, das neue System laufe auch auf einem Pentium-Rechner mit 133 Megahertz vernünftig. Erst kürzlich hatte Intel bekannt gegeben, dass es für eine neue Reihe von speziellen Internet-Zugangsgeräten Linux als Basis verwenden will.

Microsoft richtet sich mit Windows 2000 ausdrücklich an Kunden mit professionellen Ansprüchen. Das zeigen schon die Preise: Die kleinste Version, Windows 2000 Professional, kostet in Deutschland mehr als 800 Mark; der Umstieg von Windows NT schlägt immerhin noch mit mindestens 350 Mark zu Buche, und Umsteiger von Windows 95 oder 98 müssen 550 Mark oder mehr berappen.

Am billigsten bekommt man das System beim Kauf eines neuen Rechners. Dann kann man zudem sicher sein, dass das System auch läuft. Manch ältere PC-Komponente wird nämlich mit dem Neuling nicht funktionieren; besonders kritisch ist ältere ISDN-Hardware und Software. Wer Wert auf Computerspiele legt, ist ohnehin besser beraten, auf die "Windows Millennium Edition'' zu warten, den Nachfolger von Windows 98, der noch in diesem Jahr erscheinen soll.

Doch gerade weil Windows 2000 das Betriebssystem für den Profi sein soll, ist eine Nachricht katastrophal, die Anfang vergangener Woche die Runde machte. Nachrichtendienste wie der "Newsticker'' der Fachzeitschrift "c't'' zitierten aus dem Fachhändler-Blatt "Smart-Reseller'', das sich auf eine interne Nachricht aus dem Hause Microsoft bezog. Windows 2000 habe noch 63000 Fehler, soll Marc Lucovsky geschrieben haben, einer der Entwicklungsleiter bei Microsoft. Diese Fehler könnten zu "echten Problemen'' führen. Tests von Computerzeitschriften förderten in der Tat Mängel zu Tage. Das System versagte zum Beispiel, wenn die Stromspartechnik ACPI aktiviert wurde.

Nicht zuletzt ist Windows 2000 auf skeptisches Interesse bei Behörden in mehreren europäischen Ländern gestoßen. Eine Komponente des Systems stammt von einer Scientology-Firma. Die Komponente dient dazu, die Festplatte aufzuräumen - zu defragmentieren - und hat daher Zugriff auf sämtliche Dateien. Die SPD-Abgeordnete im bayerischen Landtag Monica Lochner-Fischer will nun in einer parlamentarischen Anfrage wissen, ob die bayerischen Behörden das neue Windows unter diesen Umständen einsetzen dürfen. Microsoft hat inzwischen eingewilligt, dass das "Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik'' (BSI) den Programmcode prüfen darf.

Schweizer Behörden halten Windows 2000 für zu teuer und prüfen die Preispolitik von Microsoft. EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti geht Beschwerden nach, Microsoft habe Netzwerkfunktionen in Windows 2000 so angelegt, dass sie nur zusammen mit weiterer Software aus dem Hause Microsoft funktionierten.

Auch ein französischer Importeur klagte vor einem EU-Gericht über Wettbewerbsbehinderung. Das Unternehmen hatte französischsprachige Microsoft-Programme in Kanada eingekauft, weil sie dort billiger waren. Microsofts Tochterfirma in Frankreich untersagte den Verkauf dieser Importe. Ein EG-Gericht erklärte die Beschwerde des Importeurs in der vergangenen Woche für berechtigt und zwang damit die EU-Kommission, sich des Falles anzunehmen.

Entschlussfreudig geben sich die Franzosen: Eine Initiative im französischen Senat zielt darauf ab, dass vom Jahr 2002 an alle Regierungsstellen nur noch kostenlose und im Quellcode veröffentlichte Software einsetzen sollen; das Kulturministerium stellt bereits auf Linux um.

Auch auf der Cebit stehen sich die beiden Produkte Windows 2000 und Linux in harter Konkurrenz gegenüber - und das auch in räumlicher Hinsicht: Microsoft präsentiert sich in Halle 2, das Linux-Umfeld in einem eigenen Pavillon in Halle 6.
 
 
 

BSI prüft Windows 2000 nicht
Heise online 3.11.2000

Nach monatelangem ergebnislosen Streit[1] um eine Sicherheitsüberprüfung von Windows 2000 durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) haben das Bundesinnenministerium und Microsoft sich anders geinigt: Die Auseinandersetzung um die in das Betriebssystem integrierte Defragmentier-Software, die von einer Firma aus dem Umfeld der umstrittenen Scientology-Organisation stammt, soll nun durch Deinstallation dieser Komponente aus der Welt geschafft werden.

Das Defragmentierprogramm in Windows 2000 wird von der kalifornischen Firma Executive Software hergestellt. Deren Direktor Craig Jensen bekennt sich offen zu seiner Mitgliedschaft bei Scientology. Windows 2000 gilt als das größte kommerzielle Software-Projekt der Computer-Geschichte und hat das Vorgängersystem Windows NT abgelöst. Nach einem c't-Bericht[2] über Vorbehalte in der katholischen Kirche wegen der Verstrickung mit der Scientology-Organisation wurden auch von Firmen und Regierungsbehörden Sicherheitsbedenken[3] laut.

Das BSI war daraufhin aufgefordert worden, die Sicherheit von Windows 2000 und des Defragmentierprogramms zu überprüfen. Doch während das BSI erklärte, dass eine seriöse Überprüfung ohne Einsicht in den Quellcode unmöglich sei, wollte Microsoft der deutschen Behörde den Einblick nicht gewähren[4] – ein Gegensatz, der offenbar auch in monatelangen Verhandlungen nicht aufgelöst werden konnte.

"Während der laufenden Gespräche über Art und Umfang dieser Überprüfung hat Microsoft ein Verfahren entwickelt, getestet und im Internet publiziert, mit dem das Tool komplett aus Windows 2000 entfernt werden kann", teilte Microsoft nun mit. Die Deinstallation ist im Internet beschrieben[5]. Damit habe jeder Windows-Anwender die freie Wahl, welchen der am Markt erhältlichen Defragmentierer er unter Windows 2000 nutzen wolle. "Auf Grund der gefundenen pragmatischen Lösung sind das Bundesinnenministerium und Microsoft übereingekommen, auf die aufwändige Überprüfung zu verzichten."

Bei einem Treffen in Berlin hätten die Staatssekretärin im Innenministerium, Brigitte Zypries, und der Chef von Microsoft Deutschland, Richard Roy, außerdem die Absicht erklärt, im Bereich der Sicherheit beim Einsatz von Betriebssystemen und im Internet verstärkt zusammenzuarbeiten, etwa bei der digitalen Signatur.

Unterdessen deutet sich an, dass auch der in Bonn ansässige Verband der Diözesen Deutschlands sich mit der technischen Lösung zufrieden geben will, die es ihm ermöglicht, seine Empfehlung zum Verzicht auf Windows 2000 zurückzunehmen.
Mehr im Bericht "Kuh vom Eis?" in der kommenden c't-Ausgabe 23/00 (ab Montag im Handel). (cp[6]/c't)

URL dieses Artikels:
  http://www.heise.de/newsticker/data/cp-03.11.00-000/

Links in diesem Artikel:
  [1] http://www.heise.de/newsticker/data/chr-30.03.00-002/
  [2] http://www.heise.de/newsticker/data/cp-03.12.99-000/
  [3] http://www.heise.de/newsticker/data/chr-30.03.00-002/
  [4] http://www.heise.de/newsticker/data/cp-03.03.00-000/
  [5] http://www.microsoft.com/IntlKB/Germany/support/kb/d43/D43422.htm
  [6] mailto:cp@ct.heise.de



Microsoft reagiert auf Sicherheitsbedenken
 
SPIEGEL ONLINE 3.11.2000: 
    Microsoft reagiert auf Sicherheitsbedenken: Microsoft hat sich im Streit um Windows 2000 mit dem Bundesinnenministerium geeinigt. Die Software "Diskeeper", die mit Scientology in Verbindung gebracht wird, kann künftig aus dem Betriebssystem entfernt werden.
 
 
 

Bundeswehr lizenziert eigenes Defragmetierungstool
 
COMPUTERWELT 51/200  MELDUNG VOM 05.01.2001  
Deutsche Bundeswehr lizenziert eigenes Defragmetierungstool  

Aus Sicherheitsgründen blieb Windows 2000 bis zuletzt aus den deutschen Amtsstuben ausgeschlossen. Der Grund liegt im Defragmentierungstool von Windows 2000, welches von der Scientology-Firma Executive Software entwickelt wurde. Da Scientology in Deutschland aus Sicherheitsgruenden "unter Beobachtung" steht, sah die deutsche Bundesregierung Windows 2000 als nicht sicher an. Microsoft hat zwar eine Methode zur Deinstallation des Defragmentierers veröffentlicht, doch änderte das an der Haltung des Verteidigungsministeriums gegenüber dem Betriebssystem wenig. Jetzt fand die deutsche Bundeswehr einen Weg, trotzdem Windows2000 auf den eigenen Rechnern Einzusetzen und kaufe als Ersatz ein Defragmentierungstool der Berliner Forma O&O Software. Der umfangreiche Vertrag sieht vor, dass zuerst die rund 105 000 PC und ca. 4000 Server der Bundeswehr mit dem Tool ausgestattet werden. Zusätzlich besteht die Option, dass alle Institutionen des öffentlichen Dienstes dem Rahmenvertrag beitreten können. Damit ist der Weg für Windows 2000 in die Rechner der öffentlichen Verwaltung in Deutschland geöffnet. (el) 

 



1. Version dieser Seite installiert am 12.9.2000


Impressum:
 


Die Website www.Ingo-Heinemann.de wurde eröffnet im September 1998