Ingo Heinemann: Scientology-Kritik
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REMID verteidigt Scientology

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Adresse dieser Seite: remid3.htm zuletzt geändert am 14.5.2000

Auf dieser Seite:

Zum Thema auch:

1991 veröffentlichte REMID eine Schrift zur Verteidigung der Scientology-Organisation.
Diese enthält zwei Schwerpunkte: REMID behauptet: "Aus bestimmten Eigeninteressen heraus wurden pauschale Werturteile gefällt und weit überhöhte Mitgliederzahlen der neuen Gemeinschaften in Umlauf gesetzt."

REMID-Forderung:

"REMID fordert, daß solchen Einrichtungen die Unterstützung gänzlich entzogen wird und daß nur solche Initiativen gefördert werden, die sachgerecht und vorurteilslos informieren und beraten."


1999 veröffentlichte REMID dann eine Liste mit Mitgliederzahlen.
Dazu: Damals wie heute stellt REMID Behauptungen auf, ohne diese zu begründen. Zum Beispiel:
"Die AGPF (ist) maßgeblich auf Betreiben der kirchlichen "Sektenexperten" gegründet worden."
Diese Behauptung ist falsch. Sie stimmt aber überein mit der Annahme der Scientology-Organisation, daß es stets Hintermänner gebe. Vgl. zur Suche der Scientology-Organisation nach den Hintermännern: "Plan für Untersuchung in Deutschland"
Richtig ist daran lediglich, daß an der Gründung auch kirchlichen Sektenexperten beteiligt waren, neben vielen anderen.


REMID verteidigt Scientology:
 
Diesen Text hat REMID 1991 verbreitet. Er enthält weder Datum noch Verfasser.
Später wurde klargestellt: "Vom Vorstand von REMID verabschiedet".
Zum REMID-Vorstand gehörten damals:
Martin Baumann M.A.
Sebastian Murken M.A.
Dipl.-Pol. Steffen Rink
Steffen Schweer (Geschäftsstelle)
 

REMID
Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e.V.

Stellungnahme zur gegenwärtigen Auseinandersetzung
um die Scientology-Kirche

ANLASS

1. Seit einiger Zeit wird in der Bundesrepublik gegen die Scientology-Kirche Deutschland eine breite Kampagne geführt. Anlaß sind die Aktivitäten der Scientology-Kirche und ihr nahestehender Organisationen, so in erster Linie die "new-era publications Deutschland GmbH“, die die Bücher des Gründers der Gemeinschaft, L. Ron Hubbard, vertreibt. In Hamurg versucht die "Initiative besorgter Eltern und Bürger Hoisdorf e.V.“, mit Hilfe der Bundestagsabgeordneten ihres Wahlkreises die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses zu erreichen. Ziel ist das Verbot der Scientology-Kirche und ihrer Einrichtungen.
Durch diese Initiative und durch die Entwicklung in den neuen Bundesländern sieht sich der Religionswissenschaftliche Medien- und Informationsdienst e.V. REMID zu folgender Stellungnahme veranlaßt.

DEBATTE

2. Durch die Verwendung falscher Begriffe wird eine sachliche Auseinandersetzung von vornherein erschwert. Die Scientology-Kirche Deutschland e.V. etwa wird. gemeinhin zu den sog. "Jugendreligionen" bzw. "Jugendsekten" gezählt, die Anfang der 70er Jahre verstärkt in der Bundesrepublik auftraten. Sie ist aber vielmehr zu den "Neuen Religiösen Bewegungen" zu zählen. Neue Religionsgemeinschaften konnten und können, u.a aufgrund sich differenzierender Wertmuster und nachlassender Verbindlichkeit existierender weltanschaulicher Grundlagen, in den westlichen Gesellschaften an Interesse gewinnen. Ihrem eigenen Anspruch nach bieten sie eine radikale Alternative zu bestehenden Strukturen und zeigen damit Wege aus der postulierten "Krise der Moderne".

3.  Vor allem die christlichen Kirchen übernahmen eine aktive Rolle bei der Stigmatisierung dieser Gruppen und bedienten sich dazu der öffentlichen und staatlichen Institutionen (siehe: Frank Usarski: Die Stigmatisierung Neuer Spiritueller Bewegungen in der Bundesrepublik Deutschland, Köln, 1988). Eine differenzierte Beschäftigung mit diesen Gruppierungen fand nicht statt. Aus bestimmten Eigeninteressen heraus wurden pauschale Werturteile gefällt und weit überhöhte Mitgliederzahlen der neuen Gemeinschaften in Umlauf gesetzt.

4.  Mit dem - auch publizistisch bedingten Nachlassen - der öffentlichen Aufmerksamkeit gerieten die Neuen Religiösen Bewegungen etwas aus dem Blickfeld. Nun standen das sog. "New Age“, der Okkultismus und der "Jugendsatanismus" im  Vordergrund. Gleichzeitig stellten einige der Neuen Religiösen Bewegungen ihre Aktivitäten ein oder beschränkten sie deutlich.

5.  Die Scientology-Kirche bildet hier eine Ausnahme. Seit Herbst 1989 führt der Verlag "new-era Publications" eine breit angelegte Werbekampagne in den Medien durch. Die Kirche versucht, neue Zentren zu eröffnen (Beratungsstellen, Schulen etc.). Dies führt in der Öffentlichkeit und in den Medien zu massiver Kritik. Diese Kritik ist jedoch interessegeleitet und genügt nicht den Erfordernissen einer auf Fakten basierenden Argumentation.

RELIGION - FINANZEN UND RECHT

6.  Der Scientology-Kirche wird der Status einer Religionsgemeinschaft abgesprochen. Sie wird als "Sekte", als von der Norm abweichende Gruppe dargestellt, deren primäres Ziel die wirtschaftliche (und psychische) Ausbeutung ihrer Mitglieder sei, wobei religiöse Motive nur zur Erreichnung dieses wirschaftlichen Ziels vorgeschoben würden. Der Sektenbegriff unterstellt das Idealbild einer "richtigen" und das Negativbild einer "falschen" Religion bzw. religiösen Grundhaltung. Dabei wird das Ideal von den bestehenden religiösen Gemeinschaften, hier in erster Linie der Römisch-katholischen Kirche und den Evangelischen Landeskirchen, abgeleitet.

7.  Demgegenüber ist festzustellen: Aus religionswissenschaftlicher Perspektive gibt es keine "richtigen" und "falschen" Religionen. Derartige Werturteile beziehen ihre Maßstäbe aus bestimmten ideologischen Überzeugungen und sind wissenschaftlich nicht begründbar. Das gleich gilt für den Begriff "Pseudoreligion".

8.  Die Religionsgeschichte kennt viele Formen der institutioriellen Ausprägung religiöser oder auch weltanschaulicher Überzeugungen, die jeweils historischen Veränderungen unterliegen. Diese institutionelle Ausprägung kann man als "Kirche" bezeichnen, wenngleich "Religionsgemeinschaft" der angemessenere Begriff wäre. Ob es sich um eine solche handelt, entscheiden die jeweiligen Mitglieder. Ihr Selbstverständnis darf nicht willkürlich in Frage gestellt oder gar abgelehnt werden.

Das Verhältnis von "rein" religiösen zu wirtschaftlichen Aktivitäten kann innerhalb einer Religionsgemeinschaft variieren. Insbesondere vor dem Hintergrund, daß in der Bundesrepublik Deutschland denjenigen Religionsgemeinschaften mit dem Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts nach Art. 139 GG (137 VI, WRV) die Eigenfinanzierung durch den Kirchensteuereinzug wesentlich erleichtert wird. Während die beiden großen christlichen Kirchen, zu denen ca. 90 % der Bevölkerung gehören, diesen Kirchensteuereinzug in Anspruch nehmen können, ist es für kleinere Gemeinschaften erheblich schwieriger, die finanziellen Mittel für die Aufrechterhaltung ihrer Organisationen und Leistungen aufzubringen. Insofern ist es verständlich, daß wirtschaftliche Aktivitäten einen größeren Stellenwert besitzen und daß, wie im Falle der Scientology-Kirche, Gebühren für Leistungen der Kirche relativ hoch erscheinen und in den letzten Jahren immensen Steigerungsraten unterlagen. Die Verwendung der Gelder sollte den Gemeinschaften überlassen bleiben, wie dies auch bei den Großkirchen der Fall ist. Hier wie dort wird niemand gezwungen, Beiträge zu leisten.

9. Das Grundgesetz und die Rechtsprechung der Gerichte und des Bundesverfassungsgerichts gehen aus guten Gründen nicht von einem Idealbild von "Religion" oder "Kirche" aus. Durch Art. 4 Abs. 2. und 2 des Grundgesetzes werden alle Religionsgemeinschaften unterschiedslos unter den Schutz des Grundgesetzes gestellt. Über Art. 139 GG i.V. mit Art. 137 V WRV werden lediglich für die Anerkennung als Körperschatt des öffentlichen Rechts bestimmte Ansprüche an eine Religionsgemeinschaft gestellt (ausformuliertes Glaubensbekenntnis, Gewähr der Dauer der Existenz der Gemeinschaft, ausreichende Mitgliederzahl).

10.  Aus grundsätzlichen Ewägungen heraus ist auch die Scientology-Kirche Deutschland e.V. unter den Schutz des Grundgesetzes zu stellen. Sie erfüllt alle in der Religionswissenschaft gängigen Merkmale einer Religion: Ihre Lehre weist einen Transzendenzbezug auf und ist für die Mitglieder bei der Bewältigung des Alltagslebens und bei Krisensituationen handlungsrelevant; sie interpretiert Vorgänge und Erscheinungen der Umwelt; es gibt tnstitutionalisierte Formen und Stukturen. Weitere, differenziertere Merkmale von Lehre und Praxis dar Scientology-Kirche, die sie als Religion ausweisen, lassen sich. religionswissenschaftlich aufzeigen.

INFORMATIONEN UND INFORMANTEN

11.  In der öffentlichen Auseinandersetzung wird der Scientology-Kirche die Möglichkeit der Eigendarstellung nur ungenügend eingeräumt. Vielmehr werden fast ausschließlich Aussagen "Ehemaliger" herangezogen, also von Personen, die sich aus verschiedensten Gründen wieder von der Scientology-Kirche und ihrer Lehre abgewendet haben. Daneben treten oftmals Eltern von Anhängern der Scientology-Kirche auf sowie die Sekten- und Weltanschauungsbeauftragten der beiden großen christlichen Kirchen.

12.  Hierzu ist festzustellen: Die primäre Heranziehung von Informanten, die nur indirekten oder stark interessegeleiteten Kontakt mit einer Religionsgemeinschaft haben, macht eine sachliche und detaillierte Diskusssion über Formen und Inhalte unmöglich.

Ex-Mitglieder haben, bedingt durch ihren Ablösungs- und Distanzierungsprozeß von der betreffenden Religionsgemeinschaft, eine deutliche Negativeinstellung zu diesem Teil ihrer früheren Identität.

Eltern haben verständlicherweise eine starke, emotionale Bindung an ihre Kinder, die es ihnen oftmals sehr erschwert, den radikalen Einschnitt in das Leben ihrer Kinder, wie ihn eine Konversion in der Regel mit sich bringt, nachzuvollziehen und zu akzeptieren.

Sog. "Sektenbeauftragte" vertreten von Amts wegen die Interessen ihrer Organisation. Stellungnahmen der Kirchen zu den Neuen Religiösen Bewegungen lassen eine Verunsicherung durch die neuen Phänomene und durch die offensichtlich nachlassende Bindungskraft der eigenen Institution erkennen. Die bewußte Stigmatisierung der neuen Gemeinschaften dient dazu, den von ihnen ausgehenden, vermuteten Gefahren zu begegnen. Wenn beinahe ausschließlich solche Personen als "Experten" zu Rate gezogen werden, die selber als Interessenvertreter konkurrierende Inhalte vertreten, steht das Ergebnis schon fest, bevor eine echte Diskussion überhaupt begonnen hat.

13.  REMID verkennt nicht, daß Aussagen dieser Informanten ihren Stellenwert haben können, wenn es darum geht, die Wirkungen von Gemeinschaften auf ihr unmittelbares Umfeld oder auf die Gesellschaft zu beschreiben. Da sie jedoch oft als einzige Quelle herangezogen werden, müssen notwendigerweise Zerrbilder entstehen.

NOTWENDIGE UNTERSCHEIDUNGEN

14. In der öffentlichen Kritik wird auf verschiedenen Ebenen argumentiert, was eine sachliche Bewertung der Scientology-Kirche wie auch anderer Neuen Religiösen Bewegungen verhindert. Die Kritik bezieht sich zum einen auf die Glaubens- und Lehrinhalte von Scientology (Bewußtseinstechnologie, Überschätzung der Möglichkeit von "technologischen“ Lösungen individueller und gesellschaftlicher Probleme, innere Unstimmigkeit und Irrationalität), zum anderen auf die Methoden der Mitgliederwerbung, auf die innere Struktur (Hierarchie) und auf die Ausgestaltung des Gemeindelebens (Kurse, Gebühren etc.).

15. Die Religionswissenschaft kann den Rationalitätsgehalt oder die innere Stimmigkeit einer religiösen Lehre nicht zum Beurteilungsmaßstab machen. Ebensowenig die in der religiösen Praxis verwendeten Gegenstände und Hilfsmittel.

Sicherlich läßt sich der bei der Scientology verwendete E-Meter, mit dem Bewußtseinsströrne gemessen werden sollen, hinsichtlich seiner Funktionsfähigkeit kritisieren. Aber auch bei einer nachgewiesenen Unwirksamkeit hätte er für die Anhänger einen völlig anderen Stellenwert (vgl. z.B. die christliche Hostie: Oblate oder Leib Christi?). Die Kritik an konkreten Inhalten einer religiösen Lehre sollte mit äußerster Vorsicht durchgeführt werden, da sie immer auch in eine Gegenkritik umschlagen kann. So spiegelt die von Scientology vertretene Überzeugung, individuelle Probleme bedürften zu ihrer Lösung nur der richtigen "Technologie", auch die allgemeine Technikgläubigkeit der westlichen Gesellschaften wider. Ebenso gehen die hohen Kursgebühren mit der allgemeinen Bewertung von Waren und Angeboten im Sinne von "je teurer, je besser" konform; des weiteren die Auffassung, Glück sei käuflich.

16.  In einer pluralistischen Gesellschaft ist das Bekenntnis zu einer religiösen Überzeugung zuallererst eine Angelegenheit das jeweiligen Individuums. Dessen Entscheidung muß akzeptiert werden. Auch sollte man Andersgläubigen die Rationalität und Selbständigkeit zugestehen, die man für sich selbst in Anspruch nimmt. Wenn Menschen in Entscheidungssituationen zu "alternativen" Problemlösungen greifen, ist es für bestehende Einrichtungen angebracht, zumindest einmal über ihre eigene Kompetenz und Akzeptanz nach zudenken.

17.  Wenngleich auf die durch das Grundgesetz geschützte Freiheit zur Religionsausübung verwiesen wurde, stimnt natürlich auch der Religionswissenschaftliche Medien- und Informationsdienst mit der ständigen Rechtsprechung überein, die eine Religionsausübung im Rahmen der sog. "Wertordnung" des Grundgesetzes bzw. im Rahmen der bestehendon Gesetze vorschreibt. Insofern sind Verstöße gegen die Rechtsordnung zu ahnden und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Solche Verstöße sind jedoch konkret nachzuweisen und dürfen nicht dazu mißbraucht werden, eine ganze Religionsgemeinschaft oder deren Anhänger pauschal zu diffamieren.

13.  Das bedeutet nicht zuletzt eine größere Zurückhaltung staatlicher Einrichtungen in der Diskussion um die Neuen Religionen. Der Staat ist zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet. Auch rechtfertigt die staatliche Verpflichtung zum Schutz der Jugend nicht die Förderung von Einrichtungen und Vereinen, die einseitig gegen die Neuen Religionen polemisieren und dabei mit falschen Informationen arbeiten. Im Falle der Neo-Sannyas-Bewequng ("Bhagwan-Sekte") hat deshalb das OVG Münster dem Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit zu Recht untersagt, die "Aktion für geistige und psychische Freiheit e.V." (AGPF) finanziell zu unterstützen (AZ: 5 A 584/86). Die AGPF wie auch andere Elterninitiativen sind maßgeblich auf Betreiben der kirchlichen "Sektenexperten" gegründet worden. REMID fordert, daß solchen Einrichtungen die Unterstützung gänzlich entzogen wird und daß nur solche Initiativen gefördert werden, die sachgerecht und vorurteilslos informieren und beraten.

19. Selbstverständlich müssen sich alle Institutionen, so auch die Religionsgemeinschaften, dem gesellschaftlichen Diskurs unterziehen und prinzipiell kritisierbar bleiben. Die Maßstäbe der Kritik sind jedoch in der Diskussion zu entwickeln und dürfen nicht von einzelnen Interessengruppen absolut gesetzt werden. Der Religionswissenschaftliche Medien- und Informationsdienst e.V. REMID ruft alle Beteiligten dazu auf, diesen Diskurs unter gleichen und freien Bedingungen zu führen..

 

AGPF-Stellungnahme dazu:
 
 
AGPF 12.12.91

Betr.: "REMID"-Stellungnahme "zur gegenwärtigen Auseinandersetzung um die Scientology-Kirche"

Sehr geeehrte Damen und Herren,

die beigefügte Stellungnahme (ohne Datum und ohne Verfasser) wurde der AGPF nicht etwa von REMID zugeleitet, sondern von der Jungen Union Baden-Württemberg. Demnach wird dieses Papier von der Scientology-Sekte verbreitet.

REMID bedeutet "Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e.V." Nach Eigenangaben sind seine Mitglieder überwiegend junge Religionswissenschaftler. Diese wollen ein "Informationsdefizit über Religionsgemeinschaften aus konfessionell ungebundener Quelle" abdecken, so der Vorsitzende, Martin Baumann, am 30.3.90 im "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt". Der Verein soll seinen Sitz in Marburg oder Bielefeld haben, ist aber im Telephonbuch nicht zu ermitteln.

REMID maßt sich offenbar die Oberkompetenz nicht nur in theologischen Fragen an, sondern auch in juristischen. REMID kritisiert, daß manche Sekten als "falsche Religionen" eingestuft werden, denen der Schutz des Grundrechts der Religionsfreiheit versagt werden soll. Nachdrücklich wird die "Initiative besorgter Eltern und Bürger Hoisdorf e.V." kritisiert, weil sie versucht,
"die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses zu erreichen. Ziel ist das Verbot der Scientology-Kirche", so REMID.

Juristisch gesehen gibt es sehr wohl "falsche Religionen", nämlich solche die sich zu Unrecht auf Artikel 4 des Grundgesetzes berufen, der die Religionsfreiheit schützt. Oder solche, die das Grundrecht der Religionsfreiheit mißbrauchen.

Das Bundesverfassungsgericht (BverfG 2 BvR 263/86 Beschluß v. 5.2.91) hat  sich dazu eindeutig geäußert. Hier noch einmal die amtlichen Leitsätze:

1. Allein die Behauptung und das Selbstverständnis, eine Gemeinschaft bekenne sich zu einer  Religion und sei eine Religionsgemeinschaft, können für diese und ihre Mitglieder die  Berufung auf die Freiheitsgewährleistung des Art. 4 Abs. 1 und 2 GG nicht rechtfertigen,  vielmehr muß es sich auch tatsächlich, nach geistigem Gehalt und äußerem Erscheinungsbild, um eine Religion und Religionsgemeinschaft handeln. Dies im Streitfall zu prüfen und zu entscheiden, obliegt - als Anwendung einer Regelung der staatlichen  Rechtsordnung - den staatlichen Organen, letztlich den Gerichten.
2. a) Zur Religionsfreiheit im Sinne des Art. 4 Abs. 1 und 2 GG gehört auch die religiöse  Vereinigungsfreiheit, wie sie sich aus dieser Bestimmung in Verbindung mit den  einschlägigen, durch Art. 140 GG einbezogenen Weimarer Kirchenartikeln ergibt.
 b) Der Gewährleistungsinhalt der religiösen Vereinigungsfreiheit umfaßt die Freiheit,  aus gemeinsamem Glauben sich zu einer Religionsgesellschaft zusammenzuschließen und  zu organisieren. Damit ist kein Anspruch auf eine bestimmte Rechtsform gemeint, etwa  die des rechtsfähigen Vereins oder einer sonstigen Form der juristischen Person, gewährleistet ist die Möglichkeit einer irgendwie gearteten rechtlichen Existenz einschließlich der Teilnahme am allgemeinen Rechtsverkehr."

Mit freundlichen Grüßen
Ingo Heinemann
Geschäftsführer
 

REMID-Replik
 
 
Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e. V. REMID 
27.02.92
Betr.: AGPF-Rundbrief vom 12.12.91
Erklärung
 

Der Religionswissenschaftliche Medien- und Informationsdienst e.V. REMID ist sehr enttäuscht über die Darstellung unseres Vereins in dem o. g. Rundbrief der Aktion für geistige und psychische Freiheit, Bonn.

Die Darstellung in dem Rundbrief ist nicht bemüht, Klärungen zu schaffen, die leicht möglich gewesen wären,zumal REMID auch mit der AGPF in Kontakt stand.

Wir möchten gerne folgendes feststellen:

Die Stellungnahme wurde im November 1990 vom Vorstand von REMID verabschiedet. REMID ist seit seiner Gründung im Jahre 1989 in Marburg ansässig.

Die Stellungnahme möchte die grundsätzliche Position der Religionswissenschaft in der Auseinandersetzung mit Neuen Religiösen Bewegungen wie mit "fremden“ Religionen überhaupt deutlich machen. Zur Scientology-Kirche und insbesondere zu den in jüngster Zeit erhobenen Vorwürfen gegen diese Gemeinschaft trifft die Stellungnahme keine Aussagen.

REMID hat zu allen religiösen und weltanschaulichen die gleiche Distanz. REMID vertritt selbst keine religiösen oder weltanschaulichen Interessen. Durch diese Basis sind wir der Auffassung, daß die Religionwissenschaft einen wichtigen Beitrag in den aktuellen Auseinandersetzungen und Diskussionen um sog. "Sekten“ oder sonstige Religionsgemeinschaften übernehmen kann, da sie eine unabhängige Institution und allein der Wissenschaftlichkeit der getroffenen Aussagen verpflichtet ist. REMID will zur Versachlichung und Differenzierung in den Auseinandersetzungen um "Sekten“ beitragen. Nicht zuletzt durch die Beobachtung der Medienberichterstattung sind wir der Auffassung, daß sich hier eine für die sich entwickelnde multikulturelle und multi-religiöse Gesellschaft wichtige Aufgabe ergibt. REMID fordert dazu auf, bei der Bewältigung dieser Aufgabe weder Berührungsängste noch einseitige Voreinstellungen wirksam werden zu lassen.

Wir laden alle Interessierten ein, sich mit uns in Verbindung zu setzen!

REMID, Alte Kasseler Str. 43, Postfach 2009, D-3550 Marburg.

Tel.: 06421 /64270 oder 681936.

gez.: Steffen Rink, Vorstand
 

REMID-Behauptung über Kontakt mit AGPF falsch

REMID behauptet in der Erklärung vom 27.2.92 (oben), daß "REMID auch mit der AGPF in Kontakt stand".
Diese Behauptung ist falsch.
Es hat keine Kontakte zwischen beiden Vereinen gegeben.

Steffen Rink schrieb am 29. Februar 1992 in einem Begleitschreiben zu dieser Erklärung an die AGPF:

"Wie Sie sich vielleicht erinnern, hat die REMID-Mitarbeiterin [Name], Bonn, bereits Anfang 1991 mit Ihnen Kontakt aufgenommen und ein Gespräch mit Ihnen geführt."
Nun ja, eine Frau hat angerufen und etwas von einem Verein erzählt, der eine Bestandsaufnahme über alle Religionen machen wolle ....
Was in diesem Zusammenhang der Begriff "Mitarbeiterin" bedeuten soll, weiß ich nicht.
Als "Mitarbeiterin" hat sie sich jedenfalls am Telefon nicht vorgestellt.
Zum REMID-Vorstand hat sie offenbar auch nicht gehört.
Es hat auch keine anschließende schriftliche Information gegeben.

Aus einem solchen Telefonat nachträglich einen Kontakt zwischen REMID und der AGPF zu basteln, ist unseriös.


Ingo Heinemann  1. Version 9.5.2000