Ingo Heinemann: Scientology-Kritik
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Interview mit David Mayo

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The Bare-Faced Messiah Interviews

Interview mit David Mayo,
Palo Alto, Kalifornien, 28. August 1986
 

David Mayo verbrachte 25 Jahre in der „Church of Scientology“, was ihn zu einer Person mit den meisten Erfahrungen über diese Organisation gemacht hat. Seine langen Erfahrungen als Auditor der meisten „Senior Scientologen“, einschließlich L. Ron Hubbard und seiner Frau, gaben ihm einen beträchtlichen Status. Nach internen Auseinandersetzungen verließ er 1980 die Organisation oder richtiger, er wurde entfernt und 1983 degradiert, als jemand, der „squirrlt“ dargestellt. Er blieb Hubbard und seinen Grundsätzen gegenüber jedoch loyal und gründete das „Advanced Ability Center (AAC), wo er Hubbards Technik weiter anwendete. Das AAC scheint nun aufgelöst.

Mayo wurde 1986 von Russell Miller, einem britischen Schriftsteller und Journalisten, interviewt und zwar für die unauthorisierte Biographie von Hubbard, Bare-Faced Messiah. In dem folgenden Interview gibt Mayo eine Übersicht über seine Erfahrungen in Scientology.
 
 
 

Interview – 28. August 1986
Meinen ersten Kontakt mit Scientology hatte ich während meiner Schulzeit durch einen Lehrer, der mir einige Bücher auslieh. Dies war in Auckland, Neuseeland. Ich schloß mich der Org Ende 1959 als Mitarbeiter an. Zu der Zeit war ich Student. Die Org bestand aus zwei Teilen, HASI (Hubbard Association of Scientologists International) und dem HCO Hubbard Communication Office). HCO war Hubbards eigenes Büro innerhalb der Org. Ich arbeitete ab Ende 1959 für das HCO und begann eine Korrespondenz mit ihm. Die Dame, die mich geworben hatte, Betty Turnbull, war für das HCO zuständig, Frank, ihr Ehemann, für HASI, LRH war unzufrieden mit Frank und begann, mir Briefe zu schicken, in denen er mich um eine Untersuchung der Angelegenheiten bat. Das Endergebnis war, daß beide gehen sollten, ansonsten gefeuert werden würden. Er warf ihnen vor, daß sie Kommunisten seien und versuchen würden, die Org und seine Pläne zu sabotieren.

Ich dachte, die Org sei dazu da, Menschen zu helfen und nun begann meine Korrespondenz mit dem Gründer über ein kommunistisches Komplott. Er schrieb mir eigenhändig Briefe und schickte Telegramme. Es war ein richtiger Schock. Ich bemerkte, daß ich die Dinge nicht verstehen konnte. Ich versuchte diese Art der Paranoia zu realisieren, denn für mich hatte der Mann herausragendes geleistet mit all seinen Büchern. Ich mußte einen Security Check bei Betty Turnbull machen und meine Empfehlung an Hubbard war, daß sie keine Kommunistin ist, hart arbeitet und er sie nicht gehen lassen soll. Ich sagte, sie sind absolut OK und er hat sie gefeuert.

Das erste Mal traf ich ihn Anfang 1962, als ich nach Saint Hill zum Briefing Kurs kam. Er war freundlich, normal (down to earth), die meiste Zeit persönlich und angenehm. In den späteren Jahren hat sich dies dramatisch verändert. Er wurde zu einem dieser Typen, der ständig über seine Tech redete und alle dazu aufforderte, ihn Ron zu nennen. Die Vergötterung hatte aber noch nicht begonnen. Ich schloß den Kurs Ende '62 ab und ging zurück nach Auckland bis Ende 1967. Ich machte eine weitere Reise nach Saint Hill 1965. Dann Ende 1967 trat ich in die Sea Org ein und begab mich nach Valencia, wo die Royal Scotman sich im Januar ' 68 befand.

Die Literatur, die ich vor meinem Weggang erhielt, war ziemlich irreführend. Sie beschrieb eine OT Basis und sprach über eine Land-Basis in irgendeinem Ausland. Es klang exotisch und aufregend und dort wollte Hubbard einige der unteren Bereiche erforschen und suchte dafür gut ausgebildete Leute aus, die daran teilnehmen sollten. Sofort als ich in Valencia ankam, nahm ich ein Taxi in den Hafen. Die Anordnungen von Hubbad waren ziemlich mysteriös. Im Hafen sah ich ein altes rostiges Schiff, das dort festgemacht war. Ich versuchte dem Fahrer klarzumachen, daß wir einen Fehler gemacht hatten. Er beharrte darauf, daß es richtig sei. Ich verließ das Taxi, ging auf das Schiff und stellte fest:“ Bei Gott, das ist der Ort.“

LRH war zu dieser Zeit nicht an Bord. Er arbeitete an der Mission Into Time. Er war voll mit Metalldetektoren und versuchte vergrabenes Gold zu finden. Das Schiff war rostig und dreckig und wir versuchten diesen Mist sauber zu bekommen. Es war zweifellos nicht diese exotische OT-Niederlassung! Nach einigen Wochen kam LRH zurück und war äußerst unzufrieden mit der Royal Scotman. Die Avon River kam in den Hafen zurück und wir waren alle froh ihn wieder zu sehen. Er schickte ein halbes Dutzend Sea Org Leute in Uniform auf unser Schiff, die extrem streng waren. Sie hatten die Anordnung nicht zu sprechen, sie gingen nur herum und erzählten, daß wir in einer sehr schlechten und niederen condition wären. Alles war sehr unerfreulich. Nach ein paar Tagen kam Hubbard an Bord, ebenfalls sehr verbissen.

Ich ging in den großen Raum, der als sein Büro benutzt wurde, sah ihn aber nicht oft, ausgenommen, wenn er einmal täglich seine Runden auf dem Schiff drehte. Er war extrem verärgert, lief schreiend herum und brüllte Anweisungen für die Leute. Keiner wußte, was los war – jeder versuchte mit ihm auszukommen.

Ich selber und ein paar andere Leute, die sich vertrauen konnten sprachen darüber. Solcherlei Dinge auszusprechen war ein Verstoß. Einige Besatzungsmitglieder waren sehr verängstigt darüber, daß keine Fragen beantwortet wurden und wenn man fragte, dann wurde man aus Scientology rausgeschmissen, was für die meisten Leute damals eine untragbare Angelegenheit bedeutete – man kann es sich nicht vorstellen. Die meisten waren sehr verunsichert. Hubbard bestellte alle zu sich, setzte sie an das E-Meter und fragte, ob sie irgendwelche Zweifel oder Widersprüche mit dem Gebrauch der Ethik hätten. Zeigte das E-Meter etwas an, dann wurden die Leute in den Zustand Zweifel gesetzt und teilweise rausgeschmissen. Dies alles geschah im Februar 1968.

Die eigentliche Kreuzfahrt begann einige Monate später. Ich wechselte auf die Avon River und die erste Advanced Org etablierte sich auf der Royal Scotman im Februar oder März ' 68. Vor der Kreuzfahrt wurde diese Advanced Org nach Alicante an Land gebracht. Ich ging von der Avon River nach Alicante und einige Punkte der Verpflichtungen begannen. Ich war im Mai/Juni ' 68 in Alicante. Dann nahm uns die Avon River auf (LRH war auf der Scotman) und wir fuhren über das Mittelmeer nach Tunesien, trafen dort die Royal Scotman und dann wechselte ich wieder auf die Scotman.

Im Februar 1968 versuchte ich ihn jeden Tag zu sehen, wenn er seine täglichen Runden auf der Scotman drehte. Dann ging er auf die Avon River und einige Tage später wurde ich auf die Avon River beordert. Als wir in Bizerte in Tunesien ankamen, arbeitete ich als Auditor auf der Royl Scotman. 1962 war er sehr persönlich und freundlich. 1965 war er um einiges strenger. 1968 war er praktisch die ganze Zeit nur noch ärgerlich. Keiner wußte warum. Ich denke, er hat heftigen Ärger bekommen – zu der Zeit wußte ich nicht warum – da er mit einigen Regierungen PTS war, aber überwiegend hat er sich selbst in diese Situation gebracht mit verschiedenen Ländern und war ständig an einem anderen Ort. Er zahlte keine Steuern in den US, plünderte die Orgs in den US, reiste im Land herum, lief vor seinem Büro in England davon, dennoch glaube ich nicht, daß es eine wirkliche Verfolgung von Scientology gab. Dann ging er nach Rhodesien und dort versuchte er Ian Smith zu stürzen und versuchte, sich vom Commonwealth zu trennen und wurde deshalb aus Rhodesien rausgeschmissen. Er bekam Einreiseverbot für England, konnte nicht mehr in die US zurück, da er von der IRS gesucht wurde. Er glaubte, in keinem Land mehr leben zu können, daher gründete er die Sea Org. Wir überprüften alle Länder, die ein Auslieferungsverfahren für die US und Großbritannien hatten und wenn ja, dann wollte er da nicht leben – und dies war überwiegend in der dritten Welt.

Mitte ' 68 wurde ich in die Advanced Org nach Edinburgh beordert und blieb dort bis Ende ' 79, danach ging ich wieder aufs Schiff. Von Januar ' 71 an war ich auf den Schiffen, bis die Sea Org an Land ging.
 

Sein Benehmen veränderte sich. 1968 war er wirklich sehr oft ärgerlich. In den frühen 70er Jahren änderte es sich, er war häufig krank. Manchmal war er bettlägerig und dann war es wunderbar ruhig. Gegen Ende des Jahres ' 70 ging es ihm wieder besser und er war freundlich. Dann wurde es ' 81 wieder schlimmer und er fiel zurück in seine aufbrausende Art. Es gab ein Meeting in Clearwater (Florida) mit einer Menge Mission holder von Flag (Land Basis in Clearwater), die sich über das Management beschwerten und protestierten. Als Hubbard es erfuhr, beschrieb er es als Meuterei und wurde noch üblerer Laune.

In den folgenden Jahren zog er sich immer mehr zurück.

Auf dem Schiff wurde ich oft von ihm für „technische Konferenzen“ gerufen. Ich habe eine Menge an seinen „Entdeckungen“ mitgearbeitet und zwar ab ' 73. Ich wurde von da ab sein C/S (Case Supervising) und habe ihn seit ' 73 auditiert.

Er pflegte den Meister der Marine zu spielen, indem er auf der Brücke erschien – meinte, jeder würde dann vor Angst beben und glauben, daß Köpfe rollen könnten. Der Steuermann käme durcheinander, wäre nicht auf dem rechten Kurs, der Navigator hätte keine korrekte Position und so weiter.

Er machte eine Menge Forschungen und hatte eine Menge von Leuten, die für ihn geschrieben und „geforscht“ haben. Viel von seinen „Forschungen“ bezogen sich auf das Solo Auditing. Er hat vieles an sich selber ausprobiert und hat mich angewiesen, es an anderen anzuwenden.

1979 in Hemet haben wir zusammen TV angeschaut und über seine Erinnerungen gesprochen. Er sprach über die Zeit, als er ein „Troubadour“ in den blauen Bergen war und herumgezogen ist, Gitarre spielend und Hill-Billy-Songs singend, womit er seinen Lebensunterhalt bestritten hat. Ich wußte nicht, was zutreffend war. Ich glaube, er hat es sich einfach ausgedacht, weil ich vorher nie darüber gehört hatte. Er hatte eine Gitarre und fing an Lieder zu singen. Er konnte ein wenig spielen, aber es klang sehr amateurhaft. Ich denke, er hat die Lieder geschrieben während er durch die Lande zog, aber sie klangen wie Hill-Billy-Songs. Ich auditierte ihn und hatte eine Wohnung neben ihm.

Ende September ' 78 wurde er krank und begab sich nach La Quinta. Er dachte, daß es eine FBI Untersuchung geben würde und Anfang ' 79 verließ er wieder La Quinta und begab sich in einen Apartmentkomplex nach Hemet. Später kam ich auch dort hin und auditierte ihn auf den NOTs. Mitte ' 79 begann er dann mit den Solo NOTs.

Nachdem die Sea Org an Land gegangen war, begab ich mich nach Daytona. LRH wohnte dort in einem separaten Gebäude. Wir übernahmen ein Motel und er wohnte praktisch nebenan, obgleich es ein Geheimnis sein sollte. Keiner von uns sollte wissen, wo er war, aber wir pflegten ihn zu sehen. Die Sea Org machte ein großes Geheimnis daraus, aber dennoch, man konnte ihn auf dem Balkon seines Hotels sehen. Uns wurde ein falscher Grund, ein sonderbarer Grund genannt, das niemand in das Hotel gehen soll, nicht mal zu einem Drink in die Bar, da es dort SP’s  (unterdrückerische Personen) gab, darum sollten wir weg bleiben. Niemand glaubte es, denn das war zu abwegig. Dann hieß es, er würde ins Motel kommen und würde uns fast jeden Tag für einige Wochen einen Vortrag halten. Er käme in einem Auto, wir konnten es sehen, wie es das Motel verließ, in die entgegengesetzte Richtung, um den Block fuhr und dann zurück kam. Einige der Boten lebten mit ihm, wir waren gewohnt, sie zu sehen, wie sie aus dem Hotel kamen und zu unserem Motel gingen. Wir waren alle daran gewöhnt, angeblich nicht zu wissen, wo er war.

Dann begaben wir uns nach Clearwater und Hubbard lebte in einem Apartment in Dunedin, 10-15 Minuten Fahrtzeit entfernt. Es sollte immer noch geheim sein. Die Mannschaft, die hin und her wechselte, wurde zur Geheimhaltung verpflichtet. Wir suchten einen Schneider, der seine Anzüge anfertigte und Hubbard erzählte ihm, wer er war und der Schneider erzählte es jemand von der lokalen Presse.

Dann ging er weg, begab sich nach Kalifornien nach La Quinta. Nach La Quinta ging er kurz nach Lake Paris und dann Anfang ' 79 begab er sich nach Hemet.

Im September 1978 war ich in Clearwater und wurde nach La Quinta beordert. Er war sehr krank. Dr. (Eugene) Dink war dort und versuchte herauszufinden, was mit ihm war. Er war sehr schwach, hatte sehr niedrigen Blutdruck, schwachen Puls und Temperatur. Er lag die meiste Zeit wie im Koma im Bett, ungefähr für 1 bis 2 Wochen. Er sprach nur sehr wenig. Er sprach sehr langsam und sehr ruhig. Ich wußte nicht, was ihm fehlte. Es stellte sich heraus, daß er Probleme mit dem Blut hatte, aber das war nicht der Grund, warum er im Bett war. Dink verschrieb ihm ein Blutverdünnungsmittel, das einen Schlaganfall verhindern sollte. Er wohnte in einem Bungalow im spanischen Stil in La Quinta. Er hatte ein Büro in seinem Bungalow, genau wie in allen anderen Gebäuden. Mary Sue war in LA an einem anderen geheimgehaltenen Ort.

Ich war von seinem Zustand sehr geschockt. Es gab eine Telexmitteilung an CMO (Commodore’s Messenger Org), das mich betraf, enthielt aber keinerlei Informationen. Es war allerdings absolut dringend und wichtig, daß ich mich sofort in das nächste Flugzeug nach LA setzen sollte. Es war alles ein absolutes Geheimnis. Ich wußte nicht genau, um was es ging und wie lange es dauern sollte. Also packte ich einige Kleidung in meinen Koffer, da ich nur 20 Minuten Zeit hatte, um zum Flughafen zukommen und außerdem durfte ich keinem erzählen, daß ich wegfuhr. Ich konnte noch nicht mal meine Frau sehen. Leute wurden angehalten, so zu tun als ob ich nirgends hingegangen sei. In LA wurde ich von jemand am Flughafen abgeholt, der mich kannte. Es war Nacht, als ich das Fahrzeug bestieg. Ich wurde zu einem Parkhaus gefahren, wo ich in einen anderen Pkw umstieg, dies geschah 2 – 3 mal in LA und zwar für den Fall, das wir verfolgt würden. Dann, im letzten Wagen wurden mir die Augen verbunden, denn ich sollte nicht erfahren, wohin wir uns begeben. Ich fragte jeden, was los sei und jeder erklärte mir, daß er es nicht wisse. Der letzte Fahrer erklärte mir, daß LRH krank sei und dies wäre der Grund, warum ich hier bin.
 

Ich erhielt seine PC (preaclear) Unterlagen, um sie durchzusehen. Nachdem ich dies gemacht hatte, begann ich ihn am nächsten sowie den folgenden Tagen zu auditieren. Kann Auditing Krankheit heilen? In dem scientologischen Klima, das in La Quinta herrschte, wäre die Antwort ein 100% Ja gewesen. Die richtige Antwort wäre allerdings nein. Sie bestreiten, daß eine körperliche Heilung beabsichtigt ist, während Hubbard im ersten Buch (Dianetik: Die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit, erschienen 1950) behauptet, es würde alles heilen, von der Diabetes bis zur psychosomatischen Krankheit. Hubbard stellt fest, daß der Grund für Krankheiten schlechtes Auditing ist, also war der Gedanke herauszufinden, was im Auditing schief gelaufen war und dies zu korrigieren – also wäre es eine geistige Heilung. Dink sagte mir, als ich kam, daß er kurz vor seinem Tod stehen würde und wußte nicht, wie er ihn in ein Hospital bringen konnte. Seine Überlegungen waren, daß er den Transport eventuell nicht überleben würde. Also bereitete er alles vor, um mit elektrischen Impulsen das Herz zu aktivieren und ihm entsprechende Medikamente zu verabreichen.

Die Boten, die sich um ihn kümmerten, stellten fest, daß er einen Auditor braucht. Zuerst hatte ihn Paulette Cohen auditiert, aber er war unzufrieden mit ihr und wollte jemand anderen. Dann wollte man, daß es Jeff Walker macht und ich war der Senior Fallüberwacher in Flag und sie dachten, daß sie mich dort nicht wegholen könnten. Jeff Walker machte sich auf den Weg, aber als Hubbard dies hörte machte er ihnen klar: „keine andere Möglichkeit, holt Mayo“, also haben sie mich geholt. Walker kam in LA an und befand sich dann auf der Rückreise, als ich ankam.

Zuerst gab ich ihm ein Beistandsauditing und half ihm, sich zu erholen. Wir hatten einige kurze Sitzungen jeden Tag, bis er ungefähr einen Monat später wieder hergestellt war.
 

Band 2:

Seine Persönlichkeit war zuerst wieder ganz die alte, sie wechselte zwischen extremer Freundlichkeit und Wut sowie angenehmem und freundlichem Auftreten. Bei einer Gelegenheit war er in guter Stimmung und entschied, daß ich seinen privaten Swimmingpool benutzen sollte. Dann brüllte er wieder die Mannschaftsmitglieder an, sie sollten sofort mit dem Auto in Stadt fahren, um mir eine Badehose zu kaufen. Ich erhielt es als Geschenk von ihm und wurde mehr oder weniger gezwungen, in seinem Pool zu schwimmen. Wenn er den Befehl gab, in die Stadt zu gehen, so hatte dies umgehend zu geschehen.
 

Er versuchte ins Filmgeschäft einzusteigen und die Org wurde Kino genannt, die Kino Org, und von den Mitarbeitern wurde erwartet, daß sie Filme machten. Er schrieb Vorlagen, aber keiner der Mitarbeiter konnte etwas recht machen. Es war eine sehr sehr schwierige Zeit für die Leute, die für das Kino arbeiteten. Sie hatten Tag und Nacht da zu sein und mußten versuchen, ihn zufriedenzustellen. Er lief mit einem elektrischen Megaphon herum und brüllte Anweisungen, auch wenn die Leute nur einige Schritte entfernt waren. Sie mußten das Bühnenbild nach Vorgaben aufbauen. Sie bauten das Bühnenbild unter der Zielvorgabe auf. Er kam, entschied, daß er es nicht gut fand, schrie herum, daß sie es geändert hätten, er wolle es in blau, nicht in grün. Einige der Mitarbeiter wurden in das RPF (Arbeitslager) geschickt und andere liefen eilig herum, um blaue Farbe zu finden. Dann wollte er wissen, warum es blau ist und nicht gelb.

Ich denke, einer der Hauptgründe, warum Hubbard krank wurde, lag wohl in seinen vielen Niederlagen und Frustrationen, dem Ärger, daß er den Film nicht fertig brachte. Er bekam regelrecht einen Kollaps. Dies schien alles eine sehr hohe Belastung für ihn zu sein.

Nachdem er sich wieder erholt hatte, widmete er sich seinem Film nicht mehr in der Weise wie vorher. Er machte mich zum Darsteller in einem seiner Filme. Manchmal mußte ich eine Sache immer und immer wieder wiederholen und nie konnte ich es recht machen. Zu laut, zu leise, nicht intensiv genug, zu intensiv, warum machst Du es nicht mit mehr Begeisterung? Es endete dann damit, daß er mit den Füßen aufstampfte, vom Set weglief, herumschrie, daß alles unmöglich wäre, niemand würde das tun, was er sage. Mir wurde gesagt, ich solle meine Rolle üben und es am nächsten Tag richtig machen. Jeder schlich herum und wartete auf die Explosion.

Ein Vorfall war sehr drastisch und relevant. Die Mannschaft war in einem ständigen Zustand von Furcht. Jede Anordnung, die von ihm kam, mußte in einem wahnsinnigen Tempo ausgeführt werden, oftmals die ganze Nacht, ohne Pause zum Essen und im stillen Gebet, daß alles in Ordnung gehen und keiner Ärger bekommen würde. Es war eine absolut heiße Zeit. Als ich dort hinkam, betrug die Temperatur 120 bis 130 Grad Fahrenheit in der heißen Wüste. Es war extrem trocken und man konnte leicht austrocknen. Es gab eine Periode, da liefen die Dinge sehr sehr schlecht. Einige der Mitarbeiter dachten, daß er die Sache einfach zu ernst nehmen würde und wollten ihn aufheitern. Sie machten Videos, einfach als Scherz, humorvolle Sketche, von denen sie dachten, daß es ihn amüsieren würde. Das Thema hatte mit Ereignissen zu tun, die ein oder zwei Tage vorher passiert waren, ein großes Ärgernis. Sie haben es nochmals aufgeführt als eine kleine Parodie, einfach damit es lustig ist und haben ihm das Video geschickt. Er hat es sich angesehen und weil es so lustig gemacht war, war er der Meinung, daß er nicht ernst genommen wurde, man sich über ihn lustig machte, zu einer Witzfigur werden ließ. Er schickte sie alle ins RPF. Es war wirklich schlimm. Sie wurden dem RPF zugeteilt, wurden bestraft. Es gab eine enorme Explosion, ein großes Komitee der Beweisaufnahme (scientologisches Gericht) wurde abgehalten. Ich stand vor seinem Büro und wartete, als er das Band anschaute, dann wollte er mich sehen. Ich habe niemals versucht, ihn zu sehen. Ich hörte ihn schreien und brüllen und die Boten liefen vom Büro rein und raus. Er kreischte, daß sie sich über ihn lustig machen würden. Er hat auf den TV geschossen. Danach wollte er die Namen der Beteiligten wissen. Dann dachte er, daß es wohl auch Personen gab, die nicht davon wußten – aber wie sollte er das heraus finden – dann wollte er auch diese Namen und schickte sie ins RPF. Ich dachte, daß es klug sei, ruhig zu bleiben und abzuwarten bis er sich wieder beruhigt hatte. Er hatte ein örtliches RPF, er hatte sie überall.

Ich blieb mit ihm in La Quinta, bis er sich Anfang ' 79 nach Hemet begab, ich glaube März ' 79. Dies geschah wegen einer möglichen FBI Durchsuchung. Er schrie deswegen tagelang herum, und zwar bevor es passierte. Es hatte drei Jahre vorher eine FBI Durchsuchung gegeben, denn kurz davor war ein Ehepaar schwer von ihm mißhandelt worden, Ernie Hartwell und seine Frau. Sie gingen weg, zurück nach Vegas und natürlich wurde dann ein Auto entdeckt, das Fotos von dem Grundstück machte. Das GO (Guardian’s Office) erhielt für Hubbard die Nachricht, daß die Hartwells mit dem FBI sprachen. Danach schickte das GO eine Nachricht, daß sich das FBI dafür interessierte, und dies löste die Abreise aus.

Ich glaube, er fuhr mit Mike und Kima Douglas in einem Wohnwagen weg. Sie fuhren zum Elsinore See, einer Gegend nicht weit entfernt. Sie blieben dort für ungefähr einen Monat und gingen dann nach Hemet. Während sie am Elsinore See waren, begaben sich alle anderen von La Quinta nach Gilman Hot Springs und im April ' 79 begab ich mich von Gilman nach Hemet. Es war abseits der Florida Straße – es gab zwei Hauptstraßen, eine State und eine Florida. Es gab ein sonniges Apartment hinter einer Klinik für Akupunktur. Wir mußten jeweils Umwege fahren, um das Apartment zu erreichen. Ich habe ihn dann weiterhin auditiert.

Der Grund, warum sie mich dahin schickten? Er wollte nicht zu viel Leute in Hemet haben – er war immer noch verärgert wegen der FBI Durchsuchung. Mir wurde erzählt, daß er Krebs gehabt hätte, einen Tumor, der von seiner Backe entfernt wurde (tatsächlich an der Stirn), und deswegen mußte ich ihn auditieren, vorerst für ein- bis zweimal am Tag, dann nach einer Woche zog ich in sein Apartment um. Ich blieb dort, bis er es im Februar 1980 verließ. Ich ging im Februar ' 80 für ungefähr eine Woche nach Hause, zurück nach Neuseeland, und in dieser Woche reiste er mit den zwei Broekers (Annie und Pat) ab.

Der innere Kreis in Hemet war Pat und Annie Broeker, Clarice Rousseau, Mike und Kima – und zwar bis sie abhauten – Warwick und Annie Allcock, Merrill (Mayo) und ich, sein Koch, Sinar Parinan, ein Putzmädchen namens Juanita, alles Sea Org Mitglieder. Wir hatten ungefähr fünf oder sechs Wohnungen.

An einem typischen Tag in Hemet stand er spät morgens auf, es wechselte ab. Üblicherweise war es ungefähr um 11 oder 12 Uhr, manchmal aber auch um 2 bis 3 Uhr nachmittags, manchmal auch schon um 8 bis 9 Uhr morgens. Stand er morgens auf, schlief er nachmittags für 3 bis 4 Stunden und arbeitete bis spät in die Nacht. Er machte seine Büroarbeit nach dem Aufstehen, managte die Orgs, schaute sich die Telexe an, stellte Reports zusammen, verschickte neue Anordnungen, einige als Diktate, andere als Telex. Danach hatte er Auditing-Sitzungen, danach beschäftigte er sich mit Verwaltungsangelegenheiten. Er verbrachte auch einige Stunden am Tag mit dem, was er Musik oder Aufnahmen nannte. Er spielte Musik und nahm sie auf verschiedene Bänder auf oder vermischte das ganze mit seinen Vortragsbändern. Er pflegte eine Menge dieser Bänder zu mischen. Er hatte jemand dort, einen Aufnahmeingenieur namens Steve, der die Bänder zu mischen hatte, aber Hubbard war nie zufrieden. Er verbrachte täglich Stunden damit. Er sah sich einige Filme an, schaute TV, manchmal las er ein Buch.

Im Sommer, aber manchmal auch im Winter, wenn es ein guter Tag war aber nicht zu heiß, ging er nachmittags nach draußen, um Fotos zu machen. Es war jedenfalls ein großer Umstand, ein halbes Dutzend Personen waren damit beschäftigt, ein oder zwei hatten die Kameras und die Filme zu tragen. Er wollte immer all seine Kameras und Zusatzgeräte dabei haben, alle unterschiedlichen Arten von Filmen – alles mögliche von dem er annahm, er könnte es brauchen. Alles mußte gekühlt sein und in Kühlvorrichtungen getragen werden. Sie fuhren ihn in einem speziellen Van, der immer vor der Abfahrt extra gereinigt werden mußte, eine Minute bevor er ging. Er hatte eine spezielle Klimaanlage und Luftfilter. Er lag in einem speziellen Bett auf dem Rücksitz, einer Art Sofa. Die Leute mußten draußen mitlaufen und an bestimmten günstigen Punkten nachsehen, ob niemand da war. Er wäre dann sofort wieder in den Van verschwunden. Er hatte auch eine seltsame Verkleidung an. Eine davon war eine Baseballkappe mit angeklebten falschen Haaren, eine hatte lange schwarze Haare bis auf die Schulter, eine hatte braune Haare. Er benutzte Schutzkappen und Perücken. Seine Kleidung war sehr unterschiedlich zu dem, was er sonst trug. Es ging sogar soweit, daß er Make up im Gesicht benutzte. Einmal ging er so weit, daß er Plastilin wie die Schauspieler nahm und sein Gesicht und die Haut damit veränderte, dadurch hatte er andere Backen und eine andere Gesichtsform. Er hatte verschiedene Namen und ließ sich von seinen Leuten Onkel rufen. Er hatte verschiedene Geschichten (Alibi) bereit – die häufigste, die er benutzte war die von geologischen Ingenieuren, die geologische Aktivitäten untersuchen. Der Van hatte verdunkelte Fenster und Vorhänge. Hemet liegt auf dem Land, man kann einige Meilen fahren und ist auf dem Land. Sehr oft fuhr er nach San Jacinto in die Berge, stieg aus und lief herum. Dort gab es einen Strom, den er sehr gerne fotografierte und dann verkaufte er die Bilder an die Orgs, um sie als Poster und für Reklamezwecke zu verwenden. Ich glaube er verlangte ungewöhnliche Summen, einmal waren es 5.000 Dollar für den Gebrauch von einem Foto. Es war eine Möglichkeit, Geld von den gemeinnützigen Orgs zu bekommen. Normalerweise haben ihn die Kuriere begleitet. Manchmal brachte ein Koch frische Sandwiches und kühle Getränke.

Manchmal machten sie auch einen Einkaufsbummel und er lief in Verkleidung herum. Er kaufte seltsame Dinge ein, einmal kam er zurück mit einem ganzen Bündel von Plastiktieren. Es gab ein Kaufhaus in Hemet, aber ich glaube, er ging meist nach San Bernardino. Er wollte ein Kaufhaus erwerben, irgendwo in Kalifornien und ich nehme an, er wollte eine Möglichkeit finden, es überaus profitabel zu machen. Möglicherweise wollte er aber nur sehen, was ein Kaufhaus war.

Die TROUBADOUR GESCHICHTE. Er ließ mich in seine Wohnung kommen. Ich ging hin, um zu sehen, was er wollte. Er sagte mir, ich solle mich setzen und fing mit seinen Erinnerungen an. Dann holte er seine Gitarre heraus. Ein anderes mal war der Fernseher an und er fragte mich an welchem Programm ich interessiert sei. Ich wußte nicht, was es im TV gab, da ich nie Zeit hatte es anzusehen – zuerst wunderte ich mich und dachte, er wolle nur prüfen, ob ich TV anschaue. Er wechselte von Kanal zu Kanal. Er vermittelte nicht den Eindruck, daß er etwas besonders bevorzugte, denn nach 5 bis 10 Minuten versuchte er einen anderen Sender. Er verbrachte die Abende damit, die Kanäle durchzusuchen. Die Troubadour Geschichte war nicht ganz überzeugend. Normalerweise war er mit Anordnungen und Arbeit ausgelastet und gab eine ganze Reihe von Anweisungen, die auch sofort ausgeführt werden mußten. Wenn er über seine Hill-Billy-Tage sprach, ziemlich aufrichtig für mich, war dies ein Moment frei von Arbeit. Ich habe mich nicht darum gekümmert, ob die Geschichten wahr waren. Ich wollte mich nicht in einen Disput einlassen. Am Ende der Geschichte klatschten wir alle Beifall – es waren noch zwei Kuriere dabei – niemand trug Uniform in Hemet. Er hatte bereits einiges gesungen, als ich dazu kam. Ich saß auf dem Fußboden zu seinen Füßen zusammen mit zwei Kurieren. Er beendete die Lieder und die zwei Mädchen klatschten, also tat ich es auch.  Dann erzählte er ein wenig über die Berge von Tennessee und sang andere Lieder. Es waren seltsame Lieder aber sie klangen nach Hill-Billy. Meistens reimten sie sich, aber eines nicht, es klang seltsam unmelodisch. Es ging mir durch den Kopf, daß er wohl improvisierte.

Als ich nach Neuseeland zurückging, wußte ich nicht, daß die Tage (Rons Rückzug in die Abgeschiedenheit) sehr nahe kamen. Er war ständig wegen möglicher Durchsuchungen besorgt. Es gab verschiedene Alarmanlagen in der ganzen Anlage und im rückwärtigen Bereich. Wir waren darauf gedrillt, was wir zu tun hatten, wenn jemand vor der Tür stand, der Marshal oder ein Mitarbeiter des FBI. Sie hatten ein Alarmsystem, wo sie durch das Drücken einer Taste am Bett den Alarm auslösen konnten und ein rotes Licht ging an. Damit waren die Wohnungen verbunden. Man konnte es auch von einem anderen Eingang bedienen. Der Eingang zu den Wohnungen, wo die Kuriere wohnten, hatte eine Alarmanlage, die in seinem Schlafzimmer klingeln würde. Sollte einer den Knopf drücken, würde es ihn und die anderen Kuriere wecken. Am Vordereingang der Wohnungen zur Straße hin gab es auch einen Weg, der direkt in die Parkgarage führte. Man konnte dort in ein Auto steigen und in eine andere Straße rausfahren. Ein Fahrzeug wurde immer in Bereitschaft gehalten. In La Quinta hatten wir immer verschiedene Autos, um zu verschwinden. Wir waren darauf gedrillt, was wir zu tun hatten, wenn jemand an der Tür war. Auf keinen Fall antworten, wenn jemand Suspektes klingelt. Sollte jemand nach LRH fragen oder wissen wollen wo er ist, oder nach Namen fragen - wir mußten alle Aliasnamen führen, meiner war Dan Majors, er mußte dem eigenen ähnlich sein und ähnlich buchstabiert werden, damit man nachher sagen kann, es sei eine Verwechslung gewesen. Wir mußten auch die Unterschrift üben, damit es ähnlich aussah wie D. Mayo. Wir sollten niemals etwas über Hubbard erzählen oder unseren wirklichen Namen. Wir mußten auf den Alarm achten, aber unsere Hauptaufgabe war, die Verzögerung, den Besucher aufhalten. Die Verzögerung sollte soweit gehen, daß LRH Zeit hatte, die Wohnung zu verlassen. Jeder in der Unterkunft konnte den Alarm hören und das rote Licht sehen. Wir waren angehalten, die Sache zu üben und gleichzeitig normal in unseren Wohnungen zu leben. Auf alle Fälle sollten wir keinerlei Aufmerksamkeit erregen.
 

Band 3:

Wir versuchten nicht, über seine Verhaltensweise nachzudenken, die war nicht rationell, aber alles, was man als nicht rationell ansah, wäre eine Diskreditierung von LRH gewesen und das konnte man sich nicht erlauben. Der Jo’bourg Sec Check – einer der Fragen war: “Haben sie je schlechte Gedanken über LRH gehabt?“ und man konnte in erhebliche Schwierigkeiten kommen, wenn man sie hatte. Also versuchten wir nicht zu denken.

Zu der Zeit kam mir der Gedanke, daß dies nicht ganz normal sein könnte, aber ich fand ihn auch genial mit dem was, er für den menschlichen Verstand getan hatte und ich hatte Ehrfurcht davor und dies stand mit all den anderen Dingen im Widerspruch, nur wie sollte ich es beurteilen. Wenn er Fehler hatte, dann waren sie doch winzig im Vergleich zu seinen sonstigen Taten.
Es gab auch noch andere Dinge, die mir bewußt wurden. Einige davon waren Informationen, die ich während der Auditingsitzungen erhielt. Außerhalb der Sitzungen fielen mir wieder andere Sachen auf; es gab Zeiten, da kamen Kuriere mit einem Koffer voller Geld, Bündel von Hundert Dollar Noten. Ich war bei 3 bis 4 Gelegenheiten im Zimmer, als einer der Kuriere mit einem Koffer voll Geld kam, beides in Hemet und Rifle (La Quinta). Er wollte es sehen. Der Koffer wurde geöffnet und er schaute sich das Geld an, schloß ihn wieder und brachte ihn ins Schlafzimmer. Er verbrauchte nicht viel davon und so dachte ich, es sei einfach Geld zum ausgeben. Manches davon wurde ausgegeben, aber nicht die ganze Menge. Er ging und kaufte sich davon eine phantastische Kamera. Sie kauften Edelsteine, die er in seinen Safe legte. Einer war ein Topas, wirklich sehr groß. Er ging und schaute sie sich in Juweliergeschäften an und entweder kaufte er sie selber oder schickte jemand, sie für ihn zu kaufen. Warwik Allcock kaufte sie für ihn. Er kaufte sie als Absicherung gegen eine Inflation, er dachte, der Dollar würde fallen. Eine Menge bewahrte er in einem Safe in seinem Wandschrank auf und dann gab es noch einen anderen Safe im Zimmer von Pat Broeker. Es wurde immer gesagt und geschrieben, daß er keinen Pfennig von Scientology erhält, in jedem Statement wurde darauf hingewiesen, daß er kaum Geld nimmt. Ich habe die Koffer kommen sehen und weiß, was wahr ist. Ich kümmerte mich nicht darum, ob er Geld hat oder ob er reich ist, ich dachte nur, daß er so viel Gutes getan hatte und dafür auch bezahlt werden sollte. Aber warum hat er deswegen gelogen?

Er erlaubte keinem mehr, Fotos von ihm zu machen, weil er älter geworden war und verlangte, daß man nur Bilder aus früheren Zeiten verwendete. Wenn jemand ein Foto von ihm machte, wurde es sofort konfisziert. Das war ein Teil von falscher PR und er war sehr daran interessiert, daß es keiner in der Öffentlichkeit erfährt. Ich diskutierte mit ihm über seine Glaubwürdigkeit. Ich sagte, daß seine Glaubwürdigkeit in Frage gestellt würde, wenn die Öffentlichkeit erfährt, das manches, was er von sich behauptete falsch ist. Die würde ein sehr schlechtes Licht auf seine Glaubwürdigkeit werfen.

Er war sehr besorgt, daß die Scientology über seinen Krebs/Tumor erfahren würde und das dies seine Glaubwürdigkeit untergraben könnte. Er dachte, dies könnte auch seine Tech und seine Anweisungen, die er herausgegeben hatte, beeinflussen.

Im Auditing wurden Sachen aufgedeckt über ihn selber und aus seiner Vergangenheit, Dinge, die er getan hatte. Es gab absolute Widersprüche in seiner Biographie und seinem Renommee. Es bestand keine große Gefahr für ihn, daß diese Dinge aufgedeckt wurden, da ich all mein Wissen vertraulich behandeln mußte und ich galt als sehr vertrauenswürdig und loyal. Hätte ich jemals darüber gesprochen, wäre ich aus Scientology rausgeflogen und dies wäre auch eine angemessene Strafe gewesen. Zudem bestand die Gefahr, daß ich verfolgt oder möglicherweise durch das GO getötet worden wäre, hätte ich jemals etwas erzählt. Ebenso habe ich Mary Sue auditiert und bei beiden das Auditing überwacht. Ich habe auch ihre Akten gelesen. Eine Menge der Top Leute aus dem GO haben mit mir über Dinge gesprochen, die ihr Gewissen belastet haben.

Es ging nicht darum, was ich entdeckt hatte. Ich habe mich nicht darum gekümmert, wo er geboren war oder ob er ein Kriegsheld war, das bedeutete mir nichts. Ich war kein treuer Anhänger von Scientology, weil er einen bedeutenden Kriegseinsatz hatte. Was mich störte, waren die Unterschiede zwischen dem, was er nach außen versuchte zu sein und was er in Wirklichkeit war. Ich begann zu verstehen, daß er nicht für die Menschheit etwas tun wollte, so wie er es wohl am Anfang getan hatte, aber in den späteren Jahren war ihm nur das Geld wichtig und in seinen eigenen Worten hatte er: „ eine unbändige Sucht nach Macht und Geld“.

Er erklärte mir, daß er von „einer unersättlichen Lust von Macht und Geld besessen sei“. Er sagte es mit Nachdruck. Er dachte, daß es nicht möglich sei, genug davon zu bekommen. Er äußerte sich nicht in dem Sinn, daß dies ein Fehler sei, es war lediglich seine Frustration, weil er nicht genug bekommen konnte.

Das war in Hemet zu einer Zeit, als er eine Form der einseitigen Konversation pflegte und kommentierte auch den Tagespreis des Goldes, ich weiß nicht, ob er hoch oder niedrig war, und dann begann er über Gold und Geld zu sprechen. Ich dachte, „mein Gott, das ist richtig“. Man neigte jedoch dazu, es nicht zu glauben.
 

Während des Gerichtsverfahrens von Mary Sue (1980) wurde er sehr sehr betrübt und ärgerlich mit Mary Sue. Er rief mich zu sich und sprach über sie, wobei er mir klarmachen wollte, ich solle versuchen sie zu einer anderen Vorgehensweise zu bringen. Über was er wirklich sehr betroffen war, zu Recht oder zu Unrecht, war die Tatsache, das Mary Sue während der Verhandlung eine Menge Dinge aufdecken würde, die er angeordnet hatte. Er bezog die Position, nichts zu wissen – aber nicht allein, daß er von allem wußte, er hatte die Aktionen auch angeordnet. Einige (Anordnungen) waren sogar in seiner eigenen Handschrift. Er war besorgt, das Mary Sue ihr ganzes Wissen darlegen könnte und wollte, daß ich bei ihr eine „Cramming Action“ durchführen sollte, damit sie seine Interessen wahren würde. Ich sollte ihr allerdings nicht sagen, wie sehr er besorgt war, daß sie ihn verraten könnte. Sie fragte mich allerdings. „Über was ist er denn so besorgt?“ Ich dachte, „Mein Gott, ich kann es ihr nicht sagen.“ Sie war sehr betrübt und stand unter Druck. Ich brachte nur zum Ausdruck, daß er vielleicht nur eine gute Idee gehabt hätte (dies war, während wir uns in Hemet aufhielten). Sie war bereits einmal im Gefängnis gewesen. In der Unterhaltung zwischen Hubbard und mir, bevor ich ging, kam zum Ausdruck, daß er sich von ihr scheiden lassen wollte „um jeden möglichen Kontakt mit ihr zu unterbinden.“ Ich war schockiert, ich dachte, wie kann er denken daß eine Scheidung ihn von jeder Schuld freispricht? Später hörte ich, wie Pat Broeker sagte, daß Hubbard über eine Scheidung von Mary Sue gesprochen habe, um sich so von den Aktionen des GO distanzieren zu können.

Mary Sue war in LA, als ich sie besuchte. Sie hatte ein Haus an der Mulholland, eine sehr vornehme Gegend mit Blick über das Tal. Sie hatte schon davon gehört, daß er sich von ihr scheiden lassen wollte und darüber war sie äußerst betrübt. Denn nach allem, was sie für ihn getan hatte, und daß es zahlreiche Gelegenheiten gegeben hatte, ihn zu verraten – sie hatte ihn wirklich gedeckt – zudem hatte sie die ganze Hauptlast auf sich genommen, konnte sie nicht glauben, daß er meinte, sie würde Verrat begehen. Diese Sache hat auch mir die Augen geöffnet.

Er war zu unglaublichen Grausamkeiten fähig. Auf der Royal Scotman gab es einen alten Mann, den er dazu erniedrigte, eine Nuß mit der Nase auf dem Deck herumzukicken. Er mußte auf seine Händen und Knien kriechen und zwar eine lange Distanz, über das ganze Deck, im Wettlauf mit zwei anderen, die ebenfalls in Ungnade waren. Dem ersten im Ziel wurden weitere Strafen erlassen, der letzte erhielt die doppelte Strafe. Es war wirklich hart für diesen alten Typ, Charlie Reisdorf. Die Oberfläche des Decks war aus ziemlich rohem Holz, voll Splitter, so daß alle durch das Nüsse kicken blutige rohe Nasen hatten und eine Blutspur hinter sich her zogen. Nicht nur ich habe es gesehen, die gesamte Mannschaft des Schiffs war versammelt – Anwesenheit war vorgeschrieben – und war aufgefordert, die Bestrafung zu beobachten als Beispiel für den Rest von uns. Reisdorf war etwa Ende 50. Seine zwei Töchter waren Boten, zu der Zeit 11 oder 12 Jahre alt und seine Frau war auch da. Es ist schwer zu sagen, was schrecklicher war, den alten Typ mit der blutigen Nase zu sehen oder seine Frau und Kinder, schluchzend und schreiend, weil sie gezwungen wurden zuzusehen. Hubbard stand dabei, kommentierte jeden Kick und schrie: „schneller, schneller!“ Es war beleidigend, erniedrigend, sollte den Willen der Person brechen und Personen einschüchtern. Es war ekelhaft.

Es war üblich, daß Leute bei den Ankerketten eingesperrt wurden, einschließlich kleiner Kinder. Das war sehr gefährlich, denn wenn der Anker zum Auslaufen runtergelassen wurde, kann dies einen Körper in kürzester Zeit zerquetschen. Ich habe Kinder gesehen, die bei der Ankerkette eingesperrt waren.

Am 13. März 1968 veranstaltete er eine Geburtstagsparty; er hatte eine Frau bestraft und sie im Loch der Ankerkette eingesperrt. Während der Party wurde sie herausgeholt. Sie war schmutzig, bedeckt mit Dreck und Rost und es wurde ihr nicht erlaubt, sich zu waschen oder die Kleider zu wechseln –sie war dort schon eine Woche. Sie war wirklich schmutzig – er holte sie und brachte sie auf die Party und erklärte uns, daß er ihr einen Strafaufschub gewährt indem er ihr erlaubt, zur Party zu kommen, was doch eine nette Geste sei. Es war ihr keinesfalls erlaubt, sich zu waschen oder umzuziehen, sie wurde so zur Party gebracht, mußte dableiben und wurde später wieder zurückgebracht (in den Kettenraum). Er sagte das er diesen Strafaufschub gewährt habe, aber er hat lediglich ihre Erniedrigung zur Schau gestellt. Es sah aus, wie wenn er manches etwas leichter gemacht hätte und die Leute dachten, alles würde besser werden, dann passierten aber solche Sachen und die Leute waren entsetzt, es vermittelte den Eindruck einer unheilvollen Entwicklung.

Warum nahmen die Menschen das hin? Einer der Gründe davon war, das keiner auffallen wollte und alle hofften, weit genug in der Org hochzukommen und eine führende Position zu bekommen, ganz oben auf dem Org Board in der Meinung, „nun ist es mir möglich die Dinge zu ändern.“ Ein sehr hoher Prozentsatz der Mitarbeiter hoffte, daß der Tag kommen würde, an dem sie etwas ändern könnten.

Von Zeit zu Zeit unterließ Hubbard solche Aktivitäten wie die Sache mit der Ankerkette, gab einfach anderen die Schuld. Er sagte, daß niemand durch ihn oder seine Befehle bei der Ankerkette eingesperrt werden sollte und daß Baron Burez ein schreckliches Monster war, der die Leute bei der Ankerkette eingesperrt hätte. Baron war ein Mannschaftsmitglied aus den USA und fiel in Ungnade. Er machte solche Aussagen wie, „ich habe gerade bemerkt daß...“

Die Zeitspanne für die Kinder wechselte, aber keines war unter einem Tag dort drin. Der Durchschnitt war eine Woche oder zwei. Drei Wochen waren das absolute Maximum. Das Alter spielte keine Rolle. Die jüngsten Kinder waren 5, 6 oder 7 Jahre alt. Alt, jung, Mann, Frau, groß, klein, es spielte keine Rolle, weil bei Scientology das Wesen zeitlos ist, also denkt man nicht in den Begriffen wie jung oder wie alt jemand ist.

Die Angelegenheit mit Reisdorf – hätte irgend jemand versucht, etwas zu unternehmen, wäre es ihm schlecht bekommen. Hubbard sagte, daß das Gesetz der Meere wie in den Tagen von Hornblower vorherrscht, als der Kapitän eines Schiffes die gleiche Gewalt habe wie der allmächtige Gott. Er sagte, daß er durch das Gesetz der Meere die absolute Gewalt über jeden auf dem Schiff habe.

Die Idee, über Bord geworfen oder am Strand ausgesetzt zu werden, war schrecklich. Manchmal wurden Leute in wirklich gefährlichen Ländern von Bord geschickt, wie Algerien und Tunesien. Von Bord schicken bedeutet, an Land gebracht zu werden, ohne Paß und ohne Geld, nur mit den Kleidern, die man auf dem Leib trägt, total auf sich selber gestellt. Als ich in die Sea Org eintrat, habe ich oft darüber nachgedacht, nach NZ zurück zu kehren, aber ich war ein bißchen naiv zu der Zeit und fand die Idee, an Land gesetzt zu werden sehr reizvoll. Ich wußte nicht, wie man Geld bekommen könnte, um nach Haus zu gelangen. Die andere Seite war die, daß man für immer aus Scientology rausgeschmissen wurde, zurück in die schreckliche Welt der „Wogs“.

Scientology kann nicht geführt werden wie das AA (Mayo’s zerbrochenes Advanced Ability Center), weil Hubbard in seinen Policy Letters nicht festgelegt hat, wie es zu führen ist. In den Anfängen beschrieben einige Witzbolde das erste Buch über Dianetik als „Gebärmutter mit einer Aussicht“.
 



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