Ingo Heinemann: Scientology-Kritik
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 Der Athen-Prozess

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Zum Thema auch: Werbung, Leistung, Preise  -  20 Jahre Wucher, 20 Jahre Betrug


Aus der Website des Bayerischen Innenministeriums
www.innenministerium.bayern.de/

Oberlandesgericht Athen (Griechenland):
Auflösung der Athener Scientology-Niederlassung vom 20.12.1996 durch das Landgericht Athen als rechtmäßig bestätigt
Beschluß vom 16.12.1997 (Nr. 10.493/1997)
(Auszüge)

In seinem Beschluß trifft das Oberlandesgericht unter anderem folgende Aussagen (Auszüge):

Zum angeblichen Religionsstatus:

„Insbesondere aus der großen Anzahl von Schriftstücken ...... geht hervor, daß diese (Anm.: SO-Verein) nicht eigenständig im Sinne der Unabhängigkeit und Autonomie ist, sondern der Abzweig einer internationalen Organisation mit Zentrum in Dänemark (Kopenhagen) und Amerika (Los Angeles) mit Namen ‘Scientology’ ist. Diese Organisation tritt in bestimmten Staaten als Religion auf (Church of Scientology), in Griechenland hingegen als ‘KENDRO EFIRMOSMENIS FILOSOFIAS ELLADOS (KEFE) (Griechisches Zentrum für angewandte Philosophie). Um die Vorteile der Anerkennung als ‘Religionsgemeinschaft’ (wie z.B. währungspolitische und steuerliche Vergünstigungen) zu genießen und auch um verfassungsmäßigen Schutz zu erlangen, tritt sie auch unter dem Deckmantel der religiösen Bewegung auf, obwohl ihre Ziele anderer, hauptsächlich kommerzieller Natur sind."

Zur Kritikerverfolgung:

„Nach der letzteren (Scientology) ist moralisch und gerecht, was zur Ausbreitung und Weitergabe ihrer Theorien beigträgt, aber auch alles, was dieser nicht entgegensteht. Jedwede Reaktion oder jeder Widerstand gegen sie wird als ‘zu behandelnde’ Quelle möglicher Probleme angesehen. Auf alles negative gegenüber der gesamten Theorie der Scientology und der Verwirklichung ihrer Ziele wird sofort die Politik der ‘Agentenvernichtung’ angewandt, im Sinne der Untergrabung seines Rufes und des Angriffs, um den entgegengesetzten Widerstand zu brechen. Ferner werden alle aus der Vereinskörperschaft (dem Berufungsgegner) gleich aus welchem Grunde austretenden Mitglieder einerseits ständig telefonisch von den hierfür Zuständigen belästigt, um deren Wiedereintritt zu bewirken, andererseits werden sie als ‘Feinde’ bezeichnet, die ‘Verrat begangen’ haben. Diese vom Berufungsgegner verfolgte Praktik, die Folge der Theorie ist, die dieser vertritt, macht jedweden Begriff von Grundrechten hinsichtlich der (freien) Meinungsäußerung zunichte, aber auch das verfassungsgemäß zugesicherte Grundrecht auf die Personenvereinigung, welches wohlgemerkt auch das negative Recht beinhaltet, an Vereinskörperschaften nicht teilzunehmen."

Zur Gesetzwidrigkeit des Auditings und des Reinigungs-Rundowns:

„Beide oben genannte Verfahren (Anm.: Auditing und Reinigungs-Rundown) sind völlig willkürlich und vor allem gesetzwidrig, wobei ihre Gesetzwidrigkeit darin besteht, daß keine Maßnahmen zur Vorbeugung oder zum Schutz getroffen werden, obschon die Verfahren gemäß der obigen Ausführungen gewisse Risiken für die Gesundheit der so Behandelten bergen."

7. Zur grundsätzlichen Bewertung des SO-Vereins:

„Aufgrund dessen, und als völlig logische Notwendigkeit, die die Möglichkeit jeder anderen Version ausschließt, wurde vollständig erwiesen, daß der Berufungsgegner eine Vereinigung mit totalitären Strukturen und Tendenzen ist, die den Menschen im Grunde verachtet, wobei sie oberflächlich frei handelt lediglich mit dem Ziel, Mitglieder zu rekrutieren, die in der Folge der Gehirnwäsche unterzogen werden, mit allen vorgenannten Verfahren und Theorien und dem Ziel der Gedankenkontrolle, aber auch zum Brechen des Widerstands (Grundlegende Positionen des Gründers der Scientology), so daß wir es schließlich mit willenlosen Kreaturen zu tun haben, die ihre Entscheidungsfähigkeit auf Grund des freien Willens verloren haben, nachdem sie alle Stadien der Lehren der Scientology durchlaufen haben. Angesichts dieser Tatsachen ist der Berufungsgegner in keinem Falle legitimiert, sich auf die Verletzung der Rechte sowohl der Religionsfreiheit zu berufen, da er doch in seiner Satzung ausschließlich als philosophische Vereinskörperschaft auftritt, als auch der freien Meinungsäußerung, denn der Schutz der beiden oben genannten verfassungsmäßigen Grundrechte steht unter der selbstverständlichen Einschränkung der Nichteinschränkung der Rechte anderer wie z.B. dem auf Gesundheit, welches vom Berufungsgegner durch seine Tätigkeit beeinträchtigt wird."

8. Zum wirtschaftlichen Charakter des SO-Vereins:

„Darüber hinaus ergibt sich anhand des eingereichten Beweismaterials vollständig, daß die betreffende Vereinskörperschaft bereits seit Jahren eine genehmigungspflichtige gewinnorientierte Tätigkeit ausübt."

9. Schlußfolgerung:

„Angesichts dieser Tatsachen und da vollständig erwiesen ist, daß einerseits der Zweck des betreffenden Vereins von einem nicht gewinnorientierten in einen gewinnorientierten abgeändert wurde, andererseits auch dessen Tätigkeit gesetzwidrig ist, ist der gerichtliche Antrag anzunehmen und ihm auch in der Sache stattzugeben und die Vereinskörperschaft ist aufzulösen. Somit hat das Gericht der ersten Instanz, das mit seiner angefochtenen Entscheidung zur selben Entscheidung kommt, keinerlei Verfahrensfehler begangen."