Ingo Heinemann: Scientology-Kritik 
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Zuletzt bearbeitet am 1.5.2013 
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Scientology: Wucherpreise
Wer Wucherpreise bezahlt hat, kann das Geld zurückfordern.
Wer Wucherpreise kassiert, kann bestraft werden.
 
 
 
 
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  • www.AGPF.de: Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt

 

Wer Wucherpreise bezahlt hat, kann das Geld zurückfordern.
Wer Wucherpreise kassiert, kann bestraft werden.

Wikipedia: "Wucher bezeichnet das Angebot einer Leistung zu einer deutlich überhöhten Gegenleistung unter Ausnutzung einer Schwächesituation eines Vertragspartners."
 
 
 
 
 
 

Die Gesetzestexte:
 
Bürgerliches Gesetzbuch BGB (Stand 4/2013) 

§ 138 BGB Sittenwidriges Rechtsgeschäft; Wucher 

(1) Ein Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, ist nichtig. 
(2) Nichtig ist insbesondere ein Rechtsgeschäft, durch das jemand unter Ausbeutung (> 

    der Zwangslage,  
    der Unerfahrenheit,  
    des Mangels an Urteilsvermögen  
    oder der erheblichen Willensschwäche 
eines anderen  
sich oder einem Dritten  
für eine Leistung Vermögensvorteile versprechen oder gewähren lässt,  
die in einem auffälligen Missverhältnis (>) zu der Leistung stehen. 
Strafgesetzbuch (Stand 4/2013) 

§ 291 StGB Wucher 

(1) Wer die Zwangslage, die Unerfahrenheit, den Mangel an Urteilsvermögen oder die erhebliche Willensschwäche eines anderen dadurch ausbeutet, daß er sich oder einem Dritten 

    1. für die Vermietung von Räumen zum Wohnen oder damit verbundene Nebenleistungen, 
    2. für die Gewährung eines Kredits, 
    3. für eine sonstige Leistung oder 
    4. für die Vermittlung einer der vorbezeichneten Leistungen
Vermögensvorteile versprechen oder gewähren läßt, die in einem auffälligen Mißverhältnis (>) zu der Leistung oder deren Vermittlung stehen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Wirken mehrere Personen als Leistende, Vermittler oder in anderer Weise mit und ergibt sich dadurch ein auffälliges Mißverhältnis zwischen sämtlichen Vermögensvorteilen und sämtlichen Gegenleistungen, so gilt Satz 1 für jeden, der die Zwangslage oder sonstige Schwäche des anderen für sich oder einen Dritten zur Erzielung eines übermäßigen Vermögensvorteils ausnutzt. 

(2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter 

    1. durch die Tat den anderen in wirtschaftliche Not bringt,
    2. die Tat gewerbsmäßig begeht, 
    3. sich durch Wechsel wucherische Vermögensvorteile versprechen läßt.
 
Anmerkung zu § 138 BGB:  Wenn kein Wucher nach § 138 Absatz 2 vorliegt, kann das Rechtsgeschäft trotzdem nach § 138 Absatz 1 sittenwidrig sein.
 
 

Das "auffällige Missverhältnis" von Leistung und Gegenleistung

Wucher setzt voraus, dass Leistung und Gegenleistung in einem "auffälligen Missverhältnis" stehen.
"Ausgangspunkt für die Beurteilung ist die Ermittlung und Gegenüberstellung des objektiven Wertes der beiderseitigen Leistungen" (Palandt 72.Aufl. 2013 § 138 Rdnr. 66).
Die Rechtsprechung wendet in der Regel die "Grenze des doppelten" an.
Wucher leigt demnach vor, wenn der Preis mehr als doppelt so hoch ist, wie marktüblich.
Eine genaue Grenze gibt es aber nicht, schon weil "marktüblich" meist nicht genau feststellbar ist.
 
 

Scientology-Wucherpreise

Beim Auditing werden Fragen gestellt, die Gefühlsreaktionen hervorrufen sollen, wodurch angeblich "Engramme" beseitigt werden, negative Prägungen.  Eventuell ist zu differenzieren, ob lediglich das Wohlbefinden verbessert werden sollte, oder ob krankhafte Zustände beseitigt werden sollten. 
Oberste Grenze dürfte der Vergleich mit einer Psychotherapie sein, zumal "Auditoren" keine akademische Ausbildung haben.
Die Krankenkassen bezahlen pro Psychotherapiestunde etwa 81 Euro.
Spätestens bei mehr als 200 Euro pro Stunde dürfte also die Grenze zum Wucher überschritten sein.
Beispiele dafür unter Preise.htm

Ein Überblick über die Preise aus den Internet-Texten von Operation Clambake (www.xenu.net): The Cost Of Scientology WHAT DOES SCIENTOLOGY TRAINING AND MEMBERSHIP ACTUALLY COST?

In einer deutschen Preisliste findet sich ein Preis von 3.096,69 DM pro Stunde für "Introsp. RD".
In einer Preisliste aus Advance! Nr. 85 aus 1985: Stundenpreis 1.795,20 DM
 
 

Ausbeutung

Voraussetzung für Wucher ist weiter die "Ausbeutung der Zwangslage, der Unerfahrenheit, des Mangels an Urteilsvermögen oder der erheblichen Willensschwäche" (>).

Die Scientology-Organisation beutet planmäßig die Unerfahrenheit ihrer Kunden in Bezug auf die Wirksamkeit (psychologischer) Verfahren und Geräte aus.
 

Wucher kann auch als Lohnwucher vorliegen, wenn nämlich die Unerfahrenheit der Arbeitnehmer ausgebeutet wird. Die Scientology-Organisation bezahlt ihren Mitarbeitern nach wie vor meist nur ein Gehalt von etwa 300.- DM monatlich, bei 10 Stunden Arbeit pro Tag, 6 Tage die Woche. Auch hier wird die Unerfahrenheit der Mitarbeiter planmäßig ausgebeutet, die nämlich glauben, als Gegenleistung für die Minderbezahlung ein "kostenloses Studium" zu erhalten. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine Mitarbeiter-Fortbildung, die außerhalb der Sekte völlig wertlos ist.

(Dazu Ingo Heinemann: Die Scientology-Sekte und ihre Tarnorganisationen, 1979
S. 37 "Gehirnwäsche und Psychomutation"):
"»Studieren« wird dieser Vorgang genannt und dadurch scheinbar objektiviert. Denn »Studieren« bedeutet im heute üblichen Sinne des Wortes das Absolvieren einer Berufsausbildung, mit dem Ziel, davon zu leben. Ganz anders bei den Scientologen: das hier Erlernte kann außerhalb einer Scientology-Organisation nicht wirtschaftlich verwertet werden. Die Folge ist nicht selten geistige und wirtschaftliche Abhängigkeit.
Vgl. dazu auch:
Ingo Heinemann: Ausgebeutet und betrogen, 1983
Die Karriere einer Angestellten der Scientology-Sekte



Staatsanwalt: "Betrogene Betrüger"


Immer wieder wird nach Strafurteilen gefragt und gefolgert: Wenn es keine Strafurteile gibt, liegen auch keine strafbaren Handlungen vor.
Ein Strafurteil stellt die persönliche Schuld eines Täters für eine strafbare Handlung fest.
Wenn eine Täter nicht namentlich bekannt oder - aus welchen Gründen auch immer - verfolgt werden kann, gibt es kein Strafverfahren.
Strafverfahren gegen Organisationen gibt es in Deutschland nicht.
Die Enquete-Kommission "Sog. Sekten und Psychokulte" des Deutschen Bundestages hat deshalb 1998 in ihrem Bericht die Einführung einer strafrechtlichen Verantwortlichkeit für juristische Personen und Personenvereinigungen empfohlen (Bundestags-Drucksache  13/10950 Ziff. 6.2.2.4).
Die Staatsanwaltschaft Hamburg (900 Js 2/87) erläutert in einer Einstellungsverfügung:
"Aber auch Betrug und Wucher kann dem Beschuldigten nicht mit der zur Anklageerhebung erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden. Dabei bedarf es keiner Diskussion, daß das gesamte wirtschaftliche Gebaren dieser Sekte so angelegt ist, daß -vornehmlich- junge Menschen, die sich dieser Pseudoreligion verschrieben haben, nach kostenlosen Einführungsdienstleistungen nach und nach so in das Dienstleistungssystem einbezogen werden, daß sie am Ende mit 100.000.-- bis 200.000.-- DM verschuldet sind, ohne dafür einen meßbaren oder sichtbaren Gegenwert erlangt zu haben."
  "Subjektiv ist aber dem hier beschuldigten Hamburger Verantwortlichen der Scientology-Sekte nicht nachzuweisen, selbst wirtschaftliche Ausbeutung begangen zu haben oder sich an der wirtschaftlichen Ausbeutung durch den Weltkonzern beteiligt zu haben. Sie sind selbst nur betrogene Betrüger, die sich auf dem gleichen ruinösen Weg nach "oben" gearbeitet haben, ohne bisher erkannt zu haben, selbst nur ausgenutzt worden zu sein.
  Eines weiteren Eingehens auf Einzelheiten bedarf es hier nicht, weil Ihnen (dem Anzeigeerstatter) selbst die zahlreichen Publikationen (u.a. AGPF) zu diesem Thema bekannt sind. Danach könnte Anklage gegen einzelne Verantwortliche der Sekte nur dann erhoben werden, wenn nachgewiesen werden kann, sie ihre Tätigkeit in dieser Institution fortsetzen, obwohl sie inzwischen (positiv) wissen, daß die ganze Scientology "Lehre" eine einzige Täuschung zur wirtschaftlichen Ausbeutung von Menschen ist. Dieser Beweis ist zur Zeit nicht zu erbringen".
 
Auszug aus AGPF AKTUELL I/88 vom 10.3.88 http://www.AGPF.de/akt88-1.htm 


AGPF AKTUELL I/88 vom 10.3.1988 Seite 4 

SCIENTOLOGY-SEKTE: 
STAATSANWALTSCHAFT: BETROGENE BETRÜGER 

Die  Staatsanwaltschaft  Hamburg  (900 Js 2/87)  hat  auf Grund  einer  Strafanzeige des Vaters eines  Scientology-Anhängers  gegen  den "Auditor" seines Sohnes  wegen  des Verdachts  des  Betruges  und des Wuchers  die  folgenden Feststellungen getroffen: 

"Aber  auch  Betrug und Wucher kann dem  Beschuldigten nicht  mit  der   zur  Anklageerhebung  erforderlichen Sicherheit  nachgewiesen  werden.   Dabei   bedarf  es keiner  Diskussion,  daß das  gesamte  wirtschaftliche Gebaren  dieser  Sekte   so   angelegt   ist,   daß  - vornehmlich  -  junge   Menschen,   die   sich  dieser Pseudoreligion  verschrieben  haben, nach  kostenlosen Einführungsdienstleistungen  nach  und nach so in  das Dienstleistungssystem  einbezogen  werden, daß sie  am Ende  mit  100.000.--  bis 200.OOQ.--  DM  verschuldet sind,  ohne  dafür  einen   meßbaren  oder  sichtbaren Gegenwert erlangt zu haben. 

Subjektiv  ist  aber dem hier beschuldigten  Hamburger Verantwortlichen    der     Scientology-Sekte    nicht nachzuweisen,    selbst   wirtschaftliche   Ausbeutung begangen  zu  haben oder sich an der  wirtschaftlichen Ausbeutung  durch den Weltkonzern beteiligt zu  haben. Sie  sind selbst nur betrogene Betrüger, die sich  auf dem  gleichen  ruinösen  Weg  nach   "oben"  gearbeitet haben,  ohne  bisher  erkannt  zu  haben,  selbst  nur ausgenutzt worden zu sein. 

Eines  weiteren  Eingehens auf Einzelheiten bedarf  es hier  nicht,  weil Ihnen (dem Anzeigeerstatter,  AGPF) selbst  die  zahlreichen Publikationen (u.a. AGPF)  zu diesem  Thema  bekannt  sind.  Danach  könnte  Anklage gegen  einzelne  Verantwortliche  der Sekte  nur  dann erhoben  werden,  wenn nachgewiesen werden  kann,  daß sie    ihre    Tätigkeit   in    dieser    Institution fortsetzen, obwohl sie inzwischen (positiv) wissen,  daß  die   ganze   Scientology "Lehre"   eine einzige  Täuschung zur wirtschaftlichen Ausbeutung von Menschen  ist.  Dieser  Beweis ist zur Zeit  nicht  zu erbringen". 

Ähnlich  deutliche  Worte über die Scientology-Sekte  hat bisher  nur  die   Staatsanwaltschaft  München  gefunden. Deren  75-seitiger Beschluß kann angefordert werden unter dem Stichwort "AGPF-Materialdienst 15/86" 

Juristisch  handelt  es   sich   um   die  Frage,  welche Bestandteile  einer  Straftat  vom  "Vorsatz"   oder  der "Absicht"  umfaßt sein müssen. Denn "fahrlässigen" Betrug gibt es nicht.

 



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