Ingo Heinemann: Scientology-Kritik
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Scientology verspricht den "Weg zum Glücklichsein"


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Am xx.5.2002 hat ein Schüler in Erfurt in einer Schule xx Lehrer und x Schüler und sich selbst getötet.
 
 
Thüringer Allgemeine 7.5.02


Die Menschenfänger
Von Eberhardt PFEIFFER

Auf der Suche nach Trost wurde in der vergangenen Woche vielen Erfurtern eine Broschüre angeboten, die den "Weg zum Glücklichsein" versprach. Für den Laien kaum erkennbar: Hinter dem Büchlein steckt die Scientology-Sekte.

Neben dem Blumenmeer am Erfurter Gutenberg-Gymnasium stand in der vergangenen Woche häufig ein netter junger Mann mit Rasta-Locken und einer Tasche. Unaufdringlich bot er Menschen in seiner Umgebung ein Gespräch an über die schwierige Situation. Auf dem Weg in die Zukunft könne vielleicht ein kleines Heftchen helfen, ein "Leitfaden zum besseren Leben, der auf gesundem Menschenverstand beruht", so der Titel. Verantwortlich für die Publikation zeichnet der Verein "Der Weg zum Glücklichsein". Angegeben ist eine dänische Adresse.

Das Heft war nach der Katastrophe meist dort zu haben, wo sich viele Menschen versammelten. Offenbar schwärmten die Helfer generalstabsmäßig aus. Schule, Rathaus, Domplatz. Im Impressum wird ausdrücklich darauf verwiesen, dass das Vertreiben des Buches "Regierungsbehörden und deren Angestellten gestattet" sei, "da es keine religiöse Aktivität ist."

Über den Weg zum Glücklichsein wurden vor Monaten bereits andere Katastrophenopfer belehrt. Nach dem 11. September in New York, direkt am "Ground Zero", verteilten "ehrenamtliche Geistliche" das Büchlein an Feuerwehrleute. Die Organisatoren rühmten sich damals der Erlaubnis, neben Polizei, Feuerwehr und Mitarbeitern des Roten Kreuzes in den Bereich rund um das World Trade Center zu dürfen. Absender der Erklärung war die Scientology-Sekte. Für den Verfassungsschutz ist das Auftauchen von Scientologen weder in New York noch in Erfurt eine Überraschung. Ein Stuttgarter Experte kommentierte das New Yorker Engagement so: "Angst und Unsicherheit sind bevorzugte Angriffspunkte." Wolfgang Herbrand, Sprecher des Thüringer Innenministeriums, spricht von einem "Riesenmarkt", den sich natürlich auch selbsternannte Heilsbringer nach den Erfurter Ereignissen nicht entgehen lassen konnten.

Dabei sind die Aktivitäten von Scientology in Thüringen nach Erkenntnissen des hiesigen Verfassungsschutzes gegenüber den alten Ländern bisher eher zurückhaltend. Sie gehen über den gelegentlichen Versand von Zeitschriften, Magazinen oder Büchern an Privatpersonen, Rathäuser oder Polizeidienststellen kaum hinaus. Niederlassungen soll es im Freistaat noch nicht geben. Ob sich das durch die jüngste Verteil-Aktion ändert, sei noch nicht klar, meint das Innenministerium. Aber auch die deutsche Broschüre lässt sich klar einer der Unterorganisationen von Scientology zuordnen, der "Association for better living and education". Ziel dieser 1988 gegründeten Vereinigung ist es, in "gesellschaftlichen und sozialen Bereichen Verbesserung der individuellen Lebenssituation herbeizuführen". Nach Scientology-Verständnis. Dazu zählen sowohl Nachhilfeunterricht als auch Anti-Drogen-Programme. Wer sich darauf einlässt, spürt früher oder später, was nach Aussage von Opfern Scientology wirklich von seinen Jüngern will: viel Geld und Gehorsam.

Der Inhalt des kleinen Heftes gibt sich unverfänglich. Lebensregeln, an den zehn Geboten orientiert ("Du sollst nicht töten"), hygienische Fragen ("Sie sollten sich ihre Zähne machen lassen"). Dazu kleine Tipps, wie man Erfolg haben kann, ohne dabei die Menschlichkeit zu vernachlässigen. Nur: Der Text stammt aus der Feder des großen Scientology-Meisters L. Ron Hubbard.

Die Publikation ist nicht im üblichen Sekten-Deutsch gehalten. Es handele sich mehr um eine "Einstiegsdroge", sagen Experten. Der Leser soll mit dem Verein "Der Weg zum Glücklichsein" etwas Positives in Verbindung bringen, damit beim nächsten Mal die Kontaktaufnahme leichter falle.

Ob es ein nächstes Mal in Erfurt gibt, bleibt abzuwarten. Mit den Übertragungswagen und Touristenpulks verschwanden offenbar auch viele der so freundlichen Verteiler wieder aus der Landeshauptstadt. Nur eine sehr gut deutsch sprechende ältere Dame soll gestern noch mit ihren kleinen Büchern vor dem Erfurter Rathaus gesehen worden sein.


 



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