Ingo Heinemann: Scientology-Kritik
   Adresse dieser Seite: http://agpf.de/Archiv/Tabayoyon-Mary-1994.htm
Zuletzt bearbeitet am 10.8.2006
zur Homepage  | zur Inhaltsseite  |  AGPF-Spendenkonto
Google

Mary Tabayoyon: Eidesstattliche Versicherung über Scientology


Inhalt dieser Seite: Zum Thema in dieser Website: In anderen Websites:

Impressum
  • www.AGPF.de: Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt


 
 

Von: CTM@CORNELL.cit.cornell.edu
Thema: Mary Eidesstattliche Erklärung
Datum: Freitag, 2. September 1994 20:07:01 -0400

EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG MARY TABAYOYON
CD - 14
26. August 1994

Copyright © 1994 Mary Tabyoyon
Weiterverbreitung für nichtkommerzielle Zwecke gestattet

GRAHAM E. BERRY, State Bar No. 128503
GORDON J. CALHOUN, State Bar No. 94509
LEWIS, DÁMATO, BRISBOIS 6 BISGAARD
N. Figueroa Street, Suite 1200
Los Angeles, California 90012
Telefon (213) 250-1800

Anwalt für die Angeklagten
UWE GEERTZ, PH. D.

BEZIRKSGERICHT DER VEREINIGTEN STAATEN
ZENTRALBEZIRK KALIFORNIEN

CHURCH OF SCIENTOLOGY Fall No. Cv 91 6426 HLH (Tx)
INTERNATIONAL, eine kalifornische
gemeinnützige religiöse ERKLÄRUNG VON MARY TABAYOYON
Organisation BETR.: ANTRAG AUF KOSTEN
Kläger Datum: 4. April 1994
 Zeit: 10:00 vormittags
gegen Raum 7

STEVEN-FISHMAN UND UWE GEERTZ,
Angeklagte

ERKLÄRUNG MARY TABAYOYON
Ich, Mary Tabayoyon, erkläre folgendes:

1. Ich wurde 1967 Scientologe. Ich wurde 1971 zum Mitglied der Elite Sea Organization (Sea Org). Ich blieb in der Sea Org, bis ich Scientology 1992 verließ.

2. Eine meiner ersten Positionen in der Sea Org war Rezeptionist unter Heber Jentzsch im Celebrity Center in Los Angeles, das von Yvonne Gilliam Jentzsch geleitet wurde.

3. Ich wurde 1972 auf das Flaggschiff Apollo versetzt. Während der Zeit auf dem Schiff war ich im persönlichen Stab von Mary Sue und L. Ron Hubbard in der Haushaltseinheit („HU“) tätig.

4. Im März 1973 wurden mein Mann Andre und ich zur Advanced Organization Los Angeles (AOLA) versetzt. Wir wurden versetzt, weil ich schwanger war und Kinder am Schiff nicht gestattet waren. Ich blieb ca. 10 Jahre in AOLA.

5. Im Juli 73 wurde unser Sohn Casavius gebohren. Er war in Scientology seit seiner Geburt. Er ist nun von uns getrennt aufgrund der Tatsache, daß wir die Sea Org verlassen haben und mit mehreren der Grundsätze der Sea Org nicht mehr in Einklang stehen.

6. Ende 1984 wurden wir in den hoch vertraulichen Ort in Hemet, Kalifornien versetzt, der im Allgemeinen als „UPLINES“ (Linie nach oben) bezeichnet wird. Sea Org Mitglieder, die dort arbeiten, nennen den Ort „Die Basis“. Die Sea Org Einheiten, die dort stationiert waren, hießen Golden Era Productions („Gold“. Golden Era Productions stellt alle Scientology Filme, Tonbänder, E-Meter, Musik und Werbung her), Commodores Messenger Organization International (CMOI, Internationale Botschafter Organisation des Commodore), Watch Dog Commitee (WDC), Religious Technology Center (RTC) und Commodores Messenger Org Golden Era Productions (CMO GOLD). Ich habe die letzten acht Jahre meiner Dienstzeit in der Sea Org in dieser Basis in Hemet verbracht.

SEIT 1986 WURDE MITGLIEDERN DER SEA ORG VERBOTEN, WEITERE KINDER ZU BEKOMMEN WENN SIE AUF POSTEN BLEIBEN WOLLTEN UND DIE HUBBARD TECHNOLOGIE WURDE ANGEWENDET UM UNS MIT ZWANG ZU ÜBERREDEN, DASS WIR ABTREIBEN SOLLTEN UM AUF POSTEN BLEIBEN ZU KÖNNEN.

7. Am 28. September 1986 gab Guillaume Leserve, der Executive Director International („ED Int“) eine Order heraus, die für alle Sea Org Mitglieder bindend ist. Innerhalb der Sea Org werden diese bindenden Orders Flag Orders genannt. Die Flag Order 3905 vom 28 September 1986 verbot Sea Org Mitgliedern, weitere Kinder zu bekommen. Der vom ED Int angeführte Grund war, daß die Sea Org einfach nicht die Zeit, das Geld und die Mittel hätte, um Kinder richtig großzuziehen. Für den Fall, daß Sea Org Mitglieder sich entscheiden würden, der Flag Order nicht zu gehorchen, würden sie zu Scientology Organisation der Klasse IV verbannt, die nicht der Sea Org angehörten, bis das Kind 6 Jahre alt sei. Sobald das unauthorisierte Kind 6 Jahre alt wäre, könnten die Eltern zur Sea Org zurückkehren.

8. Am 3. April 1991 wurde ein Zusatz zu dieser Flag Order herausgegeben. Ein Teil des Zusatzes gab an, daß jeder, der schwanger würde, zu einer nicht expandierenden Klasse IV Org geschickt werden würde. Der Leitende Offizier von CMOI, Marc Yager, bestätigte die Anwendung dieses Zusatzes auf alle Mitarbeiter der Basis und erweiterte sie. Es wurde betont, daß Sea Org Mitglieder die Spitzenschicht der Sea Org seien. Als solche ermahnte Yager uns, daß wir die Verantwortung für die Expansion von Scientology hätten und für die Befreiung der Menschheit. Das obere Scientology Management entschied, daß wir uns auf dieser hohen Stufe weder die Zeit noch die Mittel leisten könnten, die zum Aufziehen von Kindern notwendig seien. Das Kinderbekommen, so hätte sich herausgestellt, würde unsere Produktion und die Ziele untergraben. Es wurde zur Ethiksache. Eine Ethiksache ist ein Verstoß gegen Scientology. Eine Ethiksache entsteht, wenn ein Scientologe etwas tut, was von der Verbreitung von Scientology ablenkt. Ethiksachen werden durch Scientology Gepflogenheiten entgegnet für diejenigen, die „vom schmalen geraden Pfad abgekommen“ seien. (Siehe Definition von „Unethisch“, [out ethics], als Anhang 1 beigefügt).

9. Weiterhin würden Sea Org Mitglieder verbannt, zu einer nicht der Sea Org angehörenden sogenannten Klasse IV Organisation geschickt um dort als Mitarbeiter zu dienen. Das einzige Zugeständnis für unsere jahrelange hingebungsvollen Dienste war die Tatsache, daß wir unsere Mitgliedschaft in der Sea Org beibehalten durften.

10. Die Flag Order legte fest, daß Sea Org Mitglieder, die ihr nicht gehorchten und sich für Kinderbekommen entschieden, nicht selbst wählen konnten, in welcher Klasse IV Organisation sie dienen wollten. Stattdessen sollte das höhere Management das zuwiederhandelnde Sea Org Mitglied in eine Klasse IV Organisation versetzten, die versagte. Dies ist eine schwere Strafe. In einer versagenden Klasse IV Org muß ein verbanntes Sea Org Mitglied für sich selbst sorgen und zusehen, wie es ein Kind von dem nominalen Entgelt aufziehen kann, das den Mitarbeitern einer versagenden Klasse IV Organisation zur Verfügung steht. Zusätzlich sind verbannte Sea Org Mitglieder verpflichtet, die versagende Organisation wieder zu beleben, wenn sie nicht weitere Ethikzustände erleiden wollen.

11. Während der Zeit auf der Basis kannte ich mehrere Fälle von Mitarbeitern, die schwanger wurden und gezwungen wurden, abtreiben zu lassen. Einige der Fälle wurden mir von den Opfern selbst berichtet, andere wurden mir über Dritte zugetragen.. In zwei Fällen behielten die Eltern ihr Kind trotz umfangreichem Einsatz der Ethikmethoden und wurden an eine versagende KLasse IV Organisation verbannt. In beiden Fällen mußten sie sich einer Ethikhandhabung unterziehen mit dem Zweck, sie davon abzuhalten und ihnen klarzumachen, daß es für Scientology und die Sea Org und alle Beteiligten viel vorteilhafter sei, abtreiben zu lassen. Einige dieser Frauen machten verschiedene Druckmethoden mit, um sie von einer Abtreibung zu überzeugen. Die Schwere der Ethikhandhabung stand in direktem Verhältnis zu dem Wunsch der werdenden Mutter und ihrem Beharren darauf, das Kind zu behalten. Ich selbst wurde 1993 schwanger und gab mein Kind aufgrund meiner grob fehlgeleiteten Verpflichtung und Hingabe zur Sea Org auf.

12. Während der eineinhalb Jahre vor meiner Feststellung, daß ich schwanger sei, wurde ich mit der gesamten Gold Mannschaft unablässig darin gedrillt, ein perfektes und zielgerichtetes Sea Org Mitglied zu sein, das der Kommandoabsicht immer gehorcht. Kommandoabsicht bedeutet im Grunde die Absicht der höchsten Befehlshaber über die gesamte Scientology und die Sea Org. So wie LRH, Marc Yager und David Miscavige es in verschiedenen Schriften ausdrückten, wurde mir eingeimpft, daß ich meine persönlichen Wünsche nie vor das Erreichen der Ziele der Sea Org stellen sollte. Es wurde mir der Glaube eingeimpft, daß ich meine persönlichen Wünsche nie vor das Erreichen der Ziele der Sea Org stellen sollte. Obwohl ich wirklich gerne mein Kind bekommen hätte und bereits die Vorstellung einer Abtreibung mir schrecklich ist, getraute ich mich nicht zu sagen, daß ich mein Baby gerne behalten hätte.

13. Ich erzählte dem Medizinischen Offizier (Martine Collins) von meiner Schwangerschaft. Sie machte sich sofort daran, meine Atreibung zu arrangieren. Sie sagte mir, daß ich natürlich selbst dafür bezahlen müsse, da es unethisch sei, schwanger zu werden. (Unethisch bedeutet in Scientology, daß die eigenen Vernunftskräfte nicht mehr in eine Richtung denken, die der Scientology dient und daß sie daher korrigiert werden müssen).

14. Der Medizinischen Offizier Collins sagte mir, ich solle wegen des Abtreibungstermines selbst anrufen. Sie sagte, ich solle die Adresse der Basis nicht angeben und auch nicht bestätigen, daß ich von der Basis sei. Sie gab als Grund dafür an, daß zu viele Frauen von der Basis wegen Abtreibungen dorthin gingen und daß es möglicherweise „out PR“ werden würde. (Fehl- Public Relations, das heißt, daß die Beziehung zur Öffentlichkeit schlecht geworden sei).

15. Am Tag nachdem ich von der Abtreibung zurückkam, war ich schwach, hatte Schmerzen und Krämpfe. Ich schlug eine leichte Arbeit vor, die ich auch bewältigen könne. Meine Vorgesetzte, Megan Rae, lehnte dies ab und gab mir stattdessen eine Vorgabe, die buchstäblich mehrere Leute erfordert hätte, um sie an einem Tag zu schaffen. Ich versuchte ihr klarzumachen was für eine unmögliche Aufgabe dies sei und daß ihre Order wohl ein Scherz sein müsse. Ich merkte bald, daß es ihr sehr ernst sei. Mein offener Protest dagegen erntete die gebellte Drohung „Wenn Du diesen Abtreibungszyklus benutzt, um Ineffizienz zu dramatisieren und so Deine Produktionsvorgaben nicht zu erfüllen, dann lasse ich Dir ein Comm-Ev geben!“ Ein Comm-Ev steht kurz für Vommitee of Evidence, Beweisaufnahmekommitee. Es ist eine der schwersten Ethikaktionen, die man jemandem antun kann.

16. Eine Freundin von mir, Bette Hardin, die in der Finanzabteilung von Golden Era Productions arbeitet, sagte mir daß sie oft die schwangeren Frauen von der Basis nach Riverside, Kalifornien brachte, beinahe wöchentlich zum Zentrum für geplante Elternschaft, wo sie dann ihre Abtreibungen bekämen und die darauf folgenden Nachuntersuchungen. Sie sagte, daß es einfach zur Routine geworden sei. Schwangere Sea Org Mitglieder wurden zum Zentrum für geplante Elternschaft geschickt, um ihre Abtreibung zu bekommen. Wenn sie zur Basis zurückkamen, gingen sie zu Ethik.

17. Der Begriff „Ethik“ wird verwendet um den Ort zu beschreiben, zu dem man geht, um die eigene Ethik wieder herein zu bekommen. Um dies in normalen Worten auszudrücken wird man zu Ethik immer dann geschickt, wenn man vom Pfad abkommt, beispielsweise absichtlich oder versehentlich gegen die Kommandoabsicht handelt und der Ethikoffizier arbeitet dann so lange mit einem, bis man sich dem Fördern von Scientology wieder unnachgiebig hingibt und den „Schaden“ wieder gutgemacht hat. Zu Ethik und deren Methoden werde ich später mehr erklären.

18. Bette Hardin sagte, daß ehemals schwangere Frauen nach ihrer Abtreibung umgehend zu Ethik geschickt wurden um „Untere Zustände“ zu machen. Unter Zustände sind von unten nach oben: Verwirrung, Verrat, Feind, Zweifel und Belastung. Zu jedem dieser Zustände gehört eine Reihe von genauen Schritten, die zu befolgen sind. Wenn man durch alle Schritte der unteren Zustände erfolgreich durch ist - und nur der Ethikoffizier kann offiziell bestimmen, ob man diese Schritte korrekt durchgeführt hat und zum nächst höheren Zustand darf - dann ist man wieder ein Sea Org Mitglied, das sich zusammenreißt („gung-ho“) und mit neuer und neu belebter Entschlossenheit, nie wieder einen Fehler zu machen, der der Gruppe irgend einen Schaden zufügt oder sie damit bedroht.

19. Mein Vorgesetzter ließ mich die Schritte der Formel des sogenannten „Gefahr“ Zustandes machen, was über „Belastung“ der nächst höhere Zustand ist. Der Grund, warum ich nicht Verrat und die ganzen unteren Zustände machen mußte ist, daß ich beteuerte, daß das Scientology Auditing, das ich vor der Schwangerschaft bekommen hatte, meinen Körper in dem Maße geheilt hätte, daß ich wieder schwanger werden konnte, obwohl mir ein Arzt vor Jahren gesagt hatte, daß ich wahrscheinlich nie wieder Kinder bekommen könne. Das war nicht alles wahr, aber es war meine einzige Lösung, um an dem Gang zu Ethik vorbeizukommen und diese unteren Zustände nich nochmal durchzumachen. Ich wußte, daß ich in späteren „Confessionals“ (Anm. d. Übers.: Ausfragung nach Vergehen) damit herausrücken müsse und dann diese Zustände auch durcharbeiten müsse, aber dazu war ich damals nicht imstande. Das war auch für mich ganz ungewöhnlich, da ich es mir zur beständigen Notwendigkeit gemacht hatte, in meinem Leben immer sehr bei der Wahrheit zu bleiben.

20. Um meine eigene Integrität und Würde in meiner eigenen Vorstellung aufrechtzuerhalten, beteuerte ich gegenüber mir selbst und einigen Freunden, daß mein Mann und ich wirkliche Angst hätten, entweder ich oder mein Baby würden eine Geburt nicht überleben, weil bei einer früheren nicht erfolgreichen Entbindung Komplikationen aufgetreten seien. Die Wahrheit jedoch war und ist, daß ich nie über Abtreibung nachgedacht hätte. Mein Mann und ich wollen noch immer ein weiteres Kind.

21. Ich fragte Betty, wie viele Frauen sie eigentlich schon nach Riverside zu Abtreibungen gebracht hätte. Das wollte sie mir nicht sagen. Von dem, wie sie gesprochen hatte klang es schon nach etlichen und so fragte ich zurückhaltend „Waren es mehr als 20?“ Sie winkte mit dem Arm und sagte sehr nachdrücklich „Oh, ja!“

22. Betty sagte mir auch, daß sie sich letztlich rundweg geweigert hätte, weiter die Fahrerin zu sein und daß es richtig unangenehm geworden sei, weil vor dem Zentrum für Geplante Elternschaft oft Anti-Abtreibungs-Anträge veranstaltet würden und weil die sie immer wieder sahen, wie sie Frauen zu Abtreibungen hinbrachte.

23. Das folgende sind kurz die Geschichten von Frauen, die ich kannte und die Abtreibungen hatten, nachdem sie zwingende Ethiksitzungen und Drohungen hatten, zu Klasse iV Organisationen verbannt zu werden. Da das Thema etwas war, über das wir aus Gründen der Public Relations weder innerhalb noch außerhalb der Basis sprechen sollten, und um die betroffenen Frauen vor Vergeltung zu bewahren und ihre Vertraulichkeit zu wahren, habe ich ihre Namen nicht angegeben.

A. Fall I: Sie war meine Freundin und arbeitete in meiner Abteilung, auch während ihrer Schwangerschaft und Abtreibung. Sie schien wegen der sehr verstimmt und wollte zuerst nicht darüber sprechen. Als wir eines Tages alleine waren, brachte sich sie dazu, darüber zu sprechen. Sie sagte daß sie liebend gerne das Baby bekommen hätte, aber nachdem sie den Ethikzyklus durchgemacht hatte (von dem ich wußte, daß er mindestens eine Woche gedauert hatte) wäre ihr klar geworden, daß sie nicht bereit war, ein Kind zu bekommen. (Sie war 20 Jahre alt). Sie sagte, daß ihr Mann völlig verzückt gewesen sei, als er von ihrer Schwangerschaft erfahren hatte und es so gerne behalten hätte. Er war ganz unerbittlich dafür, das Baby zu behalten. Aber nach dem Ethikzyklus sah er die Tatsache ein, daß er vielleicht nie wieder zur Basis zurückkommen würde, daß er seinen geliebten Job verlieren würde und seine Position in Gold. Er hätte zu einer Klasse IV Organisation gehen müssen. Wie auch immer, die Ethik Aktionen überzeugten sie, daß sie „gute Sea Org Mitglieder“ sein und das Kind abtreiben müßten, so daß sie in der Sea Org „Am Ziel“ bleiben könnten. „Am Ziel“ („On Purpose“) bedeutet in der Sea Org, daß man das, was zum Fördern des Zweckes der Sea Org gewünscht und gebraucht wird - daß man das ist und tut. (Anmerkung: Ich werde später auf die Zwangsmethoden der Ethiktechniken in Scientology eingehen).

B. Fall II: Ihr Mann arbeitete während ihrer ersten Schwangerschaft im gleichen Bereich wie ich. Er vertraute mir als Freund an, daß seine Frau schwanger sei und sich entschieden hatte, das Baby wieder zu behalten! Es war ihr von Ethik ausgeredet worden, das Kind zu behalten aber sie hatte sich wieder entschlossen, es zu behalten. Sie sagte es ganz unerbittlich. Ich sagte gut. Wir diskutierten die Bezugsstelle in Hubbards Buch Dianetik, die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit, wo es sehr deutlich war, daß er gegen Abtreibungen ist. (Siehe Anhang 2). Sie war deutlich froh, jemanden auf ihrer Seite zu haben. Irgendwann später hörte ich, daß sie hingegangen sei, um abzutreiben. Sie landete auch im Rehabilitations Projekt Trupp („RPF“, Rehabilitation Project Force). Das RPF ist im Grunde ein Gefangenenlager in der Sea Org. Nach einigen Monaten wurde mir gesagt, sie sei wieder schwanger geworden. Die Tatsache, daß sie im RPF wieder schwanger wurde ist bemerkenswert, da die Wohnabteile der RPFler von denen anderer Sea Org Mitglieder der Basis (einschließlich derer der Ehegatten) abgetrennt waren und ihr Mann unter Bewachung stand, weil er während ihrer Inhaftierung als Sicherheitsrisiko angesehen wurde. Dieses Mal unterwarf sie sich nicht der Abtreibung, sondern entkam erfolgreich der Basis und kam nie zurück in die Sea Org. Später fanden wir heraus, daß sie nach England gegangen war und dort ihr Kind bekommen hatte. Ich habe den Brief gelesen, den Tina ihrer Schwester schickte. Sie hatte Bilder ihres hübschen Mädchens mitgeschickt. Sie war eine sehr stolze Mutter und ganz verliebt in ihr Baby.

C. Fall III: Mir wurde erzählt, daß Fall III irgendwann 1986 schwanger geworden ar. Es war ein grober Patzer, weil sie bis zu dieser Zeit immer ein Spitzenbotschafter des Commodore gewesen war (also L. Ron Hubbards Botschafter). Sie und ihr Mann waren sehr entschlossen, das Baby zu behalten. Sie wurde durch umfangreiche Ethikmaßnahmen geschickt, mit immer schwereren und schwereren Drohungen und Strafen, bis sie schließlich aufgab und abtreiben ließ. Ca. 1990 sah ich, daß sie wieder schwanger war. Zur gleichen Zeit sah ich, daß sie von ihrem Posten weg war und manuelle Arbeiten verrichtete. Ihr Mann sagte mir, daß sie entschlossen seien, das Baby zu behalten. Monate später entkamen sie erfolgreich. Sie sind nicht mehr zur Sea Org zurückgekehrt und mir ist klar, daß sie und ihr Mann mit einem liebenswerten Sohn gesegnet sind.

D. Fall IV: Mir wurde gesagt, sie sei schwanger. Sie durchlief das Ethikverfahren und ließ abtreiben.

E. Fall V: Sie schien durch die Hölle zu gehen. Oft sah sie aus, als hätte sie geweint. Oft sah sie aus, als wäre sie in einem emotionalen Zusammenbruch. Ich versuchte, besonders freundlich zu sein und sie dazu zu bringen, daß sie spricht. Aber sie lächelte nur und wechselte das Thema. Sie und ihr Mann wurden vom Posten genommen und durch umfangreiche Ethikhanhabungen geschleust, weil sie entschlossen waren, das Baby zu behalten.. Dann sah ich eines Tages beide fröhlich und zurück auf Posten. Ich fragte den Mann, was denn mit dem Baby geschehen sei. Er meinte, sie seien beide durch die unteren Ethik Zustandsformeln gegangen und aus „Zweifel“ herausgekommen und hingegangen, um abtreiben zu lassen. Monate später sah ich, wie sie regelrecht geschockt aussah und geistig verstört, nachdem sie mit sechs anderen Mitarbeitern der Qualifikationsabteilung in den See geworfen worden war. Sie hatten die Vorgabe nicht erreicht, das ihnen für diesen Tag zugewiesen worden war. Sie brannte später mit einem anderen Mann durch, der in der gleichen Abteilung gearbeitet hatte.

F. Fall VI: Mir wurde gesagt, daß Fall VI schwanger geworden sei und habe abtreiben lassen, während sie mit einem der oberen Manager der Scientology verheiratet war. Ich bekam mit, wie sie sich mit ihrem Mann überwarf und sich scheiden ließ. Später heiratete sie ein anderes Sea Org Mitglied von der Basis. Danach wurde sie zum RPF geschickt.

G. Fall VII: Mir wurde gesagt, daß Fall VII schwanger geworden war und durch den Einsatz von Ethikverfahren zur Abtreibung gebracht worden sei. Sie brach mental zusammen. Die Abtreibung ließ sie emotional zerbrechen. Nach der Abtreibung war sie nie wieder die Gleiche. Vorher war sie fröhlich und man konnte viel Spaß mit ihr haben, aber nach der Abtreibung war es schwer, sie überhaupt etwas aufzumuntern oder mit ihr herumzublödeln. Das wurde mir durch ihren besten Freund erzählt.

H. Fall VIII: Dieses Paar schaffte es, ihr Ehrgefühl zu wahren und das Kind nicht aufzugeben. Sie machten ungefähr einen Monat lang Ethikhandhabungen durch, bis ihnen endlich erlaubt wurde zu einer KLasse IV Organisation zu gehen und damit ihr Baby zu behalten. Ethik versuchte mit Zwang, sie zu einer Abtreibung zu bewegen. Als sie gingen, hieß es sie seien im Zustand „Verrat“ und beim Mitarbeitertreffen wurde verächtlich von ihnen gesprochen. Es war, als hätten sie die Sea Org verlassen, was unter Sea Org Mitgliedern mit zu den schwersten Verbrechen gehört, die man überhaupt begehen kann.

I. Fall IX: Dieses Paar entschied sich aufgrund ihrer Schwangerschaft zum Gehen. Sie wurden mit Schimpf und Schande zur Klasse IV Organisation in Santa Barbara geschickt, weil sie beschlossen hatten, die Sea Org Gruppe zu verlassen und wegzugehen und ein Kind zu bekommen. Auch von ihnen wurde bei einem Mitarbeitertreffen sehr kritisch gesprochen.

Ich sprach mit dem Ehemann, bevor sie gingen, um seine Ansicht zum Gehen zu erfahren. Er sagte, es seien zum Teil persönliche Gründe insofern, als daß er hoffen würde, auf diese Weise eine Chance zu bekommen, sich für sein OT III (eine der höchsten Stufen in Scientology) einzusetzen und seine OT III Reparatur („review“) letztlich fertig zu bekommen. Er sagte, er stecke darin seit drei Jahren fest und es sei ihm wegen Mangel an Auditoren nicht möglich gewesen, das Auditing zu bekommen. Er sagte, daß ihn das buchstäblich ganz verrückt machen würde und er würde nun hoffen, das auf eigene Faust zum Rechten zu wenden.

Ungefähr vier Jahre später sah ich ihn in der Höheren Organisation in Los Angeles („AOLA“, AOLA ist der Ort, wo Scientologen höhere Stufen der Scientology besuchen). Beide waren extrem abgemagert. Ihre damals vierjährige Tochter war ebenso extrem mager. Die Mutter hatte eine Hauterkrankung, die das halbe Gesicht bedeckte. Die Ehe war zerstört und die beiden ließen sich scheiden. Sie versuchte, eine gute Fassade zu zeigen. Aber sie sagte mir, daß die Santa Barbara Organisation sehr pleite wäre.

Dies bedeutete, daß sie ebenso pleite war und nur so dahinvegetierte. Mitarbeiter von Klasse IV Organisationen werden von Einkünften aus dem Verkauf von Scientology Literatur und Kursen der Organisation bezahlt. Als ich die beiden in diesem Zustand sah, wurde mir sehr deutlich, daß jeder, der sich in eine Klasse IV Organisation versetzen lassen würde um ein Kind zu bekommen ein Narr wäre. Es schien ihnen unsägliche Härten aufgebürdet zu haben. Dieser nachhaltige Eindruck war eines der Dinge, die mein Denken ungefähr ein Jahr später prägten, als ich meine eigene Schwangerschaft bemerkte. Es ist bezeichnend, daß die einzige Alternative, wenn man sein Kind behalten und nicht in eine Klasse IV Organisation versetzt werden wollte, wirklich der völlige Austritt aus der Sea Org war. Es ist schwer zu beschreiben, wie vollständig undenkbar das für jemanden ist, der der Sea Org so vollständig indoktriniert und hingegeben ist wie mein Mann und ich es damals waren. Man kann es im Vergleich mit dem Gefühl beschreiben, das jemand haben muß, dem eine Waffe in die Hand gedrückt wird, damit er seine eigene Familie erschießen soll. Er würde das Gefühl haben, daß es auf der ganzen Welt keinen Grund gäbe, aus dem man das tun würde.

J. Fall X: Sie setzte einer Abtreibung offenbar kaum Widerstand entgegen, da die Schwangerschaft sie ständig sehr krank machte.

24. Ich kann jetzt feststellen, daß die Handlung, daß ich abtreiben ließ in Verbindung mit der nachfolgenden rüden Behandlung durch meine Vorgesetzten mir den ersten Ruck versetzt hat, mich von der blinden Hingabe zur Sea Org loszulösen. Ein weiterer Ruck war, daß ich 2 Wochen nach meiner Abtreibung und kurz bevor ich zur Nachuntersuchung zum Zentrum für Geplante Elternschaft nach Riverside fuhr, einer Aktion unterzogen wurde, die „Abstreifen falscher Daten“ genannt wird. Diese Aktion öffnete mir die Augen bezüglich einiger wirklicher Verrücktheiten, die in der Basis stattfanden und die ich vorher nicht sehen wollte. Die größte Verrücktheit war die Tatsache, daß Miscavige, der höchste Führer in Scientology, uns regelmäßig (ungefähr einmal im Monat oder so) beim Mitarbeitertreffen anschrie, wie unfähig und inkompetent und uneffektiv wir alle wären. Manchmal schrie er sogar „WOGs könnten das besser machen.“ (WOG ist ein abschätziger Begriff in der Sea Org für jemanden in der Außenwelt, der noch nicht einmal von Scientology gehört hat).

25. Der gleiche Miscavige ließ die Mannschaft von Gold auf ihren verschiedenen Posten und Funktionen bei der Arbeit filmen. Das Video stellte die Gold Mannschaft als Halbgötter dar mit ihrer Stufe von Professionalismus, Perfektion und Fertigkeit.

26. Eine weitere Ungereimtheit war, daß ich oft feststellte, wie ärmlich sich manche niederen Sea Org Organisationen anstellten und einige der Klasse IV Organisationen. Trotz alledem beschrieb Miscavige die internationale Scientology Szene als phantastisch gut und boomend, in allen größeren Veranstaltungen, in denen er sprach oder einer seiner direkten Untergebenen namens IGs (General Inspektoren). Jeder beschrieb seinen Verantwortungsbereich als fabelhaft gut laufend.

27. Ich konnte dieses Verfahren mit dem Abstreifen falscher Daten nicht abschließen, weil ich mittendrin zu meinem Arzttermin gehen mußte wegen der Nachuntersuchung (2 Wochen nach meiner Abtreibung). Das war ein glücklicher Umstand; wenn ich alle Schritte dieses „Abstreifen falscher Daten“ Verfahrens durchgemacht hätte, hätte ich wieder in alle Vorgänge einen Sinn hineingelegt und wäre wieder im Geleise eines gründlich indoktrinierten, sehr hingebungsvollen Sea Org Selbst gelandet.

28. Mein Mann holte mich nach der Untersuchung ab. Zu diesem Zeitpunkt erzählte er mir von dem großen Streit, den er gerade mit Miscavige hatte und wie schwer Miscavige ihn beleidigt hatte. Nachdem er mir die ganze Szene geschildert hatte, sagte er, wenn dem so sei, dann würde er einfach unseren Lieferwagen nehmen und die Sea Org direkt verlassen.

... (Anm: Hier fehlt ein Teil der Schrift)

32. Hier als Anhang C beigefügt ist eine Kopie einer Mitteilung von Fred Swan an die Scientology Verwaltung vom 9. November 1989, in welcher er die Führungsanweisung (Executive Directive) reklamiert, in der die Zeit für die Familie geregelt ist.

33. Hier als Anhang D beigefügt ist eine Kopie einer Scientology Führungsanweisung vom 21. November 1989 bezüglich Paaren, die Kinder erwarten und dem Kommando des Pazifikbereiches der Sea Org unterstehen. Solche Paare wurden von Posten versetzt in „eine kleine versagende Org.“

34. Hier als Anhang E beigefügt ist eine Personalorder vom 27. November 1989 bezüglich Jill Graham. Sie verletzte Scientology Richtlinien, indem sie ein Kind bekam und als Mitarbeiterin in der Höheren Organisation in Los Angeles verblieb, statt zu einem niedrigeren Posten versetzt zu werden.

35. Hier als Anhang F beigefügt ist ein Brief vom 5. Dezember 1989 von Ken Shapiro an die Scientology Verwaltung bezüglich der Order, daß Eltern aufhören sollten, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Er reklamiert, daß es nicht genug sei, wenn ein Elternteil sein/ihr Kind nur alle zwei Wochen einmal sieht.

36. Hier als Anhang G beigefügt ist eine Mitteilung vom 8. Dezember 1989 von den Scientologen Mya und Leif Bergman bezüglich der Aufhebung von Scientology Zeit. Hier wird reklamiert, daß Scientology die Zeit aufhebt, daß Sea Org Mitglieder eine Stunde lang pro Tag mit ihren Kinder verbringen dürften.

37. Hier als Anhang H beigefügt ist eine Scientology Mitteilung vom 30. Dezember 1989 bezüglich Karen (Jentsch) Barter. Im betreffenden Absatz auf der zweiten Seite unten steht eine Aussage „Liebe Sue: Weißt Du etwas, was die Handhabung von Karen Barter betrifft, die ein zweites Kind haben möchte?“

38. Hier als Anhang I beigefügt ist eine Scientology Mitteilung vom 29. Januar 1990, in der Yolanda Avila bestraft wird, weil sie sich gegen die Aufhebung der Familienzeit aufgelehnt hat und ein Untersuchungsgericht gefordert hatte, das in der Folge Enturbulation oder Verstimmung im Scientology Kommando des Pazifikbereiches der Sea Org auslöste. Weiterhin stand dort, es gäbe „wechselseitige Kriminalität auf den Verkaufslinien aller PAC Orgs“. (Absatz 2).

ETHIK, SICHERHEITSÜBERPRÜFUNGEN UND RPF.

39. Ethik ist in Wirklichkeit eine Methode, mit der der Verstand aller dergestalt kontrolliert werden soll, daß sie in einem solchen Ausmaß nur in bestimmten Bahnen denken und handeln sollen, daß bestimmte Fehler seitens der Scientology Führer nicht mehr bemerkt werden, ebenso seitens der Organisation und seitens der Hubbard Technologie selbst.

40. Nachdem Hubbard einen in eine bestimmte Geisteshaltung geführt hat, in der man einen höheren IQ, höhere Fähigkeitsstufen und geistige Freiheit will, fängt er einen ein und pfercht er einen ein mit Anleitungen wie „Die Funktionsfähigkeit der Scientology erhalten“ (Siehe Anhang 3). In diesem Richtlinienbrief betont Hubbard sehr stimmungsvoll, daß Scientology die einzige Hoffnung der Menschheit sei, die spirituellen Ketten abzulegen, die sie „in den letzten Trillionen“ gebunden hatten. Und daß es die erste Chance der Menschheit sei und daß es wohl auch sein könnte, daß es die letzte Chance der Menschheit sei. LRH fährt fort, Scientologen inständig dazu aufzufordern, mit ihm diese Verantwortung für diese eine Chance der Menschheit zu tragen und sie alle die scientologische Straße zu ihrer geistigen Freiheit hin zu führen. Hubbard betont, daß wenn man das nicht täte, man sich selbst und die Menschheit in die schlimmste Hölle verdammen würde. LRH ordnete an, daß diese Anleitung eine der ersten in jedem Kurs sein sollte und gründlich gelesen und vollständig verstanden werden müßte.

41. Wenn man diesen Köder geschluckt und sich der Scientology völlig angeschlossen hat, wird man von da an durch Ethik Verfahren in dieser Art zu denken kanalisiert.

42. Sobald ein Scientologe irgend etwas sagt oder denkt das zeigt, daß er kein total hingebungsvoller Scientologe ist, bekommt er umgehend Ethik Verfahren.

43. Die Schwere der Ethik Verfahren, die an einem Scientologen angewendet werden, der abweichlerisches Verhalten an den Tag legt, hängt davon ab, wie weit er von den Scientology Idealen abweicht. Die Schwere der Ethik Aktionen wird bei der Person so lange vertieft, bis er wieder in dem Pferch zurück ist und der „korrekten, scientologischen Art zu denken“ folgt.

44. Ein Student beispielsweise beschließt, an einem Tag lieber Basketball zu spielen statt zum Kurs zu gehen. Der Kursüberwacher würde ihn normalerweise zuerst rügen und würde versuchen, das aufzuklären, was er „offensichtlich in seinen Kursunterlagen nicht verstanden hatte.“ Wenn er daraufhin nicht sich entschuldigt und verspricht, es nie wieder zu tun, wird er zu „Ethik“ geschickt (Ethik ist auch der Begriff, der verwendet wird, den Ort und die Räume zu bezeichnen, wo von Mitarbeitern mit der Bezeichnung „Ethik Officers“ die Ethik Verfahren angewendet werden).

45. Sobald ein Scientologe an Ethik verwiesen wird, wird er von einem oder mehreren Ethik Officers so lange verhört, bis der Officer zufrieden damit ist, daß alles abweichlerische Denken eliminiert ist.

46. Der Ethik Officer wird beispielsweise den Studenten zu Beginn die Geschichte erzählen lassen, wieso er hingegangen sei um Basketball zu spielen und er wird den Bericht des Kursüberwachers lesen. Dann wird er den Studenten fragen, in welchem „Zustand“ er sei.

47. In Scientology gibt es 10 „Zustände“ im Leben. Jede Person kann immer in einen dieser „Zustände“ eingeordnet werden. Zu jedem gibt es eine Schritt für Schritt Formel, um erfolgreich aus dem Zustand herauszukommen und zum nächsthöheren Zustand zu gelangen. Die Namen dieser Zustände vom Untersten bis zum Obersten sind (1) Verwirrung, (2) Verrat, (3) Feind, (4) Zweifel, (5) Belastung (6) Gefahr, (7) Notlage, (8) Normal), (9) Überfluß, (10) Power.

48. Wenn der Student nicht einsehen kann, wieso er einen der unteren Zustände durcharbeiten sollte und wenn der Ethik Officer ihn weder mit Anschwärzung, noch mit Einschüchterung oder Beschuldigungen überzeugen kann, würde er dem Studenten verordnen, daß er alle schlechten Dinge aufschreibt, die er getan hatte, insbesondere gegenüber der Scientology. In Scientology besteht die Überzeugung, daß eine Person, die so viel Widerstand gegen das Befolgen der Regeln hat, nach denen in Ethik der Verstand umkonditioniert wird, daß diese Person schädliche Handlungen begangen haben muß, insbesondere gegen Scientology. (Das Befolgen der Schritte der Formeln der unteren Zustände hätte in ihm die Entschlossenheit geschaffen, niemals wieder Basketball oder sonst etwas spielen zu gehen, während er für Kursstunden eingeschrieben ist.

49. Wenn der widerspenstige Student sich weigert, irgendwelche schlechten Taten aufzuschreiben, wird der Ethik Officer ihn zu einer „Sicherheitsüberprüfung“ beordern. Eine Sicherheitsüberprüfung („Sec Check“) ist eine Liste von Fragen, die auf verschiedenen Arten nach schlechten Taten fragen, die der Student gemacht haben könnte. Bei einer Sicherheitsüberprüfung wird der Student an ein E-Meter gesetzt, so daß seine körperlichen Reaktionen auf die Fragen gemessen werden können. Der Sicherheitsprüfer ist darin trainiert, die Person zum Sprechen zu bringen und dazu, ihre schädlichen Handlungen zuzugeben.

50. Wenn alles gut läuft, wird der Student wahrscheinlich Erleichterung darüber verspüren, irgend welche schädlichen Handlungen losgeworden zu sein. Daraufhin ist er eher bereit, mit den Ethik Officers zu kooperieren, mit ihnen übereinzustimmen und zu entscheiden, daß er vielleicht in einen Zustand von „Zweifel“ geraten war.

51. Die Schritte der Formel zum Zustand Zweifel bringen einen dazu, zu entscheiden, welcher Gruppe oder Art von Leuten man sich annehmen oder völlig anschließen will. In diesem Fall steht der Student vor der Entscheidung zwischen der Gruppe Scientology und der Gruppe von „Dieser Art von Leuten, die verantwortungslos einfach abhauen und Basketball spielen, wenn sie auf Kurs sein sollten.“

52. Die Schritte, die einem helfen sollen, sich zwischen den beiden Gruppen zu entscheiden, beinhalten grundsätzlich eine Betrachtung der Absichten und der Produktivität der beiden Gruppen. Dann soll man sich der Seite anschließen oder auf der Seite verbleiben, die der größten Zahl von Menschen den größten Nutzen bringt. Dann gibt man die Entscheidung beiden Seiten bekannt. Das kann durch eine Mitteilung am schwarzen Brett geschehen, die beinhaltet, daß man im Zustand Zweifel war, sich herausgearbeitet hat und sich der Scientology Gruppe anschließt und sich von der unverantwortlichen Gruppe lossagt, die .... Dann tut man alles, was einem nur möglich ist, um die Aktionen und Statistiken der Gruppe zu verbessern, in der zu verbleiben man beschlossen hat.

53. Wie man aus der Art der Konstruktion der Formel ersehen kann, wird jeder Scientologe die Seite der Scientology wählen. Man beachte, daß man nur eine einzige Seite wählen kann und daß die andere Seite vollständig ausgeschlossen sein muß. Wenn man, wie die meisten langjährigen Scientologen, Dutzende dieser Zweifels-Formeln abgeschlossen hat, hat man letztendlich alle früheren Ziele, Ideale und natürlichen Neigungen verwirkt, die Teil der eigenen natürlichen Persönlichkeit waren und man hat die gesamte eigene Zeit und Energie ausschließlich Scientology hingegeben.

54. Wenn es dem Ethik Officer scheint, daß der Student die Schritte der Formel für Zweifel korrekt durchgeführt hat und bei der richtigen Antwort angelangt ist, gibt er dem Student die Erlaubnis, zum nächsthöheren Zustand aufzusteigen, nämlich zu Belastung.

55. Die Formel für Belastung läßt einen im Grunde herausfinden, wer die eigenen Freunde sind. Was einen nicht verwundert: Die Bearbeitung in Ethik läßt einen nicht weitermachen, bevor man bei der Schlußfolgerung gelandet ist, daß die einzigen eigenen Freunde Scientologen sind. Die Ethik Verfahren erfordern vom Studenten, daß er beschließt, einen wirksamen Schlag gegen die Feinde der Scientology zu führen - nämlich in diesem hypothetischen Fall gegen diese Art von unverantwortlichen Personen, die in ihrem Leben etwas anderes wie Basketball zulassen statt zum Kurs zu gehen. Dieser Schlag mag ein Gespräch mit einigen der alten Freunde beinhalten, um in ihnen ein Gefühl des Unverantwortlichseins zu erwecken und sie zum Kurs zu bringen.

56. Dann muß der Student den von ihm verursachten Schaden wieder gutmachen, indem er weit über die üblichen Erfordernisse eines Gruppenmitgliedes hinaus beiträgt.

57. Darauf muß der reformierte Student jedes Gruppenmitglied um Zustimmung dafür bitten, daß er wieder als Gruppenmitglied anerkannt wird. Im Falle dieses Studenten würde er niederschreiben, was er im Rahmen der Formel getan und welche Wiedergutmachung er geleistet hatte und er würde jede Person im Kursraum durch Unterschrift anzeigen lassen, daß sie ihn wieder in die Gruppe aufnehmen.

58. Wie man sehen kann, wird damit seine Entscheidung, nie wieder der „unverantwortliche“ Typ zu sein, besiegelt und der Student wird in eine Geisteshaltung versetzt, nach der er alle seine Zeit und Energie in Scientology stecken muß, um wirklich gut und ethisch zu sein.

59. Danach muß der Student die Formel für den Zustand „Nicht-Existenz“ abschließen, die ihn der Gruppe weiter anpaßt und gleichschaltet.

60. Das Verfahren, mit dem die unethische Aktion des Basketballspielens - während der Student im Kurs sein sollte - berichtigt werden soll, beinhaltet als nächstes den erfolgreichen Abschluß der „Gefahr“ Situation. Hier läßt der Ethik Officer den Studenten Gewohnheiten, Routinen und „unverantwortliche Tendenzen“ im Leben untersuchen und er läßt ihnRichtlinien formulieren und einführen, die solche Gewohnheiten und Tendenzen künftig aufdecken und ihre Wiederholung verhindern sollen. Im Falle des Studenten könnte das etwas sein wie „Jedesmal, wenn ich ein Gefühl bekomme, daß ich nicht zum Kurs gehen will und lieber mit meinen Freunden Blödsinn mache, werde ich den Kursüberwacher rufen und ihm mein Gefühl sagen, damit er mir umgehend den Kopf wieder zurechtrücken kann.“

61. Nun hat der Student eine Richtlinie für die Zukunft zur Verhütung des Falles, daß er auch nur daran denkt, daß er Basketball oder sonst etwas spielen könnte, während er im Kurs sein sollte.

62. Der nächste Zustand auf dem Weg zurück in einen normalen Ethik Zustand ist Notlage. Um diesen Zustand zu beenden, muß der Scientologe schnell und ungestüm produzieren, die Disziplin als Student straffen und bis spät in die Nacht arbeiten.

63. Nachdem der Student den Ethik Zustand Notlage erfolgreich abgeschlossen hat, kommt er hinauf zu „Normal“, was bedeutet, daß man nichts verändert - daß man das weiter macht, was man für gute Produktion in der Scientology tut.

64. Das Nächsthöhere ist der Zustand Überfluß, der dann zutrifft, wenn die Statistik aufwärtsschießt, womit gezeigt wird, daß die eigene Produktivität für die Scientology und für einen selbst dauerhaft sehr hoch ist.

65. Falls alles über einen längeren Zeitraum gut läuft, kann man den „Power“ Zustand machen. Der Abschluß des Power Zustandes erfordert, daß derStudent detailliert alles das aufschreibt, was er getan hatte, um seine hohe Produktivität beizubehalten. Damit kann der Student seine Informationen darüber an andere weitergeben, wie er den Power Zustand erreicht hatte, so daß diese anderen in seinen Fußstapfen folgen können.

66. An diesem Punkt ist der Student von der Leugnung, daß er etwas Schlechtes getan hätte, bis an den Punkt gelangt, wo er eingebildete oder tatsächliche Ethik Verstöße eingestanden hat, wo er Vergebung von anderen Scientologen für eingestandenes unethisches Verhalten gesucht hat, wo er für die erklärten Missetaten gebüßt hat - bis an den Punkt, wo er sich selbst wiederum der Scientology hingegeben hat um Produktion zu beschleunigen. Dieser Errungenschaft wird der Hubbard Tech zugeschrieben und der Student ist letztendlich so sehr Teil des Systems, daß er eine Niederschrift authorisiert, die anderen zum Erreichen des gleichen Erfolges verhelfen soll.

67. Der Student ist nun endgültig in dem Pferch eingesperrt. Er wird nicht nur glücklich Ketten und Schlösser wieder an ihren Platz am Tor setzen, wenn sie sich lockern oder gar abfallen sollten, er wird auch glücklich jeden anderen in dem Pferch dahingehend beeinflussen, daß der in seinen Fußstapfen nachfolgt.

68. Eine weitere Schlüsselfunktion der Ethik Methodologie ist, diejenigen Scientologen aufzuspüren, die mit Leuten in Verbindung stehen, die in irgend einer Weise gegen Scientology sind. Der Grund dafür ist, daß feindselige Personen Scientology auf irgend eine Weise Schwierigkeiten machen können oder den Scientologen verstimmen können, indem sie ihm schlechte Dinge über Scientology oder über Hubbard erzählen. Der Scientologe könnte sogar die Organisation verlassen und sich gegen Scientology wenden.

69. Sobald ein Ethik Officer von einem Scientologen erfährt, der mit jemandem in Verbindung steht, der irgendwie gegen Scientology ist, bezeichnet er diesen Scientologen als eine Potentielle Quelle von Schwierigkeiten („PTS“). Daraufhin wird diesem Scientologen nicht mehr erlaubt, weitere Scientology Dienstleistungen zu belegen, bis e die feindselige Verbindung gehandhabt hat. Das wird dadurch erreicht, daß man das feindselige Element dazu bringt, seine Meinung zu ändern und entweder zuzustimmen, daß er Scientology mag oder daß es für ihn zumindest in Ordnung ist, daß der Scientologe weiterhin die Brücke hinaufgeht.

70. In manchen Fällen wird die feindselige Person ihre Meinung nicht ändern, dann muß der Scientologe sich von der feindseligen Person trennen. Normalerweise wird der Ethik Officer den Scientologen anweisen, daß er einen Brief schreiben soll, in dem er die feindselige Person anprangert und alle zukünftigen Verbindungen und den Kontakt mit der Person abschneidet.

71. Dies gesamte Verfahren bewirkt im Grunde, daßniemand von außerhalb des Pferches, in dem die Scientologen stecken, hergehen kann, um einem Scientologen zu erzählen, daß das „Gras auf der anderen Seite grüner ist“ oder etwas dieser Art. Dieses Ethik Verfahren hilft also wiederum, die Scientologen in dem Pferch glücklich zu halten.

DIE VERWENDUNG VON ETHIK IN DER SEA ORG

72. Die Sea Org ist eine Elitegruppe von Leuten, die ihr Herz und ihre Seele und ihr Leben für die nächste Milliarde Jahre der Befreiung der Menschheit im gesamten Universum von der geistigen Versklavung verschrieben haben, der sie unterworfen ist. Das ist es, was die Sea Org Mitglieder wirklich glauben und sie glauben, daß Scientology die EINZIGE Hoffnung auf geistige und mentale Freiheit wäre. Die große Mehrheit der Sea Org Mitglieder bekommen praktisch keinerlei materiellen Nutzen für ihre Dienste und nur $ 30.00 pro Woche als Ausgleich für ihre Mühen. Sea Org Mitglieder leben in gemeindeähnlichen Umständen, in denen für Nahrung und Unterkunft gesorgt ist.

73. Die spartanischen Bedingungen, unter denen praktisch alle Sea Org Mitglieder leben, stehen in krassem Gegensatz zu den Umstände der höchsten Ränge von Sea Org & Scientology. Die meisten in den höchsten Ränge haben ihre eigenen Autos. Miscavige, der leitende Vertreter von CSI und anderen Scientology Organisationen, sowie seine Frau hatten stets die teuersten Wagen.

74. Ethik Verfahren werden viel umfangreicher und freigiebiger eingesetzt. Wie man sieht, werden diese bestimmten Scientologen, die bereit sind ihr gesamtes Leben in dem Pferch zu verbringen - die werden in einen höheren Pferch versetzt und darin trainiert, andere mit dem Lasso einzufangen und in den unteren Pferch zu treiben und mit Ethik Verfahren dort zu halten.
 

75. In der Sea Org wird Ethik in einem solchen Ausmaß angewendet, daß Sea Org Mitglieder bereit sind, Scheuklappen anzulegen, damit sie es umgehen können, irgend etwas anderes zu denken und zu tun außer Scientology und ihren Jobs und ihrem Ziel, die Menschheit zu befreien. Merkwürdigerweise bekommmt man jedoch, wenn man „verdient“ genug ist, um auf einen Posten in der Basis befördert zu werden, nicht mehr die Unterweisungen, die einen aufheizen (??? „to hype up on“), die Meschheit zu retten. Alles, was man von den Führungskräften in der Basis bei Unterweisungen hört ist, daß man Scientology expandieren und Geld machen soll Man hört kaum mehr etwas von „Befreiung der Menschheit“ in der Basis.

76. Der Grund, warum Mitarbeiter dieser Basis diese Scheuklappen anlegen wollen ist, weil es für den Vorgesetzten oder einen Ethik Officer so leicht ist, einen in einen tieferen Ethik Zustand zu setzen. Wenn man in einem niederen Zustand ist, hat man keine Freizeit mehr (was man sowieso nur jeden zweiten Sonntag ab Mittag hat) und man verliert eine Menge Schlaf, weil man bis spät nachts oder die ganze Nacht lang Wiedergutmachung leisten muß, da man die natürlich in der eigenen Zeit leistet. Man ist also glücklich, wenn man nachts 7 Stunden Schlaf bekommt. Und man macht sowieso immer wieder Nächte durch, um irgend welche Projekte rechtzeitig zu schaffen. Außerdem wird man als Mitarbeiter in einem niedrigen Zustand von anderen Mitgliedern der Mannschaft gründlich gemieden, da die verpflichtet sind, nicht zu freundlich zu sein, bis ein Mitarbeiter aus dem tieferen Zustand heraus ist.

77. Man nimmt auch jemanden wie mich, der in so gut wie ALLER Ethik Technologie bezüglich Sicherheitsüberprüfungen trainiert worden ist.

78. Es gibt eine Angabe, die Hubbard in verschiedenen Bulletins macht und welche beinhaltet, daß wenn man kritisch gegenüber einer Person oder Gruppe ist und die Kritik nicht sachlich ist, daß man dann eine schädliche Handlung begangen hat gegen diese Person oder Gruppe. Erkennen und Loswerden der schädlichen Handlung wird einem Erleichterung verschaffen. Wenn das alles war, was es da gab, wird einem nicht mehr nach Kritik zumute sein. Wenn man sich hingegen entscheidet, es nicht zu erzählen, werden verschiedene mentale Folgen eintreten: (a) der eigene Verstand wird ganz in Überlegungen verstrickt sein, wer es beinahe bemerkt haben könnte und ob er es nun weiß oder nicht, (b) man zieht sich selbst schädliche Handlungen an.

79. Jeder überzeugte und trainierte Scientologe wird immer jede Gelegenheit ergreifen wollen, jede kleinste schädliche Handlung loszuwerden, um diesen Folgen zu entgehen. Es ist bemerkenswert, daß ich jedes Wort der Hubbard Tech in einem solchen Ausmaß glaubte, daß ich diese beiden Folgen jedesmal verspürte, wenn ich die kleinste Missetat begangen hatte. Es ist wie bei einer hypnotischen Anweisung.

80. Der Zwang ging so weit daß ich jedesmal, wenn mir etwas Schlechtes widerfuhr (wie beispielsweise ohne Begründung angeschrieen zu werden, wobei es seltene Tage waren, wo dies nicht geschah), das Gefühl hatte, ich müsse etwas Schlechtes getan haben um mir diese Behandlung anzuziehen.

81. Ich durchsuchte meinen ganzen Verstand, um zu finden, was ich denn getan hätte. Wenn ich gar nichts finden konnte (was häufig der Fall war, da ich zwanghaft darauf achtete, alle Regeln einzuhalten und super gut zu sein um diese Folgen zu vermeiden) mußte ich annehmen, daß es etwas ganz Frühes gewesen sein mußte, das ich sogar vor mir selbst verborgen hatte.

82. Ich hatte so viele Sicherheitsüberprüfungen gehabt und jedes kleinste nur vorstellbare schädliche Ding, das ich je getan hatte, immer wieder erzählt, daß ich letztendlich anfing zu glauben, daß wenn dieses Leben mit einem so feinen Kamm durchkämmt worden war, daß ich dann eine Menge von Verbrechen in früheren Leben begangen haben mußte, die ich der gründlichen Untersuchung der Ethik Officers nicht richtig preisgegeben hatte. Um die schlechten Erfahrungen der Gegenwart besser zu begründen, fing ich wie viele Scientologen an, scheußliche Taten zu erfinden, die ich in früheren Leben begangen hatte. Ich beschwor die herauf, um zu erklären, wieso ich so unglücklich war und trotz meiner Mühen, perfekt zu sein, immer wieder angeschrieen wurde.

83. Der Trick ist, Sea Org Mitglieder dermaßen zu introvertieren und dazu noch mit gewaltigen Mengen von Produktion zu beschäftigen, die von einem verlangt wird und für die man sehr unliebsame Strafen bekommt wenn man die verlangte Produktion nicht schafft, daß man einfach keinen Raum zum Durchatmen hat und zum Beobachten und zum ernsthaften kritischen Überlegen von irgend etwas.

84. Ich sah beispielsweise zu, wie ein Freund von mir wegen einem von ihm begangenen Fehler von einer sehr hohen Führungskraft angeschrien und völlig niedergemacht wurde. Mein Freund tat mir sehr leid. Aber ich war geschult, auch nur den Gedanken daran zu verweigern, daß diese Art von verbaler und emotionaler Mißhandlung falsch sei. Das Verhalten dieser hohen Führungskraft war per Definition über alle Vorwürfe erhaben. Ich war tatsächlich richtig in den Glauben konditioniert, daß es notwendig sei, Leute anzuschreien um gute Produktion zustande zu bringen.. Dieser Konflikt zwischen meinen natürlichen Neigungen und der Scientology Lehre, die ich damals vollkommen unterstützte, vertiefte meine Introversion, da es nicht aus mir heraus kam, so zu schreien. Also mußte gemäß den Definitionen des scientologischen Glaubenssystems etwas mit mir selbst falsch sein. Ich habe wirklich oft das Gefühl gehabt, daß meine Unfähigkeit, meine Untergebenen verbal zu mißhandeln, ein grober Charakterfehler in mir war, da alle höheren Führungskräfte mich und ihre anderen Untergebenen regelmäßig verbal und emotional mißhandelten.
 
 
 
 
 



1. Version dieser Seite installiert am 26.2.2000


Impressum:



Die Website www.Ingo-Heinemann.de wurde eröffnet im September 1998