Ingo Heinemann: Scientology-Kritik 
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Zuletzt bearbeitet am 17.1.2010 
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  Robert Vaughn Young
Erklärung vom 25.10.1993
über den Scientology-Geheimdienst
und sein Leben bei Scientology
 
 

 
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Das englische Original befindet sich im Internet unter http://www.xenutv.com/blog/?p=2653
Robert Vaughn Young hat den Text zur Vorlage bei Gericht verfasst.
Es ging um diese Prozesse:
 
Aus: Frank Nordhausen und Liane von Billerbeck, "Scientology - Wie der Sektenkozern die Welt erobern will", 2008


"Um Time ein für allemal mundtot zu machen, hatte die Sekte das Magazin wegen übler Nachrede auf Schadenersatz von immerhin 416 Millionen Dollar verklagt. Gleichzeitig zettelte sie in Los Angeles im November 1991 ein Verfahren gegen Fishman und seinen Psychiater Geertz an; beide sollten für ihre »verleumderischen« Aussagen je eine Million Dollar zahlen. Doch das Verfahren nahm einen anderen Verlauf, als die Scientologen es sich wohl vorgestellt hatten. Gegen den heftigen Protest der Sekte ließ der Richter Harry L. Hupp umfangreiche Zeugenvernehmungen zu. Eine illustre Reihe ehemaliger Elite-Scientologen wurde - zum Teil unter Polizeischutz - über die wahren Zustände in Hubbards Sonnenstaat befragt. Ihre eidlichen Aussagen ließen die Anwälte per Video dokumentieren und schriftlich niederlegen."

Dazu  hat Young auch eine Eidesstattliche Versicherung abgegeben, http://www.xenu.net/archive/go/legal/rvy.htm
 

Inhalt:

[Anmerkungen bei oder nach Übertragung in HTML erscheinen in eckiger Klammer]
CD-19
10. Oktober 1994 [Vermutlich das Datum der Übertragung ins Internet]
Copyright (C) 1994 by Robert Vaughn Young
Die Vervielfältigung für nicht gewerbliche Zwecke ist erlaubt
AUSSAGE VON ROBERT VAUGHN YOUNG

Ich, ROBERT VAUGHN YOUNG. sage folgendes aus:
 

Zweck dieser Aussage

1.  Ich bin als Berater des Rechtsanwalts eines der Beklagten, Dr. Uwe Geertz, im Rechtsstreit von CHURCH OF SCIENTOLOGY INTERNATIONAL gegen STEVEN FISHMAN ET AL bestellt. Ich mache diese Aussage zur Unterstützung mehrerer, von Dr. Geertz gestellter Anträge auf eine gerichtliche Entscheidung ohne Geschworenenverhandlung und insbesondere als Antwort auf die Aussage von Lynn Farny bezüglich des sog. Fair Game (Freiwild) und der von der Scientology-Kirche streng verfolgten Doktrin, dass Personen wie Dr. Geertz. die als "Suppressive Persons" (unterdrückerische Personen) oder Feinde von Scientology gelten. mit allen verfügbaren Mitteln schikaniert werden sollten und müssen, und zwar insbesondere auf gerichtlichem Wege, um sie für ihre Kritik an Scientology zu bestrafen. Ich werde die Hintergründe für die in der vorliegenden Aussage enthaltenen Fakten zusammenfassen. Sodann werde ich die Punkte in Zusammenhang mit den noch unentschiedenen Anträgen ansprechen. Abschließend werde ich meine Beziehungen zu Scientology darlegen; die den Hintergrund für die in der vorliegenden Aussage enthaltenen detaillierten Fakten bilden.

2.  Die in der vorliegenden Aussage dargestellten Fakten beruhen auf meinen persönlichen Kenntnissen, und im Falle einer geforderten Zeugenaussage könnte und würde ich diese gerichtsverwertbar bezeugen. I
 
 
 

Zusammenfassung meiner Beziehungen zu Scientology

3. Etwa 20 Jahre lang, zwischen 1969 und 1989, war ich Mitglied einer Organisation, die sich selbst Scientology-Kirche nennt. Mit Ausnahme der ersten Monate meiner Verbindung zu dieser Organisation war ich während der.gesamten Dauer meiner Mitgliedschaft Angestellter der Scientology-Kirche. Ungefähr 15 dieser über 20 Jahre lebte ich in Wohngemeinschaften in den Einrichtungen der Organisation. Ich erreichte eine der vertraulichsten Stufen eines persönlichen Beraters in der Hierarchie der Scientologen. Ich erlangte umfassende Informationen und absolvierte Kurse in den Techniken und Methoden, die von Personen angewandt werden, die sich selbst als Scientologen bezeichnen. Ich habe in jeder Phase und jedem Aspekt von Scientology, von den Einführungs- bis zu den höchsten Management-Ebenen, gearbeitet.

4. In meinen verschiedenen Positionen habe ich direkt mit Scientology-Organisationen und -Mitarbeitern in mindestens einem Dutzend Länder zusammengearbeitet. Von mir verfasste Materialien wurden zwischen 1969 und 1989 in jeder Scientology-Organisation eingesetzt.

5. Ich lernte die komplizierten Unternehmensstrukturen von Scientology und ihre Zusammenhänge kennen. Ich bin mit den "weltlichen" Armen von Scientology vertraut. Hierbei handelt es sich um Gruppen, die augenscheinlich nichts mit der Scientology-Kirche zu tun haben, tatsächlich aber von der Scientology-Hierarchie gesteuert werden.

6. Während fast der gesamten Dauer meiner 20jährigen Mitgliedschaft war mein Aufgabenbereich die Öffentlichkeitsarbeit (PR) für L. Ron Hubbard (nachstehend als "Hubbard" bezeichnet) und/oder für die Scientology-Kirche. Ich hatte mit allen Aspekten der Öffentlichkeitsarbeit von Scientology zu tun, von den einfachsten Aktionen bis zum Umgang mit internationalen Medien. Ich war in alle Stufen der Dokumentation eingeweiht und habe sie gelesen, einschließlich Hubbards persönlichster und geheimster Schriften und der Materialien für die "höheren Ebenen". Im Namen von Hubbard und Scientology hatte ich mit allen Arten und Phasen der Medien zu tun. Bei vielen Gelegenheiten fungierte ich als nationaler Pressesprecher. Ich habe Tausende von Presseartikeln verfasst und wurde persönlich damit beauftragt, die Situation nach Hubbards Tod in der Presse zu behandeln. Ich wurde von der Scientology-Kirche als Experte zu Zeugenaussagen herangezogen. Durch meine direkte Arbeit veranlasste ich die offizielle Anerkennung von Scientology durch verschiedene Bundesbehörden in Form von Briefen an mich, die von Scientology in den Medien und bei Gerichtsverhandlungen in aller Weit verwendet wurden.
 
 
 

"Fair Game" und Angriffe auf unterdrückerische Personen sind ein zentraler Bestandteil der Scientology-Glaubenslehre.

7. Als Experte für die Scientology-Politik und -Praktiken wurde mir eine Kopie der . Aussage von Lynn R. Farny (nachstehend als "Herr Farny" bezeichnet) vom 18. Oktober 1993 zur Verfügung gestellt, in der er die Ethik und das Rechtssystem von Hubbard und Scientology darlegt. Ich wurde gebeten, auf diese Aussage zu antworten.

8. Herr Farny versucht die Idee zu widerlegen, daß "Fair Game" eine politische Maßnahme von Hubbard und Scientology ist. Hierbei geht Herr Farny wie folgt vor: Erstens zitiert er eine vom US-Bundesfinanzamt gewährte Steuerbefreiung; zweitens belegt er, dass Hubbard Schriften über Ehrlichkeit verfasst hat; drittens besteht er darauf, daß Scientologen als Gruppe ehrlich sind; viertens argumentiert er, dass das Scientology-Recht nur nach der Wahrheit sucht und niemanden bestraft; fünftens behauptet er beharrlich, dass "Fair Game" nur die Bedeutung.hatte, dass eine Person nicht durch Scientology-Recht geschützt war; und sechstens legt er dar, wie das Guardian Office "vollkommen gegen die Politik der Scientology-Kirche"- handelte und daher abgeschafft wurde.

9. Erstens behauptet Herr Farny, dass das Bundesfinanzamt zu dem Schluss gelangt ist. dass alle Scientology-Kirchen und -Missionen "in keinerlei kriminelle oder andere unerlaubte Machenschaften verwickelt sind oder waren". Diese Behauptung ist nachweislich unwahr. Scientology-Vertreter, angefangen von Hubbards Ehefrau Mary Sue, sind in den USA, in Kanada und anaeren Ländern angeklagt, verurteilt und mit Haftstrafen belegt worden. Viele hochrangige Scientology-Vertreter wurden als nichtangeklagte Mitverschwörer genannt, einschließlich Kendrick "Rick" Moxon, Hubbard- und interner Scientology-Rechtsberater.

10. Herr Farny tut nur das, was Hubbard zu einem wesentlichen Bestandteil der Scientology-Lehre gemacht hat: Niemals einen Fehler zuzugeben. Während die Liste der Beweise für das kriminelle Verhalten von Scientology-Vertretern in ihrer Eigenschaft als solche schier endlos ist, bleibt Hubbard bei seiner Haltung, nie einen Fehler zuzugeben. In solchen Fällen wurde stets die Position eingenommen, den Fehler weit von sich zu schieben, so dass dieser nichts mehr mit Scientology zu tun hatte. Wie ich jedoch zeigen werde, hing dieser Fehler nicht nur in allen Punkten mit Scientology, sondern auch direkt mit Hubbard zusammen. Deshalb wurde er auch als nichtangeklagter Mitverschwörer bezeichnet

11. Zweitens zitiert Herr Farny in weiten Teilen Hubbard. um zu beweisen, wie Hubbard über das Bedürfnis nach Ehrlichkeit schreibt. Herr Farny sagt hier jedoch nicht alles. Herr Farny wählt seine Beweise aus den bekanntesten Schriften von Hubbard aus. Es gab jedoch eine andere - verborgene - Seite des L. Ron Hubbard, die zeigt, dass er im wahrsten Sinne des Wortes zwei Gesichter hatte, ein Schizophrener, dessen Schizophrenie durch alle Scientology-Organisationen geht, wie ein Richter so treffend anmerkte (Zitat später). Diese andere Seite von Hubbard ist es, die die Belagerungsmentalität und "Fair Game" erfunden hat. wie nachstehend noch ausgeführt wird,

12. Drittens steht die Behauptung von Herrn Farny, die Scientologen als Gruppe seien von hohen ethischen Grundsätzen geleitet, hier wirklich nicht zur Diskussion. Der Wert des Scientologen als solcher ist nicht Gegenstand des Rechtsstreits. Man kann zugestehen, dass sie gute Menschen sind, ohne von der Bösartigkeit von Hubbards "Fair Game-Politik oder seinem Verhalten gegenüber seinen Feinden, die er Feinde von Scientology nennt, abzulenken.

13.Viertens argumentiert Herr Farny, das Ethik- und Rechtssystem von Hubbard bzw. Scientology "basiere ausschließlich auf dem Streben nach der Wahrheit" und habe nichts mit Bestrafung zu tun.

14. Offensichtlich verschweigt Herr Farny den Sinn der Scientology-Ethik. Hubard: "Der Sinn der Ethik ist DAS ENTFERNEN VON GEGENZIELEN AUS DER UMGEBUNG." (HCOPL 18.6.68, Ethik; Großschreibung auch im Original). Weil Ziele nicht losgelöst von Menschen existieren, stellt sich die Frage Ziele gegen wen? Die Antwort lautet: gegen Hubbards Ziele. Jeder und alles, was sich gegen die Absichten von Hubbard richtet, ist Ziel der Ethik. Dies ist entscheidend für das Verständnis der Hubbard-Ethik, der Rolle des Guardian Office bzw. des Office of Special Affairs sowie von "Fair Game".

15. Unterschiedliche Meinungen und Gedankenaustausch sind zentraler Bestandteil der amerikanischen Gesellschaft. In der Scientology-Kirche sind sie jedoch verboten, denn Scientology ist ein geschlossenes System. Das Einbringen neuer Ideen (die nicht von Hubbard stammen) ist nicht erlaubt. Scientology definiert sich auch selbst. Glück ist definiert nach Hubbard, Überleben ist definiert nach Hubbard, Verstand ist definiert nach Hubbard. Ist jemand anderer Meinung als Hubbard, so liegt der Fehler bei dieser Person, nicht bei Hubbard. Es ist Aufgabe der betreffenden Person, ihre Probleme selbst zu. lösen, bis eine Übereinstimmung mit den Ansichten von Hubbard erreicht ist. (Zur Erreichung dieses Ziels gibt es verschiedene Mittel.) Stellt die besagte Person eine Hubbard-Idee weiterhin in Frage, wird die Ethik (bis zur Bestrafung mit "Fair Game") angewandt.

16. Herr Farny behauptet, dass die Scientology-Lehre keine Bestrafung vorsehe. Für die Allgemeinheit ist dies zutreffend. Aber dies stimmt nicht für Scientology-Mitarbeiter, und es gibt viele dokumentierte Fälle, die mir persönlich bekannt sind: Menschen, die in einem Raum eingeschlossen und von mehreren Leuten angeschrien wurden, bis sie zusammenbrachen oder gestanden; Menschen. die auf Hubbards Anordnung hin auf seinem Schiff in Ketten gelegt wurden; Menschen, die mit gefesselten Händen und Füßen über Bord geworfen wurden; Menschen, die nur noch Reis und Bohnen zu essen bekamen; Menschen, die man tagelang nicht schlafen ließ; Menschen, die man auf dem nackten Fußboden, in Toiletten oder in "Schweineställen" (der Name sagt alles) schlafen ließ; Menschen, die jahrelang Schwerstarbeit in den berüchtigten (und geheimen) Gulags, der sog. Rehabilitation Project Force (RPF)s verrichten mussten; Menschen, die physisch angegriffen und geschlagen wurden, weil sie den Gehorsam verweigerten; Menschen, die in der Wüstensonne bis zur Erschöpfung gehetzt und dann dazu gebracht wurden, noch weiter zu rennen; und so weiter.

17. Derartige Misshandlungen sind den Scientology-Angehörigen, insbesondere der Sea Organisation, wohlbekannt. Es gilt jedoch als Verbrechen gegenüber Scientology, das entsprechend bestraft wird, diese Übergriffe der Welt außerhalb von Scientology preiszugeben, die sich dann einmischen könnte. Ich kenne Herrn Farny seit etwa 10 Jahren. Ich weiß. dass ihm einige der genannten Misshandlungen bekannt sind. Ich weiß auch, dass er ein ergebener Scientologe ist. der in einem dieser Gulags war und von den Leitern schliesslich als "rehabilitiert* entlassen wurde. Wahr ist, dass es Strafen in der Scientology-Kirche gibt. Dieser Punkt wurde bereits 1959 in Hubbards Original-"Handbuch der Gerechtigkeit" [[www.Ingo-Heinemann.de/Handbuch-des-Rechts.htm]] genannt (siehe ANLAGE P):

Und an späterer Stelle:
"Keiner von uns verurteilt oder BESTRAFT gern. Dennoch sind wir möglicherweise die einzigen .Menschen auf der Erde, die das Recht haben zu BESTRAFEN - weil wir den Schaden, den wir angerichtet haben, in den meisten Fällen wieder gutmachen können." (dto, Seite 7, nachträgliche Hervorhebung)

18. Im selben Handbuch gibt Hubbard auch Anweisungen, wie Menschen in einer "Untersuchung" "niedergeschmettert" werden können. Dieses "Handbuch" enthält in der Tat die philosophischen Ursprünge der Praktiken, die als "Fair Game" bekannt geworden sind. (Es gibt noch einen früheren Bezug, auf den ich später zu sprechen komme. Siehe Abschnitt  m)
"Erinnern wir uns: Allein durch eine Untersuchung können wir die Bande im Zaum halten und Abweichler und unethische "Dianetik- und Scientology"-Organisationen zerbrechen." (HANDBUCH DER GERECHTIGKEIT, Seite 3)

19. Einige Jahre später führte Hubbard die Doktrin ein, "produzierte" Beweise als Drohung zu verwenden. Am 15. August 1360 wurde das "Department of Government Affairs* (Department für Regierungsangelegenheiten) gemäß einer von Hubbard verfassten Anweisung gegründet (siehe ANLAGE R). Dies war der Vorläufer des Guardian Office (GO), das später in Office of Special Affairs (OSA) umbenannt wurde. In besagter Anweisung befiehlt Hubbard:

20. Ein "Qvert" ist in der Scientology-Sprache ein Vergehen, ein Fehler. Hubbards Aussagen legen das moralische Fundament für "Fair Game". Er sagt damit, solange man eine Übereinstimmung mit Hubbards Zielen herbeiführt, liegt darin kein Vergehen gegen die Moral. Mit anderen Worten, der Zweck heiligt die Mittel, wie in der Welt der Nicht-Scientologen. So begann "Fair Game" und dies ist noch heute die Ansicht des überzeugten GO/OSA-Personals.

21. Herr Farny spricht von "schädlichen Handlungen', definiert sie jedoch nicht in Hubbard-Begriffen und nach der für Scientologen verbindlichen Lehre. Sie sind in einem Richtlinienbrief mit dem Titel "See Checking: Note." definiert, den Hubbard am 23. Oktober 1983 schrieb (siehe ANLAGE S). Darin schreibt Hubbard, die wahre "schädliche Handlung", die Herr Farny zitiert, ist "etwas, das den Sitten einer Gruppe widerspricht...". Hubbard ist in diesem Punkt sehr bestimmt. Scientology "ist technisch gesehen NICHT interessiert an Betrügereien oder "Overts"' [schädlichen Handlungen] gegenüber den Feinden einer Gruppe oder damit verbundenen Heimlichkeiten [Geheimnissen]." Mit anderen Worten, seit 1983 sind Aktionen und Vergehen gegen "Feinde" nicht von moralischem oder ethischem Interesse. Wichtig sind nur Vergehen gegen Scientology. Dies ist die ethische Einstellung, die ein Festhalten am sog. "Fair Game" erlaubt.

22. Niemand sollte auf den Gedanken kommen, dass Scientology Kritiker aus anderen als persönlichen Gründen angreift. Die Kreuzzüge gegen Übergriffe werden besonders aufgebauscht; 1967 stellte Hubbard jedoch klar, warum Scientology jemanden angreift und wann dieser Angriff gestoppt wird. Folgender Abschnitt stammt aus dem HCO-Richtlinienbrief vom 5. November 1967 "Critics of Scientology" (siehe ANLAGE T):

23. Fünftens ist Herr Farny, was "Fair Game" anbetrift, wieder einmal nicht ganz ehrlich. Er behauptet. "Fair Game" (Freiwild) "bedeute einfach, dass eine so bezeichnete Person keinen Anspruch mehr auf den Schutz durch das Scientology-Rechtssystem hatte". An anderer Steile sagt er, es handele sich um "einen direkten Hinweis auf das, was Personen, die keinen Zugang zum Scientology-Rechtssystem erlangen können, wahrscheinlich in den Händen der Rechtssysteme der Gesellschaft: erfahren werden". Da das Thema "Fair Game" seit Jahren Gegenstand der Diskussion ist, würde ich die Dinge gern richtigstellen. Die folgenden Fakten basieren auf den Erkenntnissen, die ich beim Studium streng vertraulicher Guardian Office-Akten und -Berichte sowie anderer Schreiben und Aussagen von Hubbard erlangt habe.

24. "Fair Game" wurde 1968 in Großbritannien während der von der Regierung veranlaßten Untersuchungen zum Gegenstand der Auseinandersetzung. Damals hatte Hubbard bereits einen schweren Rückschlag in Australien einstecken müssen. 1965 hatte der australische Scientology-Untersuchungsausschuss nach 160 Sitzungstagen und der Anhörung von 151 Zeugen seinen Abschlussbericht vorgelegt. Die einleitenden Worte dieses Berichts ließen das Ergebnis der Untersuchung bereits vorausahnen:

Darüber hinaus wurde in diesem Bericht auch Hubbards geistige Gesundheit "stark angezweifelt". Im Dezember 1965 handelte die australische Regierung": Der Bundesstaat Victoria verabschiedete das Gesetz "Psychological Practices Act", das im wesentlichen die Ausübung von Scientology in diesem Staat verbot. Einige Monate später, am 7. Februar 1966. wurde im britischen Unterhaus eine ähnliche Untersuchung beantragt. Damit waren die Voraussetzungen für eine Flut von Vergeltungsmaßnahmen seitens Hubbard geschaffen, die noch heute ihren Niederschlag in der Scientology-Politik finden.
25. Am 7. März 1965 schrieb Hubbard den Richtlinienbrief Hubbard Communications Office Policy Letter (HCOPL) mit dem Titel: "Ethik: Unterdrückerische Handlungen: Unterdrückung von Scientology und Scientologen: Das Fair-Game-Gesetz" (siehe ANLAGE A). Dieser Brief enthielt die offizielle Definition von "Fair Game". Hubbard schrieb:

26. Eine uunterdrückerische Person" definiert Hubbard wie folgt:

27. Zu den dort aufgeführten unterdrückerischen Handlungen zählen "die öffentliche Nichtanerkennung von Scientology", "gegen Scientology gerichtete Behauptungen in der Öffentlichkeit", die Beantragung einer Rückerstattung gezahlter Gebühren und "das Schreiben von Anti-Scientology-Briefen an die Presse". Selbst einen Scientologen zum Aufsuchen der zuständigen Behörden zu veranlassen, kann einem das Stigma eines Unterdrückers bescheren. Dieser Brief verbietet darüber hinaus "Mord. Brandstiftung, Zerstörung von Personen oder Angehörigen,die sich keiner unterdrückerischen Handlungen schuldig gemacht haben".

28. Es sei angemerkt, dass es sich bei dem Richtlinienbrief, aus dem sämtliche obengenannten Zitate stammen, auch um das Original handelt, der das von Herrn Farny zitierte "einfache Fünf-Schritte-Verfahren" (unter Scientologen als "A bis E" bekannt) enthält. Auch dieser Richtlinienbrief wurde unter dem Titel "Fair-Game-Gesetz" erst 1980 in Band 1 von The Organization Executive Course: An Encyclopedia of Scientology Policy" (Kurs für Führungskräfte der Organisation: Eine Enzyklopädie der Scientology-Poitik) von L. Ron Hubbard veröffentlicht. Der Brief "Suppressive Acts: Suppression of Scientology and Scientologists: The Fair Game Law" (Unterdrückerische Handlungen: Unterdrückung von Scientology und Scientologen: Das Fair-Game-Gesetz) erscheint auf Seite 552 ff., was zeigt, daß "Fair Game" nach wie vor praktiziert wird. Diese Bände wurden inzwischen neu aufgelegt, um bestimmte Sätze und Schreiben von Hubbard reinzuwaschen, die den Führungskräften juristische Probleme verursachten. Dies geschieht ohne Unterrichtung der Mitglieder der Scientology-Kirche und entgegen einer Anordnung mit dem Titel "The Integrity of Source" (Die Unversehrtheit der Quelle), die jedem ausser Hubbard Änderungen an seinen Schriften verbietet. Darauf komme ich an späterer Stelle noch zurück.

29. Hubbards eigene Anwendung der Fair-Garne-Taktik wurde später als Modell angesehen. Seine Taktik in diesem Punkt wurde einige Monate nach obengenanntem Brief deutlich, als er am 27. September 1965 einen HCO-Brief für Führungskräfte zum Thema "Amprinistics" schrieb (siehe ANLAGE B). Dies war seines Erachtens eine "Splittergruppe", eine Gruppe, die ausserhalb seiner Kontrolle Scientology-Methoden anwandte. In Hubbards dreiseitigem Brief werden die Amprinistics-Gründer mit den verschiedensten Vorwürfen bezüglich ihres Sexuallebens attackiert, (das Sexualleben, insbesondere Homosexualität, und Kommunismus waren zwei der von Hubbard am liebsten gebrauchten Vorwürfe.) Hubbard erklärte die Amprinistics-Anhänger zum Freiwild. Da Hubbard die Quelle jeglicher Scientology-Politik und -Definitionen ist. sind folgende Ausführungen ein "Paradebeispiel" für Hubbards Ansichten zu Fair Game:

30. Hubbard ist damit noch nicht fertig. Er fährt fort mit einem fünf Schritte umfassenden Befehl, darunter folgende Anweisungen: 31. Offensichtlich hatte Hubbard auch eine Kehrseite, eine Seite, die nur Mitarbeiter (nicht die Öffentlichkeit) zu sehen bekamen. Dazu gehören Hubbards Schrif:ten. die die Grundlage für "Fair Game,: legten, und nicht das. was Herr Farny mit glühenden Hubbard-Platitüden versucht hat darzulegen, die ausschließlich für die Öffentlichkeit, die Medien, die Gerichte und das US-Bundesfinanzamt geschrieben wurden.

32. 1966 begann Hubbard, ein System für jene Scientology-Sektionen zu schaffen, die "Fair Game" durchführen sollen. So rief er beispielsweise an 17. Februar 1966.mit einem Richtlinienbrief gleichen Namens und Datums die "Public Investigation Section" (Sektion für Nachforschungen außerhalb von Scientology) ins Leben (siehe ANLAGE C). Hubbard beschrieb sie wie folgt.

In diesem Stil schrieb er: "Angewandt werden die üblichen nachrichtendienstlichen Methoden." Die Statistik der Gruppe enthielt "die Anzahl der in dieser Woche erschienenen nachteiligen Presseberichte über Feinde von Scientology''. Er sagte: Hubbard schreckte auch nicht davor zurück, den Rassenhass zu schüren: Er schlußfolgert später: ''Auf diese Weise werden wir unterdrückerische Gruppen , durch Nachforschung und Offenlegung los."

33. Am nächsten Tag, dem 18. Februar 1966, schrieb Hubbard "Attacks on Scientology" (Angriffe auf Scientology) (siehe ANLAGE D); darin drängte er erneut auf die Durchführung von Nachforschungen. Unterdrückerische Personen haben seiner Meinung nach Verbrechen verübt. "Diese Menschen, die uns angreifen, haben Geheimnisse. Und verborgene Verbrechen. Sie haben Angst." Damit forderte er dazu auf, im Leben dieser Personen nachzuforschen, weil dies den Angreifer zum Rückzug veranlassen würde.

34. Eine Woche später, am 25. Februar 1966, schrieb er einen weiteren Richtlinienbrief mit dem Titel "Attacks on Scientology" (siehe ANLAGE E), in dem er mit Nachdruck forderte, "die Presse nun mit echten, schauerlichen Beweisen gegen die Angreifer aus der Sparte Blut, Sex und Verbrechen zu beliefern."

35. Am 1. März 1966 gründete Hubbard das Guardian Office, das die oben beschriebene nachrichtendienstliche Tätigkeit übernahm (siehe ANLAGE F).

36. Als die Probleme für Hubbard überhandnahmen, schrieb er am 18. Oktober 1967 einen Brief mit dem Titel "Penalties for Lower Conditions" (Strafen für geringere Vergehen) (siehe ANLAGE G), durch den jeder (einschließlich der Mitarbeiter) automatisch zum Freiwild erklärt wurde, der ein "Feind" war. Dies war, so sagte er, ein

37. Als die internationalen Probleme Hubbards nicht nachließen, war ein Gegenstand der Untersuchungen die "Fair Game"-Praktiken. Schriften wie die über die Amprinistics wurden zum PR-Problem, und daher schrieb Hubbard am 21. Oktober 1968 einen Brief ("Cancellation of Fair Game" - Aufhebung von Fair Game, siehe ANLAGE H), in dem behauptet wurde, "Fair Game" wäre ein PR-Problem. Die moralische Seite wurde mit keinem Wort erwähnt. Der gesamte Richtlinienbrief (Policy Letter - P/L) las sich wie folgt: 38. Seit 1968 bestehen Scientology-Vertreter (auch ich selbst, wenn ich danach gefragt wurde) darauf, daß die Praxis, jemanden zum Freiwild zu erklären, mit diesem Richtlinienbrief abgeschafft wurde. Das Gericht sei darauf hingewiesen, daß Hubbard in diesem Brief über das Verbot des Gebrauchs der Wörter "Fair Game" in Scientology-Dokumenten spricht, die es den Scientologen erlauben, unterdrückerische Personen zu betrügen, zu verklagen, anzulügen oder zu zerstören. Und der alleinige Grund dafür ist das Meinungsbild über Scientology in der Öffentlichkeit. Das ändert jedoch nichts an der Behandlung der Leute. Hubbard sagt ausdrücklich, daß dieser "Richtlinienbrief die Anweisungen hinsichtlich der Handhabung einer unterdrückerischen Person nicht aufhebt". Wie oben gezeigt, sollten unterdrückerische Personen auch weiterhin angegriffen, betrogen, verklagt, angelogen oder zerstört werden. Diese Praxis änderte sich also nicht. Mit anderen Worten, Hubbard hob die Anweisung, dass unterdrückerische Personen "betrogen, verklagt oder angelogen oder zerstört" werden dürfen, nicht auf. Dies war eine Anweisung für die Behandlung von unterdrückerischen Personen, und diese sogenannte "Aufhebung von Fair Game" zeigt eindeutig, daß solche Behandlungen (oder "Handhabungen") unvermindert fortzusetzen waren.

39. Wäre die Praxis, jemanden zum Fair Game (Freiwild) zu erklären, abgeschafft worden, hätte sich die Behandlung oder Handhabung von unterdrückerischen Personen geändert. Dies ist jedoch nicht der Fall, und dies wird von Hubbard selbst und den Gerichten sowie von umfangreichen Dokumenten und zahlreichen Zeugen bewiesen, und Herr Farny weiss das. Ich werde gleich wieder auf dieses Thema zurückkommen.

40. Am 16. Februar 1969 schrieb Hubbard den Brief "Confidential: Targets, Defense" (Vertraulich: Ziele, Verteidigung) (siehe ANLAGE I), in dem er "wesentliche Ziele" aufführte, "auf die wir den Grossteil unserer Zeit verwenden müssen ...". Das erste und wichtigste Ziel heißt: T1. Entvölkerung des Feindes, bis zum Punkt der völligen Auslöschung".

41. Ebenfalls am 16. Februar 1969 verfasste er "Confidential: Battle Tactics" (Vertraulich: Kampftaktik) (siehe ANLAGE J), womit er den Einsatz militärischer Taktik und Strategie im Umgang mit dem "Feind" forderte. Er schrieb:

Darüber hinaus drängte er auf den Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel, um das "Wer, Wann, Wo, Was" herauszufinden,

42. Hubbard verfasste umfangreiches Material über den Einsatz nachrichtendienstlicher und verdeckter Operationen. Im Richtlinienbrief "Confidential: Intelligence-Actions: Covert Intelligence: Data Collecticn" (Vertraulich: Nachrichtendienstliche Aktionen: Verdeckte Ermittlungen: Datenbeschaffung) vom 2. Dezember 1969 (siehe ANLAGE K) beschrieb Hubbard, wie diese Aktionen mit einem "Fall-Offizier" und mehreren Agenten durchgeführt werden.

43. Spätestens 1971 war Hubbard Herr über ein internationales Spionagenetz, und er war der Meinung, dass es sich auszahlte. Am 7. Mai 1971 erließ er den GO-[Guardian Order]-Befehl 070571 LRH "Secret: Notes on Smersh" (Geheim: Anweisungen zu Smersh). (Dieses Wort hat er den James Bond-Geschichten entliehen, um eine internationale Verschwörung zu bezeichnen, die seines Erachtens einen Angriff auf ihn plante.) Er sagte: 44. 1972 erließ Hubbard den Befehl (GO 011272 LRH) unter dem Titel "CONFIDENTIAL: Black Propaganda" (VERTRAULICH: Schwarze Propaganda) (siehe ANLAGE M), abgekürzt auch "Black PR". Hubbard definierte dieses Thema wie folgt: Mit verdrehter Logik sagte Hubbard:

45. Die "Operationspläne", auf die sich Hubbard bezog, waren das streng geheime "Snow White"-(Schneewittchen)-Programm\ an dem ich mitgearbeitet habe. Dieses Schneewittchen-Programm umfasste im Grunde genommen drei Bereiche: PR, Recht und Nachrichtendienst. Der Nachrichtendienst-Bereich wurde 1977 vom FBI mit einer Razzia überrascht. Ein Großteil des Schneewittchen-Programms basierte auf der oben beschriebenen Fair-Game-Doktrin, da das Programm auf Hubbards "Feinde" und "Unterdrücker" abzielte.

46. Am 6. Oktober 1979 unterschrieben Hubbards Ehefrau Mary Sue und acht andere Scientology-Führungskräfte eine 282 Seiten starke Beweisaufnahme (plus Anlagen), in der die Einzelheiten des Regierungsfalls festgehalten sind. Dieses Dokument beschreibt  im einzelnen die Einbrüche, Fälschungen und Verschwörungen zur Behinderung der Justiz sowie andere begangene Straftaten. Aber erst die Urteilsbegründung für Jane Kember (Guardian) und Mo Budlong (ihr Nachrichtendienstoffizier) vom 16. September 1980 durch den Stellvertretenden US-Bundesanwalt Raymond Banoun gibt das prägnanteste Bild davon, wie "Fair Game" nach 1968 gehandhabt wurde. Diese Urteilsbegründung enthüllt sogar ein Eingeständnis der Beklagten, daß "Fair Game" selbst nach der Verurteilung von Mary Sue Hubbard noch bis Mitte der 80er Jahre weiter praktiziert wurde. (Banoun fragt darin, "ob diese illegalen Aktivitäten von jenen Beklagten überhaupt jemals beendet wurden".)

47. In der Urteilsbegründung wird beschrieben, wie die Beklagten ihre Spionagetätigkeit mit legalen Handlungen verknüpften, um die Gerichte zu betrügen und zu missbrauchen.

Im folgenden werden Auszüge aus der Urteilsbegründung zitiert.

48. In der Urteilsbegründung wird darauf hingewiesen, wie Mary Sue Hubbard im Zeugenstand aussagte, sie und ihre Mitangeklagten "meinten, sie könnten anderen all das antun, was ihrer Meinung nach andere, wenn auch aus Versehen, ihnen antaten." (Seite 6) Das Argument der Beklagten, dass sie die Verbrechen, für die sie hier verurteilt werden, zum Schutz ihrer Kirche vor den Schikanen seitens 6er Regierung begingen, bricht zusammen, wenn man ein beliebiges Schriftstück der übrigen Dokumente betrachtet, die vom FBI während der Durchführung der beiden Durchsuchungsbefehle in Los Angeles beschlagnahmt wurden. Wenn diese Dokumente eines zweifelsfrei belegen, dann die Tatsache, dass sich die Beklagten, ihre verurteilten Mitangeklagten und ihre nicht angeklagten Mitverschwörer [wozu Ron Hubbard und der jetzige Scien-tology-Berater Kendrick Mcxon gehören] sowie ihre Organisation selbst als über dem Gesetz stehend betrachteten. Sie glaubten, einen Freibrief in der Tasche zu haben zur Verletzung der Rechte anderer, zur falschen Beschuldigung von Kritikern mit dem Ziel ihrer Zerstörung, zum Einbruch in private und öffentliche Büros und zum Diebstahl von Dokumenten, die die Strategie von Einzelpersonen und Organisationen enthielten, die die Scientology-Kirche verklagt hatte. Diese Prozesse wurden von der Kirche nur aus dem Grund angestrengt, um ihre Kritiker in den finanziellen Ruin zu treiben und eine Atmosphäre der Angst zu schaffen, so daß Kritiker vor der Ausübung der ihnen gemäß dem Ersten Verfassungszusatz zustehenden Rechte zurück scheuen. (Fußnote: Genau so sahen die Kritiker von Scientology die Aktivitäten dieser Kirche. Newsweek, 20. November 1978, Seite 133: "Die Scientology-Kirche ist auf Klagen und geringfügige Nötigungen angewiesen, um ihre Beschwerden geltend zu machen. Im August hängten die Scientologen der Los Angeles Times eine Klage mit einem Streitwert von 1 Million Dollar an den Hals, nachdem diese Zeitung eine Serie über die Kirche veröffentlicht hatte. Die Times wurde keineswegs wegen Verleumdung beschuldigt; die Scientologen behaupteten vielmehr, die Zeitung wäre in eine Verschwörung mit dem FBI und dem Justizministerium verstrickt - mit dem Ziel der Verletzung der Bürgerrechte der Kirche durch das Vergiften der Atmosphäre vor einem Gerichtsverfahren" der neun verurteilten Mitangeklagten. (Siehe auch Diskussion, siehe unten, bezüglich der von Scientology angestrengten Gerichtsverfahren gegen ihren "Feind", Paulette Cooper.") Die Beklagten und ihre Anhänger starteten Verleumdungskampagnen und verbreiteten Unwahrheiten gegen jene, die sie zu Feinden von Scientology erklärten, um sie zu diskreditieren und um in einigen Fällen sogar dafür zu sorgen, daß sie ihren Arbeitsplatz verloren. Ihr Ziel waren unter anderem die Vereinigung American Medical Association (AMA), die die Scientology-Lehre der "Dianetik" als "Quacksalberei" brandmarkte; Better Business Bureau (BBB), ein Unternehmen, das auf Anfragen von Privatbürgern Auskunft über die von Scientology angebotenen-Kurse gab; Zeitungen, denen nur daran gelegen war, Neuigkeiten zu berichten und die Öffentlichkeit zu informieren; Anwaltsfirmen, die Privatpersonen und Organisationen vertraten, gegen die Scientology (oft aus reiner Schikane) Gerichtsverfahren angestrengt hatte; Privatbürger, die versuchten, die ihnen im Ersten Verfassungszusatz verbrieften Rechte wahrzunehmen, um eine Organisation zu kritisieren, deren Vorgehensweise sie verurteilten; und öffentliche Vertreter, die die Pflichten ausüben wollten, für die sie in einem fairen und unparteiischen Verfahren gewählt oder ernannt worden waren. Für diese Beklagten und ihre Verbündeten wurde jedoch jeder, der nicht mit ihnen übereinstimmte, als Feind betrachtet, gegen den die sog. "FreiwiId"-Doktrin zur Anwendung kommen konnte. ALLARD gegen CHURCH OF SCIENTOLOGY OF CALIFORNIA, siehe oben. Diese Doktrin sieht vor, dass jeder, der als Feind von Scientology oder als "unterdrückerische Person" gilt, "von jedem Scientologen mit jeglichen Mitteln seines Eigentums beraubt oder verletzt werden darf. [Er] darf betrogen, verklagt oder angelogen oder zerstört werden". (Id., 58 Cal. App. 3d Seite 413 n. 1,129 Cal. Rptr. Seite 800 n. 1.) (Fußnote 2: Dies veranlasste das Berufungsgericht von Kalifornien zu der Aussage, dass "jede Partei, deren Dogmen das Lügen und Betrügen zum Angriff auf ihre "Feinde" erlauben, die Felgen der "Verrenkung" verdient, die dieses Verhalten mit sich bringt". (Id., 58 Cal. App. 3d  Seite 453, 129 Cal. Rptr. Seite 805.)

49. Das oben erwähnte andere Mitglied des Gerichts war Bundesbezirksrichter Charles Richey, der Ziel einer von einem Privatdetektiv durchgeführten Operation war, der von Scientology beauftragt worden war. Diese Operation zwang den Richter, die Weiterverhandlung des Scientology-Falles wegen Befangenheit abzulehnen. Der Richter wurde angeblich mit einer Prostituierten erwischt. Diese Aktion war ein Beispiel für "Fair Game". In Scientology-Publikationen wurde sie jedoch als "GROSSER GEWINN" bezeichnet. Richey sollte nicht der letzte Richter sein, den Scientology zum Freiwild erklärte.

50. Herr Farny bittet das Gericht,.ihm zu glauben, dass Aktionen wie "Fair Game" nicht durchgeführt wurden, weil es Schriftstücke gab, in denen solche Aktionen verboten wurden. Dieses Argument wurde jedoch bereits am 27. Dezember 1979 gebraucht, als "Der Kontrollausschuss" in Hubbards Namen den Guardian-Befehl 3031 mit dem Titel "Scientology And The Law" (Scientology und das Gesetz) (siehe ANLAGE U) herausgab, in dem er die Einhaltung der Gesetze durch Scientology betonte. (Es sei außerdem darauf hingewiesen, dass die Einhaltung der Gesetze erst nach der Unterzeichnung des Beweisaufnahme-Schriftsatzes durch Mary Sue Hubbard und die anderen so dringend gefordert wurde.) Dieser Guardian-Befehl enthält viele der gleichen Plattitüden, die Herr Farny in seiner Erklärung zitiert. Abgesehen von den aus dem Jahr 1979 stammenden Plattheiten wurde etwa ein Jahr später die Scheinheiligkeit offenbar, als die Regierung entdeckte, daß die Beklagten zugaben, die "Fair Game"-Praxis sei bis Mitte des Jahres 1980 fortgesetzt und vermutlich auch noch nach diesem Zeitpunkt angewandt worden.

51. In der Tat wurde "Fair Game" weiter praktiziert. Zwar wurde das Guardian Office "aufgelöst", doch wurde 1981 gegen Gerald Armstrong, einen Scientology-Mitarbeiter, der sich mit mehreren Hubbard-Akten abgesetzt hatte, ein neuer Feldzug gestartet. Im Gegensatz zu den Behauptungen von Herrn Farny wurden "Fair Game"-Aktionen gegen Armstrong durchgeführt, nachdem das Guardian Office (GO) bereits "aufgelöst" war. Ich weiss darüber Bescheid, weil ich an jenen Strategie-Treffen teilnahm und von Hubbard und David Miscavige angewiesen wurde, "Armstrong zu kriegen". Hubbard forderte zum Beispiel ein "BeIohnungs"-Poster, auf dem Armstrong als Krimineller beschrieben werden sollte. (Ich hielt mich nicht an diese Anweisung, wofür ich von Miscavige sehr gerügt wurde.)

52. Die Anwendung der "Fair Game"-Doktrin auf Armstrong wurde 1984 bestätigt, als der Richter Paul Breckenridge Jr. am Obersten Gericht von Kalifornien mit einer Meinung gegen Scientology entschied, die eine Aussage über die Bürgerrechte von Scientology-Mitgliedern und von Hubbard enthielt:

53. Ein weiterer Richter, der von einem Scientology-Fall zurücktrat, ist Bundesbezirksrichter James M. Ideman. Dabei gab er am 21. Juni 1993 in seinem Gerichtssaal eine Erklärung zu Protokoll (siehe ANLAGE O), die hier in Auszügen zitiert wird: 54. Das Problem lag seines Erachtens zum Teil darin, dass man versuchte, mit Offenlegungen Scientology-Vertreter zur Befolgung der Vorschriften zu veranlassen. Sie hielten sich jedoch nicht daran:

55. Richter Ideman merkt später an, wie Scientology offensichtlich den "Prozeß als Krieg" ansieht und versucht, den Prozessgegner durch erhöhte Prozesskosten in die Knie zu zwingen. Dies ist nichts Neues für die Mitarbeiter des Guardian Office, das heute den Namen "Office of Special Affairs" (Büro für spezielle Angelegenheiten) trägt. Diese Taktik wurde bereits 1955 von Hubbard entwickelt in "The Scientologist: A Manual on The Dissemination of Material" (Der Scientologe: Ein Handbuch über die Verbreitung von Material) (siehe ANLAGE Q). Darin sagte Hubbard:

Hubbard schrieb dies bereits 1955, seine Aussagen von damals haben wie die "Fair Game"-Doktrin aber noch heute ihre Gültigkeit.

56. Es sei darauf hingewiesen, daß "Fair Game" nicht das Ergebnis eines Richtlinienbriefs von Hubbard ist. Diese Doktrin war und ist eingebettet in der Organisation durch zahlreiche Richtlinien und Anordnungen von Hubbard. Sie wurde nach der Razzia von 1977 ans Licht der Öffentlichkeit gebracht und abermals 1984 im Gericht von Richter Breckenridge und im Gerichtssaal von Richter Ideman im Jahre 1993. Immer wieder haben Scientology-Vertreter darauf bestanden, dass diese Doktrin abgeschafft wurde. Nun versucht Herr Farny, dieses Gericht hinters Licht zu führen, indem er ohne Rücksicht auf historische Fakten auf dieses alte Argument zurückgreift. Ironischerweise ist auch dieses Verhalten Teil der "Fair Game"-Doktrin.

57. Zum Schluß möchte ich auf Jane Kember zu sprechen kommen: Der Guardian hatte nach Hubbard selbst und seiner Ehefrau Mary Sue die mächtigste Position in der Scientology-Kirche inne. Der Guardian konnte Gelder auf Bankkonten bewegen, ; Organisationen schließen und gründen, Mitarbeiter entlassen usw. Erst 1970 schrieb Hubbard: "Die beiden wirksamsten Arme/Waffen der Dianetik und von Scientology sind die Sea Org[anization] und das Guardian Office", (siehe ANLAGE V). Herr Farnys Behauptung, dass "die Entlassung von Jane Kember und die Auflösung des Guardian Office (GO) das Ergebnis der Entdeckung durch das CSI-Management waren, dass einige Mitglieder des GO ... völlig entgegengesetzt zur Politik der Kirche gehandelt hatten", ist genauso lächerlich wie falsch. Es waren vielmehr das FBI und das Justizministerium, die die Verbrechen aufdeckten und an die Öffentlichkeit brachten, und nicht das CSI-Management. Und Kember wurde fanatisch verteidigt, bis sie für schuldig befunden und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Herr Farny weiss das. Das Guardian Office wurde auch nicht aufgelöst. Es wurde übernommen. Es wurde neu benannt, arbeitete in den gleichen Büros, hatte das gleiche Personal und stützte sich auf die gleichen Richtlinien von Hubbard. Derjenige, der die "Auflösung" beaufsichtigte, war David Miscavige, der die "Fair Game'-Aktionen gegen Armstrong vom sog. "Spezialprojekt" aus leitete, das in Wirklichkeit das Unternehmen Author Services, Inc., war, wo ich angestellt war.

58. Die in der vorliegenden Aussage zitierten Richtlinien und Anordnungen stammen von Hubbard. Ich habe mich entschlossen, lieber seine Worte zu zitieren, als die noch umfangreicheren, von anderen verfassten "Fair Game"-Materialien, weil Hubbards Schriften als die "Bibel" von Scientology betrachtet werden und weil sie, ausser durch ihn selbst, weder aufgehoben noch geändert werden dürfen. Seit seinem Tod im Jahre 1986 kann nach diesem Punkt nichts mehr geändert werden. Dies wurde am 7. Juli in dem Erlass mit dem Titel "The Integrity of Source" (Die Unversehrtheit der Quelle) (siehe ANLAGE W) wie folgt festgelegt:

 
 

Detaillierte Beschreibung meiner Verbindungen zu Scientology

A. Erste Kontakte in Davis, Kalifornien
 

59. Diese lange Verbindung zu Scientology begann 1968, als ich begann, die Scientology-Lehre zu studieren, während im Studiengang zur Erlangung von Ph.D.-Abschlüssen (Dr. phil.) an der Universität von Kalifornien in Davis tätig war. Ich verwendete sogar Scientology-Bücher in den Philosophie-Kursen, die ich gab. Ende 1968 war mein persönliches Scientology-Studium so weit fortgeschritten, dass ich begann, Scientology-Bücher zu prüfen. So sammelte ich Hunderte von Stunden Erfahrung als Buchprüfer/Lektor?.

60. 1969 verließ ich das Ph.D.-Studienprogramm, um beim Aufbau der Dianetik- und Scientology-Mission in Davis zu helfen. Zu meinen Aufgaben gehörten die Durchführung der Einführungsveranstaltung, die Überwachung des Kommunikationskurses, die Durchführung von professionellen Dianetik-"Auditings" und die Öffentlichkeitsarbeit für die Mission. Dadurch sammelte ich viele Erfahrungen, nicht nur im Angebot von Grundleistungen für Neuankömmlinge, sondern auch darin, welches Bild die Öffentlichkeit von Scientology hatte und wie Scientology mit der Öffentlichkeit umging. In meiner Eigenschaft als PR-Leiter wurde ich mit den Medien und anderen Gruppen im größeren Umkreis recht vertraut. Ich organisierte und präsentierte ein öffentliches Anti-Drogen-Programm auf dem Campus der Universität von Kalifornien in Davis, das Redner aus dem gesamten Bundesstaat zu einem ganztägigen Symposium zusammenbrachte und das in den Medien mit einer umfangreichen Berichterstattung bedacht wurde.

61. Während meiner Zeit in der Mission in Davis wurde ich von einem Insassen des Vacaville Medical Prison gebeten, dort eine Rede zu halten, was ich auch tat. Sodann gründete ich eine Scientology-Gruppe, die ich über zwei Jahre lang mit wöchentlichen Treffen leitete. Meine Arbeit wurde in einem Artikel der Sacramento Union gewürdigt.
 
 
 

B. Ausbildung im Guardian Office

62. Anfang 1971 wurde ich Mitglied des "Guardian Office" (GO) der Church of Scientology, San Francisco. Heute trägt das Guardian Office den Namen "Office of Special Affairs" (OSA). Das Guardian Office war der stärkste Arm in der Scientology-Kirche.

63. Hubbard betonte oft, dass die beiden wirksamsten Waffen von Scientology das Guardian Office und die Sea Organization seien. Später wurde ich Mitglied der Sea Organization und somit auch mit ihrer Vorgehensweise sehr gut vertraut. Der grundlegende Unterschied zwischen diesen beiden Organisationen lag darin, dass die Sea Organization (SO) eine intern orientierte Gruppe ist. Ihr Interesse gilt der tagtäglichen Führung der Organisation mit dem Ziel, Geld zu beschaffen. Das Guardian Office (GO) war eine extern orientierte Gruppe. Sie kümmerte sich vorwiegend um die angebliche Bedrohung durch die Medien, Gerichtsverfahren, staatliche Behörden und Dissidenten, die Scientology verlassen hatten. Das GO hatte jedoch Befugnisse, die der SO nicht gegeben waren. Gemäß den Ausführungen von Hubbard in seinem Richtlinienbrief vom 1. März 1966, mit dem das Büro des Guardian ins Leben gerufen wurde, war die Position des Guardian die mächtigste in der Scientology-Kirche, direkt nach Hubbard und seiner Ehefrau Mary Sue. Der Guardian war .in der Lage, Mitarbeiter zu entlassen, Gelder auf Bankkonten zu bewegen, Scientology-Organisationen zu schließen, wenn sie Hubbards Missfallen erregten, und so weiter. Diese Macht erstreckte sich bis hinunter zu einem Netz von Deputy Guardians und Assistant Guardians und ihre jeweiligen Büros: Öffentlichkeitsarbeit (PR), Finanzen, Nachrichtendienst und Recht. Später kamen weitere Büros hinzu.

64. Als neues Mitglied des Guardian Office wurde ich sofort nach Los Angeles zur Ausbildung in PR-Fragen geschickt. Meine Ausbildung dauerte über 3 Monate und erfolgte an sechs Tagen in der Woche von 9 bis 23 Uhr. Sie umfasste das Studium der verschiedenen gegen Scientology angestrengten Untersuchungen, einschließlich der (damals) anhaltenden Probleme mit der Lebensmittelbehörde der USA und der Nachforschungen bei Scientology in Australien und Neuseeland. Darüber hinaus studierte ich alle Pressemappen, d.h. Artikel aus aller Welt, einschließlich der Presse in Großbritannien, wo es erhebliche Probleme gegeben hatte. Ich erhielt vertrauliche Berichte von Scientology-PR-Büros aus allen amerikanischen Bundesstaaten zu lesen, damit ich ein Verständnis dafür entwickelte, wie Scientologen mit PR-Situationen umgehen. Außerdem las ich ähnliche vertrauliche Berichte von internationalen PR-Büros, in denen ihre PR-Aktivitäten beschrieben wurden. Auf diese Weise lernte ich die vertrauliche PR-Geschichte von Scientology bis ins Detail kennen, abgesehen allerdings von der Geschichte der Kirche, in die "einfache" Scientologen nicht eingeweiht wurden. Ich kannte die aktuellen Hintergründe dessen, was geschah und was getan wurde, um PR-Probleme zu handhaben.

65. Meine Ausbildung umfasste auch das Studium von Material, das von Hubbard und Mitarbeitern des Guardian Office (GO) über die Handhabung von PR-Fragen verfasst worden war. Dazu gehörten auch von Hubbard besprochene Tonbänder zu diesem Thema. Ein Großteil dieses Materials war "vertraulich"; d.h., es wurde unter Verschluss aufbewahrt und durfte nur von autorisiertem GO-Personal betrachtet werden. Dieses Material enthielt Anweisungen für die Definition, Identifizierung und den Umgang mit jenen Personen, die als "Feinde" von Hubbard und Scientology angesehen wurden.

66. Zu meiner Ausbildung gehörten außerdem sog. "Drills"; dabei handelte es sich um Übungen, anhand derer ich lernen sollte, was Hubbard unter grundlegenden PR-Kenntnissen verstand; Dazu zählte das Schreiben von Pressemitteilungen und das Abhalten von Pressekonferenzen sowie die Beantwortung von Reporterfragen, das Ablenken eines Reporters, das Schinden von Zeit, das Ausweichen bei bestimmten Fragen, das Einschüchtern einer Person, bis sie aufgibt, und andere taktische Methoden.

67. Ich hatte auch kürzere Lehreinheiten (sog. "Mini-Hats"), so dass ich zeitweise die anderen Büros leiten konnte - einschließlich des Nachrichtendienstbüros, das verdeckte Operationen durchführte. Während meines Aufenthalts in Los Angeles nahm ich direkt an einer großen verdeckten Operation gegen eine örtliche Gruppe für geistige Gesundheit teil. Diese Operation verursachte eine sehr schlechte Presse für diese Gruppe, beeinträchtigte ihre Finanzierung sehr stark und wurde nicht zu Scientology zurückverfolgt. Auf diese Weise wurde ich bis ins Detail mit Hubbards nachrichtendienstlichen Techniken, Methoden und seinem Stil vertraut.
 
 
 

C. Dienst im Guardian-Büro von Sn Francisco, Kalifornien

68. Nach Beendigung meiner Ausbildung kehrte ich nach San Francisco zurück und übernahm die Position des Assistant Guardian (AG), so dass der bisherige AG zur weiteren "Beförderung" nach Los Angeles gehen konnte. Da der AG sämtlichen Büros (PR, Finanzen, Nachrichtendienst, Technik und Recht) übergeordnet ist, war ich der Leiter aller Büros. (Das Technische Büro wurde später einem nicht dem Guardian Office angegliederten Bereich zugeordnet. Andere Büros kamen auch hinzu, z.B. das Büro für Soziale Koordination, dem die Führung größerer "Front-Gruppen" wie Narconon oblag, die Einkünfte erzielten. Sinn und Zweck solcher Gruppen war es, nicht als Scientology-Gruppe in Erscheinung zu treten und die Entdeckung und jegliche Kritik zu vermeiden, um uns somit eine Ausgangsbasis in einem bestimmten Gebiet zu verschaffen.)

69. Damals war die Machtposition des GO bereits sehr groß. Als mehrere finanzielle Krisen die Organisation in San Francisco erschütterten, setzte ich Hubbards Politik in die Tat um. Ich nahm alle Konten an mich und führte die Finanzen der gesamten Organisation, bis sie wieder schwarze Zahlen schrieb. (Außerdem erhielt ich tägliche Anweisungen vom GO US in Los Angeles.) Dadurch lernte ich die finanzielle Struktur von Scientology kennen und unter anderem auch, wie Geld auf verschiedene Bankkonten in San Francisco, Los Angeles und Übersee überwiesen wurde.

70. Als AG führte ich gemäß den Richtlinien von Hubbard auch interne Nachforschungen beim Personal der Organisation durch, um die Qualifikationen der Mitarbeiter zu ermitteln. Dies geschah durch eine Prüfung ihrer Ethikakten, Personalakten und "Auditing"-Hefter. Darüber hinaus prüfte ich die Statistiken in der gesamten Organisation. Ich lernte auch, wie man Unterlagen in der Organisation ändert, um die Spur von Mitarbeitern zu verwischen, die zum Nachrichtendienst wechselten, damit sie nicht zu Scientology zurückverfolgt werden konnten. (Dies war übliche Praxis bei Operativkräften. Unterlagen mussten vernichtet oder so geändert werden, daß es von diesen Personen keine Spur gab, falls die Polizei nach ihnen suchen sollte.)

71. Als Public Relations Officer (PRO - Leiter für Öffentlichkeitsarbeit) erarbeitete ich Programme und Anweisungen des Guardian Office US und des Guardian Office World Wide (in England). In meiner Eigenschaft als PRO arbeitete ich mit allen Medien in Nordkalifornien zusammen. Ich brachte Artikel in die Presse und verhandelte mit den Medien über den Umgang mit Berichten, die Scientology für unvorteilhaft hielt. Ich nahm als Scientology-Sprecher für Nordkalifornien an mehreren Talk-Shows, auch bei größeren Rundfunkstationen, teil.

72. Ich organisierte einen Ökumenischen Rat für Kommunikation (Ecumenical Communications Council - ECC), der sich aus den Repräsentanten von etwa 50 Religionen und Sekten aus dem näheren Umkreis zusammensetzte. Aufgabe des ECC war es, alle Gruppen bei der Verbesserung ihrer PR-Aktivitäten, insbesondere im Zusammenhang mit den Medien, zu unterstützen. Dahinter stand mein eigener Wunsch, mir eine stärkere Basis für die Verhandlung mit den Medien zu verschaffen. Der ECC war recht erfolgreich. Für meine Arbeit mit der Öffentlichkeit wurde ich sogar von einer Rundfunkstation in San Francisco - zu meiner Überraschung - mit dem Titel "Bürger der Woche" geehrt.

73. Während meiner Tätigkeit in San Francisco hatte ich Gelegenheit, mit anderen Dianetik- und Scientology-Missionen zusammenzuarbeiten, und lernte auf diese Weise, wie die Organisation auf breiterer Ebene funktionierte.
 
 
 

D. Beförderung in das Guardian Office, United States, mit Sitz in Los Angeles, Kalifornien

1. Ausbildung
 

74. Ende 1973 wurde ich in das Guardian Office, United States (GOUS), befördert. Es hatte seinen Sitz in Los Angeles, wo ich auch meine Ausbildung erhielt. Aufgabe des GOUS war die Lenkung und Führung aller Guardian Offices in den Vereinigten Staaten und in Mexiko. (Damals waren es etwa 15 Büros in den Großstädten der gesamten USA und ein GO in Mexiko.) .

75. Meine erste Position im GOUS war die des PR Establishment Officer (PR Esto). Meine Aufgabe war die Zusammenarbeit mit allen Mitarbeitern des für alle US-Bundesstaaten zuständigen PR-Büros (PR US), um für eine Verbesserung ihrer Ausbildung zu sorgen usw. (Als ich anfing, bestand das Büro aus etwa 10 Mitarbeitern.) Dadurch lernte ich alle Funktionen im PR US-Büro und sein gesamtes Personal kennen.
 
 
 

2. Schneewittchenprogramm

76. Nach einigen Monaten wurde ich jedoch der PR-Sektion für das geheimste und grösste Programm im Guardian Office überstellt: das "Schneewittchen"-Programm.  Dieses umfasste mehrere streng geheime, von Hubbard verfasste Pläne, die darauf angelegt waren, die Quelle der internationalen Kritik an ihm und an Scientology aufzuspüren. Für jedes Büro wurden Mitarbeiter abgestellt, die im betreffenden Büro die "Schneewittchen"-Aktionen durchführen sollten. Wir hatten umfangreiche Befugnisse und Freiheiten sowie ausreichend Geldmittel, und das "Schneewittchen"-Programm hatte "höchste Priorität". Durch meine Beteiligung an diesem Programm hatte ich Gelegenheit, Dutzende von Scientology-Organisationen in ganz Amerika kennenzulernen.

77. Eines der Ziele der PR-Sektion für das "Schneewittchen"-Programm war die Anerkennung von Scientology durch Regierungsbehörden. In mehreren Fällen kümmerte ich mich persönlich darum. Ich erhielt manchmal erst nach monatelanger Arbeit und mehreren Reisen nach Washington, D.C., Anerkennungsschreiben von mehreren Behörden, darunter die US-Luftwaffe, das Innenministerium und das Arbeitsministerium. Diese Schreiben waren entscheidend für die rechtliche Position von Scientology in aller Welt und wurden oft vervielfältigt und in einer Vielzahl von Gerichtsverfahren eingesetzt.
 
 
 

3. Meine Rolle bei der Bildung von "Front-Gruppen"

78. Während dieser Zeit war ich an der Bildung von sog. "Front-Gruppen" beteiligt, die nichts anderes waren als Briefköpfe, wie z.B. "National Commission on Law Enforcement and Social Justice" (NCLE - Nationale Kommission für Gesetzesanwendung und Soziale Gerechtigkeit). Eines Tages erfanden wir diesen Namen, um uns einen "offiziellen Anstrich" zu geben. Eine solche "Gruppe" gab es jedoch nur auf unserem Briefkopf. Doch dies war nicht ungewöhnlich für die Vorgehensweise von Scientology-"Front-Gruppen". Wir entwarfen einfach einen Briefkopf und gaben vor, dahinter stecke wirklich eine Organisation. (Wäre diese jemals in Frage gestellt worden, hätten wir ein paar Leute finden können, die behauptet hätten, sie wären aktive Mitglieder, und die somit jede Kritik hätten zurückweisen können.) Ausgehend von der NCLE-"Gruppe" führte ich Nachforschungen durch und entdeckte, dass Interpol (Internationale Kriminalpolizeiliche Organisation) eine Nazi-Vergangenheit hatte. (Die andere Hauptzielscheibe von Scientology in den USA war das FBI (Amerikanische Bundeskriminalpolizei).) Dadurch erlangte Scientology über Jahre hinaus in aller Welt einen hohen Bekanntheitsgrad in den Medien. Darüber hinaus wurde ich für zwei Zeugenaussagen vor Unterausschüsse des Kongresses gebeten und trat in vielen Radio- und Fernsehsendungen auf, darunter eine Stunde in der Show "Tomorrow" von und mit Ton Snyder.
 
 
 

E. Beförderung in das Guardian Office Worldwide

79. Aufgrund meines Erfolges wurde ich nach England gesandt, wo das Guardian Office World Wide (GOWW) seinen Sitz hatte. Ich erhielt eine zusätzliche Ausbildung in PR-Fragen und lernte den Arbeitsstil der anderen Büros kennen. Ich durfte vertrauliche Akten und Berichte über Aktivitäten in aller Weit lesen. Auf diese Weise erlangte ich eine internationale Perspektive in PR-, Finanz-, Rechts- und nachrichtendienstlichen Fragen sowie hinsichtlich der Operationen der einzelnen Organisationen.

80. Außerdem reiste ich durch Europa und traf mit Mitarbeitern der Organisationen in England, Frankreich, den Niederlanden, Dänemark, Deutschland, Österreich und Belgien zusammen, wodurch ich zusätzliche Einblicke und Informationen in die internationalen Operationen von Scientology erhielt.
 
 
 

F. Razzia des FBI

81. Im Juli .1977 stürmte das FBI zwei Scientology-Niederlassungen in Los Angeles und eine in Washington, D.C.; dies war damals die größte Razzia in der Geschichte des FBI. Ziel der Razzia war das Nachrichtendienstbüro von GO US und GO DC. Innerhalb weniger Stunden wurde ich als nationaler Sprecher ausgewählt und angewiesen, was ich zu sagen hatte. Ich hielt eine Pressekonferenz im Los Angeles Press Club an der Vermont Avenue ab, während die Razzia noch lief. Da die Medien ständig um Stellungnahmen baten, war ich auch in den folgenden Tagen Sprecher für Scientology US.

82. Das FBI beschlagnahmte Tausende von Dokumenten, aufgrund derer die Bundesstaatsanwaltschaft Hubbards Ehefrau Mary Sue und zehn weitere GO-Mitarbeiter verurteilte. Hubbard und eine Reihe weiterer Scientology-Führungskräfte wurden als nichtangeklagte Mitverschwörer genannt.

83. Vor dem Prozeß wurde mir erlaubt, die Dokumente einzusehen, die die Regierung in dem Verfahren benutzen wollte. Ich las Tausende streng vertraulicher Botschaften, einschließlich Mitteilungen zwischen den Spitzenmanagern von Scientology. Dies war das erste Mal, dass ich über das Ausmaß der illegalen Aktivitäten im Nachrichtendienstbüro informiert wurde. Damals wurde mir auch klar, dass mich meine Vorgesetzten irregeführt hatten, indem sie mir das wahre Ausmass der kriminellen Aktivitäten falsch darstellten und mich dann als nationalen Sprecher benutzten, der überzeugend behaupten konnte, es gäbe keine Verbrechen, die Anklage sei eine reine "Schikane" des FBI usw., und zwar aufgrund meiner tatsächlichen Unkenntnis. Der Umfang der Verbrechen wurde später in der 284-seitigen Beweisaufnahme, die als Grundlage für die Verurteilung der Führungskräfte diente, im einzelnen dargelegt und dokumentiert. Dieses öffentlich zugängliche Dokument wurde von den "einfachen" Scientologen ferngehalten. Es widerlegt die Position, die ich und andere besonders in den folgenden Jahren innehatten, völlig.

84. Während der Vorbereitung auf den Prozess wurde ich 1979 mit einem Mitarbeiterteam nach Washington, D.C. gesandt, um als Gegengewicht zur vorherrschenden schlechten Presse positive Presseartikel zu lancieren. Damals arbeitete mein Team auf der Grundlage von Dokumenten, die wir legal aus Regierungsakten entnahmen, die wir uns gemäß dem Gesetz über die Informationspflicht der Behörden (Freedom of Information Act) vorher beschafft hatten, und verfasste mehrere Berichte, die in aller Welt veröffentlicht wurden. Diese Berichte bezogen sich auf geheime, vom CIA und der US-Armee durchgeführte Tests mit chemischen und biologischen Waffen. Die Berichte wurden auch in FREEDOM abgedruckt - mit meinem Namen in der Verfasserzeile "Vaughn Young". (Fußnote: Dieses wie anderes von mir, während meiner Tätigkeit bei Scientology veröffentlichte Material erschien unter dem Namen "Vaughn Young". Meinen gesetzlichen Vornamen "Robert" benutzte ich erst nach meiner Flucht aus Scientology im Jahr 1989.) FREEDOM wurde vom Guardian Office veröffentlicht. Ich wurde auch in anderen Scientology-Publikationen und -Erlassen als Experte auf meinem Gebiet zitiert.

85. 1979 wurde mein Buch, The Interpol Connection (Die Interpol-Verbindung), von Dial Press, einem von Scientology unabhängigen Verlag, veröffentlicht. Dieses Buch ist eine Zusammenstellung meiner Nachforschungen. Mein Co-Autor war kein Scien-tology-Mitarbeiter; er wurde als Unterstützung beim Schreiben bzw. bei der Zusammenstellung des Buches angeworben, damit ich meine Nachforschungen fortsetzen konnte. Ich werde in dem Buch als Forschungsdirektor der Nationalen Kommission für Gesetzesanwendung und Soziale Gerechtigkeit genannt. Wie bereits erwähnt, handelte es sich dabei nur um eine Front-Organisation.
 
 
 

G. Leiter von Public Relations United States

86. Nach der Verurteilung der Scientology-Führungskräfte kehrte ich nach Los Angeles zurück, um die Leitung der Spezial-Abteilung des PR US zu übernehmen, in der Broschüren, "Freedom" und andere Publikationen hergestellt wurden. In dieser Zeit schrieb ich weitere Berichte für Scientology, wovon einige durch die internationale Presse gingen, wie zum Beispiel die Story über "BZ", eine Halluzinationen hervorrufende Droge, die von der Armee getestet wurde. (Dieser Bericht wurde auch in "Freedom" und anderen Scientology-Publikationen veröffentlicht.) Auch während meiner Tätigkeit im GO arbeitete ich an der Entstehung mehrerer Bücher über Scientology mit, die von Scientology und externen Autoren wie etwa Omar Garrison veröffentlicht wurden.
 
 
 

H. Aufnahme in die Sea Organization

87. Etwa 1978 kam ich zur Sea Organization ("Sea Org" oder SO abgekürzt) und absolvierte später die notwendigen Schulungen, um in der Sea Org-Hierarchie aufzurücken. SO-Mitglieder leben und essen gemeinsam. Ihre Bezahlung beträgt 24 US-Dollar pro Woche. Wir wohnten in umgebauten Einbettzimmern eines ehemaligen Krankenhauses im großen Scientology-Komplex nahe Sunset Street und Vermont Street in Los Angeles. Die Mahlzeiten nahmen wir in einem großen Speisesaal im ersten Stock ein. Wir hatten keine separate Dusche, sondern benutzten die Gemeinschaftsdusche am Ende des Ganges. Daher bin ich auch mit der Lebensweise in der Sea Org intimstens vertraut.
 
 
 

I.  Ablenkung der Aufmerksamkeit der Medien von der Ranch in Gilman Hot Springs, Kalifornien

88. 1980 erfuhr ich, dass ein geheimer Ort, an dem sich Hubbard aufgehalten hatte, von den Medien entdeckt worden war. Dieser Ort befand sich in Gilman Hot Springs, nahe Hemet, Kalifornien. Meine Aufgabe war es, die Situation zu entschärfen. Der Ort war tatsächlich das geheime internationale Scientology-Hauptquartier, das unter anderem über eine Film- und Tonproduktion verfügte. Ich übernahm die Leitung der Basis, wandelte sie so um, dass sie aussah, als würde hier nichts anderes gemacht als Film- und Tonproduktionen, und präsentierte sie den Medien als die Golden Era Studios, wodurch die Situation wirksam entschärft wurde. Dieses Image trägt die Basis noch heute, auch wenn sie nach wie vor das internationale Scientology-Hauptquartier ist.
 
 
 

J. Autorisierter Hubbard-Biograph und -Archivar

89. 1981 wurde ich gebeten, ein nicht zum Guardian Office gehörendes Archiv aufzusuchen, um Informationen für eine Biographie über Hubbard zu sammeln. Das Archiv wurde von Gern/ Armstrong betrieben und enthielt etwa 25 Aktenschränke voll mit Hubbards persönlichen Papieren und Memorabilien. Dort arbeitete ich mehrere Wochen lang und war die letzte Person, die Armstrong vor seinem Verschwinden sah.
Auf diese Weise erbte ich das Archiv aufgrund seines Nichterscheinens und las weiter Hubbards Privatpapiere, die mir nicht nur ein völlig anderes Bild von diesem Mann gaben, als wir den Scientologen vermittelt hatten, sondern ein Bild, das (damals) ausser Armstrong niemand anders kannte.
 
 
 

K. Die Umwandlung des Guardian Office in das Office of Special Affairs ist im Grunde nur eine Namensänderung

90. In dieser Zeit wurde das GO in das Office of Special Affairs (OSA - Büro für Spezielle Angelegenheiten) umgewandelt. Dies geschah unter der Leitung von Vicki Aznaran, die später Generalinspektorin wurde und inzwischen Scientology verlassen hat. Zwar wurde später herumposaunt, das GO wäre "aufgelöst" worden, in Wahrheit wurde es jedoch nur umbenannt. Die gleichen Mitarbeiter wie vorher leiteten nun die Gruppe. Wir hatten die gleichen Büros. Wir hatten die gleichen Richtlinien. Die einzige Änderung bestand darin, daß die Machtbasis vom GO zu.den sog. "Spezialprojekten" wechselte, die David Miscavige (nachstehend als "Miscavige" bezeichnet) unterstanden.

91. Das Büro für Spezielle Angelegenheiten stand vor dem Problem, dass Hubbard in einer wahren Flut von Prozessen als Beklagter genannt war. Er hatte sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, und zur Abwicklung all dieser Prozesse war eine spezielle Einheit mit dem Titel "All Clear Unit" gebildet werden. Der Name war Programm: Ein "Alles erledigt" für Hubbard herauszuholen, damit er sein Versteck wieder verlassen konnte.
 
 
 

L. Hubbards internationales PR-Netz und meine erneute Anstellung bei Author Services, Inc.

92. Anfang 1982 bat mich Miscavige, die Leitung von Hubbards internationalem PR-Netz.zu übernehmen. Ich nahm an. Ich wurde zum internationalen Hauptquartier in den Golden Era Studios gebracht und von Miscavige dem damaligen Kommandeur der Commodore's Messenger Organization International (CO CMO INT), John Nelson, vorgestellt.

93. Nach meiner Rückkehr nach Los Angeles wurde ich gebeten, statt dessen an einem Spezialprojekt teilzunehmen. Damals erfuhr ich erst, dass es sich bei dem Spezialprojekt in Wirklichkeit um das neu gebildete Unternehmen Author Services, Inc., (ASI) handelte. ASI war eine gewinnorientierte Gruppe, die nur zum Schein als Hubbards Literatur-Agentur gegründet wurde. Die eigentlichen Funktionen der ASI-Gruppe waren:

Diese letzte Funktion wurde insgeheim verfolgt, da wir eine gewinnorientierte Firma waren und die Scientology-Kirche mit dem US-Bundesfinanzamt um ihren gemeinnützigen Status kämpfte. Daher war auch die Tatsache, daß wir die "All Clear Unit" führten, ein wohlgehütetes Geheimnis. Meine Beförderung zu ASI wurde von Hubbard persönlich in einer Botschaft mit dem Titel "Vaughn" befürwortet, in der meine PR-Position definiert wurde. Zunächst wurde meine Position "Public Affairs Special Project" (Spezialprojekt für öffentliche Angelegenheiten) genannt. Mit Hubbard wurde die Verwendung des Titels "Public Affairs" vereinbart, damit dieser von "Public Relations" besser unterschieden werden konnte, wobei letzterer die Öffentlichkeitsarbeit im gemeinnützigen Bereich bezeichnen sollte. Als wir in die Büros mit der Anschrift 6464 Sunset Boulevard in Hollywood umzogen, erhielt ich die Position des PA ASI (Public Affairs, Author Services, Inc.).

94. Meine Hauptfunktion bestand darin, Hubbards um die ganze Welt gespanntes PR-Netz in der Scientology-Kirche zu leiten. Dieses PR-Netz war weitgehend in das sog. "LRH Comm Network" (kurz für "L Ron Hubbard Communicator Network" - Hubbards Übermittler-Netz) integriert. Hubbards Übermittler sollten seine persönlichen Stellvertreter in jeder Organisation sein. Zu meinen Funktionen gehörte es, dafür zu sorgen, dass eine Person zum internationalen Leiter des Netzes ernannt wurde, und mich mit ihr und ihren Untergebenen regelmäßig zu treffen, um Anweisungen hinsichtlich des weiteren Vorgehens zu erteilen. Eines der Projekte bestand darin, "Anerkennungen" für Hubbard zu erreichen, denn diese waren die Schlüssel für Niederlassungen in Städten, für Empfehlungen usw. Diese wurden normalerweise eingeholt, ohne dass der Aussteller über die Identität von Hubbard informiert war. Manchmal wurde die "Anerkennung" zurückgezogen, wenn sie erfuhren, wer Hubbard war.

95. Da ASI die ranghöchste Scientology-Organisation war, fanden regelmässige Treffen und zahlreiche Meetings zur Strategie in Rechtsfragen mit Mitarbeitern des Büros für Spezielle Angelegenheiten bei ASI statt. Als Vorsitzender des ASI-Vorstands übernahm Miscavige bei diesen Treffen häufig den Vorsitz. Gegenstand der Treffen waren die vielen Prozesse, in denen Hubbard als Beklagter benannt war, und das weitere Vorgehen im Einzelfall. Ich nahm an vielen dieser Sitzungen teil und war Zeuge der Anweisungen an die Mitarbeiter der Kirche, was einzureichen, was auszusagen, wogegen Einspruch zu erheben war usw. Die meisten Anweisungen stammten von Miscavige.

96. Darüber hinaus fanden bei ASI Treffen statt, in denen andere Mitarbeiter der Kirche Anweisungen erhielten, was zu unternehmen sei. Diese Treffen hatten oft den Zweck, mehr Geld zu beschaffen oder die Organisationen anzuweisen, große Geldbeträge an ASI zu zahlen.

97. ASI verwaltete auch Hubbards Geldanlagen in Gold, Ölquellen usw. Zu diesem Zweck wurden außerhalb von ASI weitere Firmen gegründet. Einige hatten zum Ziel, Hubbards Gelder zu schützen, andere, einen Puffer zwischen ihm und der gemeinnützigen Scientology-Kirche zu schaffen, so daß keine rechtlich relevante Verbindung hergestellt werden konnte. Einige Zuständigkeiten von ASI wurden später einigen jener Organisationen übertragen, etwa dem Religious Technology Center (Zentrum für religiöse Techniken).
 
 
 

M. Um eine erneute Razzia durch das FBI zu vermeiden, wurden nachrichtendienstliche Funktionen dem internen Rechtsanwalt übertragen, indem das Arbeitsergebnis und das Anwaltsgeheimnis quasi als Schutzschild gegen die Nachforschungen durch die Regierung eingesetzt wurden.

98. ASI war außerdem der Brennpunkt, an dem alle "Spionage"-Fäden zusammenliefen. Da das Nachrichtendienstbüro durch die FBI-Razzia und die anschliessende Verurteilung des Spitzenmanagements dezimiert worden war, wurde, um zu verhindern, dass so etwas noch einmal passieren konnte, beschlossen, die gefährlicheren Aufträge von Privatdetektiven ausführen zu lassen und die Ergebnisse dieser Arbeit an die Anwälte zu übergeben, um sie somit als "Arbeitsergebnis der Anwälte" bezeichnen zu können. Dies wurde jedoch nur nach außen hin so deklariert. Vielmehr arbeiteten die Privatdetektive direkt mit denjenigen von uns zusammen, die sie brauchten. Ich leitete diese Zusammenarbeit persönlich und wusste, dass dies auch von anderen wie Miscavige so gehandhabt wurde. Mir wurde erklärt, der grösste Teil dieser Aufträge würde der Scientology-Kirche vom Anwalt in Rechnung gestellt, der wiederum den Privatdetektiv bezahle, obwohl er uns direkt Bericht erstattete. Daher bin ich auch darüber informiert, wie sich die legalen und weniger legalen Scientology-Zweige nach der "Auflösung" des Guardian Office entwickelten.
 
 
 

N. Unterstützung von Hubbard in Gilman Hot Springs, Kalifornien

99. Von Zeit zu Zeit wies mich Hubbard persönlich (mit einer Abschrift eines von ihm besprochenen Tonbands) an, nach Gilman Hot Springs zu kommen, um verschiedene Situationen für ihn zu regeln. Ich wurde von Los Angeles aus vielleicht 70mal zu ihm gerufen. Meine Aufgaben reichten von der "Handhabung" der Golden Era-Musiker bis hin zur "Handhabung" seiner Familie. Bei diesen vielen Besuchen wurde ich eingehend vertraut mit weiteren Pflichten der internationalen Organisation, angefangen von der Musikproduktion bis zum Management von Organisationen.

100. Darüber hinaus trafen sich ASl-Vertreter wöchentlich in Gilman Hot Springs, um ganze Pakete mit Informationen über den Betrieb von Scientology vorzubereiten, die sodann unter strengster Geheimhaltung an Hubbard geschickt wurden, der sich versteckt hielt. Als Antwort darauf sandte er uns seine Anweisungen auf Tonband, wovon Abschriften angefertigt wurden, die sodann an uns verteilt wurden.

101. Während meiner Zeit bei ASI verfasste ich als "Ghostwriter" auch Material für den fehlenden Hubbard. Dieses Material wurde zum Teil bei großen Sitzungen den anwesenden Scientologen als Grusswort von Hubbard vorgelesen oder als von ihm stammende Anweisungen oder auch Richtlinien erlassen.

102. Außerdem war ich Hubbards Herausgeber für "Mission Earth", ein Werk mit einem Umfang von über 1 Million Wörtern, das an ASI geliefert wurde. Ich teilte es in 10 Bände auf, schlug die Titel vor, schrieb die Einführung und bereitete das Werk für die Veröffentlichung vor.
 
 
 

O. Sachverständiger Zeuge zu Fragen über die Scientology-Kirche als Vertreter derselben im Armstrong-Prozess

103. Nachdem Gerry Armstrong von der Scientology-Kirche verklagt worden war, wurde ich 1984 von David Miscavige damit beauftragt, in Hubbards Vergangenheit nachzuforschen, um Armstrongs Behauptungen, Hubbard habe gelogen, zu widerlegen. Mit einem Team von Vollzeit-Mitarbeitern, das fast zwei Monate mit diesen Nachforschungen beschäftigt war (im Gegensatz zu Armstrong, der alleine arbeitete), fanden wir weitere Informationen, um einige Behauptungen Armstrongs in Frage stellen zu können. Ich trat als Zeuge für die Ergebnisse unserer Nachforschungen auf.
 
 
 

P. Hubbards Tod

104. Als Hubbard 1986 starb, war ich einer von vielleicht 10 Mitarbeitern, die zu seinem Sterbeort, einer Ranch nördlich von San Luis Obispo, Kalifornien, entsandt wurden. Wir kamen kurz nach seinem Tod und lange genug vor jeglichen Behördenvertretern dort an. Da den Scientologen die Wahrheit über den sich verschlechternden Gesundheitszustand von Hubbard verschwiegen worden war, musste schnell eine Geschichte erfunden werden, die sowohl für die Medien als auch für die Scientologen glaubhaft war. Ich hatte die Aufgabe, mich um die Medien zu kümmern, die anrufen und/oder auftauchen würden.

105. Ich blieb einige Monate lang auf der Ranch. Während dieser Zeit gab ich Interviews oder kümmerte mich anderweitig um die Medienvertreter, die anriefen oder auf der Ranch auftauchten. Ich freundete mich mit Pat Broeker an, der mit Hubbard auf der Ranch gelebt hatte und der die Verbindung zu allen Scientology-Organisationen war, und so erfuhr ich noch mehr über Hubbard und die Operationen von Scientology.

106. Als die Befürchtung bestand, eine andere geheime Hubbard-Ranch nahe Barstow könnte entdeckt werden, wurde ich dorthin geschickt, um dort noch etwa zwei weitere Monate zu bleiben.
 
 
 

Q. Opfer der Säuberungsaktion während der Machtkämpfe nach Hubbards Tod

107. Nach Hubbards Tod entspann sich ein Machtkampf zwischen Broeker und Miscavige, den Miscavige gewann. Da ich mit Broeker befreundet war, wurde ich von der Säuberungsaktion erfasst und zur "Rehabilitation Project Force" (RPF) geschickt, einem Scientology-Gulag, das sich an einem geheimen Ort hinter einem Indianer-Reservat nahe Hemet befindet. Die RPF-Insassen werden bei Schwerstarbeit rund um die Uhr überwacht, bis sie "rehabilitiert" sind, was bedeutet, dass sie nicht mehr kritisch denken. Eines Nachts flüchtete ich entlang eines ausgetrockneten Flußbetts, wurde aber in Hemet wieder gefasst. Schließlich verbrachte ich 14 Monate im RPF-Lager bei immer schlechter werdender Gesundheit (bestätigt durch ein ärztliches Attest).

108. Ich wurde wieder zur ASI-Gruppe zurückberufen und mit der Produktion weiterer "Ron Mags" beauftragt, einer Publikation über Hubbard, die meine Frau und ich 1982 initiiert hatten. Als ich mich weigerte, eine illegale Anordnung auszuführen, wurde ich körperlich angegriffen und geschlagen und zur "Behandlung" nach Gilman Hot Springs zurückgeschickt. Ich gab vor, mich zu bessern, fuhr nach Los Angeles, um meine Frau zu treffen und ihr meine Situation zu schildern. Bevor wir Los Angeles verliessen, schrieb ich einen Bericht über die Misshandlungen an den OSA-Anwalt Kendrick "Rick" Moxon. Wir packten ein paar Kleider in den Wagen und verließen die Stadt am 3. Juli 1989; den Rest unserer Habseligkeiten liessen wir zurück, weil sie das Risiko nicht wert waren, das mit dem Versuch ihrer Wiedererlangung verbunden gewesen wäre.
 
 
 

Schlussfolgerung:

Kurz gesagt, alle Hubbard-Richtlinien, die "Fair Game" begründeten, sind nach wie vor in Kraft, einschließlich der Guardian-Befehle, und werden als Scientology-"Bibel" ihre Gültigkeit behalten, bis er sie ändert. Dies ist natürlich unmöglich, denn Hubbard starb 1986.
Ich erkläre in Kenntnis der Strafandrohung bei Meineid gemäß den Gesetzen des US-Bundesstaates Kalifornien, dass die vorangehenden Ausführungen wahrheitsgetreu und richtig sind.

Unterzeichnet heute, am 25. Oktober 1993, in Los Angeles, Kalifornien.
Robert Vaughn Young
 



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