Ingo Heinemann: Scientology-Kritik 
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Zuletzt bearbeitet am 29.1.2010 
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Scientology und Prominente
Scientology wirbt gern mit "Celebrities", Berühmtheiten.
Es gibt auch prominente Aussteiger.
 
 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:
  • www.AGPF.de: Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt

 

Prominente verlassen Scientology

Als Scientology-Gründer 1955 das "Project Celebrity" (>>) erfunden hat, hat er nicht damit gerechnet, dass diese auch negativ wirken könnten, wie etwa Tom Cruise. Oder dass diese Scientology verlassen könnten.
Dazu mehr von Frank Nordhausen in dem Artikel  "Die Bastion wankt. Viele Prominente in Hollywood sind Mitglieder von Scientology. Jetzt gehen die ersten" in der Berliner Zeitung vom 29.1.2010.

Nicht nur Prominente verlassen Scientology.
Sondern auch Scientologen, die nur als Scientologen eine gewisse Prominenz erlangt haben.
Dazu: Aussteiger.htm
 
 
 

Weshalb Prominenten-Werbung?

"Celebrity-Centers" täuschen meist nur vor, dass dort Prominente zu treffen sind. Bisher haben sich ohnehin nur zwei wirklich Prominente zu Scientology bekannt: Tom Cruise und John Travolta. In Deutschland kein einziger.

Prominenten-Werbung ist seit jeher von grosser Bedeutung für die Scientology-Organisation, denn:

Besonders nützlich sind Prominente bei:  
Rechts die Scientology-Prominenten Travolta, Corea, Helnwein und Migenes in einer Hubbard-Biografie von 1990 (vergrössern: Bild anklicken). 
 
 
In Europa konnte Scientology bisher kaum Prominente vorweisen.
Dennoch bezeichnet die Scientology-Organisation viele ihrer Filialen als "Celebrity Centre" oder "Celebrity Center".
 
In den meisten "Celebrity Centres" war vermutlich noch nie Prominenz zu Besuch.  
So etwa im "Celebrity Centre Rheinland Scientology Kirche e.V.". Rechts deren Werbemagazin "Celebrity" Nr. 43/2007
Rechts die USA-Version des Magazins: Celebrity Nr. 362/2005  
Auf dem Titelbild: Jenna Elfman. 
 
 
 
 

Die Anwerbung von Prominenten
 
Das "Project Celebrity" - Projekt Prominente

1955 erfand Hubbard das "Project Celebrity".

 
Text aus  
http://carolineletkeman.org/sp/index.php?option=com_content&task=view&id=244&Itemid=187 


project celebrity 

If we are to do anything about society at large, we must do something about its communications lines. 

One of the parts of this plan is Project Celebrity. 

There are many to whom America and the world listens. On the backs of these are carried most of the enthusiasms on which society runs. It is vital, on our Third Dynamic operation, to put such persons into wonderful condition. 

It is obvious what would happen to America if we helped its leaders to help others. Project Celebrity is part of that program. It is obvious what would happen to Scientology if prime communicators benefitting from it would mention it now and then. 

Herein you find a list of celebrities. If you want one of these, write us at once, given the ONE celebrity you have selected. We will then allocate this person to you as your game. 

Having been awarded one of these celebrities, it will be up to you to learn what you can about your quarry and then put yourself at every hand across his or her path, and not permitting discouragements or "no's" or clerks or secretaries to intervene, in days or weeks or months, to being your celebrity into a formal auditing session and deliver an amount of good auditing necessary to (1) make him much more effective, and (2) make him aware of the benefits of Scientology on the Third Dynamic. 

Finance, your pay, your expenses on this hunt are up to you. Obviously, at whatever future date, the investment will repay itself some dozens of times. 

The HASI and HDRF will do this for you: 

1. Award the celebrity to you as your quarry. 

2. Restrain any other auditor from bothering your game. 

3. Give you, tuition free, two weeks of special coaching at the Hubbard Professional College in Phoenix. (You would have to pay your transport and living costs.) 

4. Assist by mailings to the celebrity, your actions. 

Here we have Project Celebrity. Much later, as part of the Third Dynamic action of Scientology, we will have other comm lines to take over. Just now we have these. They are powerful lines. 

These celebrities are well-guarded, well barricaded, over-worked, aloof quarry. If you bring one of them home you will get a small plaque as your reward. 

If you want one of these celebrities as your game, write us at once so the notable will be yours to hunt without interference. [...] 
—Project Celebrity (excerpt) Ability Minor II ca. early 1955

 

Hubbard wies seine Werber an, Prominente wie Marlene Dietrich, Greta Garbo, Walt Disney und Groucho Marx für Scientology anzuwerben. Jeder konnte sich einen aus Hubbards Liste (Abbildung oben) als "unnahbare Beute" ausssuchen. Den Werbern wurde 2 Wochen kostenloses "special coaching" versprochen.

1969 wurde das erste Celebrity Center in Los Angeles eingerichtet (www.heraldscotland.com 17.2.2007). 1974 wurde John Travolta Scientologe. 1986 Tom Cruise.
 
Aus: Süddeutsche Zeitung 20.05.2000  Verschwörer sind unter uns  Der Weltraum als Wahn und Wissenschaft:  Scientology im Kino  Von Adrian Kreye   


Das „Celebrity Center“ entwickelte eine äußerst effektive Technik. Zunächst recherchieren die Rekruteure die psychologischen und emotionalen Schwachpunkte, den Freundeskreise und die Vergangenheit der Zielperson. Dann werden unverbindliche Kontakte geknüpft. Kommt erst einmal ein Gespräch in Gang, beginnt die Phase des „Admiration Bombing“ – die komplette Überflutung des fragilen Star-Egos mit Bewunderung und Aufmerksamkeit. Der perfekte Köder für einen Menschenschlag, der meist von permanenten Selbstzweifeln geplagt wird und auf Sinnsuche ist. Sind die prominenten Mitglieder erst einmal gewonnen, werden sie mit Therapien, Karriereberatung und luxuriöser Betreuung gehalten. Mit diesen Stars hat sich die Church Of Scientology in Hollywood eine ernstzunehmende Machtposition verschafft. Als die deutsche Staatsanwaltschaft und der Verfassungsschutz begannen, gegen Scientology zu ermitteln, lancierte die Sekte eine Menschenrechtskampagne und einen Brief an Kanzler Kohl, den auch die Nichtmitglieder Dustin Hoffman, Goldie Hawn und Oliver Stone unterzeichneten. 
 
 
Aus: Jesse Prince im Gespräch mit Lawrence Wollersheim Wollersheim-Prince.htm  


L: Ist kostenloses Auditing die normale Praxis?  
J:  Überhaupt nicht.  
L: Wo haben Sie Leute gesehen, die jemals kostenloses Auditing erhalten haben?  
J:  Berühmtheiten.  
L: Berühmtheiten erhalten kostenloses Auditing. Zum Beispiel wer?  
J:  Priscilla Presley, John Travolta, Tom Cruise, Chick Corea, Stanley Clarke, Kirstie Alley.  
L: Sie erhalten alles kostenloses Auditing. Wieviel?  
J:  Genug, um sie wieder auf Linie zu bringen, genug, um sie freiwillig in der Organisation zu halten, damit sie nach noch mehr Service fragen.  
L: Die Kirche verspricht ihnen kostenloses Auditing, damit sie wieder zurück kommen?  
J:  Sie verspricht es nicht, sie gibt es ihnen. Es nennt sich das Celeb-Projekt. Sie haben es für eine längere Zeit laufen lassen.  
L: Wieviel Wert hat dieses kostenlose Auditing, das den Berühmtheiten in den scientologischen Top-Centers gegeben wurde, in Barwert. Nur mal eine Schätzung.  
J:  Viele zehntausend Dollar, allein für John Travolta, vielleicht auch mehr als $ 100,000.  
L: So, John Travolta, da läßt sich mit Sicherheit sagen, daß er für seinen Einsatz für Scientology durch freien Service bezahlt wurde. Tom Cruise wurde für seinen Einsatz für Scientology durch freien Service bezahlt.
 
 
 
 
 
Hubbards kurze Gebrauchsanweisung für die Anwerbung von Prominenten: HCOPL 1.1.63
 

Hubbards Anweisung beinhaltet:  
  • Prominente sind nicht als Kunden zu gewinnen, wenn sie gerade ganz oben auf dem Gipfel ihrer Laufbahn sind.
  • Anzuwenden ist das Verfahren R2-12 (>>), mit dem sonst innere Vorbehalte gegen Scientology gefunden und/oder beseitigt werden.
  • Für die Testfragen ist zu verwenden die Liste 1 (>>) mit den Begriffen, mit denen auch diejenigen zu finden sind, die bestraft werden müssen.
 
(Original oben, entnommen dem Band 7 des OEC Organization Executive Course, das sind 9 Bände im DIN-A-4-Format mit Anweisungen - Policy Letters - des Scientology-Gründers Hubbard, Abbildung rechts)   
HCOPL 1.1.1963   


Suche drei Prominente aus   
Bearbeite die ausgewählten Prominenten   

Schnelle Verbreitung ist zu erreichen mit dem demnächst kommenden Angebot von 2-12 für die Herstellung der Leistungsfähigkeit von Prominenten, die ihren Gipfel hinter sich oder vor sich haben.    
Das schliesst alle der Öffentlichkeit gut bekannten und beliebten Personen ein, die ihren beruflichen Höhepunkt überschritten haben oder jede aufsteigende Persönlichkeit.   
Der Gechäftsführer der Organisation muss die Kontakte persönlich machen. Aktuelle Behandlung darf nur einem Auditor der Klasse IV zugewiesen werden. Die einzige Behandlung, die durchgeführt werden darf, ist das Verfahren 2-12, wobei eine spezielle Liste Eins benutzt wird. Bezahlung: "Jeder Beitrag, den Sie zu machen wünschen, wenn wir geholfen haben".  Keine andere Bezahlung darf verlangt werden.   
Nur die Geschäftsführer der zentralen Organisationen dürfen auswählen und dieses Projekt durchführen.

HUBBARD COMMUNICATIONS OFFICE   
Saint Hill Manor, East Grinstead, Sussex   
HCO POLICY LETTER OF 1 JANUARY AD 13   
Central Orgs  
 
 



OBJECTIVE THREE CELEBRITIES   
PROCESS SELECTED CELEBRITIES   
Rapid dissemination can be attained, with the advent of 2-12, by the rehabilitation of celebrities who are just beyond or just approaching their prime.   
This includes any person well known to the public and well liked but who has passed his or her prime, or any rising figure.   

The Association or Organization Secretary is to personally do all contact work. A Class IV auditor only may be assigned to do the actual processing. The only process to be used is Routine 2-12 utilizing a special List One. The pay is to be "Any contribution you would care to make if we have helped." No other pay is demanded.   
Only Association or Organization Secretaries of Central Orgs may select or handle this project.   
L. RON HUBBARD   
LRH:dr.rd   
Copyright © 1963   
by L. Ron Hubbard   
ALL RIGHTS RESERVED   
509

 

Eine solche "R2-12 List One" ist derzeit zu finden unter http://freierscientologe.netfirms.com/r2-12list1.htm
Sie enthält hauptsächlich Scientology-Begriffe. Vorgesehen war das Abfragen der Liste mit dem E-Meter. Wenn der Zeiger bei der Erwähnung eines Wortes ausschlägt, gilt das als Anzeige für mögliche Probleme damit.
Dazu auch in dieser Website der Bericht einer Ehemaligen: affid2.htm#31
 
 
 

Die Prominenten-"Fundgrube"

Hubbard & His Scn Celebs as "quarry" http://www.holysmoke.org/rvy/37.htm  und unter http://www.factnet.org/Scientology/Robert_Vaughn_Young/19970927_Hubbard_and_His_Scn_Celebs_as_quarry.txt
 
 
 
 

Chick Corea: Scientology-Zeuge gegen Deutschland

Dazu auch: Chick Corea gegen Bundesrepublik Deutschland Das Urteil
 
Süddeutsche Zeitung 23.01.99

Ein peinlicher Auftritt in Berlin Chick Coreas Konzert im Namen von Scientology US-Künstler behaupten, daß sie in Deutschland wegen ihrer Sekten-Mitgliedschaft diskriminiert werden Werner Bloch 
Als der amerikanische Jazz-Pianist Chick Corea kürzlich im Berliner Tränenpalast ein Konzert gab, war dies mehr als nur ein Bekenntnis. Der weltbekannte Künstler, der früher mit Miles Davis und Stan Getz zusammenspielte, bevor er sich in den siebziger Jahren mit „Return To Forever“ zum Gründervater des Jazz-Rock entwickelte, war als Botschafter von Scientology nach Berlin gekommen. Corea gehört zu den prominentesten Mitgliedern von Scientology, seitdem er in einer ganzseitigen Anzeige der International Herald Tribune für diese Sekte geworben und ihrem Gründer L. Ron Hubbard für seine „geistige Führung“ gedankt hat. Im Interview bezeichnet Corea, der auch auf den Leaflets seiner CDs des ehemaligen Science-fiction-Autors Hubbard gedenkt, diesen als „ultimativen Menschenfreund“, ohne den er es „niemals so weit gebracht hätte“.  

Daß es in Berlin um mehr ging als um Jazzmusik, daran ließ bereits das Motto „A Tribute to Freedom“ keinerlei Zweifel. Die angekündigten „Chick Corea and Friends“ entpuppten sich als dessen Ehefrau, früher einmal eine bekannte Jazzsängerin, sowie ein jugendlicher Tenor namens Mark Janicello, der in Berlin schon einmal im Musical „Elvis“ aufgetreten war. Während Corea eher routiniert als inspiriert Jazz-Hits von Ellington bis Monk vortrug und erst in dem selbstkomponierten „Children’s Song“ einen unverwechselbaren persönlichen Ausdruck fand, lag das musikalische Niveau der Gesangspassagen generell unterhalb der Peinlichkeitsschwelle. „Corea und seine Freunde“ sind übrigens allesamt Mitglieder von Scientology. Begleitet wurden sie auf ihrer Tour von einer Dame aus der Scientology-Zentrale in Los Angeles, die sich „Direktorin für Menschenrechte“ nannte – ganz so, als müsse Scientology in Deutschland nach den Menschenrechten sehen und seine Mitglieder gegen Übergriffe verteidigen.  

Erstaunlich ist die Finanzierung des kleinen Festivals durch die amerikanische Botschaft, die ausgewählte Journalisten eingeladen hatte und das Berliner Konzert durch einen kleinen Empfang mit Häppchen krönte. Das Einfliegen eines Weltklassepianisten auf Kosten des amerikanischen Steuerzahlers ist nicht eben üblich. Es gebe aber, verlautete in Botschaftskreisen, viele gute Gründe, Chick Corea nach Deutschland zu holen.  

Vor diesem Hintergrund erhält ein Schreiben, das kürzlich auf dem Tisch des Bundeskanzlers Gerhard Schröder landete, besonderes Gewicht. Vier republikanische Senatoren, darunter der einflußreiche, noch bis Dezember amtierende Senator d’Amato aus New York, fordern die neue Bundesregierung zu einer toleranten Politik gegenüber Scientology auf. Die Senatoren, die behaupten, im Namen von rund sechzig Volksvertretern zu sprechen, erheben schwere Anschuldigungen wegen „staatlich geförderter Diskriminierung religiöser Minderheiten“. Entgegen der Schlußakte von Helsinki sowie der sich zum fünfzigsten Mal jährenden universellen Erklärung der Menschenrechte, zu deren Unterzeichnerstaaten die Bundesrepublik gehört, verschlimmere sich die Lage der religiösen Minoritäten wie Jehovas Zeugen und der Scientology-Kirche zusehends – zumal da der Staat die verfassungsmäßig garantierten Rechte auf freie Religionsausübung und freie Gewissensentscheidung aushöhle, die Arbeitsmöglichkeiten von Scientologen beschneide und ihre Beteiligung am öffentlichen Leben einschränke. Gegenwärtig wird im Bundeskanzleramt eine Antwort auf das Schreiben vorbereitet.  

Ähnliche Vorwürfe waren bereits 1996 in einem „offenen Brief an Helmut Kohl“ erhoben worden, den 34 Hollywoodstars von Dustin Hoffman bis Oliver Stone per ganzseitigen Anzeigen in der New York Times und der Washington Post lanciert hatten. Dort wurde ein absurdes Bild der bundesrepublikanischen Demokratie entworfen, das in den USA nicht ohne Wirkung blieb. Selbst vor einem Vergleich mit der Judenverfolgung schreckten die Initiatoren nicht zurück. In den dreißiger Jahren, so hieß es, sei die Musik von Felix Mendelssohn-Batholdy in Deutschland verboten gewesen; jetzt werde Chick Corea boykottiert.  

Obwohl Scientology in den USA erst seit 1993 als Religionsgemeinschaft anerkannt ist, ist es der Sekte gelungen, das Deutschlandbild in den USA und die öffentliche Meinung durch aggressive Pressekampagnen mitzubestimmen. Unter Filmschaffenden und Künstlern ist die Unterstützung für Scientology erstaunlich hoch; auch in der Musikindustrie gehe, wie der frühere Popstar Prince bemerkt, ohne Scientology gar nichts. Selbst in Kreisen des State Department scheint Scientology über einen gewissen Einfluß zu verfügen. Die Berichte des US-Außenministeriums enthalten in den letzten Jahren regelmäßig Hinweise auf eine angeblich religiöse Diskriminierung in der Bundesrepublik – Madeleine Albright und der damalige Außenminister Kinkel haben das Thema wiederholt auf höchster Ebene erörtert. Seit Ende Oktober hat sich nun die Rechtslage verschärft: Präsident Clinton unterschrieb ein „Gesetz für die internationale Ausübung der Religionsfreiheit“ (International Religious Freedom Act), das ihm eine Reihe von Maßnahmen gegenüber Ländern anheimstellt, in denen aus Sicht der USA die Religionsfreiheit nicht gewährleistet ist. Diese reichen von der verbalen Ermahnung über die Einschränkung der militärischen Zusammenarbeit bis zu Wirtschaftssanktionen, zum Beispiel bei der Vergabe von Krediten sowie Einfuhr- und Ausfuhrstops. Zwar regelt das Gesetz, daß schwerwiegende Sanktionen nur bei schweren Menschenrechtsverletzungen an Leib und Leben ergriffen werden sollen, und mit dem Ausbruch eines Handelsstreites rechnet natürlich niemand. Immerhin führt der Hinweis im Brief der US-Senatoren auf die Rechte des Präsidenten eine neue Dimension und Tonlage in den Konflikt um Scientology ein.  

Der Kulturpolitik kommt dabei, wie es scheint, nicht nur eine flankierende Rolle zu. Gerade Künstler sollen die angebliche Diskriminierung von Scientologen in der Öffentlichkeit zur Sprache bringen. So behauptet Chick Corea, er habe in Deutschland praktisch Auftrittsverbot. 1992 war er vom Rahmenprogramm der Europäischen Leichtathletikmeisterschaften ausgeschlossen worden, nachdem seine Mitgliedschaft in der Sekte bekannt geworden war. Nach einem Regierungsbeschluß darf er seitdem an öffentlich subventionierten Konzerten nicht mehr teilnehmen. Corea hat deswegen die baden-württembergische Landesregierung verklagt, scheiterte jedoch 1996 vor dem Mannheimer Verwaltungsgerichtshof.  

Auch andere Scientology-Künstler beklagen sich über Diskriminierungen, darunter der mit Corea aufgetretene Mark Janicello und der in München lebende selbsternannte „Vizeweltmeister des Akkordeons“, Enrique Ugarte. Beide behaupten, ihnen seien Schallplattenverträge über hohe Summen storniert worden, nachdem ihre Weltanschauung bekannt geworden sei. Dagegen protestierten die Musiker in einem Schreiben an den Bundeskanzler. Von seiten des Musikkonzerns BMG ist freilich zu hören, es handele sich um einen Einzelvertrag mit Janicello, der wegen ausbleibenden Erfolges nicht verlängert wurde. Keineswegs versuche man bei BMG, einen „Sektenfilter“ zu installieren, wie dies von Scientologen behauptet wird.  

Coreas Aussage, er werde in Deutschland boykottiert, weil auch private Konzertveranstalter „unter Druck gesetzt“ würden, läßt sich nicht bestätigen. Zwar kann der Pianist an öffentlich subventionierten Festivals, bei denen hohe Gagen üblich sind, kaum noch teilnehmen. Der Hamburger Konzertveranstalter Karsten Jahnke erklärt dagegen, er sei niemals unter Druck geraten. Allerdings sei der Besucherstrom bei Coreas Tourneen – auch wegen der Bekanntheit des Künstlers als Scientologe – immer dünner geworden, so daß man sich aus finanziellen Gründen getrennt habe.  

Um Corea zurück nach Deutschland zu holen, ist die US-Botschaft in Berlin nun weit vorgeprescht. Dem Berliner Jazz-Fest hatte man den Pianisten zu einmaligen Bedingungen angeboten – nämlich gratis. Die Organisatoren lehnten dennoch ab. Schließlich erklärte sich der in Finanznöten steckende Tränenpalast bereit, dem Künstler seine Bühne anzubieten – unter der Bedingung, daß das Thema Scientology nicht berührt werde. Daran hat sich der Künstler insofern nicht gehalten, als er dem Fernsehsender tvb erklärte, er sei für Scientology nach Berlin gekommen. Auch im Interview läßt Corea keinen Zweifel an der besonderen Motivation für dieses Konzert.  

Bleibt die Frage, warum das Scientology-Problem von amerikanischer Seite ausgerechnet jetzt wieder hochgespielt wird: Erhofft man sich tatsächlich einen Wandel durch die neue Regierung Schröder? Soll hier das Feuilleton mobilisiert werden, um gegen das „Auftrittsverbot“ Coreas zu protestieren? Der Berliner Coup ist wohl eher nach hinten losgegangen. Konzertveranstalter sprachen von einer „Frechheit“, halten das Gebaren der US-Botschaft gar für einen Eingriff in die unabhängige Musikszene. Und unter denjenigen, die Corea live erlebten, machte sich teilweise ungläubiges Staunen ob der dargebotenen Peinlichkeiten breit. Offenbar sucht der einstige Weltklassekünstler seine Mitspieler nicht mehr nach musikalischen Qualitäten, sondern nach der Sekten-Zugehörigkeit aus.  

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Julia Migenes
 
 
Die Sängerin Julia Migenes schrieb am 26.3.1984 an Ingo Heinemann   
(die Adresse ist die damalige Büroanschrift der AGPF):   
"Ich bin auch Scientologin".   
Ob das zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch gilt, ist nicht bekannt.   
Allerdings: siehe unten
 

In der Scientology-Zeitschrift "Freiheit" aus 1997 mit dem Titel "Der Rasputin von Bonn" (gemeint ist der damalige Bundesarbeitsminister Blüm) heißt es:

" ...ein von L. Ron Hubbard komponiertes Musikalbum mit Künstlern wie John Travolta, dem Jazz-Musiker Chick Corea, der Opernsängerin Julia Migenes und vielen anderen, die ihr musikalisches Talent für die Verbreitung von Botschaften über Moral, Verantwortung und Glück eingesetzt haben".
Julia Migenes soll seit 1966 bei Scientology sein.
Sie soll es dort bis zu OT 5 gebracht haben.
Angeblich hat Hubbard sie aus der Sea-Org entlassen, damit sie ihre Karriere verfolgen kann.
Einem Mann, der Scientology verlassen hat, hat sie angeblich gesagt:
"Heute wurde ich auditiert und gerade habe ich erfahren, daß du mich in den letzten 15 Leben getötet hast" (Malko Seite 168).
 



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