Ingo Heinemann: Scientology-Kritik
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Zuletzt bearbeitet am 11.2.2008
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Der New Era Verlag
Eine Buchvertriebsfirma der Scientology-Organisation


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2001 hat die Firma New Era gegen die Junge Union der CSU wegen eines Boykottaufrufes geklagt und gewonnen. Das Bundesverfassungsgericht 1 BvR 292/02 - vom 8.10.2007 hat das Urteil des Oberlandesgerichts München  21 U 4137/01 vom 30.11.2001aufgehoben. Dazu: Bundesverfassungsgericht-1BvR292-02-Boykott.htm
 

Die New Era GmbH ist (oder war) eine Buchvertriebsfirma der Scientology-Organisation.
Sie wurde gegründet, nachdem der Scientology-Organisation in München die Rechtsfähigkeit entzogen wurde, vgl.

Sie hatte zunächst ihren Sitz in München und war im Handelsregister eingetragen unter HRB München 74407, Ersteintrag 5.10.84.
Dort ereilte die Firma ein Gewerbeverbot, siehe unten.

Am 27.5.86 wurde der Sitz der Firma nach Dreieich bei Frankfurt verlegt. Handelregister: AG Langen/Hessen B 1808.

Sitz danach:
NEW ERA Publications Deutschland GmbH Seevetal eingetragen unter Winsen HRB 110712 (Registergericht Lüneburg)
Einzelvertretungsberechtigt: Geschäftsführer: Göldenitz, Thomas, Kaufmann, Neu Wulmstorf; Geschäftsführer: Günther, Winfried Wilhelm, Seevetal.
Letzte bekannte Adresse: 21220 Seevetal Hittfelder Kirchweg. Die Frima hatte dort neben einer Büroetage auch einen Lagerraum in der Größe einer Garage angemietet.
Seit etwa Mitte 2007 ist die Firma dort offenbar nicht mehr ansässig, eine neue Adresse war nicht zu finden.

Laut Telefonverzeichnis war dort nur die New Era GmbH ansässig.
Laut Briefpapier wurde die Adresse aber auch benutzt von einem

L. RON HUBBARD Presse- und Informationsbüro Deutschland — Schweiz — Österreich
Dr. Kiessl
Hittfelder Kirchweg xx
D-21220 Seevetal-Maschen
Dazu im Einzelnen: Pressebuero-Seevetal.htm
 

Manch einer in der Buchbranche glaubte zunächst noch, die Firma werde sich tatsächlich auf das Geschäft mit Büchern beschränken.
Das galt wohl insbesondere auch für den Bertelsmann-Konzern. Dessen VVA-Bertelsmann Distribution in Gütersloh hatte die Auslieferung für den New Era Verlages übernommen. Erst 1990 konnte das Börsenblatt des Buchhandels berichten (unten), dass Bertelsmann den Vertrag gekündigt hatte.
Seither wendet der Verlag sich beispielsweise auch per Fax-Werbung an Ärzte, um denen direkt Hubbard Bücher zu verkaufen.
 
 



 
 

Angeblich 80.000 Scientology-Bücher pro Jahr in Deutschland verkauft
 
Aus: Alt.religion.scientology Week in Review Volume 7, Issue 28 10/13/2002 by Rod Keller [rkeller@voicenet.com]


> Germany
Reuters reported on October 10th that Scientology claims book sales have risen in Germany this year.

"Scientology may have some way to go before it becomes a bestseller in Germany, a country that describes it as an unwelcome cult, but officials said on Thursday demand for its books rose sharply this year. 'There is still negative publicity around but things are improving considerably,' said Thomas Goeldenitz, an official at Scientology's publishing wing New Era Publications. 'We have had some very good changes which are helping a lot now.'

"The group claims to have sold 160 million copies of Hubbard's works over the past half century in 53 languages. Goeldenitz said New Era sells more than a million Scientology books a year worldwide. 'In Germany these days we are selling in 12 months 70-80,000 copies. In 1996 it was 35,000 copies,' he said. Yet he admitted it was not always easy to get books onto store shelves. 'I've been talking to the big bookstores and you know they are telling me they are just scared to have the books,' he said, explaining they did not want to lose customers opposed to Scientology."

Message-ID: <NkBp9.509$Rk3.56699@news3.voicenet.com>

Zum Gesamtverkauf heisst es in der Website http://www.newerapublications.de/buchladn/dnbuch/mehr/dmsmh.htm (14.10.2002):

"Die deutsche Ausgabe erschien zuerst in 1974 als gebundene Ausgabe. In der Zwischenzeit wurden zahlreiche weitere Ausgaben gedruckt und mehr als 800.000 Exemplare der deutschen Ausgabe wurden bereits gekauft."

 

Gewerbeverbot

Der Fa. NEW Era in München ist ein Gewerbeverbot erteilt worden. Dieses wurde später wieder aufgehoben, nachdem die Firma ihren Sitz in ein anderes Bundesland  verlegt hatte. Die Landeshauptstadt München hat der AGPF am 19.5.87 mitgeteilt:

"Mit ... Bescheiden vom 20.12.84 haben wir sowohl gegen den "Scientology Kirche Bayern e.V." als auch gegen die Firma New-Era-Publikations GmbH und vier führenden Mitgliedern der Vereinigung "Scientology Kirche Bayern e.V." Gewerbeuntersagungen ausgesprochen".

 
 

Börsenblatt des Buchhandels
 
 
Börsenblatt 75 vom 18.9.1990 Seite 2849


Am Gängelband von Scientology?

Die Reaktionen auf den Beitrag »Buchgeschäfte mit der Dianetik« im BÖRSENBLATT 56/90 offenbaren ein breites Interesse an den Hintergründen um den New Era Verlag in Dreieich bei Frankfurt am Main. Viele Buchhändler riefen in der Redaktion an oder schrieben über ihre Erfahrungen. Die WA-Bertelsmann Distribution, in der Bundesrepublik zuständig für die Auslieferung des New Era Verlags, hat den Auslieferungsvertrag mit Wirkung vom Frühjahr 1991 gekündigt.

Ein von Buchhändlern häufig gehörter Vorwurf war der, daß die VVA-Bertelsmann Distribution in Gütersloh - zuständig für die Auslieferung des New Era Verlags - ihre Dienstleistung in vollem Umfang aufrechterhalte. Sortimenter Lutz Lewejohann aus Düsseldorf: "Die VVA darf sich nicht ausnutzen lassen und - wie viele Buchhändler - zum Transporteur eines solchen Gedankenguts werden." Per VVA - so Lewejohann -seien Prospekte massenweise, auch Unverlangtsendungen, auf Order des Verlags hin ausgeliefert worden.

Die Gütersloher haben inzwischen Konsequenzen aus dem Wirbel um den New Era Verlag gezogen. Jedenfalls hat die VVA vor wenigen Wochen ohne Angabe von Gründen den Auslieferungsvertrag mit dem Verlag gekündigt - fristgerecht zum Frühjahr kommenden Jahres. Vor welchem Hintergrund die Kündigung tatsächlich erfolgt ist, darüber will VVA-Geschäftsführer Dr. Peter Kruse keine Auskunft geben (". . . es gibt für uns die Möglichkeit einer Kündigung ohne Begründung . . .").

Eine weitere Tatsache: Dem New Era Verlag wurde 1984 in Bayern Gewerbeverbot erteilt, bevor er sich im hessischen Dreieich ansiedelte.

Die Aktion für geistige und psychische Freiheit - Arbeitsgemeinschaft der Elteminitiativen e.V. (AGPF) in Bonn (die AGPF wird vom Bundesfamilienministerium unterstützt) reagierte auf die BÖRSENBLATT-Veröffentlichung: "Der New Era Verlag ist zweifellos ein Werbeinstrument der . . . Scientology-Sekte. Er wird benutzt, um den Buchhandel in die Erstwerbung der Sekte einzuspannen und auf diesem Wege an Adressen für die spätere Direktwerbung und den Direktverkauf zu gelangen. Beim Buchhandel bleibt deshalb nur ein minimaler Teil der Buchumsätze der Sekte hängen . . . Der Buchhandel sollte deshalb überprüfen, ob dieser geringe Umsatz es rechtfertigt, der größten und gefährlichsten Sekte Werbehilfe zu geben . . . Wer das Dianetik-Buch verkauft, setzt möglicherweise die Ursache dafür, daß eine Familie zerstört wird. Auch Buchhändler und ihr Personal sind davor übrigens nicht gefeit."

Die Landeshauptstadt München hat der AGPF am 19. Mai 1987 mitgeteilt: "Mit . . . Bescheiden vom 20. Dezember 1984 haben wir sowohl gegen die 'Scientology Kirche Bayern e.V.' als auch gegen die Firma New Era Publications GmbH und vier führende Mitglieder der Vereinigung 'Scientology Kirche Bayern e.V.' Gewerbeuntersagungen ausgesprochen." In der Begründung heißt es unter anderem: "Die Gewerbetreibende verstößt fortlaufend gegen die Rechtsordnung, beispielsweise gegen Vorschriften des Heilpraktikergesetzes, des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb etc. und gefährdet beziehungsweise verletzt die psychische und physische Gesundheit der von ihr beeinflußten Personen . . ." Über den Titel "Dianetik" heißt es: "Das Standardwerk von L. Ron Hubbard, 'Dianetik', erfüllt die Straftatbestände des Paragraphen 3 des Gesetzes über die Werbung auf dem Gebiet des Heilwesens." 

Damals - teilt die AGPF weiter mit –"operierte der New Era Verlag noch von der Sektenzentrale in München aus. Offenbar um das Gewerbeverbot zu umgehen, verlegte er dann offiziell seine Geschäfte nach Dreieich in Hessen." 

Ein Verleger aus einer Universitätsstadt meint: "Es ist doch ein Hohn, wenn dieser Verlag die Scientology Church als seinen Kunden und nicht als seinen Träger bezeichnet. Auch habe ich leider nur zu sehr aus der Nähe erleben müssen, welches Leid diese Leute in eine Kollegenfamilie gebracht haben. Daß der Verlag in Bayern Gewerbeverbot bekommen hat, ist doch gewiß nicht ohne Grund gewesen, auch wenn er in Hessen bislang durch die Maschen schlüpft. Bei einer Veröffentlichung unseres Verlags über moderne Jugendsekten gab es vor einigen Jahren auch massive Drohungen von dieser Seite; glücklicherweise ist ihnen in diesem Fall nichts gefolgt." 

Was die angesprochene Kollegenfamilie betrifft, die durch die Scientology Kirche fast um ihre Buchhandlung gebracht worden wäre, stellt sich der Fall aus Sicht des Sortimentsinhabers, der anonym bleiben will, wie folgt dar (alle Namen wurden von der Redaktion geändert):

Auf Wunsch des Sohns und designierten Nachfolgers von Buchhändler S. in B. kam ein Dr. F. E. für drei Tage als Betriebsberater in die Buchhandlung. Die Kontakte gingen über eine Beratungstätigkeit allerdings hinaus. Dr. F.E. nahm an einer weihnachtlichen Familienfeier des Buchhändlers teil und schlug dem Juniorchef, der an einer Krankheit litt, einen "Schwitzkurs" im College für angewandte Philosophie in Frankfurt am Main vor. Die Dianetik sei eine moderne Lehre, die nicht nur für den Geist, sondern auch für den Leib neue Heilmethoden gefunden habe.

Der Sohn besucht den "Schwitzkurs" in Frankfurt. Die letzte Woche wohnt er bei einer Familie, die der Scientology Kirche angehört. Der Kurs besteht aus täglich fünf Stunden Sauna mit einer kleinen Pause nach jeder Stunde.

Der Senior: "Was im ersten Halbjahr 1986 auf Grund des Drucks der Scientology Church in und mit meiner Buchhandlung in meiner Abwesenheit passierte, hätte mehrmals eine Trennung von meinem Sohn gerechtfertigt."

Februar 1986: Zwei "unseriöse Gestalten" aus Frankfurt erschienen in der Buchhandlung, um die Kursgebühr im vorhinein zu kassieren. "Sie drängten meinen Sohn so in die Enge, daß er einen Geschäftsscheck auf 30000 Mark ausstellte; im übrigen passierten mit dem Geschäftskonto noch ein paar merkwürdige Dinge." Später erfuhr der Senior, daß sein Sohn seine Lebensversicherung für das 30000-Mark-Loch auf dem Geschäftskonto aufgelöst hatte.

Zwischenzeitlich war Dr. F. E. mehrfach mit dem Junior von Bank zu Bank unterwegs, um einen Kredit für die Übernahme der Buchhandlung zu erhalten. Ein solcher Kredit wurde aber nicht gewährt. Der Senior: "Daß es dabei darum ging, die Firma der Scientology Kirche unter den Nagel zu reißen, dürfte wohl ganz klar sein." Der Vater stellte seinen Sohn vor die Alternative: entweder die Buchhandlung oder Scientology. Der Sohn kündigte und ging in die Autobranche. Inzwischen hatte er der Scientology Vollmacht über sein Privatkonto eingeräumt.

Der Senior, schwerbehindert, konnte in das buchhändlerische Geschehen nicht so eingreifen, wie er wollte:"Ich wäre beinahe zu spät gekommen. Wenn ich nicht aufgepaßt und energisch zugepackt hätte, gäbe es meine Buchhandlung nicht mehr. Vielleicht wäre sie heute Sortiments- und Versandbuchhandlung der Scientology Kirche."

Heiko  Kistner,  Buchhandlung Edelmann (Nürnberg), weist noch auf ein ganz anderes Phänomen hin - die verlagsseitigen Telefonaktionen (die auch von anderen Sortimentern bestätigt werden): "Dabei handelt es sich um Aktionen, die an penetranten Telefonterror grenzen.« Die Anrufer versuchten mit allen Mitteln zu überreden.

Die Bücher des Verlags verkauft Kistner zwar, wenn sie verlangt werden, er macht aber keine Werbung dafür. Kistner: "Bei allem bin ich der Ansicht, daß wir keine Zensur ausüben dürfen."

Die Buchhandlung Le bon Livre in Luxemburg, die auch ihre Erfahrungen mit dem New Era Verlag gemacht hat, drückt das aus, was immer mehr Buchhändler denken: "Wer will diese Bücher seiner Kundschaft noch mit ruhigem Gewissen verkaufen?"
 


 
 
 



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