Ingo Heinemann: Scientology-Kritik
   Adresse dieser Seite: http://agpf.de/Archiv/Nedopil-1984.htm
Zuletzt bearbeitet am 22.11.2006
zur Homepage  | zur Inhaltsseite  |  AGPF-Spendenkonto
Google

Das Nedopil-Gutachten von 1984:
Scientology-Techniken können psychische Störungen hervorzurufen.
Durch die unzureichende (oder bewusst falsche) Interpretation des Oxford-Persönlichkeits-Fragebogens ist es bei drei der Probanden zu einer psychischen Labilisierung gekommen. Diese führte zu den von den Scientologen angestrebten Vertragsabschlüssen.


Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:
Impressum
  • In diesem Gutachten zitiert: Gutachten Weber 1984 als PDF (1 MB)
  • Das Bayerische Scientology-Gutachten von Küfner, Nedopil und Schöch, 2002
  • Gerhard Besier unterstützt Scientology
    • www.AGPF.de: Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt

     

    Das Nedopil-Gutachten von 1984

    Dazugehörig und in diesem Gutachten zitiert: Gutachten Weber 1984 als PDF (1 MB) unter Gutachten-Mende-Weber-27.12.1984-Scientology.pdf



    Nervenklinik der Universität München
    Psychiatrische Klinik und Poliklinik
    Direktor: Prof. Dr. H. Hippius
    Forensisch-psychatrische Abteilung
    Abteilungsvorsteher: Prof. Dr. W. Mende
     

    21.12.1884 - Dr. Ne/scho

    Inhaltsverzeichnis
    Fragestellung Seite1
    1.0 Vorbemerkung Seite 3
    2.0 Vorgehensweise Seite 5
    3.0 Personenbezogene Erhebungen Seite 7
    3.1 Anwerbung Seite 7
    3.2 Weitere Entwicklung der Scientologen Seite 9
    3.3 Psychologische Untersuchung in der Klinik Seite  16
    4.0 Scientologische Literatur Seite 19
    4.1 Dianetics Seite 19
    4.2 Scientology Seite 33
    4.3 Reinigungsrundown Seite 36
    5.0 Beurteilung Seite 38
    6.0 Literatur Seite 56
     
     

    An das
    Kreisverwaltungsreferat
    Hauptabteilung 3
    Postfach
    z.. Hd. Herrn Lippstreu

    8000 München
     

    Betr.: Verwaltungsstreitsache gegen die Scientology-Vereinigung München, Beichstraße , 8000 München 40
     

    Auf Ersuchen des Kreisverwaltungsreferates vom 14.11.1984 erstellen wir das nachfolgende ausführliche und wissenschaftlich begründete
     

    nervenärztliche Gutachten
     

    Das Gutachten soll lt. Anfrage des Kreisverwaltungsreferates zu folgenden Fragen Stellung nehmen:

    1. Ist der von der Scientology-Vereinigung verwandte Fragebogen, der als Persönlichkeitstest bei allen auf der Straße oder sonstwo angeworbenen Personen verwandt wird, wissenschaftlich fundiert? Ist er zur Feststellung psychischer Störungen (auch Suizidgefährdung) bzw. psychosozialer Schäden geeignet?
    2. Entspricht das System der Auswertung wissenschaftlich anerkannten Verfahren?
    3. Ist die Dateninterpretation, wie sie beiliegenden Vormerkungen zu entnehmen ist, intern und extern valide?

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 2

    Besteht aus psychologischer und psychiatrischer Sicht hei der Auswertung und Interpretation der Fragebogen durch psychologisch nicht nach anerkannten Kriterien ausgebildetes Personal Gefahr für die Probanden ?

    4. Ist das weitere Verfahren, u.a. Kommunikationskurs und Reinigungsrundown grundsätzlich und unter Berücksichtigung der Tatsache, daß keiner der Behandelnden eine Approbation als Arzt bzw. eine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz besitzt, geeignet, psychische Störungen und/oder Seelenkrisen bei den behandelten Personen auszulösen? Können die Störungen ggf. von den behandelnden Laien erkannt und ohne Einschaltung von Heilpraktikern oder Arzten behandelt werden ?

    5. Wie sind die vorgelegten Fälle (4 Namen) psychologisch und psychiatrisch-neurologisch zu bewerten ?
     

    Das Gutachten stützt sich in der Beurteilung auf die Kenntnis der übersandten Akten, namentlich auf die Vernehmung der Geschädigten (2 Namen), die Strafbefehlsbegründung im Verfahren gegen (2 Namen), ein Gutachten der Gesundheitsbehörde vom 3.9.1984, eine Stellungnahme der Gesundheitsbehörde zum Bericht eines (Name), Erfahrungsberichte von Mitgliedern des Kreisverwaltungsreferates, die sich von Werbern der Scientology-Vereinigung zu einem Persönlichkeitstest überreden ließen; daneben wurden Krankengeschichten von Scientologen und ehemaligen Scientologen, die in der Psychiatrischen Klinik der Universität München behandelt wurden, anonym
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 3
    wissenschaftlich ausgewertet, ehemalige Scientologen, die es bis zu hohen Stufen in der scientologischen Entwicklung gebracht hatten, wurden exploriert und Erkenntnisse, die durch diese Explorationen gewonnen wurden, flossen ebenfalls in die Beurteilung ein. Des weiteren wurden Probanden, die sich von der Scientology anwerben ließen und bei denen ein Persönlichkeitstest durchgeführt wurde, hier exploriert und erneut einem Persönlichkeitstest unterzogen. Das theoretische Wissen, das der Beurteilung mit zugrunde gelegt wurde, ist der zum Abschluß angegebenen Literaturliste entnommen



    1.0 Vorbemerkung


    In dem Gutachten wird aus Psychiatrisch-psychologischer Sicht zu Methoden Stellung genommen, von denen nach Befürchtungen des Auftraggebers des Gutachtens Gefahren für einzelne Betroffene oder aber einer Gruppe von Betroffenen ausgehen könnten. Die Anwendung dieser Methoden wird von einer Vereinigung durchgeführt, die sich selber auf eine philosophisch-weltanschauliche Grundhaltung beruft. Wenngleich philosophisch-weltanschauliche Einstellungen die Methodik beeinflussen und umgekehrt, so enthält sich das Gutachten doch bewußt und absichtlich
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 4
    jeder Stellungnahme zu den weltanschaulichen Hintergründen, die der Scientology-Kirche zugrunde liegen. Auch eine Aussage über die psychiatrische Gefährlichkeit anderer Weltanschauungen oder Religionsgemeinschaf ten ist nicht aus dem Gutachten abzuleiten.
     

    Diese Trennung fällt bei der Scientology-Vereinigung deswegen besonders leicht, weil sie sich selber auf ihre wissenschaftliche Grundlage beruft. So steht am Anfang des Buches "Dianetics - Die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit": die Entdeckungen und Entwicklungen, die die Formulierung von Dianetics ermöglichten, nahmen vieler Jahre exakter Forschung und genauer Erprobung in Anspruch und "mit fortschreitender Forschung und der Weiterentwicklung des Gebietes begann sich Dianetics zu vereinfachen. Das ist eine gute Garantie dafür, das man sich auf einem geraden wissenschaftlichen Pfad befindet."  Es soll aber auch nicht mit wissenschafts-theoretischen Fragestellungen, nicht einmal mit der einfachsten, nämlich nach der Methodik, mit der die Erkenntnisse gewonnen werden (obwohl diese Frage angebracht wäre), die psychiatrisch-psychologische Analyse angegangen werden. Vielmehr muß die eigene Betrachtung der Scientologen, nämlich wissenschaftliche Erkenntnisse anzuwenden, es auch in ihren Augen rechtfertigen, daß mit wissenschaftlichen Methoden ihr praktisches Vorgehen untersucht wird.
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 5
     

    In dem Gutachten sollen auch nicht Struktur, Hierarchie und finanzielle Praktiken der Scientology-Vereinigung beschrieben oder analysiert werden, sofern sie nicht in direktem Zusammenhang mit etwaigen psychischen Beeinträchtigungen stehen.



    2.0 Vorgehensweise

    Das Material, auf das sich die im Gutachten gemachten Aussagen berufen, besteht aus Informationen über
     

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 6

    Die Personen werden, um ihre Anonymität aufrecht zu erhalten, nicht beschrieben. Es wird auch nur Material verwendet, bei welchem weitgehend übereinstimmende Aussagen und Beurteilungen vorliegen. Diese Aussagen wurden außerdem auf ihre Übereinstimmung mit den aus der Fach-und scientologischen Literatur bekannten Methoden und Phänomenen überprüft. Ausserdem wurde aufgrund der psychiatrischen Erfahrung die Plausibilität der Aussagen, die sich z.B. aus der Analogie mit anderen psychischen Phänomenen und Methoden ergibt, überprüft.

    Zu den beiden stationär behandelten psychiatrischen Patienten sollen noch folgende Daten angegeben werden:

    Es handelt sich dabei um einen Mann und eine Frau, beide Anfang 20, beide litten unter Psychosen mit wahnhaften Vorstellungen, wobei in beiden Fällen hypochondrische Befürchtungen und Verfolgungsideen vorlagen. Die weiteren Inhalte der wahhaften (unleserlich) waren jedoch in beiden Fällen unterschiedlich. Einer der beiden Patienten kam aus der Drogenszene, war 4 Monate lang bei der Scientology gewesen und kam dann zur stationären Aufnahme. Der Mutter war damals eine Persönlichkeitsveränderung im gleichen zeitlichen Rahmen wie sein Kontakt mit der Scientology aufgefallen. Bei dem anderen Patient traten die psychopathologischen Auffälligkeiten erst mehrere Jahre nach Eintritt in die Scientology-Kirche auf; in diesem Fall sind Vorerkrankungen nicht bekannt. Von den jeweils behandelnden Psychiatern wurde eine direkte Verursachung
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 7
    der Psychose durch die Scientology-Kirche nicht gesehen. Allerdings war die Aufnahme in eine psychiatrische Klinik in beiden Fällen durch die Scientalogy-Kirche hinausgezögert worden, in beiden Fällen sollte eine Therapie im Therapiezentrum Narconon durchgefürt werden, was in beiden Fällen am Widerstand der Eltern scheiterte. Die Verschlechterung der Prognose durch das Hinauszögern der Behandlung lässt sich in einem Fall belegen.
     



    3.0 Personenbezogene Erhebungen

    Im weiteren sollen die möglichen psychischen Gefährdungen untersucht werden, so wie sie sich aus dem chronologischen Ablauf einer Laufbahn in der Scientology ergeben.



    3.1 Anwerbung


    Drei Probanden hatten sich absichtlich den Werbern der Scientology angeboten.

    Zwei Probanden waren ebenfalls durch Werbung zur Scientology gekommen.

    Einer wurde durch eine Zeitungsanzeige geworben.

    Drei kamen über Bekannte dahin.

    Abgesehen von den drei, die aus dienstlichen Gründen die Scientology aufsuchten, ließen sich folgende Motive für die Kontaktaufnahme eruieren:
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 8
     


    In zwei Fällen konnte kein Motiv genannt werden; beide Probanden wurden nach persönlichen Problemen ausgefragt mit dem Hinweis, dass womöglich therapiebedürftige Leiden vorliegen:

    z.B.:
    - "Sie sind ein potentieller Selbstmordkandidat" (zwei Fälle)
    - "Sie sind kontaktgestört"
    - Als Ursache für die Kontaktstörung wurden "ausgeprägte Gehemmtheit", "Depressivität", "Labilität" und "kritische Einstellung zur Umwelt" genannt. Falls sie nichts dagegen unternähmen, könnten sich erhebliche Folgen für ihre geistige und körperliche Gesundheit ergeben.
    - Weiterer Hinweis auf Therapiebedürftigkeit:
     Ihre Vereinsamung, die ebenfalls im Versagen des Einzelnen läge und einer Therapie bedürfe.
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 9
    Das heißt: in acht von neun Fällen wurden Schwächen der Probanden durch die Scientologen entweder eruiert oder postuliert, wobei in allen Fällen eine für den Probanden selber bedrohliche Entwicklung bis hin zum Selbstmord prophezeit wurde. In alle diesen Fällen wurde gleichzeitig damit ein Hilfsangebot unterbreitet. In keinem der Fälle wurde gleichzeitig über religiöse oder weltanschauliche Themen gesprochen, vielmehr wurde in fünf der neun Fälle nachweislich über wissenschaftliche Grundlagen der Erkenntnisse und der Therapie berichtet. Diese Wissenschaftlichkeit wurde durch die Anwendung des Persönlichkeitstestes in allen Fällen und die daran anschließende Auswertung belegt.



    3.2 Weitere Entwicklung bei Scientology


    Für den weiteren Verlauf der Entwicklung in der Scientology stehen uns lediglich Informationen von vier Probanden zur Verfügung; drei der Probanden, die im dienstlichen Auftrag sich von der Scientology anwerben ließen, kehrten nicht wieder in die Organisation zurück. Zwei weitere ließen sich zwar für weitere Kurse anwerben, zahlten auch dafür Geld ein, wurden jedoch dann von ihren Angehörigen und Freunden davon abgehalten, diese Kurse zu besuchen. Von den verbleibenden vier Probanden trat eine der Organisation der Scientology-Kirche bei,
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 10
    während die anderen als Studenten in der Organisation tätig waren.

    Die subjektive Bewertung der Scientology war unterschiedlich:
     

    Trotz dieser unterschiedlichen Einstellungen zur Scientology wurden deren Techniken sehr ähnlich beschrieben:
    In Kursen wird zunächst einmal eine neue Sprache vermittelt:
    Abkürzungen, Neudefinitionen bekannter Worte, auch englische Worte (s. dazu auch die Fachwort-Sammlung für Dianetics und Scientology, welche weit über 600 derartige Begriffe enthält).
    Weiterhin wird durch Kontrolle von Emotionen versucht, das. Selbstbewusstsein zu erhöhen.
    Schliesslich lernt man, dem Gesprächspartner auch in unangenehmsten Situationen konstant in die Augen zu schauen.
     

    Diese Anfangserfahrungen wurden von allen Probanden durchweg positiv erlebt.
    In der sog. "Konfrontation" lernen sie, auch bei widrigen
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 11
    Umständen und gegenüber Gemütsäusserungem anderer Personen die eigenen Emotionen in Kontrolle zu halten und dabei diesen Personen - wie gesagt - konstant in die Augen zu blicken.
    Ihnen wird ein angeblich überlegenes Wertesysten vermittelt.
    Dadurch wird ein Elitebewusstsein erzeugt, welches zur Abgrenzung gegenüber der Umwelt führt.
     

    "Ausser Scientology ist keine Wissenschaft oder Fachrichtung bekannt, die einheitlich die Intelligenz und die allgemeinen Fähigkeiten in so markanter Weise verbessern kann" (R.L.HUBBARD "Scientology - die Grundlagen des Denkens", 3.Aufl.,1974).
    Dieses Elitebewusstsein führt einerseits zu einer Klassifikation der Menschen, die zwischen Teilhabern am Prozeß und den Außenstehenden - von den Scientologen verächtlich als "raw meat" bezeichnet - unterscheidet. Innerhalb der Gruppe der Teilhaber bildet sich eine Hierarchie von Ausbildungsstufen (F.W. HAACK: "Scientology- Magie des 20. Jahrhunderts").
    Geheimhaltung und ein Nebeneinander von Ausbildungs-, Organisations- und Überwachungshierarchien machen die Situation für den Einzelnen undurchsichtig, so dass ein erheblicher, durch die Hierarchien entstandener, aber nicht im konkreten Einzelfall nachweisbarer Binnendruck entsteht. Diesen Binnendruck auszuhalten oder aber ihn auf seine Umwelt zu projizieren, bleibt dem Einzelnen
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 12
    überlassen. Er wird jedoch in der Regel dahingelenkt, mögliche Störfaktoren für sein Wohlbefinden oder aber für sein Auskommen mit der Scientology in der Aussenwelt in Form von "suppressiven Personen" oder "potentiellen Unruhestiftern" zu suchen. Die Projektion von Unmut nach aussen hat bei den Scientologen zur Schaffung ausgesprochener Negativbilder, z.B. der Psychiater und Psychologen geführt.

    Den von uns untersuchten Probanden wurde  - mit einer Ausnahme, wo dies nicht so deutlich in Erfahrung gebracht werden konnte - Hilfe angeboten. Diese Hilfe bestand in sog. "Kursen" und "Auditing", wobei in der Regel das "E-Meter" zur Anwendung kam.
    Bezüglich des E-Meters wird auf das in der Literatur zitierte Gutachten hingewiesen (s. HAACK a.a.O.S. 111). Die Demonstration und persönliche Erprobung dieses Instrumentes ließ die vollkommen unzulänglichen technischen Gegebenheiten unschwer erkennen. Es handelt sich um ein Gerät zur Messung des Hautwiderstandes, das jedoch von den heute in der Psychophysiologie gebräuchlichen analogen Geräten bei weitem an Meßgenauigkeit und Meßzuverlässigkeit übertroffen wird - ganz abgesehen davon, dass letztere nicht zur Wahrheitsfindung und zur differenzierten Emotionsanalyse verwendet werden.

    Den Probanden wurde jedoch erläutert, dass das E-Meter
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 13
    tatsächlich über Emotionen und Einstellungen, ja sogar über Personen-Wertigkeiten Meßdaten liefere (bei Psychiatern z.B. sollen ganz bestimmte Zeigerausschläge erfolgen).
    Diese Erklärungen entsprechen auch der Definition im Fachwörterbuch. Dort wird das E-Meter als elektronisches Instrument beschrieben, "welches den geistigen Zustand und die Veränderung des Zustandes vom Individuum mißt".

    Bei den Auditing-Sitzungen wurden nicht nur die auf die jeweiligen Fragen gegebenen Antworten notiert, sondern auch die Ausschläge auf dem E-Meter festgehalten. Diese Notizen wurden Bestandteil der Akten über die Probanden. Die Akten waren jedem Scientologen, der mit Auditing beschäftigt war, zugänglich, so dass Vertraulichkeit nicht gegeben ist; d.h. es werden auch intime Sachverhalte in diesen Sitzungen preisgegeben und diese werden archiviert, ohne dass ein Geheimnisschutz vorgesehen ist.

    Die von uns befragten Probanden erklärten dazu, sie hätten ihr Vertrauen nicht zu irgendwelchen Personen, sondern in das E-Meter gesetzt.

    Die Reaktionen der Probanden auf das Auditing war unterschiedlich. Während eine Probandin sich durch
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 14
    Auditing zunehmend isoliert vorkam, auch in zunehmende eigene Schwierigkeiten geriet, weil sie mit ihrer Umwelt nicht mehr in adäquaten Kontakt treten konnte, fühlte sich ein anderer Proband kommunikationsfähiger. Es war ihm auch leichter, seine Probleme zu lösen. Allerdings waren die Probanden mit unterschiedlichen Voraussetzungen und unterschiedlichen Erwartungen zur Scientology gekommen.

    Im weiteren Prozeß der Erfahrung im Rahmen der Scientology, über die lediglich noch zwei Probanden berichten konnten, sei es bei ihnen beiden jedoch auch zu psychoseähnlichen Phänomenen gekommen.

    Solche Phänomene werden von den Scientologen angestrebt, zugleich aber offenbar auch gefürchtet. Psychoseähnliche Phänomene sind in der speziellen Technik der "Konfrontation" aufgetreten:
    Im Laufe des Auditings und bei der Weiterbildung zu höheren Stufen lernen die Scientologen das stundenlange "Konfrontieren". Dabei schauen sie sich ohne emotionelle Erregung stundenlang in die Augen. Im Anschluß daran kam es bei einer Probandin zu - vor allem optischen - Sinnestäuschungen (Halluzinationen), zu illusionären Verkennungen sowie zu Derealisations- und Depersonalisationsphänomenen - also zu Symptomen. wie sie vorzugsweise bei exogenen und endogenen Psychosen auftreten.

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 15
    Bei einem männlichen Probanden ist es ebenfalls zu Derealisationen und Depersanalisationen gekommen. Während bei der Probandin diese Phänomene mit Angst verbunden waren, war bei dem männlichen Probanden eine eher neutrale Gefühlslage vorhanden. Offenbar war aber für die erfahrenen Scientologen das Auftreten solcher Phänomene nicht neu. Sie haben dagegen "eine Therapie entwickelt". (S. 55 des beigegebenen Protokolls).

    Die beiden stationär behandelten Probanden wurden über den stationären Aufenthalt hinaus nicht beobachtet. Bei beiden hatten sich jedoch auch paranoide Gedanken, z.B. von der Scientology vergiftet zu werden, eingestellt, so dass eine Rückkehr zu dieser Organisation wenig wahrscheinlich ist. Die beiden anderen Probanden hatten sich aus unterschiedlichen Gründen von der Vereinigung abgekehrt. Während dem männlichen Probanden die ständige Veränderung des Systems, die zunehmende Bedeutung des Geldes für die Organisation, die Streitigkeiten innerhalb der Organisation und auch die Widersprüchlichkeiten und Machtbedürfnisse i.S. eines autoritär-hierarchisch strukturierten Systems der Grund filr seine Abkehr waren,
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 16
    er die Prinzipien aber nicht generell ablehnte, war für die Probandin die Beobachtung der psychischen Verkümmerung, insbesondere der Kinder von Scientologen, einschliesslich ihres eigenen Kindes, das eigentliche Motiv, von der Scientology Abstand zu nehmen. Dabei berichtete sie, dass die Kinder der Scientologen zugunsten höherer "Dynamiken", d.h. in der Wertehierarchie der Scientologen höherstehender Werte (wie Z.B. das Überleben der Gruppe oder die Rettung des Universums) vernachlässigt wurden und vernachlässigt werden mussten. Für beide Probanden war jedoch auch die menschenverachtende Bestrafung in sog. Ethikverfahren, die sie selber miterlebten, Anlaß, sich von der Scientology abzukehren.



    3.3 Psychologische Untersuchung in der Klinik

    Drei der Probanden wurden in der Klinik sowohl testpsychologisch mit dem Minnesota Multiphasic Personality Inventary (MMPI) und dem 16 PF Persönlichkeitstest untersucht wie auch psychiatrisch zu ihrer Aktualsituation exploriert. Bei der Exploration zeigten sich alle Probanden als relativ offen, sagten auch frei
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 17
    ihre Meinung und konnten sich auch Fragen, die sie nicht beantworten wollten, selbstbewusst widersetzen. Alle drei Probanden fühlten sich als subjektiv stabil, mit ihrer derzeitigen beruflichen und privaten Situation zufrieden und körperlich gesund.

    Die testpsychologischen Untersuchungen ergaben bei allen Probanden im wesentlichen unauffällige Profile. Bei zweien waren leichte Dissimulationstendenzen feststellbar, das bedeutet, dass sie die Tendenz hatten, sich stabiler darzustellen, als sie tatsächlich waren. Aber auch bei Korrektur dieser Tendenzen waren sie durchaus nicht psychisch auffällig, lagen vielmehr im Normbereich der Vergleichs-Populationen. Alle drei Probanden zeigten in ihren Tests ein gutes Selbstvertrauen, welches zwar beim einen mehr und beim anderen weniger ausgeprägt erschien, jedoch in keinem Falle psychopathologisch übertrieben war. Im Komunikationsverhalten, soweit dies testpsychologisch erfassbar ist, erschien eine Probandin zurückhaltender, die anderen relativ aktiv, aber auch hier war in keinem der drei untersuchten Fälle eine behandlungsbedürftige psychische Auffälligkeit vorhanden. Bei keinem der Probanden erschien es notwendig, eine ausführlichere Untersuchung psychiatrisch-psychologischerseits anzuraten oder eine Therapie-Empfehlung zu geben.

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 18
    Diesen drei Probanden wurde zum Abschluß der Untersuchung folgende Frage gestellt:

    Was wurden Sie Ihrem Freund oder Ihrer Freundin empfehlen, wenn er oder sie unter den gleichen Symptomen, die bei Ihnen nach dem Persönlichkeitstest in der Scientology-Kirche festgestellt worden sind, leiden würde?

    Von allen drei Probanden wurde betont, dass man diesem Freund Hilfe zukommen lassen müsse, wobei als mögliche Helfer in zwei Fällen ein Arzt, in einem Fall eine psychosoziale Einrichtung wie "die Insel" oder der Sozialpsychiatrische Dienst genannt wurden. Auf die Frage, ob sie sich selber eine solche Hilfestellung bei einem Freund zutrauen würden, wurde dies lediglich in einem Fall mit "ja" beantwortet. Auf die weitere Frage, wie sie reagiert hätten, wenn ein Psychiater ihnen die gleichen Störungen, die ihnen nach dem Test mitgeteilt wurden, entgegengehalten hätte, äusserten zwei der Probanden, sie hätten sich ernsthafte Gedanken gemacht. Einer der Probanden hätte sich eine Therapie überlegt. Ein Proband antwortete: "Ich bin ja mit mir und meiner Situation zufrieden. Es wird schon so stimmen, wie ich jetzt bin. Eine Hilfe brauche ich nicht".

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 19



    4.0 Scientologische Literatur


    Im Wesentlichen wird hier auf zwei Bücher zurückgegriffen, nämlich "DIANETICS - die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit" und "SCIENTOLOGY - die Grundlagen des Denkens".
    Auf die Fachwortsammlung für Dianetics und Scientology wird verwiesen.

    Wenngleich auch andere Schriften der Scientoloqy vorliegen, so reichen die zitierten Werke aus, um darin die Anwendung der Methode und die dahinterstehenden theoretischen Konzepte zu analysieren und auf ihre mögliche Gefährlichkeit hin zu überprüfen. Uber die Dianetic steht auf Seite 6 des Buches DIANETICS folgendes:

    4.1 Dianetics
    1. Sie ist eine organisierte Wissenschaft vom Denken, aufgebaut auf bestimmten Axiomen, d.h. auf Feststellungen von Naturgesetzen, die denen der Naturwissenschaften gleichwertig sind.
    2. Sie umfasst eine therapeutische Technik, mit der alle nichtorganischen Geisteskrankheiten und alle organischen psychosomatischen Leiden mit der Gewißheit völliger Heilung in beliebigen Fällen behandelt werden können.
    3. Sie schafft für den Menschen einen Zustand der Fähigkeit und Vernunft, der weit über dem gegenwärtigen Durchschnitt liegt, und erhöht eher seine Lebenskraft und Persönlichkeit, als sie zu zerstören.
    4. Dianetics verleiht vollständige Einsicht in die vollen Möglichkeiten des Sinnes und entdeckt, dass diese, entgegen früheren Annahmen, wesentlich umfangreicher sind.
    5. ...
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 20
     
    6. Die einzige Ursache geistiger Störungen sind von Dianetics klinisch oder experimentell entdeckt und demonstriert worden.
    7. ...
    8. ...
    9.  Dianetics bringt die Nicht-Keim-Theorie der Krankheit hervor und ergänzt die Biochemie und Pasteurs Werk über die Keimtheorie, so dass das ganze Gebiet gedeckt ist.
    10. Mit Dianetics endet die "Notwendigkeit", das Gehirn durch Schock oder durch chirurgische Eingriffe zu zerstören, um bei geisteskranken Patienten Wirksamkeit und Anpassung zu erreichen".
    Diese Behauptungen werden in dem Buch erläutert und auch an Kasuistiken demonstriert.

    Eine Psychose Z.B. kommt dadurch zustande, (S. 139-141) dass Engramme (das sind nach der Fachwortsammlung geistige Vorstellungsbilder, welche eine Aufzeichnung einer Zeit von physischer Schmerz-und Bewusstlosigkeit sind) z.B. während einer Lachgasnarkose von einem Patienten aufgenommen worden, wobei dieser sämtliche Reden, die Leute in seiner Nähe führten, auf sich selber beziehen würde. Es wird beschrieben, wie ein Patient, dem zwei Weisheitszähne gezogen werden, durch die Unterhaltungen während der Narkose solche Engramme erfährt. Z.B.
     

    "Nun kommt er in die Hände der blonden Sprechstundenhilfe. Er soll das Betäubungsmittel ausschlafen und sich erholen. Sie ist so aberriert (von der Vernunft abgewichen, geistig gestört) wie alle andern. Sie weiß, dass Patienten seltsame Dinge tun, solange sie noch "weg" sind und so löchert sie ihn nach Informationen über sein Leben. Und sie weiß, dass diese hypnotisch sind (ja sicher weiß sie das) und gibt ihm einige positive Suggestionen. Sie amüsiert sich dabei. Sie sagt, dass er sie gern haben wird, dass sie gut zu ihm sein wird und noch einen Augenblick da bleiben wird".  (S. 140)
    In der Folge übernehme dann der Proband den Ton und die Eigenarten des Zahnarztes.

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 21
     

    "Mit so durcheinandergebrachten Zurückrufen (in der Gegenwart stattfindende Erinnerungen an etwas, das in der Vergangenheit geschehen ist, trifft er (der Patient) einige Jahre später eine Frau, die der Sprechstundenhilfe ähnlich ist. Die Sprechstundenhilfe hat ihm ein zwangsmässiges Verlangen nach ihm eingegeben. Der reaktive Sinn(der Teil des Verstandes einer Person, der auf Reizreaktionsgrundlage arbeitet. Dieser Teil steht nicht unter der willensmässigen Kontrolle des Menschen und übt Macht und Befehlsgewalt über sein Bewusstsein, seine Ziele, Gedanken, seinen Körper und seine Handlungen aus). Der dumme kleine Idiot, sieht in dieser vollständig anderen Person genügend Ähnlichkeit, um die Gehilfin und diese neue Frau identisch sein zu lassen. So lässt sich der Patient von seiner Frau scheiden und heiratet die Pseudosprechstundenhilfe. Allein jetzt, nachdem er die Pseudosprechstundenhilfe geheiratet hat, beginnt das Zahn-Engramm ernsthaft einzurasten. Er wird körperlich krank:
    Die beiden, den gezogenen Weisheitszähnen benachbart liegenden Backenzähne entwickeln grosse Löcher und beginnen zu faulen (Zirkulation ist abgeschaltet: Schmerz kann aber an der Stelle nicht gefühlt werden, weil Schmerzzurückruf abgeschaltet ist). Sein Gedächtnis geht in Stücke. Seine Rückrufe verschlechtern sich. Er beginnt ein Augenleiden und eine merkwürdige Bindehautentzündung zu entwickeln. Ferner hat er Brust- und Magenschmerzen (weil sich der Zahnarzt mit seinem spitzen Ellenbogen von Zeit zu Zeit auf seine Brust und seinen Magen stützte). Das Lachgas schädigte seine Lungen und dieser Schmerz befindet sich in chronischer Restimulierung (wenn die Wahrnehmungseindrücke der gegenwärtigen Umwelt denen des Engranms annähernd gleichkommen). Aber was von allem am schlimmsten ist: Er glaubt, dass die Pseudosprechstundenhilfe für ihn sorgen wird, so dass er zu einem gewissen Grad aufhört, für sich selbst zu sorgen; seine Energie schwindet; analytisch (dem bewussten wahrnehmenden Verstand entsprechend, welcher denkt, Daten beobachtet, sie erinnert und Probleme löst. Im wesentlichen wäre dies der bewusste Verstand im Gegensatz zum unbewussten Verstand. In DIANETICS und SCIENTOLOGy ist der analytische Verstand der Verstand, der wach und bewusst ist und der reaktive Verstand reagiert einfach ohne Analyse). Weiß er jedoch, dass alles falsch ist und dass er nicht er selbst ist. Denn nun sitzt er in der Valenz des Zahnarztes fest, der auf seine Sprechstundenhilfe böse ist, und so schlägt er die Pseudohilfe, weil er spürt, dass von ihr das ganze Übel ausgeht. Das Mädchen, das er heiratete, ist nicht die Sprechstundenhilfe: sie hat eine ähnliche Stimme und ist blond. Sie hat ihre Engramme und reagiert. Sie versucht Selbstmord zu begehen.
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 22
    Eines Tages dann - denn wir haben es hier mit einem Engramm unter vielen zu tun - wird unser Patient in eine Heilanstalt für Geisteskrankheiten aufgenommen. Die Ärzte dort bestimmen, dass er weiter nichts nötig hat, als eine gute, gediegene Serie von Elektroschocks, um sein Gehirn in Stücke zu reißen; und sollte das nicht funktionieren, würde sicher ein netter Stocher, der während und nach den Elektroschocks in beide Augäpfel getrieben und in einem weiten Bogen darin herumgefahren wird, den analytischen Sinn in Stücke reißen. Seine Frau ist einverstanden. Unser Patient kann sich selbst nicht verteidigen: Er ist geisteskrank, und die Geisteskranken haben keine Rechte, wie Sie wissen. In diesem Fall hier kam die Kavallerie in Gestalt von Dianetics und klärte den Patienten und die Frau. Beide sind heute glücklich. Das ist ein wirkliches Engramm und eine tatsächliche Fallgeschichte. (S.140-141)
    Nach der dianetischen Überzeugung kommt es aber nicht nur durch "Engramme", die während hypnotischer Zustände aufgenomen werden, sondern auch durch sog. vorgeburtliche Engramme und Geburten-Engramme zu psychosomatischen und psychotischen Störungen.
     
     
    Die Menschen haben im Normalfall vorgeburtliche Engramme in grossen Mengen. Sie können mehr als 200 haben. Und jedes einzelne ist aberrierend. Jedes enthält Schmerz und Bewusstlosigkeit. Engramme, die die Zygote empfängt, sind am aberierendsten, da sie ganz und gar reaktiv sind. Die Engramme, die ein Embryo empfängt, sind stark aberrierend. Diejenigen, die ein Fötus empfängt, reichen ganz allein aus, um Leute in Heilanstalten zu senden. (S.159)
    Inder Dianetic sitzt "dem Patienten" - als solcher wird er auch in der Scientology bezeichnet - der Auditor gegenüber, der die Diagnose stellt und die Therapie durchführt.

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 23

    Bei Dianetics wird häufig zwischen "Patient" und "Preclear" nicht unterschieden. In beiden Fällen wird man durch das dianetische Verfahren "geheilt" oder zum "Clear" gemacht, indem man mehr über sich und das Leben herausfindet.
     

    "Bei der Diagnose ist die Regel, dass alles, was das Individuum dem Auditor als unvorteilhafte Reaktion auf die Therapie anbietet, engrammatisch ist und sich im Prozeß-Verlauf so erweisen wird". (Seite 222)
    Bereits auf Seite 218 steht:
     
    "In der Entwicklung der dianetischen Wissenschaft gab es für die Klassifikation mehrere Stadien, bis es schließlich klar wurde, dass ein pathologischer Zustand nur soweit bezeichnet werden sollte, als es für den Auditor nötig war, eine Heilung zu erreichen. Dieses nun durch die Praxis entwickelte System macht es dem Auditor möglich, eine Diagnose zu stellen, ohne mehr zu wissen, als in diesem Kapitel enthalten ist und was seine künftige Erfahrung ausmacht".
    Das Kapitel, in dem über die Diagnose geschrieben wird, enthält 17 Seiten. Um auf die Einfachheit der Diagnose hinzuweisen, sei Seite 221 zitiert:
     
     
    "Asthma stammt ziemlich regelmässig von der Geburt, was auch auf Bindehaut- und Nebenhöhlenentzündung zutrifft. Wenn diese jedoch bei der Geburt in Erscheinung treten können, gibt es gewöhnlich einen Hintergrund mit vorgeburtlichen Engrammen. Somit kann man sagen: für einen Auditor ist es weniger wichtig, wo ein Mann oder eine Frau Schmerzen hat, ausser er benutzt das chronische Leiden des Patienten, um die Kette von Mitgefühls-Engrammen zu lokalisieren; alles, was der Auditor über diese Krankheit wissen muß, ist, dass eine Stelle am Körper des Patienten weh tut. Das genügt für den Auditor zur psychosomatischen Diagnose". (S. s.o.)
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 24

    In der Folge werden dann therapeutische Schritte beschrieben, von denen einer als "dianetische Reverie" bezeichnet wird (S. 238-243). In diesen Seiten wird zwar betont, dass es sich dabei nicht um Hypnose handelt, denn Hypnose würde Engramme setzen, dianetische Therapie sie entfernen, Hypnose würde Leute zum schlafen bringen, dianetische Therapie sie aufwecken. Das beschriebene Verfahren geht folgendermaßen vor sich:

     "Auditor: Blicken Sie zur Decke. Wenn ich von 1-7 zähle, werden Ihnen die Augen zufallen. Sie werden alles, was geschieht, bewusst wahrnehmen. Sie werden in der Lage sein, sich an alles, was hier geschieht, zu erinnern. Sie können von allem, in was sie hineingeraten, zurückziehen, wenn Sie es nicht mögen okay (langsam, beruhigend: eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben). Durch einen Stern wird angemerkt, wenn sich der Patient Zahlen widersetzt, benutzen Sie die Buchstaben des Alphabetes. Er kann bei einer früheren Operation durch Zählen eingeschläfert worden sein, sodass ihn Zahlen nervös machen. Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, eins, zwei, drei (die Augen des Patienten schliessen sich, die Augenlider flackern) vier, fünf, sechs, sieben. Der Auditor macht eine Pause; er setzt dem Löscher ein).(Aus Seite 240:das ist ein äusserst wichtiger Schritt, der nicht unterbleiben sollte, auch wenn Sie ganz sicher sein mögen, dass er durch Ihre Worte keineswegs beeinflusst wird. Er heißt "wenn ich später das Wort gelöscht spreche, wird alles, was ich zu Ihnen während der Therapiesitzung gesagt habe, gelöscht sein und keine Macht über Sie haben. Jede Suggestion, die ich Ihnen gegeben habe, wird ohne Kraft sein, wenn ich das Wort gelöscht spreche. Verstehen Sie"). (S. 242)
    Weiter auf Seite 242:
     
    "Okay, lassen Sie uns zu Ihrem 5. Geburtstag zurückkehren... (Die Arbeit geht weiter, bis.der Auditor den Pateinten für diesen Zeitabschnitt genügend behandelt hat)... Kommen Sie zurück in die Gegenwart. Sind Sie in der Gegenwart? (Ja). (Sprechen Sie das Löschwort). Wenn ich von fünf bis eins zähle und mit den Fingern schnippe, werden Sie sich wach und frisch fühlen. Fünf, vier, drei, zwei, eins. (Schnipp).. das ist Reverie. Das ist alles,
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 25
    was man über diesen Mechanismus wissen muß. Die Erfahrung wird den Auditor viel lehren. Dieses sind die Grundprozesse:

    1. Versichern Sie dem Patienten, dass er alles wissen  wird, was geschieht.
    2. Zählen Sie, bis er die Augen schließt.
    3. Setzen Sie den Löscher ein.
    4. Senden Sie ihn in einen Zeitabschnitt der Vergangenheit zurück.
    5. Arbeiten Sie mit dem Arcbivverwalter (irgend etwas im Inneren des Sinnes arbeitet also mit dem Auditor in enger Harmonie und arbeitet für ihn besser als für die Person, in deren Sinn es sich befindet. Dieses Ewas ist der Archivverwalter), um Daten zu erhalten.
    6. Reduzieren Sie alle berührten Engramme, so dass keine Ladung mehr übrigbleibt.
    7. Bringen Sie den Patienten in die Gegenwart zurück.
    8. Versichern Sie sich, dass er in der Gegenwart ist.
    9. Geben Sie ihm das Löscher-Wort.
    10. Stellen Sie sein volles Bevusstsein von seiner Umgebung wieder her."
     

    Neben einer Reihe von anderen Therapieanweisungen z.B. Der "Valenz-Wechsel", der "Blitz-Antwort" u.a., werden dem Auditor noch eine Reihe von Verboten erteilt:
    z.B.
     
     
    "Bringen Sie niemals einen Patienten plötzlich in die Gegenwart, nur weil er Sie darum bittet. Wenn er sich mitten in einem Engramm befindet, ist der einzige Weg hinaus, hindurch zu gehen. Die Macht des Engramms ist gering, wenn der Patient zu ihm zurückgekehrt ist. Es schaltet sich stark ein, wenn der Patient in die Gegenwart kommt. Der Patient bekommt einen Nervenschock, wenn er plötzlich in die Gegenwart versetzt wird. Werden Sie niemals ängstlich, ganz gleichgültig, wie sich der Patient winden mag oder wie er schreit. Es ist nichts davon ernsthaft, auch wenn es manchmal dramatisch ist... bringen Sie keinen Fall durcheinander und senden ihn dann zu einem Psychiater, der Dianetics nicht kennt. Nur Dianetics kann Dianetics entwirren und Methoden von gestern
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 26
    würden Ihrem Patienten nicht im geringsten helfen, wenn er das nochmals durchlaufen muß, woraus Sie ihn zunächst herausgerissen haben. Stählen Sie Ihre Nerven und senden sie ihn noch einmal durch das Geschehnis. In Dianetics ist ein ganz offensichtliches Nervenwrack von heute das fröhlichste Wesen von morgen (S. 363- 364).
    Im weiteren wird auf einzelne Therapieschritte hingewiesen, die das Leben - mit der Zeugung beginnend - aufarbeiten. Verschiedene Techniken werden erneut angeboten. Verschiedene Hemmnisse der Therapie werden erläutert. Eines der wesentlichen Hemmnisse ist das Mitgefühl. Dieses Mitgefühl wurde sogar in einem Axiom von HUBBARD angeprangert:  "Jede chronische psychosomatische Krankheit hat ihren Ursprung in einem Mitgefühls-Engramm".
     

    Weiter auf Seite 425:
     

    "Die Lösung von psychosomatischen Leiden liegt vor allem auf dem Gebiet der Mitgefühls-Engramme. Diese lassen sich jedoch nicht in einem früheren Stadium tilgen, denn sie sind die innere Bastion, hinter der sich der reaktive Sinn duckt und den Ansturm auf die äusseren Festungen durch die Antagonisten beobachtet. Der schmerzliche Verlust von Verbündeten verdeckt zeitweise nicht nur Verbündete, sondern auch Antagonisten. Das Mitgefühls-Engramm ist bei weitem nicht die einzige Quelle der psychosomatischen Krankheit; es ist aber die Quelle von chronischen psychosomatischen Krankheiten.
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 27
    Ubrigens darf man diese Abhandlung über Verbündete nicht so auslegen, dass man einem Kind gegenüber keine Liebe zeigen sollte. Beobachter in der Vergangenheit sind auf sehr fragwürdige Lösungen gekommen, wenn sie annahmen, dass offen gezeigte Zuneigung ein Kind aberriert. Der Mangel an Zuneigung mag es töten, jedoch das Umgekehrte trifft nicht zu. Das einzige, wie ein Verbündeter ein Kind aberrieren kann, ist zu ihm zu sprechen und mit ihm mitzufühlen, wenn es sehr krank oder von einer Verletzung bewusstlos ist. Wenn er das tut, vermischt er die Persönlichkeit des Kindes mit seiner eigenen, schafft eventuell eine Möglichkeit für psychosomatische Krankheit oder Aberration und mag das Kind ganz allgemein für das Leben untauglich machen (ausser natürlich für Dianetics). Lieben Sie ein Kind am stärksten und tun Sie am meisten für das Kind, wenn es wohlauf ist. Tun Sie alles mit ihm und sagen Sie alles zu ihm, wenn es gesund ist. Wenn es krank oder verletzt ist, dann ist es am besten, "es zusammenzuflicken und das verdammte Maul zu halten", wie es der Bootsmann ausdrückt."
    Gegen Ende des Buches wird auch auf Problemfälle hingewiesen, z.B. auf Seite 453:
     
    "G. wurde in zehn Monaten sporadischer Sitzungen geklärt. Die ursprüngliche Diagnose für seinen Fall lautete: kein Geräusch-Zurückruf, kein Seh-Zurückruf, Schmerz- und Emotions-Absperrung, leichte Dauer-Trance, dauernde Regression in ein Alter von drei Jahren. Das bedeutete, dass er im gleichen Augenblick, als er in Reverie ging, überrascht und ängstlich war, als er sich im Stuhl eines Zahnarztes fand. ... Nach fünfundsiebzig Stunden entdeckte man - und hier fand die Befreiung statt, dass seine Frau manchmal seine Pseudo-Großmutter und aufgrund von Ambivalenz auch seine Pseudo-Mutter war. Da seine Mitgefühls-Berechnung verlangte, krank zu sein, damit seine Großmutter bei ihm bleiben würde,und da sein Kontra-Überlebens-Engramm bestimmte, dass seine Mutter nur nett zu ihm sein würde, wenn er krank war, ergab sich als Summe der reaktiven Berechnung, dass er ununterbrochen krank sein mußte... Die Tilgung begann nach etwa zweihundert Therapiestunden und wurde fortgesetzt, als der Fall plötzlich jeden Fortschritt einstellte.
    Nach genauer Befragung stellte sich heraus, dass G.s Frau Dianetics sehr feindlich gegenüberstand. ... Sie verhöhnte ihn und nannte ihn psychotisch.

    Sie hatten ein Kind von neun Jahren, einen Jungen. Das Kind hatte eine ungewöhnlich grosse Zahl von Kinderkrankheiten gehabt und litt unter Sehschwieriqkeiten und chronischer Nebenhöhlenentzündung. Es war in der Schule zurückgeblieben.

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 28
     ... Der Auditor des Falles unterhielt sich mit der Frau, um mehr Tatsachen über ihre Einstellung zu ihrem Mann in allgemeinen und zu Dianetics im besonderen zu erfahren. Sie zeigte sich der Therapie für sich selbst nicht abgeneigt. ..."
    Es kam zur Auseinandersetzung zwischen den Ehepartnern, wobei sich zeigte, dass sie auf der "Sex-Dynamik" eine Absperrung haben musste.
     "Als er am folgenden Tag von der Arbeit nach Hause kam, fand er, dass sie das Geld von der Bank abgehoben hatte und mit dem Jungen in eine andere Stadt gefahren war. Er folgte ihr und fand sie bei ihren Verwandten. Sie hatte ihnen erzählt, dass er sie geschlagen hätte und so verrückt geworden sei, dass er nun Therapie haben müsse. In Wahrheit hatte er sie jedoch nie im Leben brutal angefasst. Bei diesem Treffen vor Zeugen begann sie jegliches psychiatrisches System zu beschimpfen und zu schmähen, das an Erinnerungen vor dem Sprechenlernen glaubte."


    Diese Frau sei dann von ihren Verwandten gezwungen worden, mit ihm zurückzukehren. Unterwegs habe sie einen dramatischen Selbstmordversuch gemacht.
     

    "Der Auditor dieses Falles hatte nach ihrer Rückkehr eine private Unterredung mit ihr. Er hatte etwas verspätet die Schlußfolgerung gezogen, daß es in ihrem Leben etwas geben müsse, von dem sie befürchtete, der Mann könnte es herausfinden und nun, da sie sich einer Wissenschaft gegenübersah, die aller Erinnerungen wieder hervorbringen konnte, wurde sie diesbezüglich ausserordentlich emotionell. Sie begann dann eine Therapie bei der Scientology und man bat sie schliesslich, das Therapie-Buch zu studieren und ihr Kind zu klären, was sie mit Hilfe ihres Mannes auch tat."
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 29
    Als weitere Hinderungsgründe für Problemfälle wird eine Behandlung mit Medikamenten, insbesondere mit Beruhigungsmittelnoder Hypnotika (sind in medizinischer Fachsprache alle schlafinduzierenden Medikamente), Narkosemittel, aber auch Alkohol, Opium, die von den Scientologen alle unter den Sammelbegriff "Drogen" zusammengefaßt werden. Aufgezählt werden als Stöfaktoren auch organisch bedingte geistige Veränderungen, wobei in dem Buch besonders auf iatrogene Veränderungen, d.h. ärztlicherseits verursachte Veränderungen, hingewiesen wird.
     
    "In allen solchen Fällen und besonders bei solchen, die Elektroschock erhalten haben, sollte Dianetics in jeder nur möglichen Art und Weise benutzt werden, um den Zustand des Patienten zu bessern. Alle Schocks und Operationen sollten als das  aufgefaßt werden, was sie sind - Engramme. Kein Mensch, der Routineaufgaben ausführen kann oder dessen Aufmerksamkeit eingefangen und fixiert werden kann, sollte verzweifeln oder als hoffnungslos betrachtet werden." (S.445)
    Auf den Seiten 458 ff. wird über den Umgang mit Psychotikern gesprochen. Es wird dabei zwar zur Vorsicht geraten, es werden aber auch Behandlungsanleitungen gegeben, wobei zusammenfassend darüber gesagt wird (S. 460):
     
     
    Dieses Buch beschäftigt sich, abgesehen von diesen paar Bemerkungen, nicht mit Anstalts-Dianetics; ein Auditor, der die Grundlagen aus diesem Buch kennt, kann mit ein wenig Verstehen in so kurzer Zeit bei Patienten geistige Gesundheit zuwege bringen, dass die Leitung dieser Anstalten so etwas normalerweise als Wunderheilung betrachten würde.
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 30

    Die Dauer der Behandlung wird unter Normalumständen mit wenigen Wochen angegeben (S. 469), bis der Patient wie-der im Gleichgewicht ist. Dabei sollte die Behandlungsperiode zwei Stunden betragen, die Behandlung mehrmals pro Woche ablaufen. Ganz zum Schluß des Buches werden dem Patienten noch Ratschläge erteilt, die in Auszügen folgendermaßen lauten (S. 497-509):
     
     

    1. "Während der Therapie soll der Preclear Vitamin B1 nehmen. Zur Durchführung der Therapie ist eine gewisse geistige Energie nötig, und Vitamin B1 steht mit der Schaffung dieser Energie in engem Zusammenhang. Wenn er kein Vitamin B1 einnimmt, kann es sein, dass er ab und zu Alpträume hat. 10-20 Milligramm pro Tag genügen.

    2. Der Predear kann durch die dianetische Technik in keiner Weise Schaden erleiden. Sie ist keine - auch nicht in der weitesten Auslegung des Wortes - Hypnose. Während der Therapie bleibt der Predear vollständig wach und fähig, sich aus jeder Situation herauszuziehen, von der er meint, er könnte ihr nicht die Stirn bieten.

    3. Der Auditor wird über die persönlichen Beziehungen, die er wissen muß, Fragen stellen, beispielsweise:
    Einstellung zu Vater und Mutter, Großeltern und Freunden sowie zu der gegenwärtigen Umgebung. Der Auditor weiß, was er wissen will, der Predear nicht. Er soll deshalb einfach die Fragen beantworten. ...."

    4. ...
    5. ...

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 31
    6. Der Predear sollte wissen, dass das gesamte Therapie-Verfahren aus dem vollständigen Zurückrufen seines Lebens besteht, sowie aus dem vollständigen Wiederarchivieren der Engramme (Augenblicke tatsächlicher "Bewusstlosigkeit") als Erfahrung und Erinnerung. Der Preclear wird nicht gebeten, irgend etwas loszuwerden, noch soll er an irgend etwas glauben.
    7. ...
    8. ...
    9. Zu Anfang der Therapie hat der Predear die Tendenz, in starkem Maße zu introvertieren. Dies ist gewöhnlich ein vorübergehender Zustand, kann aber für eine geraume Zeit in der Therapie andauern. Allmählich beginnt er zu extrovertieren. Schliesslich beschäftigen ihn seine Engramme nicht mehr, doch mag er Interesse für Engramme anderer empfinden.
    10. ...
    11. ...
    12. Wenn der Predear von jemand auditiert wird, dessen erster Fall er ist, und der Dianetics erst seit kurzer Zeit studiert hat, sollte keine Befürchtungen haben. Es kann kein Schaden angerichtet werden, auch wenn noch so viele Fehler begangen werden. Das Gehirn kann durch dianetische Therapie nicht verletzt werden.
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 32
    13. ...
    14. ...
    15. ...
    16. ...
    17. ...
    18. ...
    19. ...
    20. Der Predear sollte sich nicht selbst für neurotisch oder geisteskrank halten, nur weil er beabsichtigt, sich der dianetischen Klärung zu unterziehen. Der überwiegende Teil derer, die sich auditieren lassen, werden Durchschnittsbürger sein. Der Zweck der dianetischen Therapie ist nicht dem Unterdurchschnittlichen Erleichterung zu verschaffen, sondern das optimale Individuum zu erzeugen... Die dianetische Therapie spezialisiert sich auf die Schaffung des Clears und behebt auf ihrem Weg Geistesstörungen; der Cear verhält sich zur heutigen Normalperson wie die heutige Normalperson zum Geisteskranken - so breit sind die Klüfte. ...
    21. ...
    22. ...
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 33
    23. Man kann erwarten, dass sich die Gesundheit des Preclears während der Therapie wie auf einer Berg- und Talbahn auf- und abbewegt. Sie wird nicht gleichmäßig einer Kurve stetiger Verbesserung folgen. Sie wird im Verlauf einer Sitzung viele Male stark nach oben steigen und zurückfallen und von einem Tag auf den andern unbeständig bleiben, wenn neue Engramme restimuliert und alte reduziert werden. Der Preclear wird nicht ernst-haft krank werden und kann nicht so krank werden, wie er es für gewöhnlich war.  ... einen Arzt, der nicht weiß, daß sich der Patient in der dianetischen Therapie befindet, würde die Beobachtung des sich verändernden Blutdruckes und des raschen Wechsels des körperlichen Tons von Tiefs auf Hoch alarmieren. Trotzdem geschieht nichts Ernsthaftes, und tatsächlich wird sich der Hauptteil der Therapie in verbessertem und sich verbesserndem körperlichen Wohlbefinden abspielen.
    Es gibt insgesamt 30 solcher Hinweise an den Preclar, die mit dem Gruß "Waidmannsheil" beendet werden.



    4.2.

    In dem Buch "Scientology -Die Grundlagen des Denkens, das grundlegende Buch der Theorie und Praxis für Scientology" steht in der Einfuhrung:
     
    "Allein mit diesem Buch ausgerüstet, könnte der Student des menschlichen Sinnes tätig werden und Dinge vollbringen, die wie Wunder aussehen, denn er kann den Geisteszustand, die Fähigkeit und die Intelligenz von Leuten verändern."
    Es wird dem Leser der Rat gegeben (Seite 13):
     
    "Verändern Sie nicht die Religion eines Menschen oder seine politische Überzeugung; greifen Sie nicht in die Souveränität eines Staates ein. Lehren Sie den Menschen anstelle dessen, das zu benutzen, was er besitzt und was er weiß, um unter jedem beliebigen politischen System zum ersten Mal eine wirkliche Zivilisation auf Erden zu schaffen und dafür arbeiten wir."
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 34
    In dem Buch wird Scientology als ein Zweig der Psychologie beschrieben, die sich sowohl aus Lehre, d.h. Ausbildung wie aus Übungen und Prozessen zusammensetzt.
     
    "... in den Händen eines Experten (Auditor) kann Scientology einem Menschen die Fähigkeit zurückgeben, mit all seinen Problemen fertig zu werden. Scientology wird von einigen der grössten Firmen der Welt angewandt... Sie steigert Ihre Intelligenz. Sie verändert Ihre Kompetenz und verbessert Ihr Verhalten. Ausserdem gibt Sie Ihnen ein besseres Verstehen des Lebens". (S. 17 u. 18).
    Im Folgenden wird komprimiert und mit anderen Worten der Inhalt des Dianetics-Buches wiederholt. Es werden aber den dort beschriebenen vier Dynamiken vier weitere hinzugefügt, wobei die 7. und 8. Dynamik über den in der Einführung behaupteten Satz "verändern Sie nicht die Religion eines Menschen oder seine politische Uberzeugung" hinausgehen: Die 7. Dynamik ist der Drang zum Dasein als geistiges Wesen oder von geistigen Wesen. Alles Geistige, unabhängig davon, ob es eine Identität hat oder nicht, fällt unter die 7. Dynamik. Die 8. Dynamik ist der Drang zum Dasein als Unendlichkeit, die auch als das höchste Wesen bezeichnet wird. Es wird hier ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Scientology als Wissenschaft nicht in die Dynamik des höchsten Wesens eindringt. ...

    Erneut wird auch in diesem Buch auf die Wissenschaftlichkeit und die Forschungen, die in Scientology durchgeführt werden, hingewiesen:

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 35
     

    "In der Scientology hat man durch genaue Untersuchungen entdeckt, dass ein Mensch unter Problemen zu leiden beginnt, wenn er zu wenige davon hat". (S.58)
    Neu eingeführt wird in diesem Buch auch die Aufgliederung des Menschen in drei Teile, wovon das geistige Wesen der Thetan ist. Dieser Thetan ist kein Ding, sondern der Erschaffer von Dingen. Er kann im Körper sein oder vom Körper getrennt sein, in der Nähe des Körpers und diesen wesentlich kontrollieren, verfallen und degenerieren und seine gesamten Fähigkeiten dennoch wiedererlangen. "Da er das Sein mit Masse und Handlung verbindet, betrachtet er sich nicht als jemand, der eine individuelle Identität oder einen Namen hat, es sei denn, er ist an Leben an einem oder mehreren Spielen beteiligt".
     
    "Jeder kann das früher oder später durch die scientologischen Verfahren selbst herausfinden. Eines der vielen Ziele des Auditierens in der Scientology ist es, den Thetan zu Exteriorisieren und ihn in den nächsthöheren zweiten Zustand zu bringen, da man entdeckt hat, dass er in diesem Zustand glücklicher und fähiger ist. (S. 65)
    Das Buch befasst sich dann mit den Axiomen, die schon aus Dianetics bekannt sind und weltanschaulichen Fragen und geht dann im 11. Kapitel erneut auf das Auditieren ein, das jetzt "Scientology-Auditieren" heißt. In diesem Kapitel wird darauf hingewiesen, dass
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 36
    normalerweise der Predear beim Auditieren sichtbare bedeutsame Fortschritte macht. Ist dies nicht der Fall kann man annehmen, dass er ein Gegenwartsproblem hat, das nicht beseitigt werden kann. Das muß durch Auditieren beseitigt werden. Auch wenn der Auditor den Preclar wissen lässt, dass er dieses Gegenwartsproblem für ausserordentlich wichtig hält, sollte er jedoch dadurch nicht zu glauben beginnen, dass dieser Prozeß keine Gegenwartsprobleme lösen kann. Durch diesen Prozeß kann jedes Problem gelöst werden. Dieser Prozeß sollte bei einigen Preclears zusammen mit dem Trio gelaufen werden.
    Es kann vorkommen, dass der Predear, während man ihn "Dinge über ein Problem erlügen" oder "ihn Probleme von vergleichbarer Grösse erfinden" lässt, aufgeregt wird, das Bewusstsein verliert oder zusammenhanglos oder zwanghaft zu reden beginnt. Geschieht das, so kann man annehmen, dass er solange auf sein Haben auditiert werden muß, bis die Aufregung und die anderen Manifestitationen verschwinden. Erst dann kann man den Prozeß von Problemen vergleichbarer Größe wieder aufnehmen" (S.122).
    Auch in diesem Buch wird wieder auf die Fehler, die man begehen kann, die Schwierigkeiten, die auftreten können, hingewiesen. Zu den Schwierigkeiten gehören Bewusstlosigkeit, Benommenheit und starke Erregung.

    Über die Zukunft der Scientology wird gesagt:
     

    "Das grundsätzliche Wissen der Scientology entstammt der Kernphysik, der höheren Mathematik und dem Verstehen der alten fernöstlichen Kulturen. Die Scientology kann und tut genau das, was sie verspricht... Mit Hilfe der Scientology kann der Mensch dem Wahnsinn, der Kriminalität und den Kriegen vorbeugen... (Seite   )



    4.3. Reinigungsrundown


    Aus den Schriften der Scientology soll noch der "Reinigungsrundown" zitiert werden, zu dem laut Gutachtenauftrag ebenfalls Stellung genommen werden soll.

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 37

    In der Werbeschrift zum "Reinigungsrundown" steht:
     

    "Wir leben in einer chemisch orientierten Gesellschaft. Man würde grosse Schwierigkeiten haben, in der heutigen Zivilisation jemand zu finden, der nicht von dieser Tatsache beeinflusst ist. Der allergrösste Teil der Bevölkerung ist jeden Tag der Einnahme von Lebensmittelkonservierungsstoffen, anderen chemischen Giften einschliesslich atmosphärische Gifte, Schädlingsbekämpfungsmittel u.ä. ausgesetzt. Hinzu kommen die Schmerztabletten, Beruhigungsmittel und andere medizinische Drogen, die von Ärzten verwendet und verschrieben werden. Dann gibt es den weit verbreiteten Gebrauch von Marihuana, LSD, Angeldust und anderen Straßendrogen, die in starkem Maß zu der Szene beitragen..." L.Ron HUBBARD.
    danach heißt es:
     
    "L. Ron HUBBARD, ein bekannter amerikanischer Wissenschaftler, Philosoph und Autor, machte die durchschlagende Entdeckung, dass sich die Giftstoffe im menschlichen Körper ablagern und nicht von alleine wieder abgebaut werden. Durch diesen Umstand kann eine Person erheblich in ihrem Schwung, in ihrer Gesundheit und ihrer Konzentration beeinträchtigt werden. L.Ron Hubbard entwickelte ein Reinigungsprogramm, genannt Reinigungsrundown, welches zum Ziel hat, die Giftstoffe auf natürliche und intensive Art aus dem menschlichen Körper zu beseitigen. Der Hauptzweck des Reinigungsrundowns ist die geistige Verbesserung der Person durch das das Beseitigen der restimulierenden Wirkung der angehäuften Drogen und toxischen Substanzen... Mit dem Reinigungsrundown haben wir nicht nur die Möglichkeit, die schnelle Erholung von den Wirkungen angesammelter chemischer Gifte der Umwelt sowie der medizinischen Drogen und Straßendrogen, die den Fortschritt eines Falles (die Art und Weise in der eine Person aufgrund ihrer Abberationen auf ihre Umwelt reagiert) verhindern, zum Ziel."
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 38

    Dieser "Reinigungsrundown" soll eine Überlebenschance für einen Atomkrieg garantieren. Er habe sich bei tausenden von Leuten auf der ganzen Welt als wirkungsvoll erwiesen. Dieser Reinigungsrundown beinhaltet körperliche Übungen, Sauna, Ernährung mit Vitaminen und Mineralstoffen, wobei Nyacin eine wesentliche Rolle spielt... und natürlich etwas Auditing .... (HCOB=Bulletin von HUBBARD vom 3.1.1980).



    4.0 Beurteilung

    Zunächst einmal muß festgehalten werden, dass es sich bei Dianetic und bei der aus ihr entwickelten Scientology um eine Therapie handelt. Dies ist sie auch im Selbstverständnis der Scientologen, wie dies aus dem Buch "Dianetics" deutlich hervorgeht (s.a. die zusammenfassende Beschreibung auf S.19/20 des Gutachtens, insbesondere Punkt 2).
    Das Buch "Dianetics" beschäftigt sich fast ausschliesslich mit den Grundlagen, dem Erkennen und der Behandlung von Erkrankungen. Hauptzielgruppe dieser Therapie sind die sog. psychosomatischen Leiden, die nach Meinung von L.R.HUBBARD  70% der bekannten Krankheiten des Menschen ausmachen.

    In dem Buch "Scientology" wird zwar betont, dass nicht die Behandlung der Kranken, sondern die Befreiung des Menschen das Ziel sei. Der Mensch solle auf ein höheres Niveau der Intelligenz und der Kompetenz geführt werden. Die Beispiele, die in diesem Buch gebracht werden, betreffen jedoch Krankheiten.

    Die in "Dianetics" entwickelte Therapie richtet sich eindeutig gegen die gängige medizinische Therapie, insbesondere gegen die psychiatrische Behandlung. Es ist nicht Aufgabe dieses Gutachtens, die objektiven Fehler
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 40
    des Buches "Dianetics" (z.B. die Definition des Lachgases) aufzuzeigen und richtigzustellen. Wichtig erscheint jedoch der Hinweis, dass bestimmte medizinische Gebiete - vor allem die Psychiatrie - weithin verfälscht dargestellt werden, insbesondere einzelne ihrer Behandlungsmethoden, z.B die stereotaktischen Operationen. Dianetic wird als alternative Behandlungsmethode auch bei schwierigsten psychiatrischen Fällen - siehe die mitgeteilte Kasuistik, die auf S.20/22 des Gutachtens wiedergegeben ist - dargestellt und Heilung auch in bislang unheilbaren Fällen versprochen. Es werden Anweisungen für den therapeutischen Umgang mit Psychosekranken ebenso gegeben wie die angeblichen Entstehungsbedingunqen und die Therapie für psychosomatische Erkrankungen (z.B. Asthma bronchiale) erläutert werden.

    Bei den Hilfsangeboten von Scientology handelt es sich nicht etwa um psychohygienische Zielsetzungen einer Vereinigung von medizinischen Laien, wie dies etwa bei den Selbsthilfegruppen von Patienten und/oder deren Angehörigen der Fall ist; vielmehr wird eine -speziell theoretisch unterbaute - angeblich stets wirksame professionelle Hilfe versprochen, was den Anweisungen an den "Preclear" zu entnehmen ist (s.S. 34 des Gutachtens).

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 41
    Das therapeutische Vorgehen, welches z.T. mit neuen Kunstworten beschrieben wird, ist teilweise psychotherapeutischen Verfahren entlehnt, die - von Fachleuten angewandt - durchaus ihre Berechtigung bei der Behandlung bestimmter Krankheitsbilder haben. Obwohl in "Dianetics" behauptet wird, dass Hypnose der dianetischen Therapie entgegenlaufe, wird ein Verfahren beschrieben und mit der Bezeichnung "Reverie" versehen, welches unzweifelhaft Hypnose-Bestandteile enthält:

    Die aufeinanderfolgenden Schritte in die Hypnose, wie
     

    finden sich in der mit "Reverie" bezeichneten Technik der Scientologen wieder. Die Ähnlichkeiten mit der ärztlichen Hypnose sind geradezu verblüffend.

    Die Therapie, welche von den Scientologen praktiziert wird, richtet sich an Kranke und Gesunde, denen gleichermaßen ihre Therapiebedürftigkeit deutlich gemacht wird.

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 42

    Der mit dem Anschein von Wissenschaftlichkeit versehene "Persönlichkeitstest" wird angeworbenen Passanten vorgelegt. Aus diesem Test sich ergebende angebliche Schwachstellen werden aufgedeckt. Ggf. werden Schwachstellen auch suggeriert, damit die Angeworbenen zu einer Therapie sich bereiterklären.
    Dies war bei zwei der von uns untersuchten Probanden der Fall. Um die Bereitschaft zu einer Behandlung auch in jenen Fällen zu wecken, bei denen gar keine Indikation dazu besteht, wird grosse Energie aufgewendet. Mehrstündige Gespräche und Überzeugungsversuche lassen darauf schliessen, dass hier vorwiegend kommerzielle Ziele angesteuert werden. In allen uns zur Kenntnis gelangten Fällen wurde zunächst einmal die Bezahlung der Hilfsangebote abgeklärt.

    Eine von solchen Aktionen womöglich ausgehende psychische Gefährdung ist dann nicht als sonderlich hoch einzuschätzen, wenn es sich um ausreichend psychisch stabile Personen handelt. Das war bei drei unserer Probanden der Fall. Sie waren in der Lage, den Überredungsversuchen zu widerstehen. Die bei ihnen angeblich herausgefundenen "Schwachstellen" haben auch keine entsprechenden Befürchtungen induziert, was erfahrungsgemäß bei disponierten Personen Anlaß für abnorme seelische Entwicklungen sein kann.
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 43
    Finden aber Hinweise auf angebliche Schwachstellen Resonanz - das war bei einer von uns untersuchten ehemaligen Scientologin der Fall - , dann können daraus erhebliche Verunsicherungen und weitere Labilisierungen einer ohnehin schon instabilen Persönlichkeit resultieren und ebenfalls abnorme seelische Entwicklungen in Gang setzen.

    Dem Hinweis des anwerbenden Scientologen auf die Schwierigkeiten, die der Angeworbene angeblich oder tatsächlich hat, folgt sogleich das Hilfsangebot, was nach Aussagen eines ehemaligen Scientology-Mitgliedes der üblichen Praxis entspricht:
    Man versetzt den Anzuwerbenden aus dem bestehenden psychischen Gleichgewicht in einen Zustand von Labilität und Verunsicherung, was als deprimierend und beängstigend empfunden wird. Dann wird der Anzuwerbende wieder in ein psychisches Gleichgewicht zurückgeführt, welches nach Möglichkeit auf einem höheren Niveau liegen soll als die Ausgangslage.

    Das Aufspüren von Schwachstellen - in der scientologischen Literatur als "Engramme des reaktiven Geistes" bezeichnet-, kann zu einer ganz erheblichen Verunsicherung führen.
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 44
    Eine solche Verunsicherung geschieht auch bei der sog. aufdeckenden Psychotherapie (z.B. in der Psychoanalyse). Aber gerade diese Labilisierungen im Rahmen aufdeckender psychotherapeutischer Techniken bedürfen der behutsamen und geschulten Handhabung - eine Fertigkeit, die nur während einer langwierigen psychotherapeutischen Ausbildung vermittelt werden kann und der Supervision eines Lehr-Therapeuten bedarf. Zwar wird auch bei Scientology nach dem "Auditing" eine Überprüfung des therapeutischen Prozesses durchgeführt, aber der Supervisor ist in der Regel ebenso ein psychotherapeutischer Laie wie der "Auditor".

    Auf die Gefahren bei der Anwendung von psychotherapeutischen Techniken durch Laien ist wiederholt hingewiesen worden (s. D.LANGEN: Psychotherapie, 2.Aufl., Thieme Verlag, Stuttgart 1971).

    Auch L.R.HUBBARD selbst macht darauf aufmerksam (s.S. 28 des Gutachtens). In seinem Buch "Scientology" beschreibt er "Bewusstseinstrübung" und "Bewusstlosigkeit" als mögliche Konsequenzen des Auditings.
     
     

    Aus psychiatrischer Sicht erheben sich nunmehr folgende Fragen:
     

    a) Welche psychischen Störungen haben bei den unter Punkt 3.1 und 3.2  (S.7/16 des Gutachtens) beschriebenen Verfahrensweisen der Scientologen unsere Probanden an sich selbst oder bei anderen beobachtet?
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 45
    b) Wurde ggf. eine adäquate ärztliche Hilfe versäumt oder gar verhindert?
    Zu a)
    Bei vier unserer Probanden, welche über einen längeren Zeitraum hinweg bei der Scientology-Vereinigung waren, kam es zu psychischen Auffälligkeiten.
    Auch von den beiden Probanden, die sich nicht in psychiatrische Behandlung begaben, wurden psychoseähnliche Symptome beschrieben. Diese traten in Anschluß an eine sog. "Konfrontation" auf.

    In der Deprivations-Forschung haben experimentelle Untersuchungen gezeigt, dass nach einer Reizabschirmung (Sensory deprivation) Leistungs- und Konzentrationsstörungen, Derealisationsphänomene, illusionäre Verkennungen sowie Trugwahrnehmungen auftreten können. (REPP zitiert nach LEGEWIE, H.u.W. EHLERS 1972). Diese Synptomatik hat sich bei Reizentzugsexperimenten immer wieder gezeigt und zwar teilweise schon wenige Stunden nach Einsetzen der Reizabschirmung. Derartige Symptome werden von manchen Autoren (LEGEWIE, EHLERS, 1972) mit den Symptomen bei Halluzinogenkonsum verglichen, was bemerkenswerterweise auch unsere Probanden taten.
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 46
    Die Technik des bei der "Konfrontation" stundenlangen Sich-ungerührt-in-die-Augen-schauen entspricht einem Reizentzug, wie er z.B. auch bei der Hypnose stattfindet (STOCKSMEIER,1984). Die von den Probanden an sich selber beobachteten psychischen Auffälligkeiten entsprechen in vieler Hinsicht den bekannten Phänomenen der Sensory deprivation. Die genaue Erfassung und Überwachung solcher psychopathologischer Symptome durch erfahrenes und geschultes Fachpersonal ist aus psychiatrischer Sicht dringend erforderlich, um ggf. ein rechtzeitiges therapeutisches Eingreifen zu gewährleisten. Solche psychischen Reaktionen können u.U. auch zu längerdauernden abnormen seelischen Entwicklungen krankheitswertigen Ausmaßes führen.

    Ob es durch die Techniken der Scientologen auch zu sog. endogenen Psychosen kommen kann - wie J.G. CLARK (1978) dies meint - , muß offenbleiben. Daß bei einer praedisponierten Persönlichkeit durch psychotherapeutische Methoden eine endogene Psychose ausgelöst werden kann, ist bekannt. Solche Persönlichkeitsverfassungen werden auch von den meisten Psychotherapeuten als Kontraindikation für eine analytisch ausgerichtete Psychotherapie angesehen.

    Um psychotherapeutische Verfahren anzuwenden, bedarf es fundierter Erfahrungen in der Psychiatrie.
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 47

    Auch bei den von uns untersuchten psychotischen Patienten, die der Scientology-Kirche angehörten, konnte ein kausaler Zusammenhang zwischen der Psychose und der Beeinflussung durch Scientology-Techniken nicht nach-gewiesen werden. Auch ein Einfluß im Sinne eines auslösenden Faktors für die psychotische Dekompensation ließ sich nicht bestätigen.

    Die von C. HARING (1983) beschriebene Ich-Labilisierung ist bei allen unseren Probanden versucht worden und in vier Fällen auch gelungen.

    Zu b)

    Zur Frage, ob eine adäquate ärztliche Behandlung krankhafter seelischer Veränderungen durch die Scientology verzögert, versäumt oder gar verhindert wird, ist folgendes zu sagen:

    Die beiden von uns untersuchten Patienten kamen nicht auf Vermittlung oder Empfehlung von Scientologen zur ärztlichen Behandlung; beiden wurde vielmehr von den Scientologen eine Alternativ-Therapie angeboten, eine fachgerechte psychiatrische Behandlung jedoch mit schaurigen Worten als Destruktion ihrer Persönlichkeit ausgemalt, wie das auch bei L.R.HUBBARD nachzulesen ist (s. S. 22 des Gutachtens).

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 48

    Von den Scientologen wird der Psychiater als Feindbild öffentlich angeprangert (s. Freiheitspiegel Nr.22) und die Überlegenheit der eigenen Therapieform betont. In einem unserer Fälle ist auch tatsächlich eine "dianetische Therapie" begonnen, jedoch nicht abgeschlossen worden.
     
     

    Die eingangs aufgeführten Fragen werden abschliessend folgendermaßen beantwortet:

    Zu 1 a)

    Ist der von der Scientology-Vereinigung verwandte Fragebogen, der als Persönlichkeitstest bei allen auf der Straße oder sonstwie angeworbenen Personen verwandt wird, wissenschaftlich fundiert?

    Aus dem Gutachten des Diplom-Psychologen Dr. Weber geht hervor, dass die vorgelegten Untersuchungsbefunde nicht ausreichen, um die wissenschaftliche Fundierung des Fragebogens fach- und sachgerecht zu überprüfen. In der uns zugänglichen Literatur sind wissenschaftliche Kontrolluntersuchungen und Überprüfungen, die es für andere Fragebogen-Tests gibt, nicht auffindbar.

    b)
    Ist er zur Feststellung psychischer Störungen (auch Suizidgefährdung) bzw. psychosozialer Schäden geeignet?

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 49

    Psychische Störungen können im Einzelfall mit einem Fragebogen dieser Art nicht festgestellt werden. Da es bei diesem Fragebogen lediglich um den Vergleich mit einer Normpopulation geht, können daraus nur gewisse Hinweise gewonnen werden, die durch weitere Untersuchungen im Einzelfall überprüft werden nüssen. Man kann rein theoretisch bei derartigen Fragebögen z.B. die Feststellung treffen: "Bei 90% der Personen die den Fragebogen in dieser Form beantworten, bestehen Selbstmordtendenzen. Weil der Proband den Fragebogen in der gleichen Form beantwortet hat, sollte man noch auf andere Weise überprüfen, ob auch tatsächlich bei ihm Selbstmordtendenzen sich erhärten lassen". Allein aufgrund des Fragebogens zu schliessen, dass bei dem Probarden Selbstmordtendenzen vorliegen, ist weder diagnostisch noch therapeutisch vertretbar. Analoges gilt für andere Wesensmerkmale und psychische Störungen eines Menschen. Psychosoziale Schäden können mit einem Persönlichkeitsfragebogen überhaupt nicht festgestellt werden, sondern allenfalls lassen sich Hinweise auf Schädigungsfolgen gewinnen wie etwa Rückzugstendenzen eines Probanden. Aber auch hier gilt, dass solche Hinweise in einem Fragebogen-Test im Einzelfall durch weitere Befunde erhärtet werden müssen, um eine hinreichend fundierte Aussage über das Vorhandensein eines psychischen Schadens machen zu können.

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 50

    Zu 2 und 3)

    Diese Fragen werden im Gutachten des Diplom-Psychologen Dr. Weber eingehend beantwortet.

    Aus den uns vorliegenden Materialien ist nicht ersichtlich, ob es sich bei dem angewandten PersönlichkeitsFragebogen um ein wissenschaftlich anerkanntes Verfahren handelt oder nicht. In der psychologischen Spezialliteratur finden sich keine Hinweise auf den "Oxford-Persönlichkeits-Test". Das Fehlen von Kontrollskalen bei diesem Test lässt nicht erkennen, ob der Proband simuliert oder übertreibt und somit ein falsches Bild von sich abgibt. Die Diskrepanz zwischen den einzelnen Aussagen des Testes - eine Person wird gleichzeitig als inaktiv, gehemmt und als sicher und aufgeschlossen bezeichnet - lässt Zweifel an der Objektivität der Testbefunde aufkommen. Die im Oxford-Persönlichkeits-Test erhobenen Befunde und die daraus abgeleiteten Beurteilungen stehen zudem im Widerspruch zu den von Herrn Dr. Weber mit standardisierten Verfahren bei den gleichen Probanden erhobenen Profilen.

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 51

    Die Auswertung eines psychologischen Testes kann, sofern präzise Auswertungsanleitungen vorliegen, von Hilfspersonal durchgeführt werden. Die Interpretation des Testbefundes muß jedoch dem Fachmann vorbehalten bleiben. Dieser ist sich der Relativität des einzelnen Testbefundes bewusst. Er wird sich somit nie auf die Ergebnisse eines einzelnen Testes verlassen und die Interpretation der Persönlichkeit auf die Basis einer breiten Befunderhebung und einer persönlichen Exploration stellen.

    Durch die unzureichende (oder bewusst falsche) Interpretation des Oxford-Persönlichkeits-Fragebogens ist es bei drei der Probanden zu einer psychischen Labilisierung gekommen. Diese führte zu den von den Scientologen angestrebten Vertragsabschlüssen.

    Die Aussage "Sie sind ein potentieller Selbstmordkandidat'" - sie wurde in zwei Fällen berichtet - ist aufgrund eines Testes nicht möglich. Sie war in beiden Fällen sachlich falsch.

    Eine solche Aussage stellt jedoch für labile Persönlichkeiten eine Bedrohung dar. Eine solche Bedrohung, die ohne Absicherung ausgesprochen wird, bedeutet für die betroffene Person eine Gefährdung, insbesondere dann, wenn weder zwischenmenschliche noch psychotherapeutische Bindungen bestehen. Sie ist weder aus psychotherapeutischer Intention noch allgemein psychologisch vertretbar.

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 52

    Zu 4a)

    Ist das weitere Verfahren, u.a. Kommunikationskurs, Reinigungsrundown grundsätzlich und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass keiner der Behandelnden eine Approbation als Arzt bzw. eine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz besitzt, geeignet, psychische Störungen und/oder Seelenkrisen bei den behandelten Personen auszulösen?

    Die weiteren Verfahren, insbesondere das Auditing mit dem E-Meter wird von den Scientologen als therapeutische Maßnahme angeboten. Als solche wird es auch von den Betroffenen aufgefasst. Die scientologische Literatur enthält ebenfalls konkrete Handlungshinweise für therapeutisches Vorgehen.

    Diese therapeutischen Verfahren, auch der sog. Kommunikationskurs und das sog. Reinigungsrundown bergen Nebenwirkungen und Risiken in sich und haben ihre Kontraindikationen. L.R. HUBBARD weist gelegentlich auch selbst auf Nebenwirkungen und Risiken hin (s. z.B. S.36 des Gutachtens).

    Um die Nebenwirkungen und Risiken zu erkennen und fachgerecht zu behandeln, bedarf es einer medizinisch-psychologisch-psychotherapeutischen Ausbildung. Daher unterliegen die in der Heilkunde tätigen Berufsgruppen einer eigenen Berufsordnung, in denen auch die Verantwortlichkeiten
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 53
    geregelt sind. Eine solche Berufsordnung wird gegenwärtig z.B. für die heilkundlich tätigen Psycholoqen erarbeitet (s. SCHORR et.al. 1984).

    Die grösste Gefahr bei der von den Scientologen angewandten Technik liegt darin, dass psychische Komplikationen nicht rechtzeitig erkannt und einer adäquaten ärztlichen Behandlung verspätet oder überhaupt nicht zugeführt werden. Diese Risiken können insbesondere bei psychotischen Dekompensationen fatale Folgen haben, zu denen es kommen kann, wenn im konkreten Fall eine endogene Psychose sich früher manifestiert hatte oder in der Latenz schwelt. In derartigen Fällen sind die meisten psychotherapeutischen Verfahren, insbesondere Hypnose und eine aufdeckende Psychotherapie als Behandlung kontraindiziert.

    Von den Scientologen werden bei den von ihnen praktizierten Techniken solche Kontraindikationen nicht beachtet. Auch fehlen den dort heilkundlich tätigen Laien, die sich "Auditoren" nennen, die Kenntnisse, um psychotische Dekompensationen als solche überhaupt zu diagnostizieren. Die beiden von uns untersuchten psychotischen Patienten sind ein Beleg dafür. Daß aber die Psychose in beiden Fällen durch die Therapie der Scientologen ausgelöst worden wäre, lässt sich nicht nachweisen.

    Darüber hinaus kann es im Zuge der Therapie zu psychischen Labilisierungen von Krankheitswert kommen,
    Gutachten v. 21.12.84 Seite 54
    die aber auch ohne Behandlung überstanden werden können. Über solche Störungen wurde uns ebenfalls von zwei der Probanden berichtet (s. S. 14 des Gutachtens).

    Die von HARING für alle "totalitären religiösen Gemeinschaften" beschriebene Ich-Labilisierung als psychopathologisches Syndrom wird von den .Scientologen offensichtlich gezielt intendiert, um mit ihrer Hilfe einen Einstieg zu finden und die Notwendigkeit einer "dianetischen Behandlung" zu demonstrieren. Dies wurde auch von acht unserer Probanden so empfunden. Eine dauerhafte Labilisierung, die zu Schwierigkeiten im sozialen Umgang mit der Umwelt geführt hat, wurde lediglich von einer der sieben nicht-psychotischen Probanden berichtet.
     

    Zusammenfassend ist also zu sagen, dass die Techniken der Scientologen geeignet sind, psychische Störungen hervorzurufen. Wie häufig jedoch tiefergreifende psychopathologische Auffälligkeiten, die eine psychiatrische Behandlung erfordern, tatsächlich auftreten, lässt sich aus dem eigenen kleinen Erfahrungsmaterial und aus der Literatur nicht hinreichend fundiert abschätzen.
     
     

    Zu b)

    Können die Störungen ggf. von den behandelnden Laien erkannt und ohne Einschaltung von Heilpraktikern oder Ärzten behandelt werden?

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 55
    Wie oben dargelegt, können gewisse psychische Störungen, die auch unabhängig von den scientologischen Techniken, aber im zeitlichen Zusammenhang mit ihnen auftreten können, von Laien nur schwer oder gar nicht erkannt werden. Manche dieser Störungen werden auch bewusst oder aus Unkenntnis falsch interpretiert (s.S.15 des Gutachtens und S. 55/56 des beigefügten Protokolls).

    Eine fachgerechte Behandlung von Psychosen ohne Kenntnis der medizinischen Heilkunde ist nicht möglich. Ihre Anfangsbehandlung gehört sogar in die Hände von Ärzten mit spezieller Ausbildung in der Psychiatrie. Psychosen können heute erfolgreich behandelt werden, wenn auch häufig in einem langwierigen Prozeß. Auch weniger ausgeprägte psychische Störungen, wie z.B. ängstliche, depressive oder andersartige Psychosyndrome, die im Laufe einer "dianetischen Behandlung" auftreten können, bedürfen einer fachgerechten heilkundlichen Behandlung.
     
     

    Zu 5)

    Wie sind die vorgelegten Fälle ( 4 Namen) psychologisch und psychiatrisch-neurologisch zu bewerten?

    Gutachten v. 21.12.84 Seite 56

    Die vorgelegten Unterlagen über die genannten Fälle reichen nicht aus, um eine psychologische oder nerven-ärztliche Beurteilung zu ermöglichen. Die Informationen über (2 Namen) decken sich im wesentlichen mit den Angaben, die von den anderen Probanden gemacht wurden, so dass eine getrennte Darstellung hier auch nicht notwendig erscheint.

    Die Strafbefehle und deren Begründung über (2 Namen), die als Werber tätig waren, sind psychiatrisch-psychologisch nicht auswertbar.
     
     

    Professor Dr. W. Mende Dr. N. Nedopil
     
     

    Literaturverzeichnis

    1. CLARK,J.G.(1978)
     Untersuchungen über die Auswirkungen einer religiösen Sekte auf Gesundheit und Wohlergehen ihrer Anhänger. Prax. Kinderpsychol. Kinderpsychiatr. 27.54-60
    2. HAACK,F.W. (1982)
     Scientology, Magie des 20.Jahrhunderts Claudius Verlag ,München
    3. HARING,C. (1983) Psychische Störungen bei Mitgliedern von totalitären religiösen Gemeinschaften in Kg Karbe,U.Müller-Küppers (Hrsg Destruktive Kulte Verlag für medizinische Psychologie,Göttingen
    4. HUBBARD,L.R. (1974) Scientoloqy, die Grundlagen des Denkens, 3.Auf 1. Publications department ,Advanced Organisation, Samt Hill,Dennark
    5. HUBBARD,L.R. (1976) Dianetics, die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit. Publications Department Advanced Organisation, Saint Hill, Denmark
    6. HUBBARD,L.R.: (1979) Fachwortsammlung für Dianetics u.Scientologie,3.Aufl Publications Department, Advanced Organisation, Samt Hill,Denmark
    7. HUEBARD,L.R. (1982) Reinigungsrundown u. Atomkrieg ohne weitere Angaben
    8. JASPERS,K.(1959) Allgemeine Psychopathologie Springer, Heidelberg
    9. KARBE,K.G,M.MULLER~KUpPERS(1983) Destruktive Kulte Verlag für medizinische Psychologie, Göttingen
    10. KAUFMANN,R. (1972)  Übermenschen unter uns  Olympia Press Frankfurt
    11. LANG,H.(1983) Können Jugendsekten krank machen?  in K.G.KARBE,M.MÜLLER-KÜPPERS (Hrsg) Destruktive Kulte Verlag für medizinische Psychologie,Göttingen
    12. LANGEN,D. (1971) Psychotherapie  Thieme Stuttgart
    13. LANGEN,D. (1972) Die gestufte Aktivhypnose Thieme Stuttgart 4.Aufl.
    14. LEGEWIE,H.,W.EHLERS(1972) Knaurs moderne Psychologie Droemersche Verlagsanstalt München/Zürich
    15. SCHORR,A., B.BRUGGER,S.ACHILLES(1984) Ethik und Recht  Psychologie Report ,Organ des Berufsverbandes deutscher Psychologen
    16. STOCKSMEIER,U. (1984) Lehrbuch der Hypnose, begründet von STOKVIS u.LANGEN, Karger, Basel ,München
    18. SZASZ,Th.,S.(1984) Psychiatrie, die grösste Gefahr für Menschenrechte  Der Freiheitsspiegel, die unabhängige Zeitung herausgegeben von der Scientology-Kirche Nr.22
     



    1. Version dieser Seite installiert am 24.11.1998


    Impressum:



    Die Website www.Ingo-Heinemann.de wurde eröffnet im September 1998