Ingo Heinemann: Scientology-Kritik 
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Zuletzt bearbeitet am 05.02.2012 
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Der Lyon-Prozess
Scientology-Funktionär wegen fahrlässiger Tötung und Betrug verurteilt
Der frühere Leiter der Scientology-Filiale in Lyon wurde verurteilt, weil er Schuld am Selbstmord eines Scientology-Anhängers war.
 
 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:
  • www.AGPF.de: Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt

 

Zum Urteil 2. Instanz aus: AGPF-Info 11/97:

Scientology in Frankreich: Strafurteil bestätigt
Scientology anerkannt?

In Lyon wurde am 28.7.97 das Strafurteil von drei Jahren Gefängnis plus 150.000 DM Geldstrafe gegen den früheren Leiter der dortigen Scientology-Filiale bestätigt. Wichtigster Vorwurf: Schuld am Selbstmord eines Scientology-Anhängers.
Die Strafe wurde allerdings zur Bewährung ausgesetzt. Die Vorinstanz hatte nur die Hälfte zur  Bewährung ausgesetzt. Dabei hat ein Strafgericht auch subjektive Momente zu prüfen. Die Schwere der persönlichen Schuld ist hier entscheidend. In diesem Zusammenhang ist sicher auch geprüft worden, wie der Angeklagte die Scientology-Organisation eingeschätzt hat.
  Ein Scientology-Sprecher in Frankreich: Mit dem milderen Urteil habe das Gericht die Organisation indirekt als religiöse Organisation anerkannt.
 Scientology-Chef Jentzsch aus USA: "Sieg für die Religionsfreiheit". Ein Traum sei wahrgeworden.
  Agenturen meldeten daraufhin, das Gericht habe Scientology als Religion anerkannt. Dafür ist ein Strafgericht nicht zuständig. Was der Richter bei der mündlichen Urteilsbegründung gesagt hat, ist derzeit nicht nachprüfbar. Entscheidend ist die schriftliche Urteilsbegründung. Diese bleibt abzuwarten.
  Einen Tag später stellte die Regierung von Frankreich klar: Keine Anerkennung. Die Feststellungen des Gerichts seien rechtsunverbindlich. Die Staatsanwaltschaft hat bereits Revision eingelegt.



Urteil 1. Instanz
Aus der Website des Bayerischen Innenministeriums
www.innenministerium.bayern.de

Landgericht Lyon (Frankreich):
Verurteilung des ehemaligen Leiters eines SO-Vereins in Lyon im Oktober 1996 wegen fahrlässiger Tötung und Betrugs zu drei Jahren Freiheitsstrafe sowie zu 500.000 Franc Geldstrafe; vierzehn andere   Mitglieder von Scientology erhielten Bewährungsstrafen zwischen acht Monaten und zwei Jahren sowie Geldstrafen wegen Betrugs oder Beihilfe zum Betrug; mit Beschluß des Appellationsgerichts Lyon vom  28. Juli 1997 wurde die Haftstrafe gegen den ehemaligen Leiter der Scientology in Lyon zur Bewährung ausgesetzt; fünf weitere Anhänger erhielten Bewährungsstrafen von acht Monaten bis zu einem Jahr und Geldstrafen von 10.000 bis 20.000 Franc.

Urteil vom 22.11.1996
In seinem Urteil vom 22.11.1996 stellt das Landgericht unter anderem folgendes fest (Auszüge):
      (Auszüge)

„Zum kostenlosen Persönlichkeitstest"
„Mitglieder der „Kirche" bzw. des „Dianetik-Zentrums" bieten den Passanten in belebten Straßen der Stadt Lyon eine Einladung zur Durchführung eines kostenlosen „Persönlichkeits-Tests" am Sitz der Vereinigung an.

Die Scientologen wenden sich speziell an Personen, deren Äußeres jeweils „fragil" zu sein scheint.

Dieser Persönlichkeitstest gestattet es, in einen Dialog mit der betreffenden Person einzutreten. Er ermöglicht es, die Überzeugung fest zu verankern, daß die betreffende Person nur gewinnen kann, wenn sie sich der Dianetik-Technik anheimgibt, die ausschließlich positive Wirkungen hervorbringen wird, nachdem die anderen Lehren sich als unwirksam herausgestellt haben.

Um die Wirksamkeit der Lehre noch glaubwürdiger zu machen, kann der Gastgeber durch Erfolgsschreiben oder sogar durch den plakativen Eifer großer internationaler Stars aus der Welt des Show-Business, der Wissenschaft und sogar der katholischen Kirche (Beispiel: Herr        ) die Richtigkeit dieser Technik nachweisen.

Dieses Bündel von „Beweisen" gestattet es somit, auch die letzte Zurückhaltung des Kandidaten hinwegzufegen.

Diese erste Phase ist ein Mittel, um die jeweilige Person dazu zu bringen, sich auf die Struktur einzulassen, ohne daß sie es überhaupt bemerken wird.

Eines der ständigen Scientology-Mitglieder interpretiert sofort das Diagramm mit Hilfe eines Rasters, das so ausgelegt ist, daß es die Stärken und Schwächen der Person darstellt.

Nachdem er nett empfangen wurde und dadurch Vertrauen gewonnen hat, wird der Novize nun analysiert; der Interpret des Tests schafft es, ihm ohne Schwierigkeiten die „Störungen" in seiner Existenz aufzuzeigen, und er hebt gleichzeitig seine „Ruinen" hervor.

Nachdem der Test analysiert wurde, gelingt es dem „Werber" ohne Schwierigkeiten, dem Neuling zu beweisen, daß es ein Heilmittel gibt, um sein Unwohlsein zu bekämpfen und ihm seine Lebensenergie zurückzugeben.

Der Neuling war gekommen, um auf einen Fragebogen zu antworten; er wird aber sofort einem Auditing unterzogen, oder es wird ein Termin im Hinblick auf Lehrgänge dieser Art vereinbart; wenn er Glück hat, dann geht er nur mit einem Buch von Ron Hubbard wieder nach Hause.

Er wird dann seine ersten Schritte innerhalb der Scientology unternehmen, ohne sich dessen richtig bewußt zu sein. Er erhält Broschüren. Es wird ihm angeboten, für das Glück der Menschheit zu arbeiten und selbst zu einem besseren Leben zu gelangen.

Die Einbindung in diese Welt erfolgt schnell, umso mehr, als die ersten Lehrgänge nicht zu hohen Aufwendungen führen. Die eingesetzten Methoden sind umso bösartiger und hinterhältiger, als es ihnen gelingt, das Kritikvermögen der Personen zu vernichten."

 „Zum Ködern von Kunden:

„Diese erste Phase wird von den Scientologen als „Disseminations-Übung/Übung zum Ausstreuen von Keimen" bezeichnet.

In diesem gedanklichen Zusammenhang schreibt das Anweisungsschreiben des Hubbard Communication Office vom 03.05.1961 in 43 Punkten sämtliche erforderlichen Techniken vor, damit es gelingt, den Neuling zu ködern, zu verführen, zu „behandeln" und sein Geld zu erhalten.

Einige Punkte dieser Anweisung sind besonders aussagekräftig:

      1.: Interessieren Sie sich stets für das Unglück, das Ihr Gegenüber Ihnen
      erzählt, wie auch immer es aussehen mag. Denn gerade deshalb kommt
      man ja zu Ihnen, auf der Suche nach einer Hilfe.

      2.: Sie müssen jederzeit begierig sein, neue Personen zu kontrollieren,
      sobald sie Ihren ‘Laden’ betreten. Auf eine Million Menschen gibt es
      vielleicht nur eine einzige Person, die nicht vollständig durch das Leben
      und die Existenz ganz allgemein überwältigt ist.

      4.: Nachdem sie ihre Geschichte kurz erzählt haben, und sofern sie noch
      kein Diagramm haben, führen Sie sie zu den Tests und lassen Sie sie
      einen Test machen. Wenn sie fertig sind, bringen Sie sie wieder in Ihr Büro
      und zeigen Sie ihnen die unterschiedlichen Möglichkeiten, durch die
      Scientology ihre Probleme lösen kann (während dessen wird ihre
      Diagramm erstellt). Holen Sie das Diagramm ab und zeigen Sie ihnen
      genau jeden Punkt, einen nach dem anderen, und denken Sie dabei
      erneut daran, dies entsprechend ihrem Realitätsniveau vorzunehmen.

      5.: Jetzt ist es ganz wichtig, niemals autoritär zu sein oder eine gewisse
      Überheblichkeit gegenüber dem Menschen an den Tag zu legen, der an
      der anderen Seite des Schreibtisches sitzt. Die meisten Menschen
      reagieren sehr heftig, wenn Sie sich den Anschein geben, sie verurteilen zu
      wollen. Nehmen Sie nicht die Rolle eines Richters oder eines Vollstreckers
      ein; gehen Sie ganz einfach auf die Person zu. Erlauben Sie ihm,
      bestimmten Punkten des Diagramms nicht zuzustimmen. Letztendlich
      werden Sie entdecken, daß diese Punkte unvermeidlich den größten
      Wahrheitsgehalt aufweisen, und daß gerade diese Punkte am meisten vor
      den Kopf stoßen müssen; aus diesem Grunde ermöglichen sie keine
      Konfrontation.

      Jetzt drehen Sie aber das Messer nicht in der Wunde herum. Behandeln
      Sie das mit Diplomatie; beraten sie und behalten Sie dabei eine
      einwandfreie Kontrolle von A bis Z, und der Typ wird dann einen Vertrag
      für eine Dienstleistung oder irgendeine andere unterzeichnen.

      6.: Was nun die tatsächlich „hartgesottenen" Menschen betrifft, die Sie bis
      zur Phase 5 gebracht haben, und die immer noch nicht einverstanden sind,
      so hören Sie unverzüglich auf, sie treffen zu wollen, und kehren sie die
      Situation um; geben Sie ihnen zu verstehen, daß der Typ zur Zeit nicht ins
      Schwarze trifft, und daß die „Hilfe" nicht für ihn bestimmt ist.

      7.: Lassen Sie ihn sich verabschieden mit einem Argument von Ihrer Seite
      wie: „Nun gut, Herr Müller; Sie müssen sich jetzt selbst entscheiden. Ich
      kann nichts mehr für Sie tun". Dieser Trick funktioniert jedesmal.

      9.: Sie müssen jederzeit jede Person kontrollieren wollen, die Ihr Büro
      betritt, und zwar unmittelbar ab dem Zeitpunkt, zu dem Sie sie am
      Empfang abholen, oder - falls jemand die Person zu Ihrem Büro bringt - ab
      diesem Zeitpunkt, bis zur abschließenden Phase der Unterzeichnung des
      Schecks, bis zu dem Zeitpunkt, zu dem sie die Türe durchschreitet. Dies war
      der Grund für meine Erfolge (in 90 % der Fälle). Die Menschen wollen
      unbedingt beherrscht werden.

      12.: Sobald die Studenten, die Personen vor Erreichen des „klaren"
      Zustandes („PC") und die Neulinge merken, daß die Anweisung im
      allgemeinen dafür da ist, um ihnen zu helfen, dann können Sie Geld
      kassieren, ohne sich abzustrampeln, denn Sie können ihnen in jedem Falle
      eine zusätzliche Dienstleitung verkaufen, die sie jetzt oder später
      annehmen werden.

      17.: Wenn die Leute Geldschwierigkeiten haben (und 99 von 100 Personen
      werden Ihnen sagen, daß sie sich derzeit nichts leisten können), dann
      erarbeiten Sie für sie einen Zahlungsplan und machen Sie ihnen klar, daß
      sie zum ersten Mal Geld für sich selbst ausgeben werden. Das bedeutet
      zwar Arbeit, ich hatte damit aber immer Erfolg.

      23.: In ruhigen Zeiten schreiben Sie an die „Hot Files" (Anm.: Karteikarten
      für potentielle und als äußerst wahrscheinliche Neuzugänge anzusehende
      Kunden). Das persönliche Logo der ‘Anweisung’ wirkt Wunder.

      24.: Rufen Sie die Leute unmittelbar nach Abschluß des letzten PE an
      (Anm.: PE = Personal Efficiency), damit sie zu Ihnen kommen; schmieden
      Sie das Eisen, solange es heißt ist; warten Sie nicht wochenlang, um dies
      zu tun, denn das Interesse der Leute nimmt schnell ab.

      25.: Suchen Sie immer nach neuen Wegen; beuten Sie die alten Wege
      nicht bis zum Letzten aus. Benutzen Sie den CF, denn er ist zu diesem
      Zweck da.

      31.: Bewahren Sie präzise Anmerkungen in den geeigneten Registern für
      Studenten, PC’s und eventuelle Kunden auf, und zwar für die
      Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Dies bedeutet mehr Geld
      ..."

      Diese offiziellen Schriftstücke weisen die Machenschaften nach, die
      eingesetzt werden, um Neuzutritte zu erwirken und Geldzahlungen zu
      erhalten. Wenn auch die ersten Lehrgänge relativ wenig aufwendig sind
      (400 Francs), so werden demgegenüber die Auditing-Sitzungen, um den
      „klaren/hellen" Zustand zu erreichen (100.000 Francs), die
      Reinigungs-Kuren (30.000 Francs), die Fortschritte auf der Leiter bis zur
      Ebene der „Thetane" (bis zu 500.000 Francs) sowie der Praktika im Ausland
      zu exorbitanten Preisen in Rechnung gestellt."

      Zur Unterwerfung der Kunden:

      „In ihrer Isolation innerhalb einer Gesellschaft, in der die traditionellen
      Werte an Bedeutung verlieren, suchen die Menschen heute nach einem
      verlorenen Ideal.

      Die Scientology-Kirche füllt diese ungeheure Lücke zunächst dadurch auf,
      daß der Mensch in eine anscheinend fest gefügte Familie aufgenommen
      wird.

      Unter Ausnutzung dieses tatsächlichen Zustandes wird sie dann jedoch den
      Menschen unterjochen, indem sie ihn die einzelnen Phasen der
      Progression innerhalb der Vereinigung durchlaufen läßt und ihm künstliche
      Paradiese vorgaukelt.

      Auf diese Art und Weise wird der Neuling die einzelnen Ebenen erreichen
      und schrittweise sein Hab und Gut verlieren; er wird sich verschulden oder
      aber zum ständigen Mitglied dieser Kirche werden, im Gegenzug gegen
      einen Hungerlohn.

      Die Ebenen des OPERATING THETAN (OT I bis OT VIII) sind das
      Musterbeispiel dieser ständigen Machenschaften, um den entsprechenden
      Abhängigkeitszustand zu erreichen.

      Die eingesetzten Techniken ermöglichen es, die Eignung der Person und
      ihren Glauben besser zu erfassen, sie zu kontrollieren und in eine
      vollkommene Unterwerfung zu führen.

      Zu diesem Zweck ermöglichen die Auditing-Sitzungen ein Bloßstellen der
      Person und eine eventuelle spätere Verwendung ihrer früheren
      Bekenntnisse zu ihrem Nachteil, in Form der „schwarzen Propaganda"."

      Zum Auditing:

      „Das Auditing oder CO-Auditing ist eine duale Beziehung, die die
      betreffende Person (vor dem klaren Zustand) und den Scientologen, der die
      Technik anwendet (Auditor), einander gegenüberstellt.

      Das vorliegende Verfahren beweist, daß es nicht erforderlich ist, eine
      besondere Schulung durchlaufen zu haben, um diese Technik
      anzuwenden:

      Der Auditor und die Person, die dem Auditing unterzogen wird, sitzen sich
      gegenüber. Der Auditor erteilt eine Reihe von Anweisungen oder stellt eine
      Reihe von Fragen, die für jede Sitzung festgelegt ist, entsprechend einem
      zuvor aufgestellten Programm.

      Die Fragen werden der betreffenden Person mehrfach gestellt - und zwar
      bis zu 50-mal, wie einige Opfer berichteten -, unter Anwendung eines
      Protokolls, das entsprechend den Angaben von den Techniken der
      hypnotischen Induktion nachempfunden ist.

      Die Person evoziert in einem hypnotischen Zustand bestimmte Situationen,
      die bei ihr zu Problemen geführt haben, und sie versucht, sie erneut zu
      durchleben.

      Die Sitzung geht dann zu Ende, wenn sämtliche in der Liste des
      Programms vorgesehenen Anweisungen ausgeführt worden sind.

      Die Durchsicht der beschlagnahmten Unterlagen ergibt, daß sich die
      betreffenden Personen häufig über Unwohlsein beklagen, mit Übelkeit,
      Schwindel und Angstgefühlen. Ausweislich der Angaben des
      Sachverständigen hängen diese Störungen mit der post-hypnotischen
      Phase zusammen, also mit der erneuten Konfrontation mit der Realität, im
      Anschluß an das imaginäre Erleben innerhalb der Hypnose.

      Das Verlassen des Zustandes der Hypnose muß normalerweise langsam und
      schrittweise erfolgen.

      Bei der Dianetik erfolgt dieser Vorgang abrupt und unvermittelt, und er
      kann zu schwerwiegenden psychologischen Konsequenzen führen.

      Herr ....... (Anm.: Gutachter) unterstreicht in seinem Gutachten das
      Paradoxon, das in der Durchführung einer gefährlichen Technik durch
      Personen besteht, die nicht über medizinische Kenntnisse verfügen, die
      unerfahren sind, und die die Nachwirkungen von Handlungen nicht
      beherrschen können, die den Neuling in die endgültige Psychose oder in
      den Selbstmord treiben könnten.

      Dieser Sachverständige bewertet die Technik des Auditing wie folgt:

      „Sie interessiert sich lediglich für das Auslösen von emotionalen Schüben,
      ohne das nachfolgende Ungleichgewicht auffangen zu können. Nach der
      Mobilisierung der Ängste wird kein wirkliches therapeutisches Verfahren
      eingesetzt, um es der betreffenden Person zu ermöglichen, sie zu
      kontrollieren und zu lenken.

      In Anbetracht ihrer relativen Verwundbarkeit erweisen sich bestimmte
      Patienten als in äußerstem Maße durch den Auditor formbar, der in ihnen
      bestimmte Verhaltensweisen oder Vorstellungen festigen kann. Die
      Phänomene in Form einer Beeinflußbarkeit durch Suggestionen erzeugen
      im Patienten die Illusion von früher schon durchlebten Phasen oder von
      para-normalen Erfahrungen, ohne ihn dazu in die Lage zu versetzen, die
      Realität seiner Erfahrungen zu kritisieren, und ohne ihn vor der
      Schattenseite seiner Verhaltensweisen zu warnen, also vor Halluzinationen
      und Wahnvorstellungen.

      Unabhängig von dem Glauben, den man dem metapsychischen Bereich
      und übersinnlichen Erscheinungen schenken mag, würde es niemanden in
      den Sinn kommen, freiwillig im wachen Zustand einen Traum weiterleben
      zu wollen, der im Schlafzustand begonnen hatte, vor allem dann nicht,
      wenn dieser Traum Ängste erzeugt; genau darin besteht nun aber ein Teil
      der von der Scientology angewandten Technik."

      Zum Elektrometer:

      „Der ernsthafte Charakter des Auditing wird durch den Einsatz eines Geräts
      mit der Bezeichnung „Elektrometer" verstärkt; dieses Gerät erzeugt im
      Rahmen der gewählten Vorgehensweise die Illusion eines
      wissenschaftlichen Gehalts, der von den Sachverständigen übrigens
      verneint wird.

      Herr             (Anm.: Gutachter) stellt daher fest, daß das Gerät zu keinerlei
      wissenschaftlichen Ergebnissen führen kann.

      Es handelt sich dabei lediglich um einen inszenierten Ablauf.´

      Darüber hinaus hat der Sachverständige im Verhandlungstermin den Wert
      dieses Geräts auf maximal 5.000 Francs angesetzt, wobei er den Neulingen
      für 39.000 Francs verkauft wird.

      Der Sachverständige kommt zu folgenden Schlußfolgerungen:

      „....... Unter diesen Umständen wird deutlich, daß das Gerät nichts als einen
      Köder darstellt, der dazu bestimmt ist, einem Vorgang, der nichts mit
      Wissenschaft zu tun hat, einen wissenschaftlichen Anschein zu verleihen."

      „....... (Anm.: Weiterer Gutachter) stellt seinerseits fest, daß das Auditing mit
      dem Elektrometer (ohne wirkliche Effekte diagnostischer, kultureller oder
      sonstiger Art) „in Wirklichkeit zu einer Verstärkung der Macht führt, die der
      Auditor ausübt, und zwar durch Erhöhung der psychologischen
      Abhängigkeit und dadurch, daß der betreffenden Person auch der letzte
      Rest ihres freien Willens und ihrer Fähigkeit genommen wird, sich zu
      verstellen, denn sie ist von der Realität einer Detektions-Technik überzeugt,
      der sie unterworfen wird, wobei sie gleichzeitig die Gewißheit verspürt, sich
      ihr nicht entziehen zu können."

      Diese verschiedenen Phasen erscheinen damit jeweils als entsprechende
      Machenschaften, die dazu bestimmt sind, dem Individuum, das sich in
      einer Schwächeposition befindet, vorzugaukeln, daß die eingesetzten
      Maßnahmen es ihm ermöglichen werden, ein Gleichgewicht in seinem
      Leben wiederzufinden."

      Zum Reinigungs-Rundown und den damit verbundenen Gefahren:

      „Das Verfahren der Reinigung stellt sich als eine der Schlüssel-Etappen des
      Vorgangs zur Einführung in die Scientology dar.

      Diese Technik beruht auf dem gemeinsamen Einsatz von vier Typen von
      Maßnahmen;

      - Sauna;

      - Physische Anstrengungen durch Laufen;

      - Ernährung;

      - Zuführung überhöhter Vitamindosen.

      Diese Reinigungs-Kur gehört im allgemeinen an den Anfang des für
      Neulinge vorgesehenen Ablaufs.

      „....... (Anm.: Gutachter) weist in seinem Gutachten folgendes nach:

      Wenn auch nach Auffassung der Scientologen „diese Kur durch Elemente
      medizinischer oder religiöser Art bzw. im Sinne eines Initiationsritus
      gerechtfertigt wird, so stellt sie doch in Wirklichkeit den Schlüsselstein der
      geistigen Manipulation dar, und zwar dadurch, daß den rein verbalen
      Techniken ein Durchführungsprotokoll hinzugefügt wird, das sich auf
      Erkenntnisse zur Arzneimittelabhängigkeit und Physiologie stützt, und das
      ein körperliches ‘Durchwalken’ des Menschen darstellt, der dann physisch
      erschöpft ist, und den man dann umso leichter psychisch unterwerfen kann."

      Die Verabreichung hoher Vitamindosen, die in sich gegenseitig
      ergänzender Form wirken, kann zu schwerwiegenden Leber- und
      Nieren-Vergiftungen führen, die bis zum Tod der betreffenden Person
      reichen können.

      „....... (Anm.: Gutachter) faßt in seinem Gutachten das zweifache Interesse
      dieses Programms zusammen. Die Reinigung „erzeugt bei den
      betreffenden Personen bestimmte Wirkungen, die außerhalb ihres
      tatsächlichen Zusammenhangs interpretiert werden und dazu dienen, die
      Märchen der Scientologen zu nähren; die Reinigung unterwirft die
      Menschen, indem sie sie auslaugt, und indem sie ihre üblichen
      physiologischen Abläufe verändert; sie macht den Menschen verwundbarer
      und abhängiger im Hinblick auf die Techniken verbaler Art, die eingesetzt
      werden".

      Dadurch erleichtert die Tätigkeit von (Anm.: Ein Angeklagter) die
      Techniken und Machenschaften, die gegenüber den Neulingen eingesetzt
      werden, die dadurch den Suggestionen leichter unterliegen und schließlich
      in dem gesamten Räderwerk nach Wunsch „konditioniert" werden können."

      Zu den Gesundheitsgefahren der Scientology-Techniken:

      „Er (Anm.: Gutachter) weist aber auch sofort darauf hin, daß negative
      Effekte auftreten werden, und zwar:

           „Die Abhängigkeit; hierbei handelt es sich um den am
           schnellsten eintretenden und am wenigsten
           psychopathologischen Effekt;

           Das Wiedererwachen der vorhandenen Pathologien: Die
           Techniken zur geistigen Manipulation - in Verbindung mit
           der Aufgabe der von der Sekte empfohlenen
           medizinischen Behandlungen - führen zum
           Wiederaufleben verkapselter Erkrankungen (Depressionen;
           Phobien; psychotische oder neurotische Störungen
           jeglicher Art).

           Anfälle von Angst. Wenn die Person sich schwierigen
           Entscheidungen gegenüberstellt sieht (Aufrechterhaltung
           der sozialen Integration; oder aber: Vollständiger Beitritt
           zur Sekte), so sieht sie manchmal keine andere Alternative
           mehr als den Selbstmord, der den Endpunkt der Zeiten
           des depressiven und nicht beherrschten Leidens darstellt.

           Das Auftreten von abrupten Pathologien vom Typ der
           Halluzinationen oder des Deliriums ist häufig die Folge
           der Auditing-Techniken oder der Reinigungs-Kursen."

      Zur Manipulation und Unterwerfung einer Zeugin im Strafverfahren:

      „Nach Auffassung der Experten wurde diese junge Frau von 23 Jahren, die
      damals Kunst studierte, die familiäre Probleme erfahren hatte, und bei der
      deutlich ausgeprägte Punkte in Form einer psychischen Anfälligkeit
      neurotischen Typs vorlagen, manipuliert, und zwar in dem Sinne, daß die
      Scientologen die zuvor bestehenden psychologischen Schwächen dieser
      Person ausgenutzt haben.

      Nach Angaben der Sachverständigen stellen die eingesetzten Techniken
      das Gegenteil einer Psychotherapie dar, da ihr Ziel darin besteht, die
      Abhängigkeit der Person zu erhöhen und sie noch unreifer werden zu
      lassen.

      Auf diese Art und Weise wird die Person schrittweise zur Gefangenen eines
      Systems, das sie dazu zwingt, von der Dianetik bis zum allgemeinen
      System der Scientology überzugehen, mit ihren Riten, die den Menschen
      zu einem Bruch mit seiner Umgebung bringen und ihn isolieren, denn er
      wird in eine Gemeinschaft eingeschlossen, die eine eigene Sprache
      spricht.

      Die Praxis des Auditings macht den Menschen zum Sklaven der Gruppe.
      „Diese Praxis macht ihm jede Flucht unmöglich, denn sie würde durch die
      Offenlegung seiner Unterlagen und ihre Weitergabe nach außen bestraft,
      sowie durch die Verwendung von Bekenntnissen (die im Vertrauen
      abgelegt worden waren) gegen den Menschen selbst".

      Die Funktionsweise des Auditings unter Kontrolle durch einen Vorgesetzten
      (den hierarchisch höherstehenden „Supervisor") und der Fortschritt, der stets
      durch die Ethik-Sitzungen blockiert werden kann, führen den Menschen
      dazu, jeglichen kritischen Verstand einzubüßen und zu gehorchen, um das
      Risiko zu vermeiden, seinen Aufstieg am unteren Ende der Leiter wieder
      neu aufnehmen zu müssen."

      Zur strafrechtlichen Beurteilung:

      „Die erste dieser betrügerischen Machenschaften besteht in der kostenlosen
      Einladung, sich dem Persönlichkeitstest zu unterziehen, oder aber in der
      Lüge, die in der Presse unter der Rubrik „Stellenangebote" veröffentlicht
      wird.

      Die Person, die sich in einer Notlage befindet, wird in einem
      verständnisvollen Umfeld aufgenommen und findet ein Gegenüber vor, das
      scheinbar aufmerksam auf sie eingeht. Ausweislich des Wortlauts der
      „Anweisung" besteht jedoch der einzige Beweggrund dieser
      Aufmerksamkeit darin, den Neuling ‘festzukrallen’, ihn zu beherrschen und
      von ihm Geld zu erhalten.

      Dieses Ziel wird schnell erreicht. So unterzeichnen die Arbeitslosen auf der
      Suche nach einer Arbeit einen Scheck über einen hohen Betrag - im
      Vergleich zu ihren finanziellen Möglichkeiten -, denn sie glauben ja, eine
      Stelle zu erhalten.

      Die meisten Zeugen erklären, daß sie in die Zentren kamen, um auf einen
      Persönlichkeitstest zu antworten, und daß sie den Ort nicht näher kannten,
      zu dem sie sich begaben. Übrigens gibt es kein Dokument, das ihnen eine
      entsprechende Information liefern würde. Für viele dieser Menschen hatte
      der Ausdruck „Dianetik-Zentrum" keine besondere Bedeutung. Einige haben
      sogar Lehrgänge besucht, ohne zu bemerken, daß sie sich innerhalb der
      Scientology-Kirche befanden.

      Diese irreführende Werbung stellt eine betrügerische Machenschaft mit
      dem Ziel dar, den potentiellen Kunden zu täuschen."

      „Daher sind die irreführende Werbung, die den Ansatzpunkt für das
      Aufsuchen des Zentrums durch den Neuling darstellt, und das zu Beginn
      genährte Unwissen des Neulings hinsichtlich der Bedeutung der Ausdrücke
      „Dianetik-Zentrum" oder sogar „Scientology-Kirche", ebenso wie auch die
      eingesetzten Methoden des Kundenfangs und die Praxis des Auditing, die
      Reinigungs-Kuren, und die als Mittel zum ‘Verpfeifen’ eingesetzten
      Bekenntnisse, sowie die Ethik-Berichte, also all diese Methoden, die dazu
      bestimmt sind, Geld wegzunehmen und den Neuling gleichzeitig seiner
      freien Entscheidungsfähigkeit zu berauben, jeweils als betrügerische
      Machenschaften anzusehen, die dazu bestimmt sind, ihn zu hintergehen."

      „Diese tatkräftigen Maßnahmen, die von den Zeugen und Opfern
      beschrieben werden, und die durch ....... (Anm.: Angeklagter) während der
      verschiedenen Phasen des Wegs eines Scientologen umgesetzt werden,
      indem dem Neuling eine Verbesserung seines Zustandes vorgespiegelt
      wird, und die seinen Lebensweg verändern, haben nur ein einziges Ziel:
      Dem Neuling soll möglichst viel Geld abgenommen werden.

      Diese Handlungen erfüllen damit den Tatbestand des Betrugs."

      „Die Techniken des Auditing „haben die Person in einen Zustand der
      Infantilisierung und der Abhängigkeit von der Sekte versetzt". Die
      Dauerbearbeitung, die Herr ....... (Anm.: Angeklagter) während der Stunden
      eingesetzt hat, die vor dem dramatischen Ereignis lagen, und zwar zu
      Lasten einer schon angeschlagenen Person, deren Müdigkeitszustand am
      Tag des Dramas kulminierte, sowie der ständige psychologische Druck, dem
      sie ausgesetzt war, haben „das Opfer dazu gebracht, nach einem Ende für
      sein psychisches Leiden zu suchen, und sie haben ihn in den Selbstmord
      getrieben."

      Aus diesen Feststellungen ergibt sich, daß das schuldhafte Fehlverhalten
      von Herrn ....... (Anm.: Angeklagter), das durch Unvorsichtigkeit und
      Fahrlässigkeit geprägt war und sich ständig während der gesamten
      „Übernahme und Betreuung" von Herrn ....... (Anm.: Opfer) wiederholte - vor
      allem während der Stunden vor seinem Selbstmord -, eine
      Kausalitätsbeziehung direkter Art zum Ableben von Herrn ....... (Anm.:
      Opfer) aufweist, und daß die ihm vorgehaltene Straftat in Form einer
      fahrlässigen Tötung somit nachgewiesen ist.

      Dieser Selbstmord ist keine isolierte Erscheinung im Rahmen der Existenz
      der Scientology-Kirche, und diese Feststellung ist die Folge einer Lehre,
      die ihrerseits die Psychiatrie bekämpft.

      Die Unterlagen des Ermittlungsverfahrens ermöglichen es, auf zwei weitere
      verdächtige Selbstmordfälle hinzuweisen."
 
 
 
 



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