Ingo Heinemann: Scientology-Kritik
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Der Kassenarzt 1991 Nr. 4
Verführt, verraten und verkauft


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Adresse dieser Seite: Kassenarzt1991-Nr4.htm zuletzt bearbeitet am 20.7.2001
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Der Kassenarzt DEUTSCHES ÄRZTEMAGAZIN 1991 Nr. 4

Sekten

Verführt, verraten und verkauft

In Australien hat eine parlamentarische Untersuchungskommission festgestellt: "Die Praxis der Scientology Church ist eine ernsthafte Bedrohung der Gesellschaft - medizinisch, moralisch und sozial. Ihre Anhänger sind bedauernswerte Verführte und vielfach seelisch krank.“ In München ist dieser Organisation schon 1984 die Ausübung des Gewerbes untersagt worden, unter anderem aufgrund von Verstößen gegen strafrechtliche und ordaungsrechtliche Bestimmungen sowie gegen Bestimmungen über die Ausübung unerlaubter Heilkunde. In Hamburg hingegen wird erst jetzt überlegt, ob man dieser Organisation die Rechtsfähigkeit entziehen kann. Das Amtsgericht hatte mit seiner Entscheidung, Scientology müsse als religiöse Organisation gelten, erreicht, daß die sogenannte Scientology Church immer noch im Vereinsregister steht.

Woran soll sich der verunsicherte Mitbürger halten? In Lyon werden Mitglieder dieser Organisation verhaftet wegen angeblich illegaler medizinischer Betreuung; in Schweden wird gegenwärtig überprüft, ob Laien wie die Scientologen andere Menschen psychologisch beeinflussen dürfen. In Dänemark sind ein Scientologe und zwei von ihm angeheuerte Privatdetektive zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt worden: Sie hatten ein Theologie-Zentrum in Aarhus drei Jahre lang überwacht, EDV-Disketten kopiert und gesetzeswidrig Abhöranlagen installiert. In Hannover erlaubt hingegen das Amtsgericht den Scientologen die öffentliche Straßensammlung und begründet seine Entscheidung mit dem Gleichheitsanspruch dieser angeblichen Religionsgemeinschaft mit etablierten Kirchen und Vereinen. Es fehlten Beweise, so das Gericht weiter, daß die Straßenwerbung der Sekte eine genehmigungspflichtige gewerbliche Tätigkeit sei. Die Stadt Hannover hatte den Scientologen vorgeworfen, sogar Kinder zum Kauf von Büchern und zur Teilnahme an psychologischen Kursen aufgefordert zu haben.
 
  

"Erhebliche Risiken“
Aus einem Gutachten über die "therapeutischen Praktiken“ von Scientology, erstellt von Professor Dr. med. Hans Kind (Herrliberg):
"Offensichtlich ist ... die autoritäre Struktur der Scientology, die Tendenz zur Isolierung der Klienten von ihren bisherigen Bindungen, der Gruppenzwang, der ausgeübt wird (...). Obwohl also Dianetik und Scientology nicht mit 'Gehirnwäsche‘ gleichgesetzt werden dürfen, drängt sich doch der Schluß auf, daß die aufgezeigten subtilen Analogien erhebliche Risiken für die Klienten bedeuten (. . .). Das scheint z.T. zur Strategie der Organisation zu gehören, weil auf diese Weise die Patienten von ihren Familien getrennt und ganz an die Organisation gebunden werden. Wenn dann noch finanzielle Abhängigkeiten dazukommen, ist der Weg zurück zur Selbständigkeit enorm erschwert und nur mit vielen Einbußen möglich.“
In Nordrhein-Westfalen wiederum hat die Landesregierung auf eine entsprechende parlamentarische Anfrage erklären lassen, die sogenannte Scientology Church sei keine Kirche, sondern ein Wirtschaftskonzern, dessen Hauptzweck "die Erzielung von möglichst viel Gewinn ist“. Hans Kern, SPD-Abgeordneter im Düsseldorfer Landtag und Studiendirektor, hatte sich in seiner Anfrage unter anderem auf eine Einschätzung



Nicht Kirche, sondern Wirtschaftsunternehmen

der Münchener Staatsanwaltschaft berufen, derzufolge die Sekte ihr hörig gewordene Mitglieder ausbeute und sie selbst wieder zu "Kundengewinn und Kundenausbeutung einsetzt“. Antwort der Landesregierung: Es gebe derzeit keine Möglichkeit, mit staatlichen Machtmitteln vorzugehen, den Betroffenen könne nur mit Informationen geholfen werden. Sie begrüße daher die Bemühungen der in Schleswig-Holstein besonders aktiven "Initiative besorgter Eltern und Bürger Hoisdorf e.V.“, die vom Bundestag die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses fordere.

Hin und her und wenig Klarheit: Wo ist die Hydra mit den vielen Köpfen, sprich Untervereinen zu fassen? Nikolaus Jürgens, Jurist und Leiter der Verbraucher-Zentrale Hamburg - "Dies ist keine Kirche, sondern eher den Dienstleistungsunternehmen zuzurechnen!“ -, hat sich beispielsweise wiederholt für eine Kontrolle durch den Bund der Psychologen ausgesprochen. Fachleute müßten sich um den Nährboden für Sekten kümmern. "Wir brauchen zudem eine gutachterliche Stellungnahme - dann gäbe es endlich Anhaltspunkte für die Nichteinhaltung psychologischer Standards, wenn es etwa um die Fragebogen der Scientologen geht.“



Gezielter Vitamineinsatz?

Inzwischen sieht es so aus, als gebe es auch medizinische Fragen, denen in diesem Zusammenhang nachgegangen werden sollte: In einer Podiumsdiskussion zum Thema Scientology in Hamburg haben ehemalige Sektenangehörige geschildert, sie hätten Händevoll Vitamine schlucken müssen, unter anderem Niacin: "Anschließend ging es in den Schwitzkasten, und zwar für anderthalb Stunden. Danach mußten mich zwei Leute aus der Sauna tragen, weil ich völlig gelähmt war.“
 
  

Wie Sekten auftreten
Die Aktivitäten der sogenannten Scientology Church sind so schwer zu kontrollieren, weil diese Organisation, einer Hydra gleich, zahlreiche Köpfe, sprich Unterorganisationen hat. Die Namen sind in Zeitungsmeldungen und Stellenanzeigen ebenso zu finden wie auf Plakatwänden - nur: Der Leser erfährt nichts über den Hintergrund. Vielleicht ist Ihnen der eine oder andere dieser Namen schon einmal untergekommen: Studierkreis für angewandte Philosophie; Bürgerkomitee gegen Übergriffe der Psychologie; Büro für öffentliche Angelegenheiten; Celebrity Center; Dianetische Praxis; F. SEF. -Freunde des Sichere Umgebung Fonds; Gesellschaft für Innovation mbH; Gesellschaft gegen psychiatrische Gewalt; Gesellschaft zur Förderung religiöser Toleranz und zwischenmenschlicher Beziehungen; Kinderliga mit Ernährungsumstellung gegen Psychodrogen; Kommission für Polizeireform; Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte; Kommission zum Schutz des Bürgers gegen Datenmißbrauch; Verband engagierter Manager; Verband engagierter Zahnärzte; Verband verantwortungsbewußter Geschäftsleute; Vereinigung zur Humanisierung religiös-ideologischer Konflikte; Zentrum für individuelles und effektives Lernen; Zentrum für Kunst und Kommunikation (zitiert nach Haack, Dianetik). Häufig sind diese Unterorganisationen als eingetragene Vereine zugelassen; außerdem bietet Scientology zahlreiche Zeitschriften: "Zukunft - die Zeitschrift der Flag Consultant Europe“; "Tech News“, "Menschenrechte aktuell“; "Neue Zivilisation“; "Der Freiheitsspiegel“ oder "Die neue Gazette“.

  
Mit Religion zum Millionär
Die Scientology Kirche behauptet: "Scientology ist der Name einer im Jahre 1954 gegründeten Religionsgemeinschaft. Die Scientology-Lehre umfaßt das Studium der Seele in Beziehung zu sich selbst, zu anderem Leben und zum Universum. Das Ziel ist geistige Freiheit.“ Scientology-Gründer L. Ron Hubbard hat demgegenüber schon 1947 beschrieben, welchem Ziel seine Organisation dienen soll: "Wenn man wirklich Millionen machen will, dann ist der schnellste Weg der, deine eigene Religion zu starten.“
Die Scientology Kirche behauptet: "Das Ziel der Scientology Kirche ist eine Welt ohne Unvernunft, Drogen, Kriminalität und Krieg. Eine Welt, in der jeder sich entsprechend seiner Fähigkeiten und seiner Rechtschaffenheit zu höheren Bewußtseinsstufen entwickeln kann.“
Dazu hat der Sektenbeauftragte der Bayerischen Landeskirche festgestellt:
"Scientology ist antidemokratisch ... Alles ... Freiheitsgerede bei Scientology ist Sandmännchen-Gerede. Man will die ,totale Freiheit‘ bringen und verlangt totale Disziplin. Keine demokratische Gesellschaft kann auf lange Sicht mit so etwas spannungsfrei leben.“

  
"Glücklich sein ist doch alles!“
Aus Briefen: "Scientology hat meinen Bruder ruiniert! Ich würde viel tun, um diese kriminelle Vereinigung ins Wanken zubringen!“ - "... jeder Kurs kostet von Mal zu Mal mehr. Es wird ihnen von den Auditoren eingetrichtert: ,Was bedeutet schon das Materielle im Leben? Glücklich sein, das ist doch alles!‘ Nur - das Materielle, wie sie es dort nennen, das wird gründlich verlangt, ihnen soll es gebracht werden, und dafür vermitteln sie das ewige Glück. So etwas ist doch schon kriminell!“ - "Inzwischen habe ich das Dianetik-Buch selbst gelesen; ich kann -die Blindheit unserer Tochter gegen soviel Unsinn, der in diesem Buch steht, nicht fassen. Sie muß in ihrer Kritikfähigkeit schon sehr eingeschränkt sein.“
Eine deutsche Apothekerin hat hier offenbar eine Marktlücke entdeckt: In einem Rundschreiben klärt sie ihre Kunden darüber auf (die höherdosierten Vitamine aus dem Ausland gelten bei uns als Medikamente), daß man dafür unbedingt ein Rezept brauche: "Wir haben Ihnen eine Liste von Ärzten und Zahnärzten beigelegt, die erfahrungsgemaß Vitaminrezepte ausstellen und die Sie fragen können, ob sie auch Ihnen ein entsprechendes Rezept auszustellen bereit sind. (Anruf genügt oft.)“ Und dann braucht die "sehr geehrte Kundin“, der "sehr geehrte Kunde“ nur noch zu bestellen, per Telefon, per Fax, wie auch immer, und ab geht der nächste Vitaminstoß (mit der Post).
 
  
"Ich bin nicht hier, um Geschichten für Zeitungen zu finden!“
Aus einem "Antrag auf Verleihung des Status eines aktiv tätigen Mitglieds“; Voraussetzung für den Antragsteller - er muß bereits Mitglied der Scientology Church sein:
"Ich verpflichte mich, diese aktive Tätigkeit mindestens ... Jahre auszufüllen. Diese Tätigkeit beruht allein auf meiner religiösen Überzeugung, die Ziele der Mission ... zu fördern. Ich weiß, daß mir die Mission für meine Tätigkeit kein festes Entgelt gibt, sondern daß ich nur eine Unterstützung zum Unterhalt erhalte, deren Betrag nicht festgesetzt ist ..."
Persönliche Angaben - auszugsweise -, die das neue "aktive Mitglied“ unterschreiben muß:
3. Ich bin nicht wegen eines schweren Verbrechens vorbestraft, noch polizeilich gesucht.
4. Ich war noch nie in einer psychiatrischen Klinik in Behandlung, noch wurde ich in eine Heilanstalt eingewiesen.
5. Ich erhielt noch nie Elektro-, Insulin- oder andere Schocks und noch nie eine psychiatrische Gehirnoperation.
9. Ich war niemals für einen Sicherheitsdienst tätig und habe auch keine unmittelbaren familiären Verbindungen zu einem Angehörigen eines solchen Sicherheitsdienstes.
10. Meine Eltern, mein Vormund und sonstige Familienangehörigen sind keine fanatischen Gegner von Scientology.
11. Ich bin nicht hier, um Geschichten für Zeitungen zu finden, noch beabsichtigte ich, für irgendeine Organisation, Gruppe oder Person Informationen über Scientology einzuholen, zu sammeln und weiterzugeben.
12. Ich habe keine großen Schulden, die es erforderlich machen würden, daß ich wieder die Kirche verlassen muß.
Untersuchungen des Hamburger Arztes und Wissenschaftlers Dr. Hasso H. Thalmann zum Niacin haben ergeben, daß vor allem verhaltensgestörte Menschen einen stark erhöhten Niacin-Spiegel haben: "Niacin hat einen starken Einfluß auf die Willensbildung des Menschen. Sowohl Mängel als auch Überdosierungen bringen den Vitamin- und Mineralstoffhaushalt durcheinander.“ Bei Untersuchungen zahlreicher Patienten hat Thalmann festgestellt: Neigung zu Depressionen; Schulschwierigkeiten und insgesamt "sehr starke Beschwerden im Sinne von psychosomatischen Störungen“.

Also Antriebslosigkeit und Willensschwäche unter Einfluß von Überdosierungen von Niacin? Es muß davon ausgegangen werden, daß die Scientologen von solchen Zusammenhängen wissen und dieses Vitamin daher ganz bewußt einsetzen.

Vielleicht könnten solche Erkenntnisse die eine oder andere Ärztekammer einmal veranlassen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen!



Totaler Gehorsam

Kinder werden vor der Schule auf mögliche Lernschwierigkeiten angesprochen, sie sollten sich doch helfen lassen: Dahinter stecken Scientologen. Jugendliche werden in der Fahrschule aufgefordert, die vorgeschriebene Fahrt über die Autobahn und längere Strecken nach Hamburg ins Scientology-Zentrum zu unternehmen: Dort werden ihnen Kurse gegen die Prüfungsangst angeboten. Die Frau des Fahrschulbesitzers ist Scientologin. Bekannt ist auch ein Kinderarzt, der nicht nur Tabletten verschreibt, sondern auch Persönlichkeitstests bei dieser angeblichen Kirche vermittelt. Offenbar sind manche Eltern kranker Kinder dankbar, wenn sie Hilfe und Orientierung gerade von einer ärztlichen Autorität bekommen.

Auf Informationsblättern, die bisweilen auch in Arztpraxen ausliegen, die in jedem Fall aber in die Praxen geschickt
 
  

Eigene Kirchengerichtsbarkeit
In den "Regelungen der aktiv tätigen Mitglieder der religiösen Gemeinschaft der Scientology Kirche“ heißt es unter anderem:
1. Hauptamtlich tätige Mitglieder unterstützen die Kirche an folgenden Tagen: Montag bis Sonntag: 9.30 bis 12.00 Uhr; 13.30 bis 18.00 Uhr; 19.00 bis 23.00 Uhr. (Darin enthalten ist eine tägliche Studierzeit von 2‘/2 Stunden.)
2. Ein Jahresurlaub von zwei Arbeitswochen kann von allen Mitgliedern der Gemeinschaft genommen werden, nachdem sie ein Jahr in der religiösen Gemeinschaft tätig waren.
3. Mitgliedern der religiösen Gemeinschaft wird gemäß den Richtlinien der Kirche nach Vorlage eines ärztlichen Attests Krankenurlaub gewährt.
4. Die Kirche selbst gibt den Mitgliedern ... keine Pensionen oder ähnliche Rentenzahlungen. Beiträge zur Rentenversicherung werden abgeführt.
13. ... Die Mitglieder... werden durch die Ethikrichtlinien der Kirche geführt, die etabliert wurden, der Person zu helfen, ethischer, produktiver und glücklicher zu werden.
14. ... Das neue Mitglied, so auch die sich im Amt befindlichen Vertreter der Mission unterliegen alle den Richtlinien der Kirche und somit auch der eigenen Kirchengerichtsbarkeit.

  
Darauf sollten Sie achten!
Neugierige ködert Scientology meist mit kostenlosen Persönlichkeitstests - 200 Fragen muß man dabei ausfüllen, beispielsweise: "Bekommen Sie manchmal ein Zucken in Ihren Muskeln, auch wenn es keinen ersichtlichen Grund dafür gibt?“; "Geraten Sie gelegentlich in Schwierigkeiten?“; "Kauen Sie an Ihren Fingernägeln oder Gegenständen herum?“; "Müßten Sie sich eindeutig anstrengen, um über Selbstmord nachzudenken?“; "Sind Sie normalerweise aufrichtig gegenüber anderen?“; "Sind Sie häufig von den Handlungen anderer entsetzt und nicht fähig, deren Doppelzüngigkeit oder Dummheit zu erkennen?“ - Die Auswertung solcher und anderer Fragen führt zum Angebot von aufeinander aufbauenden Kursen und dazu notwendigen Materialien und Büchern. Die Preise für die Kurse - sie werden als Spenden deklariert! - steigern sich schnell: Es können durchaus Summen von mehr als 100 000 DM zusammenkommen. Kredite, hohe Verschuldungen führen Menschen in kaum lösbare Schwierigkeiten und Abhängigkeiten (zitiert nach Bendrath‘ Information und Material zu Scientology/Dianetik, Lübeck 1990).
werden, wirbt "Narconon e.V.“ für eine drogenfreie Gesellschaft: "Wir bieten Personen mit Drogen- und Alkoholproblemen unsere Hilfe an.“ Dazu hat die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren in Hamm schon vor Jahren geschrieben, die Narconon-/Scientology-Programme "versprechen die totale Freiheit. Diese kann nur über den totalen Gehorsam und totale Disziplin erreicht werden und führt direkt zur totalen Kontrolle durch das System. Damit widerspricht dieses System unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung auf das entschiedenste.“



Sekte statt Droge

Kein Wunder, daß Drogenexperten bei einer Pressekonferenz von Narconon in Hamburg - die Organisation hat nach eigenen Angaben je eine Drogeneinrichtung in Itzehoe und in Schliersee - betonten, sie sähen die Gefahr, "daß der Süchtige die Droge gegen die Sekte tauscht“. Ehemalige Klienten, die bei Narconon ausstiegen, müßten einen erneuten Entzug machen. Während Drogenkranke bei anderen Therapieeinrichtungen zu Selbständigkeit, Kritikfähigkeit und Selbstbestimmung erzogen würden, sei Unselbständigkeit das Ziel bei Narconon. "Was dort betrieben wird, kann ich nicht als seriöse Therapie bezeichnen“, sagt Siegbert Stabenow von der Drogenberatungsstelle des Gesundheitsamtes Kreis Steinburg in Itzehoe. Die immer wieder behaupteten Erfolgsquoten von mehr als 50 Prozent hätten überhaupt keine Grundlage; statt von Therapieeinrichtung müsse man eher von einem "Schwindelverein“ sprechen, sagt der Drogenberater. (Dem Vater eines drogenabhängigen Sohnes ist es mittlerweile gelungen, ihn bei Narconon herauszuholen; die Organisation mußte knapp 50000 DM zurückzahlen.)


Die schon erwähnte Bürgerinitiative im schleswig-holsteinischen Hoisdorf ist übrigens erfolgreich gewesen: In der kleinen Gemeinde hatte Scientology geplant, ein Internat für sechs- bis zehnjährige Kinder zu errichten. Das haben die Gerichte untersagt. Doch die Initiative kann deswegen längst nicht ihre Arbeit einstellen - im Kreis Herzogtum Lauenburg läuft derzeit fast das gleiche ab; die Hoisdorfer sind mit Rat und Tat dabei, das Vorhaben der Scientologen zu verhindern, dort ein Internat zu etablieren. "Und“, sagt ein Sprecher der Initiative, "wir bekommen inzwischen viele Hilferufe von Bürgern der ehemaligen DDR ins Haus, die sich haben beschwatzen lassen und die jetzt merken, worauf sie sich eingelassen haben.“

Außerdem: Die Initiative hat über mehrere Monate hinweg Tausende von Unterschriften gegen Scientology gesammelt. Sie will damit erreichen, daß sich im Bundestag endlich ein Untersuchungsausschuß mit diesem Thema beschäftigt. Begründet wird diese Aktion mit den Worten, die Politiker hätten eine Fürsorgepflicht für den Bürger, es dürfe nicht geschehen, daß eben dieser Bürger "in den Abgrund gestoßen wird von einer Organisation, gegen die es angeblich keine gesetzlichen Mittel gibt“.

Rainer Stefan
 



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