Ingo Heinemann: Scientology-Kritik 
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Hamburg, Anfang April 2000: 
Diese Werbung wurde in Briefkästen verteilt, "An Haushalte mit Tagespost". 
"Veranstalter: Church of Scientology, Los Angeles, 
V.i.S.d.P. Frank Busch  c/o SKH e.V., Domstr. 9, 20095 Hamburg". 
"Lassen sie sich zeigen, 
wie man einen Gedanken "sehen" kann": 

Gemeint war eine Demonstration des E-Meters mit dem "Kneiftest" oder Zwicktest, siehe Artikel unten. 
 

Zum Verteilen derartiger Flugblätter in Hausbriefkästen vgl auch 
Werbung mit allen Methoden 

 

 
Hamburger Morgenpost vom 8.4.00
Klage der Sekte gegen Innenbehörde abgewiesen - sie lächeln trotzdem
Scientology verliert den Musterprozess

Lächeln, immer lächeln: Das ist den Scientologen wichtig, wenn es Gäste zu beeindrucken gilt.
Nachdem die US-Amerikaner Bob Minton (Scientology-Feind Nummer 1) und Stacey Brooks, die neun Monate im "Besserungslager" der Sekte verbrachte, in Hamburg über ihre Erfahrungen berichteten, eröffnete die Sekte gestern am Valentinskamp eine bunte Ausstellung und verlor einen Prozess mit Pauken und Trompeten.

Knallbunte Bilder, strahlende Gesichter, Pappwände und nichts dahinter: Man solle sich selbst ein Bild machen von Scientology, heißt es in der Einladung zu der Ausstellung in einem Büro überm "Valentino's". Bis Mittwoch kann man dort unter anderem einen E-Meter begutachten, wie er beim sektentypischen "Auditing", dem Seelenstriptease, benutzt wird: Der Proband hält Zylinder in der Hand. Wenn die "geschulte Fachkraft" ihn kneift, schlägt eine Nadel aus. Laut Scientology lassen sich mit dem Gerät nicht nur Kniffe sondern auch "Wurzeln spiritueller Barrieren aufspüren."

Im wahren Leben gab's gestern eine herbe Niederlage für Scientology. Vor dem Verwaltungsgericht wurde eine Klage der Geldsekte gegen die Innenbehörde mangels Zulässigkeit abgewiesen. Scientology war auf die Klage zweier Betreiberinnen eines "Wickelstudios" aufgesprungen. Den Damen, die mit ihrer Methode das Abnehmen erleichtern wollen, war ein "Technologiepapier", wie es die "Arbeitsgruppe Scientology" der Innenbehörde gestaltet hatte, vorgelegt worden. Darauf sollten sie unterschreiben, dass sie nicht nach den Lehren des Sektengurus L. Ron Hubbard praktizierten. Das Gericht wies die Klage der Damen ab, die der Scientologen auch. Keiner zweifelt allerdings daran, dass Scientologen-Anwalt Wilhelm Blümel und Deutschland-Chef Helmut Blöbaum in Berufung gehen. Das Prozessieren hat Methode: "Auf diesem Weg wollen wir Religionsfreiheit in Deutschland durchsetzen", sagen die Meinungsführer. Schließlich werde man seit langem schikaniert. So habe man anders als behauptet, das Haus am Steindamm nicht mit Mietschulden verlassen. Und die Ex-Mitglieder, die Schlechtes über Scientology erzählten, so Hamburg-Sprecher Frank Busch, "sind doch immer dieselben. Die werden herumgereicht. Auch andere Unternehmen haben unzufriedene Aussteiger." Unternehmen, die sich "Kirche" nennen, gibt es indes nur sehr wenige.


Anzeige in Stuttgarter Zeitung 8.4.2000


 

Einladung
Besuchen Sie die einzigartige
Aufstellung über das Leben und
Werk von L. Ron Hubbard.
Friedrichstraße 39 - Stuttgart
(Nähe Schloßplatz)
7. bis 16. April 2000 (Freier Eintritt)
Täglich von 10.00 bis 22.00 Uhr
New Era Verlag Deutschland GmbH



Berlin:
Komm zu Scientology ...
... denn durch die Brille L. Ron Hubbards schillert die Welt wie Benzin in Pfützen.
Bericht über den steinigen Weg ins Dasein geworfener Gebrauchtwagenhändler

Es gibt Brillen, die wollen mehr sein als einfache Brillen: Scientologenbrillen. Auf den Nasen von Scientologen winden sich Bügel zu Notenschlüsseln, sind gezackt wie Aktienkurse, und kolorierte Gläser schillern wie Benzin in einer Pfütze. Brillen so horndumm, dass sie alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, bis das Gesicht dahinter verblasst wie ein Fernseher im Sonnenlicht. Das ist ein Jammer. Denn wer die Welt durch eine solche Brille sieht, dem sind existenzielle Fragen ins Gesicht geschrieben: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und werde ich dort mehr verdienen? Und was ist eigentlich Scientology?

"Was ist Scientology?", diese Frage rollt wie eine Billardkugel auch durch den Kopf von Hansjürgen. Der 45-Jährige trägt ein hagebuttenfarbenes Jacket, weiße Slipper mit Bommeln und gehört zu den Opfern der metaphysischen Obdachlosigkeit unserer "komplizierten Zeit" (L. Ron Hubbard). Ein Geworfener (Heidegger) ins Dasein, hart aufgeschlagen auf dem geteerten Parkplatz eines Gebrauchtwagenhändlers: "Hyundai, Daewoo, die ganzen Koreaner halt", erklärt der Autoverkäufer, die Hände skeptisch in die Hüften gestemmt. Und fest entschlossen, sich für dumm verkaufen zu lassen  - wenn es sich lohnt. Deswegen ist er ja auch hier, auf der Ausstellung "Was ist Scientology?", die vom 18. bis 20. April als Teil einer neuen Aufklärungskampagne der Scientology Kirche Deutschland e. V. in Berlin stattfindet.

Das ursprünglich für die Ausstellung gebuchte Hotel hat die Scientologen hinausgeworfen, kurzerhand haben die ihre Stellwände in ein nahe gelegenes Bürogebäude verfrachtet. Ein knappes Dutzend Scientologen kümmert sich um ein knappes Dutzend Interessenten, die sich um ein Tischchen mit Keksen und Orangensaft drängen. Marmorierte Stellflächen suggerieren ein gediegenes Ambiente. In güldenen Lettern lässt sich hier der Lebensweg des Sektengründers L. Ron Hubbard "visuell nachvollziehen". Auf schwarzweißen Fotos sehen wir Lafayette Ron Hubbard beim Nickerchen, in Marineuniform, vor Berglandschaft, als Bronzebüste und auf hoher See, mit ausgestrecktem Arm den Weg weisend. Es ist "der Weg zum Glücklichsein" und beruht "in allen Punkten auf dem gesunden Menschenverstand".

Mit gesundem Menschenverstand - wie ihn etwa Sigmund Freud oder der Verfassungsschutz an den Tag legten - wollen gläubige Scientologen nichts zu tun haben. Sie vertrauen allein auf "praktisch nachweisbare Erfolge", wie sie etwa ein Elektrometer zeitigt: ein Lügendetektor als formschönes Oval mit Lämpchen und weißem Zifferblatt wie ein italienisches Motorrad. "Wollen Sie mal einen Gedanken sehen?", fragt listig eine Auditorin und drückt dem Hansjürgen zwei silberne Dosen in die Hand, die über Kabel mit dem E-Meter verbunden sind. "Ich bin Atheist", protestiert Hansjürgen. "Umso besser!", versetzt die Fleisch gewordene Gedankenwaschmaschine.

Der Weg zu Erkenntnis und Glückseligkeit ist steinig, aber "technisch machbar", wie L. Ron Hubbard in einem Video versichert. L. Ron Hubbard hat nämlich "die Formel gefunden, die alles Menschsein bedingt, und diese Formel heißt: Überleben!" Gefragt, ob er an Scientology Geld verdiene, bricht L. Ron Hubbard in sein ganz besonderes, gruseliges Gelächter aus. Und das geht so: Die Augen zu Münzschlitzen verengt, die Mundwinkel hochgezurrt, der ganze Körper wackelt wie der eines Fahrradfahrers auf Kopfsteinpflaster - und über seine schmalen Lippen kommt kein Laut.

Nein, Geld verdienen wolle er nicht, antwortet Hubbard. Stattdessen wolle der allmächtige Heiland Menschen helfen, ihr "unsterbliches Wesen zu erkennen". Um so jede Art von Krankheit zu heilen. Krebs und Drogensucht. Oder auch Blindheit. Durch die besondere Scientologenbrille.

ARNO FRANK in taz-Berlin: S.28
taz Nr. 6124 vom 20.4.2000 Seite 20 126 Zeilen
TAZ-Bericht ARNO FRANK



Berliner Zeitung 20.4.00
Scientologen unter sich
Kaum Gäste in Ausstellung
Thorkit Treichel

Eine halbe Million Einladungen hatte die Scientology-Organisation nach Angaben der Sektenbeauftragten des Senats, Anne Rühle, im Vorfeld verschickt. Doch als am Dienstag die Ausstellung "Was ist Scientology?" im vierten Stock eines Hauses in Steglitz öffnete, waren die Mitglieder nahezu unter sich. Da halfen weder die Handzettel, die die Scientologen den Passanten in  die Hand drückten, noch das kleine Mädchen, das gelbe und blaue Luftballons vor dem Eingang des Hauses verteilte. Etwa zehn Besucher hatten sich nachmittags eingefunden, sie wurden von doppelt so vielen, permanent lächelnden Scientologen in Empfang genommen. Diese ließen die Gäste nicht aus den Augen. "Haben Sie noch eine Frage?" "Kann ich Ihnen das mal erklären?"; ungestört konnte kein Besucher die Schautafeln betrachten.

Trotz der dürftigen Resonanz zeigten sich die Veranstalter begeistert. Etwa 100 Besucher habe man schon gezählt. "Auf Grund der großen Nachfrage werden wir die Ausstellung um ein paar Tage verlängern", sagte der Sektensprecher, Georg Stoffel. Großzügig gab er sich auch, was die Zahl der Scientologen in Berlin betrifft. Er sprach von bis zu 2 000, Anne Rühle geht dagegen von wenigen hundert Mitgliedern in der Stadt aus. "Scientology hat keinen Zulauf", sagte sie. Die Ausstellung diene der Mitglieder-Werbung und der Verbesserung des Images. Die Sekte, die seit 1997 vom Verfassungsschutz beobachtet wird, weil sie sich gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung richtet, stellt sich selbst als Religionsgemeinschaft dar. Die Ausstellung, sagte Rühle, zeige lediglich eine Fassade und verschleiere die wahren Ziele der Sekte: Gleichschaltung und Errichtung einer totalitären Gesellschaft. "Zur Entwarnung gibt es keinen Anlass."

Ursprünglich sollte die Ausstellung im Best Western Hotel in Steglitz zu sehen sein. Doch das Hotel-Management kündigte den Vertrag, nachdem das Bundespresseamt interveniert hatte. Scientology sprach darauf hin von "religiöser Diskriminierung". (tt.)

Artikel vom 20. April 2000



Hotel kündigt Scientology

taz Berlin lokal vom 18.4.2000
<http://www.taz.de/tpl/2000/04/18.fr/ibox?Ueber=Lokal>

Hotel kündigt Scientology

Nach Protesten will ein Steglitzer Hotel doch keine Scientology-Ausstellung in seinen Räumen dulden

Die Einladungen in das Best Western Hotel Steglitz International sind bereits raus, doch jetzt muss der weltweit operiende Sektenkonzern die Adresse für seine Ausstellung "Was ist Scientology?" ändern. Denn das Hotel in der Steglitzer Albrechtstraße, in dem heute die Ausstellung eröffnet werden sollte, hat den Mietvertrag mit den Scientologen kurzfristig gekündigt.

"Mit uns war keine öffentliche Veranstaltung abgesprochen", begründete gestern der Geschäftsführer des Hotels, Klaus-Volker Stolle, die Absage. Die 500.000 Handzettel, mit denen die Scientologen in den vergangenen Tagen für ihre Ausstellung geworben hatten, verstoße gegen den Vertrag mit dem Hotel.

Ausschlaggebend für die Entscheidung dürfte aber auch gewesen sein, dass nach dem Bekanntwerden der Geschäftsverbindung mit den Scientologen andere Kunden Konsequenzen angekündigt hatten. Einer der Kunden ist das Bundespresseamt, das in dem Hotel immer wieder Besuchergruppen von Bundestagsabgeordneten einmietet. Das Amt hatte in einem Brief an das Hotel angekündigt, seine Geschäftsbeziehungen zu überdenken. "Aus kommerzieller Sicht hätte uns der Vertrag vielleicht mehr geschadet", sagte Hotelgeschäftsführer Stolle. Er kündigte den Vertrag.

Scientology sieht im Verhalten des Bundespresseamtes "eine unglaubliche und beispiellose behördliche Diskriminierung". Das Presseamt reagierte auf diesen Vorwurf gelassen. "Wir sind frei in der Wahl von Hotels", so eine Sprecherin. Statt in dem Hotel, in dem Scientologen vor drei Jahren einen Kongress veranstalteten, wird die Ausstellung nun in Privaträumen in der Steglitzer Düppelstraße eröffnet.
taz



Leipziger Volkszeitung 30.3.00

Nötigung in der "Psycho-Ecke"
Umstrittener Scientology-Verlag auf Leipzigs Buchmesse

Der frisch erfolgsverwöhnten Leipziger Buchmesse droht ein Image-Verlust. Viele Aussteller ärgerten sich über die Präsenz der umstrittenen Scientologen, die - im Gewand ihres Buchverlages New Era Publications - in Messehalle 2 ihre Veröffentlichungen anpriesen und gezielt jugendliche Messebesucher ansprachen. Ein Ärger, den besonders Ulrike Philipp immer wieder registrierte. Die Studentin fragte im Auftrag eines Marktforschungsinstitutes die Verlage, wie sie mit dem Verlauf der Messe zufrieden seien. Und dabei, so berichtet die Leipzigerin, "brach mir förmlich die Wut entgegen". Denn besonders die Nachbarstände fühlten sich beeinträchtigt und unschuldig in Verruf gebracht. "Das ist hier wohl die Psycho-Ecke", habe ein Jugendlicher gesagt, bevor er wieder umkehrte. Einige Aussteller, vor allem kleinere Frauen- und religiöse Verlage hätten sogar damit gedroht, im kommenden Jahr nicht wieder auszustellen, falls sie New Era erneut in der Ausstellerliste fänden. Die Messeleitung weist alle Vorwürfe zurück: Scientology sei nicht verboten und werde auch nicht vom Verfassungsschutz beobachtet, erklärt Peter Guth, Bereichsleiter Buch-Kunst-Kultur, deshalb fehle der Messe jegliche juristische Handhabe. Und Pressereferent Welf Zöller bestätigt: "Wir können keinem Verlag verbieten, seine Bücher hier zu präsentieren." Aber "glücklich" sei man mit der Situation natürlich auch nicht. Hinweise über eventuelle Absagen für das kommende Jahr habe er noch nicht erhalten. Ein Boykott der Buchmesse ist auch für den Aufbau Verlag, den auflagenstärksten belletristischen Verlag in Ostdeutschland, kein Thema. "Wir halten an unserem Engagement auf der Messe fest", meint Pressesprecherin Andrea Doberenz und fügt dann hinzu: "Wir beobachten das Auftreten von Scientology allerdings sehr skeptisch." Denn auch sie ging den berüchtigten Gang A in der Halle 2 entlang. "Die Passanten wurden dort geradezu genötigt." "Überfreundlich und sehr offensiv" hätten die Scientologen vornehmlich junge Menschen angesprochen. An anderen Messeständen seien sie allerdings nicht aufgetaucht.



Stuttgarter Zeitung 11.3.00

Scientology will aus der Schmuddelecke
Informationsschau in ehemaligem Möbelhaus mitten in der City
- Stadt ohne Handhabe

Wo es früher italienisches Edeldesign zu kaufen gab, wirbt noch zehn Tage lang die umstrittene Scientology-Organisation Stuttgart für ihre Lebensanschauung. Hochglanzfotos und Texttafeln sollen Besuchern den Weg zum "Erfolg'' weisen.

Von Daniela Mack

Die gestrige Ausstellungseröffnung glich einer Las-Vegas-Show: Der Münchner Künstler Waki Zöllner ("Das ist genial'') zerschnitt mit einer überdimensionierten goldenen Schere ein rotes Band, begleitet von einer Swing-Formation in roten Anzügen. Auch in der Werbeschau dominiert der amerikanische Geschmack: die Stellwände sind marmoriert mit rosa Kranzgesims und goldenen Leisten, die Texte auf Plexiglasscheiben gedruckt.

Trotz der präsentierten Hochglanzfotos von Scientologen aus aller Welt und unzähligen Buchtiteln des Scientology-Gründers Ron Hubbard ist die Botschaft aber keine leichte Kost. "Dianetik stellt eine Methode zur Verfügung'', heißt es beispielsweise, "bei der der rekreative Verstand dadurch angesprochen wird, dass verborgene negative Erfahrungen aufgedeckt und ihre schädlichen Auswirkungen auf die Person aufgelöst werden.''

Bei aller Information über die Methode: Die Schau soll in erster Linie dazu dienen, das eigene Image zu verbessern. Kritiker werfen der umstrittenen Organisation vor, vornehmlich wirtschaftliche Interessen zu verfolgen. "Auf neutralem Grund'', sagt der Stuttgarter Scientology-Sprecher Reinhard Egy, wolle man "Hemmschwellen abbauen'' und zeigen, "dass wir kein elitärer Club sind''. Die rekreativen Energien übrigens lassen sich per "E-Meter'' aufspüren: Der Proband hält zwei Metallzylinder in den Händen, und der Pfeil auf dem Anzeigefeld schlägt je nach Energiefluss aus. Kosten des Geräts: 5000 Mark.

Scientology hat die leer stehenden Räume des Möbelhauses in der Friedrichstraße für die Dauer der Schau angemietet. So kann sie ungestört mitten in der City werben. Noch im Februar vergangenen Jahres sorgte die Wanderausstellung "Was ist Scientology?'' für zahlreiche Proteste, weil die Organisation den Cannstatter Kursaal von der Stadt angemietet und aggressiv um Besucher geworben hatte. Im Vorfeld der aktuellen Präsentation regten sich dagegen keine lauten Gegenstimmen - die Räume befinden sich in einem Privatgebäude. Daher hat die Stadt, die den Scientologen die Werbung in der Innenstadt verbieten möchte, auch keine Handhabe gegen das Banner an der Fassade.



 

Frankfurter Rundschau 26.2.2000

"Sekte hoffähig gemacht“
Heftige Kritik an Scientology-Ausstellung in der Schirn

Ärger um Scientology: Schirn-Leiter Heilmut Seemann und Schul-Dezernentin Jutta Ebeling (Die Grünen) haben die angekündigte Ausstellung der umstrittenen Organisation im Cafe der Kunsthalle kritisiert.

Scientology will dort vom kommenden Montag bis Mittwoch für seine Ziele werben. Seemann kündigte an, sich auf Plakaten von der Veranstaltung zu distanzieren. Der Maler Manfred Kötter will seine Bilder, die zur Zeit im Cafe hängen, von der Wand abnehmen. Der Jazzkeller lud die Scientology-nahe Swing-Band "Jive Aces" aus, die am Sonntagabend im Jazzkeller und am Montag bei der Ausstellung spielen sollte.

Zu der Vereinbarung zwischen Schirn-Cafe und Scientology ist es offenbar ohne das Wissen des Pächters Klaus-Peter Kofler gekommen. Nach Angaben Seemanns hat ein Prokurist von Kofler & Company den Vertrag geschlossen. "Das zeigt, dass er für diesen Job nicht geeignet ist“, sagte Seemann. Er kündigte an, bei einer Verlängerung des Pachtvertrages mit Kofler eine Klausel aufzunehmen, die der Kunsthalle ein Mitspracherecht bei Veranstaltungen einräumt. Scientology soll 45 000 Mark für die drei Tage zahlen. Kofler war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Schuldezernentin Jutta Ebeling kritisierte in einem offenen Brief das Verhalten Koflers. Er trage die Verantwortung dafür, dass "diese Sekte hoffähig gemacht wird“ und für ihr "menschenverachtendes Unwesen" werben könne, während sie, Ebeling, alles tue, um Sekten den Zugang zu Jugendlichen zu erschweren.

Bei der Veranstaltung unter dem Titel "Was ist Scientology?" will die Organisation laut Werbezetteln Videovorführungen, eine Foto-Ausstellung und "Live-Demonstrationen“ präsentieren.
mab



Der Standard vom 3.5.00
Der "Verein" Scientology geht an die Wiener Börse
Wien - Scientology ging am Dienstag an die Börse - mit einer Ausstellung in der Säulenhalle. Die Besucher werden dort aufgefordert, "für sich selbst zu denken", damit sie "herausfinden, was Scientology wirklich ist". Denn "Scientology ist sehr daran interessiert, das kulturelle und gesellschaftliche Klima zu verbessern", wie der Österreich-Vorsitzende Peter Fleischer erklärte. Die umstrittene Organisation ist in Österreich als Verein gemeldet, aber: "Natürlich betrachten wir uns als Religion".

Laut Janet Weiland, Präsidentin der "Scientology Kirche International", gebe es die Organisation in über 134 Ländern. Scientology biete "praktische Lösungen für das tägliche Leben" - wie Beziehungen verbessert, die "eigene spirituelle Natur" verstanden oder Ehekrisen gemeistert werden können. Es gebe "mehr als 5 000 ehrenamtliche Geistliche, die bei Katastrophen helfen würden. Das Ziel sei eine "Zivilisation ohne Wahnsinn, ohne Verbrechen und ohne Krieg".

In der Ausstellung ist neben den Schriften des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard ein "E-Meter" zu sehen: Dieser "E-Meter" messe die "geistigen Qualen", heißt es. (APA/red)
 
 



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