Ingo Heinemann: Scientology-Kritik 
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Zuletzt bearbeitet am 3.10.2011 
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Bücher von Ex-Scientologen

Weitere Bücher über Scientology in www.Ingo-Heinemann.de/Buecher-ueber-Scientology.htm
Eine Auswahl von Berichten von Ehemaligen:

 
Nancy Many 
My Billion Year Contract, 2009
Amy Scobee 
Scientology - Abuse At The Top, 2010  
Bezug über www.scobeepublishing.com
 
 
 

 
Wilfried Handl
 

Wilfried Handl ist der im deutschsprachigen Raum bekannteste Scientology-Aussteiger. 
Der Text zu dem Foto befindet sich in Preise.htm#WHandl
 
 
 

 

 

Paul Haggis

"Jetzt muss Scientology den Austritt eines echten Hollywood-Schwergewichts hinnehmen" berichtete der SPIEGEL 2009. Regisseur und Drehbuchautor Paul Haggis hat zwei Oscars gewonnen. Nach 35 Jahren verliess er Scientology.

Sein Kündigungsscxhreiben landete bei Aussteiger Mark Rathbun (>>), einst rechte Hand des Scientology-Chefs. Der veröffentlichte das Schreiben in seiner Website. Das Presseecho war gewaltig. Kündigungsschreiben und Links zu einigen Presseartikeln bei Rathbun, http://markrathbun.wordpress.com/2009/10/26/paul-haggis/
 
Die Zeitschrift "The New Yorker" vom 14.2.2011 veröffentlichte einen 26-seitigen Artikel "The Apostat", "Der Abtrünnige".

Artikel dazu: 

 
 
 
 
 

2010: Lino Bombonato in Stern-TV bei Jauch

http://www.stern.de/tv/sterntv/scientology-aussteiger-lino-bombonato-wenn-freunde-zu-feinden-werden-1544282.html
Die RTL-Sendung vom 17.2.2010: http://www.youtube.com/watch?v=FpzLAzCc6P8
 
Der Fall Lino Bombonato belegt, dass sich bei Scientology trotz aller Beteuerungen über Jahrzehnte nichts geändert hat: 
 

Scientology nimmt auch in diesem Fall massiv Einfluss auf das Familienleben.
Bombonato berichtet, man habe verlangt, er solle seinen kritischen Vater auf die Seite von Scientology ziehen:
"Ich soll ihn handhaben, oder ich soll den Kontakt abbrechen zu ihm. Ich habe es einfach nicht geschafft, ihn zu handhaben, weil er volle Kanne gegen Scientology ist und habe dann versucht, den Körper abzulegen, um eine neue Chance zu bekommen."

Stern-TV: "Als 18jähriger wird Lino mit einer Überdosis Medikamente ins Krankenhaus eingeliefert. Die Ärzte kämpfen um sein Leben. Und können ihn gerade noch retten. Seine ausweglose Situation hat ihn damals fast in den Tod getrieben".
Bombonato: "Es gibt ja zum Beispiel das Zitat Wir haben dich lieber tot, als unfähig.".

 
 
 
 

Rathbun und Rinder gegen Miscavige

Mike Rinder und Mark Rathbun waren "die linke und die rechte Hand des Bosses Miscavige" (>>). Mike Rinder war de Chef des Scientology-Geheimdienstes, Mark Rathbun war der Finanzchef.
 

Frank Nordhausen: Kultur der Gewalt und der Demütigungsrituale
 
Aus: Berliner Zeitung vom 13.8.2009, von Frank Nordhausen: 
Final Countdown. Gewalt, Verhöre, Intrigen - Enthüllungen ehemaliger Führungskader in den USA erschüttern die Scientology-Organisation 

  • "Noch nie haben derart hochrangige Führungskader gemeinsam solch schwere und gleichlautende Vorwürfe gegen die Organisation erhoben, die damit wirbt, eine "Welt ohne Krieg, Kriminalität und Geisteskrankheiten" zu schaffen." ...
  • "Sie sind Schlüsselfiguren aus dem innersten Führungszirkel, enge Wegbegleiter des Mannes, der die Sekte seit 27 Jahren führt." ...
  • "Alle drei 'Kirchenführer' gaben zu, dass sie selbst im Gegenzug auch andere geschlagen hätten. Der knapp 1,70 Meter kleine Miscavige, der als kalt und herrschsüchtig beschrieben wird, habe eine interne Gewaltkultur etabliert, die den gesamten Apparat durchziehe.Auch Amy Scobee, die langjährige Leiterin des "Celebrity Centers" für Prominente in Los Angeles, wo Tom Cruise, John Travolta, Anne Archer und andere Hollywoodgrößen "betreut" werden, ist ausgestiegen. Sie bestätigte die Demütigungsrituale. Einmal habe Miscavige vor ihren Augen Mike Rinder gewürgt, bis sich dessen Gesicht hochrot färbte."
  • "Neu ist, dass die schärfste Kritik von Mitarbeitern kommt, die wie Miscavige zur ersten Generation jener gehören, die schon als Kinder Scientologen wurden und nichts anderes kennenlernten als die isolierte Welt der strikt hierarchischen Sekte. Sie wurden von ihren Eltern mit fünf bis dreizehn Jahren zu Scientology gebracht. Alle vier Führungskader dienten mehr als 25 Jahre der Organisation." ....
  • "Doch je stärker eine Sekte unter Druck gerät, desto unberechenbarer wird sie auch. Eine extreme Radikalisierung ist ebenso denkbar wie eine Auflösung der Organisation und ihr Neubeginn in kleinen Zirkeln. Ursula Caberta spricht vom "final countdown", der angebrochen sei. Nur weiß keiner, wo der Countdown begonnen hat und wie lange er läuft. Aber Caberta ist sich sicher: "Das Ende von Scientology war noch nie so nah wie jetzt."
  • "Scientology reagierte scharf auf die Vorhaltungen: Es handele sich um "absolute und totale Lügen". Nichts davon sei wahr. Miscavige habe niemals einen Angestellten der "Kirche" geschlagen. Er habe im Gegenteil die Überläufer degradiert, als diese gewalttätig wurden. Rathbun habe seinerzeit innerhalb der "Kirche" eine "Herrschaft des Terrors" errichtet. Die Dissidenten hätten mit ihren Falschaussagen einen Coup vorbereitet, "um selbst die Kontrolle in der Organisation zu übernehmen". Doch ein solcher Putsch ist kaum denkbar, weil Miscavige alle echten Konkurrenten im Lauf der Zeit weggebissen hat. Mit ihrer Reaktion gesteht Scientology aber ein, dass Eruptionen ihr Reich erschüttern, dem nach eigenen Angaben acht Millionen, nach seriösen Schätzungen maximal 200 000 Menschen weltweit angehören."
 
 
 

Berichte im deutschen TV

"Nichts fürchten Sekten so sehr, wie Aussteiger, die auspacken", sagte die Moderatorin in der ZDF-Nachrichtensendung Heute Journal am 15.7.2009. Es folgte ein Bericht über die Aussteiger Mike Rinder und Mark Rathbun, "die linke und die rechte Hand des Bosses Miscavige", wie Ursula Caberta am 20.7.2009 in 3Sat-Kulturzeit sagte.

Daraufhin wandte sich die St. Petersburg Times an Rathbun. St. Petersburg liegt 10 Kilometer entfernt von Clearwater, dem "Mekka der Scientologen" in Florida. Die St. Petersburg Times sprach mit beiden Aussteigern und veröffentlichte am 21.6.2009 eine Serie im Umfang von etwa 60 Druckseiten:  

Die St. Petersburg Times hatte bereits früher zahlreiche Gespräche mit Rinder und  Rathbun geführt, als sie noch Vertreter der Scientology-Organisation waren. Die Zeitung hatte schon 1979 eine umfangreiche kritische Serie über die Scientology-Organisation http://sptimes.com/2006/webspecials06/scientology/Scientology_Special_Report.pdf und danach zahlreiche weitere Artikel http://www.tampabay.com/specials/2009/reports/project/archive-stories.shtml veröffentlicht.
 
 
 

Miscaviges Gewalttätigkeiten
 
1998: Die St. Petersburg Times vom 25.10.1998 zitierte Rathbun zu den Vorwürfen, Miscavige sei gewalttätig. Er, Rathbun, habe Miscavige während 20 Jahren nie jemanden schlagen sehen: "Das ist nicht seine Art." Miscavige selbst höhnte (Nordhausen 2008, Seite 301): "Ich wurde wegen nichts schuldig gesprochen, ich wurde wegen nichts angeklagt. Ich denke, nur darauf kommt es an ... bringt doch endlich was vor oder haltet den Mund. Lasst mal die Beweise sehen."   
2009 liefert Rathbun diese Beweise selbst. Im ZDF berichtete er, Miscavige habe ihn in den Magen geschlagen, "aber ich habe meine Bauchmuskeln angespannt". Die anderen gehen in die Hocke, ducken sich. Eine Führungsperson habe er so sehr häufig gesehen, der habe so versucht, seine Weichteile zu schützen, weil Miscavige angefangen hat, ihn zu treten. 
 

Der Standard berichtete am 26.6.2009 über die Aussage von Mike Rinder: "Ich war ein Boxsack". Die Zeitung bezieht sich auf die St. Petersburg Times vom 25.10.1998. Dort heisst es: "Said Rinder: "Yager was like a punching bag. So was I.' "
 

Das ZDF bittet Scientology um eine Stellungnahme. Die Antwort kommt per E-Mail von Karin Pouw via Sabine Weber:

Inkompetenz? Fehlverhalten? Abgesetzt?
Auch die St. Petersburg Times hat bei Scientology angefragt, http://www.tampabay.com/news/article1012138.ece
Antwort: "Absolute and total lies'', absolute und totale Lügen.
Rathbun und Rinder seien nach dem Tod von Lisa McPherson degradiert worden wegen des Umganges mit der Rechtsabteilung.

Keine Fakten, kein Datum eines Kündigungsschreibens, keine Kündigungsgründe.
Alles spricht dafür, dass die Kündigung lediglich vorgetäuscht ist.
 
 
 
 
Was sagen Rathbun und Rinder heute?

Viel wichtiger als Miscaviges Gewalttätigkeit sind allerdings die finanziellen Fragen.
Etwa:

In beiden Fragen geht es um gewaltige Summen.

Mehr noch: Es geht um internationale Politik.
Seitdem die Scientology-Organisation als gemeinnützig anerkannt wurde, geniesst sie die Unterstützung der Regierung der USA, USA.htm
 

Mike Rinder verweigerte den Reportern der St. Petersburg Times zunächst ein Gespräch. Einen Monat später erschienen bei Rinder zwei Anwälte, die auch für Scientology gearbeitet haben. Sie bedeuteten ihm, dass sie von dem Besuch der Zeitungsleute gehört hätten. Was er denn enthüllt habe. Sie behaupteten, dass er als früherer Verwantwortlicher für Rechtsfragen nach wie vor der Schweigepflicht für Rechtsanwälte unterliege.  Wochen später bestritt Scientology erneut Gewaltanwendungen durch Miscavige. Daraufhin entschloss Rinder sich, mit der Zeitung zu sprechen.
 
 
 

Woher kamen Miscavige, Rinder und Rathburn?
 
Aus: Nordhausen und Billerbeck: Scientology - Wie der Sektenkonzern die Welt erobern will, 2008, Seite 270  


Als der 68-jährige Sektenchef [Hubbard] zwei Jahre später endgültig untertauchte, ging David Miscavige zum Führungsstab der Commodore's Messengers Org in Los Angeles, wo er in wenigen Monaten eine steile Karriere machte. Den Aufstieg beförderte zweifellos sein neuer Nimbus als enger Hubbard-Vertrauter, aber er schreckte auch vor keiner Aufgabe zurück, die sich ihm stellte. Schon bei der Cine Org hatte er sich den Ruf erworben, wie ein Bulldozer alle Hindernisse beiseite zu schieben. Einer seiner früheren Vorgesetzten sagte über ihn:   
"Wenn er unter Kontrolle ist, ist er ein sehr dynamischer Typ ... Er stellt sich der Aufgabe und konfrontiert alles." Noch im Jahr 1979 nahm er die neu errichtete Stelle eines "Action Chiefs" von Scientology ein, die ihm wahrscheinlich Hubbard selbst auf den Leib geschneidert hatte. Es war eine Position mit großer Machtfülle. Die Aufgabe des 19-Jährigen bestand darin, die berüchtigten Missionen für scientologische Moral weltweit in all jene Orgs zu schicken, aus denen den "Gründer" Nachrichten über Probleme und Missmanagement, also über "fallende Statistiken" erreichten. Miscavige suchte sich die passenden Kontrolleure aus der Sea Org und der Messengers Org aus, ausschließlich junge, rücksichtslose Männer, die später Spitzenpositionen übernehmen sollten. Zu seinen ersten Missionsüherwachem zählten Mike Rinder, der spätere Geheimdienstchef, und Mark »Marty« Rathbun, der ab 1982 neben Miscavige im neu eingerichteten höchsten Scientology-Gremium saß, dem Religious Technology Center, und so etwas wie sein williger Handlanger wurde. Sie fuhren mit dem Auftrag in die Welt hinaus, so hart wie möglich aufzuräumen.
 
 

 
Selbstmord nach Thetan-Syndrom 

Erwähnt 1979 in Heinemann1979-Die-Scientology-Organisation.htm#Baecker 
 

Etwa 1976 schob die dänische Polizei einen etwa 20jährigen Bäcker über die Grenze ab. In der Bundesrepublik wurde er in eine psychiatrische Klinik eingewiesen und auf Gehirnerschütterung untersucht. Ohne Ergebnis.  
Im Auto seines Bruders, auf dem Weg nach Hause: er habe Angst, daß Hubbard seinen Geist besetze. So Wochen später auch zum Berater. Der, noch in Unkenntnis der Hintergründe: Wenn Hubbard das könne, dann würde er doch ihn, den Berater angreifen, denn er störe schließlich Hubbards Geschäfte. Der Bäcker: Das wisse er auch, tagsüber. Aber nachts ...  
Der Bäcker  arbeitsunfähig, ständig in ärztlicher Behandlung. Wurde nach sechs Jahren Frührentner. Längst war die Tag-Nacht Grenze verschoben.  Stets war die Angst da, ein anderer "Thetan" könne sein Gehirn besetzen, während sein eigener "Thetan" gerade inaktiv sei: Das "Thetan-Syndrom". Die Scientology-Sekte postuliert, daß der Geist -der "Thetan"- sich aus dem Kopf entfernen kann. Dieses Können wird als erlernbar verkauft, sehr teuer. In problematischen Situationen fällt den Menschen dann ein: Ein vom Thetan entleertes Hirn kann von anderen Thetanen quasi besetzt werden.   Offenbar kann dies unkontrollierbare Ängste verursachen.  
Des Bäckers Angst wuchs in unermeßliche. Er übergoß sich mit Benzin und zündete sich an. Seine Mutter kam gerade noch rechtzeitig: "Ich hab ihn gelöscht". In der wohl reichsten Stadt Deutschlands, in Sindelfingen (u.a. Daimler-Benz) wurde er körperlich repariert. Danach wurde er ohne jede Unterstützung eine Psychologen entlassen. Seine Mutter, völlig unvorbereitet und ohne jegliche Beratung: "Kannst Du mir versprechen, daß Du das nicht wieder tust?". Ihr Sohn verneint. Die Mutter stand vor einer schweren Entscheidung, denn Sie hatte ihren Sohn in der Psychiatrie erlebt, kaum redefähig, sabbernd. Niemand hat ihr gesagt, warum das so ist. Ihr noch nicht einmal ein Merkblatt ausgehändigt, welches sie als Freiberuflerin bestimmt gelesen hätte.  
Wenig später [1983] ist der mittlerweile acht Jahre ältere Mann am Baugerüst des Hauses auf das Dach geklettert. Hat sich mit beiden Händen an die 380-Volt-Leitung gehängt. Die Nachbarin wurde aufmerksam, schrie, die Mutter kam.... ihr Sohn war tot. 

(Ingo Heinemann, ca. 1984)

 
 



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