Ingo Heinemann: Scientology-Kritik
   Adresse dieser Seite:  Arbeitsvermittlung.htm  Zuletzt bearbeitet am 18.9.2002
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Scientology, Arbeitssuchende und Arbeitsvermittlung


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Scientology verspricht, "Die Probleme der Arbeit" zu lösen, so ein Buchtitel, vgl.

Scientology wendet sich an Arbeitssuchende und verspricht Arbeit, dazu unten:
Scientology missbraucht Arbeitsämtern und täuscht Arbeitslose, dazu unten: Scientologen wollen amtliche Erlaubnis zur Arbeitvermittlung, vgl.
 
 

Erlaubnis zur privaten Arbeitsvermittlung

Bis 1994 war Arbeitsvermittlung nur durch die Bundesanstalt für Arbeit zulässig.
Dann wurde Arbeitsvermittlung auch durch private Vermittler zugelassen.
Diese privaten Vermittler bedürfen dafür einer Erlaubnis.

Im September 1994 hat das Bundesministerium für Arbeit eine Weisung an die Bundesanstalt für Arbeit erlassen, wonach eine solche Erlaubnis nicht an Scientologen erteilt werden solle.

Draufhin wurde in einigen Fällen die Erlaubnis verweigert bzw. zurückgenommen.
Daraus entstanden einige Prozesse.
Wichtigster ist der Au-Pair-Fall (unten). Die Klägerin Claudia Engel hatte die Erlaubnis zur Vermittlung von Au Pair Kräften beantragt. Das sind meist junge Leute, die als Haushaltshilfe mit Familienanschluß in Ausland gehen, um dort die Sprache zu lernen.
Die Erlaubnis wurde zunächst erteilt, dann widerrufen.



Der zuständige Bundesminister für Arbeit war damals Dr. Norbert Blüm.
Blüm hatte sich besonders kritisch über die Scientology-Organisation geäußert:

Aufklärung von Arbeitssuchenden
 
 
Aus: AGPF-Info 5/97

Arbeitsvermittlung 
Arbeitssuchende werden informiert, wenn sie an eine Scientology-Firma vermittelt werden. Minister  Blüm: "Das gehört zu den Aufklärungspflichten  des Amtes". Zu diesem Zweck werden diese Firmen gesondert erfaßt. Scientology-Sprecher Jentzsch aus USA dazu: Blüms "Bigotterie und sein Fanatismus wären in Adolf Hitlers Kabinett von 1933 gut aufgehoben gewesen" . Sabine Weber: Diese Praxis käme einem 'computerisierten Davidsstern' gleich. 
 Scientology:   "Wir verfügen in Deutschland über keine einzige Firmenbeteiligung" . Der Bundesanstalt für Arbeit geht es wohl kaum um die Eigentumsverhältnisse, sondern um die Anwendung scientologischer Methoden. 

Missbrauch von Arbeitsämtern und Täuschung von Arbeitslosen
 

Sindelfinger Bote vom 29.4.00 - auch Stuttgarter Nachrichten u.a. 
Arbeitsamt vermittelt erneut Bewerberin an Scientology
Panne wird bedauert - Aktion Bildungsinformation vermutet Arbeitssuchende als neue Zielgruppe
Nürtingen - Erneut hat ein Vermittler des Arbeitsamtes Göppingen einer Bewerberin aus Versehen den Verein Dianetic Stuttgart e.V. genannt. Im Oktober 1999 war dies in der Geschäftsstelle Leinfelden-Echterdingen passiert, jetzt unterlief der Fehler einem Mitarbeiter in Nürtingen. 

VON ANNETTE MOHL 
Hinter dem Dianetic Stuttgart e.V. verbirgt sich das Scientology-Zentrum in Stuttgart. Einigen Mitarbeitern des Arbeitsamtes ist dies offenbar nicht bekannt. Das gilt auch für den erst seit Anfang April beim Arbeitsamt Nürtingen beschäftigten Vermittler, der einer Bewerberin jetzt per Fax die Adresse des Unternehmens mitteilte. Die Frau hatte ihre Daten in den Arbeitgeber-Informations-Service (AIS) einspeisen lassen, um eine neue Stelle zu finden. 

Statt sich allerdings, wie vom Arbeitsamt empfohlen, bei Dianetic zu melden, schaltete die Frau die gemeinnützige Aktion Bildungsinformation (ABI) ein. Deren Chef Eberhard Kleinmann hatte schon im Oktober scharfe Kritik am Göppinger Arbeitsamt geübt (zu dem die Geschäftsstellen Leinfelden-Echterdingen und Nürtingen gehören), weil es an eine Bürokauffrau aus Filderstadt ein Online-Stellenangebot von Dianetic weitergab. Jetzt hat die ABI erneut den Präsidenten des Landesarbeitsamtes von den Vorfällen in Kenntnis gesetzt. "Uns drängt sich der Eindruck auf, dass Scientology zurzeit Arbeitssuchende verstärkt zur Zielgruppe der Werbung macht.'' So sei eine weitere Arbeitssuchende im Dezember beim Stuttgarter Arbeitsamt von einem scheinbar ebenfalls Arbeitslosen angesprochen und an Dianetic verwiesen worden. Dort bekam sie aber nicht etwa Arbeit, sondern gegen Bares eine Persönlichkeitsschulung. 

Beim Arbeitsamt Göppingen wird der Fehler ausdrücklich bedauert. Der stellvertretende Leiter der Arbeitsvermittlung, Werner Schreiner, entschuldigt das Versehen mit häufigen Personalwechseln. Grundsätzlich würden aber alle Mitarbeiter über Scientology in Kenntnis gesetzt und angewiesen, keine Bewerber zu vermitteln. Vermutlich sei die Adresse im Routinegeschäft dazwischengerutscht: "Über AIS laufen jeden Tag dutzende von Anfragen.'' Als der Fehler bei der Kontrolle allerdings bemerkt wurde, seien vier der fünf Bewerber umgehend über die Panne informiert worden. Eine Bewerberin aber habe man telefonisch nicht erreicht. 

Auch dem Leiter der Geschäftsstelle Nürtingen, Harald Oßwald, tut der Vorfall leid. Grundsätzlich werde an Dianetic nur vermittelt, wenn ein Bewerber sich ausdrücklich für solche Stellen interessiere. 
 


 
Stuttgarter Nachrichten 11.10.99. 
Arbeitslose an Scientology vermittelt
ABI-Chef Kleinmann kritisiert "Fahrlässigkeit'' beim Arbeitsamt Göppingen

Filderstadt - Eberhard Kleinmann hat scharfe Kritik am Arbeitsamt Göppingen geübt, weil es einer arbeitslosen Bürokauffrau in Filderstadt ein Online-Stellenangebot des Scientology-Zentrums "Dianetic Stuttgart e.V.'' vermittelt hat. 

 Von ANNETTE MOHL und GÜNTHER JUNGNICKL 

"Das ist ein Hammer'', ärgert sich der Vorsitzende der Aktion Bildungsinformation e.V. in Stuttgart, die seit Jahren vor den Scientologen warnt. In seiner langen Praxis sei ihm bislang noch kein Fall bekannt geworden, in dem die Arbeitsverwaltung Stellen von Scientology-Unternehmen vermittelt. In einem Brief an den Präsidenten des Landesarbeitsamts Baden-Württemberg beschwert er sich über diese Zumutung. Alfred Sorg, der Pressesprecher des Arbeitsamtes Göppingen, bedauerte inzwischen den Vorgang und bezeichnete ihn als "Ausrutscher'' des zuständigen Sachbearbeiters in der Geschäftsstelle Leinfelden-Echterdingen. 

 Die Frau aus Filderstadt hatte sich im Sommer arbeitslos gemeldet, und ihr Berufsprofil wurde vom zuständigen Arbeitsamt in das Programm AIS (Arbeitgeber-Informations-Service) eingespeist. Wenig später staunte sie nicht schlecht, als mit der Post aus Leinfelden-Echterdingen eine "Mitteilung an Bewerber'' eintraf, dass die Firma ¸¸Dianetic Stuttgart e.V.'' eine kaufmännische Angestellte sucht und sie sich dort telefonisch melden solle. 

Das Unternehmen selbst ("Möchten Sie anderen Leuten gerne helfen, und suchen Sie eine neue, aufregende Arbeit?'') hatte keine besonderen Ansprüche an seine künftige Mitarbeiterin. "Eine Fachausbildung ist nicht zwingend nötig'', hieß es, "da Sie bei uns Ausbildung erhalten werden.'' Einzige Voraussetzung sei, dass die Bewerberin "gern neue Aufgaben erfüllen'' und ihre "Fähigkeiten steigern'' möchte. Allein diese Diktion ist für Sekten-Jäger Eberhard Kleinmann mehr als nur ein Hinweis, um wen es sich bei diesem Arbeitgeber handelt. Dem Mitarbeiter des Arbeitsamtes hätte das auffallen müssen. 

Der stellvertretende Leiter der Abteilung Arbeitsvermittlung beim Arbeitsamt Göppingen, Werner Schreiner, bestätigte gegenüber unserer Zeitung die Sachlage. "Wir werden von allen möglichen Arbeitgebern bombardiert und müssen genau hinsehen, wer sich dahinter verbirgt'', erklärte er dazu. Vor allem, wenn es sich um weltanschaulich geprägte Organisationen wie Kirchen handle, würden die Bewerber deshalb durch Zusatzinformationen des Arbeitsamts ausdrücklich darauf hingewiesen.


 

Suttgarter Zeitung 2.2.01 
Stuttgarter Arbeitsamt vermittelt Stellen von Scientology
Auszubildende soll an der Panne schuld sein - Heftige Kritik aus dem Rathaus - Groß angelegte Werbekampagne der Sekte

 Das Stuttgarter Arbeitsamt ist ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Die Behörde hat einer betriebswirtschaftlichen Assistentin ganz offiziell einen Job bei der Scientology-Organisation angeboten. Gesucht wurde ein Mitarbeiter "für Werbung und Marketing''.
 Von Michael Ohnewald

 Erwartungsvoll hatte Gerdi W. (Name geändert) den Brief des Arbeitsamts geöffnet. Die betriebswirtschaftliche Assistentin sucht einen Job und hat sich über den Arbeitsinformationsservice (AIS) vormerken lassen. Doch das Schreiben der staatlichen Arbeitsvermittler trieb ihr die Zornesröte ins Gesicht. Denn laut der Behörde sollte sie mit einem Arbeitgeber in Kontakt treten, der ihr irgendwie bekannt vorkam: "Dianetic Stuttgart'' - ein Ableger der vom Verfassungsschutz beobachteten Scientology-Organisation.

 Wie aus dem aufschlussreichen Stellenangebot hervorgeht, sucht die Sekte "hauptamtlich tätige Mitglieder in den Bereichen Verwaltung, Buchhandlung, Empfang, Werbung und Marketing''. Die Anforderungen an den Bewerber halten sich in Grenzen. Vorausgesetzt wird lediglich "der Wille, anderen Menschen zu helfen und sich selbst zu verbessern''. Wutentbrannt rief die Stuttgarterin beim Arbeitsamt an. Die zuständige Sachbearbeiterin habe die ganze Aufregung jedoch nicht verstanden. "Das interessiert mich nicht'' - das sei die Antwort gewesen.

 Der Fall hat nicht nur den SPD-Stadtrat Andreas Reißig ernüchtert. Dem Sektenexperten der SPD-Rathausfraktion blieb "glatt die Spucke weg''. Er spricht von Schlamperei, fordert Konsequenzen in der Behörde und will Parteikollegen auf Landesebene einschalten. Durch die peinliche Panne sieht sich der Ratsherr in der Ansicht bestätigt, dass die Sekte weiter beobachtet werden muss. Nicht von ungefähr hätten die Hubbard-Jünger in den vergangenen Tagen groß angelegte Aktionen zur Mitgliederwerbung angekündigt.

 Uwe Zink vom Arbeitsamt in Stuttgart will den Fall nicht beschönigen. "Das hätte uns nicht passieren dürfen'', sagt er. Den Fauxpas habe sich "eine Auszubildende mit ausländischem Pass'' geleistet, die mit Dianetic und Scientology nichts anfangen könne. Nach Angaben von Zink darf sich das Arbeitsamt den Stellenangeboten der Sekte von Gesetzes wegen nicht verschließen. In der Vergangenheit seien die Arbeitssuchenden jedoch über die Hintergründe solcher Stellenangebote aufgeklärt worden. Wer sich nicht bewerben wollte, musste keine Einbußen bei der Stütze befürchten.

 Diese Praxis scheint sich nicht bis in jeden Winkel des Behördenbaus herumgesprochen zu haben. Einige Mitarbeiter tun den Fall sogar als Bagatelle ab. "Wo gehobelt wird, fallen Späne'', sagt Peter Kreuzhof vom Arbeitsamt in Stuttgart. Nach seinen Angaben wird die Behörde mit Anfragen von Scientology überflutet. Da sei es halt nicht so einfach, den Überblick zu behalten.

 Zudem lässt sich die Sekte nur schwer abweisen, wie ein Fall aus Kassel zeigt. Das dortige Bundessozialgericht hat im Dezember einer 44-jährigen Scientologin zugebilligt, auch in Zukunft Au-pair-Mädchen vermitteln zu dürfen. Die Genehmigung war der Masseurin von der Bundesanstalt für Arbeit entzogen worden. Obwohl die Scientologin eingeräumt hatte, einen "Missionierungsauftrag'' zu haben, wies das Gericht die Befürchtung der Bundesanstalt zurück, es könnten persönliche Daten der Au-pair-Kräfte zu Anwerbungszwecken missbraucht werden.
 

STZ 3.2.2001
Scientology: Panne sorgt für Wirbel
Das Arbeitsamt in Stuttgart gerät wegen Stellenvermittlungen an Scientology unter Druck. In einer parlamentarischen Initiative verlangt Carla Bregenzer, sektenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, das Eingreifen der Landesregierung. "Wir sagen dem totalitären Psychokonzern mit allen rechtsstaatlichen Mitteln den Kampf an, und das Stuttgarter Arbeitsamt sorgt ungeniert und ahnungslos für hauptamtlichen Nachwuchs - dieses unsägliche Treiben muss sofort gestoppt werden'', heißt es in einer Mitteilung.

 Wie sich inzwischen herausgestellt hat, ist nicht nur einer Stuttgarterin die Stelle im Dianetikzentrum der Sekte angeboten worden. Im Laufe des gestrigen Tages meldeten sich eine ganze Reihe von Arbeitslosen, denen vom Stuttgarter Arbeitsamt empfohlen worden ist, sich auf eine Ausschreibung der vom Verfassungsschutz beobachteten Scientology-Organisation zu bewerben. Eine Frau berichtete, dass sie bei der Sekte angefragt habe. Dort sei ihr erklärt worden, dass sie für den Job auch Mitglied werden müsse.

 Nach Angaben von Carla Bregenzer wurde bereits im April ein ähnlicher Vorgang vom Arbeitsamt in Göppingen bekannt. Dies lasse darauf schließen, dass es einigen Behördenmitarbeitern "an der dringend notwendigen Sensibilität'' fehlt.moh



Der Au-Pair-Fall Claudia Engel
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