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AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit
Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V., Bonn
Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Anwerbungsversuche.htm  Zuletzt bearbeitet am 13.1.2003.
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Bernhard Brünjes:

Sekten – Wie erkennt man Anwerbungsversuche?
und
Soll man alles glauben, was versprochen wird?

Ich habe mir erlaubt, eine Drittelung meiner Ausführungen vorzunehmen.
Der erste Teil soll einige grundsätzliche Gedanken beinhalten, im zweiten Teil komme ich dann auf beispielhafte Anwerbungsversuche und im dritten Teil soll in Form eines „Brain Storming“ die zu kritisierenden Aspekte religiöser und psychologischer Angebote dargelegt werden. In einem Anhang möchte ich dann noch auf das Thema „Ausstieg“ eingehen.

Dem menschlichen Bewußtsein sind Willkür, Ungewißheit und Unordnung in größerem Maße unangenehm.
Deshalb ist Wandel überall auf der Welt zu einem verheißungsvollem Schlagwort geworden.
Die Frage ist allerdings, in welche Richtung der Wandel erfolgen soll und wie soll er erfolgen?
Einerseits gibt es diejenigen, die zu alten Formen zurückkehren wollen, die bisher die Welt - jedenfalls ihre Welt - zusammengehalten haben, andererseits wird die Notwendigkeit von etwas Neuem - der Ruf nach einer neuen Weltordnung - erkannt und apostrophiert. Der Mensch merkt, weil kreativ tätig, dass ursprüngliche Ziele nur selten dieselben bleiben. Daraus folgt, dass bei der Bemühung um etwas Neues der eingeschlagene Weg einen großen Einfluss auf das Ergebnis hat.

So kommt es bei einer Neukonstruktuierung der gesellschaftlichen Bereiche auch zu einer Neukonstruktuierung der Machtverhältnisse.
Wird eine neue Ordnung auf autoritärem Weg erreicht, können alle Ergebnisse ebenfalls nur autoritär sein.
Wodurch ein Prozess autoritär wird, ist nicht immer offensichtlich, denn Autoritatismus ist in Werte, Traditionen, Rechte und Privilegien versteckt.
Manchmal wird argumentiert, dass autoritäre Hierarchien in die menschliche Rasse eingebaut seien, wie z.B. bei anderen Lebewesen Dominanz und Unterordnung fixiert ist.

Viele Menschen sind sich schon immer, wenn auch aus verschiedensten Motivationen heraus einig, dass das Leben, vor allem das menschliche, auf dem Spiel steht. Die technische Intelligenz hat unsere Macht so enorm vergrößert, dass die Menschheit sich selbst bedroht.

So waren es in der Vergangenheit, wie auch heute die Religionen, die Ordnung und Gewißheit in die unsichersten und wahrscheinlich auch entscheidensten Facetten des Lebens brachten.

Woher kommt das Leben und wohin geht es? Wie soll ich mich anderen gegenüber verhalten? Was ist wirklich wichtig?

Die Hoffnung auf ein besseres Leben, in dem man weder körperlichen noch seelischen Schmerzen ausgesetzt ist und der Wunsch nach einem harmonischen Dasein beflügeln seit Jahrhunderten die Menschen in ihrer Vorstellungskraft.
Fehlender Lebenssinn, innere Leere, mangelnde Geborgenheit oder auch Überbehütung, ein Leidensdruck nach traumatischen Erlebnissen machen die Suchenden zu Süchtige.
Sie sind von der Idee besessen, die seelischen Schmerzen zu überwinden und Erfüllung zu finden.
Gefördert wird die Sehnsucht durch den Zerfall der sozialen Normen und die vielfältigen Bedrohungen, die die moderne Zivilisation kennzeichnen.
Fast zwangläufig ist das Ergebnis, dass vielen Menschen die traditionellen Religionen zu eng erscheinen und sie sich existierenden Sekten und sektiererischen Gruppen anschließen.
Die Sekte ist deshalb in den Augen vieler Suchender die perfekte Familie.

Dem realitätsbezogenen und realitätsbewußten Mitmenschen erscheinen die Heilsvorstellungen vieler sektiererischer Gruppierungen zwar unerklärlich und trotzdem bewirkt auch hier die im Unterwußtsein schlummernde Paradiesesvision, gerade in Krisensituationen, den Wunsch nach einer übernatürlichen Kraft, die das Rad der Zeit zurückdrehen und die Weichen neu stellen kann.
Die Sehnsucht an der göttlichen Macht teilhaben zu können oder unter einer direkten Schutzherrschaft zu stehen, gehört zu den Urbedürfnissen des Menschen.

Die Sektierer verstehen es meisterhaft, diese tiefenpsychologischen Mechanismen für ihre Ziele zu nutzen.

Bevor ich weiter in die Thematik einsteige, möchte ich versuchen, den schon des öfteren gefallenen Begriff Sekte zu definieren:
Was sind eigentlich Sekten?

Die Mehrheit der Menschen leben im Alltag ohne einen engen Bezug zu einer Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft.
Eine wachsende Minderheit orientiert sich aber an der Vielfalt der Traditionen und Heilslehren aus aller Welt, die bei uns in spirituellen Bewegungen, in kleinen Gemeinschaften und auch in Sekten organisiert sind.
Es ist gerade die weltanschauliche Gleichgültigkeit der Mehrheit, die fremden, seltsamen und leider auch fanatischen oder abseitigen Gemeinschaften in unserer Gesellschaft Raum bietet.

Das Wort Sekte leitet sich von dem lateinischen secta (Richtung, Richtlinie) und dem Substantiv zum Verb sequi (folgen) ab. Die häufig zu findende Ableitung vom lateinischen secare (abschneiden) ist nicht richtig.

Schon in frühchristlicher Zeit wird Sektierertum von der christlichen Kirche mit Verirrung oder Abfall vom rechten Glauben gleichgesetzt, obwohl das Wort ursprünglich neutral gemeint ist und die Gruppen nicht bewerten soll.
In der Religionswissenschaft wird das Wort Sekte bis heute neutral benutzt.
Eine Sekte steht als Minderheit mit abweichender Lehre und/oder Praxis einer Religion gegenüber, von der sie sich getrennt hat, d.h. die Sekte wird von der „Mutterreligion“ her definiert; es gibt jüdische, christliche, muslemische, hinduistische, buddhistische Sekten.

Kaum eine Sekte sieht sich aber als Sekte.
Es geht in den Sekten - wie in jeder Religion - um das Heil, um die Wahrheit und um den rechten Weg.
Solche Gemeinschaften laufen allerdings Gefahr, mehr gegen etwas zu sein, ihre Ablehnungen  und Feindschaften werden wichtiger genommen als ihre Hoffnungen und Ziele.
Und wenn Gegnerschaft gegen Bestehendes die ideellen Antriebe überwuchert, wenn die Machtansprüche der Führung sich stärker auf Feindbilder stützt anstatt auf Zustimmung der Anhänger zu positiven Zielen, dann ist die Entwicklung zum Sektierertum gekennzeichnet.

Die meisten Zentren und Gruppen dieser Szene haben aber keine sektiererische Struktur.
Es handelt sich eher um eine Art mentaler Supermarkt, in die Anhänger als Kunden oder höchstens als Klienten auftreten.
Die Angebote sind teilweise bizarr genug, um bei dem „Kunden“ schwere Schäden anzurichten (z.b. wenn man angeblichen außerirdischen Intelligenzen seine Sorgen vortragen darf).
Abseitige Ideen und Praktiken, auch die Schädigung von Menschen machen aber noch keine Sekte aus.
Sektiererisch wird es erst, wenn die abseitigen Lehren, inakzeptable Praktiken im Rahmen einer sozialen Eigenwelt und geschlossener Struktur Gestalt annehmen.
Ohne soziale Organisationsform und sozialem Eigenleben wird die sektiererische Mentalität zu einer bloßen Spinnerei, Enge, Rechthaberei und Verbissenheit.
Aber sozial engagiert und in einer Gruppennorm gewinnen diese Eigenschaften eine gefährliche Dynamik. (s. auch http://www.AGPF.de/begriff.htm)

Der Sektenbegriff sollte deshalb möglichst differenziert verwendet werden.
Wenn er überstrapaziert wird, verliert er an Aussagekraft. Gerade wenn die Auseinandersetzung mit; und die Aufklärung über totalitäre Gruppen beginnt, kann einzig und allein eine präzise Darstellung Glaubwürdigkeit vermitteln und die Öffentlichkeit sensibilisieren.
Nichts ist für eine vereinnahmende Gruppe einfacher, ihre Anhänger gegen Kritik zu immunisieren, als das man auf schlecht recherchierte Berichte zurückgreifen kann.

Im englischsprachigen Raum hat sich der Sammelbegriff „destructive cult“ wörtlich übersetzt mit „zerstörerischer Kult“ durchgesetzt. Dieser Begriff lässt sich für die meisten Gruppen mit vereinnahmenden oder totalitären Tendenzen anwenden.
Wesentlich treffender würde die Übersetzung in die deutsche Sprache mit dem Begriff „selbstzerstörerisch“ sein.

In unserem freiheitlichen Rechtsstaat wirkt sich die demokratische Gesellschaftsform in der Weise aus, dass der Einzelne seine grundlegenden moralischen und ethnischen Werte teilweise auch radikal verwirklichen kann.

Ein großes Konfliktpotential bilden Gruppen, deren Menschen- und Gesellschaftsbild im grundsätzlichen Gegensatz zu der Werteorientierung der demokratischen Verfassung steht.
Solche Gruppen sind gekennzeichnet durch eine hierarchische und autoritäre Struktur.
Bewußte Isolation innerhalb der Gesellschaft, Rückzug in die Innerlichkeit, selbst- und fremdaggressiver Fanatismus im Durchsetzen der Heilslehre, Ablehnung rationalen Denkens müssen in diesem Zusammenhang als gefährliche ideologische Auswüchse angesehen werden.
Totalitäres Gebaren nach innen und ein militantes Freund-Feind-Denken nach außen ist geeignet, den Grundkonsens in einem demokratischen Gemeinwesen zu beeinträchtigen.

Es erstaunt immer wieder, dass Menschen wie in einem Blindflug exakt die Gruppe finden, die vordergründig zu ihnen passt und die eine Lösung aller Probleme anzubieten scheint.
Wenn man in eine neue religiöse oder ideologische Gemeinschaft (NRG) eintritt, um innerseelische Konflikte zu überwinden, tauscht man allerdings in der Regel nur kurzfristige gegen langfristige Probleme aus.

Die überstarke Identifikation mit der Gruppe geht auf Kosten der eigenen Persönlichkeit.
Wird sie - die eigene Persönlichkeit - künstlich gestützt, kann sie sich nicht von innen heraus festigen.
Es kommt zur Entfremdung von den eigenen Ideen, Wahrnehmungen und Gefühlen zu Gunsten der Gruppeneinflüsse, bis hin zur Entfremdung vom eigenen Körper. Es ist bis zu einem gewissen Grad normal, dass wir unsere eigenen Wahrnehmungen durch soziale Bestätigung überprüfen.
Aber die Fähigkeit, auf andere zu hören, muss im Gleichgewicht stehen zu der Fähigkeit, auf sich selbst zu hören.
Die Aufmerksamkeit für die Signale aus der Gruppe darf nicht die Aufmerksamkeit für die eigenen Ideen, Gefühle und Körpersignale blockieren.Wenn die Gemeinschaft idealisiert wird, oder die Leitfigur idealisiert wird, geht das Gleichgewicht von Selbstbewußtsein und Gemeinschaftsbewußtsein verloren.

Viele Extremgruppen wissen, dass ihr Missionserfolg davon abhängt, wie ihre Gemeinschaft bei ersten Kontakten wirkt. Sie machen gezielte Anstrengungen, um den anzuwerbenden Menschen ein möglichst positives Gruppenerlebnis zu bieten.
Bekannt geworden ist das „Love Bombing“ (mit Liebe bombardieren).

Oft merken die Menschen zu spät - wenn überhaupt - dass sie Opfer ihrer eigenen Neugier geworden sind.

Von daher tritt die Gruppe mit dem Gehabe größter Selbstsicherheit dem Interessierten entgegen. Es wird Wert darauf gelegt, dass in keiner Form Kritik, Selbstkritik oder Unsicherheit in Erscheinung treten.
Das Geistige wird auf einen sehr engen Horizont herabgesetzt, der sich auf das Leben in der Gruppe begrenzt, was eine Einengung des Bewußtseins und der Wahrnehmung zur Folge hat.
Kritisches Informationsmaterial wird nicht mehr wahrgenommen.
Das Selbstbewußtsein und das Selbstwertgefühl der Betroffenen wird fundamental erschüttert.
Verkürzte Schlafzeiten, lange Arbeitszeiten und unzureichende Ernährung sind Faktoren, die bewußt eingesetzt werden, um auf die Betroffenen effektiver Einfluss nehmen zu können.
Systematische Angriffe auf bisherige Werte und Orientierungshilfen erzeugen Verunsicherung. Traditionelle Bildungsquellen werden verteufelt.
Von den Eltern, anderen Bezugspersonen und führenden Persönlichkeiten der Gesellschaft wird ein negatives Bild gezeichnet.
Die Beziehungen zu Eltern, Freunden usw. sollen abgebrochen werden, weil sie der Sache nicht dienlich sind.
Sehr intensives Einhämmern einer einzigen Lehre und ununterbrochenes Fesseln der Aufmerksamkeit bewirkt ein Schwinden des eigenen Denkens und Urteilens.
Die Beziehungen ausserhalb der Gruppe sind feindlich zu sehen, sie müssen gemieden werden oder nur in der Weise benutzt werden, dass sie dem Leben in der Gruppe Vorteile bringen. (http://www.AGPF.de/siebel08.htm)

Das Ziel dieser gedanklichen Umerziehung ist die vollständige Anpassung an die Gruppe durch eine neue Identifikation.
Die so entstandene Abhängigkeit verpflichtet zu absolutem Gehorsam gegenüber den autoritären Anweisungen der Gruppe.
Mit der Bewußtseinskontrolle wird die Identität - das authentische Ich - wie eigenes Denken, Verhalten, Fühlen und Überzeugungen zerbrochen; und durch ein System von Fremdeinflüssen wird eine neue Identität - die Sektenidentität - geschaffen.
Die neue Identität überlagert die „alte“ Persönlichkeit und geht mit dem Verlust des Gefühls für sich selbst einher.
Dabei sind die Sektierer in der Lage, ihre Methoden der spezifisch psychologischen Befindlichkeit einer Person anzupassen – mit Täuschung, raffinierter begrifflicher Besetzung der Sprache, Angstindoktrination.
Der Führer, Meister oder Guru muss sicher sein können, dass die Sektenidentität stark genug ist, denn so bald wie möglich muss man für den Missionsdienst tätig sein können. Nichts bestärkt die eigene Überzeugung mehr, als der Versuch andere Menschen zu missionieren.
Dadurch wird die Sektenidentität sehr schnell verfestigt und das Opfer macht wieder andere zu Opfern - das destruktive System funktioniert und wird aufrecht erhalten.

Ich komme nun zu dem Aspekt „Wie erkennt man Anwerbungsversuche?“

An vier Beispielen will ich versuchen, ein wenig Aufklärung zu vermitteln:

Sie lesen z.B. den Weser Kurier vom 29.Mai 1999 und finden dort den Artikel „Handeln nach Naturgesetzen - Blum setzt auf Frieden und Erfolg statt Frustration und Aggression“.

In diesem Artikel ist eine Wahlaussage der Naturgesetz-Partei wiedergegeben. Kernaussage ist die Schaffung von Frieden, die Einsetzung für Gesundheit und Wohlstand.

Diese hehren Ziele, an deren Zustandekommen jeder ein berechtigtes Interesse haben müßte, bedarf nur noch des Einsatzes des Einzelnen.

Nirgends ist erklärt, dass die Naturgesetz-Partei der politische Ableger der sehr problemreich auftretenden Transzendentale Meditation-Bewegung des Maharishi Mahesh Yogi ist. (http://www.AGPF.de/tm1.htm)

Die TM-Bewegung will eine wissenschaftliche Methode zur Veränderung der Welt verbreiten, von der Medizin  bis zum Strafvollzug, vom persönlichen Wohlbefinden bis zur großen Politik.
An der Spitze der TM-Bewegung steht eine „Weltregierung des Zeitalters der Erleuchtung“ deren „Weltresidenz“ sich in der Nähe von Neu Delhi/Indien befindet. Die europäische Zentrale ist in Vlodrop/Niederlande. Die deutsche „Nationale Residenz der Weltregierung des Zeitalters der Erleuchtung“ befindet sich in Schledehausen.
Die örtlichen Zentren tragen unterschiedliche Namen - wie TM-Center, Lehrinstitut für Transzendentale Meditation, Maharishi Akademie für vedische Wissenschaft, Maharishi-Kolleg für Naturgesetze, Maharishi Ayurveda Gesundheitszentrum, Akademie für Persönlichkeitsentfaltung.
Die TM-Zentren verbreiten seit geraumer Zeit den „Weltplan“. Ziel ist es, wenigstens 1% der Bevölkerung in jedem Land für die TM zu gewinnen, weil dann die Quantität in Qualität umschlage.
 

Die Gesellschaft im Zeitalter der Erleuchtung wird durch die Entwicklung von Selbstgenügsamkeit charakterisiert, die zur Unbesiegbarkeit in einem natürlichen Zustand von Ausgeglichenheit und Ordnung führt. In diesem Zustand werden alle Handlungen von den Naturgesetzen unterstützt.
Negative Tendenzen wie Krankheiten, Verbrechen, Unruhen, Alkoholismus und andere schwächende Gewohnheiten werden verschwinden.
Die Tendenz des gesellschaftlichen Lebens ist ganz spontan positiv, fortschrittlich und erfüllend.
Eine Regierung im Zeitalter der Erleuchtung stellt man sich wie folgt vor:
Die Regierung in jedem Land ist eine allmächtige Organisation. Ihre Mitglieder sind die fähigsten Köpfe des Landes. Sie kontrollieren das gesamte wirtschaftliche Potential der Nation und hat unbegrenzte Autorität. Sie kann alles tun, um die Würde und den Fortschritt des Landes aufrechtzuerhalten.


Und wie sieht die Maharishi-erleuchtete Gesellschaft aus?

Es gibt keinen Platz und wird nie einen geben für den Schwachen. Der Starke wird führen und wenn der Schwache nicht folgen will, gibt es keinen Platz für ihn...Im Zeitalter der Erleuchtung gibt es keinen Platz für unwissende Leute...Die Nichtexistenz des Schwachen ist immer das Gesetz der Natur gewesen.


Vielleicht werden aber die Fragen nach dem woher, wer bin ich, wie geht es weiter, was ist wirklich wichtig, durch das folgende Angebot beantwortet:

„Die Universität der göttlichen Weisheit“ Die Schule der Selbsterfahrung. Dazu laden Urchristen am 5.3.2000 in die Kosmische Lebensschule...ein. Eintritt frei.

„Der Allgeist, Gott, spricht unmittelbar durch seine Prophetin in unsere Zeit“. Dazu laden Urchristen am 7.3.2000 in die Kosmische Lebensschule...ein. Eintritt frei.
(Diese Anzeigen wurden am 3.März 2000 im Weser Kurier veröffentlicht.)

Nimmt man dieses Angebot wahr, ist man bei einer Sekte dem – Universellen Leben / Heimholungswerk Jesu Christi – der Gabriele Wittek gelandet.
(http://www.AGPF.de/wittek1.htm)
 

1980 wurde die Innere Geist-Christus-Kirche e.V. gegründet, um lt. Satzung positive Kräfte dieser Welt zu sammeln. Das soll erreicht werden, durch Förderung der religiösen Erneuerung auf urchristlicher Grundlage, vor allem Verbreitung von esoterisch-geistigem Wissen, Vorträgen und Schriften; Förderung der Völkerverständigung; geistige Hilfe für gefährdete und in Not geratene Menschen.


Eine besondere Vision wurde von Gabriele Wittek 1983 vorgetragen:
Eine „Weltreligion Jesu Christi“ bzw. „Innere Religion“ und ein „Weltreich Jesu Christi“ sollte entstehen. Diese Schrift kann als Grundsatzerklärung angesehen werden. Es werden aufgelistet:

Meditationskurse und Jugendmeditation, der „Innere Weg zu Gott“, Offenbarungen, die „Innere Geist-Christus-Kirche“, persönliche Vorträge, Seminare, Urchristliches Heilen, Bauernhöfe, Gnadenstätten, selbstloses christliches Wirken, Handwerksbetriebe, Christus-Läden, Kindergärten und Kinderhorte, Christus-Schulen, Christus-Kliniken (Naturheilzentren), Altenheime, Lebensberatung, vegetarische Restaurants.


Das Reich der Gabriele Wittek zeigt sich heute als eine totalitäre Organisation. Alle Bereiche des Lebens werden organisiert. Aktivitäten außerhalb der Gemeinde und Wohngemeinschaft sind nicht erwünscht.
Wer Glied der „Gemeinde“ werden will, muss sich schriftlich verpflichten, das Leben der Gemeinde nicht durch eigenmächtige Initiativen oder durch menschliche Wünsche, die seinen Nächsten beeinträchtigen, zu stören. Als „eigenmächtige“ Aktivitäten werden in diesem Kodex fast nur wirtschaftliche Betätigungen, wie das Betreiben eines Handwerks, Führen einer Praxis usw. aufgelistet. Im Mittelpunkt steht also die Hinführung aller Interessenten zur Arbeit in den verschiedenen zur Gruppe gehörenden Betriebe (Christus-Betriebe).

Aus dem Namen einer Einrichtung läßt sich nicht unbedingt auf bestimmte Verfahren oder Schwerpunkte zu deren Dienstleistungsangebot schließen.
Die Namensgebung ist willkürlich und dient in erster Linie dazu, die jeweilige Einrichtung als der Esoterik- bzw. Alternativheilerszene zugehörend auszuweisen.
Häufig leiht man sich Begriffe aus dem Hochschulbereich wie „Institut“, „Seminar“ oder „Akademie“, um ein vermeintlich höheres Niveau zu suggerieren. Der Hinweis auf wissenschaftliche oder wissenschaftsähnliche Arbeit dient ebenfalls nur dem Kundenfang.

In der Mehrzahl sind die Einrichtungen der Esoterikszene als privatwirtschaftliche Unternehmen organisiert, vielfach auch als eingetragene Vereine oder als sonstige rechtskräftige Körperschaften. Viele lassen jedoch jegliche Rechtsfähigkeit vermissen, sie erscheinen unter abenteuerlichen Namen  auf der Bildfläche und verschwinden ebenso schnell wieder.

Wochenende für Wochenende werden Workshops, Seminare und Meditations-Veranstaltun-
gen angeboten und wahrgenommen.
Die euphorisierenden Rituale in den Workshop-Gruppen begünstigen Suchttendenzen. Die massensuggestiven Erleuchtungsergebnisse lassen die Hoffnung aufkommen, das rauschartige Glücksempfinden zu konservieren und die Momente der übersinnlichen erkenntnisse in den Alltag hinüberretten zu können. (siehe z.B. http://www.AGPF.de/Ravi-Shankar.htm)

Die Herstellung gemeinsamer Erfahrungen über die Erzeugung veränderter Bewußtseinszustände durch Meditation, ist ein wichtiges Medium für eine Gruppenbindung. So kann die Ausübung von Meditationstechniken im Zusammenhang mit der Sektenwerbung genutzt werden.
Heilsversprechungen für die Errettung der Welt erscheinen besonders dann gravierend, wenn psychisch labile oder psychiatrisch Auffällige mittels Meditationstechniken damit konfrontiert werden. Es können Wahrnehmungsveränderungen und Depersonalisationserscheinungen auftreten. So besteht die Möglichkeit, während der Meditation manipulativ einzugreifen, Ideen der Sekte zu implementieren und die Hingabe an den Sektenführer anzubahnen.
Die Wahrnehmungseinschränkungen während der Meditation können gleichzeitig zu einer Einschränkung des kritischen Denkens führen.

Ein weiterer Anbieter in diesem Marktsegment ist der Troubadour-Märchenzentrum e.V.
Das Troubadour-Märchenzentrum und Freie Bildungsstätte hat seinen Sitz in Vlotho/Valdorf.
(http://www.AGPF.de/troubadour.htm)
Mit Hilfe der Märchen meditiert man gegen eine kollektive mentale Verwahrlosung  und sucht Hilfe bei Meinungslöchern und Individualkrisen.
Märchentherapeuten verstehen ihre „Therapie“ dann auch als einen heiligen Dienst am Menschen und eine Pflege von Seele und Geist.
 

Ausgebildete Märchentherapeuten haben eine vollständige und fundierte Troubadour-Ausbildung absolviert. Sie verpflichten sich zur Supervision und jährlichen Weiterbildungen und halten die ethischen Grundsätze ein. Sie sind von uns autorisiert, diesen Beruf auszuüben.
Sie sind ausgebildet in Märchentherapie, Lichtmassage, Fuß-und Handlichtmassage, Ton-Licht-Massage, Märchen-therapeutischem Gespräch, Klärungen von Geburt, Klärung der Beziehungen und der Emotionen, Chakrenbehandlung, Märchen-und Licht-Kur, Märchen- und Licht-Seminar, Seminar Zyklus „Der königliche Schulungsweg“, Training für märchenhafte Liebesbeziehungen und anderes mehr.


Vielleicht in diesem Zusammenhang noch ein Wort von Grom zu der allseits angekündigten, erlernbaren und ausgelebten Spiritualität:
Es nimmt nicht Wunder, wenn ähnlich dem Wort Mystik auch der Begriff Spiritualität im Umfeld der „neuen Religiosität“ geradezu inflationär verwendet wird. Hier ist der ursprüngliche christliche Kontext ausgeblendet. Spiritualität bzw. spirituelle Transformation ist vielfach zum Schlüsselwort der „sanften Verschwörung des New-Age oder Wassermannzeitalters“ geworden. Im Angebot der „spirituellen Wege“ herrscht eine gewisse Wahllosigkeit. Alles denkbar mögliche firmiert unter dem Namen Spiritualität.

Als Fazit bleibt festzuhalten:
Zur Zeit boomen vor allem pseudo-therapeutische Verfahren. Versprochen wird, das Mängelexemplar Durchschnittsmensch zu einem vollkommenen und glücklichen Menschen „hochzutherapieren“.
Diese verschleierten Formen der Selbsterlösung, die die nüchternen Ansprüche seriöser Therapien weit hinter sich lassen, kommen dem Zeitgeist offensichtlich am meisten entgegen.

Zum Ende meiner Ausführungen möchte ich noch einmal in Form eines „Brain-Stormings“ die zu kritisierenden Aspekte religiöser, weltanschaulicher und psychologischer Angebote darlegen:

Es wird eine Führergestalt angeboten, welche Probleme des suchenden Menschen lösen könne.
Es kann eine lebende Figur sein, oder aber eine Philosophie oder Methode, die angeboten wird.
Die Führerfigur kann außerirdischer Herkunft sein, oder unpersönlich als kosmische Energie verstanden werden, die durch ein Medium übermittelt wird.

Die Führergestalt, die Gruppe, die Methode besitzt das rettende Rezept und beansprucht absoluten Gehorsam oder entscheidet über die Vergabe der heilenden Energie.
Schwierigkeiten und Nöte werden immer dem Suchenden angelastet, mit der Begründung: Er hat sich zu wenig geöffnet, ist noch nicht weit genug usw.. Das rettende und heilende Prinzip wird jedoch niemals in Zweifel gezogen.

Die positive Erfahrung wird in der Gruppe gemacht. Man muss lernen, sich vermehrt in der Gruppe zu bewähren.
Die Problemlösung kann man als  Einzelner kaum für sich in Anspruch nehmen.
In der Gruppe herrscht ein ausgesprochenes missionarisches Bewußtsein.
Die Mitglieder fühlen sich zu hohen Zielen auserwählt.
Sie missionieren aktiv, oder auch passiv indem sie die Anschauung des suchenden Menschen abwerten.

Das Bewußtsein, in der eigenen Gruppe das Heil, die heile Welt oder das Überleben in Ewigkeit gefunden zu haben, trennt die Gruppe in ihrem Bewußtsein von der übrigen Welt.
In der Gruppe herrscht Heil – außerhalb ist das Unvollkommene, das Böse.

Das neurotische Festhalten am „Gerettetsein“ bedingt eine dualistische Weltsicht von Gut und Böse.
Sie lebt von der Beschreibung des „Bösen“ und den anderen Menschen als Sündenböcke.

Das höhere Ziel wird angestrebt durch Unterwerfungstendenzen unter die wahre und höhere Aufgabe.
Der Einsatz und die Aufrichtigkeit des Suchenden wird daran gemessen, wie er die niedrigsten Arbeiten ohne Widerspruch übernimmt und verrichtet.

Der Einsatz für das höhere Ziel umfasst oft das ganze Leben und alle Zeit.
Voller Idealismus wird für die gute Sache geworben.

Eine Eigenentwicklung des suchenden Menschen wird nicht gefördert, meistens sogar behindert.
Kritik am internen Geschehen oder Austrittswünsche werden mit psychischem Druck begegnet.
Dem Mitglied soll das Gefühl vermittelt werden, zu glauben, gefunden zu haben wonach es schon immer gesucht hat.

Die materiellen Bedürfnisse werden vor dem Hintergrund der ideellen Absicht gesehen.
Oft wird das ganze Vermögen in das Unternehmen eingebracht, da eine materielle Verknüpfung als Behinderung im geistigen Vorwärtskommen betrachtet wird.

Meditation und Techniken, die eigentlich die Persönlichkeit des Einzelnen stärken sollen, werden in der Gruppe vollzogen und damit der Kontrolle durch die Gruppe unterstellt.

Da die Lehren der Gruppe das wahre Wissen darstellen, wird auf Kritik von Außen mit Ablehnung reagiert.
Durch permanente Beschäftigung mit der Lehre bleibt kaum Zeit für andere Gedanken.
Familienangehörige, die den beschrittenen „eigenen“ Weg nicht nachvollziehen können, werden als Gegner eingestuft.
Häufig wird der Abbruch des Kontaktes zu den Angehörigen  gefordert.

Die gefundene Lehre oder Weltanschauung weist in eine bessere Zukunft.
Die Geschichte, die Vergangenheit wird abgewertet und das bisherige Leben als sinnlos angesehen.

Abhängigkeiten entstehen verstärkt bei suchenden Menschen - schneller als man sie selber zu erkennen vermag.
Eingeschränkte Wahrnehmungsfähigkeit wird von dem Betroffenen meist nicht bemerkt.
Abhängigkeiten findet man nicht nur in festen Gruppen und Religionsgemeinschaften, sondern eine Abhängigkeit kann sich ebenso im Gebrauch esoterischer Angebote, okkulter Angebote oder kosmischer Energie äußern.

Die Menschen sind ein Spiegelbild der Gesellschaft zu der sie gehören.
Viele von ihnen müssen grundlegende menschliche, seelische Bedürfnisse opfern, z.B. Freundschaften, Nähe, Familie und Freizeit, um Erfolg zu haben.
Bei unserem stressbetonten Sozialgefüge überrascht es nicht, dass Süchte, Abhängigkeiten und selbstzerstörerische Gewohnheiten verbreitet sind.
In einer Welt, die, in der Ökologie, Überbevölkerung, Verteilung der Ressourcen Verhaltens-
störungen aufweist, wundert es nicht, dass auch der Einzelne mit seinen persönlichen Ressourcen selbstzerstörerisch umgeht.
Es ist mehr als verständlich, dass Menschen ein Leben ohne Sucht als trübe und hoffnungslos erleben.
Süchte bieten momentane Auswege und Konkretes, egal ob es eine Aktivität oder eine Beziehungsform ist.
In einer als chaotisch empfundenen Welt entsteht so eine seltsame Art von Stabilität, Trost und sogar Sicherheit.
Der Verzicht auf die Droge, mit all seinen selbstzerstörerischen Aspekten erscheint gleichbedeutend mit der bedrohlichen Rückkehr an den fast vergessenen Ort, dessen Ödheit, Isolation und Sinnlosigkeit.

In allen Gesellschaften, die sich auf Produktion und Besitzanhäufung berufen, wird Pflichterfüllung mehr geschätzt als alles andere.
Unterschieden wird zwischen fleißig und faul.
Fleiß bedeutet, dass wir produzieren, Resultate erbringen.
Faulheit wird definiert als Verbringen der Zeit mit etwas, das nichts Vorzeigbares erbringt.
Bei dieser Bewertung hat die Muße ihren Wert verloren. Sie ist nur noch zeitweilige Belohnung für harte Arbeit. Ihre Funktion ist hauptsächlich die Wiederherstellung der Arbeitskraft.
Wenn Muße für das Wohlergehen eines Menschen vergleichbar wichtig ist, wie Leistung und Produktivität, dann überrascht es nicht, dass man sich mit selbstzerstörerischen Aktivitäten befasst.
Solches Tun bietet einen zeitweiligen Ausweg aus dem Leben, in dem Produktivität keine Freude bereitet, sondern lediglich als Mittel für ein Überleben gesehen wird.

Wie sieht die Zukunft aus?
Wenn die Entfremdung in den verschiedenen Lebensbereichen, die sozialen Ängste, die Desorientierung im geistigen Leben und das Verlassenheitsgefühl nicht wirksam bekämpft werden und die globale Bedrohungslage (nicht mehr als Kampf politischer Blöcke, sondern als Kampf der Kulturen zu verstehen) sich nicht ändert, wird der Nährboden für Sekten, destruktive Kulte und ähnliche Organisationen immer fruchtbarer.
Immer wieder wird übersehen, dass dogmatische, totalitäre und sektiererische Haltungen in einer kranken und verletzten Seele wachsen.

Zur Abhängigkeit gehört also nicht nur das Angebot, sondern auch die Person, die aus mangelnder Eigenständigkeit und Persönlichkeitsentwicklung heraus eine bestimmte Abhängigkeit gebraucht

oder
Keiner tritt einer Sekte bei,
jeder verschiebt nur den Entschluss, aus ihr auszutreten.








Anhang:

Oft heißt es, dass für denjenigen, der in die Fänge einer destruktiven Gruppierung geraten ist, es kein Entrinnen mehr gibt.
Durch permanente ideologische Beeinflussung und Bewußtseinskontrolle wird der Proband dermaßen umgekrempelt, dass ein Entrinnen aus der Gruppe nicht mehr möglich erscheint.

Trotzdem hat sich in den letzten Jahren die Ansicht manifestiert, dass für eine nicht unerhebliche Zahl - mehr als zwei Drittel - der Zugehörigen die Gruppe nicht als Endstation, sondern als Durchlauferhitzer gesehen werden muss. Durchlauferhitzer deswegen, weil die Menschen von ihrem Lebensweg abgezapft, für eine Zeitlang das Leben in der Gruppe durchlaufen und am Ende - wenn auch in einem veränderten Zustand - wieder ausgestoßen werden.

Es herrscht aber auch weitgehend Übereinstimmung darüber, dass die Form eines Ausstiegs in drei Möglichkeiten unterschieden werden kann:
 


1.  Der freiwillige Ausstieg ist Ergebnis eines längeren Entwicklungsprozesses.
     Der Aussteiger hat in der Regel genügend Zeit, seine Entscheidung zu überdenken,
     Alternativen zu erwägen und seinen Schritt rational zu begründen.
     Der Ablösungsprozeß beginnt in vielen Fällen schon nach kurzer Zeit, dann, wenn der
     Gruppenalltag im Leben des Neumitglieds Einzug erhält. Der anfängliche Enthusiasmus
     verblaßt, Zweifel schleichen sich ein und nehmen überhand.

 2. Der zwangsweise Ausstieg eines Mitglieds wird betrieben, weil etwa die Ausübung von
     Kritik mit psychischer Labilität gleichgesetzt wird.
     Krankheit oder finanzielle Schwierigkeiten sind ein weiterer Grund; aber auch störende
     Einflüsse von außen - die durch das Mitglied verursacht werden – können zum Ausschluss
     führen.

 3. Bei einem von außen provozierten Ausstieg wird das Mitglied in Auseinandersetzungen
     verwickelt, mit dem Ziel, ihn zu einer Neubewertung seiner Mitgliedschaft zu bewegen.
     Dabei kommt es vor allem auf die Überzeugungskraft der Argumente an, d.h. sie sollten in
     gesicherten, nachweisbaren Informationen beruhen, aus seriösen Quellen stammen,
     logisch und in sich widerspruchsfrei präsentiert und mit persönlicher Glaubwürdigkeit vor-
     getragen werden.
     Ein wichtiger Aspekt für den Erfolg ist die Beziehung, die zwischen dem Sektenmitglied
     und dem „Rausholer“ besteht.
     Je intakter diese Beziehung ist, desto wahrscheinlicher der Ausstieg.
     Der Betroffene muss sicher sein können, nach seinem Austritt nicht allein gelassen zu sein,
     sondern aufgefangen zu werden – zumal es zu heftigen Reaktionen seitens des Betroffenen
     kommen kann.

Nach dem erfolgreichen Ausstieg ist aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht.

Ich möchte  nicht auf spezielle Probleme eingehen, sondern nur aufzeigen, welche möglichen Folgen es für den Aussteiger geben kann:

Einsamkeitsgefühle, Verlassenheitsängste,
Depressionen,
Schuldgefühle gegenüber den Familienmitgliedern und früheren Freunden; aber auch gegenüber den in der Gruppe Zurückgebliebenen,
Bezugsprobleme, Schwierigkeiten neue Kontakte aufzubauen,
Orientierungsprobleme - wie geht es weiter? -,
Schwierigkeiten oder gar Unfähigkeit, eigene Entscheidungen zu treffen,
mit den Anforderungen des Alltags zurecht zu kommen,
Bedrohungsgefühle, Angst vor der Rache und Vergeltung der anderen Mitglieder; aber auch aufgrund der verinnerlichten Ideologie – Angst vor der Strafe Gottes, dem Satan, dem jüngsten Gericht, vor Katastrophen, die der Abtrünnige zu verantworten hat,
Verlust von Selbstwertgefühl.

Es muss erkannt werden, dass ein Ausstieg nicht nur ein großer Kraftakt ist, sondern auch ein existentieller Spagat.
Er ist mit der Überwindung der Drogensucht vergleichbar, wenn nicht gleichzusetzen.
Mitglieder totalitärer Gruppierungen haben im Laufe der Monate und Jahre nicht nur die weltanschaulichen und geistigen Wurzeln gekappt, sondern sich auch radikal von ihrer Umgebung abgekapselt und sich ihr entfremdet.
Der Kontakt zur Familie ist abgebrochen worden, der Lebenspartner verlassen, die Arbeitsstelle gekündigt und die Lebensumstände umgekrempelt.
Damit ist der Weg zurück verschüttet!

Man muss sich bewußt werden, dass der Ausstieg extrem schmerzhaft ist.
Oft geht der letzte Rest des Selbstwertgefühls verloren, denn der Aussteiger muss seinen fundamentalen Irrtum eingestehen und die bittere Erkenntnis aushalten, selbstgerecht ihm nahestehende Personen verdammt zu haben.

In dieser Phase muss der Resozialisationsprozeß, nach Möglichkeit mit allen der zur Verfügung stehenden Angebote - in Form einer seriösen Beratung und eventuell einer Therapie - unterstützt werden, denn unmittelbar nach dem Ausstieg stellt sich der Zustand des Treibens zwischen zwei Welten ein - der Gruppenrealität und der gesellschaftlichen Realität.

Die Welt der Sekte bietet dem Aussteiger keine Heimat mehr.
Der neuen/alten gesellschaftlichen Wirklichkeit, die ursprünglich Anlass für den Eintritt in die Gruppe war, kann nach wie vor keine positive Seite abgewonnen werden.
Selbst findet der Aussteiger  - wie ein Geist in einem Gruselfilm - keine Ruhe, er pendelt hin und her und irritiert damit sich selbst  und seine Mitmenschen.
In dieser Zeit werden alle Stadien der Wut, des Hasses, der Verzweiflung, des Traumes, der Enttäuschung usw. durchlebt.

Zielstrebige Unterstützung wird dem Aussteiger anzudienen sein, um bewußt und aktiv den Wiedereintritt in die gesellschaftlichen Strukturen zu vollziehen.
Beratung und eine eventuelle Therapie sollten vorwiegend ihre Aufgabe darin sehen, dem Aussteiger bei seinen ersten Gehversuchen in unbekanntem bzw. fremd gewordenem Terrain wohlwollend zu begleiten.
Wichtige Bedingungen sind hier aber das Erkennen der Freiwilligkeit des Aussteigers und die akzeptierende und nicht bewertende Haltung des Beraters.
Für eine effektive Beratung von Sektenaussteigern, die aufgrund der Indoktrination in der Gruppierung oft sehr misstrauisch gegenüber anderen Menschen sind, sich als unverstandene und nicht ernstgenommene Aussenseiter fühlen, bedarf absolut detaillierter Kenntnisse über die Gruppierung durch den Berater und eventuell im Rahmen einer Kooperation mit einem Therapeuten auch dessen sektenspezifische Kompetenz.
 
 

Quellennachweis:
 

Fachtagung.
Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP)
„Psychomarkt - Sekten - Destruktive Kulte“ 1994

Werner Gross:
Kriterien zur Beurteilung von Destruktiven Kulten

Hansjörg Hemminger:
UNTERSCHEIDUNG –Was ist eine Sekte?

Hansjörg Hemminger:
Aktuelle Trends auf dem Sekten- und Psychomarkt

Colin Goldner:
Die Psychoszene

Gabriele Niebel/Reiner Hanewinkel:
Gutachten über Meditationstechniken

Steven Hassan:
Ausbruch aus dem Bann der Sekten –Psychologische Beratung für Betroffene und Angehörige

Hugo Stamm:
Sekten -Im Bann von Sucht und Macht

Joel Kramer & Diana Alstad:
Die Guru Papers -Masken der Macht

Friedrich-Wilhelm Haack:
Transzendentale Meditation

Friedrich-Wilhelm Haack:
Gabriele Witteks „Universelles Leben“
 
 
 

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