AGPF
AKTUELL III/89 vom 17.11.1989 Seite 15
GRASS-SEKTE:
POLITSEKTEN-INHABER
KLAGT UND NIMMT KLAGE ZURÜCK
Alois Grass, Inhaber des
"Missionswerkes Der Weg zu Jesus" (vgl. AGPF AKTUELL II/88 und III/88),
hat vor Gericht Klage erhoben gegen Adelgunde Mertensacker. Grass verlangte,
Frau Mertensacker solle es unterlassen, zu behaupten, 1. Das Missionswerk
'Der Weg zu Jesus' sei eine Politsekte, 2. Das Missionswerk 'Der Weg zu
Jesus' sei eine Jugendsekte und 3. Grass sei ein Betrüger, der sich
des Meineids, der Urkundenfälschung, des Diebstahls und der Verletzung
des Post- und Briefgeheimnisses schuldig gemacht hat. Letzteres hatte Frau
Mertensacker allerdings nie behauptet. Sie hatte sich vielmehr als Bundesvorsitzende
der Partei Christliche Mitte an die Mitglieder gewandt, in dem Frau Mertensacker
davor warnt, daß die Parteimitglieder "geradewegs in die Fänge
der äußerst gefährlichen Politsekte 'der Weg zu Jesus'
geführt" werden sollten: "Die beiden Sektengründer, Rüdiger
Gensing und Aloys Grass, bilden zusammen mit anderen Betrügern, die
sich des Meineids, der Urkundenfälschung, des Diebstahls und der Verletzung
des Post- und Briefgeheimnisses schuldig gemacht haben, den sog.
Bundesvorstand der Deutschen Zentrumspartei".
Anfang der 80ger Jahre war
Adelgunde Mertensacker Bundesvorsitzende der Deutschen Zentrumspartei.
Grass und Gensing versuchten, Parteiämter zu erringen, wurden jedoch
nicht gewählt. Damals war der Sektenhintergrund der beiden in der
Partei noch nicht bekannt. Anfang 1986 fand ein Seminar in der sekteneigenen
"Burg Steineck" statt. Teilnehmer hauptsächlich leitende Mitglieder
der Partei. Offenbar diente die Veranstaltung Grass für seinen parteiinternen
Wahlkampf. Adelgunde Mertensacker aber erkannte bei dieser Veranstaltung,
daß sie es mit Sektierern zu tun hatte, welche die Partei übernehmen
wollten. Der Bundesvorstand der Partei beschloß am 7.3.1986 das Ruhen
aller Parteiämter der Herren Grass und Gensing.
Grass' Tätigkeit als
Politiker ist der Öffentlichkeit heute noch genauso unbekannt, wie
bis vor garnicht langer Zeit seine Tätigkeit als Inhaber des Missionswerkes.
Frau Mertensacker hat später die Zentrumspartei verlassen, "auf Grund
erheblicher interner Meinungsverschiedenheiten, die sich u.a. auch auf
Grund ihrer Warnung vor den Sektenmitgliedern ergaben", so Schriftsatz
vom 6.10.89 an das LG Münster AZ 15 O 349/89. Sie gründete ihre
eigene Partei, Grass aber machte Karriere in der Zentrumspartei, stieg
in den Bundesvorstand auf.
Offenbar versucht Grass inzwischen,
Mitglieder der Zentrumspartei für das ihm gehörige Missionswerk
zu gewinnen. Umgekehrt ließ er seine als Schwestern verkleideten
Werbedamen -das "Missionswerk" ist eine GmbH, also ein Wirtschaftsunternehmen,
welches Grass gehört-, nicht nur auf dem CDU-Parteitag in Bremen auftreten,
sondern auch von Haus zu Haus gehen, um Unterschriften für die Zulassung
der Zentrumspartei zur Europawahl zu sammeln, so besagter Schriftsatz an
das Gericht.
Der Schriftsatz weiter:
"Ein weiteres politisches
Tätigkeitsfeld hat das Missionswerk des Klägers durch die, zumindest
geistige Beteiligung an dem Arbeitskreis Christlicher Publizisten aufgetan.
Zusammen mit dem Geschäftsführer des ACP, Herrn Heinz Matthias,
vermarktet das Missionswerk des Klägers (also des Aloys Grass, Anm.
der AGPF) führende Persönlichkeiten des öffentlichen
Lebens zur politischen und propagandistischen Aufwertung seines Missionswerkes.
Der Arbeitskreis christlicher Publizisten tritt an die Politiker
heran, mit der bewußten Täuschung über die Hintergründe
und Mitglieder des Arbeitskreises. Es wird bewußt versucht, die Namensähnlichkeit
mit dem bereits lange und honorig arbeitenden Arbeitskreis Katholischer
Publizisten auszunutzen. Es werden von dem ACP Politiker zu Gesprächen
mit dem Kläger (also Aloys Grass, AGPF) eingeladen und diese Auftritte
dann politisch und als Werbung für das Missionswerk ausgebeutet.
Als Beispiel fügen wir zunächst Zeitungsausrisse des ACP-Informationsdienstes
über einen Besuch des Bundesministers Blüm ... bei".
Wohl auf Grund dieses Schriftsatzes
hat Grass seine Klage zurückgenommen. Ob wirklich bewußte Täuschung
vorgenommen wurde, vermag die AGPF nicht nachzuprüfen. Aber ähnlich
formulierte die "Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln" v. 25.11.88:
"Verwechslungsgefahr. Offenbar
hat es Sekten-Chef Grass geschickt verstanden, mit seinem "Arbeitskreis
christlicher Publizisten e.V." ("ACP") Verwirrung zu stiften.
... Die "ACP" hat jedoch nichts mit der AKP, der Arbeitsgemeinschaft
katholischer Publizisten zu tun, in der seit 40 Jahren die Interessen der
Katholischen Presse wahrgenommen werden".
Grass hat in seiner Werbung
die Rechtsform des eingetragenen Vereins vorgetäuscht und auf angebliche
Gemeinnützigkeit hingewiesen, die es zu diesem Zeitpunkt nicht gab.
Die AGPF hat darauf am 15.6.1988 hingewiesen. In aller Stille hat Grass
offenbar deshalb nach diesem Hinweis durch die AGPF einen Verein gegründet,
weitab vom Hauptsitz seiner Missionsfirma. Name: "Missionswerk 'Der Weg
zu Jesus' e.V.", eingetragen beim Amtsgericht 2942 Jever unter der
Registernummer VR 395. Sitz des Vereins: Das "Haus Eckstein" in 2941 Schortens.
Es ist nicht auszuschließen, daß dieser Verein jetzt Spendenquittungen
für Spenden ausstellt, die in Wahrheit der Missions-GmbH zufließen.
Dann zahlt der Steuerzahler unfreiwillig mit. |