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Aberglaube: von harmlos bis lebensgefährlich
 
 
 

 
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Der Begriff

Dazu auch die EZW in  http://www.ekd.de/ezw/Lexikon_1917.php
und http://de.wikipedia.org/wiki/Aberglaube
 

"Aberglaube" ist ein Begriff der Umgangsprache ohne genau bestimmbare Bedeutung.
Der Sammelbegriff Aberglaube umfasst
 

Handlungen
 
 
 

Verbreitung

Die Meinungsforschungs-Firma Institut für Demoskopie Allensbach in ihrem Bericht 2005 / Nr. 7:

Einzelheiten: http://www.ifd-allensbach.de/news/prd_0507.html und http://www.ifd-allensbach.de/pdf/prd_0507.pdf

Dort ist auch aufgelistet, wieviele an was glauben.
 
 

Bücher

 

Stuart A. Vyse: Die Psychologie des Aberglaubens 
Birkhäuser 1999 

Vyse liefert selbst keine griffige Definition des Begriffes Aberglaube, stimmt aber weitgehend der von Judd Marmor von 1956 zu: 

Aberglaube: "Glaubenssätze oder Praktiken, die eigentlich unbegründet sind und dem Kenntnisstand nicht entsprechen, den die Gesellschaft, zu der man gehört, erreicht hat".
Vyse stellt fest, dass Aberglaube 
  • keine bedrohliche Bedeutung haben muss,
  • nicht von Furcht motiviert sein muss.

 

 
Hansjörg Hemminger: 
Was ist eigentlich Aberglaube? 

Aberglaube, das ist die Angst vor einem Hotelzimmer mit der Nummer 13, das sind Zukunftsvorhersagen aus den Karten, Glücksamulette aus dem okkulten Versandhandel und die Neigung, beim nächsten Verkaufsgespräch wieder die gelbgestreifte Krawatte zu tragen, mit der es beim letzten Mal geklappt hat. Die abergläubischen Praktiken sind kaum zu zählen, und dazu sind sie wandelbar.  

Einige Beispiele: 

  • Glückwünsche (Daumen halten, toi, toi, toi, Hals und Beinbruch)
  • Glücks- und Unglückstage (Freitag, der 13., Mondphasen)
  • Glücks- und Unglückszahlen (zum Beispiel die 7 und die 13)
  • Kettenbriefe (das Unterbrechen der Kette soll Unglück bringen)
  • Silvesterbräuche als Zukunftsvorhersage (Bleigießen etc.)
  • Namen und Bilder als Glücksbringer (zum Beispiel für Schiffe, Rennpferde)
  • Verhaltensrituale (auf die selbe Weise morgens Aufstehen, als Fußballer mit dem linken Fuß den Rasen betreten usw.)
  • Vorzeichen und Orakel (zerbrechendes Glas, Spiegel, Kaminkehrer kommt entgegen)
  • Bibelstechen
  • Kleidung und Wäschestücke von erfolgreichen Menschen 
  • Pflanzen und Tiere als Glücksbringer (vierblättriges Kleeblatt, Ferkel)
  • Personen als Glücksbringer (Kinder, Jungfrauen, Bucklige)
  • Talismane, Amulette, Maskottchen
  • Abwehrzeichen auf Türbalken oder Schwelle (Pentagramm, Drudenfuß),
Worin liegt die Gemeinsamkeit der vielen abergläubischen“ Praktiken? In einem 1998 erschienenen Lexikon  heißt es kurz und bündig: 
„Der Aberglaube ist subjektiv und steht im Widerspruch zu besserem Wissen seiner Zeit sowie zu einem mehrheitlich vertretenen Glauben und lässt sich meist auf Reste früherer Glaubens- und Verhaltensregeln zurückführen.“ 

Das Wort Aberglaube bezeichnet ein Verhältnis, das sich mit den Zeiten und Kulturen wandelt, nämlich das Verhältnis zwischen dem gültigen und erprobten Denken einerseits, und dem irrtümlichen oder gar verpönten Denken andererseits. Das Wort Aberglaube kommt vom mittelhochdeutschen abergloube und bedeutet wörtlich „falscher, entgegengesetzter Glaube“. Die altdeutsche Vorsilbe afar steht für „über, zu viel“. Aberglaube ist Glaube an etwas falsches, wie Aberwitz den falschen Anspruch bezeichnet, etwas zu wissen: Wer witzig ist, trifft das richtige, wer aberwitzig ist, macht sich lächerlich. Auf der anderen Seite stellt kein Wissen das letzte Wort in Sachen menschlicher Erkenntnis dar. Jede Kultur hat nicht nur ihre spezifischen Einsichten, sondern auch ihre spezifischen Irrtümer und Vorurteile – unsere nicht ausgenommen. Außerdem ist unsere plurale und globalisierte Kultur weltanschaulich nicht geschlossen. Es gibt nicht nur einen anerkannten Wissens- und Ideenbestand, sondern miteinander um Geltung ringende Bestände. Von daher hat sich das Spektrum des als „abergläubisch“ geltenden in den letzten ein bis zwei Jahrzehnten verändert. Esoterische Praktiken, die 1970 aus der Sicht der Mehrheit noch abergläubisch waren, werden heute in vielen Kreisen akzeptiert. Frauen, die sich als Hexen bezeichnen, schockieren in der Presse niemand mehr.  

Allerdings macht auch diese Entwicklung Unsinn nicht zu Sinn.  
Ein Beispiel ist die Angst vor Freitag, dem 13. Angeblich passieren an jedem 13. eines Monats, auf den auch noch ein Freitag fällt, mehr Verkehrsunfälle als sonst. Diese Meinung hält sich hartnäckig, obwohl die Statistik zeigt, dass das (berücksichtigt man Verkehrsdichte und Wetter) nicht stimmt. Falsch ist auch die Vermutung, dass der 13. besonders häufig ein Freitag sei. Auf einen Freitag fällt die „13“ so oft oder so selten wie auf jeden anderen Wochentag. Vielleicht entstand das Vorurteil gegen die 13 im Mittelalter, weil beim Letzten Abendmahl dreizehn Personen - Jesus und die Zwölf Apostel - zugegen waren. Denn die 12 galt in alten Hochkulturen als heilige Zahl, als Vollzahl und Symbol der Vollkommenheit. Entsprechend den zwölf Tierkreiszeichen teilte man das Jahr in zwölf Monate, den Tag in zweimal zwölf Stunden. In der Bibel stehen die zwölf Stämme Israels symbolisch für den heiligen Bund des Volks mit Gott, die zwölf Jünger Jesu folglich für den durch ihn gestifteten Neuen Bund. Wurde die Zahl zwölf überschritten, konnte es nicht mehr mit rechten Dingen zugehen. Eine andere Theorie hängt mit der früheren Verbreitung des Kartenspielens zusammen. Ein Spiel bestand aus vier Farben zu je 13 Karten. Verteilte man die 52 Karten auf vier Spieler, erhielt jeder 13 Karten. Die Spielleidenschaft brachte viele Bauern um Haus und Hof. Aus diesem Grund galt das Kartenspiel als „Gebetbuch des Teufels“. Der Freitag wiederum geriet nachweislich mit dem Christentum in Verruf als Tag, an dem Jesus gekreuzigt wurde. Zudem sollen Adam und Eva der Legende nach an einem Freitag in den Apfel vom Baum der Erkenntnis gebissen und damit die Sünde in die Welt gebracht haben. Bei Römern und Germanen gehörte der fünfte Tag der Woche noch der Liebesgöttin Freya und galt als Glückstag. 

Was hilft es, solche angebliche Unglückstage zu vermeiden? Was helfen Amulette und „toi, toi, toi“? Offensichtlich nichts, außer dass kurzfristig unsere ständig gegenwärtigen Ängste vor dem, was kommt, beschwichtigt werden. Aber dafür handelt man sich Abhängigkeit ein, nämlich die Abhängigkeit vor den abergläubischen Mittelchen und Vermeidungshandlungen. Der Zweck abergläubischen Verhaltens läuft immer auf Angstabbau hinaus, ob es um Glücks- und Erfolgstalismane geht, um Schutz vor eingebildeten oder echten Gefahren, um das Schädigen anderer Menschen usw. Dieser Zweck ist jedenfalls immer naheliegend und profan. Der Aberglaube hält sich an simple, verlässliche Beziehungen zwischen Ursache und Wirkung, er nimmt gerne die Form von Rezepten an. Solche abergläubischen Handlungen und Rituale gibt es auch im Bereich der christlichen Kirchen und Gemeinden – siehe das Bibelstechen. Aberglaube (mindestens die abergläubische Neigung) gehört zum Menschsein und entspringt aus den Nöten und Begrenzungen menschlichen Lebens. Der Aberglaube ist ein uralter, ein allgegenwärtiger Ausdruck der menschlichen Verlorenheit im Zerwürfnis mit sich selbst, mit seinen Mitmenschen und mit Gott. Diese Angst vor dem Leben lässt sich rein intellektuell, durch Aufklärung und Belehrung, nicht bannen. Das christliche Lebens muss ein Leben „gegen die Angst“ sein, wenn der Aberglaube überflüssig werden soll. Dann – und nur dann – treibt der Glaube den Aberglauben aus.

 
 

Werbung für "therapeutischen" Magnetschmuck ist unzulässig

Wer mit abergklauben Geschäfte macht, muss die Gesetze einhalten, die für das Geschäftsleben gelten.
Das gilt zum Beispiel auch für das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) - vgl. http://www.AGPF.de/UWG.htm
Ein Beispielsfall ist zu finden unter http://www.AGPF.de/Reiki.htm#Urteil
Hier ein weiterer Beispielsfall:
 
Aus: http://www.olg-hamm.nrw.de/ 


Die aktuelle Pressemitteilung 

14.07.2005 

                     Werbung für "therapeutischen" Magnetschmuck ist unzulässig 

In einer aktuellen Entscheidung hat der Wettbewerbssenat des Oberlandesgerichts Hamm einem Anbieter von mit Magneten ausgestatteten Schmuckstücken endgültig untersagt, unter Hinweis auf eine therapeutische Wirkung des Magnetschmucks Reklame zu machen. Der Senat hat damit einen anders lautenden Beschluss des Landgerichts Dortmund abgeändert. 

Zur Begründung hat der Fachsenat des Oberlandesgerichts ausgeführt: Die beanstandete Internetwerbung sei wettbewerbswidrig. Es werde mit ihr der Eindruck erweckt, dass der Schmuck auf natürliche Weise "therapeutisch" wirke, wenn man ihn dauernd trage. Damit werde suggeriert, dass es gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnis entspreche, dass hierdurch eine Gesundheitsförderung eintreten werde. Dieser Eindruck entspreche jedoch nicht den Tatsachen, da eine solche Wirkung von Magnetschmuck wissenschaftlich umstritten und keinesfalls bewiesen sei. Mit der Wirksamkeit einer Magnettherapie dürfe daher nur dann geworben werden, wenn gleichzeitig darauf hingewiesen werde, dass die therapeutische Wirkung fachlich umstritten sei. Überall dort, wo die Gesundheit in der Werbung ins Spiel gebracht werde, seien besonders strenge Anforderungen an die Richtigkeit, Eindeutigkeit und Klarheit der Werbeaussagen zu stellen. Dies habe seinen Grund darin, dass die Gesundheit in der Wertschätzung des Verbrauchers einen hohen Stellenwert habe und dass mit irreführenden gesundheitsbezogenen Werbeangaben erhebliche Gefahren für das hohe Schutzgut der Gesundheit der Bevölkerung verbunden sein könnten. 

Beschluss des Oberlandesgerichts Hamm vom 13.06.2005 - 4 W 70/05 - 

 
 



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