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Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/AAO.htm  Zuletzt bearbeitet am 15.9.2009 
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Otto Muehl: Wiener Kunstszene ehrt vorbestraften Sexguru
Die AAO Aktionsanalytische Organisation des Otto Mühl wurde aufgelöst, nachdem Otto Mühl wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger verurteilt wurde. Nach Strafverbüssung leugnet Mühl seine Schuld.
Wiener Kunstkreise, denen schon 1992 skandalöse Unterstützung Mühls vorzuwerfen war, haben 2004 eine Ausstellung veranstaltet.
 
 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:
 
 
 

Bücher:

 
 

Mühl-kritische Website 2004
 
Die Website RE-PORT.de bietet  
"Berichte über Otto Muehls Verbrechen und Hilfe für die Opfer".  

Rechts die Homepage, zum Vergrössern anklicken.  

Aus Anlass der Ausstelung in Wien stellt die Website zu Beginn die Frage:  
"Kindesmissbrauch und Vergewaltigung als Teil eines Lebenskunstwerkes"?

 
 
 

Bayerisches Fernsehen am 6.3.2004 in "Capriccio": Das Interview

Am 6.3.2004 berichtete das Bayerische Fernsehen  in der Kultursendung "Capriccio".
Sprecher: Ist Mühl also ein unverbesserlicher Kinderschänder?
Offenbar zu dieser Frage äusserte Mühl sich unmittelbar danach:
 
 
Ich bin kein Pädophiler.   
Ich stehe nicht auf Kinder.
Es ist vorgekommen,   
dass die Mädchen dreizehn waren   
oder dreizehneinhalb.
Aber sie hatten ihre Regel gehabt,   
sie waren reif. Und die wollten ...
 
Es ist nicht wahr,   
dass sie gezwungen wurden.
Und ich war nicht allein,   
es haben viele gemacht.
 
 
 
 
Der Spiegel 10/2004 vom 1.3.2004:  

"Anlässlich der Mühl-Schau im MAK, in der sie den Versuch einer Rehabilitierung des Künstlers sehen, melden sich nun zwei junge Frauen zu Wort, die neue Vorwürfe erheben: Mühl habe nicht nur, wie bislang bekannt war, Teenager missbraucht, sondern auch Kinder in jüngerem Alter.  
In eidesstattlichen Erklärungen schildern die beiden Opfer, wie Mühl sie als kleine Kinder zu sexuellen Handlungen gezwungen habe. Eine der Frauen, heute 29, sagt etwa aus, sie habe als Fünfjährige, umringt von der Führungsmannschaft der Kommune, Mühl sexuell befriedigen müssen."

 
 
 
 
 

Mühl 1972 bis 2004

Um 1972 gründete Mühl die AAO. 1988 wurde Strafanzeige wegen sexuellen Missbrauchs erstattet. 1991 wurde Mühl zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verteilt. Die Sekte wurde aufgelöst.

1992 hat die AGPF über die "skandalösen Unterstützung Mühls durch die Kunstszene" geschrieben.
Und zehn Jahre später 2002 hinzugefügt: "Diese Unterstützung hat sich nach Mühls Entlassung aus der Haft fortgesetzt. Mit großem Aufwand wurden seine künstlerischen Produkte der Öffentlichkeit vorgestellt. Von Unterstützung der Opfer ist nichts bekannt geworden."

2003 wurde bekannt, dass eine Mühl-Ausstellung vorbereitet wurde (>>). Proteste blieben ohne Wirkung.
Im März 2004 soll diese Ausstellung eröffnet werden.
Kurz vorher hat Mühl sich in einem Interview zu seiner Verurteilung geäussert (>>):

"Der Anwalt hat uns geraten, alles zu gestehen. Ich bin kein Kinderschänder. Das ist doch Blödsinn. Das waren alles entwickelte Mädchen ... Sie sind mehr Opfer der Auflösung der Kommune als Opfer der freien Sexualität."
Eine solche Wiederholung der Verhöhnung der Opfer und der Geschädigten durch den Täter war wohl zu erwarten und entspricht fast wortgleich dem, was Mühl damals sagte, bevor er sich zu einem Geständnis bequemte.

Selbstverständlich beruhte die Verurteilung nicht etwa auf Mühls Geständnis.
Sondern auf den vom Gericht festgestellten Tatsachen.
Mühls Geständnis hat allenfalls auf das Strafmass Einfluss gehabt und die Vernehmung vieler der Opfer vor Gericht erspart.
Zum Prozess lese man nach bei Andreas Schlothauer - http://www.AGPF.de/Schlothauer-AAO-Muehl.htm#172
Aus dem Plädoyer des Staatsanwaltes:

"Ich habe schon viele große Prozesse erlebt, aber noch in keinem hat mich das Schicksal der Opfer so bedrückt wie in diesem. Mühl hat Terror ausgeübt. Was ein KZ ist, wissen wir aus der Geschichte. Was die Mädchen am Friedrichshof mitmachen mußten, war genauso schrecklich. Otto Mühl hat mit Menschen experimentiert, er hat sie manipuliert. Er war als Künstler so sensibel, daß er zu wissen glaubte, wenn ein Mädchen 'nein' sagte, es tatsächlich 'ja' meinen müsse. Die Jugendlichen waren nicht freiwillig dort, er hatte ihnen die Eltern genommen und damit die Möglichkeit, die Kommune zu verlassen. Sie hatten keine Chance."
 
 

... und die Ableger

Frank Nordhausen und Liane von Billerbeck haben in ihrem Buch "Psycho-Sekten, Die Praktiken der Seelenfänger" 1997 auf 40 Seiten über Otto Mühl und einige derer berichtet, die ihm nachzueifern scheinen. Inbesondere haben die Autoren auf Mühls therapeutischen Anspruch hingewiesen (Zitat unten >>). Die Autoren berichten, wie sich dieser therapeutische Anspruch später in Deutschland verselbständigt hat.

Schlothauer berichtete schon 1992 über die Planungen des Mühl-Anhängers Dieter Duhm unter dem Namen ZEGG: "Es war der Versuch, die AAO gesellschaftsfähig zumachen, ihr den anrüchigen Ruf einer Sekte zu nehmen. ... Das ZEGG-Konzept wurde nie reailisiert".

Nordhausen schildert 1997, wie der das ZEGG-Konzept doch noch verwirklicht wurde. Und bis heute existiert.
Beiden war entgangen, dass die AGPF schon 1990 darüber berichtet hatte: ZEGG wurde auch ausdrücklich aufgeführt in einer Liste der Bundesregierung, Bundestags-Drucksache 13/4132 vom 15.03.1996 ZEGG hat seinen Sitz in Belzig in Brandenburg. Ein Ableger namens Tamera befindet sich in Colos/Beja in Portugal. In Portugal ist heute auch Otto Mühl ansässig, "wo er mit einer kleinen Gruppe von Erwachsenen und Kindern lebt" (>>), in der stadt oder der Provinz Faro, etwa 100 Kilometer entfernt von "Tamera". ZEGG hat stets behauptet, mit Otto Mühl und/oder der AAO nichts zu tun zu haben.
Das "Heilungsbiotop I" in Tamera warnt in seiner Website www.tamera.org: "Es werden immer wieder Falschmeldungen über unsere Arbeit verbreitet". Auskunftgeber:  Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels, die beide radikal-sexuelle Positionen vertreten.
 
 
 
 
Wer nimmt Rücksicht auf die minderjährigen Opfer des Straftäters? 

Zur neuen Ausstellung des MAK über den umstrittenen Künstler Otto Muehl - Ein Kommentar von Peter Pitzinger 

Anfang März 2004 eröffnet im MAK (Museum für angewandte Kunst) in Wien die Ausstellung „Otto Muehl. Leben / Kunst / Werk“, die bis 31. Mai geplant ist. Otto Muehl ist nicht irgendein Künstler, über dessen „Kunstwerke“ man zwar streiten kann, der ansonsten aber unauffällig ist. Denn Otto Muehl ist nicht nur in seiner Zeit als sogenannter „Wiener Aktionist“ mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten (Herabwürdigung religiöser Symbole, Erregung öffentliches Ärgernisses) sondern wurde als „Guru“ einer sektenähnlichen Kommune im Burgenland am 17. Juni 1991 verhaftet, wegen Unzucht mit Minderjährigen und anderer Delikte zu sieben Jahre Gefängnis verurteilt und hat diese Strafe auch abgesessen.   

Im Buch „Psycho-Sekten“ (von Frank Nordhausen, Fischer Verlag) schildern die Opfer des Otto Muehl ihre traumatischen Erlebnisse und das „System psychischen Terrors, wie es in der Kommune jahrelang bestand“. Schon 1988 hat das deutsche Magazin „Stern“ auf die Muehl-Sekte aufmerksam gemacht. Auf dem Höhepunkt seiner Macht herrschte Muehl über rund 700 Sektenanhänger, das Anwesen der Kommune im Burgenland und über 320 Hektar auf der Kanareninsel La Gomera. Was die Kommunenmitglieder eine Gemeinschaft ohne bürgerliche Zwänge nannten, sei in Wahrheit ein kriminelles Experiment, so der „Stern“. Sex mit minderjährigen Mädchen und Buben, verordneter Partnertausch mit „Ficklisten“ und das „Recht auf die erste Nacht“, das der brutale Anführer bei den blutjungen Kommunardinnen ausübe.   

In Österreich wurde Muehl schon damals – wie heute nach der Verurteilung – hofiert und mit Fördergelder der öffentlichen Hand überschüttet. Dazu verdienten seine Jünger gutes Geld als Versicherungskeiler und Börsenmakler. Erst 1988 fanden die ersten Aussteiger den Mut ihren Guru anzuzeigen. Den 13jährigen Mädchen wurde zugeredet mit Otto Muehl ins Bett zu steigen, denn schließlich steige man dann in der Sekten-Hierarchie und „Otto sei der geilste Mann auf der ganzen Welt“ berichtete ein Opfer dem Magazin „Der Spiegel“. Muehl entjungferte sie schließlich kurz nach ihrem vierzehnten Geburtstag.   

Hat der Künstler Muehl in den sechziger Jahren bloß öffentlich seine Notdurft als Kunstwerk verrichtet, so wurde in der Kommune eine andere Qualität erreicht: die Freiheit der Kunst trat in Konkurrenz mit dem Kindeswohl und den Grundrechten der Sektenmitglieder. Muehl bestimmte, wer Kinder haben durfte und wer nicht. Die 120 Kommunen-Kinder durften nie spielen, Aussteiger berichten auch von Schlägen und anderen Demütigungen. Nordhausen berichtet in seinem Buch, dass bereits wenige Wochen alte Säuglinge auf Befehl der Kommunenleitung den Müttern entrissen und einer Ersatzmutter übergeben wurden, damit sich nicht die schädliche Kleinfamilie, das Feindbild Nummer eins der Kommune, entwickeln kann. Der Nachwuchs sollte „frei von der Krankheit der Zweierbeziehung aufwachsen“.   

Kaum aus der Haft entlassen, wurde Otto Muehl wieder hofiert. Das Burgtheater stellte ihm eine Bühne zur Selbstdarstellung zur Verfügung und auch das MAK stellte damals schon Zeichnungen von ihm aus. Hans Rauscher bemerkte damals in einem Kommentar im „Der Standard“ richtig, dass Muehl seine Terrorherrschaft mit der Kunst und seinem Künstlertum legitimierte.   

Die Freiheit der Kunst kann aber – ebenso wenig wie die Religionsfreiheit – den sexuellen Missbrauch von Kindern und Minderjährigen niemals rechtfertigen. Muehl sieht auch keine Schuld, das hat er in den letzten Tagen mehrfach in Interviews bewiesen. Wird nun seine Kunst ausgestellt und bewundert, so dient das ihm persönlich und der staunenden Öffentlichkeit letztlich als Rechtfertigung seiner Lebenssicht und seiner künstlerisch verbrämten strafbaren Handlungen. Dies trifft umso mehr zu, als in seinen „Kunstwerken“ ja hauptsächlich sexuell perverse und aggressive frauenfeindliche Motive dominieren.   

Ein Mann, der sagt seine Opfer hätten ja schließlich Spaß an ihrem Missbrauch gehabt, ist widerwärtig. Einem solchen Mann darf keine weitere Bühne gegeben werden. Das verlangt der Opferschutz und der Anstand von uns.   

Mag. Peter Pitzinger   
NÖ Landesstelle für Sektenfragen im NÖ Familienreferat   
Landhausplatz 1   
3109 St. Pölten   

URL: http://www.kath.net/detail.php?id=7114   
Auf KATH.NET seit dem: 28. 02. 2004    11:43 Uhr   
© www.kath.net 

 
 
 
 
 
Der Standard 28.2.04  

Otto-Muehl-Schau ist schon Politikum 
Interview des Alt-Aktionisten lässt FPÖ Absage der MAK-Ausstellung fordern, SPÖ gegen Vermischung von Straftat und Kunst 

Wien - Auswirkungen zeigt ein Interview in der am Donnerstag erschienenen Wochenzeitung "Die Zeit" im Vorfeld der am 2. März im Museum für angewandte Kunst (MAK) startenden Otto Muehl-Ausstellung; die FPÖ fordert nun eine Absage: MAK-Direktor Peter Noever solle "aus Respekt vor den Opfern" Muehls die Schau absetzen, schreibt der freiheitliche Kultursprecher Eduard Mainoni am Freitag in einer Aussendung. Stattdessen solle "Muehls Opfern breiter Raum gegeben werden".   

Anstoß nimmt Mainoni vor allem an Muehls "problematischem Vorleben, insbesondere in Bezug auf seine sexuellen Kontakte mit Minderjährigen". Die Opfer würden noch immer unter den Vorkommnissen in der Friedrichshof-Kommune leiden, wo der Künstler "seine Neigungen ausgelebt habe": "Jene Menschen, die damals schwer traumatisiert worden sind, müssen es geradezu als Schlag ins Gesicht empfinden, wenn man Muehl jetzt offiziell feiert."   

Bei seiner Forderung gehe es nicht um eine Beschränkung der Freiheit der Kunst, so Mainoni: "Ob Muehl ein Künstler ist oder nicht, mag die Nachwelt entscheiden." Es gehe um den Respekt vor den Opfern. "Erschwerend" komme hinzu, dass der Künstler bis heute "auch nicht das geringste Anzeichen von Reue zeige", wie man in der jüngsten Ausgabe der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit" nachlesen könne. Gleichzeitig beschimpfe Muehl auch noch Österreich "auf das Derbste".   

SP gegen Absage   

"Die Ausstellung soll stattfinden": Die Kultursprecherin der SPÖ, Christine Muttonen, hat sich gegen die von der FPÖ geforderte Absage ausgesprochen. "Die Straftaten Otto Muehls sind die eine Seite, die Kunst eine andere. Das darf man nicht vermischen, und ich sehe auch keinen Grund, diese zwei Seiten zu vermischen", so Muttonen am Rande einer Pressekonferenz. Der von der FPÖ geforderte "breite Raum" für die "Opfer Muehls" solle in den Begleitveranstaltungen zur Ausstellung geboten werden, so Muttonen weiter.   

NÖ-Sektenbeauftragter gegen "Guru"   

Kritik an der Ausstellung übt auch der Familienreferent und Sektenbeauftragte des Amtes der NÖ Landesregierung, Peter Pitzinger, in einer Aussendung. Otto Mühl sei "nicht irgendein Künstler, über dessen 'Kunstwerke' man zwar streiten kann, der ansonsten aber unauffällig ist". Er sei "nicht nur in seiner Zeit als so genannter 'Wiener Aktionist' mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten", sondern auch "als 'Guru' einer sektenähnlichen Kommune" verhaftet und wegen Unzucht mit Minderjährigen und anderer Delikte zu sieben Jahre Gefängnis verurteilt worden. "Wird nun seine Kunst ausgestellt und bewundert, so dient das ihm persönlich und der staunenden Öffentlichkeit letztlich als Rechtfertigung seiner Lebenssicht und seiner künstlerisch verbrämten strafbaren Handlungen", so Pitzinger. Dies treffe umso mehr zu, "als in seinen 'Kunstwerken' ja hauptsächlich sexuell perverse und aggressive frauenfeindliche Motive dominieren. Ein Mann, der sagt seine Opfer hätten ja schließlich Spaß an ihrem Missbrauch gehabt, ist widerwärtig. Einem solchen Mann darf keine weitere Bühne gegeben werden. Das verlangt der Opferschutz und der Anstand von uns." (APA)   

A propos   
Vielfältige Schreibweisen des Namens von Aktionskünstler Otto Mühl kursieren derzeit durch Ausstellungskataloge und Medien. "Alles ist möglich", erklärte Miriam Charim, Leiterin der Wiener Galerie Charim: "Er benutzt selber verschiedene Schreibweisen." In aktuellen Ausstellungskatalogen des MAK und MUMOK schreibt man Muehl, in der Galerie Charim bleibt man bei Mühl. Der Künstler selbst bevorzugt sowohl bei seinem Namen als auch in Fließtexten Kleinbuchstaben in beiden Varianten.

 
 
 

Mühl: "Ich bin doch kein Kinderschänder"
 
Der Standard 25.2.04  

Otto Muehls Österreich-Beschimpfung 
Der in Portugal lebende österreichische Alt-Aktionist zieht in einem "Zeit"-Interview verbal vom Leder 

Wien/Hamburg - Kommende Woche wird im Wiener MAK die Ausstellung "Otto Muehl. Leben / Kunst / Werk. Aktion Utopie Malerei 1960-2004" eröffnet. Ob der Aktionskünstler und Kommune-Gründer persönlich zur Eröffnung kommen wird, steht auf Grund einer Parkinson-Erkrankung noch nicht fest. Mit polemischen Tönen erfreut er aus der Ferne in einem Interview in der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit": "Die Österreicher sind alle Idioten. Ein Drittel Nazi. Die Ewiggestrigen. Wirklich ein komisches Land. Ich krieg geradezu einen Ekel. Österreicher zu sein ist eine Beleidigung."   

"In Österreich erlebe ich nur noch alpine Verkrüppelung: Haider, das Volkstanzen, die weißen Stutzen, die Lederhosen, das Jodeln, das wird immer nur noch schlimmer. Und der Schüssel! Das ist widerlich. Alles. Alles!! Alles!!!" schimpft der Künstler in dem Gespräch, das im portugiesischen Faro geführt wurde, wo er mit einer kleinen Gruppe von Erwachsenen und Kindern lebt.   

Auf die Frage, "wie viel Österreich" in seiner Kunst wäre, antwortet Muehl: "Gar nichts." Er wäre lieber Franzose als Österreicher. "In Wien gibt's doch gar keine interessanten Leute mehr. Sind doch alle emigriert. Freud wollte auch kein Österreicher sein. Ich komme mir vor wie ein Jude. Geistiger Jude."   

Sein Kommunen-Experiment wäre unter anderem an der Expansion gescheitert: "Am Ende waren wir 700 Leute. Das war ein schwerer Fehler. Dass alles zugrunde gegangen ist, ist auch meine Schuld. Wir hätten klein bleiben müssen. Wie jetzt hier in Portugal."   

Sechseinhalb Jahre Haft hat der u. a. wegen sexuellen Missbrauchs Verurteilte abgesessen. Den Vergewaltigungsvorwurf bestreitet er: "Der Anwalt hat uns geraten, alles zu gestehen. Ich bin kein Kinderschänder. Das ist doch Blödsinn. Das waren alles entwickelte Mädchen (...) Mir tut es leid, dass sie alle so zerstört worden sind. Sie sind mehr Opfer der Auflösung der Kommune als Opfer der freien Sexualität."   

In den Geschichtsbüchern solle einmal über ihn stehen, "dass ich ein extremer Mensch war. Und deshalb auch angegriffen wurde", so Mühl. (APA) 

 
 
 
Spiegel 29/2003 vom 14.7.2003   
Kultur   
KÜNSTLER   

Schrecken der Kommune 

Bildunterschrift: Aktionskünstler Muehl mit Ehefrau Claudia (1998)   

Österreichs Museumsszene ist an Skandalgeschrei gewohnt. Doch nun bahnt sich ein Kunstkrieg mit kriminellem Hintergrund an: Im Herbst will das Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) den umstrittenen Aktionskünstler Otto Muehl, 77, der heute in einer Kommune in Portugal lebt, mit einer Schau feiern. Einen Schwerpunkt soll die „Kommune Friedrichshof" bilden, die Ex-Lehrer Muehl 1972 gegründet hatte. Diese Riesen-WG mit zeitweise über 500 Bewohnern, darunter vielen Kindern, war erst im Burgenland, später auch auf Gomera angesiedelt - und hier wie dort verrufen. Dass nun Protestbriefe eintreffen, kann die Ausstellungsmacher kaum überraschen. Guru Muehl war 1991 wegen seines Treibens in der Kommune, vor allem wegen Beischlafs mit Unmündigen und Vergewaltigung, zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Mit "zm Teil unveröffentlichten Fotos" solle an die legendäre Kommune erinnert werden, die Muehl mit "wegweisenden Aktionen" eingeleitet habe. Derzeit gehe eine "Flut von wütenden Briefen" früherer Kommunarden und heutiger Muehl-Gegner ein, bestätigt Barbara Horvath, Kuratorin im MAK. Nun werde überlegt, dem "Aspekt Friedrichshof" weniger Platz einzuräumen. Womöglich ändere man auch den "missverständlichen Titel" - noch lautet er: "Otto Muehl. Das Leben ein Kunstwerk".   

Bildunterschrift. Muehl (1969)

 
 

Das Buch zum Thema:

Andreas Schlothauer:

Die Diktatur der freien Sexualität
AAO, Mühl-Kommune, Friedrichshof
Verlag für Gesellschaftskritik, Wien, 1992, 220 S. ISBN 3-85115-157-7
Das Buch ist nicht mehr im Handel.
Internet-Version unter:
Andreas Schlothauer: DIE DIKTATUR DER FREIEN SEXUALITÄT. AAO, Mühl-Kommune, Friedrichshof. Das einzige Buch über Otto Muehl, seine Kommune und deren Ende. Vollständige Internet-Ausgabe
 
 
 
 
 
 
Frank Nordhausen und Liane von Billerbeck "Psycho-Sekten, Die Praktiken der Seelenfänger", 1997, Seite 189 f. 

»Hot Seat« (»Heißer Stuhl«), »Psychodrama« und »Urschrei« hießen die therapeutischen Techniken, die Otto Mühl zu einem schauspielähnlichen Unterwerfungsakt »verfeinert« hatte, in dem sämtliche Scham- und Tabugrenzen - die »Inzestschranke« - radikal durchbrochen wurden. Ziel des infernalischen Ritus war ein »psychophysischer Orgasmus«, der zu einer »echten Wiedergeburt« führen sollte. Dazu klimperte der Grobian auf dem Klavier oder knetete und prügelte auf den armen Probanden herum, wobei auch mal eine Rippe zu Bruch ging (»Watschenanalyse«). Am Ende stand die zerstörte Identität - um eine neue zu bekommen. Otto Mühl: »Das AA-Bewußtsein ist eine Qualität, über die auch der fortschrittlichste und tüchtigste Kleinfamilienmensch nicht verfügt. Er steht, sobald er mit der Lebenspraxis der AA beginnt, hilflos da und merkt seine existentielle Impotenz. Er beginnt mit der Bewußtseinsstufe Null.«56 Wie die Opfer auf Null gestellt wurden, schilderte die Berliner Zeitschrift »Zitty« im Jahr 1981. Ihr Reporter berichtete von einem Selbstdarstellungsabend, bei dem eine Abgesandte vom Friedrichshof in Berlin neue Jünger selektierte:  

»Willkürlich werden einzelne in die Mitte zitiert, ausgefragt und nach allen Regeln der Kunst beschimpft. >Gib's zu, Du willst doch nur die Weiber ficken!< brüllt Therese die hochroten Gesichter an. Dann müssen sie nachbrüllen, lauter, noch lauter. (...) In das Spektakel werden Musik, Tanz und Menschen so geschickt einbezogen, daß die >0pfer< in Trance-ähnliche Zustände verfallen. Und noch etwas anderes geschieht: Niemand aus der Gruppe wagt mehr, Therese den leisesten Widerstand entgegenzusetzen. Nur die >Langhaarigen< unter den Männern, am heftigsten beschimpft und zum Haareschneiden genötigt, bleiben in diesem Punkt noch >trotzig< -nicht mehr lange. Bald fallen bei den ersten die Haare, sie halten dem Druck nicht mehr stand.«57  

»Man gab das selbständige Denken auf«, sagte eine Ex-Kommunardin über die Totaltherapie.58 Und man lernte, dem Leiter zu gehorchen. Die wimmernden »Dreckhaufen« behandelte Mühl nach seinem Gusto. Er bestimmte, wer »geschädigt« war oder schon ein »Mensch«. Mit Kritik oder Lob legte er fest, wer in der Gruppe oben und wer unten stand. Der schlaue Guru selbst ging so gut wie nie in die Mitte, denn er war ja durch »jahrelange Selbsttherapie als Aktionist« bereits »gesünder« als die anderen und brauchte demnach »kein Geburtserlebnis« mehr.59 Für alle anderen aber galt: Das Licht am Ende des Geburtskanals hieß Otto Mühl. Nur er zählte. Und seine Predigt von der »spannungsfreien« Genitalität. In einem nie abreißenden Redeschwall ließ sich der besessene Erotomane vorzugsweise über sein Lieblingsthema aus: »Ich habe Weiber gerne, die naß werden durch bloßes Anschauen. Hier gibt es dann nicht mehr das ermüdende Vorspiel, das ein kalter Dieselmotor braucht, um fickreif zu sein.«60 Wie aus einem Mund antworteten die Jünger: »Toll! Supi! Irre doll! Wow!«  

Mühls obszöne Macho-Sprüche galten als Hochamt der »freien Sexualität« und wurden von den Anhängern willig nachgebetet. Damit keine »schädliche Zweierbeziehung« entstand, mußten die Kommunarden jeden Tag den Partner wechseln. Der Erfolg wurde dann in einem Tribunal namens »Sexpalaver« überprüft. »Alle paar Wochen wurde in einer gemeinsamen Gruppensitzung die sexuellen Verhaltensweisen jedes einzelnen untersucht und auf Linientreue abgeklopft«, schreibt Andreas Schlothauser. Wer den Koitus länger als dreißig Minuten ausübte, war schon verdächtig, eine »intime Zweierbeziehung« zu unterhalten; wer sich der »freien Sexualität« entzog, galt als krank und kam aufs »Palaver«, denn »Geilheit« war das wichtigste Kennzeichen des »neuen Menschen«.  

»Diese Palaver waren häufig wie Hexenprozesse«, bezeugt eine ehemalige Kommunardin. »Das Intimste und Privateste wurde hervorgepreßt. Versagen und Fehl verhalten öffentlich verurteilt. Eine Hierarchie der geilsten Männer und Frauen eingeteilt. Nach den Palavern gaben die meisten ihr Bestes, um die neu unterrichteten Praktiken, Sätze, Geräusche und Stellungen umzusetzen.«61 Der Leistungsdruck der »freien Liebe« ließ jedoch häufig die Schwellkörper erschlaffen. Und die Frauen konkurrierten vor allem darum, mit »Otto«, nach eigenen Worten »der einzige echte Mann der Bewegung«62, ins Bett gehen zu dürfen.

 
 
 



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